Als der „Held“ der Türkei 800 Christen köpfte, weil sie den Islam ablehnten

Raymond Ibrahim, 14. August 2020

Die Kathedrale von Otranto beherbergt die Überreste von 800 enthaupteten Christen.

Die rituelle Enthauptung von 800 Christen am 14. August 1480, die es ablehnten den Islam anzunehmen, wirft viel Licht auf zeitgenössische Fragen zum anhaltenden Konflikt zwischen dem Islam und dem Westen.

Hintergrund: Als er 1453 Konstantinopel brandschatzte, war der osmanische Sultan Mohammed erst 21 Jahre alt – was bedeutet, dass noch viele Jahrzehnte Jihad vor ihm lagen. Er setze die Expansion in den Balkan fort und marschierte in seinem Bestreben seine Pferde auf dem Altar der Petrus-Basilika zu füttern – muslimische Prophetien erklärten, dass „wir Konstantinopel erobern werden, bevor wir Rom erobern“ – in Italien ein und eroberte 1480 Otranto. Mehr als die Hälfte der 22.000 Einwohner wurden massakriert, 5.000 in Ketten verschleppt.

Um seine „Großzügigkeit“ zu demonstrieren, bot Sultan Mohammed 800 in Ketten gelegten christlichen Gefangenen die Freiheit an – unter der Bedingung, dass sie alle den Islam annehmen. Stattdessen entschieden sie sich geschlossen gemäß der Worte eines der ihren zu handeln: „Meine Brüder, wir haben gekämpft, um unsere Stadt zu retten; jetzt ist es an der Zeit um unsere Seelen zu kämpfen!“

Wütend, dass seine Einladung verschmäht wurde, befahl Mohammed am 14. August die rituelle Enthauptung dieser 800 Unglücklichen auf einer Hügelkuppe (die in der Folge „Hügel der Märtyrer“ genannt wurde). Ihr Erzbischof wurde unter dem Spott und „Allahu Akbar!“-Triumphgeschrei langsam in zwei Hälften gesägt. (Die Skelettteile einiger dieser trotzenden Christen wurden aufbewahrt und sind bis heute in der Kathedrale von Otranto zu sehen.)

Jetzt überlegen Sie, wie dieses Ereignis mit den aktuellen Realitäten in Zusammenhang steht.

Erstens: Wann immer islamische Einzelne oder Organisationen Gewalt gegen Nichtmuslime verüben – und den Islam als ihre Motivation anführen – wird uns auf der Stelle das Gegenteil gesagt, dass sie einfache Kriminelle und Psychopathen seien und dass ihr Handeln „nichts mit der Wirklichkeit des Islam zu tun hat“.

Es waren jedoch keine Allerwelts-„Muslime“, die auf dem Hügel der Märtyrer Gräueltaten begingen, sondern der, der praktisch der Führer des sunnitischen Islam war, der Sultan selbst, der immer eine Meute muslimischer ulema – Kleriker, Gelehrte und Muftis – um sich hielt, um ihn zu leiten und seine Entscheidungen bezüglich der Ungläubigen zu bestätigen (einschließlich des Massakers an denen, die den Islam ablehnen).

Zufälligerweise ist Mohammed II. für die Türkei und ihren Präsidenten Erdoğan ein Held, der vor kurzem die Hagia Sophia in eine Moschee umwidmete, zum Teil um den mörderischen Sultan zu ehren.

Auch Otranto war keine Anomalie. Im Verlauf von fast 14 Jahrhunderten sprachen und handelten offizielle Führer und Sprecher des Islam – von Sultanen und Kalifen bis zu ulema und Scheiks – immer nur wie der Islamische Staat (oder umgekehrt).

Ebenfalls interessant zu überlegen ist, wie oft selbst damals, vor mehr als einem halben Jahrtausend, westliche Staaten es vorzogen Nichtwahrhabenwollen und Wunschdenken zu betreiben, statt sich mit der Wirklichkeit auseinanderzusetzen oder ihren belagerten Glaubensgeschwistern zu helfen. Entsprechend rügte kurz nach dem Massaker von Otranto Papst Sixtus IV. den gleichgültigen Westen.

Lasst sie nicht glauben, dass sie vor Invasion geschützt sind, diejenigen, die sich in einiger Entfernung vom Kriegsschauplatz befinden! Auch sie werden sich unter das Joch beugen und vom Schwert gefällt werden, außer sie treten vor und treffen den Eindringling. Die Türken haben die Auslöschung des Christentums geschworen. Ein Waffenstillstand den Sophistereien! Jetzt ist nicht die Zeit zu reden, sondern zu handeln und zu kämpfen!

Solche Klagen waren nicht ungewöhnlich. Fast ein Jahrhundert später, 1565, segelte eine massive islamische Armada zu der kleinen Insel Malta um sie zu belagern; Papst Pius IV., der versuchte eine Armee aufzustellen, klagte, dass der König von Spanien „sich in die Wälder zurückgezogen hat und Frankreich, England und Schottland von Frauen und kleinen Jungen regiert werden“.

Schließlich und heute nicht viel anders, war zwar eine Menge Menschen im Westen ignorant gegenüber dem, was der Islam tut, aber eine Minderheit war sich dessen immer bewusst, auch aus historischer Perspektive. Bedenken Sie Sebastian Brants (geb. 1457) Narrenschiff, ein satirisches Gedicht zur allmählichen Natur des Fortkommens des Islam gegenüber einer „schlafenden“ Christenheit:

Unser Glaube war stark im Orient / Er herrschte in ganz Asien / In Maurenländern und in Afrika / Aber heute [seit dem 7. Jahrhundert] sind diese Länder für uns weg… / Wir gehen alle schlafend zugrunde / Der Wolf ist ein den Stall gekommen / und stiehlt die Schafe der heiligen Kirche / Während der Schäfer schlafend liegt / finden dich vier Schwestern unserer Kirche / sie sind von der patriarchalischen Art / Konstantinopel, Alexandria, Jerusalem, Antiochia / Aber sie sind verloren und geplündert / und bald wird der Kopf [Rom] wird angegriffen.

Wie der Fortbestand des Gedichtes nahelegt, sahen gelehrte Europäer die Geißel der Osmanen als jüngste in einem Kontinuum des islamischen Terrors: denn während die Araber die „ersten Truppen der Heuschrecken“ waren, die „um das Jahr 630 erschienen“, um einen zeitgenössischen englischen Geistlichen zu zitieren, sind „die Türken, eine Vipernbrut, schlimmer als ihre Eltern … die Sarazenen, ihre Mutter“.

Gleichermaßen sind die heutigen jihadistischen Organisationen – der Islamische Staat, Al-Qaida, Boko Haram, Hamas, Hisbollah, al-Schabaab et. al. – die jüngste „Vipernbrut“, die vom immerwährenden Jihad ausgebrütet wurde.

Die historischen Teile dieses Artikels sind Auszüge aus und dokumentiert in Ibrahims „Sword and Scimitar: Fourteen Centuries of War between Islam and the West“.

Es ist DEIN Fehler, wenn SIE gewalttätig werden

Raymond Ibrahim, 10. Juni 2020

Gemäß dem Narrativ der Medien beweist, wie unangenehmes Verhalten eine Person oder Gruppe auch an den Tag legt – von Kriminellem bis zu purem Terrorismus – wenn du weiß bist und die anderen nicht, ihr Verhalten gänzlich dein Fehler ist. Dein unerträglicher Rassismus und deine Fremdenfeindlichkeit haben sie es übertreiben lassen; ihr kriminelles Verhalten ist ein Spiegel ihrer vielen Klagen, die sie wegen dir haben.

Das würde natürlich nach Besserung verlangen, wenn es denn wahr wäre. Was nicht heißen soll, dass es keinen Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit gibt, Dinge, gegen die nicht „gesetzlich geregelt“ werden können; es soll vielmehr heißen, dass die überwältigende Mehrheit des kriminellen Verhaltens immer von etwas anderem als von beklagten Missständen getrieben wurde.

Nehmen wir zum Beispiel den Islam. Nach den barbarischen Terroranschläge vom 9/11 war die große Frage: „Warum hassen sie uns?“ Die Antwort der Medien und ihr Aufgebot an „Experten“ lautete, dass sie Beschwerden wegen Amerika hätten.

Danach folgte eine Liste an Litaneien angeblicher amerikanischer/westlicher Verbrechen an Muslimen: Ursprünglich waren es politische „Sünden“ des Westens – von den Kreuzzügen über den Kolonialismus bis zur Gründung Israels. Aber mit jedem neuen islamischen Terroranschlag oder Wut hatten die „Klagegründe“ der Muslime zugenommen: dazu gehörten freie Meinungsäußerung, Kirchen, sogar Teddybären.

Die Medien hätten durchaus auch deine schiere Existenz als freier Ungläubiger als Klagegrund anführen können, was näher an der Wahrheit gelegen hätte. Immerhin begannen ungerechtfertigte muslimische Angriffe auf den Westen vor fast 1.400 Jahren, ein paar Jahre nach der Geburt des Islam; sie gingen ein Jahrtausend lang weiter, schluckten drei Viertel der christlichen Welt und bombardierten jeden Winkel Europas, von wo viele Millionen Sklaven verschleppt wurden.

Sogar Amerikas erster Krieg als Nation fand gegen nordafrikanische Muslime statt, die amerikanische Schiffe überfielen und die Mannschaften versklavten. Als Jefferson und Adams den Berber-Botschafter fragten, welche „Verletzungen“ der neu entstandene amerikanische Staat möglicherweise begangen haben könnte, um solche Angriffe zu provozieren, „antwortete der Botschafter uns“, schrieb Jefferson 1786 an den Kongress, „dass das in den Gesetzen ihres Propheten gründete, dass es in ihrem Koran geschrieben stand,… dass es ihr Recht und ihre Pflicht sei Krieg gegen sie [die Nichtmuslime] zu führen, wo immer sie sie fänden und sie alle zu Sklaven zu machen.“

Muslime Angriffe gegen den Westen nahmen im frühen 19. Jahrhundert endlich eine Auszeit, als Europa, das die islamischen Plünderungen satt hatte, in die muslimische Welt eindrang und sie kolonisierte. Selbst dieser „Prozess der europäischen Expansion und des europäischen Imperialismus“, erklärt Bernard Lewis, „hat seine Wurzeln im Zusammenstoß von Islam und Christentum … Die siegreichen Befreier [Europäer] verfolgten ihre früheren Herren nach der Befreiung ihrer eigenen Territorien [von den Muslimen] dorthin, woher sie gekommen waren.“

Trotzdem wird der Westen von der Propaganda „das ist dein Fehler“, muslimischen „Gründen zu Klagen“ und „Islamophobie“ ihrer eigenen Medien derart überschwemmt, dass der Islamische Staat (ISIS) höchstselbst sehr darauf achtete klarzustellen, dass er den Westen vor allem hasst, weil das islamische Gesetz von den Muslimen verlangt das zu tun, egal wie der Westen sich verhält.

Oder bedenken Sie die unterirdische Art, wie muslimische Staaten die eigenen Minderheiten, vornehmlich Christen behandeln. Wie könnten diese friedlichen, winzigen und politisch entrechteten Gemeinschaften Muslime „in ihren Rechten beeinträchtigen“? Sie sind oft von derselbe Rasse, Ethnie, sprechen dieselbe Sprache wie ihre muslimischen Gegenüber; man kann sie nicht von ihnen unterscheiden, außer in der Religion – und das ist der „Grund zur Klage“, den ihre Verfolger haben: Nichtmuslimische Minderheiten sind „Ungläubige“ und müssen daher verachtet und unterdrückt werden.

