Warum sorge ich mich nicht um die Palästinenser?

John Derbyshire, 9. Mai 2002

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine provozierende Stellungnahme, die nicht geteilt werden muss (die ich so auch nicht teile), die aber in ihrer Offenherzigkeit und Ehrlichkeit sicher einige sehr bedenkenswerte Punkte aufzählt, die man sich zu Herzen nehmen sollte.

 

Warum sorge ich mich nicht um die Palästinenser? Es ist natürlich falsch von mir, mich nicht zu kümmern. Es kann nicht gerade lustig sein, ein Palästinenser zu sein. Ihr oder eure Eltern oder eure Großeltern liefen im Krieg von 1948 um ihr Leben. Ihr – und/oder sie, daneben eine Generationen von Onkeln, Tanten, Geschwistern und Cousins – seid seitdem in verwahrlosten Flüchtlingslagern zusammengedrängt worden und lebt von Gaben der UNRWA. Es gibt keine Wirtschaft, die es wert ist, an ihr teilzuhaben. Eure Führer gewannen für euch in Oslo eine Art von stückweiser, halbherziger Autonomie, aber die funktionierte nicht, ihr wisst nicht genau, wieso. Nichts wurde wirklich besser und die Israelis haben sowieso alles zerschlagen. Die anderen Araber hassen euch (eine wenig bekannte Tatsache des politischen Lebens des Nahen Ostens, die aber von meinem Kollegen David Pryce-Jones bestätigt wurde, der die Araber besser kennt als jeder andere). Die Lage sieht schlecht aus und ihr seid in Verzweiflung versunken. Sollte ich mich nicht um euch sorgen?

Sicher, persönlich sympathisiere ich in diesem Konflikt mit Israel. Das ist mein Recht als frei denkender Mensch. Ich bin aber doch ein Christ, nicht wahr? Sollte ich nicht etwas christliches Erbarmen für die armen, leidenden Palästinenser haben? Fragen Sie nicht, wem die Stunde schlägt usw., usw.

Nun, ich denke, ich sollte das haben, aber um ehrlich zu sein: Ich habe das nicht. Warum nicht? Warum mache ich mir keine Sorgen um die Palästinenser? Die Antwort ist KEINE der folgenden:

* Ich dusche gerne mit Juden.
* Palästinenser haben dunkle Haut und ich bin Rassist.
* Mein ursprünglicher Name war Derbstein.
* Mein britisches Blut kocht vor Scham wegen des verlorenen Empire.
* Ich bin ihr Lakai oder versuche mich bei den Juden einzuschmeicheln, die die US-Medien beherrschen.
* Ich bin ein grausamer, hartherziger Frömmler.

Die Antwort ist auch nicht gerade Mitleidsmüdigkeit. Das kommt der Wahrheit aber recht nahe. Ich bin mir eines gewissen Anteils an Mitleidsmüdigkeit in Bezug auf die Welt als Ganzes bewusst und das überträgt sich auf die palästinensische Sache.

Neulich hatte ich die deprimierende Erfahrung, nacheinander Stephen Kotkins wunderbar betiteltes „Mülleimerstan“ in der New Republic vom 15. April und dann Helen Epsteins „Mosambik: Auf der Suche nach der versteckten Ursache von AIDS“ in der New York Review of Books am 9. Mai zu lesen. Der erste Artikel war ein langer, verschachtelter Überblick über sechs Bücher zu den Schicksalen verschiedener Teilstücke der ehemaligen UdSSR in den Jahren seit diese zerfiel. Der zweite versucht zu entdecken, warum eine verschlafene, ländliche Region in Mosambik, die von einem freundlichen Völkchen bewohnt wird, das traditionell lebt, eine so hohe Rate an AIDS-Fällen hat.

Kotkins Überblick über die ehemaligen sowjetischen Kolonien – die Ukraine, Moldawien, die zentralasiatischen und kaukasischen Republiken usw. – ist haarsträubend. Grundsätzliche Merkmale der Landschaft dort sind schlimmster wirtschaftlicher Zusammenbruch, „bandenartige Gewalt unter den Staatsministern“, steigender Islam-Faschismus und die Flucht großer Teile der Bevölkerung. (Ein Drittel der arbeitsfähigen Bevölkerung von Moldawien ist geflohen. Ich habe gerade einen anderen Bericht über dieses unglückliche Land gelesen. Ein beispielhaftes Zitat: „Experten schätzen, dass seit dem Zerfall der Sowjetunion zwischen 200.000 und 400.000 Frauen in die Prostitution verkauft worden sind – vielleicht bis zu zehn Prozent der Bevölkerung.“) Kotkin schreibt wunderbar über diese entsetzliche Lage, die sich über die gesamten südlichen und westlichen Sümpfe der alte UdSSR erstreckt und beleuchtet seinen Bericht mit bemerkenswerten Einzeilern wie: „Die Ukraine hat ihren Staat bekommen und isst ihn auch auf.“

Helen Epsteins Stück über Mosambik erzählt von genauso schlimmen Zuständen. Das grundlegende Problem, entdeckte sie, ist dieses: „Diese Menschen sind so arm…, dass Sex Teil ihrer Wirtschaft geworden ist. In einigen Fällen ist er praktisch die einzige Währung, über die sie verfügen.“ Die Männer sind Monate lang weg um in den südafrikanischen Minen zu arbeiten – wo sie sich, natürlich, mit Prostituierten trösten. Die zurückgelassenen Frauen überleben so gut es geht – oft, indem sie die Geliebte eines der wenigen Männer vor Ort werden, die sich das leisten können. Warum sind sie alle so arm? Weil Mosambik von Korruption, Stammeskriegen und dummer Wirtschaftspolitik zugrundegerichtet worden ist.

Was für eine Welt! Man kann nur eine bestimmte Menge dieses Zeugs lesen, bevor man sich abzuwenden beginnt. Was in aller Welt kann jemand deswegen zu unternehmen hoffen? All die einfachen Erklärungen für die Schrecken, die einen großen Teil unseres Planeten beflecken, sind verbraucht worden. Wir wissen jetzt, dass es weder der Fehler der Kolonisation ist, noch des Neokolonialismus oder des Kapitalismus oder des Sozialismus. Es liegt einfach daran, wie diese Orte sind. Sie können mit der Moderne aus irgendeinem kulturellen Grund nicht umgehen, den wir nicht verstehen und mit dem wir nicht umgehen können.

Das ist der Zusammenhang, in dem ich die Palästinenser sehe. Die Palästinenser sind Araber und die Araber, was auch immer sie an mittelalterlichen Leistungen vollbracht haben (soweit ich das beurteilen kann, bestanden diese Errungenschaften hauptsächlich aus einem Weitergeben – „arabische“ Ziffern z.B. kommen aus Indien), sind politisch hoffnungslose Fälle. Wer kann das widerlegen? Schauen Sie sich die letzten gut 50 Jahre an, seit die Kolonialmächte abzogen. Was haben die Araber erreicht? Was haben sie aufgebaut? Wo in der arabischen Welt gibt es die Spur oder einen Funken von Demokratie? Von einer Verfassung? Von Gesetzen, die unabhängig von den Launen des Herrschers sind? Frei von Nachforschungen? Von öffentlicher Diskussion? Wo in unserem Haushalt gibt es einen Gegenstand, auf dem „Made in Syria“ steht? Araber können individuell sehr charmant und fähig sein und in freien Gesellschaften wie den USA gute Leistungen bringen. Es gibt mindestens zwei Nobelpreise der jüngeren Vergangenheit, die mit arabischen Namen verbunden sind. Kollektiv aber, als Nationen, sind die Araber ohne Hoffnung.

All das trifft auf die Palästinenser zu. Ich habe einige meiner prägenden Jahre in Hong Kong verbracht – einem öden Felsen mit Null natürlichen Ressourcen, unter fremder Besatzung, bis an den Rand gefüllt mit Flüchtlingen vor der Mao-Tyrannei. Die Menschen dort logierten nicht in UNRWA-Lagern oder machten Selbstmord-Abstecher zur Villa des Gouverneurs. Sie handelten, bauten, spekulierten, stellten Dinge her, arbeiteten – mit dem Ergebnis, dass Hong Kong heute eine glitzernde, moderne Stadt ist, gefüllt mit gut angezogenen, gut ausgebildeten, gut genährten Menschen, die stolz auf das sind, was sie gemeinsam erreicht haben und mit einem höheren Lebensstandard als die Briten ihn haben. Wenn, nach den Oslo-Vereinbarungen – oder auch in den 20 Jahren der jordanischen Besatzung – die Palästinenser diesen Weg eingeschlagen hätten, ihre Fantasien von Rache und Massaker beiseitegeschoben hätten und sich statt dessen auf den Aufbau von etwas konzentriert hätten, das es Wert ist, es zu haben, dann könnte ich Respekt vor ihnen haben. So, wie es ist, habe ich den nicht.

