Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (15.-21. Oktober 2017)

Dieser Eintrag wird auf der Seite oben gehalten; die sonstigen Einträge folgen darunter.
Eine Liste der täglichen terroristischen ‚Vorkommnisse‘ wird in den Friedfertigkeiten 2017 geführt.

Sonntag, 15.10.2017:

Der Imam der Al-Aqsa-Moschee beschuldigt jüdische „Extremisten“, diese würden einen Krieg gegen die Al-Aqsa führen.

Nach Angaben israelischer Tempelberg-Organisationen hat sich die Zahl jüdischer Besucher auf dem Tempelberg im Allgemeinen und besonders während der Festwoche zum Laubhüttenfest zugenommen. Und das, obwohl das Plateau während der Feiertag an drei Tagen mehr als sonst für Juden gesperrt war.

Ein israelischer Araber aus Galiläa wurde wegen Aufstachelung zu Terror angeklagt.

Montag, 16.10.2017:

Der Islamische Staat reklamiert den gestrigen Raketenangriff aus dem Sinai auf Israel für sich.

Trumps Nahost-Gesandter Jason Greenblatt wurde bei seinem Besuch in Ramallah von Rami Hamdallah gedrängt Israel unter Druck zu setzen die Bautätigkeiten in Judäa und Samaria einzusellen.

Dienstag, 17.10.2017:

Weil die Stadt Um el-Fahm in einer von der staatlichen Lotterie und dem Bildungsministerium finanzierten (und von der Lotterie vor ein paar Jahren neu renovierten) Sporthalle eine Veranstaltung abhielt, mit der der Chef der verbotenen Islamischen Bewegung unterstützt wird, der in der Stadt lebt, hat die Lotterie jetzt jegliche Zahlungen an die Stadt eingestellt. Die Veranstaltung widerspricht allen Vereinbarungen mit und Prinzipien der Lotterie.

Die Zeit der Olivenernten-Lügen ist wieder da. Angeblich sind die Siedler wieder dabei arabische Olivenbäume fällten zu wollen und haben „einen Angriff erfolgreich abgewehrt“. Das ist – mal wieder – nie passiert.

Die palästinensische Künstler-„Gewerkschaft“ warnte arabische Künstler, sie würden aus der Gewerkschaft ausgeschlossen, sollten sie an einem israelischen Kulturfestival in Jerusalem teilnehmen.

Mittwoch, 18.10.2017:

Das israelische Sicherheitskabinett hat beschlossen und verkündet, dass mit einer PA-Regierung, der die Hamas angehört, nicht verhandelt wird. Die Hamas beschwert sich deshalb, Israel würde sich in die inneren Angelegenheiten der Palästinenser einmischen.
Die PA besteht auf der Einheit mit der Hamas.

Bildungsminister Bennett erklärte am Morgen, dass die Sicherheitskooperation Israels mit der PA ungeachtet des Einheits-Deals mit der Hamas weitergeht.

Donnerstag, 19.10.2017:

Grenzpolizisten nahmen in Jenin zwei 17-jährige fest, die letzte Woche einen Selbstmordbomber losgeschickt hatten.

Die Al-Quds-Universität ehrte einmal mehr massenmörderische Terroristen. Beim Empfang neuer Studenten gab es große Banner, die ihnen verkündeten, wer palästinensische „Helden“ sind – die Gründer und Chefs von Terrororganisationen, verantwortlich für viele hundert ermordete Israelis.

Die Hamas ließ wissen, dass „niemand im Universum uns entwaffnen kann“. Außerdem werde sie nicht darüber diskutieren Israel anzuerkennen, sondern ausschließlich darüber es zu vernichten.

Freitag, 20.10.2017:

Die PA-Araber errichteten in Qalqilya errichteten ein Denkmal für Saddam Hussein; es trägt die Inschrift „Arabisches Palästina vom Fluss bis zum Meer“.

Die PA-Gesandtschaft in Kolumbien twitterte ein Zitat Arafats – in dem er klar erklärt, dass das Ziel der Araber nicht Frieden, sondern das Ende Israels ist.

Bilanz: Der September 2017 war mit 103 Terroranschlägen der mit den wenigsten Anschläge innerhalb eines Monats der letzten 5 Jahre.

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Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (8.-14. Oktober 2017)

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Eine Liste der täglichen terroristischen ‚Vorkommnisse‘ wird in den Friedfertigkeiten 2017 geführt.

Sonntag, 07.10.2017:

Das für die Diplomatie zuständige Büro der PA ließ zum „Tag des palästinensischen Erbes“ wissen, dass dieses „palästinensische Erbe“ stärker sei als die „Besatzung“, die das „Erbe“ auslöschen wolle.

Die Terroristen der Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden bestätigten, dass sie ihre Waffen „niemals niederlegen“ werden.

Am Morgen kamen Tausende Juden für den „priesterlichen Segen“ zur Westmauer; darunter befand sich auch der US-Botschafter in Israel. Die palästinensischen Medien geiferten aus diesem Anlass: Der Botschafter habe „mit tausenden Siedlern“ „talmudische Rituale“ an der „Westmauer der Al-Aqsa-Moschee“ ausgführt.

Die Fatah betrauert den Tod des „heldenhaften Märtyrers Nimr Mahmud Ahmed Al-Jamal“. Der Terrorist hatte letzten Monat bei Har Adar 3 Israelis ermordet.

Unter der Woche wurde in Kfar Qassem (einem arabischen Ort in Israel) ein älterer Israeli ermordet; was von der Polizei anfangs als kriminelle Tat eingeschätzt wurde, gilt inzwischen als Terroranschlag; 2 Verdächtige PA-Araber wurden Donnerstag festgenommen.

Dienstag, 10.10.2017:

Facebook-Post der Fatah: Für Allah zu sterben „wird den Staat Palästina schaffen“. Und: „Aus dem Meer des Blutes der Märtyrer werden wir den Staat Palästina gründen.“ Außerdem gab es eine Kollage von Palästinenser-„Führern“, zu denen u.a. Bilder von Dalal Mughrabi und Yassir Arafat gehören.

Die PA behauptet Israel vereitle Trumps Bemühungen die Verhandlungen wieder aufzunehmen.

Mittwoch, 11.10.2017:

Soda Stream hat in Ma’ale Efraim im Jordantal für palästinensische Arbeiter eine vorläufige Produktionsstätte eröffnet. Motto: Wenn die Arbeiter nicht zur Produktion kommen können, kommt die Produktion zu den Arbeiten. Diese Araber können wegen der Morde von Har Adar nicht nach Israel kommen.

Zum zweiten Mal hintereinander feierten 100 Israelis und palästinensische Araber in Efrat in der Sukkah des Vorsitzenden des YESHA-Rats ihre Koexistenz.

Donnerstag, 12.10.2017:

Ein General der IDF warnte die Hamas davor weiterhin mit Lasern zu versuchen an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel israelische Soldaten zu blenden. Diese Provokationen könnten zu einer „Reaktion“ führen.

Die Aussöhnung zwischen Fatah und Hamas macht es nach Meinung von Benjamin Netanyahu schwieriger einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern zu erzielen.

Freitag, 13.10.2017:

Die jordanische Regierung verurteilte Israel dafür, dass es Juden gestattet den Tempelberg zu besuchen. Das sei unverantwortlich sowie eine Provokation für Muslime. Der Minister für Medienangelegenheiten „provoziere auf unverantwortliche Weise; außerdem würden diese Besuche die Al-Aqsa-Moschee schädigen.

Die Knessest-Abgeordnete Hanin Zoabi (arabische Liste) ließ wissen, dass Juden kein Recht auf Selbstbestimmung haben; daher dürfe Israel nicht als jüdischer Staat existieren.

In London könnte die Wahrheit unter der Oberfläche gefunden werden

Dr. Joel Fishman, Makor Rishon, 22. Juli 2005 (direkt vom Autor)

Aus den unterschiedlichen Reaktionen, die in der israelischen Presse erschienen, wird deutlich, dass die Terroranschläge in London eine besondere Bedeutung hatten. Die spontanen Reaktionen vieler waren zwar Mitgefühl und Anteilnahme, aber eine Reihe Schreiber warfen eine andere Frage auf: die Beschuldigung der intellektuellen Unehrlichkeit, insbesondere bei der BBC, die in Fällen außerhalb von England die Terroristen nicht bei ihrem wahren Namen nannte. Diesmal jedoch, benutzte London für kurze Zeit das richtige Wort: Terroristen. Das ist eine ernste Sache, denn Worte können so wichtig sein wie Taten, insbesondere wenn sie die öffentliche Wahrnehmung der Wirklichkeit formen.

