Der Krieg gegen die Juden

Efraim Karsh, Middle East Forum, 14. August 2012 (urspr. Israel Affaris, Juli 2012, S. 319-343)

Die anhaltende antiisraelische Delegitimierungs-Kampagne ist eine logische Folge der tausendjährigen Besessenheit mit den Juden in der christlichen und muslimischen Welt. Da Israel der einzige jüdische Staat der Welt ist und da der Zionismus die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes ist, bedeutet Antizionismus – anders als Kritik bestimmter israelischer Politik oder Handelns – die Verweigerung des Rechts der Juden auf nationale Selbstbestimmung. Solch eine diskriminierende Verweigerung dieses Grundrechts gegenüber nur einer einzigen Nation (und auch noch der einen, die die Identität ihrer Gemeinschaft und territoriale Verbundenheit bis in die Antik zurückverfolgen kann), während es gleichzeitig allen anderen Gruppen und Gemeinschaften zugestanden wird, so neu und dünn ihr Anspruch auf Eigenstaatlichkeit sein mag, ist reiner und unverfälschter Rassismus – oder, wie er allgemein bekannt ist: Antisemitismus.

Nach jedem vorstellbaren Standard ist Israel eine außergewöhnliche Erfolgsstory geworden: nationale Wiedergeburt im Heimatland ihrer Vorväter nach Jahrtausenden Exil und Zerstreuung; Wiederbelebung einer nicht aktiven biblischen Sprache, die Schaffung einer modernen, hoch gebildeten, technologisch fortgeschrittenen und kulturell wie wirtschaftlich gedeihenden Gesellschaft sowie einer pulsierenden liberalen Demokratie in einer der am wenigsten demokratischen Regionen der Welt. Es ist weltführend unter anderem in Landwirtschafts-, medizinischen, militärischen und Solarenergie-Technologien; eine High-Tech-Supermacht, die mehr Beteiligungskapital pro Kopf anzieht als die USA und Europa; Heimat eines der weltbesten Gesundheitssysteme und philharmonischen Orchester, ebenso für zehn Nobelpreisträger. Und so weiter und so fort.

Warum ist dann Israel der einzige Staat der Welt, dessen Existenzrecht ständig diskutiert und angefochten wird, während weit weniger erfolgreiche Staaten – einschließlich zahlreicher „failed states“ – als legitime und unanfechtbare Mitglieder der internationalen Gemeinschaft gelten? Die von diesem angebotene Antwort: Dieses weit verbreitete Vorurteil gegen Israel, den einzigen jüdischen Staat, den es seit biblischen Zeiten gab, ist eine logische Folge der Jahrtausende bestehenden Besessenheit mit den Juden in der christlichen und der muslimischen Welt.

Gelegentlich, besonders unter frommen und/oder wiedergeborenen evangelikalen Christen, hat sich diese Besessenheit in Bewunderung und Unterstützung für die nationale jüdische Auferstehung im Heiligen Land manifestiert. In den meisten Fällen haben aber antijüdisches Vorurteil und Anfeindung – oder wie es allgemein heißt: Antisemitismus – dafür gesorgt, dass Misstrauen und Hass auf Israel verstärkt werden. In der Tat legt die Tatsache der internationalen Berichterstattung zum arabisch-israelischen Konflikt und die Verleumdungen des Zionismus und Israels, wie die ekelhaften Vergleiche zu Nazideutschland und dem Südafrika der Apartheid einen Grad an Intensität und emotionale Auseinandersetzung gespiegelt, die weit über den normalen Grad hinaus geht, die man von unparteiischen Beobachtern erwarten kann, nahe, dass sie, statt eine Antwort auf konkretes israelisches Handeln zu sein, Ausdruck lange bestehender Vorurteile ist, die von den Wirren des Konflikts offen gelegt worden ist.

Antizionismus oder Antisemitismus?

Natürlich haben die Israel-Basher als Grundargument angeführt, sie hätten nichts gegen das Judentum oder die Juden, sondern nur gegen den Zionismus und die Zionisten; ihre Kritik müsse als Ausdruck des Frustes wegen des Zionismus verstanden werden, nicht wegen der Juden oder dem Judentum. Doch all ihre Beteuerung des Gegenteils haben Gegner des Zionismus und Israels nie wirklich unter Zionisten, Israelis und Juden unterschieden und diese Begriffe oft synonym verwandt.

„Ich kann nicht wirklich erkennen, dass es eine Art des Umgangs mit der zionistischen Frage gibt, außer hin und wieder ein Massaker“, schrieb Freya Stark, bekannte britische Arabistin und Antizionistin, 1943 während eines Einsatzes in den Vereinigten Staaten, bei dem sie für die britische Palästina-Politik warb. „Was können wir tun? Es ist das gnadenlose Herausquetschen den letzten Pfennigs, der dafür sorgt… die Welt hat sich entschieden sie in Abständen zu massakrieren; und wessen Fehler ist das?“[1]

Als die israelische Regierung im Juni 1967 eine französische Warnung vor einem Präventivschlag gegen die drohende panarabische Attacke zu ignorierte, griff Präsident Charles de Gaulle die Juden – nicht die Israelis – verbal an als „Volk der Elite, von sich selbst überzeugt und herrschsüchtig“. Sieben Jahre später machte der US-Generalstabschef, General George S. Brown, seinem Zorn Luft, indem er nicht zwischen Israelis und amerikanischen Juden unterschied; er erklärte unverblümt: „Wissen Sie, sie besitzen die Banken in diesem Land, die Zeitungen, sehen Sie sich einfach an, wo das jüdische Geld in diesem Land ist.“[2] Und Anis Mansur, einer der tonangebenden ägyptischen Journalisten und einmal Vertrauter von Präsident Anwar Sadat, formulierte denselben Gedanken in noch offeneren Begriffen: „Es gibt in der Welt so etwas wie Juden und Israelis nicht. Jeder Jude ist ein Israeli. Daran ist nicht zu rütteln.“[3]

