Von Hitler und Stalin zu Putin und Raisi: Warum das Herunterspielen des Bösen durch die Medien so gefährlich ist.

Gil Hoffman, HonestReporting, 21. Juli 2022

In ihrem neuen Buch „The Newspaper Axis“ (University of California) schreibt Davis-Geschichtsprofessorin Kathryn S. Olmsted, dass viele amerikanische und britische Zeitungen es versäumten, den Aufstieg Adolf Hitlers in den 1930-er Jahren ernst zu nehmen.

Olmsted beschuldigte sechs der mächtigsten englischsprachigen Verlage der Ära des Zweiten Weltkriegs, aktiv „Hitler ermöglicht“ und ihren Einfluss genutzt zu haben ihn herunterzuspielen und sogar seinen Aufstieg zu fördern. Sie schrieb, dass William Randolph Hearst, dem 28 Zeitungen und eine Nachrichtenagentur gehörten, Hitler und seinen Stellvertreter Hermann Göring bezahlte, um Propaganda für seine Zeitungen zu schreiben.

Einer der Gründe, die sie anführt, war die Unterstützung des Isolationismus und die amerikanische Angst vor dem Verlust an Leben, sollten die USA in einen Krieg in Europa verwickelt werden. Darüber hinaus war die redaktionelle Entscheidung dieser Zeitungsachse von der Gegnerschaft zum langjährigen Präsidenten Franklin Delano Roosevelt angetrieben.

Olmsted hält auch einen weitere Faktor fest: den Antisemitismus der Herausgeber der Zeitung.

„Sie machten sich Verschwörungstheorien zu jüdischer Einflussnahme auf die Regierung zu eigen und glaubten, die Juden selbst seien für den Antisemitismus verantwortlich zu machen“, erklärt eine Rezension der Washington Post zu „The Newspaper Axis“ und fügte hinzu: „Daher hatten sie wenig Verständnis dafür, dass die europäischen Juden durch Hitlers Hand litten und sie hatten den Verdacht, dass amerikanische Juden planten die Nation in einen Krieg zu zwingen – eine Unterstellung, die regelmäßig in ihren Leitartikeln auftauchten.“

Es ist kein Wunder, dass sogar der Molotow-Ribbentrop-Pakt vom August 1939, der es Berlin und Moskau ermöglichte Polen untereinander aufzuteilen und der Dreierpakt vom September 1940 zwischen Deutschland, Italien und Japan die Welt nicht aufweckte.

Das im Iran zur Schau gestellte Böse: Wo bleibt die Nachrichten-Berichterstattung?

Diese Woche, als der russische Präsident Wladimir Putin beschloss die Islamische Republik Iran als ersten Zielort für seine erste Auslandsreise außerhalb der ehemaligen Sowjetunion seit seinem Einmarsch in die Ukraine im Februar auszuwählen, machte er eine Pause von den Angriffen auf Zivilisten in der Ukraine, um ein Land zu besuchen, das an zahlreichenFronten kämpft, das regelmäßig Terroranschläge gegen Israel und den Jemen sponsert und Raketen auf ein amerikanisches Konsulat im nordirakischen Erbil schoss.

Haben die führenden Medienorganisationen der Welt es denn diesmal gut gemacht?

Die globale Nachrichtenagentur Reuters berichtete: „Ein aufkeimendes  Werben zwischen Russland und dem Iran ist eine unwillkommene Entwicklung für den Westen, die die USA mit Sorge beobachten wird, aber das ist noch längst keine geopolitische Veränderung.“

Die Wahrheit ist viel schlimmer, als die Art, wie Reuters das darstellt. Diese unheilige Allianz zwischen Moskau und Teheran gefährdet die gesamte Welt und wenn nicht bald gehandelt wird, könnte man sich an das Treffen später als an den charakterisierenden Augenblick im Versagen der internationalen Gemeinschaft die Welt sicher zu halten erinnern.

Derweil berichtete The Associated Press (AP), eine Nachrichtenagentur mit mehr als 130.000 Kunden, Putin habe die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran gefordert, um eine „freie Entwicklung der Kooperation in allen Bereichen und ohne jegliche Diskriminierung“ zu gestatten.

