Wenn deutschsprachige Medien zur Jagd blasen

Daniel Pipes ist einer der angesehensten Historiker der USA. Er sagte quasi den 9/11 voraus, beschäftigt sich mit dem Islam, islamischem Terrorismus und Zusammenhängen mit Muslimen im Westen (wie sie sich gerieren, wie man sie agieren lässt und sich ihrem Diktat beugt).

Er hat ein Credo: Der militante/exstremistische Islam ist das Problem, der moderate Islam ist die Lösung.

Das hindert seine Gegner nicht darin ihn zu verleumden und den Versuch zu unternehmen ihn niederzumachen. So veröffentlichte DIE WELT lange Zeit Übersetzungen seiner Kolumnen – bis irgendjemand das nicht mehr wollte und er ohne weitere Ankündigung die Nachricht bekam, seine „unappetitlichen“ Texte seien nicht mehr erwünscht. Trotz seiner grundsätzlich positiven Sicht des Islam und der (verhementen) Verurteilung lediglich des extremistischen Islam wird er ihm unterstellt ein Islamhasser zu sein.

Jetzt wird er neuerdings als Neonazi und Hitlerverehrer hingestellt. Weil alles, was nicht ins gewollte Bild passt, in diese Ecke gepresst wird. Weil nicht mehr nachgesehen wird, was Fakten sind, sondern auf Trigger-Worte hin agiert/reagiert wird – scheiß auf die Fakten. Und die Qualitätsjournaille nichts mehr selbst recherchiert, sondern überall von anderen abschreibt, ohne die Inhalte zu hinterfragen (vorausgesetzt, sie stimmen mit dem gewollten Narrativ/der gewollten Wertung überein) und sich freiwillig gleichgeschaltet hat. Wieso das mit ihm gemacht wird, beschreibt er in seiner aktuellen Kolumne:

Erbost durch deutsche und österreichische Medien

Daniel Pipes, Washington Times, 19. September 2018

Europas Mainstream-Medien haben zu dem, was sie als „extreme Rechte“ und „Neonazis“ nennen einen Zustand verzerrter Raserei erreicht. Ich weiß das. Ich habe das gerade am eigenen Leib erfahren. Erlauben Sie mir bitte, davon zu erzählen.

Stilisierte Landkarte der geplanten Rebel Media-Reise.

Ezra Levant aus Kanada ist ein brillanter Konservativer und ein eloquenter Kritiker der Linken. Er ist unermüdlich und erfolgreich; Rebel Media, das er im Februar 2015 gründete, hat mehr als eine Million Abonnenten auf YouTube. Neben seinen vielen Themen, wie z.B. „ethischem Öl„, sorgt sich Levant wegen der Bedrohung durch den Islamismus.

Unsere gemeinsamen Ansichten bedeuten, dass wir oft kooperieren; und so lud er mich vor kurzem ein mich einer Kreuzfahrt von Rebel Media auf der Donau im Jahr 2019 anzuschließen, was ich annahm. Dabei wird auf ihren Tagesabschnitten in etwa jeweils die gleiche Distanz zurückgelegt, angefangen mit zwei Städten in Deutschland (Regensburg und Passau), dann vier in Österreich (Linz, Melk, Dürnstein, Wien), eine in der Slowakei (Bratislawa) und eine in Ungarn (Budapest).

Natürlich hat diese Fahrt auch ein politisches Element. Zu den Hauptdarstellern gehören die britische Journalistin Katie Hopkins und der Aktivist Tommy Robinson; und, so erklärt der Prospekt: „Wir werden uns auch mit politischen Führungskräften der demokratischen politischen Gruppen treffen, die am Erhalt westlicher Zivilisation und Werte arbeiten“ – der Partei Alternative für Deutschland, der Regierung von Sebastian Kurz in Österreich und der von Viktor Orbán in Ungarn.

Die Werbung für die Reise von Rebel Media.

Wer könnte etwas gegen diese unschuldige Mischung als Fröhlichkeit und Bildung haben?