Die Wahrheit dazu ist: Da Israel der einzige jüdische Staat der Welt ist und weil der Zionismus die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volks ist, bedeutet Antizionismus – anders als Kritik an bestimmter israelischer Politik oder Handeln – die Leugnung des jüdischen Rechts auf nationale Selbstbestimmung. Es muss natürlich nicht erst gesagt werden, dass eine diskriminierende Leugnung dieses Grundrechts bei nur einem Land (und einem der wenigen die ihre Volksidentität und territoriale Bindung bis in die Antike zurückverfolgen können), während man sie allen andere Gruppen und Gemeinschaften , so neu und unbedeutend ihr Anspruch auf nationale Identität auch sein mal, purer und unverfälschter Rassismus ist. Doch genau deshalb, weil er stillschweigend so ausgelegt ist, dass er die schlimmsten Charakteristika versinnbildlicht, die mit Juden verbunden werden, dass Israel in einem derart schrecklichen Licht dargestellt werden konnte und seine Vernichtung als Behebung einer historischen Anomalie statt der völkermörderischen Tat, die sie in Wahrheit ist.

Nehmen wir die wiederholten Forderungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad, Israel „von der Landkarte zu wischen“. Auf einer Ebene ist es erfrischen einen Politiker zu sehen, der anders als viele seiner westlichen Gegenüber ein hohes politisches Amt und offen zu sprechen nicht als einander ausschließend ansieht. Auf einer anderen kann der Anblick eines Staatsoberhauptes, das offen die Auslöschung eines bestehenden Staates vertritt, der seinem Land, von dem er fast 1600km entfernt ist, nichts angetan hat, nichts anderes als absolut Grauen erregend sein.

Oder vielleicht nicht? Kaum waren die Nazilager zur Vernichtung des europäischen Judentums öffentlich bekannt geworden, da verkündete die aufkeimende Arabische Liga (am 2. Dezember 1945) einen offiziellen Boykott „jüdischer Produkte und gefertigter Waren“. Zwei Jahre später, am 11. Oktober 1947, als die UNO-Vollversammlung über die Schaffung eines jüdischen Staates in einem Teil des Mandats Palästina beratschlagte, drohte der Generalsekretär der Liga, Abdel Rahman Azzam, ein solcher Schritte würde „einen Vernichtungskrieg und folgenschweres Massaker entfesseln, von dem gesprochen werden wird wie vom Tartaren-Massaker oder den Kreuzzugskriegen“.[4]

Solches Reden ist von einer langen Reihe arabischer und muslimischer Führer verwendet worden. Während der 1950-er und 1960-er Jahre war es Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser, der die Forderung nach Israels Vernichtung anführte. Nachdem sein Ziel von dem erstaunlichen Sieg des jüdischen Staates im Sechstagekrieg 1967 durchkreuzt wurde, ging der Stab an eine neue Generation aufstrebender panarabischer Recken weiter, insbesondere an den syrischen Präsidenten Hafez Assad, den irakischen Tyrannen Saddam Hussein und den libyschen Diktator Muammar Gaddafi. Irans Ayatollah Khomeini seinerseits, Ahmadinedschads verehrter spiritueller Mentor, hatte die Notwendigkeit der Auslöschung des jüdischen Staates, deutlich bevor er 1979 an die Macht kam und während der Zeit seiner Herrschaft, betont; die Vernichtung Israels entwickelte sich in ein ganz oben auf der Liste stehenden Dogmas der Islamischen Republik und hat seinen Tod im Juni 1989 lange überdauert.

Wir wollen die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) nicht vergessen, deren seit ihrer Gründung 1964 öffentlich erklärtes Ziel die Vernichtung des Staates Israel gewesen ist. Im Juni 1974 führte sie eine neue Stufenstrategie ein, die es ihr ermöglicht jedes Stück Land, das Israel ihnen aushändigt, als Sprungbrett für weitere territoriale Zugewinne zu nutzen, bis die „völlige Befreiung Palästinas“ – d.h. Israel Vernichtung – „erzielt werden konnte“.[5] Doch im November 1974 wurde der PLO-Vorsitzende Yassir Arafat der erste, der kein Staatsoberhaupt war, der vor der UNO-Vollversammlung sprach; und 1975, dem Jahr, nachdem Israel die ultimative Demütigung der „Zionismus ist Rassismus“-Resolution erlitt, schuf die PLO einen weiteren Präzedenzfall, als sie zu Sitzungen des UNO-Sicherheitsrats auf der gleichen Basis wie Mitgliedsstaaten eingeladen wurde. 1980, nur Wochen, nachdem die Fatah, die die PLO dominierende Mitgliedsgruppe, ihr Ziel der Liquidierung Israels noch einmal betont hatte, gab die Europäische Gemeinschaft die Erklärung von Venedig aus, die die „Einbindung“ der PLO in den politischen Prozess forderte.

Kein Wunder also, dass trotz ihrer offiziellen Verpflichtung zu Frieden mit Israel innerhalb des Rahmens des Oslo-Prozesses, Arafat und seine PLO-Nachfolger nie ihr Bemühen zur Vernichtung Israels nie aufgegeben haben. Stattdessen habe sie ein kompliziertes Spiel der Jekyll-und-Hyde-Politik begonnen, bei dem sie israelisches und westliches Publikum ständig ihrer friedfertigen Absichten versichern, während sie gleichzeitig die Friedensvereinbarungen ihrer palästinensischen Wählerschaft gegenüber als vorübergehende Maßnahme verunglimpfen, die bei der ersten möglichen Gelegenheit über Bord geworfen werden. Weder diese Doppelzüngigkeit noch der von Arafat im September 2000 begonnene Terrorkrieg scheint die PLO in den Augen der internationalen Gemeinschaft als Friedenspartner diskreditiert zu haben.[6]

Vor diesen Hintergrund von sechs Jahrzehnten internationaler Duldung ständiger Forderungen nach der Vernichtung Israels muss Ahmadinedschad das Gefühl gehabt haben, er sei etwas unfair herausgegriffen worden, als seine genozidale Hetze von Führungspolitikern und Organisationen der Welt rundheraus verurteilt wurde. Doch obwohl diese untypisch harsche Antwort natürlich willkommen ist, fragt man sich, ob sie durch echte Sorge um Israels Sicherheit oder den wachsenden Frust wegen des beharrlichen Drängens des Iran zu Atomwaffen motiviert ist.

