Warum soll die UNO es als ihre Pflicht betrachten den Islam vor Kritik in Schutz zu nehmen?

Ibn Warraq, Jihad Watch, 4. Mai 2022

Vortrag bei der siebten Inarah-Konferenz in Trier, Deutschland, 4. Mai 2022:

Guten Tag, willkommen bei der siebten Inarah-Konferenz. Mein Name ist Ibn Warraq. Ich spielte, wie Dr. Markus Gross angab, einen bescheidenen Teil dabei das Inarah-Institut und der begleitenden Inarah-Konferenzen zu gründen. Ich füchte, einige von Ihnen dürften jetzt einen unwiderstehlichen Drang verspüren dem Ausgang zuzueilen, weil es, um es mit den Worten von Lady Caroline Lamb gegenüber Lord Byron zu sagen, „verrückt, böse und gefährlich ist mich zu kennen“.

Der 15. März wurde von der UNO als der offizielle Tag zur Bekämpfung der sogenannten Islamophobie festgelegt. Obwohl Christen in Nordkorea, Afghanistan, Somalia, Libyen, Pakistan, Eritrea, dem Jemen, dem Iran, Nigeria und Indien verfolgt werden, gibt es keinen solchen Tag zur Bekämpfung von Christenphobie. Tatsächlich gibt es das Wort „Christenphobie“ überhaupt nicht, während „Islamophobie“ in alle Wörterbüchern europäischer Sprachen Einzug gehalten hat. Laut Vatican News[1] „werden jeden Tag 13 Christen wegen ihres Glaubens getötet. Ich möchte nicht mit Zahlen handeln, Zahlen, die natürlich verifiziert werden sollten und immer offen für Disput und Überarbetiung sind; das ist nicht mein Hauptpunkt. Was ich infrage stellen möchte: Warum sollte die UNO es als ihre Pflicht betrachten den Islam vor Kritik und Muslime vor physischer Gewalt zu schützen, aber keine andere Religionsgruppe?

Wir sind Zeugen eines außergewöhnlichen Augenblicks in der Geschichte der islamischen Ländereien. Ein historischer Moment, in dem ich versuchte mein neuestes Buch, Leaving the Allah Delusion Behind. Atheism and Freethought in Islam [Die Täuschung Allah hinter sich lassen: Atheismus und freies Denken im Islam], zu schreiben.

Wir können es uns nicht leisten die tiefgehenden Folgen des Aufstiegs des Atheismus in der islamischen Welt zu ignorieren. Diese weitgehend, wenn auch nicht ausschließlich jungen Atheisten können nicht als eine Art randständige Fanatiker ungebildeter Rebellen abgetan werden. Die Mitglieder atheistischen Facebook-Gruppen in fast allen islamischen Ländern sind alle internetversiert und kennen sich in den islamischen Wissenschaften (Korna, Sira, Hadithe, Tafsir usw.) gut aus, ausgebildet mit einem Wissen in Naturwissenschaften der Physik, Chemie, Geologie und Biologie. Sie sind sich der breiteren Folgen der Evolutionstheorie und der materialistischen Konsequenzen der kosmologischen Theorien der Ursprünge des Universums durchaus bewusst. Sie sind damit gut platziert, um die Dogmen der Religion kritisch zu untersuchen, mit der sie in einem extrem jungen Alter zwangsgefüttert wurden. Ihre Selbstbefreiung ist eine Leistung, die daher umso bemerkenswerter ist, weil sie nicht nur einen aufmerksamen Geist erfordert, sondern extremen Mut, weil Atheismus in vielen islamischen Ländern immer noch mit dem Tod bestraft wird. Ihre kritischen, fragenden Köpfe bewundern die wissenschaftlichen Leistungen des Westens. Als Ganzes haben sie keinen ideologischen Grund den Westen zu hassen, anders als die Terroristen und die Islamische Republik Iran. Die ideologische Grundlage des Konflikts im Nahen Osten wird oft heruntergespielt, uns stattdessen gesagt, es ginge nur „um Öl“ oder „Armut“ oder „amerikanischen Imperialismus“. Es sind der Islam und seine Ideologie, die für islamischen Terrorismus verantwortlich sind. Damit sollten Ex-Muslime als Verbündete gesehen werden, die es zu pflegen gilt, sie nicht als „Islamophobe“ abgetan werden.

Anfang 2019 versuchte in Großbritannien eine parlamentarische Allparteien-Gruppe (APPG) britischer Muslime, eine überparteiliche Formation von rund zwei Dutzend Abgeordneten des britischen Unterhauses, die Definition für Islamophobie in rassischen statt religiösen Begriffen zu institutionalisieren. Die APPG schlug in einem Bericht vom November 2018 mit dem Titel „Islamophobia Defined“ den folgenden Satz als Definition für Islamophobie vor: „Islamophobie wurzelt in Rassismus und ist eine Form des Rassismus, der sich gegen Bekundungen des Muslim seins oder wahrgenommenen Muslim seins richtet.“ Der Definition, das Ergebnis von sechs Monaten Konsultationen, wurde von hunderten muslimischen Organisationen, vom Londoner Bürgermeister Sadiq Khan sowie mehreren politischen Parteien beigepflichtet, darunter Labour, die Liberaldemokraten und die schottischen Konservativen. Das britische Magazin Spectator schrieb: „Es gibt breite öffentliche Unterstützung für freie Meinungsäußerung und sie wird wahrscheinlich nicht durch einen Parlamentsakt beendet, aber sie kann Stückchen für Stückchen abgegraben werden. Die APPG-Definition für Islamophobie offiziell anzuerkennen wird ein gigantische Schritt hin zu einem Willkür-Polizeistaat sein.“ Es handelt sich für Millionen Es-Muslime aus unterschiedlichen ethnischen Gemeinschaften eine Beleidigung, die einen Reihe von Überzeugungen, Ritualen und Riten ablehnen und eine Ideologie anzweifeln. Wie können sie des Rassismus beschuldigt werden? Der Islam ist keine Rasse.

Das Oxford English Dictionary definiert „phobia“ [Phobie] als „Angst, Grauen oder Ekel, besonders krankhaften Charakters. In der Psychologie eine abnormale und irrationale Angst oder Furcht, die von einem bestimmten Objekt oder Umstand verursacht ist.“ Es scheint mir jedoch eine perfekt rational, gesund und normal zu sein Angst vor einer Ideologie zu haben, die wahrscheinlich meine Freiheiten einschränkt oder abschafft, wenn sie vorherrscht. Wäre ich schwul, lesbisch, transgender oder Nichtgläubiger oder einfach nur eine Frau, sollte ich mehr als alarmiert sein. Ich müsste Angst vor dem Gedanken haben, dass der Islam zur Religion des Staates wird, in dem ich lebe. Ich würde den Islam mit aller Macht bekämpfen. Als Satz an Ideen, als Ideologie ist der Islam vogelfrei; man ist moralisch verpflichtet seine Überzeugungen und Prinzipien zu kritisieren. Wir gehen nicht gegen Individuen vor, gegen individuelle Muslime; Fakt ist, die meisten Ex-Muslime haben enge Verwandte  und Familienmitglieder, die muslimisch bleiben. Weit davon entfernt für Fanatismus einzutreten, unterscheiden wir klar zwischen Muslimen und Islam. Der Islam ist wie jede andere Religionen vogelfrei gegenüber Kritik, Verspottung usw. Es wäre schlüssiger einen neuen Begriff zu prägen, vielleicht MISOISLAMISCH, „hassen, was islamisch ist“. Das Oxford English Dictionary gibt „misokatholisch“ und „hassen, was (römisch-) katholisch ist“ an. Das Präfix „miso“ kommt vom griechischen Wort für Hass und ist zum Beispiel in misantropisch, Misogamie, Misogynie, Misologie zu finden. In der Geschichte des Westens werden die, die verschiedene Aspekte des Christentums kritisiert haben, bewundert, als Kulturhelden verehrt und als Philosophen bejubelt, die für die Säkularisierung des Westens verantwortlich sind – von Spinoza bis Camus. Sie werden nicht als „christenphobisch“ etikettiert oder abgetan.

Kurz nach dem 11. Septembe 2021 veröffentlichte das britische Zweiwochenblatt The New Statesman einen Artikel von Martin Bright, der provokativ mit „Der große Betrugstrick des Islam“ überschrieben war. Bright zählte die vertrauten Theorien der Revisionisten auf, die sich auf die Arbeit von John Wansbrough von der School of African and Oriental Studies (SOAS) und die von ihm beeinflussten Forscher wie Patricia Rone, Michael Cool, Andrew Rippin und Gerald Hawting konzentrieren. Der Artikel hatte viele Leserbriefe zur Folge und sechs davon wurden in der Folgewoche [17. Dezember 2001] veröffentlicht. Der längste kam von Patricia Cone; sie schrieb: „Moderne Historiker sind nicht an der Wahrheit und Falschheit der Religion interessiert, die sie studieren. Sie studieren Religionen als historische Faktoren, die von ihrem Umfeld geformt wurden und auf die sie zurückwirken, ganz so, wie Wissenschaftler die Bildung von Staubwolken oder die Evolution von Pflanzen studieren. Religiöse Überzeugungen formen die Welt, mit der sie interagieren, ob die sie studierende Person sie nun zufällig teil oder nicht; alles Wichtige ist, was sie damals bedeuteten, nicht was sie heute bedeuten.“ Etwas weiter fährt Crone fort: „Historiker haben kein Interesse daran das muslimische Haus zum Einsturz zu bringen, das könnten sie auch nicht, selbst wenn sie es versuchen würden. Religion gehört nicht in den Bereich, der von Forschung und Wissenschaft bewiesen oder widerlegt werden kann.“

Michael Cook, Crones einmaliger Kollege und Coautor von Hagarism, schrieb auch an das Magazin. Hier ist der volle Text seines Briefs: „Es stimmt absolut, dass einige der verschiedenen akademischen Theorien zu den Ursprüngen des Islam radikal sind. Aber es wäre falsch nahezulegen, dass sie den traditionellen islamischen Bericht zu den Anfängen der Religion als falsch ‚beweisen‘. Das tun sie nicht. Genauso beweisen meines Wissens die im Jemen gefundenen frühen koranischen Fragmente nichts Derartiges. Sie sind für Experten spannend, sie streuen ein paar Äpfel über das Pflaster, aber sie bringen den Apfelkarren nicht durcheinander. Auf jeden Fall ist es schwer zu erkennen, warum akademische Theorien zu den Ursprüngen des Islam irgendwie ‚verheerender‘ sein sollen als Theorien über Jesus es für die Christenheit gewesen sind. Akademische Arbeiten beleben gelegentlich die Hallen des Lernens, richten aber Weltreligionen nicht zugrunde. Sie spielen nicht in derselben Liga.“

Die Anmerkungen von Cook und Crone sind gelinde gesagt irreführend. Erstens scheint Crone zu impliziseren, dass alle Historiker nur historische Religionssoziologie betreiben, erforschen, was sie für Muslime bedeutete und wie Muslime ihre eigenen Religion betrachteten und erfuhren und dass sie nicht an der Wahrheit und Unwahrheit der untersuchten Religion interessiert sind. Das beschreibt nicht nur die Arbeit aller Historiker nicht, sondern es beschreibt nicht einmal ihre eigene. In Hagarism [1977], das von Michel Cook mit geschrieben wurde, in den mit Martin Hinds geschriebenen Slaves on Horses [1980] und God’s Caliph [1986], in Roman Provincial and Islamic Law [1987], Meccan Trade and the Rise of Islam [1987] zweifelte Crone die akzeptierten Ansichten zum frühen Islam an. Mit Hagarism z.B. sprengten Cook und Crone den „akademischen Konsens und zerstörten die Rücksicht  auf die muslimische Sicht der Dinge, womit sie es ermöglichten radikale Alternativhypothesen zu den Ursprüngen des Islam vorzuschlagen“; mit anderen Worten: alternative Darstellungen dessen, was tatsächlich geschah. Cook und Crone lehnten die islamische Tradition eindeutig ab.