Dass die BBC besonderes Vokabular benutzt um die furchtbare Realität des Terrors zu kaschieren oder sogar zu legitimieren, wenn er gegen andere eingesetzt wird, ist nicht neu; aber man muss die Bedeutung begreifen. Eine Wahl der Worte, die andeutet, dass Terror gegen andere legitim ist, gegen Briten aber nicht, ist moralisch verwerflich, denn um diese Ansicht zu vertreten muss man davon ausgehen, dass nicht alle Menschen gleich sind oder dass die Engländer gleicher sind als andere – was rassistisch ist. Bestenfalls könnte dies ein Beispiel orwellschen „Doppeldenkens“ sein. Tatsächlich könnte im Hinterkopf ein Gefühl lauern, dass die Probleme anderer, wenn sie weit weg sind, uns nicht sonderlich betreffen. Als Neville Chamberlain die Tschechoslowakei ihrem Schicksal überließ, tat er die nazideutsche Aggression ab als „einen Streit in einem Land weit weg, zwischen Leuten, über die wir nichts wissen.“ Das Problem heute ist, dass zwar solche Einstellungen weiter bestehen, die modernen „Streitigkeiten“ aber nicht länger weit weg sind.

Es sollte angemerkt werden, dass die britische Regierung tatsächlich versuchte, mit den Terrorkräften ihren Frieden zu schließen. Bei der Entführung eines britischen Flugzeugs im September 1970 nach Jordanien erfüllte die Regierung Heath die Forderungen der palästinensischen Entführer, obwohl Großbritannien 1963 die Internationale Konvention von Tokio zu Flugzeugentführungen unterschrieben hatte, dass mit Entführern nicht verhandelt würde. Jahre später sagte Leila Khaled, Entführerin im Ruhestand: „Es war ein guter Schritt für uns, dass wir sahen, dass mit Regierungen verhandelt werden konnte. Wir konnten unsere Forderungen durchsetzen. Der Erfolg dieser Taktik der Entführungen und der Durchsetzung unserer Forderungen gab uns den Mut und die Sicherheit unseren Kampf fortzuführen.“ Arafats Biographen, Barry und Judy Rubin, berichteten, dass König Hussein vor dem Schwarzen September die Briten um Hilfe bat, um das haschemitische Königreich zu retten. Unter Gebrauch von Archivquellen, nämlich den Mitschriften aus den Sitzungen des britischen Kabinetts, berichteten die Rubins, dass die Regierung Heath sich entschied Hussein fallen zu lassen und den Amerikanern empfahl dasselbe zu tun. Am Ende schaffte es Hussein an der Macht zu bleiben – mit Hilfe der USA und eines Nachbarstaates. (Diese Woche starb Edward Heath im reifen Alter von 89 Jahren.)

Offensichtlich gibt es eine Dynamik, dass man erst dem Terror nachgibt, dann den Versuch unternimmt diejenigen zu beschwichtigen, die die Terroristen schickten, indem man ihre „vernünftigen Ansprüche“ befriedigt und schließlich zu ihren Anwälten wird. 1980 schrieb Terence Prittie, ein britischer Freund Israels, dass das britische Außenministerium die Unwahrheit zu verbreiten begann – heute bekannt als die Doktrin des Verstehens – „dass die Regelung der ‚Palästinensischen Frage‘ es ermöglichen würde, dass alle anderen Teile des Nahost-Puzzle sich hübsch zusammenfügen, was in Frieden, Fortschritt und Wohlstand für alle mündet.“ Prittie erklärte weiter die Motivation: „Angesichts einer europäisch inspirierten Regelung der palästinensischen Frage, in die Großbritannien sehr stark involviert sein würde, wäre die Dankbarkeit der arabischen Welt grenzenlos; die Möglichkeit, unschätzbaren Rat zur Lösung anderer innerarabischer Dispute geben zu können, wäre grenzenlos.“ Daher würde es viel arabisches Öl und Investitionen für Europa geben und europäische Technologie und Expertenwissen würde in die umgekehrte Richtung fließen. Das würde ein goldenes Zeitalter europäisch-arabischer Zusammenarbeit eröffnen. Prittie schrieb kurz nach dem Gipfel von Venedig im Juni 1980, auf dem die EWG-Regierungsspitzen eine Erklärung über die Notwendigkeit veröffentlichten, die PLO in zukünftige Nahost-Verhandlungen einzubeziehen. Damals wurden Amerikaner im Iran als Geiseln festgehalten (4. November 1979 – 20. Januar 1981) und Präsident Carter zeigte historische Schwäche, was die arabische Welt enorm ermutigte. Das von Prittie beschriebene Denken stimmt im Grundsatz mit dem britischen und europäischen von heute überein, aber das goldene Zeitalter, von dem geträumt wurde, kam nicht zustande. Großbritannien mag zwar beträchtliche finanzielle Gewinne verbucht haben, aber nachdem es von Anfang an gegenüber dem Terror klein beigegeben hat, sieht es sich nun einer weit gefährlicheren Realität gegenüber. Denn aus Sicht der Araber hat der Terror funktioniert. Er funktionierte nicht nur, weil er half, dass die Täter ihr unmittelbares Ziel erreichten, sondern er schuf auch eine Dynamik, die die fortgesetzte politische Zusammenarbeit seiner Opfer sicher stellte.

In diesem Zusammenhang veröffentlichte kürzlich (im Juni 2005) das Center for Monitoring the Impact of Peace (CMIP) einen Bericht über palästinensische Schulbücher, der eine verräterische Passage aus „Islamic Education“, einem Buch der 10. Klasse, enthielt. Arnon Grois identifizierte einen Text, der islamische Moral mit der des Westens verglich: „[Islamische] Moral unterscheidet sich von der anderer Völker, denn [westliche Moral] wird von Relativität, Unstetigkeit und Unterordnung unter das Kriterium der Interessen und des Nutzens charakterisiert. Solche Völker sind nicht an sie gebunden, wenn sie ihnen nicht einen gewissen Gewinn einbringen.“ Der Text zeigt, dass, obwohl die Briten die Sache erfolgreich vernebelt haben mögen, die Palästinenser deutlich eine westliche Verletzbarkeit feststellten, bei der Zweckmäßigkeit Vorrang vor Prinzipientreue hatte.

Das Nichtvorhandensein moralischer Klarheit, die die palästinensischen Schulbücher beschreiben, wird durch die pragmatische Anwendung einer Sprache mit barbarischer Gewalt beispielhaft gezeigt. Nicht nur die Worte sind falsch; solches sprachliches Zusammenwirken befreit diejenigen von Verantwortung, für die das Ziel die Mittel heiligt. Diese Entwicklung zeigt auf, dass die Briten die moralische Dimension des Konflikts nicht mehr verstehen, in dem sie sich befinden – eine Entwicklung, die ihnen letztlich die Fähigkeit schwächt sich zu verteidigen. Eine damit zusammenhängende Möglichkeit ist, dass sie sich Stück für Stück in den Status einer „beschützten Minderheit“, der Dhimmi, im Europa der Zukunft konditionieren.

Erziehung mit Mord in Holland

Daniel Pipes, The New York Sun, 16. November 2004

Erziehung durch Mord“ beschreibt die langsame und schmerzliche Art und Weise, in der Menschen gegenüber dem Problem des radikalen Islam wach werden. Es waren 3.000 Tote nötig, damit die Amerikaner aufwachten, zumindest ihre konservative Hälfte. Ähnlich mussten Hunderte bei der Explosion in Bali sterben, um die Australier halbwegs zu wecken, für die Spanier war der Anschlag in Madrid notwendig und für die Russen die Gräueltat von Beslan. Zwölf im Irak geköpfte Arbeiter weckten die Nepalesen.

Es war aber nur ein Toter nötig, um viele Holländer zu wecken. Ein grauenvoller Mord könnte tatsächlich mehr getan haben, um die Niederlande aufzurütteln als der 11.9.2001 für die Amerikaner.

Der Grund dafür liegt in der Identität des Opfers und der Natur des Verbrechens. Es war Theo van Gogh, 47, ein bekannter, radikal liberaler Freidenker, Filmemacher, Fernseh-Produzent, Talkmaster, Zeitungskolumnist und rundum-Unruhestifter, der sich des Unterschieds erfreute ein Verwandter von Hollands berühmtesten Künstler, Vincent van Gogh, zu sein. In den letzten Jahren sammelte Theo Aufmerksamkeit durch Kritik am Islam in seinem Buch von 2003 (Allah weiß es am Besten) und einem Film von 2004 (Unterwerfung).

Er wurde am 2. November um 8.40 Uhr in seiner Heimatstadt Amsterdam ermordet, als er auf einer belebten Straße zur Arbeit radelte. Während wiederholt auf ihn geschossen wurde, flehte van Gogh seinen Killer an: „Tu es nicht. Tu es nicht. Gnade. Gnade!“ Dann stach der Killer ihm mit einem Messer in die Brust und schlitzte ihm mit einem anderen die Kehle auf, wobei er van Gogh fast enthauptete.

