Jerusalem, Hauptstadt der Juden[1]

Die jüdische Identität Jerusalems in griechischen und römischen Quellen*

Rivka Fishman-Duker, Jewish Political Studies Review, 4. November 2008

Für antike griechische und römische, heidnische Autoren war Jerusalem definitiv eine jüdische Stadt. Dieser Aufsatz greift auf Bezugnahmen zu Jerusalem aus fast zwanzig unterschiedlichen Quellen zurück, die aus der Zeit vom dritten Jahrhundert vor christlicher Zeitrechnung bis ins dritte Jahrhundert christlicher Zeitrechnung stammen und in der umfassenden Anthologie „Greek and Latin Authors on Jews and Judaism“ (Griechische und lateinische Autoren über Juden und Judentum) des verstorbenen Professors Menahem Stern zu finden sind. Eine Untersuchung dieser Texte gibt die einstimmige Übereinstimmung zu verstehen, dass Jerusalem kraft der Tatsache, dass seine Einwohner Juden waren, weil es von Juden gegründet wurde und der Tempel, der in Jerusalem stand, das Zentrum der jüdischen Religion war, jüdisch war. In diesen Quellen erscheint Jerusalem in verschiedenen Zusammenhängen: Gründungserzählungen, Beschreibungen des und Verbindungen zum Tempel, historische Ereignisse, die in der Regeln mit Invasionen und Eroberungen der Stadt zu tun hatten, physische Beschreibungen und der abfällige Gebrauch des Begriffs „Solyma“ durch römische Schreiber nach seiner Zerstörung durch Titus im Jahr 70 chr. Zeitrechnung. Es ist bemerkenswert, dass trotz der von Autoren wie Manetho, Apion, Tacitus und Juvenal zum Ausdruck gebrachten negativen Ansichten über Juden und das Judentum die jüdische Identität Jerusalems nie strittig war. Diese antiken Texte widerlegen daher die neuen Versuche von Muslimen und anderen durch Erfindungen und Lügen die historische Verbindung des jüdischen Volkes zu Jerusalem und die Verortung des Tempels in Jerusalem zu leugnen.

Die jüdische Identität Jerusalems, wie sie in den Schriften griechischer und römischer Autoren der klassischen Antike aufgezeichnet ist, ist es an sich wert als eigenes Thema untersucht zu werden. Dieser Aufsatz greift auf Bezugnahmen zu Jerusalem aus fast zwanzig unterschiedlichen Quellen zurück, die aus der Zeit vom dritten Jahrhundert vor christlicher Zeitrechnung bis ins dritte Jahrhundert christlicher Zeitrechnung stammen, also grob sechs Jahrhunderte abdecken.

Eine Untersuchung der Quellen zeigt die komplette und einmütig Übereinstimmung der Autoren auf, dass Jerusalem aufgrund der Tatsache jüdisch war, dass es von Juden gegründet wurde, seine Einwohner Juden waren und dass der Tempel, der in Jerusalem stand, das Zentrum der jüdischen Religion war. Trotz der Tatsache, dass einige dieser Autoren entschieden negative Ansichten zu den Juden und dem Judentum hatten, stimmten sie alle bezüglich der jüdischen Identität der Stadt überein. Diese Texte besitzen eine Wichtigkeit, die ihren rein akademischen und kulturellen Inhalt übertrifft. Neulinge auf der historischen Bühne und ihre Apologeten haben ihre politischen Ansprüche auf historischen Darstellungen gegründet, die sie gefälscht haben. So gibt zum Beispiel der amerikanische Chefunterhändler Dennis Ross in seinem weitschweifigen Bericht über den Camp David-Gipfel vom Juli 2000 einen Großteil für dessen Fehlschlagen dem verstorbenen Vorsitzenden Yassir Arafat von der palästinensischen Autonomiebehörde, der nicht nur „alte Mythen“ wiederholte, sondern „einen neuen erfand… [dass] der Tempel nicht in Jerusalem stand, sondern in Nablus.“[2]

Man mag zwar Arafats ungeheuerliche Äußerung als Fälschung abtun, die erfunden wurde, um für seine politische Agenda zu werben, aber die Lüge und ähnliche Behauptungen machen einen Teil der fortgeführten muslimischen Anstrengung aus Israels Anspruch auf Jerusalem zu verneinen, damit ein wesentliches Element des jüdischen Glaubens in Frage zu stellen und die historische Wahrheit anzugreifen.[3] Widerlegung solch falscher historischer Behauptungen mit Forschung haben sich gewöhnlich auf antike und mittelalterliche jüdische und christliche Quellen, moderne Forschung und archäologische Ausgrabungen gestützt.[4] Trotz der Tatsache, dass die antiken heidnisch-griechischen und -römischen Quellen sind seit Jahrhunderten bekannt, sie haben nicht das Level an Aufmerksamkeit erhalten, die ihrer Bedeutung entspricht. Die Verweise auf Jerusalem in diesen klassischen Texten demonstrieren nicht nur die historische Verbindung des jüdischen Volkes zu Jerusalem, sondern tragen auch zu unserem Wissen über Juden und Judentum in der antiken Welt bei. Es sollte angemerkt werden, dass solche Information, insbesondere der negativen Variante bezüglich der jüdischen Geschichte, Gesellschaft und Religion spätere christliche und westliche Sichtweisen über die Juden beeinflussten.[5]

Quellen

Die wichtigste Quelle für die meisten der griechischen Ansichten zu den Juden ist die Abhandlung „Gegen Apion“, die vom jüdischen Historiker Josephus irgendwann nach 93 christlicher Zeitrechnung in Rom geschrieben wurde.[6] Apion war ein griechischer Grammatiker und Intellektueller aus Alexandria; er war Mitte des ersten Jahrhunderts im Kampf gegen die Bürgerrechte der Juden in seiner Stadt aktiv und ein berüchtigter Verleumder der Juden und des Judentums. In „Gegen Apion“ präsentiert Josephus lange Zitate aus den Werken zahlreicher griechischer Autoren und Intellektueller aus dem dritten Jahrhundert vor bis ins erste Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung. In einigen Fällen sind diese Schriften nur noch in der Arbeit von Josephus vorhanden.

Zwar sind einige Quellen gegenüber den Juden neutral oder sogar positiv, aber viele Berichte stellen die Juden und die jüdische Religion negativ dar und sind angefüllt mit ungeheuerlichen Lügen und Schmähungen. Josephus entlarvt diese antijüdischen Schriften akribisch und erfolgreich und stellt eine wirksame Verteidigung des Judentums zur Verfügung. Dabei stellt er seine Stärke und Größe in Kontrast zum heidischen Glauben und Lebensstil von Griechen und Römern heraus.[7]

Eine Auswahl anderer griechischer und lateinischer Arbeiten, die nicht länger vorhanden sind, könnte in weiteren heidnischen Anthologien zu finden sein, in den Schriften der Kirchenväter wie Origenes oder Eusebius von Caesarea und in spätbyzantinischen Texten. Zudem gibt es unabhängig davon existierende Schriften wichtiger Autoren wie dem römischen Redner Cicero und dem Historiker Tacitus, die Informationen zu den Juden bieten.[8]

Der gesamte Textkorpus in den Originalsprachen und englischen Übersetzungen, mit fachlichen Einleitungen, Kommentaren und Erklärungen steht der Öffentlichkeit in Form der exzellenten, umfassenden, dreibändigen Sammlung Greek and Latin Authors on Jews and Judaism[9] (Griechische und lateinische Autoren zu Juden und Judentum) von Menahem Stern zur Verfügung. Die in diesem Aufsatz genutzten Texte, in Englischer Übersetzung zitiert [und daraus ins Deutsche übersetzt] stammen von Professor Sterns magnum opus, zu dem 554 ausgewählte Texte verschiedener Länge und Inhalts gehören, die aus der Zeit vom fünften vorchristlichen bis zu sechsten Jahrhundert christlicher Zeitrechnung stammen.

Allgemeiner Hintergrund

Die Griechen waren vermutlich die ersten, die Informationen über die Bräuche, Lebensstil und Gesellschaft anderer Völker aufzeichneten, denen sie begegneten oder über die sie auf ihren Reisen in die verschiedenen Teile der Welt hörten. Die Juden waren eines der vielen Völker, die sie trafen und beobachteten.[10] Der „Vater der Geschichtsschreibung“, Herodot, der das unter persischer Herrschaft stehende Ägypten um 450 vor der christlichen Zeitrechnung besuchte, schrieb umfassend über die Ägypter und verwies auf die „Syrer von Palästina“, die beschnitten waren und von denen man annahm, dass sie die Juden sind.[11] Es ist wahrscheinlich, dass Herodot den Namen „Palästina“ prägte, nämlich für das Land Israel, da er den Nachfahren der Philister begegnete, die die Küstenstädte Gaza, Aschdod und Aschkelon bewohnten. Die Juden bewohnten die vom Meer abgeschnittene Region von Jerusalem und die umgebenden Berge, die als Judäa bekannt sind.[12]

Während der Jahrzehnte und Jahrhunderte, die der Eroberung des Nahen Ostens durch Alexander den Großen zwischen 340 und 320 vor der christlichen Zeitrechnung folgen, bevölkerten und kolonisierten griechische Soldaten und Zivilisten die gesamte Region, gründeten große Städte wie Alexandria in Ägypten und verbreiteten dort ihr System lokaler Regierung, Sprache, Kultur, Kunst, Religion und Lebensstil. Die Griechen befürworteten die Übernahme ihres Lebensstils und ihrer Sitten und traten dafür ein, die Hellenisierung, die in zeitgenössischer Ausdrucksweise eine erste Manifestation von „Globalisierung“ genannt werden könnte. Alle Völker, die sie beherrschten unnd unter denen sie lebten, einschließlich der Juden im Land Israel und der Diaspora (ein griechischer Begriff), mussten mit der Herausforderung der Hellenisierung durch Assimilation, Übernahme oder Widerstand fertig werden.[13]

Im späten 4. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung porträtieren verschiedene Texte die Juden auf höfliche Art, als Philosophen.[14] Das ganze dritte vorchristliche Jahrhundert hindurch zirkulierten jedoch weniger wohl gesinnte Kommentierungen der Juden im gesamten ptolemäischen Ägypten, das eine rasche Hellenisierung durchgemacht hatte. Herausragend unter den antijüdischen Beschuldigungen war eine Alternative zur biblischen Exodus-Erzählung.[15] Eine der Antiexodus-Erzählungen, vorgelegt vom ägyptischen Priester Manetho (Mitte des 3. Jhdt. vor christlicher Zeitrechnung) stellte die Juden als Fremde, Abkömmlinge von Schafhirten-Königen dar, die sich Ägypten unterworfen hatten und sich mit anderen zusammen taten, die mit Seuchen geschlagen waren und die Tiere töteten, die die Ägypter als Götter verehrten.[16] In der Nachfolge wurden sie aus Ägypten hinausgeworfen und gründeten ihren eigenen Staat unter ihrem Führer Moses, der ihnen einen Lebensstil gab, der sich von denen des Restes der Menschheit unterschied. Daher wurden die Juden der Fremdenfeindlichkeit und der Respektlosigkeit gegenüber den Göttern anderer Nationen beschuldigt; man betrachtete sie als Praktiker eines seltsamen Lebensstils.[17]

Einige Autoren erinnern an bestimmte jüdische Bräuche wie das Nichtvorhandensein einer Darstellung der Gottheit, die männliche Beschneidung, Speisevorschriften und die Beachtung eines wöchentlichen Tages der Rast, des Sabbath. Im Jahr 167 vor christlicher Zeitrechnung befahl der griechisch-seleukidische König Antiochus IV. sogar den Juden ein Götzenbild des Zeus im Tempel aufzustellen und die Beschneidung zu verbieten; er verlangte die Opferung von Schweinen und verbat den Sabbath zu begehen (1. Makkabäer 1,41-50). Er wollte so die einzigartigen Merkmale der jüdischen Religion eliminieren, die von den heidnischen Autoren festgestellt wurden.

Antiexodus-Erzählungen und Vorwürfe jüdischer Frevel gegen die Götter anderer Nationen kamen in Zeiten politischer und kultureller Krisen auf und könnten eine Reaktion auf die Tatsache sein, dass das Judentum für viele Griechen und Römer attraktiv war.[18] Bis Mitte des letzten Jahrhunderts vorchristlicher Zeitrechnung dominierten die Römer einen Großteil der bekannten Welt westlich des Euphrates mit seiner großen griechischen und jüdischen Bevölkerung. Die Römer übernahmen viele der griechischen Vorwürfe gegen die Juden, denen sie Beschuldigungen der Insubordination der römischen Herrschaft hinzufügten.

Diese griechischen Verleumdungen waren derart verankert, dass selbst einige Jahrzehnte nach der brutalen Unterdrückung der jüdischen Revolte gegen Rom (66-70 christlicher Zeitrechnung) und der Zerstörung des Tempels und Jerusalems (im Jahr 70 christlicher Zeitrechnung) wiederholt der römische Historiker Tacitus die Standard-Falschmeldung über den Exodus und drückte sich so aus, als ob die Juden immer noch eine große Bedrohung der imperialen Weltherrschaft seien; dazu schrieb er: „… Moses führte neue religiöse Praktiken ein, die denen aller anderen Religionen stark entgegen standen. Die Juden betrachten alles als gottlos, das uns heilig ist; andererseits erlauben sie alles, was wir verabscheuen.“[19]

Jerusalem im Kontext

Die meisten griechischen und römischen Texte zu Jerusalem müssen daher im Kontext des oben beschriebenen allgemeinen Hintergrunds betrachtet werden. Das gilt für die in Josephus’ „Gegen Apion“ zitierten Texte wie für spätere Werke und die Bücher, die als unabhängige Werke erhalten blieben, so die „Geschichten“ von Tacitus.

Die Erwähnung Jerusalems geschieht in verschiedenen Zusammenhängen. Erstens ist es der Höhepunkt der weitgehend abschätzigen Grundlagen-Darstellungen Judäas und des jüdischen Volkes, die mit der Vertreibung aus Ägypten beginnen. Zweitens ist Jerusalem verbunden mit dem Bau und der Existenz des jüdischen Tempels und des Tempelkultes und seiner Praktiken, die die Griechen und Römer mit Faszination betrachten, trotz der Tatsache, dass sie sie höchst geschmacklos und widerwärtig gefunden haben dürften. Josephus widmet der Darstellung und Zurückweisung der grundlegenden Darstellungen und der Verleumdungen der Juden und der Tempelbräuche viel Aufmerksamkeit.

Drittens und abhängig von der Zeit ihrer Werke hielten verschiedene Autoren historische Ereignisse fest, nämlich die Invasionen Jerusalems durch Griechen und Römer. Die wichtigen Eroberungen der Stadt waren die Übernahme des Tempels durch den Seleukiden-Monarchen Antiochus IV. im Jahr 167 vor der christlichen Zeitrechnung und die Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch Titus während der Großen Revolte gegen Rom im Jahr 70 christlicher Zeitrechnung.

Viertens erscheinen physische Beschreibungen Jerusalems in geographischen und ethnographischen Arbeiten, mit oder ohne die vereinzelte historische Tatsache. Schließlich erscheint in verschiedenen römischen Quellen der Begriff „Solymna“ (Jerusalem) als Teil einer Beleidigung. Einige Autoren kombinieren einige der oben genannten Merkmale: Gründungserzählungen, Konzentration auf den Tempel, historische Ereignisse, physische Beschreibungen und den Gebrauch des Namens der Stadt auf erniedrigende Weise.

Jerusalem in Gründungserzählungen

Griechen und Römer erforschten ihre eigene Herkunft und die Anfänge der Völker, Länder und Städte, die sie eroberten und regierten. Darüber hinaus versuchten sie ihren Lesern zu erklären, wie bestehende Stätten, Schreine und Bräuche entstanden und mögliches Nachfragen, wann und unter welchen Umständen zeitgenössische Ereignisse und Bräuche begannen. Daher präsentierten und wiederholten sie Gründungserzählungen. Das früheste griechische Material zum Bau Jerusalems erscheint als Teil des Abschlusses der oben erwähnten Antiexodus-Erzählungen.

Nach Manetho zum Beispiel dominierte ein widerrechtlich herrschender Schafhirten-König names „Hyksos“ das Land, nachdem der Pharao die frevlerischen Juden vertrieben hatte. Ihnen schlossen sich andere an, die von Lepra und anderen Krankheiten heimgesucht waren. „Sie reisten durch die Wüste… sie bauten in dem Land, das jetzt Judäa genannt wird, eine Stadt, groß genug, um all die Tausende Menschen zu beherbergen und gaben ihr den Namen Jerusalem.“ In einem oflgenden Teil zitiert Josephus wieder Manetho, der erklärt, dass die Juden, nachdem sie „aus dem Land getrieben wurden, das besetzten, was jetzt Judäa ist, Jerusalem gründeten und den Tempel bauten“. Josephus zitiert fälschlicherweise Manethos Geschichte, sie schriebe Moses den Bau des Tempels zu; er erwähnt, dass Manetho feststellt, Moses, „der ihre [der Juden] Verfassung und ihre Gesetze formulierte“, ein geborener Ägypter war.[20]

In einem Bericht von Hecataeus von Abdera (ca. 300 vor christlicher Zeitrechnung) erscheint Jerusalem gegen Ende seines Gegenexodus-Berichts und vor seiner Beschreibung der jüdischen Gesellschaft und Praktiken. Er schreibt die Vertreibung der Juden der Pestilenz zu, die die Ägypter der Anwesenheit der Fremden, nicht nur den Juden, zuschrieben, die dafür sorgten, dass die Einheimischen die Einhaltung ihrer religiösen Pflichten wankten. „Daher wurden die Fremden aus dem Land getrieben.“ Einige gingen nach Griechenland, aber die meisten „wurden in das getrieben, was jetzt Judäa genant wird … das damals völlig unbesiedelt war… Bei der Besitznahme des Landes gründete er [Moses], neben anderen Städten eine, die berühmter ist als alle anderen, Jerusalem genannt. Zusätzlich baute er den Tempel, den sie in höchster Verehrung halten, führte ihre Anbetungsformen und –rituale ein, entwarf ihre Gesetze und befahl ihre politischen Institutionen.“[21]

Hecataeus und andere Autoren nennen Moses als Gründer Jerusalems, Erbauer des Tempels und Architekten der jüdischen Religion. Dieser Punkt unterscheidet sich beträchtlich von der hebräischen Bibel, die König David als den Eroberer und Erauer der Stadt angibt und seinen Sohn König Salomo als den Bauer des Tempels (2. Samuel 5,6-12; 1. Chronik 11,4-9; 1. Könige 6, 1-38 und 7,15-51; 2. Chronik 2,1-5,2). Für einen Griechen jedoch würde es Sinn machen, dass Moses den Tempel baute. Logisch gesprochen musst der erste wichtige Führer des Volkes, der Eroberer seines Landes und Verfasser seiner Gesetze und sozialen Normen als der Gründer seiner wichtigsten Stadt und heiligen Stätte sein. Es ist bemerkenswert, dass Moses, „der Gesetzgeber“, sowohl in griechischen wie in römischen Schriften und in Josephus’ Verteidigung des Judentums in der zweiten Hälfte seines „Gegen Apion“ eine auffällige Rolle als Gründer des Judentums spielt.[22]

Die Verbindung zwischen der Vertreibung aus Ägypten und dem Bau Jerusalems erscheint in späteren Quellen, die eine negativere Sicht der Juden und des Judentums haben. Diese Veränderung fand nach der Eroberung Jerusalems und der Entweihung des Tempels durch Antiochus IV. und seiner folgenden Niederlage gegen die Juden statt. Zum Beispiel recycelt der Kompilator Diodorus Siculu (1. Jhdt. unserer Zeitrechnung) das wichtige anti-Exodus-Komplott von Manetho. Her wurden die Juden aus Ägypten vertrieben, weil sei „nicht gottesfürchtig und von den Göttern gehasst waren“. Ihnen schlossen sich andere an, „die Zeichen der Lepra am Körper trugen… Die Flüchtlinge besetzten das Gebiet um Jerusalem und hatten in der Organisation der Nation der Juden ihren Hass gegen die Menschheit zu einer Tradition gemacht und aus diesem Grund äußerst absonderliche Gesetze eingeführt…“ Später verweist Diodorus auf „Moses, den Gründer Jerusalems“.[23]

Auf gleiche Weise zitiert Josephus einen Auszug von Lysimachus (vermutlich 1. Jhdt. d. Zeitrechnung) ein, dessen Werk eine antijüdische Voreingenommenheit zum Ausdruck bringt, die der des Apion nahe kommt. Lysimachus erzählt, dass nach der Vertreibung der leprakranken Juden aus den ägyptischen Tempeln, in denen sie Zuflucht gesucht hatten, „ein gewisser Moses“ sie lehrte „keinem Menschen gegenüber Wohlwollen zu zeigen“ und „jeden Tempel und Altar der Götter niederzureißen…“ Sie kamen schließlich „in das Land, das jetzt Judäa heißt, wo sie eine Stadt bauten, in der sie siedelten. Diese Stadt wurde wegen ihrer frevlerischen Neigungen Heriosyla [Zerstörerin der Heiligtümer] genannt. Später … änderten sie den Namen, um die schmachvollen Zuschreibungen zu vermeiden und nannten die Stadt Hierosolyma und sich selbst Hierosolymiten.“[24]

Um 110 unserer Zeitrechnung, mehrere Jahrzehnte nach der Niederlage der Juden durch die Römer im Jahr 70, schrieb der römische Historiker Tacitus einen kurzen Exkurs über die Juden in seinen Historiae. Die Große Revolte gegen Rom und die Belagerung und Zerstörung Jerusalems durch Titus, die den größten Teil dieses Teils des Werks des Tacitus ausmachen, erschienen im Kontext dieser umfasenden Abhandlung der flavischen Dynastie, dem Thema seines Werks. Tacitus erklärt offen, dass Jerusalem „die Hauptstadt der Juden“ ist. Vor seiner Beschreibung der Verwüstung berichtet er knapp über ihre Entstehung und etwas aus ihrer Geschichte. Tacitus beschreibt die Herkunft der Juden als entweder aus „Ida“ auf Kreta oder aus Äthiopien oder Assyrien und ihre Anführer als „Hierosolymus und Iuda“. Er fügt hinzu: „Andere sagen, dass die Juden erlauchter Herkunft seien; sie seien die Solymi, ein Volk, das in Homers Gedichten gefeiert wird, die eine Stadt gründeten und ihr den Namen Hierosolyma gaben.“[25]

Es folgt eine Version der griechischen Antiexodus-Geschichte, in der Tacitus vermerkt, dass Moses mit seinen Mitexilanten ein Land eroberte, dessen frühere Einwohner vertrieb, eine Stadt gründete und einen Tempel einweihte. Danach beginnt er einen boshaften Angriff auf die fremdenfeindlichen Gesetze des Mose und den Lebensstil, die sogar bis in seine Zeit fortbestehen.[26] Eine kurze geografische Beschreibung des Landes und Jerusalems gehen einer knappen Zusammenfassung der Geschichte Judäas voraus, seiner Beherrschung durch Rom und der Ereignisse, die zur Großen Revolte, der Niederlage der Juden und der Zerstörung Jerusalems führten.[27]

Zusammengefasst heißt das, dass Jerusalem eindeutig die Hauptstadt der Juden ist, gegründet von einem Volk, das unter unheilvollen Umständen aus Ägypten vertrieben wurde. Die Juden waren entweder unterdrückerische Fremde oder Träger einer Plage und der Lepra oder beides. Ihre Anführer Moses richtete sie mit seltsamen Bräuchen und Gesetzen gegen die Menschheit, gründete eine Stadt – Jerusalem – und baute einen Tempel. Dessen Inneres und die kultischen Praktiken werden unten besprochen. Es ist klar, dass mit Beginn des zweiten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, als Tacitus seine Historiae schrieb, diese Darstellung der Umstände der Gründung Jerusalems zur Standardschilderung unter griechischen und römischen Autoren geworden war.

