Eine Deutsche in Israel zur sogenannten Berichterstattung über Israel

gefunden bei Lila auf twitter:

 

Palästina falsch verstanden

Petra Marquardt-Bigman, Quilette, 31. Oktober 2019

Von meinem Heim am südlichen Rand von Tel Aviv höre ich jeden Tag den muslimischen Gebetsruf, der aus einer Moschee fast einen Kilometer weg im benachbarten Jaffa kommt. Jüdische Israelis sehen Arabisch auf ihrem Geld, auf Straßenschildern, auf Bussen und auf den Etiketten von Lebensmitteln, die den Konsumenten mit nährwertbezogenen Informationen versorgen. Sie hören Arabisch in Geschäften, Einkaufszentren und Cafés, die sie regelmäßig besuchen. Und wenn sie eine Klinik oder ein Krankenhaus besuchen, werden jüdische Israelis hören, wie ihre Mitpatienten Arabisch sprechen, was auch die Ärzte und Pfleger tun, die sich um sie kümmern. Israel mag der einzige jüdische Staat der Welt sein, aber Araber stellen rund 21 Prozent seiner Bevölkerung, also sind die Klänge und Zeichen der arabischen Sprache schlicht Teil des täglichen Lebens in dieser Ecke der Levante.

Also war ich überrascht zu erfahren – aus einem von Michael Humeniuk für Quilette geschriebenen Artikel – „wenn jüdische Israels gesprochenes Arabisch hören, was sie als Schreie wahrnehmen, dann wissen sie nicht, ob eine Bombe hochgehen wird oder einer einfach einem anderen ein Kompliment zu seinen Schuhen macht“. Humeniuk ist aus Toronto und sein Artikel ist ein gut geschriebener und (vermutlich) gut gemeinter Versuch über die „feierlichen Stereotype“ hinauszusehen, die er und andere Westler von Palästinensern „als Freiheitskämpfern oder Terroristen“ übernommen haben – „geopolitische Charakterdarsteller innerhalb des großen Narrativs dessen, was vage als ‚der Nahost-Konflikt‘ beschrieben wird“. Andere wie er, die in den Nahen Osten gereist sind, weil sie „von der Notlage der Palästinenser angerührt und besorgt sind“, sind derart von der Politik des Konflikts beschäftigt, dass sie vergessen „die Palästinenser selbst zu bemerken – wie sie kochen und essen, wie sie sich necken und flirten, wie sie feiern und trauern“. Dieser unaufgeklärten Ansicht möchte Humeniuk eine Korrektur bieten.

Leider wird es, während Humeniuk seine Erfahrungen aus Palästinas De-facto-Hauptstadt weitergibt, zunehmend offenkundig, dass er wenig von der Region, ihren Menschen oder ihren Komplexitäten weiß. Und so verfällt seine Lehrstunde (kühn übertitelt mit „Ramallah für Anfänger“) schnell in ermüdende Klischees, die ein stark befestigtes und paranoides Israel einem Porträt friedlicher, auf Eseln reitenden Palästinensern gegenüberstellt, die friedlich ihre malerischen Olivenhaine versorgen oder das Partyleben der Stadt genießen („billiger und einladender“, wird uns gesagt, als das von Tel Aviv gebotene). Diese Sichtweise missversteht nicht nur die belastete Geschichte und politische Gegenwart der Region, sie karikiert israelische Juden und palästinensische Araber auf beiden Seiten der Grünen Linie, die Israel und die von Jordanien vor dem Sechstage-Krieg 1967 annektierte Westbank auf nicht konstruktive Weise.