Zweitens implizieren Cook und Crone, dass akademische Forschung keine Folgen für die Religion oder den Gläubigen hat, aber sie selbst sahen deutlich die Folgen ihrer eigenen wissenschaftlichen Arbeit, denn sie geben im Vorwort zu Hagarism zu, dass „uns“ ohne „dem skeptischen Ansatz von Dr. John Wansbrough zu der Historizität der islamischen Tradition“ ausgesetzt zu sein „… die in diesem Buch dargelegte Theorie der Ursprünge des Islam niemals in den Sinn gekommen wäre“ (S. viii) und dass diese Herangehensweise sie zu einer Theorie brachte, die „keine ist, die irgendein Muslim akzeptieren kann: Nicht, weil es irgendwie die historische Rolle Mohammeds herabsetzt, sondern weil es ihn in einer Rolle repräsentiert, die sich sehr von der unterscheidet, die er in der islamischen Tradition eingenommen hat. Es handelt sich um ein Buch, das von Ungläubigen für Ungläubige geschrieben wurde und auf dem gründet, was aus jeglicher muslimischer Perspektive eine übermäßige Aufmerksamkeit für die Zeugenaussagen ungläubiger Quellen erscheinen muss“ (S. vi-viii). Warum die Zuflucht in „ungläubige Quellen“, heißt die nichtmuslimischen Historiker der Zeit der islamischen Eroberungen? Ihre Antwort: „Praktisch alle Berichte aus der frühen Entwicklung des Islam nehmen es als axiomiatisch, dass es möglich ist, mindestens die Umrisse des Prozesses islamischer Quellen zu entnehmen. Es ist jedoch durchaus bekannt, dass diese Quellen nachweislich nicht früh sind. Es gibt keine eindeutigen Beweise für die Existenz des Korans in welcher Form auch immer vor dem letzten Jahrzehnt des siebten Jahrhunderts gibt und die Tradition, die diese eher unverständliche Tradition in ihrerm historischen Kontext nicht vor Mitte des achten Jahrhunderts stattfand. Die Geschichtlichkeit der islamischen Tradition ist damit zu einem gewissen Grad problematisch: Während es keine stichhaltigen internen Grundlagen für eine Ablehnung gibt, gibt es genauso wenig überzeugende externe Grundlagen dafür sie anzuerkennen. Unter diesen Umständen ist es nicht unangemessen in der üblichen Art fortzufahren, eine vernünftig bearbeitete Version der Tradition als historische Tatsache vorzulegen. … Die einzige Möglichkeit aus diesem Dilemma herauszukommen besteht daher darin, sich komplett außerhalb der islamischen Tradition zu stellen und neu anzufangen“ (S. 3).

Was für ein außergewöhnliches Bekenntnis: Eine Geschichte, „die von Ungläubigen für Ungläubige geschrieben ist“. Was um Himmels willen heißt das? Meinen sie, Muslime sollten das nicht lesen? Warum? Weil der Bericht in Hagarism nicht wahr ist? Oder einfacher gesagt: Sie glauben, er ist wahr, aber es handelt sich um einen Bericht, den kein Muslim akzeptabel finden wird? Sind Muslime nicht in der Lage die Wahrheit zu akzeptieren? Müssen Muslime immer vor der Wahrheit geschützt werden? Warum ist ihr Zartgefühl wichter als, sagen wir, das von Christen oder Juden? Was ist mit Clio, die in der griechischen Mythologie eine der neun Musen und die Patronin der Geschichte war? Was ist mit objektiver Wahrheit?

Ohne Cook und Crone zu nahe treten zu wollen, sind diese Konsequenzen in der Tat „vernichtend“. Jede Forschung, die Zweifel auf die traditionelle muslimische Darstellung des Korans, den Aufstieg des Islam und das Leben Mohammeds wirft, ist für Muslime komplett inakzeptabel. Die beiden letzten Briefe offenbaren die enorme Kluft zwischen den Einstellungen der Erforschung von Islam und Christenheit. Der vorletzte Briefschreiber, Robin Oakley-Hill, merkte an: „Es ist kaum fair westliche Koranforschung als neokolonial zu bezeichnen, da westliche Akademiker das Christentum weit rigoroserer, regelmäßig destruktiver Prüfung unterzogen wird … Vielleicht könnte der Islam einen [Papst] Johannes XXII. und etwas Befreiungstheologie gebrauchen.“

Oakley-Hills Argument wurde von John Wansbrough höchstselbst mehr als 30 Jahre früher vorgetragen:

„Der Koran ist als für Analyse durch die Instrumente und Techniken der Bibelkritik anfälliges Dokument praktisch unbekannt. Die dogmatischen Hindernisse, die traditionell solche Untersuchungen behindert haben, sind andererseits bestens bekannt. Nicht nur Dogmen wie diejenigen, die heilige Schriften als von Gott geschaffenes Wort zu definieren und seine formelle und stichhaltige Einzigartigkeit zuzugeben, sondern auch der gesamte Korpus islamischer Historiografie bieten einen mehr oder weniger einheitlichen und plausiblen Bericht zu den Umständen der Offenbarung des Korans und haben vor der Untersuchung des Dokuments als repräsentativ für einen traditionellen Typ von Literatur abgeschreckt.“

Der letze Leserbrief des New Statesman kam von einem christlichen Geistlichen und offenbart eindeutig, dass die Christenheit nicht nur die Lektion aus der Aufklärung, sondern auch die Bibelkritik gelernt hat. Reverend Richard Craig schrieb: „Trotz der riesigen Fortschritte in der Bibelforschung kann Ann Widdicombe [ein konservatives Mitglied des britischen Parlaments] immer in ihrer Rezentsion [des Buchs] Mary: The Unauthorized Biography [Maria: Die nicht autorisierte Biografie] behaupten, dass das Evangelium des Johannes ein Augenzeugenbericht des Lebens Christi ist. Die meisten Forscher lehnen eine solche Sicht ab. Martin Brights Bericht ist willkommener Beleg, dass akademische Untersuchung der Ursprünge des Islam den langen und schmerzlichen Weg beginnt, den die Erforschung unserer heiligen Texte durch christliche Theologen beschritten hat. Widdicombes Anerkennung der schriftgläubigen Sicht der Evangelien ist bei von vielen in Kirchenbänken Sitzenden weit verbreitet, obwohl die Geistlichen seit mehr als 50 Jahren anderes gelehrt wird.“

Cook behauptet in seinem Brief auch, dass die Koranfragmente aus dem Jemen nicht viel „beweisen“. Das tun sie aber. Wie Gerd Puin gegenüber Toby lester sagte: „So viele Muslime haben diese Überzeugung, dass alles zwischen den beiden Buchdeckeln des Korans einfach Gottes unverändertes Wort ist. Sie zitieren gerne den Wortlaut, der zeigt, dass die Bibel eine Geschichte hat und nicht einfach vom Himmel fiel, aber der Koran ist bis heute aus dieser Diskussion ausgenommen. Die einzige Möglichkeit diese Mauer zu durchbrechen besteht darin zu beweisen, dass auch der Koran eine Geschichte hat. Die Fragmente von Sana’a werden uns helfen das zu tun.“

Wenn das, was Puin sagt, korrekt ist, dann sind die Konsequenzen wiederum „verheerend“, eine Tatsache, die von R. Stephen Humphreys anerkannt wird, einem Professor für Islamstudien an der University of California Santa Barbara; er argumentiert: „Den Koran zu historisieren würde praktisch die gesamte historische Erfahrung der muslimischen Gemeinschaft delegitimieren.“

Kurz gesagt, ohne Cook und Crone zu nahe treten zu wollen, versuchen Historiker zu begründen, was tatsächlich geschah und ihre Forschung hat tiefgehende Folgen für den Gläubigen und die traditionelle Sicht der Religion auf sich selbst. Die drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam sind besonders anfälig für die Geschichtswissenschaften, weil die Gültigkeit ihrer jeweiligen Dogmen eng mit mutmaßlich historischen Ereginissen begründet oder darin verankert sind und das auf eine Weise, wie der Buddhismus es zum Beispiel nicht ist. Der historische Buddha, wenn er tatsächlich eine historische Persönlichkeit ist, sagte nur: „Folgt meiner Argumentation“ und wenn sein Leben sich als fromme Legende erwies, dann würde sein Argument immer noch bleiben und der „Buddhismus“ würde nicht in seinen Fundamenten erschüttert werden. So sagte Van Harvey [1923-2021], Professor für Religionsstudien an der Stanford University, der vor kurzem im Alter von 95 starb, in seinem Klassiker The Historian and the Believer [Der Historiker und der Gläubige], die Dentologie, wie der Franzose sagen würde, des Historikers, soll heißen, die moralische Verpflichtung des Historkers als Historiker und daher die kritische historische Methode hat „die tiefgehendsten Folgen für religiösen Glauben im Allgemeinen und den christlichen Glauben im Besonderen“.

