Der „Zeitlupen-Völkermord“ des Islam an den Christen

Raymond Ibrahim, 13. März 2018 (FrontPage Magazine)

Der irakische Erzbischof Baschar Wanda traf während einer kürzlich gehaltenen Rede die folgende Feststellung : „Nachdem wir 1.400 Jahre lang dem Zeitlupen-Völkermord ausgesetzt waren, der lange vor dem andauernden heutigen Völkermord durch ISIS begann, ist die Zeit dafür dieses unmenschliche Verhalten und seine Ursachen zu entschuldigen vorbei.“

Dass Muslime seit dem siebten Jahrhundert bis in die Gegenwart nichtmuslimische Völker mit dem Schwert weggesäubert haben, ist natürlich sachlich gut dokumentiert. Aber was ist mit der subtileren Bezeichnung „Zeitlupen-Völkermord“? Wie funktioniert das? Die Antwort ist mit einer anderen Frage verbunden: Warum wurden überhaupt so viele Nichtmuslime zu Muslimen?

Viele moderne muslimische und westliche Apologeten behaupten, die Vorfahren der heute 1,5 Milliarden Muslime traten wegen seines ihm innewohnenden Reizes zum Islam über; dass die vom Islamischen Staat und anderen ausgeübte moderne Zwangsausübung und Verfolgung eine Anomalie ist.

Im Gegenteil machen viele muslimische und nichtmuslimische historische Aufzeichnungen klar, dass die meisten Menschen den Islam nicht aus aufrichtigem Glauben heraus annahmen, sondern aus einer Unzahl an Gründen – vom Übertritt, um den Segen zu genießen auf der „Siegerseite“ zu stehen, bis zum Übertritt, um dem Verderben auszuweichen, auf der „Verliererseite“ zu stehen.

Weil gut belegte Fakten wenig Einfluss auf das geschichtslose Realitätsgefühl des modernen Westens haben, bestätigt diese Ausübung von gesundem Menschenverstand fröhlich, was die Geschichte aufgezeichnet hat: Die islamische Welt ist weniger auf dem physischen Völkermord an den Ungläubigen gebaut, als vielmehr auf dem spirituellen und kulturellen Völkermord an ihrer Identität. Dass hier zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen wurden, war immer vorteilhafter für den Islam; denn während die ehemalige religiöse/kulturelle Identität des Nichtmuslims eliminiert wird, bleibt sein Körper, um die Reihen des Islam zu stärken.

Betrachten Sie Ägypten. Als der Islam im 7. Jahrhundert formuliert wurde, war es seit Jahrhunderten ein christliches Land gewesen. Alexandria war das wichtigste geistliche Zentrum des antiken christlichen Lernens und zusammen mit Rom und Antiochia einer der ursprünglichen drei heiligen Stühle gewesen. Als er über die rund 400 Jahre – ungefähr zweieinhalb Jahrhunderte vor der arabischen Invasion – schrieb, stellte der Europäer John Cassian fest: „Der Reisende von Alexandria im Norden bis Luxor im Süden hätte während der Reise in seinen Ohren die Klänge von Gebeten und Chorälen der in der Wüste verteilten Mönche und Eremiten aus den Klöstern und aus den Höhlen gehört, von Mönchen, Eremiten und Einsiedlern.“ Vor kurzem wurden in separaten Regionen in Ägypten sowohl das älteste Pergament mit Worten aus dem Evangelium (wird auf das 1. Jahrhundert datiert) als auch das älteste Bild Christi entdeckt.

Was sorgte dafür, dass eine uralte und stark christliche Nation islamisch wurde? Genauer gefragt: Was sorgte dafür, dass die Vorfahren der heutigen ägyptischen Muslime – die zumeist koptische Christen waren – ihre Identität abstreiften und Muslime wurden?

Vor der Antwort auf diese Fragen darf ein weiterer übersehener Faktor nicht außer Acht gelassen werden. Seit der Zeit, als der Islam Ägypten (und einen Großteil der damals bekannten christlichen Welt) im 7. Jahrhundert eroberte und bis weit in die Vormoderne hinein war die Religion nichts, an dem man salopp festhielt oder das man leicht änderte, wie es heute im Westen der Fall ist. Die Menschen waren innig Gläubige; es gab kein alternatives Narrativ – keine sogenannten Ansprüche von „Wissenschaft gegen Gott“.

Trotz der vielen Filme, die auf die Christen des Mittelalters eine Art zynischer Modernität projizieren – wie bei der Hauptfigur in Königreich der Himmel, dem „nuancierten“ und „säkularisierten“ Christen Balian – „war die Religion für Menschen des Mittelalters nicht nur etwas, das die Kirche machte. Sie war ihre Wissenschaft, ihre Philosophie, ihre Politik, ihre Identität und ihre Hoffnung auf Erlösung. Sie war keine persönliche Vorliebe, sondern eine bleibende und universale Wahrheit.

Mit anderen Worten: Selbst wenn der Islam einen ihm innewohnenden Reiz bot, ist die Vorstellung, dass vormoderne Christen in ihrer Entscheidung zu konvertieren „frei“ waren – frei von Schuld, frei von Angst vor der Hölle, frei von einem existenziellen Trauma, das mit dem Abfall vom Glauben einher geht – anachronistisch und unglaubwürdig. Nochmal: Diejenigen, die ihre Religion so oft wechseln wie ihre Schuhe, dürften starke Probleme haben diese Vorstellung voll zu würdigen; aber trotzdem stimmt sie.

Waren die Europäer im Mittelalter dem Christentum derart hingegeben, dann waren es natürlich auch die Kopten Ägyptens, die schon Jahrhunderte früher Christen wurden. Die vor uns liegende Frage lautet also: Was ließ sie dann massenhaft zum Islam konvertieren?