„Vom Westen und seinen regionalen Rivalen in die Ecke gedrängt, hat die iranische Regierung die Urananreicherung intensiviert, ist hart gegen Dissens vorgegangen und macht Schlagzeilen mit optimistischen, unnachgiebigen Haltungen, die die iranische Währung Rial vor dem Absturz bewahren sollen“, hieß es in dem AP-Bericht. Er geht weiter: „Ohne eine Befreiung von den Sanktionen in Sicht ist die taktische Partnerschaft mit Russland zu einer des Überlebens geworden, während es so scheint, dass Moskau Teheran beim Schwarzmarkt-Ölhandel unterbietet.“

Das Framing und die Formulierung dieses Artikels löst Mitgefühl für den Iran aus und ganz so wie Reuters macht er den Westen zum eigentlichen Bösewicht.

In einem Text der New York Times, der sich auf Putin und den Iran als „gemeinsam Ausgestoßene“ bezieht, wird Israel nur einmal erwähnt – in einer Erklärung, warum Putin seine Beziehungen zum Iran nicht früher vertiefte.

Dass der Iran, unterstützt von Putin, Atomwaffen anstrebt und dabei beträchtliche Fortschritte macht, wird gar nicht erwähnt.

Ähnlich berichtete CNN, dass der iranische Präsident Ebrahim Raisi bei seinem Treffen mit Putin ein erhebliches Engagement für Sicherheitskooperation zwischen den beiden Ländern bejubelte; er sagte, die beiden Staaten hätten „gute Erfahrungen“ bei der Bekämpfung von Terrorismus.

Warum wird nicht erwähnt, dass der Iran der Top-Terrorsponsor der Welt ist? Vom Iran finanzierte Gruppen, darunter Hamas und Hisbollah, werden sowohl von den USA als auch der Europäischen Union als Terrororganisationen eingestuft.

Schließlich berichtete die weltweit tätige französische Nachrichtenagentur AFP in einem unkritischen Artikel, der als Posse hätte missverstanden werden können: „Teheran versicherte am Mittwoch, dass seine Atompolitik sich nicht verändert hat und dass es weiterhin an einer Fatwa festhält, die Massenvernichtungswaffen verbietet, nachdem ein offizieller Vertreter des Iran sagte, das Land sei in der Lage Atombomben zu bauen.“

Zu wenig berichtet: Die Verbindung zwischen Putins Iran-Besuch und Bidens Nahost-Reise

Zu Putins Iran-Besuch ist entscheidender Kontext ausgelassen worden, was ein durchsichtiger Versuch war US-Präsident Joe Bidens im Fokus der Öffentlichkeit stehender Reise bei Feinden der Islamischen Republik etwas entgegenzusetzen: Israel und Saudi-Arabien.

Während seiner Reise in den Nahen Osten bestätigte der Präsident die starke Allianz zwischen Amerika und dem jüdischen Staat und versuchte die Beziehungen zu den Saudis zu reparieren.

In krassem Gegensatz zu Putins Besuch in Teheran pries ein offizieller Twitter-Account mit Verbindung zum Obersten Revolutionsführer Ali Khamenei den russischen Präsidenten für seine „neuste Haltung gegen die Zionisten“.

Vom Präsidenten Russlands eingenommene aktuelle Standpunkte gegen die ZIonisten sind löblich.

Diese neue Weltordnung muss von den Medien anerkannt und darüber mit der nötigen Sorgfalt berichtet werden.

Jetzt, wo es offensichtlicher ist als je zuvor, dass die neue Achse des Bösen mit Wladimir Putin und dem Iran dabei kollaborieren die Welt zu einem gefährlicheren Ort zu machen, müssen die Medien die Welt wecken und dürfen das Böse nicht gewinnen lassen.

Das kann nur getan werden, wenn prominente Nachrichtenpublikationen aus der Geschichte etwas über die Gefahren der Verharmlosung des Bösen lernen, damit es sich nicht wiederholt.

Die große jüdische Rinderfett-Verschwörung

Elder of Ziyon, 21. Juni 2022

Khaleej News hat einen typischen Artikel gebracht, der die angeblichen gesundheitlichen Vorteile von Rindfleischfett diskutiert.