R. G. Collingwood, die eine britische Philosophin und Historiker war, schrieb: „Die Geschichte hat mit jeder anderen Wissenschaft gemein, dass den Historikern nicht erlaubt wird irgendeine Einzelerkenntnis zu beanspruchen, außer da, wo er seine Behauptung rechtfertigen kann, indem er erstens sich selbst und  zweitens jedem anderen, der in der Lage und bereit ist seiner Demonstration zu folgen, die Gründe dafür darzulegen, auf denen sie basiert.“

Dieses Prinzip schließt auf der Stelle den genetischen Irrtum aus, durch den die kontingenten Charakteristika des Historikers oft dafür verwendet werden seine Argumente oder Schlussfolgerungen von vorneherein auszuschließen. Muslime neigen dazu Korankritik, wenn sie von Europäern kommt, als Neokolonialismus abzutun; die Arbeit israelischer oder christlicher Forscher wird gewollt als parteiisch missachtet. Nur ein Muslim, so wird argumentiert, kann den Islam kritisieren; er muss von innen heraus hinterfragt werden. Dieses Argument führt zu der absurden Schlussfolgerung, dass nur ein Marxist den Marxismus kritisieren darf, ein Stalinist den Stalinismus und ein Faschist den Faschismus; aber natürlich nutzen Muslime selbst fröhlich jede Gelegenheit das Christentum zu kritisieren. Zweifellos sind Historiker nicht anders, nicht besser oder schlimmer als der Rest der menschlichen Rasse; sie weisen alle Arten von Befangenheiten und Vorurteilen auf, die wir verwerflich finden. Diese sind aber in unserer Bewertung ihrer Arbeit als Historiker, als Islamologen irrelevant. Lawrence Conrad hat zum Beipsiel gezeigt, dass Theodor Nöldeke ein Antisemit war, „dessen Veröffentlichungen und private Korrespondenz Fanatismus und Voruteil auf einem Niveau zur Schau stellen, das höchst anstößig war“. Ich muss kaum die Bedeutung Nöldekes für die Islamstudien darlegen. Die Herkunft eines Arguments ist nicht relevant, solange es rigoroser Untersuchung unterzogen wird. Der Brief von Reverend Richard Craig unterstreicht den von Van Harvey angeführten Punkt entscheidend, nämlich dass „der Kampf um die Unabhängigkeit  des Bibelhistorikers  weitgehend gewonnen wurde“. Leider ist das bei Koranforschern nicht der Fall. Die von Ernest Renan und anderen europäischen Wissenschaftlern des 19. Jahrhunderts eingeführten Rechte die Grundlagen des Islam – ob des Koran oder des Lebens des Propheten – kritisch und wissenschaftlich zu untersuchen sind, in einer Unzahl ökumenischer Empfindsamkeiten in einer deplatzierten Sorgen um die Empfindlichkeiten von Muslimen verschleudert wurden. Zum Beispiel brachte Professor Josef van Ess gerade erst in einem Aufsatz mit dem Titel „Verbal Inspiration? Language and Revelation in Classical Islamic Theology“ [Verbal inspiriert? Sprache und Offenbarung in klassisher islamischer Theologie] seine Sorge um die empflindlichen Anfälligkeiten von Muslimen zum Ausdruck, indem er, selber nicht Muslim, seine kritische Analyse aus Respekt für die Art, wie der sunnitische Islam die Denkgeschichte so gut wie abbrach! Mohammed Arkoun antwortete sehr vernünftig, dass eine solche Haltung wissenschaftlich inakzeptabel sei, weil historische Wahrheit die Rechte des menschlichen Geistes die Grenzen des menschlichen Wissens zu erweitern betrifft; islamisches Denken kann, wie alle anderen Denktraditionen, von einer solchen erkenntnistheoretischen Haltung nur profitieren. Außerdem, führt Arkoun fort, weiß Professor van Ess nur allzu genau, dass Muslime heute unter der Politik der Unterdrückung freien Denkens leiden, besonders im religiösen Bereich. Oder anders ausgedrückt: Wir tun dem Islam keinen Gefallen, wenn wir ihn vor Werten der Aufklärung abschirmen.

Mancher westliche Forscher ist schlicht und einfach von Objektivität zur Verteidigung des Islam gewechselt; ein Trend, über den 1968 von Maxime Rodinson angemerkt wurde: „Auf diese Weise geht die antikolonialistische Linke, christlich oder nicht, oft so weit den Islam und die zeitgenössischen Ideologien der muslimischen Welt von Sünde freizusprechen. … Ein Historiker namens Norman Daniel ist so weit gegangen, jegliche Kritik an den moralischen Einstellungen des Propheten zu den Vorstellungen zu zählen, die von Mittelalterum oder Imperialismus durchdrungen sind und jede Darstellung des Islam und seiner Eigenschaften durch Mittel der normalen Mechanismen der Menschheitsgeschichte ähnlicher Tendenzen zu bezichtigen.“

„Respekt für den Glauben ernster Gläubiger kann nicht erlaubt weden die Untersuchungen des Historikers zu blockieren oder abzuleiten. … Man muss die Rechte elementarer historischer Methodik verteidigen.“

Es ist natürlich beschämend, dass das, was Karl Binswanger die „dogmatische Islamophobie“ der modernen islamistischen Forscher nennt, Gunter Lung hilft eine faire Anhörung zu verweigern und seine akademische Karriere zu zerstören. Deutsche Islamisten sollen den Arabisten Götz Schregle zitieren, der „in ihrem Geist spirituell einen Turban trägt“, eher „Islamforschung“ als Forschung über den Islam praktiziert. Genauso rügenswert ist die Unterstellung verschiedener „suspekter“ Motive für die Arbeit von Wansbrough und den von ihnen Beeinflussten gewesen. Westliche Forscher müssen entschlossen und unerschrocken ihr Recht den Islam zu untersuchen verteidigen, um den Aufstieg und Fall des Islam mit den normalen Mechanismen der menschlichen Geschichte entsprechend den objektiven Standards historischer Methodik zu erklären (die auf Annahmen und Widerlegung, kritischem Denken, rationale Argumente, Vorlegung von Beweisen und so weiter bauen). Die Tugend der desinteresseirten historischen Recherche würde auf fatale Weise untergraben, wenn wir den muslimischen oder christlichen Glauben hineinbringen würden. Wernn wir subjektiven religiösen Glauben mit seinen dogmatischen Gewissheiten in den „historischen Annäherungsprozess einbringen, untergräbt es unausweichlich das, was von R. G. Collingwood argumentierte, als grundlegende Eigenschaft des kritischen Historikers angeführt wird, nämlich die Skepsis gegenüber Aussagen über die Vergangenheit.“

Sir Isaiah Berlin beschrieb einmal einen Ideologen als jemanden, der bereit ist das zu unterdrücken, von dem er den Verdacht hat, dass es wahr ist. Sir Isaiah schloss aus dieser Einstellung die Wahrheit zu unterdrücken, dass ein Großteil des Bösen dieses und anderer Jahrhunderte geflossen ist. Die erste Pflicht eines Intellektuellen besteht darin die Wahrheit zu erzählen. Mit der Unterdrückung der Wahrheit, so ehrenhaft das Motiv auch sein mag, gefährden wir nur ein noch größeres Übel.

Wir sind allen Historikern verpflichtet uns zu helfen Ereignisse der Vergangenheit klarer und ehrlicher zu sehen, die solch einen wichtigen Einfluss auf die aktuellen Mühsale haben. Mit den Worten Albert Schweizers: „Die Wahrheit hat eine eigene besondere Zeit. Ihre Stunden sind jetzt, immer und ist in der Tat dann am wahrsten, wenn sie den aktuellen Umständen am unpassendsten erscheint.“


[1] https://www.vaticannews.va/en/chruch/news/2021-01/report-open-doors-christians-persecuted.html

Ein Rat zur Bekämpfung des Antisemitismus von 1946, der heute noch stimmt

Elder of Ziyon, 26. Juli 2021

Sollte es je eine Zeit gegeben haben, von der man glauben sollte, dass Antisemitismus kein Thema war, dann wäre das 1946.

Die Schrecken des Holocaust waren allen offensichtlich. Israel war noch nicht wiedergeboren. Welche mögliche Ausrede hätte es 1946 für Judenhass geben können?

Doch wenn man sich die jüdischen Zeitungen von vor genau 75 Jahren ansieht, findet man die Schlagzeilen:

Das jüdische Leid in Polen ist erschütternd

New York (JPS) Erschütternde Berichte von Massenmorden und Entführungen von Juden in Polen, seit am 13. Juli neun wegen Teilnahme am Pogrom in Kielce am 4. Juli verurteilte Männer hingerichtet wurden, erreichen die Presse in New York über Nachrichtenagenturen und Auslandskorrespondenten.

Associated Press sagt in einer Depesche aus Warschau, dass die geächtete NSZ im Bezirk Kielce neun Juden wegen der neun verurteilten und hingerichteten Männer als Geiseln genommen haben soll. Eine Depesche von United Press aus Prag gibt an, dass 160 Juden von antisemitischen Banden in Polen aus Zügen geschleppt und getötet wurden, als sie versuchten über die Grenze in die Tschechoslowakei zu fliehen. Die Depesche besagt, dass polnische Terroristen Rundschreiben verteilen, in denen sie drohen für jeden wegen Kiele hingerichteten Polen zehn Juden zu töten.

Judenfeindliche Wut

Der Korrespondent der New York Times, Albion Ross, berichtet aus Wien, dass in der Stadt innerhalb einer Woche fünftausend aus Polen geflohene Juden ankamen, die Geschichten über das berichteten, was sie als einen landesweiten Ausbruch judenfeindlicher Wut beschreiben.

Homer Bigart, Korrespondent der New York Herald Tribune, berichtet aus Warschau, dass die Hinrichtung der neun Pogromisten von Kielce heimlich durchgeführt wurde und dass die kontrollierte polnische Presse nichts über die Hinrichtung veröffentlichte. Der polnische Pressechef Wictor Grosz verkündete, dass der Ortskommandant der Sicherheitspolizei in Kielce und drei Offiziere der Kielcer Miliz verhaftet worden sind, weil sie keine energischen Schritte zur Zerstreuung des die Juden am 4. Juli angreifenden Mobs unternahmen.

Truman zu US-Intervention für die polnischen Juden beim Papst aufgefordert

New York (JPS) Das American Jewish Committee hat an Präsident Truman appelliert Myron C. Taylor, den US-Repräsentanten beim Vatikan anzuweisen sich bei Papst Pius für die Juden Polens einzusetzen, „die an verschiedenen Orten Terror und Pogromen ausgesetzt sind.“

Britischer Überfall auf die Kolonie Hapoel Hadati in Palästina

Örtliche Mitglieder der Hapoel Hadati wurden vom Empfang der Nachricht geweckt, dass Beerot Yitzchak, ein Hadati-Kibbuz, Ende Juni von britischen Soldaten in Palästina überfallen wurde, wie Julius Braun, Vorsitzender des Hapoel Hadati Los Angeles angibt.

Eine von den britischen Soldaten zurückgelassene Notiz lautete: „Lang lebe Streicher, wir brauchen größere und bessere Gaskammern!“ Das ist nach Angaben von Hapoel Hadati-Leitern dieselbe Parole, die sie von den wieder aufkommenden Nazikräften in Deutschland verwendet wird.