Das einzig halbwegs Sympathische, das ich über die Palästinensern sagen kann, ist, dass die UNRWA mit Sicherheit ein Teil des Problems gewesen ist. Wenn man auf die Internetseite der UNRWA geht, wird man erkennen, wie stolz sie sind, die palästinensischen Flüchtlinge seit 1948 mit Lebensmitteln versorgt, sie eingekleidet, ihnen ein Dach über dem Kopf, sie ausgebildet und versorgt zu haben… dann ihre Kinder… und ihre Enkelkinder. Die Zahl der Menschen, für die die UNRWA sorgt, ist von 600.000 im Jahre 1948 auf heute fast 4 Millionen angestiegen. Wie ich das verstehe, ist der Hauptimpuls einer Bürokratie und besonders einer Wohlfahrts-Bürokratie die Konsolidierung und Ausdehnung ihres Geltungsbereichs sowie eine ständiger Anstieg der Zahl ihrer „Kunden“; aber das ist unsinnig. Die guten Menschen von Hong Kong sollten jeden Abend auf Knien ihrem Gott danken, dass es in der Kolonie 1949 keine UNRWA gab. Da fällt mir ein: Dasselbe sollten die deutschen und osteuropäischen Flüchtlinge tun, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Westeuropa strömten. (Ich habe irgendwo die Zahl von 14 Millionen gesehen – die Sudetendeutschen allein waren 3 Millionen. Wo sind die Geschwüre, die man Lager nennt? Wo sind die Selbstmord-Bomber?)

Auch wenn ihr Leben nicht durch die Versorgung einer riesigen Wohlfahrts-Bürokratie vergiftet worden wäre, bezweifle ich, dass die Palästinenser sich zusammengerissen hätten. Keiner der Araber hat das gemacht. Wo immer man sich in der arabischen Welt umsieht, findet man Elend, Despotismus, Grausamkeit und Hoffnungslosigkeit. Politisch ist das Beste, das ihnen gelungen ist, die Art lateinamerikanischer Ein-Parteien-Kleptokratie in Ägypten und Jordanien. Das sind die Spitzen der politischen Erfolge der Araber in ihrer Unabhängigkeit, unter Regierung des eigenen Volks. Die Norm ist schlichtweg Gangstertum mit Banditen wie Assad, Gaddafi oder Saddam am Ruder. Es scheint nichts mit der Religion zu tun zu haben: die säkularen Staaten (Irak, Syrien) sind genauso schrecklich wie die religiösen wie Saudi Arabien. Für diese Leute gibt es keine Hoffnung. Wir sollen alle die Idee eines palästinensischen Staates unterstützen. Warum? Wir wissen ganz genau, wie das aussehen würde. Warum sollten wir uns einen weiteren Banditen-Willkürstaat wünschen, der der arabischen Sammlung der Beschämungen hinzu gefügt wird und sich damit beschäftigt Terroristen herzustellen, die hierher kommen und Amerikaner in ihren Büros abschlachten? Ich will keinen Palästinenserstaat haben. Ich denke, ich wäre verrückt, wenn ich das wollte.

Was sind eigentlich die möglichen Szenarien der palästinensischen Zukunft? Ich denke, das erschöpft sich in der folgenden Liste:

  1. Ein unabhängiger Staat unter Arafat oder einem gleichwertigen Gauner.
    2. Militärische Besatzung durch Israel.
    3. Rückeingliederung in eine jordanisch-palästinensische Nation.
    4. Eine Art UN-Treuhänderschaft.
    5. Ausweisung aus der Westbank und Gaza, die dann nach Israel eingegliedert werden.

Der erste Punkt ist das, was alle wollen sollen. Wie ich bereits angedeutet habe, möchte ich das nicht. Und ich kann auch nicht begreifen, warum das sonst jemand sollte. Außer den Palästinensern, denke ich: Wenn sie sich danach sehnen, von unmoralischen Ganoven regiert zu werden (was sie nach Umfragen anscheinend tun), dann, denke ich, haben sie ein theoretisches Recht, ihre Wünsche erfüllt zu bekommen – aber warum sollte der Rest von uns angesichts der Gefahren, denen uns das aussetzt, erlauben, dass das passiert? Der zweite Punkt könnte eine Zeit lang funktionieren, aber die Israelis würden über kurz oder lang die Nase davon voll haben und dann würden wir zu einer der übrigen Möglichkeiten übergehen. Punkt 3 würde uns auf die Pseudo-Stabilität von vor 1967 zurückwerfen, ist aber bei den Jordaniern äußerst unbeliebt – und schauen Sie sich an, was 1967 passierte! Bei Punkt 4 läuft den UNRWA-Bürokraten unzweifelhaft der Speichel, aber wie bei Punkt 1 kann man kaum etwas erkennen, das dem Rest der Welt etwas nützt. Stecken wir nicht schon genug Geld an Wohlfahrtszahlungen für unsere eigenen Leute?

Was dann nur Punkt 5 übrig lässt: Ausweisung. Ich beginne zu glauben, dass dies die beste Option ist. Ich bin dabei auch nicht der Einzige. Da gibt es Dick Armey, republikanischer Führer im Repräsentantenhaus, mit dem Chris Matthews in „Hardball“ sprach:

MATTHEWS: Gut, nur zur Wiederholung: Sie glauben, dass die Palästinenser, die jetzt in der Westbank leben, von dort weggehen sollten?

ARMEY: Ja.

Wenn ich von der „besten Option“ rede, dann meine ich nicht „die beste für die Palästinenser“. Ich glaube nicht, dass sie irgendwelche guten Optionen haben. Als Araber sind sie nicht in der Lage eine rationale Politik zu gestalten; ihre Zukunft ist also vermutlich hoffnungslos, egal, was passiert. Ihre Optionen sind die, die ich oben angeführt habe: von Gangstern regiert zu werden, von Israelis oder Jordaniern oder von Wohlfahrts-Bürokraten. Oder woanders zu leben, unter der gütigen Herrschaft ihrer arabischen Brüder. Würde die Ausweisung für die Palästinenser hart sein? Ich denke, das würde sie. Würde sie härter sein als die Optionen 1 bis 4? Das bezweifle ich. Gebe ich ein fliegendes Falafel für die eine oder andere Möglichkeit? Nein, nicht wirklich.

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Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (22.-28. Oktober 2017)

Dieser Eintrag wird auf der Seite oben gehalten; die sonstigen Einträge folgen darunter.
Eine Liste der täglichen terroristischen ‚Vorkommnisse‘ wird in den Friedfertigkeiten 2017 geführt.

Sonntag, 22.10.2017:

Die PA strich die Vorführung eines libanesischen Films, nachdem Aktivisten wegen der „Normalisierung“ des Regisseurs mit Israel zum Boykott aufforderten. Der französisch-libanesische Regisseur hatte es gewagt einen Teil seines Films in Israel zu drehen. Der Libanon hatte den Film verboten und den Regisseur zeitweise festgesetzt, sich aber auch entschieden ihn zum Wettbewerb bei den Oscars einzureichen.

Offizielle Vertreter des Verteidigungsministeriums sind der Meinung, dass die gestern auf den Golan geschossenen Raketen mit Absicht geschossen wurden. Es steht ihrer Meinung nach eine beträchtliche Eskalation dort bevor.

Montag, 23.10.2017:

Ein Moderator des PA-Fernsehens setzte Netanyahu mit Hitler gleich.

Mindestens 10 Mitglieder einer keinen Jihadistengruppe, die mit dem Islamischen Staat in Verbindung gebracht wird, wurden bei einem Luftangriff in Syrien getötet. Es besteht der Verdacht, dass der Angriff von der israelischen Luftwaffe durchgeführt wurde.

[Ein israelischer] Rückzug wird nicht funktionieren

Daniel Pipes/Jonahan Schanzer, Wall Street Journal, 15. April 2002

Es gibt die weit verbreitete Vorstellung, dass, wenn Israel nur seine Streitkräfte und Bevölkerung aus der Westbank und Gaza abzieht, die palästinensische Gewalt gegen die Israelis enden und Verhandlungen beginnen würden. Wofür würden sie schließlich sonst noch zu kämpfen haben?

In diesem Geist besteht die französische Regierung darauf, dass sich die israelische Armee „zurückziehen muss“. Präsident Bush sagte Israel, dass „die Besatzung durch einen Rückzug auf sichere und anerkannte Grenzen in Übereinstimmung mit den UN-Resolutionen enden muss“. Und keine geringere Persönlichkeit als UN-Generalsekretär Kofi Annan berichtet, dass „die gesamte Welt verlangt, dass Israel sich zurückzieht“.

Das hört sich gut an – allerdings nur, wenn man die Geschichte ignoriert. Wir haben diesen Film bereits gesehen und er hatte kein Happy End. Der Film heißt „Libanon 2000“ und wegen der Lehren, die er enthält, ist er es wert noch einmal erzählt zu werden.