So mancher. Der Angriff begann am 7. September, als die Zeitung Oberösterreichische Nachrichtenin Linz ihre Leser aufgeregt informierte: „Rechtsextreme Kreuzfahrt auf der Donau legt im Juni 2019 in Linz an“; dann sammelte sie Äußerungen des Landeshauptmanns, der Bürgermeisters und anderer Politiker, die uns einhellig erzählten, dass wir nicht willkommen sind; einer von ihnen forderte, dass die Reise unterbunden wird.

Es kam noch schlimmer. Große Medien in Österreich und Deutschland schmückten die Story im Herdentrieb aus, entstellten sie mit fast identischen Worten. Hier sehen Sie einige Schlagzeilen aus Deutschland, die auf den Besuch von Linz verweisen (das ist u.a. die Stadt, in der Simon Wiesenthal anfing Beweise für Nazigräuel zu sammeln):

· Die Welt: Rechtsextreme planen Kreuzfahrt mit Stopp in Hitlers „Heimatstadt“

· Berliner Kurier: „Rebel Cruise“ Rechtsextreme planen Kreuzfahrt mit Stopp in Hitlers „Heimatstadt“

· MSN (Deutschland): Rechtsextreme planen Kreuzfahrt mit Stopp in Hitlers „Heimatstadt“

Schlagzeile von „Die Welt“ vom 10. September 2018.

Damit machen österreichische und deutsche Medien aus einer kanadischen Organisation, die etwas zu Immigrations- und Islamisierungsproblemen in vier Ländern lernen möchte, eine heimliche Ehrerweisung für Hitler durch Neonazis.

Ich muss dieses Thema nun in persönlicherer Weise behandeln, in Begriffen, die ich normalerweise nicht aufwerfe:

Ein großer Teil meiner Familie wurde von den Nazis ermordet. Meine Eltern sind Holocaust-Überlebende. Ich wurde vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geboren. Als ich aufwuchs, warf die Tatsache, dass das fürchterlichste Verbrechen der Welt an meiner eigenen Familie verübt wurde, einen untilgbaren Schatten.

Unter der Erkenntnis, dass eine Katastrophe droht, wenn die Politik Fehler macht, studierte ich von früh an politische Philosophie. Ich kam zu dem Schluss, dass der amerikanische Mainstream-Konservatismus den sichersten Weg zu Freiheit, Wohlstand und Sicherheit bietet. In meinen Studentenjahren (1967 – 1971) studierte ich mit Harvey Mansfield und Robert Nozick. Ich las die National Review und Friedrich Hayeks Verfassung der Freiheit und ich bekämpfte die Totalitären der Neuen Linken.

Meine Karriere ist der politischen Besonnenheit und Mäßigung gewidmet. Ich schreibe darüber und spende dafür. Mit diesem Ziel diente ich den Regierungen von fünf US-Präsidenten und gründete das Middle East Forum. Ich lerne und lehre weiterhin zu diesem Thema.

Und jetzt erdreisten sich die Nachkommen der Nazis, die in genau den beiden Ländern leben, in denen der Holocaust entstand, anzudeuten, dass ich ein Neonazi sei, der Hitler die Ehre erweist. Ihre Impertinenz wird nur von meinem Ekel übertroffen.

Auf einer praktischeren Ebne bestätigt diese Verdrehung meine Skepsis gegenüber den europäischen Medien: Wie kann ich ihnen nach dieser Sache überhaupt noch etwas glauben?

Nehmen Sie den Fall Chemnitz, einer Stadt im früheren Ostdeutschland, wo zwei nahöstliche Migranten gerade einen Mann aus der Gegend töteten, was zu tagelangen Protesten und Wut führte. Die Medien und Politiker verorteten sofort angebliche Neonazis auf den Straßen der Stadt (Times of London: „Neo-Nazis rampage unchecked in Chemnitz“ – Neonazis randalieren ungehindert in Chemnitz) und machten verschlagen aus den Nahost-Migranten Opfer. Eine Überprüfung der Fakten erfordert, dass man sich einer alternativen Quelle wie Rebel Media oder Gatestone Institutezuwendet; es überrascht nicht, dass sich die Version der Mainstream-Medien als wüst ungenau erweist.