Der Mordverdächtige, Mohammed Bouyeri, 26, ein in Holland geborener marokkanischer Niederländer, hinterließ eine fünfseitige Note in arabischer und holländischer Sprache, das er van Gogh an den Körper heftete. Darin drohte er Jihad gegen den Westen allgemein an („Ich weiß sicher, dass du, o Europa, vernichtet werden wirst“), insbesondere aber gegen fünf prominente Holländer.

Die Ermittler der Polizei erkannten schnell, dass der Mörder ein Islamist war, den sie gut kennen und den sich bis zwei Wochen vor der Tat überwachten; sie hatten ihn sogar ins „Hofstadsgroep“-Netzwerk eingegeben und warfen ihm und sechs seiner Freunde „Verschwörung mit terroristischen Motiven“ vor. Die Behörden sagten außerdem, dass sie möglicherweise Verbindungen zu den Terrorgruppen Takfir wa’l-Hijra und Al-Qaida hatten.

Dass ein nicht muslimischer Kritiker des Islam rituell ermordet wurde, weil er seine Ansichten künstlerisch ausdrückte, war beispiellos, nicht nur in Holland, sondern überall im Westen. Die holländische Abscheu angesichts der Tat erschütterte die tiefe Selbstgefälligkeit der vielleicht tolerantesten Gesellschaft der Welt. Einwanderungsministerin Rita Verdonk, eine der fünf bedrohten Personen, verwünschte öffentlich, dass das Land lange die Präsenz des radikalen Islam ignoriert hat. „Zu lange haben wir gesagt wir hätten eine multikulturelle Gesellschaft und alle könnten einfach miteinander auskommen. Wir waren zu naiv zu glauben, die Leute würden in unserer Gesellschaft miteinander leben.“

Jozias van Aartsen, parlamentarischer Leiter der VVD-Partei, ging weiter und warnte, dass der „Jihad in die Niederlande gekommen ist und eine kleine Gruppe jihadistischer Terroristen die Prinzipien unseres Landes angreifen. Diese Leute wollen unsere Gesellschaft nicht verändern, sondern sie wollen sie zerstören.“

Einen Tag nach dem Mord versammelten sich 20.000 Demonstranten, um die Tötung zu verurteilen; dreißig wurden verhaftet, weil sie Hass gegen Muslime schürten. Innenminister Johan Remkes verkündete, dass er Unruhen nicht ausschließen könne. „Das Klima hat sich ernstlich verschärft.“ Er wurde bestätigt, als in den nächsten beiden Wochen mehr als zwanzig Brand- und Bombenanschläge und Gegenangriffe auf Moscheen, Kirchen und andere Einrichtungen stattfanden, dazu einige größere Polizeiaktionen, was dem Land das Gefühl eines Bürgerkriegs auf niedrigem Niveau vermittelte.

Die holländische Haltung gegenüber den Muslimen verhärtete sich sofort und stark. Eine Umfrage stellte fest, dass 40 Prozent er Bevölkerung sich wünschen, dass die fast eine Million starke Gemeinde der Muslime sich in den Niederlanden nicht länger Zuhause fühlen. Die doppelte Zahl befürwortete eine strengere Politik den Einwanderern gegenüber.

Die führende Zeitung „De Telegraaf“ veröffentlichte einen Kommentar, der vor dem Mord an van Gogh unvorstellbar war: er forderte „ein sehr öffentliches, hartes Vorgehen gegen extremistische Muslim-Fanatiker“. Selbst linke Politiker kamen zu der Einsicht, dass es nötig ist „harte Wahrheiten“ zur Einwanderung auszusprechen und konzentrierten sich auf die unverhältnismäßig hohe Kriminalität der Muslimen.

Islamistischer Terror im Westen ist kontraproduktiv, weil er die schlafenden Massen aufweckt; kurz gesagt: der Jihad provoziert Kreuzzüge. Ein raffinierterer islamistischer Feind würde sein totalitäres Programm durch mafiaartige Einschüchterung voran treiben, nicht durch dreiste Morde.

Aber wenn die Islamisten mit offenem Terror weiter machen, wird sich die harte holländische Reaktion überall wiederholen.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (24.-30. September 2017)

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Eine Liste der täglichen terroristischen ‚Vorkommnisse‘ wird in den Friedfertigkeiten 2017 geführt.

Sonntag, 24.09.2017:

Die Jerusalemer Polizei hat Juden jetzt verboten zu Sukkhot die „vier Baumfrüchte“ (3. Mose 23,40) mit auf den Tempelberg zu nehmen. Das zu tun würde den Status quo verletzten, demgemäß Juden auf dem Tempelberg nicht beten dürfen.

Jibril Rajoub, Generalsekretär des Zentralkomitees der Fatah, nutzte vor kurzem seine Einreisegenehmigung nach Israel zum Besuch der Familie eines Terroristen, der wegen Entführung und Mord zu lebenslanger Haft verurteilt wurde (Shimon Peres reduzierte als Präsident die Strafe auf 40 Jahre Gefängnis). Auf Facebook verkündet er den Besuch ganz stolz und postete Bilder mit der Familie. Der Besuch bei der Terrorfamilie war von Israel nicht genehmigt worden.

Montag, 25.09.2017:

45 Jahre nach dem Terroranschlag auf die Olympischen Spiele in München feiert die Fatah die Morde als „exzellente Operation“ und die Mörder als „die Helden der Operation von München“. (PMW-Newsletter; Link funktionierte nicht)

Die PA wollte im Muslimischen Viertel der Altstadt von Jerusalem illegal eine Veranstaltung organisieren und finanzieren. Minister Erdan verhinderte das.

Dienstag, 26.09.2017:

Die 3 ermordeten Israelis sind noch nicht beerdigt, da feiert Abbas‘ Fatah-Bewegung den Mörder und seine Tat bereits: Der Anschlag war eine „Operation“, der Terrorist ist ein „Märtyrer“. Die PA selbst ignorierte, dass es den Anschlag gab.
Genauso natürlich die Hamas und der Islamische Jihad. Der Dreifachmord „verkörpert das lebende Gewissen des palästinensischen Volks und seine Sache“.

Mittwoch, 27.09.2017:

75 Schulen der PA sind nach Terroristen sowie Nazi-Kollaborateuren benannt und ehren „Märtyrer“ und „Märtyrertum“.

Sicherheitskräfte bereiten sich darauf vor das Haus des Mörders von Har Adar abzureißen.

Benjamin Netanyahu bekräftigte seine Absicht keine Siedlungen in Judäa und Samaria mehr abzureißen – weder jüdische noch arabische.

Donnerstag, 28.09.2017:

Drei arabische Israelis aus Um el-Fahm wurden unter dem Verdacht festgenommen im Bereich des Tempelbergs einen Terroranschlag mit Schusswaffen geplant zu haben, ähnlich dem vom Juli. Die drei sind Sympathisanten des Islamischen Staats. Sicherheitskräfte durchsuchten die Häuser der Verdächtigen und beschlagnahmten zwei Schusswaffen und Munition. Die Verdächtigen bestätigten ihre Absicht.

Am Grab des Propheten Samuel am Rand von Jerusalem gibt es regelmäßig Angriffe von Arabern auf Juden, die dort beten wollen (in der Regel Steinwürfe). Direkt daneben befindet sich eine Moschee. Vor Ort ist ein einzelner Wachmann stationiert, der die Besucher gar nicht kontrollieren kann. Bei solchen Angriffen wird die Gegend stets für Juden gesperrt, während die Araber ungehindert weiter kommen können.

Die neuen PA-Schulbücher dämonisieren Israel und die Juden weiter. Sie geben an, dass Juden keine Rechte welcher Art auch immer an/in der Region haben, sondern nur habgierige Ambitionen. Außerdem haben nach ihren Angaben keinerlei heilige Stätten.

Freitag, 29.09.2017:

Hamas ist bereit einen ägyptischen Vorschlag zum Austausch von Leichen und Gefangenen mit Israel zu akzeptieren, heißt es in mit der Hamas verbundene Medien. Gleichzeitig wird Israel „gewarnt“ (also gedroht), die Hamas könne in 51 so viele Raketen auf Israel schießen, wie in den 51 Tagen während des Kriegs von 2014.

Die PA in Gestalt von Nabil Abu Rudeneh hat jetzt endlich so etwas Ähnliches wie eine Verurteilung des letzten Terroranschlags von sich gegeben – na ja, so wird es von den poltisch Korrekten interpretiert. Ser Wortlaut: „Wir verurteilen alle Gewalttaten“. Har Adar wurde nicht erwähnt. (Und intern werden Terrormorde an Juden nicht als „Gewalttaten“, sondern als Heldentum gefeiert. Übrigens behauptet YNet, Abbas habe den Terroranschlag verurteilt – ohne den Wortlaut der Erklärung durch Abbas‘ Sprecher Nabil Abu Rudeneh wiederzugeben.)