– ein Abführmittel
– eine Haut-Feuchtigkeitscreme
– hilft Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson zu verhindern
– hat jede Menge wichtige Vitamine
– beinhaltet eine Menge Mineralien, die Knochen- und Gelenkprobleme behandeln können
– schützt gegen Osteoporose
– reduziert die Menge an Neutralfetten im Blut
– gilt als starkes Sexualstimulans
– hat Magnesium, ist gut gegen Diabetes
– ist gut für Schwangere und ungeborene Kinder
– hilft gutes Cholesterin zu erhöhen

Aber dann wendet sich der Artikel einer Verschwörungstheorie über Juden zu.

Sehen Sie, Juden belogen die Welt und sagten, Rinderfett sei schädlich. Sie sagten, es erhöhe Cholesterin und die Chance eines Herzinfarkts.

Das ist der größte Trick, den die Juden in der Vergangenheit gebracht haben.

Warum haben sie das gemacht? Denn es scheint so, dass die Juden arglosen Nichtjuden gehärtete Fette wie Margarine verkaufen wollen.

Das wiederum hilft den Juden mit fettarmen Lebensmitteln zu verdienen und Trainingsgeräten und Diätnahrung Geld zu verdienen.

Die Hauptopfer dieses jüdischen Projekts sind … Araber, bei denen eine hohe Wahrscheinlichkeit für Fettleibigkeit und Diabetes bestehet.

In arabischen Medien ist immer noch jede Menge Judenhass zu finden.

Die „woke“ Gleichgültigkeit gegenüber Judenhass

Judith Bergman, Gatestone Institute, 10. September 2020

  • Twitter selbst spielt eine bedeutende Rolle bei der Förderung des Antisemitismus.
  • Trotz tausender Beschwerden ließ Twitter die meisten Tweets des Rappers (Wiley) sechs Tage lang stehen und entschied sich erst nach einem 48-stündigen Boykott der Plattform durch tausende britischer User, darunter Innenministerin Priti Patel, ihn lebenslang zu sperren.
  • Twitter hat sogar versucht zu behaupten, die völkermörderische Variante des Judenhasses, die Art, in der die Führer des Iran sich auszeichnen, würde nicht gegen seine Regeln verstoßen.
  • Es scheint so, als sei die selbstgerechte Empörung der Wokeratis fehlen, wenn die Person, gegen die sich der Rassismus wendet, Jude ist.
In Britannien hielt der Rapper Wiley vor kurzem eine 48-stündige antisemitische Wutrede auf Twitter, mit der er Verschwörungstheorien und Beleidigungen von Juden verbreitete und sagte, sie sollten erschossen werden. Totz tausender Beschwerden ließ Twitter die meisten von Wileys Tweets sechs Tage lang stehen und beschloss erst nach einem 48-stündigen Boykott der Plattform durch tausende britische User, darunter die britische Innenministerin Priti Patel, ihn zu sperren. Bild: Priti Patel am 8. September 2020 in London. (Foto: Leon Neal/Getty Images)

Der Judenhass hat in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren immer mehr Überhand genommen. 2019 gab es nach Angaben des Berichts der Anti-Defamation League im Mai 2.107 antisemitische Vorfälle. Das war die höchste Zahl seit 40 Jahren. Zu den Vorfällen gehörten 61 Fälle physischer Angriffe, 1.127 Vorfälle von Belästigung und 919 Fälle von Vandalismus.

Auch in mehreren europäischen Ländern erreicht der Antisemitismus einen Höchststand: 2019 erlebte Deutschland mit 2.032 Vorfällen die höchste Zahl antisemitischer Verbrechen innerhalb von fast zwei Jahrzehnten. Großbritannien registrierte 2019 mit 1.805 Vorfällen im vierten Jahr in Folge „einen Rekordzahl“ antisemitischer Vorfälle – die höchste Zahl, die jemals innerhalb eines Kalenderjahres erfasst wurde, so ein Bericht im Guardian. In Frankreich stiegen antisemitische Anschläge 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 74% an und 2019 um weitere 27%. Ein gewalttätiger Angriff 2018 war die brutale Ermordung Mireille Knolls, einer 85-jährigen französisch-jüdischen Holocaust-Überlebenden, die in ihrer Pariser Wohnung von zwei Männern ermordet wurde, die „Allahu Akbar“ brüllten, als sie elfmal auf sie einstachen und ihre Wohnung in Brand setzten.

