Die Medien, der Terror und die Terminologien

Nahost-Focus 13. März 2002 (heute nur noch hier)

Der Terrorkrieg gegen Israel hat in den letzten Wochen einen traurigen Höhepunkt erreicht. Inzwischen gehören Bombenanschläge, Schiessereien an israelischen Bushaltestellen und Selbstmordattentate in vollbesetzten Restaurants zum traurigen Alltag in Israel. Nur die „schlimmsten“ Anschläge sind für die Medien noch berichtenswert.

Auch der Blickwinkel ist oft verräterisch: Israelische Panzer und Soldaten, deren Gewehrmündungen in Richtung Kamera zeigen. Eine Verteilung der „Gut-Böse-Rollen“ ist hier schon vorprogrammiert. Die spontane Solidarität stellt sich bei vielen Außenstehenden unterbewusst mit der palästinensischen Seite ein.

Auch durch die Wortwahl der Medien werden die Rollen meist noch vor Bekanntgabe der Informationen festgelegt. So zum Beispiel:

„Die israelische Armee ist heute in Gaza einmarschiert und tötete 24 Palästinenser“am 12.3.2002 in den Nachrichten des Fernsehsenders N-TV.

Die Tagesschau betitelte ihre erste Nachricht am selben Tag noch griffiger: „Israel richtet Blutbad in Gaza an.“

Kein Wort darüber, das es sich bei den 24 Palästinensern um Bewaffnete handelte, die Feuergefechte mit israelischen Soldaten begannen und in Folge dieser Schusswechsel ums Leben kamen. Auch kein Wort über die Gründe des Einmarsches: das Auffinden von bewaffneten Terroristen sowie von Sprengstoff- und Raketenwerkstätten. Auch kein Wort darüber, dass die Aktionen von der israelischen Armee im Voraus angekündigt werden, um Zivilisten die Möglichkeit zu geben sich in Sicherheit zu bringen.

Auch die folgende Schlagzeile impliziert einen berechnenden Tötungswillen israelischer Soldaten: „Israelische Granaten töten Kinder“ aus der Frankfurter Rundschau vom Januar 2002.

Eine ähnliche Wortwahl gab es nach den Anschlägen in Jerusalem, bei denen Dutzende Jugendlicher ums Leben kamen nicht.

Ankündigung vor Beschuss

Was ebenfalls immer wieder verschwiegen wird: der Beschuss von Gebäuden der palästinensischen Sicherheitskräften und der Autonomiebehörde durch die israelische Luftwaffe wird ebenfalls im voraus von der Armee angekündigt. Dies wird aus dem humanistischen Gedanken heraus getan, so viele Menschenleben wie möglich zu schonen. Dass es trotzdem regelmäßig zu Toten und Verletzten kommt liegt auch daran, dass es – sei es aus Berechnung oder Unfähigkeit – nicht zur vollständigen Evakuation der Gebäude durch die palästinensischen Behörden kommt.

Die israelische Armee ist außerdem angehalten, nicht als Erster zu schiessen, außer in Notwehr. Tut das ein Soldat doch, sei es aus Angst oder falscher Einschätzung der Situation, werden diese Fälle untersucht und es kann schwerwiegende Folgen für diesen Soldaten haben, bis hin zu Suspendierung oder Gefängnis.

Auch werden meistens Gummigeschosse eingesetzt, um auch so die Zahl der tödlichen Verletzungen so gering, wie möglich zu halten.

Diese Tatsachen sind den Palästinenser bekannt und werden von ihnen bewußt ausgenutzt. so z.B. durch das Positionieren von Molotowcocktails und Steine werfenden Kindern vor schiessenden Erwachsenen. Sie wissen genau, daß Israel sich dann sehr zurückhalten wird. Wenn aber dann Kinder getroffen werden, gibt es eine große internationale Entrüstung.

Der Wert des Lebens im Nahen Osten

Ebenso ist meist nicht bekannt, daß für Austausche von Gefangenen auf beiden Seiten höchst unterschiedliche Maßstäbe gelten. Israel bietet für israelische Soldaten in arabischen (z.B. libanesischen oder syrischen) Gefängnissen immer ein vielfaches (oft um den Faktor 10) seiner arabischen Gefangenen zum Tausch an. So z.B. war im Dezember letzten Jahres versucht worden, Libanon zu einem Gefangenenaustausch von drei israelischen Soldaten für 19 libanesische Gefangene zu überreden. Die Israelis waren bei einem Patroillengang auf der israelischen Seite der Grenze von der Hizbollah gekidnappt worden. Die Hizbollah zog es vor, die drei zu töten, anstatt 19 ihrer eigenen Leute frei zu bekommen. Normalerweise sind diese Zahlenverhältnisse noch extremer. Das gibt auch Aufschluß über den Wert des Lebens in der israelischen und in arabischen Gesellschaften.

Aus Terroristen werden Militante

Doch die deutsche Presse ist in ihrem vorgelegten Freund-Feind-Schema nicht alleine. Die britische Nachrichtenagentur BBC ist dafür bekannt, im Bezug auf den internationalen Terrorismus mit zweierlei Maß zu messen.

Als vor einigen Jahren am selben Tag Terroranschläge durch die IRA in London und durch die Hamas in Israel verübt wurden, sprach die BBC von einem „Anschlag irischer Terroristen in London,“ und einem „Anschlag militanter Palästinenser in Israel“. Diese Terminologie hält sich bis heute hartnäckig in der Nahost-Berichterstattung der BBC.

Ein Blick zu den französischen Medien bietet nichts besseres. Die staatliche französische Nachrichtenagentur AFP, welche die meisten französischen und europäischen Medien mit Informationen versorgt, berichtet auch heute noch in aller Ausführlichkeit von den palästinensischen Opfern israelischer Militäroperationen in den besetzten Gebieten. In französischen Fernsehsendern folgen Minutenlange Beiträge, in denen die Arbeit palästinensischer Sanitäter bis ins Detail gezeigt wird. Verletzte Palästinenser werden dabei von Kamerateams bis ins Krankenhaus begleitet. Ein auch nur annähernd gleicher Umgang mit den israelischen Opfern terroristischer Anschläge blieb bisher aus. Israelische Sanitäter huschen oft nur in kurzen Filmsequenzen über die Fernsehbildschirme.

Mangelnde Ausgewogenheit

Doch woran scheitert eine ausgewogene Nahost-Berichterstattung in den westeuropäischen Medien?

Alle großen Medienagenturen und Fernsehstationen unterhalten Korrespondenten in Israel, die frei und ungehindert berichten können. Die Beiträge dieser Mitarbeiter sind oft ausgewogen, und vermeiden eine unnötige Emotionalisierung ihrer Berichte. Dies entspricht den internationalen Richtlinien für eine objektive Berichterstattung. Diesen Korrespondenten ist allerdings die Arbeit in den palästinensisch kontrollierten Gebieten von den PA-Behörden nicht gestattet.

Journalisten und Kamerateams können in den Gebieten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) nicht ohne „palästinensischen Begleiter“ arbeiten. Auch in der Übermittlung ihrer Berichte unterliegen sie einer indirekten palästinensischen Zensur. So beschwerten sich AP und AFP mehrfach bei den PA-Behörden über Manipulationen und Bedrohungen ihrer Mitarbeiter durch Mitglieder der palästinensischen Sicherheitskräfte. Dies führte dazu, dass heute die meisten Berichte für die europäischen Medien von lokalen palästinensischen Journalisten und Kamerateams zusammengestellt werden. Das diese Berichte nicht objektiv und ausgewogen sein können, versteht sich von selbst.

In Anbetracht dieser Tatsachen kann es einen nicht verwundern, wenn der Informationsgrad vieler EU-Bürger im Bezug auf den Nahost-Konflikt Unvollständig ist. Laut Medienexperten hat die Palästinensische Autonomiebehörde in der Propagandaschlacht mit Israel einen haushohen Sieg davongetragen. Ein Sieg, der nicht nur Israel sondern auch die europäische Medien als Verlierer dastehen lässt, da sie ihrer Aufgabe nicht nachgekommen sind: der objektiven Berichterstattung über einen Konflikt, in dem beide Seiten ihren Schuldanteil tragen.

Von Zvezdan Kuhar und Oliver Kraigher

Unser Mann in Israel

Esther Schapira und Georg M. Hafner, 27. März 2003

„Journalisten, die in Israel arbeiten, müssen sich mit ihrer Unterschrift verpflichten, nichts zu berichten, was gegen die Interessen und die Sicherheit des Staates Israel verstößt. Jeder Journalist muss das tun. Und jeder tut es.“

Das verbreitet eine namhafte Dozentin der Universität Dortmund seit Jahren mit großem Eifer im Internet und bei jeder sich sonst bietenden Gelegenheit, in Vorträgen, in Artikeln, in persönlichen Briefen. Sie beruft sich auf zahllose Gespräche mit Journalisten zu diesem Thema in Israel, in Deutschland und anderswo.

Mit mir hat Frau Dr. Waltz nicht gesprochen. Ich hätte Ihr nämlich gesagt, dass ich nie eine solche Unterlassungserklärung gesehen habe oder gar eine solche unterschreiben musste.

Es gibt nämlich eine solche Erklärung nicht. Schon deshalb nicht, weil es ein aberwitziges Unterfangen wäre, allen Journalisten einen solchen Maulkorb zu verpassen, denn nirgendwo auf der Welt gibt es eine höhere Journalistendichte als in Israel. Hier arbeiten mehr Kollegen und Kolleginnen als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent!

Aber selbst wenn es einen solchen Maulkorb gäbe, so zeigt doch schon der tägliche Blick in Ihre Zeitung, wie wirkungslos er ist. Denn beim Thema Israel kennen deutsche Journalisten entgegen anders lautender Selbst-Bekenntnisse offenkundig keine Beißhemmung.

Israel hat nämlich so ziemlich die schlechteste Presse überhaupt. Nach einer Untersuchung des Institutes für Medienanalysen in Bonn sieht der Befund so aus:

61% der internationalen Konfliktberichterstattung im Fernsehen widmet sich dem Nahostkonflikt. 81% davon beschäftigt sich mit Israel. Nur 5% davon wiederum waren für Israel schmeichelhaft und positiv. (45% negativ, 49% neutral. Quelle: MEDIEN TENOR Institut für Medienanalysen mit Sitz in Bonn Die Welt, Frankfurter Allgemeine, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung, taz, Bild-Zeitung, Focus, Spiegel, Stern, Die Zeit, Bild am Sonntag, FAZ am Sonntag, Welt am Sonntag, ARD Tagesschau, ARD Tagesthemen, ZDF heute, ZDF heute journal, RTL aktuell, SAT.10, Pro Sieben Nachrichten.)

Israel ist fast durchgängig der eigentliche Aggressor oder, Um den großen deutschen Philosophen Peter Sloterdijk zu zitieren, Israel ist der eigentliche „Schurkenstaat“, zusammen mit den USA versteht sich. (Interview mit dem österreichischen Magazin „profil“) Nun könnte es mir egal sein, welchen Unsinn eine einzelne, deutsche Wissenschaftlerin wo und wie verbreitet und was Herr Sloterdijk, den ehrlich gesagt auch sonst nicht besonders gut verstehe, von Israel hält.

Das fatale ist nur, es sind keine Einzelstimmen, ihre Ansichten sind mehrheitsfähig in diesem Land:

Endlich sind die Juden nicht länger nur Opfer, sondern sie sind endlich auch Täter. Das ist eine wunderbare Entlastung der eigenen, historischen Schuld und Verantwortung und deshalb höchst willkommen im Land der Täter. (Scharon – Belgien – Sabra & Shatila) Und deshalb fühlt sich auch ein Norbert Blüm bemüßigt von einem „Vernichtungskrieg“ zu sprechen, den Israel führe gegen ein unterdrücktes Volk, ein Volk ohne Heimat: die Palästinenser. Das passt alles gut zusammen.

Israel hat also keine gute PR. Gleichzeitig wird aber jeder, der versucht, ein differenzierteres Bild Israels zu zeichnen, der Parteilichkeit geziehen. Das Leid des palästinensischen Volkes werde verschwiegen. Überhaupt die Weltpresse, sie sehe tatenlos zu und berichte, weil jüdisch unterwandert und gesteuert, einseitig.

