Wenn Diplomaten in die Irre gehen, geben sie immer weiter Gas

Daniel Pipes, New York Post, 6. Mai 2002

Was ist die instinktive Reaktion auf einen Fehlschlag? Natürlich die Anstrengungen zu verdoppeln.

Hat man sich verirrt? Nur nicht zugeben – man müsst ja anhalten um herauszufinden, was falsch gelaufen ist, vielleicht sogar die Erniedrigung erleben, jemanden nach der Richtung fragen zu müssen. Stattdessen gibt man einfach Gas und fährt schneller – damit wird man die verlorene Zeit wieder gut machen.

Das kann man auch in der Politik beobachten. Schulen, die in schlimmer Verfassung sind? Pumpt mehr Geld in das bestehende Schlamassel. Verläuft ein Krieg nicht nach Wunsch? Gebt den Generalen, die versagt haben, mehr Soldaten. Die palästinensisch-israelische Krise? Verstärkt die Diplomatie, die versagt hat und das Schlamassel erst hat entstehen lassen.

Den letzten Punkt wollen wir untersuchen. Vor zehn Jahren stand es um die Dinge zwischen den Arabern und Israel nicht gut; aber sonderlich war es auch nicht. Israels Härte erlaubte die Erreichung von ein Bisschen Akzeptanz durch seine arabischen Nachbarn, wie sie durch Anwar Sadats Reise nach Jerusalem 1977 symbolisiert war.

Um 1993 überzeugte die israelische Führung sich selbst, dass die Araber die Existenz eines souveränen jüdischen Staates vollständig akzeptierten, also änderten sie ihr Vorgehen radikal. Weil sie glaubten, dass sie ihre Existenz nicht länger in Frage gestellt sahen, zeigten sie ihre freundlichere Seite in der Hoffnung, dass die Diplomatie solche zweitrangige Dinge wie Grenzen, den Status von Jerusalem und die Flüchtlinge regeln und damit den arabisch-israelischen Konflikt beenden könnte.

Eine schöne Idee, die allerdings fehl schlug. Indem sie Israels Bereitschaft zu verhandeln als ein Zeichen seiner Verwundbarkeit ansahen, antworteten die Araber nicht mit dem erwarteten guten Willen, sondern mit Gewalt. Statt mehr Akzeptanz für Israel zu erreichen, ´ließ die Diplomatie es die Anerkennung verlieren, die es vorher erlangt hatte.

Israels Antwort auf dieses Desaster? Ganz im Sinn der zeitgeistigen Mode trat es aufs Gaspedal, bot den Palästinensern immer großzügigere Bedingungen an. Es erhielt im Gegenzug immer mehr Gewalt.

Die Gewalt nahm bis Ende 2000 derart alarmierende Ausmaße an, dass die Israelis ihren Ansatz überdenken mussten. Sie schlossen, dass ihre Zugeständnisse bezüglich der Grenzen, Jerusalems und der Flüchtlinge nutzlos seien, sogar kontraproduktiv, so lange die Palästinenser den Staat Israel zu zerstören suchten.

Als die Israelis ihre Sinne wieder beisammen bekamen (und zu ihrer Politik der Härte und Abschreckung von vor 1993 zurückkehrten) bestand die Bush-Administration darauf, die fehl geschlagene Politik der Kompromisse über zweitrangige Dinge weiter voran zu treiben. Die abwärts führende Kurve des letzten Jahrzehnts schein in keiner Weise ihren Glauben in die Diplomatie erschüttert zu haben.

Das erklärt, warum die Bush-Administration immer noch mit Gedanken wie diesen warm hält:

* Ein hochrangiger Regierungsvertreter: „Das Gewicht der arabischen Welt liegt nun auf einem Frieden mit Israel.“

* Ein anderer Regierungsvertreter: „Der Kern des Ansatzes des Präsidenten ist der, dass angesichts des Fehlverhaltens [des Vorsitzenden der Autonomiebehörde] Arafats und andere, viele weitere Spieler ins Spiel gebracht werden müssen.“

* Ein gut informierter Artikel der Washington Post: „Bushs Plan scheint zu sein Sharon zu überzeugen, dass die Vereinigten Staaten seine Sicherheit garantieren werden, wenn schon nicht mit amerikanischen Soldaten, dann mit der Schaffung eines palästinensischen Staates, mit dem Israel leben kann.“

* Der Sprecher des Weißen Hauses versicherte Israel, dass Washington diesem palästinensischen Staat „richtig Geld“ opfern würde.

* Was diese Erklärung voraus setzt ist, dass Diplomatie plus Kompromisse den arabisch-israelischen Konflikt lösen können.

Das könnte plausibel sein – wenn wir nicht gerade seit 1993 hätten zusehen können, wie solch allzu schlaue Diplomatie dazu führte, dass eine schlechte Situation sich in eine Krise wandelte.

Muss die US-Regierung ihre falsche Politik des vergangenen Jahrzehnts wiederholen? Sollte sie darauf bestehen dies zu tun, dann könnte diesmal aus einer Krise ein richtiger Krieg werden.

Statt dessen sollte Washington die Wurzeln des arabisch-israelischen Konflikts suchen und diese angehen. Diese haben mit den derzeit diskutierten Dingen nichts zu tun – Israels Grenzen, ein Palästinenser-Staat, arabische „Flüchtlinge“ oder wirtschaftliche Verbesserungen.

Sie haben vielmehr mit etwas zu tun, das fast nie in offiziellen Kreisen erwähnt wird, denn das ist eine unangenehme Tatsache, die Politiker lieber vermeiden würden: die beharrliche arabische Ablehnung der Existenz Israels. Diese Ablehnung lag hinter dem arabischen Angriff auf Israel 1948 und aller Gewalt seitdem, einschließlich der derzeitigen Kampagne der Selbstmord-Attentate.

Wenn die Bush-Administration sich nützlich machen will, dann sollte sie die Wirklichkeit der arabischen Ablehnung ansprechen. Das würde nicht eine leichte Abänderung der gegenwärtigen Politik bedeuten, sondern die Übernahme eines komplett anderen Ausblicks:

* Eindeutig auf der Seite Israels zu stehen um den Arabern zu signalisieren, dass ihr Traum der Zerstörung Israels aussichtslos ist.

* Schritte zu unternehmen, um arabischer Gewalt gegen Israel zu verhindern.

* Arabisch-israelische Verhandlungen zu verhindern, bis die Araber klar und konsequent zeigen, dass sie mit der Existenz Israels wirklich ins Reine kommen.

Nur wenn die US-Regierung den Bankrott der derzeitigen Vorgehensweise anerkennt – arabische Ablehnung durch Kompromisse spitzfindig zu umgehen – könnte sie die viel schwierigere Arbeit angehen, die Quellen des arabisch-israelischen Konflikts direkt anzugehen.

Natürlich heißt das, vom Gas zu gehen und nach der Richtung zu fragen.

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Tanzende Juden machen Araber wahnsinnig – wie sie das immer tun

Elder of Ziyon, 15. Oktober 2017

Der Anblick tanzender religiöser Juden macht einige Araber wahnsinnig.

