Wir dürfen sie keinen Erfolg haben lassen

Naomi Ragen, 24. April 2019

Jedes Jahr, wenn der Pessachabend kommt, strenge ich mich an, nicht an diese Nacht zu denken; der Freude der in Ehren gehaltenen Rituale, die die Stammesgeschichte unserer Familie und unseres Glaubens erneuern soll, uns mit ihrer warmen Glut zu umgeben, egal, wer von den Kindern und Enkeln an der Reihe ist sich als Gastgeber der Matzen, bitteren Kräuter und des Weins zu beteiligen. Oft – tatsächlich meistens – habe ich Erfolg damit.

Es war vor fast 20 Jahren, als ich mit meinem Ehemann, Söhnen, neuer Schwiegertochter und angeheirateten Verwandten unseren Sedernamen explodieren sahen, unser Leben bedroht, unsere Mitjuden verstümmelt oder ermordet durch einen palästinensisch-muslimischen Selbstmordbomber. Nur Augenblicke zuvor, erinnere ich mich, wie ich in der Lobby des Park Hotel in Netanya saß, als Großeltern freudig die Ankunft ihrer Kinder und Enkel begrüßten; und dann an den Tisch, der mit den ganzen rituellen Dingen gefüllt war – dem Seder-Teller, dem salzigen Wasser, den Weinflaschen. Ich sollte viele Jahre mit der Frage verbringen, wer von diesen Fremden in der Lobby lebten und wer zu den dreißig gehörten, die starben. Ich fragte mich auch, wer von dem Rest der Überlebenden jemals wieder in der Lage sein würde das Pessach-Seder mit Freude zu feiern.

In Terroraschlägen, die sich gegen religiöse Feiertage richten, die Familientradition sind, liegt eine besondere Obszönität, ein Stammesausdruck von Glaube und Kontinuität. Der Über-Horror der koordinierten Ostersonntags-Anschläge durch muslimische Selbstmordbomber in Sri Lanka war nicht nur eine Tat krimineller Unmenschlichkeit, das war ein unheiliges Sakrileg, das keinem Menschen je verstehen oder verziehen werden kann, der an eine höhere Macht glaubt. Und doch schweigt die muslimische Welt weitgehend, wie üblich, wenn diese Gräueltaten im Namen ihrer Religion verübt werden. Es gab keine Muslime, die sich Kreuze umhängten, wie Neuseeländer Hijabs anlegten, um Solidarität mit muslimischen Terroropfern zu zeigen; kein massenhafter Aufschrei von Imamen oder Oberhäuptern islamischer Staaten. Noch mehr schockt, war ein höflicher, fast schon zurückhaltender Aufschrei der westlichen Welt, als wenn die Leute mehr erschreckt darüber wären selbst wegen jeglichen Ausdrucks von Empörung gegenüber dem Islam wegen dieser Gräueltaten gegen Christen verurteilt zu werden, wobei Barack Obama und Hillary Clinton ihre Beileidskundgebungen sorgfältig als „Oster-Betende“ formulierten.

Die Arbeit zur Entwaffnung und Bändigung dessen, was inzwischen eine schreiende, bodenlose, weltweite Wut angesichts von religiös basierten Gräueltaten durch muslimische Fundamentalisten, indem alle derartige Gegnerschaft als islamophobisch gekennzeichnet werden, ist absurd erfolgreich gewesen, was es fast unmöglich macht einen totalen Krieg gegen den Islam der brutalen Mörder und Vergewaltiger, häusliche Gewalt Begehende und Pädophile, Sklavenhalter und Frauenschläger zu führen: den Islam der globalen Intoleranz und frevelhaften Respektlosigkeit gegenüber anderen.

Vor 20 Jahren waren wir Juden allein, als islamische Terroristen unsere Sederessen, unsere Bar Mitzwa-Jungs, unsere Bräute unter der Chuppa in die Luft jagten. Wir waren nicht überrascht, dass es niemanden kümmerte. Wir hatten Erfahrung. Und so nahmen wir unser Alleinsein und bauten daraus eine aufmerksame Gegenreaktion, Barrieren (die die Welt lautstark verdammte), um unser Volk sicher zu machen, um die Mörder auszusperren.

