Aus Menschlichkeit: Je suis Hebron

Barbara Sofer, The Jerusalem Post, 9. Juli 2016 (übersetzt von Cora)

Bestimmt können selbst jene, die Familien wie den Ariels die Schuld geben, weil sie in den biblischen Hügeln von Hebron leben, sehen, wo in dieser Geschichte das Böse ist.

In der Nacht vor ihrem Tod tanzte Hallel Jaffa Ariel in der Grundschule meiner Enkelin in Jerusalem.

Halleli, wie sie ihre Eltern zärtlich nannten, ging nicht in Jerusalem zur Schule. Harikud, das Zentrum für Tanz in Kiryat Arba/Hebron, geführt von Esther Marom, ist so gut, dass es Lehrer in die größeren Städte exportiert, sogar nach Jerusalem mit seinen Musikhochschulen und hochgepriesenen Tanzprogrammen.

Um die Darstellung zum Jahresabschluss der Tänzer der örtlichen Grundschule aufzuwerten, kam die Gruppe zu dieser Jahresabschlussgala. Die älteren Mädchen dienten dabei als Vorbilder, die zeigten, wie weit man kommen kann, wenn man übt.

Sie erfreuten Mütter und Großmütter, die gekommen waren um ihren kleinen Familienangehörigen zu applaudieren und nun diese kunstvolle und faszinierende Vorstellung der Tänzerinnen aus Hebron geboten bekamen.

Aus Kiryat Arba/Hebron? Sicher zeigten sie Kriegstänze mit Szenen von heraus gerissenen Olivenbäumen? Nichts dergleichen. Ausgefallen, sparsam, emotional. Wohlüberlegte Hebungen und Senkungen der Arme. Neigungen des Kopfes. Sparsam, mit emotionaler Intensität, Licht und Schatten erobernd, ein Band zwischen irdischem und der Spiritualität knüpfend. Selbstbewusst aber bescheiden. Vollkommen und ermutigend.

Am Morgen nach der Aufführung schlief Hallel aus. Wer von uns erinnert sich nicht an den tiefen Schlaf zu Beginn der Sommerferien? Sie hatte ihrem Vater, einem Winzer, versprochen, später am Vormittag zu helfen.

Ihre Eltern waren fortgefahren um Hallels jüngere Schwestern zu ihren Tagesaktivitäten zu bringen.

Muhammad Nasser Tarayrah, 17, erwachte am frühen Morgen in der Nachbarstadt Bani Naim. Größer als Kiryat Arba, dem jüdischen Teil Hebrons, hat Bani Naim 20.000 Einwohner, die meisten kamen während des britischen Mandats. Es ist ein Handelszentrum und wahrscheinlich liegt hier der biblische Lot begraben.

Die Jugendlichen haben Handys und Computer.

Die Stadtverwaltung hat eine Seite bei Facebook.

Es gibt keinen elektrischen Sicherheitszaun um Bani Naim. Mohammed untersuchte den, der Kiryat Arba umgibt und setzte den Alarm außer Betrieb. Das nächste Haus ist Teil eines kleinen Weinbaubetriebs. Mohammed kletterte hinein. Er schloss sich ein. Das einzige Geräusch war das ruhige Atmen einer 13jährigen.

Wovon träumte Hallel? Im Jahr ihrer Bat Mitzwah traf sie sich monatlich mit einer Frau, von der ihrer Mutter dachte, diese hätte einen entscheidenden Einfluss auf die Welt und könnte ihren Horizont erweitern. Manche sagten, sie wolle Tänzerin werden, andere Ärztin, wieder andere Zoologin, wenn sie erwachsen ist.

Hallel wird niemals erwachsen. Weil ihre Träume mit denen Mohammeds kollidierten.

Sein Traum, von seiner Facebookseite: „Es betrifft ein Krankenhaus + ein Bett und einen Arzt, der sagt: Wir haben einen Patienten verloren.“

Seine Nachricht drückt seine Verehrung für seinen Freund und Cousin Yousef aus, der bei dem misslungenen Versuch, Soldaten mit seinem Auto zu überfahren, erschossen wurde.

Er folgte dem Geräusch des Atmens und fand Hallel, allein und schlafend.

Wieder und wieder tauchte er sein Messer in sie.

Die Sicherheitsbrigade, mit ihrem Vater Amichai, kam Minuten später.

Mohammed kämpfte mit den Männern, doch sie konnten ihn überwältigen. Mohammed wurde mit dem blutigen Messer in seiner Hand getötet. Nun wird er zu einem geheiligten Märtyrer erklärt, wie sein Cousin.

Hallel wurde eiligst ins Krankenhaus gebracht. Die Ärzte schüttelten die Köpfe. Sie hatten einen Patienten verloren.

