Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (28.12.2014- 03.01.2015)

Sonntag, 28.12.2014:

Die Polizeikräfte von Jerusalem sollen um 400 Personen aufgestockt werden.

Die iranischen Revolutionsgarden posteten auf twitter Fotos ihrer Soldaten an der Grenze zwischen Libanon und Israel.

Die Hamas veröffentlichte ein Video, mit dem gelehrt wird, wie man israelische Polizisten mit Messern angreift.

Am Übergang Erez wurde ein Bus mit arabischen Kriegswaisen von der Hamas gestoppt; die Kinder sollten eigentlich auf einen einwöchigen Erholungstrip nach Israel fahren. Die Terroristen machen geltend, diese Reise würde ihre Ausbildung behindern und stelle eine „Normalisierung“ mit dem Feind dar.

Heckmeck:
Senator Lindsey Graham (Republikaner) sagte, die USA würden ihre Gelder für die UNO stoppen, sollte der Sicherheitsrat irgendeine einseitige Entscheidung bezüglich der Initiative der PA treffen.

Montag, 29.12.2014:

Ein PA-Minister bezeichnete die Verurteilung von Judenmord (3,5 Millionen Schekel Strafe wegen Mord an einjährigem Kleinkind und dessen Vater) als „Delegitimierung des nationalen Widerstands“ der „Palästinenser“.

Militärparade der Hamas: Ganz Palästina gehört uns, vom Fluss bis zu Meer.

Heckmeck:
Der PA-Antrag bei der UNO wird nicht vor dem neuen Jahr vorgelegt werden.

Dienstag, 30.12.2014:

Die offizielle Nachrichtenagentur der PA (WAFA) und die Fatah glorifizierten die Mörder der Synagoge in Jerusalem. Die Fatah nannte den Mordanschlag eine „Operation in einer Besatzungs-Synagoge im besetzten Jerusalem“. (Har Nof, wo die Synagoge sich befindet, liegt in dem Teil Jerusalems, der schon vor 1967 zu Israel gehörte!)

Letzte Woche vereitelten Inspektoren des Landwirtschaftsministeriums sechs Versuche Gemüse aus den PA-Gebieten nach Israel zu schmuggeln. Mengenmäßig waren das mehr als 90t Gemüse.

MK Ofir Akuni forderte, dass Israel angesichts des Antrags der PA bei der UNO seine Souveränität über Judäa und Samaria ausrufen solle.

Die PA prahlt wieder, ab 2016 würde die arabische Bevölkerung in Judäa und Samaria sowie dem Gazastreifen zahlenmäßig die der Juden (in ganz Israel und den Gebieten) übertreffen.

Heckmeck:
Jordanien sagte, über den Antrag auf einen Palästinenserstaat würde heute Abend im UNO-Sicherheitsrat abgestimmt.
Großbritannien folgte den USA und sagte, man könne den Antrag der PA nicht unterstützen.
Derweil verkündet die PA, man habe mit Hilfe Frankreichs und Luxemburgs 9 Stimmen für den Antrag sicher.

Mittwoch, 31.12.2014:

Die Hamas begrüßte die Entscheidung von Abbas dem Internationalen Strafgerichtshof beizutreten. Dem Schritt müsste der Beitritt zu weiteren internationalen Institutionen folgen.

Heckmeck:
Der UNO-Sicherheitsrat lehnte am Dienstagabend den PA-Antrag auf Anerkennung als Staat ab. Die USA mussten kein Veto einlegen (hatten sie angekündigt), weil die nötigen 9 Stimmen für die Resolution (anders als von den Terroristen behauptet) nicht zusammenkamen. Es gab 8 „Ja“-Stimmen, zwei „Nein“ (USA, Australien), 5 Enthaltungen. Saeb Erekat gab an, dass man die Resolution wieder vorlegen kann, wenn ab Dienstag 5 neue Mitglieder im Sicherheitsrat sitzen, von denen angenommen wird, dass sie den PalArabern gegenüber positiver eingestellt sind.
– Nachdem der Antrag beim Sicherheitsrat nicht durchkam, will Abbas jetzt den Beitritt zum ICC forcieren.
Die EU-Außenbeauftragte Mogherini gab zu wissen, dass die Abstimmung im Sicherheitsrat die Notwendigkeit unterstreiche, dass Israel und die PA die Gespräche wieder aufnehmen. Die internationale Gemeinschaft müsse sich auf konkrete Ergebnisse konzentrieren, um eine Endregelung zu finden. Klare Parameter für Verhandlungen zu setzen sei der Schlüssel für Erfolg. (Die Dame hat wieder nichts zu sagen, was die Terroristen veranlassen könnte ihre Haltung zu ändern…)

