Hass auf Israel – Was wir wissen, jedoch nicht laut sagen dürfen

aus: National Review online, übersetzt von Daniela Marcus (Nahost-Focus, 31.07.2002, nicht mehr online)

Europa, die Vereinten Nationen, viele Elitekreise in Amerika und natürlich die gesamte arabische und islamische Welt sind gegen Israel eingestellt. Drei Behauptungen sind Vorwand für diese Einstellung.

  1. BESATZUNG

Israel besetzt absichtlich Land, das nicht ihm gehört – eine Travestie, die vollkommen unisono auf der Weltbühne gespielt wird und somit besondere und umfassende Missbilligung verdient. Außerdem gibt es -entgegen dem ständigen palästinensischen Lamento- eine große Menge an besetzten Gebieten in der heutigen Welt – Tragödien, die vollständig aus dem moralischen Radarschirm der UN verschwinden und die für keinen der selbst ernannten Moralapostel der arabischen Welt von Bedeutung sind.

Seit 1974 ist ein Teil des griechischen Zypern unter türkischer Kontrolle – die Häuser und das Eigentum der griechisch sprechenden Zyprioten sind konfisziert, die einheimische Bevölkerung ausgewiesen und die Insel geteilt. Tibet wurde von China annektiert, völlig illegal und ohne besondere Reklamationen, mit Ausnahme einiger weniger in den USA.

Was geschah mit dem Libanon? Die Syrer haben das ganze Land besetzt, die Palästinenser sind eine Art staatseigener Sklaven und die Libanesen selbst sind kaum mehr als die Butler ihrer syrischen Herren. Kurdistan ist im Besitz dreier verschiedener Länder. Auf dem Balkan herrscht ein Durcheinander von ethnischen Slawen, Albanern, Serben und Griechen, die in Ländern leben, die von anderen kontrolliert werden. Eine Viertelmillion –und nicht dreitausend- sind in den letzten fünfzehn Jahren gestorben. Was gibt Russland das Recht, an japanischen Inseln festzuhalten, die es in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges konfisziert hat? Terrororganisationen, die Hamas und Hisbollah ähnlich sind, versuchen in Irland und Spanien Menschen in die Luft zu jagen, um für sich selbst ein autonomes Heimatland und Erbe zu fordern.

Was in vielen dieser Fälle anders ist, ist die Tatsache, dass die Tibeter nicht dreimal versuchten, in China einzumarschieren. Griechische Zyprioten versuchten nicht, die Türken durch eine Reihe von Kriegen ins Mittelmeer zu werfen. Auch versuchte die libanesische Armee nicht, Amman zu stürmen, sie verlor keinen Krieg gegen Syrien und dadurch die Autonomie ihres Heimatlandes. Ganz offensichtlich geht in Palästina noch mehr vor sich als die moralische Entrüstung der Welt über den Umgang mit besetztem Land.

  1. GRENZEN UND FLÜCHTLINGE

Die traurige Geschichte der Kriege ist es, dass Menschen vertrieben werden. Ich zweifle daran, dass Millionen von Deutschen irgendwann wieder etwas von ihrem Land erhalten werden, das inzwischen zu Ostfrankreich oder Westpolen gehört. Tausende von Russen fanden sich in der Situation wieder, dass sie in den baltischen Staaten mehr und mehr unerwünscht waren. Werden die ionischen Griechen –Bewohner der Westküste der Türkei seit dem 11. Jahrhundert vor Christus- jemals in ihre Heimat zurückkehren, nachdem sie in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts brutal von dort vertrieben worden waren? Millionen von islamischen Pakistanern und indischen Hindus leben in künstlich geschaffenen Ländern, in denen sie nicht geboren wurden.

Wenn man die alte oder moderne Geschichte auf faire Art und Weise betrachtet, muss man zugeben, dass die Situation in Palästina nicht einzigartig ist. Tatsächlich versucht Israel, seine geschlagenen Feinde weitaus gerechter zu behandeln als es die meisten Sieger –ob man nun die Türken, die Polen, die Franzosen oder die Chinesen betrachtet- in der Vergangenheit taten. Über Fragen bezüglich der Anzahl der Toten und des Kollateralschadens will ich mich hier nicht äußern. Entgegen dem, was die UN und die palästinensische Propagandamaschine sagen, geht das wahre Morden heutzutage in Zentralafrika, im Amazonasbecken, in der früheren Sovietunion und in Indien vor sich. Was erstaunt, ist nicht, dass Palästinenser im Kampf gestorben sind, sondern dass im Vergleich zu den Kämpfen in den Stadtgebieten von Tschetschenien, in Mogadischu und Panama, so wenig ums Leben gekommen sind. Unter diesem Gesichtspunkt ist Herr Arafats Heraufbeschwören von Stalingrad sowohl historisch dumm wie auch obszön im Gedenken an all die Hunderttausend, die im Winter 1942/43 auf beiden Seiten ums Leben gekommen sind.

  1. RASSISMUS

Eine konstante Beschuldigung –die erst kürzlich auf widerliche Art von Herrn Arafat geäußert worden war- ist diejenige, dass die Israelis einen rassistischen Widerwillen gegen die Palästinenser hegen. Er hat behauptet, die Israelis versuchten auf Naziart, die Westbank von Nichtjuden zu säubern. Die UN selbst hat über Jahre hinweg versucht, Resolutionen herauszugeben, die den Zionismus mit Rassismus gleichsetzen. Doch wenn man die Sache fair und unter dem Gesichtspunkt rassischer und religiöser Toleranz betrachtet, muss man sagen, dass die israelische Regierung Lichtjahre entfernt ist von dem, was in der arabischen Welt vor sich geht. In privaten Kreisen geben die Araber zu, dass sie in Tel Aviv weitaus besser behandelt werden als die Juden derzeit in Kairo, Bagdad, Damaskus oder Amman behandelt werden würden. In der israelischen Tageszeitung „Jerusalem Post“ lesen wir nicht, dass Palästinenser als „Affen“ und „Vampire“ bezeichnet werden, wie wir das in arabischen Tageszeitung über die Juden lesen. Es gibt in Israel auch keine umfangreiche Literatur –wie in der arabischen Welt über die Juden-, die sich der Beweisführung widmet, dass Israels Feinde Untermenschen sind. In diesem gegenwärtigen Konflikt existieren wirklicher Rassismus und Hass, doch werden diese hauptsächlich von Arabern und nicht von Juden geäußert. Hätte eine Zeitung in Tel Aviv behauptet, dass die Araber Blut trinken und wären die Araber mit Primaten in Verbindung gebracht worden, wäre die Entrüstung der Welt sogar erst an zweiter Stelle nach derjenigen in Israel gekommen.

Wenn Israel für nichts anderes als dafür, sich selbst zu verteidigen, schuldig gesprochen wird und dafür, seinen geschlagenen Gegnern erst dann das Land zurückgeben zu wollen, wenn dem jüdischen Staat Sicherheit garantiert wird, was ist dann der Kern des Hasses der Welt auf Israel? Die Antwort ist offenkundig und kann in fünf Hauptpunkten zusammengefasst werden.