Um Professor John Esposito von der Georgetown University zu zitieren: Es stimmt, dass Christen „frei entscheiden konnten ihrem Glauben zu huldigen und von ihren religiösen Führern und Gesetzen in Bereichen wie Eheschließung, Scheidung und Erbschaften regiert zu werden. Im Gegenzug mussten sie einen Tribut zahlen, eine Kopfsteuer (Jizya), die sie zu muslimischem Schutz vor Aggression von außen berechtigte und sie vom Militärdienst ausnahm“. Und obwohl sie in Ruhe gelassen und nicht unter Druck gesetzt wurden, fanden die ursprünglichen Christen Ägyptens den neuen Glauben der Schwerter schwingenden, Kamel reitenden Araber so intrinsisch verlockend, dass sie bereitwillig in Massen die Religion ihrer Vorväter verließen?

Fakt ist, dass der gesunde Menschenverstand nahelegt, dass nichts weniger als extrem heftige Umstände und Not – Verfolgung – die Kopten und andere dazu veranlasste zum Islam zu konvertieren.

Wie erwähnt ist für den Historiker, der – im Gegensatz zu den fiktiven Mainstream-Schriften, die von Leuten wie Karen Armstrong als „Geschichte“ verbreitet werden – die Primärquellen liest, die Übung in gesundem Menschenverstand überflüssig.

Die Originalquellen machen nämlich uneingeschränkt klar, dass Ägyptens Kopten zwar den Dhimmi-Status hinnahmen – ständig große Summen Erpressungsgelder zu zahlen und ein Leben als Untertanen dritter Klasse mit wenigen Rechten zu führen, nur um Christen zu bleiben – aber immer immer wieder Perioden extremer Verfolgung aufflammten. Und mit jeder konvertierten mehr und mehr Christen zum Islam um Entlastung zu finden.

Ein vielsagendes Beispiel: In der maßgeblichen Geschichte Ägyptens des Historikers Taqi al-Din al-Maqrizi (gest. 1442) ist Anekdote um Anekdote dazu verzeichnet, dass Muslime Kirchen abbrannten, Christen abschlachteten und ihre Frauen und Kinder versklavten. Das einzige Entkommen war – und ist es heute zunehmend weiter – der Übertritt von Christen zum Islam.

Nach der Aufzeichnung einer besonders entsetzlichen Verfolgungsperiode, bei der zahllose Christen abgeschlachtet, versklavt und vergewaltigt wurden und in der Berichten nach rund 30.000 Kirchen in Ägypten und Syrien zerstört wurden – eine niederschmetternde Zahl, die zusätzlich signalisiert, wie christlich der Nahen Osten vor dem Islam war – macht der fromme muslimische Historiker klar, warum Christen konvertierten: „Unter diesen Umständen wurden sehr viele Christen Muslime.“ (Hervorhebung hinzugefügt)

Während also viele Christen physisch eliminiert wurden, wurden viele weitere spirituell/kulturell dazu gebracht Muslime zu werden. Nach Angaben international anerkannter Definitionen ist beides eine Form von Völkermord. Mitglieder einer Gruppe Menschen zu „töten“ und ihnen „ernsten körperlichen oder mentalen Schaden“ zuzufügen, sind – im Fall der „Ungläubigen“ oder Nichtmuslime – die ersten zwei von fünf rechtlich verbindlichen Definitionen von Völkermord.

Die dritte Definition bringt den „Zeitlupen-Völkermord“ auf den Punkt: „Gewollt einer Gruppe Lebensbedingungen zu schaffen, die darauf ausgerichtet sind seine physische Vernichtung als Ganzes oder in Teilen aufzuerlegen“ (Hervorhebung hinzugefügt). Das ist genau das, was der Islam seinen eroberten nichtmuslimischen Untertanen im Verlauf der Jahrhunderte antat; sie verhängten negative „Lebensbedingungen, die so ausgelegt“ waren, dass sie Ungläubige veranlassten ihre frühere Identität zur Überlieferung aufzugeben, um die Vorteile der Vereinigung mit dem Islam einzufahren (was die ständige Beendigung der Verfolgung und Diskriminierung beinhaltete). Tatsächlich ist es kein Zufall, dass die schariakonformen „kalkulierten Lebensbedingungen“, um die Existenz als Dhimmi so unerträglich zu machen, als „Omar-Bedingungen“ bekannt waren und sind.

Wenn also Perioden umfassender Verfolgung willkürlich waren, so war das auf den „Omar-Bedingungen“ aufgebaute, fest eingewurzelte Dhimmi-System immer präsent, „inspirierte“ immer zunehmend verarmte, nichtmuslimische Dhimmis im Verlauf der Jahrhunderte dazu zum Islam zu konvertieren, so dass Nationen wie Ägypten, das im 7. Jahrhundert zu etwa 95 Prozent christlich war, das heute nur noch zu 10 Prozent sind.

Bedenken Sie die Worte Alfred Butlers, eines Historikers des 19. Jahrhunderts, der schrieb, bevor die politische Korrektheit die akademische Welt zu beherrschen begann. In The Arab Conquest of Egpyt [Die arabische Eroberung Ägyptens] hob er das „brutale System der Bestechung der Christen für den Übertritt“ hervor:

Obwohl Religionsfreiheit in der Theorie für die Kopten unter der Kapitulation sichergestellt war, erwies es sich in Wirklichkeit bald als Tatsache, dass das undurchsichtig und illusorisch war. Denn eine Religionsfreiheit, die mit sozialem und mit finanziellem Zwang identifiziert wurde, konnte weder Substanz noch Lebendigkeit haben. Als der Islam sich ausbreitete, wurde der soziale Druck auf die Kopten enorm, während es zumindest dem finanziellen Druck schwerer war Widerstand zu leisten, während die Zahl der Christen und JudeN, die zur Zahlung der Kopfsteuer [Jizya] verpflichtet waren, Jahr um Jahr geringer und ihre Isolierung immer offensichtlicher wurde … Die Last der Christen wurde immer schwerer, während ihre Zahl schwand [heißt: Je mehr Christen zum Israel übertraten, desto größer wurde die Last für die wenigen Verbleibenden]. Das Wunder besteht daher nicht so sehr darin, dass so viele Kopten der Strömung nachgaben, die sie mit dramatischer Macht zum Islam zogen, sondern dass eine so große Vielzahl an Christen sich entschieden gegen den Strom stellten; auch haben nicht alle Stürme der dreizehn Jahrhunderte ihren Glauben vom Fels ihrer Grundlage geholt.