Ein antisemitisches Comic-Buch, das an Streichers „Der Stürmer“ erinnert, wird bald in New York erscheinen; es gab bereits einen erfolglosen Versuch es im Hinterland feilzubieten. Es wird von Jack Dinsmore herausgegeben, einem Pseudonym für David Gordon, ein Jude, der zum Katholizismus konvertierte.

In derselben Ausgabe des B’nai Brith Messenger stand dieser Artikel über Antisemitismus von Dr. Trude Weiss-Rosmarin, einer deutsch-jüdischen Immigrantin, die das Magazin Jewish Spectator gründete. Ihr Aufsatz über Antisemitismus hätte heute geschrieben sein können.

Mit Eiferern kann man nicht reden

Von Dr. Trude Weiss-Rosmarin

Kann der Antisemitismus mit Vernunft bekämpft werden? Nein, sagte Dr. Rosmarin. Die einzige Verteidigung ist eine Wiederherstellung der Rüstung des Judentums.

Wenn die jüdische Geschichte eines bewiesen hat, dann dies: die Unmöglichkeit der Bekämpfung des Antisemitismus durch Vernunft. Der Hass gegen Juden ist ein primitiver Antagonismus, der aus der einheimischen Angst vor dem anderen erwächst, dem Unangepassten. Judenhass ist nie eine logische Rechtfertigung für das Anwerben von Anhängern gewesen. Die Triumphe antisemitischer Agitatoren beweisen, dass die Parole „tötet den Juden“ alles ist, was man braucht, um die Massen um sich zu scharen. Diejenigen, die Antisemitismus mit Vernunft bekämpfen wollen, treffen auf ihren beeindruckendsten Feind in den unsinnigen, unlogischen und widersprüchlichen Vorwürfen, die sie zu widerlegen erwarten. Antisemiten beschuldigen Juden gleichzeitig Kommunisten und Kapitalisten zu sein, Internationalisten und fanatische jüdische Nationalisten, diabolisch einfallsreich und total unkreativ. Es gibt keinen Charakterzug und sein Gegenteil, die nicht beide demselben Juden zugeschrieben werden. Wo kann da die Widerlegung anfangen und was soll widerlegt werden? Gibt es überhaupt eine Möglichkeit mit Judenhassern zu diskutieren?

Die Frage kommt auf, ob einige der für die Bekämpfung des Antisemitismus aufgewendeten Ressourcen nicht auf Bemühungen umgeleitet werden sollten, um die psychologischen Auswirkungen des Hasses auszugleichen, indem das spirituelle Durchhaltevermögen unseres Volkes gestärkt wird, so dass wir besser in der Lage sind der zersetzenden Wirkung des Antisemitismus zu widerstehen. Diese Theorie beinhaltet nicht den Rücktritt und die Unterwerfung unserer Feinde. Stattdessen müssen wir auf unsere verfassungsgemäßen Rechte bestehen und Einzelne sowie Bewegungen bekämpfen, die diese Rechte verletzen. Die Mittel, um unsere Feinde von der Absurdität ihres Antisemitismus zu überzeugen, sind verschwendet, denn wie 3.000 Jahre jüdischer Geschichte bestätigen, gibt es keine Möglichkeit dieses Ziel zu erreichen. Den Antisemitismus auszumerzen ist ein Traum jenseits des Möglichen, solange die Juden als Minderheit, eigenständig oder anders, verstreut unter den Nationen leben. Mit den Worten Theodor Herzls: Die Nationen, in deren Mitte Juden leben, sind alle entweder offen oder im Verborgenen antisemitisch.

Die Juden der Geschichte wurden mit dem Antisemitismus fertig. Sie waren realistisch genug die Unmöglichkeit zu erkennen ihn mit Vernunft und Aufklärung auszurotten; sie untersuchten, was jenseits des Antisemitismus lag. Die Juden der Vergangenheit waren praktisch immun gegenüber den psychologischen Verheerungen des Antisemitismus. Mittelalterliche Chroniken berichten von jüdischen Märtyrern, die für das Judentum starben, aber es werden keine Juden erwähnt, die den Tod wählten, weil sie Juden waren, wie es Stefan Zweig und andere jüdische Intellektuelle unserer Zeit machten. Der Jude des Ghettos fand das Judentum befriedigend und eine Entschädigung für die Leiden, die er um seinetwillen erdulden musste.

Aber der moderne Jude, der im Judentum keine Erfüllung mehr findet, konzentriert all seine Bemühungen nervös auf die Bekämpfung des Antisemitismus oder er versucht aus der jüdischen Gemeinschaft zu entkommen.

Auch wenn es paradox klingt: Es stimmt, dass das Überleben des Judentums und des jüdischen Volks niemals durch ein Gegenvolk, seine Philosophie oder Gepflogenheiten; Vertreibungen waren Tragödien für die Betroffenen sowie ein schwerer Verlust an Ressourcen des jüdischen Volks als Ganzem, aber der Kern des jüdischen Volks wurde durch ihre Philosophie oder ihre Lebensart nie geschwächt oder auch nur angerührt, weil diese Grundlage des Judentums immer jenseits des Antisemitismus lag. Es gibt keine Macht, die Antisemiten umarbeiten kann. Selbst im freien Amerika sind wir fast hilflos gegenüber den höflicheren Formen des Antisemitismus. Es gibt wenig, das wir tun können, um aus Antisemiten Philosemiten zu machen. Stattdessen müssen wir uns bewaffnen, damit ihr Stachel uns nicht vergiftet. Statt sich in erster Linie um das Negative des Antisemitismus, seine Verhinderung, Behandlung und Heilung zu kümmern, sollten Juden sich auf die positiven Aspekte des Jüdisch seins, die ewigen Wahrheiten unserer Existenz und unser Überleben konzentrieren. Ein Beobachter der zeitgenössischen amerikanisch-jüdischen Szene könnten leicht dazu gebracht werden zu glauben, dass das Judentum eher ein Kampf gegen etwas statt Einsatz für etwas ist.

Diesen Geisteszustand diagnostizierte Ahad HaAm richtigerweise als die wahre Drohung des Antisemitismus. Seine große Gefahr liegt in den Neigungen zur Züchtung von jüdischem Selbsthass.

Die Geschichte bestätigt, dass zwar der Erfolg im Kampf gegen den Antisemitismus niemals den Bemühungen entspricht, prophylaktische Maßnahmen gegen die Verbreitung von jüdischem Selbsthass aber höchst effektiv sind. Zu diesen Schritten gehört die Stärkung jüdischer Selbstachtung und psychologischen Widerstands, indem man lehrt, was das Judentum wirklich ausmacht. Dass der Jude, der das jüdische Vermächtnis und die Bedeutung des Judentums ignoriert, auf einzigartige Weise anfällig für jüdischen Selbsthass ist, leuchtet ein, denn diese Art Jude hat nichts, um den Schmerz des Antisemitismus auszugleichen. Ein intelligenter und effektiver Angriff auf den Antisemitismus sollte sich in erster Linie auf die Stärkung des jüdischen Bollwerks konzentrieren. Hier wird diese Verteidigung am meisten benötigt.

Nicht Antisemitismus, sondern was darüber hinaus im jüdischen Bereich liegt, ist die Herausforderung unserer Zeit, die Notlage, der begegnet werden muss, wenn unser Volk mit schöpferischer Tatkraft überleben soll.

Das ist nicht allzu weit entfernt von meinem aktuellen Post zu diesem Thema.

Die überraschende Herkunft der Kritischen Rassentheorie

L.K. Samuels, The American Thinker, 28. August 2021

Oft wurde die Kritische Rassentheorie (KRT) als Ableger der Theorie des Klassenkampfs von Karl Marx angeführt, die dazu geschaffen wurde eine Klasse gegen die andere kämpfen zu lassen, um so zu von den Arbeitern geführte Revolutionen zu anzufachen. Es wird auch weithin akzeptiert, dass die marxistische Frankfurter Schule in Deutschland Marx‘ Theorie des gesellschaftlichen Konflikts in den 1950-er Jahren umarbeitete, indem „Rasse“ zu ihrer langen Liste „unterdrückter“ Minderheiten hinzugefügt wurde. Aber historisch waren die Theoretiker der Frankfurter Schule Nachzügler am Tisch der Rassentheorie. Sie waren nicht die Erfinder der Kritischen Rassentheorie. In Deutschland hatte bereits Jahrzehnte zuvor eine revolutionäre sozialistische Bewegung existiert. Diese Rassengerechtigkeitskrieger wollten eine Rasse gegen die andere ausspielen und die Unterdrückten ermutigen den Unterdrücker zu stürzen. Sie bezeichneten sich als die deutschen Nationalsozialisten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Intellektuellen und Akademiker der Frankfurter Schule den „Rassenkampf-“ und die „Opferrollen“-Theorien abzuschreiben, die Mitte der 1920-er Jahre mit den Nazi-Theoretikern entstanden. Es stimmt, dass die Theoretiker der Nazis, viele mit marxistischen Neigungen, in ihrem Ansatz der Rassenüberlegenheit weniger hochentwickelt waren. Aber ihre Langzeit-Ziele zu Rassenunterschieden und -kampf waren bemerkenswert ähnlich.

Die Nationalsozialisten widmeten sich, wie die Führer der marxistischen Frankfurter Schule, der Bekämpfung von Rassenunterdrückung, die von anderen, bevorteilten Rassen auferlegt wurden. Aber im Fall der Nazis identifizierten diese als „unterdrückte Rasse“ das arische und deutsche Volk und als „Unterdrückerrasse“ die Juden. Sie glaubten, dass die Juden die Welt als Mitglieder einer Reichen und privilegierten Rasse kontrollierten, die angeblich die sogenannte arische Rasse misshandelte.

Um die sogenannten „jüdischen Unterdrücker“ herabzuwürdigen, lehrten die Nationalsozialisten deutsche Kinder, dass die Juden, von Juden geführte Banken und Kapitalisten die deutsche Nation und ihr Volk verfolgten. Dieses Narrativ der „Unterdrücker gegen Unterdrückte“ ist reiner Rassen-Marxismus, der verheerende Folgen in allen Annalen der modernen Geschichte hatte. Solcher Rassenunsinn spaltet die Gesellschaft, schafft feindseligen Tribalismus und nicht endende ethnische Gewalt.

Natürlich war dieser Rassenkampf genau das, was die Nazi-Propagandisten in ihrem Versuch bestimmte „Unterdrücker“-Rassen zu eliminieren vorhatten. Sie wollten, dass es in deutsch kontrollierten Gebieten nur eine Rasse gibt. Das ist der Grund, dass die Kritische Rassentheorie so giftig ist. Ihr Endspiel resultiert fast immer in furchbaren Endlösungen, um sogenannte privilegierte und Unterdrückerrassen zu bestrafen.