Die zentrale Rolle des Tempels

Der Tempel der Juden war ein berühmtes Gebäude, auch wenn er nicht zu den sieben Weltwundern der antiken Welt gehörte. Nach Angaben griechischer und römischer Quellen befand er sich definitiv in Jerusalem, einer Stadt, die von Juden gegründet und bewohnt war. Die oben angeführten Berichte weisen zwar Moses als Gründer des Tempels aus, doch drei relativ unklare Quellen des zweiten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung verweisen bezüglich des Tempels auf König Salomo und stellen seine Verbindung mit König Hiram von Tyrus heraus, der ihm beim Bau half. Dies sind kurze Quellen, keinen historischen Hintergrund oder Material zu den Juden beinhalten.[28]

Einige der Auszüge in Gegen Apion beinhalten neben dem Antiexodus-Bericht Beschreibungen des Inneren und Äußeren des Tempels und einige seiner Rituale. Beispielsweise erklärt Hecataios, es gäbe im Zentrum der Stadt ein umzäuntes Grundstück „mit einem quadratischen Altar, der aus ausgehäuften Steinen besteht, die unbehauen und roh sind“. Der Tempel selbst ist „ein großes Gebäude, das einen Altar und einen Lampenständer beinhaltet, beide aus Gold gemacht … darüber ein Licht, das nie gelöscht wird… es gibt nicht eine einzige Statue oder Weihopferstätte, nicht die Spur einer Pflanze in der Form eines heiligen Hains oder etwas in der Art“.[29] Und in seinem Bericht der Belagerung Jerusalems durch Titus beschreibt Tacitus den Tempel als „… wie eine Zitadelle gebaut, mit eigenen Mauern … die Kolonnaden bilden eine hervorragende Verteidigungsanlage. Innerhalb des Geländes gibt es eine nicht versiegende Quelle“.[30]

Zusätzlich zu den physischen Beschreibungen erwähnen die Autoren den religiösen Aspekt des Tempels, der sich radikal vom griechischen und römischen Heidentum unterscheidet. In dem von Diodorus bewahrten Text erwähnt Hecataios die Priester und ihre Dienste im Tempel und beschreibt sogar einen Lobpreisdienst und eine Opferung.[31] Gleichermaßen vermerkt der römische Historiker Livy aus dem ersten Jahrhundert, dass die Juden nichts sagen, „welcher Gottheit der Tempel in Jerusalem gehört, noch ist dort ein Bildnis zu finden, da sie nicht glauben, dass Gott eine Gestalt hat“.

Im gleichen Ton berichtet Tacitus, es gäbe „keine Darstellungen von Göttern darin, doch … der Ort war leer und der heilige Schrein beinhaltete nichts“ und „nur ein Jude darf sich seinen Türen nähern und allen außer den Priestern war es untersagt seine Schwelle zu überschreiten“.[32] Cassius Dio (ca. 200 unserer Zeitrechnung) erinnert sich, dass die Juden „niemals eine Statue der Gottheit hatten, nicht einmal in Jerusalem“. Letzterer erklärt, dass ihr Tempel „extrem groß und schön war, nur dass er offen und ohne Dach war“.[33]

Hecataios, Livy und Cassius Dio erklären in sachlicher Art das Nichtvorhandensein von Darstellungen als Teil des jüdischen „Andersseins“. Verschiedene griechische Autoren jedoch interpretieren die Tatsache, dass es keine Götterstatuen im Tempel gab, als ungewöhnlich, aber auch als barbarisch und Hinweis auf jüdische Misanthropie. Aus ihrer Sicht war es unvorstellbar, dass ein heiliger Schrein leer ist. Daher boten mehrere Autoren ihre Version dessen, was genau in dem Tempel stand. Diodorus (1. Jhdt.) schreibt, „Antiochus, genannt Epiphanes, nach dem Sieg über die Juden das Innerste Heiligtum des Tempels des Gottes betrat, das nach dem Gesetz nur der Priester alleine betreten durfte. Dort fand er die Marmorstatue eines Mannes mit langem Bart, der auf einem Esel saß, ein Buch in der Hand; er sollte das Abbild Moses, des Gründers Jerusalems sein… der den Juden ihre misanthropischen und gesetzlosen Bräuche geweiht hatte. … Antiochus … opferte vor dem Bildnis des Gründers und dem Altar im Freien dem Gott eine große Sau.“[34] Diodorus behauptet, was am heiligsten Ort des Judentums stand, war lächerlich und abstoßend: die Anwesenheit einer Statue auf einem Esel, einem niederen Lasttier, dessen Reiter die jüdische Fremdenfeindlichkeit eingeführt hatte; und dass Antiochus ein Tier opferte, von dem jeder weiß, dass es den Juden in ihrer heiligsten Stätte verboten ist.[35]

Apion (mitt des ersten Jahrhunderts) vermittelt eine gehässige und verleumderische Beschreibung der Inhalte des Heiligtums in Jerusalem. Um seinen antijüdischen Argumenten mehr Gewicht zu verleihen, schreibt Apion seinen Bericht dem bekannten griechischen Philosophen und Völkerkundler Posidonius (ca. 135-51 vor unserer Zeitrechnung) und dem Redekünstler Apollonius Molon (1. Jhdt. vor unserer Zeitrechnung) zu.[36] Wie im Fall des Diodorus dient die Invasion des Antiochus Epiphanes als Ausgangspunkt der Beschreibung und zwar wie folgt: „Innerhalb des Heiligtums … hielten die Juden einen Eselskopf [aus Gold gefertigt], beten das Tier an und halten es für zutiefst verehrenswert.“[37]

Die Erzählung wir mit einer erstaunlichen Schmähung fortgesetzt. Apion berichtet, dass, als Apion das Heiligtum betrat, einen Griechen dort gefangen gehalten vorfand, auf einem Sofa neben einem Tisch, der mit exzellentem Essen beladen war. Der Grieche jubelte Antiochus als seinem Retter zu. Denn nach Angaben von Apion entführten die Juden gewöhnlich einmal im Jahr einen Griechen, brachten ihn in das Heiligtum, mästeten ihn mit üppigen Mahlzeiten, opferten ihn, aßen sein Fleisch und schworen dann einen Eid der Feindseligkeit gegenüber den Griechen.[38] Während Josephus diese Falschaussage als böswilligen Müll und Lügen ohne Grundlage abtut, ist doch klar, dass die Tatsache, dass die Juden keine Statuen in ihrem Tempel in Jerusalem hatten, als Hintergrund für Fälschungen und Beschuldigungen wie Entführungen, Menschenopfer, Kannibalismus und Misanthropie seitens der Juden diente.[39] Diese Verleumdung bot die Grundlage für die Versuche sie ihnen ihre Bürgerrechte zu berauben, die ihnen im Alexandria des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung in Alexandria durch Personen wie Apion abgestritten wurden. Daher stellt sich der Tempel als bedeutendes Merkmal des heidnischen Antijudaismus heraus.

Zusätzlich wurde die Tatsache, dass die Juden jährlich dem Tempel spendeten, wodurch sie ihn mit silbernen und goldenen Objekten und Geld anfüllten, als Streitpunkt betrachtet. Im Jahr 59 vor unserer Zeitrechnung verteidigte der große römische Redner Cicero Flaccus, als dieser die Juden des Reiches davon abhalten wollte große Geldsummen nach Jerusalem zu schicken. Cicero beschreibt die Sammlung riesiger Mengen an Gold und nennt das Judentum einen „barbarischen Aberglauben“.[40]

Tacitus fügt seiner Kritik am Judentum und dem Tempel eine finanzielle Dimension hinzu, indem er sich beschwert, dass andere Völker sich den Juden anschließen, „der Religion ihrer Vorväter abschwören … Tribute schicken und für Jerusalem spenden, womit sie den Reichtum der Juden vermehren“.[41] Während sowohl Cicero als auch Tacitus Jerusalem als Ziel der Spenden der Juden erwähnen, wird aus dem Kontext klar, dass sie für den Tempel bestimmt sind, den Letzterer als „im Besitz enormer Reichtümer“ beschreibt.[42]

Daraus ist zu schließen, dass Beschreibungen des Tempels einen Teil der Berichte über Jerusalem und das Judentum bilden. Sie reichen vom Faktischen bis zum Verleumderischen und Bizarren. Für die Griechen und Römer war Jerusalem für seinen Tempel berühmt, der als Fokus der fremdenfeindlichen, seltsamen und möglicherweise bedrohlichen Riten der Juden diente, deren Spenden viel Gold in die Stadt brachten. Dieses mag ein gewisses Maß an Neid unter den Nichtjuden begünstigt haben. Nach seiner Zerstörung im Jahre 70 bestand die Erinnerung an den Tempel in der retrospektiven Geschichtsschreibung von Tacitus und Cassius Dio fort.

Historische Ereignisse

Jerusalem und der Tempel erscheinen als Ort mehrerer wichtiger historischer Ereignisse, hauptsächlich bei der Eroberung durch griechische Monarchen und römische Generäle. Wir haben von der Bedeutung des Einzugs von Antiochus IV. Ephiphanes und seiner Plünderung des Tempels erfahren, die als Vorwand für antijüdische Beschreibungen des Inneren des Heiligtums, Verdrehungen über das Judentum und der Verleumdung der Juden herhielten. Antiochus erscheint in den Werken des Diodorus und des Apion in positivem Licht, wie oben angeführt. Gleichermaßen präsentiert Tacitus Antiochus positiv als Prototypen eines Führers, der versucht „den jüdischen Aberglauben abzuschaffen und die griechische Zivilisation einzuführen“.[43]

Es ist bemerkenswert, dass eine frühere Eroberung Jerusalems durch den griechisch-ägyptischen König Ptolemäus, den Sohn des Lagos, der dem obskuren Agatharchides von Knidos (2. Jhdt. vor unserer Zeitrechnung) bereits eine Gelegenheit sich zu der Tatsache zu äußern, dass „das als Juden bekannte Volk, das die überaus stark befestigte Stadt bewohnten, die von den Einheimischen Jerusalem genannt wurde“, ihre Stadt verloren, weil sie sie am Sabbath nicht verteidigen konnten. Josephus schließt dieses Zitat in Gegen Apion als eine der frühen heidnischen Kritiken des jüdischen Sabbath ein, den Agatharchides als „Torheit“, „Träumerei“ und „traditionelle Einbildungen über das Gesetz“ bezeichnet.[44]

In diesem Fall dient die Eroberung Jerusalems als Hintergrund für die unvorteilhaften Kommentare über den Sabbath. Gleichermaßen schreibt Cassius Dio die Eroberung des Tempels durch den römischen General Pompejus den Großen im Jahr 63 der Tatsache zu, dass die Juden, angesichts ihrer „abergläubischen Ehrfurcht“ die Stadt am „Tag des Saturn“ (dem Sabbath) nicht verteidigten.[45] Cassius Dio konzentriert sich jedoch auf römische Siege und Leistungen und erwähnt das Thema Sabbath nur nebenbei.

Der Biograph Plutarch (Mitte erstes bis Anfang zweites Jahrhundert) vermerkt die Belagerung Jerusalems durch den Seleukidenmonarchen Antiochus VII. Sidetes von 133 bis 132 vor unserer Zeitrechnung zur Zeit des jüdischen Laubhüttenfestes. Der Autor beschreibt dieses Fest ausführlich in einer anderen Arbeit.[46] Nach Angaben von Plutarch lieferte Antiochus VII. die Opfertiere für den Tempel und erlaubte eine siebentägige Waffenruhe, nach der sie Juden sich ihm unterwarfen.[47] Aus dieser Passage wird deutlich, dass die Einwohner Jerusalems die Juden sind, dass ihr Tempel dort steht und dass ihre religiösen Bräuche Auswirkungen auf den Ausgang des Einfalls der griechischen Herrscher hatte.

Jerusalem dient auch als Schauplatz für Lobreden auf römische Persönlichkeiten oder die Glorifizierung der Siege und Geschichte Roms. Die Eroberung Jerusalems und des Tempels durch Pompejus den Großen im Jahr 63 erscheint in mehreren römischen Quellen. Livy erklärt fälschlicherweise, dass Pompejus der erste war, der Jerusalem und den Tempel eroberte.[48] Andere Autoren konzentrieren sich auf die Tatsache, dass Pompejus weder dem Tempel Schaden zufügte noch etwas von dem Gold oder Gerätschaften aus ihm entfernte.[49]

Jerusalem und der Tempel sind in diesen Abschnitten zwar wichtig, aber sie dienen als Hintergrund für das Lob auf die römischen Eroberer. Gleichermaßen bilden die Stadt Jerusalem und ihre Zerstörung Teil der Geschichte des römischen Reiches in den Arbeiten des Tacitus und des Cassius Dio, im Falle des Tacitus auch für die Leistungen der flavischen Dynastie.[50] Diese Historiker unterstellen römische kulturelle Überlegenheit und politische Hegemonie in der ganzen Welt und die Eroberung und Unterwerfung Jerusalems unterstützte diese Weltsicht.

Ein herausstechendes Beispiel für die Rolle Jerusalems als Ort eines weniger wichtigen Ereignisses im Leben eines Kaisers kann in Suetons Die zwölf Cäsaren gefunden werden, einer Arbeit, die mit reichlich intimen Details des öffentlichen und privaten Lebens der ersten zwölf römischen Kaiser versehen ist. In seiner Biographie des Titus, damals Kommandeur der kaiserlichen Truppen seines Vaters Vespasian und später selbst Kaiser, schreibt Sueton: „Beim letzten Angriff auf Jerusalem tötete er zwölf der Verteidiger mit genauso vielen Pfeilen; und er nahm die Stadt am Geburtstag seiner Tochter ein, womit er die Soldaten in Freude versetzte und ihre Verehrung gewann…“[51] In diesem Fall „ist das Persönliche politisch“ und Jerusalem dient als Ort der Erinnerung an ein Ereignis im Privatleben des Titus.

Schließlich benennt Cassius Dios unverzichtbarer Bericht über den jüdischen Aufstand gegen Kaiser Hadrian (132-135 unserer Zeitrechnung) das Folgende als eine Ursache der Revolte: „In Jerusalem gründete er [Hadrian] eine Stadt an Stelle derer, die geschleift worden war; er nannte sie Aeolia Capitolina. An der Stelle des Tempels des Gottes errichtete er einen neuen Tempel für Zeus [Jupiter].“[52] Dio fährt dann mit seinem Bericht über den Aufstand der Juden und seiner systematischen Niederschlagung durch die Römer fort.

Obwohl die Quelle sich auf den Verlauf der Revolte gegen Hadrian konzentriert, wird die Gründung einer heidnischen Stadt auf den Ruinen Jerusalems und eines heidnischen Tempels auf dem Tempelberg als historische Tatsache dargestellt und nicht einfach als Hintergrund für die Ansichten des Autors zur jüdischen Religion oder seines Lobes eines bestimmten Kaisers. Einmal mehr werden Jerusalem, der Tempel und die Juden in einem wichtigen römischen Geschichtswerk miteinander verbunden, das mehr als ein Jahrhundert nach der Zerstörung der Stadt und seines heiligsten Ortes schrieben wurde.

Physische Beschreibungen

Griechen und Römer zeigten ein großes Interesse an ihrer Umgebung, fernen Ländern, Naturphänomenen und Sehenswürdigkeiten; dazu gehörte auch Jerusalem. Einige der Beschreibungen Jerusalems gehen Details über den Tempel und das Judentum voraus; andere erfolgen innerhalb des Kontextes historischer Ereignisse wie der Belagerung durch Titus im Jahr 70. Allgemein kann man sagen, dass Jerusalem als stark befestigte Stadt mit einem Tempel erscheint, die schwer zu erobern ist. Ein paar Autoren erwähnen, dass sie über Wasserquellen verfügt und eine Reihe Autoren geben Maße ihrer Fläche an. Trotz der Neigung der antiken Welt Zahlen zu übertreiben ist klar, dass Jerusalem relativ groß und bevölkerungsreich war.

Der in Gegen Apion zitierte Auszug von Hecataios beschreibt die Stadt wie folgt: „Die Juden haben… nur eine befestigte Stadt, die einen Umfang von etwa 50 Stadien besitzt und etwa hundertzwanzigtausend Einwohner; sie nennen sie Jerusalem. Beinahe im Zentrum der Stadt steht eine Steinmauer, die eine Fläche von etwa fünf Plethra lang hundert Ellen breit, in die man durch ein Doppeltor eintritt.“[53] Dann geht er zur Beschreibung des Tempels über.

Agatharcides vermerkt, dass Jerusalem „die am stärksten befestigte Stadt“ ist.[54] Der unbekannte griechische Autor Timochares (spätes 2. Jhdt.) erklärt: „Jerusalem hat einen Umfang von 40 Stadien. Sie ist schwer zu erobern, da sie auf allen Seiten von steilen Schluchten umgeben ist. Die ganze Stadt hat einen Überfluss an fließendem Wasser, so dass auch die Gärten von den Strömen aus der Stadt bewässert werden.“[55]

In der anonymen Schoinometresis Syriae, die möglicherweise von Xenophon von Lampsacus (ca. 100 unserer Zeitrechnung) geschrieben wurde, vermerkt der Autor: „Jerusalem liegt auf hoch gelegenem und rauem Terrain; einige Teile der Mauer sind aus behauenem Stein gebaut, aber zumeist besteht sie aus Kies. Die Stadt hat einen Umfang von 27 Stadien und innerhalb gibt es eine Quelle, aus der Wasser in Hülle und Fülle sprudelt.“[56]

Gleichermaßen zeichnete der römische Universalgebildete Plinius der Ältere (starb 79 unserer Zeitrechnung) in seiner berühmten Naturgeschichte auf, dass das Tote Meer „im Süden Machaerus zuwendet, das einmal nach Jerusalem die wichtigste Festung in Judäa war…“ und das „Engeda [die Oase Ein Gedi] in der Fruchtbarkeit ihres Landes und den Palmenhainen nur hinter Jerusalem zurückstand, aber jetzt, wie Jerusalem, ein Haufen Asche ist.“[57]

Sowohl Tacitus als auch Cassius Dio liefern in ihren Berichten der römischen Eroberungen der Stadt Details zu Jerusalem. Trotz der Tatsache, dass sie zerstört worden war, nutzt Tacitus die Gegenwartsform, als würde sie noch stehen. Vor seinem weitschweifigen Abschnitt über die Große Revolte gibt er eine kurze Zusammenfassung der Geschichte der Stadt, die er folgendermaßen einleitet: „… Die erste Festungslinie schützte die Stadt, die nächste den Palast und die innerste den Tempel.“[58] Zu Zeit der Belagerung Jerusalems durch Titus beschreibt Tacitus dessen Verteidigungsanlagen: „… die Stadt liegt auf einer Anhöhe;… die beiden Hügel, die noch höher hinaufragen, wurden mit Mauern umgeben, die sachkundig gebaut waren… Die Steine endeten in jähen Felsen und Türme erhoben sich zu einer Höhe von sechzig Fuß, wo der Hügel die Befestigungen unterstützte und von den Tälern aus erreichten sie einhundertzwanzig; sie bildeten einen wundervollen Anblick… Eine innere Linie von Mauern war um den Ort gebaut worden und auf einer auffälligen Höhe stand der Turm der Antonia… in den Hügeln gibt es unterirdische Aushebungen mit Becken und Zisternen, die das Regenwasser speichern.“[59]

Cassius Dio sagt kurz, dass zur Zeit der Belagerung durch Titus einige Römer glaubten, die Stadt sei uneinnehmbar und zur Gegenseite überliefen. Ihre Stärke lag in der Tatsache, dass sie „drei Mauern hatte“, einschließlich der, die den Tempel umgab“ und dass die Juden „Tunnel aus dem Innern der Stadt gegraben hatten, die unter den Mauern hindurch führten“, aus denen heraus sie die römischen Wasserversorgung angriffen.[60] Sowohl Tacitus als auch Cassius Dio betonen, die Befestigungen der Stadt und zeigen so die große Leistung auf, die die Römer durch die Eroberung und völligen Zerstörung Jerusalems erbrachten. Die physischen Beschreibungen werden eindeutig der Verherrlichung des römischen Reiches untergeordnet.