Bestimmt können selbst jene, die Familien, wie den Ariels die Schuld geben, weil sie in den biblischen Hügeln von Hebron leben, sehen, wo in dieser Geschichte das Böse ist.

Auch solche, die leichtherzig den radikalen Islamismus, dem wir Israelis ins Gesicht schauen, weil wir an unserem Anspruch auf dieses Land festhalten, wegwischen, müssen etwas für diesen kleinen Teenager empfinden, ihre braunen Haare auf dem Kissen, geweckt durch den Horror des ersten Messerstichs.

Je suis Hebron.

Die meisten von uns Juden sind tatsächlich aus Hebron.

Nach der Niederlage Shimon Bar Kochbas im Jahre 135 wurden wir vertrieben, auf dem Sklavenmarkt von Hebron verkauft, von den Römern verschickt um den Europäern zu dienen und sie zu belustigen.

So schreibt Heinrich Graetz in der `Geschichte der Juden´: „Von den Jugendlichen über 17 Jahre wurden die größten und hübschesten für den römischen Triumphzug ausgewählt, während die übrigen in die Minen geschickt wurden um dort für den Rest ihres Lebens zu schuften; oder sie wurden in die römischen Provinzen verbracht, um dort ihren Teil zu den Kämpfen in den Arenen beizutragen.

Jugendliche unter 16 Jahren und die meisten weiblichen Gefangenen wurden zu unglaublich niedrigen Preisen verkauft, denn der Markt war übersättigt. Welch grausame Szenen mussten von den Unglücklichen erlebt und durchlitten werden.“

Doch es gab eine Quelle der Hoffnung: die jüdischen Gemeinden in der Diaspora. „Ihnen blieb tatsächlich ein winziger Hoffnungsstrahl. Möglicherweise würden sie in eine römische Stadt gebracht, in der es auch eine jüdische Gemeinde gab. Ihre eigenen Leute würden sicherlich jeden Preis bezahlen um ihnen die Freiheit zu erkaufen und würden sie mit brüderlicher Liebe umgeben.“

Auch heute rufen wir nach unseren Brüdern.

Aber wir haben noch eine andere Quelle.

1893 schrieb Graetz: „Unter den Ruinen Jerusalems und des Tempels lagen die letzten Reste von Judäas Unabhängigkeit.“

Wir hielten an unserem Traum fest, zurück zu kommen. Wir belebten die Unabhängigkeit wieder und bauten einen Staat auf, auf den wir stolz sind.

Es gibt keinen Grund für Terrorismus!

Wenn ihr das nächste Mal versucht seid, den Terrorismus, dem wir uns als angeblich natürliche Nebenerscheinung unserer Existenz gegenüber sehen, klein zu reden – denkt an Halleli. Nicht alle Träume haben den gleichen Wert.

Je suis Hebron.

Das Ende des palästinensischen Nationalismus

Wenn eine Bewegung in einem Todeskult versinkt, wird es Zeit unsere Annahmen darüber zu überdenken

Liel Leibovitz, Tablet Magazine, 5. Juli 2016 (übersetzt von Cora)

Mit den ermordeten Israelis in dieser Woche – der 13jährige Hallel Ariel, die im Schlaf erstochen wurde oder Michael Mark, dem 10fachen Vater, der in die Schläfe geschossen wurde während seine Frau und Kinder neben ihm saßen – ist es auch an der Zeit den aufgeblähten Leichnam der palästinensischen Nationalbewegung zu begraben. Eine Sache, die einst die Sympathien aller gerechter und fühlender Menschen an ihrer Seite hatte, verändert sich zunehmend in einen Schrei, der nur noch von Wilden und  Verwirrten gehört wird.

Wie konnte das passieren? Wie alle Fragen dieses Ausmaßes, beinhaltet auch diese eine ganze Menge. Man könnte pragmatisch argumentieren und sagen, es sei Israels Schuld, dass die unerbittliche Politik des jüdischen Staates und seine Unterstützung für die Siedlungen die fragilen Palästinenser in die Verzweiflung treiben. Man könnte essentialistisch argumentieren und sagen, dass es nun mal in der arabischen Natur läge, die Juden zu hassen. Es gibt keinen Mangel an guten Beispielen und alle beinhalten ein Körnchen Wahrheit. Aber keine erklärt, warum der 17jährige Mohammed Nasser Tarayrah grinsend ein Selfie von sich machte um dann sein luxuriöses zweistöckiges Zuhause in Bani Naim zu verlassen, zu Ariels Haus in Kiryat Arba hinüber zu schlendern, ihren friedlichen Schlaf nach einer anstrengenden Tanzaufführung am Abend zuvor zu beobachten, um sie dann mit einem Küchenmesser abzuschlachten. Nichts kann erklären warum Tarayrahs Mutter und Schwester den Mörder als Helden feiern, der sie stolz macht. Das ist kein Nationalismus, das ist schierer Wahnsinn.

