Iran vs. Israel – Wer droht hier wem?

Daniel Pipes in Press TV, The Debate, 18. Mai 2015

Eine Rede des israelischen Verteidigungsministers bildete die Bühne für eine Diskussion darüber, ob Jerusalem Teheran bedroht oder umgekehrt. Daniel Pipes diskutierte mit Brian Becker von der ANSWER Coalition in einem von der Islamischen Republik Iran betriebenen Fernsehsender.

Ein Auszug aus dem Gespräch, bei Minute 12:45:

Pipes: Glaube ich, dass die US-Regierung die iranischen Atomanlagen bombardieren sollte? Absolut, je früher, desto besser.

Moderator: Nein, sollte Israel es tun?

Pipes: Ich würde es vorziehen, dass die US-Regierung es tut, aber wenn die Regierung der Vereinigten Staaten es nicht tut, dann hoffe ich, dass die Israelis es tun werden, denn andernfalls haben wir Irre in Teheran, die Atomwaffen kontrollieren, die die Bevölkerung des Iran, die Israelis, die Amerikaner und viele weitere bedrohen. Es ist besser, sie vorher loszuwerden, wie es die Israelis es 1981 im Irak und 2007 in Syrien machten.

Hier sind die Inhalte der beiden Seiten, die Daniel Pipes in die Kamera hielt:

  1. Der Iran finanziert und liefert Waffen an die Hamas, die regelmäßig Israel angreift.
  2. Der Iran finanziert und liefert Waffen an die Hisbollah, die regelmäßig Israel angreift.
  3. Khomeini forderte „Israel aus der Existenz zu wischen“, als er an die Macht kam (1979).
  4. Mohammed Khatami, Präsident des Iran: „Wenn wir echten juristischen Gesetzen folgen, sollten wir die gesamte islamische Welt zu einer harten Konfrontation mit dem zionistischen Regime mobilisieren … wenn wir dem Koran folgen, sollten wir uns alle zum Töten mobilisieren.“ (2000)
  5. Ayatollah Ali Khamenei: „Es ist der Auftrag der Islamischen Republik Iran Israel von der Landkarte der Region zu löschen.“ (2001)
  6. Hassan Nasrallah, Hisbollah-Führer: „Wenn sie [die Juden] sich in Israel sammeln, wird uns das die Mühe ersparen sie in aller Welt zu verfolgen.“ (2002)
  7. Mahmud Ahmadinedschad, Präsident des Iran: er forderte wiederholt Israel „von der Landkarte zu wischen“. (2005)
  8. Nasrallah: „Israel ist unser Feind. Das ist ein aggressives, illegales und illegitimes Gebilde, das keine Zukunft in unserem Land hat. Sein Schicksal wird in unserem Motto bekundet: ‚Tod Israel‘.“ (2005)
  9. Yahya Rahim Safavi, Kommandeur der Revolutionsgarden des Iran: „Mit Gottes Hilfe ist die Zeit für das Todesurteil für das zionistische Regime gekommen.“ (2008)
  10. Mohammed Hassan Rahimian, Khameneis Repräsentant bei der Mosutazafan-Stiftung: „Wir haben Raketen gebaut, die es uns erlauben, wenn nötig Israel in seiner Gänze mit einem großen Holocaust auszuwechseln.“ (2010)
  11. Mohammed Reza Naqdi, der Kommandeur der paramilitärischen Basij-Kräfte: „Wir empfehlen ihnen [den Zionisten] ihre Möbel zu packen und in ihre Länder zurückzukehren. Und wenn sie darauf bestehen dazubleiben, dann sollten sie wissen, dass eine Zeit kommen wird, in der sie nicht einmal mehr die Zeit haben werden ihre Koffer zu packen.“ (2011)
  12. Khamenei: „Das zionistische Regime ist ein Krebstumor, der beseitigt werden wird.“ (2012)
  13. Ahmed Alamolhoda, Mitglied der Expertenversammlung: „Die Vernichtung Israels ist das Konzept der Islamischen Revolution im Iran und ist eine der Säulen der iranischen islamischen Führung. Wir können nicht behaupten, dass wir nicht die Absicht haben gegen Israel in den Krieg zu ziehen.“ (2013)
  14. Nasrallah: Die Beseitigung Israels ist nicht nur ein Interesse der Palästinenser. Sie ist das Interesse der gesamten muslimischen Welt und der gesamten arabischen Welt.“ (2013)
  15. Hojateleslam Alireza Panahian, Berater des Büros des Obersten Revolutionsführers an Universitäten: „Der Tag wird kommen, an dem das islamische Volk in der Region Israel vernichten und die Welt vor dieser zionistischen Basis retten wird.“ (2013)
  16. Hojatoleslam Ali Shirazi, Khameneis Repräsentant bei den Revolutionsgarden: „Das zionistische Regime wird bald vernichtet sein und diese Generation wird Zeuge seiner Vernichtung sein.“ (2013)
  17. Khamenei: „Für dieses barbarische, wölfische und kindermörderische Regime Israel, das kein Verbrechen auslässt, gibt es kein Heilmittel außer ausgelöscht zu werden.“ (2014)
  18. Hossein Salami, stellvertretender Leiter der Revolutionsgarden: „Wir werden euch [die Israelis] von Haus zu Haus jagen und Rache für jeden Tropfen Blut unserer Märtyrer in Palästina nehmen und das ist der Anfangspunkt des Erwachens der islamischen Staaten zu eurer Niederlage.“ (2014)
  19. Salami: „Heute nehmen wir wahr, wie das zionistische Regime langsam aus der Welt radiert wird und in der Tat wird es bald so etwas wie das zionistische Regime auf dem Planeten Erde nicht mehr geben.“ (2014)
  20. Hossein Sheikholeslam, Generalsekretär des Komitees zur Unterstützung der palästinensischen Intifada: „Die Frage der Vernichtung Israels ist wichtig, egal, wie sie betrieben wird. Wir werden offensichtlich die Strategie des Imam Khomeini und des Führers zum Thema der Vernichtung der Zionisten umsetzen.“ (2014)
  21. Khamenei forderte, dass Israel „ausgelöscht“ wird. (10. November 2014)
  22. Mohammed Ali Jafari, Oberkommandierender der Revolutionsgarden: „Die Revolutionsgarden werden das zionistische Regime bis zum Ende bekämpfen … Wir werden nicht ruhen, bis diese Verkörperung des Lasters völlig aus der Geopolitik der Region gelöscht ist..“ (2015)
  23. Mujtaba du Al-Nour, eine hochrangige Persönlichkeit der Iranischen Revolutionsgarden: Der Iran hat Raketen, die das Herz von Tel Aviv innerhalb von sechs oder sieben Minuten erreichen können, nachdem vom Obersten Führer grünes Licht gegeben wurde, „noch bevor der Staub der Raketen der Zionisten uns erreicht“. (23. Februar 2015)
  24. General Mohammed Reza Naqdi, Kommandeur der Basij-Milizen, Ende März 2015: „Israel von der Landkarte zu wischen steht nicht zur Disposition.“ (1. April 2015)
  25. Mojtaba Zolnour, ein Repräsentant Khameneis bei den Revolutionsgarden: Die „Regierung der Islamischen Republik Iran hat den gottgegebenen Auftrag Israel zu vernichten. … Der Edle Koran erlaubt es der Islamischen Republik Iran Israel zu vernichten. … Selbst wenn der Iran sein Atomprogramm aufgibt, wird das nicht die Entschlossenheit schwächen Israel zu vernichten.“ (12. Mai 2015)