Donnerstag, 01.01.2015:

Die letzte Woche durch einen Brandanschlag auf sie und ihren Vater lebensgefährlich verletzte Ayala ist wach und kann mit ihrer Familie sprechen.

Nach Angaben libanesischer Medien gab es intensive Flugtätigkeit israelischer Kampfjets über dem Beeka-Tal, dem südlichen Libanon und Beirut.

Heckmeck:
Die PA verschob die Abgabe unterzeichneter Beitragsanträge an UNO-Organisationen ohne Angabe von Gründen auf Ende der Woche.

Freitag, 02.01.2015:

Die Fatah bezeichnet die USA als Feind und „Kopf der Kobra“, nachdem der Antrag im Sicherheitsrat gescheitert ist und schwört Rache.

Die PA hat offiziell den Antrag auf Mitgliedschaft beim ICC in Den Haag eingereicht, um „Gerechtigkeit für all die Opfer, die von Israel getötet wurden“ zu erreichen. (Heuchler!)

Die Fatah feierte den 50. Jahrestag ihres erste Terroranschlags gegen Israelis. Dabei gibt es Israel nicht, alles ist „palästinensisch“. Ihre Terroristen werden glorifiziert und zum weiteren „Widerstand“ (Terror) aufgerufen.

Samstag, 03.01.2015:

Frankreich hat den Grund preisgegeben, warum der Antrag der PA beim UNO-Sicherheitsrat unterstützt wurde: Die Wiederaufnahme des Friedensprozesses sollte angekurbelt werden. (Sind die wirklich so verblödet, dass sie nicht begreifen, dass diese Unterstützung genau das Gegenteil bewirkt?) Andere Quellen sagen, der französische Botschafter in Israel habe zugegeben, dass die Franzosen Schiss vor Drohungen haben.

Wegen des einseitigen Vorgehens die PA (Mitgliedschaft beim ICC beantragt, vorher der Antrag auf die Anerkennung als Staat im UNO-Sicherheitsrat; das Vorhaben Israel wegen angeblicher Kriegsverbrechen zu verklagen) hat Netanyahu angeordnet, dass die Überweisung von rund $127 Millionen an Ramallah eingefroren wird. Die PA schuldet Israel Unsummen, darunter 1,4 Milliarden Schekel ($360 Dollar) an unbezahlten Stromrechnungen.
Die PA wütet, das sei „Piraterie“.
Tzipi Livni und Avoda-Parteichef Herzog verdammen Netanyahus Anweisung; das sei Schwäche.

Neben dem zum ICC hat die PA auch den Beitritt zu Interpol beantragt.

Die Türkei auf die Liste der “staatlichen Förderer des Terrorismus“

Daniel Pipes, 28. November 2014

Nach Angaben israelischer Geheimdienstler hat die Hamas ihren Hauptsitz außerhalb des Gazastreifens von Damaskus nach Istanbul verlegt; es wird von Saleh al-Arouri geführt, den Israel HaYom „einen berüchtigten Erzterroristen“ nennt, von dem man „annimmt, dass er für Dutzende Anschläge auf Israelis verantwortlich ist“.

Saleh al-Arouri, Hamas-Führer mit Sitz in Istanbul

Arouri plante mindestens zwei sehr ambitionierte, aber vereitelte Operationen: einen Versuch im August die PA-Regierung in der Westbank zu stürzen und letzte Woche eine Mehrfach-Operation gegen „israelische Ziele in der Westbank, … einen Anschlag auf das Teddy-Stadion in Jerusalem und einen auf die Straßenbahn in der Hauptstadt“.

