Palästinenser laufen Gefahr zu verhungern – im Libanon. Also werden Sie in den Medien davon nichts lesen.

Elder of Ziyon, 2. Januar 2020


Die Apartheid gegen Palästinenser im Libanon wird immer schlimmer – aber da Israel nicht beteiligt ist, gibt auch niemand vor mit ihnen solidarisch zu sein.

Yassir Ali, Mitglied des Generalsekretariats der Volkskonferenz für Palästinenser im Ausland, warnte vor „dem Schreckgespenst der Hungersnot“ in Palästinenserlagern im Libanon.

Er erklärte, dass die Arbeitslosenrate in den Lagern, in denen Palästinenser zu leben gezwungen sind, sich 2019 von 56% auf 65% verschlechterte und die Armutsrate sich von 65% auf 80% verschlimmerte.

Palästinenser im Libanon sind von etwa 73 Kategorien an Jobs im Libanon ausgeschlossen, was der Grund dafür ist, dass ihre Arbeitslosigkeits- und Armutsraten so hoch liegen.

Zusätzlich, sagte Ali, wird Palästinensern von libanesischen Banken nicht erlaubt Gelder abzuheben oder sich auch nur Gelder aus dem Ausland überweisen zu lassen.

Eine große Zahl der Flüchtlinge ist hauptsächlich von den Auslandsüberweisungen ihrer Kinder abhängig, die auf etwa 100 Millionen Dollar jährlich geschätzt werden. Die meisten bei der UNRWA „registrierten Flüchtlinge“ im Libanon haben den Libanon schon vor langer Zeit verlassen; vor ein paar Jahren waren von 470.000 gelisteten tatsächlich nur 174.000 im Libanon. Heute sind die Zahlen wahrscheinlich noch niedriger, weil junge Palästinenser im Libanon buchstäblich keine Zukunft haben.

Zusätzlich gibt es rund 20.000 syrische palästinensische Flüchtlinge, die sich immer noch im Libanon befinden; auch sie sind gezwungen in denselben übervölkerten Lagern zu leben wie die anderen Palästinenser.

Palästinenser im Libanon veranstalten massive Demonstrationen, um zu erreichen, dass ihnen dieses Jahr mehr Jobs möglich sind, heißt es von Ali. Aber als die größeren Demonstrationen gegen die Regierung begannen, entschieden die Palästinenser ihre eigenen Proteste einzustellen, weil ihre Lage so prekär ist und sie nicht wollten, dass es so aussieht, als würden sie Partei ergreifen. Immerhin hassen die meisten Libanesen ihre palästinensischen „Gäste“ und die armen Palästinenser wollen es für sich und ihre Familien nicht noch schlimmer machen.

Der Libanon ist für Palästinenser nach jedem Maßstab der schlimmste Ort der Welt. Diskriminierung ihnen gegenüber ist im Libanon gesetzlich verankert. Ihnen ist es nicht erlaubt Land zu kaufen oder auch nur ihre Häuser zu erweitern. Sie werden von der Bevölkerung gehasst. Sie würden liebend gerne in der Westbank oder sogar im Gazastreifen leben.

Aber wie oft sehen Sie irgendeinen Artikel über Palästinenser im Libanon? Wie viele NGOs, die vorgeben sich um die Palästinenser zu sorgen, erwähnen die Lage im Libanon überhaupt? Wann war das letzte Mal, dass Human Rights Watch über die Palästinenser im Libanon twitterte?

Die traurige Tatsache lautet: Wenn Juden nicht beteiligt sind, schert man sich den Teufel um die Palästinenser. 5.000 wurden in Syrien getötet – die Medien schweigen. In der Westbank herrscht Korruption – niemand kümmert das. Christen haben den Gazastreifen wegen Verfolgung durch Muslime praktisch alle verlassen – aber ihre einzige Erwähnung in den Meiden erfolgt, wenn Israel ihre Weihnachtsreisen einschränkt.

Zu praktisch jedem Menschen und jeder Gruppe, die sagen, dass sie pro-palästinensisch sind, wird mit dieser Geschichte und anderen bewiesen, dass sie nichts dergleichen sind. Sie sind schlicht antiisraelisch. Und der einzige Grund, dass irgendjemand sich mehr um Israels Umgang mit den Palästinensern kümmert als um den weit schlimmeren Umgang mit ihnen im Libanon, ist der gute, altmodische Antisemitismus.

Israels unverhältnismäßige Zivilverteidigung

Paul Shindman, HonestReporting, 21. November 2019

Israelis rennen während eines palästinensischen Raketenangriffs auf Beer Sheva am 23. März 2011 in Deckung. (Foto: Menahem Kahana/AFP, via Getty Images)

Unverhältnismäßig ist Israels Verteidigung seiner Zivilbevölkerung, nicht die Taktik der IDF.

Jedes Mal, wenn die Hamas und der Islamische Jihad Raketen auf israelische Städte feuern, sind die Nachrichten voll von Bildern des Abwehrsystems Eiserne Kuppel, die die einfliegenden Bomben abfängt, von Experten, die ihre Analyse abgeben, Bilder der verursachten Schäden und Berichte aus Krankenhäusern zum Status der Verletzten.

Seit 2006, als die Hamas die Kontrolle über den Gazastreifen mit Gewalt übernahm, hat es mehrere große Ausbrüche, darunter die IDF-Operationen Gegossenes Blei, Wolkensäule und Fels in der Brandung, dazu zahlreiche Konflikte von weniger großer Intensität. Bei diesen Gewaltausbrüchen schossen die Hamas und andere Terrororganisationen tausende Raketen auf Israel und die IDF schlug mit gezielten Angriffen auf Terrorziele zurück. Bei den größten IDF-Operationen von 2008/09, 2012 und 2014 schickte Israel auch Bodentruppen in den Gazastreifen.

Zwangsläufig werden von den Auslandsmedien Vergleiche zwischen den Opfern beider Seiten gezogen, allerdigns in der Regel ohne jeglichen Kontext oder Erklärung. Viel zu oft greifen Redakteure eines der übermäßig missbrauchten Modewörter auf, unverhältnismäßig.

Um zu verstehen, warum es oft eine unverhältnismäßige Zahl an Opfer gibt, braucht es einige Erklärungen. Aber infolge der begrenzten Sendezeit und unerbittlichen Wortzählungen werden diese Gründe allgemein nicht angeführt. Die Öffentlichkeit versteht nicht, warum Israel hat, was eine unverhältnismäßig geringe Opferzahl zu sein scheint.