Realpolitik

Wir dürfen niemals das absolute Selbstinteresse der Staaten vergessen – ein Wesenszug, von dem die griechischen Geschichtsschreiber gedacht haben, dass er der Kern der meisten Konflikte ist, oftmals geschmacklos getarnt durch Vorwände wie „Gerechtigkeit“ und „Fairness“. Es mag beinahe eine halbe Milliarde arabisch sprechende Menschen geben. Millionen islamischer Bürger wohnen nun im Westen. Nur die wenigen hundert Kilometer des Mittelmeeres trennen Europa von den mittelalterlichen Regimes in Libyen, Algerien und Syrien. Die Wichtigkeit der arabischen Welt reicht von der Größenordnung der im Ausland lebenden Bevölkerung bis hin zum Nutzen expansiven Handels und großer Märkte. Die Wichtigkeit Israels kann in diesem Fall in einer Ansammlung von kulturellen, ökonomischen und politischen Ängsten und Möglichkeiten beurteilt werden. Wäre Israel groß –sagen wir 400 Millionen Juden- und die arabische Welt darum herum spärlich (vielleicht 10 Millionen), dann würden wir Dutzende von UN-Resolutionen sehen, die Herrn Arafat für alles verurteilen, angefangen vom Mord an US-Diplomaten in der Vergangenheit bis hin zu seiner gegenwärtigen Mitschuld an Selbstmordanschlägen dadurch, dass er sie in Auftrag gibt.

Öl

Zwischen einem Viertel und einem Drittel der Ölreserven dieser Welt sind in Saudi-Arabien, Kuwait und im Irak zu finden. Für etwa die nächsten 30 Jahre sind Europa, die USA und Japan auf diese ständige Versorgung von wichtigem Petroleum angewiesen. Und während die wirtschaftlichen Kraftwerke des Westens offensichtlich versuchen, alternative Lieferanten in Russland, Südamerika und Norwegen zu finden, bleibt doch die Tatsache bestehen, dass durch die global verbundene Wirtschaft das östliche Öl –und dessen instabile und unangenehme Verwalter- in vorhersehbarer Zukunft unentbehrlich für die ökonomische Weltgesundheit ist. Wir haben verschiedene Anstrengungen, die Ölversorgung zu unterbrechen, dieser Regimes gesehen –angefangen von Saudi-Arabiens Ölembargo im Jahr 1974 bis hin zur Bombardierung von Tankern im Persischen Golf durch den Iran und zu Saddam Husseins Fackelzug zu den Ölfeldern in Kuwait- und darum realisieren wir, dass ungünstige Beeinflussungen, gegenseitige Vernichtungskriege und unerklärliche Fehden all diese Autokratien zu jeder Stunde aufwiegeln können. Es ist viel einfacher –und billiger- angesichts der routinemäßigen Schrecken den Mund zu halten oder tatsächlich aktiv ihre oftmals absurden Tagesordnungen zu begünstigen.

Überdies bringt das Einkommen durch das Öl diesen Diktaturen westliche technologische Expertisen und militärische Ausrüstung – und somit die Sympathie von Millionen in der westlichen Welt, die davon abhängig sind, diesen Diktaturen alles zu verkaufen, angefangen von Handys und Computern bis hin zu Düsenjägern. Tausende von Europäern und Amerikanern, die Rohöl kaufen, damit Handel treiben und es verschiffen, können die Wut ihrer Wohltäter kaum riskieren. Also verstecken sie ihren Eigennutzen unter dem Deckmantel patriotischer Slogans wie „nationales Interesse“ und „ökonomische Sicherheit“. Hätte Israel 25% der Ölreserven dieser Welt und seine arabischen Nachbarn keine, würde die EU nun die palästinensischen Bomber als die Schlägertypen und Terroristen, die sie sind, verurteilen.

Terrorismus

In den vergangenen 30 Jahren stand die Mehrheit der internationalen Terroristen im Dienst der radikalen islamischen und arabischen Sache. Es waren die schlimmsten Killer, die internationale Flugzeuge in die Luft jagten, die Olympischen Spiele stürmten, westliche Diplomaten ermordeten, Botschaften stürmten, Geiseln nahmen und Zivilisten bei der Arbeit im wahrsten Sinn des Wortes verdampfen ließen. Das bedeutet nicht, dass japanische, irische, baskische, malaysische, weiße rassistische und armenische Terroristen nicht häufig gemordet haben, sondern nur, dass arabische Mörder weit mehr auf globaler Ebene Angriffe ausgeführt haben, besonders in Europa und Amerika. Spätestens mit dem 1967er Krieg hat die Welt erkannt, dass die Unterstützung Israels in der Ermordung von Diplomaten, Athleten, Touristen und Soldaten im Schlaf, bei der Arbeit und im Urlaub resultiert. Hätte der Mossad im Gegensatz dazu Franzosen, Amerikaner und Deutsche überall auf der Welt ermordet, würden sich Politiker nun darum reißen, Israel ihre Unzufriedenheit zu zeigen und würden versuchen, den „eigentlichen Grund“ für diesen Missstand herauszufinden.

Antisemitismus

Wir wissen nicht genau, warum Antisemitismus in einer angeblich gebildeten und modernen westlichen Welt fortbesteht, zu einer Zeit, in der Assimilation, Integration und interreligiöse Eheschließungen immer alltäglicher werden und absolute Säkularisierung die Unterschiede der großen Religionen verschwimmen läßt. Traditionelle Stereotypen und Hass werden natürlich an jede neue Generation weitergegeben; und wir dürfen niemals die Macht des Neides vergessen. Neid, den hoch gebildete, kompetente und fachlich gut ausgebildete Juden bei weniger talentierten und erfolgreichen Menschen hervorrufen. Trotzdem ist der gegenwärtige Anstieg des Antisemitismus ziemlich offensichtlich – besonders die beschämende Blasphemie, die in der wahllosen Nutzung der Worte „Holocaust“ oder „Genozid“ und im plötzlichen Wiedererscheinen von Hakenkreuzen neben Davidsternen gezeigt wird. Ich bin ein 48 Jahre alter schwedisch-amerikanischer Protestant und zeige seit 30 Jahren meine Unterstützung für Israel, doch niemals zuvor wurde ich gefragt „Sind Sie Jude?“ Allein im vergangenen Jahr kam diese Frage, die normalerweise als Anklage formuliert wird, mindestens 50 Mal auf, gemeinsam mit gedruckter und elektronischer Beschimpfung, die Herrn Goebbels stolz gemacht hätte.

Hier müssen wir offen reden: Die arabische Welt trägt einen großen Teil der Verantwortung für den gegenwärtigen Hass. Islamische Voreingenommenheit ist der Motor, der den europäischen Antisemitismus antreibt. Die vom Staat herausgegebenen Zeitungen in Ägypten und Saudi-Arabien unterscheiden sich nicht von denen in Deutschland während der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Saudische Diplomaten und religiöse Persönlichkeiten zitieren voller Hass, auf unentschuldbare Art, direkt aus „Mein Kampf“. Dieses Buch ist in Teilen der arabischen Welt ein Bestseller. Die Wahrheit ist: Wären die Palästinenser angegriffen worden und hätten sie vier Kriege gegen Israel gewonnen und würden sie derzeit den Staat Israel besetzen, würde ein Großteil der Welt sagen „Ihr sollt noch mehr Macht haben, um diese Juden zu besiegen und zu besetzen.“

Aristokratische Schuld und der Kult um den Underdog

Mit geringen Sorgen hinsichtlich Hunger oder Schinderei und mit steigendem Appetit auf materielle Dinge haben viele Menschen im Westen Luxus und Reichtum benutzt, um gerade die Kultur zu verdammen, die solch ein gutes Leben produziert. Nihilismus, Zynismus und Sarkasmus sind die Symptome, die wir bei unserer gelangweilten und schuldbeladenen Elite sehen. Eine Elite, die sowohl die Kapitalisten herabsetzt, die ihren Wohlstand managen, wie auch die Mittelklassegesellschaft, die ihn produziert.