Die Zunahme des Antisemitismus kommt nur 80 Jahre, nachdem Millionen Juden in Europa zusammengetrieben und Versklavung, Massenerschießungen und „medizinischen Experimenten“ sowie industriellem Massenmord in Konzentrationslagern der Nazis einzig deshalb unterzogen wurden, weil sie Juden waren.

In unserer hypersensiblen, hyper-radikalisierten „Woke“-Kultur, in der offensichtliche Wahrheiten wie „alle Leben zählen“ auszusprechen sofort dazu führen, dass du ausgegrenzt wirst, deinen Job verlierst und man dich als Rassisten einordnet, sollte man annehmen, dass der Anstieg des Antisemitismus für maximale Empörung sorgen würde. Antisemitismus zu propagieren sorgt jedoch selten dafür, dass irgendjemand – abgesehen vom gelegentlichen weißen Herrenmenschen – ausgegrenzt wird. Dieses zweierlei Maß setzt sich fort, obwohl Hassreden allgemein als völlig inakzeptabel und gefährlich angesehen wird, wie es sich in der Politik gegen Hassreden in den sozialen Medien und den Tech-Giganten spiegelt.

Louis Farrakhan, der Führer der schwarzen, muslimischen Nation of Islam und von vielen als professioneller Antisemit eingestuft, hat Verschwörungstheorien über Juden propagiert. Er bezeichnete sie als „satanisch“ und „Termiten“ und pries Hitler als „einen sehr großen Mann“. Prominente und andere, die für Farrakhan werben, machen selten die Erfahrung öffentlicher Empörung und der damit einhergehenden Ausgrenzungen, die Menschen normalerweise begleitet, die solchen Rassismus zur Schau stellen. Seine Reden und Interviews sind auf YouTube frei verfügbar, das zweifelhaft erklärte, es stehe „solidarisch gegen Rassismus und Gewalt“. Offensichtlich erstreckt sich diese Solidarität nicht auf judenfeindlichen Rassismus. Stattdessen vermittelt YouTube die Botschaft, dass – um es mit Orwells Worten zu sagen – mancher Rassismus rassistischer ist als anderer.

Ein neuer Streaming-Fernsehkanal, Fox Soul TV, „der für afrikanisch-amerikanische Zuschauer da ist“, so seine Internetseite, plante am 1. Juli eine Rede Farrakhans zu senden, änderte aber sein Programm, vermutlich wegen des Gegenwinds, den der Sender auf Twitter erfuhr.

Chelsea Handler, eine amerikanische Komikerin, warb vor kurzem auf ihrem Instragram-Account für einen Videoclip Farrahans, in dem sie ihn für das „starke Video“ über weiße Menschen und schwarze Macht pries. Mehrere Hollywood-Promis, darunter Jennifer Aniston, „likten“ ihren Post. Handler löschte ihn erst nach viel Kritik und bot eine unausgegorene Entschuldigung, in der sie sagte:

„Ich betrachte diese Botschaft als ziemlich kraftvoll… Vielleicht formten sich Farrakhans antisemitische Ansichten während seiner eigenen Unterdrückung. Wir wissen  heute, dass die Unterdrückung einer Rasse zur Unterdrückung aller Rassen führt.“

Niemand grenzte Handler dafür aus, dass sie Antisemitismus propagiert.

Mehrere weitere Promis haben ebenfalls Farrakhans Art des Judenhasses in den sozialen Medien gefördert. Anfang Juni gab der Rapper Ice Cube, offenbar ein Bewunderer Farrakhans, eine Reihe von Tweets ab, zu denen nach Angaben von Kareem Abdul-Jabbar im Hollywood Reporter „einige gruselige Symbole und Bilder gehörten … und die implizierten, dass Juden für die Unterdrückung von Schwarzen verantwortlich waren“. Trotz einer Geschichte des Antisemitismus verursachten Ice Cubes aktuelle Tweets kaum einen Kratzer an seinem Image. Noch am 29. Juli veröffentlichte der Rapper ein Op-ed in The Hill.

Typischerweise erhalten „Falschdenker“, die den Karriere zerstörenden Fehler machen ihre Gedanken in sozialen Medien zu veröffentlichen, keine Gnade und werden mit sofortiger Ausgrenzung begrüßt. Angebotene Entschuldigungen, so kriecherisch sie auch sein mögen, werden in der Regel nicht akzeptiert. In sozialen Medien unwoke Ansichten zum Ausdruck zu bringen ist eine Sünde, für die es keine Vergebung gibt, wie Akademiker, Medienpersönlichkeiten und andere erfahren haben.