Dass das durchaus so sein könnte, wird von der fortgesetzten Toleranz subtilerer Formen heimtückischer Hetzte bewiesen, wie dem palästinensischen Bestehen auf das „Rückkehrrecht“ – der arabische Standard-Euphemismus für Israels Vernichtung durch demografische Subversion.[7] Schlimmer ist, dass während etwas des vergangenen Jahrzehnts die tatsächliche Beseitigung des jüdischen Staates bei vielen gebildeten Westlern eine cause célèbre geworden ist. Die so genannte „Einstaaten-Lösung“ (oder ein „binationaler Staat“) ist eine beschönigende Formel, die die Ersetzung Israels durch einen Staat vorschlägt, der theoretisch das gesamte historische Palästina umfasst, in dem Juden auf den Status einer permanenten Minderheit reduziert sein werden, die unter der Fuchtel der arabisch-muslimischen Mehrheit steht. Nur so, heißt es, kann die „Ursünde“ der Gründung Israels gesühnt werden, die (in den Worten eines Kritikers) ein Akt war, der „auf den Ruinen des arabischen Palästina“ aufbaute und durch die gewollte und aggressive Enteignung seiner eingeborenen Bevölkerung erreicht werden konnte.[8]

„Ich finde die Idee eines jüdischen Staates nicht allzu interessant“, sagte der amerikanisch-arabische Akademiker Edward Said der israelischen Tageszeitung Ha’aretz im August 2000. „Für würde ich keinen wollen. Selbst wenn ich Jude wäre, würde ich dagegen kämpfen. Und er wird nicht von Dauer sein… Nehmen Sie mich beim Wort… Man wird sich nicht einmal dran erinnern.“ Er machte seine eigene Zukunftsvision deutlich, indem er hinzu fügte: „Die Juden werden überall eine Minderheit sein. Eine jüdische Minderheit kann [im arabischen Palästina] überleben, wie andere Minderheiten in der arabischen Welt überlebten.“

„Da ich die Region kenne und angesichts der Geschichte des Konflikts, glauben Sie, solche eine jüdische Minderheit würde fair behandelt?“

„Darum mache ich mir Sorgen. Die Geschichte der Minderheiten im Nahen Osten ist nicht so schlimm gewesen, wie in Europa, aber ich frage mich, was passieren würde. Es macht mir große Sorgen. Die Frage, wie das Schicksal der Juden aussehen wird, ist für mich sehr schwierig. Ich weiß es nicht wirklich. Es macht mir Sorgen.“[9]

Said machte sich wenigstens die Mühe Sorge um das Schicksal weiterer sechs Millionen Juden zu heucheln, für die ethnische Säuberung bevorstand und deren blühender Staat vernichtet werden soll, um Platz für seine Vorstellung eines „binationalen Staates“ zu machen – obwohl ihn das nicht dazu führte seine genozidale Idee zu überdenken. Professor Tony Judt (selbst Jude) von der New York University gab sich diese Mühe nicht. So weit es ihn anging, gab es „keinen Platz in der heutigen Welt für einen ‚jüdischen Staat‘“ und die Vorstellung einer jüdischen Eigenstaatlichkeit war „nicht nur ein Anachronismus, sondern eine gestörte“. „heute fühlen nicht israelische Juden sich einmal mehr der Kritik und schutzlos Angriffen ausgesetzt für Dinge, die sie nicht begingen“, schrieb er 2003. „Das zunehmende Auftreten von Angriffen auf Juden in Europa und andernorts muss in erster Linie fehlgeleiteten Versuchen zugeschrieben werden, oft durch junge Muslime, es Israel heimzuzahlen.“[10]

Antisemiten hat es natürlich nie an Ausreden gefehlt, um Juden anzugreifen und zu töten und unendlich größere zahlen von Juden wurden kurz vor der Gründung des Staates Israel ausgelöscht, als in den 64 Jahren seit seiner Existenz, ganz zu schweigen von den Millionen, die in Eruopa und dem Nahen Osten seit der Antike massakriert wurden. Genauso wenig hatten die europäischen Judenhasser die Gründung Israels abgewartet, um auf die Überbleibsel des Holocaust loszugehen. Antisemitische Gefühle blieben so ausgeprägt wie immer, besonders in Osteuropa, das schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Zeuge ein paar grausamer Pogrome war.[11] Selbst in Deutschland fanden sich Juden Angriffen und Misshandlungen in der Öffentlichkeit ausgesetzt, wo 60 Prozent der Deutschen offene Akte der Gewalt gegen Juden stillschweigend billigten. Doch selbst diese düstere Bilanz hielt Judt – der europäische Geschichte studierte – nicht davon ab auf die Ente hereinzufallen, israelisches Handeln sei der Grund und nicht der Vorwand für die schlimmste Welle an Angriffen auf Juden und jüdische Ziele in Europa seit den 1930-er Jahren.

Wäre es nicht so erschreckend, könnte man sogar über die Ironie staunen, dass sie, siebzig Jahre, nachdem sie gezwungen wurden gelbe Sterne zu tragen, das Ziel von Verfolgung sein können und deutsche Juden angewiesen werden, zum eigenen Schutz jedes Zeichen ihrer jüdischen Identität zu verbergen.