Die Verbindung zu Jerusalem begreifen

Dror Eydar, Israel HaYom, 15. Mai 2015

1. Es ist faszinierend, dass alle erwähnenswerten Erinnerungs- und Danktage Israels in den jüdischen Monat Iyar fallen. Iyar wird traditionell als Monat der Stärke und des Mutes betrachtet. Der Staat Israel wurde zu Beginn des Iyar ausgerufen und Jerusalem wurde am Ende von Iyar befreit. Dazwischen begehen wir den Bar Kochba-Aufstand – 1.813 Jahre sind seit der Zeit vergangen, in der wir unsere Unabhängigkeit 135 unserer Zeitrechung verloren und der Zeit, als wir sie 1948 wiedergewannen. Neunzehn Jahre vergingen zwischen der Zeit, als der Staat Israel gegründet wurde und der Zeit, als wir durch die Tore der Altstadt Jerusalems marschieren konnten.

Die Israeliten durchliefen als frischgebackenes Volk einen ähnlichen Prozess: Die israelitischen Stämme, die Kanaan am Ende des 13. Jahrhunderts vor der Zeitrechnung betraten, warteten Hunderte Jahre, bevor König David Jerusalem eroberte und König Salomo den ersten Tempel errichtete. Unsere lang andauernde historische Reise ist zwiespältig und beinhaltet zwei Aspekte: die nationale Keimzelle und die spirituelle Keimzelle; Schicksal und Bestimmung; Körper und Seele; Israel und Jerusalem.

