Gedankenverlorenes Territorium – ISIS-Sexsklavinnen überglücklich: Die Regeln für Vergewaltigung sind klargestellt

„Wenn mein Herr und seine Kumpane mich auf unvorstellbare Weise brutal behandeln und vergewaltigen, weiß ich, dass sie einem einwandfreien Regelwerk folgen.“

PreOccupied Territory, 31. Dezember 2015

Raqqa, 31. Dezember – Tausende von Kämpfern des Islamischen Staats gefangene und zu Sexsklavinnen gemachte Frauen und Mädchen atmeten diese Woche kollektiv erleichtert auf, nachdem der selbsternannte Kalif Abu Bakr Al-Baghdadi religiöse Richtlinien dafür ausgab, wann, unterwelchen Umständen und mit welchen Methoden solche gefangenen Frauen vergewaltigt werden können.

Al-Baghdadi leitete die Entwicklung und Veröffentlichung der Richtlinien, die seinen Kämpfern helfen sollen sich an einwandfreie islamische Praktiken zu halten, während sie kämpfen, um den Islam zu einer einizgen politischen Einheit zu machen, die die Welt umspannt. Über die reine Eroberung von Territorium und die Zwangskonvertierung oder Massakrierung gesamter Bevölkerungen hinaus benötigen die Kämpfer und Funktionäre des Islamischen Staats praktische Führung dazu, wie sie ihre Angelegenheiten führen, nachdem der eigentliche militärischen Kampf und seine blutigen Nachwirkungen abgeschlossen sind. Al-Baghdadi hielt es daher für angebracht seinen Untertanen zu helfen die Einzelheiten der Scharia, des Islamischen Gesetzes, zu wahren, wie es auf die banaleren Details des Lebens und der Verwaltung gebraucht wird, besonders die Einstellung, Ausbeutung und Behandlung von gefangenen Frauen. Bis zur Ausgabe dieser Richtlinien, sagten die Frauen und Mädchen, gab es keine Möglichkeit vorherzusagen, welche Art grausamer Behandlung sie jeden Tag erhalten würden, aber jetzt ist diese Ungewissheit beseitigt worden.

„Ich weiß eigentlich nicht, wie die neuen Regeln aussehen, denn mir ist nicht erlaubt zu lesen, Radio zu hören oder auf andere Weise Informationen zu bekommen“, sagte Isma, ein 15-jähriges jesidisches Mädchen, das im letzten Juni von einem ISIS-Kommandeur gekauft worden war. „Aber ich habe davon reden gehört, so dass ich jetzt wenigstens weiß, wenn mein Herr und seine Kumpane mich auf unvorstellbare Weise brutal behandeln und vergewaltigen, dann handeln sie nach einem einwandfreien Regelwerk, selbst wenn ich diese Regeln nicht kenne.“

„Wir können jetzt etwas aufatmen“, stimmte Maryam (14) zu, ein kurdisches Mädchen. „Das heißt, wenn ich überhaupt aufatmen könnte. Mein Herr brach mir eine Rippe, als ich seinen ersten Avancen Widerstand leistete und das ist nicht geheilt, weil es weiter passiert. Jetzt, da ich weiß, dass die Schläge nicht willkürlich sein dürfen, sondern vom islamischen Recht nur gerechtfertigt sind, wenn ich es ablehne seiner Lust und seinem Wunsch nach Dominanz gefällig zu sein, ist etwas von der Spannung weg.“ Marya und ihre Schwester Ada (1) wurden Anfang des Sommers gefangen und werden von demselben ISIS-Bataillonskommandeur festgehalten und wiederholt vergewaltigt.

Ada fügte hinzu, das sie besonders dankbar ist, dass die Regeln sie nicht verpflichten nur die Libido ihres Herrn zu bedienen, sondern es ihm erlauben sie dazu zu zwingen auch andere Hausarbeiten zu erledigen. „Es ist eine solche Erleichterung, manchmal in der Lage sein zu können das Haus zu verlassen und Wasser holen zu gehen oder etwas zu reinigen, so dass ich eine Weile von ihm und seinen ‚Jungs‘ weg sein kann“, sagte sie. „Gott sei Dank für diese Regeln.“

Die Regeln des Islamischen Staats für Vergewaltigung

Fatwas des Islamischen Staats zu den Verhaltensregeln der Sex-Sklaverei sind übersetzt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Hier das, was darin steht.