In seltenen Fällen, wenn Antisemiten anhaltenden Gegenwind und in ihren Karrieren sogar Konsequenzen erfahren, scheint es aber eine starke Bereitschaft derer zu geben zu vergeben und zu vergessen, die gewöhnlich die Ausgrenzung betreiben. US-Medienstar Nick Cannon zum Beispiel wurde vor kurzem von ViacomCBS gefeuert, nachdem er in seinem Podcast antisemitische Verschwörungstheorien propagierte; trotzdem feuerte Fox Cannon nicht aus seiner Rolle als Moderator der Reality-Serie The Masked Singer, die der Sender ausstrahlt. „Als wir auf Nick Cannons Interview mit Richard Griffin auf YouTube aufmerksam gemacht wurden, begann wir sofort einen Dialog mit Nick“, sagte Fox in einer Stellungnahme.

Ihm ist klar und er bedauert, dass seine Worte falsch waren und ihnen sowohl das Verständnis und der Kontext fehlten und sie ungewollt Hass förderten… Fox verurteilt alle Formen von Hass, gegen welche Gemeinschaft auch immer er sich richtet und wir werden Bigotterie jeglicher Art bekämpfen.“

Twitter selbst spielt eine bedeutende Rolle bei der Förderung von Antisemitismus. In Großbritannien veranstaltete der Rapper Wiley vor kurzem eine 48-stündige antisemitische Wutrede auf Twitter; er verbreitete nicht nur eine Reihe Verschwörungstheorien und Beleidigungen von Juden, sondern sagte auch, sie sollten erschossen werden und dass er kommen würde um sich in Golders Green (einem jüdischen Viertel von London) „zu ihnen zu setzen“. Trotz tausender Beschwerden ließ Twitter den Großteil der Tweets des Rappers sechs Tage lang stehen und erst nach einem 48-stündigen Boykott durch tausende britische User, darunter Innenministerin Priti Patel, beschloss die Plattform ihn zu sperren.

Twitter hat sogar versucht zu behaupten, die völkermörderische Variante des Judenhasses, die Art, in der die Führer des Iran sich auszeichnen, würde seine Regeln nicht verletzen. Als Twitter kürzlich von Israels Knessetausschuss für Zuwanderung, Aufnahme und Diaspora-Angelegenheiten gefragt wurde, warum der iranische Führer Ayatollah Ali Khamenei, der auf Twitter zur „Beseitigung“ des jüdischen Staats aufrief, frei weiter twittern darf, während Präsident Donald Trumps Tweets wegen Verletzung der Twitter-Politik zu Hassreden gekennzeichnet wurden, antwortete Twitters Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit, Regierung und Philantropie für die nordischen Länder und Israel, Ylwa Pettersson:

„Wir haben einen Ansatz gegenüber Weltführern, der aktuell besagt, dass direkte Interaktionen mit Persönlichkeiten der Öffentlichkeit, Kommentaren zu politischen Tagesthemen oder außenpolitischem Säbelrasseln in militärischen und wirtschaftlichen Fragen allgemein die Twitter-Regeln nicht verletzen.“

Pettersson wurde dann gefragt, ob „zu Völkermord aufzurufen in Ordnung ist, aber politische Situationen zu kommentieren nicht“? Sie antwortete:

„Missachtet ein Weltführer unsere Regeln, aber es gibt ein klares Interesse das auf dem Dienst zu behalten, können wir es hinter einen Hinweis setzen, der etwas mehr Kontext zur Regelverletzung gibt und den Menschen erlaubt ihn anzuklicken, wenn sie diesen Inhalt sehen wollen. Das ist das, was mit dem Trump-Tweet geschah. Dieser Tweet verletzte unsere Politik zur Verherrlichung von Gewalt aufgrund der letzten Zeile dieses Tweets und dem Risiko, dass er zu Schädigungen und ähnlichem Handeln inspirieren könnte.“

Für diejenigen, die eine Erinnerung brauchen, wie wenig tatsächlich nötig ist, um lebenslang von Twitter gesperrt zu werden (vorausgesetzt das beleidigende Thema ist nicht Antisemitismus): Letztes Jahr entfernte die Plattform Meghan Murphy, eine kanadische Feministin, die das Sprechverbrechen begangen hatte eine Transgender-Person nicht mit ihrem bevorzugten Pronomen anredete.

