Op-Ed: Zeit den Internationalen Holocaust-Gedenktag zu überdenken?

The New Antisemite, 24. Dezember 2014

Über den Algemeiner und JNS.org schlägt Ben Cohen vor, dass nichtjüdische Holocaust-Gedenkveranstaltungen abgeschafft werden sollten.

Wenn also das Holocaustgedenken im öffentlichen Raum erfordert, dass Juden ihre Beziehung zu Israel herunterspielen müssen und die enge Verbindung zwischen dem, was der Holocaust repräsentiert und der Bedeutung eines jüdischen Staates in unserer Zeit auslassen müssen, dann würde ich sagen, wir wären ohne den Holocaust-Gedenktag besser dran.

Ich finde, er ist zu nett. Der Holocaust wird inzwischen als Waffe gegen die Juden benutzt. Jüdische Organisationen ziehen sich bereits aus „Holocaust-Gedenkveranstaltungen“ zurück, wie diese als Plattform zum Einschlagen auf Israel und die Juden dienen. Europa liebt es seiner toten Juden zu erinnern und wendet sich dann gegen die lebenden und beschuldigt sie des Völkermords und ethnischer Säuberungen.

Wer braucht das? Wenn das die Lehre der Europäer aus dem Holocaust ist, dann flehe ich euch als Jude an aufzuhören. Hört auf den Holocaust zu lehren, hört auf seiner zu gedenken, hört auf diese Stolpersteine zu verlegen, die weiterhin mutwillig beschädigt werden. Und all das, während Juden bewaffnete Wachen vor ihren Synagogen und Schulen brauchen; wenn Menschen auf der Straße „Juden ins Gas“ und „Tod, Tod Israel“ brüllen können und die Staatsanwaltschaft sich nicht sicher ist, ob das illegal ist oder ein politischer Protest gegen ein anderes Land (in Mainz entschied sie, es sei Letzteres).

Abgesehen davon sind der Jahrestag der Kristallnacht und der internationale Holocaust-Gedenktag besondere Tage geworden, an denen Juden mehr als gewöhnlich angegriffen werden.

Sollte es daran irgendetwas Gutes geben, dann weiß ich wirklich nicht, was das sein soll.

Hitlers Schergen in Arabien

Guy Walters, 7. Dezember 2014

Der in Damaskus bestätigte Tod des Nazis Alois Brunner offenbart eine ungemütliche Wahrheit: Ägypten und Syrien haben lange Verbindungen zu Nazideutschland und boten flüchtigen Kriegsverbrechen lange Zuflucht.

Wenn die meisten von uns an das führende Rückzugsziel für reuelose Nazis denken, wendet unser Kopf sofort an Südamerika. Wir denken an Josef Mengele, der sich auf einer einsamen Estancia in Paraguay verbarg; oder an Adolf Eichmann, der sich in einem zweitklassigen Vorort von Buenos Aires versteckte.

Diese Wahrnehmung wurde von einer Menge spektakulärer Bücher verstärkt, die Anfang der 1970-er Jahre veröffentlicht wurden und von denen viele eine sehr zweifelhafte These unterstützten, ehemalige Nazis würden den Kontinent als Ausgangsbasis für ein „Viertes Reich“ nutzen, das – ja – die ganze Welt erobern würde.

Die gipfelte in Ira Levins Thriller The Boys from Brazil aus dem Jahr 1976, in dem teuflische Nazis einen teuflischen Komplott ausbrüten mehrere geklonte Hitler auf die Welt loszulassen. Aus dem Buch wurde 1978 ein Film gemacht und niemand geringeres als Gregory Peck und Laurence Olivier spielten darin mit.

Aber wie die gerade erfolgte Todesnachricht des ehemaligen SS-Offiziers und Eichman-Handlangers Alois Brunner offenbart, gingen die Jungs nicht nur nach Brasilien. Denn Brunner fand, wie so viele andere Nazis, im Nahen Osten eine gleichermaßen gastfreundliche Adresse, die auch noch weit weniger jott-we-deh war als ein Chalet in Patagonien, egal wie gemütlich dieses sein mochte.

Ein nicht datiertes Bild des in Österreich geborenen Kriegsverbrechers Alois Brunner. (AFP/Getty)

 

Brunner, der geschätzt 130.000 Juden in den Tod schickte, schuf sich in Damaskus in Syrien ein Zuhause, wo die Bedingungen ihm sehr gefielen. Obwohl in den letzten Tagen mit einigem Stuss über seine Aktivitäten nach dem Krieg hausieren gegangen wurde – von dem einiges wahr sein könnte – gibt keinen Zweifel, das er mit dem Regime Assad unter einer Decke steckte doer zumindest dessen Schutz genoss.

