Mauer-Bauer (08)

Der IS hatte diese Woche einen Selbstmord-Bombenanschlag auf türkischem Staatsgebiet ausführen lassen; dabei wurden mehr als 30 junge Menschen ermordet. Das nahm Herr Erdoğan anscheinend zum Anlass für einen Entschluss: Eine Mauer wird gebaut, entlang der gesamten Grenze zu Syrien, in einer Länger von sage und schreibe 900km.

Warum? Nun, wegen der Übergriffe des IS, oder nicht?

Aber seltsam: Der IS hat nur noch rund 100km der Grenze unter Kontrolle. Den Rest haben die Kurden wieder freigekämpft. Und bei den groß angelegten, mit viel Öffentlichkeits-Wirksamkeit durchgeführte Verhaftungen schlossen eine ganze Reihe Kurden mit ein.

Könnte es sein, dass sich die Aktion gar nicht gegen den IS richtet, sondern gegen die Kurden?

(der IS ist in grau, die Kurden in den Gelbtönen markiert)

Und wo ist der Aufschrei der Mauer-Gegner, die im Fall Israels immer so auf die Barrikaden gehen?

Israel mit seltsamem Recht besiegen

Der Rechtsweg Israel aus dem Weg zu schaffen geht über das Humanitäre Völkerrecht. Das Humanitäre Völkerrecht ist nicht auf Israel anwendbar, wenn es angegriffen, sondern nur, wenn es sich verteidigt.

Steve Apfel, Israel National News, 19. Juli 2015

Die altehrwürdige Rolle des Juden im Exil war geknechtet, bärtig und auf Bücher versessen zu sein. Dann zauberten die zionistischen Träumer einen Ministaat aus dem Hut und fingen an einen Krieg nach dem anderen zu gewinnen. Selbst am Krieg nicht Beteiligte war schwindelig. Die Vorstellung militärischer „Jidden“, selbst ohne den Teil mit dem Gewinnen, war ein Zerrbild. Um die Uhr zurückzudrehen erfanden die vor den Kopf gestoßenen Mächte ein seltsames Recht, um den Brummer neutralisieren. Danach, so hofften und glaubten sie, würden Todfeinde das tun, was Todfeinde immer tun, wenn Juden im Exil geknechtet wurden.

Den Kennern ist das seltsamen Rechts als IHL bekannt – International Humanitarien Law (humanitäres Völkerrecht). Forderungen Israel wegen Kriegsverbrechen anzuklagen verlassen sich implizit darauf, warum auch eigentlich nicht? Mit sorgfältiger Boshaftigkeit angewandt hat es die Mittel Israel aus einem Licht der Nationen in einen Luzifer mit mörderischer Macht zu verwandeln. Ich widmete ein volles Kapitel meines Buchs Hadrian’s Echo den Freiheiten, die Israel-„Kritiker“ sich beim IHL nehmen und welch eine griffbereite Waffe es sein kann, um die Juden dafür bezahlen zu lassen, dass sie stark sind. Wenn die Auserwählten dem physischen Ansturm nicht unterliegen, lasst sie mit die Moral verzehrenden verbalen Ansturm zu tun haben. Flucht das Leben aus Israel raus!

Der rachsüchtige Ansturm unter dem halbwegs verborgenen Banner des Führt Krieg mit dem Recht lässt sich in vier Elemente aufgliedern, die das Herz gefrieren lassen.

  • Die Agenda: Den beleidigenden Staat auf die Knie zu zwingen, indem man ihn als Paria aus der Weltgemeinschaft ausstößt.
  • Die Planung: Die IDF handlungsunfähig zu machen, um die Arbeit der Terrororganisationen so stark zu erleichtern.
  • Die Falle: Die juristische Latte hoch genug zuhängen (weit höher als irgendwo sonst auf der Erde), um sicherzustellen, dass Israel es nicht schafft sie zu überqueren.
  • Das erhoffte Ergebnis: Alarm zu schlagen, dann Israel und seine Führungskräfte vor die UNO, die Medien, das Gericht der öffentlichen Meinung und den internationalen Strafgerichtshof zu zerren.

Zusammen genommen verweigern die Elemente Israel das Recht sich zu verteidigen. Dafür Grund ist das IHL ein Gottesgeschenk.