Die Araber begreifen, dass die Schlacht um dieses Land und die jüdische Präsenz darin mit Jerusalem beginnt und endet. Die palästinensische Autonomie und die muslimische Welt investieren enorme Anstrengungen im lebendig halten eines falschen Narrativs, das suggeriert Jerusalem sei immer muslimisch gewesen und dass der Mann, der vor 4.000 Jahren die Al-Aqsa-Moschee baute, niemand anderes als Abraham war. Dieses Narrativ ist nicht nur bei Islamisten weit verbreitet. Während eines Gesprächs mit dem israelisch-arabischen MK Jamal Zahalka, einem selbsterklärten Atheisten, lehnte dieser es vor kurzem ab die historische Tatsache zuzugeben, dass es einmal einen jüdischen Tempel auf dem Tempelberg gab. Nachdem ich Druck auf ihn ausübte, gestand er ein, dass diese Tatsache zuzugeben „der Besatzung“ oder „Kolonialismus“ dienen würde, wie er es formulierte. Arabische Führer fügen immer das Adjektiv „al-mazoum“ – das bedeutet „angeblich“ oder „falsch“ – hinzu, wenn sie die Existenz eines jüdischen Tempels erwähnen.

Jedes Mal, wenn Sie dieses Argument hören, sagt, wer immer es macht, dass der Oberste Muslimrat (geführt von Hadsch Amin al-Husseini, der später mit Hitler gegen die Juden kollaborierte) 1924 einen englischsprachigen Reiseführer für den Tempelberg veröffentlichte. In diesem Führer hieß es: „Der Ort ist einer der ältesten der Welt. Seine Heiligkeit stammt aus den frühesten Zeiten. Dass er mit dem Ort des Tempels Salomo identifiziert wird, ist unumstritten. Auch ist er nach allgemeinem Glauben die Stelle, an der ‚David einen Altar für den Herrn baute und Brand- und Heilssopfer brachte‘“ (2. Samuel 24,25).

Im 9. Jahrhundert wurde Jerusalem „Bayt al-Maqdis“ genannt, Arabisch für „Beit Hamikdasch“ oder „der Tempel“. Erst im 11. Jahrhundert wurde der Name „Al-Quds“ („das Geweihte Heiligtum“) eingeführt, der vom biblischen „heilige Stadt“ genommen wurde. Jerusalem ist sogar in muslimischen Texten oft „Zion“ genannt worden.

Seit dem Sechstagekrieg von 1967 hat der Wert Jerusalems in den Augen der muslimischen Welt stetig zugenommen. Bis dahin wurde es Hunderte Jahre vernachlässigt. Der Felsendom beherbergt eine 240 m lange Inschrift, die einige der frühesten überlebenden Beispiele an Versen aus dem Koran enthält. Professor Menasche Harel merkte einmal an, dass in all diesen Versen nicht ein einziges Mal das Wort „Jerusalem“ vorkommt und dass die Stadt im Koran völlig fehlt. Und warum sollte sie auftauchen? Wer hat in der Zeit Mohammeds schon von Jerusalem gehört? Im Gegensatz dazu werden Mekka und Medina im Koran hunderte Male erwähnt. Fakt ist: Wenn Muslime in Jerusalem sind, auf dem Tempelberg, dann wenden sie das Gesicht Mekka zu, wenn sie beten.

In der Tat hat Jerusalem in der Geschichte des Islam oder der muslimischen Welt niemals eine politische, kulturelle oder spirituelle Rolle gespielt. Es gewann nur an Wert, wenn es den Muslimen weggenommen wurde, sei es durch die Kreuzzüge oder während des Kriegs mit uns.

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Kotel 1910 (Quelle: Wikipedia)

2. Und was ist mit uns? Kann irgendjemand sich ein jüdisches Dasein im Exil ohne die Sehnsucht nach Jerusalem vorstellen? Juden erwähnen Jerusalem in jedem Gebet, jedem Segen, bei Hochzeitszeremonien und wenn man trauert und bei jedem Feiertag. Die Sehnsucht nach der Rückkehr nach Jerusalem und es wieder aufzubauen durchdringt die jüdische Erfahrung. Jerusalem wird Millionen Male in der Bibel und anderen wichtigen reigiösen Texten erwähnt – den Apokryphen, Büchern über jüdische Bräuche und jüdisches Recht, Fragen und Antworten, jüdischer Philosophie, Dichtung, Liturgie und Prosa. „Zion, du wirst sicher nach dem Schicksal deiner Gefangenen fragen“, fragte im der Dichter Yehuda Halevi im 12. Jahrhundert. Wir waren alle Gefangene Zions, während wir im Exil waren, die sich nach dem Schicksal einer einzigen Stadt erkundigten. Die ganze Geschichte hindurch gab es kein anderes Volk, das sich nach einer Stadt sehnte und sie als Quelle des Lebens betrachtete, nur um aus der Geschichte wieder hervorzutreten und seine angestammte Heimat nach einer lange andauernden und mühsamen Reise wieder zu erneuern.