1978 schickte Israel Truppen in den Libanon, um Angriffen auf den jüdischen Staat vorzubeugen. Diese Truppen verblieben dort fast ununterbrochen zwei Jahrzehnte lang und schützen den Norden hauptsächlich vor Angriffen durch die islamistische Hisbollah-Gruppe. Im Laufe der Zeit wurden die Taktiken der Hisbollah zunehmend tödlich und ausgeklügelt. Ihre Anschläge schlossen Doppelangriffe ein, bei denen Stoßtrupps aus kurzer Entfernung auf israelische Militärziele schossen, wobei das Feuer schwerer Artillerie sie aus Entfernungen bis zu 6km schützte. Oder Hisbollah schoss Sperrfeuer mit Katjuscha-Raketen auf Israels Bevölkerungszentren. Sie spezialisierte sich auch auf Straßenanschläge mit hoch entwickelten Antipersonen-Minen.

Diese Angriffe töteten durchschnittlich 25 Israelis im Jahr und belasteten die Moral. Im Februar 1997 änderten sich die Dinge vom Schlechten zum Schlimmeren, als zwei Transporthubschrauber, die Soldaten in den Südlibanon hinein und heraus brachten, miteinander kollidierten und alle 73 Mann an Bord starben. Vier israelische Mütter von gefallenen Soldaten hielten kurz darauf eine kleine Demonstration gegen die israelische Anwesenheit im Libanon ab, was eine Bewegung ins Leben rief, die durch das Land fegte. Die „Vier Mütter“-Organisation rief zum Rückzug aus dem Krieg auf, den viele Israelis mit der US-Erfahrung in Vietnam gleich setzten. Der öffentliche Druck baute sich bis zum Mai 2000 weiter auf, als Israel seine Truppen zurückzog und auf eine von der UNO anerkannte Grenze mit Libanon zurückkehrte.

Die Israelis setzten große Hoffnungen in den Rückzug; sie betrachteten ihn als ein Vorbild für arabisch-israelische Harmonie. Mach‘ es so, wie die Welt draußen es verlangt und mache dann klar, dass jeder zukünftige Übergriff hart bestraft wird. Die Regierung von Ehud Barak setzte Hisbollah (und ihre syrischen und iranischen Hintermänner) davon in Kenntnis, dass sie keine weitere Aggression tolerieren würde. Die Welt nickte Zustimmung. Die meisten Israelis glaubten sich glücklich und sicherer als vor dem Rückzug.

Um auf dieser Basis aufzubauen überzeugte Premierminister Ehud Barak im Juli 2000 Präsident Clinton, für einen Gipfel mit Yassir Arafat höchstpersönlich den Gastgeber zu spielen. In Camp David bot er noch nie da gewesene Zugeständnisse an und hoffte, die palästinensische Akte schließen zu können, wie die libanesische gerade geschlossen zu haben glaubte. Dumm nur, dass Hisbollah und die Palästinenser die entgegen gesetzte Lehre aus dem Rückzug zogen. Hisbollah prahlte, wie islamische Kräfte im „kleinsten arabischen Land“ dafür gesorgt hatte, dass Israel sich in „geschlagen und resigniert“ zurückzog.

Für Arafat gilt, dass er, statt vom guten Willen Israels inspiriert zu sein, dieses als schwach und demoralisiert ansah. Von Hisbollahs Erfolg angespornt, verloren er und die Politik seiner palästinensischen Körperschaft das Interesse an der Diplomatie und dem, was diese erreichen konnte – die partielle Erreichung ihrer (eigentlichen) Ziele. Statt dessen übernahm er der das Modell der Gewalt von Hisbollah, um einen vollständigen Sieg zu erringen.

Es war daher nicht überraschend, dass Arafat die wild-generösen Angebote von Herrn Barak glatt ausschlug und sich nicht einmal dazu herab ließ Gegenvorschläge zu machen. Natürlich bedeutet vollständiger Sieg in diesem Zusammenhang die Vernichtung Israels, nicht die Koexistenz zweier Staaten. Wie konnte Arafat weniger anstreben, als er dieses hübsche Angebot in Camp David ausschlug?

Und so nahmen die Palästinenser am 29. September 2000 die Gewalt auf, die immer noch anhält.

Nach eineinhalb Jahren dieses Krieges glauben die Palästinenser, dass ihr Feldzug erfolgreich ist. Er hat zwei Drittel mehr Israelis getötet als der Krieg von 1967. Eine kürzlich erfolgte Analyse der Washington Post erklärt, dass sie die Gewalt als das Mittel ansehen, mit dem das Ziel erreicht wird, „Israel in Furcht zu versetzen, es zu demoralisieren, seine Wirtschaft zu schädigen und es so zu schwächen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann es in die palästinensischen Forderungen einwilligt“. Die Palästinenser reden darüber, israelische Städte „als Eroberer“ zu betreten und sind sich sicher, (kurz) vor dem Sieg zu stehen.

Kurz gesagt: Als Israel dem Geheiß der Welt folgte und aus dem Libanon abzog, verringerte es auf katastrophale Weise seine Sicherheitslage. Ja, Herr Annan hieß das gut, aber wie gut war das angesichts eines wiederbelebten palästinensischen Feldzugs der Gewalt? In einer schlechten Nachbarschaft wie dem Nahen Osten bringt Kapitulation die hervor, die das Recht des Stärkeren ausüben.

Die Geschichte mit dem Libanon hält eine heftige Lehre für die bereit, die einen israelischen Abzug aus der Westbank und dem Gazastreifen suchen. Die geschichtliche Erfahrung deutet stark darauf hin, dass die Palästinenser eine solche Entwicklung als ein Zeichen dafür deuten würden, dass Israel unter Feuer klein bei gibt, was sie weiter ermutigt, ihrem ultimativen Siegespreis nachzujagen – der Vernichtung Israels und seiner Ersetzung durch „Palästina“.

Eines Tages, wenn die Palästinenser ihre Entschiedenheit aufgegeben haben, den jüdischen Staat zu eliminieren, kann und sollte Israel sich aus den 1967 gewonnenen Gebieten zurückziehen. Aber ein solcher Schritt sollte nicht einmal erwogen, geschweige denn in Verhandlungen diskutiert werden, bevor die Palästinenser und die Araber nicht bewiesen haben, dass sie Israels Existenz zu akzeptieren bereit sind und dann tatsächlich harmonisch über einen langen Zeitraum neben ihm leben. Dieses Langzeitprojekt wird Jahrzehnte brauchen. So langsam es auch sein mag, es ist der einzige Weg den Konflikt zu lösen. Es gibt keine Abkürzungen.

Inzwischen mögen die Israelis es müde sein, die oberste Kontrolle über die Westbank und Gaza auszuüben, aber das gerade gestorbene Oslo-Experiment der palästinensischen Autonomie (1994 – 2002) demonstriert geradezu, dass sie keine andere Wahl haben.

Für die USA gilt: Da es ihrer Politik gegenüber dem arabisch-israelischen Konflikt in den letzten Jahren derart katastrophal erging, ist es vielleicht an der Zeit einen völlig anderen Ansatz in Erwägung zu ziehen. Fangen wir mit den Grundlagen an: Unser Interesse liegt in der Sicherung der israelischen Sicherheit, gute Arbeitsbeziehungen mit arabischen Staaten zu erhalten und einen ausgedehnten arabisch-israelischen Krieg zu vermeiden. Glücklicherweise können diese Ziele durch Konzentration auf ein übergreifendes Politikziel erreicht werden: der Reduzierung der arabischen Feindseligkeit gegenüber Israel. Das kann dadurch erreicht werden, dass man mit Israel und den arabischen Führern daran arbeitet, den arabischen Glauben an israelische Schwäche platzen zu lassen.

 

Aus Bethlehem: Mitri Rahebs Lügenimperium

Dexter Van Zile, The Jerusalem Journal, 10. Oktober 2017

Warum argumentiert der Bethlehemer Pastor Mitri Raheb, dass die heutigen Juden „ein erfundenes Volk“ seien, um dann auf den Tempelberg zu marschieren, was implizit die Ermordung von zwei Israelis dort feiert?

Dreizehn Tage, nachdem palästinensische Terroristen zwei israelische Polizisten auf Jerusalems Tempelberg ermordeten, besuchte der lutherische Pfarrer Mitri Raheb den Tatort um zu feiern. Er feierte nicht den Anschlag an sich, sondern die Massenproteste, die die israelische Regierung überzeugte Metalldetektoren zu beseitigen, die sie nach dem Morden am Tempelberg installierte.

Raheb postete eine Videomontage seines Besuchs der All-Aqsa vom 27. Juli 2017, zwei Tage nach dem Anschlag. Die auf YouTube gepostete und auf twitter und Facebook gesendete Montage zeigt Raheb, wie er Arm in Arm mit anderen palästinensischen Pastoren steht und Muslimführern vor der Al-Aqsa-Moschee Respekt zollt. In einem zu dieser Montage führenden Tweet erklärte Raheb, dass sein Besuch an der Al-Aqsa – wo viele Imame regelmäßig Hass gegen Juden von sich geben – eine „unvergessliche Nacht … Demonstration des Glaubens an den Raum des Reichs und christlich-muslimischer Einheit als Mittel des kreativen Widerstand“ sei. In Reaktion erklärten Rahebs Fans den lutherischen Pastor aus Bethlehem zu einem palästinensischen „Nationalschatz“.