Die ganze Zeit überzeugten unsere Freunde in Frankreich, Deutschland, England und dem Rest Europas, sowie eine ganze Reihe Amerikaner sich selbst, dass islamischer Terror nicht in dem Hass gegen die „Kafir“ gründet, sondern schlicht gerechtfertigte Reaktionen auf die an den Palästinensern begangenen „Verbrechen“. Das könnte Europäern oder Amerikanern nicht zustoßen, denn sie liebten und unterstützten die Palästinenser, überschütteten sie mit Milliarden Euros und Dollars, um für deren Terrornetzwerke zu zahlen; die jedes Weltforum nutzten, um sich auf sie zu verlassen und ihre „Misshandler“ herunterzumachen – die abscheulichen israelischen Juden. Das war etwas Politisches, nichts Religiöses, behaupteten sie beharrlich. Eine auf Land basierender, reichtum-motivierter Aufschrei der „Unterdrückten“.

Ich kann sie dafür nicht wirklich tadeln. Ich erinnere mich, wie ich mich zur Zeit der Oslo-Vereinbarungen mit guten Juden in Gibraltar zum Sabbatessen setzte und unser sehr intelligenter, freundlicher jüdischer Gastgeber leidenschaftlich die Idee verteidigte, dass der islamische Terror verschwinden würde, sobald die Palästinenser gute Jobs und hübsche Häuser hätten. Menschen im Westen, die zum größten Teil selbst vor langer Zeit jegliche religiösen Gefühle verloren, können einfach nicht verstehen, worum es beim islamischen Terror geht. Die Tatsache, dass Menschen dich hassen und dich und deine Kinder – selbst die sehr kleinen, die in Windeln und winzigen Babyschuhen – tot sehen wollen, einfach weil du es ablehnst, dass Allah der eine, wahre Gott und Mohammed sein Prophet ist..

Wegen dieses vorsätzlichen Unverständnisses hat es für westliche Gemüter lange gedauert – wenn überhaupt je geschieht, egal, was ihnen im Namen des Islam angetan wird – dass sie sich selbst die Hände gebunden haben, was es ihnen unmöglich macht die einfaschen Schritte zu tun, die notwendig wären, um ihre Lieben, ihre gesamte Zivilisation vor der Vernichtung zu schützen.

  1. Jeden auftreiben, der islamisch-fundamentalistischer Neigungen verdächtig ist: die Prediger, die Online-Anhänger, die islamische Terror-Lehrenden und ihre Schüler. Steckt sie weg, bis sie umerzogen werden können, wie die Nazis entnazifiziert wurden und der Nationalsozialismus aus der Welt verschwand, außer bei leicht erkennbaren Inseln an Extremisten, die unter Beobachtung stehen und damit leicht gezügelt werden können.
  2. Schließt alle Anbieter sozialer Medien, die jihadistische Inhalte hosten. Basta.
  3. Lehnt Handel mit Ländern ab, die islamischen Extremismus tolerieren. Macht ihren Tourismus dicht. Schließt ihre Bankkonten. Macht diejenigen, die gegen diesen Boykott verstoßen, haftbar und verhängt schwere Geld- und Haftstrafen gegen sie.
  4. Mach den religiös begründeten Mord an jedem Bürger eines jeden Landes zu einem Kriegsakt mit allem, was das zur Folge hat, damit diejenigen, die ihn billigen und feiern, Kriegsverbrecher sind.
  5. Deportiert die jeden, der beim Begehen, Bejubeln, Feiern oder Billigen islamischer Terroranschläge wo auch immer auf der Welt erwischt wird, in die islamischen Heimatländer. Zerstört ihre Häuser, macht ihre Geschäfte, Gotteshäuser und Bildungsinstitutionen dem Erdboden gleich.