Die Bedrohung für Israels Bevölkerung

Seit dem ersten Hamas-Raketenangriff im Jahr 2001 ist Israel aus dem Gazastreifen von rund 20.000 Raketen und Mörsergranaten getroffen worden. Die weit überwiegende Mehrheit ist auf zivile Ziele gerichtet und es wurden mehr als 50 Menschen getötet, hunderte verletzt und hunderte Häuser und Geschäfte zerstört.

Selbst als Gazas Wirtschaft verfaulte, investierten Hamas und der Islamische Jihad hunderte Millionen Dollar in die Entwicklung von Raketen, die bis nach Haifa reichen, womit mehr als sechs Millionen Israelis bedroht sind.

Das ständige Raketenfeuer auf die Bevölkerungszentren zwang Israel zur Entwicklung von Strategien, um mit den Angriffen umzugehen. Die Ergebnisse haben trotz der Salven eine beeindruckende Reduktion der zivilen Opfer gezeigt.

Verfahren zur Verteidigung der Zivilisten

Die israelische Regierung und Vertreter des Verteidigungsapparates haben schon immer die Bedeutung der Zivilverteidigung begriffen; seit 1948 hat es in den meisten Gegenden Bunker gegeben. Die Verwendung von Kurzstreckenraketen durch die Hamas erforderte allerdings neue Maßnahmen.

Die Behörden für die Zivilverteidigung erkannten, dass der Hauptfaktor für die Vermeidung von Opfern das Verhalten der Zivilbevölkerung ist, die „erzogen“ und trainiert werden muss, um auf Raketenangriffe zu reagieren.

Die  Hauptmaßnahmen der Zivilverteidigung sind:

  • Die Zivilisten werden instruiert sofort auf die Alarme zu Luftangriffen zu reagieren und Schutz zu suchen. Die Bürger wissen, dass sie in Bunker rennen, in armierte Räume, Treppenhäuser oder, wenn sie im Freien überrascht werden, sich auf den Boden zu legen und zu schützen. Bürger in allen angegriffenen Städten und Orten werden über die Zeit instruiert und wissen, wie viel Zeit sie haben um Schutz zu suchen, wenn der Alarm losgeht: nur 15 bis 90 Sekunden.
  • In stark angegriffenen Bereichen wie Sderot, wo die Einwohner nur 15 Sekunden oder weniger Vorwarnzeit haben, sind Spielplätze und Bushaltestellen umgebaut worden und dienen als armierte Beton-Bunker.
  • Schulen und Krankenhäuser nahe der Grenze zum Gazastreifen sind mit armiertem Beton bedeckt worden, um Schüler und Lehrer tagsüber vor Raketenangriffen zu schützen.
  • Als die Raketensalven aus dem Gazastreifen besonders intensiv waren, befahl die Zivilverteidigung den Einwohnern innerhalb von sieben Kilometern vom Gazastreifen in den Bunkern zu bleiben. Alle Kindegärten, Schulen und Universitäten im einem 40km-Radius bleiben geschlossen und diesen Zivilisten wird gesagt, sie sollen in der Nähe von Bunkern bleiben.
  • Israel veranstaltet jedes Jahr einwöchige Zivilverteidigungsübungen mit Schulen, an Arbeitsplätzen, Heimen, Verwaltungen Krankenhäusern, um die Bürger zu trainieren, wie sie sich während Angriffen verhalten sollen. Und jedes Jahr machen Schulen Sonderübungen, bei denen Raketenangriffe und Erdbeben simuliert werden.
In Sderot dienen aus armiertem Beton gebaute Geräte auf Spielplätzen gleichzeitig als Bunker.

Die Ergebnisse sind dramatisch effektiv.

In dutzenden Vorfällen wurden Häuser, wo Raketen explodierten, nur Sekunden zuvor evakuiert und die Einwohner suchten Schutz.

Zum Beispiel erwachte im Oktober 2018 eine Mutter in Beer Sheva um 3:40 Uhr morgens durch eine Warnsirene. Sie hatte nur 60 Sekunden, um ihre drei Kinder aufzuwecken und in den Bunker zu kommen. Als sie gerade die Tür zu ihrem Bunkerraum schloss, zerstörte eine Rakete ihr Haus, aber sie entkamen unbeschadet.

Nach drei Tagen Raketenangriffen im November 2019 gab das Heimatkommando der IDF eine Erklärung aus, die die Zivilbevölkerung lobte. „Sie haben die Anweisungen aufmerksam befolgt, Sie haben die Richtlinien eingehalten und sich um Ihre persönliche Sicherheit gekümmert“, heiß es in der Erklärung.

* * *

Zusammen mit dem oben Beschriebenen schließen Israels Verteidigungsmaßnahmen drei weitere Fakten ein: ein fortschrittliches Frühwarnsystem, das Raketenabwehrsystem Eiserne Kuppel und neue Militärtaktiken, die akkurat auf militärische Ziele schießen.

Das Warnsystem Roter Alarm

Die Israelischen Verteidigungskräfte stationierten das Frühwarn-Radarsystem „Farbe Rot“ (Hebräisch: Tzewa Adom), um einfliegende Raketen zu entdecken. Bevor das System installiert wurde, hatten die Einwohner Israels nahe der Gaza-Grenze keine Warnung und Raketen konnten jederzeit detonieren. Viele Zivilisten wurden getötet oder verwundet.

Dieses Alarmsystem wurde erstmals 2004 in Sderot stationiert; es gibt den Einwohnern bis zu 15 Sekunden um Schutz zu finden, bevor die Rakete explodiert. Ortsansässige haben sich auf das System eingestellt, sie fangen an zu rennen, wenn sie den „Klick“ hören, wenn die Lautsprecher des Systems einen Sekundenbruchteil vor dem Ertönen der aufgezeichneten Stimme hören, die „Roter Alarm, Roter Alarm“ verkündet.

Das nationale Frühwarnsystem wurde ausgeweitet und 2012 fertiggestellt. Das System „Farbe Rot“ wird in der Nähe zum Gazastreifen verwendet, während andernorts traditionelle Luftschutzsirenen genutzt werden.

Das System ist nicht nur an landesweite Fernseh- und Radiosendungen gekoppelt, um automatisch einen Alarm und den angegriffenen Ort zu verkünden, sondern reicht bis zum Internet und auf Telefone. Das Land ist heute in 1.700 Zonen aufgeteilt, so dass Alarme nur in Bereichen ertönen, wo Raketeneinschläge unmittelbar bevorstehen.

Eiserne Kuppel

Um sich gegen Kurzstrecken-Artillerieraketen zu verteidigen, die sich gegen Personen richten, entwickelte Israel ein neues Abwehr-System, das als „Eiserne Kuppel“ bekannt ist. Das verwendete System nutzt fortschrittliches Radar um einfliegende Raketen zu verfolgen und ihren Einschlagsort zu bestimmen. Das löst für die Gemeinden das System Roter Alarm aus, auf die geschossen wird.