2015 tanzten religiöse Juden im Flughafen von Amman, vermutlich um eine anstehende Hochzeit zu feiern.

Im letzten Dezember tanzten jüdische Geschäftsleute in Bahrein mit ihren arabischen Gastgebern, was eine Unmenge an Kritik aus der arabischen Welt verursacht.

Im April berichteten arabische Medien über einige jüdische Jungendliche, die am Damaskustor tanzten.

Jetzt haben wir Juden im Patriarchengrab in Hebron, die während des Laubhüttenfestes tanzen.

Der Tweet, der diesen Vorfall auf Arabisch veröffentlichte, warf ein: „Zionisten tanzen in der Ibrahimi-Moschee, aber die Herrscher der Araber wollen Normalisierung mit dem zionistischen Gebilde.“ Weil es natürlich furchtbar ist, wenn Juden an ihrem zweitheiligsten Ort tanzen; und das wäre mit Sicherheit nicht erlaubt, wenn Muslime das Sagen hätten.

Wie es tausend Jahre lang vor 1967 der Fall war.

Komemntare zum Tweet drücken Trauer aus Zeugen eines solche deprimierenden Spektakels zu sein. Und nein, sie bezogen sich nicht auf den Tanzstil des Auf- und Abspringens auf der Stelle (obwohl manche Kommentierende das mit dem Tanzen nach Art der Salafisten verglichen).

Verschifft – Warum die Karine-A auf einigen Radarschirmen nicht auftauchte

Jonathan S. Tobin, Jewish World Review, 21.01.2002

Nach der Übernahme des palästinensischen Waffenschiffs Karine-A verschwendeten eine Reihe von Leuten in Israel ihre Energie und ihre Tinte damit, sich gegenseitig die Verantwortung zuzuschieben.

Warum, könnte man fragen, sollte irgendjemand in Israel sich Sorgen machen? War nicht die Aufbringung des mit Tonnen von Sprengstoff, Minen, Granaten, Mörsern und Scharfschützen-Gewehren beladenen Schiffes ein großer Sieg für Israel?

Vielleicht nicht ein Sieg des Ausmaßes der Rettungsmission von Entebbe 1976, aber die Karine-A war ein unglaublicher Triumph für das israelische Militär. Es gab bei dem Angriff des Marine-Kommandotrupps keine Toten und die Besatzung des Schiffs und seine Ladung tödlicher Munition wurde unbeschädigt gefangen. Ein paar Tage später wurden die erdrückenden Beweise der Welt in Eilat auf einem Silbertablett serviert.

Viele in Israel glaubten, diese Kaperung würde ein und für alle Mal beweisen, dass der Führer der palästinensischen Autonomie, Yassir Arafat, den Weg des Krieges geht, nicht den des Friedens. Angesichts solch überwältigender Belege würde der Rest der Welt mit Sicherheit anerkennen, was die Mehrheit der Israelis seit langem akzeptiert hat: dass der Friedensprozess von Oslo tot ist und durch Arafats Krieg ersetzt wurde.

Gleichgültigkeit statt Empörung

Das einzige Problem mit diesem Szenario ist, dass mächtig viele Leute in aller Welt sich darüber nicht gerade aufzuregen scheinen. Sicher, es brachte ein, zwei Tage ein paar Schlagzeilen. Aber selbst für die Nachrichtenwelt von heute mit ihrem 24-Stunden-Rhythmus des „nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“ brachte die Karine-A einen relativ kleinen Ausschlag auf der Bewusstseinsskala der Weltmedien.

Man könnte denken, dass nach allem was wir in den letzten acht Jahren durchmachen mussten, seit auf dem Rasen des Weißen Hauses „Frieden“ erreicht wurde, dies nicht hätte nötig sein müssen. Wenn denn Arafats Ablehnung des lächerlich großzügigen Friedensangebots des ehemaligen israelischen Premierministers Ehud Barak vom Juli 2000 nicht ausreichte, um seine Absichten zu belegen, was dann?

Aber das Versagen der Medien, aus dieser Story ein Fressen zu machen, brachte viele Israelis auf. Erstes Ziel ihrer Wut waren allerdings – vorhersehbar – sie selbst.

Praktisch sofort prügelten örtliche Autoritäten auf das israelische Militär ein, weil die die Darbietung der Beute vor der Weltpresse verpfuschten. Offensichtlich dachte in Israel niemand daran, ein Flugzeug zu chartern und die ausländische Presse nach Eilat zu bringen, was dazu führte, dass viele Schreiberlinge darum schlugen, rechtzeitig da zu sein. Sie waren auch nicht klug genug, Versprechungen zu mehr Belegen für die Verwicklung der PA-Spitze für sich zu behalten, während sie nicht alles danach durchkämmten.

Das Geständnis des palästinensischen Marineoffiziers, der das Schmuggelschiff befehligte, half zwar, die Araber schlechter da stehen zu lassen, aber da war die Aufmerksamkeit der Welt bereits weiter gegangen.

Während die Israelis darauf warteten, dass jedermann die angemessenen Schlüsse ziehen und Sanktionen gegen die PA verhängen oder die Verbindungen zu Arafat kappen würde, passierte nichts dergleichen.

Obwohl alle wichtigen amerikanischen Zeitungen Artikel über die Karine-A brachten, wählten weder die New York Times, noch die Washington Post oder der Philadelphia Inquirer sie für einen Kommentar aus. Das hatte Bedeutung, bedenkt man die Vorliebe aller dreier Kommentarseiten dafür, auch den kleinsten Vorwand zu nutzen über den Friedensprozess zu schreiben, wenn Israel für irgendeine behauptete Missetat verantwortlich gemacht werden kann. Da die Karine-A nicht ihre Voraussetzungen für die Notwendigkeit israelischer Zugeständnisse bestätigte, wurde sie einfach ignoriert. Während der Vorfall an der Oberfläche die Palästinenser und Arafat beschädigte, verpassten es die Israelis, den Medien-Auftrieb, den sie suchten. Innerhalb einer Woche waren dieselben Zeitungen und Rundfunkanstalten, die den Fall Karine-A so unterbewerteten, damit beschäftigt, Gräuelgeschichten zu schreiben über israelische Zerstörung arabischer Häuser, die von Terroristen entlang der Grenze mit Gaza benutzt wurden.

Aber diesen Fehlschlag nur israelischer Fahrlässigkeit und Unfreundlichkeit zuzuschreiben, geht zu weit. Ja, es ist nicht einfach, mit der israelischen Regierung zurecht zu kommen und dem stereotyp arrogante Presseoffizier, der mit den Medien arbeiten soll, leistete lausige Arbeit, aber das Problem liegt tiefer als in taktloser Public Relations-Arbeit.

Unehrlichkeit der Linken

Die Antwort auf das Problem könnte in der Überschrift eines Artikels der Associated Press über das Geständnis des palästinensischen Kapitäns liegen, die auf der Titelseite des Philadelphia Inquirer vom 4. Januar veröffentlicht wurde.