Natürlich stehen die Chancen, dass irgendetwas davon zu meinen Lebzeiten geschieht, praktisch gleich null. Die fortgesetzte Duldung der westlichen Welt gegenüber diesen Gräueln, diese Blasphemien im Namen irgendwelcher falschen Ouvertüren zu Koexistenz und Frieden werden so sichergestellt wie sie starrsinnig und destruktiv. Und so verzweifelt man wegen alle, das die Welt vor mehr Gräueltaten dieser bewahren kann, außer der direkten Intervention des echten Gottes, nicht der niederträchtigen Erfindung, der Jihadisten zu dienen und die sie anzubeten behaupten.

Wir sind die Glücklichen. Vor fast zwanzig Jahren, angetrieben von einem unerklärlichen Gefühl der Dringlichkeit, trieb ich meine Familie die Treppe hinauf in einen für uns und den Hoteleigentümer reservierten, separaten Speisesaal, weil wir beide unser eigenes Seder haben wollten, statt an dme gemeinsamen unten teilzunehmen. Selbst meine angeheiratete Verwandtschaft, die immer noch in den Toiletten unten war, schaffte es wie durch ein Wunder den Folgen der Explosion zu entgehen.

Trotzdem: Obwohl wir physisch unbeschadet waren, verändert so etwas zu erleben dich nicht nur für immer, sondern verändert die Welt, in der du lebst, die Religion, die du praktizierst, die Feiertage, die du einhältst, wirft einen Schatten der Trauer auf jedes Gebet. Für Jihadisten ist uns und unsere Kinder zu töten, die Sahnehaube auf dem Kuchen. Ihr wahres Ziel ist es unseren Glauben zu vernichten, unsere Rituale und unsere Art Gott zu dienen. Wir dürfen sie keinen Erfolg haben lassen.

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Blaukäppchen – ein Soldat erzählt von den Kindern am Gazastreifen

Yahya Mahamid, Lay of the Land, 20. April 2019

Er dient an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen: Yahya Mahamid, ein arabisch-muslimischer Soldat, schreibt seine Beobachtungen auf, wie es ist, auf die Randalierer zu starren, die die Hamas ermutigt hat die Grenze zu durchbrechen. Diese Krawalle finden seit März 2018 statt.

Ich sitze mit dem Rücken zur Metall-Barriere, nehme mir eine Sekunde Zeit um meinen Helm zu richten, als ich plötzlich einen lauten Knall gegen die Barriere höre.

Es hat begonnen. Die wöchentlichen Freitags-Krawalle an der Gaza-Grenze.

Ich richte meine Kevlarweste, atme tief ein und stehe auf, um einen Blick auf die andere Seite zu werfen – während ich die ganze Zeit versuche so viel von meinem Körper wie möglich in Deckung zu halten.

Ich bin geschockt von dem, was ich sehe: Mütter, die Hand in Hand mit ihren Kindern unterwegs sind. Ja, das sind Kinder, nicht älter als 10 bis 13 Jahre, die zu den wöchentlichen Protesten kommen, als wäre das eine normale Freitagsaktivität.

Grauen im Gazastreifen: Welche Eltern ermutigen ihre eigenen Kinder sich in Gefahr zu begeben?

Unsere Befehle sind klar. Respekt für Menschenleben und die Reinheit unserer Waffen. Das ist nicht neu – immerhin ist das der IDF-Ethikkodex, den wir befolgen und so haben wir immer agiert.

Ich nehme mein Scharfschützen-Zielfernrohr und beginne die Menge nach irgendetwas abzusuchen, das verdächtig nach Bomben und Schusswaffen aussieht. Als ich durch mein Fernrohr sehe, beginne ich den vertrauten Geruch von verbrannten Reifen wahrzunehmen. Ich weiß, dass bald Tränengas folgen wird, also setze ich meine Gasmaske auf und betrachte den Wahnsinn, der sich vor meinen Augen versammelt.

Die Erwachsenen, ich nehme an die Mütter und Väter, sitzen auf dem grasgrünen Hügel und genießen kalte Getränke und Imbisse, während ihre Kinder in Richtung Sicherheitszaun rennen, Steine und alles Mögliche, das sie in die Hände bekommen können, auf uns Soldaten werfen.