Innerhalb von Sekunden startet die Eiserne Kuppel gelenkte Raketen, die die einfliegenden Raketen abfangen. Wenn jedoch die Eiserne Kuppel berechnet, dass die angreifenden Raketen in offenem Gebiet landen werden, schießt es keine Abfangrakete.

Das bahnbrechende Verteidigungssystem bekämpft die Bedrohung durch Kurzstreckenraketen und 155mm-Artilleriegranaten. Das System versucht den Gefechtskopf des Ziels über einem neutralen Gebiet zu sprengen, womit es den Kollateralschaden in städtischen Regionen reduziert.

Das System Eiserne Kuppel hat hunderte Raketen erfolgreich abgefangen, die auf israelische Städte zielten; es hat eine berichtete Erfolgsrate von mehr als 90%.

Dieses System ist eigentlich Teil von Israels dreistufigem Radar-Abwehrsystem. Während die Eiserne Kuppel Kurzstrecken-Raketen bekämpft, bekämpft „Davids Schleuder“ (auch als Zauberstab bekannt) Mittelstrecken-Raketen mit einer Reichweite von 40 bis 300km. Der „Pfeil“ ist konzipiert, um ballistische Langstrecken-Raketen zu bekämpfen.

Israels Eiserne Kuppel

Palästinensische Opfer

Zu begreifen, was hinter den „unverhältnismäßigen“ Opfern steckt, heißt auch zu verstehen, warum die Zahl bei den Palästinensern höher ist.

Während die palästinensische Autonomiebhörde ein bescheidenes Budget für die Zivilverteidigung in der Westbank hat, gibt die Hamas nichts dafür aus. Der Gazastreifen hat keine Bomben-Schutzräume oder ein Frühwarnsystem, aber nicht wegen fehlendem Geld oder Ressourcen. Ein typischer Hamas-Terrortunnel kostet schätzungsweise 4 bis 10 Millionen Dollar. Während der Operation Fels in der Brandung im Jahr 2014 entdeckte die IDF 18 Tunnel, die mit geschätzten 800.000t Beton gebaut wurden. Der Journalist Liel Leibovitz wies darauf hin:

Um Dubais Burj Khalifa, den höchsten Turm der Welt zu bauen, wurden 110.000t Beton gebraucht. Die Hamas hätte sich daher sieben solche Monströsitäten leisten können und immer noch einige tausend Dutzend Tonnen übrig gehabt. Hätte sie z.B. Kindergärten mit Bombenschutzräumen bauen wollen, wie Israel sie für die belagerten Bürger von Sderot baute – immerhin haben bekannte Militärstrategen wie Jon Stewart die letzte Woche damit verbracht zu verkünden, dass Gazas Bürger nichts hatten, um sich vor Israels Artillerie in Sicherheit zu bringen – dann hätte die Hamas ihre Reste dazu nutzen können etwa zwei zu errichten, die so groß sind wie das Stadion der New York Giants sind. Und das sind nur 18 Tunnel. Ägypten behauptete vor kurzem, dass es auf seiner Seite weitere 1.370 zerstört hat. Das ist eine Menge Beton.

Darüber hinaus gibt es beträchtliche Dokumentation des Raketenfeuers der Hamas aus zivilen Gebieten und die Lagerung von Waffen in Krankenhäusern, Moscheen und Schulen. Statt Zivilisten zu beschützen, sagte der damalige UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, verwandelte die Hamas Schulen „in potenzielle militärische Ziele und gefährdete das Leben unschuldiger Kinder“.

Die IDF tut was sie kann, um palästinensische Opfer zu minimieren. Mit Luftüberwachung rund um die Uhr werden Raketen schießende Trupps identifiziert und unter Verwendung von Präzisionsmunition statt Feldartillerie angegriffen. Gezielte Angriffe sind so gestaltet, dass sie nur Kombattanten treffen und das Risiko für nahe dabei befindliche Zivilisten minimieret wird.

Israelischen Luftangriffen gehen oft automatisierte Telefonanrufe, SMS oder abgeworfene Flugblätter voraus, die die Palästinenser warnen Gefahr aus dem Weg zu gehen. Eine weitere von der IDF übernommene, einzigartige Taktik ist das „Anklopfen auf dem Dach“. Vor dem Beschuss eines Gebäudes wirft ein Pilot eine laute, nicht tödliche Bombe ab, um palästinensischen Zivilisten vorab zu warnen. In eingen Fällen wurden Angriffe wegen der Anwesenheit von Zivilisten abgebrochen.

Während diese Warnungen viele palästinensische Leben gerettet haben, bezeichnet die Hamas sie als psychologische Tricks und drängt die Palästinenser regelmäßig sie zu missachten. Und in einigen Fällen veranlassten die Warnungen die Palästinenser sogar auf die Dächer der Gebäude zu gehen, die das Ziel waren, um als menschliche Schutzschilde zu dienen.

Wenn die palästinensischen Opfer im vollgestopften Gazastreifen unverhältnismäßig zahlreich sind, muss man sich da wirklich noch wundern?


Bild: Spielplatz in Sderot, via
YouTube/aquafountain

Independent Arabia stellt österreichisch-ungarische Soldaten des Ersten Weltkriegs als nach Palästina einwandernde Juden dar

UK Media Watch, 16. Dezember 2019

Ein Artikel des Analysten und Redakterus (mit Sitz in Kairo) Ahmad ’Abd al-Hakeem im Independent Arabia (ein Joint Venture des britischen Independent und der saudischen Mediengruppe SRMG – vom 30. November beinhaltete das folgende Foto und die Bildbeschreibung:

Die Bildbeschreibung unter dem Foto mit Uniform tragenden Männern, die in perfekter Aufstellung marschieren, wobei sie Gewehre tragen, behauptet, sie seien in Wirklichkeit „Juden bei ihrer Einwanderung in den Staat Palästina“.

Das Foto (das aus der Sammlung der Library of Congress stammt) zeigt in Wahrheit österreichisch-ungarische Soldaten, die im Ersten Weltkrieg an den Mauern Jerusalems vorbeimarschieren.

Abgesehen von dem abwegigen Foto kommen hier zwei Dinge auf (das erste empörender als das zweite):

  • Zivile jüdische Einwanderung nach Israel und Jerusalem wird arabischen Lesern des Independent als die einer gut organisierten und stark bewaffneten professionellen Armee präsentiert. Ob das gewollt passiert oder nicht, diese falsche Darstellung zeichnet eine heftig verzerrte Geschichte der Zeit.
  • Entgegen den Worten der Bildbeschreibung hat es einen „Staat Palästina“ zu keinem Zeitpunkt der Geschichte gegeben. Zusätzlich stellt selbst der Artikel in seinen ersten Worten fest, dass ein palästinensischer Staat derzeit nicht existiert.