Der Gebrauch des Begriffs „Solyma“

Verschiedene römische Autoren nach dem Jahr 70 benutzen den Begriff „Solyma“ (Jerusalem) in abfälliger Weise. Wie oben beschrieben war die Erklärung der Etymologie des Namens der Stadt Teil der Gründungserzählungen von Lysimachus, Plutarch und Tacitus. Nach der Zerstörung Jerusalems scheint der Begriff „Solyma“ eine abschätzige Bedeutung angenommen zu haben, die in persönlichen Beleidigungen und Beschuldigungen benutzt wurde und nichts mit seiner Herkunft zu tun hat. Dieser Gebrauch des Begriffs bedeutet sowohl Verhöhnung des Judentums als auch die Verbindung mit einem besiegten Volk und einer zerstörten Stadt, deren Eroberung für die Römer schwierig war.

Offensichtlich war das Judentum, trotz der Tatsache, dass Jerusalem in Ruinen lag und seine Einwohner getötet, ins Exil getrieben oder in die Sklaverei verkauft worden waren, für die Römer weiterhin attraktiv. Im späten ersten Jahrhundert beleidigen sowohl Valerius Flaccus als auch der für seine Spottgedichte berühmte Martial ihre nicht jüdischen Rivalen und Gegner dadurch, dass sie sie mit „Solyma“ in Verbindung bringen. In seiner Hetzschrift gegen Domitian, den Bruder des Titus, vermerkt Flaccus, dieser „stinke nach dem Staub von Solyma“. Martial vergleicht seinen Rivalen verächtlich mit dem, der „aus dem jetzt von Feuer verzehrten Solyma kommt, das jetzt zu Tributzahlungen verdammt ist“.[61]

Der Begriff erscheint in den Satires von Juvenal (60-130 unserer Zeitrechnung), der einige Spitzen gegen das Judentum verfasste, das er als abergläubischen Unsinn und wegen seiner Popularität destruktiv für die römische Gesellschaft und das römische Familienleben betrachtete. Er etikettiert die Juden als falsche Propheten und Bettler und verspottet „eine gelähmt Jüdin“, die „Auslegerin der Gesetze Jerusalems“ ist. (latein. legum Solymarum).[62] In diesem Fall bedeutet „Solyma“ oder „Jerusalem“ die verhasste Religion des Judentums.

Schlussfolgerung

Für antike griechisch- und römisch-heidnische Autoren war Jerusalem eine jüdische Stadt und der Ort des Tempels, des heilige Ortes der Juden. Sie wurde weit in der Vergangenheit von Juden des Altertums gegründet, vermutlich von Moses, der ein Volk Ausgestoßener anführte, die aus Ägypten vertrieben worden waren; er gründete ihre Theologie, Gesetze und Bräuche, die für den Großteil der Menschheit schädlich waren und es weiter sind.

Der Tempel war das religiöse Zentrum der Juden, wo ihre Feindschaft gegenüber anderen verstärkt wurde. Jerusalem war ein stark befestigte und fruchtbare Stadt, die verschiedentlich von Griechen und Römern angegriffen wurde. Zwar gegen ihrer natürlichen Verhältnisse und ihrer Befestigungen schwer zu erobern, marschierten die Römer in sie ein und zerstörten später sowohl die Stadt als auch den Tempel. Alle Juden waren mit Jerusalem verbunden, durch historische Herkunft, finanzielle Abgaben an den Tempel oder religiöse Sitten, die aus dieser Stadt und ihres Gründers herrührten.

Da das Judentum als eine Art fremdenfeindlichen Aberglaubens betrachtet wurde, von Natur aus den heidnischen Göttern und dem griechischen wie römischen Lebensstil feindlich gesinnt und eine Bedrohung der römischen Gesellschaft, weil sie für viele ansprechend war, wurden die Erinnerung und der Begriff „Solyma“ oder „Hierosolyma“ gelegentlich zum Synonym für alles, was jüdisch war und von den verschiedenen römischen Autoren verabscheut wurde. Daher war die einzige Identität Jerusalems sein Status als „Hauptstadt der Juden“.

Anmerkungen:

* Für Isaac Jacob Meyers (1979-2008) In Memoriam Perpetuam.
Mein Cousin Isaac Jacob Meyers aus New York war Doktorand der Klassischen Antike an der Harvard University. Als praktizierender Jude liebte Isaac Jerusalem, das Judentum, Hebräisch, Latein und Griechisch. Sein vorzeitiger Tod durch einen Verkehrsunfall ist ein großer persönlicher Verlust und ein Verlust für die Gelehrtenwelt. Möge die Erinnerung an ihn gesegnet sein.
Ich möchte meinen Dank aussprechen: an Herrn David Zwebner und Herrn Menahem Lewinsky von der Hazvi Yisrael-Synagoge in Jeruaslem, die mich einluden am Jerusalem-Tag, 1. Juni 2008, vor ihrer Gemeinde zu sprechen, wo ich einen Vortrag in Hebräisch zu diesem Thema hielt, der als Inspiration zu diesem Aufsatz diente.

[1] Tacitus: Historiae V, 8,1, in: Menahem Stern: Greek and Latin Authors on Jews and Judaism. Jerualem: Israel Academy of Sciences and Humanities, Vol. II, Nr. 281, 1980, S. 21, 28. Der lateinische Text ist: „Hierosolyma genti caput.“Der Begriff „gens“ bezieht sich auf das Volk von Judäa, die Juden, die im ersten Teil des Satzes erwähnt werden. Alle Quellen in diesem Aufsatz entstammen Sterns Anthologie, s. Anmerkung 9.
[2] Dennis Ross: The Missing Peace. The Inside Story of the Fight for Middle East Peace. New York, Farraf, Straus and Giroux, 2004, S. 694, 699. Es sit bemerkenswert, dass die heidnische Stadt Nablus (die arabische Aussprache des griechischen “Neapolis”) vom römischen Kaiser Vespasian einige Jahre nach seinem Sieg über die Juden und der Zerstörung des Tempels und Jerusalems im Jahr 70 gegründet wurde. Neapolis, das in Samaria in der Nähe der biblischen Stadt Schechem liegt, hatte eine heidnische Bevölkerung. Eine kurze Beschreibung der offiziell von der palästinensischen Autonomiebehörde unterstützten und geförderten Umschreibungen und Fälschungen der antiken Geschichte Jerusalems und der Region zur Negierung ihrer jüdischen Vergangenheit, der Leugnung jüdischer Ansprüche und Ersetzung derselben durch die von Arabern, Muslimen und Palästinensern ist hier zu finden: Itamar Marcus/Barbara Crook: „Antisemitism among Palestinian Authority Academics“, Post Holocaust and Antisemitism 69, 1. Juni 2008.
[3] Die vehemente Negierung der Existenz einer jüdischen, vorislamischen Vergangenheit in der Geschichte Jerusalems und zahlreicher Gegenschilderungen, die behaupten, dass der Tempel von Adam oder Abraham gebaut und später von König Salomo und Herodes renoviert wurde, hat Yitzhak Reiter gesammelt und analysiert in: From Jerusalem to Mecca and Back: The Muslim Rallying Around Jerusalem. Jerusalem, Institute for Israel Studies, 2005 [Hebräisch]. Eine Zusammenfassung gibt es von Nadav Shragai: „In the Beginning was Al-Aqsa“, Ha’aretz, 27. November 2005. Zum Gebrauch muslimischer Argumente bei der Werbung für Pläne zur Teilung Jerusalems siehe Nadav Shragai: „Jerusalem: The Danger of Division“, 1-6 (Hebräisch) auf http://www.jcpa.org/. Zur islamischen Besitzergreifung der biblischen jüdischen Vergangenheit s. Jacob Lassner: „The Origins of Muslim Attitudes toward the Jews and Judaism“. Judaism, 39, 4 (Herbst 1990), S. 494-507. Lassner schreibt: „…die muslimische Antwort auf die Juden und das Judentum entstammt einem intensiven Wettstreit zur Besetzung der zentralen Bühne, die für beiden Religionen heilig ist. Die Geschichte der Juden war eine Historie, die Muslime sich im Koran, seinen Kommentaren und anderen islamischen Texten aneigneten.“ (S. 497-498). Die ‚Geschichte Jerusalems scheint ebenfalls in diese Kategorie zu gehören.
[4] Für eine triftige Präsentation der Fragen siehe Dore Gold: The Fight for Jerusalem: Radical Islam, the West, and the Future of the Holy City. Washington D.C., Regnery, 2007. Eine exzellente Integration der historischen und archäolgoischen Quellen kann gefunden werden bei Lee I. Levine: Jerusalem. Portrait of a City in the Second Tempel Period (538 BCE – 70 CE). Philadelphia, Jewish Publication Society, 2002, der eindeutig den jüdischen Charakter Jerusalems in der Zeit des zweiten Tempels nachweist. Zu den Tempelberg-Ausgrabungen siehe Eliat Mazar: The Complete Guide to the Temple Mount Excavations. Jerusalem, Shoham Academic and Research Publication, 2002.
[5] Martin Goodman betont den heftigen Antijudaismus der flavischen Dynastie (69-96 unserer Zeitrechnung), die ihr Prestige dem entscheidenden und brutalen Sieg über die Juden verdankt. Darüber hinaus initiierten die Flavier nach der Zerstörung Jerusalems eine antijüdische Politik, um zu zeigen, dass „die nicht nur die Bezwingung Judäas gefeiert wurde, sondern die des Judentums“. Goodman führt an, dass diese imperiale Politik eine Quelle des christlichen Antijudaismus war: Rome and Jerusalem: The Clash of Ancient Civilizations. London, Penguin Books, 2007, S. 453ff, 582ff. Ähnlich berichtet Rene S. Bloch die negativen Äußerungen des Tacitus im antijüdischen Diskurs der flavischen Ära und ihren Einfluss auf westliche Haltungen zu Juden und Judentum: Antike Vorstellungen vom Judentum: Der Judenexcursus des Tacitus im Rahemen der griechisch-römischen Ethnographie. Stuttgart, Franz Steiner-Verlag, 2002, S. 221-223.
Zu griechischen und römischen Einstellungen zu Juden und Judentum siehe E. Gabba: „The Growth of anti-Judaism or the Greek Attitude towards Jews“. In: W.D. Davies/L. Finkelstein u.a.: The Cambridge History of Judaism, Vol. II: The Hellenistic Age. Cambridge, Cambridge University Press, 1989, S. 614-656; Louis H. Feldman: Jew and Gentile in the Ancient World. Princeton, N.J., Princeton University Press, 1993), insbesondere S. 123-176; Peter Schaefer: Judeophobia: Attitudes toward the Jews in the Ancient World. Cambridge, Mass., Harvard University Press, 1997. Zur Herkunft des Antisemitismus in Ägypten im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und den Umständen des ersten Pogroms gegen Juden, das im Jahr 38 in Alexandria stattfand und von der griechischen Mehrheit begangen wurde, siehe Manfred Gerstenfeld: Interview with P.W. van der Horst: „The Egyptian Beginning of Anti-Semitism’s Long History“, Post Holocaust and Anti-Semitism, 62, 1. November 2007.
[6] Josephus: The Life; Against Apion, ins Englsiche übersetzt von H. St. John Thackery, Cambridge, Mass., Harvard University Press, 1966. Eine Zusammenfassung der Geschichte, Bedeutung und Inhalte von Gegen Apion findet sich bei E Schuerer: The History of the Jewish People in the Age of Jesus Christ, rezensiert von Geza Vermes und Fergus Millar, Edinburgh, T.&T. Clark, 1973, I, S. 54-60. Die jüngste, gründliche Studie von Gegen Apion (in Englisch) ist: Louis H. Feldman/John R. Levison (Hg): Josephus‘ Contra Apionem: Studies in Ist Character and Context, Leiden, Brill, 1996.
[7] Josephus: Against Apion, II, S. 151-296.
[8] Schuerer, I, S. 20-43, 63-68.
[9] Menachem Stern: Greek and Latin Authors in Jews and Judaism, I-III. Jerusalem, Israel Academy of Sciences and Humanities, S. 1974-1984. Mein Lehrer Prof. Menahem Stern, gesegneten Andenkens, war Profossor für Jüdische Geschichte der Zeit des Zweiten Tempels an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Stern war ein produktiver Gelehrter und Experte für griechische und lateinische Texte. Er wurde 1989 in Jerusalem auf dem Weg zur Hebräischen Universität und der Nationalbibliothek in Jerusalem von einem palästinensischen Terroristen ermordet. Eine frühere, weniger umfangreiche Anthologie über griechische und lateinische Texte ist Theodore Reinach: Textes d’auteurs grecs et romains relatifs au Judaisme. Paris, Ernest Leroux, 1895 (in Französisch).
[10] Arnaldo Dante-Momigliano: „The Hellenistic Discovery of Judaism“. In: Alien Wisdom: The Limits of Hellenization. Cambridge, Cambridge University Press, 1975, S. 74-96. Momigliano erklärt, dass “zum Ende des sechsten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung sie bereits Bücher zu Ethnographie und Geographie schrieben“ (S. 74).
Nach Angaben von Bloch, passim., S. 222, bezogen sich griechische und römische Autoren anders auf die Juden als auf andere antike Völker, deren Kleidung, Wohnorte, Klima und Waffen ausführlich diskutiert wurden.
[11] Herodot: Historiae II, S. 104,3; Stern, I, Nr. 1, 2.
[12] Zu Übernahme des Begriffs „Palästina” und „Palästinenser“ durch die palästinensischen Araber des 20 Jahrhunderts und ihren Gebrauch als ethnisches Identifikationsetikett, die aber ursprünglich und über Jahrtausende hinweg geographische Begriffe waren, s. Bernard Lewis: „The Palestinians and the PLO: A Historical Approach“, Commentary 59 (Januar 1975), S. 32-48. Lewis vermerkt, dass die Römer Judäa 137 unserer Zeitrechnung in „Syria Palestina“ umbenannten und Jerusalem in „Aelia Capitolina“, um „die letzten Funken nicht nur der [Bar Kochba] Revolte, sondern der jüdischen Nationalität und Staatlichkeit auszumerzen … mit derselben Absicht – seine historische jüdische Identität zu tilgen“ (S. 32).
[13] Eine Zusammenfassung der wissenschaftlichen Interpretationen der verschiedenen Reaktionen der Juden auf den Einfluss des Hellenismus und die Bedeutung der Hellenisierung in der jüdischen Geschichte des Zeit des zweiten Tempels und des Talmud findet sich bei L. Levine: „Hellenism and the Jewish World of Antiquity“, Judaism and Hellenism in Antiquity: Conflict or Confluence. Seattle, University of Washington Press, 1998, S. 3-32.
[14] Momigliano, S. 90-91; Johanan Hans Lewy: „Aristotle and the Jewish Sage“, in: Studies in Jewish Hellenism (Hebräisch: Olamot Nifgashim). Jersualem, Bialik Institute, 1969, S. 15-43; Josephus: Against Apion, I, S. 176-183; Stern, I, VII, Nr. 15, S. 47-52.
[15] Zu den Antiexodus-Schilderungen als wichtigem Motiv griechisch-römischen Antisemitismus siehe: Van der Horst; Schaefer, S. 15-33. Momigliano, S. 91-95, ist der Ansicht, dass die griechischen Autoren entweder nichts vom Bericht des Exodus in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung der Torah, wussten oder die Anerkennung ihrer Historizität ablehnten. Im Gegensatz dazu bleibt Erich S. Gruen dabei, dass diese Erzählungen nicht Teil einer konzertierten antijüdischen Kampagne der Heiden waren; sie „stammen von ägyptischen Verzerrungen jüdischer Legende, aber im Gegenteil, der jüdische Erfindergeist eignete sich den ägyptischen Mythos an.“ („Der Gebrauch und der Missbrauch der Exodus-Geschichte“, Heritage and Hellenism: The Reinvention of Jewish Tradition. Berkeley, University of California Press, 1998, S. 41-73, insbesondere S. 71-73. Gruens Argument ist jedoch weder von Bedeutung noch überzeugend, da klar ist, dass die oft wiederholten Antiexodus-Erzählungen tatsächlich Teil der wesentlichen Stützung des Antijudaismus und des Judenhasses in der griechisch-römischen Welt formen. Eine Reaktion auf Gruen bietet John J. Collins: „Reinventing Exodus: Exegesis and Legend in Hellenistic Egypt“. Jewish Cult and Hellenistic Culture, Leiden, Brill, 2005, S. 44-57 und 191-193.
[16] Die Antiexodus-Texte des Hecataios: Aegyptiaca, in: Diodorus Siculus: Bibliotheca Historica XL,3 (Photius, Cod. 244). Stern, I, V, Nr. 11, 1-8, S.20-35, in: Against Apion I, S. 183-204; Stern, I, V, Nr. 12, S 35-44; und bei Manetho in: Against Apion I, S. 73-91, 93-105, 228-252; Stern, I, X Nr. 19-21, S. 66-86. Zu den Theorien über das Datum der Hecataios zugeschriebenen Texte s. Anmerkung 21.
[17] Van der Horst, op.cit.
[18] Daniel R. Schwarz: „Introduction“ zu Studies in the Jewish Background of Christianity. Tübingen, Mohr, 1992, S. 10-15 weist das weit verbreitete Phänomen des Übertritts zum Judentum, einem Lebensstil und Glaubenssystem, das über territoriale Grenzen hinaus ging, dem Einfluss der massiven kulturellen Angleichung an den Hellenismus in der gesamten mediterranen Welt zu, durch die man hellenisiert werden konnte, ohne in Griechenland zu leben. Zur Attraktivität des Judentums und dem Erfolg des Bekehrungseifers unter Griechen und Römern siehe Feldman, S. 177-341. J.H. Lewy: „The Second Tempel Period in Light of Greek and Roman Literature”, op.cit., S. 3-14 argumentiert, die Krisen, die antijüdische Schriften stimulierten, war der Zustrom von Juden in das ptolemäische Ägypten während des dritten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung, der Triumph der Hasmonäer-Dynastie (Mitte bis Ende des zweiten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung) gegen die griechischen Seleukiden, die hasmonäische Politik gegenüber den Griechen, die Unterwerfung der ehemaligen griechischen Herrschaftsgebiete unter die Römer und die vom römischen Kaiser GAius Caligula durch sein Beharren der Anbetung seiner Statue geschürte Krise. Spätere römische Intellektuelle empfanden die Attraktivität des Judentums und jüdischer Missionstätigkeit als Untergrabung ihres traditionellen Lebensstils. Mit der Wiederholung des Antiexodus-Materials, um seine Kampagne gegen die Rechte der Juden zu unterstützen, führte Apion die griechische Delegation zu Kaiser Gaius Caligula (37-41 unserer Zeitrechnung); das geschah während der Zeit interethnischer Krisen in Alexandria, die durch die kaiserliche Politik und das Pogrom des Jahres 38 verschlimmert wurde. Zu Alexandria siehe Van der Horst, op.cit.; Schaefer: Judeophobia, S. 136-160; und Collins: „Anti-Semitism in Antiquity? The Case of Alexandria“, op.cit., S. 181-201.
[19] Tacitus: Historiae V: 4,1; Stern II, XCII Nr. 281, S. 19, 25. Nach Angaben von Bloch (S. 221-223) spiegelt der Exkurs von Tacitus zu den Juden den antijüdischen Diskurs der flavischen Ära und den Glauben an die Überlegenheit des römischen Reiches wider. Siehe Goodman, S. 453ff. Erich S. Gruen jedoch spielt jede Vorstellung einer „lange gärenden Feindseligkeit“ als Grundlage antijüdischen Ausdrucks in Folge der Revolte in Judäa herunter und schreibt die negativen römischen Einstellungen dem Schock der Herausforderung durch ein „lächerliches“ Volk zu. Gruen: Roman Perspectives on the Jews in the Age of the Great Revolt“ in: Andrea M. Berlin/J. Andrew Overman: The First Jewish Revolt: Archeology, History, Ideology. London, Routledge, 2002, S. 27-39.
[20] Manethos Verweis auf Jerusalem kommt aus seiner Aegyptiaca und wird von Josephus in Gegen Apion widerlegt: Against Apion I, S. 90; I, S. 93; I, S. 228; Stern, I, X, Nr. 19 S. 68-69; Nr. 20 S. 74-75; Nr. 21 S. 78, 81, 83.
[21] Hecataios, in Stern, I, V, Nr. 11 S. 26-28. Nach Stern (I S. 20-24) schrieb Hecataios ca. 300 vor unserer Zeitrechnung. Seine Aegyptiaca kommt über das Werk von Diodorus Sirculus aus dem ersten Jahrhundert zu uns, dies wiederum über die Bibliotheca des Photius aus dem 10. Jhdt. Diodorus könnte den Originaltext verändert haben. Against Apion I S. 183-204 schließt einen Abschnitt mit dem Titel „On the Jews“ (Von den Juden) von Hecataios ein, der als früheste griechische Beschreibung des Tempels und Jerusalems gilt. Mehrere Forscher haben die Authentizität der Absätze bei Josephus in Frage gestellt. Stern legt die allgemein akzeptierte Meinung vor, Josephus habe „eine jüdische Überarbeitung vorliegen gehabt, so gering diese auch vorgenommen sein mag“, die etwas pro-jüdischer war als das Original von Hecataios (i, S. 23-24). Eine detaillierte Untersuchung des Materials, das Josephus Hecataios zuschreibt, erklärt jedoch, dass es von einem ägyptischen Juden des späten zweiten/frühen ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung und nicht von Hecataios geschrieben worden; s. Bezalel Bar Kochba: Pseudo-Hecataios‘ On the Jews: Legitimizing the Jewish Diaspora, Berkeley, University of California Press 1996, insbesondere S. 110-121, 249-252. Diese Sichtweise passt zu Erich S. Gruens spätere These (Anmerkung 15), obwohl sie nicht allgemein akzeptiert wird. S. auch Bloch, S. 29-36.
[22] Zu Moses in heidnischen Schriften: Feldman: Jew and Gentile, S. 232-287. Zur griechischen Logik hinter der Identität des Gründers der Religion, Eroberer des Landes und Erbauers des Schreins siehe Bloch, S. 34, Anmerkung 38. Josephus: Against Apion II, S. 154-178, 352-365. Josephus führt an, dass Moses der älteste Gesetzgeber der Menschheitsgeschichte ist und seine Gesetze denen andere Völker überlegen sowie allen zugänglich waren.
[23] Diodorus: Bibliotheca Historica XXXIV, 1:1,2,3 in: Stern, I, XXXII Nr. 63.
[24] Lysimachus in: Against Apion I, S. 304-311; Stern, I, LXII Nr. 158, S. 383-386.Stern vermerkt, dass Lysimachus’ Bezugnahme auf Hierosyla ein Beispiel für die Etymologie des Namens einer Nation ist (386, Nr. 311).
[25] Tacitus: Historiae V, 2:1-2; Stern, II, XCII Nr. 281, S. 17-18, 24-25. Stern stellt heraus, dass Tacitus’ Bezugnahme auf “Herosolymus” und “Iuda” denen seines Zeitgenossen Plutarch ähnelt (S. 33, Anmerkung 2:2). Zu Plutarch s. Stern, I, XCI, Nr. 259, S. 563.
[26] Tacitus: Historiae V, 3:1-5:5; Stern, II, XCII, Nr. 281, S. 18-19, 25-27.
[27] Tacitus: Historiae V, 6:1-13:4; Stern, II, XCII, Nr. 281, S. 19-23, 27-31. Bloch, S. 102-107, stellt korrekt heraus, dass Tacitus der politischen Geschichte der Juden vor der Großen Revolte, der Belagerung Jerusalems durch Titus kaum Aufmerksamkeit widmet. Sie interessiert ihn einfach nicht. Die Andersartigkeit der jüdischen Religion, die er von den Juden Roms kennt, war dagegen seiner Kritik würdig (Bloch, S. 222-223).
[28] Menander von Ephesus in Against Apion I, S. 126; Stern, I, XX Nr. 35, S. 120-121; Dius in: Against Apion I, S. 114-115; Stern, I, XXI, Nr 36, S. 124-125; Laetus in: Stern, I, XXIII, Nr. 39, S. 128-129. Vielleicht kannten diese Autoren den biblischen Bericht, der die Beziehungzwischen Salomo und Hiram beschreibt, sowie die Rolle des Zweiten bei der Lieferung des Materials für den Tempel oder erhielten ihre Informationen von einer unbekannten phönizischen Quelle.
[29] Hecataios „On the Jews“ in: Against Apion I, S. 198-199; Stern, I, V, Nr. 12, S. 36-37, 39. S. Anmerkung 21 zu den Problemen mit diesem Abschnitt. Bar Kochba, S. 153-154, 160-168 erklärt, dass der Autor, Pseudo-Hecataios, ein ägyptischer Jude an der Wende zum ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, seine Beschreibung auf Modelle des Tempels aus der griechischen Literatur stützte und mit den heidnischen Tempeln und ihrer Umgebung bekannt war. Daher ist der Tempel in Jerusalem nicht das im Text beschriebene Gebäude.
[30] Tacitus, Historiae V:12:1 (Stern, II, XCII, Nr. 281, S. 22, 30.
[31] Hecataios in: Diodorus: Aegyptiaca, Bibliotheca Historica LX, S. 3, 4-6; Stern, I, V, Nr. 11, S. 26-28.
[32] Livy in: Stern, I, XLVI, Nr. 133, S. 330. Tacitus: Historiae V: 8:1, 9:1; Stern, II, XCII, Nr. 281, S. 21, 28. Tacitus berichtet, dass erst nach Pompejus’ Eindringen in den Tempel 63 vor unserer Zeitrechnung allgemein bekannt wurde, dass das Heiligtum leer war. Er wiederholt die griechischen Schmähungen und Gerüchte über das Heiligtum nicht.
[33] Cassius Dio: Historia Romana XXXVII, 17:2-3; Stern, II, CXXII, Nr. 406, S. 349, 351.
[34] Diodorus: Bibliotheca Historica XXXIV:2-4; Stern, I, XXXII, Nr. 63, S. 182-183. Zum heidnischen Vorwurf der jüdischen Esels-Verehrung s. Schaefer, S. 58-62.
[35] Dieser Bericht unterscheidet sich von jüdischen Versionen des Eindringens des Antiochus IV. nach Jerusalem und die Schändung des Tempels in Makkabäer I und II. Während alle anderen die Anstrengungen des Antiochus zur Abschaffung der jüdischen Gebräuche betonen, erklärt Diodorus, dass er nach der Annahme von Tribut von den Juden und dem Abriss der Mauern Jerusalems die Juden in Ruhe ließ. Er erwähnt die Juden nicht, die, angeführt von Judas, dem Makkabäer, den Soldaten des Antiochus und seinen Unterstützen den Tempel wieder abnahmen und wieder weihten.
[36] Posidonius in: Against Apion II, S. 80, 89-96; Stern, I, XXVIII, Nr. 44, S. 145-146; Apollonious Molon in: Against Apion II, S. 80, 89-96; Stern, I, XXIX, Nr. 48, S. 12-154; Apion in: Against Apion II, S. 80, 90-96; Stern, I, LXIII, Nr. 170, S. 408-412.
[37] ebenda.
[38] ebenda.
[39] Eine Erklärung der Herkunft der Kannibalismus-Beschuldigungen an die Juden durch Apion könnte bei Stern gefunden werden: Stern, I, S. 412, Anmerkung 89. S. auch Schaefer, S. 62-67. Regelmäßige Entführung und Tötung eines Nichtjuden findet sich natürlich in den mittelalterlichen Ritualmord-Vorwürfen, deren erster im englischen Norwich im Jahr 1144 aufkam. Es gibt riesige Unterschiede zwischen den Behauptungen Apions und dem Zusammenhang der Ritualmord-Vorwürfe in Europa, bei denen unschuldige christliche Kinder als Opfer vorkommen, die von Juden ermordet wurden, um ihr Blut für Pessah-Rituale zu nutzen.
[40] Cicero: Pro Flacco, 28:66-69; Stern, I, XXXIV, Nr. 68, S. 196-201. Zu Ciceros Haltung zu den Juden s. J. Jewy: “Cicero and the Jews in the Pro Flacco”, op.cit., S. 79-114. Nach Feldman, S. 70, waren die Juden Jerusalem und dem Tempel gegenüber so loyal, dass sie bereit waren sich über ein römisches Edikt hinwegzusetzen und große Geldsummen an den Tempel zu schicken.
[41] Tacitus: Historiae V, 5:1; Stern, II, XCII, Nr. 281, S. 19, 26. Sowohl Bloch (S. 93) als auch Feldman (S. 110) erklären, dass die Tatsache, dass zahlreiche Bekehrte ebenfalls den halben Schekel an den Tempel in Jerusalem zahlten, zur Ansammlung riesiger Geldsummen führte, die im gesamten Reich gesammelt und dem Tempelschatz geschickt wurden, was zu Neid der Nichtjuden auf den jüdischen Reichtum und Antipathien gegenüber Konvertiten zum Judentum führte.
[42] Tacitus: Historiae V, 8:1; Stern, II, XCII, Nr. 281, S. 21, 28.
[43] Tacitus: Historiae V, 8:1; Stern, ebenda.
[44] Against Apion I, S. 209-211; Stern, I, XVII, Nr. 30a, S. 106-107.
[45] Cassius Dio: Historia Romana XXXVII, 15:2:1-4; Stern, II XCII, Nr. 281, S. 21, 28. Josephus preist und beschreibt ausführlich die Tatsache, dass die Juden während des Feldzug des Pompejus keine Verteidigungsanlagen um Jerusalem errichteten, um den Sabbath nicht zu entehren und damit seinen Einfall in die Stadt und den Tempel erleichterten (Jewish War I, S. 145-147; Jewish Antiquities XIV, S. 63-65).
[46] Zum Laubhüttenfest: Plutarch: Quaestiones Convivales IV: 6:2, in: Stern, I, XCI, Nr. 258, S. 553-554, 557-558. Zu Plutarchs Beschreibung des Festes: Schaefer, S. 53-54.
[47] Plutarch: Regum et Imteratorum Apophthegmata; Stern I, XCI, Nr. 260, S. 563-564. Ein ähnlicher Verweis auf die Belagerung Jerusalems durch Antiochus VII Sidetes während des Laubhüttenfestes siehe: Josephus: Jewish Antiquities XIII, S. 242-248. Josephus stellt allerdings heraus, dass Antiochus die Belagerung aufhob, wogegen Plutarch erklärt, die Juden seien überrascht worden und hätten sich in seine Hände begeben.
[48] Livy: Periochae CII; Stern, I, XL VI, Nr. 131, S. 329.
[49] Cicero erklärt, dass Pompejus “seine siegreichen Hände auf nichts in diesem Schrein legte“: Pro Flacco 28,67; Stern, I, XXXIV, Nr. 68, S. 196-197; Tacitus: Historiae V, 9:1; Stern II, XCII, Nr. 281, S. 21, 28 vermerkt, dass während des Einfalls des Pompejus „die Mauern Jerusalems geschleift wurden und der Tempel stehen blieb“. Cassius Dio: Historia Romana XXXVII, 15:2:1-4; Stern, II, XCCII, Nr. 406, S. 349-350 beschreibt kurz die Schwierigkeit den Tempel zu erobern, aber anders als andere schreibt er: „Sein Reichtum wurde geplündert.“ Sowohl in Jewish War I, S. 152-153 wie auch in Jewish Antiquities XIV, S. 72 lobt Josephus Pompejus‘ vorzüglichen Charakter und die Tatsache, dass er nichts vom Gold und den Tempelgerätschaften anrührte.
[50] Tacitus; Stern, II, XCII, Nr. 273-294, S. 1-93; Cassius Dio; Stern, II, XCCII, Nr. 406-441, S. 345-407. Zu Tacitus’ Beschreibung von Vespasian und Titus angesichts der jüdischen Revolte siehe Bloch, S. 137-142.
[51] Sueton: The Twelve Caesars, „Divius Titus“ 5:2; Stern, II, XCIV, Nr. 317, S. 125-126.
[52] Cassius Dio: Historia Romana LXIX, 12:1; Stern, II, CXXII, Nr. 440, S. 391-392.
[53] Against Apion I: 197; Stern I, V, Nr. 12, S. 36, 39. Bar Kochba, S. 110-113, argumentiert, dass diese Beschreibung einer ummauerten und befestigten Stadt Teil des Beweises eines späteren Datums und eines anderen Autors des Abschnitts dient, der von Josephus dem Hecataios zugeschrieben wird.
[54] Against Apion I:209; Stern, I XVII, Nr. 30, S. 106-107.
[55] Timochares in: Eusebuis: Praeparatio Evangelica IX:35:1; Stern I, XXV, Nr. 41, S. 135. Stern erklärt die Quelleder übertriebenen Zahlen.
[56] Xenophon von Lampsascus in: PE IX:36:1; Stern, I, XXVI, Nr. 42, S.138.
[57] Plinius der Ältere: Naturalis Historia, V:71: Stern, I, LXXVIII, Nr. 204, S. 469, 471-472.
[58] Tacitus: Historiae V, 8:1; Stern, II, XCII, Nr. 281, S. 21, 28. Zu Tacitus’ physischer Beschreibung Judäas und Jerusalem im Vergleich mit seinen geografischen Daten zu anderen Orten, siehe Bloch, S. 101-102.
[59] Tacitus, Historiae V, 11:3; Stern, II, XCII, Nr. 281, S. 22, 30. Die detaillierteste physische Beschreibung Jerusalems und des Tempels vor der Belagerung durch Titus kann bei Josephus gefunden werden: The Jewish War, V, S. 136-247.
[60] Cassius Dio, Historia Romana LXVI, 4:1; Stern, II, CXXII, Nr. 430, S. 371, 373.
[61] Valerius Flaccus: Argonautica, I, S. 14; Stern, I, LXXIX, Nr. 226, S. 504-505; Martial: Epigrammata, VII, 82, 7; Stern, I, LXXXIV, Nr. 242, S. 526.
[62] Juvenal: Saturae, VI, S. 542-544; Stern, II, XCIII, Nr, 299, S. 100-101. Zur Bedrohung durch das Judentum, wie es von den Römern empfunden wurde, siehe Stern II, S. 94-95, 106-107. Sowohl Tacitus als auch Juvenal zeigen ihre Verachtung für Bekehrte (Bloch, S. 134-135) und ihre Abneigung für alle Menschen, ob Juden, Germanen oder Griechen, die sich nicht wie Römer verhalten (Goodman, S. 110, 160; Bloch, S. 136-137).

