„Kindermörder Israel“ – wie geht Israel mit seinen Feinden um? (1/2)

Es ist en vogue Israel willkürlichen Massenmord vorzuwerfen, weil es militärisch gegen die vorgeht, die es vernichten wollen – und das nicht nur verbal in die Welt setzen, sondern durch Taten untermauern. So ist auch gerade jetzt im Zusammenhang mit dem Kampf gegen die Hisbollah im Libanon wieder viel davon zu hören, dass Israel unverhältnismäßig reagiere, zu viele Zivilisten töte und keine Rücksicht auf die libanesische Bevölkerung nehme.

Jedem, der auch nur ein ganz klein wenig vergleicht, wie sich andere Armeen verhalten, vor allem aber, wie sich die verhalten, die Israel zu bekämpfen gezwungen ist, weiß, was für ein Unsinn diese Vorwürfe an Israel sind. Allen anderen – die leider die überwiegende Mehrheit in unserem Lande zu stellen scheinen – möchte ich hier zwei Beispiele dafür aufzeigen, wie sich Israel positiv von dem deutlich unterscheidet, was ihm vorgeworfen wird.

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Rede Brigitte Gabriels an der Duke University (14.10.2004, Link existiert nicht mehr)

Ich bin stolz und geehrt, heute hier als Libanesin zu stehen, die sich für Israel ausspricht, der einzigen Demokratie im Nahen Osten. Als jemand, die in einem arabischen Land aufgezogen wurde, möchte ich Ihnen einen kleinen Blick in das Herz der arabischen Welt geben.

Ich wurde im Libanon groß gezogen, wo ich gelehrt wurde, dass die Juden böse sind, Israel der Teufel und die einzigen Zeit, dass wir Frieden im Nahen Osten haben werden, die sein wird, wenn wir alle Juden töten und sie ins Meer treiben.

Als die Muslime und Palästinenser den Christen 1975 den Jihad erklärten, begannen Stadt für Stadt die Christen zu massakrieren. Für mich bedeutete das, dass ich ab dem Alter von 10 Jahren ein Leben im Bunker unter der Erde führte bis ich 17 war, ohne Strom, Gras aß um zu überleben und unter Heckenschützen-Kugeln zu einer Quelle kroch, um Wasser zu holen.

Es war Israel, das kam und den Christen im Libanon half. Meine Mutter wurde von einem muslimischen Geschoss verwundet und zur Behandlung in ein israelisches Krankenhaus gebracht. Als wir die Notaufnahme betraten, war ich von dem, was ich sah, schockiert. Dort waren hunderte verwundete Menschen – Muslime, Palästinenser, libanesische Christen und israelische Soldaten lagen auf dem Flur. Die Ärzte behandelten jeden entsprechend seiner Verwundung. Sie behandelten meine Mutter vor dem israelischen Soldaten, der neben ihr lag. Sie achteten nicht auf die Religion, sie achteten nicht auf politische Zugehörigkeit. Sie sahen Menschen in Not und sie halfen.

Zum ersten Mal in meinem Leben erfuhr ich eine menschliche Qualität, von der ich weiß, dass meine Kultur sie ihren Feinden nicht gezeigt haben würde. Ich erlebte die Werte der Israelis, die in der Lage waren ihre Feinde in schwierigsten Zeiten zu lieben. Ich verbrachte 22 Tage in diesem Krankenhaus. Diese Tage veränderten mein Leben und die Art, wie ich Informationen glaube; die Art, wie ich dem Radio oder Fernsehen zuhöre. Ich erkannte, dass mir von meiner Regierung eine Lüge über die Juden und Israel verkauft worden war, die von der Realtiät weit entfernt war. Ich wusste, dass es eine Tatsache war, dass ich, wäre ich eine Jüdin, die in einem arabischen Krankenhaus stünde, gelyncht und niedergeworfen würde, während Freudenschreie des „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) durch das Krankenhaus und die umliegenden Straßen klingen würden.

Ich freundete mich mit den Familien der verwundeten israelischen Soldaten an, besonders mit Rina, deren einziges Kind an den Augen verletzt worden war. Eines Tages war ich bei ihr und eine Band der israelischen Armee kam, um nationale Lieder zu spielen und die verwundeten Soldaten aufzumuntern. Als sie um sein Bett standen und ein Lied über Jerusalem spielten, begannen Rina und ich zu weinen. Ich fühlte mich fehl am Platz und wollte den Raum verlassen; die Mutter hielt meine Hand und zog mich zurück, ohne mich auch nur anzusehen. Sie hielt mich fest, weinte und sagte: „Das ist nicht dein Fehler.“ Wir standen dort, weinten, hielten uns an den Händen. Was für ein Unterschied zwischen ihr – einer Mutter, die vor ihrem verstümmelten 19-jährigen, einzigen Sohn stand und noch in der Lage war, mich, den Feind, zu lieben – und einer muslimischen Mutter, die ihren Sohn losschickt, damit er sich in Stücke zu sprengen, nur um ein paar Juden oder Christen zu töten.

Der Unterschied zwischen der arabischen Welt und Israel ist ein Unterschied in Werten und Charakter. Es ist Zivilisation gegen Barbarei. Es ist Demokratie gegen Diktatur. Es ist Gut gegen Böse.

Es gab einmal einen besonderen Platz in den tiefsten Tiefen der Hölle für diejenigen, die absichtlich ein Kind ermorden. Heute wird die absichtliche Ermordung israelischer Kinder als palästinensischer „bewaffneter Kampf“ legitimiert. Wenn jedoch ein solches Verhalten erst einmal gegen Israel legitimiert ist, ist es überall auf der Welt legitim und wird von nichts mehr als dem subjektiven Glauben von Menschen im Zaum gehalten, die sich in Dynamit und Nägel wickeln, um Kinder im Namen Gottes zu töten.