Und erwartet nicht, dass die Vertreter der globalen Rechtschaffenheit dem große Aufmerksamkeit schenken werden. Die Welt, einerseits bewegt durch moralische Rechtschaffenheit, andererseits durch politische Notwendigkeiten, ist daran gewöhnt an zwei gegensätzlichen Erzählungen über die nationale Bewegung der Palästinenser gleichzeitig festzuhalten. Die erste – einige Versionen beinhalten auch israelische Rechte und Ansprüche, andere dagegen sind Israel gegenüber absolut feindlich – spricht von dem Recht des palästinensischen Volkes auf einen eigenen Staat. Die zweite spricht von dem Unrecht, das von beiden Seiten, Palästinensern und Israelis begangen wurde, was dazu führt, dass in den Köpfen höchst vernünftiger Leute, die nicht in die verwickelte Geschichte des Konfliktes den anderen zu vernichten, zutiefst involviert sind, folgendes entsteht: Unterdrückung führt zu Terrorangriffen, die wiederum zu weiterer Unterdrückung führt.

Der Zusammenprall von Erzählung A (die Palästinenser verdienen einen Staat) und Erzählung B (schlechte Handlungen auf beiden Seiten machen einen palästinensischen Staat immer unwahrscheinlicher) wird häufig von westlichen Reportern und Diplomaten wiederholt, normalerweise mit dem oberlehrerhaftem Zungeschnalzen wie dem „Kreislauf der Gewalt“. Wenn doch nur beide Seiten zur Vernunft kämen, so die gemeinsame Weisheit der globalen Eliten, wäre es wirklich einfach irgendeine Lösung zu finden und die Welt würde letztendlich ein etwas besserer Ort.

Aber was ist, wenn die Erzählungen über Richtig und Falsch tatsächlich untrennbar sind? Das ist es, was die Anführer der BDS-Bewegung glauben. Aus ihrer Sicht sind die Taten der Besatzer, die sie so verunglimpfen, kaum ein Unfall, denn das gesamte Gebiet des Palästina-Mandats gehört richtigerweise – durch überirdisches Recht und nicht nur durch internationales Recht und Verträge – den Arabern Palästinas. Kompromisse mit Zionisten sind Kompromisse, denen Unterdrückung und Unrecht innewohnen, die dadurch weitere Konflikte auslösen würden. Das moralisch Richtige und die politisch anhaltendste Lösung dafür ist es, den zionistischen Staat Israel ein für alle Mal zu eliminieren, auch wenn die Zionisten und ihre Anhänger das internationale Recht und die historischen Fakten vor Ort und die Protokolle es völlig anders sehen. Die wunderbare Eigenschaft der BDS-Position ist, dass sie alle Widersprüche durch Klarheit ersetzt: Zionismus ist schlicht und einfach, immer und ewig Besatzung.

Es wäre zu bedenken, ob die Anführer der BDS-Bewegung nicht über eine Wurzel des Konflikts gestolpert sind, eine Voraussetzung, welche die Menschen im Westen die die Zerstörung Israels ablehnen, auch beachten sollten. Vielleicht ist es nicht richtig, dass beide Seiten Recht haben. Vielleicht ist es nur ein Hausmittel, zu sagen, dass beide Nationalbewegungen das Recht auf ihrer Seite haben und zu sagen dass beide Seiten einfach schlechte Dinge tun eine falsche Erklärung für eine derartig komplexe Angelegenheit ist, die nur Leute beruhigt, die sich nicht wirklich mit der harten Realität um die Frage von Richtig oder Falsch stellen wollen. Vielleicht erzählt uns das Scheitern jahrzehntelanger mühevoller aber fruchtloser Bemühungen durch die gebildetsten Diplomaten, Kartographen und Unterhändler auf diesem Planeten, unterstützt von unendlichen Fluten von Bargeld, etwas sehr wichtiges: Dass es keinen Platz für zwei vollwertige Nationalbewegungen in diesem kleinen Splitter von Land gibt, auch wenn es in einer perfekten Welt besser wäre? Was wäre, wenn man so auf den israelisch-palästinensischen Konflikt schauen würde? Was dann?