Der Euro-Arabische Dialog und die Geburt von Eurabia

Bat Ye’or, dhimmitude.org, 2003 (frz. original: Dezember 2002)

2001 schwappte eine gewalttätige Welle der Judeophobie über Europa; sie fiel mit der Intensivierung der al Aksa-Intifada vom 30. September 2000 zusammen. Diese Gleichzeitigkeit war kein Zufall. In Europa befürworteten Regierungen, einige Kirchen und der Großteil der Medien die zweite Intifada und benutzte scharfsinnige moralische Begriffe für das, was eine Terrorstrategie der Palästinenserführung war. Die Rechtfertigung und Fahrlässigkeit gegenüber diesen kriminellen Aggressionen führten zu Ermutigung. Die Eliminierung von Terrorführern wurde als „Ermordung“ im Sinne von Attentaten beschrieben; die Hamas und andere Terroristen wurden zu „Freiheitskämpfern“ und „Aktivisten“. Während Hamas als „Widerstandsbewegung“ übersetzt wurde, wurde Israel des „Staatsterrorismus“ beschuldigt. Besonders in Frankreich förderte diese Verurteilung die kriminellen Taten, die hauptsächlich von Immigranten muslimisch-arabischer Herkunft gegen Einzelpersonen und das Eigentum jüdischer Gemeinden begangen wurden. Selbst 2003 weigert sich die französische Regierung immer noch, die Hisbollah auf die Liste der Terrororganisationen zu setzen; der sozialistische Premierminister Lionel Jospin wurde von Präsident Chirac scharf gerügt, weil er sagte, die Hisbollah sei eine Terrororganisation.

Die Annäherung zwischen den jeweiligen Politik der Europäischen Union (EU) und der Palästinensischen Autonomie, die von der EU zum Großteil finanziert wird, wie auch zur Politik arabischer Länder scheinen das Ergebnis eines langfristigen Prozesses zu sein. Mit kleinen Nuancen zeigt die antiisraelische Diskussion, die auf beiden Seiten des Mittelmeers gleichzeitig zu hören ist, gleiche Charakteristika. Diese Judeophobie des 21. Jahrhunderts wurzelt in einer transnationalen europäischen Struktur, die in einem historischen Kontext geboren ist, und der euro-arabischen Politik der letzten dreißig Jahre. Die europäische Bevölkerung bleibt aber trotzdem im Großen und Ganzen unbekümmert, obwohl die Medien sie seit Jahrzehnten einer Ideologie ausgesetzt haben, die Israel dämonisiert.

Daher laufen die Europäer ganz stark Gefahr Spielzeug und Opfer religiösen Hasses zu werden, wie auch das von politischen und wirtschaftlichen Interessen, die vom arabisch-israelischen Konflikt maskiert wird; dieser wird absichtlich aus aller Verhältnismäßigkeit hinausgeschossen, um den globalen Jihad zu verstecken, der auch auf die Europäer zielt. Denn die ideologische Struktur dieser neuen Judeophobie ist aus der arabisch-muslimischen Welt importiert, auch wenn sie sich innerhalb des Rahmes einer europäischen Diskussion in drei Sektoren teilt: die politischen Parteien, die Medien und den religiösen Sektor.

Wie unten zu sehen sein wird, brachte die Entwicklung des Euro-Arabischen Dialogs beträchtliche Veränderungen in die europäischen Gesellschaften. Er hat den muslimisch-judeophobischen Antizionismus, seinen Anti-Amerikanismus und seinen Hass in den Westen übertragen. Er hat das unverantwortliche arabische Bestreben gefördert, Europa, seine Geschichte und seine Kultur zu islamisieren – ein Ziel, das einige islamistische Führer z.B. ausgerechnet im Herzen Londons verkünden. Darüber hinaus drängte der Dialog auf die Glorifizierung des „Palästinensischen“, auf die Diffamierung Israels, die wachsende Kluft zwischen Europa und Amerika und das Aufblühen einer imaginären Version der islamischen Religion, Geschichte und Zivilisation in der öffentlichen Meinung des Westens. Er zwang Europa, seine Interpretation der eigenen Identität und Geschichte zu revidieren, um sie mit der islamischen Vision Europas in Einklang zu bringen; durch diesen Prozess unterzog es sich einer selbst zugefügten Islamisierung.


Das Öl-Embargo: der Auslöser

Nach dem Zweiten Weltkrieg sah Frankreich – gedemütigt durch das kollaborierende Vichy-Regime und den Verlust des Kolonialreichs –, dass seine ambitionierte Rolle als mögliche Großmacht sich enorm verringert hatte. Die französisch-deutsche Union verschaffte Charles de Gaulle mit dem Mittel, in Europa durch Versöhnung mit traditionellen Feinden einen Frieden sicherzustellen; in den 60-er Jahren ermöglichte die Allianz mit der arabischen Welt Frankreich – auf der internationalen Ebene – die Amerikanische Macht herauszufordern. De Gaulles wirtschaftliche und strategische Politik zielte auf die Vereinigung der Länder um das Mittelmeer in einen interdependenten industriellen Block in Opposition zu Amerika. Um diesen Plan durchzuführen strebte Frankreich den Aufbau einer Allianz mit den arabischen Staaten an. Feindseligkeit gegenüber Amerika und Israel wurde nicht nur durch die kommunistischen und linken Trends genährt, sondern auch durch das Erbe der pro-Nazi-Kollaborateure aus dem französischen Vichy-Regime, die die Nachkriegs-Jahrzehnte überlebt hatten; und sie durchdrang die französische Verwaltung bis in die höchsten Ränge.

Nach dem Sechstage-Krieg von 1967 wurde Frankreich zum Initiator der europäischen Anti-Israel-Politik. Es verzieh Israel nicht einfach seinen Blitzsieg über eine Koalition aus Ägypten, Syrien, Jordanien und den Palästinensern – unterstützt von der gesamten arabischen Welt. In internationalen Foren stimmte Frankreich zu Gunsten antiisraelischer arabischer Resolutionen und stützte einen einseitigen Boykott von Waffenverkäufen an den jüdischen Staat (1969). Auf der europäischen Ebene unterstützte die französische Diplomatie arabische Interessen; sie machte sich auf, um die europäische Politik in eine pro-arabische, antiisraelische Richtung zu biegen. In diesem Zusammenhang untersuchte Frankreich das Konzept eines Euro-Arabischen Dialogs (EAD) mit Libyen.(1)

Der gemeinsame Krieg Ägyptens und Syriens gegen Israel 1973 und das arabische Öl-Embargo, das als Waffe zur Ausübung von Druck auf die Welt benutzt wurde, spielte den französischen Plänen in die Hände. Von der arabischen Niederlage nach einem erfolgreichen Beginn gedemütigt, trafen sich die arabischen Öl produzierenden Länder in Kuwait (16.-17. Oktober), wo sie entschieden einseitig den Ölpreis zu vervierfachen und nach und nach jeden Monat ihre Rohöl-Produktion um 5% zu verringern, bis Israel sich aus den Gebieten zurückzieht, das die Araber in ihrem Krieg von 1967 verloren und im Krieg von 1973 nicht zurückgewinnen konnten. Sie führten ein Embargo gegen Lieferungen an Staaten ein, die als Israel freundlich gesinnt galten: die USA, Dänemark und die Niederlande. Verbraucherstaaten wurden als freundlich gesinnte, neutrale oder feindliche Staaten eingestuft.

In Panik trafen sich die neun Staaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) sofort in Brüssel, am 6. November 1973, und legten eine gemeinsame Resolution vor, die auf ihrer Abhängigkeit von arabischem Öl basierte; diese Resolution befand sich komplett auf der Linie der franko-arabischen Politik bezüglich Israels.(2)

Die EWG führte mit der Resolution in Brüssel drei neue Punkte ein: 1. die Unzulässigkeit von militärischem Territorialgewinn, was theoretisch bereits in der UN-Sicherheitsrats-Resolution 242 erklärt wurde; 2. einen israelischen Rückzug auf die Linien des Waffenstillstands von 1949; 3. Einbeziehung „der legitimen Rechte der Palästinenser“ in die Definition von Frieden.

Der erste Vorschlag erschien bewundernswert, aber absurd, da Gebiete immer militärisch gewonnen wurden. Woraus besteht die Legitimität von Staaten? Das ottomanische Reich wurde 1917 von den Briten militärisch erobert. Im Krieg von 1948 gegen Israel nahm Ägypten den Gazastreifen militärisch ein und Abdullahs Arabische Legion hatte Judäa und Samaria ebenso militärisch besetzt, wie die Altstadt von Jerusalem und die Hebräische Universität auf dem Scopus-Berg, wobei sie alle palästinensisch-jüdischen Einwohner vertrieb. Darüber hinaus wurden alle Länder, die heute arabisch genannt werden, ursprünglich von arabischen Jihad-Armeen erobert. Waren alle diese Eroberungen, von Militär und Krieg aufgezwungen, ebenfalls inakzeptabel? Welche Kriterien würden die Unveränderbarkeit einer Eroberung und einer Ungerechtigkeit bestimmen – die Besetzung von Land oder seine Befreiung? „Besetzten“ ihre einheimischen, nicht muslimischen Bevölkerungen Spanien und Portugal, Sizilien, Griechenland, Bulgarien, Jugoslawien, Rumänien und armenisches Land oder waren sie Bevölkerung von Ländern, die vom Dhimmitum befreit wurden? Ist der Staat Israel der legitime Ausdruck eines freien Volkes, dessen Land durch eine der grausamsten Formen von Verfolgung gegenüber der einheimischen jüdischen Bevölkerung nach der römisch-byzantinischen Besetzung arabisiert und islamisiert wurde, oder eine Ungerechtigkeit, weil sie diese Verfolgung unterdrückt und die bösartige Macht der Verfolger neutralisiert hat?