Die meisten christlichen Friedenschaffenden würden es als schlecht ansehen jubelnde Zurschaustellung von Solidarität mit einer politischen Regierung zu betreiben, die gegen Juden gerichtete Gewalt und hass als einigende Agenda nutzt, aber Raheb hat Zurschaustellungen wie diese schon Jahre lang gezeigt. Aus Rahebs Perspektive als antiisraelischer Agitator und Anerkennung suchender Dhimmi war sein Besuch der Al-Aqsa ein überwältigende Erfolg. Er bot ihm eine Gelegenheit jihadistische Gewalt mit Schleiern „kreativem Widerstand“ und interreligiöser „Einheit“ von Christen und Muslimen zu verschleiern – vergiss, dass die von ihm gerühmte Einheit in Verachtung für Juden und ihren Staat wurzelt.

Rahebs Rhetorik reichte fast aus die Menschen vergessen zu machen, dass das Drama um die Metalldetektoren auf dem Tempelberg mit palästinensischen Terroristen begann, die aus kurzer Distanz auf zwei arglose israelische Polizisten schossen – einen davon der Vater eines neu geborenen Babys – und sie töteten. Wenn Hail Stawi und Kaamil Snaan nicht von zwei Mördern überfallen worden wären, die ihnen auf dem Tempelberg auflauerten, wären überhaupt keine Metalldetektoren installiert worden, es hätte keine Proteste gegeben und Raheb hätte keinen „kreativen Widerstand“, den er feiern könnte.

Das ganz Drama um die Metalldetektoren und die Morde, die zum Akt ihrer Installation führten, wurzelte nicht in einem Wunsch nach Freiheit oder Selbstbestimmung für die Palästinenser, sondern in der einenden Agenda antijüdischen Hasses, die das Spektakel von Rahebs Besuch – und dass er in den sozialen Medien eine Kampagne fuhr, die die Aufmerksamkeit darauf lenkte – morbide und gruselig machte. Als Pastor hätte er den Hass betrauern sollen, der das Drama antrieb, an dem er sich beteiligte, aber hier schürte er die Flammen – auf demselben Steinpflaster, wo der Anschlag sich entfaltete.

Statt den Versuch zu unternehmen die antiisraelische Feindseligkeit zu dämpfen und infrage zu stellen, die unverantwortliche palästinensische Eliten benutzt haben, um Jahrzehnte lang an der Macht zu bleiben, stellt sich Raheb damit in eine Reihe, um bei den korrupten, autoritären Kleptokraten gut angeschrieben zu bleiben, die die Westbank kontrollieren.

Das ist eine gute Arbeit, wenn man sie bekommt. Wegen seiner Verbindungen und der Nützlichkeit für die palästinensische Autonomiebehörde ist Raheb in der Lage gewesen in der Westbank so etwas wie ein Imperium aufzubauen. Zusätzlich dazu viele Jahre als Pastor der Lutherischen Weihnachtskirche in Jerusalem zu dienen (ein Posten, den heute Munther Isaac inne hat), ist Raheb der Gründer und Präsident des Diyar-Konsortiums, eines eingetragenen Vereins, der Menschen in der Westbank soziale Dienste bietet. Er ist außerdem Gründer und Präsident des Dar al-Kalima-Universitätskollegs für Kunst und Kultur in Bethlehem, das oft als drittgrößter Arbeitgeber in Bethlehem beschrieben wird.

Ein Imperium wie dieses – zu dem ein medizinisches Zentrum, ein Kulturzentrum und ein Verlagshaus gehören – kann in der Westbank nicht ohne die Unterstützung der PA aufgebaut werden, die nicht Kosten kommt.

Infolge seiner unternehmerischen Gepflogenheiten war Raheb in der Lage das Kolleg auf Land zu gründen, das lutherischen Missionaren aus Deutschland gehörte und das die Briten im Ersten Weltkrieg beschlagnahmten. Das Land fiel letztlich in den Zuständigkeitsbereich der PA unter der Führung von Yassir Arafat. Raheb trat mit Plänen an Arafat heran, die von einem berühmten Architekten vorbereitet waren und erbat das Land zurück, damit er sein Kolleg beginnen konnte.

„Mit etwas Überredungskunst waren wir es uns möglich mindestens sechs Morgen dieses Landes zurückzubekommen“, erzählte Raheb 2016 einem amerikanischen Publikum. „Arafat sagte: ‚Okay, du musst beweisen, dass das erste Gebäude gebaut und in Betrieb! Ist, weil viele Leute dieses Stück Land haben wollen.‘ Es ist wirklich Land erster Klasse.“ Heute hat das Kolleg fünf Gebäude.

Um das Kolleg und andere Institutionen in Bethlehem zu unterstützen hat Raheb einen Stiftung in den USA gegründet, die Bright Stars of Bethlehem. Von 2009 bis 2015 sammelte die Stiftung insgesamt $5,5 Millionen, die Rahebs Imperium an gemeinnützigen Vereinen halfen der drittgrößte private Arbeitgeber in Bethlehem zu werden.

Wie alle Imperien propagiert das von Raheb eine Geschichte, die seine Existenz sich selbst und seinen Kernbestandteilen gegenüber legitimiert, die in diesem Fall aus Befürwortern der Vernichtung Israels in der palästinensischen Gesellschaft und antizionistischen Aktivisten in Nordamerika und Europa bestehen.

Raheb braucht die Unterstützung beider Gruppen, um sein Imperium in der Westbank zu erhalten. Die erste Gruppe – Israelhasser in der palästinensischen Gesellschaft – erlaubt ihm als Christ in der Westbank zu wirken; die zweite Gruppe – Israelhasser im Westen – bietet ihm die Gelder, die er braucht, um sein Imperium finanziell aufrechtzuerhalten. Beide Gruppen nutzen antiisraelische Feindseligkeit als Instrument, um in ihrer jeweiligen Gesellschaft Status zu erreichen und beizubehalten. Raheb gibt ihnen einfach die Geschichte, die sie brauchen, um ihre Feindseligkeit zu rechtfertigen.

Ein wichtiger Aspekt seiner Geschichte, die bei seinem Besuch auf dem Tempelberg zur Schau gestellt wurde, besteht darin, dass israelische Gewalt gegen die Palästinenser hervorgehoben und verurteilt wird, während palästinensische Gewalt ignoriert oder hinter einem Schleier sprachlicher Beschönigungen und Vernebelung versteckt wird. Dieses Narrativ ist schon eine ganze Weile das Alltagsgeschäft palästinensisch-christlicher Propaganda gewesen-.Naim Ateek, der Gründer von Sabeel, war ein früherer (wenn auch nicht der erste) Lieferant dieser Geschichte, die Raheb seit Jahren vorträgt.

Dieses Narrativ wird in Rahebs Buch aus dem Jahr 2004 klar offenbar; es heißt Bethlehem Besieged: Stories of Hope in Times of Trouble [Bethlehem hinter Mauern: Geschichten der Hoffnung aus einer belagerten Stadt]. In diesem Text erzählt der Pastor von Bethlehem die Geschichte der israelischen Invasion der Westbank im Jahr 2002, die am 2. April des Jahres begann. Er redet von den Panzern, Schützenpanzern und Hubschraubern, die Israel in die Westbank schickte und er beschreibt die Zerstörung, die an der Kirche angerichtet wurde, in der er Pfarrer war.

Schön und gut. All das ist ein legitimer Teil der Geschichte. Die Gemeinschaft, der zu dienen Raheb aufgerufen ist, litt als Ergebnis der Invasion. Raheb ist ihr Pastor und will ihre Geschichte erzählen.

Aber in seinem Buch verfehlt es Raheb irgendwo den Selbstmord-Bombenanschlag im Park Hotel in Netanya zu erwähnen, bei dem während einer Pessahfeier dreißig Israelis getötet und 140 weitere verletzt wurden. Er versäumt es auch seinen Lesern zu erzählen, dass achtzig Israels (zumeist Zivilisten) bei palästinensischen Selbstmordanschlägen getötet und ind en Wochen vor Israels Eindringen in die Westbank mehr als fünfunddreißig Zivilisten durch Schusswaffengebrauch getötet wurden. Israels Invasion 2002 war eindeutig eine Folge dieser Anschläge, aber Raheb erwähnt sie nicht einmal.

Solch einseitige Aussagen, die Teil eines kalkulierten Versuchs sind Israel als böse und die Palästinenser als völlig unschuldig darzustellen, waren ein wichtiger Faktor der erfolgreichen Kampagne die beratenden Gremien der Presbyterianischen Kirche der USA und der United Church of Christ zu überzeugen Entscheidungen zu treffen BDS-Beschlüsse gegen Israel zu fassen. Rahebs Aussage ist auch in Europa gefragt, wo er für seine Arbeit eine Reihe von Preise erhielt; diese Arbeit wird von den Leuten, die ihm diese Auszeichnungen verliehen,  als „friedenstiftend“ beschrieben.