Das genau war auch der Tenor nach der Ausstrahlung des Dokumentarfilms meiner Kollegin Esther Schapira:

„Die deutsche Israelin Esther Schapira leistet ganze Arbeit und setzt alle Ihre Fähigkeiten zur Verteidigung von Staatsverbrechen und Staatsverbrechern ein und outet sich damit als zionistische Propagandamitarbeiterin. (…) Haben die Zionisten schon alles in der Hand und können die deutschen Medien sich aus diesem Würgegriff nicht mehr befreien?“

Das fragte das „Muslim-Markt-Team“, eine sinistre islamistische Plattform im Internet, schon vor der Ausstrahlung des Filmes. Verantwortlich für diese Website ist ein Dozent der Uni Bremen, ein Türke mit deutschem Pass und angeblich auch ein Vertreter der Hisbollah in Deutschland. Und er ermuntert den geneigten Leser, das zu tun, was ein aufrechter Muslim zu tun habe, nämlich der Autorin entsprechend einzuheizen. Esther Schapira musste die ersten Veranstaltungen nach ihrem Film unter Polizeischutz machen, der Staatsschutz nahm die Drohung ernst.

Aber auch der ganz normale Zuschauer und die ganz normale Zuschauerrinnen wollten nicht hintan stehen:

Frau P. aus Hamburg möchte wissen, ob Frau Schapiras „journalistischer Eifer vielleicht durch einen israelischen Scheck angefacht worden sein mag“. Herr V. aus Ulm empört sich darüber, dass „die ARD sich zum Knecht israelischer Propaganda“ macht und „der HR … eine Esther Shapiro … beauftragt …, also eine Jüdin, Zweifel zu säen“.

Der Film sei „das übelste Machwerk an primitiver Propaganda, das seit den Zeiten eines Goebbels auf die Menschheit losgelassen wurde“. Herr T. schließlich empört sich per Mail „über die Propagandasendung“ und will wissen, wie „im Moment des Holocaust der Palästinenser eine Sendung wie diese ausgestrahlt werden kann“.

Vier von Hunderten von Briefen, Anrufen, Mails und Artikeln, die uns nach der Ausstrahlung des Filmes erreicht haben. Nicht anonym, wie meine Zitate es nahe legen könnten, sondern mit Anschrift und mit der Bitte um Rückantwort verbunden.

Sie sehen also, die Dozentin aus Dortmund ist nicht alleine mit ihrem schweren Verdacht gegen den deutschen Journalismus, jedenfalls solange er sich mit dem Nahostkonflikt beschäftigt. Eine vergleichbare Empörung, wenn es um die Berichterstattung über wirkliche Schlachtfelder dieser Erde geht – Kaschmir, Tschetschenien, Ruanda, Kongo – ist nicht zu vermelden. Selbst wohlwollende Zuschauer haben Esther Schapira gefragt, ob sie als Jüdin nicht doch ein bisschen befangen sei. Abgesehen davon, dass es keine Rolle spielt, ob Esther Schapira eine Jüdin ist, kann ich mich nicht erinnern, je nach meiner Religionszugehörigkeit befragt worden zu sein, nicht einmal da, wo ich als Protestant heftig über die deutschen Bischöfe in der bigotten Frage der Abtreibung hergefallen bin. Niemand kommt auch auf die Idee, Autoren und Autorinnen, die sich mit der Rolle der Waffen-SS auseinandersetzen, Befangenheit zu unterstellen, weil sie entweder der Tätergeneration angehören oder Kinder von Tätern sind. Aber wie lässt sich nun diese besondere Beschäftigung und Empörung bei der Berichterstattung aus Nahost erklären? Grundsätzlich gilt, dass viele Zuschauer auf der Suche nach der Bestätigung für vorgefasste Meinungen sind. Im Übrigen das Rezept aller politischen Meinungsmagazine. Die einen klatschen, die anderen ärgern sich zu Tode. Jeder bedient seine Klientel. Journalisten als Bildbeschaffer für die Bilder im Kopf. Selten jedoch tritt dieser Mechanismus so offen zutage wie im Nahostkonflikt. Und: selten sind Journalisten so willig dabei, diese Rolle zu spielen, weil sie vielfach übereinstimmt mit der eigenen Haltung.

Ich will das an einem dramatischen und zugleich symptomatischen Beispiel erläutern. Am 2. April 2002 rückt die israelische Armee in der Stadt Djenin ein. Sie tut es erklärtermaßen deshalb, weil wenige Tage zuvor bei drei Selbstmordanschlägen in Israel fast 50 Menschen getötet und 200 zum Teil schwer verletzt worden waren und weil die terroristischen Mörder aus dem Flüchtlingslager Djenin kamen. Drei Tage später sprechen die palästinensischen Behörden von einem „Massaker“, das die israelische Armee in Djenin angerichtet habe.

Die Angaben über die Zahl der Opfer erhöhen sich von Tag zu Tag. DPA, AFP und Reuters melden bis zu 200 Tote, der palästinensische Informationsminister meldet 900 Opfer. Und so steht es auch in den Zeitungen und auch in den anderen Medien wird von einem „Massaker“ berichtet, obwohl die Quellenlage völlig unzulänglich ist, denn Journalisten selbst waren keine vor Ort. Es war eine Berichterstattung vom Hörensagen. „Amnesty International“ fordert eine sofortige Untersuchung des Todes von „Hunderten von Palästinensern“, spricht von einem „Kriegsverbrechen“. Die UN-Menschenrechtskommission in Genf verurteilt das „Massaker“ aufs schärfste.

Auch Frau Dr. Waltz schaltet sich wieder ein: „Die Israelis sind dazu übergegangen, Leichen in die Abfallgruben zu schleppen, aber über 800 Leichen – das ist inzwischen amtlich festgestellt …. – sind in Lkws abtransportiert worden nach Norden und dort in einem anonymen Friedhof in Massen vergraben worden. In Djenin werden … weitere Massengräber entdeckt“.

Bremens Bürgermeister, Henning Scherf, überlegt, eine Fotoausstellung in der Hansestadt zu dem „Massaker“ von Djenin zu machen. Djenin wird zu einem Synonym für „Massaker“. Auch die UN-Flüchtlingsorganisation UNWR meldet sich mehrfach zu Wort und spricht von einem „Schlachtfeld unter Zivilisten“, es sei der „reinste Horror“.

Diese Bewertung der Lage in Djenin lässt besonders aufhorchen und sie lohnt eine besondere Betrachtung.

Das UNWR betreut als UN-Flüchtlingswerk weltweit zahllose Flüchtlingslager und ist in dieser Funktion auch für Djenin verantwortlich. Deshalb hätte niemand die Wahrheit besser wissen müssen und können, als das UNWR. Und die Wahrheit heißt:

Djenin war ein Feldlager des „Islamistischen Djihad“, die Hauptstadt der Selbstmordattentäter sozusagen. „Wir hatten 1000 bis 2000 Bomben“, erklärt ein stolzer palästinensischer Kämpfer dem Fernsehsender CNN in die Kamera. Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes? ? Jedes 10. Haus in Djenin war vermint. Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes?

Britische und norwegische Rettungsteams mussten unverrichteter Dinge aus Djenin abziehen, weil Verschüttete in Sprengstofffallen gefangen waren.

Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes?

„Glauben Sie mir, in den Häusern stehen Kinder bereit, mit Sprenggürteln“, berichtet ein anderer Kämpfer. „Heute kam eines der Kinder mit seiner Schultasche zu mir. Ich fragte ihn, was er wolle, und er antwortete: Statt Bücher möchte ich Sprengstoff, um anzugreifen“. Und alles unter den Augen des UNO-Flüchtlingswerkes?

Statt sich also mit der eher problematischen Zuschauer-Rolle, oder gar der Mittäterschaft des Flüchtlingswerkes zu beschäftigen, was ja eigentlich unsere vornehme Aufgabe hätte sein müssen, haben die Kollegen ungeprüft Meldungen der palästinensischen Behörden verbreitet. Kein besonders guter Journalismus.

Nun könnte man entschuldigend einwenden: die Journalisten wussten es nicht besser, sie durften schließlich nicht an den Ort des vorgeblichen Massakers. Und wenn man vom Rathaus kommt, soll man ja angeblich alles besser wissen. Nur: alles eben Erwähnte wäre ohne Mühe im Internet zu finden gewesen. „Memri.org” (The Middle East Media Research Institute) bietet jedem, der es sucht, die Mitschrift vieler Berichte aus den arabischen Medien. Die oben zitierten Interviews gehören dazu.

„Memri.org“, ein Klick, und man hätte es besser wissen können, was Djenin wirklich ist. Wenn man es denn gewollt hätte.

Nachdem sich der Rauch über Djenin verzogen hatte, die Journalisten sich dem nächsten Schlachtfeld zugewandt hatten, kommt ein Expertenteam der Vereinten Nationen nach gründlicher Untersuchung zu dem Ergebnis: von Massaker keine Spur. Es gab 52 palästinensische Opfer, und keine 900, davon waren 22 Zivilisten.

Um nicht missverstanden zu werden, es waren 52 Opfer zu viel, eigentlich 75 zu viel, denn es sind auch 23 israelischen Soldaten ums Leben gekommen. Aber die fanden dann ohnehin nirgendwo mehr eine nennenswerte Erwähnung.

„Hätten Sie den Film auch gemacht, wenn am Ende herausgekommen wäre, dass tatsächlich israelische Soldaten Mohammed al Dura erschossen haben“, wurde Esther Schapira oft gefragt.

Diese Frage ist legitim. Aber sie ist auch verräterisch, denn sie unterstellt gleichzeitig eine Tendenz, einen Vorsatz, die Produktion sei nur deshalb zustande gekommen, um dem israelischen Militär aus der Patsche zu helfen. Erstaunlich ist nur, dass niemand so sehr gegen diesen Film war, wie das israelische Militär. „Words cannot balance pictures“, Worte könne nicht ausgleichen, was Bilder anrichten, hatte der Militärsprecher als Einwand gegen unser Vorhaben entgegnet. Während die palästinensischen Behörden jedwede Hilfestellung anboten, bockte das israelische Militär und als dieses dann zuletzt doch zustimmte, weil wir ihnen klargemacht hatten, dass der Film so oder so gemacht werde, gab es plötzlich ein Veto aus dem Außenministerium.

In Israel wollte niemand diesen Film, aber niemand war auch in der Lage, diesen Film zu verhindern. Israel ist ein freies Land, Journalisten bewegen sich ohne Kontrolle, keine Aufpasser, kein Zensor, die Bewegungsfreiheit ist uneingeschränkt, auch wenn Frau Dr. Waltz genau das Gegenteil behauptet.

Ungemütlich wird es erst in den besetzten Gebieten. Wehe dem, der dreht und das nicht darf. Ein Beispiel: Zwölf Tage nach Mohammeds Tod, am 12. Oktober 2000, entstanden im Westjordanland ebenfalls Bilder, die um die Welt gingen. Sie zeigen, wie eine aufgebrachte Menschenmenge vor dem Polizeigebäude in Ramallah begeistert jubelt, als ein regloser Körper aus dem Fenster im ersten Stock geworfen wird. Dann erscheint ein Mann, der der Menge mit blutigen Händen winkt. Es gibt auch Bilder, wie ein zweiter Mann vor dem Gebäude von Menschen zu Tode geschleift wird. Die Opfer: Zwei Israelis, die sich verfahren hatten und mit ihrem israelischen Kennzeichen versehentlich in Ramallah im Westjordanland gelandet waren.

Palästinensische Polizei hatte sie daraufhin festgenommen und zur Polizeistation gebracht. Dort wurden sie dann gelyncht, eine gnädig abstrakte Bezeichnung für die Art, wie sie zu Tode gequält, durch die Straßen geschleift, bei lebendigem Leib angezündet wurden. Yosi war 38 Jahre alt. Er hinterlässt kleine Kinder. Vadim war 33 Jahre alt. Er hatte vier Tage zuvor geheiratet. Über sein Handy wird seine Frau gezwungen mit anzuhören, wie ihr Mann gelyncht wird. Yosi und Vadim sind aus dem Gedächtnis der Medienwelt längst entschwunden. Ihr Schicksal wäre auch damals weitgehend unbeachtet, wenn es nicht diese Fernsehbilder gegeben hätte.

Die Geschichte von der Verbreitung dieser Bilder erzählt ein eigenes, weitgehend unbekanntes Kapitel der journalistischen Wahrheitsfindung im Nahostkonflikt. Gedreht wurden sie von einem Kamerateam von RTI, einer kleinen privaten italienischen Fernsehstation.

Dieses Team war aber keineswegs das einzige vor Ort. Wie in Netzarim drängten sich auch vor der Polizeistation in Ramallah an diesem Tag die Fotografen und Kamerateams: darunter ein britischer Fotograf, ein polnisches TV-Team, Producer für ABC Network und ein Team des ZDF. Das polnische Team wurde umzingelt und von palästinensischer Polizei geschlagen. Das ZDF Team wurde ebenfalls attackiert, der Reporter „Jude“ beschimpft und an die Wand gestellt. Erst als er seinen deutschen Ausweis zeigt, lassen die Palästinenser von ihm ab. (Merseburger) Allen Kameraleuten und Fotografen wurde das Material beschlagnahmt. Kameras wurden zerschlagen. Kaum jemand der Kollegen hat darüber berichtet.