Menschenmengen protestieren gegen einen Mord in Chemnitz, marschieren unterhalb der massiven Büste von Karl Marx.

Die europäische Elite, die ich die 6 P nenne (Polizei, Politiker, Presse, Priester, Professoren und Staatsanwälte [„prosecutors“]) verdrehen schamlos die Fakten, um aus denjenigen, die ihr Erbe schützen, Kriminelle zu machen. Ich weiß das, denn auch ich bin jetzt ein Opfer davon.

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Deutscher Beamter rügt große linke Zeitung wegen naziartiger Karikatur

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Nachdem in der Süddeutsche Zeitung (SZ) einmal mehr eine antisemitische Karikatur veröffentlicht wurde, behandelten die meisten Medien die darauf folgende Entwicklung fälschlich als isolierten Fall. Diese „progressive“ linke Zeitung ist eine der meistgelesenen Zeitungen Deutschlands. Die SZ wird zusammen mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung und Die Welt als eine der drei landesweiten Qualitätszeitungen betrachtet.

Am 15. Mai veröffentlichte die SZ eine Karikatur des 85-jährigen Dieter Hanitzsch. Dieser stellte den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu als die israelische Eurovisionssiegerin Netta Barzilay dar; er feiert den Sieg mit einer Rakete in der Hand, auf der sich ein Davidstern befindet. Hanitzsch zeichnete den israelischen Führungspolitiker mit übergroßer Nase, Ohren und Lippen, klassische antisemitische Stereotype.

Es gab viele negative Reaktionen. Ein paar Tage später schrieb Ernst Krach, Chefredakteur der SZ, dass die Karikatur zu Diskussionen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Zeitung geführt habe. Er erklärte, der Karikaturist behauptet, er habe nur Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken wollen, dass der Eurovisionswettbewerb 2019 in Jerusalem stattfinden wird. Krach fügte hinzu, dass man die Zeichnung jedoch auch anders verstehen und als antisemitisch ansehen könne. Die SZ entschuldigte sich; sie sagte, es sei ein Fehler gewesen sie zu veröffentlichen.[1][2] Nach einer solchen Erklärung wäre die Auseinandersetzung normalerweise beendet gewesen.

Doch auch der gerade ernannte deutsche Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein reagierte. Er erklärte, dass die „von der Karikatur Verbindungen mit den nicht zu tolerierenden Zeichnungen der nationalsozialistischen Propaganda schuf. Selbst wenn Karikaturen satirisch und provokativ sind, hat dies eine rote Linie überschritten.“[3] Inzwischen hat der deutsche Presserat eine Ermittlung zur Karikatur in Gang gesetzt.[4]

Kleins Äußerung bedeutete, dass ein Regierungsvertreter die Mainstream-Zeitung SZ der Veröffentlichung von naziartigem Material beschuldigt. Die Zeitung trennte sich dann von Hanitzsch, der seit Jahrzehnten für sie arbeitete.[5] Der Karikaturist hatte in der Vergangenheit das Bundesverdienstkreuz erhalten.[6] Hanitzsch reagierte mit einer langatmigen Erklärung, weshalb seine Karikatur nicht antisemitisch sei. Er erwähnte auch, dass er Reaktionen erhielt, die besagten, dass seine Karikatur durchaus in die extremen Publikationen des Nazis Julius Streicher passten,[7] der bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt und gehenkt wurde.[8] Es bleibt Psychologen vorbehalten zu bewerten, wie sehr der Karikaturist von den Gedanken der Nazizeit beeinflusst wurde, die er im Schüleralter erlebte.

Die Bilanz des Schürens von antiisraelischem Hass durch die SZ ist weit wichtiger als dieser Einzelfall. Fakt ist, dass die Hetze der Zeitung eine lange Geschichte hat.[9] 2013 veröffentlichte die SZ eine Karikatur von Ernst Kahl mit einem Monster mit zwei Hörnern, das gerade essen wollte.[10] Die begleitende Bildbeschreibung lautete: „Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt.“

2014 erschien noch eine weitere antisemitische Karikatur in der SZ.[11] Burkhard Mohr zeichnete den jüdischen Facebook-Unternehmer Mark Zuckerberg als Kraken, der seine Tentakel ausstreckt, um die sozialen Medien zu kontrollieren. Der Karikaturist stellte Zuckerberg mit langer Nase und dicken Lippen dar, einmal mehr typische antisemitische Stereotype. Das Simon Wiesenthal Center reagierte mit der Erklärung, dass die Karikatur beweise, dass der Künstler antisemitisch ist.[12] Der Karikaturist bestritt, dass seine Zeichnung antisemitisch war und entschuldigte sich.