Rahebs Glaubwürdigkeit in der Welt des progressiven Christentums im Westen ist etwas, das im Licht der radikalen Rhetorik betrachtet werden sollte, die er nutzt, um das jüdische Volk und seine Verbindung zu Israel zu delegitimieren.

Auf der Christus am Checkpoint-Konferenz von 2010 erklärte Raheb, dass der moderne Staat Israel „das Rom der Bibel repräsentiert, nicht das Volk des Landes“ und wenn ein DNA-Test an ihm selbst, König David und Benjamin Netanyahu  vorgenommen würde, es Gemeinsamkeiten bei ihm und König David geben würde, aber keine bei Netanyahu, denn der „stammt aus einem osteuropäischen Stamm, der im Mittelalter zum Judentum übertrat“.

Mit anderen Worten: Die Juden aus Europa, die den modernen Staat Israel gründeten, sind keine echten Juden, weil sie eine Gruppe sind (üblicherweise als „Khasaren“ bezeichnet), die vor Jahrhunderten zum Judentum konvertierte und daher keine Verbindung zum Land Israel hat. Das ist übler Stoff direkt aus dem Handbuch für antisemitische Propaganda, die von Typ wie David Duke[1] und anderen verbreitet werden. Und doch betrachten progressive Christen im Westen Raheb als „Friedensstifter“.

Mumpitz.

Rahebs Antijudaismus – und das ist er – wird auch in seinem Buch Faith in the Face of Empire: The Bible Through Palestinian Eyes (Glaube unter imperialer Macht: Eine palästinensische Theologie der Hoffnung) aus dem Jahr 2015 deutlich zum Ausdruck gebracht. In diesem Buch tut Raheb alles in seiner Macht stehende, um die Juden aus der christlichen und jüdischen Geschichte wegzuschreiben und durch die Palästinenser zu ersetzen. „Jesus war ein nahöstlicher palästinensischer Jude“, schreibt er zu Beginn seines Buches.

Also wirklich: Nein.

Jesus war ein jüdischer Jude, geboren nicht in „Palästina“ (ein Wort, das von den Römern genutzt wurde deutlich nach seiner Kreuzigung um eine Region zu beschreiben. Das ist kein unschuldiger Anachronismus seitens Rahebs, sondern Teil einer anhaltenden Strategie den Juden ihre Geschichte in der Region wegzunehmen und die Palästinenser an ihre Stelle zu setzen.

Raheb wird an einer entscheidenden Passage des Textes offenkundig. Nachdem er Shlomo Sands Buch The Invention of the Jewish People [Die Erfindung des jüdischen Volkes] beschwor, um zu argumentieren, dass die Juden ein erfundenes Volk sind, behauptet Raheb, dass die Palästinenser die ursprünglichen Einwohner des Landes sind; er behauptet, dass

„die Einheimisches im Land zu Fremden gemacht worden sind, um Raum für ein erfundenes Volk zu machen, das das Land besetzt.“

Mit solchen Argumenten schenkt Rabeb den palästinensischen Bemühungen Glauben, die die jüdischen Verbindungen zum Land Israel und zum Tempelberg bestreiten.

Warum führt Raheb solche Argumente an? Weil er das muss. Es ist Teil seines Jobs.

Er muss ein Imperium leiten.

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[1] ehemaliger Chef des Ku Klux Klan

Der achtzigste Jahrestag der Zweistaaenlösung

1937 schlug ein offizieller britischer Bericht erstmals die Teilung des Mandats Palästina vor. Die Geschichte dahinter hilft zu erklären, warum der arabisch-jüdische Konflikt ungelöst bleibt.

Rick Richman, Mosaic, 2. Oktober 2017

Lord Peel und Sir Horace Rumbold, Vorsitzender und Vizevorsitzender der Königlichen Palästina-Kommission, nachdem sie 1937 in Jerusalem Beweismittel vom Hohen Arabischen Rat entgegennahmen (Library of Congress)

In diesem epochalen Jahr der Zionismus-Jubiäen – dem 120. Jahrestag des Ersten Zionistenkongresses in Basel, der 100. der Balfour-Erklärung, der 70. der UNO-Teilungsresolution, der 50. des Sechstage-Kriegs – gibt es noch ein weiteres, das beachtet werden sollte: der 80. Jahrestag des Berichts der britischen Peel-Kommissin, die erstmals eine „Zweistaatenlösung“ für Palästina vorschlug.

Die Geschichte des Peel-Berichts ist heute weitgehend unbekannt, aber aus zwei Gründen lohnt es sich sie zu erzählen:

Erstens ist es eine historische Saga mit sechs außergewöhnlichen Personen, vn denen fünf vor der Kommission aussagten: auf der Seite der Zionisten David Ben-Gurion, Ze’ev Jabotinsky und Chaim eizmann, die jeweiligen Anführer der linken, rechten und des Zentrums der zionistischen Bewegung; auf der arabischen Seite Haddsch Amin al-Husseini, der Mufti von Jerusalem; und auf der britischen Seite Winston Churchill, der hinter verschlossenen Türen eine entscheidende Aussagen machte. Louis Brandeis, der führende amerikanische Journalist, spielte ebenfalls eine wesentliche Rolle.

Zweitens und heute vielleicht noch wichtiger, hilft die Geschichte zu erklären, warum der arabisch-jüdische Konflikt ein Jahrhundert nach der Balfour-Erklärung ungelöst bleibt.

Die Geschichte und Vorgeschichte der Balfour-Erklärung wird in Jahrestags-Artikeln in Mosaic von Martin Kramer, Nicholas Rostow, Allan Arkush, Colin Shindler, und Douglas J. Feith auf bemerkenswerte Weise beschrieben. Als im November 1917 Britannien während des Ersten Weltkriegs im Nahen Osten gegen die osmanische Türken kämpfte, erklärte der britisch Außenminister Arthur Balfour formell die britische Unterstützung für „eine nationale Heimstatt für das jüdische Volk“ in Palästina. Die Balfour-Erklärung, so wurde sei bekannt, wurde nach umfangreichen Überlegungen des britischen Kabinetts und Konsultationen mit den britischen Verbündeten abgegeben, darunter den USA, deren Präsident Woodrow Wilson sie im Oktober 1917 bestätigte. 1922 band der Völkerbund sei in das Mandat für Palästina auf, das der Bund Britannien anvertraute; damit wurde die Erklärung als Teil des Völkerrechts verankert.

Die palästinensischen Araber lehnten sowohl die Balfour-Erklärung als auch das Mandat des Völkerbundes ab, selbst nachdem Britannien 1923 den größeren Teil Palästinas östlich des Jordan abtrennte und Emir Abdallah von Transjordanien als dessen neuen herrscher anerkannte. 1929 randalierten Araber in Jersalem, massakrierten Juden in Hebron und SAfed und griffen Juden an anderen Orten im Land an. 1936 reien die Araber in einer erheblichen Eskalation einen Generalstreik aus, sabotierten Züge, Straßen und Telefonleitungen, betreiben weit verbreitet Gewalt gegen Juden, zerstörten ihre Bäume und Ernten und verübten Guerillaanschläge gegen britische Mandatsbehörden.

Im Mai 1936 verkündeten die Briten ihre Absicht eine Kommission einzurichten, um „die zugrundeliegenden Ursachen der Unruhen zu ermitteln und Empfehlungen für die Zukunft abzugeben. Die arabische Gewalt ging den Oktober hindurch weiter, was die Ankunft der von Lord Peel geführten Kommission in Jerusalem bis zum November verzögerte. Als sie auf dem Weg war, erklärten die Araber, dass sie das Procedere boykottieren würden.

Die Juden erkannten, dass die Zukunft ihrer nationalen Heimstatt in Gefahr war, legten die Juden der Kommission eine wichtige Verteidigung der zionistischen Sache vor: ein 288 Seiten langes, gedrucktes Memorandum, zusammen mit fünf Anhängen, die die Geschichte Palästinas und damit die rechtliche Grundlage der Balfour-Erklärung beschrieben. Das Memorandum betonte die Dringlichkeit der Stunde – die Nazis waren seit drei Jahren an der Macht und hatten den deutschen Juden ihre Bürgerrechte genommen. Das Memorandum betonte, dass Juden „nicht nur wegen der Geltendmachung abstrakter Reichte besorgt waren“, sondern auch wegen „dews Drucks verhängnisvoller praktischer Notwendigkeit“:

Die jetzt in Deutschland Bedingungen vorherrschenden Bedingungen sind nur zu gut bekannt, um langwierige Beschreibungen zu erfordern… Aber es ist nicht nur in Deutschland, wo Juden unter [solchen] Bedingungen leben… Mehr als fünf Millionen Juden … sind in bestimmten teilen von Ost- und Südost-Europa konzentriert … für die die erkennbare Zukunft keine Hoffnung bereit hält. Die Fluchtrouten schließen sich… Was sie vor der Verzweiflung rettet, ist der Gedanke [einer jüdischen nationalen Heimstatt].