Bisher haben die Israelis ihre Proteste darauf beschränkt darauf hinzudeuten, dass dies nicht die Art ist, wie ein NATO-Verbündeter sich verhalten sollte.

Offizielle Kommuniqués aus Jerusalem über mehrere Kanäle an das Büro der North Atlantic Treaty Organization in Brüssel besagten, es sei unfassbar, dass ein Mitglied der Militärallianz Verbindungen mit einer Terror-Organisation pflegt. …

Verteidigungsminister Mosche Ya’alon warnte bei seinem letzten Besuch in den USA in einem Treffen mit dem [damaligen] US-Verteidigungsminister Chuck Hagel vor den engen Verbindungen der Türkei zur Hamas.

Die Behauptung, dass die Hamas aus ihrer Basis in Istanbul heraus Zerstörung plant, muss von der US-Regierung untersucht werden; sollte sie sich als zutreffend erweisen, muss die Republik Türkei auf die Liste der „staatlichen Förderer des Terrorismus“ gesetzt werden. Dort wird sie auf die wunderbare Gesellschaft von Kuba, dem Iran, dem Sudan und Syrien treffen.

Kalter Türke

Michael Curtis, The American Thinker, 20. Oktober 2014

Studenten sollten in der Lage sein einfache Fragen zu beantworten. Welches Land im Nahen Osten ist „ethnischer Säuberungen“ für schuldig befunden worden? Welches Land der Region hat die Rückkehr von Flüchtlingen in ihre Häuser und auf ihr ehemaliges Land verhindert? Welches Land hat sich über Artikel 49 der 4. Genfer Konvention vom August 1949 hinweggesetzt, der der Besatzungsmacht verbietet Teile der eigenen Zivilbevölkerung auf das von ihr besetzte Territorium umzusiedeln? Welches Land ist für eine einseitige Unabhängigkeitserklärung verantwortlich? Im Gegensatz zu dem, was sie von ihren Professoren hören dürften, lautet die korrekte Antwort, dass all diese Dinge von der Türkei geleistet wurden.

Die Türkei ist derzeit nicht sehr angesagt. Zu sagen, die Türkei sei eine Enttäuschung im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus, wäre – untertrieben gesagt – eine Binsenwahrheit. Die Türkei ist Mitglied der NATO, das einzige muslimische Mitglied der Organisation; und Präsident Obama betrachtet sie immer noch als regionalen Verbündeten und als Symbol islamischer Moderatheit und Liberalismus. Angesichts dieses Verhaltens in den letzten Jahren kann sie jedoch niemand als hilfreichen Partner der USA und die anderen Länder betrachten, die bereit sind dem islamischen Terrorismus zu begegnen. 2003, vor dem Zweiten Golfkrieg, dem Einmarsch in den Irak Saddam Husseins, lehnte die Türkei es ab den USA zu gestatten ihre Basen im Land zu nutzen. Sie lehnt es immer noch ab die von den USA geführte Koalition zu unterstützen, um mit dem Islamischen Staat im Irak und Syrien klarzukommen und hat wieder verhindert, dass US-Aufklärungs- und Bombenangriffe über Syrien von der US-Luftwaffenbasis in Incirlik verhindert.

Zu dieser nicht hilfreichen und unkooperativen Politik kommt noch weiteres negatives Verhalten: die von der Türkei den Terrorgruppen – Hamas im Gazastreifen, dem Islamischen Staat und anderen – direkt und indirekt gegebene Hilfe. Die Türkei bot Hamas-Agenten logistische Unterstützung und beherbergte sie. Sie half der Nusra-Front, dem Al-Qaida-Ableger in Syrien. Sie half dem Islamischen Staat (IS), indem sie Waffen, Material und Personal über türkisches Territorium gehen ließ und über Schwarzmarkt-Transaktionen mit dem Iran ermöglicht sie dem IS das Öl aus den 10 Ölfeldern und Raffinerien zu verkaufen, die er erobert hat. Über diese Verkäufe gewinnt der IS Rund $2 Millionen am Tag. Erdoğan streitet diese Beziehung zum Iran ab, die weiterhin besteht; damit verletzt er die Politik der Sanktionen gegen diesen Staat.

