Journalisten, Lehrer und antiisraelische Zensur

Evelyn Gordon, 6. August 2015

In einem früheren Eintrag von heute äußerte Michael Rubin die Sorge, das „der Wunsch zu verbieten statt du diskutieren“ – einst ein Phänomen des äußersten Randes – zunehmen „den Mainstream infiltriert“. Das sollte allerdings niemanden überraschen, denn die beiden Hauptquellen, von denen unsere freie Gesellschaft abhängt, um sie zu bilden und zu informieren – Lehrer und Journalisten – betrachten ihren Job zunehmen als einen nicht der Bildung und Information, sondern als Zensur jeglicher Information, die ihre bevorzugten Narrativen widerspricht. Das ist besonders augenfällig, wenn es um Israel geht, wie ein paar wenige Beispiele veranschaulichen. Aber wie die alte Binsenweisheit lautet: Was mit den Juden anfängt, hört nie mit ihnen auf.

Ein herausstehendes Beispiel ist die BBC-Dokumentation „Children of the Gaza War“ vom letzten Monat, die Interviews in arabischer Sprache mit englischen Untertiteln hat. Wie aber der Jewish Chronicle feststellte, übersetzte Reporterin Lyse Doucet ständig und gezielt das Wort „Yahud“ (was „Jude“ heißt) mit „Israeli“.

Doucet verteidigte sich damit, dass ihre Übersetzer aus Gaza ihr sagten, „Israeli“ wäre genauer und ich bin sicher, dass sie das sagten. Fixer für Auslandsmedien im Gazastreifen sind alle von der Hamas genehmigt und die Hamas ist nicht dumm. Sie weiß, dass Vorwürfe gegen „Israelis“ im Ausland viel besser klingt als Vorwürfe gegen „Juden“. Es ist dieselbe Schläue, die die Hamas zeigte, als sie alle befahl, dass alle palästinensischen Verluste im Krieg vom letzten Sommer als „Zivilisten“ tituliert werden müssen, auch wenn sie Kombattanten waren.

Das Problem ist, dass Doucet sich damit entschied ihren Zuschauern wichtige Informationen zu verschweigen: Der Gazastreifen wird von einer bösartigen antisemitischen Organisation geführt, deren Gründungscharta ausdrücklich das Massakrieren der Juden fordert und die ihre antisemitische Doktrin an Kinder in den Schulen und in Moscheen überall im Gazastreifen propagiert. Warum musste diese Information zensiert werden? Weil sie das Narrativ der Medien untergräbt, dass der palästinensisch-israelische Konflikt Israels Fehler ist: Wenn die Menschen begreifen, wie weit verbreitet der palästinensische Antisemitismus ist, könnten sie sich fragen, wie genau Israel Frieden schließen soll.

Oder nehmen wir eine andere Sendung der BBC, die letzten Monat auf Amerikas National Public Radio lief. In der Diskussion über den Atomdeal mit dem Iran sagte Moderatorin RaziaIqbal ihrem fasungslosen israelischen Interviewpartner: „Sie werden aber doch vom Iran gar nicht bedroht. Seit langem hat niemand im Iran Sie bedroht. Sie gehen auf eine Zeit zurück, als Präsident Mahmud Ahmadinedschad Israel direkt drohte.“

In einer glühenden Antwort, mit er mehrere jüngste iranische Drohungen Israel auszulöschen detailliert beschrieb, stellte David Harris von AJC in Frage, ob Iqbals erstaunliche Unwahrheit „Ignoranz oder Böswilligkeit oder beidem“ entstammte. Es spielt aber eigentlich keine Rolle, ob Iqbal gewollt log oder es einfach ablehnte die Wahrheit der Behauptungen Israels zu recherchieren; das Motiv ist dasselbe: Das Narrativ der Medien besteht darin, dass der Iran-Deal gut ist und Israel keine Rechtfertigung hat dagegen zu sein. Damit muss jede Information, die Israels Argumente abstützen könnte, unterdrückt werden.

Und das Bildungssystem ist nicht besser als die Medien. Erst letzte Woche reichten britische Juden ein Beschwerde gegen die größte Lehrergewerkschaft des Landes ein; Grund war ein neues „Bildungsprogramm“, das in allen Einzelheiten „die täglichen Kämpfe beschreibt, die die palästinensischen Kinder erfahren, wenn sei versuchen eine Ausbildung zu erhalten“, während sie „unter militärischer Besatzung leben“. Die National Union of Teachers und Edukid – die Wohlfahrtsorganisation, die half dieses Programm zu schaffen – bestanden beide darauf, dass sie anstrebten im palästinensisch-israelischen Konflikt neutral zu bleiben. Doch wie Kritiker herausstellten, erwähnt das Programm die täglichen Kämpfe israelischer Kinder nicht, die versuchen Bildung zu gewinnen, während sie aus dem Gazastreifen mit Raketen beschossen werden.