Saeb Erekat wieder: „Israel ist international als Besatzer von 100% von Palästina anerkannt, einschließlich in und um das besetzte Ost-Jerusalem“, ließ er wissen.

Die Waqf „warnt“ vor (sprich: droht mit) einem „Religionskrieg“, wenn Juden weiterhin den Tempelberg besuchen.

Samstag, 30.09.2017:

Hassan Nasrallah hielt zum islamischen Aschura-Fest eine Rede; darin beschuldigte er Israel Spionagekameras mit Sprengfallen im Südlibanon verteilt zu haben. Er drohte: Sollen Israels Verbrechen nicht auf diplomatischem Weg gehandhabt werden, würden die Terroristen andere Wege finden damit klarzukommen.

Ich klage an

Die Mitschuld Europas: Parteiliche Medien und feige Politiker dulden die palästinensische Gewalt gegen Israel. Sie vergessen, verharmlosen und lügen. Eine Streitschrift

Leon de Winter, DIE ZEIT, 23. Mai 2002 (übersetzt aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler; nicht mehr bei der ZEIT online)

Seit am 29. März israelische Panzer in die Städte im Westjordanland einzogen, sind zahllose Zivilisten ums Leben gekommen. Palästinensische Wortführer lassen keine Gelegenheit aus, kontinuierlich drei Wörter zu wiederholen: „Genozid“, „Kriegsverbrechen“, „Blutbad“. Sie wollen der Welt mitteilen, Israel töte mit Vorsatz massenweise palästinensische Bürger. Israelische Wortführer sagen, dass sie gegen palästinensische Terroristen kämpfen, die mit Vorsatz jüdische Bürger töten, und dass bei diesem Kampf unbeabsichtigt palästinensische Bürger getroffen werden.

Im kollektiven Gedächtnis der öffentlichen Meinung verschwinden die Tatsachen mit rasender Geschwindigkeit. In den letzten Tagen ist die Ursache der massiven Anwesenheit israelischer Soldaten in den Städten des Westjordanlandes kaum mehr erwähnt worden. Es scheint mir sinnvoll, Folgendes in Erinnerung zu rufen: Israelische Panzer stehen in Ramallah und Hebron, weil am 27. März dieses Jahres in Netanja ein Anschlag verübt worden ist. Im Park Hotel sprengte ein Mann aus dem palästinensischen Dorf Tulkarem sich selbst und 26 Juden in die Luft. Diese Juden waren zusammengekommen, um miteinander Pessach zu feiern, den wichtigsten Abend in der jüdischen Tradition.

Folgendes geschieht an einem Seder-Abend: Während alle feierlich zuschauen – festlich gekleidet, in Erwartung einer geselligen Mahlzeit mit Essen und Trinken, mit Gesang, mit lästigen Kindern und betrunkenen Onkeln -, stellt der jüngste anwesende Knabe die Frage, warum dieser Abend anders ist als alle anderen Abende. Die Frage ist die Einleitung zu der Geschichte, die dann erzählt wird: der Auszug der Juden aus Ägypten, wo sie Sklaven waren, unter der Führung von Moses.

Es ist so gut wie sicher, dass es nie einen historischen Moses gegeben hat (so wie man Fragezeichen hinter die Anwesenheit jüdischer Sklaven in Ägypten setzen kann), aber die Bedeutung der Geschichte übersteigt ihre zweifelhafte historische Wahrheit. Die Tafeln mit den Zehn Geboten stellen für die Juden eine Revolution in der Geschichte der Ethik dar. Zugleich legitimiert die Moses-Legende die Eroberung des Gelobten Landes durch die Juden, ein typischer Mythos, der den Übergang von einer nomadischen Existenz in ein sesshaftes Dasein kennzeichnet. Am Seder-Abend wird ein Versprechen Gottes so ausführlich wie möglich erklärt: Die Erde ist den Menschen von Gott versprochen, sie müssen auf ihr Sklaverei, Aberglauben, Armut und Ungerechtigkeit bekämpfen. Dies wird am Sederabend bekannt, von fast allen jüdischen Familien in der Welt, ob gläubig oder ungläubig, denn die Geschichte drückt universelle Werte aus.

Der Selbstmörder, der am Seder-Abend das Park Hotel von Netanja betrat, um möglichst viele Juden zu vernichten, hat damit auch einen Anschlag auf diese Werte begangen. Seine Tat drückt Verachtung aus, nicht nur für sein eigenes Leben und das Leben der Menschen, die er in den Tod jagte, sondern auch Verachtung der jüdischen Kultur, der Würde und Wahrheit des Lebens. Seine Tat war keine Äußerung des Widerstands gegen die israelische Besetzung seines Dorfes, sondern es war eine Tat, die von jedem Juden der Welt nur auf eine Art verstanden werden konnte: als Botschaft, dass im Nahen Osten Juden niemals geduldet würden. Sein Anschlag war eine Kriegserklärung.

Israel hatte keine andere Wahl, als gegen die palästinensischen Städte vorzugehen, die Menschen wie den Selbstmörder von Netanja hervorbringen. Keine einzige Regierung, ob links oder rechts, hätte die Periode der Selbstbeherrschung, die dem vorausgegangen war, fortsetzen können. Der jüdische Staat war eine Reaktion auf europäischen Antisemitismus und die Ermordung der Juden in Europa, und würde dieser Staat nicht mit Gewalt auf einen derartigen, von Judenhass getriebenen Mordanschlag reagieren, würde er seine eigenen Grundlagen verleugnen. Israel beantwortete daher die Kriegserklärung mit einem Krieg.

Im Meer der Diktaturen

Israel ist eine Demokratie nach westlichem Muster in einem Meer von arabisch-islamischen Diktaturen. Trotzdem beruht das besondere Band zwischen dem Westen und Israel nur zum Teil auf gemeinsamen Merkmalen. Europäische Länder sind nicht wählerisch und unterhalten manchmal auch gute Beziehungen zu Diktaturen, wenn es etwas zu verdienen gibt; und es ist klar, dass auf Dauer die arabische Welt wichtiger für Europa ist als Israel: Öl, Erdgas und unerbittliche geopolitische und demografische Entwicklungen werden Israels Rolle in der Zukunft des Nahen Ostens zu einem unbedeutenden Phänomen reduzieren. Die besonderen europäischen Beziehungen zu Israel werden ja auch nicht von ideellen oder wirtschaftlichen Interessen getragen, sondern von der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg.

Die jüdischen Pioniere, die ihre Siedlungen buchstäblich der Wüste und den Sümpfen abgerungen hatten, machten sich keine Illusionen über das alte Europa, das sie verlassen hatten. Sie waren davon überzeugt, dass der jahrhundertealten Geschichte der europäischen Judenverfolgung auch im kommenden 20. Jahrhundert neue Kapitel hinzugefügt werden würden, und ihr Misstrauen bewahrheitete sich nicht viel später. Doch zugleich blieben die Gründer Israels Europäer; mit europäischen Gewohnheiten, Moden, ideologischen Besessenheiten, Paradoxien. Sie wollten eine moderne Demokratie gründen, aber in ihr auch ihren religiös-ethnischen Hintergrund verankern, für den ihre Vorfahren ermordet worden waren und den sie trotz ihrer atheistischen Lebensführung schätzten.

Ihre Ankunft führte sofort zu gewalttätigen Zusammenstößen. Es war klar, dass die Flucht der europäischen Juden in das britische Mandatsgebiet Palästina auf ernsthaften Widerstand der eingesessenen Bevölkerung stieß. Es war aber auch klar – und die Folgen des Zweiten Weltkriegs nahmen daran jeden Zweifel -, dass die Juden in Europa keine Zukunft hatten. Bis zum heutigen Tag ist ihr Misstrauen gegenüber Europa groß; genau genommen gegenüber der gesamten nichtjüdischen Welt. Nach der Schoah und vier Kriegen mit seinen diktatorischen arabischen Nachbarn vertrauen die Israelis nur mehr dem eigenen Instinkt und der eigenen Kraft. Sie begreifen, dass sie, dem Zufall sei Dank, durch die feinen Maschen des Netzes der Geschichte geschlüpft sind, und dieses Wunder des Zufalls hat eine spezifische Mentalität hervorgebracht, die für Illusionen über den Rest der Welt keinen Raum lässt: Die Bedrohung ist konstant, der Untergang lauert hinter jeder Ecke.

Mit einer Hassliebe zu dem Kontinent, den sie verlassen hatten, kamen die Juden nach Palästina, und die eingesessenen Araber sahen mit scheelen Blicken zu, wie sie Land kauften, nach ihren eigenen Normen und Werten lebten, ohne lokale Traditionen zu respektieren, Materialismus und andere europäische Besonderheiten einführten und die Araber als zweitrangig behandelten. Ihre Anwesenheit war umso schwerer erträglich, als die islamische Tradition die Juden ihrerseits als zweitrangige Menschen betrachtet, als feige Verräter Mohammeds.