Beim zweiten Punkt übernahm Europa pflichtgemäß (freundlicherweise) die arabische Leugnung ihrer Niederlage von 1967, einem Krieg, den sie nach der Invasion von 1948 zur Ausradierung Israels selbst ausgelöst hatten. Auf diese Weise gab die EWG der arabisch-islamischen Interpretation der Resolution 242 ihr Siegel, da in Wirklichkeit die Resolution in ihrer maßgeblichen englischen Originalversion nur vom Rückzug aus Gebieten spricht, einer absichtlichen Wortwahl seitens derjenigen, die sie entwarfen. Judäa und Samaria wurden damit nicht weiter als Gebiete beschrieben, die zur Verhandlung standen, sondern als „besetzte arabische Gebiete“, die Israel sofort zu verlassen hatte. Diese Gebiete waren aber im von den Arabern losgetretenen Krieg von 1948 militärisch erobert worden. Die zusammengefassten Militärkräfte von Syrien, Jordanien und örtlichen Arabern, die sie in Besitz genommen hatten, hatten auch alle ihre jüdisch-palästinensischen Bewohner vertrieben und deren Land, Häuser und Eigentum konfisziert.

Der Dritte Punkt der Resolution führte eine Neuerung in den Nahost-Konflikt ein, der sich für Europa und seine Zukunft als dramatisch erwies. Bis 1970 gab es in diesem Zusammenhang den Begriff „palästinensisches Volk“ nicht. Man sprach nur über die Araber in Palästina, die sich nicht von Arabern in den zwanzig anderen Ländern der Arabischen Liga unterschieden, insbesondere nicht von den Arabern in Transjordanien, also 78 Prozent des vom Völkerbund angegebenen Palästina. Großbritannien trennte dieses große Gebiet 1922 ab und schuf einen ausschließlich arabischen Staat, das neu benannte Emirat Transjordanien.

Die Resolution 242 des UN-Sicherheitsrats schlug eine Lösung des Flüchtlingsproblems vor, das auch die zahlreicheren jüdischen Flüchtlinge einschloss, die aus arabischen Ländern geflohen waren und all ihr Hab und Gut dort zurückließen. Die Schaffung eines „palästinensischen Volks“ ex nihilo nach dem arabischen Öl-Embargo von 1973 sollte Europa dazu bringen, seine Legitimität, seine Geschichte und seine Rechte zu schaffen – äquivalent zu denen Israels und dessen sogar überlegen –, indem es die Ersetzungstheologie wieder aufleben ließ, die beständig mit Propaganda genährt wurde, die Israel dämonisierte, um seinen Untergang zu rechtfertigen. Das brachte Europa auf einen Weg aktiver Solidarität mit der arabischen Politik der Eliminierung Israels, der die Ermutigung und Legitimierung des internationalen Terrorismus einschloss, wie er von der PLO betrieben wurde.
Die Formierung eines wirtschaftlichen und politischen euro-arabischen Blocks

Die antiisraelische Entscheidung der EWG erfüllte die arabischen Bedingungen zum Beginn eines Dialogs mit Europa und wurde durch eine sofortige Erhöhung der Öllieferungen belohnt. Aus der Situation mit dem Öl-Embargo heraus entstanden, war der Euro-Arabische Dialog von Anfang an ein Tauschhandel: die EWG-Staaten unterstützten die antiisraelische Politik der Araber und sollten im Gegenzug von Wirtschaftsabkommen mit den Staaten der Arabischen Liga profitieren.(3) Die arabische Seite verlangte eine politische Verpflichtung Europas gegen Israel, womit der wirtschaftliche Aspekt des Dialogs dem politischen Zusammenhang des arabischen Kriegs gegen Israel untergeordnet wurde. Der wirtschaftliche Bereich wurde so in die euro-arabische politische Solidarität gegen Israel integriert.

Präsident Georges Pompidou und Kanzler Willy Brandt bestätigten den Wunsch nach einem Dialog in ihrem Treffen am 26. und 27. November 1973. Weniger als einen Monat später berief der französische Präsident am 15. Dezember 1973 einen Gipfel in Kopenhagen ein, um die Nahost-Krise zu untersuchen und die Grundlagen für eine Kooperation zwischen den Staaten der Arabischen Liga und denen der EWG zu legen. Vier arabische Außenminister, die zur Beobachtung eingeladen waren, schlugen verschiedene Projekte vor.

Am 10. Juni 1974 verabschiedeten die Außenminister der neun EWG-Staaten, die sich in Bonn im Rahmen der politischen Kooperation trafen, einen Text, der die Bereiche und Mittel zur Entwicklung der Kooperation und ihrer Beziehungen mit den arabischen Staaten spezifizierten. Diese Bereiche erstreckten sich auf Landwirtschaft, Industrie, Wissenschaften, Kultur, Bildung, Technologie, Finanz-Kooperation und die zivile Infrastruktur usw.

Im Verlauf der folgenden Treffen legten die Außenminister der neun Staaten die Grundlagen für diese Kooperation mit den arabischen Staaten gemäß einer institutionalisierten Struktur, die mit den höchsten Stellen jedes der EWG-Staaten verbunden war. Diese Formel ermöglichte es, die Politik der Europäischen Gemeinschaft bezüglich des Austauschs und ihrer Kooperation mit den Staaten der Arabischen Liga zu harmonisieren und zu vereinheitlichen.

Am 31. Juli 1974 fand in Pars das erste offizielle Treffen auf Minister-Ebene zwischen dem kuwaitischen Außenminister, dem Generalsekretär der Arabischen Liga, dem Präsidenten der Kommission der EG und dem aktuellen Präsidenten der EG statt, um die Organisation des Dialogs zu besprechen. Die Parlamentarische Vereinigung für Euro-arabische Kooperation wurde dann von den neun Ländern der EG mit Blick auf die Stärkung der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Kooperation zwischen Europa und der arabischen Welt gegründet. Alle wichtigen Strömungen der europäischen Politik waren in diesem Exekutiv-Komitee vertreten, das sich seitdem regelmäßig alle sechs Monate trifft.

Die Konferenz von Damaskus (14.-17. September 1974), organisiert von der Inter-parlamentarischen Vereinigung der Euro-arabischen Kooperation, brachte repräsentative Mitglieder aller im Parlament vertretenen Parteien der EWG außer Dänemarks zusammen. Die Araber legten die politischen Vorbedingungen für Vereinbarungen zu wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit den westeuropäischen Staaten vor. Der die EWG interessierende Bereich der Wirtschaft wurde durch die politischen Forderungen der Araber bezüglich des Nahen Ostens entsprechend dem Prinzip des Feilschens bestimmt, einem fundamentalen Prinzip dieses Dialogs. Die Araber verlangten:

  1. den bedingungslosen Rückzug auf die Waffenstillstandslinien von 1949;
  2. die Arabisierung der Altstadt Jerusalems, die 1948 militärisch erobert wurde und aus der alle Juden vertrieben wurden;
  3. die Einbindung der PLO und ihres Führers Arafat in alle Verhandlungen.(4)
  4. auf die USA sollte von der EWG Druck ausgeübt werden, um es der arabischen Politik näher zu bringen und sie von Israel zu trennen.

Der politische Aspekt als nicht verhandelbare Bedingung für den Dialog wurde einen Monat später auf dem 7. Gipfel der Arabischen Konferenz (Rabat, Oktober 1974) bestätigt. Es wurde daran erinnert, dass die Euro-Arabische Dialog sich im Kontext der „Erklärung“ vom 6. Gipfel der Arabischen Konferenz in Algier entwickeln musste, die Europa am 28. November 1973 übermittelt wurde und die die arabischen politischen Forderungen bezüglich Israel festlegte.(5) Für die Araber war es so, dass der Dialog fortgesetzt werden musste, bis seine Ziele erreicht waren. Die politischen und wirtschaftlichen Aspekte dieser euro-arabischen Kooperation wurden von ihnen als von einander abhängig angesehen.

Ein ständiges Sekretariat von für die euro-arabischen Kooperation zuständigen 350 Mitgliedern wurde dann mit Sitz in Paris gegründet. Der Euro-Arabische Dialog wurde in verschiedene Komitees strukturiert, deren Aufgabe die Planung gemeinsamer industrieller, kommerzieller, politischer, wissenschaftlicher, technischer, kultureller und sozialer Projekte war.

Am 10. Juni 1975 traf sich eine Delegation der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) mit einer Delegation aus zwanzig arabischen Staaten und der in Kairo sitzenden PLO. Mehr als dreißig Staaten waren von einem General-Komitee auf Botschafter-Ebene und einer Vielzahl von Experten vertreten. Die EWG und das Sekretariat der Arabischen Liga wurden auf der politischen Ebene repräsentiert. Der jordanische Sprecher der arabischen Delegation, M. Nijmeddin Dajani, betonte den politischen Aspekt und die Auswirkungen des Euro-Arabischen Dialogs. Der Handel zwischen den beiden Seiten wurde klar definiert: wirtschaftliche Vereinbarungen mit Europa im Tausch für europäisches Einschwenken auf die arabische Politik gegenüber Israel.

Ein gemeinsames Memorandum des gemischten Experten-Komitees verfasste eine erste Fassung der allgemeinen Prinzipien und Ziele des Euro-Arabischen Dialogs.

Beim Treffen in Luxemburg im Jahr darauf (18.-20. Mai 1976) wurden die Organisation und das Prozedere des Euro-Arabischen Dialogs definiert und im Anhang 4 des Abschluss-Kommuniqués veröffentlicht. Der Dialog bestand damit aus drei Organen: 1) dem Allgemeinen Komitee; 2) den Arbeitskomitees; 3) dem politischen Komitee.

Das Allgemeine Komitee bestand aus den Delegierten beider Seiten, zu denen Offizielle mit Botschafterstatus, Mitglieder der Liga der arabischen Staaten und der Europäischen Gemeinschaft, dem Generalsekretariat der Liga der arabischen Staaten und der Kommission der EG bestanden, dazu den Mitpräsidenten und Berichterstattern der Arbeitskomitees. Die Vorsitzenden der arabischen und europäischen Delegationen führten gemeinsam den Vorsitz des Allgemeinen Komitees. Das Komitee war die zentrale Körperschaft des Dialogs und verantwortlich für den generellen Ablauf des Dialogs sowie der Überwachung der Entwicklung in verschiedenen Bereichen. Es war verantwortlich für seine Einrichtung und dafür, es in die Richtung der angestrebten politischen, kulturellen, sozialen, technologischen und wirtschaftlichen Ziele, wie auch mit der Genehmigung des Programms des Dialogs und seiner Aufgaben. Die verschiedenen Verpflichtungen des Komitees wurden spezifiziert. Seine Sitzungen fanden hinter verschlossenen Türen statt und wurden nicht protokolliert. Am Ende eines jeden Treffens konnte das Allgemeine Komitee eine Zusammenfassung der getroffenen Entscheidungen und eine allgemeine Presseerklärung veröffentlichen.(6)

Die Zusammensetzung der Arbeitskomitees folgte demselben Prinzip: Jede Gruppe bestand aus Experten und technischen Spezialisten beider Seiten, wie auch aus Repräsentanten des Generalsekretariats der Liga der Arabischen Staaten und der Kommission der Europäischen Gemeinschaft. Jedes der beiden arabischen und europäischen Gruppen benannte einen Vorsitzenden für jedes Arbeitskomitee. Die Arbeitskomitees arbeiteten entsprechend den ihnen vom Allgemeinen Komitee aufgetragenen Anweisungen bezüglich ihrer Mandate. Jedes Arbeitskomitee konnte besondere Untergruppen bilden, deren Experten in Zusammenarbeit mit dem Generalsekretariat der Liga der Arabischen Staaten und der Kommission der Europäischen Gemeinschaft ausgewählt wurden.

Das Koordinations-Komitee bestand aus Repräsentanten des Allgemeinen Komitees und des Generalsekretariats der Liga der arabischen Staaten und der europäischen Präsidentschaft, die ihm gemeinsam vorstanden. Das Komitee war verantwortlich für die Koordination der Arbeit der verschiedenen Arbeitsgruppen unter der Leitung des Allgemeinen Komitees. Alle Information und Dokumentation wurden vom Generalsekretariat der Liga der Arabischen Staaten und der Kommission der EG vermittelt.

Diese kurz zusammengefasste Struktur begründete eine Symbiose, ein gegenseitiges ineinander Eindringen arabischer und europäischer Politik, was die Einbeziehung der europäischen Staaten auf höchster Ebene verlangte. Es ist klar, dass Europas feindselige Politik gegenüber Israel – durch die Strukturen der EWG standardisiert – nicht das Ergebnis falscher Einschätzungen oder korrigierbarer Vorurteile ist. Sie beruht auf einem politisch-ökonomischen Konstrukt, das akribisch bis ins kleinste Detail ausgearbeitet wurde und in seiner vielfältigen Symbiose mit der arabischen Welt wurzelt.

In den folgenden Jahren wurde diese Zusammenarbeit durch Treffen, die alle sechs Monate statt fanden, sowie durch verschiedene Aktivitäten internationalen Ausmaßes gestärkt (Rom, 24. Juli 1975; Abu Dhabi, 27. November 1975; Luxemburg, 18.-20. Mai 1976; mehrere Treffen in Brüssel 1976; Tunis 10.-12. Februar 1977). Die europäischen Mitglieder des Permanenten Sekretariats der Assotiation für Euro-Arabische Kooperation (PAEAC) reiste regelmäßig in die USA um zu versuchen, die amerikanische Politik zu Gunsten der Forderungen der PLO zu beeinflussen – und gegen Israel. Die Araber verlangten, dass Europa Yassir Arafat als Führer der Palästinenser anerkennt, einen palästinensischen Staat, einen internationalen Boykott Israels und eine Strategie weltweiten politischen und wirtschaftlichen Drucks einführt, um den jüdischen Staat zum Rückzug auf die Waffenstillstandslinien von 1949 zu zwingen. Das Arbeitskomitee studierte passende Methoden, um die europäische öffentliche Meinung wie auch die Weltöffentlichkeit zu überzeugen die PLO zu unterstützen, deren Charta die Eliminierung des Staates Israel verlangte. Nach Saleh al-Mani:

Obwohl der EAD versagte, was die Anerkennung der PLO anging, war letztere trotzdem einer der aktivsten Unterstützer des EAD. Die PLO konnte den EAD als Kanal zur Verbreitung ihrer Forderungen nutzen; diesbezüglich könnte sie Erfolg gehabt haben.

Obwohl die formale Anerkennung der PLO fehl schlug, hatte der EAD doch dahin gehend Erfolg, dass die Europäer von der Notwendigkeit überzeugt wurden, eine „Heimat für die Palästinenser“ aufzubauen und die PLO mit zukünftigen Verhandlungen über den Nahen Osten zu „verbinden“. Auf diese Weise hat der EAD dazu gedient, gewisse begrenzte arabische Ziele zu erreichen.(7)

Dieser Kommentar al-Manis bestätigt die direkte Verbindung zwischen der PLO und den wirtschaftlichen Transaktionen der EWG. In einer Rede vom 26. August 1980 prangerte Beschir Gemayal – der gewählte zukünftige Präsident des Libanon – nach einer Beschreibung des terroristischen Kriegs der PLO im Libanon deren desaströse Rolle in Europa an:

Dies ist eine Rekapitulation der Taten dieser Leute [PLO], zu deren Gunsten die Kanzleien der zivilisierten Welt das ganze Jahr hindurch abmühen und um deren Gunst die alten Nationen Europas wetteifern.(8)

Es ist klar, dass die PLO eine entscheidende Rolle beim Austausch wirtschaftlicher Vorteile spielte, die die arabischen Staaten Europa im Gegenzug für politische Unterstützung in ihrem Krieg gegen Israel gewährten. EAD-Treffen schlossen mit Erklärungen der europäischen Delegation, die mit denen der arabischen Politik überein stimmte (London, 9. Juni 1977; Brüssel, 26.-28. Oktober 1978): Israelischer Rückzug auf die Grenzen von 1949; Israels Verpflichtung die nationalen Rechte der Palästinenser anzuerkennen; alle Maßnahmen und Entscheidungen Israels in den Gebieten außerhalb der Grenzen von 1949, einschließlich Jerusalems, sind ungültig; Judäa und Samaria werden als „besetzte arabische Gebiete“ bezeichnet.

Die israelisch-ägyptischen Friedensverhandlungen in Camp David (1977/78) unter der Schirmherrschaft des amerikanischen Präsidenten Carter versetzten dem EAD einen Dämpfer, während die Arabische Liga sie völlig ablehnte und Ägypten aus ihrem Verein ausschloss. Die arabischen Länder tobten wegen des Erfolgs des amerikanischen Einflusses in der Region zum Nachteil der europäischen Diplomatie, die sie durch wirtschaftliche Kooperation zu kontrollieren versuchten. Frankreich enthielt sich der Anerkennung der Friedensvereinbarungen, während die anderen EWG-Staaten sie akzeptierten, wenn auch – auf Betreiben Frankreichs hin – nur unter Vorbehalt.

Inzwischen nahm der EAD seine Aktivitäten wieder auf und das 4. Treffen des Allgemeinen Komitees in Damaskus (9.-11. Dezember 1978) genehmigte die Schaffung eines euro-arabischen Zentrums in Kuwait für den Transfer von Technologie.

Die Geburt von Eurabia: eine neue politische Einheit

„Eurabia“ ist der Titel einer Übersicht, die vom Europäischen Komitee für die Koordination von freundschaftlichen Verbindungen mit der arabischen Welt (Paris) herausgegeben wurde. Sie wurde in Zusammenarbeit mit Middle East International (London), France-Pays Arabes (Paris) und der Groupe d’Etudes sur le Moyen-Orient (Genf) veröffentlicht.

In seiner zweiten Ausgabe (vom Juli 1975) veröffentlichte „Eurabia“ die Resolutionen, die in Straßbourg von der Vollversammlung der parlamentarischen Verbindung für euro-arabische Kooperation am 7./8. Juni 1975 einstimmig verabschiedet wurden. Die Verbindung besteht aus mehr als 200 Parlamentariern aus westeuropäischen Ländern, die alle Facetten des politischen Spektrums repräsentieren. Mit anderen Worten: Der Konsens für das Programm der euro-arabischen Entente deckte die gesamte europäische politische Szene ab.

In seinem Editorial führte „Eurabia“ führte aus: „die Notwendigkeit einer politischen Entente zwischen Europa und der arabischen Welt als Grundlage wirtschaftlicher Vereinbarungen“ und die Verpflichtung seitens der Europäer, „die politischen wie auch die wirtschaftlichen Interessen der arabischen Welt zu verstehen“. Der Euro-Arabische Dialog muss „einen gemeinsamen politischen Willen“ zum Ausdruck bringen [Hervorhebungen durch die Autorin]. Die Vorbedingung für jede wirtschaftliche Vereinbarung mit den Ländern der Arabischen Liga machte in Europa die Schaffung eines für die Araber günstigen„Meinungs-Klimas“ nötig. Das Editorial betonte, dass diese Frage von einer großen Anzahl von Experten von der Association de Solidarité Franco-Arabe (Vereinigung Franko-Arabische Solidarität) und von der Vollversammlung der Parlamentarischen Vereinigung für Euro-Arabische Kooperation in Straßburg untersucht worden war.

Wenn sie wirklich mit der arabischen Welt kooperieren wollten, mussten die europäischen Regierungen und politischen Leiter eine Verpflichtung eingehen, gegen die Verunglimpfung der Araber in den europäischen Medien vorzugehen. Sie müssen ihr Vertrauen in die euro-arabische Freundschaft und ihren Respekt vor dem Jahrtausend-Beitrag der arabischen Welt zur Zivilisation wieder bestätigen. Dieser Beitrag und seine praktische Anwendung wird eines der Themen unserer nächsten Ausgabe sein. (Leitartikel)

Die politischen Forderungen der Araber zu den Bedingungen des Dialogs beschränkten sich nicht ausschließlich auf Israel. Sie betrafen auch Europa. M. Tilj Declerq, belgisches Mitglied der Parlamentarischen Vereinigung für euro-arabische Politik, legte eine Studie zu den Bedingungen dieser Kooperation für die Wirtschaftskommission dieser Vereinigung vor. Sie wurde in der zweiten Ausgabe von „Eurabia“ (Juli 1975) zusammengefasst und mit dem Titel „A European point of view“ (Eine europäische Sichtweise) versehen.

Declerq betont, dass „euro-arabische Kooperation aus einem politischen Willen resultieren muss. Die politischen Interessen dieser Kooperation müssen daher anerkannt werden.“ Mit anderen Worten: Wirtschaftlicher Austausch wird der Unterstützung der EWG für den Krieg der Arabischen Liga zur Vernichtung Israels untergeordnet. Was die Europäer betraf, so vertrat der belgische Sprecher die Meinung, dass in der wirtschaftlichen Kooperation arabische Arbeitskraftreserven und Rohstoffe – vermutlich Öl – mit europäischer Technologie verbunden werden soll.

Eine mittel- und langfristige Politik muss daher so formuliert sein, dass sie die wirtschaftliche Kooperation durch eine Kombination von arabischer Arbeitskraft und Rohstoffen und europäischer Technologie und „Management“ herbei führt.

Dieser Satz hätte am Ursprung der massiven arabischen Einwanderung nach Europa ab 1975 stehen können, die mit den Wirtschaftsvereinbarungen der EWG mit der arabischen Welt verbunden zu sein scheint. Nach Declerq sollte das Recycling der Petro-Dollars die Interdependenz Westeuropas und der arabischen Länder herbei führen, um „Stück für Stück eine wirtschaftliche Integration zu erzielen“. Aber diese wirtschaftliche euro-arabische Integration würde theoretisch bleiben, wenn der politische Aspekt – soll heißen: die Schlacht gegen Israel – nicht erreicht werden sollte. Daher „muss ein wirklicher politischer Wille am Anfang konkreter Kooperationspläne stehen und er muss auf drei Ebenen demonstriert werden: der nationalen Ebene, der kontinentalen Ebene und der Weltebene“. Vom gleichen Gesichtspunkt aus „musste die euro-arabische Kooperation und Solidarität durch internationale Organisationen und internationale Konferenzen herbei geführt werden“. Gemeinsame euro-arabische Vorbereitungstreffen und Symposien mussten „auf jeder Ebene – bezüglich Wirtschaft, Finanzen, Handel usw. – vervielfältigt werden, um gemeinsame Positionen zu erreichen“.