Das ist wieder keine Auslassung aus Ahnungslosigkeit; es ist bewusste Zensur, dazu gestaltet sicherzustellen, dass britische Schulkinder das Narrativ aufnehmen, das die NUT – die antiisraelische Boykotte befürwortet – ihnen verkaufen will: Es gibt hier keinen Konflikt mit zwei Seiten; es gibt nur das böse Israel, das unschuldige Palästinenser unterdrückt.

Das ist auch kein Problem, das auf britische Pädagogen beschränkt ist. Erst dieses Frühjahr liefen amerikanische Juden Sturm gegen ein „Bildungsprogramm“ zum Konflikt, das von Axis of Hope produziert wurde, einer mit der Boston University verbundenen Organisation, das in Highschools der USA genutzt wird. Unter anderem unterlässt das Programm jegliche Erwähnung von Hamas-Selbstmord-Bombenanschlägen – was nicht überrascht, da der Gründer von Axis of Hope behauptet die Hamas habe sich „mit friedlicheren Mitteln als Intifada entschieden Veränderung unterstützen“. Informationen zum Hamas-Terror zu zensieren ist offensichtlich für das Werben für dieses Narrativ unerlässlich.

Solche Zensur ist ein eklatanter Vertrauensbruch durch Journalisten und Pädagogen, auf die freie Gesellschaften bei Information angewiesen sind. Es zeigt aber auch – einmal mehr – dass Antisemitismus die umliegenden Gesellschaften nicht weniger schädigt als es Juden schadet. Zensur zu Israel ist unter den linken Eliten inzwischen lange die akzeptierte Norm. Die Entdeckung, dass die Fäulnis sich heute auch auf andere Themen und Teile der Gesellschaft ausdehnt, sollte also niemanden überraschen.

Wer finanziert die „akademische Forschung“, die versucht Israel zu delegitimieren?

Manfred Gerstenfeld interviewt Ofira Seliktar (direkt vom Autor)

Das Thema, wer die sogenannte „akademische Forschung“ finanziert, die den Staat Israel delegitimiert und wer die verschiedenen Campus-Aktivitäten gegen ihn unterstützt, ist extrem komplex und facettenreich. Die unvollständigen Initiativen dieses Thema zu untersuchen sind weit davon entfernt angemessen zu sein.

Dennoch kennen wir bestimmte Fakten zu diesem Thema. Verschiedene Stiftungen, hauptsächlich mit arabischen und muslimischen Spendern, spielen eine führende Rolle bei der Finanzierung der Nahost- und Israelforschung überall in der Welt. Viele Spenden werden über Stiftungen gestreut, die von Königsfamilien eingerichtet wurden.

Ofira Seliktar ist Professorin em. für Politikwissenschaften am Gratz College (Pennsylvania) und ehemalige Forscherin am Middle East Research Institute der University of Pennsylvania. Sie ist Autorin von neun Büchern und vielen Artikeln zu amerikanischen Geheimdiensten.

Seliktar führt eine Reihe Beispiele an: Die saudische Prinz Walid al-Talal-Stiftung sticht bezüglich des Umfangs ihrer Spenden in den USA heraus. Sie hat z.B. Nahost-Zentren an Eliteuniversitäten finanziert, unter anderem in Harvard, Yale, Georgetown und Berkeley.

Die Sultan bin Abdul Aziz ibn Saud-Stiftung ist eine weitere prominente saudische Stiftung. Sie hat große Geldsummen an das Nahost-Zentrum in Berkeley sowie eine Reihe weiterer amerikanischer Universitäten gespendet. Die saudische Khalid Bin Abdallah, Bin Abdul Rahman al Saud-Stiftung hat der Harvard University einen Lehrstuhl gestiftet.

Die Sultan von Oman-Stiftung hat ebenfalls einen Lehrstuhl an der Harvard-Universität gestiftet. Qatar ist ein relativer Neuling auf dem Feld. Es entwickelt ein hoch ambitioniertes Programm zur Formung der westlichen höheren Bildung. Die Familie Kahlifa al-Thani, Herrscherfamilie des Landes, hat eine Stiftung eingerichtet. Diese ist bereits zu einem wichtigen Spieler in der Forschung zum Nahen Osten und der Außenpolitik geworden.