Das europäische Schuldgefühl gegenüber den Juden artikulierte sich, als sich die internationale Gemeinschaft am 29. November 1947 über die Resolution 181 beugte, und wegen dieses Schuldgefühls ist der Umgang zwischen Israel und den westeuropäischen Ländern verkrampft geblieben. Die Israelis waren selten zurückhaltend im Ausspielen der A(ntisemitischen)-Karte, und das führte vor Jahren schon zu dem Vorwurf, dass sie ein bisschen zu heftig auf das europäische moralische Gewissen drückten, wenn Israel um wirtschaftliche oder militärische Unterstützung nachsuchte.

Doch seit dem Libanonkrieg von 1982 hat sich das europäische Schuldgefühl abgenutzt. Die Rolle Scharons, der den Feldzug geleitet hatte, wird zurzeit von der belgischen Justiz untersucht, und die öffentliche Meinung neigt dazu, die Schuld für die Massaker in Sabra und Schatila zunehmend Israel zuzuweisen. Auch in diesem Fall ist das kollektive Gedächtnis des Publikums kurz. Der libanesische Bürgerkrieg war schon seit Jahren im Gang, bevor Israel eingriff. Sein Beginn lag in gewissem Sinn in Jordanien, wo König Hussein im September 1970 viele tausend Palästinenser abschlachten ließ, die seine Monarchie und den Staat bedrohten. Er vertrieb Arafat und seine Getreuen in den Libanon, wo die PLO und andere palästinensische Kampfgruppen in wenigen Jahren persönliche Kolonialgebiete aufbauten. Dadurch begannen sich in der labilen libanesischen Gesellschaft die Gewichte zu verschieben; ein Bürgerkrieg brach aus. In dieses Chaos zog die israelische Armee ein. Kein einziger israelischer Soldat hat an den Massakern von Sabra und Schatila teilgenommen, ebenso wenig gab es einen israelischen Befehl für diese Morde, aber weil der israelische Verteidigungsminister – Scharon – von den Absichten der christlichen (!) Milizen hätte wissen müssen (und vermutlich davon wusste), wird er nun von der öffentlichen Meinung für Sabra und Schatila persönlich verantwortlich gemacht. Nach dieser Logik sind auch Kok und Voorhoeve persönlich für Srebrenica mitverantwortlich.

Von Sabra und Schatila hat sich Israel publizistisch nicht mehr erholt. Das Bild, das Europa vom jüdischen Staat hegte, basierend auf der seltsamen Wiedergeburt des schwachen, verfolgten, weisen und geläuterten Juden, der durch harte Arbeit die Wüste zum Blühen brachte, wurde ersetzt durch das Bild arroganter Militärs, die ein anderes Volk unterdrücken, um ihr eigenes Land bis zum Jordan hin auszuweiten. Das Massaker, das im selben Jahr im syrischen Hama stattfand und 20 000 Tote zur Folge hatte (die Toten von Sabra und Schatila werden auf weniger als 1000 geschätzt), zählt in der Weltmeinung nicht, weil sich dort Araber gegenseitig abschlachteten.

Die palästinensische Verzweiflung

Von Underdogs wurden die israelischen Juden zu Topdogs, und von Topdogs will die öffentliche Meinung Europas nichts wissen. In ihren Augen hat fast per definitionem die unterliegende Partei Recht, eine Haltung, die schon zu den jubelnden Reiseberichten über die Sowjetunion, das maoistische China oder, im Umkehrschluß, zur Herabsetzung der Vereinigten Staaten geführt hat. Islamistischen Extremisten gilt Israel als der Kleine Satan, der linken europäischen Intelligenzija als Amerika im Kleinen.

In dieser Atmosphäre konnten sich europäische Schuldgefühle den Juden gegenüber verflüchtigen. In den vergangenen Wochen ist in den Medien oft geäußert wurden: Die Juden, die Europa die Schoah zur Last legen, sollten es besser wissen, aber sie begehen nun selbst Verbrechen, die hinter der Schoah nicht zurückstehen. Aber worin bestehen diese Verbrechen, die manche mit den Praktiken der Nazis vergleichen? Ein niederländischer Journalist beschrieb unlängst die Erniedrigungen, die er bei einer Straßensperre zu ertragen hatte. Er musste auf die Toilette, aber träge, gelangweilte und zugleich Todesangst empfindende israelische Lausbuben in Uniform ließen die Reisenden warten, bis sie an der Reihe waren, was viele Stunden dauerte. Das ist ärgerlich und frustrierend, aber rechtfertigt die Störung eines gesunden Stuhlgangs den Terrorismus?

Die Menschen in Gaza und im Westjordanland seien verzweifelt, wird gesagt. Das sind sie auch. Ihre Verzweiflung entsteht, so wird seit Jahren geschrieben, aus zwei Quellen: Mangel an Freiheit und Mangel an ökonomischem Wohlstand. Gibt es Zahlen, die etwas über ihre sozioökonomischen Bedingungen berichten? Es gibt sie. Und diese Zahlen erzählen eine seltsame Geschichte. Bevor die heutige Intifada ausbrach, waren die sozioökonomischen Bedingungen eines Durchschnittspalästinensers in den besetzten Gebieten besser als die eines Durchschnittsbürgers in Ägypten oder Jordanien. 1998, als noch Hoffnung auf Frieden bestand, betrug das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 1560 Dollar. In Ägypten waren es 1290, in Jordanien 1150 Dollar. Der Durchschnittspalästinenser war relativ frei – beschränkt durch israelische Militärzensur -, seine politische Meinung zu äußern und Parteien und Zusammenkünfte zu organisieren, Freiheiten, die in den arabischen Nachbarstaaten kaum oder nicht zu finden sind. Sozioökonomisch ging es dem Palästinenser unter israelischer Besatzung also besser als einem syrischen Bürger unter der Diktatur.

Wer die Geschichte der Zahlen erforscht, gelangt zu verblüffenden Feststellungen: Vor den Osloer Verträgen 1993 betrug das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im Westjordanland 3500 und in Gaza 2800 Dollar, ein Vielfaches des Bruttoinlandsprodukts in den umliegenden ölarmen arabischen Ländern. Nach der Rückkehr von Arafat im Mai 1994 und der Übergabe der Verwaltung an die palästinensischen Behörden ging das Bruttoinlandsprodukt stark zurück, durch Chaos und Korruption und die israelische Absperrung der Gebiete nach terroristischen Anschlägen. Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Die Besetzung führte zu einer, nach arabischen Begriffen, ökonomischen Blüte, die, hätte sie in Ägypten stattgefunden, große weltweite Befriedigung hervorgerufen hätte.

Eine weitere kaum bekannte Tatsache drängt sich auf: Die palästinensische Behörde Arafats hat die Kontrolle über 99 Prozent der palästinensischen Bevölkerung. Das territoriale Gebiet von Gaza und dem Westjordanland ist in drei Arten von Gebieten aufgeteilt, A, B und C genannt. In A, dem Gebiet, in dem alle größeren Städte des Westjordanlandes liegen, fallen sowohl die bürgerliche Verwaltung als auch die Aufgaben von Polizei und Sicherheit den palästinensischen Behörden zu. Auch in B ist die bürgerliche Verwaltung den palästinensischen Behörden vorbehalten, wird aber in Sicherheitsfragen mit Israel geteilt. In C, wo nur ein Prozent der Palästinenser lebt, haben die Israelis das Sagen. Sieht man die Gesamtfläche des Landes, ist die Verteilung allerdings ungleichgewichtig: A und B bilden zusammen 42 Prozent der Gesamtfläche von Gaza und dem Westjordanland und die C-Gebiete umfassen 58 Prozent der Fläche (diese hatte Barak hergeben wollen, einschließlich der Herrschaft über Ost-Jerusalem). Es gibt also ein starkes Ungleichgewicht zwischen der Herrschaft über den Boden und der Herrschaft über die Bevölkerung.

Doch dies berührt die Selbstständigkeit der palästinensischen Selbstverwaltung nicht. Die Palästinenser verfügen über ein Parlament, über Ministerien, über Behörden, und nur eines wird ihnen von den Israelis vorenthalten: der unabhängige Staat mit eigener Armee. Aber de facto und de jure leben die meisten Palästinenser schon seit Jahren mit eigener Verwaltung, die reichlich Chancen bekam, mit dem Aufbau einer demokratischen Gesellschaft zu beginnen. Das hat die palästinensische Regierung unterlassen. Korruption und behördliches Unvermögen haben einen klassischen Banditenstaat mit einer Polizeimacht hervorgebracht, die Menschen kidnappt, um sie dann gegen Lösegeld freizulassen, mit standrechtlichen Erschießungen, mit gebilligtem Diebstahl und der Unterschlagung europäischer Fördergelder. Es ist einzig und allein den palästinensischen Behörden vorzuwerfen, dass es den Palästinensern im Moment schlechter geht als unter der israelischen Besatzung.