Trotz solch abscheulicher Verfolgung, die oft monatlich zur Ermordung mehrerer Christen führt, erwähnen westliche Medien selten dieses wirklich systemische und endemische Thema und wenn, dann nie ehrlich: Das zu tun würde Sand ins Narrativ werfen, dass muslimisches Fehlverhalten ein Nebenprodukt der „Klagegründe“ gegen den Westen ist.

Jetzt bedenken Sie, wie die Medien dasselbe Klage-Paradigma einsetzen, um eine andere Form von Hass und Gewalt zu rechtfertigen: Ein schwarzer Mann wurde von einem Polizisten getötet; obwohl letzterer ordnungsgemäß verhaftet und des Mordes angeklagt wurde, reicht das nicht. Wenn du weiß bist, ist der aktuelle Aufruhr – die Plünderungen, Brandstiftungen und Tötungen – wieder und letztendlich dein Fehler: „Beschwerdegründe“ rächen sich; oder, wie eine aktuelle Schlagzeile von Politico es formuliert: „Der Westen zählt auf Rassismus.

Und doch ist das „black lives matter“-Narrativ der Medien, wie beim Islam, extrem selektiv und manipulativ: Der kaltblütige Mord an mehreren bewundernswerten schwarzen Amerikanern wie dem 77-jährigen Polizei-Captain a.D. David Dorn, der tragischerweise erschossen wurde, weil er seine Pfandleihe vor Plünderern schützen wollte, spielt offenbar keine Rolle (wer „protestiert“ für sie?); genauso wenig die vielen Leben von hart arbeitenden amerikanischen Schwarzen, deren Geschäfte geplündert und zerstört wurden.

Übrigens spielt auch die Tatsache, dass jedes Jahr mehrere tausend schwarze Leben von anderen Schwarzen ausgelöscht werden (amerikanische Schwarze haben zwischen 1979 und 2014 324.000 andere Schwarze getötet). Was die Tatsache angeht, dass Schwarze etwa 15 Prozent der US-Bevölkerung stellen, aber die Hälfte aller Morde begehen – was zumindest bedeutet, dass sie oft in tödlichen Konfrontationen mit der Polizei landen – wen interessiert das?

Nur die sehr, sehr wenigen schwarzen Leben, die möglicherweise dazu gebracht werden können sich dem Beschwerden-Narrativ anzupassen, werden für die Medien jemals eine Rolle spielen.

Die Ironie von all dem ist, dass nur ein von Natur aus fair eingestelltes Volk zulassen würde, dass man sich darum kümmert, geschweige denn die Beschuldigung zulässt, dass man seinen Minderheiten gegenüber nicht fair genug ist. Versuchen Sie einem nicht westlichen Staat (wir haben bereits gesehen, wie das unter dem Islam läuft) zu erzählten, dass dort die Minderheiten misshandelt werden – oder besser, dass sie auf die Knie gehen und sich für ihre Rasse entschuldigen müssen – und schauen Sie, wohin Sie das bringt.

Die Westmauer und die Juden: Mehr als ein Jahrtausend Gebet

Nadav Shragai, Jerusalem Center for Public Affairs (Jerusalem Issue Brief, Bd. 20, Nr. 16), 29. Juli 2020

Juden beten an der Klagemauer in Jerusalem; von Johann Martin Bernatz (Osmanisches Archiv, 1868)

Vor dem Hintergrund der jordanischen Verurteilung Israels wegen Arbeiten, die von Israel an der südlichen Verlängerung der Westmauer ausgeführt werdn, sowie der muslimischen Leugnung der jüdischen Verbindung zur Westmauer veröffentlichte Nadav Shragai, ein Forscher am Jerusalem Center, diese Sammlung vergessener und weniger bekannter Fakten zur Westmauer, die Muslime versuchen zu bestreiten.

  • Nach der Zerstörung des Tempels beteten Juden auf dem Tempelberg, auf dem Ölberg, an den östlichen und südlichen Mauern und schließlich – als Jerusalem wieder offen war – kehrten Juden an die Westmauer zurück, die dem Allerheiligsten am nächsten liegt.
  • Die aktuelle Gebetsort an der Westmauer wurde nach einem Erdbeben im Jahr 1546 eingerichtet, durch das eine Reihe Gebäude einstürzten, die sich an die Mauer schmiegten und zugunsten einer kurzen Gebetsgasse für Juden weggeräumt wurden, die mit Genehmigung der osmanischen Obrigkeit genutzt werden durfte.
  • Die zentrale Synagoge für die Juden in Jerusalem, „die Höhle“, befand sich viele Jahre innerhalb der Tunnel der Westmauer, bis die Stadt 1099 in die Hände der Kreuzritter fiel.
  • Der jüdische Gelehrte Yitzhak Yehekiel Yehuda sammelte Dutzende Zeugenaussagen jüdischen Gebets zu vielen Zeitpunkten, beginnend im Jahr 950 n.Chr. Sie wurden 1930 der britischen Westmauer-Kommission vorgelegt und bezeugten die jüdische Verbindung zu dem Ort.
  • Eine von Dr. Aryeh Kimelman erstellte, wertvolle neue Studie verrät, dass parallel zu den Gebeten in der „Gasse“ an der Westmauer, die später ausgeweitet wurde, um der Platz der Westmauer zu werden, Juden an verschiedenen Orten an der gesamten Länge der Mauer beteten, zum Beispiel nahe dem Baumwollhändler-Tor, dem Ratstor und dem Eisentor.
  • Heute bestreiten Muslime die jüdische Verbindung zum Tempelberg, ebenso wie sie jegliche jüdische Verbindung zur Westmauer bestreiten. Sie beanspruchen den gesamten Bereich des Tempelbergs als „Teil der al-Aqsa“.
  • Nach 1967 weiteten die Muslime die Definition von „al-Aqsa“ über die südliche Moschee auf dem Berg hinaus aus und wandten sie auf das gesamte Gelände und seine Mauern an.
  • Während der 19 Jahre der Besatzung Ostjerusalems verletzte Jordanien eine Zusage Juden das Gebet an der Westmauer zu gestatten.

Am 14. Januar 1546 traf ein schweres Erdbeben das gesamte Land Israel. Hunderte Menschen wurden getötet und verletzt. Viele blieben obdachlos zurück. Das Erdbeben war so stark, dass der Jordan drei Tage lang nicht weiter floss. Gesteins- und Bodenerosion blockierte vorübergehend das Flussbett. Eine hohe Tsunamiwelle traf den Hafen von Jaffa. In Hebron und Jaffa wurden schwere Schäden dokumentiert. Jerusalem wurde ebenfalls beschädigt: Einige der Tore der Altstadt wurden zerstört und die Glocke in der Grabeskirche stürzte herab. Das Erdbeben brachte vielen Häusern Tod und Trauer, aber es hatte eine weitere historische Folge, die einen entscheidenden Einfluss auf die Geschichte Jerusalems und das Leben des jüdischen Volkes hatte.

Der Archäologe Prof. Dan Bahat vermerkt in seiner aktuellen Forschungsarbeit, dass dieses zerstörerische Erdbeben tatsächlich den Ort bestimmte, an dem Generationen von Juden Jahrhunderte lang zum Gebet gingen, den zentralen Bereich des Gebets am Fuß der heiligen Westmauer. Das schwere Erdbeben zerstörte eine Reihe alter Gebäude, die an die Westmauer des Tempelbergs gelehnt errichtet worden waren. Die Beseitigung der Ruinen erweiterte die beschränkten Bereiche der Westmauer um etwa 488 Meter; dort hatten Juden 500 Jahre lang, etwa seit dem Jahr 1000 gebetet.

Ein Luftbild des Mughrabi-Viertels, das 1967 zum Westmauer-Platz werden sollte. Die Gebetsgasse an der Westmauer ist in Gelb gekennzeichnet. (Graf Zeppelin, 1931)

Plötzlich, nach Jahren des Zubauens vieler Teile der Westmauer mit muslimischen Bauwerken, zumeist denen der Mameluken, wurde ein enger und leerer Platz am Fuß der Westmauer geschaffen, der der Teil der Tempelberg-Mauern ist, von dem man annimmt, dass er dem Allerheiligsten am nächsten liegt. Die Juden beeilten sich diesen Bereich für ihre Gebete zu nutzen. Später wurde der Bereich als „Gasse an der Westmauer“ bekannt und nach dem Sechstage-Krieg zum „Westmauer-Platz“ gemacht, den Israel 1967 als großen, offenen Bereich für jüdische Beter vorbereitete.

Heute, am Vorabend von Tischa B’Av, dem nationalen Trauertag des jüdischen Volks, bieten wir diese Studie der uralten Traditionen der Juden nahe der Westmauer des Tempelbergs an. (Die Westmauer ist auch als „Überbleibsel des Tempels bekannt, obwohl sie nicht die westliche Mauer des Tempels selbst ist, sondern nur die Westmauer des den Tempelberg haltenden Mauer.)

Die Südwest-Ecke des Tempelberg-Geländes; das Bild zeigt die westliche und südliche Umfassungsmauer. (Robertson and Beato, circa 1860)

In den letzten Jahren beanspruchen arabische Quellen den Begriff „al-Aqsa“ nicht mehr als Beschreibung der Moschee, die auf dem Südende des Berges gebaut ist, sondern den gesamten Berg einschließlich der Westmauer. In Publikationen der palästinensischen Autonomiebehörde und im PA-Fernsehen sowie in Äußerungen palästinensischer Kleriker werden nicht nur die jüdische Verbindung zum Tempelberg und der Tempel bestritten, sondern jetzt auch die zur Westmauer. Das liefert auch den Hintergrund der jetzigen Beschreibung der Westmauer durch die Jordanier: „Die Westmauer der Al-Aqsa-Moschee“.

Göttliche Präsenz (Schechinah) im Westen

Der Archäologe Dan Bahat war nicht der Erste, der den Ort der Zerstörung der Häuser, die einst vor der Westmauer standen, mit dem Ort verband, der schließlich die Hauptgebetsort für die Juden am Fuß der Westmauer ausgewiesen wurde. Der erste, der im 19. Jahrhundert diese Hypothese vorlegte, war der britische Archäologe Charles Warren, der in den Jahren 1867 bis 1870 archäologische Grabungen in Jerusalem durchführte. Warren schreibt:

Man weiß, wo sie sich in den frühen Tagen nahe der Westmauer versammelt haben; wahrscheinlich nicht nahe dem gegenwärtigen Ort der Klage, denn wir finden Zeichen gewölbter Räume, die vor der Westmauer gebaut wurden; und wahrscheinlich erst, nachdem diese Gebäude zerstört waren oder von Menschen zerstört wurden. Den Trauernden wurde die Gelegenheit gegeben die Westmauer zu erreichen. (Der israelische Forscher Avraham Mosche Lunz verweist in seinem Artikel „Western Wall of the House of God’s“ 1914 ebenfalls auf diese Möglichkeit.)

Aber die geografischen und historischen Gründe für das Gebet von Juden an der Westmauer sind zweitrangig: Die Heiligkeit der Westmauer, stärker als jede andere Mauer des Tempelbergs, entstammt in erster Linie halachischen und religiösen Gründen, in die Midraschi (biblische Exegese antiker judäischer Autoritäten) und Legenden gewoben waren. Diese talmudische Zusammenstellung war für einen 1.700 Jahre alten Prozess zentral, der die Westmauer zu allem machte, was sie heute ist: ein Zentrum der Aufmerksamkeit für das jüdische Volk, ein Symbol seiner uralten Existenz, ein Zentrum der Sehnsucht und ein Zentrum des Gebets für den Einzelnen und vieler um Erlösung und den Bau des Tempels.