Der Artikel begann mit der Erklärung des Kapitäns, dass er PA-Offizier mit offiziellem Auftrag war. Die Story beschrieb diesen Auftrag als einen, dessen Zweck es war, „den waffenmäßig unterlegenen Palästinensern zu ermöglichen sich zu verteidigen“.

Die Ironie ist: Statt das Märchen zu zerstreuen, dass Israel die Palästinenser während der 16 Monate von Arafats Krieg angreift, verstärkt dieser Satz das noch. Die Story über das Schiff wurde so derart verdreht, dass das Ganze zum Teil wie ein Akt heldenhaften palästinensischen Widerstands gegen israelische „Besatzung“ aussah.

Wie die Berichterstattung im Fernsehen, schien diese Story (samt vielen anderen) die Sachlage aus einem beträchtlich anderen Blickwinkel anzugehen.

Sie hob nicht die eklatante Verletzung der Oslo-Vereinbarungen heraus, die die Palästinenser als diejenigen zeigte, die mehr Gewalt gegen Israel und eine Eskalation des Krieges vorbereiteten. Statt einer Geschichte darüber, dass Terror verhindert wurde, schien die Berichterstattung oft mit der Haltung zu beginnen, dass die Palästinenser Recht damit haben, bessere Möglichkeiten zu finden Israelis zu töten.

Schlimmer noch: Einige der extremen Linken in Israel und der Diaspora machen Überstunden, um den Versuch, die Wahrheit ans Licht zu verkünden, zu untergraben. Eine Prüfung dessen, was in der Linken zu dieser Geschichte gesagt – und nicht gesagt -wurde, war aufschlussreich. Wenige derer, die zu mehr israelischen Zugeständnissen drängen, wurden von ihrer täglichen Routine abgelenkt, Premierminister Ariel Sharon zu beschimpfen oder die israelischen Armee der Kriegsverbrechen zu beschuldigen, um das Schiff zu kommentieren.

Es stimmt, ein paar wenige, wie Forward-Kolumnist Leonard Klein sagten, dies sei ein weiteres Beispiel dafür, dass Arafat ungeeignet sei. Aber seine Kriegsspiele reichten nicht aus die Linke zu überzeugen, dass sie im Unrecht waren, als sie Oslo immer weiter anpriesen. Anstatt die Verantwortung für einen tragischen Fehler zu übernehmen, der so viele Leben gekostet hat, ist die oslomanische Clique hier [d.h. in den USA] und in Israel bereit, allem und allen die Verantwortung zuzuschieben, nur nicht den eigenen fehlerhaften stümperhaften Vorstellungen.

Noch bizarrer war, dass einige der extremen Linken den paranoiden Schwachsinn der arabischen Presse nachäfften und behaupteten, die Geschichte der Karine-A sei eine israelische Fälschung.

Uri Avnery, alterndes israelisches Enfant terrible, der regelmäßig im amerikanisch-jüdischen Lehrkreis auftaucht, behauptete genau dies in einer Kolumne, die die Gush-Shalom-Extremisten im Internet verbreiteten. Er ging weiter und erklärte, dass, selbst wenn die Geschichte stimmte, er glaubt, dass die Palästinenser jedes Recht hätten, diese tödlichen Waffen gegen Israelis zu benutzen.

Ob er oder andere seinesgleichen (wie die örtlichen Juden, die regelmäßig an der Freiheitsglocke hier in Philadelphia gegen Israels „Besatzung“ demonstrieren) denken, sie würden verschont, wenn die Araber die Tötung der „schlechten“ Juden abschließen oder nicht, ist unserer Phantasie überlassen.

Obwohl ein Unterschied besteht zwischen der studierten Gleichgültigkeit der Kommentatoren und dem Fieberwahn aus den Malariasümpfen der jüdischen Linken, sprechen beide Phänomene Bände zur nicht vorhandenen Bereitschaft Beweise anzusehen und logische Schlussfolgerungen zu ziehen.

Die gute Nachricht ist, dass außerhalb der Schwätzer-Vorträge, der harten Linken und einigen Kämmerchen des Außenministeriums die Debatte über Arafat, den Friedensprozess und den Krieg, der gegen Israel geführt wird, im Großen und Ganzen geendet hat.

Die Aufgabe derer, die sich um das Überleben Israels sorgen, ist es, sicher zu stellen, dass jeder andere das auch weiß.

Intelligenz zermalmt

Melanie Phillips, 28. Januar 2005 (nicht mehr online)

Am Dienstagabend hatte ich das Pech an einer Diskussion mit prominenter Besetzung und viel Publikum in London teilzunehmen. Sie gehörte zur Serie „Intelligence Squared“ (Intelligenz im Quadrat). Das angeregte Thema lautete: „Der wahre Feind der Juden heute ist der Zionismus.“ Es wurde von drei Juden vertreten: Avi Shlaim, „revisionistischer“ israelischer Historiker, Jacqueline Rose, Englisch-Professorin und Amira Hass, Ha’aretz-Journalistin in den umstrittenen Gebieten. Dagegen sprachen drei Juden aus: ich, Shlomo Ben Ami, ehemaliger Außenminister der Arbeitspartei, und Raphael Israeli, Professor für islamische, Nahost- und chinesische Geschichte an der Hebräischen Universität.

Meine Seite verlor mit 355 zu 320 Stimmen. Es ist schwer, die krank machende Natur dieser Veranstaltung zu vermitteln – und das nicht nur, weil wir verloren. Unterschwellig unterstellte das Thema, dass die Juden für ihre Vernichtung selbst verantwortlich sind; die wahre Gefahr, in der sie schweben, geht weder vom islamischen Terrorismus aus, noch von dem Versuch, die Juden Israels ethnisch zu säubern, auch nicht in antijüdischen Gefühlen in Großbritannien und Europa, sondern von den Juden selbst, weil sie die Israelis in Monster verwandelt haben. Daher werden die Angriffe auf sie, weit davon entfernt beklagt zu werden, implizit begrüßt; und, um das zu seinem logischen Ende zu denken, der Weg, die Juden zu verteidigen, ist die Quelle der Krankheit zu beseitigen – mit anderen Worten, den Staat Israel zu vernichten.

Diese groteske Verleumdung, die die Juden zu doppelten Opfern macht – zuerst dadurch, dass der wahre Terror, dem sie sich ausgesetzt sehen, ignoriert und sogar dazu aufgestachelt wird; und zweitens dadurch, dass sie dafür verantwortlich gemacht werden – ist natürlich in Großbritannien inzwischen ein Gemeinplatz. Was diese Diskussion noch umso Besorgnis erregender machte: Dieses schockierende Thema wurde von drei Juden vertreten. Die Juden, die dem widersprachen, waren daher in der unerträglichen Lage, das jüdische Volk gegen eine Verleumdung der Juden zu verteidigen, die aus dem Mund anderer Juden kam.