Es ist tatsächlich unmöglich den zionistischen Traum der Gründung eines jüdischen Nationalstaates im biblischen Israel von der Verhinderung der nationalen Bestrebung jener Araber zu trennen, die vorher in diesem Gebiet unter den Türken lebten oder in großer Anzahl im frühen 20. Jahrhundert durch die wirtschaftlichen Aktivitäten der jüdischen Kolonisten angezogen wurden. In diesem Sinne hat die BDS-Bewegung natürlich Recht, dass der Zionismus den Nationaltraums der Palästinenser, sich des historischen Palästinas als ihre Heimstatt zu erfreuen, zerstört; auch wenn der Zionismus niemals – und er sollte es auch nie – beinhaltete, dass nichtjüdische Bewohner nicht die absolut gleichen Rechte wie die jüdischen Bewohner bezüglich Leben, Arbeit, Denken und Meinungsfreiheit haben sollten. Es ist völlig in Ordnung, dass einige Palästinenser diese Blockade als eine brennende Ungerechtigkeit sehen und den Zionismus als grausam und eine Belastung empfinden, ebenso wie es den Zionisten frei steht, die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat zu feiern und sich zu wünschen, dass all die Araber doch ihre Sachen packen und verschwinden würden. Ob dieses Problem nun im Gerichtssaal oder auf dem Schlachtfeld gelöst wird – diesen Streit kann tatsächlich nur eine Seite gewinnen.

Aus diesem Grund ist es an der Zeit die palästinensische Nationalbewegung als ein einheitliches Ganzes zu sehen, anstatt sich daraus Teile herauszupicken und zu wählen, um ein dem Westen freundliches Etwas zu konstruieren, welches man dann als möglichen Verhandlungspartner positionieren könnte  – die Gründe dafür sollten inzwischen jedem denkenden Menschen klar geworden sein – die dann absolut zu Nichts führen, weil sie auf einer Fantasie basieren die keinerlei Realität entspricht. Gibt es denn überhaupt einen spürbaren Unterschied in den Bestrebungen der Anführer der Hamas und denen der Fatah, die beide darin wetteifern, den unendlichen Strom von zombieähnlichen Mördern aufzuhetzen und zu vergöttern, die dann Juden, wo immer sie sie finden, ob in den Siedlungen oder an den Stränden von Tel Aviv oder Haifa, ermorden. Diese Mörder und die Anführer, die sie aufstacheln sind nicht von der palästinensischen Nationalbewegung zu trennen. Sie sind, wie die Mauerbilder und die Fernsehsendungen zu ihrer Verehrung zeigen, die Frontsoldaten der Bewegung und ihre ehrlichsten Vertreter.

Und das ist die eigentliche Katastrophe, der das palästinensische Volk dieser Tage gegenübersteht. Es gibt jede Menge Nationen, die von den Kolonisatoren in besetzten Ländern gegründet wurden – Amerika, Kanada, Australien, Neuseeland, ganz Südamerika kommen mir da sofort in den Sinn, und keiner der Europäer, der an diesen Orten eine neue Nation erschaffen hat, hatte auch nur den Hauch einer Verbindung zu dem Land, das er beschlagnahmt hat. Und es gibt einige Nationalbewegungen, die ihre Unterdrücker hinausgeworfen und ihre historische Heimat zurückgewonnen haben. Aber es gibt kein Beispiel an Nationen, selbst gescheiterte, die je durch einen Todeskult entstanden wäre. Und ein Todeskult ist es, zu dem die palästinensische Nationalbewegung geworden ist.

Um zu verstehen, wie das möglich wurde, gibt es kaum eine bessere Erklärung als die von Leo Strauss. In einer Vorlesung von 1941 wurde der Philosoph beauftragt zu erklären, was, zum Teufel, in seiner Heimat Deutschland passiert sei und wie an so vielen, anscheinend normalen, Menschen sämtliche vernünftige Gedanken über die geo-politischen Gegebenheiten abperlen und sie sich dem Todestanz Hitlers hingeben konnten. Die Antwort, die Strauss gab, ist erschreckend: Die jungen Nazis waren nicht so sehr begeisterte Antisemiten oder entschiedene Nationalisten, sondern vielmehr Nihilisten, die davon angewidert waren, dass ihre verschlossene Gesellschaft sich durch jedes Versprechen auf Fortschritt oder Wandel bedroht fühlte. „Ihr Ja“, schrieb Strauss, während der Gegenstand seiner Betrachtung noch im Aufwind war, „war unartikuliert – sie waren nicht in der Lage mehr zu sagen, als Nein! Dieses Nein belegt aber ausreichend die Einleitung zu einer Tat – der Zerstörung.“