The Clarion Project, 30. Dezember 2015

Theologen des Islamischen Staats haben in einer ausführlichen Fatwa detaillierte Entscheidungen dazu ausgegeben, wer Sexsklavinnen vergewaltigen darf und wann.

Die Fatwa wurde vom US-Militär als Teil eines Fundes von Dokumenten sichergestellt, die im Mai dieses Jahres bei einem Angriff erbeutet wurden, bei dem der Finanzchef des Islamischen Staats (ISIS/ISIL), Abu Sayyaf getötet wurde. Reuters hat Exposés einiger der dabei sichergestellten Dokumente gebracht, darunter diese Fatwa.

Fatwa Nr. 64 mit Datum vom 29. Januar 2015 und ausgegeben vom Komitee für Forschung und Fatwas des Islamischen Staats ist als Warnungen an „einige der Brüder“ gegliedert, die „Verstöße in Sachen Umgang mit den Sklavinnen begangen haben“, von denen ISIS das Gefühl hat sie „sind vom Scharia-Recht nicht erlaubt“.

Um zukünftige Missverständnisse zu vermeiden, kodifiziert die Fatwa die Regeln für Sexsklaverei folgendermaßen:

  • Ein Sklaveneigner darf keinen Geschlechtsverkehr (Vergewaltigung) mit seiner Sklavin haben, wenn diese schwanger ist oder menstruiert.
  • Er darf nicht Mutter und Tochter vergewaltigen, wenn ihm beide Frauen gehören.
  • Er darf nicht zwei Schwestern vergewaltigen, wenn ihm beide gehören – er muss sich für eine entscheiden. Verkauft er sie aber, wird die andere erlaubt.
  • Ein Sohn darf die Sklavin seines Vaters nicht vergewaltigen, auch der Vater nicht die Sklavin seines Sohnes. Genauso wenig darf ein Ehemann die Sklavin seiner Frau vergewaltigen. Das Mädchen zu verkaufen oder zu verschenken ändert dies.
  • Einem Sklaveneigentümer ist es nicht erlaubt einen Fötus seiner Sklavin abzutreiben, die von ihm geschwängert wurde.

Es gibt auch gerichtliche Verfügungen, dass Sklaven gut zu behandeln sind:

  • Der Eigentümer einer Sklavin sollte ihr gegenüber Mitgefühl zeigen, freundlich zu ihr sein, sie nicht erniedrigen und ihr keine Arbeit zuweisen, die auszuführen sie nicht in der Lage ist.

Für eine Organisation, die für ihre drakonischen Umgang zu Verbrechen und Bestrafung berüchtigt ist, fehlen auffälligerweise Strafen Verstöße gegen diese Regeln.

Eine weitere Broschüre, die vom Forscher und Experten für den Islamischen Staat Jawad al-Tamimi übersetzt wurde, legt die Basis der Scharia für die Gefangennahme im Krieg dar, einschließlich der von Sexsklavinnen; sie bietet Anleitung dazu, wen Kämpfer gefangen nehmen und versklaven dürfen.

„Für die Ungläubigen, die keinen Dhimmi-Pakt, Waffenstillstand oder Sicherheit zwischen sich und den Muslimen haben, lautet das Prinzip zu ihnen, dass ihr Blut und Eigentum als Beute freigegeben sind, wenn sie nicht zum Islam konvertieren oder die Jizya zahlen und unter die Herrschaft des Islam kommen“, heißt es in der Broschüre weiter.

„In dieser Hinsicht dürfen ihre Frauen und Nachwuchs gefangen genommen werden.“

Die Broschüre legt fest, dass es nicht erlaubt ist weibliche Gefangene zu vergewaltigen, bis sie als Sklavinnen bestätigt sind, da der Imam (Kalif) entscheiden kann sie entweder freizulassen oder Lösegeld für sie zu fordern. Nur Nichtmuslime dürfen gefangen genommen werden und von diesen keine Juden und Christen, die zugestimmt haben sich dem Kalifat in einem Dhimma-Pakt zu unterwerfen.

