Das israelische Modell zur Bekämpfung des Terrorismus durch „einsame Wölfe“

Mike Smith, Israel National News, 28. Juli 2016 (übersetzt von Cora)

Israelische Behörden haben sich einer Welle an Anschlägen einsamer Wölfe durch palästinensische Araber gegenüber gesehen; sie sagen, sie haben Fortschritte bei der Identifizierung möglicher Attentäter im Voraus gemacht, eine Herausforderung, der sich jetzt auch westliche Staaten gegenüber sehen.

Die letzten Anschläge in Europa und den Vereinigten Staaten haben die Aufmerksamkeit erneut auf einsame Angreifer gelenkt und was man tun könne, um sie aufzuhalten oder deren Auswirkungen zu reduzieren.

Während die Herausforderung solche Angriffe gänzlich zu verhindern geradezu unmöglich scheint, sagen israelische Experten, dass ein Alarmsystem, das die Überwachung sozialer Medien, grundlegende Menschenkenntnisse und andere Mittel beinhaltet, geholfen hätten, Blutvergießen zu verhindern oder wenigstens zu reduzieren.

Allerdings seien solche Bemühungen immer begrenzt, sagen die Analysten.

Dennoch meinen die israelischen Behörden, die seit Oktober entwickelten Methoden hätten sich als brauchbar erwiesen.

„Wir erkannten, dass wenn wir drei oder vier Profile zusammensetzten, die meisten Angreifer sich innerhalb dieser bestimmten Linien der Profile befanden“, erklärte ein israelischer Militärangehöriger, der sich anonym dazu äußerte.

Das Alarmsystem

Das israelische Militär hat ein Alarmsystem entwickelt, welches jene, die als potentiell gefährlich angesehen werden, markiert, erklärt ein Beamter.

Es basiere auf der Analyse der Angreifer seit Oktober, einschließlich ihrer Hintergründe, wo sie sich entschlossen haben zu handeln und ihrer Aktivitäten in den Tagen zuvor.

Mit dieser reduzierten Namensliste entscheiden die israelischen Behörden, wie sie mit der Situation umzugehen haben.

Die Reaktion kann ein ganzes Bündel an Strategien umfassen, so Beobachtung, das Gespräch mit den Eltern oder Arrest, wenn festgestellt wird, dass die Person das Gesetz durch einen Aufruf zur Gewalt gebrochen hat, erklärt der Beamte.

Sicherheitsmaßnahmen werden in Gebieten, die als potentielles Ziel gesehen werden, verstärkt.

In den letzten Monaten hat die Anzahl der Angriffe allgemein ständig abgenommen, wiewohl man glaubt, dass dies auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist.

Die israelischen Behörden meinen, es sei schwierig eine genaue Anzahl von Angriffen durch einsame Wölfe anzugeben, die durch ihre Bemühungen verhindert worden seien. Aber ein Militärbeamter verwies auf einen Fall als Beispiel.

Der Beamte berichtete, dass ein palästinensisches Mädchen, dessen Alter mit 17 angegeben wurde, sich im März in einem Taxi mit einem Messer auf dem Weg zu einem israelischen Grenzübergang befand, als sie geschnappt und verhaftet wurde.

Er berichtete, das Mädchen hätte Streit mit seinen Eltern gehabt und war selbstmordgefährdet, wahrscheinlich wollte sie die Soldaten angreifen um auf diese Weise als Märtyrerin zu sterben.

„Das war einer der Gründe, warum wir sie ausgespäht haben“, erklärte er.

Die militärische Analyse der Angreifer zeigt, dass die meisten 24 Jahre alt oder jünger waren und 90% von ihnen waren männlich, berichtete er.

Von den 80 bis 90 Angreifern von Oktober bis Januar war Selbstmord bei 40% ein Motiv.

Die Terrorwelle kann nicht komplett aufgehalten werden.

Einige Experten meinen, diese Art der Analyse und der weiteren Bearbeitung, wie sie das israelische Militär vornimmt, sowie die Hilfe von Algorithmen und das Einkreisen von Gesprächen in den sozialen Medien, kann Wirkung zeigen und auch anderswo eingeführt werden.

„Natürlich kann dadurch nicht die Welle an Terror in Israel oder an anderen Orten komplett aufgehalten werden“, meint Daniel Cohen, ein Experte für Cyberterrorismus im israelischen Institut für Sicherheitsstudien.

Derlei Einsätze müssen von etwas begleitet werden, das er „Kampagnen der entgegengesetzten Berichte“ nennt, also positive Nachrichten, die versuchen junge Menschen davon zu überzeugen, dass sie eigentlich nicht sterben oder einen Angriff ausführen wollen.

Solche Kampagnen sollten mit wirtschaftlichen Möglichkeiten oder Sport verbunden werden, meint Cohen.

Andere haben Bedenken, dass der Überwachung zu viel Vertrauen geschenkt wird.

„Beobachtungslisten und Überwachung geben ein falsches Gefühl der Sicherheit, sie versorgen die Verantwortlichen mit Informationen, nachdem ein Angriff geschehen ist, doch sie sorgen weder für Abschreckung noch das Abbrechen vor einem Anschlag,“ meint die in den USA beheimatete Sicherheitsberatungsfirma The Soufan Group in einem Kommentar, nachdem ein alter Priester in Frankreich von Jihadisten am letzten Dienstag ermordet worden war.

„Eine Überwachung ist extrem schwierig und kostet viel Zeit und Personal und ist nur bei einem Bruchteil der wachsenden Fälle von Terrorverdächtigen in Frankreich machbar.“

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Hass auf Israel – Was wir wissen, jedoch nicht laut sagen dürfen

aus: National Review online, übersetzt von Daniela Marcus (Nahost-Focus, 31.07.2002, nicht mehr online)

Europa, die Vereinten Nationen, viele Elitekreise in Amerika und natürlich die gesamte arabische und islamische Welt sind gegen Israel eingestellt. Drei Behauptungen sind Vorwand für diese Einstellung.

  1. BESATZUNG

Israel besetzt absichtlich Land, das nicht ihm gehört – eine Travestie, die vollkommen unisono auf der Weltbühne gespielt wird und somit besondere und umfassende Missbilligung verdient. Außerdem gibt es -entgegen dem ständigen palästinensischen Lamento- eine große Menge an besetzten Gebieten in der heutigen Welt – Tragödien, die vollständig aus dem moralischen Radarschirm der UN verschwinden und die für keinen der selbst ernannten Moralapostel der arabischen Welt von Bedeutung sind.

Seit 1974 ist ein Teil des griechischen Zypern unter türkischer Kontrolle – die Häuser und das Eigentum der griechisch sprechenden Zyprioten sind konfisziert, die einheimische Bevölkerung ausgewiesen und die Insel geteilt. Tibet wurde von China annektiert, völlig illegal und ohne besondere Reklamationen, mit Ausnahme einiger weniger in den USA.

Was geschah mit dem Libanon? Die Syrer haben das ganze Land besetzt, die Palästinenser sind eine Art staatseigener Sklaven und die Libanesen selbst sind kaum mehr als die Butler ihrer syrischen Herren. Kurdistan ist im Besitz dreier verschiedener Länder. Auf dem Balkan herrscht ein Durcheinander von ethnischen Slawen, Albanern, Serben und Griechen, die in Ländern leben, die von anderen kontrolliert werden. Eine Viertelmillion –und nicht dreitausend- sind in den letzten fünfzehn Jahren gestorben. Was gibt Russland das Recht, an japanischen Inseln festzuhalten, die es in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges konfisziert hat? Terrororganisationen, die Hamas und Hisbollah ähnlich sind, versuchen in Irland und Spanien Menschen in die Luft zu jagen, um für sich selbst ein autonomes Heimatland und Erbe zu fordern.

Was in vielen dieser Fälle anders ist, ist die Tatsache, dass die Tibeter nicht dreimal versuchten, in China einzumarschieren. Griechische Zyprioten versuchten nicht, die Türken durch eine Reihe von Kriegen ins Mittelmeer zu werfen. Auch versuchte die libanesische Armee nicht, Amman zu stürmen, sie verlor keinen Krieg gegen Syrien und dadurch die Autonomie ihres Heimatlandes. Ganz offensichtlich geht in Palästina noch mehr vor sich als die moralische Entrüstung der Welt über den Umgang mit besetztem Land.

  1. GRENZEN UND FLÜCHTLINGE

Die traurige Geschichte der Kriege ist es, dass Menschen vertrieben werden. Ich zweifle daran, dass Millionen von Deutschen irgendwann wieder etwas von ihrem Land erhalten werden, das inzwischen zu Ostfrankreich oder Westpolen gehört. Tausende von Russen fanden sich in der Situation wieder, dass sie in den baltischen Staaten mehr und mehr unerwünscht waren. Werden die ionischen Griechen –Bewohner der Westküste der Türkei seit dem 11. Jahrhundert vor Christus- jemals in ihre Heimat zurückkehren, nachdem sie in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts brutal von dort vertrieben worden waren? Millionen von islamischen Pakistanern und indischen Hindus leben in künstlich geschaffenen Ländern, in denen sie nicht geboren wurden.

Wenn man die alte oder moderne Geschichte auf faire Art und Weise betrachtet, muss man zugeben, dass die Situation in Palästina nicht einzigartig ist. Tatsächlich versucht Israel, seine geschlagenen Feinde weitaus gerechter zu behandeln als es die meisten Sieger –ob man nun die Türken, die Polen, die Franzosen oder die Chinesen betrachtet- in der Vergangenheit taten. Über Fragen bezüglich der Anzahl der Toten und des Kollateralschadens will ich mich hier nicht äußern. Entgegen dem, was die UN und die palästinensische Propagandamaschine sagen, geht das wahre Morden heutzutage in Zentralafrika, im Amazonasbecken, in der früheren Sovietunion und in Indien vor sich. Was erstaunt, ist nicht, dass Palästinenser im Kampf gestorben sind, sondern dass im Vergleich zu den Kämpfen in den Stadtgebieten von Tschetschenien, in Mogadischu und Panama, so wenig ums Leben gekommen sind. Unter diesem Gesichtspunkt ist Herr Arafats Heraufbeschwören von Stalingrad sowohl historisch dumm wie auch obszön im Gedenken an all die Hunderttausend, die im Winter 1942/43 auf beiden Seiten ums Leben gekommen sind.