Ohne eine Klasse effektiver „Juden-Ankläger“ würde das Projekt keine Chance haben. Der UNO-Menschenrechtsrat ernennt sie aus einer engeren Wahl an Rechts-Professoren. Die Gattung gehört seit langem zu den schlimmste Antisemiten. Man erinnere ich daran, dass die Einsatzgruppen der Nazis, die durch Russland streiften, um Stadt für Stadt die Juden auszulöschen, Akademiker in ihren Reihen hatten. Ein Kommandeur, Otto Ohlendorf, hatte Abschlüsse von drei Universitäten und einen Doktor in Jurisprudenz.

Heute nutzen Rechtswissenschaftler auf Geheiß der UNO das IHL um Juden zu kriminalisieren. Einige, wie John Dugard und Richard Falk, erhalten den Titel „Sonderberichterstatter“ mit einer Kurzanweisung Verbrechen aufzubauschen, die aus israelischen Führungskräften eine Klasse Krimineller machen. Andere, wie Richard Goldstone und Mary McGowan Davis, leiten Kommissionen, die vom UNO-Menschenrechtsrat den Auftrag haben Israel nach jedem Mini-Krieg mit dem Gazastreifen für schuldig zu befinden. Für diese angeheuerten „Auftragskiller“ ist das dehnbare, die Juden in die Falle bringende IHL die perfekte Waffe.

Wie geschickt sie es anwenden! Während sie Israel das universale Recht auf Verteidigung seines Volks zugestehen, legen die Killer in Roben Bedingungen fest, die auf das Folgende hinauslaufen: Die IDF darf den Feind nicht töten, nicht verletzen oder ihm gehörenden Grundbesitz nicht beschädigen. Nur eines dieser drei Kriterien ist nötig, damit sie Alarm schlagen. Überflüssig zu erwähnen, dass die Forderung Krieg so zu führen, dass niemand verletzt und nichts beschädigt wird nur für Israel gilt. Das ist die rote Ampel.

„Der Anspruch eines jeden Rechtssystems“ sagt Harvards Alan Dershowitz, „ist es, vom objektiven Rechtsstaatsprinzip geleitet zu sein statt von den Ad-hoc-Entscheidungen befangener Menschen.“ Dershowitz vergleicht dieses Grundprinzip mit dem Modus operandi der ernannten und selbsternannten IHL-Implementierer; letztere sind Leute, die davon (ein gutes Leben) leben, dass sie UNO-Mietlinge halten, die mit israelischen Verstößen ausgerüstet sind. Sie arbeiten beobachtet Dershowitz, mit Umkehrung. Von vorne nach hinten beginnen sie mit israelischem Tun statt mit neutralem Recht, das die Taten aller anderen Staaten regelt. Sie gehen dann dazu über das Tun der IDF „mit unrealistischen, anachronistischen und abstrakten Prinzipien zu messen, die (auf anderes Militär) nie angewendet werden können oder konnten“.

Auf diese Weisen ist ein ständiger Fluss an Verbrechen garantiert. Eine israelische Truppe, B’Tselem, prahlt sogar mit ihrer ergiebigen Rate. Der Guardian, The New York Times Washington Post, AP, CNN, NBC und viele weitere Nachrichtenkanäle nutzen unsere grundlegenden Daten. Der UNO-Bericht zum Gaza-Konflikt von 2014 führte unsere Zahlen und Befunden mehr an als solche von irgendeiner anderen (NGO).“ Das schrieb Oded Diner von B’Tselem bei der Bitte an Spender die Geldbörsen zu öffnen.

Abstraktes Recht war eine rote Ampel. Eine zweite besteht darin, dass nicht die Sorge um palästinensisches Leben die Forderung an Israel antreibt Krieg auf sichere Weise zu führen. Der Schlächter Assad in Syrien ließ Hunderte Palästinenser verhungern und der Menschenrechts-Apparat wurde erwischt, wie er seine Fußnägel studierte. Hier waren dieselben Palästinenser, die zu schädigen Israel verboten wird, die aber Syrien ungestraft abschlachten kann. Keine IHL-Polizisten oder -Ankläger drängelten sich wegen des IHL, als Assad sein schmutzigen Taten verübte.