Der Iran wirbt für die schiitische Version des Islam und die iranische Außenpolitik. Seine Förderung wird durch das iranische Außenministerium, das Ministerium für Kultur und Führung, das Ministerium für Information und Sicherheit – das für die Geheimdienste zuständig ist – sowie eine Vielzahl religiöser Stiftungen geleitet. Eine sehr prominente ist die Alavi-Stiftung, die wiederum von der Mustazafeen Foundation geführt wird. Letztere ist der größte halbstaatliche Konzern im Iran, geschaffen 1979 von Ayatollah Khomeini. Die Alavi-Stiftung hat Stipendien an mehr als dreißig Universitäten in ganz Nordamerika vergeben. Die Sanktionen zum Zurückdrängen des iranischen Atomprogramms hatten keine Auswirkungen auf die Mustazafeen Foundation, die als halbstaatliche Gruppe ihr eigenes Budget hat.

Viele bedeutende Institute und Zeitschriften haben ebenfalls große Spenden aus arabischen Quellen erhalten. Dazu gehören das Middle East Policy Council und sein Middle East Policy Journal. Diese Zeitschrift veröffentlichte zum Beispiel den ursprünglichen Aufsatz von John Mearsheimer und Steven Walt zur Israel-Lobby, der später als Buch veröffentlicht wurde.

Ein weiteres von arabischen Spendern bezuschusstes Institut ist das Institute for Palestine Studies. Seine Publikation, The Journal of Palestine Studies, leistete Pionierarbeit bei den akademischen Studien von „Israel als Kolonialstaat“ und „Israel als Apartheidstaat“. Die Qatar-Stiftung kaufte den Verlagsriesen Elsevier Press. Der veröffentlicht unter anderem Lancet, ein sehr prestigeträchtiges Medizinjournal. Lancet hat zum Beispiel eine aufhetzerisches Op-Ed zu angeblichen israelischen Gräueltaten während der Operation Fels in der Brandung im Gazastreifen 2014 veröffentlicht.

Eine zweite Quelle antiisraelischer und pro-palästinensischer Forschung sind selbstständige Stiftungen. Anfang der 2000-er Jahre wurde den Aktivitäten der Ford Foundation viel Aufmerksamkeit gewidmet. 2003 veröffentlichte Edwin Black eine Reihe von Artikeln für die Jewish Telegraph Agency, in denen er erläutert, wie die Stiftung antiisraelischen Aktivismus finanziert. Eines der vielen Themen, die er aufdeckte, war die Finanzierung antiisraelischen Aktivismus bei der UNO-Weltkonferenz gegen Rassismus, die 2001 in Durban (Südafrika) stattfand. Als dies bekannt wurde, befahl der US-Kongress der Ford Foundation die Einstellung von Fördergeldern an die, die Feindschaft für das Image Israels unterstützen.

Noch eine Kategorie Spender für antiisraelische Aktivitäten sind Ölfirmen und große Konzerne mit umfangreichen Verbindungen in den Nahen Osten. Den größten Beitrag leistet die Ölfirma Aramco. Ein Artikel in Aramco World erklärt: „Der Nahe Osten ist das einzige Regionalstudienfach, das nicht wirklich auf Geografie basiert… Ein intellektuelles Thema, das entweder Araber oder den Islam einbezieht, sei es zeitgenössisch oder historisch, ist ein Thema, dem sich Forscher legitim annehmen können.“ Dier Artikel fährt damit fort, dass Aramco es unterstützt „den Weg zu größerem interregionalem Verständnis zu ebnen“, indem in Nahost-Zentren an amerikanischen Universitäten investiert wird.

Ein Thema, das umfangreiches und detailliertes Studium fordert, ist die Finanzierung von israelkritischer Forschung durch diverse deutsche Stiftungen. Das muss als innerhalb des allgemeinen Rahmens der Finanzierung von Studien deutscher Stiftungen in Israel betrachtet werden.

Seliktar schließt: Systematische Forschung zum Thema der Finanzierung der Delegitimierung Israels geht sogar über die Fähigkeit eines kompletten Forscherteams hinaus. Dafür wären die Entschlossenheit und die Ressourcen des Staates Israel nötig. Man kann sich nur wundern, warum diese Bedrohung der nationalen Sicherheit von der israelischen Regierung noch nicht thematisiert wurde.