  1. RASSISMUS

Eine konstante Beschuldigung –die erst kürzlich auf widerliche Art von Herrn Arafat geäußert worden war- ist diejenige, dass die Israelis einen rassistischen Widerwillen gegen die Palästinenser hegen. Er hat behauptet, die Israelis versuchten auf Naziart, die Westbank von Nichtjuden zu säubern. Die UN selbst hat über Jahre hinweg versucht, Resolutionen herauszugeben, die den Zionismus mit Rassismus gleichsetzen. Doch wenn man die Sache fair und unter dem Gesichtspunkt rassischer und religiöser Toleranz betrachtet, muss man sagen, dass die israelische Regierung Lichtjahre entfernt ist von dem, was in der arabischen Welt vor sich geht. In privaten Kreisen geben die Araber zu, dass sie in Tel Aviv weitaus besser behandelt werden als die Juden derzeit in Kairo, Bagdad, Damaskus oder Amman behandelt werden würden. In der israelischen Tageszeitung „Jerusalem Post“ lesen wir nicht, dass Palästinenser als „Affen“ und „Vampire“ bezeichnet werden, wie wir das in arabischen Tageszeitung über die Juden lesen. Es gibt in Israel auch keine umfangreiche Literatur –wie in der arabischen Welt über die Juden-, die sich der Beweisführung widmet, dass Israels Feinde Untermenschen sind. In diesem gegenwärtigen Konflikt existieren wirklicher Rassismus und Hass, doch werden diese hauptsächlich von Arabern und nicht von Juden geäußert. Hätte eine Zeitung in Tel Aviv behauptet, dass die Araber Blut trinken und wären die Araber mit Primaten in Verbindung gebracht worden, wäre die Entrüstung der Welt sogar erst an zweiter Stelle nach derjenigen in Israel gekommen.

Wenn Israel für nichts anderes als dafür, sich selbst zu verteidigen, schuldig gesprochen wird und dafür, seinen geschlagenen Gegnern erst dann das Land zurückgeben zu wollen, wenn dem jüdischen Staat Sicherheit garantiert wird, was ist dann der Kern des Hasses der Welt auf Israel? Die Antwort ist offenkundig und kann in fünf Hauptpunkten zusammengefasst werden.

Realpolitik

Wir dürfen niemals das absolute Selbstinteresse der Staaten vergessen – ein Wesenszug, von dem die griechischen Geschichtsschreiber gedacht haben, dass er der Kern der meisten Konflikte ist, oftmals geschmacklos getarnt durch Vorwände wie „Gerechtigkeit“ und „Fairness“. Es mag beinahe eine halbe Milliarde arabisch sprechende Menschen geben. Millionen islamischer Bürger wohnen nun im Westen. Nur die wenigen hundert Kilometer des Mittelmeeres trennen Europa von den mittelalterlichen Regimes in Libyen, Algerien und Syrien. Die Wichtigkeit der arabischen Welt reicht von der Größenordnung der im Ausland lebenden Bevölkerung bis hin zum Nutzen expansiven Handels und großer Märkte. Die Wichtigkeit Israels kann in diesem Fall in einer Ansammlung von kulturellen, ökonomischen und politischen Ängsten und Möglichkeiten beurteilt werden. Wäre Israel groß –sagen wir 400 Millionen Juden- und die arabische Welt darum herum spärlich (vielleicht 10 Millionen), dann würden wir Dutzende von UN-Resolutionen sehen, die Herrn Arafat für alles verurteilen, angefangen vom Mord an US-Diplomaten in der Vergangenheit bis hin zu seiner gegenwärtigen Mitschuld an Selbstmordanschlägen dadurch, dass er sie in Auftrag gibt.

Öl

Zwischen einem Viertel und einem Drittel der Ölreserven dieser Welt sind in Saudi-Arabien, Kuwait und im Irak zu finden. Für etwa die nächsten 30 Jahre sind Europa, die USA und Japan auf diese ständige Versorgung von wichtigem Petroleum angewiesen. Und während die wirtschaftlichen Kraftwerke des Westens offensichtlich versuchen, alternative Lieferanten in Russland, Südamerika und Norwegen zu finden, bleibt doch die Tatsache bestehen, dass durch die global verbundene Wirtschaft das östliche Öl –und dessen instabile und unangenehme Verwalter- in vorhersehbarer Zukunft unentbehrlich für die ökonomische Weltgesundheit ist. Wir haben verschiedene Anstrengungen, die Ölversorgung zu unterbrechen, dieser Regimes gesehen –angefangen von Saudi-Arabiens Ölembargo im Jahr 1974 bis hin zur Bombardierung von Tankern im Persischen Golf durch den Iran und zu Saddam Husseins Fackelzug zu den Ölfeldern in Kuwait- und darum realisieren wir, dass ungünstige Beeinflussungen, gegenseitige Vernichtungskriege und unerklärliche Fehden all diese Autokratien zu jeder Stunde aufwiegeln können. Es ist viel einfacher –und billiger- angesichts der routinemäßigen Schrecken den Mund zu halten oder tatsächlich aktiv ihre oftmals absurden Tagesordnungen zu begünstigen.

Überdies bringt das Einkommen durch das Öl diesen Diktaturen westliche technologische Expertisen und militärische Ausrüstung – und somit die Sympathie von Millionen in der westlichen Welt, die davon abhängig sind, diesen Diktaturen alles zu verkaufen, angefangen von Handys und Computern bis hin zu Düsenjägern. Tausende von Europäern und Amerikanern, die Rohöl kaufen, damit Handel treiben und es verschiffen, können die Wut ihrer Wohltäter kaum riskieren. Also verstecken sie ihren Eigennutzen unter dem Deckmantel patriotischer Slogans wie „nationales Interesse“ und „ökonomische Sicherheit“. Hätte Israel 25% der Ölreserven dieser Welt und seine arabischen Nachbarn keine, würde die EU nun die palästinensischen Bomber als die Schlägertypen und Terroristen, die sie sind, verurteilen.

Terrorismus

In den vergangenen 30 Jahren stand die Mehrheit der internationalen Terroristen im Dienst der radikalen islamischen und arabischen Sache. Es waren die schlimmsten Killer, die internationale Flugzeuge in die Luft jagten, die Olympischen Spiele stürmten, westliche Diplomaten ermordeten, Botschaften stürmten, Geiseln nahmen und Zivilisten bei der Arbeit im wahrsten Sinn des Wortes verdampfen ließen. Das bedeutet nicht, dass japanische, irische, baskische, malaysische, weiße rassistische und armenische Terroristen nicht häufig gemordet haben, sondern nur, dass arabische Mörder weit mehr auf globaler Ebene Angriffe ausgeführt haben, besonders in Europa und Amerika. Spätestens mit dem 1967er Krieg hat die Welt erkannt, dass die Unterstützung Israels in der Ermordung von Diplomaten, Athleten, Touristen und Soldaten im Schlaf, bei der Arbeit und im Urlaub resultiert. Hätte der Mossad im Gegensatz dazu Franzosen, Amerikaner und Deutsche überall auf der Welt ermordet, würden sich Politiker nun darum reißen, Israel ihre Unzufriedenheit zu zeigen und würden versuchen, den „eigentlichen Grund“ für diesen Missstand herauszufinden.

Antisemitismus

Wir wissen nicht genau, warum Antisemitismus in einer angeblich gebildeten und modernen westlichen Welt fortbesteht, zu einer Zeit, in der Assimilation, Integration und interreligiöse Eheschließungen immer alltäglicher werden und absolute Säkularisierung die Unterschiede der großen Religionen verschwimmen läßt. Traditionelle Stereotypen und Hass werden natürlich an jede neue Generation weitergegeben; und wir dürfen niemals die Macht des Neides vergessen. Neid, den hoch gebildete, kompetente und fachlich gut ausgebildete Juden bei weniger talentierten und erfolgreichen Menschen hervorrufen. Trotzdem ist der gegenwärtige Anstieg des Antisemitismus ziemlich offensichtlich – besonders die beschämende Blasphemie, die in der wahllosen Nutzung der Worte „Holocaust“ oder „Genozid“ und im plötzlichen Wiedererscheinen von Hakenkreuzen neben Davidsternen gezeigt wird. Ich bin ein 48 Jahre alter schwedisch-amerikanischer Protestant und zeige seit 30 Jahren meine Unterstützung für Israel, doch niemals zuvor wurde ich gefragt „Sind Sie Jude?“ Allein im vergangenen Jahr kam diese Frage, die normalerweise als Anklage formuliert wird, mindestens 50 Mal auf, gemeinsam mit gedruckter und elektronischer Beschimpfung, die Herrn Goebbels stolz gemacht hätte.

Hier müssen wir offen reden: Die arabische Welt trägt einen großen Teil der Verantwortung für den gegenwärtigen Hass. Islamische Voreingenommenheit ist der Motor, der den europäischen Antisemitismus antreibt. Die vom Staat herausgegebenen Zeitungen in Ägypten und Saudi-Arabien unterscheiden sich nicht von denen in Deutschland während der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Saudische Diplomaten und religiöse Persönlichkeiten zitieren voller Hass, auf unentschuldbare Art, direkt aus „Mein Kampf“. Dieses Buch ist in Teilen der arabischen Welt ein Bestseller. Die Wahrheit ist: Wären die Palästinenser angegriffen worden und hätten sie vier Kriege gegen Israel gewonnen und würden sie derzeit den Staat Israel besetzen, würde ein Großteil der Welt sagen „Ihr sollt noch mehr Macht haben, um diese Juden zu besiegen und zu besetzen.“

Aristokratische Schuld und der Kult um den Underdog

Mit geringen Sorgen hinsichtlich Hunger oder Schinderei und mit steigendem Appetit auf materielle Dinge haben viele Menschen im Westen Luxus und Reichtum benutzt, um gerade die Kultur zu verdammen, die solch ein gutes Leben produziert. Nihilismus, Zynismus und Sarkasmus sind die Symptome, die wir bei unserer gelangweilten und schuldbeladenen Elite sehen. Eine Elite, die sowohl die Kapitalisten herabsetzt, die ihren Wohlstand managen, wie auch die Mittelklassegesellschaft, die ihn produziert.

Radikales Umweltbewusstsein, romantische Multikultur und autoritäre Utopie reflektieren alle eine eher selbstgefällige Idealisierung des benachteiligten, ursprünglich natürlichen Zustandes. Zentraler Punkt in diesem Credo ist die Identifikation mit der vermutlich anti-westlichen Welt des universell Unterdrückten – und mit beinahe jedem und allem, was in den vergangenen drei Jahrhunderten gegen den Moloch der dominanten Kultur des westlichen, industriellen Kapitalismus aufgekommen ist.

Somit sind es für manche Menschen im Westen nicht so sehr die Fakten im Nahen Osten der letzten 50 Jahre, die ihren Hass auf Israel bestimmen. Wahrscheinlich auch nicht die Sorge über den Benzinpreis für ihre Volvos oder SUVs, ebenfalls nicht ihre Angst vor Bomben und Bakterien, und nicht ihr Neid auf die Juden. Sondern ihr Hass rührt eher daher, dass die Palästinenser schwach und die Israelis stark sind. Auf diese Art ziehen Herr Arafat und seine Speichellecker einen Verdienst aus ihrem Status als Geschädigte, z. B. hinsichtlich ihres Abstammungsrechts, und bekommen die Genehmigung für alles, angefangen von liberaler Zensur bis hin zu Worten des Hasses und zu Voreingenommenheit. Die Israelis hält man für stark und überheblich, weil sie ja die Ausbeuter sind, und somit werden sie kollektiv für die Unterdrückung und gegenwärtige Not ihrer seit langem leidenden „Opfer“ verantwortlich gemacht.