Palästina ist nicht das Probem

Aber lassen Sie uns um des Arguments willen annehmen, dass Israel und die von der PLO dominierte PA einen formellen Friedensvertrag unterzeichnen. Würde das die Bemühungen der Kampagne zur Delegitimierung des jüdischen Staates stoppen oder den Antisemitismus von der europäischen Bühne eliminieren? Kaum – aus dem einfachen Grund, dass die Palästinafrage mit beidem praktisch nichts damit zu tun hat. Obwohl Antizionismus seit den 1930-er Jahren das Grundprinzip der panarabischen Solidarität gewesen ist – immerhin ist es leichter Menschen durch gemeinsamen Hass zu einen, als durch eine gemeinsame Loyalität – haben die arabischen Staaten (und die internationalen Helden der Palästinenser) weit weniger Interesse am Wohlergehen der Palästinenser gezeigt als an ihren eigenen Interessen.

Beispielsweise war es allgemein bekannt, das die panarabische Invasion des entstehenden Staates Israel im Mai 1948 mehr ein Gerangel um palästinensisches Territorium war als ein Kampf um nationale palästinensische Rechte. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Azzam, gab einst einem britischen Reporter gegenüber zu, dass das Ziel König Abdallahs von Jordanien „war, die zentrale Hügelregion Palästinas zu schlucken, mit Zugang zum Mittelmeer bei Gaza. Die Ägypter wollten den Negev bekommen. Galiläa sollte an Syrien gehen, bis auf den Küstenstreifen bis Akko, der dem Libanon zugeschlagen werden sollte.“[12]

Von 1948 bis 1967, als Ägypten und Jordanien die Palästinenser des Gazastreifens und der Westbank regierten, verfehlten es die arabischen Staaten diese Bevölkerung auf den Weg zur Eigenstaatlichkeit zu bringen. Sie zeigen ebenso wenig Interesse am Schutz ihrer Menschenrechte oder gar an der Verbesserung ihrer Lebensqualtiät – was Teil des Grundes ist, dass 120.000 Westbank-Palästinenser auf die Ostseite des Jordans zogen und 300.000 weitere ins Ausland auswanderten. „Uns könnte es nicht weniger interessieren, würden all diese Flüchtlinge sterben“, äußerte sich einmal ein ägyptischer Diplomat. „Es gibt genug Araber.“[13]

Es überrascht nicht, dass die arabischen Staaten niemals zögerten Palästinenser in großen Stil zu opfern, wenn das ihren Bedürfnissen diente. Als 1970 seine Krone durch die PLO bedroht war, hatte der freundliche und gründlich verwestlichte König Hussein von Jordanien keine Skrupel Tausende Palästinenser abzuschlachten – ein Ereignis, das als „Schwarzer September“ bekannt ist. Sechs Jahre später massakrierten christliche libanesische Milizen, gedeckt von der syrischen Armee, rudn 3.500 Palästinenser, zumeist Zivilisten, im Beiruter Flüchtlingslager Tel Zaatar. Diese Milizen schlachteten 1982 in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila erneut Hunderte Palästinenser ab, diesmal unter dem wachsamen Auge Israels. Im Sommer 2007 tötete die libanesische Armee Hunderte Palästinenser, einschließlich vieler Zivilisten, im Flüchtlingslager Nahr al-Bared im Norden. Keiner der arabischen Staaten kam den Palästinensern zu Hilfe. Schlimmer noch: Als Mitte der 1980-er Jahre die PLO – offiziell von der Arabischen Liga als „einziger Repräsentant des palästinensischen Volkes“ – versuchte seine militärische Präsenz im Libanon wiederherzustellen, wurde sie von Präsident Assad von Syrien vertrieben.

Die Geschichte arabischer Führer, die die palästinensische Sache für ihre eigenen Ziele manipulieren, während sie das Schicksal der Palästinenser ignorieren, geht immer weiter. Saddam Hussein behauptete in einem Versuch seine räuberischen Pläne zu verwirklichen, er würde nicht darüber nachdenken seine Invasion Kuwaits vom August 1990 zu beenden, ohne „den sofortigen und bedingungslosen Rückzug Israel aus den besetzten arabischen Gebieten in Palästina“. Kurz nach dem Golfkrieg begann Kuwait die PLO für ihre Unterstützung Husseins zu bestrafen – indem sie die finanzielle Unterstützung abschnitt, rund 440.000 palästinensische Arbeiter vertrieb und Tausende abschlachtete. Die Rache war derart heftig, dass Arafat zu dem Eingeständnis gezwungen war, dass, „was Kuwait dem palästinensischen Volk antat, schlimmer ist, als das, was Israel den Palästinensern in den besetzten Gebieten angetan wurde“.[14]

Wenn schon die arabischen Staaten wenig Mitgefühl für das Leid der gewöhnlichen Palästinenser gezeigt haben, so ist die islamische Verbindung zum Palästinenserproblem sogar noch dürftiger. Nicht aus Sorge um ein palästinensisches Recht auf nationale Selbstbestimmung, sondern als Teil eines heiligen Krieges zur Verhinderung des Verlustes eines Teils des „Hauses des Islam“ ereifern sich Islamisten gegen den jüdischen Staat Israel. Die Hamas schreibt in ihrer Charta: „Das Land Palästina ist durch die Generationen hindurch ein islamisches Treuhandgebiet (waqf) gewesen und wird es bis zum Tag der Wiederauferstehung bleiben… Wenn unsere Feinde islamisches Land usurpieren, dann wird der Jihad zu einer Pflicht, an die alle Muslime gebunden sind.“[15]