Humeniuks Aufsatz leistet der Vorstellung Beistand, dass ein Palästinenserstaat modern, offen und friedlich sein wird, vielleicht sogar positiv progressiv und nicht die Bastion des Fanatismus, die in Israels angsterfüllter Fantasie besteht. Das dafür erforderliche Wunschdenken wird durch sein eigenes Zeugnis verraten. Damit Humeniuk und sein jüdisch-kanadischer Freund Ari nicht für israelische Siedler gehalten werden, tarnen sie ihren Nissan Micra sorgfältig, indem sie islamische Gebetsperlen am Rückspiegel aufhängen und eine Keffiyeh – „den schwarz-weißen Schal, der die Gegnerschaft zu Israel symbolisiert“ – auf das Armaturenbrett legen. „Man erwartet außerdem“, fügt er hinzu, „dass man raucht – ständig – wie viele Palästinenser es tun.“ Diese List soll vermutlich die Bedeutung lokalen Wissens betonen, aber sie legt auch nahe, dass erkennbare Juden sich Sorgen machen sollten von Ramallahs Bevölkerung die Art gefährlicher Feindseligkeit anzuziehen, die dem Rest von Huemiuks Bericht fehlt.

Humeniuk und seine Gefährten fahren nach Qalandiya, wo sie respektvoll einen Teil der Grenzmauer mit Porträts von Yassir Arafat und Marwan Barghouti anstarren. Barghouti wird vage als „ein Führer der ersten und zweiten Intifada“ beschrieben, „der seit 2002 in Israel inhaftiert ist.“ Wofür inhaftiert? Humeniuk sagt es nicht, obwohl er berichtet, dass eine Parole die zwei Gemälde trennt; dort steht „Lasst Barghouti frei“, als ob er das Opfer einer Ungerechtigkeit sei, die internationale Aufmerksamkeit und dringende Wiedergutmachung verlangt. Fakt ist, dass Barghouti Fatahs berüchtigte Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden führte, eine terroristische Miliz, die für die Ermordung von zig israelischen Bürgern durch Selbstmord-Trupps während der zweiten Intifada verantwortlich ist. 2004, als der von ihm und Arafat angezettelte, mörderische Krieg wütete, wurde Barghouti für fünf Morde verurteilt (und in 21 Fällen, bevor angenommen wird, dass dies eine vorher abgemachtes Urteil ist, freigesprochen) und zu fünf aufeinander folgenden lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.

Barghouti und Arafat haben mehr als die meisten andere die Aussichten auf Frieden ruiniert, aber Humeniuk suggeriert, dass das sie verehrende Wandgemälde Teil einer allgemeineren palästinensischen Hingabe an die Idee des romantischen Revolutionärs ist. Che Guevara, stellt er beifällig fest, „ist eine häufig auf T-Shirts dargestellt Persönlichkeit, die palästinensische Männer tragen“ und er hält inne, um für Bilder vor einer fast 7m hohen Statue von Nelson Mandela zu posieren, „umgeben von Blumen du ein paar Fuß über den Gehweg erhoben mit einem Halstuch in demselben roten Farbton wie das Dreieck auf der palästinensischen Flagge“. Mandelas Ansicht zum Konflikt war kompliziert, aber das hat die Palästinenser nicht davon abgehalten sich sein Vermächtnis und seine moralische Autorität anzueignen. „Kulturell“, schreibt Humeniuk, „identifizieren sich die Palästinenser mit jeder Art von politisch Benachteiligten.“

Während aber gegenkulturelle Ikonen revolutionären Terrors wie Guevara attraktiv auf westlichen Appetit für radikalen Chic wirken und Staatsmänner wie Mandela helfen mögen die palästinensische Sache in den Idealismus von Frieden, Wahrheit und Versöhnung zu hüllen, sind das nicht die einzigen historischen Persönlichkeiten, die in Palästina offen und unverfroren gefeiert werden. In der Stadt Qalqilya steht eine Statue von Saddam Hussein. Weitere öffentliche Plätze, die an die völkermörderischen B’athisten gedenken, sind in Jenin und Ramallah zu finden und in Yabad wurde eine „Märtyrer Saddam Hussein Schule“ gegründet. Zur Enthüllung der Statue in Qalqilya 2017 beichtete MEMRI, dass Distriktgouverneur Rafi Rawajba schwärmte: „Saddam war ein Wahrzeichen des Heldentums, der Ehre, Originalität und des trotzigen Widerstands, genauso wie der Märtyrer Yassir Arafat. Beide dienten als Kompass für die Araber und ihre resoluten Entscheidungen und als sie abtraten, ging der Arabismus mit ihnen.“