Der palästinensische Geist der Verneinung ist gut dokumentiert, doch was jetzt entscheidend ist, ist etwas Neues, etwas, das die langweiligen Linien der internationalen Verhandlungen überschreitet und in die Herzen und Köpfe der Jugend einsickert. Das eins essentielle Nein, welches die palästinensische Politik seit Jahrzehnten begleitet hat, ist nun nach innen gewandert und findet keinen anderen Ausgang und kein anderes Ziel mehr, als bei den Juden nebenan. Antisemitismus hat etwas mit dem Schüren dieser Umnachtung zu tun, aber es ist nicht das eigentliche Wesen; eben sowenig wie das verzweifelte Sehnen nach einer palästinensischen Heimat. Der Aufstand, wie wir ihn jetzt erleben, ist tiefer gehend, hat eine eher ontologische Natur: Es ist der Aufstand einer relativ wohlhabenden Generation – nehmt zur Kenntnis, wie viele der Menschen, wie Tarayrah, aus begüterten und stabilen Familien kommen – die nach einer Bedeutung und Opferung suchen und es in der, enorm auf Ausgleich bedachten, Außenwelt nirgends finden. Und so erliegen sie stattdessen dem alles verzehrenden Feuer der völligen Zerstörung. Wir haben diese Woge schon einmal unter ähnlichen Umständen aufsteigen sehen, und wir werden sie wieder kommen sehen.

Es ist einfach zu argumentieren, Tarayrah und seine Zerstörungskameraden seien nur Jugendliche, die durch die ständige Flut von Hetze, wie sie in jeder Ecke der palästinensischen Kultur verbreitet ist, aufgestachelt wurden. Das stimmt schon, aber darin steckt die unheimliche Annahme, die auch die verrückten Moralisten vertreten, wenn sie belegen wollen, dass gewaltsame Videospiele oder Gangster-Rap zwangsläufig zu Schusswechseln auf den Vorstadtstraßen in Connecticut führen; nämlich dass Heranwachsende schwammartige Kreaturen seien, unfähig mehr zu tun als Gewalt in sich aufzusaugen,  um dann los zu spurten und diese Gewalt in die Tat umzusetzen. Es ist eben leichter das gehörnte Vieh der Mythologie,  also die Besatzung, weiter zu beschuldigen, als gäbe es keine anderen Gründe für junge Palästinenser, keine Hoffnung zu sehen – wie z.B. die Tatsache, dass die eigene Regierung eine der weltweit repressivsten und korruptesten ist – und diese Hoffnungslosigkeit notwendigerweise dazu führen müsste, ein Messer zu nehmen um damit schlafenden Kindern die Kehle durchzuschneiden.

Wenn wir jedoch diese Vereinfachung aufgeben und stattdessen anerkennen, dass die palästinensische Gesellschaft durch sehr viel gravierendere Probleme vergiftet wird, sind wir gezwungen einige schwierige Entscheidungen für uns zu treffen.

Als erstes müssten wir anerkennen, dass wir mit einem Todeskult anders umgehen müssen, als mit einer gesunden Nationalbewegung. Letztere sucht den Kompromiss. Diese belohnt Verhandlungen und wird seine Feinde beschwichtigen, indem sie reale oder symbolische Zeichen setzt, die beweisen, dass eine zukünftige Versöhnung möglich und erreichbar ist. Darum vergibt man ihr häufig Verfehlungen und ist bereit, weg zu schauen, selbst wenn sie mitunter die blutige Hölle entfesselt; was selbst den gutmütigsten und vernünftigsten Nationalbewegungen mitunter passiert. Ersterer dagegen giert nach nichts anderem als Zerstörung und er misst seine Siege mit der grausamen Arithmetik des Bodychecks und der Anzahl der Todesopfer. Mit ihm kann man nicht verhandeln. Dieser Kult kann nur gewaltsam aufgehalten werden. Bis dahin ist jeder Versuch so zu tun als sei eine palästinensische Nationalbewegung rentabel, einfach nur grotesk.

Das sollte keinen ernsthaften Beobachter der Geschichte nationaler Bewegungen erstaunen. Lest doch Herders Bemerkung, dass jede Art menschlicher Perfektion zuallererst eine Nation im Geiste ist, dann betrachtet den Westfälischen Frieden, der Europa in Nationalstaaten aufteilte, die alle auf der Basis der Selbstbestimmung aufgebaut wurden und sich dann in diplomatischen Zirkeln verpflichteten, um so Streitigkeiten beizulegen. Dann geht weiter zu den Unmengen von Bewegungen, die fürchterlich damit scheiterten, einen neuen Geist des Nationalismus zum Leben zu erwecken. Fragt die Moldawier oder Transnistrier über ihre Anstrengungen für eine Selbstbestimmung aus – und das ist nur in einer kleinen Ecke der Europas. Die Welt ist voll von gescheiterten Nationalbewegungen; aus welchem Grund auch immer müssen sie mit ansehen, wie sich ihre Träume in Gewalt oder Belanglosigkeit oder beides auflösten. Traurigerweise werden ihnen die Palästinenser nun Gesellschaft leisten.