All das ist wohlbekannt und Besorgnis erregend. Gleichermaßen bekannt und beklagenswert ist die Weigerung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan der beträchtlichen kurdischen Minderheit eine Art von Autonomie oder Selbstbestimmung in der Türkei zu gestatten. Er prüft und führt den Kampf über militärische Angriffe und Kampfjets geführten Kampf gegen kurdische Gruppen, besonders die Kurdistan-Arbeiterpartei (PKK) – die er als Terrororganisation betrachtet – als wichtiger als den Kampf gegen den Islamischen Staat. Erdoğan hat es sogar abgelehnt US-Waffenlieferungen an die Kurden zu gestatten, die die Hauptgefahr für die Welt – den Islamischen Staat – tatsächlich bekämpfen.

Weniger gekannt oder eher ignoriert ist, dass die Türkei nach internationalem Recht definierter Verbrechen schuldig ist, weil es Territorium besetzt und Besiedlung in einem Land ermutigt, auf das sie keinen berechtigten Anspruch hat. Präsident Erdoğan ist nur allzu bereit gewesen den Staat Israel wegen Besatzung, seiner Siedlungen und seines Handelns zu kritisieren. Manchmal wird diese Kritik milde ausgedrückt, aber häufiger mit exzessivem und kriegerischem Sprachgebrauch. Im Mai 2010 beschuldigte er Israel des „Staatsterrorismus“, weil es die von der Türkei aus organisierten Flottille daran hinderte nach Gaza zu schippern. Er äußerte sich zu Israels Operation „Fels in der Brandung“ im Gazastreifen vom Juli 2014, sie sei „schlimmer als der Nazi-Völkermord … und der (israelische) Barbarismus [habe] selbst den von Hitler übertroffen“.

Erdoğans Rhetorik legte nahe, dass er an „jüdische Weltverschwörung oder jüdische Macht“ glaubt, selbst an die Blutschuldvorwürfe, Beschuldigungen ritueller Morde von Juden an Christen, um deren Blut für die Herstellung von Pessah-Matzen zu benutzen. Bewusst oder unbewusst gibt diese Art Rhetorik Antisemitismus wieder. Er behauptete, Israel stecke hinter dem Sturz von Präsident Mohamed Morsi in Ägypten, der im Juli 2013 von Feldmarschall el-Sisi von der Macht entfernt wurde. Erdoğan forderte die Welt auch auf Israels Streben nach Völkermord zu stoppen, weil dessen Blutdurst nicht enden würde.

Erdoğan giert danach die Welt zum Handeln bezüglich Israel aufzufordern, aber wenn die „Welt“ über seine eigenen Missetaten oder die seines Landes spricht dann ignoriert er das. Er lehnt es ab anzuerkennen, dass die Welt gegen die illegale Besatzung eines Teils der Insel Zypern durch die Türkei ist. Die Frage ist einfach. Zypern, das seit 1878 unter britischer Verwaltung stand und seit 1925 britische Kronkolonie gewesen war, wurde 1960 als Republik Zypern unabhängig; Grundlage war der von Großbritannien, Griechenland und Zypern unterschriebene Garantievertrag. Allerdings begannen 1963 Feindseligkeiten zwischen griechischen und türkischen Zyprioten. Eine UNO-Truppe, die Friedenserhaltungstruppe in Zypern (UNFICYP), wurde im März 1964 aufgestellt; sie sollte dabei helfen, nach dieser Gewalt normale Beziehungen wiederherzustellen. Fünfzig Jahre später ist die UNFICYP immer noch dort, jetzt unter der Führung eines weiblichen Generals aus Norwegen, und versucht die Stabilität in der Gegend zu erhalten.