Warum nicht?

Die Antwort liegt vielleicht in der Reaktion, mit der die italienische Journalistin konfrontiert war, der es als einziger gelang, ihre dramatischen Bilder heraus zu bringen und zu senden. Sie erhielt Morddrohungen, musste die Region verlassen und steht bis heute in Italien unter Polizeischutz. Damit ist die Geschichte aber noch nicht ganz erzählt. Die RAI, die große staatliche Fernsehanstalt Italiens, sah sich nämlich plötzlich in einen Topf geworfen mit dem völlig unbedeutenden Privatsender RTI. Das machte die Arbeit in den besetzten Gebieten ungemütlich, weshalb Ricardo Christiano, der Korrespondent der RAI zur Feder griff und sich bei den palästinensischen Behörden entschuldigte für etwas was er nicht getan hatte, aber hätte tun sollen, nämlich über den Lynchmord von Ramallah zu berichten. Diese Ergebenheitsadresse wäre nie bekannt geworden, hätte sie nicht die palästinensischen Zeitung Al Hayat veröffentlich: Seine „geschätzten Freunde in Palästina“, lässt der Kollege wissen, wie sehr er den Vorfall bedauere, und dass die RAI nicht das Geringste damit zu tun habe, „denn“, so wörtlich, „die Regeln der palästinensischen Autonomiebehörde für journalistische Arbeit in Palästina werden von uns immer respektiert (und wir werden auch fortfahren, sie zu respektieren) und wir sind glaubwürdig in unserer präzisen Arbeit. Wir danken Euch für Euer Vertrauen und Ihr könnt sicher sein, dass dieses Handeln nicht unserem Stil entspricht. Wir würden und werden so etwas niemals tun. Bitte akzeptiert Sie meine Segenswünsche.“

Ein Kniefall, ein ungeheuerlicher Kotau vor den palästinensischen Machthabern, den die RAI offenbar seinem Korrespondenten abverlangt hat. Christiano verlor daraufhin seine Akkreditierung in Israel, wurde schließlich von der RAI abberufen und ist jetzt zuständig für Vatikanberichterstattung beim Hörfunk.

Esther Schapira hätte gern von ihm selbst erfahren, wie die „Regeln“ der palästinensischen Autonomiebehörde für journalistische Arbeit aussehen und wozu genau er sie „beglückwünscht“ hatte. Er hätte auch gern geantwortet, durfte aber nicht. Ohne Genehmigung seines Arbeitgebers RAI drohe ihm die Kündigung, wenn er über die Ereignisse von Ramallah spreche. Die RAI untersagt ihm jede Äußerung. Doch auch ohne seine Erklärung lässt sich vermuten, wie es zu diesem Brief kam. Ricardo Christiano hatte Morddrohungen erhalten, wegen der vermeintlich von ihm „verschuldeten“ Veröffentlichung der Bilder vom Lynchmord aus Ramallah. Diese Drohungen sind kein Einzelfall.

Im November 2000 veröffentlicht Al Hayat einen Brief der Palästinensischen Journalisten Vereinigung, in dem die Nachrichtenagentur AP für ihre Darstellung des „Kampfes der Palästinenser“ verurteilt wird. Falls AP die Berichterstattung nicht ändere, heißt es dort, würden „alle notwendigen Maßnahmen gegen AP-Mitarbeiter“ angewendet.

Der Korrespondent des amerikanischen Magazins „Newsweek“, Joshua Hammer und sein Fotograf Gary Knight wurden am 29. Mai 2001 unmittelbar nach einem Interview im Gazastreifen von ihren Interviewpartnern, Mitgliedern der Fatah, verschleppt und erst nach heftigen Protesten vier Stunden später wieder freigelassen. Für ausländische Journalisten ist dies eher die Ausnahme, für einheimische dagegen gängige Praxis: „Kritiker der Palästinensischen Autonomiebehörde werden zuweilen von einem Angehörigen der Sicherheitskräfte zu einem Kaffee eingeladen, um erst Tage, Wochen oder sogar Monate später wieder freigelassen zu werden“, schreibt nicht etwa die Pressestelle der israelischen Regierung, sondern Amnesty International. „Seit ihrer Gründung 1994“, heißt es im Jahresbericht 2000, „hat die Palästinensische Autonomiebehörde die Freiheit der Presse zunehmend eingeschränkt durch eine Vielzahl von Maßnahmen, darunter Verhaftungen, Verschleppung durch Sicherheitskräfte. (…) Viele der Verhafteten konnten keinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen und einige waren Folter ausgesetzt.“

Nicht erwähnt werden etwa die Todesurteile in den palästinensischen Gebieten, die ohne jedes ordentliche Gerichtsverfahren vollstreckt werden oder die gängige Lynchjustiz für vermeintliche Kollaborateure.

Vor diesem Hintergrund ist es hochgradig problematisch, dass die Kontrolle über die Berichterstattung und vor allem die Hoheit über die Bilder inzwischen fast ausschließlich bei Palästinensern liegt. Weit über 90% der Kameraleute, die in Gaza und der Westbank arbeiten, sind Palästinenser. Sie arbeiten im Auftrag westlicher Fernsehstationen und Agenturen. Ihre Auftraggeber sind überwiegend westliche Fernsehstationen und Agenturen, aber sie drehen die Bilder. Sie entscheiden, auf welches Ereignis sie ihre Kamera richten. Sie wählen das Material aus, das sie in die Studios nach Jerusalem und Tel Aviv überspielen. Und sie teilen Korrespondenten telefonisch mit, was sie gesehen habe. Daraus entsteht der Reporterbericht. So war es im Fall Mohammed Al-Dura. So ist es die Regel.

Aus einer Reihe von nachvollziehbaren Gründen und Sachzwängen sind westliche Journalisten und Kameraleute nur in Ausnahmefällen selbst vor Ort.

Erstens: Es ist zu gefährlich.

Kriegsreporter sind selten an der Front. Das war im Golfkrieg so. Das war im Kosovo so. Das war in Afghanistan so. Das wird im kommenden Golfkrieg auch so sein. Offiziell herrscht in Israel kein Krieg, aber es wird scharf geschossen. Und: Es gibt keinen klaren, vorhersehbaren Feind. Das macht die Sache noch gefährlicher. Wer noch dazu die Sprache nicht beherrscht, und die meisten westlichen Journalisten sprechen weder hebräisch noch arabisch, bleibt sicherheitshalber besser im klimatisierten Studio und lässt sich die Bilder von der Front überspielen. Panzerweste hin oder her, die zieht man dann allenfalls an, wenn man seinen Aufsager macht und so tut, als sei man mittendrin.

Und weil „unser Mann in Israel“ nicht an der Front ist, kommt er auch in keinen journalistischen Gewissenkonflikt. Er kommt erst gar nicht in die Verlegenheit, Bilder zu sehen, deren Verbreitung gefährliche Konsequenzen für ihn haben könnte, weil sie vielleicht nicht den „Regeln der Berichterstattung“ palästinensischer Lesart entsprechen. Regeln, die jeder offiziell dementiert und die doch jeder kennt. Regeln eben, auf die sich Ricardo Christiano in seinem Brief explizit bezogen hat.

Regeln übrigens, gegen die die Kollegen dringend öffentlich protestieren und die sie zum Gegenstand ihrer Berichterstattung machen müssten. Doch damit geriete das System selbst ins Wanken, denn welcher Journalist mag schon zugeben, dass er selbst vom Ort des Geschehens fast ebenso weit entfernt ist, wie der Zuschauer zuhause? Wer mag öffentlich eingestehen, dass er Angst hat? Wer räumt ein, dass er nicht selbst recherchiert hat und nur gefilterte Informationen verarbeitet?

Zweitens: Die Aktualität.

Der Zwang zur Aktualität lässt keine Zeit für eine journalistische Recherche vor Ort. Längst hat der im Medienwettbewerb gewonnen, der die Information am schnellsten liefert, am besten, wenn es denn ginge, zeitgleich zum Geschehen. Das geht zwingend auf Kosten der Wahrheit und Gründlichkeit. Wenn an nachrichtenstarken Tagen allein sieben Regelsendungen und dann noch zusätzliche Sondersendungen mit Beiträgen beliefert werden müssen, dann hat ein Reporter vor Ort keine Chance, er sitzt am Schneidetisch, er muss dort sitzen und ein Stück nach dem anderen liefern.

TS um 15:00, 17:00, 20:00 TT, Nachtjournal, Brennpunkt, Morgenmagazin, Mittagsmagazin

Da kann ein Korrespondent nicht selbst recherchieren. Da kann er sich nur darauf beschränken, die angelieferten Bilder und Informationen zu bearbeiten, möglichst schnell und jedes Hinterfragen bringt ihn aus dem Rennen. (Man stelle sich vor: Mohammed Al-Dura: Moment mal, wir müssen erst noch mal gucken, was wirklich mit dem Bildmaterial los ist) Das Unredliche dabei ist: es sagt keiner. Redlicherweise müsste man wenigstens die Quelle nennen. Tut der Reporter in der Regel aber auch nicht. Das Material erscheint dem Zuschauer als selbst gedrehtes Material, authentisch eben, dabei stammt es entweder direkt von der Israelischen Armee oder eben von palästinensischen Kameraleuten vor Ort. Beides ist journalistisch problematisch. Beides wird in der Regel unterschlagen.

Das Ergebnis sind die immergleichen Bilder, die uns aus Nahost erreichen. Es sind die Bilder, die unsere Zuschauer erwarten, weil wir sie ihnen liefern. Und wir liefern sie, weil sie erwartet werden. Ein Kreislauf, bei dem vor allem eines auf der Strecke bleibt: die Wahrheit. Die nämlich ist deutlich komplizierter als die Welt der Schlagzeilen und Aufmacher sie suggeriert.

Und die so gefärbte Berichterstattung schadet beiden Kriegsparteien, weil sie den Graben vertieft. Israel fühlt sich durch die tendenziöse Berichterstattung verunglimpft, igelt sich ein und wird immer unzugänglicher auch für berechtigte Kritik.

Doch auch die Sieger im Medienkrieg, die Palästinenser, verlieren.

Je weniger differenziert berichtet wird, je selbstverständlicher Zensur ausgeübt werden kann, umso schwerer haben es jene, die sich für demokratische Verhältnisse, für eine Verhandlungslösung und damit für eine Zukunft ihres Volkes in Freiheit und friedlicher Nachbarschaft mit Israel einsetzen. Niemand darf aussuchen, was wir sehen dürfen, wir wollen und müssen alles sehen. Das ist der Grundsatz für Pressefreiheit. Das Schlusswort soll nicht Frau Walz haben, mit der ich angefangen habe und die übrigens als Dozentin auch dem palästinensischen Wohnungsbauministers zu Diensten war, sondern: der israelische Schriftsteller Amoz Oz. Der hat kürzlich in einem Interview gesagt: „Vor fünfzig Jahren war ganz Europa mit Graffiti überzogen, in denen es in allen Sprachen hieß: Juden, geht nach Palästina. Heute steht überall: Juden, raus aus Palästina. Dasselbe Europa.“

Er hat kein Fragezeichen dahinter gemacht, aber auch kein Ausrufezeichen. Er hat es offen gelassen. Ich habe leider zunehmend das Gefühl, „Juden raus aus Palästina“ und wir hätten keine Scherereien mehr mit Bin Laden und anderen islamistischen Terroristen, sondern wieder unsere Ruhe, das eint Europa wieder, nicht nur in Deutschland, auch in Frankreich und besonders in Großbritannien. Ich danke Ihnen.

© Esther Schapira und Georg M. Hafner

Ein Bild lügt mehr als tausend Worte

Die deutsche Berichterstattung über Israel, den Nahen Osten und die Juden, am Beispiel der Süddeutschen Zeitung.

Von Heinz Schneier (Mai 2002)

(…) Mit über 450.000 verkauften Exemplaren wochentags und über 500.000 an Wochenenden ist die SZ eine der führenden deutschen Tageszeitungen, sie repräsentiert weitgehend den Mainstream der deutschen Publizistik. Auch die anderen deutschen Tageszeitungen – von Extrembeispielen abgesehen – erachten sich trotz weltanschaulicher Differenzen als weitgehend fortschrittlich und liberal und es werden diese Zeitungen es ebenso entschieden von sich weisen, wenn man ihnen Antisemitismus vorwirft, wie man dies auch von deutschen Politikern und Literaten gewohnt ist. (…)

Die inhaltliche Bewertung der Artikel am Beispiel der SZ hingegen ergibt, dass wohl bei der Darstellung von Juden und jüdischen Themen der Tatsache Rechnung getragen wird, dass der Antisemitismus offiziell als anrüchig und der Holocaust als verdammenswert gilt, die Nahostberichte und Kommentare aber einen eindeutig antisemitischen Charakter haben.