Deutsche Schulbücher und antiisraelische linke Eliten

Evelyn Gordon, 12. Juli 2015

Der Meinungsforscher Frank Luntz löste diese Woche mit einer Umfrage kurzzeitig Schockwellen aus, die die unterirdische Sicht auf Israel zeigt, die Meinungsführer der Demokraten haben. Unter anderem wird Israel von 47 Prozent für rassistisch gehalten, nur 32 Prozent stimmen dem nicht zu; und satte 76 Prozent sagen, Israel habe zu viel Einfluss auf die US-Außenpolitik. In Wahrheit sollte das für alle, die diese antiisraelischen Meinungen kennen, inzwischen nicht mehr neu sein, da ihr küssender Cousin, der Antisemitismus, vorrangig die Domäne der linken Eliten ist. Ich habe schon über eine deutsche Studie geschrieben, die zeigt, dass die gebildeten Eliten, weniger die rechtsextremen Ränder, der Quell des Antisemitismus in diesem Land sind; erst letzten Monat stellte eine weitere Studie fest, dass das auch für antiisraelische Einstellungen gilt. Und der Grund dafür geht über die offensichtliche Tatsache hinaus, dass Antisemitismus und Antiisraelismus zusammenhängen.

Der Hintergrund der neuen deutschen Studie ist eine Reihe von Umfragen, die schockierende Grade an antiisraelischen Stimmungen bei gewöhnlichen Deutschen zeigt: 35 Prozent zum Beispiel „setzen israelische Politik gegenüber den Palästinensern mit der Nazipolitik gegenüber den Juden gleich“. Angesichts der viel gepriesenen „besonderen Beziehung“ zwischen Deutschland und Israel werfen solche Befunde offensichtliche Fragen dazu auf, wie so viele Deutsche solche verzerrten Ansichten entwickelten.

Also entschied sich eine Gruppe deutscher und israelische Forscher deutsche Schulbücher zu analysieren, um zu sehen, was genau deutsche Schulen ihre Schüler lehren. Sie untersuchten 1.200 Schulbücher der Fächer Geschichte, Geographie und Sozialwissenschaften aus fünf Bundesländern und kamen zu dem Schluss, dass diese Bücher Israel fast ausschließlich als militaristische, kriegslüsterne Gesellschaft darstellen.

Israels robuste Demokratie, Respekt für Menschenrechte und weitere Errungenschaften kommen in diesen Büchern nicht vor. Die Illustrationen bestehen aus „tendenziösen und einseitigen fotografischen Darstellungen“ israelischer Soldaten, die Palästinenser bedrohen oder Gewalt gegen sie verüben.

„Besatzung und Siedlungen“ werden als Haupthindernis für den Frieden dargestellt; die Tatsache, dass sowohl Israelis als auch Palästinenser Ansprüche auf das Land haben, bleibt unerwähnt und palästinensischer Terror bekommt einen Freifahrtschein oder – wie der Bericht es ausdrückt – die meisten Autoren finden es „schwer, unmissverständlich palästinensische Gewalt gegen israelische Zivilisten als Terrorakte zu bezeichnen“.

Kurz gesagt: Es ist keine Überraschung, dass so viele Deutsche so negativ über Israel denken, denn das ist genau das, was sie in der Schule gelehrt werden. Stimmt, die Schulbücher vergleichen Israel nicht direkt mit den Nazis, aber der Vergleich benötigt für die Absolventen dieser Schulen keinen großen logischen Sprung  immerhin ist für einen Deutschen Nazideutschland das paradigmatische Beispiel einer militaristischen, kriegslüsternen Gesellschaft. Sagt man als Schülern erst einmal, dass Israel eine militaristische, kriegslüsterne Gesellschaft ist, kommt die Nazi-Analogie von ganz alleine.

Wer aber schreibt die Schulbücher, die diesen Schülern eine solch verzerrte Sicht auf Israel geben? Hinweis: Es sind nicht die Neonazi-Skinheads. Es sind die linken Eliten.