Die Westmauer befindet sich näher als jede andere Mauer des Tempelbergs an der angenommenen Stelle des jüdischen Allerheiligsten unter dem Felsendom, der auf dem westlichen Teil des Berges steht (gemäß den Einschätzungen der meisten Forscher). Die Nähe der Westmauer zum angenommenen Ort des Allerheiligsten hat viele Generationen lang konkrekt dem Konzept einer „göttlichen Präsenz im Westen“ (Schechina) Ausdruck gegeben, die in vielen jüdischen Quellen auftaucht, besonders in den Midraschim. Im „Midrasch Tanhuma“ zum Beispiel bewegte sich die Schechina (göttliche Präsenz) nie von der westlichen Mauer des Tempels weg und auch in Bamidbar Rabbah wird darauf verwiesen – „Hier steht sie hinter unserer Mauer, es ist die westliche Mauer des Tempels, die niemals zerstört wurde, die Schechinah im Westen.“

Unter den Kommentatoren gibt es eine Auseinandersetzung darüber, an welche Westmauer diese Midraschim und andere Quellen, über die vor 1.500 Jahren geschrieben wurde, sich bezogen. Zur Westmauer des Tempels? Oder zur Westmauer (Stützmauer) des Tempelbergs? Es gibt aber keine Auseinandersetzung darüber, dass nach der Zerstörung des jüdischen Tempels auf dem Tempelberg, als der Ort der Westmauer auf dem Tempelberg selbst verschwand, das jüdische Volk die Westmauer (Stützmauer) des Tempelberggeländes weihte. Im Gegensatz zu der Version des Islam und vieler Gelehrter von heute haben die Juden eine innige Verbindung zur Westmauer und beteten vor dem Erdbeben viele Jahrhunderte am Fuß der Kotel. Bahat, Warren und Lunz mögen das Erdbeben als den geografischen Grund für die folgerichtige Erweiterung identifizieren, die aus der Westmauer-„Gasse“ den zentralen Ort jüdischen Gebets machte, aber hinter der Geschichte steckt mehr.

Noch bevor die enge Gebetsgasse für sie hergerichtet wurde, besuchten Juden die Westmauer, zusammen mit vielen anderen Orten. Die muslimische Eroberung erlaubte es den Juden nach Jerusalem zurückzukehren, nachdem sie von den Römern und Byzantinern vertrieben wurden. Bis dahin und 700 Jahre nach der Zerstörung des Tempels hindurch beteten Juden an vier Orten: auf dem Tempelberg selbst, auf dem Ölberg (östlich des Tempelbergs mit Blickrichtung zum Tempelberg), am Fuß der östlichen Mauer des Tempelbergs und später an der südlichen Mauer des Tempelbergs, wo sich die Haupteingangs- und Ausgangstore des Tempelbergs befanden, darunter das Huldah-Tor.

Die Südmauer des Tempelbergs mit dem verschlossenen „Dreifachtor“ (1900, Library of Congress)
Luftbild des Tempelbergs von Süden mit der südlichen Mauer, dem Felsendom und der Al-Aqsa-Moschee. Der Pfeil links zeigt auf die Westmauer (1950, Library of Congress)

Beweise aus der Geniza von Kairo

Viele Male, besonders im Mittelalter, hinterließen jüdische Besucher in Jerusalem Gravuren ihrer Namen und verschiedene Inschriften auf den Mauern und Jahre später wurden diese Gravuren entdeckt und von Forschern und Archäologen dokumentiert. Die erwähnte muslimische Besatzung brachte die Juden Jerusalem und der Westmauer allmählich näher und näher und die Juden bauten eine Synagoge im Grund unter dem Warren-Tor nahe der Westmauer des Tempelbergs, an der Stelle, die dem Allerheiligsten am nächsten ist.

Diese Synagoge, die nach Angaben einiger Forscher mit der Synagoge identifiziert wird, die man als „Die Höhle“ kennt, wurde offenbar viele Jahre als Hauptsynagoge der Juden Jerusalems genutzt, bis die Stadt 1099 an die Kreuzfahrer fiel. Das Warren-Tor, wo die Synagoge „Die Höhle“ sich befand, wird nach Aussage einer der Hypothesen „Scha’ar Yehuda“ im Gebet „Siwuw HaShaarim“ (Um die Tore herum) erwähnt – ein uraltes Gebet, dessen verschiedene Versionen als Teil des Lernens der „Geniza von Kairo“ entdeckt wurde – ein Gebet, das bis heute von einem jüdischen Betenden gesprochen wird, der um die Tore des Tempelbergs geht.

Jüdische Betende an der Westmauer, foto von Mendel Diness (circa 1859, Harvard)

Belege für jüdisches Gebet am Fuß der Westmauer des Tempelbergs sind seit 950 bis 980 n.Chr. vorhanden. Die Beweise erscheinen in dem Buch des jüdischen Gelehrten Yitzhak Yehezkiel Yehuda, der sie darin zu Beginn des 20. Jahrhunderts zusammenstellte. Die Führung des jüdischen Jischuw nutzte diese Sammlung an Gebeten während der Diskussionen mit der britischen Westmauer-Kommission, die eine Ermittlung durchführte, die den „Konflikt um die Westmauer“ und die Ereignisse untersuchte, die 1929 und 1930 folgten. Der „Konflikt um die Westmauer“ und das Massaker an den Juden 1929 fand im Kontext ständiger Schikane durch Muslime gegen jüdisches Gebet an der Westmauer sowie muslimischer Hetze, die Juden der Planung zur Zerstörung der Moscheen auf dem Tempelberg beschuldigte und sich nicht mit Gebet an der Westmauer zufriedenzugeben.

Yehezkiels Buch (vom Nahost-Forscher Prof. Yoel Yosef Rivlin, dem Vater des derzeitigen Präsidenten Reuven Rivlin, editiert und Korrektur gelesen) legt Dokumentationen vor, die zeigen, dass jüdisches Gebet an der Westmauer mehr als eintausend Jahre stattfand, im Gegensatz zu den muslimischen Behauptungen, dass dies ein neues Phänomen ist, nur ein paar hundert Jahre alt. Die erste in Yehezkiels Studie festgehaltene Aufzeichnung ist die des Gouverneurs (Naggid) Paltiel (gest. 976 n.Chr.) und seines Sohnes Schmuel, angeführt in der Genealogie des Poeten Ahimaaz ben Paltiel (in der Chronik von Ahimaaz). Die Rolle beschreibt unter anderem, wie man vor tausend Jahren „Geld für Öl zum Anzünden von Kerzen an der Westmauer“ schickte. Nach Angaben der Chronik ist klar, dass dies eine Synagoge ist, die an die Westmauer angelehnt ist. Der Reisende, Benjamin von Tudela, bezeugte 1167 die Existenz der Westmauer, die damals auch „Gnadentor“ genannt wurde, als einen Ort, an den Juden zum Beten kamen.

Weitere Aussagen kamen aus der Zeit der Kreuzfahrer über jüdisches Gebet nahe der Westmauer von Yaakov, Sohn von Rabbi Netanel HaCohen, gefolgt von anderen Zeugnissen von Schmuel ben R. Schimschon (1210), Menachem ben Peretz von Hebron (1215), einem der Schüler des Nachmanides (1310), Ischton Haparchi (1313), Isaak Chelo (1393, Eliyahu von Ferrara (1435) „dem unbekannten Reisenden“ (1495), Rabbi Israel Aschkenazi (1520), Rabbi Isaak ben Meir Latif (1531), Schimschon Bek (1584) und vielen anderen.

Gebet früher auch an der „Kleinen Mauer“

Diese Liste des Forschers Yitzhak Yehezkiel Yehuda, die die Allgemeinheit heute nicht kennt, ist für unseren Fall wichtig, weil viele Muslime abgesehen von der Leugnung der jüdischen Verbindung zur Westmauer behaupten, es sei eine Erfindung der letzten 400 bis 500 Jahre. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, stellen selbst nichtmuslimische Forscher diese Behauptung auf. Yehezkiels Recherche, gestützt auf die historischen Aufzeichnungen, zeigt, dass Gebet an der Westmauer mindestens eintausend Jahre zurückreicht. Davor wurde Juden der Zugang auch von den Kreuzrittern, den Byzantinern, den Römern und sogar den großzügigeren muslimischen Herrschern verboten.

Die „kleine Westmauer“ (Nadav Shragain)
Die „Kleine Kotel“ Kotel HaKatan), fotografiert 1865 von Sgt. James McDonald (Palestine Exploration Fund). Vergleichen Sie die Gravuren auf dem Bogen links mit dem zeitgenössischen Foto oben.

Eine weitere wertvolle Studie, deren Zusammenfassung wir hier vorlegen, wurde von Dr. Aryeh Kimelman vorbereitet, einem Experten für die Geschichte Jerusalems und außergewöhnlicher Forscher der Geschichte und Mysterien des Tempelbergs. Diese Studie ist noch nicht offiziell veröffentlicht, aber mit diesem Autor bereits geteilt worden. Hier sind einige Beispiele dafür, wo Juden an der Westmauer gebetet haben, abgesehen von der bekannten „Gasse“ bzw. „Plaza“, der Or Chadasch-Synagoge nahe dem Mischgiach-Tor, der Kleinen Westmauer nördlich des Eisentors, Beit Danon nebenan, dem Haus von Mendel Rand im Baumwoll-Händler-Markt am Tempelberg, dem Baumwoll-Tor selbst, nahe dem Ketten-Tor, im Haus von Rabbi Akiva Yosef Schlesinger nahe dem Westtor (Mughrabi-Tor), südlich von diesem Tor und nahe der Südwestecke des Tempelbergs sowie in der Synagoge im Hof von Rabbi Fischel Lapin nahe dem Majlis-Tor. Der Archäologe Prof. Dan Bahand kommentiert dieselbe Sache in den Briefen der „Geniza“, die von den Juden in den 1930er- Jahren dem „Westmauer-Komitee“ als Beweis vorgelegt wurde, deutete die Präsenz der jüdischen Beziehung zur Westmauer an, verweisen aber nicht, wie sie fälschlich glaubten, auf den Bereich der bekannten Gase, sondern auf eine weiter nördlich gelegene Gebets-Stelle nahe der Westmauer, direkt vor dem Allerheiligsten.

Gemälde des Baumwollhändler-Tores zum Tempelberg von Gustav Bauernfeind (Wikipedia, 1886)
Eine Vergrößerung des Bauernfeind-Gemäldes zeigt jüdische Betende mit Gebetsschals (talitot) und traditionellen Kopfbedeckungen.

Der israelische Forscher Chaim Bar-Droma stellte zudem fest, dass „die Juden die gesamte Westmauer vom Kettentor bis zum Baumwolllhändler-Torl im westlichen Viertel (dem heutigen Mughrabi-Tor) am Rand der Mauer in der Südwest-Ecke und darüber hinaus behaupteten“. Juden, sollte festgehalten werden, beteten auch im unteren Stockwerk des Machkema-Gebäudes (Al-Madraa al-Tankiz/Gebäude der Weisheit), das in der Zeit der Mamelucken gebaut wurde, an einer Stelle im Viertel, die damals als „Kleine Westmauer“ bekannt war. Heute ist dieser Name als die Stelle bekannt, die im Zentrum des muslimischen Viertels liegt, 175 Meter nördlich des bekannten Gebetsplatzes.