Derweil ist eine politische Kultur, die Terroristen und ihre Familien belohnt und ihnen Denkmäler setzt und Selbstmordbomber als heldenhafte Märtyrer preist, nicht nur für Friedensbemühungen destruktiv, sondern auch destruktiv für die palästinensische Gesellschaft an sich. Thane Rosenbaum stellt das 2017 in einem Artikel in der Washington Post heraus: „Wenn Mörder als Helden gepriesen und in den höchsten Ebenen der Regierung willkommen geheißen werden, wenn öffentliche Plätze und Straßen und Sommerlager nach Terroristen benannt werden, die israelische Kinder töteten, können Palästinenserführer nicht vernünftig begründet erwarten, dass ihre nächste Generation davon träumt Ärzte, Lehrer und Friedenstifter zu werden.“

Bedauerlicherweise ist auch klar, dass Unterstützung für Terrorismus bei Palästinensern weit verbreitet ist. Vom Pew Research Center über mehrere Jahre hinweg durchgeführte Meinungsumfragen unter der muslimischen Bevölkerung zeigen, dass die Palästinenser die größten Unterstützer von Selbstmordbombenanschlägen gegen Zivilisten sind, „um den Islam gegen seine Feinde zu verteidigen“. Die stärkste Unterstützung wurde 2007 verzeichnet, als 70 Prozent der Palästinenser die Ansicht äußerten, dass Selbstmord-Bombenanschläge gegen Zivilisten zur Verteidigung des Islam gerechtfertigt sein könnten. In der Folge der Anschläge vom 9/11 beobachtete Pew auch mehrere Jahre lang die muslimische öffentliche Meinung zu Al-Qaida und deren Führer Osama bin Laden und die Ergebnisse von Umfragen dokumentieren, dass die Palästinenser bin Ladens leidenschaftlichste Anhänger waren. Umfrageteilnehmer wurden gefragt, ob sie von bin Laden „überzeugt“ waren, dass er „im Weltgeschehen das Richtige tut“. 2003 antworteten 72 Prozent der Palästinenser mit Ja. Bis 2011, als bin Laden von US-Sondereinheiten getötet wurde, drückten 34 Prozent der Palästinenser immer noch „Überzeugung“ von bin Laden aus und die islamistische Terrororganisation Hamas verurteilte die USA für die Ermordung „eines arabischen heiligen Kriegers“.

Es mag Humeniuk beruhigen Geschichten zu berichten, dass Palästinenser frei Arak trinken und unverschleierte Frauen in engen Jeans Männern zusehen, wie sie Burnouts auf den Nelson-Mandela-Platz brennen, aber das ist kaum ein repräsentatives Bild des Lebens in den Gebieten oder ein Anzeichen dafür, wie ein unabhängiger Palästinenserstaat aussehen könnte. Meinungsumfragen bieten einen verlässlicheren Hinweis für palästinensische Ansichten als die Eindrücke, die von kanadischen Touristen gesammelt werden und demonstrieren, wie fehlgeleitet das rosige Bild der westlichen Linken sich von der palästinensischen Gesellschaft zu bekommen erlauben kann.