Declerqs Vorschläge wurden allesamt in die Resolutionen der Parlamentarischen Vereinigung für Euro-Arabische Kooperation integriert, als diese in Straßburg zusammentrat (7./8. Juni 1975) und in „Eurabia“ veröffentlicht. Der politische Teil der Resolutionen zielte auf drei Bereiche: europäische Politik gegenüber Israel; die Schaffung eines für die Araber günstigen Meinungsklimas; der Empfang muslimischer Einwanderer in Europa.

Bezüglich Israel ging die Vereinigung mit den arabischen Forderungen konform und verlangte Israels Rückzug auf die Waffenstillstandslinien von 1949, wobei die Resolution 242 absichtlich fehlinterpretiert wurde. Zusätzlich rief die Vereinigung die europäischen Regierungen auf, die PLO als einzigen Repräsentanten der palästinensischen Araber anzuerkennen – ein fundamentaler Punkt, der in den Initiativen betont werden musste, die eine euro-arabische Politik von ihnen verlangte. Die EWG musste Israel dazu zwingen, die Rechte der palästinensisch Nation und die Existenz eines palästinensischen Staates auf dem gesamten „Westufer“ des Jordan („Westbank“) und im Gazastreifen zu akzeptieren.

Bezüglich Europa forderte die Vereinigung eine für die arabische Sache günstigere Berichterstattung in den Nachrichten und besondere Bedingungen für Einwanderer.

  • Die Vereinigung verlangt von den europäischen Regierungen, dass sie gesetzliche Vortreffungen bezüglich der Bewegungsfreiheit und des Respekts der fundamentalen Rechte der nach Europa eingewanderten Arbeiter trifft: Diese Rechte müssen denen der eigenen (europäischen) Staatsbürger gleich gestellt sein.
  • Die Vereinigung betrachtet die politische Lösung des arabisch-israelischen Konflikts als absolute Notwendigkeit für die Gründung einer euro-arabischen Kooperation.

Im gleichen Absatz überlegt die Vereinigung, dass „die harmonische Entwicklung der Kooperation zwischen Westeuropa und der arabischen Nation“ von der freien Verbreitung von Ideen und Staatsbürgern profitieren soll. Die Wirtschafts-Resolution drückte eine Besorgnis über politische Entscheidungen aus, die

für die euro-arabische Kooperation abträglich gewesen sind, so die Schaffung der Internationalen Energiebehörde und die Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen der EWG und Israel, bevor die Verhandlungen zwischen der EWG und den arabischen Ländern abgeschlossen waren. In dieser Sache stellte sie die formale Forderung auf, dass wirtschaftliche Kooperation zwischen der EWG und Israel nicht für die besetzten Gebiete gelten solle.

Eurabia: eine neue kulturelle Einheit

Die Kultur-Resolution beinhaltete sieben Erklärungen, darunter die folgende:

in Anerkennung des historischen Beitrags der arabischen Kultur zur europäischen Entwicklung;

unter Betonung des Beitrags, den die europäischen Staaten weiterhin von der arabischen Kultur erwarten können, insbesondere im Bereich der menschlichen Werte;

Forderte die Vereinigung auf, dass das Lehren der arabischen Sprache und Kultur in Europa ausgedehnt würde.

In dem Wunsch, dass die europäischen Regierungen den arabischen Staaten die Schaffung großzügiger Möglichkeiten für die eingewanderten Arbeiter und ihre Familien an arabischer Kultur und religiösem Leben teilzunehmen ermöglicht.

Die Vereinigung appellierte an die Presse, an Freundschafts-Gruppen und den Tourismus die öffentliche Meinung über die Arabische Welt zu verbessern. Sie

forderte die Regierungen der Neun auf, den kulturellen Bereich des Euro-Arabischen Dialogs mit konstruktivem Geist anzugehen und der Verbreitung der arabischen Kultur in Europa größte Priorität einzuräumen.

forderte die arabischen Regierungen auf, die politischen Konsequenzen aktiver Kooperation mit Europa im kulturellen Bereich anzuerkennen.

Die Resolution endet mit einer Verurteilung und einer Kritik Israels.

Bei Anerkennung des Existenzrechts des Staates Israel verurteilen wir den zionistischen Wunsch auf palästinensischem Gebiet die arabische Kultur durch jüdische Kultur zu ersetzen, um das palästinensische Volk seiner nationalen Identität zu berauben.

Angesichts dessen dass Israel mit der Durchführung von Ausgrabungen in den heiligen Stätten des Islam – dem besetzten Teil Jerusalems – trotz der Warnung der UNESCO eine Verletzung des internationalen Rechts begangen hat;

Angesichts dessen, dass die Ausgrabungen nur in der unwiederbringlichen Vernichtung von Nachweisen der arabischen Kultur und Geschichte resultieren können;

Wird bedauert, dass die Entscheidung der UNESCO, Israel nicht in ihre regionale Gruppe aufgenommen wurde, hätte ausgenutzt werden sollen, manchmal begleitet von einem starken Mangel an Objektivität.

Dem Straßburger Treffen folgte einige Tage später (vom 10. – 14. Juni 1975) ein Symposium des Gemischten Experten-Komitees in Kairo, um eine erste Formulierung der allgemeinen Prinzipien und Ziele des Euro-Arabischen Dialogs vorzunehmen. Die Einleitung des gemeinsamen Memorandums dieses Treffens führt aus:

Der Euro-Arabische Dialog ist die Frucht eines gemeinsamen politischen Wunsches, der auf höchster Ebene entstand und darauf zielt, besondere Beziehungen zwischen den beiden Gruppen zu etablieren.

Die beiden Parteien erinnerten an den Dialog in ihrem Austausch, der Ende 1973 entstand, und besonders an die von den neun Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft am 6. November 1973 abgegebenen Erklärung bezüglich der Lage im Nahen Osten wie auch die Erklärung an die westeuropäischen Staaten auf der 6. Gipfelkonferenz der arabischen Länder in Algier am 28. November 1973.

Die im Memorandum aufgeführten Kooperationsbereiche schließen die Zusammenarbeit bei Atom-Technologie, Finanzen, Banken und Kapital-Management, Handel, wissenschaftliche Forschung, technologische Entwicklung, technische und professionelle Ausbildung, Benutzung von Atomenergie, Aufbau städtischer Infrastrukturen, Planung, Industrialisierung, Transport, Urbanisation, Gesundheit, Bildung, Telekommunikation, Tourismus usw. Das Training von Spezialisten für die zahlreichen angedachten Projekte sollte „entweder durch Entsendung von europäischen Expertenteams mit einem Blick auf die Ausbildung der arabischen Arbeitskräfte oder durch Training dieser Arbeitskräfte in bestehenden Zentren der EWG-Staaten“ statt finden. Beabsichtigt war der Aufbau „effektiver [Kooperation] und der Austausch von Information zwischen arabischen und europäischen Universitäten“ in Forschungsabläufen, verschiedenen Programmen und Projekten.

Der Teil über „Kooperation in den Bereichen Kultur und Zivilisation“ betonte, dass es das prinzipielle Ziel des Euro-Arabischen Dialogs sei, die beiden Zivilisationen enger zusammenzubringen, die so beträchtlich zur Bereicherung des Menschheitserbes beigetragen haben. Sie überlegen, dass ihre Kooperation im Bereich der Kultur und Zivilisation Erziehung, Künste, Wissenschaften und Information umfassen sollte; und sie bestätigten, dass das prinzipielle Ziel einer solchen Kooperation die Konsolidierung und Vertiefung der Grundlagen des kulturellen Verständnisses und einer intellektuellen Annäherung zwischen den beiden Regionen war.

Verschiedene Maßnahmen wurden ins Auge gefasst, so der Austausch von Experten und die Entwicklung von Kontakten in den Bereichen Bildung und Tourismus. Schließlich mussten die Probleme der aus Einwanderern bestehenden Arbeiterschaft durch Gleichbehandlung in den folgenden Bereichen gelöst werden: 1) Arbeitsplatzsituation; 2) Arbeits- und Lebensbedingungen; 3) soziale Sicherungssysteme.(9)

Nach fast drei Jahrzehnten könnte man fragen: Was war der Einfluss dieser Politik auf den europäischen Kontinent, die theoretisch unabhängige Bereiche – Wirtschaft, Einwanderung, Politik und Kultur – in einen einzelnen Block zusammen brachte, der mit der arabischen Welt und ihrer antiisraelischen/antisemitischen Paranoia verbunden wurde?

Die Spirale: arabische Instrumentalisierung der Europäischen Gemeinschaft

In dieser Beziehung zwischen dem wirtschaftlichen und politischen Sektor sind die unterschiedlichen Standpunkte zwischen der Sichtweise der EWG und der der Arabischen Liga sofort offenbar. Die EWG will wirtschaftlichen Gewinn, Profit, durch eine Expansionsstrategie in den Öl-, Handels- und Industrie-Märkten. Ihr Handeln ist einzig durch einen geschäftsmäßigen Pragmatismus seitens der Management-Technokraten bestimmt, die Hilfsprogramme und regionale Entwicklungsprogramme formulieren, wie auch massive Verkäufe von Waffen und industrieller und atomarer Ausrüstung (z.B. den Osirak-Reaktor im Irak, der von Israel 1981 zerstört wurde), um Gewinn zu erzielen.

Anders nutzte die arabische Seite die Wirtschaft als radikales Mittel aus, die EWG zum Instrument einer langfristigen politischen Strategie zu machen, die auf Israel, Europa und Amerika zielte. Der politische arabische Griff auf die Wirtschaft der EWG sollte dieser schnell die arabischen politischen Direktiven gegenüber Israel aufdrücken. Einer der arabischen Delegierten, Dr. Ibrahim A. Obaid, Generaldirektor des Ministeriums für Petroleum und mineralische Ressourcen aus Riyad (Saudi Arabien), drückte den Geist des Dialogs trefflich aus, als die Experten der Euro-Arabischen Kooperation sich 1975 in Amsterdam trafen:

Gemeinsam und als Gleiche können die Europäer und die Araber durch eine „Strategie der gegenseitigen Abhängigkeit“ Fortschritte machen, um den Dorn in ihrer Seite – das israelische Problem – zu beseitigen und sich den vor ihnen liegenden Herkules-Aufgaben widmen.(10)

Die Wirtschaftsabkommen zwischen der EWG und der arabischen Welt gingen über die Sphäre von Handelsverträgen hinaus und führten zu Europas zunehmender Unterordnung unter arabische politische Ziele. Der EAD wurde – besonders für Frankreich – eine assoziative Diplomatie in den internationalen Foren, in denen die EWG auf die antizionistische Linie der Araber einschwenkte. Als Mittel der Legitimisierung der PLO und zu deren Propaganda besorgte der EAD für sie internationale, diplomatische Anerkennung und übertrug Respekt und internationales Ansehen auf Arafat und seine internationale Terror-Bewegung. Innerhalb dieses Rahmen des EAD wurde die gesamte Kriegspolitik der Delegitimierung Israels auf nationaler und internationaler Ebene der EWG aufgebaut, in Gewerkschaften, Medien und Universitäten. Der EAD war das Sprachrohr, das in ganz Europa die Dämonisierung und Verleumdung Israels verbreitete und populär machte. Frankreich, Belgien und Luxemburg waren die aktivsten Agenten des EAD.

In Europa richtete sich die arabische Strategie hauptsächlich auf drei Ziele:

  1. Erzielung wirtschaftlicher und industrieller Parität mit dem Westen durch den Transfer von moderner Technologie, insbesondere von Atom- und Militär-Technologie, in die arabischen Staaten,
  2. einen großen muslimischen Bevölkerungsanteil nach Europa zu verpflanzen, der alle politischen, kulturellen, sozialen und religiösen Rechte der Gastgeberländer genießt,
  3. dem europäischen Gebiet politischen, kulturellen und religiösen Einfluss des Arabisch-Islamischen durch Einwanderer aufzudrücken, die politisch und kulturell ihren Herkunftsländern verbunden bleiben.

Der EAD diente der Arabischen Liga ebenfalls als Kanal, um über Europa Druck auf Amerika auszuüben, sich der arabischen Politik gegen Israel anzuschließen. Auf geostrategischer Ebene war die euro-arabische Kooperation ein politisches Instrument des Antiamerikanismus in Europa, um die zwei Kontinente durch das Anzetteln von gegenseitiger Feindseligkeit zwischen ihnen und ständige Verunglimpfung der amerikanischen Politik im Nahen Osten zu trennen und zu schwächen.

Die Tatsache, dass der Import islamischer Arbeitskräfte nach Europa mit der Ausweitung europäischer Märkte in arabischen Ländern synchronisiert wurde, machte es mehreren Millionen Immigranten möglich, ohne Behinderung [in Europa] einzutreffen. Die Geschwindigkeit und das Ausmaß dieser Operation waren in der Geschichte einzigartig. Selbst im Verlauf der europäischen Kolonisation lief die Auswanderung von Europäern in die Kolonien unendlich langsamer ab. Die Zahl europäischer Kolonisten, einschließlich ihrer Nachkommen, ist selbst nach einem Maximum von ein oder zwei Jahrhunderten unvergleichlich niedriger als die der heutigen muslimischen Einwanderer in alle Länder Europas nach nur drei Jahrzehnten.

Die politische Laschheit der europäischen Regierungen wurde durch die Erlaubnis an die arabischen Länder noch verschlimmert, mit ihrer Bevölkerung auch ihre Kultur und ihre Gebräuche zu exportieren (EAD-Erklärung, Damaskus, 11. September 1978).

Seminar in der Universität Venedig 1977

Die arabische Kultur-Pflanzung in Europa war zusammengebunden mit der Einwanderung – soll heißen, dem Transfer von Millionen Muslimen aus Afrika, dem Nahen Osten und Asien, zusammen mit ihrer Herkunfts-Kultur – in die Gastgeber-Länder. Diese kulturelle Arabisierung/Islamisierung war vom euro-arabischen Seminar über die „Mittel und Formen der Kooperation für die Ausbreitung des Wissens über die arabische Sprach- und Literatur-Zivilisation“ bereits an der Universität Venedig geplant worden (28. – 30. März 1977).

Das Seminar wurde vom Istituto per l’Oriente in Rom und der Abteilung für arabische Literatur der Fremdsprachlichen Fakultät der Universität Venedig organisiert. Die Teilnehmer kamen von 14 Universitäten aus arabischen Ländern, 19 Arabisten von europäischen Universitäten, zahlreichen anderen mit der muslimischen Welt verbundenen Persönlichkeiten, sowie dem Repräsentanten des päpstlichen Instituts für arabische Studien in Rom (Pontificio Ististuto di Studi Arabi e d’Islamistica). Das Seminar wurde in den Euro-Arabischen Dialog integriert, was bedeutet, dass es die Zustimmung des Präsidenten der EWG, des Sekretärs der Arabischen Liga und der Außenminister eines jeden in der Europäischen Gemeinschaft vertretenen Staates hatte. Die arabischen Teilnehmer repräsentierten Algerien, Saudi Arabien, Ägypten, den Irak, Jordanien, Qatar, den Sudan und Tunesien.(11)

In den in den vier Arbeitssitzungen angeschnittenen Themen gaben die europäischen Berichterstatter ihre Berichte zur Verbreitung und Kenntnis der arabischen Sprache und Zivilisation in ihrem jeweiligen Staat ab. Die arabischen Delegierten ihrerseits beschrieben die vereinfachten Methoden Nicht-Arabern Arabisch zu lehren, die in ihren Staaten angewendet wurden. Das Seminar endete mit der Verabschiedung einer Reihe von Empfehlungen. Sie können hier nicht aufgelistet werden, aber der allgemeine Tenor trat dafür ein, in den europäischen Hauptstädten Zentren für die Verbreitung der arabischen Sprache und Kultur in jedem europäischen Staat in Zusammenarbeit mit den arabischen Ländern aufzubauen. Dieses Projekt nahm die Berufung von arabischen Professoren, Experten darin Europäer zu unterrichten, an die europäischen Institute in Aussicht.

Die Teilnehmer dieses Seminars geben einstimmig die folgenden Vorschläge weiter, damit die Regierungen der Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft und der Liga der Arabischen Staaten dazu Überlegungen anstellen:

1. Koordination der Bemühungen der arabischen Staaten, die arabische Sprache und Kultur in Europa zu verbreiten und eine angemessene Form der Kooperation zwischen den arabischen Institutionen, die in diesem Bereich arbeiten.

2. Schaffung gemeinsamer euro-arabischer Kulturzentren in europäischen Hauptstädten, die die Verbreitung der arabischen Sprache und Kultur vornehmen sollen.

3. Ermutigung europäischer Institutionen auf Universitäts-Ebene oder anderen Ebenen, sich mit der Lehre der arabischen Sprache und der Verbreitung der arabischen und islamischen Kultur zu beschäftigen.

4. Unterstützung gemeinsamer Projekte zur Kooperation zwischen europäischen und arabischen Institutionen im Bereich der Sprachforschung und der Vermittlung der arabischen Sprache an Europäer.

8. Die Notwendigkeit der Versorgung europäischer Institutionen und Universitäten mit arabischen Lehrern, die sich darauf spezialisiert haben, Europäern die arabische Sprache zu lehren.

10. Beim Lehren der arabischen Sprache muss die Betonung auf die unterschiedlichen linguistischen Fähigkeiten gelegt werden: die Lehre des Arabischen muss mit der arabisch-islamischen Kultur und zeitgenössischen arabischen Fragen verbunden werden.

11. Die Notwendigkeit der Kooperation zwischen europäischen und arabischen Experten, um den Lernenden und der gebildeten Öffentlichkeit in Europa ein objektives Bild der arabisch-islamischen Zivilisation und zeitgenössischer arabischer Fragen zu gewähren, die Europäern arabischen Studien attraktiv macht.(12)

Die folgenden Resolutionen definieren die Form der Kooperation zwischen arabischen und europäischen Universitäten und ihrer jeweiligen Experten, sowie die Organisation der für dieses Arabisierungs-Projekt in der EWG notwendigen Gelder. Die letzte Empfehlung betrachtet es als notwendig ein permanentes Komitee arabischer und europäischer Experten einzurichten, das mit der Kontrolle der Verfolgung und Anwendung der Entscheidungen bezüglich der Verbreitung der arabischen Sprache und arabischen Kultur in Europa im Rahmen des Europäisch-Arabischen Dialogs beauftragt ist.

19. Um das oben Angeführte zu erreichen, betrachten es die Teilnehmer als notwendig, als Ergebnis dieses Seminars ein permanentes Komitee aus arabischen und europäischen Experten zu bilden, um die Empfehlungen zur Verbreitung des Arabischen und der arabischen Kultur in Europa nachzubereiten; dies soll im Rahmen des Euro-Arabischen Dialogs erfolgen.

Dieser Rahmen zeigt die Zustimmung der Außenminister der EG-Staaten und ihrer Präsidentschaft in Zusammenarbeit mit dem Sekretär der Liga der arabischen Staaten, wie auch der übrigen Diplomaten, die in der Allgemeinen Kommission repräsentiert sind, deren Arbeit in camera weiter ging und ohne Aufzeichnung blieb.

Die Kulturellen Forderungen des arabischen Blocks

Von daher sah ab den 1970-er Jahren die in die wirtschaftlich-politische Konzeption des EAD (1973) integrierte Einwanderungspolitik nicht die vereinzelte Immigration Einzelner vor, die sich in die Gastgeberländer integrieren wollten. Es war eine geplante, homogene Einpflanzung Millionen zählender ausländischer Kollektive in die Europäischen Gemeinschaften. Sie ermöglichte die Bildung von Gruppen, die ihrer säkularen europäischen Umgebung feindlich gesinnt waren, die nicht kamen um sich zu integrieren, sondern mit der Absicht und mit dem Recht, ihre eigene Zivilisation dem Gastgeberland aufzudrücken, während seine säkularen Institutionen abgelehnt wurden, da man sie als denen der von Allah gegebenen Scharia unterlegen ansah. Während der EAD den arabischen Einwanderern die Rechte sicherte, die ihnen von den europäischen juristischen Institutionen übertragen werden, verachteten diese genau diese Institutionen, da sie sich ihrer auf der Scharia basierenden arabisch-islamischen Kultur bedienten. Daher war von Beginn der Einwanderung an die Integration ausgeschlossen.

Das Symposium des Euro-Arabischen Dialogs in Hamburg (11. – 15. April 1983) wurde mit großem Pomp durch die Eröffnungsrede von Hans-Dietrich Genscher, dem Minister für auswärtige Angelegenheiten der Bundesrepublik Deutschland, eröffnet, gefolgt von einer Rede des Generalsekretärs der Arabischen Liga, Chedli Klibi. Genscher erinnerte nachdrücklich an die europäische Verpflichtung der islamischen Zivilisation gegenüber und betonte die Bedeutung des Dialogs bei der Zementierung der euro-arabischen Solidarität. Er bezog sich auf den Anfang des Dialogs 1973 und die Bedeutung des politischen Aspekts, der nicht ignoriert werden kann – mit anderen Worten: auf die antiisraelische Politik der EWG im Nahen Osten als Grundlage des gesamten wirtschaftlichen Gefüges der euro-arabischen Kooperation. Er erklärte:

Der Euro-arabische Dialog wäre in der Tat unvollständig, wenn die politische Seite ignoriert oder nicht ernst genommen würde.