Das bringt uns zu der Frage, warum linke Eliten das einzige Land des Nahen Ostens derart hassen, in dem, wie Julie Burchill einmal schrieb, zu leben jeder von ihnen „ertragen könnte“. Die Antwort kann man im Kommentar „eines hochrangigen europäischen Diplomaten“ aus dem letzten Monat zu einem scheinbar nicht damit im Zusammenhang stehenden Thema finden: der anstehenden britischen Volksabstimmung über den Verbleib in der Europäischen Union: „Der Nationalstaat ist ein sehr altes Konept und vielleicht haben die Briten nicht voll erkannt, dass es ein wenig veraltet sein könnte“, erklärte der Diplomat. Und das, so habe ich bereits festgestellt, ist des Pudels Kern: Im Dogma der modernen linken Eliten ist der Nationalstaat passé.

Die Tatsache, dass der größte Teil der Welt immer noch aus Nationalstaaten besteht, stellt dieses Dogma nicht in Frage; immerhin kann man von umnachteten Regimen nicht erwarten, dass sie diese Ebene der Aufklärung bereits erreicht haben. Israel jedoch ist eine starke Kampfansage für das Dogma: Es ist ein modernes, westliches, demokratisches, die Menschenrechte respektierendes Land, das sich trotzdem stolz zum Nationalstaat des jüdischen Volkes proklamiert.

Und es gibt nur eine Art, wie linke Eliten die kognitive Dissonanz dieses Falls lösen, ohne ihr geschätztes Dogma zu opfern: indem sie Israel opfern. Oder mit anderen Worten: Indem sie es als rassistisches, kriegslüsternes, geistig umnachtetes Land beschreiben, das sich nicht von all den unaufgeklärten Nationalstaaten unterscheidet.

Jordanien bestreitet Gerücht, dass Landkarten im Schulunterricht Israel zeigen werden

Elder of Ziyon, 14. März 2015

Israels Kanal 10 soll gestern erklärt haben, dass Jordanien beschloss das Wort „Israel“ dürfe auf Landkarten im Geografieunterricht in Schulen vorkommen. Die Nachricht wurde von einer Analyse von „Experten“ begleitet, mit der gesagt wurde, das bedeute, Jordanien versuche dem Westen zu zeigen, dass es moderate ist oder dass es versucht den israelische-arabischen Konflikt angesichts der Drohungen durch den IS herunterzuspielen.

Das Gerücht wurde unverzüglich von arabischen Medien angeprangert. Die jordanische Ad-Dustour forderte, es müssen jede Erwähnung Israels aus den Büchern herausgerissen werden und sie „müssen hingetan werden, wohin sie gehören: in die Mülltonne der Geschichte“.

Heute bestritt Jordaniens Bildungsministerium die Story rundweg. Das Ministerium sagte, sie sei komplett unwahr und dass Israel in keinerlei jordanischem Schulmaterial auftauche.

Puh!

Es stellt sich heraus, dass Jordaniens Bildungsministerium letztes Jahr etwas machte, das fast genauso umstritten war: Ein Schulbuch mit dem Titel „Juden erkennen Urkunden und Verträge nicht an“ wurde aus Schulbibliotheken genommen, weil es Proteste der jordanischen Muslimbruderschaft und anderen Islamistengruppen auslöste.

UNESCO-Studie bestätigt: arabische Staaten – und viele andere – lehren den Holocaust nicht

Elder of Ziyon, 2. Februar 2015

Die UNESCO veröffentlichte gerade einen Bericht darüber, wie Schulbücher den Holcaust in Ländern überall in der Welt lehren – oder nicht lehren.

Die zusammenfassende Weltkarte zeigt den Grad der Holocaust-Bildung in jedem Land und ist hier zu finden:

Zu den Bereichen, die den Holocaust nicht einmal implizit erwähnen (hellbeige), gehören Angola, Antigua & Barbuda, Aserbaidschan, Bahamas, Bahrain, Benin, Bolivien, Brueni, Kamerun, Dominica, Ägypten, Fiji, Ghana, Guyana, Island, Mikronesien, Irak, Jamaica, Kosovo, Libanon, Nepal, Neuseeland, „Palästina“, Papua-Neuguinea, Samoa, Seychellen, Thailand und Sambia.

Zu den Staaten, in denen der Zweite Weltkrieg oder der Nationalsozialismus angeführt werden, ohne dass der Holocaust erwähnt wird (hellorange), gehören: Algerien, Bhutan, Bosnien-Herzegowina, Botswana, Burkina Faso, China, Cook-Inseln, Costa Rica, Elfenbeinküste, Zypern, Demokratische Republik Congo, Dominikanische Republik, El Salvador, Gambia, Georgien, Honduras, Indien, Indonesien, Japan, Kenia, Lesotho, Malaysia, Mauritius, Marokko, Mozambique, Nicaragua, Niger, Norwegen, Pakistan, Paraguay, Peru, Republik Korea, Ruanda, Schottland, Senegal, Sri Lanka, Surinam, Schweiz (Kantone Jura und Lausanne), Tunesien, Uganda, Ukraine, Vereinigte Arabische Emirate, Tansania, Uruguay, Jemen, Zimbabwe.