Obwohl die obige Darstellung Ägypten betrifft, gilt dasselbe „Zeitlupen“-Völkermordparadigma auch für den Rest der eroberten christlichen und nichtmuslimischen Länder im Allgemeinen. Heute ist das gesamte Nordafrika und die Türkei zu 97% muslimisch – obwohl beide Regionen, wie Ägypten, einst das Herz der christlichen Welt bildeten. (Der heilige Augustinus – der Vater der westlichen christlichen Theologie – stammte aus dem heutigen Algerien und Anatolien – „die Türkei“ – ist der Ort der ältesten Kirchen, die die Briefe der Apostel erhielten.“

Kommen wir zur Moderne – beachten Sie die kürzlich geäußerten Worte des bekannten Schriftstellers, Journalisten und pakistanischen Politikers Farahnaz Ispahani:

Direkt vor der Teilung von Indien und Pakistan hatten wir eine sehr gesunde Balance der Religionen neben dem Islam. Hindus, Sikhs, Christen, Zoroastriker. Heute hat Pakistan von seinem Anteil von 23 Pozent (fast ein Viertel) nichtmuslimischer Bevölkerung noch 3 Prozent. Ich nenne sie Gemeinschaften… Das geschieht nicht von einem Tag auf den nächsten. Das geschieht nicht innerhalb von ein paar Monaten. [Hervorhebung hinzugefügt].

Kurz gesagt: Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass „die islamische Welt“ nur einen Bruchteil so groß wäre – vielleicht gar nicht existieren würde – ohne die Tatsache, dass Nichtmuslime weniger vom Schwert ausgelöscht wurden, sondern mehr in Selbsteliminierung ihrer Ungläubigen-Identitäten gedrängt worden wären, um das Schwert und eine viele andere Nachteile zu vermeiden, womit sie die Reihen des Islam anschwellen ließen.

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Wenn „nie wieder“ nichts bedeutet

David Gerstmann, The Tower, 2. März 2018

Foto: Washington Post/YouTube

Die zwei Worte „nie wieder“ haben eine machtvolle Bedeutung. Sie sprechen eine Verpflichtung aus einen weiteren Holocaust zu verhindern. Ob sie besonders bedeuten ein weiteres massenhaftes Abschlachten von Juden zu verhindern oder allgemeine das an jeder ethnischen Gruppe – die beiden Worte sind eine Verpflichtung.

Doch so machtvoll diese Verpflichtung auch ist, die Geschichte hat gezeigt, dass sie ohne den Willen diese Verpflichtung durchzusetzen nur Worte sind. Zwei Nachrichtenmeldungen dieser Woche zeigen den Grad, in dem die Verpflichtung „nie wieder“ aus der Redewendung gelöscht worden ist.

Der laufende Angriff auf das Viertel Ost-Ghouta kurz außerhalb von Damaskus trotz eines von den Vereinten Nationen erklärten Waffenstillstands zeigt, wie machtlos die Welt ist, wenn sie sich nicht entscheidet einem entschlossenen Feind entgegenzutreten.

Ein Anfang dieser Woche veröffentlichter offener Brief, unterschrieben von Aktivisten und Akademikern, forderte die Welt auf weitere Zerstörung in Syrien zu verhindern. Der Brief beschrieb die Dynamik, die sich in einem großen Teil der letzten drei Jahre wiederholt hat.

Ehute, während Idlib und Afrin brennen, offenbart sich das Unvermeidbare in Ghouta, dem riesigen Freiluft-Konzentrationslager, das ins fünfte Jahr unter Belagerung geht. Was als Nächstes geschieht, ist vorhersagbar, weil dieselbe Formel im Verlauf der letzten sieben Jahre wiederholt angewandt wurde. Nachdem eine Zivilbevölkerung zur Geisel gemacht wurde, Lebensmittel, Medikamente und jede Art von Hilfe blockiert wurde, bombardiert das Regime die Gegend erbarmungslos, insbesondere seine medizinischen Einrichtungen, bis sie kapituliert. Diejenigen, die überleben, werden dann aus ihren Häusern vertrieben, die danach für demografische Planungen mit dem Ziel der Schaffung politisch homogener Geografien enteignet werden.

Der Brief macht den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen dafür verantwortlich, dass nicht verhindert wurde, „was die UNO-Ermittler für Kriegsverbrechen selbst als Verbrechen der Auslöschung bezeichnet hatten.“

Die Welt ist ein „passiver Ermöglicher“ der Zerstörung, die vom Regime Assad „unter Mithilfe örtlicher und Auslandsmilizen, mit iranischer strategischer und finanzieller Hilfe, mit russischer Luftmacht und Söldnern“.

Während der Brief keine konkreten Empfehlungen zur Beendigung des Schlachtens in Syrien gibt, steht er als Beleg für die Tatsache, dass „nie wieder“ ohne den Willen zu handeln nichts ist.

Ein ähnliches Zeugnis für die Untätigkeit der Welt wurde am selben Tag im Magazin Tablet veröffentlicht. Darin kritisierte Kassem Eid, ein Syrer, der Bashar al-Assads ersten Chemiewaffenangriff auf Ost-Ghouta im August 2013 überlebte, die Welt heftig wegen ihrer Apathie gegenüber dem Leiden des syrischen Volks. Bemerkenswert an Eids Zeugnis ist, dass es sich gegen Samantha Power richtet, die während Barack Obamas zweiter Amtszeit als Präsident US-Botschafterin bei der UNO war.