Während des Sechstagekriegs im Jahr 1967 besetzte Israel Gaza, das Westjordanland und den Sinai. Die vollständige Ablehnung des israelischen Angebots „Land gegen Frieden“ durch die arabischen Länder bei der Konferenz von Khartum am 1. September 1967 führte zu zwei katastrophalen Entwicklungen: der schleichenden De-facto-Annektion der Gebiete durch Israel, angeführt von nationalistischen Religiösen, die in dem überwältigenden Sieg die Hand Gottes sahen, und der immer unerbittlicheren Ablehnung der Existenz Israels durch die arabische Welt, die in ihrer Niederlage die Hand Satans sah.

Vor 1967 lebten die Palästinenser frei von israelischer Unterdrückung in Gaza und dem Westjordanland, Gebieten, die von ihren arabischen Nachbarn beherrscht wurden. Diese Nachbarn taten alles, um ihren Gästen jede Form von Normalität vorzuenthalten. Während Israel Millionen jüdischer Flüchtlinge aufnahm, weigerten sich die Nachbarn, die Assimilierung palästinensischer Flüchtlinge zuzulassen. Das Ziel der Nachbarn war, die palästinensischen Flüchtlinge als Druckmittel für ihre eigenen lokalen oder regionalen Ambitionen zu benutzen.

Die Besetzung des Westjordanlandes und Gazas durch Israel war keine harte Besetzung. Aber eine Besetzung blieb es. Es wurde eine Kontrolle über Menschen ausgeübt, die diese Kontrolle nicht gewählt hatten und in ihrem relativ großen wirtschaftlichen Wohlstand keinen Anlass sahen, die Besatzer zu akzeptieren. Aber die Einschränkungen ihrer Freiheit wichen nicht nennenswert von denen ihrer arabischen Brüder ab. Ihre „Verzweiflung“ stammt aus einer anderen Quelle.

Antisemitismus und Schuldgefühl

Es lässt sich nicht leugnen: Nach terroristischen Anschlägen auf Israel werden Palästinenser kollektiv mit Straßensperren und der Zerstörung von Gebäuden bestraft (wobei, das kann ebenso wenig geleugnet werden, Unschuldige den Tod finden). Aber wenn ein Gebäude zerstört wird, werden die Palästinenser im Voraus gewarnt. Und die Palästinenser vertrauen darauf. Sie wissen, dass die Israelis nie mit gleicher Münze zurückzahlen und niemals gut besuchte Restaurants, Cafés oder Hotels in Hebron oder Ramallah in die Luft jagen würden, sondern dass sie als westliche Demokratie immer peinlich genau die Verantwortlichen für die Anschläge herausfinden müssen und dass sie bei einem Irrtum unerbittlich durch die eigene und die westliche Presse gestraft werden. Die Straßensperren sind einer kultivierten Nation unwürdig und die Vergeltungsaktionen nicht immer verhältnismäßig – trotzdem sind es unbedeutende Maßnahmen, verglichen mit der Art, wie sich Araber gegenseitig oder die arabischen Obrigkeiten ihre Untertanen behandeln.

Die palästinensische Propaganda und die westeuropäischen Medien wollen es so darstellen, als mache sich Israel eines Genozids schuldig. Täglich werden Berichte über Massenexekutionen verbreitet. Bequemlichkeit, mangelnde Kenntnis und die Political Correctness der Stunde geben den Journalisten offenbar das Gefühl, sie sollten nicht übermäßig differenzieren und die Bilder grausamer Panzer, die unschuldige Bürger terrorisieren, für sich selbst sprechen lassen. Aber Bilder sprechen selten für sich selbst. Eine Reportage der ARD hat unlängst ernsthafte Zweifel über den Tod jenes palästinensischen Jungen geäußert, der am 6. Oktober 2000 durch gezielte israelische Schüsse in den Armen seines Vaters starb. Er wurde noch am selben Tag zum Poster-Boy des Aufstands. Die deutsche Reportage nannte nun Indizien, nach denen der Junge möglicherweise nicht durch israelische, sondern durch palästinensische Kugeln getötet worden sei. Aber scheinbar genierte sich die niederländische Presse des Zweifels – es kam zu keiner diesbezüglichen Meldung.

Die renommierte niederländische Zeitung De Volkskrant vom Samstag, dem 6. April, gibt ein Beispiel undifferenzierter Meinungsmache. Die Zeitung druckte vier Fotos unter dem Titel ab: „Ein Palästinenser wird in Ramallah bei einem Feuergefecht von einem israelischen Heckenschützen erschossen.“ Foto 1 zeigt, dass der Mann, der später getötet wurde, selbst aus einer automatischen Waffe feuert, Foto 2 zeigt, dass er getroffen wird, Foto 3, dass er zu Boden fällt, und Foto 4, dass sich seine Kameraden über seine Leiche beugen. Im Text wird neutral gemeldet, dass es „um einen Palästinenser“ geht, obwohl deutlich zu sehen ist, dass es sich um ein bewaffnetes Mitglied der palästinensischen Miliz handelt. Der Israeli aber wird nicht „ein Israeli“, sondern ein „israelischer Heckenschütze“ genannt, also ein feiger Mörder, der sich verborgen hält und heimlich seine Opfer tötet. Der Text bietet zu den Fotos eine Interpretation, die steuert, selektiert und täuscht.

In der europäischen Berichterstattung über Arafats Herrschaft und die arabische Welt klafft eine bemerkenswerte Lücke: deren unaufhörliche antisemitische Propaganda. Judenhass ist ein akzeptierter, alltäglicher Bestandteil der arabischen Medien (die übrigens von den Obrigkeiten vollständig kontrolliert werden). Neulich publizierte eine saudische Staatszeitung in einer zweiteiligen Geschichte den alten antisemitischen Mythos vom Gebrauch nichtjüdischen Menschenbluts, das sich die Juden durch Mord verschafften und zur Herstellung bestimmter Gerichte verwendeten. Über diesen Artikel erregte sich die amerikanische Presse, sodass die Saudis eine vorsichtige Entschuldigung abdruckten. Eine Mehrheit der Araber glaubt, dass Juden die Twin Towers angegriffen hätten. Momentan werden Juden in der arabischen Presse sogar bezichtigt, die Anschläge in Netanja, Tel Aviv und Jerusalem selbst begangen zu haben, um eine Besetzung des Westjordanlandes zu rechtfertigen. Die arabischen Medien, allen voran al-Dschasira , beschreiben die Israelis als Kinder- und Frauenmörder, als Plünderer und Diener eines kosmischen Bösen, das den Islam vernichten will.

Aber die westeuropäischen Medien, die diese Tendenzen mit Bestürzung beobachten sollten, schweigen darüber. Innerhalb von zwei Tagen nach dem israelischen Einmarsch in Ramallah war in den europäischen Medien keine Rede mehr von der Vorgeschichte. Die Erinnerung an den Anschlag von Netanja und dessen fatale Folgen waren verschwunden. Es gab nur noch Gerüchte über das grausame militärische Auftreten der Israelis. Gewiss, seit 1967 haben die Palästinenser in den besetzten Gebieten unter den Israelis gelebt. Aber jeder Vergleich mit der Schoah ist eine gefährliche Umkehrung aller Werte. Ich sage: Wer das Schicksal meiner Großeltern oder Onkel und Tanten mit dem Schicksal der Palästinenser unter den Juden gleichstellt, ist ein Antisemit.

Die arabische Scham

Verzweiflung, entstanden aus Erniedrigung, Armut, fehlender Freiheit und Selbstbestimmung, wird in anderen arabischen Staaten ebenso stark empfunden wie in den besetzten Gebieten. Trotzdem kommen dort Selbstmordanschläge selten oder nie vor. Warum schickt ein Palästinenser sein Kind los, um sich selbst und andere zu töten, und ein Ägypter nicht? Der große Unterschied liegt in der Frage, was die Unterdrückten als Unterdrückung und wen sie als Unterdrücker erleben. Freiheit und Wohlstand der Ägypter werden bestimmt – vor allem: begrenzt – durch eine dezidiert islamische Elite von Militärs und Industriellen. Für einen Palästinenser besteht diese Elite aus Juden. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug 1998 in Israel 16 180 Dollar und lag damit sogar höher als in Spanien. Reichtum, der den Palästinensern, wie sie meinen, abgenommen worden war. Wenn die Juden ihr Land nicht mit unrechtmäßigen Mitteln eingenommen hätten, wären die Palästinenser, wie sie meinen sie, heute ebenso wohlhabend. In der täglichen Konfrontation mit dem Reichtum und der Macht der Juden liegt der Schlüssel zum Verständnis der palästinensischen „Verzweiflung“. Das gewalttätige palästinensische Verhalten ist nicht durch ein Bedürfnis nach Freiheit zu erklären – die Freiheiten des durchschnittlichen Syrers bilden nur einen Bruchteil der Freiheit eines Palästinensers unter israelischer Besatzung in den achtziger Jahren – oder mit dem Kampf gegen Hunger – denn in den achtziger Jahren, unter israelischer Besatzung, hat die palästinensische Wirtschaft eine Blüte erlebt -, sondern durch etwas, das mit der Kultur, der Religion und den arabischen Verhältnissen zu tun hat: mit Scham. Scham, verursacht von einem Gefühl der Erniedrigung durch ein, notabene, in islamischen Augen zweitrangiges Volk, die Juden.