„Muslimische Westmauer“

In früheren Jahren erkannten Imame zumindest de facto die jüdische Verbindung zur Westmauer und ihr Recht dort zu beten an. In den letzten Jahren jedoch ist die Westmauer einem Prozess der „Islamisierung“ unterzogen worden und wird als exklusives Eigentum der Muslime betrachtet. Muslimführer in unserer Generation bestreiten jegliche Heiligkeit der Westmauer für Juden. Sie begannen auch die angebliche Heiligkeit der Westmauer im Islam zu behaupten. Sie führen ihre Überzeugung an, dass ein wundersames Tier namens „Burak“ den Propheten Mohammed während seiner Nachreise von Mekka nach Jerusalem trug, wo Mohammed „Burak“ an die Westmauer des Tempelbergs gebunden habe. Als Ergebnis davon wird sie für Muslime heilig betrachtet.

Zum Beispiel behauptete Scheik Ikrama Sabri, der ehemalige Mufti von Jerusalem: „Juden haben kein Recht an der Westmauer… und dass dieser Ort nur für Muslime heilig ist und niemand auch nur einen Zentimeter der Al-Aqsa verhandeln kann, weil die Westmauer Teil von ihr ist.“

Ähnliches wurde auch 2012 während des Besuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin an der Westmauer geäußert, als er sagte, dass man an der Westmauer „sehen kann, wie die jüdische Vergangenheit in Jerusalemer Steine eingemeißelt wurde“. Nach seiner Äußerung beeilte sich die Jerusalemer islamische Waqf („Islamische religiöse Stiftung“) zu antworten: „Wir sagen Putin und denen wie ihm, dass die Burak-Mauer (die Westmauer) eine ausschließlich islamische heilige Stätte ist. Sie ist integraler Bestandteil der gesegneten al-Aqsa-Moschee und niemand außer Muslimen hat ein Recht daran… die gesamten historischen Aufzeichnungen und internationale Dokumente betonen, dass die Westmauer die muslimische Burak-Mauer ist.“

Nars Farid Wasil, ein ehemaliger Mufti Ägyptens, argumentierte, dass die Westmauer eine muslimische heilige Stätte und Teil der al-Aqsa-Moschee ist und als solche nicht von Muslimen aufgegeben werden darf. Nach seinen Angaben sollte sie die „Burak-Mauer“ und nicht die „Westmauer“ genannt werden. Wasil urteilte auch: „Es ist jedem, der kein Muslim ist, verboten die Westmauer zu reparieren, wenn sie renoviert werden muss, weil das eine muslimische Pflicht ist, die ausschließlich von muslimischen Institutionen ausgeführt werden darf.“

Äußerungen ähnlicher Natur waren selbst in Israel zu hören, besonders in Predigten des Führers der nördlichen Fraktion der Islamischen Bewegung, Scheik Raed Salah, der im Jahr 2000 sagte:

Der jüdischen Gesellschaft muss ehrlich gesagt werden, dass ihr kein Recht auch nur an einem einzigen Stein der gesegneten Al-Aqsa-Moschee habt, kein Recht auch nur an einem Korn der gesegneten Al-Aqsa-Moschee… Die Westmauer der Al-Aqsa (gemeint ist die Westmauer) ist Teil der gesegneten Al-Aqsa. Sie wird nie eine kleine Westmauer sein. Sie kann nie eine große Westmauer sein… Der politischen und religiösen Führung in Israel ist eindeutig gesagt worden: Die Forderung die gesegnete Al-Aqsa unter israelischer Souveränität zu halten, ist auch eine Kriegserklärung an die islamische Welt.

Die Muslime unserer Generation sind nicht zufrieden mit rein ideologischen Erklärungen. Schon im Sommer 2011 berichtete das offizielle Fernsehen der palästinensischen Autonomiebehörde im Rahmen einer Dokumentarsendung, dass die PA plant ein arabisches Wohnviertel an der Stelle des Platzes vor der Westmauer in Jerusalem zu bauen. In der Sendung wurden die Betenden an der Westmauer als „Sünder und unrein“ dargestellt. Jüdische Geschichte wurde als „Fälschung“ präsentiert und während der Sendung wurde klargestellt: Wir zeichnen unsere eigenen Landkarten. Wenn sie (die Juden) „aus dem Bild verschwinden wie ein vergessenes Kapitel aus den Seiten der Geschichte unserer Stadt, wird dort ein Wohnviertel gebaut. Hier am Platz der Westmauer wird das arabische Mughrabi-Viertel wieder aufgebaut.“

Diese Sendung spiegelte eine Äußerung des PA-Ministers für religiöse Angelegenheiten Mahmud al-Habbasch, in der er die jüdische Verbindung zur Westmauer bestritt. Im Januar 2013 stellte er eine haltlose Behauptung auf, als er sagte: „Die ganze Geschichte hindurch hat niemand außer Muslimen die Westmauer als Ort des Gebets bezeichnet, bis Lord Balfour 1917 sein ominöses Versprechen gab.“

Kamele, Esel und Pferde in der Gasse an der Westmauer

Dem muslimischen Anspruch an der Westmauer fehlt jegliche historische Begründung. Nach dem Sechstage-Krieg, als Israel das Mughrabi-Viertel räumte (das direkt neben der Westmauer stand) und einen großen Westmauer-Platz baute, wurde ein anderes Licht auf das geworfen, was die Geschichte hindurch an der Westmauer stattgefunden hatte. Es gibt zahlreiche Beschreibungen und Zeugenaussagen aus dem neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert, die detailliert zeigen, wie der jüdische heilige Ort ständig von den Einwohnern des Mughrabi-Viertels entehrt wurde. Betende wurden physisch herumgeschubst; Müll und Tierdung wurden in die enge Gebetsgasse gekippt; an diesem jüdischen Gebetsort wurden Kamele und Pferde durchgeführt sowie Musik-Feiern und lautstarke Tänze abgehalten; Latrinen wurden direkt an die Westmauer gebaut. Während des britischen Mandats gab es wiederholt Proteste dagegen, dass Bänke oder Bücherregale für jüdische Betende an die Westmauer gestellt werden, für Becken für rituelles Händewaschen gesorgt wurde, das Schofar geblasen wurde und eine „Mechitza“ (eine Teilung zwischen Gebetsbereichen für Männern und Frauen) errichtet wurde.

Im Verlauf der Jahre steigerten sich diese Proteste in schwere Hetze gegen die Juden, die vom Großmufti Haddsch Amin al-Husseine beschuldigt wurden die Moscheen auf dem Tempelberg zerstören zu wollen. Am Tischa B‘Av 1929, einem jüdischen Trauertag zum Gedenken an Katastrophen in der jüdischen Geschichte, einschließlich der Zerstörung der beiden jüdischen Tempel, setzte al-Husseini das Massaker an den Juden in Hebron, Safed und vielen anderen Orten im Land Israel in Gang. Bei den Krawallen wurden 133 Juden getötet und hunderte verletzt.

Nach Angaben von John Phillips vom Life Magazine „verbrachte der Mufti von Jerusalem in dem Haus im Hintergrund gewöhnlich seine Tage damit sdie Juden zu beobachten, um zu sehen, ob sie irgendwelche Verbrechen begingen”. Die Westmauer und das Fenster des Mufti, ca. 1920 (Wikipedia, Nationalbibliothek Israels)

Die Leugnung der jüdischen Verbindung zur Westmauer durch muslimische Kleriker ist ein relativ neues Phänomen. Bis zum Sechstage-Krieg 1967 und noch kurz danach betrachteten muslimische Kleriker und bekannte Muslime im Land Israel die Mauer als genau das, was sie für die Juden war. Wir werden nicht alle Beispiele vorlegen, aber ein besonders auffälliges davon ist der bekannte palästinensischen Historiker Aref al-Aref (1892 – 1973). Er war ein erklärter palästinensischer Nationalist, der das Rockefeller-Museum für Archäologie leitete und in den 1950-er Jahren während der jordanischen Annexion der Westbank als Bürgermeister von Ostjerusalem diente. Aref schloss die Westmauer in die für Juden heiligen Orte in Jerusalem ein, weil „… dies die Umfassungsmauer des von Herodes dem Großen gebauten Tempelbergs ist…“ Er vermerkte, dass „die Juden diesen Ort oft besuchen, besonders an Tischa B‘Av, wenn sie ihrer ruhmreichen und unvergesslichen Vergangenheit gedenken und dort weinen.“

Zusätzlich schrieb er in seinem Buch „Ta‘arikh al Quds“, dass der „al-Haram al-Scharif“ (ein arabischer Name für den Tempelberg – N.S.) im 1. Buch Mose erwähnt wird. Das ist der Ort des Dreschplatzes des Jebusiters Araunah, der von König David gekauft wurde, als der Ort, wo im Jahr  1007 v.Chr. Sein Sohn Salomo den jüdischen Tempel baute.

Palästinensische Leugnung historischer Wahrheiten trat kurz vor dem Sechstage-Krieg auf, aber hauptsächlich danach. Bereits 1966 druckte der Oberste Muslim-Rat einen gekürzten Führer zum al-Haram al-Scharif neu. Der Rat zitierte Ausführungen von Aref al-Aref über die Westmauer. Er ließ jedoch die früheren Verweise des muslimischen Historikers zur Heiligkeit der Westmauer für Juden aus und entschied sich die Heiligkeit der Westmauer für Muslime zu betonen. Im Verlauf der Jahre nahm die muslimische Leugnung der jüdischen Verbindung zur Westmauer zu.

Nach dem Sechstage-Krieg, vor dem Hintergrund der arabisch-jüdischen Konfrontation um den Tempelberg, veränderten Muslime die bekannte Geschichte des Tempelbergs, die sie Jahrhunderte lang anerkannt hatten. Zusätzlich zu ihrem Versuch zu beweisen, dass ihre Verbindung zum Tempelberg älter war als die der Juden, definierten die Muslime in ihrer radikalen Leugnung der Existenz des jüdischen Tempels auf dem Tempelberg und der jüdischen Verbundenheit damit die Grenzen des Tempelberg-Geländes um.

Sie begannen den gesamten Tempelberg als „al-Aqsa“ zu bezeichnen und fingen an, den gesamten Bereich als eine einzige große Moschee zu behandeln. Die Al-Aqsas-Moschee selbst befindet sich am südlichen Teil des Berges. Muslime begannen sie „al-Jami‘ al-Qibli“ zu nennen, was bedeutet, dass die Moschee anzeigt, in welcher Richtung Muslime beten sollen. (Es ist wichtig festzuhalten, dass die erste Gebetsrichtung im frühen Islam Jerusalem war, nicht Mekka, wie es heute ist. Während der frühen islamischen Periode, als Mohammed versuchte die Juden von Medina zum Islam zu bekehren, war die ursprüngliche Gebetsrichtung nach Jerusalem ausgerichtet.)

Zwischen Eigentum und Nutzungsrecht

Bis zum Sechstage-Krieg wurde die südliche Moschee vom Rest des Geländes unterschieden und wurde mit ihrem richtigen Namen „al-Aqsa“ genannt, während der gesamte Bereich „al-Haram al-Scharif“ (das Edle Heiligtum) oder „al-Haram al-Quds al-Sharif“ (das Edle und verehrungswürdige Heiligtum“) genannt wurde. In diesen Tagen tendierten Muslime dazu dem Ort in Jerusalem einen Status des „Haram“ (die höchste Heiligkeit“) zu verleihen, ähnlich dem Status, der den heiligen Orten des Islam wie Mekka und Medina verliehen wurde.

Reisebücher und -landkarten von Muslimen listen bis 1967 (und kurz danach) verschiedene Orte, einschließlich der Al-Aqsa-Moschee und des Felsendoms auf, die Teil des „al-Haram al-Scharif“ sind, was der Name für den gesamten Komplex ist. Zum Beispiel ist der gesamte Komplex in einer offiziellen jordanischen Touristen-Karte von 1965 als „al-Haram al-Scharif“ markiert und ein hebräischer Name des Ortes, Berg Moriah, wird erwähnt. Nur das südliche Gebäude wurde als al-Aqsa bezeichnet.