Radikales Umweltbewusstsein, romantische Multikultur und autoritäre Utopie reflektieren alle eine eher selbstgefällige Idealisierung des benachteiligten, ursprünglich natürlichen Zustandes. Zentraler Punkt in diesem Credo ist die Identifikation mit der vermutlich anti-westlichen Welt des universell Unterdrückten – und mit beinahe jedem und allem, was in den vergangenen drei Jahrhunderten gegen den Moloch der dominanten Kultur des westlichen, industriellen Kapitalismus aufgekommen ist.

Somit sind es für manche Menschen im Westen nicht so sehr die Fakten im Nahen Osten der letzten 50 Jahre, die ihren Hass auf Israel bestimmen. Wahrscheinlich auch nicht die Sorge über den Benzinpreis für ihre Volvos oder SUVs, ebenfalls nicht ihre Angst vor Bomben und Bakterien, und nicht ihr Neid auf die Juden. Sondern ihr Hass rührt eher daher, dass die Palästinenser schwach und die Israelis stark sind. Auf diese Art ziehen Herr Arafat und seine Speichellecker einen Verdienst aus ihrem Status als Geschädigte, z. B. hinsichtlich ihres Abstammungsrechts, und bekommen die Genehmigung für alles, angefangen von liberaler Zensur bis hin zu Worten des Hasses und zu Voreingenommenheit. Die Israelis hält man für stark und überheblich, weil sie ja die Ausbeuter sind, und somit werden sie kollektiv für die Unterdrückung und gegenwärtige Not ihrer seit langem leidenden „Opfer“ verantwortlich gemacht.

Diese unerträglichen und reichen europäischen und amerikanischen Linken sehen ihre Solidarität mit den Palästinensern teilweise auf marxistische, teilweise auf arrogante und meistens auf naive Art als untrennbar verbunden mit ihrer eigenen unangenehmen Persönlichkeit. Es ist viel einfacher, billiger –und sicherer-, das Unrecht von ungerecht Behandelten durch Demonstrationen und das Unterzeichnen von Petitionen wieder gut zu machen, als unter ihnen zu leben, sie zu heiraten, sie täglich zu sehen oder dem „anderen“ materielle Hilfe zukommen zu lassen. Denn es kann alles in ein paar Sekunden in der Universität, im Fernsehn oder in den Stadtbezirken getan werden – ohne eine echte Betrachtung dessen, was das eigene, eher bequeme, materiell gesicherte Dasein in der Universität, in den Medien oder in der Regierung garantiert.

Die Wahrheit ist, dass die westliche Unterstützung für Israel oder der westliche Hass auf Israel uns viel mehr über uns selbst erzählt als über die reale Situation im Nahen Osten.

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Zum Hass auf Israel

Victor Davis Hanson, The National Review, 8. Mai 2002

Europa, die UNO, viele Eliten in Amerika und, natürlich, der gesamten arabischen und islamischen Welt, sind gegen Israel. Ihre Gehässigkeit stammt aus drei Vorwänden.

1. Besatzung?

Israel besetzt vorgeblich Land, das ihm nicht gehört – ein Zerrbild, das auf der Weltbühne einmalig ist und daher der besonderen und generellen Verurteilung wert. Entgegen dem ständigen Gejammer der Palästinenser gibt es heute eine Menge besetzte Gebiete in der Welt – Tragödien, die dem moralischen Radar der UNO komplett entgehen und den selbsternannten Moralisten der arabischen Welt nichts bedeuten.

Seit 1974 ist ein großer Teil des griechischen Zypern unter türkischer Kontrolle – die Häuser und der Grundbesitz der Griechisch sprechenden Zyprioten sind konfisziert, die einheimische Bevölkerung vertrieben und die Insel geteilt. Ganz Tibet ist von China annektiert worden, völlig illegal und ohne, dass sich allzu viele in den USA beschwerten.

Was passierte im Libanon? Die Syrer haben das gesamte Land besetzt; die Palästinenser finden sich dort als Sklaven wieder, die Libanesen selbst sind nicht viel mehr als Diener ihrer syrischen Herren. Kurdistan gehört drei verschiedenen Ländern; der Balkan ist ein Durcheinander mit wortwörtlich Millionen ethnischen Sklaven – Albanern, Serben und Griechen, die in von anderen kontrollierten Land leben. Eine Viertelmillion, nicht dreitausend, sind in den letzten fünfzehn Jahren dort gestorben. Was gibt Russland das Recht, an den japanischen Inseln festzuhalten, die es in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs konfiszierte? Terroristische Organisationen – ähnlich der Hamas und Hisbollah – in Irland und Spanien versuchen auf bekannte Art und Weise Menschen in die Luft zu jagen, um für sich einen Autonomiestatus und ererbte Heimat zu beanspruchen.

Im Unterschied dazu versuchten die Tibeter NICHT dreimal China zu erobern. Die griechischen Zyprioten versuchten NICHT in einer Reihe von Kriegen alle Türken ins Mittelmeer zu drücken. Genauso wenig versuchten die Libanesen Damaskus zu stürmen, verloren keinen Krieg gegen Syrien und verloren so die Selbstständigkeit ihrer Heimat. Ganz klar geht in Palästina neben der moralischen Empörung der Welt über die Prinzipien über besetztes Land etwas anderes vor.

2. Grenzen und Flüchtlinge?

Kriege haben eine schlechte Geschichte des Verschiebens von Einwohnern. Ich bezweifle, dass Millionen von Deutschen jemals ihr Land dort zurück bekommen, wo heute das östliche Frankreich oder das westliche Polen ist. Tausende Russen haben sich in den baltischen Staaten als unerwünscht gefunden. Werden ionische Griechen – Bewohner der Westküste der Türkei seit dem 11. Jahrhundert vor Christus – nach der brutalen Vertreibung in den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts jemals in ihre Heime zurück kehren? Millionen islamischer Pakistanis und indischer Hindus finden sich selbst in künstlich geschaffenen Ländern wieder, in denen sie nicht geboren wurden.

Bei fairer Betrachtung der antiken und modernen Geschichte ist die Lage in Palästina NICHT einzigartig. Israel ist im Gegenteil bemüht weitaus gerechte mit seinen besiegten Feinden umzugehen als die meisten Sieger – seien das Türken, Polen, Franzosen oder Chinesen – es in der Vergangenheit gewesen sind. Ich übergehe Fragen nach der Zählung von Leichen und den Kollateralschäden. Ohne gegen die UNO und die palästinensischen Propaganda-Maschine nachtreten zu wollen: Das wirkliche Töten in dieser Welt geht heute in Zentralafrika, dem Amazonasbecken, der ehemaligen Sowjetunion und Indien ab. Erstaunlich ist nicht, dass Palästinenser in den Kämpfen gestorben sind, sondern dass im Vergleich zu städtischen Kämpfen in Tschetschenien, Mogadischu und Panama so wenige umgekommen sind. In dieser Beziehung ist Herrn Arafats Anrufung Stalingrads ist historisch so dumm wie obszön, angesichts der Erinnerung der Hunderttausende, die auf beiden Seiten im Winter 1942/43 zugrunde gingen.