Weizmann, Ben-Gurion und Jabotinsky sagten zwischen November 1936 und Februar 1937 vor der Kommissin aus. Zusammengenommen stellten ihre Vorträge die entschiedenste und eloquenteste Verteidigung des Zionismus dar, seit Theodor Herzl 40 Jahre zuvor den ersten zionistischen Kongress  einberief. Weizmanns zweistündiger Vortrag war vielelich der beste in seiner langen Karriere als Kopf der zionistischen Organisaion. Die „sechs Millionen Menschen … die an Orten eingepfercht sind, an denen sie unerwünscht sind“, sagte er, sahen sich einer Welt gegenüber, „die isch in Orte teilt, wo sie nicht leben können und solche, die sie nicht betreten können“. Die Juden strebten nur „einen Ort in der Welt an … wo wir leben uns uns in Übereinstimmung mit unserem Charakter artikulieren und unseren Beitrag zur Zivilisation auf unsere eigene Weise leisten können.“

Ben-Gurions Aussage war, wenn überhauptmöglich, noch kraftvoller. Die Rechte der Juden in Palästina, erinnerte er die Kommissin, stammten nicht aus dem Mandat und der Balfour-Erklärung, sondern aus der in der Bibel aufgezeichneten Geschichte :

Die Bibel ist unser Mandat, die Bibel, die von uns geschrieben wrude, in unserer Sprache, in Hebräisch, in genau diesem Land. … Usner Recht ist so alt wie das jüdische Volk. Es war nur die Anerkennung dieses Rechts, das in der Balfour-Erklärung und dem Mandat zum Ausruck kam. … Wir gründen etwas wieder neu, das wir hatten, das wir hielten und das während der gesamten Geschichte des jüdischen Volks uns gehörte.

Jabontinsky war bei der lezten öffentlichen Anhörung der Kommission an der Reihe, das am 11. Februar 1937 in London stattfand. Die Zeitungen in London berichteten, dass „hunderte Jude sich vor dem Oberhaus anstellten“, um seine Aussage zu hören und „weitere Menschen abgewiesen als zugelassen werden konnten“. Zu den Honoratioren im Zuschauerraum gehörten William Ormsby-Gore (de eneue Außenminister für die Kolonien) und Lady Blanche Dugdal (Lord Balfours Nichte). Jabotinsky, der führende Redner unter den Zionisten, sprach von der drändenden Unerlässlichkeit der Rettung:

Wir müssen Millionen, viele Millionen retten. Ich weiß nicht, ob es eine Frage der Neuunterbringung eines Drittels der jüdischen Rasse, der Hälfte der jüdischen Rasse oder eines Viertels der jüdischen Rasse ist … aber es ist eien Frage von Millionen. … Es ist recht verständlich, dass die Araber Palästinas es vorziehen würden, dass Palästina der arabische Staat Nummer 4, 5 oder 6 ist – dass begreife ich recht gut – aber wenn der arabische Anspruch mit unserer jüdischen Forderung gerettet zu werden gegnüber gestellt wird, dann ist das wie die Ansprüche des Appetits gegen die Ansprüche des Verhungerns.

Eine zusätzliche Aussage wurde hinter verschlossenen Türen geliefert; Weizmann sprach über arabische Forderungen. Nach seiner Sicht würden die Araber niemals mit wengier als der kompletten Eliminierung des Mandats zufrieden sein. „Sie haben drei Königreiche“ – nämlich Syrien, den Irak und Transjordanien – „durchd en Weltkrieg“, sagte er und jetzt „neiden sie uns was immer wir heute in Palästina haben.“ Mit Verweis auf den Mufti warnte er, dass dies ein Führer sei, der „nicht einen einzigen Juden ins Land kommen sehen will“ und ass weitere britische Zugeständnisse an ihn kontraproduktiv sein würden.

Die gesamte Geschichte des Mandats und der Balfour-Erklärung ist eine Geschichte der Reduzierung … der schmeichelns und den Arabern gut zuzureden eine Art Kompromiss zu akzeptieren und hat sie dazu gebracht genau die entgegengesetzte Richtung einzuschlagen. Sie haben Gesagt: „Wenn wir mit einem Pogrom, zwei Pogromen oder drei Pogromen so viel erreichen können, dann wareten wir ab und wir werden den passenden Moment finden, zu dem wir [die Juden] vernichten können. … [Ihre Haltung ist immer die gewesen:] „Wir sind gegen die Balfour-Erklärung, wir sind gegen das Mandat, wir können das nicht diskutieren.“

In der Tat war das genau das, was die Araber sagten, als sie ihren Boykott der Vorgänge im Januar beendeten und sich entschieden dann doch auszusagen. Der Mufti, der als ihr Führer erschien, informierte die Kommission, dass die Balfour-Erklärung und das Mandat komplett ungültig seien, das Ergebnis von „unzulässigem jüdischem Druck“ auf die britische Regierung und ein jüdischer Plan Salomos Tempel auf arabischen heilgen Orten wieder aufzubauen. Sie erklärten, dass Palästina „bereits vollkommen besiedelt“ sei und bezeichnete es als unmöglich „zwei unterschiedliche Völker“ im selben Land unterzubringen – ein Punkt, zu dem die Kommissionsmitglieder ihn dann genauer befragten:

Frage: Wenn die Araber einen Staat in Palästina hätten, würden sie bereit sein die Juden willkommen zu heißen, die sich bereits im Land befinden?

Antwort: Das wird dem Gutdünken der Regierung überlassen bleiben, die eingerichtet werden wird…

F: Glaubt seine Eminenz, dass dieses Land die 400.000 Juden aufnehmen und integrieren kann, die sich bereits im Land befinden?

A: Nein.

F: Einige von ihnen müssten evenuell durch einen freundlichen oder auch schmerzlichen Prozess entfernt werden?

A: Das müssen wir der Zukunft überlassen.

Am 12. März 1937 erschien Winston Churchill hinter verschlossenen Türen vor der Kommission und bestätigte den Kommissionsmitgliedern energisch die zugrundeliegende Vision der Balfour-Erklärung. „Natürlich war darüber nachgedacht worden und beabsichtigt, dass [die Juden] im Lauf der Zeit [in Palästina] einen überwiegend jüdischen Staat gründen“ und das dieser „große jüdische Staat Millionen zählen“ zählen könnte. Churchill bat die Kommissionsmitglieder dringend: „Komment Sie nicht von Ihrem Ziel ab.“

In den Monaten nach Abschluss der Anhörungen durch die Kommission begannen ihre Mitglieder über eine Teilung Palästinas nachzudenken. Weizmann war während seines privaten Erscheinens vor der Kommission zu einer solchen Idee befragt worden. Er hatte geantwortet, dass er nicht offiziell antworten könne, dass er persönlich aber glaube, sie könnte einen Weg nach vorne bieten.

Am 8. Juni 1937, enen Monat bevor der Bericht der Kommission veröffentlicht wurde, gab Sir Archibald Sinclar, der Vorsitzende der britischen liberalen Partei, ein Abendessen für Weizmann und die prozionistischen Schlüssel-Führungspersönlichkeiten aller Parteien: Winston Churchill, Clement Attlee, Leopold Amery, Josiah Wedgwood und James de Rothschild. Ein geheimes Memorandum fasste das Gespräch beim Dinner zusammen; darin wird festgehalten, dass Churchill zusammen mit allen anderen britischen Gästen außer Amery eine „sehr eindringliche Ablehnung“ der gesamten Teilungsidee zum Ausdruck brachte:

Churchill warnte die Anwesenden, dass die britische Regierung nicht vertrauenswürdig sei. … Mit einer Teilung würde der jüdische Staat sich nicht verwirklichen lasse; die Araber würden sofort Ärger machen und die Regierung würde wieder davonlaufen. Mit diesem Vorschlag würde ein blutiger Krieg ausgebrütet. Das einzige, was die Juden tun könnten, sei durchhalten, durchhalten, durchhalten!

Das Memorandum vermerkte sowohl Weizmanns diplomatische Antwort auf Churchill – nämlich dass der Teilungsplan „der einzige Ausweg zu sein schien, der sich der Kommmission empfehlen würde“ – und Churchills entschiedener Erwiderung: „Das ganze ist eine Fata Morgana. … und die Juden müssen durchalten.“

Am 7. Juli 1937 veröffentlchte das britische Kabinett den Bericht der Peel-Kommission. Seine 435 Seiten eichnete die 3.000-jähriger jüdische Verbindung zu Palästina nach; stellte fest, dass die jüdische nationale Heimstatt aufzubauen für die Araber von Vorteil gewesen war, die druch die Investition jüdischen Kapitals und jüdischer wirtschaftlicher Aktivitäten in Palästina profitierten; vermerkten die sehr große Zunahme der arabischen Bevölkerung in jüdisch-städtischen Gebieten im Vergleich mit praktisch keinem Wachstum in arabischen Städten wie Nablus und Hebron; bemerkte, dass jüdische Krankenhäuser und Kliniken sowohl Araber wie auch Juden versorgten; und erkannten, dass jüdische Bemühungen gegen Malaria überall in Palästina jedermann geholfen hatte.