Nach dem Sechstage-Krieg stärkte der Staat Israel seine Position an der Westmauer. Das war ein notwendiger Schritt angesichts der Tatsache, dass der Tempelberg, der heiligste Ort des jüdischen Volks, der muslimischen religiösen Obrigkeit anvertraut worden war. Er spiegelt die zahlreichen Einschränkungen, die Juden an der Westmauer über Generationen hinweg auferlegt wurden – besonders während der osmanischen, britischen und jordanischen Herrschaft.

Selbst die Kommission für die Rechte und Ansprüche von Muslimen und Juden an der Westmauer von 1930 (die Westmauer-Kommission), ernannt von der britischen Regierung mit Zustimmung des Völkerbunds, hatte keinen Erfolg damit die schweren Verletzungen jüdischer Rechte an der Westmauer zu korrigieren. Sie veröffentlichte einen skandalösen Bericht, in dem es hieß, dass die Westmauer muslimisches Eigentum sei und die Juden „Nutzungsrecht“ haben, das heißt das Recht dort zu beten.

Die Bestimmungen der Kommission erniedrigte die Juden und verleumdetet jüdisches Gebet an der Westmauer. Zum Beispiel wurde es verboten irgendwelche Objekte in die enge Gasse an die Westmauer zu stellen, einschließlich jeglicher Mechitza (Trennwände), Tische, Regale oder Stühle. Einen heiligen Bogen mit einer Thorarolle und ein Podest zum Vorlesen der Thora wurde nur an Feier- und Fastentagen erlaubt. An den anderen Tagen mussten die Betenden ihre Gebete unterbrechen, um die Thora in den nahe gelegenen Häusern zu lesen und dann zur Westmauer zurückkehren, um dort die Gebete fortzusetzen.

Juden war zudem verboten in der Nähe der Westmauer das Schofar zu blasen, was zur Folge hatte, dass man dort keine Gebete zu Rosch Haschanah halten konnte. Trotzdem blies am Ende des Yom Kippur-Gebetes 1930 Mosche Zvi Segal, ein junger Mann der Jugendbewegung Betar, das Schofar und wurde infolgedessen verhaftet. Im Lauf der Zeit wurden Schofars zur Westmauer geschmuggelt und fast jedes Jahr sollten Juden das Schofar zum Ende der Fastenzeit von Yom Kippur herbeischmuggeln und blasen.

Das letzte Gebet der Westmauer – 1947

Das letzte öffentliche Gebet an der Westmauer gab es am Vorabend der jordanischen Eroberung, am 16. des jüdischen Monats Kislev, den Vorabend der Teilungsplan-Vorschlags der Vereinten Nationen am 29. November 1947. An diesem Tag versammelten sich etwa 1.500 Betende an der Westmauer, um den Erfolg eines Staates im Entstehen zu feiern. Um Mitternacht kam eine Gruppe Anhänger der Breslower Chassidim, um ein rituelles Gebet, „Tikkun Chatzot“, zu beten, das nach Mitternacht als Ausdruck der Trauer und Klagen über die Zerstörung der Tempel in Jerusalem zu aufgesagt wurde. Danach blockierten die Briten die Straße zur Westmauer. Die Araber belagerten das jüdische Viertel die nächsten sechs Monate, bis es im Frühjahr 1948 von der Jordanischen Legion erobert wurde.

Ein Jordanischer Legionär patroulliert die verlassene Westmauer-Gasse, nachdem die Juden aus Jerusalems Altstadt vertrieben wurden; 23. Feb. 1948 (Associated Press)

In dem am 3. April 1949 unterzeichneten Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und Jordanienwurde vereinbart, dass israelischen Bürgern erlaubt wird die Westmauer zu besuchen. Tatsächlich wurde jedoch in den Jahren der jordanischen Herrschaft über Ostjerusalem von 1948 bis 1967 den Israelis der Zugang zur Westmauer verweigert. Zu Beginn der jordanischen Herrschaft war die Westmauer für internationale Touristen gesperrt, aber nach ein paar Jahren wurde Touristen der Besuch erlaubt. Jedes Jahr an Tischa B‘Av gingen Juden an verschiedene hoch gelegene Stellen in Westjerusalem oder sie gingen auf den Berg Zion, um die „Tempel-Aussicht“ zu bekommen, als Versuch einen Blick auf den Tempelberg und die Westmauer werfen zu können.

Während dieser Jahre gaben die Israelis ihrer Sehnsucht nach ihren heiligen Stätten in Liedern, Geschichten und Erinnerungen Ausdruck. Am berühmtesten waren die Gedichte von Yitzhak Schalew und eine von Rachel Yanait Ben Zvi geschriebene und erzählte Zusammenstellung; sie war die Frau von Israels zweitem Präsidenten, Yitzhak Ben Zvi.

Der jordanische „Appetit“

In der Nacht zum 10. Juni 1967, nach jordanischen Angriffen auf Jerusalem und dem Sieg im Sechstage-Krieg, evakuierte Israel 108 Familien, die in den alten Häusern des Mughrabi-Viertels am Fuß der Westmauer leben. Israel bot ihnen alternative Unterkunft und riss ihre Häuser ab. Statt eines winzigen Bereichs zum Beten, der 28 Meter lang und 3,4 Meter breit war (insgesamt 95,2 Quadratmeter) und nur Platz für ein paar hundert Betende hatte, wurde ein neuer Platz mit Kapazität für tausende Betende gebaut. Die Länge des Abschnitts an der Westmauer, der für Gebete vorgesehen war, wurde auf bis zu 57 Meter vergrößert und der neue Gebetsbereich ist 40 Meter breit. Ein zusätzlicher Vorplatz mit einer Fläche von etwa 20.000 Quadratmetern wurde für große Feiertags-Feierlichkeiten und Gelöbnis-Zeremonien der israelischen Verteidigungskräfte (IDF) geschaffen. Drei Tage nach dem Abriss des Mughrabi-Viertels wurde Schawuot mit 250.000 Juden aus ganz Israel gefeiert, die sich auf dem neu gebauten Westmauer-Platz versammelten.

Später kündigte die israelische Regierung auch die Abschaffung des vom britischen Mandat aufgezwungenen Status quo mit seinen erniedrigenden Einschränkungen für jüdisches Gebet an der Westmauer an. Das israelische Parlament und der Oberste Gerichtshof beseitigten den Status quo und die Westmauer wurde offiziell zu einem heiligen Ort für Juden erklärt.

Ein Teil der Westmauer, 143, 72m lang und 4,5m hoch, wurde im Katasteramt als Eigentum des Staates Israel registriert. Das schließt den Bereich zwischen der Südwest-Ecke der Westmauer bis zur Tankiziyya-Madrassa am Kettentor ein.

Jordaniens Politik zum Tempelberg und der Westmauer

Jordaniens Entscheidung Israel wegen der Arbeit zu verurteilen, die es am südlichen Teil der Westmauer durchführt, ist nicht ungewöhnlich. Tatsächliche spiegelt es Jordaniens Haltung Israel für das verantwortlich zu machen, was sich auf dem Tempelplatz-Bereich abspielt. Gemäß Jordanien, das sich den Entscheidungen zeitgenössischer muslimischer Kleriker „anpasst“, ist der gesamte Bereich des Tempelbergs, einschließlich seiner Umfassungsmauern, „Al-Aqsa“. Nur die jordanische Waqf ist befugt irgendwelche Arbeiten daran auszuführen, selbst wenn es nur Renovierungsarbeiten sind.

In diesem Geist verurteilte Faisal al-Fayez, ein offizieller Sprecher des jordanischen Außenministeriums, am 17. Juni 2020 die „Fortsetzung der Arbeit der israelischen Behörden an der Westmauer der gesegneten al-Aqsa-Moschee“. Er erklärte: „Alle Erhaltungs- und Renovierungsarbeiten an der Moschee, die 144 Morgen abdeckt, einschließlich der Mauern, ist Teil einer exklusiven Obrigkeit der islamischen religiösen Stiftung in Jerusalem; und Israel, als Besatzungsmacht, muss seinen Verpflichtungen diesbezüglich nachkommen und muss die Arbeit sofort einstellen.“

Früher einmal betraute Ariel Sharons Regierung auf eigene Initiative Anfang 2000 Jordanien mit Restaurierungsarbeiten an der südlichen und östlichen Mauer des Tempelbergs. Damals waren Risse in den Umfassungsmauern zu sehen und es gab die Sorge, dass die Mauern teilweise kollabieren könnten. Israel befolgte auch ein Veto Jordaniens, als es die vorläufige Mughrabi-Brücke ersetzen wollte, die zum Mughrabi-Tor Mitte der Westmauer führt. Das Tor ist der einzige Aufgang für Juden auf den Tempelberg, während Muslime zehn andere Tore nutzen. Israel gab auch dem jordanischen Veto zur Entfernung von Müll und Bauschutt an der „kleinen Mauer“ nach, einer Fortsetzung der Westmauer, etwa 175 Meter nördlich des Westmauer-Platzes mitten im muslimischen Viertel.

Israel und Jordanien – wer ist der Boss?

Es war falsch, dass Israel die Restaurierung der südlichen und östlichen Mauern Jordanien anvertraute und sogar den Fall der Mughrabi-Brücke und der Kleinen Westmauer Jordanien überließ. Israels „Schwäche“ in Bezug auf Jordaniens Forderungen zu Pflege und Erhalt der Tempelberg-Mauern wird von Jordanien ausgenutzt. Als Ergebnis betrachten sich die Jordanier als die „Betreuer“ der Mauern des Tempelbergs und erlauben sich das Privileg Israel für seine dortige, unverzichtbare Arbeit zu rügen.

Gelegentlich veröffentlicht Jordanien streitsüchtige Ankündigungen wie die zur Westmauer im Juni, die die jüdische Vergangenheit, Wurzeln und Rechte an dem Bereich komplett ignorieren, der sich heute unter Israels Souveränität befindet. Und das, nachdem Jordanien sich 19 Jahre lang seinen schriftlich festgelegten Verpflichtungen widersetzte Juden das Gebet an der Westmauer zu erlauben.

Huri oder Hure? Die „72 Jungfrauen“ des Islam sehnen sich nach „Märtyrer“-Muslimen

Raymond Ibrahim, 13. August 2020

In einem PMW-Artikel vom 22. Juli 2020 heißt es:

Seit die palästinensische Autonomiebehörde im Jahr 2000 ihre Terrorkampagne – die zweite Intifada – begann, hat sie den terroristischen Märtyrern versprochen, dass sie als Muslime im Paradies mit 72 dunkeläugigen Jungfrauen belohnt werden. Die Versprechen werden in Religionslektionen, Äußerungen politischer Persönlichkeiten sowie Gedichten und Musikvideos geäußert, während Beerdigungsanzeigen als „Hochzeits-Anzeigen“ formuliert werden.

Als aktuelles Beispiel führt der Artikel ein palästinensisches Musikvideo an, das „die Zuschauer daran erinnert, dass der Tod als ‚Märtyrer‘ in Wirklichkeit eine ‚Hochzeit‘ mit den 72 Jungfrauen im Paradies ist“. Ein weiteres Video zeigt einen palästinensischen Kleriker, der jungen Kindern eine Gehirnwäsche mit Träumen von „Märtyrertum“ und der folgenden „Ehe mit den dunkeläugigen Jungfrauen im Paradies“ verpasst – während, die seine Worte nicht zu bemerken scheinen, „Allahu Akbar!“ schreien.