Das Wort „unverhältnismäßig“ löst eine weitere rote Ampel aus, kreuzt ein drittes Kästchen an. Von der UNO angeheuerte Helfer verlassen sich stark auf dieses Wort, hören nie auf zu erklären, wie und warum was die die IDF tut unverhältnismäßig ist. Manche warten nicht einmal, bis Beweise gesammelt sind. Christine Chinkin, Jura-Professorin an der London School of Economics, kann den Impuls Waffen schwingende Juden zu dämonisieren einfach nicht unterdrücken. „Israels Bombardierung des Gazastreifens ist keine Verteidigung – das ist ein Kriegsverbrechen. Israels (unverhältnismäßiges) Handeln bedeutet Aggression, nicht Verteidigung.“ Als sie ihr Urteil abgab, musste Chinkin überhaupt erst noch einen Fuß in den Gazastreifen setzen und hatte selbst noch nicht eine einzige Spur eines Beweises abgewogen.

Professor Dugard, ein weiterer Auftragskiller, ist besser darin eine professionelle Fassade beizubehalten. „Es ist nicht möglich bei der Bewertung der Reaktion Israels auf Selbstmord-Bombenanschläge und palästinensische Gewalt eine Sessel-Haltung einzunehmen. Israel hat das Recht auf eine breite Marge an Verständnis bei seiner Reaktion. Aber selbst wenn man das zugesteht, wird auf Grundlage der vorliegenden Beweise nahegelegt, dass Israels Reaktion auf Terror unverhältnismäßig ist.“

Wieder dieses Wort. Hat es eine Dimension, die nicht gemessen werden kann? Vielleicht nicht, wenn selbst ein Jura-Professor sich die Mühe macht „unverhälnismäßig“ die Bedeutung zukommen zu lassen, was er als überbordende Gewalt betrachtet – Gewalt, die ihn vor den Kopf stößt. Doch wie viel Gewicht soll man den Gefühlen eines Ermittlers geben, dessen Mandat darin besteht nichts Böses zu hören, nichts Böses zu sagen, nichts Böses zu berichten, wenn Palästinenser Verbrechen begehen? Gedungene Auftragskiller klagen Israel ohne juristische Beweise an. Juden töten willkürlich. Punkt.

Das Internationale Straftribunal zu Jugoslawien gab vor langem zu: Es gibt keine harten und schnellen Regeln für unverhältnismäßige Gewalt oder dazu auf Zivilisten zu schießen. Kriegsverbrechen müssen einzeln bewiesen werden, Fall für Fall. Der Juden-Ankläger versagt nicht nur darin das zu tun, er legt keinen objektiven Maßstab welcher Art auch immer an. Ein Terrorist als Opfer Israels ist ein Opfer zu viel. Ein israelischer Angriff ist einfach ein Angriff, den MacGowan Davis und Ihresgleichen nicht mögen – oder ein Angriff von Leuten, die sie nicht mögen.

Bezüglich all dessen stellte Charles Krauthammer von der Washington Post die richtige Frage: „Wenn für Israel keinerlei militärische Taktik zulässig ist, was bleibt übrig? Ah, das ist der Punkt. Was bleibt übrig? Nichts. Der ganze Sinn besteht darin Israel jeglicher legitimen Form von Selbstverteidigung zu berauben. Die Welt hat es satt, dass diese lästigen Juden, sechs Millionen, jede Einladung zum nationalen Selbstmord ablehnen.“

Genau da haben wir es, im Kleingedruckten des seltsamen Rechts: „Kein Recht zu leben.“

Arabische Einwanderung in das historische Palästina: ein Überblick

Richard Mather, Jewish Media Agency, 31. Mai 2015

Es gibt ein altes und seltenes Buch namens „Palestina ex monumentis veteribus illustrata“, geschrieben von Hadriani Relandi (einem Kartenzeichner und Wissenschaftler aus Utrecht) und 1714 veröffentlicht. Es dokumentiert Relandis Reise nach Palästina in den Jahren 1695/96. Auf seinen Reisen untersuchte er 2.500 Orte, die im Tanach und/oder der Mischnah erwähnt werden; und er führte eine Zählung der Menschen durch, die in solchen Orten wohnten. Er machte einige sehr interessante Entdeckungen. Zunächst einmal entdeckte er, dass nicht eine einzige Siedlung in Palästina einen Namen arabischen Ursprungs hatte. Stattdessen waren die Namen aus dem Hebräischen, Lateinischen und Griechischen abgeleitet.