Brunner war aber nicht der einzige Täter des Holocaust, der in den Straßen der syrischen Hauptstadt herumlungert. Hinsichtlich der grauenhaften Zahlen hatte Franz Stangl, ehemaliger Kommandant des Vernichtungslagers Treblinka, rund 800.000 Morde auf dem, was von seinem Gewissen übrig war; er kam mit Hilfe eines römisch-katholischen Bischofs im September 1948 in Damaskus an.

Brunner soll verschiedentlich als Geheimagent, Waffenhändler und Sicherheitsberater gearbeitet haben, während Stangl untergeordnetere Positionen in Textilfabriken annahm. Das Leben war etwas genügsam, aber machbar. Zu Stangls Unglück fand ein örtlicher Polizeichef Geschmack an dessen 14-jährigen Tochter und wollte sie seinem Harem hinzufügen. Stangl zögerte nicht, packte seine Sachen und brachte seine Familie nach – Sie werden es erraten – Brasilien.

Stangl scheint einer der wenigen Nazis gewesen zu sein, die die Atmosphäre in Syrien nicht ansprechend fand. Die Meisten, wie Generalmajor Otto-Ernst Remer, war auf der arabischen Straße erfolgreich. Remer war, offen gesagt, ein echter Arbeiter und entschied sich – nachdem er Anfang der 1950-er Jahre in Westdeutschland die schnell verbotene Sozialistische Reichspartei gegründet hatte – dass die Arbeit als Waffenhändler mit Typen wie Brunner lohnender war.

Anders als Brunner war Remer ein Wanderer und verbrachte viel Zeit in diesem anderen Nest der Nachkriegs-Nazis – Kairo. Womöglich war die ägyptische Hauptstadt noch anziehender als Damaskus und hatte unmittelbar nach dem Krieg den Gastgeber für Nazis gespielt, als König Faruk seine Arme vielen ehemaligen SS- und Gestapo-Beamten öffnete.

Diese Gastfreundschaft ging auch weiter, nachdem Faruk von der Bewegung der Freien Offiziere 1952 abgesetzt wurde, da Nasser deutsche wissenschaftliche und geheimdienstliche Fachkenntisse als wesentliche Komponente seines Regimes betrachtete. Niemand geringeres als Joachim Deumling, der ehemalige Gestapochef in Düsseldorf, wurde damit beauftragt Nassers Geheimdienst zu gründen.

Tatsächlich liest sich die Liste einer Stammgäste Kairos in den 1950-er und 1960-er Jahre wie ein Who’s Who Nazideutschlands, in der Otto Skorzeny, der Retter Mussolinis ebenso vorkommt wie Stuka-Pilot Hans-Ulrich Rudel, der Führer berüchtigten SS-Strafeinheit Oskar Dirlewanger und der besonders widerliche und gewalttätige, antisemitische Handlanger Goebbels‘, Johannes von Leers.

Die Beziehung zwischen diesen früheren Nazis und den Ägyptern und Syrern war so erfolgreich, weil sie ein genuin wechselseitiger Deal war. Die Araber boten den Nazis eine Zuflucht sowie einen Markt für all ihre ruchlosen Waffengeschäfte und Schwarzmarkt-Währung. Die Nazis waren derweil in der Lage technisches und militärisches Fachwissen zu bieten, ebenso das Knowhow für die Einrichtung von Unterdrückungsinstrumenten.

Unter dem Rückenkratzen lag jedoch eine tief liegende und dunkle Unterstützung der Beziehung zwischen dem Halbmond und dem Hakenkreuz. Das war natürlich der Hass auf die Juden und insbesondere der Wunsch die Auslöschung Israels zu erleben.

Der geteilte Auslöschungswunsch wurde während des Krieges geboren, als 1941 der Großmufti von Jerusalem, Hadsch Amin al-Husseini, das luxuriöse Hotel Adlon in Berlin zu seinem Zuhause machte und Hitler mit seinem Judenhass beeindruckte. Der Mufti beeinflusste die Nazi heftig, sie sollten die Briten aus dem Nahen Osten verjagen und er war behilflich Rekruten für eine weitgehend muslimische SS-Einheit zu rekrutieren, die die 13. Waffen-Gebirgsdivision der SS Handschar hieß.

Zusätzlich hatte der deutsche Geheimdienst während des gesamten Krieges in Nordafrika eng it den Ägyptern zusammengearbeitet und vom Mufti wird angenommen, dass er ein Schlüssel-Mittler zwischen König Faruk und Hitler selbst war. Wenn noch weitere Beweise gebraucht würden, die die Wurzeln des Verhältnisses zwischen den Nazis und den Arabern gewünscht waren, dann lohnt es sich die Tatsache zu betrachten, dass sowohl Nasser als auch sein Nachfolger, Anwar Sadat, in der Kriegszeit Agenten der Deutschen waren.