Wer sind diese „dunkeläugigen Jungfrauen im Paradies“, die sich – wie eine andere palästinensische Persönlichkeit es formulierte – nach diesen Muslimen „sehnen“, die nach den Worten des Koran „töten und getötet werden“ (Sure 9,111)?

Der korrekt arabische Begriff für diese Gebilde ist hur al-‘ayn, allgemein bekannt als die deutsche Transkription Huri. Es handelt sich um übernatürliche, himmlische Frauen – „mit großen Augen“ und „großen Brüsten“, sagt der Koran (Suer 56,22; 78,33) – geschaffen von Allah für den ausdrücklichen Zweck seine Lieblinge auf ewig sexuell zu befriedigen. (Ob das Wort „Hure“ etymologisch mit dem arabischen huri verbunden ist oder nicht, ist letztlich irrelevant, da sie beide derselben Funktion zu dienen scheinen.)

Einer dieser kanonischen Hadithe – eine Mohammed zugeschriebene Äußerung, die der Mainstream-Islam als wahr anerkennt – den alle jihadistischen Organisationen regelmäßig anführen, lässt Mohammed sagen:

Der Märtyrer [schahid, einer, der für den Islam kämpfend stirbt] ist für Allah besonders. Ihm wird vom ersten Tropfen Blut an [das er vergießt] vergeben. Er sieht seinen Thron im Paradies … Und er wird mit zweiundsiebzig huris kopulieren. [s. Sure 44,54; 52,20; 55,72 und 56,22].

Während die Huris im westlichen Hirn Bilder von spärlich bekleideten Geistern und/oder anderen wilden Erzählungen aus den Arabischen Nächten wachrufen – und damit als „Märchen“ ohne Funktion jemanden anzuspornen abgetan werden – lautet die Tatsache, dass der Wunsch nach diesen unsterblichen Konkubinen muslimische Männer in Gegenwart und Vergangenheit zu Taten selbstmörderischen Terrors getrieben haben, wie sowohl in muslimischen wie auch westlichen geschichtlichen Quellen aufgezeichnet wurde.

Was religiöse Begeisterung und Leidenschaft für den heiligen Krieg angeht“, schreibt der Historiker Marius Canard, „so ist gewiss, dass zahlreiche Muslime von diesem Gefühl bewegt wurden … Es gibt zahlreiche Berichte, die Kombattanten beschreiben, die mit freudigem Herzen in den Tod gehen, wobei sie Visionen der himmlischen Huris sehen, die ihnen zurufen und Zeichen geben.“

Tatsächlich werden die Huris als ständig auf den Schlachtfeldern des Jihad präsent dargestellt, die ihre Möchtegern-Liebhaber locken; sie sollen in ihre Arme stürmen, indem sie in wilde Akte des „Märtyrertums“ betreiben. Das erweist sich aus der ersten militärischen Begegnung des Westens mit dem Islam, der schicksalhaften Schlacht von Yarmuk (636). Dort stieß ein Muslim auf einen gefallenen Kameraden „der zu Boden geschlagen worden war und ich sah, wie er seine Finger in den Himmel erhob. Ich verstand, dass er frohlockte, denn er sah die Huris“. Ein arabischer Stammesführer sagte seinen Männern, dass ein Frontalangriff auf die „christlichen Hunde“ synonym mit einem „Sturm in die Umarmung der Huris“ ist!

Die muslimischen Prediger hörten nicht auf die Kämpfer [in Yarmuk] anzuspornen: Bereitet euch auf die Begegnung mit den Huris mit den großen schwarzen Augen vor“, erklärte ein persischer Historiker im Mittelalter. „Und natürlich hat es nie einen Tag gegeben, an dem mehr Köpfe fielen, als am Tag von Yarmuk.“

Fast ein Jahrtausend später, am Abend vor der Plünderung von Konstantinopel im Jahr 1453, führten die osmanischen Türken ebenfalls die Huris ins Feld, um den Kampfgeist der Männer zu entfachen. Wanderderwische „besuchten die Zelte, um das Verlangen nach Märtyrertum und die Versicherung eine unsterbliche Jugend inmitten der Flüsse und Gärten des Paradieses und in den Armen der schwarzäugigen Jungfrauen [Huris] zu verbringen einzuflößen“. In der entscheidenden Schlacht von Mohacs 1526 besiegten siebzigtausend muslimische Invasoren – beschrieben als Anhänger des „Jihad und Märtyrertums“, erpicht auf „ein immerwährendes glückliches Leben“ mit „den Huris“ – das bis dahin mächtige Königreich Ungarn, bauten eine massive Pyramide aus Schädeln und kehrten mit hunderttausend Sklaven nach Konstantinopel zurück.

Von Anbeginn an haben westliche Beobachter die faszinierenden Auswirkungen auf den Sirenenruf der Huris bestätigt. Marco Polo (gest. 1324) erklärte, warum die Haschaschin (daher kommt das englische Wort „assassin“ – Attentäter/Mörder) oder Nizari-Ismailis, eine schiitische Sekte, nach der Ermordung ihres Zieles nicht flohen, sondern darauf warteten von den Garden oder Begleitern ihrer Opfer zergehackt zu werden: Sie waren erpicht darauf ins „Paradies einzutreten, wo jede Art sinnlicher Befriedigung zu finden sei, in der Gesellschaft schöner Nymphen [Huris]“.

In einem „interreligiösen Dialog“ zwischen Kalif Omar II. und Kaiser Leo III. schrieb letzterer: „Wir [die Christen] erwarten nicht dort [im Himmel] keinen Umgang mit Frauen zu haben, die für immer Jungfrauen bleiben“, denn „wir setzten keinen Glauben in solche dumme Erzählungen, die von extremer Ignoranz und Heidentum erzeugt sind.“ Aber „für euch, denen körperliche Laster gegeben sind und die ihr nie gewusst habt diese zu zügeln, ihr, die euer Vergnügen allem Guten vorzieht, ist das genau der Grund, dass ihr den Bereich des Himmels als wertlos betrachtet, ist er nicht mit Frauen bevölkert“, mit denen ihr Sex habt – ein Verweis auf die Huris.

Wenn Muslime, insbesondere mit salafistischer Überzeugung – praktisch alle Jihadisten sind Salafisten – die Welt des frühen Islam bewundern und ihr nacheifern, dann sollte es nicht überraschen, dass die Huris über die Eröffnungsanekdoten zu palästinensischer Indoktrination hinaus immer noch ihren Zauber wirken.

Zum Beispiel wurde Naa’imur Rahman, ein Muslim aus Nordlondon, „für schuldig befunden zu planen die Tore der Downing Street zu sprengen und Theresa May zu ermorden… motiviert war er davon nach dem Anschlag im Paradies Jungfrauen zu treffen, hörte das Gericht.“ Während der Diskussion mit einem Undercover-Polizisten sagte Rahman, er sei begierig „ihr [May] den Kopf abzunehmen, yeah“.

Ich will in den jannah [Himmel] gehen, wenn ich das mache. Ich will nicht zurückkommen. Ich will, dass sie mich töten, aber ich will einfach mein Ding tun, bevor ich getötet werde… Ich habe viel an die hur al-ayn [Huris] gedacht … Inschallah [so Gott will] werde ich sie bald treffen.

Vor der Schlacht um Mossul Ende 2016 sagte der „Kalif“ des Islamischen Staats Abu Bakr al-Baghdadi:

Alle [die im Kampf sterben] ohne Ausnahme werden als Märtyrer ins Paradies gehen. Darüber hinaus werdet ihr mit viermal so vielen Huris als andere Märtyrer ins Paradies eingehen. Denn genauso, wie ihr jetzt zu mir steht, so werden sie zu euch stehen – oder unter euch oder über euch – so dass ihr vergessen könnt, was euch an Gewalt, Tod und Erniedrigung in diesem Krieg zustoßen wird.

All das ist eine Erinnerung, dass die muslimische Denkweise und die Motivation hinter dem Jihad vielfältig und facettenreich sind – und sogar diejenigen einschließt, die gar nicht an Allah und das Leben im Jenseits glauben. Bedauerlicherweise scheinen das im Westen nur wenige zu begreifen. So sagte ein französischer Reporter, der den Islamischen Staat infiltrierte und einige Zeit dort verbrachte: „Ich habe nie irgendwas vom Islam gesehen. Keinen Willen die Welt zu verbessern“, nur „selbstmörderische“ Männer, die sich darauf freuen als „Märtyrer“ zu sterben, wie sie im erklärten, ihr „Weg ins Paradies“, wo „Frauen [Huris] auf uns warten“.

Bis westlich-säkulare Köpfe aufhören die eigenen ausschließlich materialistischen Weltanschauungssyteme auf die Jihadisten zu projizieren und anfangen die Anschauungen und Motivationen des Islam zu dessen eigenen Bedingungen zu begreifen, wird der Westen weiter den ältesten und einfachsten Ratschlag zur Kriegsführung ignorieren: „Kenne deinen Feind.“

 

Die Hagia Sophia und die Kathedrale von Córdoba: der Jihad-Faktor

Raymond Ibrahim, 7. August 2020

Was uns gehört, ist unseres und was dir gehört, ist auch unseres. Das ist eine der Hauptbotschaften von Muslimen nach der gerade erfolgten Entscheidung das Museum Hagia Sophia – ursprünglich als christliche Kathedrale gebaut und ein Jahrtausend lang genutzt – wieder in eine Trophäen-Moschee umzuwidmen.

Beachten Sie zunächst die jüngste und bewusste Darstellung der Eroberungssymbole und das allgemeine Gefühl islamischen Triumphalismus:

Der erste Tag der Gebete seit der Veränderung des Status der Hagia Sophia war letzten Freitag [24. Juli]. Tausende versammelten sich unter dunklen Vorhängen, die die einst glitzernden Mosaike mit der Darstellung Christi und der Jungfrau Maria abdeckten. Der oberste Imam des Landes, Ali Erbas, hatte ein Schert in der Hand, als er seine Predigt auf der Kanzel hielt. Auf Nachfrage hierzu sagte er: „Das ist eine Tradition in Moscheen, die das Symbol von Eroberung sind.“ Draußen versammelten sich Tausende, die griechenfeindliche Parolen skandierten. Zur Feier des Ereignisses wurden Gedenkmünzen gefertigt.

Statt diese Betonung des jihadistischen Charakters ihrer Religion abzulehnen (oder das zumindest vorzugeben), forderten ermutigte Muslime rund um die Welt die „Rückgabe“ anderer Bauten.

„Als Minimum“, sagte Scheik Sultan bin Muhammad al-Qasimi, einer der Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate, ein paar Tage nach der islamischen Annexion der Hagia Sophia durch die Türkei, „fordern wir die Rückgabe der Moschee von Córdoba [derzeit die Kathedrale von Córdoba in Spanien], die der Kirche gewährt wurde, da dieses Geschenk, das denen [den Christen] nicht gehört, die sie nicht verdienen.“

In ähnlicher Weise antwortete der türkische Historiker Mehmet Özdemir in einem Interview auf Papst Franziskus‘ immens knappe, gar zaghafte Überlegung zur Umwandlung der Hagia Sophia in einem Moschee – „Ich denke an die Hagia Sophia und ich bin sehr traurig“ – der Papst „sollte auch wegen der in Kirchen umgewandelte Moscheen während Al-Andalus Trauer fühlen“. Ein weiterer türkischer Historiker, Lüfti Seyban, bekräftigte denselben Punkt; er erklärte, es werde eine Ungerechtigkeit an den Muslimen der Welt begangen, dass ihnen nicht erlaubt wird da zu beten, was einmal die Große Moschee von Córdoba war, die heute als die katholische Kathedrale Mariä Aufnahme in den Himmel dient.