Weil die Palästinenser ermutigt wurden zu glauben, dass die Ermordung unschuldiger israelischer Zivilisten eine legitime Taktik zum Vorantreiben ihrer Sache ist, leidet die Welt heute unter der Plage des Terrors, von Nairobi bis New York, von Moskau bis Madrid, von Bali bis Beslan.

Sie machen für die Selbstmordanschläge die „Verzweiflung der Besatzung“ verantwortlich. Lassen Sie mich Ihnen die Wahrheit sagen. Der erste größere Terror-Bombenanschlag von Arabern gegen den jüdischen Staat fand statt schon 10 Wochen, bevor Israel unabhängig wurde. Am Sonntagmorgen, 22. Februar 1948, in Vorausahnung der Unabhängigkeit Israels, wurde von arabischen Terroristen eine dreifache LKW-Bombe auf der Ben Yahuda-Straße des damaligen jüdischen Teils Jerusalems gezündet. 54 Menschen wurden getötet und hunderte verletzt.

Daher ist offensichtlich, dass arabischer Terrorismus nicht durch „Verzweiflung“ oder „Besatzung“ verursacht wird, sondern durch den SCHLICHTEN GEDANKEN der Existenz eines jüdischen Staates.

So oft haben in der Geschichte der letzten hundert Jahre Bürger daneben gestanden und nichts getan und damit dem Bösen erlaubt sich durchzusetzen. So, wie Amerika gegen den Kommunismus aufstand und ihn besiegte, ist es jetzt an der Zeit gegen den Terror religiöser Bigotterie und Intoleranz aufzustehen. Es ist für jedermann an der Zeit aufzustehen und den Staat Israel zu unterstützen und zu verteidigen, der an vorderster Front im Krieg gegen den Terror steht.

Ich danke Ihnen.


 

Die Medien entdecken Religion in Sicherheitsfragen. Manchmal.

FirstOneThrough, 10. Februar 2017

Mehrere Nachrichten beschrieben Präsident Donald Trumps Vorschlag der vorläufigen Nichtaufnahme von Flüchtlingen aus vom Krieg zerrissenen Ländern als „Muslim-Verbot“. Die Medien führten die „sieben mehrheitlich muslimischen Länder“ an und hoben die Religion dieser Länder hervor.

Warum?

Es gibt auf der Welt etwa 50 mehrheitlich muslimische Länder. Das bedeutet, dass es viele weitere mehrheitlich muslimische Länder gibt, die NICHT von Trumps Erlass betroffen sind.

Was die sieben Länder – Syrien, Jemen, Libyen, Somalia, Sudan, Iran und Irak – gemeinsam haben, sind instabile Regierungen. Syrien und der Jemen sind in Bürgerkriege verstrickt. Libyen und der Irak sind Failed States, die von Terroristen übernommen worden sind. Somalia und der Sudan sind Kombinationen aus beidem.

Und der Iran ist der führende staatliche Terrorsponsor der Welt (direkt vor Syrien und dem Sudan).

Warum also sagen die Medien nicht, dass diese sieben Länder Failed States sind, auf kein Verlass ist, dass sie die Bürger auf Sicherheit hin überprüfen? Es ist nicht so, als hätten die Medien in der Diskussion von Religion in Sachen amerikanischer Sicherheit eine Geschichte.

2014 entschloss sich die Obama-Administration, nachdem eine von palästinensisch-arabischen Terroristen geschossene Rakete in der Nähe des Flughafens von Tel Aviv einschlug, die Flüge aus den USA einzustellen. Sie strich ausschließlich die Flüge nach Israel, obwohl in verschiedenen Ländern Flugzeuge abgeschossen worden sind, darunter in der Ukraine, Russland, Indonesien und Ägypten. Richtig abgeschossen; nicht nur eine Rakete, die in der Nähe eines Flughafens einschlug und minimalen Schaden anrichtete.

Diskutierten die Medien, ob das Verbot verfassungswidrig oder ungerechtfertigt war? Stellten sie heraus, dass es muslimische Terroristen waren, die auf den israelischen Flughafen schossen? Dass Obama ein Verbot gegen das einzige mehrheitlich jüdische Land der Welt verhängte? Gingen überall in den USA Protestierende gegen das Verbot auf die Straße?

Nein, nein, nein und nein.

Offizielle Vertreter Israels protestierten laut. Ephraim Sneh, General im Ruhestand und stellvertretender Verteidigungsminister Israels, kritisierte die Entscheidung die Flüge einzustellen scharf. Er sagte, es sei ein Traum der Hamas-Führung Israel von der Welt draußen abzuschneiden. Eine Belohnung der Terroristen.

Doch praktisch niemand – außer dem Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg – äußerte wegen des Verbots Empörung. Bloomberg machte mehr als seien Empörung zu äußern – er flog sogar trotz des Verbots nach Israel.

Die Medien und die Demokraten kamen schon vor langer Zeit zu dem Schluss, dass Trump ein „erbärmlicher“ Rassist sei. Sie haben der Welt seit Jahren gesagt, sie sollte sich vor „Islamophobie“ in Acht nehmen und die größte Bedrohung der Sicherheit Amerikas komme von den Rechten.

Daher muss, wenn ein Rassist (Trump) muslimischen Flüchtlingen Schaden zufügt (das muss Islamophobie sein), die Religion laut hinausgerufen werden. Wenn aber ein friedliebender Linker (Obama) Israel Schaden zufügt (das gemäß den Mainstream-Medien nie wirklich unschuldig ist), dann gibt es keinen Bedarf über Religion (das mehrheitlich jüdische Land) oder Antisemitismus (den Obama überhaupt nicht hegen kann) zu reden.