Viele muslimische Staaten, die vermutlich den Holocaust nicht lehren, stellten für diese Studie keine Schulbücher zur Verfügung (weiß), darunter Afghanistan, Bangladesch, Iran, Jordanien, Kuwait, Oman, Qatar, Saudi-Arabien, der Südsudan, Sudan, Syrien und viele weitere.

Interessanterweise ist der US-Bundesstaat Maryland der einzige, der genannt wurde, weil er den Holocaust nicht als eigenes Thema lehrt, sondern nur als Teil eines allgemeineren Menschenrechts-Curriculums.

Verlust akademischer Freiheit

DryBones, 4. Januar 2015

„Akademische Freiheit“ bedeutete (zumindest in Amerika) üblicherweise, dass unpopuläre Meinungen und Redner für Bildung unerlässlich sind. Das Ziel bestand darin Studenten zum Lernen des selbstständigen Denkens zu ermutigen. Dieser Tage ist die akademische Freiheit weitgehend von Lehrenden ersetzt worden, die Doktrinäres ausgießen. Was wir heute haben, ist ein bedauerlicher akademischer Verlust an Freiheit. In der heutigen Karikatur demonstriert das unsere neue Figur, „der Professor“.

Der Vorschlag eines Trolls

Dass er ein Troll ist, stellte sich erst in seinen nächsten versuchten Kommentareinträgen heraus. Trotzdem fand ich den Vorschlag interessant:

HI Heplev, wäre folgender Bericht nicht ein Artikel wert?
http://www.fluter.de/de/140/thema/13231/

Der Link berichtet über einen Schulbuch-Versuch, in dem die israelische Sicht der Geschichte des Landes im 20. Jahrhundert der der sogenannten Palästinenser gegenüber gestellt wird. Die Autoren hofften, dass sich damit ein Ausgleich und mehr Verständnis für einander schaffen lässt. (Wie das mit Lügen und Verdrehungen von historischen Fakten funktionieren soll, bleibt mal dahin gestellt.) Dass sie sich selbst nicht auf etwas Gemeinsames einigen konnten und stattdessen ihre beiden Narrative nebeneinander zu stellen, spricht schon für sich.

Aber ja, ich denke, der Artikel ist es wert wahrgenommen zu werden. Deshalb habe ich ihn an mehrere Bekannte geschickt und um deren Meinung gebeten. Hier die drei Reaktionen:

Ulrich W. Sahm:

Es beginnt schon mit der Vorstellung:

Dani Bar On ist 1938 in Haifa geboren. Warum ist es so wichtig zu vermerken, dass seine Familie 1933 (also lange vor dem Holocaust) aus Hamburg emigirierte?
Sami Adwan ist 1954 in Hebron geboren. Das war unter jordanischer „Besatzung“. Erst mit 13 geriet er unter „israelische Besatzung“.

Im Buch (Vorwort) steht:

Das von PRIME herausgegebene Buch wurde von sechs jüdischen und sechs palästinensischen Geschichtslehrerinnen und Lehrern zusammen mit wissenschaftlichen Experten verfasst.

Sind die Juden Amerikaner, Schweizer oder Südafrikaaner? Und die Palästinenser sind Moslems oder Christen?
Und wer sind die „wissenschaftlichen Experten“?

Yousuf Tumaizi (1957-2002), wurde im Dorf Idna geboren. Er wurde mehr als 20 Mal festgenommen und verbrachte mehrere Jahre in israelischen Gefängnissen.
Warum wird hier verschwiegen, weshalb er im Gefängnis saß?

Interessante Anmerkung auf Seite 8 des palästinensischen Narrativs:

Für die Palästinenser war das Jahr 1917 nur das erste in einer langen Reihe von Jahren – 1920, 1921, 1929, 1936, 1948, 1967, 1987, 2002 – die von Tragödien, Krieg, Unglück, Tod, Zerstörung, Verlust der Heimat und Katastrophen geprägt waren.