Eine Umfrage von Pew im Jahr 2013 bei fast 40.000 Muslimen in 39 Ländern stellte fest, dass Palästinenser in der Westbank und dem Gazastreifen oft zu den muslimischen Bevölkerungen mit den extremsten Ansichten über die Rolle des Islam in der Gesellschaft gehören: 89 Prozent der Palästinenser sagten, sie wollten das Scharia-Recht; 66 Prozent begrüßen die Todesstrafe für Muslime, die zu anderen Religionen übertreten; 76 Prozent befürworten Verstümmelung als Bestrafung für Diebstahl und schockierende 84 Prozent sagten, sie wollen, dass Ehebrecher zu Tode gesteinigt werden. Auf die Frage, wie viel politischen Einfluss religiöse Leiter haben sollten, sagten 29 Prozent der Palästinenser, religiöse Leiter sollten eine Menge politischen Einfluss haben und weiter 43 Prozent sagten, sie wollten, dass religiöse Leiter wenigstens einigen politischen Einfluss haben. Diese Ansichten werden im Entwurf der palästinensischen Verfassung gespiegelt, der festlegt, dass die „Prinzipien der islamischen Scharia die Hauptquelle für die Gesetzgebung ist“.

Während Humeniuk nebenbei vermerkt, dass es einen „Unterschied gibt zwischen dem, wie Araber sich in Ramallah und in Tel Aviv verhalten“, ist es wichtig zu begreifen, dass Israels arabische Bürger eine eigne Identität entwickelt haben. Nach Angaben einer im April 2019 veröffentlichten Umfrage identifiziert sich eine Mehrheit entweder als arabisch-israelisch (46 Prozent) oder als palästinensisch-israelisch (19 Prozent), während eine Minderheit sich nur als arabisch (22 Prozent) oder als palästinensisch (14 Prozent) identifiziert. Diese Ergebnisse werden von einer weiteren kürzlich veröffentlichten Umfrage gestützt, die zeigt, dass „65 Prozent der arabischen Israelis stolz darauf sind Israelis zu sein“.

Der israelische Akademiker und Kolumnist Alexander Yakobson hat zurecht betont, dass ähnliche Umfragen seit Jahren gezeigt haben, dass Israels arabische Bürger „einen starke israelische Identität“ haben und die Umfrageergebnisse zudem „nicht nur eine Wertschätzung der Vorteile Israels (und Angst vor den Nachteilen palästinensischer Herrschaft) andeuten, sondern auch Stolz auf Israel zum Ausdruck bringen“. Das bedeutet nicht, dass Israels arabische Bürger nicht jede Menge Kritik an der israelischen Regierungspolitik haben, sondern sie haben kein wie auch immer geartetes Interesse an der sogenannten „Einstaaten-Lösung“, die Israel durch einen weiteren mehrheitlich arabisch-muslimischen Staat ersetzen würde. Stattdessen ist klar, dass „eine riesige Mehrheit der israelischen Araber nicht nur nicht in ‚Klein-Palästina‘ leben wollen“ (d.h. einem Palästinenserstaat in der Westbank und dem Gazastreifen), sondern dass „sie nicht in einem großen Palästina vom Mittelmeer bis zum Jordan leben wollen. Sie wollen in Israel leben.“

Gleichzeitig wollen israelische Araber, dass die Palästinenser in der Westbank und dem Gazastreifen einen eigenen Staat haben. In einer vor einem Jahr durchgeführten Umfrage begrüßten 82 Prozent eine Zweistaatenlösung und die Meinungsforscher stellten fest, dass dieses Ergebnis „typisch für die stärkste Unterstützung durch israelische Araber in früheren Umfragen“ war. Bei jüdischen Israelis liegtdie Unterstützung für die Schaffung eines Palästinenserstaats jedoch nur bei 43 Prozent, was weitgehend die Folge der bitteren Lektionen aus Israels Abzug aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 ist. Ich will nicht denen zustimmen, die jetzt argumentieren, der Abzug aus dem Gazastreifen war „ein Fehler“, aber die Hoffnung, dass die Palästinenser erpicht darauf sind ihre Hingabe an den Frieden zu demonstrieren, indem sie daran arbeiten den Gazastreifen in ein Singapur des Mittelmeers zu machen, war offensichtlich naiv.