In dieser Beziehung gibt es keinen Unterschied zwischen Palästina und anderen Teilen der Welt, die von den Streitkräften des Islam im Verlauf der Geschichte erobert wurden. Bis heute schmachten z.B. die Araber und viele Muslime unverfroren nach der Restauration Spaniens und betrachten ihre Vertreibung aus dem Land im Jahr 1492 als massive historische Ungerechtigkeit. Es ist sogar so, das selbst Länder die nie unter islamsicher imperialer Herrschaft standen, zu legitimen Zielen radikalen islamischen Eifer geworden sind. Dieses Ziel muss nicht notwendigerweise mit dem Schwert verfolgt werden; es kann durch demografisches Wachstum und stete Übertritte zum Islam erreicht werden. Sollten sich aber friedliche Mittel als unzureichend erweisen, kann ohne Weiteres physische Gewalt zur Anwendung gebracht werden. Wie die überwältigende Unterstützung der Anschläge vom 9/11 in der gesamten arabischen und islamischen Welt zeigt, ist diese Vision keineswegs auf einen desillusionierten und dunklen Rand des Islam beschränkt; und innerhalb dieses großen Plans ist der Kampf zwischen Israel und den Palästinensern nicht mehr als ein einzelnes Element, noch dazu eines, dessen angebliche Zentralität im Westen weit stärker ins Blickfeld rückt, als in islamischer Sicht.

Der öffentliche Krieg gegen die Juden

Wenn es so wenig authentische Sorge um das Wohlergehen der Palästinenser gibt, warum ist ihnen universell die Rolle des ultimativen Opfers gegeben worden, zu Lasten der totalen Vernachlässigung weit schlimmerer menschlicher Tragödien und Gräueltaten? Weil sie als letzter Blitzableiter gegen die Juden gedient haben, wobei ihre angebliche Schikanierung deren tausendjährige Dämonisierung bestätigt. Hätten die Palästinenser einen Disput mit anderen Arabern, Muslimen oder irgendeinem anderen Gegner, dann hätte das nur einen Bruchteil der des Interesses geweckt, den er derzeit hat.

Wenige, wenn überhaupt jemand in der internationalen Gemeinschaft beachtet den fortgesetzten Missbrauch der Palästinenser in der gesamten arabischen Welt, von Saudi-Arabien zum Libanon, der seiner 400.000 Menschen betragenden palästinensischen Bevölkerung die grundlegendsten Menschenrechte von Landbesitz über Berufe bis hin zur Reisefreiheit vorenthält. Es hat auch keinen internationalen Aufschrei gegeben, als die arabischen Länder in großem Stil Palästinenser töteten. Die Tatsache, dass König Hussein von Jordanien in Verlauf eines einzelnen Monats mehr Palästinenser tötete, als Israel es in Jahrzehnten schaffte, wurde ihm nie angelastet und hat auch nie seiner weithin geltenden Wahrnehmung als Mann des Friedens eine Schramme versetzt. Der angeblich propalästinensische Journalist Robert Fisk formulierte es ein seinen Memoiren so: König Hussein konnte man „oft nur schwer etwas aussetzen“.[16] Kuwaits Abschlachtung Tausender unschuldiger palästinensischer Arbeiter im Jahr 1991 entging den internationalen Medien praktisch. Im Gegensatz dazu wird jedes durch Israel verursachte palästinensische oder arabische Opfer sofort international kritisiert.

Nehmen wir die generelle Medienberichterstattung zu Israels militärischer Reaktion im Libanon (2006) und dem Gazastreifen (2008/09), die die sie auslösenden ursprünglichen Angriffe der Hisbollah und der Hamas ausließ; sie steht in heftigem Gegensatz zur völligen Gleichgültigkeit gegenüber blutigeren Konflikten, die zur gleichen Zeit rund um die Welt im Gang waren. Am 19. Juli 2006 z.B. drangen 5.000 äthiopische Soldaten in Somalia in; Addis Abeba behauptete, das sei eine Aktion, um eine islamistische Bedrohung der Regierung des Nachbarn zu „zerschlagen“. Einen Monat später schoss die Artillerie Sri Lankas Trommelfeuer auf Territorium, das von den Rebellen der Tamil Tigers gehalten wurde, was Massenvertreibung und mehr als 500 Tote zur Folge hatte, darunter geschätzte 50 tote Kinder, nachdem die Luftwaffe Sri Lankas ein Waisenhaus bombardierte. Doch keiner dieser Vorfälle erhielt irgendeine Berichterstattung in den Medien, ganz zu schweigen von Dringlichkeitssitzungen des UNO-Sicherheitsrats, genauso wie das damals fortgesetzte Blutbad im Irak mit seinen geschätzten 3.000 Toten pro Monat durch Hisbollah-artige Militante in Vergessenheit geriet, weil die Welt sich auf den Libanon konzentrierte.

Und was ist mit dem schon lange laufenden Völkermord in Darfur mit seinen geschätzten 300.000 Toten und mindestens 2,5 Millionen Flüchtlingen? Oder mit dem Krieg im Kongo mit über 4 Millionen Toten oder aus ihren Häusern Vertriebenen oder Tschetschenien wo durch die Hände des russischen Militärs geschätzte 150.000 bis 160.000 gestorben und bis zu einem Drittel der Bevölkerung heimatvertrieben sind? Keine dieser Tragödien erlebte, dass Protestierende auf die Straßen von Moskau, Montreal, Sydney, London, Dublin, Kopenhagen, Berlin, Bern, Paris, Stockholm und den USA-Städten New York, Los Angeles, Chicago, San Francisco und Bosten (um nur eine kurze Liste anzuführen) strömten, wie es während der Krisen im Libanon und dem Gazastreifen der Fall war.

Wie kann das sein? Warum begrüßen Bürger in Demokratien enthusiastisch zwei der gefährlichsten und effektivsten Terrororganisationen der Welt, die sich offen nicht nur der Vernichtung einer souveränen Demokratie, sondern auch die Unterordnung westlicher Werte und Lebensgewohnheiten unter ein weltweites islamisches Kalifat (oder Umma) verschrieben haben?