Kotel_Fotocommunity.deWährend des Unabhängigkeitskriegs 1948, inmitten endloser Bemühungen auf Kosten anderer Fronten für Jerusalem zu kämpfen, sagte David Ben-Gurion: „Der Wert Jerusalems ist nicht messbar; er kann nicht gewogen oder gezählt werden. Denn wenn Land eine Seele haben kann, dann ist Jerusalem die Seele des Landes Israel und der Krieg um Jerusalem ist unendlich wichtig, nicht nur militärisch. Jerusalem fordert und verdient, dass wir dafür aufstehen. Der Eid ‚an den Flüssen Babylons‘ ist heute so wichtig wie er damals war. Andernfalls werden wir den Namen Israel nicht verdienen“, erklärte er.

Der Kampf zur Rechtfertigung unserer Existenz in diesem Land beginnt damit, dass wir unsere Geschichte lernen. Es gibt unter uns Zeichen der Erschöpfung und heute werden verschiedene diplomatische Lösungen in Umlauf gebracht, die die Teilung Jerusalems „natürlich“ zu beinhalten scheinen. Die Wahrheit ist: Jeder Führungspolitiker, der an die Teilung der Altstadt und die Übergabe unserer heiligen Stätten glaubt, wird niemals wahre Führung in unserem Volk erreichen. Die tiefe Verbindung zu Jerusalem nicht zu begreifen ist ein großes Versagen die Tiefe der Seelen unseres Volks zu begreifen. Ein Volk, das 2.500 Jahre lang schwor: „Wenn ich dich vergesse, o Jerusalem, lass meine rechte Hand ihre Schläue vergessen“, wird niemals einen Führungspolitiker akzeptieren, der glaubt, er können einen Körper ohne Seele leiten.

Kotel_Iraelogie.de3. Als Jerusalem nach dem Sechstagekrieg wiedervereinigt und die Westmauer für die Massen zugänglich wurde, strömten alle möglichen Juden an die Stätte, einschließlich der assimilierten Juden und „Teilzeit“-Juden. Die erste Begegnung mit dem Ort ist eine Art Schocktherapie. Man hat oft das Gefühl einer tiefen emotionalen Verbindung ohne jede rationale Erklärung oder klare Begründung.

Im Januar 1961 führte der israelische Botschafter in Kanada, Dr. Yaacov Herzog, eine berühmte Diskussion mit dem Historiker Arnold Toynbee, der behauptete, das jüdische Volk sei eine „versteinerte“ Zivilisation, die irgendwo ausgerissen und in die Geschichte fallen gelassen wurde (zufällig nutzte Zahalka eine ähnliche Methapher, als er sagte, dass die Juden von oben, „aus einem Buch“, auf den Arabern landeten).

In dieser Diskussion zitierte Herzog Toynbee damit, dass er sagte, die Juden seien nicht tot, aber auch nicht wirklich am Leben. Dass es keine Kontinuität in Begriffen von kreativem Leben und kreativem Denken gibt und dass die Juden irgendwie aus dem kulturellen Mainstream auf eine säkulare Insel rutschten und dort stecken blieben. Von Zeit zu Zeit waren ihre Stimmen zu hören, wenn sie den vorbeifahrenden Schiffen etwas zuriefen.

Toynbee wurde aus gutem Grund Antisemitismus vorgeworfen. Man hätte völlig vor Hass blind sein müssen und die enormen kulturellen, philosophischen und religiösen Schätze gar nicht bemerken dürfen, die von Juden im Exil erbracht wurden, um die Juden auf eine solch wüst unangebracht Art zu beschreiben.

Kotel_Juni1967Acht Jahre nach der berühmten Diskussion traf Herzog Toynbee wieder, aber diesmal war dieser versöhnlicher gestimmt. „Was sagen Sie jetzt?“, fragte Herzog und Toynbee antwortete: „Als ich im Funk hörte, dass eure Soldaten [während des Sechstagekriegs] an der Westmauer sind, habe ich angefangen das Wesen eurer Verbindung zu dieser Stadt, Jerusalem, und zu diesem Land zu begreifen.“

Herzog frage sich, was seinen Widersacher zu dieser Erkenntnis gebracht hatte, da er nur hörte, wie die Soldaten im Funk auf Hebräisch sprachen, aber Toynbee erklärte: „Es gibt eine historische Antenne dafür. Ich hörte die Stimmen und habe verstanden.“

(Fotos über Google Images)