Genauso wie das von Israels einseitigem Abzug aus dem Südlibanon 2000 geschaffene Vakuum von Irans schiitischem Stellvertreter Hisbollah gefüllt wurde, haben die vom Iran unterstützten Sunniten von der Hamas das Vakuum im Gazastreifen gefüllt. Heute ist der Gazastreifen eine islamistische Terror-Enklave, aus der mehr als 10.000 Raketen auf israelische Städte und Ortschaften geregnet sind – bei einer der jüngsten Salven im Mai wurden hunderte Raketen innerhalb eines einzigen Wochenendes gefeuert. Zusätzlich sind Tunnel unter der Grenze hindurch gegraben worden, um Angriffe und Entführungen zu ermöglichen; außerdem haben seit mehr als einem Jahr Randalierer versucht den Grenzzaun zu durchbrechen und Branddrachen gestartet, die verheerende Feuer verursacht haben, durch die tausende Morgen Ernten, Weideland, Wälder und Naturschutzgebiete auf der israelischen Seite der Grenze vernichtet wurden.

Für aus Europa und Nordamerika kommende Touristen ist es vielleicht natürlich vom Anblick von Grenzgebieten betroffen zu sein, die „voller militärischer Bautätigkeit sind: betoniertes Gelände, Stacheldraht-Zäune und Scharfschützentürme“. Es wäre in der Tat netter ohne das alles. In den 1990-er Jahren, als den Optimisten unter uns Frieden möglich schien, stellten wir uns vor, dass wir in der nicht allzu fernen Zukunft unsere Kinder nicht mehr in die Armee schicken müssten, weil der Nahe Osten wie Europa aussehen würde und offene Grenzen und Reisefreiheit es Israelis erlauben würden eine malerische Fahrt nach Beirut oder Damaskus zu unternehmen, so wie die Europäer von Berlin nach Paris oder Rom fahren können.

Aber wie so oft im Nahen Osten, behielten lagen die Pessimisten Recht. Die Region ist ein blutiges Chaos geblieben, in dem religiöse Fanatiker sich mit vermeintlichen säkularen Autoritären um die Kontrolle funktionsgestörter Staaten konkurrieren, gespalten durch konfessionellen und sektiererischen Hass. Die Juden sind die einzige indigene nicht arabische, nicht muslimische Minderheit, die es geschafft hat einen (relativ) sicheren Hafen und einen blühenden modernen Staat aufzubauen, der als Zuflucht für die meisten der etwa 850.000 Juden diente, die aus ihren uralten Gemeinden im gesamten Nahen Osten getrieben wurden.

Angesichts des düsteren Schicksals von Minderheiten selbst im heutigen Nahen Osten ist es ausgesprochen zynisch, dass Humeniuk zu dem Schluss kommt: „Egal wie tief man in den Konflikt hineinsieht, ob man die Juden verantwortlich macht oder die Araber verantwortlich macht oder beide, ist dies wirklich nur das älteste Spiel des Mannes: Linien in den Sand ziehen und was auf der eigenen Seite liegt ‚meins‘ zu nennen.“ Gut verteidigte Grenzen mögen wie eine Art chauvinistischer Anachronismus erscheinen, wenn das eigene Heim sich in Toronto befindet, aber wenn dein Heim nur eine kurze Fahrt vom Gazastreifen und ein paar Stunden von Damaskus entfernt liegt, sind diese „Linien im Sand“ eine Sache auf Leben und Tod.

Führender Politiker, der oft auf CNN erscheint und Op-Eds für die NYT schreibt, trauert um einen Terroristen.