Diese Fixierung beschränkt sich nicht nur auf Printmedien: Laut dem Forschungsbericht vom 15.05.2002 der internationalen Fernsehagentur Medien Tenor beziehen sich in Deutschland (international überdurchschnittliche) 61% der internationalen Konfliktberichte im Fernsehen auf den Nahostkonflikt, davon haben 81% Israel als Hauptthema. Gemäß der Untersuchung „Media Perception of Israel in international TV-news programmes“ desselben Instituts, waren vom 01.10.01 – 31.03.02 von den in diesem Halbjahr in Deutschland ausgestrahlten Berichten über Israel 45,2% als negativ, 49,5% als neutral und nur 5,3% als für Israel positiv zu bewerten.

Wie ist tatsächlich diese Obsession mit einem Ländchen zu erklären, mit weniger als einem Drittel der Fläche Bayerns, in mehreren tausend Kilometern Entfernung, das auch im Nahen Osten nur 0,2% der Fläche belegt und nur etwa 3% der Bevölkerung der Region hat? Und wie zu den Juden, einem Völkchen von weltweit nicht mehr als 14 Millionen Menschen? Wieso drängen sich in diesem winzigen Israel mehr ausländische Korrespondenten (und mehr christliche Missionare) als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent? Wieso beschäftigt die Europäer der Nahostkonflikt mehr als die Kriege in Europa, oder die mit weitaus mehr Menschenopfern verbundenen Konflikte in Kaschmir, Tschetschenien, Ruanda oder am Kongo und warum beschäftigen sich in Deutschland die Nachkommen der Sudetendeutschen, Schlesier oder der Ostpreußen mehr mit dem Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge als mit dem eigenen, wo doch in beiden Fällen der Zeitpunkt der Flucht derselbe war? Zweifellos, für das Christentum – und zunehmend auch für die islamische Welt – ist das Judentum weder eine Religion, noch eine Nation, sondern eine paranoide Manie. (…)


Beispiel 1:

So personalisiert in unserer exemplarischen Darstellung der SZ vom 11.09.01 Heiko Flottau die Klischees der Not der Araber am Beispiel zweier Familien in der Altstadt von Hebron, sie werden von jüdischen Siedlern drangsaliert, die „sie vertreiben wollen“, sie und ihre Häuser werden von den „Siedlern“ mit Steinen beworfen, der Familienvater von fünf Kindern war früher Gastarbeiter bei den Israelis und leide nun bittere Not. Um die 480 jüdischen Siedler zu schützen, habe die Arme viele Soldaten um sie herum postiert und über die Araber der Altstadt eine Ausgangssperre verhängt, wodurch sie sich nicht einmal mit Lebensmittel versorgen könnten und hungerten.

Genannt werden aber nicht nur fiktive Persönlichkeiten, sondern auch Lars Tore Kieland, der norwegische Sprecher der Internationalen Beobachtergruppe, die das Hebronabkommen zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) zu beobachten hat. Dieser Herr Kieland habe sich bitter über die „Siedler“ beschwert, die ihn anspuckten und mit Steinen bewarfen.

Die Siedler seien erst nach der arabischen Niederlage von 1967 gekommen, weil sie behaupteten, dies sei altes jüdisches Gebiet. Die Juden wären 1929 aus Hebron geflüchtet, nachdem Araber 67 Juden umgebracht haben. Dabei verschwiegen sie, dass arabische Nachbarn etwa 2/3 der Juden versteckten, so dass nicht einmal alle ermordet wurden. Auch waren Juden eine kleine Minderheit und die Araber mussten sich vor der jüdischen Landnahme wehren, so dass ihnen keine andere Wahl bliebe, als die Juden zu erschlagen. Und da die SZ ihre Informationspflicht gegenüber ihren Leser ernst nimmt, unterlässt sie es auch nicht, sie aufzuklären, warum die „jüdischen Siedler“ nach 1967 nach Hebron zurückgekommen sind: Um sich zu rächen!. Deswegen habe auch ein Herr Baruch Goldstein im Februar 1994 „in der Moschee 29 Araber ermordet“, wonach er von den „betenden Muslimen getötet“ wurde.

Bei einer solchen Berichterstattung und dem ständig vorwurfsvollen Hervorheben, in Hebron lebten weniger als 500 Juden unter etwa 120.000 Arabern, deren Schutz nur durch massive Armeepräsenz gewährleistet werde, ist es nicht verwunderlich, dass der durchschnittliche deutsche Leser die Anwesenheit einer jüdischen Minderheit unter einer arabischen Mehrheit als etwas frevelhaftes empfindet. Folgerichtig nimmt er es dann auch nicht wahr, dass die in Israel lebenden Araber selbstverständlich nicht befürchten müssen, dass ihnen auch nur ein Haar gekrümmt werde, während das Leben eines jeden Juden in Gebieten mit islamischer Mehrheit nur durch massive Militärpräsenz gewährleistet werden kann.

Charakteristisch im Sinne der SZ Berichterstattung ist, dass anhand fiktiver Beispiele dargestellt wird, wie 20.000 Araber in der Innenstadt Hebrons aufgrund der Anwesenheit von den weniger als 500 Juden angeblich drangsaliert werden, aber unerwähnt bleibt, dass in den vorangegangenen 11 Monaten seit Beginn der zweiten Intifada, die Juden Hebrons ständig von arabischen Heckenschützen beschossen wurden. So wurden beispielsweise im Verlauf des Monats vor der Veröffentlichung des Artikels ein 11 Jähriger schwer und sein 21 jähriger Bruder leicht verletzt, als sie vor ihrem Wohnhaus standen. Nur die Ermordung der 10 Monate alten Shalhevet Pass in den Armen ihres Vaters im März 2001, lenkte die internationale Aufmerksamkeit auf die Realität des jüdischen Lebens in Hebron.

Auch die Darstellung der Auseinandersetzung mit der TIPH – der Temporary International Presence in Hebron – also der Internationalen Beobachterkommission für Hebron, ist gelinde gesagt unvollständig: Diese Kommission wurde 1994, unmittelbar nach dem Anschlag Baruch Goldsteins unter der Regierung Rabin gegründet, deren Aufgaben wurden danach im Jahre 1997 in einer Übereinkunft zwischen Israel und der PA bestätigt. Danach war es die Aufgabe der TIPH, Auseinandersetzungen zwischen den Parteien zu überprüfen und möglichst vorbeugend zu schlichten. Die 85 Mitglieder kamen aus Ländern, die beide Seiten als neutral akzeptierten, u.zw. Dänemark, Schweden, Norwegen, die Schweiz, Italien und die Türkei. Die vielversprechende Initiative erwies sich aber bald als unergiebig, denn die Araber bezeichneten die Kommission als ineffektiv, während die Juden ihr Parteilichkeit zugunsten der Palästinenser vorwarfen (worin wohl ausnahmsweise beide Seiten Recht behielten). Im Spätherbst 2000 eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen der TIPH und den Juden in Hebron, die die Kommissionsmitglieder beschuldigten, der arabischen Seite Informationen über israelische Truppenbewegungen zugetragen zu haben, TIPH Mitglieder und deren Fahrzeuge wurden danach von jüdischen Kindern wiederholt mit Steinen beworfen und bespuckt.

Auch wenn dieses Verhalten verwerflich war, so haben Kommissionsangehörige danach durch eigene Erklärungen die jüdischen Vorwürfe in einer Weise bestätigt, wie sie ansonsten durch Dritte kaum beweisbar gewesen wären: In Schreiben der TIPH Mitglieder an die Außenministerien ihrer Länder erklärten Sie (unzutreffend), Ziel ihrer Mission sei es gewesen, ausschließlich die H2 Zone – also die unter israelischer Kontrolle stehende Zone in der Innenstadt von Hebron – zu überwachen und da ihnen dies unmöglich gemacht werde, „sei ihre Mission sinnlos geworden“.

Ferner erklärte Frau Saida Keller, die Schweizer Sprecherin der TIPH, in einem Interview mit der Washington Post, es sei das „Mandat der Organisation gewesen, der palästinensischen Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln und dies ist nun unmöglich geworden“. Der im SZ Artikel genannte Lars Tore Kieland (der in Wirklichkeit Kjerland heißt) bestätigte auf Anfragen von Journalisten, die Fahrzeuge der Kommission wären sporadisch auch von Arabern mit Steinen beworfen worden, aber „dies haben wir bei weitem nicht so ernst genommen, denn schließlich sei das für sie (die Araber) schon so etwas wie ein Volkssport geworden“.

Da die Juden ausschließlich von der H1 Zone aus beschossen wurden (den Teil Hebrons, der unter der Verwaltung der PA steht) – für die sich die TIPH mandatswidrig als unzuständig erachtete – und sie sich zugegebenermaßen nur als Interessenvertretung einer Seite empfand, führte sie den Israelis erneut vor, was sie von internationalen Beobachtergruppen zu erwarten haben.

Auch historisch ist die Darstellung im Zusammenhang mit der Ermordung eines Drittels der jüdischen Gemeindemitglieder im Jahre 1929 unzutreffend: Zu diesem Zeitpunkt hatte Hebron etwa 20.000 Einwohner, darunter etwa 200 Juden und 120 Samaritaner, deren Gemeinden und Synagogen kontinuierlich schon seit biblischen Zeiten in Hebron bestanden, auch lange bevor es in dieser Stadt Araber gab.

Beispiel 2:

Es ist offensichtlich, dass die SZ von ihren Korrespondenten eher einen stilistischen Aufbau erwartet, wie er in journalistischen Seminaren gelehrt wird, als historisch korrekte Darstellungen, mit Folgen, die sich etwa in angelsächsischen Ländern bestenfalls Boulevardzeitungen leisten dürften und die von grob fahrlässig falschen Darstellungen bis hin zu volksherhetzenden Geschichtsklitterungen reichen.

Eine dieser – im wahrsten Sinne des Wortes augenscheinlichsten – Peinlichkeiten unterlief der SZ in der Wochenendausgabe vom 16./17.12.2000. In Heiko Flottaus Bericht „Scheitern im Schatten britischer Kanonen“ berichtet er über ein „exotisch aussehendes Paar“, das bei den Versailler Friedensverhandlungen von 1919 auftrat: den Emir Feisal, Sohn des Scheriffen von Mekka und Chaim Weizmann, Präsident des Zionistischen Weltkongresses und später erster Präsident Israels. Dreispaltig wurden die beiden abgebildet: Chaim Weizmann und der spätere König Feisal von Saudi-Arabien.

Dabei handelte es sich bei dem Feisal, mit dem Weizmann verhandelte und dem späteren König von Saudi-Arabien um zwei verschiedene Personen: der erstere gehörte zum Clan der Haschemiten, dessen Beduinentruppen mit den Engländern im Ersten Weltkrieg gegen die Osmanen kämpften. Aus Dank wurde er später als König des neuen britischen Mandatgebiets Irak eingesetzt. Erst in den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts begann der Reichsgründer Abdul Azziz ibn Saud die Eroberung des Hedschas und als sein Sohn Feisal im Jahre 1962 dritter König Saudi-Arabiens wurde, da war Chaim Weizmann bereits tot. Die beiden genannten Feisals gehörten daher auch unterschiedlichen Clans an, die bis 1958 Todfeinde waren.

Auch in diesem Artikel verabsäumte Heiko Flottau nicht auf die Ermordung der 67 Juden in Hebron im Jahre 1929 hinzuweisen, die er damit rechtfertigt, „weil sie (die Juden) die wirtschaftliche Existenz der palästinensischen Bewohner gefährdet hatten“.

Eine aktuellere Geschichtsklitterung leistete sich die SZ im Artikel vom 20.07.02 „Der kurze Triumph eines Volkshelden“, ebenfalls von Heiko Flottau: Demzufolge hat „am 23.07.1952 eine Gruppe von „freien Offizieren“ unter ihren damals 34-jährigen Anführer (Gamal Abdel) Nasser die marode ägyptische Königsmonarchie“ gestürzt. In Wirklichkeit wurden damals die „Jungen Offiziere“ von Mohammed Naguib geleitet, der nicht die Monarchie stürzte, sondern König Faruk zur Abdankung zwang und dessen Sohn Fuad als König einsetzte. Ein Jahr danach setzte Naguib König Fuad ab, rief die Republik aus und wurde ihr erster Präsident. Im Jahre 1954 entmachteten die „Jungen Offiziere“ im Rahmen eines internen Putsches Naguib und Nasser wurde der zweite Präsident Ägyptens.