Die Botschaft ist klar: Wenn die Hagia Sophia, von der jeder weiß, dass sie vor tausend Jahren als Kathedrale gebaut und genutzt wurde, ohne unangefochten in eine Moschee umgewidmet werden kann – mit einem Schwert schwingenden Imam – dann sollte die Kathedrale von Córdoba, die ehemalige Große Moschee, wieder zu einer Moschee gemacht werden.

Aber war sie wirklich ursprünglich als Moschee gebaut worden, wie so viele behaupten, oder war auch sie ursprünglich eine eroberte Kirche?

In einem Interview zu dieser Frage im Catholic World Report bietet Darío Fernández-Morera, Dozent an der Northwestern University und Autor von The Myth of the Andalusian Paradise, viele Belege, die den Schluss untermauern, dass „die [Große] Moschee nicht nur an einer christlichen Stätte, sondern auch unter Verwendung von Material eines christlichen Gebäudes aus dem sechsten Jahrhundert gebaut wurde, das von Muslimen im neunten Jahrhundert zerstört wurde“.

Es lohnt sich, das ganze Interview u lesen, da es viele detaillierte Informationen zum historischen Umgang des Islam mit Kirchen bietet.

Wann immer muslimische Chroniken christliche Kirchen in Spanien erwähnen, dann nur, um sich mit ihrer Zerstörung oder ihrer Umwandlung zu Moscheen zu brüsten. Christliche Kirchen in Moscheen umzuwidmen ist während der muslimischen Eroberungen Standard-Praxis gewesen. Die berühmte Omajjaden-Moschee von Damaskus zum Beispiel wurde mit Material der großen griechischen Basilika Johannes der Täufer gebaut worden, die an der Stelle stand und die von den arabischen Eroberern niedergerissen wurde…

Die Ursprünge der Großen Moschee sind nicht anders.

Die christliche Basilika des Heiligen Vinzenz von Córdoba [gebaut im sechsten Jahrhundert] wurde vom gefeierten Omajjaden-Herrscher Abd-al-Rahman I. (731 bis 788) abgerissen, dessen Statuen jeden Ort im heutigen Spanien zieren. Mit ihrem Material ließ er die Moschee von Córdoba an derselben Stelle bauen.

Die Tatsache, dass die Große Moschee, wie so viele andere Moscheen, ursprünglich eine christliche Kirche war – und während der Reconquista wieder zu einer gemacht wurde – sollte jeglichen muslimischen Anspruch auf die Stelle in Córdoba zu den Akten legen. Dank eines inzwischen sehr bekannten Grundes ist das jedoch nicht der Fall. Fernández-Morera fährt fort:

Es überrascht nicht, dass die archäologischen und dokumentarischen Beweise [die die Ansicht bestätigen, dass die Große Moschee ursprünglich als die Basilika des Heiligen Vinzenz gebaut wurde] werden von Archäologen, die von der linken Stadtregierung Córdobas beauftragt wurde, von einem Archäologen des spanischen Centro Superior de Investigaciones Cientificas und der United Nations Educational, Scientific and  Cultural Organisation (UNESCO) zurückgewiesen, die nichts zugeben wollen, das den muslimischen Anspruch an der Kathedrale von Córdoba untergraben könnte. Sie befinden sich auf derselben ideologischen Seite wie diese Akademiker, die die Existenz einer Zurückeroberung bestreiten. Nichts darf zugelassen werden, das den Islam untergräbt…

Es ist wichtig im Gedächtnis zu behalten, dass die nicht angefochtene Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee nicht nur zu Forderungen angespornt hat die Kathedrale von Córdoba wieder zu einer Moschee zu machen; diese Forderung soll die islamische Übernahme der Türkei entlasten. Beachten Sie die Logik des türkischen Gelehrten Khalid Yacinen zu dieser symbolischen Beziehung:

Als Spanien die Muslime währender Inquisition vertrieb, verwandelte es die Große Moschee von Córdoba in eine Kathedrale, in der es Muslimen bis heute verboten ist zu beten… Die Türkei [andererseits] hat entschieden Muslimen zu erlauben in der Hagia Sophia Gebete zu sprechen. Das ist kaum vergleichbar damit, dass man in der Großen Moschee von Córdoba dafür verhaftet wird, etwas auf Arabisch zu sagen oder aus ihr eine Kathedrale zu machen.

Fernándes hingegen stellte fest:

Eine wahre Analogie zur Geschichte der Kathedrale von Córdoba wäre es, die Stätte der Hagia Sohia umzuwidmen und das Gebäude in das zurückzukehren, was sie vor der muslimischen Eroberung war, nämlich eine christliche Stätte mit einer der größten jemals gebauten Kirchen – der Basilika Hagia Sophia, Heilige Weisheit.

Mit anderen Worten: Die einzige echte Verbindung zwischen den beiden Gebäuden in Spanien und Konstantinopel besteht darin, dass sie beide von Muslimen erobert und umgewandelt wurden oder wie im Fall des Heiligen Vinzenz ausgeschlachtet und Moscheen daraus gemacht wurden. Während aus einer, der Hagia Sophia, vor kurzem eine Moschee gemacht wurde, womit der Triumph des Islam über „Ungläubige“ erneut kundgetan wurde, bleibt die andere ein Kathedrale – und das ist anscheinend nicht hinnehmbar, nicht nur für Muslime, sondern auch für die Linke, die auf der Leugnung und Umschreibung von Geschichte gedeiht.

Hagia Sophia: Türkische Märchen und Historische Fakten

Raymond Ibrahim, 15. Juli 2020

Millionen orthodoxer und andere Christen in aller Welt waren entweder schockiert, wütend und/oder traurig, als sie vor kurzem erfuhren, dass die Türkei gerade die Umwandlung des Museums Hagia Sophia – ursprünglich als orthodoxe Kathedrale gebaut und ein Jahrtausend lang so genutzt – in eine Moschee genehmigt wurde.

In einer langen Rede zur Begründung dieser Entscheidung, die er persönlich herbeiführte, sagte der türkische Präsident Erdoğan Folgendes:

Die Eroberung Istanbuls [Konstantinopels] und die Umwandlung der Hagia Sophia [Griechisch für „Heilige Weisheit“] in eine Moschee gehört zu den glorreichsten Kapiteln der türkischen Geschichte. Am 29. Mai 1453 betrat der [osmanische] Sultan Mohammed II. die Stadt nach einer langen Belagerung und begab sich direkt in die Hagia Sophia. Als die Byzantiner im Inneren der Hagia Sophia voller Angst und neugierig ihr Schicksal erwarteten, betrat Mohammed die Hagia Sophia, versicherte den Menschen, dass sie ihr Leben und ihre Freiheiten behalten würden… Dann sagte er den ersten adhan [Gebetsruf] auf. Damit beurkundete er seine Eroberung. Dann führte er in einer Ecke der Hagia Sophia zwei Dankbarkeits-Kniefälle aus. Mit diesem Schritt demonstrierte er, dass er die Hagia Sophia zu einer Moschee gemacht hatte… Die Kuppeln und Wände dieses großartigen Ortes der Anbetung schwangen seitdem 481 Jahre lang mit Gebeten und tabirs [„Allahu Akbar“-Rufen] mit [bis sie 1934 zum Museum wurde].

Eine solch andächtige Nacherzählung  ist nur geringfügig hagiographischer als die Haltung führender türkischer Historiker wie Professor Selim Akdogan. Auf Al-Jazira bestand er kürzlich darauf, dass Sultan Mohammed die Hagia Sophia eigentlich von den eroberten christlichen Kirchgängern „gekauft“ habe.

Ist diese rosige Wiedergabe korrekt? Glücklicherweise müssen wir uns nicht auf türkische Propaganda verlassen; wir haben Primärquellen, die genau beschreiben, was die Türken und Sultan Mohammed nach der Eroberung Konstantinopels und seiner Hagia Sophia 1453 taten. (Alle in der folgenden Schilderung verwendeten Zitate wurden zeitgenössischen Quellen entnommen, zumeist von Augenzeugen, wie sie in Kapitel 7 von Sword and Scimitar dokumentiert sind.)

Als sie am 29. Mai 1453 erst einmal in der Stadt waren, „gaben die wütenden türkischen Soldaten kein Pardon“:

Als sie ihr Massaker veranstaltet hatten und es keinen Widerstand mehr gab, waren sie erpicht darauf zu plündern und durchstreiften die Stadt, stahlen, plünderten, töteten, vergewaltigten, nahmen Männer, Frauen, Kinder, alte Männer, junge Männer, Mönche, Priester, Menschen aller Arten und in allen Zuständen… Es gab Jungfrauen, die aus unruhigem Schlaf aufwachten und diese Räuber mit blutigen Händen und wutverzerrten Gesichtern über sich stehend vorfanden… [Die Türken] zerrten sie, rissen sie, entehrten sie, vergewaltigten sie an den Kreuzungen und ließen sie sich den furchtbarsten Verbrechen unterwerfen… Zarte Kinder wurden brutal von den Brüsten ihrer Mütter gerissen und Mädchen wurden erbarmungslos fremden und furchtbaren Einheiten gegeben und eintausend andere furchtbare Dinge geschahen…

Weil tausende Bürger geflohen waren und sich in der Hagia Sophia versteckten, bot die uralte Basilika eine exzellente Sklavlenernte, sobald ihre Türen mit Äxten aufgeschlagen waren. „Einer der Türken sah nach der gefangenen Person, die am wohlhabendsten zu sein schien, ein zweiter bevorzugte ein hübsches Gesicht unter den Nonnen… Jeder räuberische Türke war erpicht darauf seine Gefangene an einen sicheren Ort zu bringen und dann zurückzukehren, um sich einen zweiten und einen dritten Preis zu sichern… Dann konnte man lange Ketten Gefangener die Kirche und ihre Heiligtümer verlassen sehen, die wie Vieh oder Schafherden getrieben wurden.“

Manchmal bekämpften sich die Sklavenhalter bis zum Tod wegen „irgendeiner wohlgeformten jungen Frau“, auch wenn viele der letzteren es „vorzogen sich in die Brunnen zu werfen und zu ertrinken, statt den Türken in die Hände zu fallen“.

Nach dem sie die Hagia Sophia, eine der größten und ältesten Kirchen der Christenheit – zur Zeit ihrer Eroberung fast tausend Jahre alt – in Besitz genommen hatten, „betrieben die Invasoren alle Arten von Widerwärtigkeiten darin, machten sie zu einem öffentlichen Bordell“. Auf „ihren heiligen Altären“ inszenierten sie „Perversionen mit unseren Frauen, Jungfrauen und Kindern“, darunter mit „der Tochter des Großfürsten, die sehr schön war“. Sie wurde gezwungen „sichmit dem Kruzifix unter ihrem Kopf auf den Großaltar der Hagia Sophia zu legen und sich dort vergewaltigen zu lassen“.

Als Nächstes „paradierten sie das [Haupt-] Kruzifix [der Hagia Sophia] in verhöhnender Prozession durch ihr Lager, schlugen Trommeln vor ihm, kreuzigten Christus erneut mit Bespucken und Gotteslästerungen und Flüchen. Sie setzten ihm eine türkische Mütze auf und riefen spöttisch: „Seht, der Gott der Christen!“

Praktisch alle anderen Kirchen in der alten Stadt erlitten dasselbe Schicksal. „Die Kreuze, die auf den Dächern oder an den Wänden der Kirche angebracht waren, wurden herabgerissen und auf ihnen herumgetrampelt.“ Die Eucharistie wurde auf den Boden geworfen; heiligen Ikonen wurde das Gold genommen, sie wurden „auf den Boden geworfen und getreten“. Bibeln wurde die goldene oder silberne Beleuchtung genommen, bevor man sie verbrannte. „Ikonen wurden ausnahmslos den Flammen übergeben.“ Patriarchengewänder wurden Hunden auf die Hüften gelegt; Priestergewänder wurden auf Pferde gelegt.