Beide Seiten des Dialogs, beide Partner, sollten sich immer an das gemeinsame Memorandum von Kairo 1975 erinnern, der Charta des Dialogs. Das Memorandum enthält das folgende Zitat: „Der Euro-arabische Dialog ist das Ergebnis des gemeinsamen politischen Willens, der die Schaffung einer besonderen Beziehung zwischen den beiden Gruppen anstrebt.“ Wir Europäer sprachen uns in der Erklärung von Venedig vom 13. Juni 1980 in eindeutiger Weise und überzeugt für eine Wiederbelebung des euro-arabischen Dialogs aus. Seitdem sind die verschiedenen Arbeitsgruppen innerhalb des Dialogs aktiver geworden und die Aussichten für die Zukunft sind nun viel versprechend.(13)

Nach zwei Jahren Unterbrechung des Dialogs nach dem israelisch-ägyptischen Friedensvertrag von 1979 schloss sich die Erklärung von Venedig total den politischen Forderungen der Araber bezüglich Israel an. Er bestätigte die nationalen Rechte der Palästinenser „die nicht einfach nur die der Flüchtlinge sind“ (Artikel 6). Artikel 7 verlangte die Teilnahme der PLO an den Verhandlungen. In Artikel 8 „betonen die Neun, dass sie keine einseitige Initiative akzeptieren werden, den Status von Jerusalem zu ändern“. Dann folgt dieser Artikel:

Die Neun betonen die Notwendigkeit, dass Israel der territorialen Besetzung, die es seit dem Konflikt von 1967 beibehielt, ein Ende setzt, wie es das teilweise im Sinai getan hat. Sie sind tief überzeugt, dass die israelischen Siedlungen ein ernstes Hindernis für den Friedensprozess im Nahen Osten darstellen. Die Neun denken, dass diese Siedlungen, wie auch die Veränderungen in Bevölkerung und Eigentum in den besetzten arabischen Gebieten, vor dem internationalen Recht illegal sind.

Auf dem Symposium von Hamburg 1983 gaben Sprecher beider Seiten einige Berichte über die Integration der beiden Zivilisationen ab. Die Teilnehmer wurden in drei Workshops aufgeteilt. Das erste, „Aussichten für kulturellen Austausch“, untersuchte die Aussichten für zukünftigen kulturellen Austausch in allen Bereichen. Die Diskussion erstreckte sich auf: „Austausch-Vereinbarungen zwischen Universitäten, Austausch zwischen Studenten und Lehrern und anderen in den Bereichen der kreativen Künste, von audiovisuellem Material, Kooperation bei Übersetzung, bei der Vermittlung arabischer Veröffentlichungen in Europa, Ausstellungen und Veröffentlichung“. Die Bereiche dieser kulturellen Kooperation mussten definiert werden „durch eine allgemeine kulturelle Vereinbarung zwischen der Arabischen Liga und der Europäischen Gemeinschaft. Diese Vereinbarung sollte den Rahmen für weitere, aufzuführende Funktions-Vereinbarungen liefern“. Ein kleines gemeinsames Komitee innerhalb des Rahmens des Euro-Arabischen Dialogs sollte „eingesetzt werden, um das Funktionieren der Vereinbarung zu beaufsichtigen, Vorschläge für zukünftige Projekte zu untersuchen und akzeptieren und ihre Durchführung sicher zu stellen.

Das Workshop schlug verschiedene Vorgehensweisen vor, die wie folgt zusammengefasst wurden:

  1. Ein Euro-Arabisches Journal sollte zweimal jährlich veröffentlicht werden, das sich mit arabischen und europäischen Autoren besonderen Themen widmet […] Zusätzlich wird ein kleinerer Newsletter empfohlen, der kulturelle Entwicklungen in der arabischen Welt aufführen könnte und Dinge wie intellektuelle Debatten, Theater-Aufführungen, wichtige Veröffentlichungen anführt.
  2. Es sollten arabische Berufs-Vereinigungen und ihre Mitglieder eingeladen werden, um Vereinbarungen mit ihren europäischen Gegenstücken abzuschließen, damit kulturelle Kooperation und Austausch gefördert werden. Die arabische Seite bestand insbesondere auf Vorschlägen zum Abschluss solcher Vereinbarungen mit den Vereinigungen der arabischen Schriftstellern und Verlagen […] Solche Vereinbarungen sollten auch die Ermutigung regelmäßiger Treffen zwischen europäischen und arabischen Radio- und Fernseh-Vereinigungen und zwischen den Bündnissen von Filmproduzenten und Schauspielern einschließen, um für gemeinsame Produktionen zu werben.
  3. Die Einberufung kleiner, spezialisierter oder professioneller Seminare zu ausgesuchten Themen. Zu den bereits vorgeschlagenen Themen gehören der religiöse Dialog, arabische Historiographie, Buchveröffentlichungen und Bibliothekswesen, Untersuchung der Inhalte von Schulbüchern auf allen Ebenen in zur Geschichte der beiden Regionen.

Der zweite Workshop konzentrierte sich auf „Soziale und kulturelle Folgen der Migration von Arbeitern und Intellektuellen“. Die Teilnehmer vermerkten, dass – als sich arabische Einwanderung in dauerhaftes Wohnen wandelte – die Durchführung der Deklaration von Damaskus (vom Dezember 1978) für die Situation 1983 nicht mehr angemessen war. Insbesondere war es nötig, den Artikel, der die Rechte der arabischen Einwanderer und die Mitglieder ihrer Familien festlegten, dahin gehend zu ergänzen, dass sie „Gleichbehandlung bezüglich der Lebens- und Arbeitsbedingungen, Löhne und wirtschaftlicher Rechte, der Rechte auf Vereinigungen und die Ausübung grundlegender öffentlicher Freiheiten“ erhielten. Es bestand das Gefühl, dass nicht genug getan wurde, um die Grundsätze dieser Deklaration umzusetzen (Artikel 3). Die Teilnehmer empfahlen die Schaffung einer permanenten Institution, um das Wissen über Migration zu verbessern und Politik und Programme „mit dem Ziel der Sicherung der höchstmöglichen Wohlfahrt für die Migranten selbst und den maximalen Nutzen für das Herkunftsland und der Anstellung im Geist der ehrlichen Kooperation unter den am Dialog beteiligten Länder“ zu formulieren (Artikel 4).

Artikel 5 hatte mehrere Vorschläge zum Inhalt:

5. Es wird empfohlen, dass die soziale Integration von eingewanderten Arbeitern und ihren Familien in den Gastgeber-Ländern durch folgende Maßnahmen bewerkstelligt wird:

a) Gewährung gleicher Rechte beim Zugang zum Immobilienmarkt, dem Arbeitsmarkt und dem Bildungssystem und zu beruflicher Ausbildung,

b) der allgemeinen Öffentlichkeit den kulturellen Hintergrund der Migranten bewusster zu machen, z.B. durch die Werbung für kulturelle Aktivitäten der Einwanderungsgemeinden,

c) die Bereitstellung adäquater Information zur Kultur der Migranten-Gemeinden in den Lehrplänen der Schulen,

d) Schaffung besonderer Schul- und Ausbildungseinrichtungen für diejenigen, die dienstliche Beziehungen zu den Einwanderern haben (z.B. Behörden-Bedienstete, medizinisches Personal, Mitglieder der Polizei, Lehrer, Sozialarbeiter usw.),

e) den Migranten Zugang zu den Massenmedien geben, um sicherzustellen, dass sie in einer Position sind, reguläre Informationen in ihrer eigenen Sprache, über ihre Kultur sowie über die Lebensbedingungen in den Gastgeber-Ländern zu erhalten,

f) die Kooperation zwischen den Einwanderer-Gruppen und der nationalen Bevölkerung ausdehnen und Maßnahmen ergreifen, um die Teilnahme der Einwanderergruppen in Gewerkschafts-Aktivitäten zu erhöhen und ihre Teilnahme am politischen Leben erkunden.

6. Es wird empfohlen, dass die arabischen Herkunftsländer ihre kulturelle Unterstützung der arabischen Migranten in Europa stärken.

Der dritte Workshop untersuchte die Kooperation im Feld der arabischen und europäischen Sprach-Vermittlung. Diese Gruppe betonte, dass diese Frage von größter Bedeutung sei, denn sie forme das Grundprinzip des Euro-Arabischen Dialogs. Die Entscheidungen des Seminars in Venedig (1977) wurden durch die des Seminars von Hamburg (1983) ergänzt. Sie wiederholten die Notwendigkeit, dass die arabische Sprache und Kultur in Europa durch die arabischen Länder und ihre besonderen Institutionen, wie auch durch euro-arabische Kulturzentren verbreitet werden, die in europäischen Hauptstädten geschaffen werden sollten. Es war notwendig, den Immigranten-Kindern Arabisch beizubringen und die Veröffentlichung und Verteilung arabischer Zeitungen und Bücher sicherzustellen, die für eine kultivierte europäische Öffentlichkeit gedacht sind, um ein objektives und attraktives Bild der islamischen Zivilisation zu liefern. Ein Programm zur Ausführung all dieser untersuchten Aktivitäten wurde über einen Zeitraum von fünf Jahren geplant.

Beim Lesen der Vorgänge der zahlreichen Symposien stößt man recht heftig auf den Unterschied in den Reden der beiden Seiten. Die Europäer verwenden eine vorsichtige Sprache, bewundern den Islam und schmeicheln ihm. Übertriebenes Tribut wird der islamischen Zivilisation gezollt, von der die Zivilisation Europas sich Inspiration holte (z.B. Hans-Dietrich Genscher, deutscher Außenminister, auf dem Symposium in Hamburg 1983). Nichts sagende, ergebene Entschuldigungen für Kolonisation und Europas anti-arabische Vorurteile werden formuliert. Die arabische Partei dagegen übernimmt den Tonfall des den Stock schwingenden Schulmeisters, ist sich der Toleranz, des Humanismus und der Größe der eigenen Zivilisation sicher als der spirituellen und wissenschaftlichen Quelle Europas. Es gibt auch Vorwürfe, insbesondere bezüglich der Unzulänglichkeit europäischer Maßnahmen gegen Israel, einem zentralen und essenziellen Punkt, auf dem die gesamte Infrastruktur des Dialogs aufgebaut ist. Die arabischen Reden betonen in giftigen Begrifflichkeiten Europas Verpflichtung, mit Israel hart umzugehen (zionistische Usurpation; die Hand des Zionismus trachtet danach, die Araber aller Länder zu töten; Politik des institutionalisierten Rassismus; die den Zionismus mit Rassismus gleich stellende Resolution 3379 wurde 1975 durch die UN-Vollversammlung gepeitscht). Sie erinnern die Europäer an ihre Pflicht, die Größe und Überlegenheit der islamischen Zivilisation und des Islam anzuerkennen und auf Universitätsebene zu lehren. Prediger beschreiben den islamischen Ursprung des Judentums, des Christentums und der gesamten Menschheit, die in ihrer originalen Reinheit als Muslime geboren wurden.

Die Anpassung der EWG

Die EWG hatte sich voll auf die Israel betreffenden Direktiven ausgerichtet, wie sie von der Arabischen Liga bereits ab 1970 formuliert wurden und man in der Deklaration der Neun zum Nahen Osten sehen kann (London, 29. Juni 1977). Einige dieser Erklärungen wiederholen Wort für Wort die, die von der Zweiten Islamischen Konferenz in Lahore (1974) benutzt wurden und nicht im originalen Englisch der Resolution 242 des UN-Sicherheitsrats zu finden sind. Daher führt Artikel 2 der Deklaration des Europarats aus (London, 29. Juni 1977): 1) die Unzulässigkeit des Landerwerbs durch Gewalt; 2) die Notwendigkeit, dass Israel die territoriale Besetzung beendet, die es seit dem Konflikt von 1967 aufrecht erhält, während Resolution 242 den Rückzug „von Territorien“ erwähnt; 3) die Verpflichtung Israels – durch die Errichtung eines gerechten und dauerhaften Friedens – die „legitimen Rechte“ der Palästinenser zu berücksichtigen, was nicht in der gültigen Resolution 242 zu finden ist.

Artikel 3 gibt die arabische Haltung wieder:

Die Neun sind überzeugt, dass die Lösung des Nahost-Konflikts nur möglich sein wird, wenn das legitime Recht des palästinensischen Volks, seiner nationalen Identität effektiv Ausdruck zu verleihen, in die Wirklichkeit übertragen werden, die die Notwendigkeit eines Heimatlandes für das palästinensische Volk einbezieht. Sie denken, dass die Repräsentanten der Konfliktparteien, einschließlich des palästinensischen Volkes, an Verhandlungen in angemessener Weise teilnehmen müssen, was in Beratungen unter den interessierten Parteien definiert werden muss. Im Rahmen einer umfassenden Regelung muss Israel bereit sein, die legitimen Rechte des palästinensischen Volks anzuerkennen. Gleichermaßen muss die arabische Seite bereit sein, Israels Recht in Frieden innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen zu leben, anzuerkennen.(14)

Diese Deklaration wurden von der Allgemeinen Kommission des EAD-Treffens in Tunis (10.-12. Februar 1977) vorbereitet. Bezüglich Jerusalem sagte das am Ende der zweiten Sitzungsperiode veröffentlichte Kommunique: „Die europäische Seite … hat ebenfalls ihre Opposition zu jeder Initiative vermerkt, die dazu tendiert den Status von Jerusalem einseitig zu verändern. Die arabische Seite drückte aus, wie sehr sie diese Haltung schätzt.“

Am 26. September 1977 erklärte Henri Simonet, belgischer Außenminister und Präsident des Rates der EWG, in der UN-Vollversammlung in New York, dass der Nahost-Konflikt auf den Sicherheits-Resolutionen 242 (von 1967) und 338 (von 1973) gegründet werden müsse, d.h. ihrer franko-arabischen Interpretation in der französischen Version, wie sie die EWG nach dem arabischen Öl-Embargo 1973 übernahm,

wie auch auf den folgenden fundamentalen Prinzipien: 1. der Landerwerb durch Gewalt ist inakzeptabel; 2. Israel muss seine Besetzung der Territorien beenden, die es seit dem Krieg von 1967 hält; 3. die Souveränität, territoriale Integrität und die Unabhängigkeit eines jeden Staates der Region muss genauso respektiert werden, wie von [sic] dem Recht eines jeden Staates der Region in Frieden mit sicheren und anerkannten Grenzen zu leben; 4. die Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens muss die legitimen Rechte der Palästinenser einbeziehen.

51. Die neun Staaten glauben auch weiterhin, dass die Lösung für den Konflikt nicht möglich sein wird, bis die legitimen Rechte des palästinensischen Volks, ihrer nationalen Identität effektiven Ausdruck zu geben, Wirklichkeit werden. Dies würde natürlich berücksichtigen, dass das palästinensische Volk ein Heimatland braucht.

52. Es bleibt die feste Ansicht der neun Staaten, dass all diese Elemente ein unteilbares Ganzes darstellen.

55. Man sollte sich hier daran erinnern, dass die neun Staaten öffentlich ihre Besorgnis über die illegalen Maßnahmen erklärt haben, die kürzlich von der Regierung Israels in den besetzten Gebieten vorgenommen wurden…

56. In Erwartung von Friedensverhandlungen bestätigen die neun Staaten die Sorge, die sie bei vielen Gelegenheiten ausgedrückt haben, dass die Konfliktparteien davon Abstand nehmen sollten, Stellungnahmen abzugeben oder Maßnahmen zu treffen, seien sie administrativ, juristisch, militärisch oder anderer Natur, die ein Hindernis für den Friedensprozess darstellen könnten.(15)

Die zweite Islamische Konferenz, organisiert von der kürzlich geschaffenen Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), wurde am 24. Februar 1974 in Lahore abgehalten und ihre Deklaration machte ihre Politik gegenüber Israel ganz deutlich:

1. Die arabische Sache ist die Sache aller Länder, die gegen Aggression sind; sie wird nicht erleiden, dass der Gebrauch von Gewalt durch territorialen oder anderen Gewinn belohnt werden wird;

2. Den arabischen Staaten sollte volle und effektive Unterstützung gegeben werden, damit sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln ihr besetztes Land wieder zurück holen;

4. Die Wiederherstellung der vollen nationalen Rechte der palästinensischen Völker [sic] in ihrem Heimatland ist die essentielle und fundamentale Bedingung für eine Lösung des Nahost-Problems und die Errichtung eines dauerhaften Friedens auf der Grundlage der Gerechtigkeit.

7. Die von den christlichen Kirchen unternommenen konstruktiven Bemühungen in der ganzen Welt und den arabischen Staaten, insbesondere im Libanon, in Ägypten, Jordanien und Syrien, die palästinensische Frage der internationalen öffentlichen Meinung und den religiösen Weltkonferenzen zu erklären; sie werben dafür, dass ihre Unterstützung für arabische Souveränität über Jerusalem und andere heilige Stätten in Palästina Wertschätzung erfahren sollten;

8. Jede von Israel getroffene Maßnahme den Charakter der besetzten arabischen Gebiete zu ändern, insbesondere den der Heiligen Stadt Jerusalem, stellt eine eklatante Verletzung des internationalen Rechts dar und ist für die Gefühle der Mitgliedsstaaten der Islamischen Konferenz und der islamischen Welt im Allgemeinen abstoßend.(16)

Die Kultur Eurabias

Während die EU Israel nichts als Geschwätz anbietet, das für die Zivilisationen des Jihad („gerechter und dauerhafter Friede“, „sichere und anerkannte Grenzen“) bedeutungslos sein kann, fordert es von Israel konkretes Handeln: 1) territoriale Zugeständnisse; 2) Neuteilung Jerusalems; 3) Schaffung eines zweiten palästinensischen, weiteren arabisch-muslimischen Staates auf dem durch Jihad ilsamisierten historisch jüdischen Heimatlandes; 4) die Verpflichtung Seites Israel mit Arafat zu verhandeln (Erklärung von Venedig, 1980), bestätigter Terrorführer bis zur Zeit des Oslo-Vereinbarungen (1994), der während des folgenden Prozesses zum Jihad zuürckkonvertierte; 5) Frieden wird von einer pauschalen Regelung abhängig gemacht, die Syrien einschließt; 6) Israels Verpflichtung seine Verantwortung für die arabischen Flüchtlinge aus Palästina zugibt und eine Lösung zu finden, obwohl diese Tragödie von ihre Verbündeten mit fünf arabischen Armeen verursacht wurde, die mit dem Ziel der Vernichtung des jungen Staates Israel eindrangen und dann besiegt wurden.

Die EU erfüllte die Forderungen der Arabischen Liga und erkannte Arafat als den einzigen Repräsentanten der Palästinenser an. Damit übertrug sie dem Paten des internationalen Terrorismus, dem unbeugsamen Feind des Staats Israel, der Christen des Libanon und einem der modernen Symbole des Jihad gegen die Ungläubigen Respektabilität und Legitimität.

Die EU forderte, dass Israel zu den Grenzen des Waffenstillstands von 1949 zurückkehrt; dabei gibt sie vor, sie glaube, dass solche Grenzen tragfähig seien. Ihre Weigerung Israels Recht auf seine historische Hauptstadt, Jerusalem, anzuerkennen, impliziert eine Delegitimierung und Leugnung der Geschichte des jüdischen Volks, für die Europa infolge seines christlichen Erbes immer noch ein Zeuge schlechthin ist. Die EU übernahm die pathologische arabische Besessenheit, die eine bösartige Zentralität auf Israel übertrug, die aller anderen Ereignisse der Welt in den Hintergrund drängt. Auf der Ebene der euro-arabischen internationalen Politik erklärte, rechtfertigte und legitimierte sie moralisch eine Pathologie arabischen Hasses, der der Vernichtung Israels absolute und umfassende Priorität auferlegte. Durch die Verpflichtung zum arabisch-islamischen Jihad gegen Israel unter Etiketten wir „Frieden und Gerechtigkeit für die Palästinenser“ lehnte Europa seine gesamten Werte du sogar die Grundlagen seiner Zivilisation ab. Damit überließ es die Christen im Libanon den Massakern der Palästinenser und die Christen in der islamischen Welt der Verfolgung und dem Dhimmitum. Die Befreiung Israels, eines winzigen Teils der von den Arabern in Asien, Afrika und Europa mit Krieg und Gewalt kolonisierten Landmasse, provozierte eine Paranoia, die die Leiden von Millionen Opfer des modernen Jihad überlagert.

Auf der Ebene der europäischen Demografie förderte die Einwanderungspolitik der EWG das islamische Begehren der Islamisierung Europas und bietet ihm sehr solide Grundlagen. Die wahren Zahlen dieser verborgenen Einwanderung wird der Öffentlichkeit verheimlicht, was stellten sie ein Staatsgeheimnis dar. Der Export der Kultur der Einwanderer in die Aufnahmeländer, ein exorbitanter und einzigartiger Faktor in der Geschichte der Immigration, wurde in die Vereinbarungen der EWG mit der Arabischen Liga als unveräußerliches Recht der Einwanderer integriert. Das schuf ein Hindernis für ihre Integration, umso mehr, als die Verbundenheit mit den Herkunftsländern gefördert und aufs Äußerste von kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Abkommen sowie durch Zusammenarbeit und Austausch unter den Universitäten und auf internationaler Ebene gefördert wurde. Die europäischen Agenten des EAD nutzten Antirassismus, um jegliche Diskussion über die Unsicherheit, Kriminalität und religiösen Fanatismus gewisser Teile einer Bevölkerung zu eliminieren, die sich allgemein weigerte sich zu integrieren.