Der belgische Forscher Joel Kotek, führender Experte zu antisemitischen Karikaturen, hat beobachtet, dass arabische Karikaturisten Juden oft als bösartige Kreaturen wie Spinnen, Vampire oder Kraken darstellen. Er fügte hinzu, dass arabische Hassmotive manchmal in die westliche Gesellschaft sickern.[13]

All dies verblasst allerdings vor einem extrem abscheulichen, antiisraelischen Hassgedicht, das die SZ 2012 veröffentlichte. In diesem Gedicht behauptete der deutsche Literaturnobelpreisträger Günter Grass, dass Israel es darauf anlegt mit Atombomben Völkermord am iranischen Volk zu begehen. Der linke Dichter, der als junger Mann Mitglied der Waffen-SS war,[14] muss – genauso wie die SZ-Redakteure – gewusst haben, dass die Führer des Iran Israel mit Völkermord gedroht haben. Dennoch suggeriert er das Umgekehrte.

Das Gedicht wurde zum Symbol einer großen europäischen, progressiv antiisraelischen Perversität. Weitere fünf europäische linke Mainstream-Zeitungen veröffentlichten ebenfalls: die italienische La Repubblica,[15], der britische Guardian,[16], die spanische El-Pais,[17] die dänische Politiken[18] und die norwegischen Aftenposten.[19]

Rechter Antisemitismus wird in den deutschen Medien seit vielen Jahren aufgedeckt. Seit Dezember 2017, nach der Verbrennung einer selbstgemachten israelischen Flagge in Berlin durch deutsche Muslime, wird auch muslimischer Antisemitismus von führenden deutschen Politikern verurteilt.

In diesem Fall trat allerdings eine seltene Reaktion auf. Ein Beispiel des weit verbreiteten, progressiven Antisemitismus im deutschen Mainstream wurde von einem Regierungsvertreter verurteilt. Das ist umso wichtiger, als die SZ ein Standartenträger des Linksliberalismus in Deutschland ist.

Man sollte hoffen, dass der Tadel des Beauftragten gegen die SZ der Anfang einer weit systematischeren Offenlegung linksliberalen antiisraelischen Hassschürens ist. Es hat mehrere andere Zeitungen gegeben, die in diesem Bereich mit der SZ konkurrieren. 2012 führte das Simon Wiesenthal Center den Journalisten Jakob Augstein als einen der zehn führenden Antisemitismus Verübenden des Jahres weltweit.[20]

Die Annahme, dass Deutschland sich des Antisemitismus in weniger als 75 Jahren nach der Verübung eines Völkermords von solcher Bedeutung entledigen könne, ist eine Illusion. Die Auswirkungen manifestieren sich auf vielerlei Weise und in vielen Sektoren der deutschen Gesellschaft, einschließlich des linksliberalen Segments.

[1] http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/31630

[2] http://www.haaretz.com/israel-news/german-newspaper-apologizes-for-cartoon-using-anti-semitic-stereotypes-1.6094472

[3] http://www.welt.de/politik/deutschland/article176437583/Geschmacklose-Zeichnung-Antisemitismusbeauftragter-kritisiert-Sueddeutsche-Zeitung-scharf.html

[4] https://in.reuters.com/article/germany-antisemitism-cartoon/update-1-german-newspaper-drops-cartoonist-after-netanyahu-drawing-idINL5N1SP5WN

[5] meedia.de/2018/05/18/nach-streit-um-karikatur-sueddeutsche-zeitung-trennt-sich-von-zeichner-dieter-hanitzsch/
http://www.jta.org/2018/05/16/news-opinion/top-german-newspaper-apologizes-cartoon-using-anti-semitic-stereotypes