Ein Felsbrocken trifft die Barriere.

Ich gehe in Deckung, nachdem ein weiterer Felsbrocken die Barriere trifft. Ich hätte schwören können, dass diese Felsbrocken fast so schnell fliegen wie meine Kugel. Ich reichte meine Schutzbrille und werfe einen kurzen Blick hinüber; wir können es uns nicht leisten, dass die Sicherheitsbarriere beschädigt wird. Das könnte katastrophale Folgen haben.

Die Gewalt eskaliert.

Ich stehe wieder auf, um einen Blick auf die Menge zu werfen, die ein Hasstumor auf Steroiden anwächst und plötzlich höre ich eine Explosion. Ich sehen wieder durch mein Zielfernrohr, während ich durch die schwarze und graue Masse sehe.

Ich sehe ihn.

Er sitzt, gekleidet mit einem blauen Kapuzenpullover, sieht direkt zu mir. Ich betrachte ihn durch mein Zielfernrohr, um einen genaueren Blick zu haben und er sitzt einfach da, sieht mich direkt an, als starre er in meine Seele. Er ist nicht älter als zehn Jahre.

Freitags-Wahnsinn: Typischer Freitag mit Jugendlichen, die von der Hamas dazu gedrängt werden so nahe wie möglich an den Grenzzaun zu gelangen.

Ich werde seinen Gesichtsausruck nie vergessen, als hätte er eine Million Fragen im Kopf, so wie er nicht auf das Geschrei, Tränengas, verbrannte Reifen und die elektrisierte, von Hass erfüllte Atmosphäre reagiert.

Er sitzt einfach da, schaut mich an, als wolle er mich fragen: „Wann wird dieser Wahnsinn aufhören?“

Ich sehe ihn an, winke und gebe ihm ein OK-Zeichen, in der Hoffnung meinen ersten Freund im Gazastreifen zu finden.

Vielleicht kann aus diesem Hässlichen etwas Positives entstehen.

Er steht auf und schenkt mir ein unschuldiges Lächeln und winkt. Ich lächle zurück. Eine weitere Bombe folgt sofort danach – diesmal über uns und wir bekommen die Anweisung uns in Deckung zu begeben.

Ich sehe ihn nicht wieder, aber ich hoffe, die Lage wird sich für uns beide eines Tages bessern.

Ich nennen ihn Blaukäppchen.

Über den Autor: Yahya Mahamid ist ein ehemaliger Lehrender für Stand With Us. Dieser nach eigenen Angaben „muslimisch-arabische Zionist“ dient derzeit in der IDF.

„Zweistaatenlösung“ und „Frieden“ – Deutschlands Tabus

Ulrich Sahm (direkt vom Autor)

„Friede sei mit Euch“ sagt jeder Priester und jede Pastorin im Gottesdienst. Niemand würde diesem frommen Wunsch widersprechen. Deshalb gilt es auch als Selbstverständlichkeit, wenn Regierungschefs diesen Spruch in ihr Programm übernehmen. Das gilt besonders für die deutsche Regierung. Denn Deutschland hat zweimal einen verheerenden Weltkrieg ausgelöst, was Millionen Menschen das Leben gekostet und zu flächendeckender Zerstörung geführt hat. In Folge dessen ist man bemüht, möglichst viel Frieden in die Welt zu bringen.

Deutschlands alternativlose Einseitigkeit

Wenn nun Deutschland mit erhobenem Zeigefinger ausgerechnet den Israelis ins Gewissen redet, die Zweistaatenlösung ohne Wenn und Aber zu akzeptieren, weil das die „alternativlose Lösung“ für den Nahostkonflikt sei, wirft das einige peinliche Fragen auf.