„Seit der Resolution 181, auch als ‚Teilungsplan-Resolution‘ des ‚historischen Palästina‘ bekannt, wurde am 29. November 1947 verabschiedet, suchen die Palästinenser die Landkarten nach dem ab, was von ihrem ‚erhofften‘ Staat übrig geblieben ist.“

Recherche und Text von CAMERA Arabic. Bearbeitet von UK Media Watch.

Deutsche Welle schürt Antisemitismus, sagt CAMERA

Der Sender verwendete den Begriff „Israel-Lobbyisten“, um seine Kritiker zu beschreiben.

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 10. Dezember 2019

Die deutsche Flagge am 7. November 2017 vor dem Reichstagsgebäude in Berlin. (Foto: Reuters/Hannibal Hanschke)

Athen – Der Streit zwischen dem Committee for Accuracy in Middle East Reporting and Analysis (CAMERA) und dem deutschen Nachrichtensender Deutsche Welle weitete sich aus, nachdem die Medien-Watchdog-Organisation die staatlich finanzierte Mediengruppe beschuldigte Antisemitismus zu schüren.

Deutsche Welle suggerierte, dass Mitglieder der amerikanischen gemeinnützigen Organisation seien „Israel-Lobbyisten“, nachdem die Gruppe die DW zwang einen bedeutenden Fehler in einem Artikel zu korrigieren, der fälschlich behauptete 600.000 israelische Siedler lebten im von der Hamas kontrollierten Gazastreifen.

CAMERA schoss gegen DW zurück.

„Wir sind aus ein paar Gründen aufgebracht“, sagte CAMERAs Jonah Cohen am Montag gegenüber der Jerusalem Post. „Erstens wiesen wir auf einen Faktenfehler in ihrer Berichterstattung hin und ihre Reaktion bestand darin uns deswegen anzugreifen. Zweitens sind wir keine Lobby, was zu entdecken so gut wie keine Recherche benötigt hätte. Und drittens hat der Ausdruck ‚Israel-Lobbyisten‘ im deutschen Diskurs einen antisemitischen Beiklang. Einzig Israel wird als Lobbyisten habend herausgehoben.“

Es gibt keine im Gazastreifen lebenden israelischen Siedler. Die Hamas hingegen hat zwei behinderte Israelis als Geiseln genommen und verweigert ihnen Zugang durch das Rote Kreuz.

Christoph Jumpelt, ein DW-Sprecher, sagte der Post am Dienstag: „Wir kommentieren im Allgemeinen spezifische Fragen zu unserer Berichterstattung“, und fügte an, dass er „die Anschuldigung kategorisch zurückweist“. Es ist unklar, welche Anschuldigung er meint, aber man nimmt an, dass es sich um den von CAMERA erhobenen Vorwurf des Antisemitismus handelt.

Jumpelt sagte: „Was die Korrektur eines Übersetzungsfehlers angeht, möchte ich sagen, dass die Korrektur zu der Zeit vorgenommen wurde, als einige Publikationen behaupteten, sie hätten diesen Fehler entdeckt.“

Ines Pohl, DW-Chefredakteurin, twitterte am Donnerstag: „Wegen eines Übersetzungsfehlers ist die DW seit Tagen massiver Kritik sogenannter Israel-Lobbyisten ausgesetzt. Wir weisen diese Anschuldigung scharf zurück. Dennoch hätte der Fehler nicht passieren dürfen – und wir entschuldigen uns dafür.“

Die Post berichtete im November von dem Fehler. Pohl und Jumpelt lehnten es ab zu sagen, wer die „sogenannten Israel-Lobbyisten“ sind und wer die Korrektur-Artikels schrieb, der die Kritiker beschuldigte „Israel-Lobbyisten“ zu sein. Pohls Tweet elektrisierte Twitter; Kritiker wie die prominente deutsche Journalistin Mirjam Fischer fragte Pohl nach ihrer Verwendung von „Israel-Lobbyisten“.

Vijeta Uniyal, ein Analyst der DW-Berichterstattung zu Israel, der weithin als einer der führenden Experten zu Beziehungen zwischen Israel und Indien gilt, sagte der Post: „Es ist von der Deutschen Welle unaufrichtig dies als einen isolierten Vorfall darzustellen. Allein in den letzten Monaten ist der Sender zahlreiche Male wegen seiner offenbar antisemitischen Berichterstattung angeprangert worden. Der Sender hat wiederholt auf antisemitische Sprachbilder und subtile Aufhetzung zurückgegriffen, um unabhängige Journalisten und diejenigen, die seine Einseitigkeit aufzeigen, zu verleumden.“

Er fügte an: „Das die Deutsche Welle Antisemitismus in ihrer Berichterstattung bestreitet – indem eine Äußerung ausgegeben wird, die mit antisemitischem Sprachgebrauch versetzt ist – sagt alles, was man über diesen deutschen Staatssender wissen muss.“

Pohls Management der DW ist Kritik seitens deutscher Juden wegen der Veröffentlichung eines vermeintlich antisemitischen Artikel im Jahr 2018 begegnet. Die Medienfirma veröffentlich nach Angaben von Kritikern regelmäßig Artikel, die der Terrororganisation Hisbollah Verständnis entgegen bringen.

Berichte zu den Raketen aus dem Gazastreifen: Israelische Verletzte werden regelmäßig verharmlost

Emanuel Miller, HonestReporting, 18. November 2019

Der Zweck des Journalismus besteht darin Fakten zu berichten. Im Fall eines Ausbruchs von Gewalt müssen Journalisten berichten, wer zuerst schoss, warum, auf wen auf der jeweiligen Seite geschossen wurde, wer auf jeder Seite starb und wie viele im Ergebnis verletzt wurden. Zwar wird es immer ein Element der Interpretation und Selektivität bei der Entscheidung geben, welche Fakten hervorstechen und Aufmerksamkeit verdienen, aber die Kernaufgabe bleibt dieselbe: Berichtet in erster Linie die Fakten.

Bei der letzten Steigerung der Gewalt zwischen Israel und den Terroristen im Gazastreifen wurden zahlreiche Terroristen und Zivilisten im Gazastreifen getötet. Das war berichtenswert. Zu großen Teilen dank des Raketenabwehrsystems Eiserne Kuppel wurde aber kein einziger Israeli getötet, obwohl der Islamische Jihad buchstäblich hunderte Raketen auf israelische Dörfer und Städte schoss. Auch das war berichtenswert.