Am 20. Juli 1974 marschierten 30.000 türkische Soldaten auf der Insel ein, besetzten rund ein Drittel davon und halten es bis heute. Man kann es als ethnische Säuberung durch die Türken betrachten, dass 180.000 griechische Zyprioten aus ihren Häusern im Norden der Insel vertrieben wurden, während 50.00 türkische Zyprioten in Bereiche unter Kontrolle der türkischen Streitkräfte zogen. Im Widerspruch zu den Genfer und anderen internationalen Konventionen hat die Türkei einen Teil ihrer eigenen Bevölkerung in die Gegend umgesiedelt.

Am 15. November 1983 erklärten die türkisch-zypriotischen Behörden einseitig die Gründung eines unabhängigen Staates, der Türkischen Republik Nordzypern (TRNC). Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen betrachtete diese Erklärung rechtlich ungültig und forderte den sofortigen Rückzug. Die Europäische Union verurteilte diese einseitige Unabhängigkeitserklärung ebenfalls. Trotzdem hat die Türkei diese „Aufforderung an die Welt zu handeln“ ignoriert, obwohl kein Land außer der Türkei die Legitimität des TRNC-Staates anerkannt hat.

Wer sich mit Nahost-Fragen befasst, der sollte der unanständigen Natur und Bedeutung des türkischen Verhaltens in Zypern gegenüber nicht, wie es viele gewesen sind, vergesslich sein: der illegale Besetzung eines Landes, der Gründung von türkischen Siedlungen in der Gegend, die fortgesetzte Anwesenheit türkischer Truppen und das Aufzwingen einer „Grünen Linie“, die die beiden politischen Einheiten in Zypern trennt. Einige Jahre lang hat der UNO-Sicherheitsrat Resolutionen zu dieser Situation verabschiedet, die letzte war die Resolution UNSC Res. 2135 vom 30. Januar 2014, die den Grad der Stabilität entlang der Grünen Linie Stellung genommen wurde.

Die Türkei hat aber bezüglich ihrer illegalen Besatzungs- und Siedlungspolitik nicht nur der UNO getrotzt. Sie hat unverhohlen politische Realitäten geleugnet und mit Feindseligkeiten gegen die legitime Republik Zypern gedroht. Am 13. Oktober 2014 tadelte Präsident Erdoğan ein griechisch-zypriotisches Mitglied des EU-Parlaments, der türkische Truppen in Nordzypern als „Invasoren“ bezeichnete. Er lehnte es auch ab die Vorschläge für einen Rückzug türkischer Truppen anzuhören. Als die EU Zypern als Mitglied aufnahm, kommentierte Erdoğan, es hätte als „Südzypern“ aufgenommen werden müssen … „es gab kein Land namens Zypern“. Fakt ist, dass die gesamte Insel als Mitglied aufgenommen wurde, aber die EU-Rechte und Verpflichtungen beziehen sich nur auf den Teil unter der international anerkannten Regierung, der Republik Zypern. Im Januar 2014 lehnte die Türkei es ab die Zollabkommen mit der EU komplett umzusetzen, weil Zypern dazu gehören würde.

Erdoğan, ein autoritärer und aggressiver Herrscher, dem Korruption und Untergraben der Unabhängigkeit der Justiz vorgeworfen wird, hat bereits im September 2011 gedroht die Republik Zypern anzugreifen, sollte sie der Noble Energy Company aus den USA erlauben im großen Erdgasfeld Leviathan, das Israel erkundet, nach Gas zu bohren. Die internationale Gemeinschaft, der gegenüber Erdoğan so oft Handeln gegen Israel anmahnt, sollte nun die Türkei wegen der Vertreibung von Menschen, ethnischer Säuberung, Entzug der individuellen Rechte und ethnischer Diskriminierung von Minderheiten, die nicht muslimisch oder sunnitisch sind, vorwerfen.