Aber er ist Palästinenser, also ist alles gut

Elder of Ziyon, 9. September 2019

Das zweierlei Maß der Welt ist recht offensichtlich, wenn man das, was für jeden westlichen Politiker eine die Karriere beendende Entgleisung wäre, mit dem vergleicht, was respektierte, „moderate“ Politiker des palästinensischen Mainstreams ständig von sich geben.

Das jüngste Beispiel:

Palästina trauert um den Märtyrer Bassam Al-Saeh, der in einem israelischen Gefängnis starb. Wir halten die israelische Regierung voll verantwortlich und fordern den Internationalen Strafgerichtshof auf mit einer sofortigen Ermittlung zu beginnen. Die israelischen Behörden müssen zur Verantwortung gezogen werden.

Wie wir gesehen haben, war Bassam Al-Sayeh in dem Mord an einem Rabbiner und seiner Frau vor den Augen ihrer Kinder beteiligt. (Und Israel bot ihm ausgezeichnete medizinische Versorgung.)

Dieser Mörderische Unmensch ist für die Palästinenser tatsächlich ein Held.

Erekat ist angeblich ein „Moderater“. Er ist oft im Fernsehen. Er schreibt Op-Eds in großen Zeitungen.

Dennoch stellt ihn kein Reporter wegen seiner direkten und ausdrücklichen Unterstützung von Terror, wie wir sie hier sehen, zur Rede. Kein Diplomat verurteilt seine Äußerungen zur Unterstützung eines Mörders.

Würde ein israelischer Politiker öffentlich einen Mörder preisen, würde er weltweit verachtet. Ihm oder ihr würde die Einreise in die meisten westlichen Länder verweigert.

Die Grundlinie dafür, welches Verhalten von Palästinensern erwartet wird, liegt knapp über der von Tieren. Und sie erfüllen die Erwartungen in vollem Umfang.

Trotzdem ist das Verlangen einen „moderaten“ Terroristenliebhaber zu finden so groß, dass jemand wie Saeb Erekat und Hanan Aschrawi die abscheulichsten, widerwärtigsten Haltungen von sich geben und unterstützen können und sich keinerlei Sorgen um die Auswirkungen machen müssen – die Medien und die Politiker der Welt brauchen sie um das Narrativ zu beweisen, dass beide Seiten moralisch gleich und gleich schuldig sind.

Dieser Tweet beweist, dass das einfach nicht stimmt.

Kulturelles Appeasement in Deutschland

Die Feuilleton-Seiten des Landes betrachten nicht Islamisten, sondern deren Kritiker als die wahren „Hassprediger“

Benjamin Weinthal, Wall Street Journal, 8. Februar 2010

Berlin – Gerade, als man glaubte, die mörderischen Lektionen des politischen Islam – von den zahlreichen Terroranschlägen über „Ehrenmorde“ bis zu Hasspredigern – seien den Medien Deutschlands beigebracht worden, erlitten Schwaden an Journalisten und Akademikern einen kollektiven Rückfall ins Appeasement.

Kommentatoren von der konservativen Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) bis zur linksliberalen Süddeutsche Zeitung (SZ) und der liberalen Wochenzeitung DIE ZEIT identifizierten gerade nicht den radikalen Islam, sondern dessen Kritiker als das wahre Problem. Sie sind „unsere heiligen Krieger“ (Claudius Seidl in der FAZ), „unsere Hassprediger“ (Thomas Steinfeld in der SZ), die „aufgeklärten Fundamentalismus“ repräsentieren (Thomas Assheuer in DIE ZEIT).