Diese unerträglichen und reichen europäischen und amerikanischen Linken sehen ihre Solidarität mit den Palästinensern teilweise auf marxistische, teilweise auf arrogante und meistens auf naive Art als untrennbar verbunden mit ihrer eigenen unangenehmen Persönlichkeit. Es ist viel einfacher, billiger –und sicherer-, das Unrecht von ungerecht Behandelten durch Demonstrationen und das Unterzeichnen von Petitionen wieder gut zu machen, als unter ihnen zu leben, sie zu heiraten, sie täglich zu sehen oder dem „anderen“ materielle Hilfe zukommen zu lassen. Denn es kann alles in ein paar Sekunden in der Universität, im Fernsehn oder in den Stadtbezirken getan werden – ohne eine echte Betrachtung dessen, was das eigene, eher bequeme, materiell gesicherte Dasein in der Universität, in den Medien oder in der Regierung garantiert.

Die Wahrheit ist, dass die westliche Unterstützung für Israel oder der westliche Hass auf Israel uns viel mehr über uns selbst erzählt als über die reale Situation im Nahen Osten.

Was motiviert palästinensische Selbstmordbomberinnen?

Manfred Gerstenfeld interviewt Rachel Avraham (direkt vom Autor)

Die erste palästinensische Selbstmordbomberin war Wafa Idris, die sich während der zweiten Intifada 2002 in Jerusalem sprengte. Sie tötete einen alten Mann und verletzte 100 Personen. Bereits davor betrieben verschiedene Palästinenserinnen antiisraelischen Terrorismus. Leila Khaled war Mitglied eines Teams, das 1969 ein Flugzeug entführte. Dalal Mughrabi gehörte zu den Terroristen, die 1978 das Küstenstraßenmassaker verursachten, bei dem 38 israelische Zivilisten getötet wurden, darunter 13 Kinder.

Nach der zweiten Intifada gab es 2006 zwei weitere Selbstmordbombenanschläge durch Frauen. Diese hörten auf, als Selbstmordbombenanschläge im Allgemeinen nachließen. Seit diesem Zeitpunkt entschieden sich die Palästinenser andere Taktiken im Kampf gegen Israel anzuwenden.

Rachel Avraham wurde in Washington DC geboren und lebt seit 2009 in Israel. Sie hat einen BA in Regierungsarbeit und Politik von der Universität Maryland. Avraham entwickelte ihre MA-Abschlussarbeit in Nahost-Studien an der Ben Gurion-Universtität zu einem Buch mit dem Titel Women and Jihad (Frauen und Jihad). Sie ist Senior Media Research Analyst am Center for Near East Policy Research und Korrespondentin der Israel Resource News Agency.

In der palästinensischen und muslimischen Kultur werden Frauen als Spenderinnen neuen Lebens in diese Welt betrachtet. Sie sollen Ehefrauen und Mütter sein, keine Kämpfer. In der islamistischen Weltsicht sollen Frauen die Jihadisten unterstützen, indem sie die Kinder zum Kampf im Jihad aufziehen und das Haus erhalten, während die Männer weit weg kämpfen. Die Hamas-Charta demonstriert klar, dass der Platz der Frauen sich um das Zuhause und die Kinder dreht, nicht die „männliche“ Arbeit des Kämpfens erledigen und sich selbst in die Luft zu sprengen.

Trotzdem begannen islamistische Terrorgruppen Selbstmordbomberinnen zu akzeptieren, zumeist weil sie begriffen, dass Frauen ihnen halfen bestimmte strategische Hindernisse zu überwinden. Folglich akzeptierte die Hamas Reem Riyaschi, Mutter zweier kleiner Kinder, als Selbstmordbomberin. Diese Entscheidung war in der arabischen Welt sehr umstritten. Allerdings war die Selbstmordbomberinnen mehrheitlich Single-Frauen.

Während der zweiten Intifada verursachten die acht palästinensischen Selbstmordbomberinnen viele Tote und Verletzte. 2003 sprengte sich die Jurastudentin Hanadi Jaradat im zum Teil in arabischem Besitz befindlichen Restaurant Maxim in Haifa. Zwanzig Zivilisten –vier davon Kinder – wurden getötet und 51 verletzt. Der Wachmann, ein israelischer Araber, wurde bei dem Anschlag getötet. 3 weitere arabische Angestellte des Restaurants wurden ebenfalls getötet. Jaradat erhielt viel positive Publicity, weil Israel ihren Bruder und ihren Verlobten getötet hatte – beide Mitglieder des Islamischen Jihad. In der beliebten amerikanischen Fernsehsendung Nightline behaupteten palästinensische Frauen, sie sei mehr Opfer als die Menschen, die sie ermordete.

Studien haben gezeigt, dass palästinensische Selbstmordbomberinnen achtmal mehr Publicity erhalten als ihre männlichen Pendants. 5 der 8 Selbstmordbomberinnnen hatten  nationalistische Überzeugungen. Andere Palästinenserinnen entschieden sich während der zweiten Intifada Selbstmordbomberinnen zu werden, weil sie unfruchtbar oder geschieden oder mit einem Kollaborationsverdächtigen verwandt waren, eine außereheliche Affäre hatten, durch Vergewaltigung traumatisiert oder wegen des Küssens mit einem Mann in der Öffentlichkeit entehrt waren. Es sollte auch vermerkt werden, dass mindestens vier Selbstmordbomberinnen eine Geschichte der Mitwirkung an Terrorismus oder einen Verwandten hatten, der in Terrororganisationen aktiv war.

Die Knessetabgeordnete Anat Berko interviewte viele am Terrorismus beteiligte Palästinenserinnen. Die Ergebnisse hat sie in ihrem Buch The Path to Paradise (Der Weg ins Paradies) veröffentlicht. Ihre Schlüsse lauteten, dass die Hauptmotive für weiblichen Terrorismus religiös und nationalistisch waren. Diese vermengen sich, um ein fruchtbares Medium für Terrorismus zu erzeugen. Zu weiteren Faktoren gehören der Wunsch nach Rache für den Tod von Verwandten, Judenhass und Hass auf die westliche Welt. Berko impliziert, dass diese Einstellungen oft Ergebnis der terroristischen Subkultur unter palästinensischen Häftlingen in israelischen Gefängnissen sind und dass die von einigen der Terroristinnen abgegebenen Äußerungen nicht zu 100 Prozent die Wirklichkeit bezüglich ihrer Motivation spiegeln.

Die arabischsprachigen Medien verherrlichen die palästinensischen Selbstmordbomberinnen. Wafa Idris wurde mit der Mona Lisa, Jesus Christus, Khadija – der ersten Frau des Propheten Mohammed – und Johanna von Orléans verglichen. 2002 rechtfertigten einige amerikanische Medien die Taten der Selbstmordbomberinnen im Namen der vermeintlichen palästinensischen Klagegründe. Medien tendieren zudem dazu sie als befreite Frauen darzustellen statt als Terroristinnen. Nur in wenigen Fällen gab es Kritik der Medien an Terroristinnen.

Die Frauen, die sich an der aktuelleren Messer-Intifada beteiligten, glaubten, dass es möglich sei jemanden anzugreifen und lebend daraus hervorzugehen. Das hat eine andere Dynamik zur Folge als die der Selbstmordbomberinnen.

Selbstmordbomberinnen gibt es auch in anderen Gesellschaften wie Syrien und dem Irak sowie auch in der kurdischen Bewegung PKK in der Türkei und bei Tschetschenen. Die Tamil Tiger in Sri Lanka waren ebenfalls für ihren Einsatz von Selbstmordbomberinnen berüchtigt. Zusätzlich hat ISIS Frauen benutzt um Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen, obwohl es anfangs Widerstand aufgrund von Sittsamkeitsvorstellungen gab.

Avraham schließt: Keine Frau, die sich auf Terrorismus verlegt, ist eine normgebende Person, denn diese Frauen bestärken nicht die Erwartungen, die ihre Gesellschaft an sie stellt. Statt Ehefrauen und Mütter zu werden, betätigten sie sich in männlicher Aktivität des Kampfs gegen Israel. Sie interagieren als Teil ihres Trainings mit Männern und brechen damit arabische Ehrenkodexe. Und wenn sie als Selbstmordbomberinnen versagen, werden sie als Schande für ihre Gesellschaft betrachtet, weil sie sowohl als normale Frau wie auch als Schahida versagt haben.

Der palästinensische Gorbatschow?

heplev, 3. Februar 2002

Am 3. Januar 2002 enterten israelische Marineeinheiten ein Schiff im Roten Meer, auf dem sich 50t Waffen befanden. Die Israelis legten ihre Untersuchungen und Geheimdienst-Informationen westlichen Regierungen offen; diese belegten, dass die Palästinenserführung hinter dem Waffenschmuggel steckte und sie initiiert hatte. Das Schiff sollte die Ladung an die Palästinenser übergeben, damit diese ihren Terrorkampf gegen Israel verstärken konnten. In den USA hat das dazu geführt, dass der Kontakt der Amerikaner zu Yassir Arafat so gut wie abgebrochen wurde.

Ganz anders Europa. Trotz solcher Beweise für fehlende Friedfertigkeit und den fast eineinhalb Jahren Terror wird er in Europa weiterhin als Schlüsselfigur für den Frieden in Nahost angesehen. An ihm führt kein Weg vorbei. Soweit mag das stimmen – nur wird dabei Arafat ausschließlich als positive Figur, als Friedenspartner dargestellt; als der, der den Frieden bringt, nicht verhindert.

Die EU-Außenminister haben in ihren Beschlüssen von Laeken Ende Januar 2002 klar gesagt: „Israel braucht die Autonomiebehörde und ihren gewählten Präsidenten Yassir Arafat als Verhandlungspartner für beides: um den Terrorismus auszumerzen und auf einen Frieden hin zu arbeiten. Ihre Möglichkeit der Bekämpfung des Terrorismus darf nicht geschwächt werden.“

Was lässt die Minister zu dem Schluss kommen, dass man nur mit Arafat etwas erreichen kann? Wieso halten sie nicht nur derart an ihm fest, sondern fördern ihn auch ständig und unterstützen ihn, trotz seiner terroristischen Aktivitäten und der völligen Abstinenz jeglicher Taten, die Frieden zur Folge haben könnten?

Es gibt hier diejenigen, die bei einem Anschlag auf eine deutsche Synagoge für einen „Aufstand der Anständigen“ gegen „Rechts“ tönen – weil solche Anschläge nur Neonazis ausführen. Die gleichen Personen schweigen stille, wenn sich heraus stellt, dass dieser Anschlag von Menschen arabischer Herkunft bzw. Nationalität begangen wurden. Sie schweigen stille, wenn solche und schlimmere Taten im arabischen Raum geschehen. Sie schweigen stille, wenn arabische Terrorgruppen, hier oft nur als „militant“ oder gar als „Freiheitskämpfer“ bezeichnet, enge Kontakte zu unseren Neonazis pflegen.

Was ist das für ein Reflex?