Der Feind meines Feindes ist mein Feind

Yoram Ettinger, Israel HaYom, 3. Oktober 2014

Die Vorstellung, dass der Feind meines Feindes mein potenzieller Verbündeter ist, liegt der westlichen Politik des Jahres 2014 gegenüber dem Iran zugrunde – dieser ist ein Feind des Islamischen Staats. Sie lag der US-Politik gegenüber Iraks Saddam Hussein – dem Feind des Iran – bis zu seiner Besetzung Kuwaits am 2. August 1990 zugrunde.

Die unverantwortliche Politik 1990 dem Irak gegenüber löste einen konventionellen Konflikt aus, der den US-Steuerzahler $1,25 Billionen kostete, 4.500 militärische Tote der USA, ein Anschwellen islamischen Terrorismus gegen die USA und einen dramatische Destabilisierung des Persischen Golfs. Die fehlgeleitete Charakterisierung des Iran könnte einen atomaren Konflikt schaffen – mit Mega-Billionen Dollar Kosten für den US-Steuerzahler, einem nie da gewesenen Level an Todesopfern, einer Sturmflug an globalem islamischem Terrorismus gegen die USA und tektonischen Eruptionen des Irrsinns über den gesamten Globus.

1989/90, gegen Ende des Irak-Iran-Krieges, stellte die US-Administration Iraks Saddam Hussein – den Feind des Feindes der USA, des Iran – als potenziellen Verbündeten dar, was Bagdads strategische Möglichkeiten über ein geheimdienstliches Informationsaustausch-Abkommen, Lieferung sensibler Dual-Use-Systeme und der Verlängerung von $5 Milliarden Darlehens-Garantieren verbesserte. Statt Saddams regionale Manövrierfähigkeit und inhärenten, gewalttätigen, megalomanischen Expansionismus zu beschränken, entschied sich die US-Administration Saddams im Kern imperialistische, schurkische, radikale Anti-USA-Ideologie zu ignorieren, die den Irak-Iran-Krieg auslöste.

Der große historische, ideologische, komplexe Kontext wurde von einer eng gefassten und simplizistisch gestalteten Tagespolitik übernommen. Die Leichtfertigkeit des „der Feind meines Feinds ist mein potenzieller Verbündeter“ wurde durch intensiven diplomatischen Verkehr zwischen den USA und dem Irak unterstrichen. Ein Beispiel ist Saddams Treffen mit Botschafterin April Glaspie am 25. Juli 1990, das Saddam überzeugte, er könne ungestraft in Kuwait einmarschieren.

Damit führte eine abwegige US-Politik zur Plünderung Kuwaits durch den Irak und folglich zum ersten Golfkrieg (1991), zum Zweiten Golfkrieg (2003-2010) mit seinen verheerenden Kosten und möglicherwiese zu einem dritten Golfkrieg.

Der Sieg des Wunschdenkens über die Realität war auch die Grundlage für Israels Politik von 1993 gegenüber der PLO – dem Feind der Hamas – von der gutgläubig erwartet wurde, dass sie sich auf Israels Seite im Krieg gegen den palästinensischen Terrorismus schlagen würde, als Gegenleistung für die beispiellosen territorialen Zugeständnisse Israels im Oslo-Prozess. Stattdessen ist Israel seit 1993 Opfer einer nie da gewesenen Welle antiisraelischen PLO/Hamas-Terrorismus gewesen, verstärkt durch tagtägliche Hass-Bildung und Hetze in Mahmud Abbas‘ Schulen, Moscheen und Medien, sowie ein starker Anstieg des Terrorismus von 2000 bis 2003, die Übernahme des Gazastreifens durch die Hamas 2006, die Kriege 2012 und 2014 gegen den palästinensischen Terrorismus im Gazastreifen.