Erfahren dürfen wir in diesem Artikel auch die wahren Ursachen des Suez-Krieges von 1956: Nicht die Verstaatlichung des Suez Kanals und die Militäraktion Frankreichs und Großbritanniens zur dessen Wiederbesetzung – der sich Israel anschloss – waren die Ursachen für den Krieg, (der israelische Verteidigungsminister Mosche) „Dayan wollte den Krieg“. Auch der Sechstagekrieg von 1967 war ein Krieg den „niemand wollte“ außer eben Mosche Dayan und er entstand dadurch, dass Dayan gezielt die Syrer provozierte, so dass Nasser „unter arabischen Druck die Vereinten Nationen bat, die Beobachter aus Ägypten abzuziehen“, auch sei die Verriegelung der Straße von Tiran – und damit die Blockade des Meereszugangs Israels nach Afrika und Fernost – für Israel nicht lebensbedrohend gewesen, da die Mittelmeerhäfen ja offen standen. Dabei können heutzutage Zeitungsartikel und Wochenschauen aus arabischen Ländern noch ohne erheblichen Aufwand eingesehen werden, in denen Nasser fanatisierten arabischen Massen aufruft, Israel auszulöschen und auch der hysterische „Tötet, tötet, tötet“ Radioaufruf des damaligen Königs Hussein von Jordanien, in dem er auch arabische Zivilisten aufforderte, Juden „auch nur mit Messern“ zu ermorden ist in die Geschichte eingegangen.

Herr Flottau beruft sich bei seinen revolutionären Geschichtserkenntnissen auf Avi Shlaim, einen der jüdischen „New Historians“, die eine neue Form des jüdischen Selbsthasses pflegen und arabische Presseorgane und sonstige antisemitische Publikationen mit revisionistischen Geschichtsversionen beliefern.

Weitergehende markante Ereignisse der Ära Nasser, insbesondere die Gründung der jeweils nach kurzer Zeit gescheiterten „Vereinigten Arabischen Republiken“ zwischen Ägypten und Syrien, beziehungsweise Ägypten und dem damaligen Nordjemen – ebenso wie die abenteuerlichen militärischen Eskapaden Nassers und den damit verbundenen Einsatz von Giftgasmunition im Nordjemen – werden nicht erwähnt, obwohl man bei der Kreativität des Herrn Flottau auch da hätte erwarten dürfen, dass Israel daran Schuld gewesen wäre.

Antisemitische Tendenz der Nahostberichterstattung deutscher Tageszeitungen nun wissenschaftlich belegt

Dass man über die Nahostberichterstattung der SZ – und die anderer führender deutscher Tageszeitungen – behaupten kann, sie „reproduzierten, so wie sie im Mediendiskurs gedeutet und bewertet werden, einen in Deutschland vorhandenen Antisemitismus und verfestigten ihn“, ist nun aufgrund einer Studie des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung der Universität Duisburg ermöglicht worden, die im Auftrag des Berliner Büros des American Jewish Committee eine wissenschaftliche Untersuchung der Berichterstattung in deutschen Printmedien über die Zweite Intifada durchführte, über die im Juni 2002 eine 32-seitige Zusammenfassung (wovon allein 3 ½ Seiten den Literaturhinweisen vorbehalten blieb) veröffentlicht wurde.

Das Institut überprüfte für die Zeit vom 28.09.2000 (dem Beginn der „zweiten Intifada“) bis zum 08.08.2001 sechs Tageszeitungen die der politischen Mitte zuzurechnen sind (die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Frankfurter Rundschau, die SZ, der Tagesspiegel, die Tageszeitung und Die Welt) und eine Wochenzeitschrift (Der Spiegel). Die Untersuchung konzentriert sich auf alle publizierten Texte zu vier Ereignissen, nämlich der s.g. Tempelberg Besuch Ariel Scharons am 28.09.00, den Tod des palästinensischen Jungen Mohammed al-Dura am 30.09.2000, die Lynchmorde an zwei israelische Soldaten in Ramallah am 12.10.00 und das Selbstmord Attentat vor einer Diskothek in Tel-Aviv am 01.06.01.

Darin gelangt die Studie zur Erkenntnis, dass die Nahostberichterstattung deutscher Printmedien von der Warte einer „rassistischen und ethnozentristischen Perspektive“ und einer „paternalistischen Überheblichkeit“ geführt wird. „Die Dargestellten werden aus einer vermeintlich unangreifbaren Position von Fortschrittlichkeit ….dargestellt“. Beide Parteien erführen „durch den Printmedien-Diskurs vornehmlich massive Negativzuschreibungen, jedoch mit unterschiedlichen Akzentsetzungen“, die „Kritik an beiden Seiten heißt jedoch nicht Ausgewogenheit“ sondern verlaufe eindeutig zu Lasten Israels.

Auch das Bild von den Palästinensern sei oft von „Antiislamischen Zuschreibungen“ geprägt, diese bieten „Anschlusspunkte dafür, die Gewalt als direkt vom Islam hervorgebracht zu interpretieren“. Demgegenüber sei die Israeldarstellung von „Antisemitischen Diskurselementen“ geprägt, „die in Deutschland offiziell tabuisiert sind“. Insbesondere bei der Beschreibung Ariels Scharons werden Bezeichnungen genutzt, die „Assoziationen zu bekannten antisemitischen Karikaturen“ hervorrufen. Insgesamt wird hervorgehoben:

– Scharons s.g. „Tempelbergbesuch“ wird einhellig als Auslöser der „zweiten Intifada“ bezeichnet, „dass dies Teil einer Strategie Arafats gewesen sein könnte, wird nicht angesprochen“.

– „jüdische Siedler“, Ariel Scharon und die israelische Armee werden durchgehend negativ dargestellt, wie auch stets mit abwertenden Eigenschaftswörtern bezeichnet: „radikale“, „militante“, „extremistische“ und „fanatische jüdische Siedler“, „Bulldozer“, „skrupelloser Machttaktiker“, „unnachgiebig“, „alter Haudegen“, „Schlächter“, „Krieger“, „gurrender Falke“, „Bulle“, „Kriegstreiber“, „oberster Brandstifter Israels“ und ähnliche Bezeichnungen für Scharon, über dem auch berichtet wird, Demonstranten hätten ihn „lauthals mit Hitler“ verglichen, ferner wird behauptet, er sei für die Massaker in Sabra und Schatilla verantwortlich. Israelische Soldaten und die israelischen Armee werden als „hart“, „erbarmungslos zurückschießende Soldaten“, „Besatzungstruppe“, „Kolonisten“ beschrieben, denen „exzessive Gewaltanwendung“, „brutale Besatzung“, „brutale Massaker am palästinensischen Volk“ zugeschrieben werden, auch werden bewusst religiöse Assoziationen hervorgerufen wie etwa „ein Trupp Soldaten stürmt wie eine Kohorte römischer Legionäre die Via Dolorosa“.

– Ereignisse wie der Tod des palästinensischen Jungen Mohammed-al-Dura werden unisono und ungeprüft der israelischen Seite angelastet, es wurde in diesem Zusammenhang auf die Zahl getöteter palästinensischer Minderjähriger hingewiesen, wobei die Schuld allein dem „brutalen Vorgehen der israelischen Armee“ zugeschrieben wurde. Hinweise auf ermordete jüdische Kinder werden relativiert wie „auf beiden Seiten immer mehr Kinder sterben, noch im Tod werden sie für die politische Propaganda missbraucht“.

– Der Lynchmord an zwei israelischen Soldaten in Ramallah am 12.10.2000 wurde als Reaktion der „aufgebrachten palästinensischen Menge“, auf „Scharons Provokation“ (den Besuch auf dem Tempelberg) und dem Tod Mohammed-al-Duras relativiert, die Berichterstattung wurde mit den „Vergeltungsmaßnahmen“ – also der Bombardierung der zwischenzeitlich geräumten Polizeistation in Ramallah durch die israelische Luftwaffe – gekoppelt. Die Lynchmorde werden in Chroniken eingeordnet durch die eine Eskalationslogik medial deutlich gemacht wird. „Die teilweise sehr drastische Visualisierung der Ereignisse trug ebenfalls mit dazu bei, die Eskalation des Konfliktes zu unterstreichen: Fotos von Steine werfenden …. Palästinensern stehen Bilder von israelischen Panzern und Kampfhubschraubern gegenüber, mit denen gleichzeitig die israelische Dominanz hervorgehoben wird“.

– Zur Kritik an Israel werden öfter israelische und palästinensische Kritiker/innen hinzugezogen, „eine Kritik von Palästinensern an der palästinensischen Politik ist dagegen nicht oder äußerst selten aufzufinden“. Israel wird öfter zugestanden ein demokratischer Staat zu sein, in dem auch kontroverse Meinungen vorherrschen, dabei werden aber nur Ansichten von Israelis zitiert, die im Widerspruch zur offiziellen Regierungspolitik stehen.

– Die Diskurselemente im Zusammenhang mit Israel sind eindeutig durch Begriffe des traditionellen europäischen Antisemitismus und des christlichen Antijudaismus geprägt, „insbesondere die Tatsache, dass die produzierten Texte mit ihren negativen Zuschreibungen immer Anschluss an deutsche historische und aktuelle Diskurse findet, ist zu berücksichtigen. Insofern sind solche Texte oftmals dazu geeignet, in deutschen Diskursen vorhandene antisemitische und rassistische Vorurteile zu reproduzieren oder auch erst herzustellen“.

Die Nahostberichterstattung der SZ im Vergleich zur Duisburger Medienanalyse

Ein Vergleich der veröffentlichten Kurzfassung dieser Medienanalyse mit der Nahostberichterstattung der SZ ergibt, dass die SZ dabei eher glimpflich davonkommt:

1) Während die SZ ebenfalls mit Fotos zum Nahostkonflikt aufwartet, wonach fast ausschließlich schwerbewaffnete israelische Soldaten unbewaffneten palästinensischen Zivilisten gegenüberstehen – ganz zu schweigen von den Fotos, die einzelne palästinensische Kinder zeigen, die Panzer mit Steine bewerfen (wohl wissend, dass sie dadurch keine Risiken eingehen) – werden die Karikaturen mit Stürmer Charakter, die in der SZ erschienen sind, im Bericht nicht erwähnt. Hervorzuheben wäre dabei z.B. die zwischenzeitlich berüchtigt gewordene Karikatur E.M. Langs vom 02.05.02, in dem Scharon vor einem Leichenberg, der von einem Bagger weggekarrt wird, die Mitglieder einer UN Beobachtermission zurückdrängt. Eine ähnliche Karikatur vom 16.05.02, zeigt zum Beispiel Scharon auf einem Brett, unter dem wohl ein Palästinenser dargestellt sein soll.

Generell sind in der deutschen Presse und insbesondere in der SZ – im Gegensatz etwa zu Tageszeitungen aus angelsächsischen Ländern – nur verunglimpfende Karikaturen über Israelis, aber keine über Palästinenser, islamische Terroristen oder korrupte arabische Politiker vorzufinden.

2) Die im Bericht zitierte Praxis jüdischen und israelischen Kommentatoren Raum zur Kritik an Israel einzuräumen wird von der SZ exzessiv genutzt, es werden dabei Autoren publiziert, die in Israel vollkommen unbekannt sind, wie etwa Cordelia Edvardson und auch von den renommierteren Autoren, wie etwa Moshe Zimmermann, kann behauptet werden, dass sie in Deutschland weitaus bekannter und häufiger publiziert werden, als in Israel.

Während Scharon von fast 2/3 der Wähler Israels zum Ministerpräsidenten gewählt wurde und er aufgrund repräsentativer Umfragen weiterhin als ebenso populär gilt, werden in der SZ ausschließlich jüdische und israelische Kommentatoren veröffentlicht, die die Regierung Scharon und ihre Politik diffamieren oder ihr zumindest höchst kritisch gegenüberstehen – womit dokumentiert wird, dass es der SZ nicht auf einer wahrheitsgetreuen Darstellung der Stimmung am Ort des Geschehens ankommt, sondern dass sie sich Methoden bedient, die bei antisemitischen Publikationen seit mehr als einem Jahrhundert nachweisbar sind, nämlich dem Zitieren – oft eigens dafür bezahlter – jüdischer „Zeugen“.

Unerwähnt blieb im Duisburger Bericht (in der veröffentlichten Kurzfassung) die Bedeutung der Leserbriefe, denen in der SZ eindeutig dieselbe Rolle zugedacht wird, wie den israelikritischen Artikeln jüdischer Autoren: Auch hier gibt die SZ vor, Ansichten Dritter vorzutragen, die nicht die Meinung der Redaktion wiederspiegeln, veröffentlicht aber so gut wie ausschließlich Leserbriefe, die Israel verunglimpfen – mit dem Unterschied, dass hier auf stilistische Feinheiten keine Rücksichten genommen werden müssen, da man sich mit den Ausfällen Dritter nicht identifizieren müsse.