Dieser Sport des Juden prügeln ist inzwischen in den britischen Medien in Mode gekommen; diese nutzen Juden dazu die unverhohlensten Unwahrheiten und boshaftesten Lügen und Verleumdungen über Israel loszulassen, damit die Medien jeden Vorwurf antijüdischen Vorurteils leugnen können – auf der Grundlage, dass Juden nicht antijüdisch sein können. Wäre es doch nur so. Ohne zu behaupten, ich verstünde die Motive der drei jüdischen Ankläger Israels, die sich am Dienstagabend mit ihrem abstoßenden Zeugs brüsteten, ist die Geschichte des jüdischen Volks immer mit Juden versehen gewesen, die eine problematische Beziehung zu ihrer eigenen ethnischen Identität hatten, die den Anstiftern diabolischer Verleumdungen gegen ihr eigenes Volk folgten oder sogar selbst zu solchen wurden (so z.B. Marx oder Freud).

Sie selbst sehen das natürlich anders. Und einer der erstaunlichsten und abstoßendsten Aspekte ihres Verhaltens ist die Art und Weise, wie sie moralische Überlegenheit behaupten. Israel, sagen sie, hat den Moralkodex des jüdischen Volkes verraten. Um zu dieser Analyse zu gelangen, verlassen sie sich auf offenkundige Lügen, Auslassungen und Verdrehungen zur Geschichte und der gegenwärtigen Lage der Juden im ehemaligen Palästina und heutigen Israel. Sie suchen und konzentrieren sich auf Beispiele schlechten Verhaltens seitens Israel – was unzweifelhaft passiert und abgelehnt werden sollte – während sie sie derart aus dem Zusammenhang reißen, dass die Seltenheit solcher Ereignisse nicht anerkannt wird; an Israel Verhalten wird ein unmöglich erreichbarer Perfektionsstandard angelegt, wie er von keinem anderen Land in einer derart furchtbaren Lage erwartet wird; Selbstverteidigung wird in Aggression verdreht; dass Israel sich unendlich besser verhält als die meisten anderen Länder, die sich einer ähnlichen Situation gegenüber sehen, wird hartnäckig ignoriert. Sie nehmen die lebensbedrohliche Bedrohung Israels und verdrehen sie ins Gegenteil, damit in der umgekehrten Darstellung Israels als lebensbedrohlich für die Palästinenser dargestellt wird. Sie verweilen besessen, niederträchtig und unmäßig bei den „Verbrechen“ Israels – die zum größten Teil in Wirklichkeit Beispiele für Israels Versuch sich zu verteidigen sind – während sie alle wahren Verbrechen ignorieren: die Massaker und Aggression und Tyrannei, die gegen die Völker der arabischen Staaten, einschließlich der Palästinenser, durch arabische Staaten begangen werden.

Die Juden auf diese Weise zum Sündenbock zu machen, die moralische Umkehrung, die sie für ihre eigene Vernichtung verantwortlich macht, ist eine Verleumdung, die sich im Lauf der langen Geschichte des ältesten Hasses immer und immer wieder wiederholt hat. So ist diese alt hergebrachte, durch Juden selbst vorgenommene Verleumdung, wie ich schon sagte, nicht neu. Trotzdem ist es unsäglich schockierend, sie im Großbritannien des 21. Jahrhunderts in Aktion zu erleben. Aus dieser Diskussion ging ich mit der Art von Gefühlen heraus, die man – in einem völlig anderen Zusammenhang – empfindet, wenn man gezwungen wird die Details pädophiler Angriffe auf Kinder zu hören oder sogar zu sehen. Es ist eine körperliche Taubheit, ein Gefühl der tiefsten Verzweiflung; ein Gefühl, dass ein wirklich großes Übel losgelassen wurde, das die Tiefen der pathologischen Boshaftigkeit, in die menschliche Wesen absinken können, aufdeckt – um sich zu einer Zeit gegen sich selbst zu richten, wenn sie bereits unter mörderischen Angriffen stehen. Es erscheint wie eine Zurückweisung nicht nur ihres jüdischen Seins, sondern ihrer Menschlichkeit.

Und all das wird eingewickelt in die höchsten Ebenen der Scheinheiligkeit, des Humbugs und der schieren, lachhaften intellektuellen Unehrlichkeit und Geistlosigkeit. So interpretierte Professor Avi Shlaim – dessen „Forschung“ von Ephraim Karsh und anderen umfassend auseinander genommen wurde – schamlos das Thema um, damit er Israel dadurch diffamieren kann, dass er behauptet, der „Zionismus heute“ sei ein und dasselbe wie die Politik von Ariel Sharon in den umstrittenen Gebieten. Er verdrehte nicht nur extrem die Geschichte und die derzeitigen Umstände von Israels Anwesenheit in diesen Gebieten, seine Herangehensweise bettelte nach der Frage, was um Himmels Willen – wenn Sharonismus der „Zionismus heute“ wäre – die Massen politischer Parteien in Israel sind, die gegen den Scharonismus sind. Wären diese auch keine Zionisten?

Tatsache war, dass Shlaim durch die Unterstützung dieser These sich – trotz aller Dementis – mit einer Haltung eins macht, die die Juden als einzige aussondert, die kein Recht auf einen eigenen Staat haben; und Israel als einziges Land der Welt, dessen Existenz nicht legitim ist. Zionismus ist heute, wie es immer gewesen ist, die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes und Israel ist sein territorialer Ausdruck. Es gibt heute, wie schon immer, viele unterschiedliche Varianten des Zionismus; Sharons Version ist nur eine davon. Das Thema verurteilte den Zionismus von heute, Punkt. Im Ergebnis wird diese Diskussion von den Feinden Israels und des jüdischen Volks benutzt werden und ihnen weiter Schaden zufügen – und Shlaim, Rose und Hass haben das ermöglicht.

Parteiisches Redigieren bei der Herald Tribune

Original: Partisan Editing at Herald Tribune
übermittelt durch HR-Newsletter vom 27.01.2004

HonestReporting sagt seit Langem, dass die falsche Darstellung des Nahost-Konflikts in den Medien eine der wichtigsten Quellen weltweiter antiisraelischer und antijüdischer Einstellungen ist. Der neueste beunruhigende Hinweis: Die Umfrage einer italienischen Zeitung stellte fest, dass ein Drittel der Europäer das Gefühl haben, die Juden sollten „aufhören ‚Holocaustopfer-Spielchen‘ zu treiben“ und fast die Hälfte der Europäer glauben, „Juden sind anders“ und haben „eine besondere Beziehung zum Geld“. In allen europäischen Ländern korrelierten antisemitische Gefühle positiv mit antiisraelischen Gefühlen.

Während die derzeit statt findende Verunglimpfung Israels in den europäischen Medien Teil des Problems ist, hat das journalistische Urgestein Evelyn Gordon eine andere beunruhigende Entwicklung festgestellt: Die gezielte Veränderung ehedem ausgewogener Artikel einer prominenten europäischen Zeitung – der „International Herald Tribune“. In einem Artikel der heutigen „Jerusalem Post“, der unten wieder gegeben ist, stellt Gordon fest, dass die „Herald Tribune“ mindestens zwei Artikel der „New York Times“ über den israelisch-arabischen Konflikt abänderte, um Israel für die zumeist europäischen Leser der „Herald Tribune“ schlechter aussehen zu lassen. (Wir haben Links zu den ursprünglichen Artikeln der NY Times und der Herald Tribune eingefügt, damit Gordons Äußerungen überprüft werden können.)