Dieses voreingenommene Narrativ von kein Antisemitismus/echte Islamophobie und linker Reinheit/republikanischem Rassismus wird gewiss nicht aufhören.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (19.-25. Februar 2017)

Sonntag, 19.02.2017:

Ein PA-Araber wurde festgenommen, der gefälschte israelische Einreisegenehmigungen verkaufte.

Sicherheitskräfte haben schon im Januar zwei PA-arabische Jugendliche aus Dir Abu festgenommen, die in Judäa und Samaria Schießanschläge verübt haben.

Am 14. Februar nahmen IDF und Schabak einen 45-jährigen Fatah-Terroristen fest, der an Terroraktivitäten im Raum von Tekoa beteiligt war.

Hamasgerichte im Gazastreifen haben 3 Gazaner zum Tod durch Erhängen verurteilt; sie sollen für Israel spioniert haben.

Montag, 20.02.2017:

Volkstanzfest in Nablus, von der EU (mit-)finanziert: „Wir ersetzten Armbänder durch Waffen, wir griffen die widerwärtige Zionisten an. Jihad ist nötig, betätigt den Abzug.“ Und ähnliche Friedfertigkeiten.

Mittwoch, 22.02.2017:

Die Menschen im Gazastreifen sind ganz aufgeregt: Es gibt das größte geschlossene Einkaufszentrum, eine sogenannte „Mall“ (nach amerikanischem Vorbild) mit einer internationalen Einzelhandelskette, einem Buchladen über drei Stockwerke und einer betriebsamen „Fressmeile“. Die Mall ist 1.800 Quadratmeter groß. Es gibt bereits zwei nicht ganz so große Malls.

Teenager aus Efrat (im Gush Etzion) haben einige Wochen lang alles Mögliche an Material für syrische Babys (im Wert von mehreren Zehntausend Schekeln) gesammelt.

Die Hisbollah schimpft wieder einmal, Israel habe Spionageausrüstung im Südlibanon platziert.

Donnerstag, 23.02.2017:

Das Bildungsministerium und der Shin Bet haben die sofortige Schließung einer Schule in „Ost“-Jerusalem angeordnet; diese wurde von der Hamas betrieben.

Am Mittwochabend nahm die Polizei 4 jüdische junge Frauen fest, die verdächtigt werden auf dem Tempelberg gebetet zu haben. Am Donnerstagmorgen wurden die Vorwürfe von einem Gericht abgewiesen und die Jüdinnen freigelassen.

Christliche Soldaten in der IDF erhalten Morddrohungen von Arabern. Es kommen Forderungen auf die Hetzer endlich zur Verantwortung zu ziehen; sie sind bekannt, weil die Hetze samt den Drohungen in den sozialen Medien verübt wird.

Freitag, 24.02.2017:

PFLP-GC-Chef Ahmed Jibril: Ich will iranische Soldaten in Galiläa kämpfen sehen. Wir werden auf unserem Weg zum totalen Krieg mit Israel durch Jordanien marschieren, ob es König Abdallah gefällt oder nicht.

Israel Einreisebehörde hat Aktivisten von Human Rights Watch auf Anweisung des Außenministeriums die Einreise verweigert. HRW wird vorgeworfen im Dienst palästinensischer Propaganda zu arbeiten und eine „fundamentale Einseitigkeit gegen den jüdischen Staat“ zu haben. Das Verbot richtet sich nicht gegen die Einzelpersonen, sondern gegen die NGO und ihre Mitglieder. (Der aktuelle Hintergrund für die Maßnahme ist bei tw24 zu finden.)

Samstag, 25.02.2017:

Eine Gruppe demonstrierender Libanesen überquerte die israelische Grenze, aber nicht den Grenzzaun. Sie wurden von IDF-Soldaten mit Tränengas zerstreut. Die Libanesen sollen auf die Behauptung der Hisbollah reagiert haben, Israel habe Spionageausrüstung auf libanesischem Gebiet installiert.

Jetzt machen die Israeli wohl doch einen Rückzieher gegenüber Human Rights Watch: Der BDS-Hetzer, dem die Einreise versagt wurde, kann anscheinend mit einem Touristenvisum einreisen und sich dann um eine Arbeitsgenehmigung bemühen.

Frau Merkel redet wieder von der Wichtigkeit der Zweistaatenlösung. Sie sieht keine andere Möglichkeit einen Friedensprozess zu erzielen. (Jetzt sind sie schon mit dem Prozess zufrieden…)

Angesichts des Terrors beweisen wir wieder einmal, dass wir eine innovative Nation sind

Aussie Dave, Israellycool, 9. Februar 2017

Was haben die folgenden Gegenstände gemeinsam?

Die Antwort lautet natürlich: Sie sind Objekte, die erfinderische Israelis verwendet haben um Terroristen zu neutralisieren.

Und jetzt können wir dem Mix einen neuen hinzufügen.

Bei einem Schieß- und Messerangriff am Donnerstagnachmittag wurden fünf Menschen verletzt, al sein Palästinenser auf der HaBaron Hirsch-Straße in Petah Tikva nahe des gedrängt vollen Marktes der Stadt das Feuer eröffnete.

Der Schütze war ein 19-jähriger aus der Gegend von Nablus; er floh vom Tatort, wurde aber kurz darauf von Zivilisten festgesetzt, die ihn unter Verwendung einer Nähmaschine neutralisierten. Er wurde dann von der Polizei verhaftet und zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.