3. Rassismus?

Ein ständiger Vorwurf – von einem befreiten Herrn Arafat erst jüngst und widerlichst getätigt – ist, dass die Israelis eine rassische Missgunst gegen die Palästinenser hegten. Er hat behauptet, dass Israelis, wie die Nazis, versuchten, die Westbank von Nichtjuden zu reinigen. Die UNO selbst versuchte Jahre lang Zionismus mit Rassismus gleich zu setzen. In jedem fairen Vergleich ist die israelische Regierung der arabischen Welt Lichtjahre voraus, was die Bedingungen der rassischen und religiösen Toleranz angeht. Privat würden Araber zugeben, dass sie in Tel Aviv weitaus besser behandelt werden als es jedem Juden in Kairo, Bagdad, Damaskus oder Amman ergehen würde. Wir lesen in der Jerusalem Post nicht, wie in arabischen Zeitungen, dass Palästinenser „Affen“ oder „Vampire“ sind. Auch gibt es in Israel keine bedeutende Literatur – wie in der arabischen Welt -, die sich darauf konzentriert zu prüfen, dass ihre Feinde Untermenschen sind. Echter Rassismus und Hass gibt es in diesem Konflikt, aber sie werden fast ausschließlich von den Arabern betrieben, nicht von den Juden. Hätte eine Zeitung in Tel Aviv behauptet, dass Araber Blut trinken und in verwandtschaftlicher Beziehung zu Primaten stehen, wäre die Wut der Welt nichts gegen die moralische Empörung in Israel.

Wenn Israel nicht viel mehr Schuld trägt als sich selbst zu verteidigen und seinen geschlagenen Gegnern nicht erlaubt ihr Land nicht zurück zu bekommen, bevor dem jüdischen Staat Sicherheit garantiert ist, was ist dann der wirkliche Kern des Hasses gegen Israel? Die Antwort ist eigentlich klar und kann durch fünf allgemeine Schlussfolgerungen zusammengefasst werden.

1. Realpolitik

Wir dürfen die krassen Eigeninteressen eines Staates nicht vergessen – ein Zug, von dem die griechischen Historiker meinten, dass sie der Kern der meisten Konflikte sind, wenn auch oft Vorwände wie „Gerechtigkeit“ und „Fairness“ grob getarnt. Es mag fast eine halbe Milliarde Arabisch sprechender Menschen geben. Millionen islamischer Bürger leben inzwischen im Westen. Nur ein paar hundert Kilometer Mittelmeer trennen Europa von mittelalterlichen Regimen in Libyen, Algerien und Syrien. Die Bedeutung der arabischen Welt gegenüber Israel kann dann in einer Menge kultureller, wirtschaftlicher und politischer Ängste und Möglichkeiten zusammengefasst werden – von der Größe ausländischer Bevölkerungen bis zu Profiten, die aus ausgedehntem Handel und riesigen Märkten stammen. Wäre Israel groß – sagen wir: 400 Millionen Juden – und die Araber um sie herum wenige (vielleicht 10 Millionen), dann würden wir Dutzende UN-Resolutionen sehen, die Herrn Arafat verurteilten: wegen der Ermordung von US-Diplomaten in der Vergangenheit bis zu seiner heutigen Komplizenschaft der befohlenen Selbstmord-Bombardierungen.

2. Öl

Irgendwo zwischen einem Viertel und einem Drittel der Ölreserven der Welt liegen unter Saudi Arabien, Kuwait und dem Irak. In etwa den nächsten Jahren müssen sich Europa, die USA und Japan auf die stete Versorgung mit importiertem Petroleum verlassen. Und während diese westlichen Wirtschaftskräfte offensichtlich versuche, alternative Versorger in Russland, Südamerika und Norwegen zu finden, bleibt doch die Tatsache, dass in der absehbaren Zukunft in einer so global verbundenen Wirtschaft das Öl des Nahen Ostens – und seine instabilen und widerlichen Beschützer – für die Gesundheit der Weltwirtschaft lebenswichtig ist. Wir haben verschiedene Versuche dieser Regime erlebt, diese Versorgung zu unterbrechen – vom saudischen Ölembargo 1974 bis zu Irans Beschuss von Tankern im Persischen Golf und Saddam Husseins Anzünden der kuwaitischen Ölfelder – und erkennen, das Vorurteile, mörderische Kriege und unerklärliche Fehden zu jeder Zeit all diese Autokratien aufheizen können. Es ist weit aus einfacher – und billiger – über ihre routinemäßigen Schrecken zu schweigen oder faktisch ihre oft absurden Zielen aktiv Vorschub zu leisten.

Mehr noch: Das Einkommen aus dem Ölverkauf verschafft diesen Diktaturen westliche, technologische Fachkenntnisse und Militärgerät – und damit die Sympathie von Millionen im Westen, die davon abhängig sind, ihnen alles vom Handy und Computern bis zu Jets und Bohrköpfen zu verkaufen. Tausend Europäer und Amerikaner, die Rohöl kaufen, handeln und transportieren, können kaum den Zorn ihrer Gönner riskieren. Also verhüllen sie gewöhnlich ihr krasses Kosten-Nutzen-Verhalten in patriotischeren Sprüchen von „nationalem Interesse“ und „wirtschaftlicher Sicherheit“. Hätte Israel 25 Prozent der weltweiten Ölreserven und seine arabischen Nachbarn keine, würde die Europäische Union heute die palästinensischen Bombenleger als die Banditen und Terroristen verurteilen, die sie sind.

3. Terrorismus

Weltweit steht die Mehrheit der internationalen Terroristen der letzten 30 Jahre – die wirklich schlimmen Killer, die die Flugzeuge internationaler Fluggesellschaften in die Luft jagen, Olympische Spiele stürmen, westliche Diplomaten ermorden, Botschaften stürmen, Geiseln nehmen und Zivilisten auf ihrer Arbeit pulverisieren – im Dienst radikal islamischer und arabischer Dienste. Das bedeutet nicht, dass japanische, irische, baskische, malaysische, weiße Rassisten und armenische Terroristen regelmäßig gemordet haben – nur, dass es weitaus wahrscheinlicher ist, dass arabische Mörder weltweit angreifen, besonders in Europa und Amerika. Zumindest seit dem Krieg von 1967 weiß die Welt, dass Israel zu unterstützen durch aus darin resultieren kann, dass Diplomaten, Sportler, Touristen und Soldaten im Schlaf, im Büro oder im Urlaub getötet werden. Hätte im Gegensatz dazu der Mossad Franzosen, Amerikaner und Deutsche in aller Welt ermordet, würden die Politiker sich jetzt darum schlagen die israelische Unzufriedenheit zu beruhigen und die „Wurzeln“ solcher Beschwerden zu ermitteln.

4. Antisemitismus

Wir wissen nicht, warum Antisemitismus in einer vermeintlich gebildeten und modernen westlichen Welt zu einer Zeit fortbesteht, in der Assimilation, Integration und interkulturelle Ehen immer normaler werden und ein krasser Säkularismus die Unterschiede zwischen den großen Religionen verwischt hat. Traditionelle Stereotypen und Hasse werden natürlich immer an jede neue Generation weiter gegeben und wir dürfen die Kraft des Neides nicht vergessen, den sich hoch gebildete, kompetente und professionelle Juden von Seiten der weniger begabten und erfolgreichen zuziehen. Trotzdem ist der derzeitige Anstieg des Antisemitismus sehr lautstark – besonders die beschämend Blasphemie im undifferenzierten Gebrauch der Begriffe „Holocaust“ und „Völkermord“ und das plötzliche Wiederauftauchen von Hakenkreuzen im Zusammenhang mit Davidsternen. Ich bin ein 48-jähriger schwedisch-amerikanischer Protestant und habe meine Unterstützung Israels seit 30 Jahren zum Ausdruck gebracht – aber niemals zuvor wurde ich gefragt: „Sind Sie Jude?“ Aber allein im letzten Jahr ist diese Frage – gewöhnlich als Vorwurf formuliert – mindestens 50-mal aufgetaucht – zusammen mit gedruckten oder elektronisch verbreiteten Beschimpfungen, die Herrn Goebbels stolz gemacht hätten.