Unsere Medien haben in der letzten Woche über die erste palästinensische Selbstmord-Attentäterin berichtet. Sie stellten sie in allen Einzelheiten vor; ihr Foto wurde gezeigt, wie sie eine Robe, einen „Doktorhut“ und ein Diplom in der Hand hält – offensichtlich die Verleihung eines Abschlusses (den sie aber gar nicht besitzt). Beschrieben und heraus gestellt wurde ihre Motivation, Verletzten zu helfen und so weiter und so fort. Sie wurde in den schillerndsten Farben dargestellt, alles Positive gezeigt, was man über sie sagen konnte. Auch ein paar Schatten – das abgebrochene Studium, die gescheiterte Ehe usw., aber das wurde nivelliert (durch das Problem der Kinderlosigkeit u.a.), machte sie noch sympathischer: Diese junge Frau stand mit beiden Beinen auf der Erde, rappelte sich nach solchen Rückschlägen wieder auf. Eine so sympathische junge Frau hat das Attentat ausgeführt?

Da kommt der Lesen/Zuschauer ins Grübeln. Wie kann so jemand nur so eine Tat ausführen? Und die einzig zulässige Erklärung: Verzweiflung. Verzweiflung über die Umstände, unter denen sie leben muss, unter denen ihr Volk leidet, unter denen … Und die Ursache kann nur bei den Israelis liegen, denn schließlich sind sie die Besatzer, die Unterdrücker, diejenigen, die die Gewalt anwenden. Aus dem Täter wird ein Opfer; die Erklärung wird zur Rechtfertigung und die Tat den Opfern angelastet.

Aber kann das so richtig sein? Das Motiv der Verzweiflung als einziger Erklärung für grässlichste Gewalttaten, wird Menschen wie den Selbstmord-Attentätern – oder auch den Kurden, die vor ein paar Jahren hier bei uns Autobahnen sperrten und von denen sich einer selbst verbrannte – ausschließlich unterstellt: Es „kann“ nur um Verzweiflung handeln, sonst würden diese Menschen nicht ihr Leben aufgeben.

Für grausame Taten und Attentate gegen Juden, Amerikaner, oft auch Christen kennt man keine andere Erklärung. Ausnahme: rechtsradikale Deutsche bzw. Europäer oder (nicht nur orthodoxe) Juden (in Israel). Die sind allesamt dumpf, verblendet, rassistisch und schlichtweg böse.

Begeht ein Moslem in „Palästina“ die gleichen Taten wie ein Neonazi bei uns, dann ist das erklärbar (und damit auch zu rechtfertigen). Begeht ein Moslem hier bei uns die Tat, dann gibt es auch Erklärungen dafür. Ihm wird die gleiche Verzweiflung unterstellt und zugute gehalten. Unterdrückt wurde er (wenn nicht von den Israelis, dann von seiner Familienstruktur oder der westlichen Gesellschaft, in der er lebt), benachteiligt (in der deutschen/europäischen Gesellschaft, die ihn in seiner Art nicht akzeptiert hat und nicht tolerant genug ist, ihm Chancen genommen oder verweigert hat, etc.); fehlende Chancengleichheit macht ihn verzweifelt.

Dass dieser Täter genauso verblendet, dumpf, rassistisch und schlichtweg böse gehandelt haben könnte wie die Neonazis, kommt nicht in Frage, selbst, wenn er einer islamistischen Gruppierung wie Mili Görüs angehört. Es kann nicht sein, was nicht sein darf?

Wie viel Realität steckt hinter der Erklärungs-Manie gegenüber moslemischen Tätern? (Vielleicht ja auch nur gegenüber Tätern, die nicht aus dem Westen kommen? Dahinter könnte ein Schuldkomplex der ehemaligen Kolonialherren stecken.) Wie viel Anerkennung – nicht nur Toleranz oder Verständnis! – „müssen“ wir den Menschen entgegen bringen, die unsere Werte nicht teilen, oft nicht zu teilen bereit sind oder dagegen kämpfen, aber hier leben wollen oder in ihrem Land unsere Gelder oder politische Unterstützung verlangen?

Mitte der 80-er Jahre erzählte mir eine Bekannte, dass ein iranischer Student ihres Umfelds sich so äußerte: „Deutsche Frauen sind alles Huren.“ Grund: Ihre Kleidung, die Titelblätter unserer Illustrierten und die („nicht vorhandene“) Sexualmoral. Meine Bekannte brachte dieser Haltung großes Verständnis entgegen. Man müsse das verstehen, in seinem Land herrschten ja schließlich striktere Vorstellungen. Das müsse man respektieren und akzeptieren. Sie fand nichts schlimm daran, dass der Mann so dachte. Sie rechtfertigte das.

Ich entgegnete ihr: Dieser Mann wusste, dass er sich in einer völlig anderen Kultur befand. Er war hoch gebildet. Und er hätte die Erfahrung haben müssen, dass nicht jede deutsche Frau mit jedem Mann beliebig in die Kiste hüpft; dass ein kurzer Rock nicht die ständige Aufforderung zu Sex ist. Sich diese Gedanken nicht zu machen, spricht von Ignoranz, ganz egal, was man von den offenherzigen Kleidungsgewohnheiten und der auch für viele hiesige Christen reichlichst laschen Sexualmoral in Europa hält. Seine Engstirnigkeit, die Verallgemeinerung wurde akzeptiert und als konsequent gelobt. Das nicht anzuerkennen wurde als intolerant und abzulehnen kategorisiert. Diese Gegenposition wurde von ihr (nach dem Verständnis ihres Bekannten selbst eine solche „Hure“, da deutsche Frau) nicht akzeptiert.

(Frage am Rande: Warum wird konservativen Christen nicht dieselbe Toleranz gegenüber ihrer Einstellung entgegen gebracht? Wo ist denn hier die Doppelmoral? Was den einen ohne Weiteres zugestanden wird, weil sie aus einem anderen Kulturkreis kommen, wird den anderen verboten, weil es als von Gestern und Bevormundung definiert wird, als „nicht mehr zeitgemäß“.)

Ähnliches beobachten wir mit den Geschehnissen im Nahen Osten: die Palästinenser dürfen vielleicht nicht alles tun, was sie tun, aber man hat enormes Verständnis und bietet jede Menge Rechtfertigung für Bomben, Mord, Verstümmelungen, übelste Hetz-Propaganda (die in Teilen sogar ungehemmt übernommen wird), Vertragsverletzungen usw. Aber derjenige, der sich dagegen wehrt, der wird verurteilt, dem wird jedes miese, hinterhältige Motiv unterstellt, das sich finden lässt.

Es wird ausgeblendet, dass Israel seit der Rückkehr der Juden nach „Palästina“ von allen umliegenden Arabern massiv bekämpft wird, mit dem einen, klar erklärten Ziel: Vernichtung. Es wird ausgeblendet, dass Arafat und seine Kumpane die Verträge von Oslo (und allen, die dazu gehören), nie Ernst gemeint haben – die Belege dafür werden schlichtweg nicht wahr genommen oder als israelische/rechte/extrem-christliche Propaganda abgetan. Es wird ausgeblendet, wie viel Israel sich bemüht hat, dass ein Friedensschluss möglich wird – die Angebote werden als nicht ausreichend angesehen (und damit die arabische Propaganda ohne sie zu hinterfragen übernommen). Es wird ausgeblendet, dass die PA ab 1993/94 statt z.B. einer vertraglich vereinbarten Erziehung zum Frieden und Ausgleich ausschließlich (!) den wilden Hass auf Juden/Israel in seinen Schulen, Medien und Moscheen predigen ließ. Hier hören wir immer nur – wie gerade erst wieder von den Außenministern der EU -, dass Arafat der einzig mögliche Partner für einen Frieden ist.

Arafat wird offensichtlich als eine Art Michail Gorbatschow des Nahen Ostens oder zumindest Palästinas angesehen. Wie der damals in der Sowjetunion eine neue Ära einläutete, so wird dies in Bezug auf den Nahen Osten Arafat zugeschrieben. So wie Gorbatschow in der zweiten Hälfte der 80-er Jahre Glasnost und Perestroika verkündete und eine gewisse Öffnung dem Westen gegenüber propagierte und die neue Offenheit in der eigenen Gesellschaft (wenigstens zum Teil) durchsetzte, so schreibt man Arafat den neuen Friedenswillen des Nahen Ostens und eine gewisse Öffnung zum Westen und zur Demokratie zu. Welche Berechtigung das hat, bleibt allerdings im Dunkeln.

Seit den 90-er Jahren verkündet Arafat gegenüber dem Westen Frieden; den „Frieden der Mutigen“, zu dem Israel ausgerechnet nach der unsäglichen PLO-Unterstützung für Saddam Hussein gedrängt wurde; es wurde der Prozess des „Land für Frieden“ vereinbart, der von der israelischen Linken mit Hilfe des Westens in einem Versuch angestrebt wurde, der durch keine einzige Erfahrung mit dem Vater des modernen Terrorismus gerechtfertigt war.

Wie widersprüchlich das ist, kann man vielleicht daran erkennen, dass Israel von Saddam mit Massenvernichtungsmitteln in einem Krieg bedroht wurde, der mit Israel nichts, aber auch gar nichts zu tun hatte. Allerdings kam der kollektive arabische Antiisrael-Reflex zum Tragen, als der Irak durch den Aufbau der US-Golf-Allianz in die Defensive gedrängt wurde und flux Israel zum eigentlichen Ziel seines Krieges erklärte. Anscheinend reicht das aus, um eine Koalition zu sprengen, die einen arabischen Aggressor bekämpfen will; der ruft zum Kampf gegen das „zionistische Gebilde“ auf und schon ist alles mehr oder weniger gerechtfertigt oder vergessen, was er vorher tat – er muss in diesem Kampf unterstützt werden, schließlich es geht ja gegen die Zionisten. Israel durfte sich nicht aktiv verteidigen, das hätte die Allianz gesprengt. Also fielen Raketen auf den jüdischen Staat, es gab Tote (wenn auch nur einen durch direkte Einwirkung dieser Waffen). Aber Israel hielt still. Es verzichtete darauf sich zu wehren.

Zur Belohnung für dieses Stillhalten, zur Belohnung, die Golfkriegs-Allianz nicht gesprengt zu haben, wurde ihm der „Frieden“ mit Arafat aufgedrückt. Nach Beendigung der Kampfhandlungen gegen Irak hieß es, jetzt müsse aber Israel (das sich den Aggressionen der arabischen Seite gegenüber still verhalten hatte) den Palästinensern (die die Aggressionen begrüßt, unterstützt und bejubelt hatten) entgegen kommen. Als direkte Folge des Krieges Saddams und der westlichen Intervention zu Gunsten der übrigen Araber! Welche Logik hat das?

Arafat war durch sein Verhalten (jahrzentelanger Terror, Saddam-Unterstützung) zu diesem Zeitpunkt eigentlich im Mülleimer der Geschichte gelandet. Er wurde vor allem von Europa im Verein mit den Arabern aus diesem wieder hervor geholt. Wie sich jetzt zeigt, war das ein Riesenfehler; denn der Mann aus dem Müll mauserte sich durch geschickte Propaganda zum Friedensengel, der die Vernichtung Israels voran treibt. Nur: Europa will das nicht glauben, Europa verschließt die Augen davor.