Power erlangte erstmals Berühmtheit, als sie darüber schreib, wie amerikanische Politik ihre Verantwortung zum Handeln zur Verhinderung der Völkermorde in den 1990-er Jahren im Irak, in Bosnien und Ruanda aus dem Weg gingen. Als sie von Präsident Barack Obama auf ihren Posten berufen wurde, glaubte mancher, ihre Kritik an früheren Administrationen würden sie dazu drängen Obama zu überzeugen, jede Wiederholung solcher Vernichtung zu verhindern.

Obwohl er anfangs von der Macht beeindruckt war, kam Eid später zu dem Schluss, dass Power und der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater Ben Rhodes „ein Alternativuniversum schufen, um den Völkermord in Syrien zu kaschieren“.

Aber das Blutbad in Syrien ist nur eine der Manifestationen der aktuellen Leere der Redewendung „nie wieder“.

Diese Woche kündigte der Iran an, dass er im April ein „Sanduhr-Festival“ in Erwartung der voraussichtlichen Vernichtung Israels in 25 Jahren veranstaltet. Es gab zwar aus Pro-Israel-Gruppen jede Menge Kommentare dazu, aber es scheint praktisch keine Reaktion aus der Welt insgesamt zu geben.

Wäre eine solche Konferenz eine einmalige Sache, könnte Schweigen angemessen sein, weil es vielleicht nur eine Hybris ist. Aber diese ist keine einmalige Anomalie, es ist Teil eines Musters der Führung des Iran, die zu Israels Vernichtung aufruft. Und es sind nicht nur Worte; wie das Eindringen einer iranischen Drohne in den israelischen Luftraum vor drei Wochen zeigt, lässt der Iran seinen Worten Taten folgen.

Zu diesen Taten gehören die Gründung schiitischer Milizen, die im gesamten Nahen Osten stationiert werden, die Einrichtung von Militärbasen in Syrien und die Bewaffnung der Terrorgruppen Hamas und Hisbollah an Israels südlichen und nördlichen Grenzen.

Der Iran bestätigt seine Drohungen gegen Israels Existenz mit konkretem Handeln, um diese Drohungen Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Der Iran redet nicht nur von der Vernichtung des einzigen jüdischen Staats der Welt, er arbeitet auf das Ziel hin, aber statt zu sagen „nie wieder“ sagt die Welt „Wen juckt das schon?“

Ob wir das Gemetzel in Syrien diskutieren oder die Drohungen des Iran gegen Israel: Beides hat sich im Verlauf der letzten zweieinhalb Jahre verschlimmert, da die Welt mit dem Iran einen Atomdeal abschloss und umzusetzen begann, der dem Iran erlaubte einen Großteil seiner atomaren Infrastruktur  zu behalten und eine Atomwaffe zu produzieren auf einem Gleitpfad zu einem industriellen Urananreicherungsprogramm, das ihm erlauben würde nach Belieben eine Atomwaffe herzustellen, bis der Deal ausgelaufen ist. Der Deal machte zudem Milliarden Dollar verfügbar, die der Iran in seine Terror-Handlanger und in seine konventionellen wie nichtkonventionellen Militärprogramme gesteckt hat.

Zur gleichen Zeit, in der die Welt den Atomdeal im Juli 2015 mit dem Iran zum Abschluss brachte, war der iranische General Qassem Soleimani in Moskau und warb Russlands Hilfe dabei an den Bürgerkrieg in Syrien umzudrehen. Russlands Beteiligung am syrischen Bürgerkrieg ist entscheidend dabei gewesen den Krieg zugunsten von Assad zu drehen. Obwohl Soleimani einem ständigen internationalen Reiseverbot unterliegt, wurde wegen seiner Reisen nichts gegen ihn, den Iran oder Russland unternommen. Beamte in der Obama-Administration haben eingenstanden, dass die Vereinigten Staaten nichts gegen die Beteiligung des Iran in Syrien unternahmen, um den Atomdeal nicht zu koppen. Der Atomdeal wurde damit zum Hebel des Iran, mit dem er seine Destabilisierungspolitik im gesamten Nahen Osten zu verfolgen.

Mit der Zunahme der andauernden Zerstörung in Syrien und der Drohung des Iran gegen Israel sollte die Welt nicht aufgefordert werden den Atomdeal zu erhalten. Der Atomdeal hat die Aggression des Iran angespornt. Sorge um den Atomdeal ist fehl am Platz. Der Iran, hat die UNO festgestellt, exportiert Waffen an die Houthi-Rebellen im Jemen. Das ist nicht nur eine Verletzung des Waffenembargos gegen die Houthis, sondern eine Verletzung der Resolution 2231 des UNO-Sicherheitsrats, mit dem der Atomdeal in Kraft gesetzt wurde. Gemäß der Resolution 2231 ist es dem Iran immer noch verboten alle möglichen Waffen zu exportieren, einschließlich ballistischer Raketen.

Dem Iran zu gestatten weiterhin straflos seine internationalen Vereinbarungen zu verletzen, wie wir es beim Atomdeal gesehen haben, wird nur zu weiterem rechtswidrigen Verhalten ermutigen. Solange er weiter Israels Existenz bedroht, darf dem Iran nicht gestattet werden ballistische Raketen zu entwickeln, die Israel erreichen können. Und solange der Iran es ablehnt internationale Normen bezüglich des Verhaltens seiner Führer zu akzeptieren, sollten diese als Pariahs behandelt werden, nicht als geehrte Gäste internationaler Foren.

Wenn die Worte „nie wieder“ irgendeine Bedeutung haben sollen, muss der Aggression entgegengetreten werden. Zuerst muss das mit diplomatischer Isolation und wirtschaftlichen Maßnahmen erfolgen. Wenn solche Reaktionen nicht ausreichen, um den Iran abzuhalten, dann könnten militärische Maßnahmen notwendig werden. Aber ohne Stärke gegen den Iran und seine dunklen Pläne im Nahen Osten zu zeigen, wird „nie wieder“ nichts bedeuten.