Der Marsch zur Sicherung der Überlegenheit über eine Unterdrückerrasse begann ernsthaft, nachdem die Nazis 1933 die meisten deutschen Schulen verstaatlicht hatten. Schulverwaltungen fügten schnell Rassenpolitik in neu geschriebene Schulbücher und Schulpolitik ein. Mit Hilfe des Nationalsozialistischen Lehrerbundes (der offiziellen Lehrergewerkschaft der Nazis) wurden Schüler mit Rassentheorien überschwemmt, die in die meisten Fächer eindrangen. Vertreter der Nazi-Partei propagierten

Bild: Bundesarchiv, Bid 102-00089

das Führer-Konzept der Gleicheit in der Volksgemeinschaft des Führers, zu dem Social Engineering, soziale Gerechtigkeit, Rassen-Tribalismus, nationale Kollektivität und Sozialdarwinismus gehörten. Aber ihre größte Aufgabe bestand darin die tendenziösen ethnischen Rassenstudien in Deutschlands Klassenzimmern einzuprägen.

Nach Angaben von Richard J. Evans in The Third Reich in Power 1933-1939 geboten die Pädagogen und Verwalter des Bildungsministeriums, dass die Themen der „Rassenbiologie“ und „Rassenkunde“ in fast jeden schulischen Lehrgang in ganz Deutschland eingefügt wird. Die Biologie wurde als Schlüssel für das Verständnis und die Identifizierung von Rassenunterschieden verkündet. Die Nationalsozialisten entwickelten für ihre Schulbücher sogar eine rassengesellschaftliche Arithmetik um Schüler zu indoktrinieren. Diese rassische Mathematik verwendet z.B. Formeln, um Berechnungen zu konstruieren, die bestimmen sollten, wie viel blonde Arier in einer deutschen Bevölkerungsgruppe lebten.

Der Politisierung der Bildung entkam auch die deutsche Sprache nicht. Sprache musste sich auf Sprachmuster konzentrieren, um reinen rassischen Hintergrund zu liefern, der deutschen Schulkindern unterbewusst die rassensozialistische Ideologie des Nationalsozialismus einpflanzte. Das Studium der Geografie musste sich einer rassischen Umgestaltung beugen, die verlangte, dass die Nazi-Ideologie vereinbar mit Heldentum, Heimat und Rasse ist. Erstaunlicherweise fanden Nazi-Pädagogen sogar Wege das Klima mit der Rasse zu verbinden.

Es überrascht nicht, dass solcher Rassismus der alten Schule jetzt in unsere Welt zurückkehrt, zumeist geäußert von Progressiven, dem Woke-Mob und Black Lives Matter. Ähnlich den Nationalsozialisten ist diese Orthodoxie ein Sammelsurium aus sozialer Gerechtigkeit, Unterdrücker-gegen-Unterdrückte-Opfertum und rassischen Tribalismus. Ein deutsches Plakat aus dem Jahr 1933 hebt die Hingabe der Nazis an einen sozial gerechten Rassenstaat hervor und verkündet: „Weil das Dritte Reich Adolf Hitlers die soziale Gerechtigkeit bringen will, darum ist das großkapitalistische Judentum der schlimmste Gegner dieses Reiches und seines Führers.“

Eine Reihe heutiger „antirassistischer“ Aktivisten ahmen die Pogrompolitik der Nationalsozialisten nach. Zum Beispiel rief die Mitgründerin von Black Lives Matter in Toronto, Yusra Khogali, die Vernichtung bestimmter Rassen. In Spitzen gegen weißes Privileg und Unterdrückerrassen und -Geschlechter sinnierte sie 2016, dass sie einen Drang verspüre „Männer und Weiße zu töten“. Darüber hinaus twitterte sie, dass „weiße Haut untermenschlich ist“. Hitler und seine Nazihorde spien dieselben „Untermenschen“-Anschuldigen gegen Juden und schließlich handelten sie gemäß ihrer Überzeugungen im Holocaust.

Die Ursprünge der Kritischen Rassentheorie haben eine dunkle Geschichte. Warum sollte jemand in der heutigen Welt Rassismus, Rassenüberlegenheit oder rassische Minderwertigkeit rechtfertigen? Solche aufhetzerische Rhetorik hat nie zu rassischer oder sozialer Gleichberechtigung geführt. Die KRT muss im Ascheimer der Geschichte entsorgt werden, zusammen mit jedem Wiederaufleben des Nationalsozialismus und seinen sozialistisch-rassistischen Narrativen.

Gedankensplitter: Das Niederknien vor BLM

Jetzt wird also auch „die Mannschaft“ vor dem Spiel niederknien. Na Mahlzeit, aber nach dem Regenbogen-Hype war das zu erwarten. Fußball ist kein Sport mehr, Fußball ist Politik.

Wovor knien diese Leute nieder?

Das Niederknien ist angeblich ein Eintreten gegen Rassendiskriminierung. Problem: Es ist das Zeichen für die Unterstützung der BLM-Bewegung.

Und diese BLM-Bewegung steht nicht für Toleranz und kein Diskriminierung. Sie steht auch nicht für Frieden, friedlichen Protest oder gar Gleichberechtigung. Sie steht für Randale, Anarchie, Vernichtung von Eigentum, Schäden in Milliardenhöhe und für Diskriminierung. Ihre Führer in den USA sind erklärte Kommunisten, die alles andere als Gleichberechtigung wollen. Es gibt eine ganze Reihe führender Vertreter dieser Bewegung, die offen schwarzes Herrenmenschentum propagieren, indem sie von der Überlegenheit der schwarzen Rasse schwadronieren und Weiße allein schon aufgrund ihrer Hautfarbe als Rassisten bezeichnen. Das hat dazu geführt, dass Weiße diskriminiert, in den USA auch noch Asiaten von Schwarzen willkürlich verprügelt werden. Martin Luther King dürfte im Grab rotieren. Was er sich wünschte und erreichen wollte, wird heute durch diese Bewegung ad absurdum geführt.

Diskriminierung in der Vergangenheit rechtfertigt nicht, heute „zurück“ zu diskriminieren. Diskriminierung in der Vergangenheit rechtfertigt nicht, dass heute die früher diskriminierten als Herrenmenschen agieren (dürfen).

Zeichen gegen Rassismus werden nicht gesetzt, indem man neuen Rassismus hofiert oder gar rechtfertigt.

Diesen Terror nicht mitzutragen hat mich eine Freundin gekostet, die Jahre lang einen fixen Beitrag auf meinen Blog gesetzt hat. Ihrer Meinung nach bin ich also jetzt Rassist, weil ich nicht damit einverstanden bin mich als Rassisten bezeichnen zu lassen, nur weil ich ein Weißer bin. (Na, sie rechnet auch noch negativ dazu, dass ich kein Trump-Verächter bin…)

Macht mir das was aus? Klar. Lässt mich das meine Meinung revidieren? Ich bin doch nicht bescheuert. Was falsch ist, bleibt falsch, egal, was andere darüber sagen. BLM ist ein verbrecherisch, totalitär und unmenschlich. Das zu unterstützen, ist ein Unding.

Gegen Rassismus und Diskriminierung ist nicht von BLM abhängig, ganz im Gegenteil. „Die Mannschaft“ setzt heute Abend zusammen mit dem englischen Team kein Zeichen für Toleranz, sondern ein Zeichen für Diskriminierung, Intoleranz und die Unterwerfung unter kommunistische Rassisten.

Herzlichen Glückwunsch. Das muss ich mir nicht antun. Und zum ersten Mal in meinem Leben drücke ich ihnen nicht die Daumen, sondern werde sie schlichtweg ignorieren.

Gedankensplitter: „Fälschungssicher“

Fälschungssicher ist so ein typisch deutsches Wort, dass etwas ausdrückt, was man missverstehen kann. Normalerweise bedeutet es, dass das Objekt – zum Beispiel ein Geldschein, ein Ausweis, eine Magnetkarte – (angeblich) nicht gefälscht werden kann. Das Teil ist so sicher, dass der Bürger/Anwender/Nutzer darauf vertrauen kann, dass es a) echt und b) nicht nachzumachen ist.

Es gibt Bereiche, da habe ich angefangen, das Wort anders zu verstehen. Mal abgesehen davon, dass die angeblich fälschungssicheren Dinge bisher immer nachgemacht und diese Fälschungen eingesetzt wurden, kann man bei manchem davon ausgehen, dass mit (fast) absoluter Sicherheit feststeht, dass da eine Fälschung verwendet wird.

Das gilt nicht nur für physische Dinge, sondern besonders für „Informationen“. Zum Beispiel, wenn die Terroristen von der Hamas etwas von sich geben wie Opferzahlen; da kann man zu hundert Prozent davon ausgehen, dass sie falsch sind, entweder die Anzahl, ganz sicher aber die von Israel getöteten „Zivilisten“ und besonders die von ihnen angegebenen „Erfolge“.

Auch linksgerichtete Politiker und Medien, die irgendwelche „woke“-Informationen von sich geben, sind in der Regel mit Sicherheit falsch: Die BLM-Krawalle in vielen großen US-Städten zum Beispiel wurden als „weitgehend“ oder komplett „friedlich“ dargestellt, während es Millionenschäden mit einer ganzen Reihe Verletzten (und einigen Toten) gab. Oder wenn von „Jugendlichen“ oder „Personen“ ohne weitere Angaben die Rede ist, sollten mal wieder muslimische Randalierer aktiv gewesen sein (weitere Stichworte: „Partyszene“ oder „erlebnisorientiert“).

Noch so ein Fall, wo „fälschungssicher“ heißt, dass mit Sicherheit gefälscht oder falsch dargestellt wird: Wenn Israel auf Terroristen schießt – dann hat es vorher IMMER Terroranschläge und –Schüsse gegeben, über die die Qualitätsmedien sich ausgeschwiegen haben. Und jetzt ist auf einmal Israel derjenige, der eskaliert, ohne wirkliche Provokation schießt und „unschuldige“ Leute umbringt.

„Fälschungssicher“ heißt SEHR häufig: mit Sicherheit gefälscht/falsch. Eine näherliegende Bedeutung als „nicht zur fälschen“. Und eine äußert berechtigte.

Sind gebildete Menschen antisemitischer?

Eine neue Umfrage zeigt, dass ein Gegenmittel, auf das amerikanische Juden das letzte Jahrhundert über vertraut haben, heute die Seuche verbreiten könnte.