Arafat redet ständig vom Frieden, von Rechten, von legitimem Widerstand und von Waffenstillständen – vor der westlichen Presse und vor westlichen Politikern. Die aufrührerischen Reden, das Gehetze in der arabischen Medienwelt, in arabischer Sprache, wird nicht wahrgenommen. Der Jubel über tatsächliche sowie die vermeintlichen Friedensbotschaften, Waffenstillstands-Ankündigungen und Gewaltsverzichts-Aufrufe übertönt die unmittelbar danach ausgegebenen gegenteiligen Parolen. Wen kümmert das schon? Europa folgt damit einem Wunschbild, das es sich selbst aufgebaut hat und das jeder Prüfung der Realität zum Opfer fallen würde.

Gorbatschow musste wohl nach seiner Wahl zum Partei- und Staatsratschef der KPdSU bzw. Sowjetunion die Partei-Sprache benutzen und erst alles umdefinieren, so dass es sich noch ähnlich bis gleich anhörte, aber doch dann eine andere Auslegung bekam; das war nötig, um die konservativen Parteibonzen bei der Stange zu halten oder ersetzen zu können und keine „Revolution“ gegen sich heraufzubeschwören. Die kam zwar 1992 trotzdem, aber da war schon so viel geschehen, dass es eine widerstandsbereite Bevölkerung und einen Boris Jelzin gab, die ihren Erfolg verhinderten.

Genau so scheint man Arafat zu sehen: Den eigenen Leuten gegenüber „muss“ er so reden, wie er redet. Nur darf man das nicht Ernst nehmen, denn es dient ja dem Frieden, weil er sein Volk erst langsam „umdrehen“ muss, weg von der Konfrontation und hin zum Miteinander. Und deshalb ist er einzig möglicher Verhandlungspartner; alle Hoffnung wird auf seine Version des vermeintlichen Friedens gesetzt. Aber ist das wirklich so?

Arafat hatte zehn Jahre Zeit, diesen „Umerziehungsprozess“ zu beginnen. Gorbatschow hatte sein Werk innerhalb von fünf Jahren so weit voran gebracht, dass der Ost- West-Konflikt praktisch ausgeräumt war. Arafat aber hat einen Propaganda-Apparat aufgebaut, der seit seiner Einrichtung kontinuierlich den Hass und den Kampf gepredigt hat; das Schulsystem der PA nutzt seit seiner Übernahme durch die PLO ausschließlich (aktuelle) Schulbücher, die aus den beiden Nachbarländern stammen, mit denen Israel Friedensverträge abgeschlossen hat: Jordanien und Ägypten. Aber diese Bücher verunglimpfen die Juden als Untermenschen, Teufel, Pest, Krebsgeschwür, Weltverschwörer usw., die ausgerottet werden müssen; diese Schulbücher predigen den Palästinenserstaat vom Jordan bis zum Mittelmeer – keine Rede vom Existenzrecht Israels. Die „Entschuldigung“, dass diese Bücher aus Ägypten und Jordanien stammen, zieht nicht. Was für ein Frieden ist das, der den Vertragspartner derart darstellt? Was kann Israel von diesen „friedlichen“ Nachbarn erwarten, wenn sie solche Hetze in ihre Kinder einpflanzen? Dann hätte das Material gar nicht benutzt werden dürfen oder es hätte in der Lehrerausbildung wie im Unterricht entsprechend aufgearbeitet werden müssen. Das geschah aber nicht, es wurde so gelehrt, wie es drin stand. Und dann hat nach sieben Jahren „Friedenspolitik“ des sich selbst zum Präsidenten überhobenen Vorsitzenden der Autonomiebehörde die PA für einige Klassen eine Reihe eigener, neu entwickelter Schulbücher eingeführt – von Mitgliedern der EU finanziert. Und was steht drin? Israel ist ein teuflisches, zionistisches Gebilde mit dem Ziel, die Palästinenser auszurotten, den Islam zu erniedrigen und die jüdische Weltverschwörung voran zu treiben; das „historische Palästina“ muss wieder errichtet werden (wann hat es je ein solches gegeben?), vom Jordan bis zum Mittelmeer. Der jüdische Staat existiert in den Büchern nicht, wird weder auf einer Karte gezeigt, noch anerkannt – statt dessen gilt „das ganze historische Palästina“ als von Juden besetzt und muss befreit werden.

Was hat Arafat getan, das mit Gorbatschow vergleichbar wäre? Ausschließlich die Reden gegenüber dem Westen, die er hält. Alles andere, die internen Änderungen, Reformen, hat er nicht einmal ansatzweise angefangen. Im Gegenteil: Er hat die Gegensätze zu Israel verschärft, hat schon 1994 verkündet, dass er die Verträge von Oslo als gleichwertig mit dem des Propheten Mohammed mit den Qureish ansieht. Der war auf zehn Jahre vereinbart worden, aber der Gründer des Islam hatte ihn nach nicht einmal zwei Jahren gebrochen, sobald er sich stark genug fühlte sie zu besiegen. Damit ist Oslo von Vorneherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Ein Friede war nicht in Sicht. Aber die Schuld für die heutige Situation wird Netanyahu und anderen „rechten“ Politikern Israels angelastet.

Wieso? Weil Israel seinen Pflichten nicht nach kam und den Rückzug mit Übergabe von Territorium an Arafat nicht in der Geschwindigkeit durchführte, wie sie ursprünglich vorgesehen waren. Kein Wort darüber, dass Arafat seine Verpflichtungen nicht einmal ansatzweise umzusetzen begann; kein Wort darüber, dass Israel die „Friedensdividende“ erduldete (durch Terror ermordete und verstümmelte Israelis) und dass die Terroristen die Autonomiegebiete als Schutz- und Rückzugsgebiete nutzten, in denen sie nichts zu befürchten hatten, weil sie dort nicht verfolgt wurden, eher noch das Gegenteil. Statt Anerkennung für seine Geduld und lange Zurückhaltung zu ernten, wurde Israel beschimpft und angegriffen, Männer wie Netanyahu zu immer weiteren Rückzügen aus den Gebieten ohne irgendeine Gegenleistung der Palästinenser gezwungen.

Und selbst jetzt noch, nachdem Arafat einen Verhandlungsfrieden sabotiert hat und nach 17 Monaten Palästinenser-Terror, werden die Schuldigen weiter nur auf der Seite Israels gesucht. Die EU-Außenminister erklären, dass Arafat der einzig mögliche Verhandlungspartner ist – ausgerechnet der, der selbst auf dem Prüfstand stehen müsste; der endlich den Beweis erbringen müsste, dass er zum Frieden bereit ist; der immer mit gespaltener Zunge geredet hat – der wird nun zum Zentrum der Welt des Nahen Ostens gemacht, zu dem, der darüber entscheidt, was richtig ist und was nicht.

Nein, Arafat ist kein Gorbatschow, ganz im Gegenteil. Er ist eine inzwischen aus dem arabischen Nationalismus und Sozialismus heraus muslimisierte Version Stalins: Von Verfolgungswahn besessen, genauso von seiner Mission (Vernichtung des jüdischen Staates und der „jüdischen Verschwörung“), von Narzismus zerfressen; dazu noch mit einem derart korrupten Apparat umgeben und selbst mit derart Unmengen von Geldern in den eigenen Taschen (das könnte anders als bei Stalin sein), die seinem Volk hätten zu Gute kommen müssen, dass sogar seine eigenen „Brüder“ (sprich: die arabischen Staaten) ihm nichts gerne direkt in die Hände geben, sondern es – anders als die EU – kontrolliert selbst verteilen wollen – die versprochene eine Milliarde US-Dollar für die Unterstützung der „Intifada“ ist immer noch nur in Teilen eingetroffen!

Und von diesem, von seinen arabischen „Brüdern“ als nicht vertrauenswürdig angesehenen „Präsidenten“, sollen die Israelis ihr Schicksal bestimmen lassen. Dann können die Juden auch gleich kollektiven Selbstmord begehen.

Arafat kann schon deshalb kein Gorbatschow sein, weil er im Vergleich die Generation verkörpert, die mit dem Tod des letzten Vorgängers des sowjetischen Reformers unter ging. Es hat keinen fundamentalen Wechsel gegeben – Arafat macht das, was er immer gemacht hat, nur auf einem anderen Level und in einer anderen Art. So, wie z.B. Breschnjew nach Unterzeichnung der SALT-Abkommen die SS-20 stationierte, lässt Arafat Waffen einschmuggeln – Gorbatschow hatte dagegen zur Verringerung der (Atom-)Waffen beigetragen.

Der große Wechsel hat nirgendwo in „Palästina“ stattgefunden. Arafat hätte wie Gorbatschow die Gegner des notwendigen neuen Weges zurück drängen müssen – er hat sie aber gefördert und genährt und zur Haupt- wenn nicht der einzigen Kraft in „Palästina“ gemacht. Er hätte wie Gorbatschow Reformen beginnen müssen – er hat aber die Kräfte forciert, die jede Reform verhinderten und sich lediglich bereichern. Die Liste lässt sich beliebig verlängern.

Europa drängt nicht nur, es fordert kategorisch die Zusammenarbeit mit Arafat. Ohne Arafat kann man sich nicht vorstellen, dass etwas erreichbar ist. Was aber ist MIT Arafat erreichbar?

Was ist, wenn dieser über 70 Jahre alte Scheinmessias plötzlich, aus welchem Grund auch immer (aber ohne Einwirkung der Israelis) nicht mehr zur Verfügung steht? Wird dann alles wirklich nur noch schlimmer?

Die Terroristen verlören nach europäischer Lesart (die berechtigt zu sein scheint) eine Identifikationsfigur, eine einigende Persönlichkeit, eine Art Übervater. Was ist daran so schlimm? Der vermeintliche Gorbatschow Palästinas wird keinen akzeptablen Frieden bringen, sondern nur eine Verbesserung der Ausgangssituation im Kampf gegen Israel anstreben. Der tödliche Überlebenskampf Israels wird weiter gehen.

Und was sollte ohne Arafat schlimmer werden? Die Attentate finden auch jetzt statt. Der Hass der Palästinenser wird von ihm nicht weniger geschürt. Die Ziele werden nicht geändert. Es besteht aber die Chance, dass die Uneinigkeit der Palästinenser nach Arafat dazu führt, dass Israel die zersplitterten Gruppierungen und Fraktionen eine nach der anderen in die Schranken weisen kann.

Eine Sowjetunion ohne Gorbatschow hätte die Konfrontation mit dem Westen weiter verfolgt. Die Sowjetunion unter Gorbatschow suchte die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und eines gewissen Ausgleichs mit dem Westen. Ein „Palästina“ verfolgt ausschließlich den Kampf gegen die Juden – mit oder ohne Arafat. Keine Rücksicht auf wirtschaftliche Nöte des Volkes, kein Weg des Ausgleichs mit den Israelis – nur Konfrontation und Maximalforderungen, die Israels Selbstmord bedeuten würden. Arafat weiß, was für Israel inakzeptabel ist und fordert daher genau das. Damit wird ein Ausgleich von vorne herein verhindert und der Grund für die Fortsetzung des „bewaffneten Kampfes“ geschaffen.