Hier müssen wir offen sein: Die arabische Welt trägt einen großen Teil der Schuld für diesen neuen Hass. Islamische Vorurteile sind der Motor, der den europäischen Antisemitismus antreibt. Die staatseigenen Zeitungen in Ägypten und Saudi Arabien unterscheiden sich nicht von denen Deutschlands in den 1930-ern. Saudische Diplomaten und religiöse Prominenz äußern unentschuldbare Widerwärtigkeiten aus „Mein Kampf“ – das selbst ein Bestseller in Teilen der arabischen Welt ist. Die Wahrheit ist: Wären die Palästinenser in vier Kriegen angegriffen worden und hätten diese gegen die Israelis gewonnen und würden sie heute in der Situation sein, den Staat Israel besetzt zu haben, dann würde ein Großteil der Welt sagen: „Mögt ihr mehr Macht erhalten, denn ihr habe diese lästigen Juden geschlagen und ihr Land besetzt.“

5. Aristokratische Schuld und der Kult des Außenseiters

Mit wenig Gedanken über Hunger und Schinderei und mit weiter steigendem Appetit für Materielles haben viele Westler diese Verwöhnung durch den Wohlstand benutzt, genau die Kultur zu verdammen, die dieses gute Leben hervor bringt. Nihilismus, Zynismus und Sarkasmus sind die Symptome, die wir unter unserer gelangweilten und von Schuld geschüttelten Elite sehen, die die Kapitalisten, die ihren Wohlstand verwalten, genauso herab setzen wie die Arme und Rücken der angeblich groben Mittelklasse, die diesen schaffen.

Radikale Umweltschützer, romantische Multikulturalisten und autoritäre Utopisten spiegeln eine eher selbstgefällige Idealisierung der Benachteiligten und der Natur im Groben wider. Zentrum dieser Überzeugung ist die Identifizierung mit der vermeintlich antiwestlichen Welt der universell Unterdrückten – und mit wirklich allem und jedem der letzten drei Jahrzehnte, das gegen die Götzen der dominanten Kultur des westlichen industriellen Kapitalismus aufkam.

Daher sind es für einige im Westen nicht die Fakten der letzten 50 Jahre im Nahen Osten, die ihren Hass auf Israel steuern. Auch nicht der Reichtum der Araber und die geringe Zahl der Israelis, vielleicht auch nicht die Sorge um den Preis des Sprits für ihre Volvos und Geländewagen – auch nicht ihre Angst vor Bomben oder Krankheitserregern, oder Neid auf die Juden. Es ist vielmehr so, dass die Palästinenser schwach sind und die Israelis stark. Daher verdienen Herr Arafat und seine Handlanger – wie die Unmenge Benachteiligter in Amerika – den Status der Unangreifbaren als Geburtsrecht und erhalten einen Freibrief von den liberalen Zensur, Hass und Vorurteile zu äußern. Im Gegenzug wird von den Israelis – fast so wie den weißen, wohlhabenden Republikanern in Amerika – gesagt, dass sie nur stark und selbstsicher sind, weil sie Ausbeuter sind; deshalb werden sie kollektiv für die Unterdrückung und die Notlage ihrer seit langem leidenden „Opfer“ verantwortlich gemacht.

Teilweise marxistisch, teilweise ignorant und vor allem naiv sehen diese leidlosen und wohlhabenden europäischen und amerikanischen Linken ihre Solidarität mit den Palästinensern als unteilbar von ihren eigenen, verlegenen Persönlichkeiten an. Es ist einfach, billig – und sicher -, die Ungerechtigkeiten der Welt durch Märsche, Schreien und das Unterschreiben von Aufrufen richtig zu stellen, statt dadurch, dass man unter den „anderen“ lebt, sie heiratet, ihnen täglich begegnet oder ihnen materiell hilft. Das erstere kann innerhalb weniger Sekunden auf dem Campus, im Fernsehen oder in der Stadt erledigt werden – ohne jegliche echte Selbstprüfung in der Uni, den Medien oder der Regierung, was die eigene, materiell recht komfortable Existenz sichert.

Die Wahrheit ist, dass westliche Unterstützung oder Hass auf Israel uns zunehmend weit mehr über uns selbst sagt, als über die wirkliche Lage im Nahen Osten.

Die möglicherweise existenzielle Bedrohung Israels durch „Palästina“

Prof. Louis René Beres, BESA Center Perspecives Nr. 559, 14. August 2017

Palästinenserflagge, Bild von Nicolas Raymond via Flickr CC

Zusammenfassung: „Palästina“ könnte eine weiter größere Bedrohung für Israel darstellen als eine dritte Intifada oder anhaltender Terrorismus. Diese Bedrohung, die die Wechselwirkung der Kräfte weiter verschärfen könnte, ist möglicherweise existenzieller Natur: Unter bestimmten Umständen könnte palästinensische Eigenstaatlichkeit die Aussichten sowohl auf Mega-Terroranschläge als auch regionalen Atomkrieg bedeutend erhöhen.

Das Maß der Gefahr, das Israel durch einen Palästinenserstaat droht, ist kein Thema zwangloser Überlegungen. Es kann über disziplinierte Untersuchung angemessener Hypothesen festgestellt werden – konzeptionell, systematisch und deduktiv, auf die Weise einer wissenschaftlichen Untersuchung.

Die Anwendung dieses Prozesses zeigt, dass die Bedrohung Israels durch „Palästina“ weit größer ist als üblicherweise behauptet. Die Bedrohung ist derart groß, dass sie letztlich existenzieller Natur ist.

Dem ist darüber hinaus trotz der Tatsache der Fall, dass die durch Palästina dargestellte, greifbare Gefahr für Israels Überleben indirekter Natur wäre. Es ist ein wenig so wie der Fall einer Person, die nicht als direktes Ergebnis eine unbedeutenden Krankheit stirbt, sondern die durch sie ausreichend geschwächt wird, um für letale Krankheiten anfällig zu sein.

Es bleibt denkbar, wenn auch unwahrscheinlich, dass der Palästinenserstaat per se für den jüdischen Staat tödliche Gefahren darstellt. Diese Gefahren würden in Stufen auftreten, statt wie „blitzartig aus heiterem Himmel“ kommende militärische Angriffe.

Per Definition wäre ein Palästinenserstaat – egal, wie er beschaffen wäre – aus dem noch lebenden Körper Israels herausgeschnitten.

Es ist ähnlich unbestreitbar, dass arabischer Terror gegen den jüdischen Staat nach palästinensischer Eigenstaatlichkeit nicht nachlassen würde. Der Grund dafür ist, dass die Führer eines jedem zukünftigen Palästinenserstaats – einer mehr mit formell rechtlichem Status als die derzeitige Ausweisung als „Nichtmitglied-Beobachterstaat“ bei der UNO – weiterhin das dann reduzierte und angreifbarere Israel als „besetztes Palästina“ betrachten würde. Warum sollten sie ihr ursprüngliches Konzept des „zionistischen Feindes“ revidieren, besonders nachdem sie unwiderlegbar mächtiger geworden waren?