„Aber ISIS tötet mehr Muslime als Nichtmuslime!“

Raymond Ibrahim, 17. Dezember 2015

Mit dem Aufstieg des Islamischen Staates (ISIS, ISIL oder IS) ist eine alte Rechtfertigung, die den Islam von der Gewalt entbinden soll, wieder bedeutend geworden. Weil ISIS andere Muslime tötet, so lautet das Argument, kann seine Gewalt offensichtlich nicht auf dem Islam gründen, der es Muslimen verbieten muslimische Glaubensbrüder in seinem Namen zu töten.

Dieser Punkt wird jedes Mal betont, wann immer islamische Jihadisten im Westen Massaker begehen. Kurz nach dem Terroranschlag in San Bernardino mit 14 Toten legte US-Präsident Barack Obama, der früher schon darauf bestand, dass der Islamische Staat „nicht islamisch ist“, genau dar:

ISIS spricht nicht für den Islam. Sie sind Strolche und Mörder, Teil eines Todeskults… Darüber hinaus ist die bei weitem überwiegende Mehrheit der Terroropfer der Welt Muslime. (Hervorhebung hinzugefügt)

Gleichermaßen veröffentlichte der Independent aus Großbritannien nach dem Terroranschlag in Paris im November, der 129 Menschen das Leben kostete, einen Artikel mit der Überschrift: „Pariser Anschläge: ISIS verantwortlich für mehr muslimische Tote als für westliche Opfer“. Und die Daily Beast argumentierte: „Vor dem Horror von Paris tötete ISIS tagtäglich Muslime., Wir Muslime hassen diese wahnsinnigen Leute mehr als sonst irgendjemand… Aber die Opfer Nummer 1 dieser barbarischen Terrorgruppe sind Muslime. Das ist unbestritten.“

Zusammen mit der Distanzierung des Islam von Gewalt – wahre Muslime sollen keine anderen Muslime im Namen des Jihad töten – vernebelt dieses Argument die Frage, wer das wahre Opfer islamischen Terrorismus ist: Warum über muslimisches Abschlachten von Nichtmuslimen reden – ob Westler in Paris oder Kalifornien oder christliche Minderheiten unter dem Islam – wenn es Muslime sind, die die vorrangigen Opfer sind, die das meiste Mitgefühl verdienen?

Dieses Argument ist jedoch auf mehreren Ebenen fehlerhaft. Erstens betrachtet der Islamische Staat seine Opfer nicht als Muslime. Tatsächlich betrachtet der sunnitische Mainstream-Islam – der dominierender Strang des Islam, an den ISIS sich hält – alle Nichtsunniten als falsche Muslime; bestenfalls sind sie Häretiker, die sich dem „wahren Islam“ unterwerfen müssen.

So verstehen Sunniten weithin Schiiten, umgekehrt genauso – daher ihr dauernder Krieg. Während westliche Fernsehsprecher dazu tendieren sie als „Muslime“ zusammenzuwerfen – worüber die falsche Schlussfolgerung erzielt wird, dass ISIS unislamisch ist, weil er „muslimische Glaubensgeschwister“ tötet – betrachtet jede Gruppe die andere als Feinde. (Er in jüngerer Zeit, in der beide Gruppen gegen den Westen und Israel Ränke spinnen, arbeiten sie gelegentlich zusammen.)

Insgesamt ist es also so: Wenn sunnitische Jihadisten Schiiten abschlachten – oder Sufis, Drusen und Bahai, die kleinere Gruppen sind, die in unterschiedlichem Maß mit dem Islam nahe stehen – dann tun sie das nach genau der Logik, nach der sie christliche Minderheiten oder europäische, amerikanische und israelische Staatsbürger abschlachten: Alle sind Ungläubige, die entweder den wahren Glauben annehmen, unterworfen oder sterben müssen.