Während also Gorbatschow für den Wechsel stand, für eine neue Generation in der Sowjet-Führung, steht Arafat in der PLO/PA für Kontinuität der Konfrontation. Aber so, wie Gorbatschow vor seiner Wahl ins wichtigste Amt der UdSSR kaum bekannt war und jeder sich erst einmal fragte: „Wer ist denn der?“, so könnte auch aus den Palästinensern einer an die erste Stelle gespült werden, der heute weitgehend unbekannt und unbeachtet ist. Dann wäre ein Wechsel der palästinensischen Politik möglich. Diese Chance darf man nicht verneinen, nur weil man hier bei uns niemanden sieht, der den Stuhl Arafats übernehmen könnte.

Ob Europa das zu begreifen in der Lage ist? © heplev, Februar 2002

Reformer aus Qatar: Die Wurzel des Terrorismus ist die Kultur des Hasses

MEMRI, 15. Juni 2007 (so nicht mehr online)

Dr. Abd Al-Hamid Al-Ansari, ehemaliger Dekan der Fakultät für Scharia und Juristerei an der Universität von Qatar, hat kürzlich in Zeitungen am Golf mehrere Artikel über Terrorismus und seine Wurzeln veröffentlicht. Nach Angaben von Al-Ansari ist der Terrorismus das Ergebnis einer Kultur des Hasses in den arabischen Ländern; um ihn zu eliminieren, muss die Kultur des Hasses eliminiert werden.

Das Folgende sind Ausschnitte aus diesen Artikeln:

Grundloses Entschuldigen des Terrorismus

In einem Artikel in der qatarischen Tageszeitung Al-Raya mit der Überschrift „Wie die Araber das Phänomen Terror erklären“ kritisiert Al-Ansari die Art und Weise, wie die arabische Welt das Phänomen des Terrorismus leugnet und ignoriert; er wies die politischen und sozio-ökonomischen Argumente zurück, mit denen der Terror gerechtfertigt wird:

„…Ich verstehe die Persönlichkeitsspaltung einiger Leute nicht; sie stellen den Terroristen im Irak als Märtyrer und Widerstandskämpfer dar… Wie können wird jemanden als Märtyrer bezeichnen, wenn er Schulen und Krankenhäuser in die Luft jagt, die Heiligkeit religiöser Orte nicht respektiert und – noch schlimmer – sich selbst in Restaurants und an Bushaltestellen voller Arbeiter sprengt?!
Warum hat die terroristische Gewalt zugenommen? Und warum hat sie eine Ebene von derartigem Wahnsinns und Barbarei erreicht? Warum schaffen wir es nicht damit umzugehen und ihn in den Griff zu bekommen? Warum nehmen die Terroroperationen zu, die sich gegen Unschuldige richten?
Aus meiner Sicht liegt die Antwort in unserer Unfähigkeit das Phänomen des Terrorismus zu erklären und es in strukturelle interne Ursachen und die Umwelt-Elemente aufzugliedern, die seine Existenz unterstützen. Diese Unfähigkeit entstammt den folgenden drei Hauptursachen, die im arabischen Raum als Erklärung des Terrorismus üblich sind:
Die erste ist der Diskurs der Leugnung; das heißt, dass man die Muslime von jeglichem Vorwurf der Ausübung von Terroroperationen frei spricht und statt dessen ihre Feinde beschuldigt werden – gewöhnlich der Mossad und der US-Geheimdienst. Ein ausgedehnter Sektor prominenter Kleriker, der intellektuellen Elite und der Massen sind immer noch überzeugt, dass der 11. September eine Geheimdienst-Operation des Mossad oder des US-Geheimdienstes war… Genauso leugnen viele, dass es Al-Zarqawi jemals gab und machen Israel und die USA für das verantwortlich, was im Irak vor sich geht.
Die zweite Ursache ist der Diskurs der Abwehrhaltung, wie er sich in den wiederholten Stellungnahmen manifestiert, dass der Terrorismus keine Religion, keine Heimat oder Nationalität habe, sondern ein vorüber gehender Virus sei, der der arabischen Welt fremd ist – oder dass der Islam keine Schuld am Terrorismus habe.
Die dritte Ursache ist der Diskurs der Rechtfertigung, der in den religiösen und Medienveröffentlichungen extrem üblich ist. Dieser Diskurs versucht den Terrorismus mit politischen Faktoren, internationalen Konflikten oder internen sozio-ökonomischen Faktoren zu verbinden – es wird gesagt, dass der Terrorismus das Ergebnis politischer Unterdrückung durch einige Regime ist, die die Freiheiten abwürgen und demokratie-feindlich sind oder dass Terrorismus eine Antwort auf amerikanische und westliche Ungerechtigkeiten ist, auf die Politik der Diskriminierung [von Muslimen], die blind Einseitigkeit pro Israel und die globale Verschwörung gegen die Muslime…
Dann gibt es diejenigen, die den Terrorismus mit Arbeitslosigkeit und Armut entschuldigen oder als Entschuldigung die Verbreitung der Korruption, sexuelle Freizügigkeit, sich für die Öffentlichkeit schmückende Frauen und dass Frauen politische Rechte gewinnen oder in hochrangige Positionen ernannt werden, was in den Augen derer [die Entschuldigungen für den Terrorismus finden] als pervers gilt.
All diese Entschuldigungen haben keine Grundlage. Erstens sind wir keine Nation, die unter Ungerechtigkeit leidet – immerhin leiden Nationen und Völker in Afrika, Amerika und Asien unter weit größeren Ungerechtigkeiten als wir.
Zweitens sind durch die gesamte muslimische Geschichte – von den Tagen der Gerechten Kalifen bis in unsere Zeit – die Ungerechtigkeiten, die Muslime gegen andere Muslime üben, größer als die Ungerechtigkeiten seitens der Feinde [der Muslime] gegen diese.
Drittens wurde im Verlauf der Geschichte niemals bewiesen, dass irgendeine Terroroperation jemals etwas wieder hergestellt hat, das weggenommen wurde oder dass er irgendein politisches Ziel erreichte. Was die Behauptung angeht, dass das Fehlen von Demokratie und Freiheiten Terrorismus verursacht, so ist es eine Tatsache, dass in irgendeine Veröffentlichung von Al-Qaida irgendwo Forderungen nach Demokratie einschließt – darüber hinaus hasst Al-Qaida die Demokratie und betrachtet sie als Ketzerei.
Was die Entschuldigung durch die Arbeitslosigkeit angeht, so wird dieser Behauptung durch die gute [finanzielle] Situation der Al-Qaida-Führer und –Mitglieder genauso widerlegt wie die anderer Terroristen, die Geldmengen, Munition, Waffen und sonstige Ausrüstung zur Genüge besitzen.
Genauso haben viele Menschen in der Vergangenheit und der Gegenwart unter schwierigen Situationen gelitten – aber sie haben ihre Söhne nicht gedrängt sich unter Unschuldigen in die Luft zu sprengen, wie wir das machen. Ich bin sicher, dass, wenn die amerikanische Besatzung morgen verschwinden würde, der Terror im Irak nicht aufhören würde – tatsächlich würde er noch gewalttätiger und barbarischer werden.
Was das palästinensische Problem angeht, so schließt keiner der Pläne und der Veröffentlichungen der Terrorgruppen irgendeine Forderung ein, die irgendwie mit Palästina in Verbindung steht. Und die Frauen, die ihre Häuser verlassen und sich geschmückt in der Öffentlichkeit zeigen – wie kann das in irgendeiner Weise erklären, dass der Terrorismus in Saudi-Arabien eingefallen ist?…
So lange wir nicht einen selbstkritischen Ansatz übernehmen, wird die Krankheit des Terrorismus bleiben und sogar noch schlimmer werden…“(1)

Terrorismus – das Ergebnis einer Kultur des Hasses

In einem Artikel mit der Überschrift „Wie unsere Jugend das Leben lieben lernen kann“ in der kuwaitischen Zeitung Al-Siyassa, erklärte Dr. Al-Ansari, dass es die Kultur des Hasses und der Extremismus in den arabischen Ländern sind, die den Terrorismus verursachen:

Terrorismus ist die Frucht des Hasses – das Leben zu hassen, die Zivilisation und die Moderne zu hassen, die Gesellschaft und den Staat zu hassen, die lebenden Menschen zu hassen. Die jungen Leute, die Werkzeuge des Mordes und menschliche Bomben geworden sind, sind die Söhne der Kultur des Hasses und das Ergebnis einer fanatischen Kultur und extremistischen Ideologie, die das Leben, seine Genüsse und seine Schönheit als unwichtig betrachten. Letztlich haben die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und religiösen Motive, die die jungen Leute dazu bringen sich selbst zu sprengen, einen einzigen Hauptgrund – und das ist die Kultur des Hasses.
Diese jungen Leute, im Blüte-Alter, sind die Feinde ihrer Gesellschaft geworden; sie rächen, hassen und explodieren. Sie sind unsere terroristischen Söhne, aufgezogen an unserem Busen, genährt von unserer Kultur, gelehrt in unseren Schulen und religiöse Gesetze von unseren religiösen Kanzeln und durch die Fatwas unserer Kleriker gelehrt.
Was hat sie dann dazu gebracht den Tod dem Leben vorzuziehen? Ich habe keine Antwort außer der Tatsache, dass wir es nicht geschafft haben sie dazu zu bringen das Leben zu lieben. Wir haben sie gelehrt für die Sache Allahs zu sterben. Wir haben sie gelehrt, dass Nationalismus heißt Amerika anzugreifen und gegen den Imperialismus zu opponieren, aber wir haben sie nicht gelehrt, dass Nationalismus Liebe, Loyalität und Zugehörigkeit zur Heimat ist.
Wie kann sich diese armselige Kreatur, die man das arabische und muslimische Individuum nennt, nicht dem Extremismus zuwenden, wenn es von einer allumfassenden Atmosphäre des Extremismus umgeben ist, gebunden von den Ketten der Unterdrückung und der Verbote und gegürtet von den Ideen der Einschüchterung und Terrorisierung und beinahe endloser Qual? Diese begleiten diese Kreatur von der Geburt bis zum Tod, angefangen mit unheilvollen Warnungen über die Qualen des Grabes und feindlicher Komplotte, die dem Islam und den Muslimen auflauern, wie auch der langen Liste von Verboten, die das gesegnete Leben – das Geschenk des Schöpfers – in ein Gefängnis von Schmerz machten, aus dem das Individuum ins Paradies und zu den lieblichen Jungfrauen darin zu entkommen versucht.
Als ob all das nicht genug wäre, beschäftigen wir auch noch eine Religionspolizei, die den Leuten folgt, um ihre Freiheiten zu beschränken, sie auszuspionieren und sich in ihre persönlichen Angelegenheiten einzumischen. Wie kann es also nicht das weit verbreitete Phänomen der Spannungen und der Sorge in den Seelen (der Leute) geben?…
Gehen Sie zur Freitagspredigt und Sie werden einen Prediger vorfinden, der über die Welt erzürnt ist, wütend auf die Zivilisation, das Gift des Hasses und Feindseligkeit verbreiten. Dann werden Sie die Moschee angespannt und wütend verlassen!…
Die Jugend der Welt macht Musik, Kunst und der freut sich über die Annehmlichkeiten des Lebens. Die schaffen, entdecken und sind Teil des Aufbaus der Stärke und der Kultur ihrer Gesellschaft – während wir unsere Jugend in religiösen Gesetzesstreitigkeiten über den Schleier, den Bart, wie lang die Kleidung sein sollte und wie man Christen grüßt beschäftigen – oder wir spannen unsere jungen Leute in die politischen und ideologischen Dispute der Erwachsenen ein oder drängen sie in den Irak und nach Afghanistan zu gehen um Selbstmord zu begehen!
Hass ist eine Kultur der Verbote und das Ergebnis unserer Sicht der Welt als einem Feind, der uns auflauert. Viele Faktoren haben [bei der Formung dieser Weltsicht] mitgespielt, darunter die religiösen Botschaften, die in Ängsten vor Komplotten [gegen uns] verankert sind, der Bildungsbotschaften, die eine Entfremdung der Jugend vom modernen Zeitalter geschaffen haben und eine große Zahl Veröffentlichungen durch die Muslimbruderschaft und andere Nationalisten, die seit 50 Jahren Hass auf andere und Verschwörungstheorien [gegen die Muslime] verbreitet haben.
Wir benötigen eine Kultur, die die Wichtigkeit des Lebens wieder herstellt und den Wert des Einzelnen und unseren jungen Leuten wieder beibringt die zur Kunst und die Menschlichkeit zu lieben…“(2)