Die typischen Ziele dieser Giftigkeit sind Necla Kelek, eine deutschtürkische Soziologin und Autorin, Henryk M. Broder, ein in Polen geborener Jude und SPIEGEL-Kolumnistin Seyran Ates, eine deutschtürkische Anwältin und Autorin, die Morddrohungen erhalten hat, für die ihre anwaltliche Tätigkeit gegen Ehrenmorde und Zwangsehen bei Muslimen der Grund sind. Die Troika Kelek-Broder-Ates setzt eine lebhafte und streitfreudige Haltung ein, um die deutsche Gesellschaft aus ihrer Selbstzufriedenheit gegenüber der islamistischen Bedrohung wachzurütteln. In ihren Texten zeigen die drei „heiligen Krieger“ wenig Geduld für politische Korrektheit und die Forderung, dass Europas Muslime die Ansichten der liberalen Gesellschaft zu Gleichberechtigung der Geschlechter, freier Meinungsäußerung und Religionsfreiheit akzeptieren. Statt Kulturrelativismus glauben die drei, dass die westliche Kultur universale Rechte und Werte verkörpert, die Menschen aus der muslimischen Welt nicht vorenthalten werden dürfen.

Für die Hüter der deutschen Feuilletonseiten ist das zu viel Vertrauen in die (westliche) Kultur. Herr Steinfeld von der SZ ging so weit den jüngsten Mordversuch am dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard durch einen 28-jährigen Somali mit Verbindungen zur islamistischen Al-Schabab-Miliz als weitere fingierte Ausrede auf den Islam einzuprügeln beiseite zu schieben: „Alles, was nötig ist, damit das passiert, ein fehlgeschlagener Angriff z.B. wie der von Anfang letzten Monats und die Diskussion beginnt wieder von Neuem, mit denselben Argumenten – nein, was hier angeboten wird, sind keine Argumente, sondern Parolen.“ Es ist so, als würde die islamische Ideologie des somalischen Radikalen, die seinen Plan zur Ermordung von Westergaards anregte, nicht existieren.

Der Angriff auf die drei islamkritischen Autoren war von Medien zu erwarten, die sich auch darin überbieten, die Bedrohung durch den Iran herunterzuspielen, während auf Israel eingedroschen wird. Nehmen wir Katajun Amirpur, eine deutsch-iranische Islam-Akademikerin, die regelmäßig in der SZ schreibt. 2008 schrieb sie einen weithin gelesenen Aufsatz in der SZ, mit dem sie die Standardübersetzung von Mahmud Ahmadinedschads Äußerung, „Israel muss von der Landkarte gewischt werden“ zurückwies. Frau Amipur argumentierte unfassbarerweise, der iranische Präsident meine lediglich: „Das Besatzungsregime muss Geschichte werden.“ Eine der kaum vorhandenen Stimmen des Widerspruchs, der Frau Amirpurs Verfälschung und ihrem Versuch zu bestreiten, dass die Islamische Republik Israel mit einem weiteren Holocaust droht, war Henryk M. Broder.

Im Januar versuchte die SZ eine weitere akademische Krücke, um den radikalen Islam vor Kritik abzuschirmen. In einem Artikel mit dem Titel „Antisemiten und Feinde des Islam – Hetze mit Parallelen“ behauptet Wolfgang Benz, der umstrittene Direktor des Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung, gespenstische Parallelen zwischen Islamophobie und Antisemitismus. Statt den zunehmenden Antisemitismus bei Islamisten zu beleuchten zieht Benz hysterische Vergleiche zwischen legitimer Kritik am radikalen Islam und der Art von Judenhass, der zu Völkermord geführt hat. Dass der Leiter von Deutschlands einzigem vom Bund finanzierten Antisemitismus-Forschungsinstituts damit den Holocaust verharmlost, wurde besonders verdächtig, nachdem Ende Januar aufgedeckt wurde, dass Benz wiederholt seinen verstorbenen Doktorvater Karl Bosl ehrte, der ein entschiedener Nazi und energischer Ideologe der Bewegung Hitlers war.