Einladung der Hamas – Muslime nehmen sie wahr

Elder of Ziyon, 18. Januar 2018

Die Qassam-Brigaden der Hamas luden ihre Leser aus aller Welt ein ihre Glücksgefühle zum Mord an Rabbi Raziel Shevach zu teilen. Und ihre Lesen zeigten Einsatz:

Dutzende aus aller Welt priesen den Mord; neben den gezeigten kam u.a. auch:

Wir sind eine Nation, die sich dem Tod verschrieben hat. Wir werden nicht besiegt werden, so Gott will“, schrieb ein Marokkaner.

Ein Algerier pries die „Männlichkeit“ der als Täter angenommenen Hamas.

Ein Saudi beteten für eine „Zunahme und Stärkung der jihadistischen Operationen“.

Zu den Ländern, die die Liebe ihrer Bürger für das Töten von Juden repräsentierten, gehören Algerien, Marokko, Jordanien, Tunesien, „Palästina“, der Irak, die Türkei, der Jemen, Sudan, Kuwait, Ägypten und der Libanon.

Und auch Deutschland und die Niederlande.

 

Überschritt der Kommentar eines deutschen Diplomaten über israelische „Apartheid“ eine rote Linie?

„Wenn man von Israel als Apartheidstaat spricht, dann überschreitet das objektiv eine rote Linie; dafür habe ich kein Verständnis“, sagte Josef Schuster, Leiter des Zentralrats der Juden in Deutschland einer Berliner Zeitung.

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 13. Januar 2018

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel besucht am 24. April 2017 die Gendenkhalle in Yad Vaschem (Foto: AFP Photo/Gali Tibbon)

Berlin – Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte am Freitag den deutschen Außenminister Sigmar Gabriel hart, weil er Israels Politik als „Apartheid-Regime“ beschrieb, was nahelegt, dass die Äußerung des obersten deutschen Diplomaten eine Grenze von legitimer Kritik zum Antisemitismus überschritt.

„Wenn man von Israel als Apartheidstaat redet, dann überschreitet das objektiv eine Grenze; dafür habe ich kein Verständnis“, sagte Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland gegenüber der Berliner Zeitung, als er gefragt wurde, ob es „legitim ist, wenn der deutsche Außenminister Israels Regierung kritisiert“. Die Frage hatte die Reporterin Kordula Dörfler gestellt.

Sie hatte vorher gefragt, wo die Grenze – wenn er überhaupt eine Grenze zöge – zwischen Antisemitismus und Antizionismus zu ziehen ist.

Auf Grundlage der Äußerungen Gabriels in dem Interview empfahl Schuster empfahl, dass der Hinweis des Außenministers, Israel praktiziere Apartheid, eine Spur von Antisemitismus zumindest andeutet.

Auf mehrfache Anfragen der Post bei Katharine Ziegler, einer Sprecherin des deutschen Außenministeriums, wurde nicht direkt reagiert.

Gilad Erdan, Minister für öffentliche Sicherheit, sagte der Jerusalem Post Anfang diesen Monats, dass Gabriels Äußerung, Israel erinnere an das Südafrika der Apartheid, „nicht nur komplett falsch ist, sondern auch den jüdischen Staat delegitimiert und dämonisiert. Die Grenze zwischen Delegitimierung und Antisemitismus ist sehr schmal. Es überrascht nicht, dass die Hamas, eine antisemitische Organisation, die sich der Vernichtung Israels verschrieben hat, diese Äußerung freudig twitterte. Alle die, die ein Interesse an der Förderung des Friedens und gegen Hass in der Region sind, müssen einen solch ungeheuerlichen Vergleich ablehnen.“

Aktivisten der BDS-Kampagne (Boykott, De-Investition und Sanktionen), die Schuster als antisemitisch bezeichnet hat, behaupten regelmäßig Israel sei ein Apartheidstaat.

Erdans Kritik an Gabriel kommt nach Empörung angesichts der Tatsache, dass die Worte des Außenministers jetzt von einer Terrororganisation für Propagandazwecke genutzt werden.

In Reaktion auf einen Artikel der Post über Gabriels Äußerung vom Januar schrieb die Hamas auf ihrer offiziellen englischen Twitter-Seite: „Deutscher Außenminister beschreibt israelische Besatzung als Apartheidregime wie das, das es in Südafrika gab.“

Gabriel sagte im Dezember bei einer Veranstaltung der Kreuzberger Inititaive gegen Antisemitismus in Berlin der Menge, er habe Israel früher schon kritisiert. Der Chefdiplomat verfolgt diese Linie mindestens seit 2012, als er nach seinem Besuch in Hebron einen Eintrag auf Facebook postete, in dem er schrieb: „War gerade in Hebron. Es gibt dort ein rechtliches Vakuum für die Palästinenser. Das ist ein Apartheidregime, für das es keine Rechtfertigung gibt.“

Die Berliner Zeitung berichete, dass einer der Teilnehmer an dem Treffen im Dezember sagte: „Anstatt über das Problem der Palästinenser zu sprechen, die unter israelischer Besatzung leiden, wird hier über den Antisemitismus der jungen Leute gesprochen.“

Gabriel antwortete: „Sie liegen falsch. Die Bundesregierung hat Trumps Entscheidung sofort kritisiert und nimmt sich selbstverständlich auch das Recht heraus Israels Regierungspolitik zu kritisieren.“ Gabriel führt bei dem Treffen auch seinen Besuch in Hebron und seine Parallele mit dem Apartheidregime an. Er schien seine Apartheid-Bemerkung als faire Weise anzusehen, wie man Israel sachgerecht kritisiert.

Das Treffen im Dezember war als Reaktion zur Bekämpfung des zunehmenden heutigen Antisemitismus geplant worden. Nach US-Präsident Trumps Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels brachen in ganz Berlin große, mit antisemitischen Parolen gefüllte antiisraelische Demonstrationen aus, um dagegen zu protestieren, dass die USA Jerusalem zu Israels Hauptstadt erklärten.