[6] http://www.jpost.com/Diaspora/Antisemitism-czar-slams-German-cartoon-as-Nazi-propaganda-556693

[7] http://www.haz.de/Nachrichten/Medien/Uebersicht/SZ-wirft-Karikaturisten-raus

[8] http://www.sueddeutsche.de/kolumne/in-eigener-sache-stereotype-und-klischees-1.3986184

[9] http://www.jpost.com/Diaspora/Antisemitism-czar-slams-German-cartoon-as-Nazi-propaganda-556693

[10] http://www.zeit.de/kultur/2013-07/sueddeutsche-zeitung-israel-karikatur

[11] http://www.jpost.com/printarticle.aspx?id=342412

[12] www.timesofisrael.com/cartoon-of-zuckerberg-called-anti-semitic/

[13] www.jcpa.org/article/major-anti-semitic-motifs-in-arab-cartoons/

[14] http://www.spiegel.de/international/nobel-prize-author-guenter-grass-i-was-a-member-of-the-ss-a-431353.html

[15] Günter Grass: Quello che deve essere detto. In La Repubblica, 4. April 2012; Ugo Volli: Poesia dedicata a Günter Grass; Andrea Tarquini: Una poesia contro Israele. L’ultima provoczione die Grass Le sue atomiche una minaccia; Adriano Prosperi: Se la storia viene capovolta in un brusio di responsabilità. In: Informazione Coretta, 4. April 2012.

[16] Günter Grass, “What Must Be Said,” The Guardian, April 5, 2012.

[17] Günter Grass, “Lo que hay que decir,” El País, April 4, 2012.

[18] Dokumentation: Læs Günter Grass’ digt. Politiken, 7. April 2012.

[19] Günter Grass: Det som må sies. Aftenposten, 8. April 2012

[20] http://www.wiesenthal.com/atf/cf/%7B54d385e6-f1b9-4e9f-8e94-890c3e6dd277%7D/TT_2012_3.PDF

Kippa-Tag in Deutschland

Kippa-Tag in Deutschland – in Berlin, Köln, Erfurt und einigen anderen Städten wurden heute „Zeichen gesetzt“. Ob das sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. Die Frage wäre eh, ob sich etwas ändert.

Eins ist jedenfalls in Berlin schon sehr deutlich geworden: Es gibt gewaltige Kräfte, die den Antisemitismus NICHT bekämpfen wollen, sondern Antisemiten die Stange halten. Und das sind keine Rechtsextremen/Neonazis. Am Nachmittag schon kam die Meldung von Berliner Hermannplatz, wo gegen Antisemitismus protestiert werden sollte:

Erkennbar Linke machen also Randale und bedrohen. Schüchtern ein und sorgen dafür, dass Meinungsfreiheit nicht mehr stattfindet. Nicht erst auf der Kundgebung selbst, schon im Vorfeld ging es los mit den Körperverletzungen an Leuten, die gegen Antisemitismus protestieren wollten:

Was bringen die Leitmedien? Live habe ich die Nachrichten um 19.55 Uhr in Sat1 gesehen. Dort wurde zwar gezeigt, wie einem Mann eine Israelfahne entrissen wurde, aber das war auch alles. Ansonsten nur Friede, Betroffenheit und Mahnung. Aufatmen, dass Deutschland so anständig ist. Der Abbruch der Veranstaltung vom Hermannplatz wurde nicht erwähnt – damit man nicht sagen musste, wer dafür gesorgt hat?

Die ZDF heute-Sendung von 19 Uhr (in der Mediathek angesehen[1]) brachte gar nicht erst etwas vom Hermannplatz; Bilder wurden aus Erfurt gezeigt. Da war es wohl harmlos. Bloß nichts aus Berlin bringen, es könnte ja Vorwürfe geben, dass nicht alles von dort gebracht wurde?

Das heute journal in der Halbzeitpause des Champion League-Spiels fängt gleich mit den Kippa-Kundgebungen an, der Filmbericht kommt aus Berlin. Nichts vom Hermannplatz.