Es scheint so, als ob die selbstgerechte Empörung der Wokerati fehlt, wenn die Person, die Rassismus erfährt, Jude ist.

Keine Aufstachelung auf twitter? Nicht, wenn es um Israel geht

Das soziale Mediennetzwerk hat Trump dauerhaft blockiert, aber Ayatollah Khameneis Account, der zur Vernichtung Israels aufruft, ist noch da und ihm geht es gut.

Nissan Tzur, Israel National News, 9. Januar 2021

Twitter (Foto: ISTOCK)

Während Twitter die permanente Verbannung von Präsident Trump aus „Angst vor fortgesetzter Aufstachelung zu Gewalt“ verkündete, stellt sich heraus, dass die Accounts von Einzelnen, die das soziale Mediennetzwerk gegen Menschen oder Gruppen nutzen, die sie als „minderwertig“ betrachten, darunter einige, die zur Vernichtung des Staates Israel und des jüdischen Volks aufrufen, weiter ihre Botschaft mit wenig oder gar keiner Zurückhaltung verbreiten.

Irans „oberster Revolutionsführer“, Ayatollahl Ali Khamenei, nutzt z.B. seinen Account regelmäßig, um Israel, den USA und anderen westlichen Ländern zu drohen.

In einem Tweet aus 2018, der weiterhin auf seinem Account steht, drohte der „oberste Revolutionsführer“ Israel zu vernichten; er schrieb: „Unsere Haltung gegen Israel ist dieselbe, die wir immer eingenommen haben. Israel ist ein bösartiges Krebsgeschwür in der Region Westasiens, das entfernt und ausgemerzt werden muss. Das ist möglich und es wird geschehen.“

Letzten Juli veröffentlichte Khamenei einen Post, mit dem er schwor für die Ermordung des Quds Force-Generals Qassem Suleimani im Januar des Jahres Rache zu nehmen.

Im Mai letzten Jahres bekräftigte Khamenei seinen Aufruf zur Vernichtung des jüdischen Staates.

2014 twitterte Irans „oberster Revolutionsführer“ einen Neun-Punkte-Plan, in dem er die Mittel zur Beseitigung Israels explizit aufführte.

Nicolas Maduro, der systematischer Menschenrechtsverletzungen beschuldigte Diktator Venezuelas, ist ein weiterer Führer eines Schurkenregimes mit einem aktiven Twitter-Account, der Botschaften zur Unterstützung von Kommunismus und Hass auf die USA verschickt.

Medienorgane, die die chinesische Kommunistische Partei vertreten, sind ebenfalls dafür bekannt ihre Botschaft über Twitter zu verbreiten. Zum Beispiel twitterte People’s Daily, das als Haupt-Propagandaapparat der chinesischen Regierung gilt, im letzten November: „Alle verfügbaren Beweise deuten darauf hin, dass der Coronavirus nicht aus Wuhan stammt, sondern über importierte Tiefkühl-Lebensmittel und ihre Verpackungen nach China kam.“

Andere hoch umstrittene Persönlichkeiten wie der ehemalige NFL-Star O.J. Simpson, der wegen der Ermordung seiner Ex-Frau und ihres Partners 2008 angeklagt und wegen Raub und versuchter Entführung zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt wurde, betrieben weiterhin ohne Unterbrechung Twitter-Accounts.

Sogar der radikale Prediger der Nation of Islam, Louis Farrakhan, der weithin als der boshafteste Antisemit der Welt gilt, sowie der bekannte Neonazi Richard Spencer ziehen weiterhin Nutzen aus der Plattform und verbreiten ihre Botschaft über sie.

Bewirbt sich da einer für die Liste der schlimmsten Antisemiten 2021?

In der FAZ vom 2. Januar sinniert Timo Frasch über Politiker und ihr Verhältnis zur Kamera. Dabei fällt ihm im Zusammenhang mit Verabschiedungen nach Interviews folgendes ein:

Auf eine Geste jedoch wird man nicht so schnell festgenagelt wie auf ein freundliches Wort, das, wenn es zwischen Journalist und Politiker fällt, im Volk schnell Mutmaßungen weckt, dahinter verberge sich ein zionistischer Kinderschänderring. (Hervorhebung hinzugefügt.)