Jay P. Greene/Alberg Cheng/Ian Kingsbury, Tablet Magazine, 30. März 2021

Ein Grundlagenprinzip im Kampf gegen Hass in Amerika ist die Überzeugung, dass Intoleranz im Allgemeinen und Antisemitismus im Besonderen Funktionen von Ignoranz sind, die über Bildung gelöst werden können. Wir sehen Beweise dafür, wo immer Sorgen wegen Intoleranz oder Antisemitismus stärker auffällig werden. Vorgeschlagene Lösungen bieten regelmäßig verbesserte Holocaust-Bildung oder ausgeweitete Diversität, Gleichheit und Inklusionstraining an. Die Profile von Antisemiten tendieren dazu aus Weißen vom Land oder städtischen Minderheiten mit niedrigem Bildungshintergrund zu bestehen. Hoch gebildete Menschen tendieren dazu sich in ihrem höheren Klassen-Status sicher zu fühlen und nehmen an, dass die Gefahren von Hass zwischen Gruppen sich andernorts konzentrieren.

Tatsächlich unterstützen weithin zitierte Antisemitismus-Studien die Überzeugung, dass er mit niedrigem Bildungsniveau einher geht. Die Umfrage Global 100 der Anti-Defamation League zu weltweitem Antisemitismus stellte zum Beispiel fest: „Unter Christen und den nicht Praktizierenden führt ein höherem Bildungsniveau zu weniger antisemitischen Einstellungen.“ Die Umfrage, die auch im Iran und der Türkei durchgeführt wurde, befand: „Bei muslimischen Befragten gilt das das Gegenteil…“ Nimmt man Schulsysteme aus, die ausdrücklich Judenhass lehren, so scheint Bildung tatsächlich Antisemitismus zu reduzieren. Nach Durchsicht mehrerer Studien kam der Soziologe Frederick Weil zu dem Schluss: „Die besser Gebildeten sind in den USA weit weniger antisemitisch als die schlechter Gebildeten und für diese Beziehung kann kein anderes Maß als der soziale Status (d.h. Einkommen, Beruf) verantwortlich sein.“

Ein großes Problem dieser weithin vertretenen Überzeugung – die seit den Tagen von Louis Brandeis die Herangehensweise der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft an die Bekämpfung des Hasses dominiert – besteht darin, dass sie von den Fragen der Umfragen abhängt, die vermutlich versäumten den Antisemitismus unter den gut Gebildeten zu erfassen. Diese Studien messen Antisemitismus größtenteils einfach mit der Frage an die Probanden, welche Gefühle sie zu Juden haben oder indem sie fragen, ob sie unverhohlen antisemitischen Stereotypen zustimmen. Aber gebildete Menschen, die erfahren darin sind Tests zu absolvieren, wissen, dass das „falsche“ Antworten sind.

Zum Beispiel sollte eine aktuelle Umfrage Antisemitismus an Colleges beurteilen; sie basierte auf dem Niveau der Zustimmung der Befragten zu Äußerungen wie „Juden haben zu viel Macht auf internationalen Finanzmärkten“ oder „Juden kümmert es nicht, was anderem außer den ihren geschieht“. Erfahrene Befragte dürften eher entdecken, was sie gefragt werden und gesellschaftlich wünschenswertere Antworten geben, die einen nuancierteren Grad an Antisemitismus nicht offenlegen. Die Überzeugung, dass Antisemitismus mit niedrigerem Bildungsniveau verbunden ist, dürfte daher eine Funktion des „Wer wird per Umfrage erwischt“ sein statt auf einer akkuraten Beziehung zwischen Bildung und Antipathie gegen Juden zu gründen.

Um diese Hypothese zu überprüfen, entwickelten wir ein neues Umfragemaß, das auf dem gründet, was der Menschenrechtsaktivist und ehemalige Refusenik Natan Sharansky als bestimmendes Merkmal des Antisemitismus bezeichnet. Wir entwarfen zwei Versionen derselben Frage; eine wollte, dass die Befragten ein Prinzip auf ein jüdisches Beispiel, die andere, dasselbe Prinzip auf ein nichtjüdisches Beispiel anwenden. Den Probanden wurde stichprobenartig entweder die eine oder die andere Version der Frage gezeigt, so dass kein Befragter beide Versionen der Frage sieht. Da niemand beide Versionen der Frage sieht, haben gebildete Probanden keine Möglichkeit zu wissen, dass wir ihre Gefühle gegenüber Juden messen und keinen Hinweis, um mit ihren Antworten zu spielen.

Als wir diese doppelte Standards in einer landesweit repräsentativen Befragung von mehr als 1.800 Personen anwandten, unterschieden sich die Ergebnisse breitflächig von der herkömmlichen Ansicht zur Beziehung zwischen Bildung und Antisemitismus. Fakt ist, dass wir mehr hoch gebildete Menschen feststellten, die eher dazu neigten Prinzipien bei jüdischen Beispielen härter anzuwenden. Damit, dass wir verhinderten, dass die Probanden wussten, dass sie über ihre Gefühle gegenüber Juden befragt werden, entdeckten wir, dass höher gebildete Menschen in den USA dazu tendieren stärkere Antipathie gegenüber Juden zu haben es als weniger gebildete Menschen tun.

Entgegen früheren Behauptungen scheint es so, dass Bildung keinen Schutz vor Antisemitismus bietet und ihn sogar lizensiert – zum Teil dadurch, dass die Leute mit durchdachten und sozial akzeptierbaren Möglichkeiten ausgestattet werden ihn zu formulieren.

Unsere Umfrage bestand aus 29 Themen, in denen die Probanden zu einer Vielzahl von politischen Fragen und Streitfragen sowie zu demografischen und Hintergrundinformationenbefragt wurden. Wir nahmen eine größere Stichprobe an Lehrern und Professoren, um zusätzliche statistische Kraft zu erhalten, damit Schlüsse über Menschen mit höherem Bildungsniveau gezogen werden konnten. Es wurden Gewichtungen genutzt, um sicherzustellen, dass die gemeinsame Stichprobe für die USA repräsentativ ist. Eingebettet in die Umfrage waren sieben Posten, die die Probanden baten ein Prinzip entweder auf ein jüdisches oder auf ein nichtjüdisches Beispiel anzuwenden.

Aus Gründen, die wir unten erklären, konzentrierten wir uns auf vier der sieben Punkte, um unser Maß für Antisemitismus zu entwickeln. Der erste Punkt will wissen, ob „die Regierung Minimalanforderungen für das setzen sollte, was in Privatschulen gelehrt wird“, wobei als Anschauungsbeispiele orthodoxe jüdische und Montessorischulen verwendet wurden. Der zweite Punkt wollte wissen, ob „die Bindung einer Person zu einem anderen Land einen Interessenkonflikt schafft, wenn für gewisse außenpolitische Positionen der USA eingetreten wird“, wobei Israel und Mexiko als Anschauungsbeispiele angegeben werden. Der dritte Punkt will wissen, ob „dem US-Militär erlaubt werden sollte zu verbieten“, dass religiöse Kopfbedeckungen als Teil der Uniform getragen werden; eine jüdische Jarmulke und ein Sikh-Turban sind als Beispiele angegeben. Und der vierte Punkt will wissen, ob öffentlichen Versammlungen während der Pandemie „eine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit darstellen und hätten verhindert werden sollen“, wobei orthodoxe jüdische Beerdigungen und Black Lives Matter (BLM) -Proteste als Anschauungsbeispiele genannt werden.

Die Logik dieser Doppelstandard-Punkte lautet, dass die Situationen in jüdischen und nichtjüdischen Beispielen ausreichend vergleichbar sind, dass die Befragten sie im Durchschnitt ähnlich beantworten sollten. Einige Menschen mögen mehr oder weniger Regulierung dessen bevorzugen, was in Privatschulen gelehrt wird, mehr oder weniger Sorge wegen Fragen geteilter Loyalität haben, mehr oder weniger respektvoll gegenüber Regeln militärischer Uniformen und glauben, dass öffentliche Versammlungen größere oder weniger große Bedrohung der öffentlichen Gesundheit darstellen. Ungeachtet dessen, welche Gefühle diese Zielpersonen zu jedem dieser bedeutenden Themen haben, sollten sie sie insgesamt nicht unterschiedlich beantworten, wenn es sich um jüdische oder nicht jüdische Beispiele handelt.

Für die verbleibenden drei Punkte könnten die Umstände zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Themen ausreichend unterschiedlich gewesen sein, damit eine Person sie unterschiedlich beantworten könnte, ohne über Antipathie oder Bevorzugung gegenüber Juden nachzudenken. Der erste dieser Punkte wollte wissen, ob Israels Grundlagengesetz „diskriminiert“, wenn es sagt, dass „der Staat Israel der Nationalstaat des jüdischen Volks ist“. Die nichtjüdische Version dieses Punktes wollte etwas über die Bestimmung in der dänischen Verfassung wissen; dort heißt es: „Die evangelisch-lutherische Kirche soll die Kirche Dänemarks sein und als solche soll sie vom Staat unterstützt werden“, bzw. die Bestimmung in der jordanischen Verfassung, die besagt: „Der Islam ist die Staatsreligion und Arabisch die offizielle Sprache.“ Der zweite Punkt fragte, ob Professoren entlassen werden sollten, wenn sie den Holocaust leugnen oder Immigranten kritisieren. Bei all diesen Beispielen könnten die Situationen als ausreichend unterschiedlich betrachtet werden, dass der durchschnittliche Befragte nicht unterschiedlich damit umgeht und so klammerten wir sie aus unserem Maß für Antisemitismus aus. Dennoch werden dieselben Ergebnismuster angewandt. Unser Maß für Antisemitismus bei jeder der beiden Untergruppen ist der Unterschied zwischen dem, wie viele der jeweiligen Untergruppen die jüdische und die nichtjüdische Version in jedem Punkt beantworteten.

Wir stellten fest, dass die Befragten mit höherem Bildungsniveau wahrscheinlicher als die mit niedrigerem Bildungsniveau für Juden nachteiliges zweierlei Maß anwenden. In allen vier Punkten, in denen die jüdische und die nichtjüdische Version der Fragen am ähnlichsten schienen und bei denen die Gesamtstichprobe in etwa auf dieselbe Art beantwortetet wurden, war es bei Befragten mit College-Abschluss 5 Prozentpunkte wahrscheinlicher, dass sie ein Prinzip anwenden, das Juden gegenüber strenger ist als gegenüber Nichtjuden. Bei denen mit höheren Abschlüssen war es um 15 Prozent wahrscheinlicher, dass die Probanden bei jüdischen nachteiliger waren als bei nichtjüdischen Beispielen.

Betrachtet man diese vier Punkte getrennt, dann stellen wir Befragte mit höherem Bildungsniveau fest, die bei drei Fragen nachteiliger für Juden antworten und bei einer keinen Unterschied machen. Zur Frage der Regulierung der Inhalte bei Privatschulen, bevorzugen Menschen mit höherem Bildungsniveau mehr Regulierung durch die Regierung, scheinen dieses Prinzip aber bei orthodox jüdischen Schulen anders anzuwenden als bei einer Montessorischule.