Eine weitere interessante Entdeckung war die auffällige Abwesenheit einer größeren muslimischen Bevölkerung. Stattdessen stellte er fest, dass die meisten Einwohner Palästinas Juden waren, dazu einige Christen und ein paar Beduinen. Nazareth war Heimat für weniger als eintausend Christen, während in Jerusalem 5.000 Menschen lebten, die meisten Juden. Gaza war Heimat für rund 250 Juden und etwa die gleiche Zahl an Christen. Die einzige Ausnahme war Nablus, wo um die 120 Muslime lebten, zusammen mit einer Hand voll Samaritaner, deren Vorfahren zu den nördlichen Stämmen Israels gehörten.

Fasziniert von den Feststellungen in Relandis Buch suchte ich nach weiteren Quellen aus erster Hand wie Reiseberichten, Regierungsberichten und Volkszählungen. Ich war nicht sicher, dass ich irgendetwas finden würde. Doch es gibt eine überraschende Menge an Daten und Anhaltspunkten. Und die gesamten Belege legen nahe, dass die Mehrheit der nicht jüdischen (d.h. arabisch-muslimischen und christlichen) Einwanderung nach Palästina Mitte oder Ende des 19. Jahrhunderts begann.

Unter Rückgriff auf die Arbeit des Statistikers und Demographen Roberto Bachi wird geschätzt, dass es 1540 in Palästina 151.000 nicht jüdische Einwohner gab. (Einige Quellen deuten an, dass viele davon Nachkommen von Juden waren, die nach der fehl geschlagenen Bar Kochba-Revolte im Jahr 136 in Palästina verblieben, aber gezwungen worden waren zum Islam zu konvertieren.) Bis 1800 war die nicht jüdische Bevölkerung auf etwa 268.000 angewachsen, verstärkte sich bis 1890 auf 489.000, bis 1922 auf 589.000 und bis 1948 auf knapp über 1,3 Millionen. Die weit überwiegende Mehrheit dieser nicht jüdischen Einwanderer waren Muslime. All dies legt nahe, dass die meisten der muslimischen (und christlichen) Einwohner Palästina Einwanderer jüngeren Datums waren und NICHT seit Genrationen dort lebten, wie manchmal gesagt wird. Darüber hinaus zeigen die Zahlen, dass arabische Einwanderung ein rasch steigender Trend war, angetrieben von äußeren Umständen. Aber welchen?

Erst einmal waren mehrere Tausend Kleinbauer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Palästina gekommen, um der Wehrpflicht, Zwangsarbeit und den Steuern in Ägypten zu entkommen. Zweitens transfeierten die ottomanischen Behörden Anfang des 20. Jahrhunderts sehr viele Menschen aus Marokko, Algerien und Ägypten nach Palästina, zum Teil, um die jüdische Einwanderung zu überflügeln. Drittens war das zionistische Projekt für Araber sehr attraktiv, die von den guten Löhnen, Gesundheitsvorsorge und sanitären Anlagen nach Palästina gezogen wurden, die die Juden boten. In der Tat fiel die muslimische Kindersterblichkeitsrate in Palästina von 201 pro 1.000 im Jahr 1925 auf 94 pro 1.000 im Jahr 1945. Unterdessen stieg die Lebenserwartung von 37 auf 49 Jahre.

Darüber hinaus nahm die arabische Bevölkerung Palästinas am meisten in Städten zu, in denen es große Zahlen an Juden gab, was ein starker Hinweis darauf ist, dass es Araber wegen der Zionisten nach Palästina zog. Zwischen 1922 und 1947 wuchs die arabische Bevölkerung in Haifa um 290 Prozent, in Jaffa um 158 Prozent und in Jerusalem um 131 Prozent. Bezeichnenderweise war das Wachstum in mehrheitlich arabischen Städten weit weniger dramatisch: 37 Prozent in Bethlehem, 42 Prozent in Nablus und 78 Prozent in Jenin.