Genauso sorgt jede Rakete, ob sie ein Ziel trifft oder nicht, für echte Panik, was regelmäßig zu Folgeverletzungen führt, darunter Stürze und stressbedingte Symptome.

Hier versagen die Medien nur allzu häufig.

Es ist zwar nicht realistisch zu erwarten, dass jeder einzelne Artikel die Verletzten erwähnt – kurze Texte lassen natürlich Einzelheiten aus – aber in ausführlicheren Berichten hätte natürlich Platz sein müssen die verschiedenen Kategorien Israelis anzuführen, die medizinische Versorgung benötigten.

Allein Todesfälle zu dokumentieren schneidet israelisches Leid weg

In zahlreichen Berichten zählten Opferzählungen einzig die Toten. Als Ergebnis erschienen die bereits schiefen Zahlen komplett einseitig bis zu dem Punkt, dass Israelis überhaupt nicht litten. Nehmen Sie zum Beispiel diesen Bericht der New York Times vom 15. November von Iyad Abuheweila und David Halbfinger über einen israelischen Angriff, bei dem zahlreiche Mitglieder einer Familie getötet wurden.

Gaza-Gesundheitsbeamte sagten, unter den 34 getöteten Palästinensern der zweitätigen Kämpfe waren 16 Zivilisten; diese begannen, als Israel Dienstagfrüh einen Kommandeur des Islamischen Jihad tötete und eskalierte, als die militante Gruppe mit hunderten Raketen auf Dörfer und Städte im Süden und Zentrum Israels reagierte. Es gab keine israelischen Toten.

Todesfälle ausführlich zu beschreiben erzählt nur einen Teil der Geschichte. Während Reporter das Recht haben Einzelheiten auszulassen, hat das zu tun hier den Effekt einzig palästinensisches Leid herauszuheben, was dem Leser gegenüber den falschen Eindruck hinterlässt, dass Israelis keinerlei Folgen der Gewalt ertragen müssen.

Angesichts der gewählten Parameter ist es bizarr, dass der Artikel mit einem Verweis auf ein verwundetes Opfer der Gewalt endet:

Ismail al-Swarka sagte, sein Schwager sei ebenfalls Ziegenhirte und habe einige Hühner und einen Eselskarren. Die kleineren Tiere hat es zerfetzt. Der Esel wurde verletzt, überlebte aber.

Ja, ein Esel. Es gab in diesem Bericht der New York Times Platz für einen Esel, aber keinen, um die verletzten Menschen auf beiden Seiten dieses Konflikts zu erwähnen. Ziemlich bizarr.

Wohl noch schlimmer war Bel Trews Berichterstattung im The Independent einen Tag davor, der Einzelheiten dazu weitergab, wie viele Verletzte es auf der palästinensischen Seite gab, aber irreführend damit fortfuhr: „Es wurden keine Opfer in Israel gemeldet.“

Wenn „Opfer“ Todesopfer bedeutet, dann ist diese Beschreibung korrekt. Soll es Verwundete plus Tote bedeuten, dann ist sie falsch. Egal wie, damit wird auf jeden Fall ausgelassen, was die meisten anderen Medien zu drucken bereit sind: dass zahlreiche Israelis als Resultat des Raketenfeuers verletzt wurden.

Die New York Times und der Independent sind nur größten Ungeheuerlichkeiten auf einer Liste von Gelegenheiten, bei denen anerkannte Pressekanäle es schafften die vom Raketenfeuer aus dem Gazastreifen Verletzten zu ignorieren oder herunterzuspielen.

Sind nur schwere Verletzungen es wert angeführt zu werden?

Am selben Tag brachte Associated Press einen Text von Fares Akram und Joseph Krauss, der die 450 auf Israel gefeuerten Raketen als „keine Toden oder ernsthaft Verletzten“ verursachend beschrieben.

… gezielte Tötung eines Kommandeurs des Islamischen Jihad. Bei den Kämpfen wurden 34 Palästinenser getötet, darunter 15 Zivilisten. Palästinensische Militante schossen mehr als 450 Raketen nach Israel, womit sie einen Großteil des südlichen Israel lähmten ohne Tote oder ernsthaft Verletzte zu verursachen…

In einem anderen Bericht vom selben Tag schrieben Akram und Josef Federman einfach: „Drei Israelis wurden durch Granatsplittern oder zerbrochenes Glas leicht verletzt.“

Die Berichterstattung des Guardian nahm dank Oliver Holmes und Hazem Balouha eine ähnliche Stimmung an; sie erwähnten nur, dass es „keine israelischen Toten“ gab, sondern „[nur] drei Personen, die von Granatsplittern oder Trümmern verletzt wurden“.

Israels Militär sagte, sein Verteidigungssystem Eisene Kuppel, das einfliegende Projektile abfängt, eine Erfolgsquote von 90% beim Abschuss von Raketen hatte, die auf Wohngebiete zuflogen. Es gab keine israelischen Toten, obwohl drei Personen durch Granatsplitte oder Trümmer verletzt wurden. Eine Rakete verpasste knapp Autos auf einer belebten Fernstraße.

The Daily Mail schrieb von Angriffen, „die einen Großteil des südlichen Israel lähmte, ohne irgendwelche Toten oder ernst Verletzten zu verursachen“.

Immer wieder beschreiben die Berichte nur einen Teil der Geschichte, wohingegen Dutzende andere als Ergebnis der Panik verletzt wurden, ausgelöst durch Raketen, die ungefähr in ihre Richtung geschossen wurden.

Das soll nicht heißen, dass es irgendein Anzeichen für eine gewollte Entscheidung gibt israelisches Leid zu minimieren, ganz zu schweigen von Vorsatz. Es gibt gewiss keinen Grund an eine Medien-Verschwörung zu glauben israelisches Leid reinzuwaschen. Stattdessen ist das aufkommende Gesamtmuster eines, bei dem von Raketen betroffene Israelis untertrieben und regelmäßig nicht erwähnt werden.

Stattdessen sollen sie kollektiver als Beweis genommen werden, dass das Nettoergebnis einiger Berichte zur Eskalation der Gewalt darin bestand, dass israelisches Leid nicht in vollen Einzelheiten beschrieben wird. Diesbezüglich stellen wir fest, dass die Messlatte scheinbar willkürlich gesetzt wird, was auf Kosten der Vollständigkeit und Gewissenhaftigkeit des Berichts geht.