Die Annahme „der Feind meines Feindes ist mein potenzieller Freund“ unterschätzt die folgenden endemischen, einzigartigen Charakterzüge des Iran der Ayatollahs und Mullahs: die zwanghafte, den Kern bildende, islamische, herrenmenschliche, megalomane, gegen Nichtgläubige gerichtete, antiamerikanische Ideologie; die Wahrnehmung der USA als „großer Satan“ und Haupthindernis für einen imperialen islamischen Iran; die innigen militärischen Verbindungen mit Amerikas Feinden und Gegnern; die Förderung globalen antiamerikanisch-jihadistischen Terrorismus, einschließlich dem im Irak und Afghanistan; eine 30-jährige Erfolgsbilanz der Nichteinhaltung und Täuschung in ihren Verhandlungen mit dem Westen; die Schlüsselrolle des iranischen Präsidenten Hassan Rouhani bei der Täuschung des Westens; die klare und gegenwärtige Gefahr, die ein atomarer Iran für das Überleben von Saudi-Arabien und anderen proamerikanischen, Öl produzierenden arabischen Regime und der globalen und inneren Sicherheit, nationalen Sicherheit und Wirtschaft; der Einfluss der iranischen Besatzung der schiitischen Teile des Irak auf die Stabilität am Golf; die ungeheuerlichen Menschenrechtsverletzungen durch Irans tyrannisches, skrupelloses Minderheitsregime, das während des irakisch-iranischen Kriegs 500.000 Kinder in Minenfelder schickte, um diese zu räumen; und die Ineffektivität von Sanktionen sowie jeglicher diplomatischer Option, wenn sie auf Schurkenregime angewandt werden, die auf Dominanz aus sind und friedliche Koexistenz ablehnen.

Die Weltsicht des „Der Feind meines Feindes ist mein potenzieller Verbündeter“ ist von denselben außenpolitischen Establishments genährt worden, die den Nahen Osten systematisch falsch verstanden haben: sie haben den Aufstieg des Islamischen Staats falsch beurteilt; den Willen der arabischen Verbündeten zu kämpfen und die Möglichkeiten des irakischen Militärs überschätzt; die Entwicklungen in Syrien unterschätzt; den arabischen Tsunami als „Arabischen Frühling“ willkommen geheißen, der ein Übergang zur Demokratie sei; die Palästinenserfrage zur Kernfrage der Turbulenzen im Nahen Osten und Kronjuwel der Gestaltung der Politik zu Arabien gekrönt; den Sturz des proamerikanischen Präsidenten von Ägypten, Hosni Mubarak, unterstützt; dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah el-Sissi die kalte Schulter gezeigt; die Übernahme des Gazastreifens durch die Hamas 2006 in Gang gebracht; Yassir Arafat und Mahmud Abbas 1988 legitimiert und sie 1993 als Friedensbotschafter begrüßt; die palästinensisch-iranische Hass-Erziehung als effektivste Fertigungslinie des Terrorismus und authentischste Reflexion der jeweiligen Führung unterschätzt; Saddam Hussein 1990 hofiert; Israel dafür bestraft, dass es 1981 den Atomreaktor des Irak zerstörte, was den USA 1991 einen Atomkrieg ersparte; den proamerikanischen Schah des Iran im Stich gelassen und den Aufstieg des antiamerikanischen Ayatollah Ruhollah Khomeini willkommen geheißen; 1977 anfangs gegen die direkten Friedensverhandlungen von Premierminister Begin mit Ägypten opponiert; usw.

Die mangelhafte Bedrohungsbewertung eines atomaren Iran hat Teherans Ayatollahs und Mullahs zu den Top-Nutznießern der Konfrontation mit dem Islamischen Staat gekrönt und sie mit dem belohnt, was sie am meisten wollten: zusätzlicher Zeit, die sie brauchen, um atomare Fähigkeiten zu gewinnen.

Realitätschecks und gesunder Menschenverstand deuten darauf hin, dass die USA keinen potenziellen Verbündeten in der Schlacht zwischen dem Iran und dem Islamischen Staat haben. Beide sind eingeschworene Feinde (offen für taktische, provisorische Verhandlungen und Waffenstillstände), die auf islamische Überlegenheit, Terrorismus und „Tod Amerika“ erpicht sind.

Das Wesen der Ayatollahs und Mullahs einerseits und die Annahme, dass sie potenzielle Verbündete der USA sind andererseits stellen ein selbstzerstörendes Oxymoron dar, das einen vernichtenden nuklearen Preis mit sich bringen könnte.