Was die andauernde arabische Revolte angeht, war die zugrunde liegende Ursache, zum dem Schluss kam der Bericht, die unversöhnliche arabische Gegnerschaft zur jüdsichen Präsenz in Palästina. Die Sicht der arabischen Führer hatte sich „nicht einen einzigen Zentimeter von dem weg bewegt, die sie sich zu eigen gemacht hatten, asl sie erstmals die Folgen der Balfour-Erklärung begriffen“. Stattdessen fuhren die Araber fort „die Gültigkeit der Balfour-Erklärung und das Recht der Mächte zu bestreiten Großbritannien mit einem Mandat zu betrauen“. Und diese Ansichten wurden von oben herab durchgesetzt. Tatsächlich gab der Bericht an, das „übelste Element im Bild“ sein nicht der Terrorismus gegen die Juden – „Angriffe von Arabern auf Juden sind unglücklicherweise nichts Neues“ – sondern Anschläage von Arabern auf Araber, die verdächtigt wurde den Ansichten des Mufti unzureichend anzuhängen.

Zu dieser Verbindung zitierte der Bericht ein Beispiel: den Besuch von Bewaffneten beim „Herausgebe einer der arabischen Zeitungen im letzten August, kurz nachdem er Artikel veröffentlicht hatte, die dafür waren den vo Mufti initiierten ‚Streik‘ zu beenden. Und dieser Besuch kaum ein isoliertes Ereignis:

Ähnliche Besuche wurde während unseres Aufenthalts in Palästina bei wohlhabenden arabischen Landbesitzern oder Geschäftsleuten gemacht, von denen man glaubt, dass sie dem Fonds unangemessene Beiträge geleistet haben, die der Hohe Arabische Rat [des Muftis] sammelte, um Aaber für Schäden zu kompensieren, die sie während der „Unruhen“ erlitten. Die „Bewaffneten“ hören aber auch nicht bei Einschüchterungen auf. Es ist nicht bekannt, wer im lezten August den amtierenden arabischen Bürgermeister von Hebron ermordete, aber niemand hat Zweifel, dass er sein Leben verlor, weil er es gewagt hatte von der „extremistischen“ Politik des Hohen Rats abzuweichen. Der Versuch den arabischen Bürgermeister von Haifa zu ermorden – er fand ein paar Tage nach unserer Abreise aus Palästina statt – wird ebenfalls, so wird uns gesagt, als politisch betrachtet.

Kurz gesagt: Die Kommission befand, dass arabischer Nationalismus in Palästina statt aus einem „positiven natinalen Gefühl“ zu entstehen, „untrennbar imt Antagonimus zu den Juden verflochten“ war. Damit „wäre die arabische Haltung“, selbst enn die jüdische nationale Heimstadt „weit kleiner wär … genau dieselbe“. Auch konnten arabische „Moderate“ keine friedliche Regelung ermöglichen, da sie in wichtigen Fragen ausnahmslos dabei endeten sich auf die Seite der Extremisten zu stellen. Insgesamt war die Kommission daher „überzeugt, dass keine Aussicht auf eine dauerhafte Regelung gefunden werden kann, die auf moderatem arabischem Nationalismus gründet. Bei jeder folgenden Krise in der Vergangenheit ist diese Hoffnung gehegt worden. In jedem Fall hat sie sich als illusorisch erwiesen.“

Was sollte, angesichts der Befunde der Kommission, getan werden? 1923 hatte Großbritannien bereits in Kapitulation vor der arabischen Ablehnung der Balfour-Erklärung den Arabern bereits ganz Palästina östlich des Jordan überlassen, Territorium, das ursprünglich Teil der jüdischen nationalen Heimstatt gewesen war. Da die Kommission offen die arabische Kompromisslosigkeit und mörderischen Absichten der Araber den Juden gegenüber eingestand, schlugen die Briten jtzt feige einen weiteren Akt proarabischen Appeasement vor.

Diese erneute Kapitulation kam im Teilungsplan der Kommissin zum Ausdruck, der das Mandat für eine jüdische nationale Heimstatt durch einen winzigen jüdischen Staat ersetzen sollte. Die Araber, bereits im Besitz ganz Palästinas östlich des Jordan, würden jetzt weiter mit dem größten Teil Palästinas westlich davon belohnt werden. Die Stadt Jerusalem, mit einem Korridor zum Mittelmeer auf der begleitenden Karte in Grün gekennzeichnet, sollte weiterhin von den Briten kontrolliert werden. Was die Juden angeht, so würden sie auf einen „zwergenhaften Bereich“ (um Jabotinskys treffenden Bezeichnung zu zitieren) beschränkt sein – ein gedrängtes Küstenstift, das keinen Raum für weitere jüdische Zuwanderung zulassen würde.

(Quelle: Jewish Virtual Library)

Die Reaktion der prozionistischen britischen Personen der Öffentlichkeit auf den Bericht der Peel-Kommission war vernichtend. David Lloyd George – der zur Zeit der Balfour-Erklärung Premierminister gewesen war – nannte ihn „skandalös“ und „ein klägliches Zugeständnis“ britischen Versagens. Viscount Herbert samuel, in den 1920-er Jahren der britische Hochkommissar für Palästina, kritisierte ihn im Oberhaus hart. Im Unterhaus sprachen sich Winston Churchill, Archibald Sinclair und James de Rothschild kategorisch gegen die Teilung aus.

In Amerika därngte Louis D. Brandeis die Zionisten mit all ihrer Macht gegen den Teilungsplan vorzugehen. In einem Brief vom 26. Juli 1937 and Felix Frankfurter, seinen engen Freund und Mitzionisten, berichtete Brandeis, dass Josiah Wedgwood, ener der prozionistischen britischen Parteiführer, die am Abendessen nicht allzu viele Tage zuvor mit Weizmann teilnahmen, gesagt hatte, mehrere christliche Parlamentsmitglieder hätten Weizmann das in unmissverständlicher Sprache gesagt.“

In seiner Autobiografie von 1949 schrieb Weizmann, dass mit dem Bericht der Peel-Kommission „der arabische Terrorismus seinen ersten großen Sieg eingefahren hatte“, weil sie die Briten erfolgreich dazu gebracht hatten das Mandat für nicht funktionierend zu erklären. „Das Herzeleid und die Verbitterung der Juden“, schrieb er „war kaum zu beschreiben, während sie zusahen, wie der größere Hitler-Terror ihre Verwandten in Europa verschlang, während die Tore Palästinas als Zugeständnis an die Araber geschlossen wurden.“ 1937 glaubte er allerdings, dass das Angebot eines jüdischen Staates genutzt werden sollte, selbst wenn der viel kleiner sein würde als der, den man sich zur Zeit der Balfour-Erklärung vorgestellt hatte.

In seiner Rede auf dem Zwanzigsten Zionistischen Kongress in Zürich, der drei Wochen nach der Veröffentlichung des Berichts der Peel-Kommission eröffnete, lehnte Weizmann den genauen Plan der Kommission ab, drängte die 484 Delegierten aber dazu die Idee der Teilung zu genehmigen, die er „einen revolutionären Vorschlag“ nannte. Er sagte den Delegierten: „Wenn der Vorschlag einen Weg [zu einem jüdischen Staat] eröffnet, dann sage ich, der rund 40 Jahre lang alles getan hat, das [in meinen] Möglichkeiten leigt, der der Bewegung alles gegeben hat, Ja und ich vertraue darauf, dass sie es genauso tun werden.“ Der immer gerissene Ben-Gurion unterstützte Teilung ebenfalls; er glaubte ein kleiner jüdischer Staat könne später auf die eine oder andere Weise ausgeweitet werden.

Die nachfolgende Debatte war die kontroverseste seit 1903, als der sechste Zionistische Kongress Herzls Vorschlag für einen Judenstaat in Uganda ablehnte. Die amerikansiche Delegation war gegen Teilung, genauso die in arabischen Ländern des Nahen Ostens lebenden Juden sowie verschiedene Delegierte, die mit Jabotinsky sympathisierten. Der Kongress stimmte schließlich mit 300 zu 158 zugunsten einer Resolution, die ihre Leiter anwies „jeglicher Verletzung der Rechte des jüdischen Volks, wie sie von der Balfour-Erklärung international und dem Mandat garantiert wurde, Widerstand zu leisten“, aber die „Bereitschaft des jüdischen Volks [zum Ausdruck] brachte eine friedliche Regelung mit den Arabern Palästinas zu erreichen“. Weitere Verhandlungen zu einem Teilungsplan wurden genehmigt. Implizit hatte die zionistische Bewegung eine Zweistaatenlösung akzeptiert.