Was macht die ARD-tagesschau (ebenfalls Mediakthek): absolut nichts zu den Bedrohungen am Hermannplatz.

Und sonst? In der Mediathek von RTL finde ich die Nachrichtensendung von 18.45 Uhr nicht.

n-tv: Die Mediathek bringt derart haufenweise Werbung, dass ich da nicht weiter sehe. Im Internet eine Kurzmeldung. Menschen gingen auf die Straße, blablabla.

Welt.de: Endlich mal nicht nur die „Wir sind die Guten“-Berichterstattung zum Wohlfühlen und Selbstbeweihräucherung, denn einmal wird der Unmut beschrieben, der sich im Publik breit machte, als Berlins Regierender Bürgermeister es nicth einmal schaffte das Wort „Antisemitismus“ in den Mund zu nehmen und auch sonst herumeierte. Und dann das hier: „Doch schon bald wird die entschlossene Stimmung gedämpft, als die Information die Runde macht, dass eine weitere Solidaritätsveranstaltung im islamisch geprägten Neukölln wegen massiven Anfeindungen nach nur 15 Minuten abgebrochen werden musste. Es scheint hier kaum jemanden zu wundern.“ Geht doch!

Allerdings war das im Internet. Was im Fernsehen zu sehen war, weiß ich nicht.

SPON.de: Ein „Zwischenfall“ wird in einem eigenen Artikel beschrieben. Die Polizeiangabe „drei Teilnehmer fühlten sich bedroht“ wird zitiert.

Beim Focus ergibt die Suche nach „Kippa“ auf der Eingangsseite kein Ergebnis (21.48 Uhr). Die Focus-Suchfunkton bringt Meldungen bis zum 24. April.

Stern.de: Irgendwo mitten im Text ein Satz mit wie beim SPON – „fühlten sich bedroht“. Dass es beim Regierenden Unmutsstimmung gab, fehlt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Ein ganzer Artikel zu dem, was sich am Hermannplatz abspielte, ein twitter-Video des Jüdischen Forums wird eingeklinkt. Der ganze erste Absatz ist dem Vorfall gewidmet.

Weitere Suche habe ich mir gespart.

Fazit: Wer will, kann die Information bekommen. Er muss sie nur suchen. Im Intenet.

Die großen Fernsehsender, insbesondere die Öffentlich-Rechtlichen, machen sich nicht die Mühe die Antisemitismus-Probleme aufzuzeigen. Sie produzieren ihre Wohlfühl-Berichte, die zeigen, wie gut alle sind. Das Hauptmedium Fernsehen informiert unvollständig, zeigt die Probleme gerade NICHT. Das Medium, dem die Bundesbürger am meisten vertrauen, informiert nur unvollständig – bringt Kritisches nicht. Warum wundern die sich, dass von Lücken- bis Lügenpresse die Rede ist?

Es bleibt abzuwarten, wie mit dem Tag weiter umgegangen wird. Wie haben sich die Kippaträger nach den Kundgebungen verhalten? Haben sie die Kippa beim Verlassen der Veranstaltung aufbehalten oder schnell wieder abgenommen? Bringt irgendjemand etwas dazu? DAS wäre interessanteste Frage überhaupt. Denn wenn sie alle die Kippa wieder eingesteckt haben, dann muss man davon ausgehen, dass der ganze Aufwand umsonst war. Ein Moment des „hach, was sind wir gut“ und dann – nichts mehr, back to business; vorbei, wir machen weiter, als ob nichts gewesen wäre.

Wir das das Ergebnis des Tages sein? Alles Bisherige legt nahe, dass es so sein wird.

[1] Alle Mediatheken übers Smart-TV angesteuert

Was erlauben Lagerfeld?