Das wird Auswirkungen haben, sowohl für Palästinenser als auch die Israelis, aber wenn die Geschichte uns eins lehrt, dann dass man ein Nein nur mit einem gleich großen oder größerem JA begegnen kann, einem Geist der dem Tod mit einer lauten und enthusiastischen Lebensbejahung entgegentritt.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (24.-30. Juli 2016)

Montag, 25.07.2016:

Die Familie von Avra Mengistu (der von der Hamas im Gazastreifen festgehalten wird) und einige Aktivisten verzögeten, dass Verwandte von in einem Gefängnis einsitzenden Terroristen die Häftlinge besuchen können, indem sie die Zufahrt blockierten und Flugzettel an sie verteilten.

Dienstag, 26.07.2016:

Heckmeck:
– Der Generalsekretär der Arabischen Liga sagte zum Abschluss des Gipfels in Mauretanien, dass die Liga die französische Friedensinitiative unterstützt.

Mittwoch, 27.07.2016:

Im Verlauf der Aktion zur Festnahme der Mörder von Rabbi Michael Mark wurde eine Hochspannungsleitung beschädigt, was zu Stromausfällen im Gush Etzion führte. Dadurch bedingt fielen auch Wasserpumpen aus und die Einwohner hatten eine Zeit lang kein Wasser.

Der Chef von Gush Shalom schließt sich Jibril Rajoubs Forderung an israelische Fußballvereine aus Judäa und Samaria aus der israelischen Fußballliga auszuschließen, weil sie „auf palästinensischem Land agieren“. Sie benötigten die Erlaubnis der palästinensischen Fußballliga, um in Israel spielen zu dürfen und hätten diese nie beantragt.

Weitere „israelische Verbrechen“, die Araber gegen einander begingen

Elder of Ziyon, 21. Juli 2016

Die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur WAFA berichtet:

Dass ein palästinensisches Haus von verdächtigten israelisch-jüdischen Brandstifter im Dorf Duma bei Nablus in der nördlichen Westbank angezündet in Brand gesetzt wurde, stand in den Schlagzeilen der Titelseiten palästinensischer Tageszeitungen.

Al-Quds sagte, ein Palästinenserfamilie überlebte den Brandanschlag auf ihr Haus im Dorf Duma und dass [israelische] Siedler im Verdacht stehen den Anschlag verübt zu haben.

Al-Ayyam und Al-Hayat al-Jadida sagten, Siedler zündeten bei einem neuen Brandanschlag das Haus er Familie Dawabsche an.

Al-Ayyam berichtete, dass der palästinensische Kabinettsprecher Yousef al-Mahmud den Brandanschlag als „feige und brutale Tat“ scharf kritisierte.

Dieser war allerdings von Ortsansässigen verübt worden:

Ein Vertreter der israelischen Polizei sagte der Jerusalem Post, eine erste Ermittlung deutet an, dass der Vorfall nicht nationalistisch motoviert zu sein scheint, sondern das Ergebnis eines örtlichen Konflikts im Dorf ist. Der Vertreter fügte später hinzu, dass eine weitere Ermittlung die Ergebnisse der ersten Untersuchung bestätigte.

Am Tag davor zeigten die Nachrichten bei WAFA ein sehr ähnliches Verhalten:

Dass ein 12-jähriger Palästinenserjunge von israelischen Kräften bei Zusammenstößen in der Jerusalemer Stadt al-Ram getötet wurde, stand in den Schlagzeilen der Titelseiten der palästinensischen Tageszeitungen.

Die drei Tageszeitungen sagten, israelische Soldaten erschossen einen Palästinenser in der Jerusalemer Stadt al-Ram.

Doch wieder sieht die Wahrheit ganz anders aus:

Die israelische Polizeisprecherin Luba Samri sagte, israelische Streitkräfte eröffneten nie das Feuer. Israelische Grenzpolizisten waren in Al-Ram, um die Leiche eines verdächtigen palästinensischen Angreifers zurückzubringen, der bei einem Vorfall etwa eine Woche vorher getötet wurde, sagte sie.

Nach Samri warfen die die Protestierenden mit Molotowcocktails auf die Kräfte, die mit Tränengas- und Blendgranaten antworteten.

Die Palästinensermedien berichten die Wahrheit natürlich nicht. Sie verbergen gezielt die Fakten, um ihre Leser gut und böse auf Israel zu halten.

Eine legitime Mediengesellschaft sollte zumindest erwähnen, dass es eine andere Seite der Geschichte gibt. Aber die arabischen Medien halten keine journalistischen Standards ein und ihr Hauptzweck ist Propaganda und Aufhetzung, nicht die Wahrheit zu berichten.