Der Terrorist begann seinen Anschlag auf der HaBaron Hirsch-Straße, bewegte sich dann westwärts, wobei er ständig auf Menschen schoss, die an einer Bushaltestelle standen und auf dem Markt herumliefen.

Dann bog er rechts ab auf die Montefiore, immer noch schießend. Leute verfolgten ihn und versuchten ihn zu neutralisieren. Als der Terrorist an ein Nähmaschinengeschäft kam, begann er Menschen mit einem Schraubendreher anzugreifen, nachdem seine Schusswaffe – ein selbst gebautes Gewehr – Ladehemmung bekam.

Einige der Menschen schafften es schließlich den Terroristen zu neutralisieren, indem sei eine Nähmaschine nach ihm warfen. Augenzeugen sagen, während er neutralisiert am Boden lag, schrei er immer wieder „Hilfe, Hilfe!“

Dank des Erfindungsreichtums meiner israelischen Mitbürger ist Leben gerettet worden.

Auf den Krieg gegen den Terror ist die Genfer Konvention nicht anwendbar

Jonah Goldberg, Townhall.com, 16. Juni 2004

„Es gibt einen Grund dafür, dass wir diese Verträge unterschreiben: damit mein Sohn im Militär geschützt ist“, zischte Senator Joseph Biden (Demokrat aus Delaware) durch seine großen Zähne gegen den Generalstaatsanwalt. „Deshalb haben wir diese Verträge, damit gefangen genommene Amerikaner nicht gefoltert werden. Das ist der Grund, falls das jemand vergessen haben sollte.“

Nun – in gewissem Sinne.

Der entscheidende Grund dafür, dass wir Verträge wie die Genfer Konvention unterschreiben, besteht darin, dass andere Unterzeichner-Staaten uns so behandeln, wie wir sie. Das bedeutet, dass wir gefangen genommene französische Soldaten nicht in Sardinenbüchsen stecken und die Franzosen unsere Jungs nicht der Dauerberieselung mit Jerry Lewis-Filmen aussetzen können.

Gut, vielleicht nehme ich damit eine ernste Sache etwas zu leicht – Folter. Aber das tut Biden ebenfalls. Die Genfer Konvention ist ein Vertrag wie alle Verträge. Und Verträge verpflichten diejenigen, die sie unterzeichnet haben, zu einem bestimmten Verhalten.

Daher haben Kriegsgefangene der Unterzeichnernationen ein Recht auf alles Mögliche, einschließlich Wohneinrichtungen, die großzügig mit Bildungs- und Unterhaltungsmöglichkeiten ausgestattet sind und reichhaltige Kantinen haben, die von Kriegsgefangenen betrieben werden, die am Gewinn beteiligt sind.

Wie mein Kollege Rich Lowry und andere aufgezeigt haben, sind viele dieser Vorkehrungen Überbleibsel des Zweiten Weltkriegs – als Millionen dienstverpflichteter Soldaten in einen weit entfernt statt findenden Krieg geschickt wurden und daher nicht nur menschliche Behandlung verdienten, sondern – in Lowrys Worten – eine Behandlung „wie Hogan’s Heroes“ (aus „Ein Käfig voller Narren“).

Und das ist der Grund, weshalb Alberto Gonzalez als Berater des Weißen Hauses in einem Memorandum von 2002 andeutete, dass die Genfer Konvention im Kontext des Kriegs gegen den Terror „altmodisch“ erscheint.

Im Moment geht das aber alles an der Sache vorbei. Denn ob es nun „altmodisch“ ist, dass Gefangenen-Aufseher sich verhalten wie Feldwebel Schultz („I seh nix!“) oder nicht, eins ist klar: Die Genfer Konvention verpflichtet Staaten, die sie nicht unterzeichnet haben, zu absolut nichts.

Und jetzt raten Sie mal: Osama bin Laden hat in etwa so viel Verwendung für die Genfer Konvention wie für den neuen elektrischen Damenrasierer von Remington.

Ja, gut, Biden hat mit all seiner frömmelnden Herrlichkeit Recht, dass die Genfer Konvention militärisches Personal wie seinen Sohn vor Folter schützt – allerdings schützt sie sie davor, von anderen Ländern gefoltert zu werden, die die Genfer Konvention unterschrieben haben. (Nebenbei bemerkt: Bidens Sohn ist als staatlicher Militäranwalt ziemlich sicher – eine Tatsache, die Biden erst offenbarte, nachdem sein nützlicher Spruch aufgezeichnet war.)

Wenn Sie einen Vertrag mit dem Nachbarn schließen, dass keiner von beiden stinkende Gingko-Bäume auf dem jeweiligen Grundstück pflanzt, dann verpflichtet dieser Vertrag Sie und Ihren Nachbarn. Er ist für den Typ auf der anderen Straßenseite nicht verpflichtend.

Nun, Osama bin Laden wohnt auf der anderen Straßenseite. Er lebt außerhalb unseres Viertels, unserer Gemeinschaft, unserer Gesetze. Er lebt außerhalb aller Regeln der Zivilisation, im Krieg wie im Frieden. Jeden Tag verletzt er die Genfer Konvention schon, bevor er seine zweite Schale Müsli isst. Er jagt Personenzüge in die Luft und entführt zivile Flugzeuge. Seine Spießgesellen tragen keine Uniform und sie halten sich an keinerlei Regeln, von denen sich reguläre Armeen leiten lassen.