Redigiert von … „The Herald Tribune“

Evelyn Gordon, Honestly Concerned, 27. Januar 2004

Jeder, der von der riesigen Unterschieden zwischen europäischen und amerikanischen Ansichten zu Israel verwirrt ist, sollte etwas Zeit mit dem Vergleich zweier Zeitungen verbringen: Der „New York Times“ und der in Paris sitzenden „International Herald Tribune“ [IHT].

Das mag als seltsame Äußerung erscheinen, da die IHT sich im Besitz der Times befindet und die meisten ihrer Artikel Abdrucke der Times sind – das dürfte der Leser zumindest annehmen, da sie der Times zugeschrieben werden und unter Angabe der Reporter der Times erscheinen.

Es stellt sich aber heraus, dass die IHT-Redakteure oft die Times-Artikel ein wenig „verbessern“. Die Justierungen sind gemessen an verändertem Text gering, reichen aber aus, um dem Leser ein völlig anderes Verständnis der Ereignisse zu vermitteln.

Ich entdeckte das erst im letzten Monat, weil ich vorher nie auf den Gedanken kam, einen IHT-Artikel mit dem Original in der Times zu vergleichen. Die Entdeckung kam durch einen Text in der IHT-Ausgabe vom 27./28. Dezember, der den Titel „Palästinenser behaupten: Israelische Taktiken sorgen für zukünftige Anschläge“, der der Times zugeordnet war. Die hauptsächliche Zielrichtung des Artikels war, dass das israelische Militär glaube, seine zweiteilige Antiterror-Kampagne – Bau eines Trennungszauns und regelmäßige Vorstöße zur Verhaftung von Terroristen und der Vernichtung von Einrichtungen zur Bombenherstellung – habe die Zahl der erfolgreichen Anschläge bedeutend verringert.

Aber der Artikel behauptet auch, dass der Anschlag an der Geha-Kreuzung im Gazastreifen am 25. Dezember habe eine drei Monate dauernde Zeitspanne beendet, die „eine Art inoffizieller Waffenstillstand zu sein schien. In dieser Zeit führten die radikalen palästinensischen Gruppen keinen einzigen Selbstmordanschlag aus.“

Das erschien mir unerhört, denn ein Waffenstillstand impliziert, dass kein Versuch eines Anschlags unternommen wurde – während es nach Statistiken der IDF nicht weniger als 22 versuchte Selbstmord-Anschläge in diesem Zeitraum gab, die alle von den israelischen Sicherheitskräften verhindert wurden. Als ich aber in Vorbereitung eines verärgerten Leserbriefs an die Zeitung den Artikel auf der Internetseite der Times überprüfte, entdeckte ich Folgendes:

  • Die Times bezeichnete diesen Zeitraum nie als Waffenstillstand.
  • Die Times erwähnt ausdrücklich, dass „eine Vielzahl von Terroranschlägen“ in diesem Zeitraum versucht und von Israel vereitelt worden waren; der gesamte Absatz wurden aus dem Text in der IHT gestrichen.
  • Die Times sagte nicht, dass die Palästinenser „keine Selbstmordanschläge verübte“, durch den die IHT den falschen Eindruck erweckte, es seien keine versucht worden; dort hieß es nur, richtigerweise, dass keine Anschläge statt fanden.

Darüber hinaus hatte der Artikel der Times eine völlig andere – und weitaus genauere – Schlagzeile:

„Bombe nach Ruhepause: Israel glaubt weiter, dass das Schlimmste vorbei ist“

Das Ergebnis ist, dass der durchschnittliche Leser der Times den folgenden Eindruck gewann: Israels Militäraktivitäten sorgten für drei Monate, in denen keine Israelis umgebracht wurden, trotz „einer Vielzahl von versuchten Terroranschlägen“. Dieses Handeln rettet daher israelisches Leben und ist deshalb möglicherweise rechtfertigbar.

Der IHT-Leser erhält aber den gegenteiligen Eindruck: Weder der Zaun noch die Vorstöße werden gerechtfertigt, denn es gab einen „inoffiziellen Waffenstillstand“ und die Palästinenser führten keinerlei Anschläge durch. Mehr noch: Da in diesem Zeitraum keine Anschläge versucht wurden, rettete Israels Handeln nicht einem einzigem Juden das Leben.

Kurz gesagt: Statt die Bomben-Anschläge zu verhindern, „sorgt Israel für zukünftige Anschläge“ durch grundlose Verfolgung der Palästinenser, wie die Schlagzeile behauptet.

Die IHT veröffentlichte später einen von mir geschriebenen Brief zu diesem Thema, allerdings einmal mehr mit entscheidenden Verdrehungen. Ein Satz war völlig gestrichen: „Die Richtung des Artikels, der in der New York Times erschien, erwähnte ‚eine Vielzahl‘ versuchter Anschläge, die in diesem Zeitraum vereitelt wurden und nannte sie keinen ‚Waffenstillstand‘.“

Ein weiterer Satz – „nach statistischen Angaben der israelischen Armee versuchten die Palästinenser in dieser Zeit 22 Selbstmord-Anschläge zu verüben“ – wurde ersetzt durch: „Nach einer Zählart versuchten die Palästinenser in dieser Zeit mehr als 20 Selbstmord-Anschläge zu verüben.“

Auf diese Weise streicht die IHT beide Quellen, die ich für meine Angabe zitierte – die Times und die IDF – dass Anschläge versucht wurden und ersetzte sie mit „nach einer Zählart“ ohne Quellenangabe. Das lässt den Leser mit dem Eindruck zurück, dass ich keine Quelle habe – ich könne nicht einmal sagen, wessen Zählart – und meine Angaben daher nicht glaubwürdig seien.

Seit diesem Vorgang habe ich entdeckt, dass die IHT oft die Artikel der Times subtil ändert, um ihre Leser dazu zu bringen, Israel noch weniger zu mögen.

Am 2. Januar brachte die Times z.B. einen Artikel, in dem erklärt wurde, dass die Nixon-Administration 1973 darüber nachdachte, in drei arabische Länder einzumarschieren „wenn das von den arabischen Nationen als Vergeltungsschlag für Amerikas Unterstützung Israels im Nahostkrieg von 1973 verhängte [Öl-] Embargo nicht enden würde“. Die IHT änderte das dahin gehend ab, dass Nixon eine Invasion plante, „wenn die Spannungen zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn nach dem Nahostkrieg vom Oktober 1973 weiterhin eskalieren oder das Ölembargo nicht nachlassen sollten“.