Genauso wenig sollten wir vergessen, dass die Hisbollah bei Dutzenden internationalen Terroranschlägen von Brüssel bis Buenos Aires eine Rolle spielte. Tatsächlich bietet die Reaktion auf ihren Terroranschlag auf die Asosación Mutual Israelita Argentina (AMIA – ein soziales Zentrum für die große jüdische Bevölkerung von Buenos Aires) am 18. Juli 1994 einen aufschlussreichen Kontrast zur unablässigen Berichterstattung über die Ereignisse im Libanon im Jahr 2006. Es war der schlimmste Terroranschlag in der Geschichte Argentiniens; dabei kamen 100 Menschen um und mehr als 200 wurden verletzt. Bei diesem Bombenanschlag starben mehr Menschen als bei jeder Einzelaktion im Libanonkrieg von 2006. Dennoch befand die auf ihre weltweite Berichterstattung stolze BBC diese Gräueltat in ihren Abendnachrichten für nicht erwähnenswert. Angesichts einer Beschwerde durch das normalerweise zaghafte Bord of Deputies – die Dachorganisation der britischen Juden – offerierte der Sender eine Art Entschuldigung, mit der die Auslassung auf einen besonders arbeitsreichen Tag geschoben wurde.

Wie sahen diese Tagesereignisse aus, die die Aufmerksamkeit der BBC möglicherweise von dem Massaker in Argentinien abgelenkt haben könnten? Eine Durchsicht der Zeitungen offenbart, das der neue Steven Spielberg-Film „Die Familie Feuerstein“ Premiere hatte; der Prince of Wales nahm daran teil. Es war auch der Tag, an dem Gavin Sheerard-Smith, der sechs Monate in Qatar mit einem Stock geschlagen und inhaftiert war, nachdem er wegen Kauf und Verkauf von Alkohol verurteilt wurde, nach Großbritannien zurückkehrte, wo er seine Unschuld beteuerte; und David MacGregor, ein unter Platzangst leidender Mann, der wegen Steuerrückständen 14 Tage im Gefängnis verbrachte, bekam seine Strafe abgenommen. In der ersten Wirtschafts-Debatte im Unterhaus seit Weihnachten behauptete Finanzminister Kenneth Clarke, die Regierung habe die seit einer Generation günstigsten Wirtschaftsverhältnisse geschaffen, während die ein alle Parteien übergreifenden Bericht feststellte, dass Großbritannien mehr als £160 Millionen seines Hilfshaushalts für die ärmsten Staaten Afrikas nach Osteuropa und die ehemalige Sowjetunion umlenken musste, als Teil eines von Premierminister John Major auf dem letzten EU-Gipfel ausgehandelten Handels. In der Tat ein ereignisreicher Tag.

Angesichts der Gleichgültigkeit der BBC gegenüber dem Massenmord an argentinischen Juden durch die Hisbollah überrascht es kaum, dass der Sender – zusammen mit einem Großteil der Weltmedien – die fast täglichen Raketenangriffe derselben Gruppe auf Israels Nordgrenze ignorierte, ganz zu schweigen von den ständigen Angriffen aus dem Gazastreifen, die dem israelische Abzug aus beiden Gebieten in den Jahren 2000 und 2005 folgten.

Und warum sollten sie auch nicht? Das Töten von Juden und die Vernichtung oder der Zugriff auf ihren weltlichen Besitz ist kaum eine Nachricht wert. Seit Jahrtausenden ist jüdisches Blut billig, wenn nicht gar kostenlos gewesen, überall in der christlichen und muslimischen Welt, wo die Juden zum Inbegriff der Machtlosigkeit wurden, ein immerwährender Sandsack und Sündenbock für alle Missstände, die die Gesellschaft befallen. Es gibt daher keinen Grund, warum Israel nicht in die Fußstapfen dieser vergangenen Generationen treten, seine arabischen Nachbarn nicht verärgern und Zurückhaltung üben sollte, wann immer es angegriffen wird. Doch nein, statt seinen Platz zu kennen hat der unverschämte jüdische Staat seine historische Rolle verwirkt, indem der einen Preis für jüdisches Blut fordert und die Schläger schlägt, die bisher in der Lage gewesen sind die Juden ungestraft zu drangsalieren. Daher die Empörung der globalem Gemeinde und daher die Bereitstellung unbegrenzter Ressourcen der Weltmedien, um über jede Minute der „unverhältnismäßigen“ Reaktion Israels zu berichten, aber keine einzige über die Verwüstung und die Verlagerung, die an israelischen Städten und ihren Einwohnern angerichtete wurden, von denen Hunderttausende zu Flüchtlingen wurden.

Nationen vereint im Hass

Selbst die Vereinten Nationen schienen bezüglich ihrer Entscheidung vom November 1947 zur Gründung eines jüdischen Staats einen Rückzieher zu machen, als sie zunehmend von den arabischen und muslimischen Staaten samt ihren sowjetischen Verbündeten und denen aus der Dritten Welt beherrscht wurden. Dieser Prozess erreichte seinen Höhepunkt mit der berüchtigten Resolution der Vollversammlung, die die Idee jüdischer Eigenstaatlichkeit mit „Rassismus und Diskriminierung“ gleich setzte; die Resolution wurde zwar sechszehn Jahre später widerrufen, doch die UNO ist einer der führenden Lieferanten antiisraelischer und antisemitischer Hetzte geblieben.