Ist damit die Frage nach den Ursachen der Gewalttätigkeiten befriedigend beantwortet? Nein. Es gibt noch mehr. Unlängst erklärte Ismail Haniya, ein Hamas-Führer, gegenüber der Washington Post, sie hätten die Schwachstelle der Israelis gefunden: „Die Juden lieben das Leben mehr als andere Menschen, und darum wollen sie nicht sterben(!).“ Um es deutlich zu sagen: Hamas strebt nach Vernichtung Israels, nicht nach einem Zusammenleben eines jüdischen und eines palästinensischen Staates oder nach einem demokratischen Palästina. Hamas strebt nach der Einführung der Scharia, der mittelalterlichen islamischen Gesetzgebung. Seit Israels Rückzug aus dem Libanon im Mai 2000 – einem Moment, der in der arabischen Welt als Niederlage der Juden gefeiert wurde – ist der Traum, Israel mit Gewalt in die Knie zu zwingen, immer stärker geworden. Juden haben keine Antwort auf den Tod. Spreng sie in die Luft, und sie bekommen Angst! Bei den Muslimen ist das anders. Der Tod im Kampf für Allah ist ein heiliger Tod.

Palästinensischer Machtkampf

Fouad Ajami, ein im Libanon geborener Beobachter der arabischen Welt, hat im Wall Street Journal vom 29. März versucht, die Kultur des Märtyrertums zu ergründen: „Er ,der Selbstmörder, der das Park Hotel in die Luft jagte, ist Teil der ihn umgebenden Kultur – der Freude, mit der diese brutalen Terrorakte begrüßt werden, des Kults, der rund um die Märtyrer und ihre Familien entsteht.“ Ajami zitiert Farouk Kaddoumi, ein Mitglied der palästinenischen Delegation bei der Konferenz der Arabischen Liga in Beirut. Kaddoumi erklärte dort: „Das Rückkehrrecht der Flüchtlinge nach Haifa und Jaffa ist wichtiger als ein eigener Staat.“ Ajami spricht von der „großen palästinensischen und arabischen Weigerung, das Land ,Israel‘ bestehen zu lassen, um ihm einen Platz unter den Nationen zu gönnen.“ Auch der Friedensvorschlag des Kronprinzen Abdallah von Saudi-Arabien beruht auf dieser Weigerung, verpackt in den Vorschlag, die palästinensischen Flüchtlinge zwischen einer Rückkehr in das heutige Israel und einer finanziellen Entschädigung wählen zu lassen (was werden sie wohl wählen?).

Es steht nicht fest, wie viele Flüchtlinge es gibt, Schätzungen bewegen sich zwischen drei und vier Millionen Menschen. Sie bilden die einzige Personengruppe, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs im Flüchtlingsstatus verharrt. Warum? Die arabischen Nachbarn und die internationale Gemeinschaft haben sich konsequent geweigert, die Palästinenser als Bürger aufzunehmen. Ihr Hass wird seit 1948 am Leben erhalten. Ihre Rückkehr nach Israel liefe auf einen Bürgerkrieg hinaus, auf das Ende des jüdischen Staates in seiner jetzigen Existenz.

Die „große palästinensische und arabische Weigerung“, Israel als jüdischen Staat zu akzeptieren, bleibt die Grundlage des Konflikts. Doch ihm liegt als tieferes Problem die katastrophale kulturelle und ökonomische Stagnation der arabisch-islamischen Welt zugrunde. Die gegenwärtige zweite Intifada hat wenig mit Scharons Besuch auf dem Tempelberg zu tun. Es war eine zielgerichtete Provokation Scharons, um die internen palästinensischen Spannungen zu verschärfen, aber damit hat die Intifada nicht begonnen. Die wirklichen Ursachen der zweiten Intifada sind in den europäischen Medien kaum oder gar nicht behandelt worden, aus Angst, Arafats Heldentum damit zu beschädigen. Die zweite Intifada lässt sich nicht verstehen, wenn die innerpalästinensischen Konflikte nicht beschrieben werden.

In Gaza und im Westjordanland bestehen zurzeit, grob gesagt, drei Machtblöcke: Arafat mit seinen aus Tunis mitgekommenen Getreuen, die eine korrupte und unfähige wirtschaftliche und militärische Elite gebildet haben, zweitens die Jüngeren, Nationalisten, die in der ersten Intifada erfolgreich gekämpft haben, und drittens die Islamisten, die unversöhnlichen, fanatisch Gläubigen der Hamas und des islamischen Dschihad. Gleich nach Arafats Rückkehr kam es zu Spannungen zwischen diesen Gruppen. Anschläge von Islamisten beendeten nacheinander die Regierungen von Peres und Barak und brachten die kompromisslosen Politiker des Likud, die von den Siedlern unter Druck gesetzt werden, in die Regierung. Es waren Aktionen, die Arafat und Israel beweisen sollten, dass sie durchaus in der Lage waren, die Osloer Familienfeier zu stören; und dass sie sich nie mit Kompromissen bezüglich des Landes und des „Rechts auf Rückkehr“ abfinden würden.

Arafat hat versucht, die Islamisten und die Jüngeren zu isolieren, aber deren Machtbasis war zu groß: Arafat hat in absoluten Zahlen bei den Wahlen von 1996 nicht mehr als die Hälfte aller Stimmen bekommen. Die Hälfte der Bevölkerung von Gaza und vom Westjordanland zog den Weg der Gewalt vor. Für einen großen Teil der Palästinenser hatte Arafat schnell seinen Kredit verspielt: Die Korruption und der Machtmissbrauch waren so empörend, dass Islamisten begannen, Anschläge auf die schlimmsten Profiteure und Kriminellen auszuüben. Die Spannungen und der Machtkampf in den besetzten Gebieten wurden so groß, dass Arafat nicht mehr in der Lage war, in Camp David über Baraks Vorschläge ernsthaft zu verhandeln. Die Jüngeren und die Islamisten standen bereit, ihn bei seiner Rückkehr vom Thron zu stoßen. Die zweite Intifada war ihr Aufstand, mit dem sie der palästinensischen Bevölkerung und Arafat zeigen wollten, dass auch sie die Israelis vertreiben konnten, genau wie die Hisbollah im Südlibanon. Was wollen die Jüngeren, was sich von Arafats katastrophalem Regime unterscheidet?

Der palästinensische Politologe Khalil Shikaki schrieb in der Januarausgabe von Foreign Affairs über die Jüngeren: „Sie wollen Transparenz, Verantwortungsbewusstsein, eine Kampagne gegen Korruption und eine direktere Konfrontation mit Israel. Sie haben auch zur Gründung einer Regierung der nationalen Einheit aufgerufen, der nicht nur Vertreter aus ihren eigenen Reihen angehören sollen, sondern auch Mitglieder der Islamisten und anderer oppositioneller Gruppierungen. … Die junge Garde ist vehement gegen jede Form von Waffenstillstand, der den Untergang der nationalistischen oder islamistischen militanten Palästinenser bedeuten würde.“

Der Kampf in den Cafés

Sie haben Arafat die Pistole auf die Brust gesetzt, und seit Ausbruch der jetzigen Intifada hat er ihr Spiel mitspielen und seine eigenen Sicherheitsorgane bei Terroranschlägen in Israel einsetzen müssen. Vor der internationalen Presse verurteilte er die Anschläge. Hinter den Kulissen war er gezwungen, die Jüngeren und die Islamisten zu unterstützen. Tatsächlich wird der palästinensische Machtkampf in den Cafés und Restaurants von Israel ausgefochten. Shikaki zeigt drei Möglichkeiten auf, wie dieser Kampf ausgehen könnte. „Wenn der israelisch-palästinensische Konflikt in der Sackgasse stecken bleibt, werden die Islamisten die Gewinner sein. Wenn Israel sich für einen bedeutenden einseitigen Rückzug oder für eine Abschottung entscheidet, wird hingegen die junge Garde profitieren. Und wenn die israelischen und palästinensischen Führer zu einem gemeinsamen Abkommen finden, gleich ob vorläufig oder von Dauer, dann wird die alte Garde noch einen Aufschub erhalten.“

Israels Auftreten kommt Arafat wie gerufen. Die Machtzentren der Islamisten und der Jüngeren werden vernichtet, während Arafats Prestige zunimmt und seine Fatah-Organisation vermutlich schneller als die beiden anderen nach einem israelischen Rückzug bereitstehen wird. Nicht ohne Grund hat Arafat nichts unterlassen, um Scharon zu provozieren; nur mit Hilfe seines Todfeinds kann Arafat seine eigene Basis wieder in den Griff bekommen.