Darüber hinaus strich die IHT die – in der Times zweimal wiederholte – Aussage, dass das Embargo der Unterstützung Israels durch die Amerikaner im Krieg folgte und ersetzte sie mit der Erklärung, dass es durchgeführt wurde, „um zu versuchen auf die USA und andere westliche Staaten Druck auszuüben, Israel zum Rückzug von arabischem Land zu zwingen“.

Daher schließt der Leser der Times, dass Nixon über die arabische Reaktion – das Embargo – verärgert war, das wiederum Vergeltung für amerikanisches Handeln war – die Unterstützung eines Verbündeten im Krieg. Israel war eindeutig involviert, aber es war in erster Linie eine arabisch-amerikanische Auseinsandersetzung.

Der IHT-Leser schließt im Gegensatz dazu, dass Nixons Hauptsorge nicht das arabische Handeln war, sondern die „Spannungen zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn“; das Embargo ist zweitrangig. Mehr noch: Das Embargo zielte nicht gegen amerikanische Politik, sondern eine mysteriöse israelische Besetzung arabischen Landes, dessen Hintergrund – die Tatsache, dass es in einem Verteidigungskrieg gewonnen wurde – nie erklärt wird. Kurz gesagt: An der ganzen Krise war Israel Schuld.

Nur sehr wenige Menschen wissen mehr über Israel als das, was sie aus den Medien erfahren. Daher ist es nicht überraschend, dass Leser, die in den Genuss solch subtiler Verdrehungen kommen, Israel als den Übeltäter betrachten.

Unglücklicherweise ist das Verhalten der IHT in Europa eher die Norm als die Ausnahme.

Verbeugt euch nicht vor der „Beeb“

Der Kollaps der Glaubwürdigkeit der BBC geht nicht nur die Briten etwas an

Jonathan S. Tobin, Jewish World Review, 12. Februar 2004

Ein britischer Akzent hat etwas, das die Amerikaner weiche Knie bekommen lässt.

Nennen Sie es „Meisterwerk-Theatersyndrom“, ein Gebrechen, das tief in unserem intellektuellen und kulturellen Leben liegt. Es verursacht, dass viele von uns jeden anzuhimmeln, der ein „Sir“ vor dem Namen hat und ihn als jemanden anzusehen, der als aus Shakespeares „Zeremonien-Insel“ offenkundig jedem hier geborenen überlegen ist.

Diese dümmliche Anglophilie ist in den Künsten ein Problem und hat genauso Auswirkungen auf den Journalismus. Insbesondere der Ruf der British Broadcasting Corporation beruht mehr auf diesem Pseudo-Snobismus als den tatsächlichen Referenzen des mächtigen internationalen Fernseh- und Radio-Netzwerks.

Wie alle Mythen gründet sich die aufgeblähte Reputation der „Beeb“, wie die BBC manchmal in Großbritannien genannt wird, auf ein Stück Wahrheit. In Großbritannien wurde der regierungseigene Sender einmal als unparteiische Quelle angesehen, die sich von der überaus einseitigen englischen Presse abhob. Der Respekt und die Zuneigung, mit der das Netzwerk in der ganzen Welt betrachtet wird, gründen sich auch auf seine historische Rolle im Zweiten Weltkrieg als das Organ der freien Welt für das besetzte Europa.

Eine Lüge senden

Das ist aber lange her. Die BBC ist nicht länger die einzige Nachrichtenquelle der Welt. Und der einst unparteiische Ton ihrer Radio- und Fernseh-Nachrichten ist genauso tot wie Winston Churchill.

Alle Zweifel über diese Wendung wurden Anfang des Monats ausgelöscht, als eine Kommission, mit dem Auftrag eine kontroverse BBC-Nachricht zu untersuchen, entschied, dass das Netzwerk Informationen ausgab, von denen es wusste, dass sie falsch waren.

Die Erkenntnisse der Hutton-Kommission enthüllten, dass BBC-Reporter Andrew Gilligan wissentlich die Lüge sendete, die britische Regierung habe Informationen gefälscht, was dann an anderer Stelle ausführlich aufgewärmt wurde. Der Hauptpunkt zur Story ist, dass Gilligans Lügen von seiner eigenen Gegnerschaft zu Premierminister Tony Blair und dem Krieg im Irak inspiriert waren. Noch wichtiger war die Tatsache, dass die Führung der BBC nicht bereit war die Unzulänglichkeiten des Netzwerks zu untersuchen, bis sie durch öffentlichen Druck dazu gezwungen wurde.

Aber das ist längst nicht das einzige Beispiel für Befangenheit der Beeb. In ihrer Berichterstattung über Israel hat das Netzwerk bewiesen, dass einseitige Berichterstattung wie die von Gilligan eher die Regel als die Ausnahme ist. So, wie es keine redaktionelle Kontrolle oder Entschuldigung der BBC zu ihrer Verleumdung von Blair gab, gab es auch keine, als eine BBC-Dokumentation den israelischen Premierminister Ariel Sharon fälschlicherweise des Begehens von Kriegsverbrechen beschuldigte. Sie ruderte auch nicht zurück, als eine weitere BBC-Produktion fälschlich sagte Israel benutze Giftgas gegen die Palästinenser.

Diejenigen, die daran gewöhnt sind, sich über die Behandlung Israels durch die amerikanischen Medien zu beschweren, müssen verstehen, dass im Vergleich zur BBC selbst die krassesten hiesigen Täter kleine Fische sind.

Diese Einseitigkeit ist in allen Einzelheiten durch Quellen wie die „Beeb Watch“ des britischen Daily Telegraph (www.dailytelegraph.co.uk) und durch Medienbeobachtungs-Organisationen wie CAMERA (www.Camera.org) und HonestReporting.com dokumentiert worden. Ihre Erkenntnisse zeigen, dass BBC-Nachrichtensendungen im Ton wie in der Substanz routinemäßig Geschichten herunter spielen, die Terrorangriffe gegen Israelis zeigen und sich statt dessen auf eine inflationierte Berichterstattung über die leidenden Palästinenser konzentrieren. Bei der BBC stehen Israels Legitimität und sein Existenzrecht immer zur Debatte (obwohl seine Verteidiger selten an dieser Debatte teilnehmen können), während das Recht der Palästinenser, ihren Terrorkrieg zu führen, selten in Frage gestellt wird.

Aber der Zusammenbruch der Fassade der Integrität der BBC betrifft nicht nur die Briten. Die BBC in inzwischen in den Vereinigten Staaten über Satelliten-Fernsehnetzwerke und die Nutzung des World Service der BBC über mit dem National Public Radio (NPR) verbundenen Radiosender verfügbar.

Hier in Philadelphia z.B. wird NPR über den öffentlich geförderten Sender WHYY-91 FM gehört; das ist ein reiner Nachrichtensender, der – wie alle an NPR angeschlossenen – von der Regierung subventioniert wird und individuelle Spenden von Hörern erhält. WHYY hat kürzlich den Anteil der BBC ausgedehnt, von den Stunden nach Mitternacht auch auf die Frühsendung um 5 Uhr, sowie die Berufsverkehrs-Nische um 9 Uhr.