„Überall war Unglück, jeder wurde von Schmerz berührt“, als Sultan Mohammed schließlich groß in die Stadt einzog. „In jedem Haus gab es Wehklagen und Weinen, Schreie an den Kreuzungen und Trauer in allen Kirchen; das Stöhnen Erwachsener und die Schreie der Frauen begleiteten Plünderung, Versklavung, Aufteilung und Vergewaltigung.“

Der Sultan ritt zur Hagia Sophia, stieg vom Pferd und ging hinein, „bestaunte den Anblick“ der großen Basilika. Nachdem sie von ihren Kreuzen, Statuen und Ikonen gesäubert war – Mohammed höchstpersönlich kippte ihren Hauptaltar um und trampelte darauf herum – befahl er einem Muezzin die Kanzel zu besteigen und „ihre abscheulichen Gebete erklingen zu lassen. Dann stieg dieser Sohn des Frevels, dieser Vorreiter des Antichristen, auf den heiligen Tisch, um seine eigenen Gebete von sich zu geben“, womit er „aus der Großen Kirche in einen heidnischen Schrein für seinen Gott und seinen Mahomet machte.“

Um seinen Triumph abzurunden ließ Mohammed die „elenden Bürger Konstantinopels“ während den abendlichen Feiern vor seine Männer schleifen und „befahl, dass zur Belustigung viele von ihnen in Stücke gehackt werden“. Der Rest der Bevölkerung der Stadt – volle fünfundvierzigtausend – wurden in Ketten gelegt, um als Sklaven verkauft zu werden.

So viel zu Erdoğans Behauptung, dass Sultan Mohammed „den Menschen ihrer Leben und Freiheiten versicherte“ oder dass die Hagia Sophia ordentlich „gekauft“ wurde.

Auf jeden Fall ist dies die Geschichte, die Millionen Türken rühmen. In den bereits erwähnten Worten Erdoğans, ihres Präsidenten: „Die Eroberung Istanbuls und die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee gehören zu den prächtigsten Kapiteln der türkischen Geschichte.“

Wenn Eroberung, unfassbare Gräueltaten und Vergewaltigungen, die Schändung der Kirchen – alle im Namen des Jihad begangen – „die prächtigsten Kapitel der türkischen Geschichte“ sind, dann fragt man sich, wie die Ruhmes-Zukunftspläne der Türkei aussehen.

Anmerkung: Zitierte Auszüge in der obigen Schilderung sind dem Buch Sword and Scimitar: Fourteen Centuries of War between Islam and the West, entnommen.

Wer war der muslimische Jesus?

Isaac Marshall, Jihad Watch, 25. Juli 2020

„Wer, sagen sie, dass ich bin?“, sind die ersten Worte des Videos des Emir-Stein Center über Isā, die islamische Version von Jesus. Allerdings sehen wir in diesem geschmacklosen Video ausschließlich Unterstellungen und Ablenkung durch Schwester Marianne Farina über das, was der Islam über Jesus denkt. Das ganze Video hindurch ist zu hören, wie sehr Jesus in der muslimischen Gemeinschaft verehrt wird. Das ist weit von der Wahrheit entfernt; sein Gedenken wird getrübt, sein Auftrag auf Erden entheiligt und seine Bedeutung gekapert.

Farina beginnt damit, dass sie Jesu Titel im Islam untersucht: „Geist von Gott, Messias, ein von Gott Gesegneter, Wort Gottes und prophetischer Botschafter Gottes.“ Der Titel „Messias“ (der u.a. in Sure 3,45 zu finden ist) verursacht dem Islam einige theologische Probleme. Der Titel wird im Koran siebenmal verwendet und obwohl er nicht definiert wird, wird er für niemanden sonst verwendet. Sure 10,94 gebietet den Muslimen: Und wenn du im Zweifel bist über das, was Wir zu dir niedersandten, so frage diejenigen, die vor dir die Schrift gelesen haben. Fürwahr, die Wahrheit ist zu dir gekommen von deinem Herrn; sei also nicht der Zweifler einer.“ Somit können wir uns ansehen, was die Christen im Evangelium, wie es damals existierte, in Bezug auf die Bedeutung des Messias verstanden. Das ist leicht zu sehen. Christen sehen Jesaja 9,6-7 als Erklärung für den Grund, warum Jesus der Messias ist, da hier prophezeit wird, dass ein Sohn geboren werden wird, der der allmächtige Gott ist. Das widerspricht Sure 112,3: Er zeugt nicht und ward nicht gezeugt.“ Damit widerspricht das christliche Verständnis des Messias der Lehre des Islam und Muslime werden im Koran angeleitet die Christen über Dinge hinzuzuziehen, die in der islamischen Offenbarung in Zweifel stehen.

Marianne Farina sagt dann, Muslime würden glauben „Jesus ist ein Prophet, dem eine besondere Botschaft gegeben wurde, das Evangelium, Injil.“ Auch das verursacht dem Islam ein Problem. Das Evangelium, dessen Wahrheit in Sure 3,3-4 bestätigt wird, widerlegt den Islam und Mohammed, indem erklärt wird, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der den Koran wiederholt bestreitet. Um daraus Sinn zu machen müssen Muslime argumentieren, dass sowohl das Evangelium als auch die Torah entstellt worden sind, obwohl kein Vers im Koran dies über das eine wie das andere sagt und es keine historischen Belege für Verfälschungen gibt. Darüber hinaus bedeutet Verfälschung, dass der gesamte unterstellte Auftrag „des Propheten“ Isā ein solcher Fehlschlag war.

Marianne Farina legt dann nahe, dass das Evangelium das Kommen Mohammeds weissagte. Dass ein Christ sagt oder auch nur anerkennt, es bestehe die Möglichkeit, dass dieses Argument legitim sei, ist unfassbar. Die Idee stammt ursprünglich aus Sure 7,157, wo Allah erklärt: Die folgen dem Gesandten, dem Propheten, dem Makellosen, den sie bei sich in der Thora und im Evangelium erwähnt finden.“ Das beweist, dass die Autoren dieses Abschnitts nicht glaubten, dass die Bibel verfälscht war; diese Idee kam später, um zu versuchen den Widerspruch zwischen dieser Äußerung und der Ablehnung der christlichen Theologie durch den Koran zu übertünchen. Denn Muslime, die dem Koran gehorchen und das Evangelium hinzuziehen, werden entdecken, dass Jesus kein Prophet war und in der Tat behauptete Gott zu sein und gekreuzigt wurde.

Dieser Abschnitt macht es Muslimen auch zur Aufgabe Mohammed in der Bibel zu finden. Dementsprechend hat es einige lächerliche Versuche gegeben Mohammed sowohl im Alten wie im Neuen Testament aufzutreiben, beispielsweise 5. Mose 18,18, Hohelied 5,16 und Johannes 14,6, aber alle schlagen jämmerlich fehl. Wenn Schwester Farina aufrichtig glaubt, dass der Islam auch wahr ist, sollte sie erklären, wo sie behauptet Mohammed in der Bibel gefunden zu haben. Vielleicht wollte sie sagen, dass dies im Islam geglaubt wird, aber die Art, wie sie es ausdrückte, lässt es anders erscheinen. Das war überraschend, auch angesichts der langen Liste an Christen in Videos des Emir-Stein Center, die auf den Propheten des Islam als „Der Prophet Mohammed“ verweisen.

Farina sagt dann weiter, dass Jesu Lehren und Ethik in den Hadithen zu finden sind, aber diese Abschnitte verblassen zur Bedeutungslosigkeit neben der gewaltigen Anzahl widerlicher, unmoralischer und nach christlichen Standards satanischer Lehren Mohammeds, die auch in den Hadithen aufgezeichnet sind. Wichtiger ist noch, dass die Abschnitte, auf die Farina verweist, im Vergleich zu Allahs direktem, perfekten, unveränderbaren, ewigen, perfekt erhaltenen Wort im Koran irrelevant sind.

Schwester Farina gibt zu, dass der Islam nicht glaubt, dass Jesus Gott ist, auch nicht an das christliche Konzept der Ursünde oder folglich daran, dass Jesus ein Retter ist oder jemand, der die Menschheit erlöst. Hier stößt sie auf eine Goldgrube, ohne es zu merken. Ohne diese Konzepte von Jesus wie er war oder behauptete zu sein: Wie viel von Jesus steckt wirklich in den islamischen Quellen? In den heiligen Büchern des Christentums ist Jesus der Fleisch gewordene Gott, der auf die Erde kam, um die Sünden der Menschheit zu sühnen. Warum also behauptet Farina, wenn ihm das genommen ist und er als sterblicher Mensch vorgestellt wird – und noch dazu als Gescheiterter – immer noch, dass der Islam Jesus respektiert?

Zur Kreuzigung führt Farina detailliert aus, dass der Islam nicht glaubt, dass Jesus gekreuzigt, sondern von Allah ins Paradies aufgenommen wurde. Interessanterweise passt diese Sichtweise nicht ganz in die islamische Sicht, wenn wir annehmen, dass Marianne Farina diese Himmelfahrt vor die Kreuzigung legt. Das würde das „Zeichen des Jona“-Argument von Ahmed Deedat und Zakir Naik komplett entkräften, aber das werden wir ignorieren. Eine der nichtmulismischen Lieblingsquellen beim Argumentieren gegen Christen in einem einmütigen Feld an Gelehrten und Historikern, Dr. Bart Ehrman, beschreibt die Kreuzigung als „historische Gewissheit“.

Abgesehen von einigen irrelevanten Zitaten berühmter Muslime aus der Geschichte ist Farinas letztes wichtiges Argument in diesem Video, dass „es zwar stimmt, dass die islamische Tradition zu Jesus sich von katholischer Lehre unterscheiden, es aber auch stimmt, dass wir einige gemeinsame Überzeugungen und Liebe teilen“. Ihre Beispiele sind: beide Religionen glauben an die Jungfrauengeburt, beide haben großen Respekt für die Geheimnisse von Gottes Wort unter uns und beide teilen eine Liebe für Jesus und eine Bereitschaft aus seinem Leben und Lehren zu lernen.

Die zweite und die dritte Behauptung sind höchst tendenziös. Sie sind beide trügerisch in der Formulierung der Redewendungen „Gottes Wort“ und „eine Bereitschaft aus seinem Leben und Lehren zu lernen“. Wenn Gottes Wort und Jesu Leben und Lehren in Islam und Christentum völlig unterschiedlich sind, wie kommt es zu diesen Übereinstimmungen? Der Denkfehler dieser Zweideutigkeit zwischen dem Jesus des Christentum und dem historischen Jesus und dem Isā des Islam wird von Sprechern der Muslime in der Regel verwendet, um für Christen den Islam attraktiv zu machen; es ist schockierend eine katholische Nonne zu erleben, die denselben gefährlichen Trick anwendet. Das Wort des Gottes der Christenheit und das Wort des Gottes des Islam sind völlig gegensätzlich. Ich könnte argumentieren, dass Muslime „Isā“ nicht einmal lieben, aber auf jeden Fall lieben sie nicht den Fleisch gewordenen Gott, den Jesus des Christentums.