Während der britischen Zivilverwaltung in Palästina (von 1920 bis 1948) war der jüdischen Einwanderung Einschränkungen unterworfen, um die arabischen Unruhestifter zu beschwichtigen. Die Lage bezüglich der Ansiedlung war weit laxer. Der Historiker und Autor Freddy Leibreich behauptet, es gab beträchtliche arabische Einwanderung aus der Region Hauran in Syrien während der Mandatszeit – und dass die britischen Behörden davor die Augen zudrückten.

Einige aber nehmen Notiz. Die Hope Simpson Enquiry (1930) stellte fest, dass es beträchtliche illegale arabische Einwanderung aus Ägypten, Transjordanien und Syrien gab, was die Aussichten der jüdischen Einwanderer negativ beeinflusste und zur arabischen Gewalt gegen Juden beitrug. Der britische Gouverneur des Sinai von 1922 bis 1936 bekräftigte die Ansicht, dass unkontrollierte arabische Einwanderung stattfand, wobei die meisten Einwanderer aus dem Sinai, Transjordanien und Syrien kamen. Und die Peel-Kommission berichtete 1937, dass ein „Land-Defizit“ bestand, „weniger wegen der Menge an Land, das von Juden erworben wurde, als infolge der Zunahme der arabischen Bevölkerung“.

Die Einwanderung ging so weiter, bis die Juden 1948 ihre Unabhängigkeit erklärten. Die Tatsache, dass arabische (weithin muslimische) Einwanderung bis direkt zur israelischen Unabhängigkeit weiter ging, wird von der UNO-Klausel bekräftigt, dass jeder arabische Flüchtling, der lediglich zwei Jahre vor der jüdischen Unabhängigkeit in Palästina lebte, Anspruch auf Flüchtlingsstatus hatte. Nach Angaben der UN Relief and Works Agency werden palästinensische Flüchtling so definiert: „Personen, deren normaler Wohnort in der Zeit vom 1. Juni 1946 bis zum 15. Mai 1948 Palästina war und die als Ergebnis des Konflikts von 1948 sowohl Haus als auch Lebensunterhalt verloren.“

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Wenn es in Palästina im 16. und 17. Jahrhundert sehr wenige nicht jüdische Einwohner gab, was geschah mit den arabischen Invasoren, die 629 ankamen? Nun, zunächst einmal blieben sehr wenige dieser Invasoren in Palästina. Viele wurden zu abwesenden Landbesitzern, die einheimische Pächter nutzten, um ihren Grundbesitz zu bestellen und die Dhimmi-Steuer zu zahlen. Das ist der Grund, dass Palästina – zusammen mit Ägypten und Syrien – mehrere Jahrhunderte lang überwiegend christliche blieb. Es ist aber möglich, dass nach der muslimischen Zurückeroberung 1187 viele jüdische und christliche Einwohner Palästinas gezwungen wurden zum Islam zu konvertieren, womit die Zahl der muslimischen Einwohner in die Höhe getrieben wurde. Palästinas Bevölkerung nahm allerdings am Mitte des 14. Jahrhunderts ab – zu großen Teilen durch den Schwarzen Tod, der von Osteuropa und Nordafrika hereinschwappte, sich nach Gaza fortpflanzte und dann seinen Weg nach Palästina, in den Libanon und nach Syrien fand. Da sich niemand um das Land kümmern konnte, wurden viele Bereiche malariaverseucht, besonders im nördlichen Palästina, das weithin unbewohnbar wurde. Die Entvölkerung ging als Folge der Invasion des Mohammed Ali von Ägypten im Jahr 1831 und die folgende Bauernrevolte des Jahres 1834 weiter, was die männliche Bevölkerung Palästinas um rund 20 Prozent verminderte, weil große Zahlen an Bauern entweder nach Ägypten deportiert oder ins ägyptische Militär verpflichtet wurden. Viele andere verließen ihre Bauernhöfe und Dörfer, um sich den Beduinen anzuschließen.