In dem gesamten Text fällt auf, dass a) nur „C“-Politiker (negativ) angeführt werden und es b) ansonsten zu nichts eine Beziehung gibt, das hier das Einbringen von „zionistisch“ irgendwie rechtfertigen könnte. Es gibt keinerlei Beziehung zu irgendetwas, wodurch „Kinderschänderring“ mit einem ideologischen, ethnischen oder sonstigen Adjektiv versehen werden müsste.

Da darf die Frage gestattet sein, wieso dieses Adjektiv – „zionistisch“ – hier verwendet wurde.

Sollte dem mehr oder weniger vielleicht geneigten Leser dazu einfallen, dass Kinderschänderringe offenbar etwas Zionistisches – also Jüdisches – sind? Dass Kinderschänderringe von Zionisten/Juden betrieben werden? Wo sind diese zionistischen Kinderschänderringe bisher aufgedeckt worden? Oder arbeiten sie im Geheimen und wurden bisher nicht entdeckt? Oder gar von den Behörden ignoriert, weil die Juden diese so im Griff haben wie die Banken und die Politik? Mir ist bisher kein solcher „zionistischer Kinderschänderring“ bekannt, auch keine Berichterstattung über einen solchen. Muss an der jüdischen Weltverschwörung liegen…

Hätte Herr Frasch nicht „muslimische Kinderschänderringe“ schreiben können? Oder zumindest „islamistische Kinderschänderringe“? Schließlich gibt es dafür in Großbritannien Beispiele zuhauf. Dann hätte das wenigstens einen Bezug zur Realität, wenn auch nicht zur deutschen Politik in ihrem Verhältnis zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Aber das geht natürlich nicht, Islamophobie ist so verpönt, dass die britischen Behörden Jahre lang die Augen vor den „asiatischen“ Kinderschändern verschlossen. Da kann ein deutscher Redakteur nichts schreiben, was zwar der Realität näher kommt als „zionistischer Kinderschänderring“, aber absolut politisch nicht korrekt ist.

Auch ein „lipperländer Kinderschänderring“, alternativ „ostwestfälischer Kinderschänderring“ (Stichwort Lügde) durfte anscheinend nicht sein. Dabei haben wir im eigenen Land ausreichend skandalös agierende Leute. Warum also nicht? Stigmatisierung der dortigen Bevölkerung, die nicht geht?

Nein, wenn schon, dann müssen Juden herhalten. Das geht immer, auch im Erfinderland des Holocaust dürfen Juden heutzutage wieder (oder immer noch?)  stigmatisiert werden. Das geht, kein Problem. Da regen sich nicht viele auf, die paar Juden, die sich vielleicht mucken, fallen nicht ins Gewicht, die regen sich ja sowieso ständig wegen irgendwelchem Antisemitismuskrams auf. Dabei wissen wir doch alle, dass Antisemitismus exklusiv Rechtsextremen gehört und in der Geschichte bekämpft werden muss.

Wahrscheinlich müssen wir Herrn Frasch auch noch dankbar sein, dass er uns so gut demonstriert hat, dass der Antisemitismus so mitten in der Gesellschaft „angekommen“ (oder nie weg gewesen?) ist bzw. festsitzt, dass ein Redakteur der Frankfurter Allgemeine Zeitung sich eine solche Ungeheuerlichkeit leisten kann.

Simon Wiesenthal Center, bitte merken Sie Herrn Timo Frasch schonmal für 2021 vor!

PS: Bis zum Schreiben dieses Textes habe ich lediglich auf twitter zwei Reaktionen gefunden, hoffentlich folgen weitere; bei Herrn Frasch, der seinen Kommentar natürlich verlinkte, gab es bisher auch keine kritischen Kommentare:

Abrechnung mit ÖR Programm ist nicht neu. Übel ist, wenn für die Darstellung schlechten Programms Juden oder Israel hinhalten müssen.
@FAZ @TimoFrasch beschreibt angebliche qualitative Mängel als „zionistischer Kinderschänderring“. Antisemitischer geht kaum!