Wir alle haben unzählige Filme über den Zweiten Weltkrieg gesehen und dass Soldaten ohne Uniform nach der Genfer Konvention als Spione erschossen werden können. Nun, alle Al Qaida-Soldaten sind Spione. Und sie versorgen ihre Gefangenen ausdrücklich nicht mit Tischtennis-Platten und Wohnanlagen. Sie schneiden ihnen die Köpfe ab und stellen die Bilder ins Internet und senden sie im Fernsehen. Dasselbe gilt für Osamas Verbündete und Reisegenossen im Irak.

Die liberale Gelehrsamkeit scheint zu glauben, dass es eine offensichtliche Tatsache ist, dass die Genfer Konvention auf den Krieg gegen den Terrorismus angewendet werden sollte, obwohl ihr einfacher Text ebenso viel auf den Krieg gegen den Terror anwendbar ist, wie auf die Schlacht zwischen der Föderation und dem Klingonen-Reich (in „Raumschiff Enterprise“).

Senator Biden weiß das sicher alles. Ebenso John Ashcroft, dessen Sohn aber tatsächlich im Irak gedient hat. Aber warum sollten in einem Wahljahr Fakten rechthaberischem Getöse im Weg stehen?

Das soll nicht heißen, dass es für das Verhalten amerikanischer Soldaten keine anderen Verhaltensmaßregeln gibt, darunter den Uniform Code of Military Justice. Das heißt nicht, dass das Militär sich frei fühlen sollte jeden Kriegsteilnehmer zu foltern, der nicht Teil der Genfer Konvention ist oder dass es keinen amerikanischen Prestigeverlust für solches Verhalten gibt. Und es bedeutet schon gar nicht, dass die Verantwortlichen des Abu Graib-Fiaskos nicht bestraft werden sollten.

Aber wenn man glaubt, dass die Genfer Konvention eine wunderbare Sache ist, dann ist mir nicht verständlich, dass sie dadurch geschwächt werden soll, dass man sagt, es bringe nichts, sie zu unterschreiben. Al Qaida und die irakischen Eindringlinge entziehen sich allen Regeln, die in der Genfer Konvention verankert sind und diese symbolisieren (wie oft auch den Koran) und trotzdem verlangen die scheinheiligen Kritiker der Regierung, dass diesen Strauchdieben alle Vorteile gewährt werden, die die Unterzeichnung mit sich bringt.

Nun, wenn die Barbaren alle Vergünstigungen der Genfer Konvention genießen, ohne auch nur eine einzige ihrer Regeln einzuhalten, dann wird sie nicht nur altmodisch, sondern schlicht wertlos, außer als Werkzeug für die, die alles beseitigen wollen, wofür sie steht.

Inakzeptabel. Ungerecht.

Daniel Gordis, 28. März 2004

Vor ein paar Jahren nahm unser Büro die Dienste eines neuen Fahrers in Anspruch. Der vorherige, stellte sich heraus, konnte vom Fahren nicht mehr leben, als die Touristen das Land im Stich ließen, und ging in die USA. Meine Sekretärin erzählte mir von Schlomo, dem neuen Fahrer, unmittelbar bevor ich von ihm für die Fahrt zu einem Meeting abgeholt wurde; ich dachte mir angesichts der Neuigkeit nicht viel.

Ich stieg in den Mietwagen, setzte ich auf die Rückbank, stellte mich Schlomo vor (der Mitte fünfzig zu sein schien) und sagte ihm, wohin ich wollte. Wir machten uns auf den Weg; während wir durch die Stadt fuhren, fiel mir ein Foto auf dem Armaturenbrett auf. Eine junge Frau, vermutlich in ihren Zwanzigern. Ein nicht formelles Foto in einem Plexiglas-Rahmen, der auf das Armaturenbrett geklebt war. Man sieht solche Dinge nicht oft auf das Armaturenbrett eines luxuriösen Mercedes geklebt, also war ich neugierig. Ich beugte mich ein wenig nach vorne und las die Worte am Fuß des Rahmens. „Limor, HYD.“ Limor – möge Gott ihr Blut rächen.

Jetzt war ich noch neugieriger. Dies würde eindeutig ein sensibles Thema sein, aber wir sind in Israel und Subtilität war nie eine Stärke dieser Gesellschaft. Also fragte ich einfach.

„Ist das Ihre Tochter?“
“Limor. Sie war 27. Und schön.“
“Tut mir leid.“
“Sie wurde im Café Moment getötet.“

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Einen Moment lang sagte ich also nichts; dann fuhr er fort:

“Wissen Sie, man sagt mir immer wieder, dass es mit der Zeit einfacher wird. Ich warte immer noch darauf.“

Er drehte die Lautstärke des Klassikprogramms im Radio ein wenig höher, vielleicht, um die restliche Welt außen vor zu lassen. Ich weiß es nicht. Er schaute starr durch die Windschutzscheibe und ich aus dem Seitenfenster, sicher, dass alles, was ich sagte, absolut abgedroschen klingen würde. Ich war ihm ja erst vor ein paar Minuten zum ersten Mal begegnet. Selbst, wenn ich etwas zu sagen gehabt hätte, war jetzt wohl nicht die richtige Zeit dafür.

Wir haben diesen Fahrer immer noch. Manchmal ist es Schlomo, der mich abholt, aber meistens ist es sein Sohn Nir, auch etwa Mitte zwanzig. Gemeinsam betreiben die beiden den Mietwagen fast rund um die Uhr, so scheint es. Weil die meisten meiner Fahrten zum Flughafen auf den späten Abend fallen ist es gewöhnlich Nir, den ich sehe. Er holt mich auch am Flughafen ab.