Unabhängig davon, ob Raketen einschlagen oder nicht: Wann immer sie sich israelischen Bevölkerungszentren nähern, plärren die Alarmsirenen des Code Rot, um die Bürger wissen zu lassen, dass sie nur noch Sekunde haben, um in Deckung zu rennen. In der Eile den nächsten Bunker oder relativ sicheren Ort zu erreichen wurden letzte Woche Dutzende Israelis verletzt, manche durch Sturz, andere durch Ohnmachten, während wieder andere unter Posttraumatischen Belastungsstörungen und damit verbundenen Symptomen litten. Sie mögen zwar keine direkten Opfer des Raketenfeuers sein, aber die Zunahme an Israelis, die medizinische Versorgung benötigten, war ein nachrichtenwerter Aspekt der größeren Geschichte und verdiente Berichterstattung.

Den Auswirkungen des Terrors des Islamischen Jihad und seiner Auswirkungen auf die israelische Gesellschaft zu wenig Gewicht zu geben dient dem Leser nicht, der darum kämpft diesen kompletten und störrischen Konflikt zu verstehen. Wer gelegentlich Nachrichten konsumiert und , mit dem Ernst der tiefen Feindseligkeit Israel gegenüber noch nicht vertraut sind, wird zweifellos im Unklaren dazu gelassen, wie tiefgehend die Gruppe es schaffte das Leben einer gesamten Nation zu zerrütten, wie nahe sie an dem Erfolg war Israelis zu töten und dass selbst abgefangene Raketen die Fähigkeit haben zu Verletzungen und dem Zufügen von heftigen Stress-Symptomen zu führen.

Palästina falsch verstanden

Petra Marquardt-Bigman, Quilette, 31. Oktober 2019

Von meinem Heim am südlichen Rand von Tel Aviv höre ich jeden Tag den muslimischen Gebetsruf, der aus einer Moschee fast einen Kilometer weg im benachbarten Jaffa kommt. Jüdische Israelis sehen Arabisch auf ihrem Geld, auf Straßenschildern, auf Bussen und auf den Etiketten von Lebensmitteln, die den Konsumenten mit nährwertbezogenen Informationen versorgen. Sie hören Arabisch in Geschäften, Einkaufszentren und Cafés, die sie regelmäßig besuchen. Und wenn sie eine Klinik oder ein Krankenhaus besuchen, werden jüdische Israelis hören, wie ihre Mitpatienten Arabisch sprechen, was auch die Ärzte und Pfleger tun, die sich um sie kümmern. Israel mag der einzige jüdische Staat der Welt sein, aber Araber stellen rund 21 Prozent seiner Bevölkerung, also sind die Klänge und Zeichen der arabischen Sprache schlicht Teil des täglichen Lebens in dieser Ecke der Levante.

Also war ich überrascht zu erfahren – aus einem von Michael Humeniuk für Quilette geschriebenen Artikel – „wenn jüdische Israels gesprochenes Arabisch hören, was sie als Schreie wahrnehmen, dann wissen sie nicht, ob eine Bombe hochgehen wird oder einer einfach einem anderen ein Kompliment zu seinen Schuhen macht“. Humeniuk ist aus Toronto und sein Artikel ist ein gut geschriebener und (vermutlich) gut gemeinter Versuch über die „feierlichen Stereotype“ hinauszusehen, die er und andere Westler von Palästinensern „als Freiheitskämpfern oder Terroristen“ übernommen haben – „geopolitische Charakterdarsteller innerhalb des großen Narrativs dessen, was vage als ‚der Nahost-Konflikt‘ beschrieben wird“. Andere wie er, die in den Nahen Osten gereist sind, weil sie „von der Notlage der Palästinenser angerührt und besorgt sind“, sind derart von der Politik des Konflikts beschäftigt, dass sie vergessen „die Palästinenser selbst zu bemerken – wie sie kochen und essen, wie sie sich necken und flirten, wie sie feiern und trauern“. Dieser unaufgeklärten Ansicht möchte Humeniuk eine Korrektur bieten.

Leider wird es, während Humeniuk seine Erfahrungen aus Palästinas De-facto-Hauptstadt weitergibt, zunehmend offenkundig, dass er wenig von der Region, ihren Menschen oder ihren Komplexitäten weiß. Und so verfällt seine Lehrstunde (kühn übertitelt mit „Ramallah für Anfänger“) schnell in ermüdende Klischees, die ein stark befestigtes und paranoides Israel einem Porträt friedlicher, auf Eseln reitenden Palästinensern gegenüberstellt, die friedlich ihre malerischen Olivenhaine versorgen oder das Partyleben der Stadt genießen („billiger und einladender“, wird uns gesagt, als das von Tel Aviv gebotene). Diese Sichtweise missversteht nicht nur die belastete Geschichte und politische Gegenwart der Region, sie karikiert israelische Juden und palästinensische Araber auf beiden Seiten der Grünen Linie, die Israel und die von Jordanien vor dem Sechstage-Krieg 1967 annektierte Westbank auf nicht konstruktive Weise.

Humeniuks Aufsatz leistet der Vorstellung Beistand, dass ein Palästinenserstaat modern, offen und friedlich sein wird, vielleicht sogar positiv progressiv und nicht die Bastion des Fanatismus, die in Israels angsterfüllter Fantasie besteht. Das dafür erforderliche Wunschdenken wird durch sein eigenes Zeugnis verraten. Damit Humeniuk und sein jüdisch-kanadischer Freund Ari nicht für israelische Siedler gehalten werden, tarnen sie ihren Nissan Micra sorgfältig, indem sie islamische Gebetsperlen am Rückspiegel aufhängen und eine Keffiyeh – „den schwarz-weißen Schal, der die Gegnerschaft zu Israel symbolisiert“ – auf das Armaturenbrett legen. „Man erwartet außerdem“, fügt er hinzu, „dass man raucht – ständig – wie viele Palästinenser es tun.“ Diese List soll vermutlich die Bedeutung lokalen Wissens betonen, aber sie legt auch nahe, dass erkennbare Juden sich Sorgen machen sollten von Ramallahs Bevölkerung die Art gefährlicher Feindseligkeit anzuziehen, die dem Rest von Huemiuks Bericht fehlt.

Humeniuk und seine Gefährten fahren nach Qalandiya, wo sie respektvoll einen Teil der Grenzmauer mit Porträts von Yassir Arafat und Marwan Barghouti anstarren. Barghouti wird vage als „ein Führer der ersten und zweiten Intifada“ beschrieben, „der seit 2002 in Israel inhaftiert ist.“ Wofür inhaftiert? Humeniuk sagt es nicht, obwohl er berichtet, dass eine Parole die zwei Gemälde trennt; dort steht „Lasst Barghouti frei“, als ob er das Opfer einer Ungerechtigkeit sei, die internationale Aufmerksamkeit und dringende Wiedergutmachung verlangt. Fakt ist, dass Barghouti Fatahs berüchtigte Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden führte, eine terroristische Miliz, die für die Ermordung von zig israelischen Bürgern durch Selbstmord-Trupps während der zweiten Intifada verantwortlich ist. 2004, als der von ihm und Arafat angezettelte, mörderische Krieg wütete, wurde Barghouti für fünf Morde verurteilt (und in 21 Fällen, bevor angenommen wird, dass dies eine vorher abgemachtes Urteil ist, freigesprochen) und zu fünf aufeinander folgenden lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.