Was bedeutet, dass jegliche legitime Nachrichtenorganisation, die palästinensisch-arabische Medien zitiert ohne den Vorbehalt zu erwähnen, dass sie keine journalistischen Standards einhalten, sich selbst und das Vertrauen ihrer Leser verrät.

Die UNESCO hat eine seltsame Definition für „Geschichte“

Elder of Ziyon, 10. Juli 2016

Die Times of Israel berichtet:

Das Welterbe-Komitee der Kulturorganisation der UNO soll über einen umstrittenen Resolutionsentwurf abstimmen, der die historischen Verbindungen der Juden zur Altstadt von Jerusalem und dem Tempelberg bestreitet und eine Rückkehr zum „historischen Status quo“ an der heiligen Stätte aufruft. Eine ähnliche Resolution wurde im April vom Leitungsgremium der Organisation verabschiedet, ein Schritt, der Israel wütend machte.

Ein überarbeiteter gemeinsamer palästinensisch-jordanischer Resolutionsentwurf zur „Altstadt von Jerusalem und ihren Mauern“ wurde dem 21 Mitglieder zählenden Komitee vorgelegt, das zu seinem jährlichen Treffen in Istanbul (Türkei) zusammenkommt. Der Text fordert eien Rückkehr des Tempelbergs und der Al-Aqsa-Moschee zum „historischen Status quo“, einem Status, der vor dem Krieg von 1967 bestand.

Die Formulierung des „historischen Status quo“ ist neu und war in der Resolution vom April nicht enthalten.

Die Wortwahl impliziert dass die anormale Situation in Jerusalem während der 19 Jahre von 1948 bis 1967 überhaupt nicht anormal war, sondern ein „historischer Status quo“.

Während dieser absurde Resolutionsentwurf jegliche jüdische Verbindung zum heiligsten Ort des Judentums auf dem Tempelberg bestreitet, könnte der Gebrauch des Wortes „historisch“ in Bezug auf die Zeit vor 1967 leicht dazu benutzt werden zu behaupten, dass jegliche jüdische Präsenz in der Altstadt eine Verletzung der Situation von 1948 bis 1967 war, als Jordanien sicherstellte, dass die Altstadt judenrein war.

Die PLO und Jordanien haben eine interessant schräge Definition für „historisch“. Immerhin existierten vor hundert Jahren weder Jordanien noch das palästinensisch-arabische Volk, wenn man sich die Mühe macht in irgendwelchen zeitgenössischen Zeitungsartikeln oder Büchern nach ihnen zu suchen.

Die Palästinenser benutzen den Begriff „historisches Palästina“ um sich auf die Grenzen des britischen Mandats zu beziehen, ein Gebilde, das weniger als drei Jahrzehnte bestand. Es gibt keine Landkarten des „historischen Palästina“, die vor 1920 diese Grenzen zeigen.

Übrigens: Wenn Ereignisse, die im 20. Jahrhundert stattfanden, „historisch“ sind, dann ist alles davor prähistorisch und irrelevant.

Der bewusste Missbrauch des Wortes „historisch“ ist ein Versuch das jüdische Volk ethnisch aus der Geschichte zu säubern – und den Wert der erst vor kurzem erfundenen jordanischen und palästinensisch-arabischen Völker aufzublähen.

Vielleicht sollte Israel eine Resolution einbringen, dass Jerusalem zu dem historischen Status quo zurückkehrt, wie es unter König Salomo war. Zumindest könnte das entlarven, wie die Araber versuchen die Welt an sich zu kapern.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (18.-23. Juli 2016)

Montag, 18.07.2016:

Die PA weihte gestern ein Denkmal ein – das einem Terroristen Ahmad Jabarah Abu Sukkar, der einen Bombenanschlag im Zentrum von Jerusalem geplant hatte, der 15 Todesopfer zur Folge hatte. An der Einweihung nahmen u.a. der Direktor der PLO-Kommission für Häftlingsangelegenheiten, die Gouverneurin von Ramallah und PA-Parlamentsmitglied Qais Abd al-Karim teil.

Letzte Woche ehrte die PA schon die Mörder einer Amerikanerin, bei dem sie die Reiseführerin Kay Wilson als ebenfalls tot zurückließen, die knapp überlebte; außerdem noch 4 weitere Terroristen, die 18 lebenslängliche Haftstrafen in israelischen Gefängnissen verbüßen.

Acht EU-Außenminister haben einen Beschwerdebrief an die Zivilverwaltung für Judäa und Samaria geschrieben. Dass Israel von der EU illegal in Area C gebaute Gebäude abreißt, ist nach Ansicht – auch des deutschen Außenministers – dem internationalen Recht nach illegal. Mit anderen Worten: Die EU maßt sich an illegal handeln zu dürfen, wenn das rechtlich korrekte Folgen hat, bezeichnet sie diese als illegal!