Und jedes Mal, wenn wir die Kurven nach Jerusalem hinauf fahren, nimmt er dieselbe Route zu meinem Haus: An den Wolfson-Towers biegen wir links ab mitten hinein nach Rechavia, folgen den engen Straßen, bis der Wagen am – wieder aufgebauten, wieder eröffneten, besser bewachten und vollen – Café Moment vorbei kommt. Manchmal käme man auf anderen Strecken schneller nach Bakk’a, an Tagen, wenn der Verkehr in Rechavia einfach unglaublich ist. Aber er fährt nie anders. Er fährt immer am Moment vorbei. Er sagt nie etwas und ich frage nicht. Limors Bild ist da, sieht uns beide an, fast wie um uns daran zu erinnern, dass wir wirklich keine Eile haben. Was ist schon dabei, wenn der Verkehr in Rechavia ein wenig stärker ist? Die fünf Minuten Unterschied sind nicht so bedeutend, verglichen mit allem, womit er jedes Mal lebt und woran er denkt, wenn er auf sein Armaturenbrett schaut.

Es war Nir, an den ich dachte, als ich am Montagmorgen aufwachte. Das Radio war um Viertel nach sechs angegangen und die Nachrichten brummten im Hintergrund. Ein Hubschrauber. Eine Rakete. Getötet. Es klang wie gewöhnliche Morgennachrichten. Bis ich wach genug war, um den Namen zu erkennen. Scheik Ahmed Yassin. Seltsam, aber ich dachte an Nir. Vor allem anderen. Und ich fragte mich, ob er es schon gehört hatte. Ich fragte mich, wie er sich fühlte, angesichts des Wissens, dass wir den Kerl erwischt hatten, der seine Schwester tötete. Ich frage mich, ob das irgendwie Trost gibt. Ich bezweifle es.

An manchen Dingen muss man nicht zweifeln. Zum Beispiel, ob Yassin den Tod verdiente. Der britische Außenminister Jack Straw kann uns Vorträge darüber halten, die Tötung sei „inakzeptabel, ungerecht“. Mich kümmert das nicht. Denn wenn ich an die Briten denke, dann denke ich immer noch daran, dass die Küste Palästinas für Juden, die vor den Nazis flohen, geschlossen blieb, geschlossen für verzweifelte und verhungernde menschliche Wesen, die weg geschickt wurden, die manchmal gezwungen wurden, in das Europa zurückzukehren, aus dem sie geflohen waren, manchmal in ein noch schlimmeres Schicksal geschickt wurden. Als Brite sollte Straw tatsächlich das eine oder andere zu „inakzeptabel, ungerecht“ wissen.

„Inakzeptabel“, denke ich, ist eine schwache Art Yassins Lebenslauf zu beschreiben. Yassin war kristallklar. In diesem Konflikt geht es nicht um Territorium. Es geht um alles. Es kann kein „zionistisches“ Gebilde im Nahen Osten geben, der ein muslimischer Teil der Welt ist. Es kann keinen Kompromiss geben, keine Verhandlungen. Die Juden müssen weg. Man muss es ihm lassen, er redete Klartext.

Und er war hartnäckig. Unter Yassin war die Hamas in den letzten zwei Jahren verantwortlich für 425 Bombenanschläge, die 377 Tote und 2076 Verletzte zur Folge hatten. „Ungerecht“? Die Pizzeria Sbarro. Das Dolphinarium, voll gepackt mit Teenagern. Das Café Moment. Der Bus der Linie 37. Das Café Hillel. Der Bus der Linie 19. Viele, viele weitere. Und nun der Hafen von Ashdod, ein strategisches Ziel, das letztlich dazu führte, dass das Kabinett die Entscheidung traf ihn loszuwerden und die Hamas wissen zu lassen, dass wir die Nase voll haben. Und dass wir nicht die Absicht haben hier wegzugehen.

Ich kenne nur sehr wenige Israelis, die sich um die „Gerechtigkeit“ der Entscheidung ihn zu töten sorgen. Wenn er den Tod nicht verdient, dann verdient ihn niemand. Und manche Leute verdienen den Tod. Niemand, den ich kenne, verschwendete auch nur eine Träne, dass es ihn nicht mehr gibt. Aber niemand, den ich kenne, ging auf die Straße, um feiernd mit Sturmgewehren in die Luft zu schießen. Niemand verteilte aus Freude über das Ereignis Süßigkeiten an Kinder. Das, wissen die meisten von uns, wäre „inakzeptabel“.

War es klug, Yassin zu töten? Das ist die einzige Frage. Die moralische Rechtfertigung der Tötung ist, meines Erachtens, keine Frage. Was die Weisheit angeht, wer weiß? Ob sie die Hamas letztlich schwächt und es der Palästinensischen Autonomie ermöglicht, die Macht zu übernehmen, wenn wir uns zurückziehen, wie Sharon es nach eigener Aussage plant, bleibt abzuwarten. Was wir in der Zwischenzeit haben ist ein Patt des Schreckens.

Die Hamasführung ihrerseits ist abgetaucht. Abdel Aziz Rantissi, Yassins Nachfolger im Gazastreifen, droht mit noch nicht da gewesenen Vergeltungsschlägen und am Ende der „Befreiung der Heimat“. Die IDF versucht jetzt zweifellos ihn zu erwischen. Es ist anzunehmen, dass Rantissi weiß, dass es nicht viel Sinn macht, langfristig zu planen.

Aber Rantissis Drohungen sind in Israels Städten nicht ungehört verhallt. Die Menschen glauben ihm. Es gibt praktisch überall Kontrollstellen und jetzt wird dort wirklich kontrolliert. Gestern war ich zum Frühstück im Café Hillel, einem weiteren Erinnerungsstück an Yassin. Meine Sekretärin bat mich inständig, woanders hinzugehen. „Essen Sie diese Woche nicht dort“, bat sie. „Das ist keine gute Idee.“ Aber der Punkt ist, dass wir nicht weggehen. Das ist genau das, weshalb Yassin weg musste. Also blieb ich dabei und ging ins Café Hillel.