Es gibt keine Möglichkeit, dass Analysten eine numerische Wahrscheinlichkeit für diese Aussicht bestimmen können, aber aus palästinensischen Plattformen, Landkarten, Satzungen und politischen Haltungen kann kein anderer Schluss plausibel abgeleitet werden.

Weiter von Bedeutung, besonders da US-Präsident Donald Trump am Klischee der „Zweistaatenlösung“ festklammert, würde der arabische Terror wahrscheinlich sich weit schneller ausweiten, als wenn es keinen Palästinenserstaat gegeben hätte. Diese Vorhersage folgt auch direkt aus allem, was wir über palästinensische Einstellungen wissen. Ein oberflächliches politisches Mantra, egal wie oft es in Washington, London, Gaza oder Ramallah wiederholt wird, ist kein Ersatz für die Realität.

Sollte irgendjemand immer noch glauben, die palästinensische Autonomiebehörde (PA) und die Hamas würden sich mit einem komplett aus „israelisch besetzten Gebieten“ herausgeschnittenen Staat zufrieden geben, müssen nur daran erinnert werden, dass die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) 1964 gegründet wurde, drei Jahre bevor es überhaupt irgendwelche „israelisch besetzte Gebiete“ gab. Darüber hinaus ist der Staat Israel, so wie er heute existiert, kleiner als der Michigansee. Selbst vor der Gründung von Palästina ist die aus 22 Staaten bestehende arabische Welt 672-mal größer als das Staatsgebiet Israels.

Es wird viel Besorgnis wegen der Möglichkeit einer dritten Intifada geäußert. Für Israel besteht die rationale Abhilfe für einen solchen Ausblick nicht darin seine Gegner zu ermutigen, sich in einen organisierteren und strukturierten Feindstaat verwandelt. Jeder rechtlich gestärkte Staat Palästina könnte seine anwachsenden feindlichen Fähigkeiten verstärken, um Israel größeren Schaden zuzufügen. Es ist möglich, dass solcher Schaden, mit einer Marge an kollektiver Straffreiheit erzwungen, schließlich Massenvernichtungswaffen einbeziehen könnte, darunter chemische, biologische oder gar atomare Wirkstoffe.

Bezüglich erwartete Intentionen eines palästinensischen Staats gibt es wenig Rätsel zu ergründen. Palästina könnte und würde eine fertige Plattform für das Lancieren endloser erneuerbaren Krieges und Terroranschlägen gegen Israel bieten. Bezeichnenderweise hat keine der Krieg führenden Palästinenserfraktionen sich auch nur die Mühe gemacht das zu bestreiten. Im Gegenteil: Aggression ist immer offen als heilige „nationale“ Zauberformel begrüßt und bejubelt worden.

Bei einer Meinungsumfrage des Palestinian Center for Policy and Survey Research vom September 2015 stellte die führende Gesellschaftsforschungsorganisation in den Palästinensergebieten fest, dass eine Mehrheit der Palästinenser eine Zweistaatenlösung ablehnen. Nach ihren bevorzugten Alternativen zur Gründung eines unabhängigen Palästinenserstaates gefragt, riefen 42% nach „bewaffneten Aktionen“. Nur 29% zogen „Verhandlungen“ oder eine andere Art friedlicher Lösung vor.

Auf allen offiziellen Landkarten „Palästinas“ von Hamas und PA ist Israel entweder komplett entfernt worden oder wird als „besetztes Palästina“ identifiziert. Auf diese Weise wird Israel bereits einem „kartografischen Völkermord“ unterzogen. Vom Standpunkt der Politik eines künftigen Palästinenserstaats gegenüber Israel drücken solche Landkarten Absicht aus.

Es wird unzureichend erkannt, dass ein Palästinenserstaat eine Rolle dabei spielen könnte (wenn auch indirekt), einen Atomkonflikt in den Nahen Osten zu bringen. Palästina selbst wäre nicht nuklear, aber ein solcher Verzicht entlastet nicht. Es würden andere Wege verbleiben, auf die die Verstöße eines neuen Staats gegen die Sicherheit Israels den jüdischen Staat als für einen Atomangriff aus dem Iran oder – weiter in der Zukunft liegend – eines neuen arabischen Atomstaats wehrloser machen würde.

Diese zweite Aussicht würde vermutlich ihre zentralen Ursprünge in Reaktionen sunnitisch-arabischer Staaten auf den Wiener Pakt mit dem schiitischen Iran haben. Nach dem JCPOA (Joint Comprehensive Plan of Action/Gemeinsamer Aktionsplan) von 2015 werden mehrere sunnitische Staaten der Region, am überzeugendsten Ägypten und/oder Saudi-Arabien, vermutlich zunehmend das Gefühl haben sich getrieben zu fühlen „atomar zu werden“.

Im Wesentlichen würde jede derartige sunnitisch-arabische Atomwaffenverbreitung eine mehr oder weniger schlüssige „Selbstverteidigungs-“Reaktion auf die eskalierenden Gefahren, die aus der umgekehrt ängstlichen schiitischen Welt hervordringen.

Von der sunnitischen Seite könnte mehr erwartet werden. ISIS oder eine andere ergänzende Inkarnation könnte einen destruktiven Marsch nach Westen antreten, über den Jordan, vielleicht bis ganz an die Grenzen der Westbank. Sollte ein Palästinenserstaat bereits gegründet sein, würden sunnitische terroristische Kader eine ernsthafte Bedrohung für jede stationierte „palästinensische Armee“ sein. Für den Fall, dass Palästina nicht bereits offiziell ausgerufen sein (d.h. auf eine Art, die mit der Montevideo-Konvention im Einklang steht), werden eindringende ISIS bzw. ISIS-ähnliche Kräfte – nicht Israel – das Haupthindernis für palästinensische Unabhängigkeit geworden sein.

ISIS hat über den Irak und Syrien hinaus expandiert, insbesondre in den Jemen, nach Libyen, Ägypten und Somalia. Obwohl Hamasführer jegliche Anwesenheit von ISIS im Gazastreifen bestreitet, ist die schwarze Flagge der Gruppe dort heute regelmäßiger zu sehen.

Zumindest könnte Israel sich im Prinzip gezwungen sehen mit der Hamas gegen ISIS zu kooperieren – aber jegliche wechselseitige Bereitschaft seitens der Islamischen Widerstandsbewegung, ob nun sichtbar oder unter dem Radar, ist unwahrscheinlich. Zusätzlich betrachtet Ägypten die Hamas als Teil der Muslimbruderschaft und als genauso gefährlich wie ISIS.

Wie auch immer, nach Palästina und in Abwesenheit ohne eine Übernahme des neuen arabischen Staates durch ISIS-artige Kräfte würde Israels physisches Überleben zunehmende Eigenständigkeit in existenziellen militärischen Dingen benötigen. Das würde Folgendes erforderlich machen: 1) eine revidierte Atomstrategie, die verbesserte Abschreckung, Verteidigung, Vorbeugung und Kriegsführungsfähigkeiten involviert; 2) eine begleitende konventionelle Strategie.

Die offizielle Geburt Palästinas könnte diese Strategien auf mehrere störende Arten beeinflussen. Am meisten Unheil verheißend wäre, dass ein Palästinenserstaat die meisten der konventionellen Fähigkeiten Israels weit problematischer machen könnte. Letztlich könnte er daher das Risiko eines regionalen Atomkrieges erhöhen.