Wann haben sich eigentlich die Palästinenser als solche konstituiert oder ist das nur im Rückblick gesagt?
(Anmerkung heplev: 1920, 1921, 1929, 1936 waren von den Arabern angezettelte antijüdische Pogrome/Pogromversuche! 1948, 1967 waren von den Arabern inszenierte Judenvernichtungsversuche; 1987, 2002 waren von den Arabern angezettelte, gewalttätige Auseinandersetzungen.)

Auf Seite 10 im palästineneischen Narrativ:

Die Balfour-Deklaration gilt als politischer Teilsieg der zionistischen Bewegung. Verlierer waren die Araber und Muslime, denen das Heilige Land ursprünglich gehörte.

400 Jahre lang gehörte das Gebiet zum Osmanischen Reich. Worin bestand der Anspruch, dass dieses Land „Arabern und Muslimen“ gehörte. Wo bleiben die Christen und die Juden?

Paul aus der Schweiz schreibt:

Unsere Postmoderne ist davon geprägt, dass Wahrheit immer subjektiv ist. Absolute Wahrheit existiert nicht mehr. Der Begriff “Narrativ” statt Geschichte ist bezeichnend. Auch die Theologie braucht heute diesen Begriff des ‘Narrativs.’ Er schließt die subjektive Interpretation des Geschehenen ein. Einen Konflikt lösen zu wollen, indem man aus den beiden ‘Narrativen’ ein neues ‘Narrativ’ herstellen will, mit dem beide Seiten leben können, gibt es nicht.

Ein Konflikt kann nur gelöst werden, wenn eine außenstehende Vermittlung die beiden Kontrahenten dazu bringen kann, sich über den gemeinsamen Kern ihres Konflikts einig zu werden. Dieser Kern muss eine Formulierung finden, mit der beide Seiten einverstanden sind. Erst auf dieser Basis kann die außenstehende Vermittlung mit den beiden Seiten nach einer Lösung suchen.

Dies setzt voraus, dass die beiden Seiten daran interessiert sind, eine Lösung zu finden. Wenn die eine der beiden Seiten jedoch die andere vernichten will oder, wie in diesem Fall, ihr das Existenzrecht abstreitet, dann gibt es keine friedliche Lösung. Dann kann nur noch die Gewalt dem Konflikt ein Ende bereiten. Dann kommt es nur noch darauf an, wer der Sieger ist.

Die Schwierigkeit, die ich sehe, ist das Verharren der einen Seite auf einer religiösen Grundlage (Koran), die es erlaubt, den Feind zu belügen, wenn es der eigenen Sache dient.

Ein Geschichtsunterricht, der die Absicht hat, beiden Seiten die Sicht der Anderen zu vermitteln, aus der dann beidseitig das Verständnis für den Anderen wachsen soll, unterliegt dem Irrtum, dass beide Seiten rational denken. Bei Gewerkschaften, in denen es um Arbeitskonflikte innerhalb derselben Kultur und desselben Weltbilds geht, ist eine solche Strategie durchaus möglich. Wo es aber um weltanschauliche, kulturelle und religiösen Verschiedenheiten geht, ist die Annahme des jeweils anderen Narrativs nicht möglich, es sei denn, die eine Seite ordnet sich der andern unter.

Der Weg des Narrativ-Vergleichs ist meines Erachtens im gegebenen Fall nur interessant, wenn die Bedingung des gegenseitigen Existenzrechts der garantierte gemeinsame Nenner bleibt. Sonst kann kein gegenseitiges Vertrauen entstehen, dass der Andere wirklich ehrlich ist.

Ich sehe das ähnlich. Dazu kommt: Wie die Araber die Geschichte dieses Landstriches sehen, ist bekannt, wird bei uns immer stärker in den Vordergrund gestellt. Dass die Fakten sich mit dem nicht decken, wollen viele bei uns immer weniger wahr haben.

Das Buch wird von denen für gut befunden, die gegen Israel Stellung beziehen. Sie propagieren „palästinensische“ Narrativ und wollen es gegen das israelische – und die historischen Fakten – durchsetzen. Dabei wäre es nötig, dass die Araber – und inzwischen die Menschen im Westen auch – das israelische Narrativ und die Fakten wieder zur Kenntnis nehmen, ohne sie durch das arabische übertrumpfen zu wollen. Würde das Buch dafür genutzt, hätte es so etwas wie echten Sinn. Im Westen. Bei den Arabern bin ich mir da alles andere als sicher.

Heute (5.12.) kam eine komplette Rezension von Cora:

„Die Vergangenheit ist unserer Barmherzigkeit ausgeliefert.“ schrieb Johan Huizinga im Vorwort seines Buches „Im Banne der Geschichte“ 1942.