Das Café ist, wie das „Moment“, vollständig wieder aufgebaut worden und normalerweise prall gefüllt. Es kann schwierig sein einen Tisch zum Frühstücken zu finden. Gestern nicht. Im ganzen Restaurant waren wir zu sechst, dazu die Kellnerin und der sehr aufmerksame Wachmann an der Tür. Auf dem Weg ins Café, als ich dorthin ging, schaute ich in die Busse hinein, die die Emek Refa’im hinunter fuhren – fast leer. Fünf oder zehn Leute in einem Bus mitten im Berufsverkehr.

Als ich schließlich im Büro ankam, erzählte mir ein Kollege: Mittwoch, auf dem Weg nach Hause, klopfte eine ältere Frau an sein Seitenfenster, als er an einem der offenen Märkte Jerusalems vorbei kam. Sie hatte große Taschen mit Lebensmitteln vom Markt, die sie ihm zeigte; sie wohnte nur ein paar Straßen weiter, aber zu weit, um zu Fuß zu gehen. Sie hatte jedoch Angst den Bus zu nehmen. Ob er sie heim fahren könne.

Vor ein paar Tagen war auf der Kommentar-Seite von Ha’aretz die tägliche politische Karikatur zu finden, diesmal mit einem Fahrer von Domino’s Pizza auf einem Motorrad, der einer Familie Pizza brachte. Nur, dass diese Familie sich hinter Sandsäcken befand und kaum bereit war, einen Arm hervorzustrecken, um die Pizza anzunehmen. Das fasst die Stimmung ziemlich vollständig zusammen.

Die Karikatur ließ allerdings eins vermissen: Warum wir uns in diesem Chaos befinden. Ja, im Moment ist die Lage etwas heikel, aber das kennen wir schon. Woran die Israelis sich erinnern müssen und was der Rest der Welt begreifen muss, ist warum Yassin uns hasste: Einfach, weil wir hier sind. Und warum wir ihn los werden mussten: Weil er geschworen hatte, uns so lange umzubringen, bis wir abhauen. Aber wir hauen nicht ab. Wo könnten wir hin gehen? Selbst wenn wir uns bereit erklärten zu gehen, wohin sollten wir gehen? Als ob Europa uns zurück haben wollte. Als wäre es uns gut gegangen, als wir das letzte Mal dort waren. Oder als hätten die Franzosen seit 1943 viel dazu gelernt.

Letzten Sonntag gingen Elisheva und ich zu einem Vortrag von Aharon Applefeld, einem der herausragenden Romanciers Israels. Tali und Avi waren ausgegangen, also überließen wir Micha sich selbst. Er lag auf dem Sofa im Wohnzimmer und las ein mächtig dickes Buch von über 700 Seiten, das er unbedingt zu Ende bringen wollte, und ihm war ziemlich egal, dass wir gleich weg sein würden. Wir sagten ihm, dass wir unsere Handys dabei hätten, falls er uns brauchte und er solle gegen halb neun ins Bett gehen. Er sah kaum auf, murmelte aber „OK“. Wir wussten, er würde nicht rechtzeitig ins Bett gehen, aber wir konnten uns auch nicht unbedingt beschweren, dass ein Fünftklässler länger aufbleiben wollte, um einen Roman zu Ende zu lesen.

Applefeld erzählte seine Lebensgeschichte. Von idyllischen acht Jahren in einem völlig assimilierten, wohlhabenden jüdischen Heim in Europa. Wie seine Mutter von den Deutschen erschossen wurde. Wie er und sein Vater in ein Lager für Arbeitssklaven gebracht wurden. Und von seiner Entscheidung aus dem Lager zu fliegen, weil er wusste, dass er es nicht überleben würde. Und so fand er sich im Alter von achteinhalb Jahren allein in den Wäldern Europas wieder, sich als Christ stellend, um sein Überleben kämpfend. Er arbeitete in der Wohnung einer Prostituierten, kaufte für sie ein und putzte ihr Haus, bis einer ihrer betrunkenen Kunden ihn einen Juden nannte. Er floh. Er arbeitete für Pferdediebe, die ihn durch Oberlichter in Ställe hinunter fallen ließen, damit er wo auch immer landete und dann die Stalltür öffnete, damit sie die Pferde stehlen konnten. Er erzählte von den Nächten, in denen er allein auf dem Waldboden schlief; von den Tagen, an denen er das Moos von den Bäumen aß. Im Alter von zehn Jahren.

Und ich dachte an Micha, der jetzt genauso alt war. Ich fragte mich: Wenn er morgen allein im Wald wäre, würde er wissen, wie er das machen könnte? Würde er die Geistesgegenwart haben für eine Prostituierte, für Pferdediebe zu arbeiten? Würde er herausfinden, dass er das Moos von den Bäumen essen könnte, wenn er am Verhungern war? Ich bezweifelte das. Was bedeutet, dass wir ihm das nicht zustoßen lassen dürfen.

In den Tagen seit Yassins Tod, seit das deutliche Gefühl der Angst jeden kleinen Teil des Lebens hier durchzieht, habe ich an Applefeld im Alter von zehn Jahren gedacht. Und dann dachte ich an Abdallah Quran, den zehnjährigen Jungen aus dem Balata-Flüchtlingslager, dem man, offenbar ohne dass er das wusste, eine Bombe gab, die er durch eine Kontrollstelle bringen sollte. Ein Zehnjähriger versucht seine Familie zu ernähren, indem er nach der Schule Pakete durch Kontrollstellen bringt; er hatte keine Ahnung, wer die Tasche auf seinen Karren legte. Der Sprengstoff hatte einen Fernzünd-Mechanismus. Jemand, der ihm die Bombe gab, wollte ein Handy benutzen, um sie zu zünden. Und damit vermutlich auch Abdallah in den Himmel zu pusten.