Im gesamten Verlauf der späten 1960-er und 1970-er Jahre schafften es viele Altnazis unauffällig in das zurückzusickern, was sie als Vaterland ansahen. Andere jedoch, wie der frühere SS-„Arzt“ in Mauthausen, Aribert Heim – und auch Alois Brunner – sollten ihre Tage im Nahen Osten beenden, wo sie einsame Tode in unbedeutenden, staubigen Gassen von Kairo und Damaskus starben.

Man kann solche einsame Tode kaum betrauern, doch letztendlich fanden diese Nazis, die in den Nahen Osten entkamen, dauerhafte Zuflucht. Daran zu erinnern mag aufwieglerisch sein, wenn der Westen mit seiner Beziehung zu diesem Teil des Planeten kämpft, aber es nicht trotzdem die unbehagliche Wahrheit.

Bundesinnenminister de Maizière – eine Knallcharge

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat sich zum Phänomen der ISIS-Terrorkämpfer mit deutschem Pass oder Wohnsitz geäußert. Und dabei wieder einmal Scheuklappen offenbart, die unsere Eliten und Gesellschaft daran hindert klar zu sehen und die Dinge beim Namen zu nennen. Auszüge aus dem Text:

“Die deutschen Kämpfer sind nun mal auch Teil des Konflikts, den wir zu lösen haben”, sagte de Maizière in einem Interview mit dem stern. “Es sind unsere Söhne und Töchter. Ein Großteil wurde hier geboren. Sie sind in unsere Schulen gegangen, in unsere Moscheen, in unsere Sportvereine. Wir tragen für deren Radikalisierung Verantwortung.”

De Maizière begründet damit auch indirekt die veränderte deutsche Haltung in der Außen- und Sicherheitspolitik. Seit Anfang September unterstützt die Bundesregierung kurdische Peschmerga-Kämpfer mit Waffenlieferungen in ihrem Krieg gegen den IS. Im stern sagte de Maizière, Deutschland habe die “verdammte Pflicht und Schuldigkeit, dafür zu sorgen, dass der Terror nicht aus Deutschland in die Welt getragen werde”. 450 Kämpfer halte er für viel, vor allem deshalb, weil die Zahl rasant anwachse.

“Wir müssen verstört zur Kenntnis nehmen, wie dünn die Schicht der Zivilisation offenbar ist.” Wenn er höre, so der Minister, “dass auch Minderjährige, die eben noch auf der Schulbank saßen, von heute auf morgen in den heiligen Krieg ziehen, dann erschüttert mich das auch als Familienvater”. Die Dschihadisten seien oft Menschen, die nach Orientierung suchten, denen Vorbilder fehlten. Wer bei der IS mitkämpfe fühle sich dann plötzlich, “als Teil einer globalen Bewegung, steht scheinbar auf der richtigen Seite”.

Einen Kampf der Kulturen sieht der Innenminister gegenwärtig nicht, auch wenn es der IS darauf anlege: “Das hätten diese Terroristen gern”. Dass der IS von jedem Muslim “unbedingten Gehorsam” verlange, nannte de Maizière “kulturellen Imperialismus – das hat nichts mit dem Islam zu tun”.

Fragen wir einmal, wie viel persönliche Verantwortung diese Leute – so jung sie auch sein mögen – selbst tragen. Oder besser nicht, denn heutzutage gibt es das nicht mehr. Die Gesellschaft ist schuld, erst recht, wenn jemand eine persönliche Entscheidung von solcher Reichweite trifft, nicht wahr? Diesen Menschen muss jegliche Eigenverantwortung abgesprochen werden. Basta.

Es lässt sich nicht leugnen, dass Teenager und junge Erwachsene stark beeinflussbar sind. Damit aber die Verantwortung für ihr Tun und Verhalten „der Gesellschaft“ anzulasten, ist unlauter. Einerseits entmündigt es die betreffenden Menschen, andererseits gibt es ihnen einen Freibrief, weil sie für ihr Tun nicht geradestehen müssen, sondern sich auch noch als Opfer gerieren dürfen. Wir erleben das ständig mit Straftätern vor Gericht; wir erleben es ständig, wenn es um den Nahen Osten geht; wir erleben das ständig, wenn es um Muslime und ihr Verhalten geht.