Michael Kelly, Journalist der Washington Post, erinnerte neulich an Arafats historische Rückkehr am 1. Juli 1994: „Arafats Ankunft in Gaza war eine interessante Lektion: eine absichtlich unbekümmerte Zurschaustellung brutaler Macht. Er kam aus dem Sinai, in einer langen Karawane von Autos der Marken Chevrolet, Mercedes und BMW, 70 oder 80 Autos voller bewaffneter Männer. Die Karawane schoss durch die voll besetzten Straßen, mit den korpulenten, in Lederjacken steckenden, Sonnenbrillen tragenden Bodyguards, die während der ganzen Zeit schrien und ihre Kalaschnikows abfeuerten, um das geliebte Volk auseinander zu jagen, um Platz zu machen für den geliebten Führer.“

Über Arafats Verwaltung schreibt Kelly, ein übrigens heftiger Gegner Scharons: „Es gab nie die Absicht, eine Demokratie, ,The Rule of Law‘, eine freie Presse, ein funktionierendes Steuersystem, ein Rechtssystem oder Gesundheitswesen einzuführen. Eine wirkliche Regierung hat es nie gegeben. Niemand hat sich je um den Aufbau der Wirtschaft, um die Schaffung von Arbeitsplätzen oder auch nur um einen Müllabfuhrdienst oder den Unterhalt von Straßen gekümmert. Es gab nur Sicherheitsorgane – viele, viele – und Villen am Meer von Arafats Kumpanen und Millionen Dollar ausländischer Hilfe, die immer wieder verschwunden zu sein schienen, und Gefängnisse und Propaganda. Und in der Mitte von allem: ,Präsident‘ Arafat, in einem Zimmer sitzend – umringt von wartenden Schmeichlern und Krawattenträgern und respektvollen Damen und Herren von der Presse.“

Um meine eigene Position deutlich zu machen: Ich finde, dass die jüdischen Siedlungen heute aufgelöst werden müssen, dass heute Nacht noch ein hoher Sicherheitszaun um Israel errichtet werden soll, der anschließend von schwer bewaffneten Nato-Einheiten bewacht wird (mit vielen Tausenden deutscher Mannschaften, um der historischen Gerechtigkeit willen), und dass die Palästinenser das Recht haben, morgen ihre eigene arabische Diktatur zu gründen. Doch für diesen Staat müssen sie einen Preis bezahlen: Nachdem sie seit 1948 in ihren Flüchtlingslagern von ihren arabischen Brüdern, unterstützt von ganzen Ressorts der Vereinten Nationen, geknebelt, belogen und betrogen wurden, ist die Aufgabe des „Rückkehrrechts“ in das jüdische Land, so wie es bis zu den Grenzen von 1967 bestanden hat, eine absolute Bedingung.

Israel hat viele Fehler gemacht. Die Siedlungspolitik (ein jede Vernunft übersteigender Traum der National-Religiösen, eine Form jüdischen Fanatismus, der nach 1967 entstanden ist), die unwürdige Behandlung von Palästinensern an Grenzposten, bei Straßensperren und bei ihrer Arbeit in Israel, die Mordanschläge auf Terroristen. Aber all das bietet keine Erklärung für den Selbstmordterrorismus, von einer Rechtfertigung ganz zu schweigen. Mehr als durch israelische Fehler wurden die Jahre nach Oslo durch die innerpalästinensische Dynamik unter der katastrophalen Herrschaft des Räuberhauptmanns Arafat und dem Einfluss des islamischen Fundamentalismus vergiftet.

In den Gefechten zwischen der israelischen Armee und der palästinensischen Miliz, die sich dafür entschied, die Konfrontation zu beginnen und die Terroristen und ihre Organisationen und Netzwerke zu beschützen, sind in den vergangenen Tagen viele Unschuldige gestorben. Nicht weil Israel ihren Tod gewollt hatte, sondern weil die palästinensischen Milizangehörigen vorsätzlich Unterschlupf in der eigenen Bevölkerung suchten. Das taten sie in der Erwartung, dass Israel seine Feuerkraft zügeln würde (was Israel tatsächlich versuchte) und dass die unvermeidlichen Zwischenfälle von den internationalen Medien aufgegriffen würden.

Ich klage an

Ich klage die europäischen Medien der Inkompetenz an, der Bequemlichkeit und der Parteilichkeit in einem Befreiungskampf, der kein Befreiungskampf ist, sondern ein Aufstand gegen eine demokratische Gesellschaft, für die Israel von der arabischen Welt sowohl beneidet als auch gehasst wird.

Ich klage die europäische Politik an, in Feigheit über die irakische Problematik hinwegzuschauen und die große arabisch-islamische Lüge zu akzeptieren, die erklärt, die israelischen Juden seien verantwortlich für das Elend im Nahen Osten.

Ich klage die europäische Politik an, mit der Androhung eines Wirtschaftsboykotts oder des Rückzugs ihrer Botschafter das korrupte, unrechtmäßige Regime Arafats zu unterstützen und damit den Kreislauf der Gewalt in Gang zu halten.

(c) DIE ZEIT   22 / 2002   

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (3. – 9. September 2017)

Dieser Eintrag wird auf der Seite oben gehalten; die sonstigen Einträge folgen darunter.
Eine Liste der täglichen terroristischen ‚Vorkommnisse‘ wird in den Friedfertigkeiten 2017 geführt.

Sonntag, 03.09.2017:

Der seit Oktober 2015 inhaftierte Hamas-Führer Hassan Youssif wurde aus der Administrativhaft entlassen. Er war damals wegen seiner Beteiligung an Aktivitäten festgenommen worden, die darauf abzielten die PalAraber zu Terroranschlägen anzustiften. (Im Oktober 2015 begann die „Messer-Intifada“.)

Die PA gab bekannt, dass ein Araber, der letzten Monat bei „Auseinandersetzungen“ in einem „Flüchtlingslager“ verletzt worden war, jetzt starb.

Montag, 04.09.2017:

In der Region (Kreis) Megiddo hat es während der letzten zwei Wochen immer wieder Brandstiftungen gegeben. Die Brände haben mehrere Kibbutzim bedroht. Landrat von Megiddo hat deshalb auf Anraten der Feuerwehr beantragt, dass der Minister für öffentliche Sicherheit weitere Feuerwachen baut.

Dienstag, 05.09.2017:

Die PA beschuldigt Israel, es strebe an palästinensische Araber zu vertreiben und sie durch „ausländische“ Siedler zu ersetzen. Gleichzeitig werde die Umsetzung legitimer internationaler Resolutionen hinsichtlich der Gründung eines unabhängigen Palästinenserstaats mit Jerusalem als Hauptstadt behindert. Zum „Siedler-Angriff“ gehöre der Bau von Siedlungen, Häuserabriss und Vertreibung der Einwohner.

Mittwoch, 06.09.2017:

Die Hamas weigerte sich beim Treffen mit Rotkreuz-Chef Peter Maurer dem Roten Kreuz Zugang zu den israelischen Gefangenen zu gewähren. Und Informationen über die Festgehaltenen würden nur veröffentlicht, wenn Israel 54 Terroristen freilässt, die seit ihrer Freilassung im Galit-Deal wieder verhaftet wurden.

Auf massives Manöver der IDF reagierte die Hisbollah mit der überheblichen Ankündigung, die Israelis könnte sie nicht überraschen und man sei auf jede „Dummheit“ vorbereitet.

Der PA-Gouverneur von Hebron warnte Israel die Zusammenlegung der jüdischen Gemeinschaften in Hebron und Kiryat Arba würde die Hebron-Vereinbarung von 1997 zunichte machen, was ernste Konsequenzen für die Region hätte. Eine Entscheidung des Verteidigungsministeriums trennt demnächst das „jüdische“ Hebron verwaltungsmäßig vom „arabischen“, so dass ersteres unabhängig agieren und sich der Infrastruktur von Kiryat Arba anschließen kann.

Donnerstag, 07.09.2017:

Mahmud Abbas plant bei seiner Rede vor der UNO diesen Monat die Vereinten Nationen aufzurufen die Grenzen „Palästinas“ festzulegen.

Dem Wasserdiebstahl im Jordantal wird jetzt mit Robotern begegnet, die durch die Rohrleitungen geschickt werden. Wasserversorger Mekorot und die Zivilverwaltung haben 5 illegale Abzweiger gesperrt.

Freitag, 08.09.2017:

Nachdem die Zahl der Terroranschläge gegen Israelis im Juli einen Höchststand erreichte, fiel sie im August auf die Hälfte.