Es wäre klar aussichtslos zu argumentieren, dass es im späten 19. Jahrhundert und Anfang des 20 Jahrhunderts wenige in Palästina lebende Araber gab, doch die Zahlen zeigen, dass die arabische Bevölkerung Palästinas sich Jahrhunderte lang in einem Status des Flusses gewesen ist und dass die überwiegende Mehrheit aus Migranten aus dem Rest der arabischen Welt und/oder dem ottomanischen Reich war. Das ist wichtig, denn es sagt uns, dass die postmoderne Vorstellung einer tief verwurzelten palästinensischen-arabischen Geschichte und Kultur erlogen ist. Alle Belege deuten auf die auffällige Abwesenheit arabischer Kultur im Palästina des späten 17. Jahrhunderts hin; und selbst im 18. Und 19. Jahrhundert waren die arabischen Einwohner Palästinas keine Einheimischen, sondern spät Gekommene. Das erklärt, warum die Araber historisch nie von einer palästinensischen Identität sprachen – denn es gab keine. Sie waren Ägypter, Syrer, Marokkaner, Iraker und ottomanische Araber und viele von ihnen bekundeten dem Konzept des Großsyrien Loyalität. Fakt ist, dass die Araber es bis in die 1960-er Jahre hinein ablehnten sich Palästinenser zu nennen, weil es ein Name war, der den Juden vorbehalten war! Es scheint heute urkomisch, aber Immanuel Kant, der deutsche Philosoph des 18. Jahrhunderts, die Juden in Europa als „unter uns lebenden Palästinenser“ bezeichnete.

Nicht vor Mitte der 1960-er Jahre – fast zwei Jahrzehnte nachdem Israel sein Unabhängigkeit erklärte – entstand eine kohärente (und sehr gewalttätige) palästinensisch-arabische Identität. Doch selbst noch in den 1970-er Jahren war die Vorstellung eines palästinensischen Volks nicht mehr als ein terroristisches Konstrukt, das dazu geschaffen war jüdische Ansprüche auf das Land Israel auszuhöhlen. In einem Interview mit einer niederländischen Zeitung gab Zahir Muhsein vom PLO-Exekutivkomitee 1977 zu: „Das palästinensische Volk existiert nicht“. Dann fügte er an: „Die Gründung eines Palästinenserstaats ist nur ein Mittel zur Fortsetzung unseres Kampfes gegen den Staat Israel.“

Ob die arabisch-palästinensische Identität im 21. Jahrhundert in etwas Konstruktiveres anwächst, bleibt abzuwarten werden.

Wird den IS zu besiegen mehr als eine Generation dauern?

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

US-General a.D. John Allen sagte vor kurzem, es werde „eine Generation oder mehr“ dauern die Bewegung Islamischer Staat (IS) zu besiegen. Er ist der leitende amerikanische Gesandte für die Koalition, die die radikalmuslimische Bewegung bekämpft.[1] Man könnte annehmen, was Allen mit einer solchen Äußerung meint, sei die Vorhersage, dass der IS noch lange Zeit an Territorium festhalten wird. Sollte er die Kontrolle über all sein Land verlieren, würde sein Existenz zu einem Terrorismusproblem werden statt eines militärischen. Allen fügte an, wenn der IS nicht besiegt wird, würde er der Weltordnung verheerenden Schaden zufügen.

Es erscheint bizarr, dass jemand sich entscheidet solch langfristigen Voraussagen zu treffen, umso mehr, als Präsident Obama Anfang diesen Jahres den Kongress aufforderte eine dreijährige Militärkampagne zu genehmigen.[2] General Allens Äußerungen, seien sie nun realistisch oder nicht, können als detaillierte Reflexion zu dem dienen, was es bedeuten würde, wenn der IS in zwanzig Jahren noch einen beträchtliches Territorium kontrollierte. Das hätte in der Tat einen bedeutenden Einfluss auf die Weltordnung – oder besser gesagt auf die Welt-Unordnung. Es hätte besonders Auswirkungen auf die muslimische Welt, den Westen, Russland und viele weitere Länder. Israel und die Juden, obwohl unbedeutende Akteure, wären von den globalen Einflüssen und möglichen Angriffen durch den IS betroffen.

Was die muslimische Welt angeht, hat der Arabische Frühling bereits Libyen, den Jemen und Syrien auf die Liste der gescheiterten Staaten gebracht. Die fortgesetzte Existenz des IS könnte dieser Liste den Irak und möglicherweise weitere Länder hinzufügen. Da der IS eine extremistische sunnitische Bewegung ist, bekämpft er ohne jegliche Neigung zu Kompromiss direkt die schiitischen Muslime. Je länger der IS besteht, desto größer ist die Bedrohung für die Schiiten.