Fakt ist, dass ISIS andere „Muslime“ nur tötet, um die Überlegehenheit beanspruchenden und intoleranten Aspekte des Sunnismus zu bestätigen. Sehen Sie sich nur unseren guten „Freund und Verbündeten“ Saudi-Arabien an, dessen offizielle Religion der sunnitische Islam ist und sehen sIe sich an, welcher Untermenschen-Umgang die schiitischen Minderheiten dort erfahren.

Aber was ist mit den Sunniten, die im Jihad des Islamischen Staats getötet werden? Diese werden als „Märtyrer“ wegerklärt – Kollateralschaden – der dazu bestimmt ist in das Paradies des Islam einzuziehen. Das Thema der während des Jihad getöteten Mitsunniten ist im Verlauf der Jahrhunderte durchaus weitgehend thematisiert worden. Es erhielt durch den Al-Qaida-Führer Ayman Al-Zawahiri in seinem Aufsatz „Jihad, Märtyrertum und das Töten von Unschuldigen“ (The Al Qaeda Reader, S. 137-171) eine umfassende Analyse. Nach seiner Schilderung, dass drei der vier sunnitischen Rechtsschulen – Hanafi, Schafi’i und Hanbali – das versehentliche oder unvermeidbare Töten von Muslimen im Jihad nicht verbieten, schloss Zawahiri:

Das einzige, was Mudschaheddin [Jihadisten] ausdrücklich tun müssen, sollten sie wissentlich einen Muslim töten [der sich zwischen den angezielten Ungläubigen befindet], ist Wiedergutmachung zu leisten. Blutgeld ist indes ein Weg ganz aus der Auseinandersetzung hinaus. Die Zahlung sollte nur geleistet werden, wenn es einen Überschuss an Geldern gibt, die nicht länger gebraucht werden, um den Jihad zu finanzieren. Das gilt wiederum nur, wenn ihr [muslimisches] Mischen mit den Ungläubigen au seinem legitimen Grund erfolgt, zum Beispiel wegen Geschäften. Und wir gehen davon aus, dass diejenigen, die getötet werden, Märtyrer sind und glauben, dass das, was der Scheik des Islam [Ibn Taymiyya] über sie sagte, gilt: „Diejenigen Muslime, die versehentlich getötet werden, sind Märtyrer und der verbindliche Jihad sollte nie aufgegeben werden, weil er Märtyrer schafft.“

Was ist aber mit den Sunniten, die ISIS absichtlich tötet? Hier verlassen sich die Jihadisten auf takfir, den Akt, dass eine sunnitische Gruppe eine andere sunnitische Gruppe als kafir verurteilt – also Nichtmuslime, Ungläubige, deren Blut ungestraft vergossen werden kann. Takfir hat fast seit seinem Beginn neben dem Islam existiert, angefangen mit den khawarij (Charidschiten) – die Muslime rituell schlachtete, weil sie nicht dem Buchstaben des Gesetzes folgten – und war/ist die Hauptratio, um Jihad zwischen unterschiedlichen sunnitischen Staaten und Reichen zu rechtfertigen.

Kurz gesagt sind nichtsunnitische Menschen für sunnitische Jihadisten – nicht nur ISIS, sondern auch Al-Qaida, Boko Haram, Hamas et.al. – allesamt Ungläubige und damit Freiwild. Was die Mitsunniten angeht, sind sie, falls sie versehentlich sterben, Märtyrer („und der verpflichtende Jihad sollte niemals aufgegeben werden, weil er Märtyrer schafft“); und wenn Mitsunniten bewusst im Weg stehen, werden sie als Ungläubige verurteilt und dementsprechend getötet.

Das Argument, dass ISIS und andere jihadistische Organisationen Mitmuslime töten, beweist nichts. Muslime haben von Anfang an Muslime wegen der Beschuldigung abgeschlachtet, die „nicht islamisch genug sind“. Was kann also der offene Nichtmuslim – wie westliche Ungläubige – erwarten?

Letztlich ist es einfach Jihad und mehr Jihad, für alle und jeden.