Anders sieht es dann immer nur aus, wenn es um Rechtsradikale/Neonazis oder um Pädophile geht. Dann auf einmal ist nur dieser verantwortlich. Ebenso bei Israelfreunden und Islamkritikern: Über denen werden Gülle-Kübel ausgekippt; weil sie es wagen vom Mainstream-Wahn abzuweichen. Und getreu dem Motto, dass ein Ausgestoßener zum anderen gehört, werden alle in einen Topf gekippt und jeder Islamkritiker als mindestens rechtsradikal, bestimmt aber auch Nazi verunglimpft. Das ist so schön bequem und man muss sich nicht mit Argumenten auseinandersetzen – es reicht, den ideologischen Unsinn nachzuplappern, den die Mit-dem-Strom-Schwimmer verbreiten.

Aber nehmen wir mal einen Moment an, der Bundesinnenminister habe Recht damit, dass (nur) die Gesellschaft für die Extremisten und Mörder verantwortlich sei. Ist es dann nicht so, dass er (und alle anderen, die so gerne auf Islamkritik/-er eindreschen) sich auf der Stelle bei denen entschuldigen müssten, die seit Jahren vor den Radikalmuslimen warnen? Ist es nicht so, dass die Kritiker richtig lagen?

Statt ihnen zuzuhören, wurden sie verteufelt, ausgegrenzt und zu Nazis erklärt – egal, ob sie vor radikalislamischen Tendenzen warnten oder den Islam als inhärent böse ansahen. Da gab es keine Unterschiede. Die politisch korrekte Sichtweise befahl, dass alles hingenommen werden muss und Kritik nicht erlaubt ist. Und in vielen Fällen ging das über verbale Angriffe bis hin zum Rufmord hinaus – es gab Morddrohungen und physische Angriffe auf bis hin zu Mordversuchen an Personen, die sich nicht mit dem Friede-Freude-Eierkuchen-Gehabe abfinden wollten. Aber auch das sind trotz ihrer inzwischen riesigen dann „Einzelfälle“, manchmal sogar „bedauerliche“ solche, aber immer galt das Credo der Scheuklappenträger, dass das nichts mit dem Islam zu tun habe. Jetzt haben wir den Salat, die angeblichen Gar-nicht-wirklich-Muslime von der radikalen Sorte haben Zulauf, ihre Zahl wächst massiv und sie gebärden sich zunehmend als Herren der Welt, auch unserer. Sie beanspruchen „den“ Islam schlechthin zu vertreten und zu praktizieren und sind damit erfolgreich.

Und auch der Bundesinnenminister kann sich – wie so viele andere – weiter nicht dazu aufraffen der Wirklichkeit ins Auge zu sehen. Nein, es hat nicht nur nichts mit dem Islam zu tun, sondern die Radikalen sind auch nicht verantwortlich, sondern „wir“ („die Gesellschaft“). Und das hat sowieso alles nichts mit dem Islam zu tun. Immer noch nicht.

Wie blind kann man sein?

Wie blind will man sein?

Hat der Wahnsinn noch Methode oder ist er derart in Fleisch und Blut übergegangen, das er völlig unkontrolliert wüten kann? Und was von beidem wäre „besser“?

Wie viele Wähler müssen noch angeblich oder tatsächlich radikalen Parteien in die Arme getrieben werden, bis die „großen“ Parteien und die, die nicht groß, aber lautstark sind, endlich begreifen, dass sie sich des Problems annehmen müssen, statt zu jammern, dass angebliche oder tatsächliche Rattenfänger (die natürlich immer nur „rechts“ zu verorten sind, nie „links“!) Zulauf bekommen? Irgendwann werden die Menschen in diesem Land sich nicht mehr damit abfinden, dass sie mit ihren Ängsten und Befürchtungen verleumdet werden. Und hier liegt die wahre Verantwortung „der Gesellschaft“ und des Staates – also der Regierung, der politischen, kulturellen und medialen Eliten. Sie müssen endlich anfangen sich mit den Problemen und deren Ursachen zu beschäftigen, statt Symptome zu bejammern und kritischen oder verängstigten Menschen gehässige Etiketten anzukleben.

Verleumdung und Stigmatisierung funktionieren nur bis zu einem bestimmten Punkt. Dann kippen Lage und Stimmung und wir landen in einer gewalttätigen Auseinandersetzung, die bis zum Bürgerkrieg führen kann. Außer, die radikalen Halbmondjünger schaffen es, direkt oder indirekt die Macht zu übernehmen und uns in einen Scharia-Staat zu verwandeln. Spätestens dann ist nicht mehr „die Gesellschaft“ schuld, sondern alle die, die sich nicht unterwerfen wollen. Und die haben ein Schicksal, das wir in einem zur Zeit immer größer werdenden Teil der Welt erleben „dürfen“. Aber dann werden die de Maizières, Claudia Roths und wie sie alle heißen auf einmal noch mehr jammern – wenn sie denn noch können.