So hatte Kanzlerin Angela Merkel den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu ermahnt, als sie ihm mit einer Woche Verspätung telefonisch zu seinem Wahlsieg gratulierte. Als Frau Merkel kurz darauf dem frisch ernannten Regierungschef Muhammad Schtaye der Palästinenser ebenfalls gratulierte, gab es keine mahnenden Worte, wie etwa zur Kluft zwischen der PLO in Ramallah und der Hamas-Organisation, den hungernden Menschen in Gaza zu helfen, das von Präsident Mahmoud Abbas aufgelöste Parlament wieder einzusetzen oder die seit 2006 zum letzten Mal erfolgten Wahlen abzuhalten, um der Regierung in Ramallah demokratische Legitimation zu geben. Wenn Deutschland sich so eifrig um Frieden in Nahost bemüht und speziell Israel ermahnt, ohne die Kriege in Syrien, Libyen oder im Jemen zu erwähnen, und ohne zu sehen, dass kein anderes Land in der Welt von allen Seiten mit der Auslöschung seiner puren Existenz bedroht wird, fragt sich, wie es eigentlich um Deutschland steht.

Wie legitimiert sich Deutschlands Wille zum Frieden in Nahost?

 Der letzte Friedensvertrag in Europa wurde in Versailles nach dem ersten Weltkrieg unterzeichnet, und führte direkt zum noch schlimmeren Zweiten Weltkrieg. Adolf Hitler und seine Nationalsozialisten empfanden die Vorgaben jenes Friedensvertrages als Schmach für Deutschland.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bis heute kein Friedensvertrag abgeschlossen. Zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern wie Frankreich, Dänemark und Polen, sowie den sogenannten Siegermächten wie den USA, Russland und Großbritannien, gibt es nur Waffenstillstandsabkommen, nachdem die Deutschen im April 1945 bedingungslos kapitulierten.

Bringt der „Friede“ wirklich Frieden?

 Seitdem hat es in Deutschland und Europa großartige Entwicklungen gegeben, die allesamt wie „Frieden“ aussehen: Wirtschaftsabkommen, das deutsche Wirtschaftswunder, die EU mit gemeinschaftlicher Währung, offenen Grenzen, diplomatischen, kulturellen Beziehungen und mehr.

Angesichts dieses traumhaften nie dagewesenen Zustands in Europa nach Jahrhunderten von Krieg und blindem Hass sollte niemand an diesen friedlichen Zuständen rütteln.

Es mag deshalb wie eine Wortklauberei klingen, wenn wir behaupten, dass dies dennoch kein Frieden ist. Denn nach einem Krieg muss es einen unterzeichneten Friedensvertrag geben, um von „Frieden“ reden zu können. Das ist bis heute nicht geschehen. Und das ist auch gut so. Denn zu einem Friedensvertrag gehören auch Entschädigungen für Kriegsschäden. Sollte Deutschland dazu gezwungen werden, würde das wunderbare Gebilde des friedlichen Europas wirtschaftlich zusammenbrechen.

Der Mangel an „Frieden“ wird gleichwohl immer wieder aufgebracht. Vorreiter ist Griechenland, das bis heute unter den deutschen Zerstörungen zu leiden hat oder zum Beispiel Polen, das sich ebenfalls noch nicht von den Schlägen der Reichswehr erholt hat.

Trotz Abkommen und Beschlüssen der Alliierten wurden die territorialen Änderungen nie im Rahmen von Verhandlungen und Verträgen zwischen den bestehenden Staaten geregelt. Die Übernahme von Schlesien, Danzig und Königsberg war eine einseitige Strafaktion der Alliierten gegen Deutschland. Die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Ostgrenze Deutschlands war eine einseitige Erklärung Bonns und nicht das Ergebnis eines „Friedensvertrags“ zwischen der Bundesrepublik und Polen.

Warum sollte Israel leisten, was Deutschland verweigert?

Wenn also ausgerechnet Deutschland allein von Israel Zustimmung zu einer Zweistaatenlösung fordert, weil sonst kein Friedensvertrag zustande kommen könne, muss man sich fragen, wieso Deutschland glaubt, selbst ohne Friedensvertrag gut existieren zu können. Das ist nicht nur eine Formalität, zumal in Deutschland viele Menschen leben, die als Vertriebene den Verlust ihrer alten Heimat im Osten bis heute beklagen, auch wenn sie sich nicht anbiedern, als Selbstmordattentäter auf polnischen Marktplätzen ihr Heil zu suchen.