NPR ist selbst wegen seiner frisierten Nahost-Berichterstattung ins Feuer geraten, aber die Hinzufügung von BBC-Sendungen und die darin zu findende Geringschätzung Israels, die oft an Antisemitismus grenzt – sie treiben die Besorgnis bezüglich der NPR-Sender in neue Höhen.

Schlechter Rat

Wie sollten wir auf dieses Problem reagieren? Wie sich zeigt, haben unsere englischen Cousins uns ein gutes Beispiel dafür gegeben, was nicht funktioniert. Englands Oberrabbiner Jonathan Sacks wurde vor Kurzem angegriffen, weil er die BBC gegen Vorwürfe der einseitigen Berichterstattung gegen Israel verteidigte, obwohl er selbst schon einmal eine Delegation von Rabbinern anführte, die sich dort gegen diese Berichterstattung beschwerte. Sacks erklärte in einer Kolumne in der Jerusalem Post, was gebraucht werde sei nicht lauter Protest, sondern ruhige Stimmen, die die Medien diplomatisch bilden könnten.

Sacks hat Recht damit, dass die pro-Israel-Vertreter nicht voreilig loslegen sollten. Aber wenn er uns warnt, dass wütende Juden, denen die Verdrehungen zu viel werden, nicht wissen, wie sie den Lords der BBC gegenüber das Englisch der Queen sprechen sollen, dann offenbart sich, dass er den Protest abwürgt, statt ihn in die richtige Richtung zu lenken.

Statt einer kraftvollen Antwort riecht sein Artikel nach einem älteren, diskreditierten jüdischen Muster. Die Zeit ist lange vorbei, in der wir uns auf jüdische Prominente – wie Rabbi Sacks – verlassen sollten, die persönlich Fairness einfordern, wenn wir uns Vorurteilen gegenüber sehen.

Amerikanische Hörer – und Spender – des öffentlichen Radios sollten diese Sender wissen lassen, was genau sie wegen ihres zunehmenden Gebrauchs der BBC fühlen. Wir müssen uns von unserem „Meisterwerktheater-Syndrom“ befreien, das geholfen hat, diese vermeintlich hoch moralischen Sendern geholfen haben, die Fälschungen der BBC in unsere Gemeinden einzuschleusen.

Unsere Stirnfalten in Richtung ihres arroganten Akzents zu ziehen, wird nicht funktionieren. Wir müssen der BBC und ihren amerikanischen Mittelsmännern sagen, dass wir ihre antiisraelischen Verfälschungen nicht wieder – über Steuerdollars oder Einzelspenden – subventionieren wollen.

Begreift eigentlich keiner Gaza?

Daled Amos, Elder of Ziyon, 5. September 2017

Damals, 2005, war die Mutter aller Lösungen für das Problem Gazastreifen Israels Abkoppelung von ihm.

Die wohlwollenden Meinungen damals illustrierten – im Rückblick – wie unzureichend die Abkoppelung und der Gazastreifen verstanden wurden, besonders von den am meisten respektierten Experten.

Landkarte des Gazastreifens. (Herkunft: CIA World Factbook; Quelle: Wikipedia)

Ab 15. August 2005 schrieb Roger Simon über die Verantwortung von Abbas nach dem Abbau der Siedlung und dem Abzug der Israelis aus dem Gazastreifen:

Wenn aber die Ereignisse ohne einen größeren Patzer weitergehen, wird der Ball allzu bald in Mohammed Abbas‘ Feld landen. Der Gazastreifen wird seine Spielwiese sein und er wird mit der Hamas und dem Islamischen Jihad befassen müssen. Ich beneide ihn nicht… Wir pflegten über unser eigenes Feld zu sagen: „Gibt nichts zurück!“

Natürlich lebt Israel direkt neben seinem „Spielfeld“ Gazastreifen und Israelis sind diejenigen, die unter der Tatsache leiden, dass es kein „Zurückgeben“ gibt. Es war die Abkoppelung, die die Stadt Sderot so berühmt machte. Und zum Synonym von Hamas-Raketenangriffen.

Am 19. August 2005 schrieb Charles Krauthammer, nach dem Abzug aus dem Gazastreifen wird die Abschreckung die Palästinenser dazu bringen die Raketen stillzulegen:

Israel sollte ankündigen, dass fortan jede von palästinensischem Territorium geschossene Rakete sofort eine mechanische automatische Reaktion auslösen wird, bei der mit fünf israelischen Raketen zurückgeschossen wird. Es wird kein menschliches Eingreifen dabei geben. Jede palästinensische Rakete, die in Israel einschlägt, wir sofort Sensoren auslösen und voreingestellte Gegenangriffe auslösen. Jeder palästinensische Terrorist, der eine Rakete losschießt, wird wissen, dass er sechs schießt: eine palästinensische und fünf israelische.

Israel sollte entscheiden, wie diese fünf für die Reaktion programmiert werden sollten. Vielleicht drei, die auf den Abschussort und die direkte Umgebung zielen und zwei auf eine Liste vorher festgelegter wurden und strategischer Aktivposten der palästinensischen Milizen.

… Ist Israel einmal aus, gibt es keine Möglichkeit die Raketen zu demontieren. Abschreckung ist alles, was es gibt. Nach nur ein paar wenigen israelischen Demonstrationen „nicht massiver Vergeltung“ werden die Palästinenser ihre terroristischen Raketenschützen stilllegen. [Hervorhebung hinzugefügt]

Abgesehen von der Tatsache, dass eine solche Lösung haltlos ist: In den frühen Jahren der palästinensischen „Demokratie“ überschätzten viele, wie weit freie Wahlen ein Land bringen können, das sich aus freiem Willen entscheidet Terroristen zu ihren Führern zu wählen.

Am 20. August schrieb John Derbyshire von „The Corner“ der National Review, dass die Abkoppelung einen Gaza-Staat schaffen würde, der einen Sinn für Verantwortung bringen würde, der die palästinensische Aggression drosseln würde:

Die Araber sollten deswegen sehr besorgt sein. Wenn ich einfach ein Staat bin und du einfach ein Staat bist, dann könnten wir einen Krieg anfangen, wie Staaten das tun, wenn es irgendeinen der traditionellen Definitionen eines casus belli gbit.

Israel hat Kriege gegen Jordanien, Ägypten und Syrien gekämpft; aber es hat nie einem Krieg gegen Palästina geführt. Wie würde ein israelisch-palästinensischer Krieg aussehen? Wäre ich ein palästinensischer Araber, würde ich hoffen, das nie herauszufinden.

Mit westlichem Einfluss und Druck, der zur Verfügung steht, um Israel dauerhaft im Zaum zu halten, ist es fragwürdig, wie viel Angst palästinensisch-arabische Führer tatsächlich haben.

Natürlich war nicht jeder blind. Nathan Sharansky erkannte die Folgen der Abkoppelung. In einem Interview in der Ausgabe des Middle East Quarterly vom Winter 2005 zeigte Sharansky, dass er wusste, was kommen wird:

MEQ: Sind Sie prinzipiell gegen den Gaza-Abkoppelungsplan oder haben Sie Sorge wegen seiner praktischen Umsetzung?