Das würde bedeuten, dass der IS im Endeffekt den Iran konfrontiert, der das führende schiitische Land ist. Der Iran ist ein internationaler Unruhestifter und kaum eine externe Macht hat im aktuellen Jahrhundert militärisch auf ihn reagiert. Je mächtiger der IS wird, desto stärker wird er den Iran auf so viele Arten wie möglich herausfordern. Da der IS auch gegen die sunnitischen Länder ist, die derzeit von Königsfamilien regiert werden, nähme die Instabilität in diesen Länder ebenfalls beträchtlich zu. Dasselbe gilt für Ägypten.

Für den Westen würden die Bedrohungen in ihrer Beschaffenheit variieren. Eine Hauptsorge ist Europas Abhängigkeit von arabischen Ländern wegen der Ölversorgung. Mit Instabilität in Öl produzierenden Ländern wie dem Irak und Libyen wurde bisher ohne große Probleme umgegangen. Instabilität in Saudi-Arabien und anderen Lieferanten des Nahen Ostens könnte stärkere Auswirkungen haben. Ein Engpass bei der Energieversorgung würde das bereits bestehende Problem verschärfen, dass es der nächsten Generation im Westen weniger gut gehen wird als der gegenwärtigen.

Eine weitere Auswirkung für den Westen wäre eine mögliche Zunahme des Terrorismus. Im vorigen Jahrhundert wurden von Muslimen in Europa verübte Terrorakte oft von Nichteuropäern verübt. Ein Beispiel ist der mörderische Anschlag auf das Restaurant Goldenberg in Paris im Jahr 1982.[3] Eine weit größere Dimension waren die Morde des 9/11 durch Saudis in den USA.

Im neuen Jahrhundert haben sich allerdings Terroranschläge von Muslimen in Europa in ihrem Art verschoben, da viele der Täter Einwohner der EU sind. Zumindest teilweise war das bei dem riesigen Anschlag von Madrid 2004 der Fall.[4] Gewiss war es so bei den Morden von London 2005,[5] der Ermordung französischer Soldaten und Juden durch Mohamed Merah 2012,[6] den Morden vor dem jüdischen Museum in Brüssel 2014[7] und den Morden in Paris und Kopenhagen Anfang diesen Jahres. Ähnlich offenbart sich der einheimische muslimische Terrorismus in den USA, wie z.B. beim Boston Marathon 2013.

Bislang hat der Aufruf des IS, westliche Muslime sollten Terrorakte in den Ländern verüben, in denen sie wohnen, nicht viel Wirkung gezeigt. Es gibt eine größere Angst vor Terrorismus durch europäische Jihadisten, die aus Syrien und dem Irak zurückkehren, aber bisher hat von ihnen ausgehende Gewalt nur in begrenztem Ausmaß konkrete Formen angenommen.

Die fehlenden Folgen auf die Mordaufrufe des IS könnte eine Verschiebung zurück zu Terroranschlägen bringen, die von Jihadisten aus dem Ausland begangen werden. Es hat Drohungen und Gerüchte gegeben, sie würden mit den Flüchtlingsbooten aus Libyen nach Europa gebracht[8] oder über den Balkan geschmuggelt.[9] Einige Auslands-Jihadisten könnten bereit zugewandert sein, doch das hat noch zu keinen Vorfällen geführt. Spreche wir aber von Jahrzehnten beträchtlicher weiterer IS-Aktivitäten, dann ist es wahrscheinlich, dass es Anschläge durch Terroristen geben wird, die sich als Flüchtlinge tarnen.

Beträchtlicher von Jihadisten verursachter Terror im Westen wird zu weiterer Stereotypisierung aller Muslime führen. Der bisher massive Zustrom an Muslimen und die sich daraus ergebenden sozialen Probleme, darunter fehlender Erfolg bei der Integration, hat bereits in verschiedenen Ländern zu einem Anstieg und/oder Anwachsen anti-islamischer nationalistischer Parteien geführt. Dazu gehören Geert Wilders‘ Freiheitsparte (PVV) in den Niederlanden, den Schweden-Demokraten und vor allem die französische Front National. Beträchtlicher muslimischer Terrorismus wird nicht nur die Beliebtheit dieser Parteien steigern, sondern auch die Haltung anderer Parteien beeinflussen, die um die Stimmen derer mit härteren Haltungen zum Islam konkurrieren müssen.