Uwe Becker (CDU), stellvertretender Frankfurter Bürgermeister, sagte der Post, dass Gabriel einen neuen Patzer gebracht habe, „der ihm sogar Lob von der Terrororganisation Hamas einbrachte“. Er fügte an, dass Gabriels Verhalten gegenüber dem jüdischen Staat „die wichtigen deutsch-israelischen Beziehungen geschädigt“ hat.

Becker sagte, Gabriels Attacken gegen Israel könnten mit dem engen Verhältnis seiner sozialdemokratischen Partei zur palästinensischen Fatah erklärt werden. Die SPD umriss in einem Strategiepapier das Bündnis der Sozialdemokraten mit der Fatah. Becker sagte, das Strategie-Dokument betone die „gemeinsamen Werte“ und „strategische Partnerschaft“ der deutschen Sozialdemokraten und der Fatah. Becker sagte, wegen seines Unvermögens die Pro-Fatah-Haltung seiner Partei von den deutsch-israelischen Beziehungen sowie seiner Aufgabe als Außenminister zu trennen erfülle Gabriel seine Rolle als deutscher Außenminister nicht.

Die Regierung Merkel lehnte es ab die Äußerung Gabriels zu kommentieren, dass israelische Politik mit der Apartheid vergleichbar sei.

Gabriel und das Auswärtige Amt schienen seine Aussage, Israels Politik entspreche dem heute nicht mehr bestehenden Apartheid-Regime, einmal mehr zu bestätigen. Malca Goldstein-Wolf, eine prominente deutsch-jüdische Aktivistin, schickte Gabriel im Dezember einen Brief, in dem sie ihn drängte sich für seine Apartheid-Äußerung zu entschuldigen. Gabriel antwortete Goldstein-Wolf am 8. Januar und erklärte: „Der Kampf gegen jede Form von Antisemitismus … hat für mich oberste Priorität.“

Goldstein-Wolff gab ihrem Ärger Ausdruck, dass Gabriel ihren Brief als Bürgerin nicht ernst nahm. „Ich forder noch einmal, das Sie zumindest eine Erklärung zu ihrem falschen Apartheid-Vergleich mi Israel abgeben“, schrieb Goldstein-Wolf. Gabriel antwortete nicht.

In einem andren Interview am Freitag mit Israel HaYom sagte Schuster: „Die deutsche Seite sollte so weise sein bei der Auswahl, mit wem sie in Israel redet, sorgfältiger vorgehen. Zwei Wochen nach Außenminister Sigmar Gabriels denkwürdigem Besuch [bei dem ein Treffen mit Israels Premierminister abgesagt wurde, weil Gabriel darauf bestand sich mit Gruppen zu treffen, die die IDF verleumden] kam Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an und traf sich mit Organisationen und Gremien, die der [israelischen] Regierung kritisch gegenüber stehen. Der Unterschied bestand darin, dass sie sich alle auf ein klares, praktisches Ziel konzentrieren: für Frieden zu arbeiten, nicht gegen die Regierung. Solche Organisationen mit einem konstruktiven Ansatz zu unterstützen, wäre besser, also Gruppen zu unterstützen, die destruktiv sind.“

Die chaotische arabische Welt hat Israel nichts zu bieten

Mordechei Kedar, BESA Center Perspectives Paper Nr. 677, 7. Dezember 2017

Landkarten-Flagge der Arabischen Liga, Bild via Wikimedia Commons

Zusammenfassung: Israel sollte nicht nach der Pfeife der gespaltenen und zugrunde gerichteten arabischen Welt und materiellen Kosten tanzen. Ebenso wenig sollte es dem Angebot seiner arabischen Nachbarn nach echtem Frieden trauen, wenn nur erst die Bedrohung durch den Iran beseitigt ist.

Die Verhaltensforschung erkennt zwei Typen der Reaktion auf angespannte oder bedrohliche Situationen an, der sich locker miteinander verbundene Gruppen gegenüber sehen. Die erste wird von der Vereinigung der Gruppe unter einem charismatischen Führer charakterisiert, der Macht, Weisheit, organisatorische Klugheit und die Fähigkeit seine Anhänger zu schützen ausstrahlt. Sofern ein solcher Führer vorhanden ist, bildet diese Art Gruppe eine vereinte Front und bereitet sich auf den Kampf gegen die drohende Gefahr vor. Das Gegenteil tritt auf, wenn ein solcher Führer nicht zu finden ist. In dem sich daraus ergebenden Chaos verraten die Gruppenmitglieder einander und versuchen der anderen Seite zu entkommen, um sich selbst zu retten. In diesem zweiten Szenario werden es den Individuen in der Gruppe komplett egal sein, wenn der Rest der Gruppe durch die Hölle gehen.

Das zweite Szenario ist eine exakte Beschreibung der aktuellen Lage in der arabischen Welt, in der der Iran zu einer bedeutenden Bedrohung geworden ist. Nach Jahren des Versuchs seine Kontrolle über die arabischen Staaten auszuweiten, wuchsen Teherans hegemonialen Ambitionen rasant an, als die beiden wichtigen Weltmächte sich zusammentaten, um es zu stärken. Unter Präsident Obama stärkte das Handeln der USA den Iran, erlaubten ihm Atomwaffen zu entwickeln (die wahre Bedeutung der Vereinbarung von 2015), ignorierte sein Entwicklungsprogramm für ballistische Raketen, übergab ihm gewaltige Geldsummen und erlaubte ihm lukrative Verträge abzuschließen – alles unter Ignorierung der Beteiligung Teherans an Lokalkriegen und der Unterstützung des weltweiten Terrors.