Wenn z.B. Feindstaaten „nur“ mit konventionellen und/oder biologischen Angriffen auf Israel beginnen sollten, könnte Jerusalem früher oder später mit nuklearer Vergeltung reagieren. Oder wenn diese Feindstaaten Feindseligkeiten mit konventionellen Angriffen auf Israel beginnen sollten, könnte Jerusalems Vergeltungsschläge dann mit atomaren Gegenschlägen der Feinde begegnet werden.

Vorerst wird das zweite Szenario nur möglich werden, wenn der Iran seinen Weg zu unabhängiger Atomfähigkeit fortsetzt. Dem folgt, dass eine überzeugende israelische Abschreckung, zumindest in dem Maß, dass es konventionelle und/oder biologische Angriffe eines Feindstaates verhindern kann, Israels Risiko über Eskalation in einen Atomkrieg zu geraten beträchtlich reduzieren würde. Israel wird immer seine Fähigkeit zur „Eskalationsdominanz“ behalten und verfeinern müssen, aber palästinensische Eigenstaatlichkeit könnte allem Anschein nach diese strategische Pflicht beeinträchtigen.

Da gibt es noch eine sekundäre Frage. Warum braucht Israel überhaupt konventionelle Abschreckung? Immerhin behält Israel anscheinend sein Atomarsenal und begleitende Doktrin, auch wenn beide bewusst verschwommen bleiben.

Eine weitere Frage kommt auf. Selbst nachdem Palästina entsteht, würden Feindstaaten davon absehen konventionelle und/oder biologische Angriffe auf Israel zu beginnen, aus Angst vor atomarer Vergeltung?

Nicht notwendigerweise. In dem Bewusstsein, dass Israel die Schwelle zum Atomkrieg nur unter außergewöhnlichen Umständen überschreiten würde, könnten diese Feindstaaten – zu recht oder zu unrecht – überzeugt sein, dass Israel nur in gleiche Weise reagieren wird. Angesichts solcher Kalkulationen muss Israel normale Sicherheit immer noch über konventionelle Abschreckungsdrohungen aufrechterhalten bleiben.

Starke konventionelle Fähigkeiten werden von Israel gebraucht, um vor konventionellen Angriffen abzuschrecken oder zuvorzukommen, die schnell durch Eskalation zu unkonventionellem Krieg führen könnten.

Palästina könnte weitere schädliche Auswirkungen auf Macht und Frieden im Nahen Osten haben. Weil die Gründung eines weiteren arabischen Feindstaates aus der Verstümmelung Israels entstünde, würde die bereits minimale strategische Tiefe des jüdischen Staats weiter abnehmen. Im Lauf der Zeit könnte Israels konventionelle Fähigkeit Feindangriffe abzuwehren entsprechend reduziert werden.

Sollten Feindstaaten Israels Gefühl zunehmender Schwäche ausmachen, könnte das paradoxerweise Israels atomare Abschreckung stärken. Wenn die Feindstaaten jedoch kein solches Gefühl bei Israels Entscheidungsträgern wahrnehmen (ein wahrscheinlicheres Szenario), könnten diese Staaten, angetrieben von Israels Verlust an Abschreckung durch konventionelle Streitkräfte, versucht sein anzugreifen. Dieses kumulative Ergebnis könnte, hervorgebracht durch Israels Unfähigkeit nach der Entstehung Palästinas eine starke konventionelle Abschreckung aufrecht zu erhalten, so aussehen: 1) Niederlage Israels in einem konventionellen Krieg; 2) Niederlage Israels in einem nicht konventionellen chemischen/biologischen/atomaren Krieg; 3) Niederlage Israels in einem kombinierten konventionellen/nicht konventionellen Krieg; oder 4) Israel bringt arabisch/islamischen Feindstaaten in einem nicht konventionellen Krieg eine Niederlage bei.

Für Israel könnte sich selbst die „erfolgreiche“ vierte Möglichkeit als nicht tragbar erweisen. Die Folgen eines Atomkriegs oder auch „nur“ chemisch/biologischen Krieges könnten für den Sieger wie für die Besiegten verhängnisvoll sein. Darüber hinaus würden unter solch außergewöhnlichen Umständen des Kriegszustands traditionelle Vorstellungen von Sieg und Niederlage jegliche seriöse Bedeutung verlieren.

Auch wenn ein bedeutsames Risiko eines regionalen Atomkriegs im Nahen Osten unabhängig von einem Palästinenserstaat besteht, wäre diese Bedrohung noch größer, wenn ein neuer arabischer (Terror-) Staat ausgerufen würde.

Es gibt eine weitere Besorgnis erregende Möglichkeit. Palästina könnte für einen Staatsstreich durch noch militantere jihadistische Kräfte anfällig werden, einen gewaltsamen Machttransfer, der dann Israel gegen Israel richten könnte. ISIS zum Beispiel könnte sich vor den Toren Palästinas wiederfinden. Bei einem solchen Szenario ist es vorstellbar, dass ISIS-Kämpfer alle verbleibenden palästinensischen Verteidigungskräfte (egal ob von PA oder Hamas) überwältigen und dann Palästina selbst in sein islamisches „Kalifat“ absorbieren.

Sollten die endlos brudermörderischen Palästinensergebiete in einen weiteren korrupten arabischen Staat umgestaltet und institutionalisiert werden, dann würde Palästina entweder von selbst oder als neu integriertes Element eines metastasierenden „Kalifats“ zu einem weiteren Syrien werden. Noch unheilvoller wäre, dass Palästina indirekt die atomare Bedrohung des Großraums herbeiführen könnte.

Wie wir anhand von Syrien gelernt haben, kann eine gesamte Region sich einer einzigartig schädlichen Form des Chaos gegenüber wiederfinden, einem, das grundlegend, tiefsitzend und selbstangetrieben ist. Um diese Form des zivilisatorischen Zusammenbruchs zu visualisieren, bedenken Sie den beinahe totalen „Zustand der Natur“; wie er von William Golding in seinem Roman Herr der Fliegen beschrieben wird. Zudem hat Thomas Hobbes lange vor Golding vor gesetzlosen Zuständen gewarnt, in denen Menschen „ohne eine Obrigkeit“ zusammenleben müssen. Der englische Philosoph des 17. Jahrhunderts beschrieb schreckliche Zustände zügellosen Chaos, in denen ein erstickendes Sargtuch der „ständigen Angst vor und Gefahr eines gewaltsamen Todes“ vorherrschen.

Was das „Leben des Menschen“ unter diesen düsteren Umständen angeht, sah Hobbes Leviathan das als unvermeidlich „einsam, arm, übel, bestialisch und kurz“ voraus. Es handelt sich um ein derart unerträglich zersetzendes Leben, dass wir für Israelis und andere nach der Gründung „Palästinas“ erwarten müssen. Dieser Schluss entsteht nicht aus gängiger Meinung und „gesunder Menschenverstand“, die die unsichere Grundlage präsidialer politischer Beurteilungen in Washington bleiben, sondern aus den Geboten einer disziplinierten wissenschaftlichen Untersuchung.

Mauer-Bauer (16)

Dry Bones, 10. August 2017

Ankara – Die Türkei hat angefangen entlang ihrer Grenze mit dem Iran eine „Sicherheitsmauer“ zu bauen, sagte regionale Offizielle am Dienstag; der schritt zielt darauf kurdische Separatisten aufzuhalten. Die türkischen Behörden kündigten im Mai den Bau einer 144 km langen Barriere an, die als Mittel zur Blockierung von Grenzübertritten durch Mitglieder der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) dienen soll. Die gesamte türkisch-iranische Grenze ist rund 500km lang. (mehr dazu)

Die drei jüdisch-arabischen Konflikte

Vic Rosenthal, Abu Yehuda, 21. Juli 2017

Der jüngste Terroranschlag am Löwentor in Jerusalem erinnerte mich – als wäre eine Erinnerung nötig – an die Komplexität des jüdisch-arabischen Konflikts im Land Israel.