Was würde all das für im Ausland lebenden Juden bedeuten? Nicht viel Gutes. Anschlägen auf anderen folgen oft Anschläge auf Juden. Das stimmte bei Merah, den Charolie Hebdo-Morden und denen in Kopenhagen.

Was kann ein kleines Land wie Israel in dieser unvorhersehbar komplexen Zukunft tun? Es muss seine Geheimdienststruktur verbessern und eine sehr flexible Politik betreiben. Es gibt erhebliche Bedrohungen. Israel könnte sich mit dem IS oder anderen Terrororganisationen an all seinen Grenzen wiederfinden.

Es könnte allerdings auch eine Reihe Chancen geben. Kein anderes Land hat so viel Erfahrung in der effektiven Bekämpfung muslimischer Terroristen verschiedener Art gesammelt wie Israel. Israelisches Know-how auf diesem Gebiet ist bereits sehr gefragt und das wird wohl nur weiter zunehmen. Diese Tatsache ist nicht besonders publik, sollte es aber in der Zukunft sein, um Israels Image bei der westlichen Mainstream-Bevölkerung zu verbessern.

Eine zweite Chance könnte darin liegen, dass Israel die anti-IS-Stimmung im Westen nutzt, um hervorzuheben, dass die palästinensische Mehrheitsfraktion Hamas sich nicht sonderlich vom IS unterscheidet. Israel hat bisher nicht viel dazu unternommen, doch gleichzeitig war der Boden für eine Reaktion des Westens weit wenige fruchtbar als er es in der Zukunft werden könnte.

Eine dritte Chance für Israel könnte der mögliche Wechsel politischer Allianzen im Nahen Osten sein. Einige arabische Staaten könnten, welchen Hass gegen Israel auch immer sie begünstigen, als weniger nützlich betrachten, als sich mit Israel gegen den IS zu verbünden, der für viele arabische Staaten zu einer echten Bedrohung geworden ist. Eine aktuelle Umfrage zeigte, dass die Saudis den Iran als größte Bedrohung für sich betrachten, gefolgt vom IS und Israel auf Rang drei.[10]

All das sind sehr grobe Hypothesen. Strategen brauchen jedoch einen Anfangspunkt, wenn sie über die Zukunft nachdenken. Wird der IS tatsächlich eine Generation oder mehr von Bestand sein, dann befinden wir uns derzeit in einer sehr frühen Phase seines Lebenszyklus. Selbst wenn nur ein Teil dieser Hypothesen akkurat sind, könnte sie bei der Entwicklung erfolgreicher Strategien für die Zukunft Israels hilfreich sein.

[1] U.S. General: Defeating IS Ideology Could Take ‚Generation‘. Radio Free Republic, Radio Liberty, 3. Juni 2015.

[2] Peter Baker: Obama’s Dual View of War Power Seeks Limits and Leeway. The New York Times, 11. Februar 2015.

[3] France seeks three Palestinians suspected in 1982 Paris Jewish quarter attack. Ha’aretz, 4. Mai 2015.

[4] Fernando Reinares: Jihadist Radicalization and the 2004 Madrid Bombing Network. Combatting Terrorism Center at West Point. 3. November 2009.

[5] July 7 2005 London Bombings Fast Facts. CNN, 4. Juli 2014.

[6] Toulouse shootings: a timeline of events. The Guardian, 22. März 2012.

[7] Brussels museum shooting suspect ‘was Syria hostage torturer’. The Telegraph, 6. September 2014.

[8] Lizzie Deardon: Isis plans to use immigrant boats from Libya to cause terror in Europe and close shipping routes. The Independent, 18. Februar 2015.

[9] Manuel Bewarder: Balkan wird zum Einfallstor für IS-Terrormiliz. Die Welt, 7. Juni 2015.

[10] Aron Heller: urvey: Saudis consider Iran their top enemy, not Israel. The Washington Post, 4. Juni 2015.