Der (arabische) Knesset-Abgeordnete Schawan Jabarin behauptet, Israel habe Arafat ermordet – obwohl er zugibt keinerlei Beweise dafür zu haben.

Dienstag, 19.07.2016:

Verteidigungsminister Liberman besuchte den Checkpoint Hizme, um Möglichkeiten zu erkunden das Leben für die PA-Araber zu erleichtern, die den Checkpoint täglich queren müssen. Das „Außenministerium“ der PA war darüber gar nicht glücklich und hetzte deshalb von einem Versuch das Apartheid-System zu verschärfen.

Der gestern bei Hebron angeschossene Terrorist erlag heute seiner Verletzung.

Die Hamas hat 3 Araber aus Rafah wegen angeblicher Kollaboration mit Israel zum Tode verurteilt, zwei weitere zu lebenslänglicher Haft.

Mittwoch, 20.07.2016:

Einmal mehr hat es in Duma gebrannt; 2 Molotowcocktails wurden auf ein Haus des Dawabsche-Clans geworfen, nachweislich nicht von Juden. Das war die mindestens 6. Brandstiftung an Häusern von Mitgliedern dieses Clans, was den Tod fast einer ganzen (Klein-) Familie im letzten Jahr in anderem Licht da stehen lässt.

Der Terrorist, der am Montag beim Versuch im Gush Etzion Soldaten zu erstechen angeschossen wurde, erlag heute seinen Verletzungen.

Syrische Rebellen behaupten, die israelische Luftwaffe habe eine Stellung der Regierungstruppen am Golan angegriffen, wo sich auch Hisbollah-Kämpfer befanden. Die Hisbollah bestreitet den Angriff, die Al-Nusra-Front habe zwei Raketen auf die Stellung geschossen.

Donnerstag, 21.07.2016:

Der Libanon beschwerte sich in einer Reihe Briefe beim UNO-Sicherheitsrat, dass Israel das Waffenstillstandsabkommen von 2006 ständig verletze. Botschafter Danon konterte: Seit 2006 hab Israel die Blaue Linie nicht ein einziges Mal überschritten; Beispiele für angeblichen Vertragsbruch Israels wiederlegte er, indem er zeigte, dass dort auf illegale Aktionen seitens des Libanon bzw. der Hisbollah reagiert wurde ohne libanesisches Gebiet zu verletzen. Zudem zeigte er auf, dass der Libanon seinerseits die Bedingungen des Waffenstillstands seit 10 Jahren nicht einhält.

Heckmeck:
Ägyptens Präsident al-Sisi gekräftigte, dass sein Land den Friedensprozess zwischen Israel und den PA-Arabern wieder in Gang bringen will. Netanyahu hatte die Initiative schon begrüßt.
– Der französische Präsident Hollande traf sich in Paris mit Mahmud Abbas und gab seiner Sorge um die „Zerbrechlichkeit“ der Lage im Nahen Osten im Kontext der Gewalt Ausdruck. Wie der letzte Bericht des „Quartetts“ feststellte, sei die Zweistaatenlösung wegen der fortgesetzten Siedlungstätigkeit gefährdet und es gebe eine dringende Notwendigkeit eine politische Perspektive zu schaffen. (Kommentar: Völliger Blödsinn; was die Zweistaatenlösung verhindert ist die arabische Alles-oder-nichts-Haltung gepaart mit dem arabischen Terror! Davon hören wir von Holland aber wieder mal gar nichts!)

Freitag, 22.07.2016:

Sommerlager der Hamas im Gazastreifen: Training/Ausbildung für den Jihad, Märtyrertum (MEMRI-Video).

Samstag, 23.07.2016:

Der PA-Journalist Daoud Kattab (er ist recht bekannt und hat schon Preise gewonnen) versucht zu „beweisen“, dass es in palästinensischen Schulen und Medien keine Aufstachelung gegen Juden/Israelis und zu Terroranschlägen gibt. Das sei „wissenschaftlich widerlegt“. Welche „Wissenschaftler“ das wiederlegt haben sollen, schreibt er natürlich nicht. Und Palestinian Media Watch und MEMRI (oder Elder of Ziyon) sind auch alle nicht existent. Und dass PA-Offizielle höchstselbst das schon stolz beschrieben haben, liegt auch völlig außerhalb seines Wahrnehmungsbereichs.

Die Hamas macht die Terrortunnel zum Jahrestag des Kriegs aus 2014 mit Israel zur „Touristenattraktion“: Es gibt geführte Touren durch Tunnel mit Waffenausstellungen.