Die kulturelle Infrastruktur des EAD machte es möglich das traditionelle kulturelle Gepäck antichristlicher und antijüdischer Vorurteile gegen den Westen und Israel zu importieren, die von den Völkern und der Zivilisation des Jihad konzipiert wurden. In diesen Jahren wurde das Thema des Jihad wieder zum Leben erweckt, um terroristischen Aktivismus zu nähren. Einwanderergruppen wurden die Instrumente, um sie in Europa auszubreiten, mit dem stillen Einverständnis von Akademikern, Politikern und dem gesamten Kulturapparat des EAD. Die Diskreditierung der „ungläubigen“ jüdisch-christlichen Kultur kam in der Bestätigung der Überlegenheit der islamischen Zivilisation zum Ausdruck, aus der – so sagten sie – europäische Weise demütig Inspiration gezogen hatten. Weder die über das lateinische und byzantinische Europa im Mittelalter verstreuten Wissenszentren, noch in den folgenden Jahrhunderten der Erschaffung des Buchdrucks, der für die Verbreitung von Wissen wesentlich war, noch die wissenschaftlichen Entdeckungen Europas und seiner technologischen Anwendungen, auch nicht die innovative Evolution seiner rechtlichen und politischen Institutionen oder sein künstlerischer und kultureller Reichtum können das Axiom seiner Unterlegenheit unter die Araber, die Schöpfer von Wissenschaft und Künsten untergraben. Diese Absurdität, von europäischen Ministern unterwürfig wiederholt, stellen sogar ein religiöses Prinzip der arabischen Welt dar, die den Zivilisationen der Ungläubigen keine Überlegenheit anerkennt. Schon der Begriff „jüdisch-christliche Zivilisation“ wird von fundamentalistischen Muslimen abgelehnt (17), die nur eine einzige Zivilisation bewundern, die islamische, die über Abraham – eine muslimischen Propheten – die Juden und Christen einschließt. Das ist der Grund, dass so viele Minister nicht länger von jüdisch-christlicher Zivilisation reden, sondern von abrahamitischer Zivilisation. Außerdem polarisieren Judentum und Israel so viel Hass, dass Europa sich freudig um den Abrahamismus sammelte, das heißt dem muslimischen Konzept der islamischen Herkunft des Judentums und des Christentums, wobei Letzteres nicht mit dem Judentum verbunden ist, sondern mit dem Islam, er ersten Religion der Menschheit, die nach islamischer Sicht den beiden anderen monotheistischen Religionen vorausgeht.

Die Welle arabischer Kultur und religiösen Fanatismus, die über Europa schwappte, wurde in die Funktionalität des EAD eingearbeitet. Die EU verwarf ihre jüdischen Wurzeln und lehnte ihre das Christentum ab, weil es daraus hervorging. Die Entfernung des historischen Gedächtnisses Europas, um es auf das arabisch-islamische Konzept der heutigen Geschichte zu übertragen, macht die Verbreitung einer Art von negatinistischer und Schuld induzierender Pseudo-Kulturen möglich, in der Verehrung für die andalusischen Mythos Wissen das Wissen von den verheerenden muslimischen Invasionen ersetzt. Die Unterwürfigkeit der universitären Kreise, die einer von wirtschaftlichem Materialismus beherrschten politischen Macht unterstellt wird, erinnert an die schlimmsten Zeiten der Verfalls der Intelligenz. Die Gedankenzensur, die Unterdrückung der intellektuellen Freiheit, die aus muslimischen Ländern im Paket einer Kultur des Hasses auf Israel importiert wird, führt heute zum Ausschluss und Boykott israelischer Akademiker durch ihre Kollegen in Europa.

Arabischer Antisemitismus/Antizionismus wurde in Europa in den konzeptionellen Rahmen wieder eingeschleust, der vom Europäisch-Arabischen Dialog uns einer Planung einer „Bewegung der Meinung“ zur Unterstützung arabischer antiisraelischer Politik angelegt wurde. Arabische Driektiven, gestützt vor Euro-Arabischen parlamentarischen Vereinigung – der machtvollen arabischen/muslimischen Lobby – wurde auf die höchsten politischen, universitären und religiösen Obrigkeiten übertragen, die sich am EAD beteiligen; sie fanden praktische Anwendung in Medien, Fernsehen, Radio, der Presse, den Universitäten, den Gewerkschaften und einer Vielzahl politischer und kultureller Aktivitäten. Die Hauptthemen der eurabischen antisemitischen Kultur wurden aus der arabischen Welt entliehen, wo sie bereits seit den 1950-er Jahren verbreitet worden waren. Ihre Hauptargumente sind: 1) Holocaust-Leugnung; 2) Juden schlugen aus der Schoah Kapital, indem sie Europa zugunsten Israels erpressten; 3) Delegitimierung des jüdischen Staates; 4) der Transfer der Geschichte Israels auf die palästinensischen Araber; 5) der Kult der Zerstörung Israels als Quelle der Rettung der Welt; 6) kultureller Byokott Israels und seine Isolation auf der internationalen Bühne – eine Politik, die den Status des Juden im Christentum und des Dhimmi im Islam neu erstellt; 7) Europa wird für die Wiederkehr Israels verantwortlich gemacht; 8) Israel ist eine Bedrohung des Weltfriedens, was richtig interpretiert bedeutet, dass Israel der euro-arabischen Politik Widerstand leistet, um sie zu eliminieren; 9) Antiamerikanismus.

Die vom EAD produzierte, allumfassende euro-arabische Symbiose führte dass, dass die EU seit den 1970-er Jahren palästinensische Terroristen auf dem eigenen [europäischen] Territorium und später tolerierte, sogar zur Rechtfertigung und passiven Legitimierung ihres Terrors gegen Israel und nachmalig sogar der Finanzierung der palästinensischen Terrorinfrastruktur und der Einimpfung des Hasses in ihren Schulen. Die Kirchen und ihr Mediennetz waren die aktivsten Agenten der moralischen Auslegung des palästinensischen Terrorismus. Interne Opposition wurde durch politischen Druck und die Geldmittel der religiösen Organe weggefegt, die am EAD beteiligt sind.

In den Jahren 2000 bis 2002 hat Eurabia vielleicht Europa ausgelöscht. In Eurabia hat das islamische Auffassung von Geschichte die Erinnerung an die Institution des Jihad und das Dhimmitum verdrängt, das die Beziehung der Muslime zu Nichtmuslimen seit dem siebten Jahrhundert bis heute regelt. Die Kultur des heutigen Eurabia weit eine Kombination antijüdischer, antichristlicher und antiamerikanischer Feindlichkeit auf. Die Politiker und Intellektuellen, die es mit Pinzetten in die Welt gebracht haben, haben die Welle der Diffamierung und Angriffe auf Juden in Europa geleugnet, eine Welle, die sie selbst ermöglicht und auf unverantwortliche Weise dreißig Jahre lang geschürt haben. Sie missachten die Realität des Antisemitismus auf dieselbe Weise, wie sie die Angriffe auf die fundamentalen Rechte europäischer Bürger vernachlässigten, womit ideologische Strömungen zugelassen wurden, die gestatteten, dass ungestraft Kriminalität und Terrorismus in ihren Ländern eingeführt wurde. Das Schweigen und die Fahrlässigkeit der französisch Behörden angesichts der Welle antisemitischer Aggression im Zeitraum von 2000 bis 2002 ist nur die Spitze des Eisbergs einer globalen Politik. Überall im Gebiet vom von den EAD-Vereinbarungen abgedeckten Eurabia kann man dieselbe Uniformität des Denkens finden – dieselben Tabus und Zensur an Universitäten und im Informationsapparat, dieselben, zum Dogma aufgebauten historischen und politischen Gegenwahrheiten, dieselben Taktiken der Behinderung von Verlagen und Buchläden, dieselbe Dämonologie der Juden und Israels, dieselbe Zuschreibung von Schuld an Juden und Christen bezüglich der arabisch-islamischen Welt. Wenn zukünftige Generationen erstaunt über die Entstehung von Eurabia nachdenken werden, dann werden sie feststellen, dass diese Mutation der europäischen sozio-politischen Kultur von wirtschaftlichem Egoismus, finanzieller Habgier, judenfeindlichem Antizionismus und Antiamerikanismus getrieben war. Der EAD, der die europäische Wirtschaft an eine arabische politische Strategie fesselte, plant die Vernichtung Israels, war das Trojanische Pferd dieses europäischen Driftens hin in eine arabisch-islamische Einflusssphäre. Die Zauberlehrlinge haben den Weg in eine Besorgnis erregende Zukunft geöffnet.
Anmerkungen:

(1) Saleh A. Al-Mani: The Euro-Arab Dialogue. A Study in Associative Diplomacy. Hg. v. Salah Al-Shaikhly, Frances Pinter, London 1983, S. 48. S. auch Jacques Bourrinet (Hg.): Le Dialogue Euro-Arabe. Economica, Paris 1979.
(2) Documents d’Actualité Internationale. Außenministerium, Paris (ab hier: DAI) 1974, Nr. I, S. 2-3.
(3) S. A-Mani, S. 70-73; 111; Bourrinet, S. 4. In der Analyse der Formel des EAD schreibt John Waterbury: “Der eigentliche Handel fand in Form eines Tauschgeschäfts statt: die politischen Forderungen der Araber gegen wirtschaftliche Ziele der Europäer.“ Ebenda, S. 25; Françoise de la Serre: „Conflit du Proche-Orient et Dialogue Euro-Arabe: La Position de l’Eruope des Neuf“, ebenda.
(4) Report on Islamic Summit 1974, Pakistan. Lahore, 22.-24. Februar 1974, S. 228.
(5) DAI 1974, Conférence des Chefs d’Etat Arabes (Algier, 26.-29. November 1973) Déclaration de politique Générale (Algier, 28. November 1973) (Quelle: Conférence des Chefs d’Etat arabes, auf Französich, Nr. 7, S.122-26).
(6) Da diese Ausgabe von DAI aus der Sammlung in der Bibliothèque du Palais des Nations in Geneva verschwunden ist, wurde dieser Verweis genommen aus Bourrinet, S.331-35: DAI 1977, Nr. 16-17, S. 315-19.
(7) Al-Mani, S.70-73.
(8) Bat Ye’or: Islam and Dhimmitude. Where Civilizations Collide. Cranbury, NJ (Fairleigh Dickinson University Press) 2002, S. 253.
(9) Bourrinet, S. 296-301.
(10) Edmond Völker (Hg.): Euro-Arab Cooperation. Europa Instituut, Universität von Amsterdam, Amsterdam, A.W. Sijthoff, Leyden, 1976, S. 179.
(11) Euro-Arab Dialogue. The Relations between the two cultures. Acts of the Hamburg symposium April 11th to l5th 1983. Englische Ausgabe hg. Von Derek Hopwood/Croom Helm, London 1983; s. die Empfehlungen des Seminars von Venedig, S. 317-23.
(12) ebenda., S. 320-21.
(13) ebenda, S.19.
(14) DAI, 2. September 1977, Nr. 35, Council of Europe (London, 29-30. Juni 1977) Nr. 137. Déclaration des Neuf sur le Moyen-Orient (London, 29 Juni 1977) (Quelle: Außenministerium, Paris) Textes officiels, S. 666-667, ins Englische übersetzt durch die Autorin.
(15) Official Records of the General Assembly.Thirty-second Session. Plenary Meetings, vol.1, 20. Sept. – 13. Oct. 1977, United Nations, New York 1978.
(16) Report on Islamic Summit 1974, Pakistan. Lahore, 22.-24. Februar 1974, Karachi, S. 222-223.
(17) Die Ablehnung des Begriffs “Judeo-Christentum” ist oft mündlich ausgedrückt worden; Bruno Etienne erwähnt seine Ablehnung in “La France et l’islam”, Paris 1989, S. 189.

* Bat Ye’or ist Autorin von „The Dhimmi: Jews and Christians under Islam” (Der Dhimmi – Juden und Christen unter dem Islam; 1985, neu aufgelegt 2003); „The Decline of Eastern Christianity under Islam. From Jihad to Dhimmitude“ (Der Niedergang des östlichen Christentums unter dem Islam. Vom Jihad zum Dhimmitum; 1996, neu aufgelegt 2002); „Islam and Dhimmitude. Where Civilizations Collide“ (Islam und Dhimmitum. Wo Zivilisationen zusammenstoßen; Fairleigh Dickinson University Press, 2002/03). Dieser Artikel ist eine englische Übersetzung von „Le Dialogue Euro-Arabe et la naissance d’Eurabia“ in „Observatoire du monde juif“, Bulletin Nr. 4/5, Dezember 2002, S. 44-55.

Wie der Islam das Christentum aus der Geschichte löschte

Raymond Ibrahim, 24. April 2016 (PJ Media)

Während die Christenheit weiter physisch aus dem Nahen Osten beseitigt wird, ist weniger bekann, dass ihre historische Rolle und Präsenz ebenfalls aus dem Gedächtnis gelöscht wird

Letzten Monat tauchte ein Video auf, das zeigt, wie Mitglieder des Islamischen Staats Hunderte christlicher Schulbücher, viele davon mit großen Kreuzen geschmückt, in ein großes Lagerfeuer warfen. Ein Bericht formulierte es so: ISIS verbrannte christliche Schulbücher im Versuch alle Spuren der Christenheit aus der uralten Region von Mossul zu löschen, wo das Christentum einst Jahrhunderte vor dem Aufstieg des Islam blühte.

Wie üblich ist ISIS ein ultimatives Beispiel für die maßgebende Herangehensweise von ISIS. Das wurde während einer vor kurzem auf einer Konferenz in Amman (Jordanien) bestätigt, die vom Jerusalem Center for Political Studies veranstaltet wurde. Während ihrer Präsentation sagte Dr. Hena al-Kaldani, eine Christin: „Es gibt ein vollständige Löschung der arabisch-christlichen Geschichte der vorislamischen Ära“, „viele historische Fehler“ und „ungerechtfertigte historische Sprünge in unserem jordanischen Lehrplan“. „Schulbücher für das 10. Schuljahr lassen jede Erwähnung von christlicher oder Kirchengeschichte in der Region aus.“ Wo immer das Christentum erwähnt wird, vermehren sich Auslassungen und Fehldarstellungen, einschließlich der Darstellung der Christenheit als westliche (heißt: „fremde“) Quelle der Kolonisierung, sagte Al-Kaldani.

Natürlich haben christliche Minderheiten im gesamten Nahen Osten – nicht nur in Jordanien – lange schon angegeben, dass die in den öffentlichen Schulen gelehrte Geschichte gewohnheitsmäßig das christliche Erbe der Region unterdrückt, während der Islam aufgebauscht wird (wobei auch gelogen wird).

„Es klingt absurd, aber Muslime wissen mehr oder weniger gar nichts über Christen, obwohl sie einen großen Teil der Bevölkerung stellen und sogar die ursprünglichen Ägypter sind“, sagt Kamal Mougheeth, ein pensionierter Lehrer in Ägyten: „Ägypten war sechs oder sieben Jahrhunderte [vor der islamischen Invasion um 640] christlich. Das Traurige ist, dass die Geschichtsbücher viele Jahre lang von Kleopatra zur muslimischen Eroberung Ägyptens sprangen. Das christliche Zeitalter war weg. Verschwunden. Ein enormes schwarzes Loch.“[1]

Das stimmt perfekt mit dem überein, was, wie ich mich erinnere, meine Eltern – Christen aus Ägypten – mir über ihre Erfahrungen in der Schule vor mehr als einem halben Jahrhundert erzählten: Hellenismus, Christentum oder die koptische Kirche – eintausend Jahre vorislamischer Geschichte Ägyptens – wurde praktisch nicht erwähnt. Die Geschichte begann mit den Pharaonen, bevor sie ins siebte Jahrhundert sprang, als die arabischen Muslime Ägypten für den Islam „öffneten“. (Wo immer Muslime nichtmuslimisches Territorium erobern, bezeichnet islamische Heiligengeschichte das als euphemistisch als eine „Öffnung“ (fath), nie als „Eroberung.

Sharana Yousif Zara, ein Politiker mit Einfluss im irakischen Bildungsministerium stimmt dem zu: „Es ist dasselbe bei der Lage im Irak. Es gibt fast nichts über uns [Christen] in unseren Geschichtsbüchern und was es dort gibt, ist völlig falsch. Es steht nichts davon darin, dass wir vor dem Islam hier waren. Die einzigen erwähnten Christen sind aus dem Westen. Viele Iraker glauben, wir seien hierher gezogen. Aus dem Westen. Dass wir in diesem Land Gäste waren.“[2]

Zara dürfte überrascht sein zu erfahren, dass im Westen ähnliche Ignoranz und historischer Revisionismus vorherrschen. Obwohl Christen in der Tat in den meisten arabischen Ländern die meisten indigenen Einwohner sind, werde ich oft gefragt – von gebildeten Menschen – warum Christen „beschlossen“ sich im Nahen Osten unter Muslimen niederzulassen, wenn letztere sie so schlecht behandelten.

Auf jeden Fall hat die pseudohistorische Herangehensweise des Nahen Ostens an das Christentum Generationen lang erfolgreich muslimische Schüler dazu indoktriniert der Christenheit zu misstrauen und sie zu hassen, die regelmäßig als nicht organisches, parasitisches Überbleibsel betrachtet wird, das von westlichen Kolonialisten zurückgelassen wurde (obwohl, wie erwähnt, das Christentum etwa 600 Jahre länger in der Region ist als der Islam).

Das erklärt auch eine der bittersten Ironien des Islam: Eine ganze Menge der heutigen Christen im Nahen Osten werden von Muslimen – einschließlich der Variante ISIS – verfolgt, deren eigene Vorfahren verfolgte Christen waren, die zum Islam konvertierten, um ihr Leiden zu beenden. Mit anderen Worten: Muslimische Nachkommen verfolgter Christen schlachten heute ihre christlichen Cousins ab. Christen werden zum Teil als „fremde Verräter“ angesehen, weil viele Muslime die Herkunft ihrer eigenen Christen nicht kennen.

Infolge solch eingegrabenen Revisionismus sind muslimische „Wissenschaftler“ in der Lage höchst dubiose und unhistorische Thesen zu verbreiten, wie man in Dr. Fadel Solimans Buch Copts: Muslims Before Muhammad[3] aus dem Jahr 2011 sieht. Darin wird behauptet, in der Zeit der muslimischen Eroberung Ägyptens sei die überwiegende Mehrheit der Ägypter nicht, wie Muslime und westliche Geschichte lange gelehrt hat, Christen gewesen, sondern prototypische Muslime oder muwahidin, die von europäischen Christen unterdrückt wurden: Daher ging es bei der islamischen Invasion Ägyptens in Wirklichkeit darum Mitmuslime zu befreien.

Selbstverständlich hat kein Historiker je behauptet, dass Muslime in Ägypten eindrangen, um „Protomuslime“ zu befreien. Stattdessen stellen muslimische Chronisten, die unsere Primärquellen zum Islam schrieben, die „Öffnungen“ offen und erfrischend als das dar, was sie waren – Eroberungen, reichlich versehen mit Massakern, Versklavung und Verdrängung von Christen und der Zerstörung tausender Kirchen.

Letztlich sollte uns der historische Ansatz der muslimischen Welt bezüglich des Christentums bekannt sein. Betreibt nicht der Westen dieselbe Täuschung? In beiden Fällen wird das Christentum dämonisiert und seine Geschichte von seinen alles an sich reißenden Feinden verdrängt: im Westen von jeder Menge „Ismen“ – darunter Linksradikalismus, moralischer Relativismus und Multikulturalismus – und mi Nahen Osten vom Islam.

[1] Zitat aus: Klaus Wvel: The Last Supper: The Plight of Christians in Arab Lands (Das letzte Abendmahl: Die bedrängte Lage der Christen in arabischen Ländern)

[2] ebenda

[3] Kopten: Muslime vor Mohammed

Wo ist die BDS-Bewegung angesichts der türkisch-stalinistischen Säuberung

Giulio Meotti, Israel National News, 27. Juli 2016

59.628 Professoren, denen die Lehrberechtigung aberkannt wurde. 1.577 Universitätspräsidenten, die zum Rücktritt gezwungen wurden. Ein Klima der Verfolgung, der Denunzierung und des Misstrauens in Universitäts-Lehrräumen und im Bildungsministerium. Es ist große akademische Säuberung, die Recep Erdoğan nach dem fehlgeschlagenen Putsch in Gang setzte.

Zahlen, die an stalinistische akademische Säuberung in der UdSSR. Angesichts dieses dramatischen Angriffs auf die intellektuelle Freiheit in der Türkei sollte man erwarten, dass Legionen westlicher Akademiker in Aufruf sein würden, um Solidarität mit belagerten und verfolgten türkischen Kollegen zu zeigen. Doch diese westlichen Helden der Freiheit, die die Bewegung „Boykott, De-Investitionen und Sanktionen“ (BDS) gegen Israel umarmt haben, fanden nicht die Zeit eine Kampagne gegen die türkische Säuberung zu beginnen, die nicht einmal einer hochgezogenen Skandal-Augenbraue würdig.

In England sind die National Association of Teachers in Higher Education und die Association of University Teachers, die den Boykott Israels übernommen haben, haben zur Türkei geschwiegen. Dasselbe Schweigen kommt von der US Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel, die von 500 amerikanischen Professoren unterschrieben wurde. Schweigen von den 300 italienischen Akademikern, die für den Israel-Boykott werben.

Zweierlei Maß ist immer aus den Worten von Curtis Marez gekommen, dem Präsidenten der American Studies Asscociation, der für den Boykott Israels stimmte. Als er gefragt wurde, warum seine Organisation nur Israel angreift und nicht zum Beispiel China oder Saudi-Arabien oder die Türkei, antwortete Marez: „Man muss irgendwo anfangen.“

Der Präsident der American Studies Association hat außerdem gesagt, der Boykott Israel „ist der beste Weg akademische Freiheit und Zugang zu Bildung zu schützen und auszuweiten“. Für die 59.628 türkischen Lehrer gilt das nicht.

Nur der jüdische Staat, die einzige Demokratie im Nahen Osten, in der BDS-Anhänger sich Freiheit und Sichtbarkeit erfreuen, verdient westlichen Verurteilung.

Ein Boykott der Türkei würde beweisen, dass sie nicht die nützlichen Idioten arabisch-islamischer Verweigerung sind. Diese westlichen Professoren hätten die Gelegenheit zur türkischen Diskriminierung der Kurden Nein zu sagen, die – anders als die palästinensischen Araber – keine Autonomie, kein Parlament und keine Polizei haben.

Doch abgesehen vom tief sitzenden Hass der BDS-Bewegung auf Israel könnte eine weitere mögliche Erklärung für das westlich-akademische Schweigen zu ihren türkischen Kollegen geben: die Beteiligung der Türkei am Boykott Israels. 111 Universitäten der Türkei haben sich bereits auf den Befehl von Herrn Erdoğan in die BDS eingereiht.

Könnte ein akademischer Boykott aus London oder Paris oder New York sich gegen ihren eigenen Schützer sammeln? Von diesen Heuchlern wäre es zu viel verlangt. Man muss „irgendwo“ anfangen. Und mit wem, wenn nicht mit den Juden?