Und die beiden Seiten des Konflikts werden gleich gesetzt?

Dieser Vorfall schaffte es nicht in allzu viele Teile der internationalen Presse. Aber als Hussam Abdo, der 16-jährige Junge, der vor zwei Tagen versuchte mit einem Sprengstoffgürtel durch einen Kontrollpunkt zu gehen, von den Soldaten gefasst wurde, war gerade ein Kamerateam anwesend. Und die ganze Sache wurde gefilmt. Es stellte sich heraus, dass Hussam 100 Schekel bekommen hatte, um den Sprengstoff dort hinzubringen und zu zünden. Ihm wurden auch 70 Jungfrauen im Himmel versprochen, sagte er.

Die gute Neuigkeit war, dachte ich zuerst, dass die palästinensische Gemeinschaft wütend war. Tamam Abdo, seine Mutter, sagte der Presse: „Es ist verboten, ihn in den Kampf zu schicken. Er ist jung, er ist klein, er sollte in der Schule sein. Jemand hat Druck auf ihn ausgeübt.“ Endlich.

Aber dann las ich den Rest des Interviews: „Wenn er über 18 wäre, wäre ich nicht so verärgert… dann ist es seine Entscheidung“, sagte sie. Ah, ein weiteres schönes, humanistisches Gefühl. Oder ihre Nachbarin, Sadia Abdel Rahman: „Wir müssen ernste Angriffe führen. Das ist kein Kinderspiel. Das ist peinlich.“

Ich denke, uns allen sind unterschiedliche Dinge peinlich. Als Israel im Juli 2002 eine F-16 los schickte, um eine 1000kg-Bombe auf das Haus von Salah Schehadeh zu werfen, den damaligen militärischen Chef der Hamas im Gazastreifen, trafen wir ihn. Die Israelis waren damit einverstanden. Aber eine 1000kg-Bombe ist eine enorm starke Waffe und mit Schehadeh töteten wir weitere vierzehn Personen, darunter neun Kinder. Die Israelis waren erbost und beschämt. Wie Yassin verdiente Schehadeh den Tod. Aber die israelische Gesellschaft probte den Aufstand. „So nicht“, sagten die Leute, auf der Linken wie auf der Rechten. „Wir können nicht anfangen wie sie zu sein. Das ist nicht die Grundidee des Lebens hier; das ist ein wichtiger Teil davon, ein Land zu haben, das wir unser eigen nennen. Wenn wir nicht anders sind, besser sind, zu was ist es dann gut?“

Schließlich entschuldigte sich die Regierung. Und die IDF änderte ihre Vorgehensweise. Als sie sich also am 6. September entschied Yassin beseitigen, schickten wir wieder eine F-16, diesmal aber mit einer 250kg-Bombe. Die Bombe funktionierte perfekt und der Pilot traf sein Ziel. Aber das Gebäude wurde nur beschädigt und Yassin kaum verwundet. Und was war die Reaktion des typischen Israeli? Zufriedenheit. Wir hatte etwas gelernt. Wir hatten nicht getroffen, ja, aber immerhin waren wir anders.

Mir fällt die Tatsache auf, dass die Berichterstattung über die Tötung von Yassin so wenig den fehl geschlagenen Anschlag auf sein Leben vom September erwähnte. Ich vermute, das ist so, weil der Grund, dass wir ihn nicht trafen, eine Dimension dieses Konflikts offen legt, die der Großteil der Welt nicht sehen möchte. Sie stellt die moralische Gleichsetzung auf den Kopf, die die internationale Presse aussendet. Sie zeigt auf, dass die Menschen in diesem Konflikt immer noch darüber nachdenken, was „akzeptabel“ und „gerecht“ ist. Sie erinnert die Welt daran, dass es mehr als ein Volk in dieser Region gibt, das befreit werden müsste.

Es ist nur noch ein paar Tage bis Passah. Die Geschäfte füllen sich mit Passah-Produkten. Die Israelis machen sauber. Kaufen ein. Laden ein. Und erinnern sich. Erinnern sich des Passah-Festes vor zwei Jahren und des Blutbades im Park Hotel. Und erinnern sich daran, dass Hamas und Yassin auch dieses verübten.

Wird das Pessah dieses Jahr friedlicher? Schwer zu sagen. Man hofft es. Tatsächlich betet man dafür. Aber egal, was passiert, es wird eine gewisse Befriedigung vorhanden sein, wenn auch eine traurige, in dem Bewusstsein, dass Menschen, die unsere Sederfeiern zerbomben, das nicht ungestraft tun können. Das ist der Unterschied zwischen dem Leben jetzt und dem Leben, in dem Aharon Applefeld in den Wäldern nach Essbarem suchte. Applefeld wuchs in einer Welt auf, in der Leute seine Mutter erschießen und ihn in den Tod schicken konnte und es niemanden gab, der für ihn kämpfte.

Das ist es, was sich geändert hat. Das ist die Bilanz. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein anständiger Mensch Freude am Tod eines anderen empfindet. Nein, keine Freude. Aber Zufriedenheit? Ja. Denn es muss einen Preis geben, der für den Massenmord an Juden gezahlt wird. Den muss es einfach geben. Alles andere, muss Herr Straw begreifen, ist wirklich „inakzeptabel“.