Sharansky: Fragen zu Prinzipiellem und zu praktischen Dingen sind für mich immer miteinander verbunden. Ich war gegen den Abkoppelungsplan, nicht weil ich glaubte, wir sollten im Gazastreifen bleiben, sondern weil einseitige Zugeständnisse Gaza in einen Brückenkopf für einen terroristischen Staat verwandeln könnte. Wenn sich eine palästinensische Demokratie entwickeln würde, dann würde ein Palästinenserstaat nicht gefährlich sein. Wie ich vor vielen Jahren sagte, ist es sehr wichtig, dass der Tiefe unserer Zugeständnisse der Tiefe der Demokratie auf der anderen Seite entsprechen sollte. Wäre die Abkoppelung mit demokratischen Reformen verbunden, würde ich absolut für den Plan sen. Aber ich lehne jeden Plan ab, der Territorium für Terror freigibt. [Hervorhebung hinzugefügt]

Natan Saransky (Foto: Nathan Roi – The Jewish Agency for Israel; Quelle: Wikipedia)

Krauthammer schrieb am 2. Dezember 2005 vom erstaunlichen jüngsten Fortschritt in der Entschärfung des arabisch-israelischen Disputs:

… der Gaza-Abzug war ein Erfolg. Auf israelischer Seite wurde er mit bemerkenswerter Geschwindigkeit und ohne jeglichen sozialen Aufruhr und innere Unruhen erreicht, die vorhergesagt worden waren. Was die Palästinenser angeht, so wurde ohne jegliches Trara gerade ihr erster Staat aus der Taufe gehoben. Sie haben politische Unabhängigkeit für 1,3 Millionen ihrs Volks, Souveränität über den gesamten Gazastreifen und zum ersten Mal eine Grenzen mit der Außenwelt (den Übergang Rafah zu Ägypten), den sie kontrollieren.

… Als Resultat lässt Israels regionale Isolation nach, da islamische Länder von Pakistan über Qatar bis Marokko offen ihre Beziehungen erweitern oder intensivieren, während antiisraelische Verweigerer wie Syrien und die Hisbollah isoliert sind und sogar namentlich vom UNO-Sicherheitsrat verurteilt werden.

Wie kam das zustande? Durch israelischen Unilateralismus und dass die Palästinenser erwachen wurden.

Dann lässt Krauthammer selbst den Ballon platzen und gibt zu, dass es ausschließlich um Israels militärische Fähigkeiten geht und weder um israelische Zugeständnisse noch palästinensisches Erwachsenwerden:

Es ist nicht so, als würden viele Gazaner die Romanze mit dem revolutionären Terrorismus und Jihad nicht fortsetzen wollten. Aber sie haben nicht länger die Mittel. Der Trennzaun macht es fast unmöglich Anschläge in Israel zu verüben. Und auf israelische Städte geschossene Raketen wird mit israelischen Vergeltungs-Artilleriesalven begegnet, die die Raketenschützen zuhause eher unbeliebt machen. Ein ähnliches Gleichgewicht wird in der Westbank erreicht, wenn der Zaun nächstes Jahr vollendet wird.

All das zeigt, dass man hinterher immer klüger ist. Und das ist gut – bedenkt man, dass die Genauigkeit von Experten-Vorhersagen einer Rate von 50:50 nicht einmal nahe kommt.

Zum Beispiel kommen die Leute, die über die Lage angeblich richtig gut Bescheid wissen, selbst heute immer noch mit leeren Händen daher.

Letzte Woche erklärte Trumps Nahost-Gesandter Jason Greenblatt, die PA muss in Gaza herrschen. Die Hamas hat darin versagt den Grundbedürfnissen der Menschen gerecht zu werden:

Jason Greenblatt, der Sondergesandte von US-Präsident Donald Trump für den israelisch-palästinensisch Friedensprozess, sagte am Mittwoch, die palästinensische Autonomiebehörde müsse „wieder anfangen ihre Rolle in der Verwaltung des Gazastreifens zu übernehmen“, angesichts des Schadens, den die Hamas dem Land dort zugefügt hat. Greenblatt äußerte dies während einer Tour entlang des Grenzgebiets zwischen Israel und dem Gazastreifen mit IDF-Generalmajor Yoav Mordechai, dem Koordinator der Regierungsaktivitäten in den Gebieten.

Seltsam, dass es in dem Artikel keine Erwähnung von Abbas durch Greenblatt gibt.

Der Artikel hält ebenfalls fest, dass Obama dasselbe versuchte, nach dem Gazakrieg von 2014 auf eine Lösung des UNO-Sicherheitsrats zur Wiedereinsetzung der PA im Gazastreifen drängte. Aber daraus wurde nichts – weil sowohl die Israelis als auch die Palästinenser das ablehnten.

Ist es da verwunderlich, dass die Mainstreammedien im Westen diese Story ignorierten?

Man sollte doch wohl Abbas schwache Bilanz zum Gazastreifen in Betracht ziehen.

Obwohl er im Oktober 2004 zum Vorsitzenden der PLO und dann im Januar 2005 mit 66% der Stimmen zum Präsidenten gewählt wurde, war Abbas‘ Popularität bis Ende 2005 an einem derart niedrigen Punkt angelangt, dass es Gerüchte gab er würde zurücktreten. Symbolisch für diese fehlende Kontrolle war schon damals seine Unfähigkeit die aus dem Gazastreifen nach Israel geschossenen Qassam-Raketen zu stoppen.

Abba sagte sogar, die aus dem Gazastreifen auf Israel geschossenen Qassam-Raketen seien „Israels Problem“ und das er nicht vorhabe einzugreifen. „Lasst die Israelis sich darum kümmern“, sagte er.

Es überrascht nicht, dass ein Umfrage des Palestinian Center for Policy and Survey Research im Juli 2017 feststellte, dass 62% der palästinensischen Araber wollen, dass Abbas zurücktritt.

Und Trumps Gesandter plädiert für eine Rückkehr der PA-Kontrolle über den Gazastreifen?

Die beste Analyse, die ich jemals zur Situation im Nahen Osten hörte, war die von George Will. Vor Jahren sagte er, als er das Problem des arabisch-israelischen Konflikts ansprach, das sein kein Problem, das sein ein Schlamassel. Der Unterschied zwischen Problem und Schlamassel, sagte er, liege darin, dass ein Problem eine Lösung hat.

Als Trump andeutete, er sei bereit die beiden Seiten die Dinge selbst in Ordnung bringen zu lassen und er würde das unterstützen, egal ob eine Zweistaatenlösung oder etwas anderes dabei herauskäme – da war das ein anderer und notwendiger Ansatz.

Trumps Kehrtwende ist weder für die beteiligten Seiten noch für die USA gut.

Während der Zeit der Unbesonnenheit 2005 konnte man den idyllischen Optimismus verstehen, der Politiker wie Experten Frieden am Horizont sehen ließ.

Heute hat die Administration Trump keine Ausrede.