Selbstverständlich soll hier nicht behauptet werden, dass diese unter dem Deckmantel der legitimen Israelkritik veröffentlichten Meinungen nicht tatsächliche Leserbriefe darstellten oder gar bestellt wären. Schließlich werden heute deutsche jüdische Gemeinden mit Briefen überhäuft, in denen es von unflätigen antisemitischen Pöbeleien nur so wimmelt und auch die Öffentlichkeitsabteilung der Israelischen Botschaft erhält an manchen Tagen bis zu 300 solcher Schreiben, Telefaxe und E-Mails, also bei weitem mehr, als die diplomatischen Vertretungen irgendeiner der in Deutschland akkreditierten Großmächte. Aber es gilt sowohl in Kreisen der jüdischen Gemeinde in München, wie auch in denen der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und der christlichen Freundeskreise Israels in Bayern, dass es absolut sinnlos sei, an die SZ einen Israel freundlichen Leserbrief zu schicken, denn dieser wird entweder nicht veröffentlicht, oder er wird soweit verkürzt und entstellt, dass er oft das Gegenteil von dem wiedergibt, was vom Versender beabsichtigt war.

Eine besondere Rolle wurde den Leserbriefen nach den Terrorangriffen in den USA am 11.09.2001 zugedacht: Im Duisburger Bericht gab es einen Hinweis auf eine vom Institut durchgeführte kursorische Analyse im Zeitraum vom 12.09.01 bis zum 19.09.01 in fünf Tageszeitungen, darunter der SZ, in denen auch die Meinung vertreten wurde, der Terror sei eine legitime Waffe der Schwachen, ferner werde sich „Scharon nun legitimiert fühlen, noch härter gegen die Palästinenser vorzugehen. Solche Spekulationen gingen in einzelnen Fällen sogar so weit, Israel eine Schuld oder zumindest eine Mitschuld an den Anschlägen in den USA zu geben“.

Die SZ hat bereits am 14.11.01 mit einem Artikel von Heiko Flottau, dessen ellenlanger Titel allen den Weg gewiesen hat wer denn immer schuld sei: Übertitel: „Der Kampf gegen den Terror: Der Fanatismus der Attentäter hat historische Ursachen“, Haupttitel: „Nahöstliche Verteufelung“ und Untertitel: „Terrorismus in der arabischen Welt wird heute oft religiös legitimiert – seine Geburtsstunde aber war der Kampf gegen die Gründung Israels“. Von da an übernahmen die Leserbriefe eine markante Rolle in dieser Diskussion – exemplarisch für eine größere Anzahl vergleichbarer Leserbriefe bis heute – etwa der Brief eines „85-jährigen Nazi-Gegners“ Prof.Dr. Halhuber vom 14.10.01, der auch Scharons Erklärungen mit Hitler Zitaten verglich, Israel Apartheid vorwarf und als Wurzel des Terrors bezeichnete.

3) Im Juli 2002 berichtete die SZ über den Gesetzesantrag im israelischen Parlament, Grundstücke des Jüdischen Nationalfonds, die mit Spenden von Juden aus aller Welt erworben und erschlossen wurden, nur an Juden zu überlassen (wobei die Darstellung in der SZ so verstanden werden konnte, dass arabische Staatsbürger Israels generell keine Immobilien mehr erwerben dürften). Darüber gab es in der SZ legitime Kritik, es wurde berichtet, dass der Gesetzentwurf von oppositionellen Abgeordneten als rassistisch bezeichnet wurde und er wurde in einem Feuilletonbericht von Moshe Zimmermann in der SZ auch entsprechend kommentiert.

Als im Frühjahr 2001 in Libanon ein Gesetz beschlossen wurde, wonach Palästinenser keine Immobilien mehr erwerben können und die Immobilien in ihrem Eigentum nicht vererben dürfen, so war darüber in der SZ nie eine Silbe zu lesen. Es kann auch davon ausgegangen werden, dass es dem durchschnittlichen SZ Leser unbekannt ist, dass die Palästinenser im Libanon mehr als 100 Berufsverboten unterliegen, so dass sie nicht einmal die Straßen ihrer Flüchtlingslager kehren dürfen und es blieb auch unerwähnt, dass im Frühjahr 2002 als Berufsverbot hinzugekommen ist, dass sie auch keine Taxichauffeure mehr sein dürfen. Ebenso wenig wird über den benachteiligten Status der Palästinenser in den anderen arabischen Bruderstaaten, wie etwa Saudi Arabien oder Kuwait berichtet.

Kaum einem SZ Leser dürfte bekannt sein, dass bis zum Friedensvertrag mit Jordanien es in diesem Land (einschließlich der annektierten Westbank) Arabern unter Androhung der Todesstrafe verboten war, Immobilien an Juden zu verkaufen und dass die PA dieses Gesetz mit übernommen hat und es auch ausführt.

Die Nahostberichterstattung der SZ und der deutschen Tageszeitungen ist daher höchst selektiv, die Leiden der Palästinenser werden nur im Zusammenhang mit Israel zitiert. Eindeutig geht es diesen Zeitungen dabei nicht um das Leiden der Palästinenser, sondern darum, dass die Israelis Juden sind.

Die Antisemitismuskritik der SZ im Falle der FDP und Möllemanns

Als der Antisemitismus zu einem der Hauptthemen des deutschen Frühlings des Jahres 2002 wurde, hat sich die SZ- und hier insbesondere ihr Redakteur Heribert Prantl – entschieden dafür eingesetzt, die Situation schon dadurch klarzustellen, dass die Dinge beim Namen genannt wurden. Insbesondere hat Heribert Prantl präzisiert, dass der behauptete Antisemitismus der FDP Oberen Westerwelle und Möllemann schon deswegen eine Unterstellung war, weil man dadurch bei diesen beiden Herren so etwas wie das Vorhandensein einer Gesinnung unterstellte und dass es nicht hinnehmbar sei, wenn in Deutschland österreichische Verhältnisse einkehrten und der Antisemitismus – auch unter dem Gewand der Israelkritik – zum Wahlkampfthema werde. Er hat auch in dankenswerter Weise auf die antisemitischen Ausfälle der Ostermarschierer hingewiesen, wobei diese Ereignisse ihren eigentlichen Platz nicht nur in den Kommentaren, sondern vorrangig auch in den Nachrichten der SZ und der sonstigen deutschen Tagespresse hätten finden müssen.

Allerdings gibt es auch da gelinde gesagt einige Widersprüche bei dem Einsatz gegen den Antisemitismus in der SZ und auch Herr Prantl entwickelte offensichtlich schon nach kurzer Zeit Angst vor der eigenen Courage – möglicherweise aufgrund der Reaktion, die sich im Zusammenhang mit den „Waschkörben“ an zustimmender Post zugunsten eines Möllemanns ergaben.

Während Herr Prantl noch am 15.04.02 brandmarkte, „schon lange nicht mehr war Judenhass, derzeit als Antizionismus verkleidet, in Deutschland so salonfähig wie heute“, so fühlt er sich im selben Artikel verpflichtet, dies dadurch zu relativieren, dass er von „berechtigter Kritik an Israel“ spricht. Dies steigert sich danach in den folgenden Artikeln und in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Ossietzky Preises an Uri Avnery am 06.05.2002 bezeichnet er Avnery als den „guten Israeli“, der „einer von denen (sei), die für ein anderes Israel stehen“. Nachdem er also das Israel, das anders ist als Herr Avnery, als seiner Achse des Bösen zugeordnet hat, behauptet er auch, Ariel Scharon sei für die Massaker in Sabra und Schatilla verantwortlich. Dass Scharon eine diesbezügliche Verleumdungsklage in den Vereinigten Staaten gegen eine dortige Zeitung bereits vor mehr als einem Jahrzehnt gewonnen hat, kann einen guten Deutschen eben nicht erschüttern.

Nichts versinnbildlicht so sehr die katastrophale Lage in der sich die Juden und Israel befinden, wie die Tatsache, dass diejenigen, die sich gegen den Antisemitismus einsetzen sich verpflichtet fühlen, dies dadurch zu relativieren, dass sie sich danach negativ über Israel äußern. Es bleibe dahingestellt, inwieweit jüdische Repräsentanten dazu beigetragen haben, indem sie ständig betonten, dass Kritik an Israel keinesfalls Antisemitismus sei, so dass man schon gelegentlich den Eindruck gewinnt, manch einer kritisiere Israel nur um zu beweisen, dass er kein Antisemit sei. Gerade aber die Nahostberichterstattung der SZ beweist, wie sehr Israelkritik auch Antisemitismus sein kann, denn die Maßstäbe, die die SZ bei der Kritik Israels ansetzt, werden bei der Bewertung vergleichbarer Situationen nicht herangezogen.

Wenn Heribert Prantl in „Juden in Kollektivhaft“ vom 17.05.02 erklärt, Möllemann lade alle Schuld an der Malaise in Nahost allein auf Israel und Scharon und wenn im SZ Kommentar „der Lonsdale Effekt“ über Möllemann angedeutet wird, er behaupte entschieden für das Existenzrecht Israels einzustehen, ermutige und verherrliche aber diejenigen, die Israel vernichten wollen, so ist beim besten Willen nicht erkennbar, worin sich dieses Verhalten Möllemanns von der Nahostberichterstattung der SZ im Allgemeinen und den Kommentaren eines Heiko Flottau insbesondere unterscheiden, bei dem ja bei jeder Gelegenheit die Schuldfrage eindeutig geklärt ist

Allein die in den letzten Jahren mindestens dreimal explizit wiederholte Behauptung Flottaus, die Juden Hebrons wären nicht deswegen getötet worden, weil Sie Juden waren, sondern weil sie Zionisten waren, ist bei weitem gravierender, als alles, was Möllemann je gesagt hat: Flottau rechtfertigt damit den Mord an jenen Juden, die es wagen, für sich und für das jüdische Volk in Anspruch zu nehmen, was für alle andere Völker eine Selbstverständlichkeit ist, nämlich Souveränität, eine eigene Heimat und das Selbstbestimmungsrecht. Es ist kein anderer Fall bekannt, in dem die SZ den Nationalismus als ein todeswürdiges Verbrechen an sich bezeichnet hat, weder im Fall des baskischen, des Südtiroler, des arabischen, pakistanischen oder jedweden anderen Nationalismus. Diese Behauptung Flottaus unterscheidet sich in nichts von den Behauptungen, die Juden wären nicht ermordet worden, weil sie Juden waren, sondern weil sie Christus getötet hätten, an der Pest, an vergifteten Brunnen, am verhexten Vieh, an blutenden Hostien oder an Ritualmorden schuld wären, weil sie Kapitalisten oder Kommunisten waren oder weil sie minderwertig wären. Vielleicht wäre es daher angemessener, Herr Prantl bereinigte vorab die Lage im eigenen Haus, bevor er die Splitter in den Augen anderer entfernt.

Der Artikel erschien in „Jüdisches Leben in Bayern“, der Publikation des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern.

Fotofälschung der Woche: Grausamkeit gegenüber palästinensischen Frauen

Aussie Dave, Israellycool, 9. August 2017

Die Facebookgruppe Palestine Will Be Free liebte ihre antiisraelischen Darstellungen und hier ist eine, die sie letzte Woche veröffentlichten (und allein auf Facebook fast 350-mal geteilt wurde).

Eines Tages…
wird Palästina frei sein.
Und die bittere Geschichte der Grausamkeit israelischer Soldaten
gegenüber palästinensischen Frauen wird verschwunden sein.

Sie haben eindeutig die Bildbeschreibung weggelassen, als sie den Eintrag erstellten:

Sebastian Scheiner/Associated Press – Ein israelischer Soldat zog gestern in Hebron zwei jüdische Siedlerinnen von einem umstrittenen Gebäude weg. Sicherheitskräfte stürmten das Gebäude, um rund 200 Hardline-Siedler zu entfernen, die es seit März 2007 besetzten, als ein Handel es zu kaufen fehlschlug. (Sebastian Scheiner/Associated Press)

Und hier ist das Problem: Sie mussten den wahren Kontext des Fotos kennen, also haben sie bewusst gelogen. So, wie ihre Israelhasser-Kollegen es immer wieder tun.

‘Tschuldigung, habe ich Israelhasser gesagt? Mein Fehler.