Ist „zionistischer Kinderschänderring“ als Kraftausdruck angebracht, @faznet, @FAZ_NET? Oder ist @TimoFrasch einfach ein [INSERT Kraftausdruck]? Worte schaffen Feindbilder. Sie bleiben hängen. Daher sollten wir auf unsere Sprache achten! https://m.faz.net/aktuell/politi

Wie man sich eigenständig informieren kann – verlässlich

Twitter wird es nie zugeben, aber Internetseiten, die nicht genehm sind, werden gerne  mal in einen „Shadowban“ gesteckt. Facebook agiert ähnlich.

Twitter, Facebook und YouTube (Google) legen Wert darauf, Accounts zu sperren, denen vorgeworfen wird, sie würden gegen die Regeln der Plattformen verstoßen – natürlich ohne das konkret zu benennen und zu belegen und ohne Möglichkeit, diese auch noch einzufordern. Dazu durfte ein User gerade selbst die entsprechende Erfahrung mit Einträgen aus meinem Blog machen. Das war noch harmlos im Vergleich zu anderen Usern, deren Konten komplett gesperrt bis gelöscht wurden.

Solche Erfahrungen machen deutlich, dass uns über soziale Plattformen eher einseitige Informationen vermittelt werden. Twitter gibt ja offen zu, dass in Sachen Corona gelöscht wird, was nicht genehm ist. Twitter hat US-Präsident Trump zensiert, nachdem ihn zu sperren – auch mit juristischen Mittel bzw. deren Androhung – gerade noch verhindert werden konnte. Es haben aber nicht alle so viel Glück wie Trump.

Bei Facebook wurde von einigen mehr oder weniger Prominenten über Klagen dafür gesorgt, dass ihre Inhalte wieder freigegeben wurden. Seltsamerweise fast immer nur bei Nutzern, die konservativ-aufklärerisch tätig sind und linke Machenschaften offenlegen; oder die von extremistischen und nicht ganz so extremistischen Muslim-Aktivisten. Die ach so sozialen Medienplattformen gehen massiv gegen alles und jeden vor, der vom aktuellen politischen Mainstream nicht gewünscht ist und argumentativ dagegen hält.

Jetzt beschreibt ein ehemaliger Muslim, dass er auf YouTube, twitter und Facebook gesperrt wurde. Es ist nicht das erste Mal, dass er eine enorm große Anhängerschaft verliert, neu ist, dass diese gleich bei allen dreien der Fall ist. Kian hat es sich zur Aufgabe gemacht, über den Islam aufzuklären. Er kann das aus seiner eigenen Erfahrung und dem, was er früher glaubte, sehr kompetent machen. Dass der Islam (und viele Muslime) dabei nicht gut wegkommen, versteht sich wohl von selbst. Das passt aber nicht in die heutige Zeit, denn Aufklärung dieser Art kann so wahr und korrekt sein, wie sie will, sie wird nicht akzeptiert und soll unterdrückt werden.

Nun ist es leider so, dass die meisten Internetnutzer sich über diese Plattformen informieren. Sie wissen nicht – oder wollen nicht wissen – wie sie desinformiert sie sind, weil ihnen ganze Batterien an  Informationen vorenthalten werden. Twitter, YouTube und Facebook gerieren sich mindestens so einseitig wie die Mainstream-Medien und behaupten auch noch das im Namen der Meinungsfreiheit zu tun.

Aber was sollte der interessierte Nutzer tun, um sich trotzdem umfangreich und vielfältig zu informieren?

Es gibt (leider?) nur eine Möglichkeit: Wann immer man auf eine Seite trifft, die interessant ist, sollte man sie abonnieren – per E-Mail. RSS-Feed oder indem man den Link in seinen Favoriten speichert und diesen regelmäßig anklickt.

Das ist inzwischen das einzige Mittel, nicht von den Informationen abgeschnitten zu werden, die außerhalb dessen liegen, was in den gängigen Medien gebracht und propagiert wird. Alternative Medien sind eine unverzichtbare Ergänzung zu dem, was uns allenthalben vorgesetzt wird, wenn wir uns selbst ein Bild machen wollen, was wir glauben können und was nicht. Und wir sind darauf angewiesen, uns selbst zu informieren. Weder unsere „Traditionsmedien“ noch die „sozialen“ Medien sind bereit, uns diese Möglichkeit zu bieten.