Die Werte der Toleranz sollten eingeführt werden

In einem Artikel mit der Überschrift „Unsere Söhne und die Kultur der Toleranz“ in der Zeitung Al-Ittihad in den Vereinigten Arabischen Emiraten forderte Al-Ansari, dass die arabischen Gesellschaften die Kultur des Fanatismus aufgeben und das Prinzip der Toleranz übernehmen, um den Extremismus und Terrorismus zu zerstören.

Was ist es, dem einige unserer Söhne zum Opfer gefallen sind?… Was ist es, das sie dazu veranlasst hat das Verderben und den Tod zu lieben?… Es ist das Erbe des Fanatismus, der vom Anfang der Geschichte zu uns kommt, das durch die muslimische Geschichte hindurch auf der sozialen Infrastruktur gegründet, gefestigt und verbreitet wurde und sich selbst darauf gestellt hat – im Schatten von tyrannischen Regimen, die Muslime wie Nicht-Muslime unterdrückten, diskriminierten und marginalisierten.
Unglücklicherweise haben inhumane religiöse Kommentare sie unterstützt… Die fanatische und diskriminierende Tradition – die muslimischen Prinzipien widerspricht – ist das, wovon einige unserer Söhne getrunken haben…
In der jetzigen Zeit, in der wir leben, brauchen wir nicht alles, was in den Büchern der Vorväter steht. Statt dessen brauchen wir religiöse Gesetze, die das Individuum als Individuum begrüßt und unsere jungen Leute dazu bringen das Leben, die Kultur und die fortschrittlichen Künste zu lieben.
Zweitens müssen wir aufhören uns selbst wegen „Toleranz“ zu oben und stolz auf diese zu sein, wenn wir weiterhin ohne Toleranz leben. Wenn wir wahrhaftig sind und wenn wir unseren Prinzipien treu sind, müssen wir [die Prinzipien der Toleranz] in tatsächliches Verhalten umsetzen…
Meiner Meinung nach ist Bildung der Schlüssel und der wahre Anfang zur Verstärkung der Werte der Toleranz: [Bildung] Zuhause, [Bildung] in der Familie, durch die gegenseitige Toleranz der Eltern und die gegenüber ihren Nachbarn, durch die Toleranz der Familienmitglieder untereinander und durch ihre Toleranz gegenüber den Bediensteten im Haus – Toleranz, die sich in die Bildungsinstitutionen und den Rest der Institutionen der zivilen Gesellschaft und der Regierung in all ihren politischen, kulturellen und religiösen Aspekte ausbreitet.
Auf diese Weise wird die religiöse und kulturelle Elite die Kultur der Toleranz in Kraft setzen und sei wird die Beschuldigungen des Verrats, der Ketzerei und der Spionage (die Muslime gegeneinander aufbringt) ausmerzen. Auf diese Weise wird die Gesellschaft von einem System von Gesetzen beherrscht, das gegenüber ethnischen Gruppen gerecht ist; und es wird ein politisches Regime geben, das gleiche Rechte und Freiheiten für alle sicher stellen wird.“(3)

Fußnoten:

(1) Al-Raya (Qatar), 23. April 2007.
(2) Al-Siyassa (Kuwait), 15. Mai 2007.
(3) Al-Ittihad (VAE), 18. Mai 2007

Viele in Jordanien sehen im Anschlag einen alten Feind: Israel

Michael Slackman, New York Times, 12. November 2005

Zarqa, Jordanien, 11. November – Die Maktoum-Moschee war beim Freitagsgebet überfüllt, als der Imam die Selbstmord-Anschläge auf drei Hotels in Amman hart kritisierte; er sagte, diejenigen, die die Verbrechen begingen, seien keine Muslime, egal, was sie sich selbst nennen.

Hinterher, auf der Straße, stimmten die Leute damit überein, dass, wer immer eine solche Tat beging, kein Muslim sein könne. Aber viele meinten das buchstäblich – dass der Angriff von außen Stehenden ausgeführt worden sein musste, nämlich von Agenten Israels.

„Wer sagt, dass das die waren?“, fragte Ahmed al-Zawahrah unter Bezugnahme auf die Behauptung, dass Mitglieder der radikal-islamischen Gruppe hinter den Explosionen steckten. „Es könnte Israel sein.“

Zarqa ist der Geburtsort von Abu Musab al-Zarqawi, dem Führer der Al-Qaida in Mesopotamien. Seine Verwandten und Nachbarn beteten in der Moschee, also könnte man sich vorstellen, dass es für sie besonders hart sein dürfte zu akzeptieren, dass Herr Zarqawi die Verantwortung für die Tötung so vieler Zivilisten übernommen hatte. Aber die hier gehörte Meinung findet im ganzen Land und der Region Widerhall.

Die meisten Araber haben Israel zwar schon lange als ihren Feind betrachtet, das allerdings in einem Ausmaß, dass Israel auf der regionalen Psyche liegt und die Aufmerksamkeit von sozialen, politischen, religiösen und wirtschaftlichen Fragen abgelenkt wird, die nicht ignoriert werden können, sagen viele soziale und politische Analysten. Israel zu beschuldigen ist einfach ein Reflex, sagen sie; für viele Araber ist es die Wirklichkeit.

„Die Leute beschuldigen Israel nicht aus dem luftleeren Raum heraus“, sagt Rami Khoury, jordanischer Politik-Kommentator und Autor im Libanon. „Es gibt einen starken historischen Grund dafür, denn Israel hat arabischen Menschen auf die eine oder andere Weise eine Menge Leid zugefügt.“

Aber er fügte hinzu: „Die Folge ist, dass dies ein einfacher Weg wurde sich nicht mit unseren Problemen auseinanderzusetzen, deren Gründe in unserer eigenen Gesellschaft liegen.“

Der Verdacht einiger hier wegen der Hotel-Morde spiegelt das grundlose Gerücht, dass tausende von Juden am 11. September 2001 nicht zur Arbeit im World Trade Center erschienen, weil Israel hinter diesen Anschlägen stand.

In Ägypten wurde Israel weithin für die Bombenanschläge in Taba und Scharm el-Scheik im Verlauf des letzten Jahres verantwortlich gemacht, ebenso für die jüngste sektiererische Gewalt zwischen koptischen Christen und Muslimen in Alexandria. In Syrien haben höchstrangige Regierungsvertreter Israel für die Tötung von Rafik Hariri, den früheren libanesischen Premierminister, verantwortlich gemacht.

Es sieht zwar so aus, dass zwar die meisten Jordanier akzeptieren, dass Zarqawi beteiligt war – wobei viele sagen, dass seine Taten sie krank machen – es aber wenig Kritik an denen gibt, die Israel zum Sündenbock machen. Tahir Masri, ehemaliger Premierminister, der sagte, dass es klar sei, dass Israel nicht in diesen Anschlag verwickelt ist, sagt er verstünde, warum so viele Menschen Israel verantwortlich machen.

„Sie müssen verstehen, dass Bagdad für Araber und Muslime über 1.000 Jahre die Hauptstadt war“, sagt Masri. „Es ist jetzt von Amerikanern besetzt. Jerusalem und Bagdad sind beide besetzt. Das ist für die normalen Menschen zu schwer, um es zu ertragen. Wenn man dann die Misere dazu nimmt, der sich die Leute wegen des Fehlens von Demokratie gegenüber sehen, und die Erniedrigung durch ihre Herrscher, dann müssen wir diese Art von Sündenbock einfach haben.“

Ob es nun die Bomben vom Scharm el-Scheik sind oder die Ermordung von Hariri, die Theorie setzt fast immer zwei Gedanken voraus. Der erste ist eine Logik, die besagt, dass diejenigen, die davon profitieren, hinter der Tat stehen müssen.

Als muslimische Einwohner von Alexandria in Ägypten letzten Monat versuchten eine koptische Kirche anzugreifen, nachdem verbreitet wurde, dass vor zwei Jahren in der Kirche ein den Islam verunglimpfendes Theaterstück gespielt worden sei – und dass das Stück auf Videodisk verbreitet würde – machte ein örtliches Parlamentsmitglied öffentlich damit Stimmung, dass Israel hinter den Unruhen stecke.

„Israel ist das einzige Land in der Region, das nicht will, dass Ägypten stabil ist“, sagte Mohammed al-Badrasheni, Parlamentsabgeordneter. „Es will sektiererische Unruhe stiften, die eine internationale Intervention zur Folge hat, wie es jetzt im Irak passiert.“

Der zweite Faktor, auf den routinemäßig als Beweis für Israels Beteiligung gezeigt wird, ist die Vorstellung, das Ägypter, Syrer oder andere Araber nicht klug genug sind, um solch einen effektiven Anschlag ausführen zu können.