Benz hat übrigens eine Geschichte der Positiv-Erklärung der Gewalt des politischen Islam gegen den Westen. Ein paar Tage nachdem 19 islamische Terroristen die Twin Towers einstürzen ließen, sagte Benz die Gebäude „sind Symbole des Stolzes und des Reichtums und der Arroganz … Und das provoziert die drastischen und dramatischen Reaktionen und der kriegerischen Reaktionen.“

Wo „Islamophobie“ mit Antisemitismus gleichgesetzt wird, ist es nur ein kleiner Schritt Israelis mit Nazis gleichzusetzen. Zum Beispiel verteidigte 2008 Patrick Bahners, ein Redakteur des Feuilletons der FAZ, Kritiker Israels, die die Sicherheitsbarriere an der Westbank mit dem Warschauer Ghetto verglich. Nach Maßgabe der Europäischen Union sind solche Vergleiche Erscheinungsformen des modernen Antisemitismus. Herr Bahners konterte, dass „dieser Vergleich nicht durch Redeverbote oder Beleidigungen beseitigt werden können“, was zeigt, dass er nicht begreift, worum es geht. Die  Frage ist nicht, warum seine Aussagen zensiert werden sollten, sondern ob sie Antisemiten sind. Das Problem ist, dass solche Ansichten nicht nur von Deutschlands Kulturelite vertreten werden. Eine Umfrage der Universität Bielefeld von 2004 zeigt, das 51% der Deutschen glauben, Israels Umgang mit den Palästinensern „unterscheidet sich nicht grundsätzlich von dem, was die Nazis mit den Juden machten“.

Herr Bahners Kollege bei der FAZ, Lorenz Jäger, verfolgt ein traditionelleres antisemitisches Thema: Er macht sich Sorgen wegen jüdischer Macht. Die Tatsache, dass es ein paar Zeitungen und Blogger gibt, die Solidarität mit dem jüdischen Staat zeigen, ist für ihn Beweis für ein einflussreiches Netzwerk pro-israelischer Gruppen, das unangemessenen Einfluss ausübt. In Herrn Jägers verschwörerischer Weltsicht „ist es kein Geheimnis mehr“, dass zwei französisch-jüdische Philosophen, André Glucksmann und Bernard Henri-Lévy, „den Interessen der Vereinigten Staaten und Israels“ dienen. Herr Jäger kritisiert die beiden Philosophen auch dafür, dass sie die westliche Opposition zu russischen Menschenrechtsverletzungen und Unterstützung für Georgien während des Kriegs mit Russland von 2008.

All das hilft die heftigen Attacken auf die Islamkritiker zu erklären. Universale Werte sind durch eine bodenlose Grube kultureller Relativität ersetzt worden, wo die Verfechter einer robusten liberalen Demokratie mit Hardcore-Jihadisten gleichgesetzt werden. Die entscheidende Verschiebung hin zu einer Verteidigung antiwestlicher Regime wie Russland und Iran in den deutschen Feuilletons ist kein harmloser Fetisch mehr, sondern eine vorherrschende Ansicht.

[Anmerkung: Das war 2010! Seitdem ist das nur noch schlimmer geworden.]

Eine Araberin über den arabisch-israelischen Konflikt

gefunden auf twitter, 6. Juli 2019

Der israelisch-arabische Konflikt gründet nicht auf echten politischen Meinungsverschiedenheiten, sondern ist tief in dem Glaubenssystem verwurzelt, das in muslimischen Ländern gelehrt wird, die antisemitisch sind.
Dieser Hass wird von einseitigen Medien verstärkt.
Als ich letzten Monat die Nachrichten sah: Warum berichteten sie nicht, dass die Terrororganisation Hamas fast 700 Raketen an nur einem Wochenende auf israelische Zivilisten schoss oder dass die Hamas Palästinenser im Gazastreifen als menschliche Schutzschilde benutzte? Warum verurteilen sie nie die Hamas dafür, dass sie Angriffe beginnt?
Stattdessen zeigen sie einzig die durch die Reaktion, in Selbstverteidgung Getöteten und schieben Israel dafür die Schuld zu.

Sara Idan, Miss Universe Irak