Danach gefragt, ob „Verbundenheit mit einem anderen Land einen Interessenkonflikt schafft“, war es bei Befragten mit einer vierjährigen Universitätsausbildung um 7 Prozentpunkte und bei denen mit weitergehendem Abschluss um 13 Prozentpunkte wahrscheinlicher, dass sie diese Sorge zum Ausdruck bringen, wenn die fragliche Verbindung Israel statt Mexiko war. Bei Personen mit höheren Abschlüssen war es um 12 Prozentpunkte wahrscheinlicher, dass sie beim Militär die jüdische Jarmulke als Teil der Uniform verbieten, als dass sie es bei einem Sikh-Turban tun. Diejenigen mit vierjährigem College-Abschluss beantworteten diese Frage beim jüdischen und beim Sikh-Beispiel gleich.

Die Gesamtstichprobe war recht besorgt wegen öffentlichen Versammlungen während der Pandemie; 61% unterstützen das Verbot öffentlicher Treffen, egal ob bei einer jüdisch-orthodoxen Beerdigung oder bei BLM-Protesten. Bei denen mit einer vierjährigen College-Ausbildung war es 11 Prozentpunkte wahrscheinlicher, dass sie gegen diese öffentlichen Versammlungen für jüdische Beerdigungen sind, als es bei BLM-Protesten der Fall war. Bei Menschen mit höheren Abschlüssen war es 36 Prozent wahrscheinlicher, dass sie jüdisch-orthodoxe Beerdigungen verbieten würden als bei BLM-Protesten.

IPSOS

Unser zweifaches Standardmaß für Antisemitismus erlaubt uns nicht das absolute Niveau des Antisemitismus in den USA zu messen, da wir uns auf Punkte konzentrieren, in denen die Durchschnittsperson die jüdische und die nichtjüdische Version des Punkts vergleichbar findet. Vom Entwurf her wird das Ergebnis für die Durchschnittsperson nahe Null liegen. Aber dieser Ansatz erlaubt uns die Stichprobe nach Bildungsniveau aufzubrechen, um zu sehen, wo es relativ mehr oder weniger Antipathie gegenüber Juden gibt. Entgegen der gängigen Meinung und Recherche in der Vergangenheit schienen Menschen mit mehr Bildung Juden gegenüber weniger wohlwollend eingestellt.

Diese stärkere Feindseligkeit gegenüber Juden bei den Gebildeteren ist aus einer Reihe von Gründen beunruhigend. Erstens könnten Juden sich dazu irren, wo Bedrohungen ihrer Interessen vorherrschen. Juden könnten glauben, dass Gefahren zumeist aus fernen und unbekannten Gruppen kommen statt aus Kreisen, in denen sie leben. Zweitens tendieren gut gebildete Menschen dazu größeren Einfluss auf den Verlauf der Ereignisse zu haben, also verheißt es für Juden nichts Gutes ihnen zu missfallen. Drittens tendieren unsere Strategien zur Beschäftigung mit Intoleranz im Allgemeinen und Antisemitismus im Besonderen dazu sich um die Überzeugung zu drehen, dass Gruppenhass von Ignoranz verursacht und dass die Lösung mehr Bildung ist. Wenn aber höher gebildete Menschen gegenüber Juden feindlicher sind, dann könnten höheres Bildungsniveau und mehr Kurse und Training Vorurteile verstärken statt sie zu reduzieren.

Zumindest scheint es so, dass eine Bildung, die einfach Informationen über historische Ereignisse, bürgerliche Freiheiten und andere kulturelle Gruppen bietet, mangelhaft ist. Antisemitismus und Vorurteile allgemeiner zu behandeln mag erfordern Tugenden zu kultivieren. Insbesondere erfordert das die Bildung einer Art von Charakter, die nicht nur mit anderen Außengruppen und demokratischen Normen vertraut ist, sondern auch die Integrität hat sich auf eine Art und Weise zu verhalten, die Erwägung ihrer Interessen und Zurückhaltung im Gebrauch politischer Macht bei der Verfolgung persönlicher Interessen demonstriert.

Die Harvard-Professorin und Yiddish-Forscherin Ruth Wisse hat argumentiert, dass Antisemitismus nicht infolge von Ignoranz aufgeblüht ist, sondern wie er „Teil einer politischen Bewegung ist und als politischer Zweck dient“. Diese politischen Gründe Antisemitismus zu nutzen werden von den gut Gebildeten in diesem Land zunehmen genutzt. Dem Antisemitismus der gut Gebildeten entgegenzuwirken wird ein politischer und moralischer Kampf sein und keiner, der mit konventionellen Herangehensweisen und Bildungskonzepten angegangen werden kann.

Der neue Antirassismus ist der alte Rassismus

Die Richtwerte von Black Lives Matter und angeschlossener Woke-Bewegungen sind offener Rassismus, systemische Unwahrheit und scheinheilige Privilegien ihrer Elite-Architekten.

Victor Davis Hanson, American Greatnes, 25. April 2021

Wie wird die Zukunft der Massenhysterie aussehen, die der letzte Sommer hervorbrachte? Das weiß niemand.

Aber ihre Richtung, wenn sie nicht eingedämmt wird, werden ethnische Spannungen und sektiererische Kämpfe sein, die bestenfalls denen in Brasilien und Indien ähneln – oder im schlimmsten Fall denen im Libanon, Syrien und Ruanda.

Bis vor ein paar Jahren schwanden nach Angaben von Meinungsumfragen Rassenunterschiede mehr oder weniger. Die Zahl der Mischehen zwischen Rassengruppen befindet sich auf einem historischen Hoch.

Aber um 2014/15 scheinen mit der Geburt von Black Lives Matter und dass die Administration Obama diese hofierte sowie dem Aufkommen des elektronischen Social Media-Mobs und der Cancel Culture solche Fortschritte geendet zu haben. Wir haben aufgehört Rasse zunehmend als zufällig zu betrachten, statt als wesentlicher Teil dessen, wer wir sind.

Die Richtwerte von Black Lives Matter und angeschlossenen Woke-Bewegungen sind offener Rassismus, systemische Unwahrheit und das scheinheilige Privileg ihrer Elite-Architekten.

Wir befinden uns deutlich jenseits der auf Rasse basierenden Nebenbemerkungen der letzten 50 Jahre, die auf den sich entwickelnden Konzepten der proportionalen Repräsentation und ungleichen Einflusses gründeten. Diese finanziell milliardenschwer ausgestatteten Prinzipien der Great Society ordneten irgendwann ab, dass Zulassungen und Einstellungen die proportionale ethnische und rassische Zusammensetzung der Bevölkerung spiegeln.

All das ist heute erstarrt oder und wird als nicht ausreichend betrachtet. An seiner Stelle haben wir eine Verurteilung von allem „Weißen“ mit einer neuen Definition von Unterschiedlichkeit als schlicht all diejenigen, ohne jede andere Affinität, die behaupten stolz dadurch miteinander verbunden zu sein, dass sie nicht weiß sind.

Antirassistischer Rassismus

In der Tat ist es alarmierend, wie abrupt unsere überreizten Eliten der Assimilation (ein jetzt von der Administration Biden in Sachen Zuwanderung verbotenes Wort) abgeschworen haben. Integration ist ebenfalls passé, zumindest für die, die nicht reich sind.

Es gibt Ironie im Überfluss. Vor kurzem erklärte hier im Bundesstaat Washington etwas namens African American Reach and Teach Health Ministry (AARTH), dass Impftermine einzig aufgrund der Rasse vergeben werden sollten. Ich vermute, wenn eine 75 Jahre alte, indigene weiße Witwe aufkreuzte, würde sie aufgrund ihres „unverdienten Privilegs“ abgewiesen werden – oder würden die Organisatoren sagen, sie könnte auf eine „Reserveliste“ gesetzt werden?

Schwarze Intellektuelle verwenden jetzt die stereotype Sprache der alten Jim Crow-Rassentrenner. Einige konkurrieren in einem offensichtlichen Wettkampf darum, welcher woke Bahnbrecher zum offensten rassistischen Antirassisten gekrönt werden kann.

So schulmeistert Elie Mystel in Nation den Rest des Landes: „Weiße haben sich nicht gebessert; ich habe es lediglich geschafft ihnen weniger ausgesetzt zu sein.“ Würde Mystal bitte die Folgen für das Land insgesamt erklären, wenn jeder seinem eigenen Beispiel folgend sich Rassengruppen „weniger aussetzt“, von denen er das Gefühl hat, sie hätten sich „nicht gebessert“? Würde Mystal, um Weiße zu „bessern“, genetisches Umstrukturieren empfehlen oder banaler obligatorische Umerziehungslager?

Damon Young, ein leitender Redakteur von The Root und gelegentlicher Kolumnist der New York Times, fügt hinzu: „Weiß sein ist eine Krise der öffentlichen Gesundheit. Es verkürzt die Lebenserwartung, verschmutzt die Luft, engt die Ausgeglichenheit ein, vernichtet Wälder, schmilzt die Polkappen, entzündet (und finanziert) Kriege, ebnet Dialekte ein, verseucht Bewusstsein und tötet Menschen.“

Beachten sie das verräterische Verb „verseucht“.

Setzen Sie „Jüdisch sein“ statt „Weiß sein“ ein und es wäre nicht hetzerisch zu sagen, dass Youngs Text normale Kost des Stürmers circa 1935 wäre. Offensichtlich ist es so: Wenn Weiß sein alle Aspekte des natürlichen und menschlichen Lebens zerstört, was sollte dann wegen einer solchen Verseuchung unternommen werden – außer die Quelle des existenzbedrohenden Gifts zu vernichten?

Fast täglich lesen wir, dass die Forderung einer Identifizierung per Ausweis zum Wählen, so wie es zur Einlösung eines Schecks, für den Erhalt einer Impfung oder um ein Flugzeug zu betreten gemacht wird, von Weißen begangener Jim Crow-Rassismus sei. Das neue Landwirtschaftsgesetz wird klammen weißen Bauern nicht erlauben Hilfen zu beantragen. Die Stadt Oakland wird ihre Hilfen in einem neuen Pilotprogramm nicht auf arme Weiße ausdehnen. Beachten Sie, dass es für den letzten Fall keinen anderen Vorwand des „weißen Privilegs“ gibt als, „dass im mehrheitlich von Minderheiten bewohnten Oakland die absurde Annahme gemacht wird, dass verarmte Weiße dort mehr Privilegien haben als arme Nichtweiße“.