General Fouad Allam, ehemaliger Direktor der Staatsicherheit in Ägypten, sagte z.B., der Anschlag auf das Hilton Hotel in Taba im letzten Jahr – bei dem hauptsächlich Israelis getötet wurden – müsse das Werk des israelischen Geheimdienstes gewesen sein, des Mossad. „Das war sehr gut geplant, studiert, professionell und mit sehr großer Fähigkeit ausgeführt“, sagte er. „Wir hatten diese Fähigkeit in den letzten 50 Jahren nicht.“

Ein Regierungsvertreter in Ägypten führte viele militärische Niederlagen an und sprach von einem tief sitzenden Gefühl der Unterlegenheit, sogar einer Art mentalen Krankheit. Der Beamte machte auch arabischen Führern Vorwürfe, die von Kritik innenpolitischer Fragen ablenkten, indem sie die Wut der Öffentlichkeit auf Israel lenkten.

Was immer die Ursache ist, das Ergebnis bleibt das gleiche: „Erst einmal erkennen die Menschen nicht einmal die Wirklichkeit in ihrem Umfeld an“, sagte Mohammed el-Sayed Said, politischer Analyst des von der Regierung finanzierten Ahram Center for Political and Strategic Studies in Ägypten. „Zweitens übersehen und ignorieren sie weiterhin das Problem, ohne eine beständige Terrorbekämpfungs-Kampagne zu unterstützen, die die Regierung vielleicht anstrebt.“

Dawoud al-Shoryan, prominenter Autor und Journalist aus Saudi-Arabien, sagt, er ist nicht überzeugt, dass diejenigen, die Israel beschuldigen, das wirklich glauben. Aber, fügte er hinzu, viele Leute sind zutiefst wütend über die US-Politik in der Region, einschließlich der Besatzung des Irak; und Israel zu beschuldigen ist ein Weg einem Verbrechen einen gewissen Grad an Legitimität zu verleihen, das als unaussprechbar angesehen würde, beginge es ein Muslim.

„Sie versuchen das abscheuliche Gesicht des Terrorismus zu verstecken, indem sie es den USA und Israel anhängen“, sagte er. „Die Vorwürfe zu verschieben ist nichts anderes als ein unterbewusster Versuch die Tat zu rechtfertigen.“

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (23. – 29. Juli 2017)

Sonntag, 23. Juli 2017:

Neben den übrigen Maßnahmen hat Mahmud Abbas jetzt auch ausdrücklich die Sicherheitskooperation mit Israel ausgesetzt.

Die Polizei will die Metalldetektoren eventuell durch Sicherheitskameras ersetzen. Auch das wird von der Waqf abgelehnt (wie alle Sicherheitsmaßnahmen der Israelis).

Die 3 Todesopfer des Terroranschlags vom Freitagabend wurden heute in Modi’in beerdigt. An dem Begräbnis nahmen mehrere tausend Israelis teil (die die Opfer gar nicht kannten).

Das Zentralkommando der IDF hat 60 Reservisten zusätzlich zu einem Sondereinsatz einberufen; sie sollen kleine bzw. jüdische isolierte Siedlungen (besser) schützen.

Das „Nahost-Quartett“ äußert „Besorgnis wegen der Gewalt in Jerusalem“.

Ein Journalist besuchte die Eltern des Mörders von Freitagabend. Der Vater äußerte Kritik am Handeln seines Sohnes, die Mutter ist besonders stolz auf ihn.

Nach dem Terroranschlag vom Freitag ist der Zugang von PA-Arabern in israelische Orte in Judäa und Samaria eingeschränkt worden.

Benjamin Netanyahu hat angeordnet, dass das Haus des Terroristen von Halalmisch abgerissen wird.

Montag, 24. Juli 2017:

Fatah-Veröffentlichung: „Oh Allah, befreie unsere Moschee vom Dreck der Besatzung.“
Mahmud Abas: Die islamischen und christlichen heiligen Stätten müssen verteidigt werden.
Ein Abbas-Sprecher: Was Israel auf dem Tempelberg macht, ist ein Schritt auf dem Weg zum Bau des Dritten Tempels.
Editorial in der offiziellen Zeitung der PA: Den heiligen Stätten wird Schaden zugefügt, sie werden verjudet.

Ein PA-Araber, der im Februar 2014 versuchte Soldaten zu überfahren, machte das in der Gewissheit, dass die PA daraufhin seine Familie finanziell versorgt, wenn er getötet wird oder ins Gefängnis muss. So wollte er seine Schulden loswerden.

Trumps Sondergesandter für den Nahen Osten, Jason Greenblatt, ist in Israel, um die Lage um den Tempelberg zu beruhigen. Das wird wohl schlecht gehen, wenn es nach dem Islamistenführer Saleh geht – der fordert, dass beim Tempelberg keine Kompromisse gemacht werden.
Derweil fordert der UNO-Gesandte für den Nahen Osten, Nikolai Mladenow, dass die Krise bis Freitag gelöst wird, damit die Gewalt nicht weiter eskaliert.

Angeblich sollen König Abdallah von Jordanien und Netanyahu eine Lösung gefunden haben; demnach sollen die Metalldetektoren entfernt und anderer Sicherheitsmaßnahmen ersetzt werden.

Dienstag, 25. Juli 2017:

Die PA hat das Budget für die Zahlungen an die in Israel einsitzenden Terroristen und für deren Familien bzw. die Familien toter Terroristen im Jahr 2017 deutlich erhöht: Insgesamt stehen dafür jetzt mehr als 350 Millionen Dollar jährlich zu Verfügung.

Die IDF hat die Mutter des Halimisch-Terroristen festgenommen, nachdem sie die Palästinenser aufforderte weitere Juden zu töten.

Natürlich reicht es nicht, dass Israel die Metalldetektoren (und Kameras!) abbaut. Nein, die PA-Terroristen wollen mehr und deshalb bleiben laut Abu Mazen die Beziehungen zu Israel komplett eingefroren. Und auch die Waqf fordert die Muslime auf weiterhin nicht auf den Tempelberg zu gehen.

Mittwoch, 26. Juli 2017:

Mahmud Abbas und seine Fatah/PA-Führer ermuntern die PalAraber, dass sie weiter wegen des Tempelbergs randalieren sollen.

Meinungsumfrage: 67% der Israelis glauben, dass der Abbau der Metalldetektoren am Tempelberg ein Fehler ist. Nur 23% stützen die Entscheidung von Netanyahus Sicherheitskabinett. Volle 77% finden, dass Israel damit vor der Gewalt kapituliert hat.

Der Direktor der Al-Aqsa-Vereinigung lehnt Kameras auf dem Tempelberg ab. Im Übrigen sei das ein Eingang zu einer Moschee, nicht zu einem Restaurant und niemand müsse gute Laune haben, wenn er dorthin kommt.

Die Waqf hat Forderungen vorgelegt, um die Krise zu „beenden“ – es darf demnach keinerlei Sicherheitsmaßnahmen geben, die Muslime betreffen. Das ist keine „Rückkehr zur Situation vor dem 14.7., das ist viel mehr – nämlich „freie Fahrt“ für Terroristen.

Derweil feiert die Hamas im Gazastreifen den „Sieg über Israel“; trotzdem hat sie für Freitag zu einem „Tag des Zorns“ wegen der „israelischen Angriffe auf die Al-Aqsa-Moschee“ aufgerufen. Die PA hat sich dem Aufruf angeschlossen. Die Tanzim-Terroristen der Fatah wollen in Judäa und Samaria „demonstrieren“, Straßen blockieren und „Siedlungen isolieren“.

Die Hisbollah gratuliert den PalArabern zu ihrem „Tempelberg-Sieg“.

Und Erdowahn muss auch weiter seinen Senf dazugeben: Es reicht nicht, dass die Metalldetektoren abgebaut wurden. Es sei (für die Türkei!) inakzeptabel, wenn Muslimen Einschränkungen auferlegt würden. Im Übrigen wolle Israel den islamischen Charakter der Stadt vernichten – „mit täglich neuen Maßnahmen“.

Donnerstag, 27. Juli 2017:

Was für ein verlogener Haufen: Die PA lässt in ihrem Fernsehen behaupten, der Mörder von letztem Freitag, der drei Mitglieder einer Familie umbrachte und eine weitere Frau schwer verletzte, bevor er von einem Soldaten angeschossen wurde, habe aus Mitleid und Mitgefühl die Kinder nicht ermordet und auch die Frau nicht getötet. Er sei der Beweis dafür, dass es auch im Krieg Moral gebe. (Der einzige Grund, dass er Mutter und ihre Kinder nicht ermordete, bestand darin, dass der aufmerksame israelische Soldat ihn anschoss, bevor er sich gegen sie wenden konnte!)

Gegen die Mutter des Terrormörders von Halamisch wurde jetzt Anklage wegen Aufstachelung zu Gewalt erhoben.

Ein PA-Sprecher bezeichnete die „israelische Kapitulation am Tempelberg“ als „Sieg, der das Verschwinden der Besatzung näher bringt“.

Die Arabische Liga fordert „internationale Garantien, damit sich die israelischen Übertretungen auf dem Tempelberg nicht wiederholen. Die Eskalation auf dem Tempelberg bedrohe die gesamte Region.

Tausende nahmen in Um el-Fahm an der Beerdigung der 3 Tempelberg-Terroristen teil; dabei wurden auch PLO-Flaggen geschwenkt.

Ein arabischer Rechtsanwalt aus der PA: Juden sind wie streunende Tiere. (Was durch die Metalldetektoren bewiesen wird, die sie überall aufstellen.)

Ein PA-Araber, der bei „Zusammenstößen“ mit Sicherheitskräften in Hizme vor drei Tagen verletzt wurde, ist jetzt seinen Wunden erlegen.

Freitag, 28.07.2017:

Die IDF bilanziert: An den gewalttätigen Krawallen in Judäa und Samaria den Freitag über beteiligten sich mehrere Hundert Araber; sie warfen Molotowcocktails, Steine, 2 selbstgebaute Sprengsätze und verbrannten Reifen. 4 Personen wurden festgenomen.

Am Donnerstagabend wurde die Entscheidung getroffen das Haus des Terrormörders von Neve Tzuf (Halimisch) zu zerstören. Die Bewohner haben 72 Stunden das Haus zu verlassen oder eine Gegenklage einzureichen.

Am Nachmittag hob Israel die Altersbeschränkung für den Besuch des Tempelbergs auf; daraufhin strömten viele Araber auf das Plateau. Die Polizei bereitete sich auf weitere „Zusammenstöße“ nach den Abendgebeten vor.

Der PA-„Außenminister“ erklärte die „Schlacht um Jerusalem“ für eröffnet.

Arbeitsunfall: Ein Hamasnik wurde bei der Arbeit in einem Terrortunnel durch einen Stromschlag getötet.

Samstag, 29.07.2017:

Mahmud Abbas lässt wissen, dass die Sicherheitskooperation mit Israel nur allmählich wieder aufgenommen werden wird. Die Zusammenarbeit werde vom ungehinderten Zugang der Muslime zum Tempelberg abhängig gemacht.

Ein arabischer Mann wandte sich Hilfe suchend an Grenzpolizisten an einem Checkpoint nahe der Machpela in Heborn. Sein Sohn war gestürzt und hatte sich am Kopf verletzt. Ein israelischer Sanitäter versorgte den Jungen, bis ein Krankenwagen des Roten Halbmonds kam und ihn ins Krankenhaus brachte.