Text über dem Bild:
Wer hat die Kontrolle? Zionistische Macht. 9 Arten von Zionisten sich die Welt zu greifen
Poster:
Wer hat wirklich die Kontrolle?
Die US-Notenbank und die Wall Street
Internetspionage
Hollywood und Fernsehen
Gerichte
Krebsindustrie
Pornografie
Kriege für Israel
Sexhandel
gefälschte Opposition

Saudische Tageszeitung: Juden benutzen das Blut von Teenagern für ‚Purim‘-Gebäck

MEMRI, 13. März 2002

In einem Artikel in der saudi-arabischen, regierungseigenen Tageszeitung Al-Riyadh, schrieb der Kolumnist Dr. Umayma Ahmad Al-Jalahma von der King Faisal-Universität in Al-Dammam über „Das jüdische Fest Purim“. Hier Auszüge aus dem Artikel:

Eine besondere Zutat für jüdische Feiertag ist menschliches Blut von Nichtjuden

Ich wählte als Thema das jüdische Purimfest aus, weil es mit dem Monat März verbunden ist. Dieses Fest bietet einige gefährliche Bräuche, die Sie ohne Zweifel erschrecken werden und ich entschuldige mich, sollte ein Leser dadurch zu Schaden kommen.

Während dieses Festes muss der Jude besonderes Gebäck zubereiten, dessen Füllung nicht nur teuer und selten ist – sie kann nicht auf all den lokalen und internationalen Märkten gefunden werden.

Unglücklicherweise kann diese Füllung nicht ausgelassen oder mit einer Alternative ersetzt werden, die demselben Zweck dient. Für dieses Fest müssen die Juden menschliches Blut haben, damit ihre Geistlichen das Feiertagsgebäck zubereiten können. Mit anderen Worten: Dieser Brauch kann nur ausgeführt werden, wenn menschliches Blut vergossen wird!

Bevor ich in die Details gehe, möchte ich klar stellen, dass die Vergießung von menschlichem Blut durch die Juden für ihre Feste historisch und rechtlich durch die Geschichte hindurch eine wohl bekannte Tatsache ist. Das war einer der Hauptgründe für die Verfolgung und das Exil, die mehrfach ihr Los in Europa und Asien waren.

Dieses Fest [Purim] beginnt am 13. März mit Fasten, wie die Jüdin Esther, die zu fasten gelobte. Das Fest geht am 14. März weiter; während dieses Feiertages tragen die Juden karnevalsartige Masken und Kostüme und frönen übermäßig dem Alkohol, der Prostitution und dem Ehebruch. Dieser Feiertag ist unter den muslimischen Historikern als „Feiertag der Masken“ bekannt geworden.

Wie die Juden ihren jungen Opfern das Blut entnehmen

Wer war Esther und warum haben die Juden sie zur Heiligen erhoben und benehmen sich wie sie? Das werde ich, so Allah will, in meinem Artikel am nächsten Dienstag[1] klären. Heute möchte ich Ihnen gerne erzählen, wie das menschliche Blut vergossen wird, damit es für das Feiertagsgebäck benutzt werden kann. Das Blut wird auf verschiedene Weise vergossen. Wie?

Für dieses Fest muss das Opfer ein reifer Heranwachsender sein, der natürlich kein Jude ist – also ein Christ oder Muslim. Ihm wird sein Blut abgenommen und zu Granulat getrocknet. Der Geistliche knetet dieses Granulat in den Teig des Gebäcks; es kann auch für das nächste Fest aufgehoben werden. Im Gegensatz dazu muss für die Passah-Schlachtung, über die ich auch vorhabe zu schreiben, das Blut von christlichen oder muslimischen Kindern im Alter unter 10 Jahren benutzt werden und der Geistliche muss das Blut vor oder nach der Trocknung [in den Teig] mischen.

Die Taten der jüdischen Vampire bereitet ihnen Vergnügen

Lassen Sie uns untersuchen, wie das Blut der Opfer vergossen wird. Dafür wird eine mit Nadeln versehen Rolle verwendet, etwas von der Größe eines menschlichen Körpers; die Nadeln sind extrem scharf und auf allen Seiten eingesetzt. Diese Nadeln stechen von dem Moment an in den Körper des Opfers, in dem er in die Rolle gelegt wird.
Diese Nadeln erledigen die Arbeit; das Blut des Opfers tropft sehr langsam aus ihm heraus. So leidet das Opfer furchtbare Qualen – Qualen, die den jüdischen Vampiren große Freude bereiten, während sie gewissenhaft jedes Detail der Entblutung mit Vergnügen und einer Liebe kontrollieren, die nur schwer zu verstehen sind.

Nach diesem barbarischen Vorgang nehmen die Juden das gewonnene Blut in der Flasche, die in den Boden [der mit Nadeln gespickten Rolle] eingesetzt ist und der jüdische Geistliche macht seine Mitgläubigen vollkommen glücklich, wenn er ihnen bei dem Fest das Gebäck serviert, in das das menschliche Blut gemischt ist.

Es gibt noch einen anderen Weg, das Blut zu vergießen. Das Opfer kann geschlachtet werden wie ein Schaf und sein Blut wird in einem Behälter gesammelt. Oder die Venen des Opfers können an mehreren Stellen aufgeschlitzt werden, so dass das Blut aus dem Körper des Opfers läuft.

Dieses Blut wird sehr sorgfältig – wie ich bereits erwähnt habe – vom „Rabbi“ gesammelt, dem jüdischen Geistlichen, dem Koch, der auf die Zubereitung dieses besonderen Gebäcks spezialisiert ist.

Die menschliche Rasse weigert sich, dieses jüdische Gebäck auch nur anzusehen, geschweige denn es zuzubereiten oder zu konsumieren! [2]

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Fußnoten:
[1] Im zweiten Teil des Artikels (am 12. März) erzählt der Kolumnist die Geschichte des Buches Esther und schließt: „Seit damals, verlangt das Alte Testament, das jüdische heilige Buch, von den Juden, dass sie dieses Fest verherrlichen und ihre Freude zu zeigen. Diese Freude kann nur mit der Konsumierung des Gebäcks mit dem eingemischten menschlichen Blut vollständig sein.“
[2] Al-Riyadh (Saudi Arabien), 10. März 2002.

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Nachtrag von MEMRI (18.3.02):
In Folge der Veröffentlichung der „Purim-Blut“-Verleumdung in der saudischen Tageszeitung Al-Riyadh hat MEMRI einige Anfragen erhalten, dass die Artikel nicht auf Al-Riyadhs Internetseite zu finden waren. Die URLs verbinden direkt auf die Artikel:
– Purim-Blut-Verleumdung Teil 1: http://writers.alriyadh.com.sa/kpage.asp?art=5230&ka=200
– Purim-Blut-Verleumdung Teil 2: http://writers.alriyadh.com.sa/kpage.asp?art=5258&ka=200
Für den Fall, dass Al-Riyadh die Artikel von ihrer Internetseite entfernt, kann MEMRI eine Fotokopie an Interessierte verschicken.

Zusätzlich berichteten einige Leser, dass in ihren Kontakten mit der saudischen Botschaft zu diesem Artikel, dass die saudische Botschaft (in den USA) das Erscheinen des Artikels nicht verleugnet, aber behauptet, Al-Riyadh sei keine Regierungszeitung, sondern eine „ganz normale, kleine, private Tageszeitung“.

Dem muss entgegnet werden:
– Der Chefredakteur, Turki Al-Sudairi, ist ein Mitglied des Al-Sudairi-Clans der königlichen Familie.
– Al-Riyadh ist eine führende Zeitung in Saudi Arabien, nicht irgendein unbedeutendes Blättchen.
– Die Internetseite des saudischen Königs Fahd enthält eine englischsprachige Sektion (www.kingfahdbinabdulaziz.com/main/g310.htm) mit dem TItel „Die Rolle des Informationsministeriums“, in der es heißt: „Das Informationsministerium ist verantwortlich für alle Informationsdienste, einschließlich Radio, Fernsehen und Schriftmedien.“ Der „Schriftmedien“-Link führt zu seiner Liste ausgewählter saudische Zeitungen, einschließlich Al-Riyadh. (heplev: Damit ist die saudische Staatsführung über das Ministerium DIREKT verantwortlich für den Abdruck des Purim-Schunds.)

In der Fortsetzung der Thematik berichtet die ICEJ am 21.03.2002:

Der Herausgeber der regierungs-kontrollierten saudischen Zeitung gabe ein Quasi-Entschuldigung für einen letzte Woche veröffentlichten Artikel, der behauptete, dass Juden das Blut von christlichen und muslimischen Kindern benutzen um besonderes Purim-Gebäck herzustellen.

Al-Riyadhs Chefredakteur Turki Al-Sudairi sagte, dass der von Umayma Ahmed al-Jalahma von der King Faisal-Universität geschriebene Artikel „für den Druck noch nicht geeignet war“.

„Ich habe den Artikel geprüft und fand ihn nicht reif für die Veröffentlichung, denn er basierte nicht auf wissenschaftlichen oder historischen Fakten. Die Implikationen dieser Information entging Frau al-Jalaham genauso wie das Verständnis, dass Juden in der übrigen Welt die eine Sache sind, während zur zionistischen Bewegung gehörende Juden eine ganz andere Sache sind, völlig verschieden, denn diese will die Palästinenser auslöschen.“

Israels stellvertrender Außenminister Michael Melchior sagte, dass sogar die Entschuldigung dazu benutzt wird Israel anzugreifen. „Die Lügen und Aufhetzung in den arabischen Medien untergraben Versuche der Normalisation und schaffen ein antisemitisches Bild, das eine weitere Generation daran hindert, im Nahen Osten in Koexistenz zu leben“, sagte er.

Tagtäglicher Terror gegen Juden – kaum erwähnt

Elder of Ziyon, 16. Juli 2017

Aus Ha’aretz:

Bisher ist der nie da gewesenen Entscheidung die Altstadt zu schließen und die Freitagsgebete auf dem Berg abzusagen in Ostjerusalem mit relativer Ruhe begegnet worden. In Silwan erlitten ein jüdisches Paar und ihr Baby eine Rauchvergiftung, nachdem ein Brandsatz auf ihr Auto geworfen wurde, aber das ist in diesem Viertel nichts Ungewöhnliches.

In der Tat, sind Brandsätze gegen Juden, die in ihren Häusern in Jerusalem wohnen, nichts Ungewöhnliches. Tatsächlich werden sie fast nie berichtet.

Aus irgendeinem Grund scheint die Internetseite des Shin Bet ihr Format geändert zu haben und ich kann ihre monatlichen Berichte zu Terroranschlägen nicht mehr finden, aber jeden Monat gibt es rund 100 Brandbomben-Anschläge gegen Juden, die meisten davon in und um Jerusalem.

Warum wird eigentlich jedem antiarabischen Graffiti Titelseiten-Behandlung zuteil, aber tagtägliche Versuchen Juden zu verbrennen werden in den Medien nicht einmal erwähnt.

heplev: Ich habe da einen Verdacht – die Brandanschläge sind so alltäglich, dass die Medien sich den Platz sparen wollen. Die antiarabischen Taten sind aber so selten, dass sie herausstechen.

Ein Deutscher macht sich im Nahen Osten einen Namen

Der folgende Artikel stammt aus der Jordan Times und enthält am Ende eine kurze Skizze von Dr. Schlevogt; danach folgt ein Auszug aus Schlevogts Artikel „Die USA benutzen unterschiedliche Maßstäbe“, der im „China Daily“ erschien, für den aber kein Datum vorliegt. (Der englische Text wurde von der Suchmaschine „Ask Jeeves“ ausgeworfen.) Sollte ich mich wundern, dass ein Deutscher so etwas schreibt? Was ist dieser Mann, eine Mischung aus Extrem-Sozialist und Neonazi? Seine Verbindung zu China könnte ebenfalls ein Indiz für seine Haltung sein.

Der Preis für Schwäche und eine defätistische Entscheidung

Dr. Kai-Alexander Schlevogt, Jordan Times, 21. November 2001

Wenige nationale Führer in der Menschheitsgeschichte haben alles daran gesetzt, die Söhne ihres Vaterlandes in die Kriege anderer zu schicken, weit entfernt von zu Hause. In dieser Hinsicht beschreitet Deutschland neue Wege und erzielt einen Weltrekord in Unterordnung unter seine amerikanischen Herren. Besonders negativ ist das Versprechen der bedingungslosen Unterstützung, denn wirtschaftliche Theorien gelten auch für die Politik. Wie billige, garantierte Kredite, motiviert ein solcher Anreiz die Leute, die opportunistisch Gefallen einfordern, denn sie wollen alle möglichen Gewinne zu niedrigem Risiko ernten. Wie beim amerikanischen Aufruf zu militärischer Unterstützung zeigt, wird der Herr beliebig aus einer „Speisekarte“ der zu liefernden Opfer auswählen.