Für Deutschland sind „Frieden“ und „Zweistaaten-Lösung“ tabu

 Interessant ist auch die Geschichte der Zauberformel „Zweitstaatenlösung“. Von der wollen laut Umfragen weder die Palästinenser noch die Israelis hören. Zudem enthält sie einige Schönheitsfehler: Solange die Spaltung der Palästinenser in Gaza unter der Hamas und das Westjordanland unter der PLO als unüberwindbar gilt, wer könnte im Namen der Palästinenser einen Vertrag unterzeichnen? Keiner der heutigen Politiker ist mehr legitimiert, im Namen aller Palästinenser zu reden, mangels Parlament und Wahlen,.

Die Idee einer Zwei-Staaten-Lösung wurde in den 1970er Jahren von Nordvietnam konzipiert und den Deutschen vorgetragen. Bonn hatte diese Idee damals unter Willy Brandt brüsk zurückgewiesen. Eine Anerkennung der DDR und damit eine Sanktionierung der Spaltung Deutschlands kam allein wegen der damals geltenden Hallstein-Doktrin nicht in Frage. Hätte Bonn die DDR anerkannt, wäre es wohl nicht zur „Wiedervereinigung“ gekommen. Kanzlerin Angela Merkel sollte sich dieser Tatsachen bewusst werden, ehe sie wieder mal anderen Ländern Vorhaltungen macht, einen Weg zu gehen, der für Deutschland selbst nicht akzeptabel ist.

Auf den Punkt gebracht hat es der Karikaturist Harm Bengen (ERL 18):

 

Israels Wahl hat die Hoffnung auf Frieden nicht gekillt. Sie war bereits tot.

Jüdische und palästinensische Haltungen sind eingegraben und kein Parteivertreter bot Ideen das zu ändern.

Daniel Gordis, Bloomberg, 17. April 2019

1996, als Benjamin Netanyahu gegen Shimon Peres als Premierminister antrat, lautete sein Wahlkampf-Slogan: „Es gibt keinen Frieden, es gibt keine Sicherheit, es gibt keinen Grund für Peres zu stimmen.“ Die Folge war, wie Netanyahu in folgenden Wahlkämpfen bekräftigen sollte, dass nur er „Frieden mit Sicherheit“ bringen könne. Bei seiner Siegesrede in dem Jahr versprach er „Frieden für alle“, „Sicherheit für alle“ und „Wohlstand für alle“. Dann sagte er:

Heute Abend reiche ich meine Hand allen arabischen Führern und allen unseren Nachbarn, unseren palästinensischen Nachbarn die Hand entgegen. Ich rufe euch auf euch uns auf der Straße zu echtem Frieden mit Sicherheit anzuschließen. Lasst uns auf einen Weg der Sicherheit für alle gehen, für alle Staaten der Region. Die Regierung, die wir bilden werden … wird weiter mit den Palästinensern verhandeln und wir werden auch versuchen die Verhandlungen mit anderen arabischen Staaten voranbringen.

Heute, fast ein Vierteljahrhundert später, während Netanyahu im Begriff ist Israels Gründungsvater David Ben Gurion als am längsten dienender Regierungschef zu überholen, fallen zwei Elemente seiner Rede von 1996 auf. Erstens hat er die meisten dieser Versprechen erfüllt. Die Israelis fühlen sich sicher. Die israelische Wirtschaft brummt bewundernswert und der Lebensstandard ist drastisch gestiegen. Die Beziehungen zu anderen arabischen Staaten, einschließlich Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, sind eng, bei einigen öffentlicher als andere.

Der zweite Punkt ist jedoch, dass Netanyahu es nicht geschafft hat Frieden mit den Palästinensern zu bringen. In dem Vierteljahrhundert seitdem Netanyahu erstmals gewählt wurde, hat sich diese Beziehung nicht bewegt. Dennoch – und das ist der Punkt, den viele Beobachter in den USA missverstehen, wenn sie wegen der Wahlergebnisse von letzter Woche mit den Händen ringen – machen sehr wenige Israels für diese Fehlschlag Netanyahu verantwortlich.