Barghouti und Arafat haben mehr als die meisten andere die Aussichten auf Frieden ruiniert, aber Humeniuk suggeriert, dass das sie verehrende Wandgemälde Teil einer allgemeineren palästinensischen Hingabe an die Idee des romantischen Revolutionärs ist. Che Guevara, stellt er beifällig fest, „ist eine häufig auf T-Shirts dargestellt Persönlichkeit, die palästinensische Männer tragen“ und er hält inne, um für Bilder vor einer fast 7m hohen Statue von Nelson Mandela zu posieren, „umgeben von Blumen du ein paar Fuß über den Gehweg erhoben mit einem Halstuch in demselben roten Farbton wie das Dreieck auf der palästinensischen Flagge“. Mandelas Ansicht zum Konflikt war kompliziert, aber das hat die Palästinenser nicht davon abgehalten sich sein Vermächtnis und seine moralische Autorität anzueignen. „Kulturell“, schreibt Humeniuk, „identifizieren sich die Palästinenser mit jeder Art von politisch Benachteiligten.“

Während aber gegenkulturelle Ikonen revolutionären Terrors wie Guevara attraktiv auf westlichen Appetit für radikalen Chic wirken und Staatsmänner wie Mandela helfen mögen die palästinensische Sache in den Idealismus von Frieden, Wahrheit und Versöhnung zu hüllen, sind das nicht die einzigen historischen Persönlichkeiten, die in Palästina offen und unverfroren gefeiert werden. In der Stadt Qalqilya steht eine Statue von Saddam Hussein. Weitere öffentliche Plätze, die an die völkermörderischen B’athisten gedenken, sind in Jenin und Ramallah zu finden und in Yabad wurde eine „Märtyrer Saddam Hussein Schule“ gegründet. Zur Enthüllung der Statue in Qalqilya 2017 beichtete MEMRI, dass Distriktgouverneur Rafi Rawajba schwärmte: „Saddam war ein Wahrzeichen des Heldentums, der Ehre, Originalität und des trotzigen Widerstands, genauso wie der Märtyrer Yassir Arafat. Beide dienten als Kompass für die Araber und ihre resoluten Entscheidungen und als sie abtraten, ging der Arabismus mit ihnen.“

Derweil ist eine politische Kultur, die Terroristen und ihre Familien belohnt und ihnen Denkmäler setzt und Selbstmordbomber als heldenhafte Märtyrer preist, nicht nur für Friedensbemühungen destruktiv, sondern auch destruktiv für die palästinensische Gesellschaft an sich. Thane Rosenbaum stellt das 2017 in einem Artikel in der Washington Post heraus: „Wenn Mörder als Helden gepriesen und in den höchsten Ebenen der Regierung willkommen geheißen werden, wenn öffentliche Plätze und Straßen und Sommerlager nach Terroristen benannt werden, die israelische Kinder töteten, können Palästinenserführer nicht vernünftig begründet erwarten, dass ihre nächste Generation davon träumt Ärzte, Lehrer und Friedenstifter zu werden.“

Bedauerlicherweise ist auch klar, dass Unterstützung für Terrorismus bei Palästinensern weit verbreitet ist. Vom Pew Research Center über mehrere Jahre hinweg durchgeführte Meinungsumfragen unter der muslimischen Bevölkerung zeigen, dass die Palästinenser die größten Unterstützer von Selbstmordbombenanschlägen gegen Zivilisten sind, „um den Islam gegen seine Feinde zu verteidigen“. Die stärkste Unterstützung wurde 2007 verzeichnet, als 70 Prozent der Palästinenser die Ansicht äußerten, dass Selbstmord-Bombenanschläge gegen Zivilisten zur Verteidigung des Islam gerechtfertigt sein könnten. In der Folge der Anschläge vom 9/11 beobachtete Pew auch mehrere Jahre lang die muslimische öffentliche Meinung zu Al-Qaida und deren Führer Osama bin Laden und die Ergebnisse von Umfragen dokumentieren, dass die Palästinenser bin Ladens leidenschaftlichste Anhänger waren. Umfrageteilnehmer wurden gefragt, ob sie von bin Laden „überzeugt“ waren, dass er „im Weltgeschehen das Richtige tut“. 2003 antworteten 72 Prozent der Palästinenser mit Ja. Bis 2011, als bin Laden von US-Sondereinheiten getötet wurde, drückten 34 Prozent der Palästinenser immer noch „Überzeugung“ von bin Laden aus und die islamistische Terrororganisation Hamas verurteilte die USA für die Ermordung „eines arabischen heiligen Kriegers“.

Es mag Humeniuk beruhigen Geschichten zu berichten, dass Palästinenser frei Arak trinken und unverschleierte Frauen in engen Jeans Männern zusehen, wie sie Burnouts auf den Nelson-Mandela-Platz brennen, aber das ist kaum ein repräsentatives Bild des Lebens in den Gebieten oder ein Anzeichen dafür, wie ein unabhängiger Palästinenserstaat aussehen könnte. Meinungsumfragen bieten einen verlässlicheren Hinweis für palästinensische Ansichten als die Eindrücke, die von kanadischen Touristen gesammelt werden und demonstrieren, wie fehlgeleitet das rosige Bild der westlichen Linken sich von der palästinensischen Gesellschaft zu bekommen erlauben kann.

Eine Umfrage von Pew im Jahr 2013 bei fast 40.000 Muslimen in 39 Ländern stellte fest, dass Palästinenser in der Westbank und dem Gazastreifen oft zu den muslimischen Bevölkerungen mit den extremsten Ansichten über die Rolle des Islam in der Gesellschaft gehören: 89 Prozent der Palästinenser sagten, sie wollten das Scharia-Recht; 66 Prozent begrüßen die Todesstrafe für Muslime, die zu anderen Religionen übertreten; 76 Prozent befürworten Verstümmelung als Bestrafung für Diebstahl und schockierende 84 Prozent sagten, sie wollen, dass Ehebrecher zu Tode gesteinigt werden. Auf die Frage, wie viel politischen Einfluss religiöse Leiter haben sollten, sagten 29 Prozent der Palästinenser, religiöse Leiter sollten eine Menge politischen Einfluss haben und weiter 43 Prozent sagten, sie wollten, dass religiöse Leiter wenigstens einigen politischen Einfluss haben. Diese Ansichten werden im Entwurf der palästinensischen Verfassung gespiegelt, der festlegt, dass die „Prinzipien der islamischen Scharia die Hauptquelle für die Gesetzgebung ist“.