Moskau ist seit Jahren über eine Reihe an Vereinbarungen und gemeinsamen Initiativen Teherans Partner. Es liefert Atomkraftwerke für die Stromproduktion, wobei den Iranern die Fähigkeit gewährte wird atomwissenschaftliches Wissen und Erfahrung zu sammeln; es übergab ihm seine Raketentechnik; es arbeitete mit dem Iran, um den Weltmarkt für Erdgas zu regulieren  (Russland, Iran und Qatar sind die drei größten Gaslieferanten der Welt); und es verbündete sich mit Teheran im syrischen Bürgerkrieg in dem Versuch das Regime Assad zu retten.

Die EU folgte den USA und Russland in ihrem Werben um iranische Interessen; sie ermutigte ihre Mitglieder sich in die Schlange für die Unterzeichnung lukrativer iranischer Handelsverträge einzureihen. (In Wahrheit hatte eine nicht allzu geringe Zahl europäischer Staaten bereits eine Geschichte des Ignorierens von Wirtschaftssanktionen, die Teheran vom Westen auferlegt waren.) US-Geheimdienste wussten genau, was vor sich ging, sagte aber nichts – oder genauer gesagt: wurde von der Obama-Administration zum Schweigen gebracht.

Weitere Wirtschaftsgiganten nahmen am Iran-Fest teil. China verstand nie wirklich, warum es seine Wirtschaftsbeziehungen zu Teheran einschränken sollte; genauso wenig fand Indien es problematisch weitreichende Geschäftsinteressen im Land beizubehalten.

Die arabische Welt, vom Irak im Osten bis Marokko im Westen, von Syrien im Norden bis zum Jemen im Süden, hat den zunehmenden schiitischen Vormarsch mit unverhohlener Angst zur Kenntnis genommen. Sunnitisch-muslimische Staaten wie die Türkei und Pakistan (vielmehr die meisten muslimischen Sunniten) sind besorgt, reagieren aber auf die Situation mit Zusammenbruch statt sich zu vereinen und zusammenzuarbeiten.

Dieser Kollaps findet sowohl intern als auch extern in jedem Land statt; er hat endlosen Streit darüber zur Folge, wie jeder Staat auf den Notstand reagieren sollte. Die Frage lautet, ob e sbesser ist auf irgendeine Weise – wirtschaftlich, politisch, militärisch – gegen den Iran vorzugehen oder das Problem damit zu beenden, dass man dem Iran nachgibt und Leben rettet.

Qatar warf schon vor Jahren das Handtuch. Das Emirat teilt sich mit dem Iran ein gigantisches Gasfeld, wo sie gemeinschaftlich Gas fördern und sich die gewaltigen Profite teilen. Qatars Verhalten erbost die Saudis, denn das Emirat ist arabisch, sunnitisch und wahhabitisch, so wie die saudische Königsfamilie, hat aber trotzdem den Saudis in den Rücken gestochen. Der Furor der Saudis wegen der Unterstützung der Muslimbruderschaft durch Qatar und für den Unsinn von Al-Jazira sind nichts im Vergleich mit seiner Wut wegen der Kooperation Qatars mit dem Iran.

Die sunnitische Minderheit im Irak, sah, sobald das Land 2003 von der von den USA geführten internationalen Koalition von Saddam Husseins brutaler Diktatur befreit wurde, wie die Regierung der schiitischen Mehrheit auf einem (vom Westen erstellten und mit dem Blut von amerikanischen und westlichen Soldaten bedeckten) Silbertablett gereicht wurde, bevor sie in dem iranischen Netz gefangen wurden. Teheran kontrolliert heute Politiker, Parteien, Armeeoffiziere, Milizen und Industrie im Irak. Es hat damit die Hegemonie wieder hergestellt, die es im östlichen Mesopotamien besaß, bevor die Araber im November 636 – vor 1.381 Jahren – die Streitkräfte des sassanidischen persischen Reichs in Qadisiya, einer Stadt im südlichen Irak, besiegten.

Die Perser haben den Arabern diese Niederlage nie verziehen. Die Ayatollahs betrachten die Übernahme des Irak als einen Akt historischer Gerechtigkeit und lange überfällige Rache an den Arabern, die sie weiterhin als ungebildete Primitive ansehen.

Syrien, ein weiterer arabischer Staat, wurde zum iranischen Handlanger, nachdem er von einem überaus blutigen Bürgerkrieg zerstört wurde, der zum Tod von mehr als einer halben Million Menschen führte, die meisten von ihnen Sunniten. Sie starben, damit der schiitische Islam auch ihr Land annektieren konnte. Die Iranier schulden den russischen und christlichen Ungläubigen großen Dank; sie erledigten die Schmutzarbeit der Eliminierung der Opposition, bis hin zu ihren Frauen und Kindern.

Der Libanon, ein weiterer arabischer Staat mit einer großen schiitischen Bevölkerung (inzwischen möglicherweise der Mehrheit, angesichts der eigenen Demografie und der Flucht sunnitischer Muslime, Christen, Drusen und Alawiten aus seinen Grenzen), hat eine bis zu den Zähnen bewaffnete, vom Iran geschaffenen und kontrollierten Miliz, die Hisbollah, deren Kampfkraft größer ist als die der libanesischen Armee. Der Iran hat den Libanon praktisch seit 35 Jahren kontrollier. Die Welt wusste es, sah zu und schwieg.

Der Jemen, noch ein arabischer Staat mit großem schiitischen Bevölkerungsanteil, war nie wirklich geeint. Er war immer durch die unterschiedlichen Stammes-, ethnischen und ideologische Loyalitäten seiner Bevölkerung geteilt. Das erlaubte Teheran einen Staat im Staat mit einer gut ausgerüstete Armee zu aufzubauen, die die Hauptstadt eroberte und den Präsidenten sowie die Regierung des Landes nach Saudi-Arabien ins Exil trieb. Der Iran bedroht heute die internationale Schifffahrt im Roten Meer und der Mandeb-Straße, unerlässliche Passagen, die Europa, den Persischen Golf (mit seinem Öl und Gas) und das östliche Asien mit seinen Waren und Rohstroffen verbindet.