Geschichte besteht eben nicht nur aus unverrückbaren Zahlen und Fakten sondern auch aus deren Interpretation. Und diese ändern sich. Sie ändern sich durch neue Erkenntnisse ebenso wie durch politische Gegebenheiten. Und aus diesen Veränderungen entsteht erneut „Geschichte“, denn die Interpretationen lassen in der Rückschau oft Schlüsse auf die Gesellschaft derer zu, die die vorliegenden Daten und Fakten interpretiert haben.

Unter diesem Gesichtspunkt lässt das israelisch-palästinensische „Geschichtsbuch“ tief blicken. Es zeigt zum einen einen faktenorientierten und durchaus auch selbstkritischen Blick auf das Geschehen von den 20er Jahren bis heute auf israelischer Seite und einen, vor allem dem Narrativ verpflichteten und von Schuldzuweisungen strotzenden Blick der Jahre 1947 bis heute auf der palästinensischen Seite.

Lässt man nun mal außer Acht, was tatsächlich in den Jahrzehnten, die dieses Buch darstellt, geschehen ist, wer also näher an den historischen Tatsachen ist und konzentriert sich ganz und gar auf die Art der Darstellung, dann kann man daraus einen guten Rückschluss auf die jeweilige Gesellschaft ziehen. (Vorausgesetzt natürlich, dass beide Darstellungen der jeweiligen „offiziellen“ Geschichtsschreibung entsprechen.)

Was ist von einer Gesellschaft zu halten, die sich einzig und allein als Spielball äußerer, böswilliger Mächte sieht?
Was ist von einer Gesellschaft zu halten, die sich einzig und allein durch diesen Opferstatus definiert?
Was ist von einer Gesellschaft zu halten, die das einfache Prinzip von actio und reactio, also vom Tun und dessen Folgen, nicht nur nicht anerkennt, sondern geradezu negiert?
Was ist von einer Gesellschaft, einem Volk, zu halten, dessen „Geschichtsbewusstsein“ ganz und gar auf das Verlorene, das Vergangene bezogen ist, ohne daraus einen Blick für die Zukunft zu gewinnen?
Was ist von einer Gesellschaft zu halten, die sich zugleich als Opfer als auch den anderen Gesellschaften gegenüber höherwertig darstellt?

Dem halbwegs historisch bewanderten Leser dürften hier diverse Parallelen zu anderen Interpretationen der Geschichte auffallen.

Die Gegenüberstellung beider Seiten ist daher weniger von historischer Bedeutung als vielmehr eine Möglichkeit, einen Blick in die jeweiligen Völker zu werfen, die sich ein kleines Stück Erde miteinander teilen müssen. Es zeigt deutlich die großen Unterschiede im Umgang mit dem Gewesenen und den Folgen, die die jeweilige Gesellschaft daraus zieht – rückwärtsgewandt oder der Zukunft zugewandt.

Für Historiker und historisch Bewanderte sicher eine interessante Bereicherung, für Schüler aber gänzlich ungeeignet. Ihnen fehlt zumeist noch das tragende Gerüst der Geschichtswissenschaft: Die unverrückbaren Daten und Fakten. Ohne diese aber wird aus einer Interpretation allzu oft eine Ideologie.

Problematisch ist außerdem, dass die jeweiligen Zeitleisten verschoben sind – die israelische Geschichte beginnt mit den 20er Jahren, während die palästinensische erst mit dem Unabhängigkeitskrieg, bzw. der Naqba (also „Katastrophe“) einsetzt. Wichtige Personen der palästinensischen Geschichte werden überhaupt nicht genannt; so fehlen unter anderem Ahmed al Shukri, Daoud Masswem und der berüchtigte Mufti von Jerusalem, al Husseini, ebenso wie George Habash oder Ahmed Jibril, um nur einige zu nennen, bzw. finden sich nur im „israelischen“ Teil. Hier hätten die Macher mehr Sorgfalt walten lassen müssen.

Fazit: Ein interessanter Versuch, die Interpretation des Geschehenen durch zwei völlig unterschiedliche Gesellschaften aufzuzeigen. Als Unterrichtsmaterial unbrauchbar, für Historiker und historisch Bewanderte aber durchaus interessant. Allerdings sollten die beiden „Narrative“ der Zeitleiste angepasst werden um einer Gegenüberstellung gerecht zu werden.