Während Humeniuk nebenbei vermerkt, dass es einen „Unterschied gibt zwischen dem, wie Araber sich in Ramallah und in Tel Aviv verhalten“, ist es wichtig zu begreifen, dass Israels arabische Bürger eine eigne Identität entwickelt haben. Nach Angaben einer im April 2019 veröffentlichten Umfrage identifiziert sich eine Mehrheit entweder als arabisch-israelisch (46 Prozent) oder als palästinensisch-israelisch (19 Prozent), während eine Minderheit sich nur als arabisch (22 Prozent) oder als palästinensisch (14 Prozent) identifiziert. Diese Ergebnisse werden von einer weiteren kürzlich veröffentlichten Umfrage gestützt, die zeigt, dass „65 Prozent der arabischen Israelis stolz darauf sind Israelis zu sein“.

Der israelische Akademiker und Kolumnist Alexander Yakobson hat zurecht betont, dass ähnliche Umfragen seit Jahren gezeigt haben, dass Israels arabische Bürger „einen starke israelische Identität“ haben und die Umfrageergebnisse zudem „nicht nur eine Wertschätzung der Vorteile Israels (und Angst vor den Nachteilen palästinensischer Herrschaft) andeuten, sondern auch Stolz auf Israel zum Ausdruck bringen“. Das bedeutet nicht, dass Israels arabische Bürger nicht jede Menge Kritik an der israelischen Regierungspolitik haben, sondern sie haben kein wie auch immer geartetes Interesse an der sogenannten „Einstaaten-Lösung“, die Israel durch einen weiteren mehrheitlich arabisch-muslimischen Staat ersetzen würde. Stattdessen ist klar, dass „eine riesige Mehrheit der israelischen Araber nicht nur nicht in ‚Klein-Palästina‘ leben wollen“ (d.h. einem Palästinenserstaat in der Westbank und dem Gazastreifen), sondern dass „sie nicht in einem großen Palästina vom Mittelmeer bis zum Jordan leben wollen. Sie wollen in Israel leben.“

Gleichzeitig wollen israelische Araber, dass die Palästinenser in der Westbank und dem Gazastreifen einen eigenen Staat haben. In einer vor einem Jahr durchgeführten Umfrage begrüßten 82 Prozent eine Zweistaatenlösung und die Meinungsforscher stellten fest, dass dieses Ergebnis „typisch für die stärkste Unterstützung durch israelische Araber in früheren Umfragen“ war. Bei jüdischen Israelis liegtdie Unterstützung für die Schaffung eines Palästinenserstaats jedoch nur bei 43 Prozent, was weitgehend die Folge der bitteren Lektionen aus Israels Abzug aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 ist. Ich will nicht denen zustimmen, die jetzt argumentieren, der Abzug aus dem Gazastreifen war „ein Fehler“, aber die Hoffnung, dass die Palästinenser erpicht darauf sind ihre Hingabe an den Frieden zu demonstrieren, indem sie daran arbeiten den Gazastreifen in ein Singapur des Mittelmeers zu machen, war offensichtlich naiv.

Genauso wie das von Israels einseitigem Abzug aus dem Südlibanon 2000 geschaffene Vakuum von Irans schiitischem Stellvertreter Hisbollah gefüllt wurde, haben die vom Iran unterstützten Sunniten von der Hamas das Vakuum im Gazastreifen gefüllt. Heute ist der Gazastreifen eine islamistische Terror-Enklave, aus der mehr als 10.000 Raketen auf israelische Städte und Ortschaften geregnet sind – bei einer der jüngsten Salven im Mai wurden hunderte Raketen innerhalb eines einzigen Wochenendes gefeuert. Zusätzlich sind Tunnel unter der Grenze hindurch gegraben worden, um Angriffe und Entführungen zu ermöglichen; außerdem haben seit mehr als einem Jahr Randalierer versucht den Grenzzaun zu durchbrechen und Branddrachen gestartet, die verheerende Feuer verursacht haben, durch die tausende Morgen Ernten, Weideland, Wälder und Naturschutzgebiete auf der israelischen Seite der Grenze vernichtet wurden.

Für aus Europa und Nordamerika kommende Touristen ist es vielleicht natürlich vom Anblick von Grenzgebieten betroffen zu sein, die „voller militärischer Bautätigkeit sind: betoniertes Gelände, Stacheldraht-Zäune und Scharfschützentürme“. Es wäre in der Tat netter ohne das alles. In den 1990-er Jahren, als den Optimisten unter uns Frieden möglich schien, stellten wir uns vor, dass wir in der nicht allzu fernen Zukunft unsere Kinder nicht mehr in die Armee schicken müssten, weil der Nahe Osten wie Europa aussehen würde und offene Grenzen und Reisefreiheit es Israelis erlauben würden eine malerische Fahrt nach Beirut oder Damaskus zu unternehmen, so wie die Europäer von Berlin nach Paris oder Rom fahren können.

Aber wie so oft im Nahen Osten, behielten lagen die Pessimisten Recht. Die Region ist ein blutiges Chaos geblieben, in dem religiöse Fanatiker sich mit vermeintlichen säkularen Autoritären um die Kontrolle funktionsgestörter Staaten konkurrieren, gespalten durch konfessionellen und sektiererischen Hass. Die Juden sind die einzige indigene nicht arabische, nicht muslimische Minderheit, die es geschafft hat einen (relativ) sicheren Hafen und einen blühenden modernen Staat aufzubauen, der als Zuflucht für die meisten der etwa 850.000 Juden diente, die aus ihren uralten Gemeinden im gesamten Nahen Osten getrieben wurden.

Angesichts des düsteren Schicksals von Minderheiten selbst im heutigen Nahen Osten ist es ausgesprochen zynisch, dass Humeniuk zu dem Schluss kommt: „Egal wie tief man in den Konflikt hineinsieht, ob man die Juden verantwortlich macht oder die Araber verantwortlich macht oder beide, ist dies wirklich nur das älteste Spiel des Mannes: Linien in den Sand ziehen und was auf der eigenen Seite liegt ‚meins‘ zu nennen.“ Gut verteidigte Grenzen mögen wie eine Art chauvinistischer Anachronismus erscheinen, wenn das eigene Heim sich in Toronto befindet, aber wenn dein Heim nur eine kurze Fahrt vom Gazastreifen und ein paar Stunden von Damaskus entfernt liegt, sind diese „Linien im Sand“ eine Sache auf Leben und Tod.