Anstatt als bloßes Werkzeug rücksichtsloer Staatsterroristen wie der USA zu dienen, sollte Deutschland – das eine zentrale Rolle in der Welt spielt, auch wenn es seine Macht nicht erkennt – eine Allianz der friedliebenden Nationen aufbauen. Anders als Koalitionen der Amerikaner, sollte diese Allianz keinen Kreuzzug gegen andere Rassen und Religionen führen, sondern nach Harmonie streben. Gemeinsam mit seinen neuen Partnern sollte es die USA überzeugen, sich grundlegend zu ändern und ihre weltweite Kampagne zügelloser Eroberung zu beenden. Die USA müssen davon abgehalten werden, das Recht, auf andere – besonders Sündenböcke – jederzeit und an jedem Ort ohne Beweise einzuschlagen, weiter in Anspruch zu nehmen. Ihnen muss verboten werden, gewalttätig die Regierungen anderer Nationen zu stürzen und zu ermorden und eigenmächtig nationale Führungsfiguren auf Befehl auszutauschen.

Die staatliche Propaganda-Maschinerie in Berlin gab bekannt,d ass der Bundeskanzler für mehr Sicherheit seiner Bürger sorgen wolle, aber in Wirklichkeit bringt er Deutschland intern wie extern in Gefahr. Anstatt die wichtigste Aufgabe eines Staatsmanns zu erfüllen – Leben zu fördern und zu schützen -, opfert er sein Land für eine fremde Macht. Gleichzeitig setzt er Millionen Muslime in seinem Land, die seine geehrten Gäste sein sollten, Anfeindungen und potentiellen Gewalttaten aus. Die persönliche Sicherheit eines Führers (wie Yassir Arafat) wie auch die einer Nation kann nur durch politische Mittel gesichtert werden, nicht durch militärischen Schutz.

Prinzipiell sind Deutsche nicht durch Terroristen bedroht. Unter allen bedeutenden Nationen der Welt sind sie sehr beliebt. Das Ziel von Terroristen ist nicht blinde Zerstörung und gedankenlose Verbreitung von Angst und Terror, wie es der Name suggeriert, der ihnen von ihren Feinden gegeben wurde. Statt dessen nehmen sie für sich selbst – wie Staaten – das Recht in Anspruch, ihre politischen Ziele durch militärische Macht zu erzielen. Wie ihre Feinde glauben sie an den Ausspruch des deutschen Kriegsstrategen von Klausewitz, dass Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist.

Wenn aber Deutschland dem Beispiel Englands folgt und besonders laut nach Krieg schreit, sich wie ein Kriegstreiber benimmt und Front gegen den Islam macht, werden die Feinde Amerikas auch das Land der Dichter und Denker ins Visier nehmen. Englands neu belebte Leidenschaft für Krieg, die seine koloniale Vergangenheit fort führt und uns an seine Aggressionen gegen Deutschland im Zweiten Weltkrieg erinnert, ist es nicht wert, dass man ihr nach eifert. Der gute Wille, das Wohlwollen und die Nachsicht, die Deutschland gegenüber wegen seiner pro-arabischen Vergangenheit bisher gezeigt wurde, haben ihre Grenzen.

Wenn Deutschland aktiv den Kampf voran treiben will, kann die Entschuldigung nicht mehr gelten, dass man Amerikas Forderungen in Betracht ziehen muss, denn es ist der Vasall der USA. Dann werden Terrorangriffe auf Deutsche auf deutschem Boden, in denen viele unschuldige Zivilisten sterben werden (einschließlich Mitglieder muslimischen Gemeinschaft) möglich. Im Ausland werden auch viele deutsche Leben – einschließlich dem von Ärzten und Soldaten – für Amerika geopfert, das die Last eines neuen Vietnam mit seiner Art von Guerillakrieg nicht mehr tragen wird.

Deutschland hat fast alle Souveränität an die EU und die NATO abgegeben und sich selbst in diese übernationalen Körperschaften eingekesselt und eingesperrt, die paradoxerweise von den beschränkten nationalen Interessen anderer dominiert werden. Es muss einen hohen Preis (als Mitglieds-Beiträge verschleiert) für seine Schwäche und defätistische Wahl bezahlen, die mit dem Tribut verbunden ist, dass seine Feinde es in regelmäßigen Abständen wegen seiner „dunklen Vergangenheit“ ausbeuten. Nach all dem finanziellen Aderlass sollte es nicht auch noch physisch bluten müssen. Deutsche – und Menschen jeglicher anderer Nationen – dürfen nicht für Amerika sterben. Genauso wenig sollten sie weiter Steuern für „erhöhte Sicherheitsmaßnahmen“ zahlen, die direkt in Form von Material und logistischer Unterstützung an die USA weiter gegeben werden.

Deutschland ist nicht verpflichtet den USA zu helfen. Die moderne deutsche Geschite ist von den Kriegsgewinnern umgeschrieben worden. Die wahre Geschichte ist nicht sehr bekannt. Sie zeigt das Muster amerikanischer Dominanz und Manipulation, die die USA nutzen um starke Nationen und Rassen überall zu unterdrücken, einschließlich aufsteigender und starker Religionen wie den Islam. In Licht vergangener Aggressionen schulden Deutschland und andere Länder den USA überhaupt nichts. Im Zweiten Weltkrieg schlossen sie die USA England in der systematischen Auslöschung der (deutschen) Zivilbevölkerung – Frauen, Kinder und Alte – durch gefühllose Flächenbombardements an. 97% der Wohngebiete und Altstädte der großen Städte Deutschlands wurden absichtlich zerstört – nicht um die Freiheit voran zu treiben, sondern um Deutschlands Erbe und die sichtbaren Quellen seines Patriotismus zu zerstören.

Der Krieg zielte darauf zu verhindern, dass Deutschland zu stark wurde und legitime Rechte geltend machte, die seine Feinde während der gesamten Weltgeschichte ausübten. „Kollateralschäden“ durch Angriffe zu verursachen, die Zivilisten und Rettungsmannschaften vergasten und unter Temperaturen verbrannten, die sogar Glas schmelzen ließen, wurde das Hauptziel von Angriffen, die alle internationalen Gesetze brachen. Brach nicht ein Sturm der Entrüstung in den USA über den Tod von Feuerwehrleuten aus, was zeigt wie tadelnswert diese Angriffe sind, die zuerst von Amerikanern und ihrem britischen Gegenüber ausgedacht wurden?

Nach dem Zweiten Weltkrieg „half“ Amerika Deutschland durch Kredite, damit es als menschlicher Schutzschild gegen Angriffe aus dem Osten dienen konnte. Sie verfolgten auch amerikanische Wirtschaftsinteressen, besonders durch jahrzehntelange Zinsrückzahlungen – ähnlich wie der Versailler Vertrag, der einen weiteren Weltkrieg verursachte, als Deutschland sich aus seiner Dienerrolle befreite.

Während des Kalten Krieges plante Amerika, dass sein „Bündnispartner“ Deutschland das Schlachtfeld eines nuklearen Schusswechsels werden sollte. In Abrüstungsgesprächen verfolgte Amerika nur die Reduzierung von Langstrecken-Raketen, die das eigene Land treffen konnten, kümmerten sich aber nicht um Mittelstrecken- und Kurzstrecken-Raketen, die nur Deutschland erreichen konnten.

Amerika ist nicht in einen Krieg verwickelt. Daher ist es nicht zu einer Freikarte für neue Massaker berechtigt und kann nicht von der Verantwortung für eine neue Runde von Gräueltaten befreit werden. Auch kann es nicht seine Satelliten unter Hinweis auf die NATO-Bündnisverpflichtungen hinein ziehen und ausbeuten. Hat irgendjemand Großbritannien, Spanien, Frankreich oder Deutschland geholfen, als terroristische Fehden in diesen Ländern ausgetragen wurden? Im Gegenteil, Deutschland musste sogar Kompensationszahlungen für die Tötung von Juden durch ein anderes Volk während der Olympiade in München zahlen! Abgesehen davon ist es nicht eine Sache der Unterstützung gequälter Freunde in ihrer Rettungsarbeit nach einem Notfall. Es ist eher so, dass Amerika die NATO-Mitglieder auffordert Teilnehmer an genau geplanten Massenmorden in verschiedenen Ländern zu sein, die als Sündenböcke dienen müssen. Von ihnen wird auf verlangt, dass sie bei der Unterdrückung mutiger Männer und Kinder in der arabischen Welt helfen sollen, die gegen Israel für die Freiheit Palästinas kämpfen und gegen die Unterdrückung ihrer Religion.

Offensichtlich ist Amerika berechtigt, einen Holocaust und ethnische Säuberungen zu begehen. Das amerikanische Regime hat angekündigt, ass es alle Länder und Völker vernichten würde, von dem es behauptet, dass sie mit ihren Feinden verbunden seien – ein Status, der abhängig von Absichten und Zielen wechselt, wie die früheren Freunde der USA, der irakische Präsident und die Talibankämpfer am besten wissen. Die selbst ernannten Welt-Soldaten wandeln sich in Welt-Terroristen,denn sie wagen es, darüber zu debattieren und öffentlich zu planen, welche Marionetten-Regierung sie nach der Invasion und dem Sturz der derzeitigen Regierung Afghanistans einsetzen werden.

Wie würde Amerika reagieren, würden sich die Araber nicht gehemmt fühlen über die Ernennung einer neuen Regierung in den USA nachzudenken, die nicht länger von pro-israelischen Financiers und Meiden erpresst würde – von denen alle Berufungen auf höhere (Regierungs-)Stellen abhängig sind – und nicht länger amerikanische Leben und amerikanisches Geld für israelische Interessen und andere Pläne zur Eroberung der Welt opfert?

Der Schreiber – ein international namhafter Experte für strategische Studien – ist der Gründer und Präsident der Schlevogt Business School (SBS), der ersten solchen Einrichtung in Deutschland, das sich auf neu entstehende Märkte konzentriert. Er wurde der erste dauerhafte Professor aus dem Ausland an einer chinesischen Universität (Universität von Peking) und war ein hochrangiges Mitglied an der Australian Graduate School of Management (an der University of New South Wales und der University of Sydney). Er hatte außerdem Berufungen an die Harvard University und McKinsey & Co. und erhielt seinen Doktorgrad an der Universität Oxford. Er brachte seinen Artikel in die Jordan Times ein.


Auszüge aus Schlevogts Artikel: „Die USA folgen einem Prinzip der unterschiedlichen Standards“, in „China Daily“

Die Liberalisierung des Welthandels ist von großem strategischem Interesse, das die USA jedem sie jedem aufzwingen. Mit fünf größeren Aggressionskriegen innerhalb der letzten zehn Jahre (Grenada, Haiti, Panama, Irak und Jugoslawien), dass es die schlimmste Liste an Verletzungen der Menschenrechte hat… Die politische Hegemonie der Vereinigten Staaten wird durch kulturellen Imperialismus ergänzt. Sie verschmutzen die gesamte Welt mit amerikanischer Kultur, die ein Widerspruch in sich selbst ist.

Die USA haben praktisch nichts zur Menschheitskultur beigetragen – möglicherweise mit der Ausnahme des Jazz. Man wird sich ihrer nur wegen ihrer Vergötterung und der Ausbreitung des Konsums, Unanständigkeit und Gewalt erinnern. Die Jüngsten sind Filme, Fernsehserien und Bücher, die die Geschichte umschreiben… Sie setzen einen gefährlichen Präzedenzfall für andere Länder, die ihrem Beispiel folgen und nationalistisch und imperialistisch werden. Diese Länder werden keine andere Wahl haben, als zu Nationalismus zurückzukehren und ihre Völker gegen die Vormacht der USA zu schützen. Eskalierende Gegensätze werden große Instabilität in der Welt verursachen.

Wie eine absolute Monarchie sind die Vereinigten Staaten derzeit durch keine andere Macht in Schach behindert. Keine Nation bedroht sie. Daher können sie tyrannisch und gleichgültig benehmen wie ein Despot. Das ist gefährlich und muss beendet werden.

Es gibt in jeder Bedrohung einen positiven Aspekt. Das Gute an der derzeitigen amerikanischen Offenheit ist, dass wir nun wissen, mit wem wir es zu tun haben. Wir können den USA den Weltfrieden nicht anvertrauen, ihre Bilanz ist einfach schlecht. Sie sind dazu verdammt ein Führer ohne Gefolgsleute zu sein… China, als eine Nation großer Integrität, wird eine zunehmend wichtige Rolle in diesem Kampf spielen. Der Rest der friedliebenden Welt wird seiner Führung folgen und seine konfuzianischen Prinzipien der Güte übernehmen.

Anders als die USA wird China, um dieses Ziel zu erreichen, friedliche Mittel benutzen, die sich auf die ehrenhaftesten Sinne der Gerechtigkeit berufen statt auf Atombomben.

Ich hoffe, dass im 21. Jahrhundert die einfühlsame Diplomatie und Verhandlungen asiatischer Art, die einen harmonischen Einklang souveräner Nationen aufbaut, die Diktatur der amerikanischen Supermacht ersetzen wird.

Autor: Dr. Kai-Alexander Schlevogt