Der Iran hat sogar die palästinensische Autonomie infiltriert, indem sie die Terrororganisationen Islamischer Jihad und Hamas unterstützt. Auch Erdoğans Türkei hat sich der Liste der Staaten angeschlossen, die nach Teherans Pfeife tanzen und versuchen in seinen Augen Gunst zu finden suchen.

Der Iran hat es geschafft Kontrolle über den gesamten muslimischen Osten zu gewinnen, Land um Land, trotz vom Westen verhängter harter Sanktionen. In diesem Prozess hat er für reichlich Spannungen in Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien, den Emiraten, Israel und anderen Mittelmeerstaaten gesorgt. Diese Spannung hat negative Auswirkungen auf die internationalen Tätigkeiten dieser Länder und die jüngsten Säuberungsaktionen der Saudis sind eine Begleiterscheinung davon.

Innerhalb der saudischen Königsfamilie tobt eine erbitterte Debatte darüber, sie die Monarchie auf die Bedrohung durch den Iran im Allgemeinen und die iranische Übernahme des Jemen im Besonderen reagiert hat – eine Entwicklung, die eine unmittelbare Bedrohung für die Saudis darstellt, die von dort mit Raketen beschossen wurden.  Der Krieg im Jemen, so wie die Unterstützung für die besiegten syrischen Rebellen, hat die saudische Staatskasse bisher schon Milliarden Dollar gekostet und wenn sich das fortsetzt, wir es das Land am Rande des Bankrotts zurücklassen.

In Übereinstimmung mit dieser Debatte steht die Kontroverse über die saudische Thronnachfolge. Kronprinz Muhammad, Sohn des regierenden Monarchen Salman, ist 32 Jahre alt und hat keine administrative, politische und militärische Erfahrung. Es gibt eine Menge viel älterer Cousins, die reichlich mehr Erfahrung im Bereich Wirtschaft, Verwaltung und Politik haben als er. In einer traditionellen Stammesgesellschaft sind Alter, Erfahrung, Reife  und eine geeignete Persönlichkeit das, was jemanden zu einem legitimen Führer macht und Muhammad ist in den Augen vieler seiner Cousins nicht legitim. Es ist durchaus möglich, das sich ein Putsch anbahnt. Er hat allerdings die erste Runde gewonnen, indem er mehrere potenzielle Kritiker verhaften ließ.

Teherans Druck auf Riyad destabilisiert die Monarchie. Gleiches passiert auch im Libanon, wo das Öffentlich machen der internen Probleme der Regierung zu Premierminister Hariris (zeitweiligem) Rücktritt führte. Die Situation im Irak ist ebenfalls alles andere als ruhig; wütender Streit tobt wegen fortgesetzter iranischer Einmischung in die Leitung des Landes.

In Reaktion auf den Zustand des internen und interarabischen Chaos beriefen die Saudis ein Dringlichkeitstreffen  der Außenminister der Arabischen Liga ein. Die Arabische Liga ist machtlos. Diese  gelähmte  Organisation ist nicht in der Lage gewesen in all den Jahren der inneren Kämpfe, die diese Länder verwüsteten, auch nur einen einzigen syrischen, irakischen, jemenitischen, libyschen, algerischen oder sudanesischen Araber zu retten.

Viele Israelis sind ihre Regierung ermutigt mit den „moderaten sunnitischen Staaten“ Vereinbarungen zu treffen; der Grund: „Israel ist nicht das Problem, es ist die Lösung.“ Das gründet auf einem totalen Unverständnis für die arabische Art Dinge zu erledigen und der völligen Ingnoranz dessen, was in den Ländern rund um Israel wirklich abläuft.

Die einzige Schlussfolgerung, die Israel aus dem traurigen Zustand der Dinge ziehen kann, lautet: Es gibt niemanden, auf den man sich in der zersplitterten sunnitisch-arabischen Welt verlassen könnte, eine Welt, die unfähig ist sich gegen die iranische Bedrohung zu einen. Die Araber hintergehen einander und einige von ihnen sind mit jeder Fieber ihres Daseins mit Teheran verbunden. Werden sie sich wirklich an eine wie auch immer aussehende Vereinbarung mit den Juden halten? Sie könnten die Israelis bitten sie aus den Klauen der iranischen Bedrohung zu retten, aber nachdem sie das zu einem hohen Preis für ihre eigenen Söhne und Töchter, Bürger, Infrastruktur und Städte gemacht haben, wird diese „moderate sunnitische Achse“ den jüdischen Staat genauso behandeln, wie sie die irakischen Kurden behandelten, nachdem diese das Blut von über tausend Kämpfern und Kämpferinnen vergossen, um die Araber vor ISIS zu retten. Sie warfen sie und ihre Ambitionen nach Unabhängigkeit in die Mülltonne der kleinlichen Politik, Interessen, Zynismus und Verrat geworfen.

Israels Schicksal wird genau dasselbe sein, wenn die Bedrohung durch den Iran erst einmal aus dem beseitigt ist, was immer von der zerstörten, bankrotten und gespaltenen arabischen Welt übrig sein wird. Israel sollte keinen einzigen Pfennig für die Suche nach Frieden mit einer Welt ausgeben, die so zersplittert ist wie die arabische Welt. Nicht einen Quadratzentimeter Land Für ein wertloses Blatt Papier, das das Wort „Frieden“ enthält.

Israel sollte den Arabern eine einzige Frage stellen: Was gebt ihr uns im Gegenzug für unser Einverständnis mit euch Frieden zu schließen? Die Antwort ist klar. Abgesehen von Armut, Hass, Verrat, Vernachlässigung, Zynismus und Heuchelei hat die arabische Welt Israel nichts zu bieten, denn das sind ihre einzigen Rohstoffe. Das sind Israels Nachbarn und wenn die Israelis anfangen das zu begreifen, dann werden sie in der Lage sein mit diesen Nachbarn so umzugehen, wie sie es tun sollten.