Bei den Wahlen diesen Jahres hatte keine einzige Parte – nicht Blau und Weiß, die aus dem Nichts auftauchte, um Netanyahu einen harten Wettlauf lieferte; nicht Ben-Gurions Arbeitspartei, die in ihrem schlechtesten Abschneiden aller Zeiten magere sechs Sitze gestutzt wurde; und nicht einmal Meretz, Israels jüdische Partei, die am meisten links steht – in ihrem Wahlkampf den Frieden als Slogan oder Versprechen. In Israels Wahlen von 2019 stand Frieden schlicht nicht auf der Tagesordnung.

Viele Israelis hoffen immer noch auf Frieden und viele (wenn auch eine stetig abnehmende Zahl) bevorzugen immer noch eine Zweistaatenlösung. Aber wenige können sich vorstellen, dass es in den kommenden Jahren eine Chance für eins von beidem gibt. US-Präsident Donald Trump hat den „Deal des Jahrhunderts“ lange versprochen, aber die Israelis haben dazu weitgehend zwei Meinungen: Viele glauben, er wird nie das Tageslicht erblicken; die meisten des Restes glauben, weil die Palästinenser das Programm bereits als „Totgeburt“ bezeichnet haben, spielt es keine Rolle, was die Israelis davon halten.

Es gibt weder heute noch in der absehbaren Zukunft einen „Deal“, in erster Linie weil die Palästinenser immer noch keinen Frieden mit der Vorstellung geschlossen haben, dass ein jüdischer Staat auf Dauer bestehen wird. Als die Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, letztes Jahr ihren Marsch der Rückkehr“ begann, versprach sie, dass der Marsch der Anfang der „Befreiung ganz Palästinas, vom Mittelmeer bis zum Jordan“ sein würde. Mit anderen Worten: Der Marsch war einfach das jüngste Kapitel im Drang den jüdischen Staat zu vernichten. Es gibt noch tausende Holocaust-Überlebende in Israel und die Israelis hören regelmäßig: „Wenn ein Feind des jüdischen Volks dir sagt, dass er dich töten will, dann glaube ihm.“ Die Israelis nehmen die Hamas ernst.

Gleichermaßen nahmen die Israelis auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ernst, als der US-Präsident Donald Trump warnte, jeder Friedensplan, der keinen Palästinenserstaat entlang der Grenzen von 1967 gründet, sei inakzeptabel. Diese Grenzen, wissen sie, sind im Grunde nicht zu verteidigen; was Abbas damit anstrebt, ist kein Staat, glauben sie, sondern die schrittweise Vernichtung Israels.

Die Israelis könnten mit ihrer Ansicht zu Abbas falsch liegen, aber diese überwiegt. Verbinden Sie das mit der Tatsache, dass die heute jungen Israelis, wie die jungen Palästinenser von heute, lange nach der Ermordung von Yitzhak Rabin 1995 und nachdem die Oslo-Vereinbarungen in einer Wellte palästinensischen Terrors in die Luft flogen, erwachsen wurden, dann wird es plötzlich weniger mysteriös, dass israelische Millenials rechter sind als ihre Eltern.

Für amerikanische Ohren, besonders für amerikanisch-jüdische Ohren, klingt Netanyahus Wiederwahl wie die Totenglocke für den Frieden; für israelische Ohren ist der Frieden lange schon tot gewesen.

Was die Israelis entscheiden mussten, war, ob sie die Sicherheit und den Wohlstand haben wollten, die Netanyahu auf Kosten von Korruptionsanklagen und Trumpartigen Angriffen auf demokratische Institutionen geliefert hat oder ob sie einen Mister Proper bevorzugen, der die Korruption beenden würde, aber dessen Befähigung die Sicherheit und den Wohlstand völlig unerprobt ist. Sie stimmten für das „Übel, das sie schon kennen“.