Immer wieder, Jahr um Jahr diskutierte ihre Menschenrechtskommission über Israels angebliche Menschenrechtsverletzungen, während sie bei den Mengen tatsächlicher Gräueltaten rund um die Welt wegsah. Von den zehn Dringlichkeitssitzungen in der Geschichte der Vollversammlung konzentrierten sich sechs auf Israel, während die jährlichen Sitzungen des Gremiums regelmäßig zahlreiche antiisraelische Resolutionen aufweisen. Die 59. Sitzungsperiode z.B. (2004/05) erließ neunzehn antiisraelische Resolutionen, aber nicht eine einzige zum laufenden Völkermord des Sudan in Darfur, wo Hunderttausende unschuldige Zivilsten umkamen. Bei einem von der UNO geförderten „Internationalen Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk“, der am 29. November 2005 abgehalten wurde – dem 57. Jahrestag der Teilungsresolution – saß Generalsekretär Kofi Annan, flankiert von hochrangigen UNO-Beamten, auf dem Podium neben einer arabischsprachigen „Landkarte von Palästina“, die ein Palästina zeigte, das Israel ersetzte.[17]

Die Welt-Organisation hat 192 Mitgliedsstaaten, aber der Sicherheitsrat dieses erlauchten Gremiums hat mehr als ein Drittel seiner Aktivitäten und Kritik nur einem dieser Staaten gewidmet – Israel. Gleichermaßen haben rund ein Drittel aller von der UN-Kommission für Menschenrechte verabschiedeten Resolutionen Israel kritisiert, das das einzige Land ist, zu dem es bei Treffen eine separate und exklusive Agenda gibt. Allein im Jahr 2001 gab die Kommission sechs Verurteilungen Israels aus, nur um diese Zahl im folgenden Jahr zu überbieten; da waren es acht antiisraelische Verurteilungen. Im Gegensatz dazu hat kein anderer Staat jemals von diesem Gremium mehr als eine Verurteilung innerhalb eines Jahres erhalten; mehr als drei Viertel der UNO-Mitglieder haben nie eine verurteilende Resolution erhalten, darunter solche Musterknaben wie Saudi-Arabien, China, Simbabwe und Syrien, das unter Präsident Hafez Assad – auf dass wir das nie vergessen mögen – im Februar 1982 die Stadt Hama schleifte und zwischen 20.000 und 30.000 Zivilisten im Verlauf einer Höllenwoche tötete.

Die UNO beruft selten Dringlichkeitssitzungen ein und sah keinerlei Grund, ein solches Treffen einzuberufen, um den Völkermord in Ruanda zu diskutieren, die ethnischen Säuberungen in Jugoslawien, den Völkermord in Darfur oder die fürchterlichen Massaker in Osttimor. Doch alleine 2003 hatte sie die Notwendigkeit empfunden nie da gewesene drei Dringlichkeitssitzungen einzuberufen – zwei, um Israels Sicherheitsbarriere zu kritisieren und eine, um Israel dafür zu kritisieren, dass es überlegte (überlegen, nicht einmal durchführte!) Arafat zu deportieren. Dabei hat Israels Gebrauch militärischer Gewalt im Verlauf der 64 Jahre seines Bestehens zusammen genommen weniger Opfer gefordert und Schaden angerichtet, als jedes einzelne dieser Ereignisse, ganz zu schweigen von denen in Afghanistan, Algerien, Angola, Bangladesch, Bosnien, Burundi, Kambodscha, dem Tschad, Tschetschenien, Kolumbien, Kongo, El Salvador, Eritrea und Äthiopien (und das sind nur [auf Englisch] die ersten fünf Buchstaben des Alphabets; wenn wir uns Ländern zuwenden, die mit „I“ anfangen, gibt es Indien, Indonesien, Iran, Irak).

Nirgendwo demonstriert sich diese Heuchelei krasser als in der Weltkonferenz gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit zusammenhängender Gewalt, die im September 2001 in der südafrikanischen Stadt Durban stattfand. Volle acht Tage lang frönten Delegierte aus zahlreichen Ländern und Tausende von NGOs einer fremdenfeindlichen Orgie antiisraelischer und antisemitischer Hetze, die dem ursprünglichen Zweck der Konferenz Hohn sprach. Poster, die den Zionismus mit dem Nationalsozialismus gleich setzten, wurden weithin verteilt, während Zehntausende Hass ausgießender Demonstranten durch die Straßen marschierten, die Spruchbänder trugen, auf denen unter anderem proklamiert wurde, „Hitler hätte den Job zu Ende führen sollen“. Vertreter jüdischer Gruppen wurden Spott, physischer Einschüchterung und organisiertem höhnischen Gejohle ausgesetzt, als die Hassliteratur wälhrend der Konferenz verteilt wurde, darunter Die Protokolle der Weisen von Zion, ein von der russischen Geheimpolizei im 20. Jahrhundert erfundenes, virulent antisemitisches Traktat, das eine organisierte jüdische Verschwörung zur Erlangung der Weltherrschaft behauptet; außerdem gab es auf der Konferenz Karikaturen von Juden mit Hakennasen, palästinensisches Blut an den Hände, umgeben von Geld, dazu Naziembleme tragende Israelis. Täglich wurden Pamphlete mit der Aufschrift „Nazi-israelische Apartheid“ verteilt, zusammen mit Flyern, die (zustimmend) fragten: „Was, wenn Hitler gewonnen hätte?“; derweil erhoben Repräsentanten so repressiver Staaten wie Syrien und Iran Einspruch gegen die Aufnahme von Antisemitismus oder dem Holocaust in die Tagesordnung und begründeten das damit, der Holocaust sei ein „kompliziertes“, „sonderbares“ und „bizarres“ Konzept und Bezugnahme zum Holocaust würde unausgewogen oder „Bevorzugung“ sein. So ist es kaum ein Wunder, dass Resolutionen, mit denen Israel „Völkermord und ethnische Säuberungen“ vorgeworfen und faktisch seine Beseitigung gefordert wurde, in Regionalausschüssen abgestimmt wurde und vom NGO-Forum der Konferenz angenommen wurden.