US-Senatorin Tammy Duckworth (Demokratin aus Illinois) gelobte neulich im verspäteten rassistischen Stil des verstorbenen Robert Byrd, sie wolle die Bestätigung weißer Kandidaten blockieren. Die Abgeordnete Maxine Waters (Demokratin aus Kalifornien) drängte auf Gewalt auf der Straße, sollte das Gerichtsurteil gegen Derek Chauvin nicht ihren vorgefassten Vorstellungen einer ordentlichen Verurteilung entsprechen. Millionen Amerikaner hören heute ihren nach Hause kommenden Kindern und Enkeln zu,  als seien diese aus Erziehungslagern entlassen worden, wenn sie die Versionen mittelalterlichen Puppenspielertheaters ihrer Lehrer von bösen Weißen hersagen, die ein vergiftetes Amerika geschaffen haben – in das seltsamerweise Millionen Nichtweiße aus aller Welt einwandern wollen.

Unwahrheit

Keine Bewegung kann lange existieren, wenn sie sich auf vollkommene Unwahrheit gründet. Das bescheuerte „1619 Project“ der New York Times konnte keinen zurechnungsfähigen Menschen überzeugen die Gründung der USA neu zu definieren – weder politisch noch strukturell, militärisch oder gesellschaftlich. Und das versuchte es ja nicht einmal.

Lincoln war kein übler Rassist, sondern bereit einen Bürgerkrieg zu führen, um die Sklaverei zu zerstören, sogar auf Kosten des Lebens von fast 700.000 Amerikanern. Die Verfasser setzten die Drei-Fünftel-Klausel nicht in die Verfassung, um Sklaverei zu verewigen, sondern als verzweifelten Kompromiss, um einen Bürgerkrieg mit den Sklavenstaaten oder eine Spaltung der Kolonien schon bei der Gründung der USA zu vermeiden – während sie die Entmenschlichung der Sklaverei immer noch nicht dadurch voll belohnten, dass sie zuließen, dass sie zur Aufwertung die politische Macht des Südens genutzt wurde.

Jeder Schuss der Polizei auf einen unbewaffneten Verdächtigen erfordert eine gründliche Untersuchung und, wenn diese korrekt erfolgt, juristische Konsequenzen für jeden überführten polizeilichen Täter. Aber Black Lives Matter hat dem Land gesagt, unbewaffnete Schwarze würden von der Polizei systematisch ermordet, in einem Umfeld von Weißen betriebenen Rassenhasses.

Die linke Washington Post deutete 2019 an, dass bei Konfrontationen mit der Polizei 13 unbewaffnete Afroamerikaner erschossen worden seien. Diese Zahl ist im Verhältnis doppelt so hoch wie der Anteil Schwarzer an der Bevölkerung, beträgt aber weniger als den Anteil von den jedes Jahr verhafteten Schwarzen.

Daten werden oft aus politischen Gründen verdreht. Aber in einem Land, in dem jedes Jahr 6.000 bis 7.000 Afroamerikaner von anderen Afroamerikanern erschossen werden, in Städten, in denen oft die Bürgermeister, die Staatsanwälte und die Polizeichefs Afroamerikaner sind, ist die Behauptung nicht haltbar zu schwören die existenzielle Bedrohung des schwarzen Amerika komme daher, dass die Polizei unschuldige junge Afroamerikaner abernte – nicht, wenn Familien zerfallen, Drogen die Norm sind, Väter abwesend sind, Verbrechen zunehmen, Schulen korrupt sind und niemand andere Hilfe anbietet außer der verfehlten Politik der letzten 60 Jahre.

Geht man die FBI-Daten zu denen durch, die wegen „Hassverbrechen“ verhaftet wurden, findet man keine Beweise für eine toxische und tödliche weiße Mehrheit, die auf „den anderen“ Jagd macht. Weiße sind als Gruppe, die solche rassistisch motivierten Gewaltverbrechen begeht, unterrepräsentiert. Schwarze hingegen sind überrepräsentiert. Sie begehen sie ungefähr doppelt so oft, wie ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt.

Die Medien haben die Nachrichtenkreise systematisch verzerrt, um Rassenspannungen anzuheizen und progressive Agenden zu schüren, die ohne den Sauerstoff der Hysterie ersticken. Von der Bearbeitung des Notrufs von George Zimmerman durch NBC und der „Hände hoch, nicht schießen!“-Lüge von Ferguson bis zum Wegschneiden des Messers in der Hand von Ma’Khia Bryant, die im Begriff war ihr Opfer zu erstechen, leben wir in einem woken Wunderland.

Die Woken bauschten die ersten Stunden (und manchmal Tage und Wochen) der Duke Lacrosse-Falschmeldung, die Ente der Covington Kids und die Täuschung von Jussie Smollett auf. Ob Wokeismus interessiert, dass ein unbewaffneter Verdächtiger von der Polizei tödlich getroffen wird, ist tragischerweise von der Rasse des Schützen und der des Opfers abhängig.

Innerhalb von Minuten kannten wir den Namen und sahen das Foto der Polizistin, der vermutlich Daunte Wright versehentlich tödlich anschoss. Gut. Ihr wird jetzt ein schweres Verbrechen vorgeworfen. Aber wir wissen immer noch nicht, wer absichtlich am 6. Januar im Kapitol Ashli Babbit erschoss. Uns wurde wochenlang erzählt, der Polizist Brtian Sicknick sei von neurechten Trump-Anhängern ermordet worden, bis er das nicht wurde und die Medien nicht länger verbergen konnten, dass er einen Tag nach dem Sturm auf das Kapitol eines natürlichen Todes gestorben war. Ein aktueller BLM-Protest in Minnesota, der sich am tödlichen Schuss auf einen bewaffneten Autoräuber entzündete, verflüchtigte sich, als plötzlich verkündet wurde, der Verstorbene sei ein Weißer. Heißt das, dass nicht alle Leben wichtig sind? Oder die Polizei zu untestützent, wenn sie tödliche Gewalt einsetzen muss, um die Gemeinschaft zu schützen?

Und immer so weiter.

Reichtum und Privileg?

Mit den Wokeisten gibt es zwei Probleme. Elitäre linke Minderheiten haben wenig Ahnung von den ländlichen weißen Armen und der Mittelklasse, die sie dämonisieren – aber in Wirklichkeit Minderheiten nicht bevormunden und eher dazu neigen Rasse komplett zu ignorieren. Und reiche woke Weiße wissen wenig und kümmern sich noch weniger um arme Minderheiten und deren untere Mittelklasse, die sie geflissentlich meiden – und dann zum Ausgleich deren Schuld wegen deren tugendhafte Schuld melden.

Stattdessen wird die Woke-Bewegung weitgehend von den oberen und sich selbst absondernden Klassen angetrieben – Eliten, denen es gut geht und die Rasse entweder dazu nutzen noch reicher zu werden, indem sie verbindliche Zugeständnisse anstreben, oder Weiße, die mit solchen Agenden sympathisieren oder glauben, sie würden von Beeinträchtigungen ihrer Karrieren ausgenommen sein, indem sie tugendhafte Gefühle signalisieren. Sie erinnern an zaristisch-russische Aristokraten, die das Gefühl hatten Lenin sei unausweichlich, auf ihn könne aber leicht Druck ausgeübt werden.

Gibt es irgendeine Regel, die besagt, dass die lauteste „Antirassistin“ der letzten zwei Monate in Häusern wohnen muss, die mehr als $10 Millionen wert sind? Wenn die Obamas sich außerhalb ihres Geländes in Martha’s Vineyard begeben, dann um das Land zu radikaler Unfairness und „Jim Crow“-Wahlrecht zu lehrmeisten. Wenn Oprah Winfrey mit Meagan Markle Beleidigungen vergleicht, dann schwatzt die Besitzerin eines $90 Millionen-Grundstücks mit einer, die ein $14 Millionen-Grundstück ihr Eigen nennt. Wenn LeBron James auf twitter ungestraft einen Polizisten bedroht („du bist als Nächster dran“), dann macht er das aus seiner eigenen, stark bewachten $40 Millionen-Enklave in Beverley Hills heraus.

Keiner dieser lautstarken Multimillionäre und Wokeisten würde den eigenen Security-Angestellten die Gelder entziehen oder es vorziehen nicht in ihren Epizentren der „Weißheit“ und „weißen Privilegs“ zu wohnen. Sie würden es genauso wenig vorziehen in einer Innenstadt zu wohnen, wie es sie nach Kansas aufs Land zieht.

Wir brauchen einen Petronius, um die Ironie einer selbsternannten „Marxistin“ Patrisse Khan Cullors erfassen, Mitgründerin von Black Lives Matter. Sie ist jetzt stolze Eigentümerin eines $1,4 Millionen-Hauses im Topanga Caynon in einem fast rein weißen Viertel – und sehr damit beschäftigt ihre marxistischen Markt-Erkenntnisse zu nutzen, um ein kleines Familien-Immobilienimperium aufzubauen. Es ist schon spannend, wie $100 Millionen an Unternehmensspenden aus Karl Marx Milton Friedman machen können.

Coca-Colas CEO James Quincey glaubt, sein $18 Millionen-Gehalt mache ihn genauso zu einer Autorität zu Unfairness und Ungerechtigkeit in Georgias Wahlgesetz, wie Delta-CEO Ed Bastian (mit nur $17 Millionen im Jahr) oder Baseball-Commissioner Rob Manfred, der vor COVID lediglich $11 Millionen im Jahr verdiente. Also sollen Amerikaner Coke kaufen, Delta fliegen und Major League Baseball schauen, während sie von diesen privilegierten Multimillionären zur die Notwendigkeit von Gerechtigkeit gelehrmeistert werden? Auch das ist ein nicht haltbarer Vorschlag.

Die Weißen, die wegen Privilegien verleumdet werden, haben in der Regel keine; diejenigen, von denen sie verleumdet werden, Weiße wie Nichtweiße, haben sie in der Regel. Aber der gemeinsame Nenner des Wokeismus ist absolute Ignoranz: Ignoranz, dass eine vielrassige Demokratie eine entflammbare, zerbrechliche Struktur ist, die ein Brandstifter leicht zerstören können, aber nur schwer von Ersthelfern zu retten ist; Ignoranz, dass der Reichtum, der die tausende auf der Straße antreibt, die Gleichheitskommissare, die Spürhunde menschlicher Ressourcen und die professionell Gekränkten sind auf einer herrschenden Elite gründet, die sicherstellt, dass Amerikaner und ihr politisches und Wirtschaftssystem in einer skrupellosen Welt die Konkurrenz übertrifft, die sich keine Illusionen über das Böse des Tribalismus macht; und Ignoranz, dass die Vision der Wokeness nicht nur radikale Vergeltung, sondern Nihilismus nach Art des Balkans ist.

Und das Merkwürdige ist, dass diese verblendeten Appeaser all dieses Wahnsinns nicht einmal als letzte gefressen werden.