Was immer die Wahl in Israel bedeutet, die Israelis stimmten nicht gegen den Frieden: Keine Partei hatte sich auf ihn festgelegt. Das spiegelt auch keine Schwächung der israelischen Demokratie. Benny Gantz, den man als Politiker vor ein paar Monaten noch gar nicht kannte, kam einem Sieg über Netanyahu sehr nahe. Und niemand macht sich Sorgen darüber, ob Netanyahu im Fall einer Niederlage zurücktreten würde.

Wenn der Wahlkampf diesen Jahres Sorgen macht, dann wegen eines anderen Themas, das – wie Frieden – unerwähnt blieb. 1996 lautete ein weiterer Slogan von Netanyahu, dass er „gut für die Juden“ sei. In einem Zeitalter, in dem territoriale Zugeständnisse wahrscheinlich erschienen, bedeutete diese Redewendung eines. Heute, wo Netanyahus Rhetorik gegen israelische Araber unbestreitbar ist, beschwört es ganz andere Befürchtungen. Was Israel braucht, ist ein Gespräch darüber, was das Jüdisch sein des jüdischen Staates bedeutet und wie sie zum Ausdruck gebracht wird.

Leider waren die einzigen Parteien, die mit einer klaren jüdischen Vision für den jüdischen Staat antraten, die von der extremen, unbestreitbar rassistischen Rechten. Für sie sollte ein jüdischer Staat keine Araber haben. Ein jüdischer Staat sollte keine territoriale Kompromisse eingehen. Souveräne Juden sollten aufhören sich darum zu kümmern, was der Rest der Welt von ihnen oder ihrer Politik denkt. Juden sollten das Land annektieren, das Gott ihnen verhieß.

Den meisten Israelis sind solche Einstellungen verhasst. Doch die Mehrheit der Parteien Israels sagte nichts von Bedeutung darüber, wie Israel seine jüdischen Verpflichtungen bekundet. Nur wenige in Israel glauben, dass eine jüdische dmeografische Mehrheit ein ausreichender Maßstab für Jüdisch sein ist, aber wie das Maß des Jüdisch seins  Israels aussehen sollte wird selten aufgebracht.

In den Tagen vor der Wahl nahm ich an einem kleinen Wohnzimmer-Treffen mit Mosche (Bogie) Ya’alon teil, einem der Leiter von Blau und Weiß. Gefragt, was Jüdisch sein für Israel bedeuten sollte, antwortete Ya’alon – nicht nur en General und ehemaliger Generalstabschef, sondern auch Atuor, hoch angesehen für seinen Intellekt und den Umfang seines Wissens – dass Israel „gerecht und normal“ sein sollte. Keine westliche Führungskraft eines überwiegend christlichen Landes würde etwas anderes gesagt haben. Die meisten der im Raum Befindlichen waren gekommen, weil sie tendierten dazu für Blau und Weiß zu stimmen und wollten mehr wissen; ich habe den Verdacht, dass die meisten dann auch für die Partei stimmten. Aber es ist nicht zu bestreiten, dass viele Linke den Abend enttäuscht angesichts der Schalheit der Vision der Partei für ihren Staat verließen.

Dass Frieden nirgendwo in Aussicht steht, ist natürlich tragisch, aber es ist sowohl eine Gefahr als auch eine Chance. Es ist eine Gefahr, denn weil die Palästinenser voraussichtlich bis in die absehbare Zukunft Israels Feinde bleiben werden, ist die Möglichkeit für tiefer gehende antiarabische Gefühle in Israels Jugend zu verwurzeln noch größer.

Der Tod des Friedens ist aber auch eine Chance. Weil die Israelis jetzt keine territoriale oder Sicherheits-Zugeständnisse haben, über die sie streiten müssen, könnten sie ihre Aufmerksamkeit endlich der Diskussion über die Demografie hinaus zuwenden, wie ihr Land sinnstiftend jüdisch sein kann. Was das vielleicht Tragischste an Israels Wahl war, dass weder der Sieger noch einer seiner Herausforderer daran interessiert zu sein scheint dieses Gespräch in Gang zu bringen.