Was die Araber angeht, so lehnten sie den Bericht der Peel-Kommission rundheraus ab. Sie wollten keinerlei jüdische Souveränität welcher Art auch immer in Palästina anerkennen, egal wie zwergenhaft der Bereich sein würde. Die arabische Gewalt ging die nächsten zwei Jahre weiter, bis Großbritannien 1939 ein neues „Weißbuch“ veröffentlichte, mit dem es seinem früheren Teilungsvorschlag und Aufnahmezusgen zurückzog – eine haarsträubende Verletzung seiner Mandatsverpflichtung – um Palästina stttdessen in einen einzigen, mehrheitlich arabischen Staat zu umzubauen.In der Hofnung die Araber weiter zu besänftigen gingen die Briten dazu über drakonische neue Einschränkungen für jüdische Immigration aufzuerlegen; sie versprachen sie ganz auslaufen zu lassen und strenge Einschränkungen für jeden zukünftigen jüdischen Landkauf zu verhängen.

Drei Monate nach Ausgabe des Weißbuchs brach in Europa der Zweite Weltkrieg aus. Während des Jahres 1940 utnernahmen Weizmann, Jabotinsky und Ben-Gurion jeder einen Einsatz in Amerika, um Unterstützung für eine jüdische Armee zu finden, die sich dem Kampf gegen Hitler anschließen sollte. Haddsch Amin al-Husseini seinerseits ging nach Nazideutschland, um Pläne zu besprechen denKrieg so schnell wie möglich nach Palästina zu bringen. 1941 erzielte er ein geheimes Abkommen mit Hitler, um miteinander an dem zu arbeiten, was sie eine „gemeinsame Sache“ nannten: die Eliminierung des „jüdischen Elements“ in Palästina.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lehnten die palästinensischen Araber 1947 einmal mehr eine Zweistaatenlösung (UNO-Resolution 181) und dann, selbst nach der Gründung des Staates Israel noch dreimal ab: im Juli 2000 (Israels Camp-David-Angebot), im Januar 2001 (die Clinton-Parameter) und im September 2008 (das Angebot von Olmert). Palästinensische Unterhändler sind lange angewiesen worden niemals den Ausdrücke „jüdischer Staat“, „Heimat des jüdischen Volks“ oder irgendeinen ähnlichen Ausdruck zu verwenden, die jüdische Souveränität irgendwo im historischen Palästina anerkennen könnte.

In seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung 2016 forderte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, dass Großbritannien sich für die Balfour-Erklärung entschuldigen müsse und er weiderholte diese Haltung in seiner Rede vor der UNO am 25. September diesen Jahres. Er hat wiederholt behautpet (2011, 2014 und 2016), dass er „niemals“ einen jüdischen Staat anerkennen werde.

Achtzig Jahre nach dem ersten Vorschlag einer Zweistaatenlösung lehnen selbst „moderate“ palästinensisch-arabische Führer seine Grundvoraussetzung immer noch ab. Sie wollen einen Palästinenserstaat,a ber nicht, wenn der Preis die Anerkennung eines jüdischen Staates ist. In dieser Frage hat sich die palästinensische Haltung, um die Sprache der Peel-Kommission zu verwenden, „nicht einen Zentimeter verschoben“.

Es fehlt eine realistische Sicht auf Arafat

Daniel Pipes, Los Angeles Times, 5. April 2002

Am Donnerstag hielt George W. Bush eine der merkwürdigsten Reden in zweihundert Jahren präsidialer Rhetorik. Was sie so sehr seltsam machte war, dass sie aus zwei sich stark widersprechenden Teilen bestand. Wie wollen sie aus Bequemlichkeit Rede A und Rede B nennen.

In Rede A putzte Bush Yassir Arafat herunter, weil dieser Terror gegen Israel entfaltete und informierte den palästinensischen Führer darüber, dass er seine heutige missliche Lage, umzingelt von israelischen Panzern, „sich hauptsächlich selbst zuzuschreiben hat“. Namentlich listete der Präsident vier Gruppen auf (Al Aksa-Brigaden, Hisbollah, Hamas, Islamischer Jihad) und beschuldigte sie nicht nur, gegen den Friedensprozess zu opponieren, sondern auch die Zerstörung Israels anzustreben.

Bush fuhr fort, die israelischen Bemühungen zum Selbstschutz gut zu heißen. „Amerika erkennt Israels Recht auf Selbstverteidigung gegen den Terror an.“ Er identifizierte sich warmherzig als „einen entschiedenen Freund Israels“ und betonte seine Sorge um die langfristige Sicherheit des Landes. Alles in Allem verurteilte Rede A Arafat und stärkte Israel den Rücken.

In Rede B zog der Präsident gegensätzliche Folgerungen zu dem, was erwartet werden könnte. Statt zu schließen, dass Arafat sein Wort gebrochen hat und in Terrorismus flüchtete, was ihn für weitere Diplomatie disqualifiziert, gab Bush ihm wieder einmal eine Chance und rief die Autonomiebehörde auf, die terroristischen Aktivitäten zu stoppen. Noch weniger einleuchtend: Er appellierte an „verantwortliche palästinensische Führer, der Welt zu zeigen, dass sie wirklich auf der Seite des Friedens sind“.

Statt dann die israelischen Aktionen der letzten Tage zur Ausrottung der Terror-Infrastruktur in der Westbank als Schritte zu unterstützen, die in kompletter Übereinstimmung mit dem US-Krieg gegen den Terrorismus zu unterstützen, rief Bush überraschenderweise die Sharon-Regierung auf, ihren Einmarsch in palästinensisch kontrollierte Gebiete zu stoppen, aus den kürzlich besetzten Gebieten abzuziehen, die Siedlungsaktivitäten in den besetzten Gebieten aufzugeben und zu helfen, einen politisch und wirtschaftlich lebensfähigen Palästinenserstaat aufzubauen. Insgesamt unterstützt Rede B Arafat und verurteilt Israel.

Woher kommt diese Unlogik? Sie entstammt zwei Fehlern. Der eine ist zu glauben, dass Arafat sich ändern könnte; er ignoriert die Tatsache, dass er 1965 in das Terrorgeschäft eintrat und es nie aufgegeben hat. Dieser Mann ist unverbesserlich und jede Diplomatie, die davon ausgeht, dass er sich zivilisiert verhalten würde, ist zum Fehlschlag verurteilt. (Erstaunlicherweise macht die US-Regierung selbst nicht diesen gleichartigen Fehler des Verhandelns mit dem Taliban Mullah Omar oder Iraks Saddam Hussein.)

Zum Zweiten scheint der Präsident den Zweck der Gewalt der Palästinenser gegen Israel nicht zu verstehen. Sie zielt nicht darauf ab, den israelischen Rückzug aus der Westbank und dem Gazastreifen zu gewinnen. Hätten die Palästinenser das gewollt, dann hätten sie es auf dem Silbertablett während der Verhandlungen in Camp David im Juli 2000 genommen.

Stattdessen hat die Gewalt viel ambitioniertere Ziele: die Zerstörung des jüdischen Staates selbst. Um sicher zu gehen wird dieser Punkt herunter gespielt, wenn sie zu westlichen Zuhörern sprechen; man braucht aber nur kurz arabischsprachigen Fernseh- und Radiosendungen oder Predigten in Moscheen, Schulunterricht oder Café-Diskussionen zuzuhören um die große Übereinstimmung zu erkennen, dass Israel vernichtet werden soll.

Angesichts dieser arabischen Ablehnung hört es sich etwas kläglich und unbedeutend an, wenn der Präsident seine Hoffnung ausdrückt, dass die Palästinenser einem sofortigen Waffenstillstand und der umgehenden Wiederaufnahme der Sicherheitszusammenarbeit mit Israel zustimmen.

Bushs Entscheidung, Außenminister Colin Powell in den Nahen Osten zu schicken, sieht ziemlich hilflos aus. Warum sollten die Palästinenser einer Waffenruhe zustimmen, wenn sie sich im Krieg befinden und glauben, dass es gut läuft, wie alle Hinweise andeuten?

Bushs Umgang mit einem immer verbitterteren arabisch-israelischen Kriegsschauplatz zuzusehen, hinterlässt bei mir zwei Eindrücke: Seine weiter gehende Vorstellung – Israel gegen den Terrorismus zu unterstützen – zeigt ein klare Verständnis der Situation. Aber sein begrenztes Verständnis der Sachlage führt dazu, dass er eine oberflächliche, sogar eher kontraproduktive Politik übernimmt.

Wenn die US-Regierung helfen will, die derzeitige Gewalt einzudämmen, hat sie eine attraktive Wahl: Israel zu ermutigen, die Kräfte des Terrorismus zu schlagen, wie es das für richtig hält und die arabischen Staaten daran zu erinnern, wie der Präsident es seit September so oft getan hat, dass „ihr entweder für uns oder gegen uns seid im Kampf gegen den Terror.“

Diese Politik hat den Vorzug moralischer Klarheit, Konsequenz und hilft, den arabisch-israelischen Konflikt zu lösen.