Eigentlich gibt es drei getrennte Konflikte, die am selben Ort toben mehr oder weniger dieselben Leute involvieren. Sie haben unterschiedliche Ziele, sind aber auf komplexe Weise miteinander verflochten, was nachteilig für die Beendigung eines einzelnen ist.

Der erste ist der politische Konflikt zwischen dem Staat Israel und der PLO in ihrer Verkörperung als palästinensische Autonomiebehörde (PA). Das ist ein Streit um Grenzen, Siedlungen, Sicherheit und andere geopolitische Themen.

Der zweite ist der nationale Konflikt zwischen dem jüdischen Volk und denjenigen Arabern, deren sich selbst definierendes Narrativ das ist „Palästinenser“ zu sein. Dabei handelt es sich um einen Streit, der als Auseinandersetzung um den historischen Anspruch auf das Land zwischen dem Fluss und dem Meer charakterisiert werden kann.

Der dritte ist der religiöse Konflikt zwischen Juden und Muslimen. Dieser entstammt der islamischen Vorstellung, dass Muslime Nichtmuslimen (besonders Juden) überlegen sind, dass diese unter der Shari’a leben sollten (was muslimische Souveränität impliziert) und dass Land, das einmal muslimisch war, nicht in der Hand von Ungläubigen bleiben darf.

Die verschiedenen Versuche den Konflikt zu beenden, haben sich zumeist auf den politischen Konflikt konzentriert und zu einem großen Teil den nationalen wie den religiösen ignoriert. Das bringt Leute durcheinander, die beiden Letzeren nicht begreifen oder sich ihrer nicht bewusst sind, obwohl diese meiner Meinung nach weit wichtiger sind als der politische.

So war zum Beispiel US-Präsident Clinton geschockt, als Yassir Arafat den politischen Kompromiss von Camp David/Taba ausschlug, der in seiner Großzügigkeit kein Vorbild hatte. Doch der Kompromiss schloss die Anerkennung eines Rückkehrrechts für arabische Flüchtlinge nicht ein und stellte daher im nationalen Konflikt eine Niederlage dar, die von Arafat unmöglich akzeptiert werden konnte.

Die arabische Haltung im nationalen Konflikt gründet auf dem palästinensischen Narrativ, in dem das „palästinensische Volk“ ein ausgeprägt unterschiedliches Volk ist, das seit vielen Generationen, sogar seit biblischen Zeiten im Land lebt. Sie hatten eine blühende Zivilisation, die von zionistischen Kolonisatoren usurpiert wurde, die nach Palästina eindrangen und die einheimischen palästinensischen Einwohner 1948 enteigneten. Die fortgesetzte Besatzung – die Territorium auf beiden Seiten der Grünen Linie einschließt – ist eine fortgesetzte Besudelung der palästinensischen Ehre.

Diese ganze Geschichte ist falsch, aber das spielt keine Rolle, denn der Araber glaubt fest daran und – was in einer Ehre-Schande-Gesellschaft von großer Bedeutung ist: Wie wird auch von einem Großteil der Welt geglaubt. Die Folgerung der Geschichte ist, dass dem „palästinensischen Volk“ sein wertvollster Besitz, ihr Land, mit Gewalt weggenommen wurde – und sie nicht in der Lage waren das zu verhindern. Und nicht nur das, sondern (und hier sehen wir das Wechselspiel zwischen dem nationalen und dem religiösen Konflikt) das wurde auch noch von den verachtenswerten Juden getan. Nur eine kompletter Umkehrung des Aktes der Enteignung, mit dem die Palästinenser die Juden mit Gewalt enteignen, kann anfangen die palästinensische Ehre wieder herzustellen.

Der religiöse und der nationale Konflikt sind ineinander verflochten. Die ursprüngliche Hamas-Charta verweist auf das Land zwischen Fluss und Meer als „islamischem Waqf“, d.h. unveräußerlichem islamischem Eigentum, einst von Muslimen beherrscht und jetzt in den Händen von Ungläubigen. Das Gebot diese Land aus religiösen Gründen wiederzugewinnen ist daher der Notwendigkeit hinzugefügt, das zu tun, um die nationale Ehre wiederherzustellen.

Beim sich aktuell abspielenden Konflikt auf dem Tempelberg geht es sowohl um die Religion also auch um die nationale Ehre. Natürlich gibt es ein islamisches Problem mit Metalldetektoren, die in Mekka während der Haddsch sogar mit noch invasiveren Methoden in Gebrauch sind. Aber die Vorstellung, dass Juden (oder nichtmuslime Israelis wie drusische Polizisten) entscheiden können, wer den Tempelberg betreten darf, fügt der Ehre der Araber, sowohl als Muslimen als auch als Palästinensern, Schaden zu. Die Tatsache, dass diese Metalldetektoren in Reaktion auf einen brutalen Mord installiert wurden, ist für die Palästinenser nicht von Bedeutung, denn sie glauben, das gewalttätiger „Widerstand gegen die Besatzung“ völlig gerechtfertigt ist, denn für Muslime, die glauben, dass Jihad um der Sache der Wiedergewinnung des Landes, das einst Dar al-Islam war, ist das lobenswert.

Mit anderen Worten: Nicht die Ermordung der beiden Polizisten wird als unmoralisch betrachtet, sondern die jüdische Kontrolle über die muslimischen Palästinenser ist unmoralisch.

Es gibt keine Möglichkeit diese Konflikte zu trennen. Nicht nur das: Die Mittel, die für die Lösung des politischen Konflikts genutzt würden – Verhandlungen, Kompromiss, Zugeständnisse beider Seiten – sind genau die falschen für den Einsatz des auf Ehre und Religion basierenden Konflikts. In den beiden letzten Fällen werden Zugeständnisse als Eingeständnis von Schwäche betrachtet, ein Grund sich noch mehr Mühe zu geben. Es ist als nichts Mysteriöses daran, dass Arafat auf die fehlgeschlagenen Verhandlungen in Camp David reagierte, indem er die zweite Intifada in Gang setzte; er betrachtete die Angeboten von Clinton und Barak als Signal von deren Verzweiflung und erwartete, dass mehr Gewalt den Zusammenbruch des schwankenden kolonialistischen Reichs herbeiführen würde (trotz all der Jahre der Versuche sie zu töten verstand er die Israelis nie).

In vormoderner Zeit waren nationale und religiöse Konflikte einfach zu lösen. Sie Seite mit der militärischen Überlegenheit würde die Feindbevölkerung vertreiben, töten oder versklaven. In der aufgeklärten Welt von heute ist das nicht so einfach (obwohl Handelnde der Dritten Welt das unterhalb des westlichen Radars wann immer möglich immer noch tun). Das ist ganz sicher die Option, die die Araber wählen würden, wäre Israel der Schwächere, aber Israel ist zu westlich und zu modern, um sich so zu verhalten.

Manchmal ist das, was menschlicher Fortschritt zu sein scheint, in Wirklichkeit genau das Gegenteil. Zeitgenössische Diplomatie kann politische Konflikte lösen, aber keine, in denen denen es um nationale Ehre oder Religion geht. Also gehen die auf ewig weiter.