RTL exklusiv (unter Frauke Ludwig) berichtete über Karl Lagerfelds Kritik an Frau Merkel und ihrer Flüchtlingspolitik: „Selbst wenn Jahrzehnte dazwischen liegen, kann man nicht Millionen Juden töten und später dann Millionen ihrer schlimmsten Feinde holen.“ Das geht ja jetzt gar nicht. Kritik an Merkel? Pfui! RTL: Muslimische Einwanderer angreifen ist pöse! (Hat er „Einwanderer“ angegriffen?) Seiner Meinung nach sind viele Muslime Antisemiten. (Stimmt das etwa nicht?) Und für diese Einwanderung ist seiner Meinung nach Angela Merkel verantwortlich. (Stimmt ja gar nicht, die hat nichts dazu beigetragen…) Glaubt Lagerfeld. (Nicht nur der.) Und die ausgelösten Schlagzeilen – will RTL vermitteln, dass die negativ waren? „Aber wieso sagt er das? Tatsächlich ist das Unternehmen Chanel, für das er arbeitet, fest in jüdischer Hand…“ Ah, jetzt wissen wir es – die Juden stecken dahinter, Lagerfeld ist deren Lakai!

RTL: „Seltsam auch, dass Lagerfeld Modekollegen immer kritisiert hat, die extreme politische Meinungen vertreten haben. Da ist zum Beispiel der Modeschöpfer Galeano, der 2009 öffentlich Juden beleidigt hat.“ Hm, Juden beleidigen ist also nur „politisch extrem“ und darf nicht kritisiert werden? Oder wie soll man das verstehen?

Der pöse Modeschöpfer ist „bis jetzt nicht auf die Kritik eingegangen“ – die Beschwerden, die beim Sender eintrafen, der das Gespräch ausstrahlte, bei dem Lagerfeld die Äußerung von sich gab. Ja wie kann das denn sein? Er hat sich zu äußern, muss Buße tun, muss zu Kreuze kriechen, hat gefälligst Abbitte zu leisten. An Merkel rumzumäkeln UND „Einwanderer“ des Antisemitismus zu verdächtigen ist nun wirklich nicht drin.

Könnte es sein, dass RTL ein ganz klein wenig für Antisemitismus ist? Dass Antisemiten dort besser gelitten sind als Antisemitismus-Kritiker? Dass Judentum mit Judenlobby eins sein soll und Juden hinter aller Kritik stecken müssen, die als unliebsam und pöse hingestellt wird? Dass klare Worte mit klaren Fakten nicht erlaubt sein sollen? Dass der Sender eben auch nur ein Volkserzieher ist statt Journalismus zu betreiben?

(Das Video mit dem Ausschnitt der Sendung kann bei vimeo angesehen werden.)

Für Facebook sind antisemitische Ritualmordlügen völlig in Ordnung

Aussie Dave, Israellycool, 4. September 2017

Die Facebookseite Jewish Ritual Murder ist das, was man von einer Gruppe mit diesem Namen erwarten kann: Post auf Post auf Post zu antisemitischen Ritualmord-Verleumdungen.

Sie ist anscheinend seit Jahren gemeldet worden und … nada.

Nun, vielleicht stimmt das nicht so ganz. Sehen Sie, ich kann die Seite nicht sehen – wenn ich auf den Link klicke, sehe ich das hier:

Und ich habe den Verdacht, dass das auf jeden in Israel zutrifft.

Aber wenn sich man außerhalb Israels befindet, sieht man die Seite. Ich weiß das, weil der Leser Ariel es mir bestätigte und die oben gezeigten Screenshots schickte.

Nachdem er mir Facebooks Reaktion auf die Meldung der Seite schickte.

Obwohl die Seite gegen keinen konkreten Community-Standard verstößt,
könne wir verstehen, dass die Seite oder etwas auf ihr Gepostetes
die trotzdem vor den Kopf stößt. Wir wollen dir helfen Dinge zu vermeiden,
die du auf Facebook nicht sehen magst.

Man denke einem Moment darüber. Facebook entschied, dass diese Seite voller antisemitischem Dreck NICHT gegen seine Community-Standards verstößt – aber es scheint so, als hätten sie sie für uns in Israel unsichtbar gemacht – vermutlich, weil sie uns hier lebende lästige Juden vor den Kopf stößt.

Behalten Sie auch die Art von Seiten und Posts im Hinterkopf, bei denen Facebook es für angebracht hielt sie zu sperren.

Wie kann das wohl in Ordnung sein? Mir fehlen echt die Worte.