Als Protest gegen diesen atemberaubenden Fanatismus verließen die amerikanische und die israelische Delegation die Konferenz zusammen mit den Repräsentanten von elf jüdischen NGOs, deren Resolutionsvorschlag gegen Antisemitismus nicht zum Schlussdokument gehörte. „Dieses Forum ist jetzt judenrein“, erklärte ein prominenter jüdischer Delegierte, während US-Außenminister Colin Powell die „von Hass erfüllte Sprache“ verurteilte, „die zum Teil ein heftiger Rückschritt in die Zeiten des ‚Zionismus ist Rassismus‘ ist; oder die Idee unterstützt, dass wir aus dem Holocaust zu viel gemacht haben; oder nahe legt, dass es in Israel Apartheid gibt; oder nur ein Land der Welt – Israel – für Kritik und Schmähung aussucht.“[18]

Der Auschwitz-Komplex: Zionismus, der neue Nationalsozialismus

Sollte dieses zweierlei Maß und die Enthumanisierung nicht schlimm genug sein (wie anders kann man es nennen, wenn einem Land das Grundrechts auf Selbstverteidigung verweigert wird?), dann gibt es auch die Tatsache, dass dies der einzige Fall ist, in dem eine Partei eines territorialen Disputs – Israelis und ihre Unterstützer weltweit – kollektiv wegen Regierungshandeln stigmatisiert und für politische, wirtschaftliche und akademische Boykotte wie ausgesucht sowie als Erben der Nazis in der modernen Welt diffamiert wird.

Die britische Regierung und besonders Premierminister Tony Blair ist weltweit dafür kritisiert worden, dass er Soldaten nach Afghanistan und in den Irak schickte, aber niemand hat das britische Volk für diese Entscheidung kollektiv verantwortlich gemacht oder versucht sie für die Tatsache zu boykottieren, dass ihre Regierung seit 2001 in zwei Fällen Soldaten in Länder schickten, die sie nicht direkt angegriffen hatten und die keine unmittelbare Bedrohung der britischen Sicherheit darstellten. In den Jahren, seit Serbien und die serbische Minderheit in Bosnien den Krieg auf dem Balkan initiierten und ein Programm der ethnischen Säuberung gegen bosnische Muslime begannen, wurden weder Staatsbürger Serbiens noch christlich-orthodoxe Gemeinden von Russland bis Griechenland, die diese Aggression unterstützten, kollektiv für den Krieg verantwortlich gemacht. Die Weltgemeinschaft hegt keine Zweifel, dass die Verantwortung direkt auf den Schultern des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic und den militärischen wie politischen Führern der bosnischen Serben liegt.

Israelische Politik und Handeln in der Westbank und dem Gazastreifen und in jüngerer Zeit im Libanon sind niemals auch nur ansatzweise denen ähnlich gewesen, die von den Serben während der 1990-er Jahre angewandt wurden. Doch werden nicht nur israelische Politiker und Offiziere auf unvernünftige Weise für ihr Tun verurteilt und in mehreren europäischen Ländern mit Verhaftung bedroht, sondern es werden auch israelische Staatsbürger und Juden weltweit für kollektives Hautabziehen herausgegriffen: von Umfragen in Deutschland, bei denen 51% der Befragten die Ansicht zum Ausdruck brachten, dass Israels derzeitiger Umgang mit den Palästinenser dem gleicht, der von den Nazis den Juden gegenüber an den Tag gelegt wurde zu Postern in Paris, auf dneen steht „Hitler hat einen Sohn – Sharon“; von von der die Lokalregierung bezahlten Informationstafeln in der spanischen Stadt Oleiros, die „Stoppt die Neonazis“ blinken zu Banner auf einem Marsch in Dublin, der ein Ende des palästinensischen Holocaust fordert und den Davidstern mit dem Hakenkreuz der Nazis gleichsetzt. Wo immer man hinsieht, werden wir mit Bildern israelischer „SA“ bombardiert, die „SS-Taktiken“ verfolgt und „Blitzkrieg“-Operationen betreibt.

Natürlich gibt es absolut keine moralische Gleichsetzung zwischen Hitlers industrieller Abschlachtung der Juden und Israels Umgang mit den Palästinensern. Wer das bezweifelt, stelle sich die folgenden Fragen: Wäre es jüdischen Schulen in den von Deutschland besetzten Niederlanden, Polen, Ungarn und zahlreichen anderen Ländern möglich gewesen ihre Schüler mit der haarsträubendsten antideutschen Propaganda und Hetze zu indoktrinieren? Hätten dieselben Schulkinder, frisch aus den Gehirnwäsche-Klassen in die Ferien entlassen, die Freiheit gehabt sich vor aller Welt Medien in Sommerlagern einzuschreiben, die der Ausbildung einer neuen Generation antideutscher Guerillas gewidmet sind? Wären ihre religiösen und säkularen Führer in der Lage gewesen, in ihren eigenen Fernsehsendern aufzutreten und ihre Besatzer ungestraft „Söhne von Affen“ zu nennen? Natürlich nicht: Die Juden unter Naziherrschaft waren zu sehr (in den meisten Fällen erfolgreich) damit beschäftigt dem Zusammenpacken in Zügen und dem Abtransport in die Gaskammern zu entkommen. Um es frei heraus zu sagen: Während sechs Millionen Juden, drei Viertel des europäischen Judentums, in den sechs Jahren, in denen Hitler Europa dominierte, durch die Hände der Nazis starben, hat sich die palästinensische Bevölkerung unter Israels Kontrolle des Gazastreifens und der Westbank – von 1967 bis Mitte der 1990-er Jahre, als diese Gebiete an Arafats PA übergeben wurden – verdoppelt, die Lebenserwartung ist von 48 auf 73 Jahre gestiegen. Kaum ein naziartiges Auslöschungsprogramm.

In der Tat scheint die Gleichsetzung von Zionismus mit Nationalsozialismus bei Westlern weit weniger in Beziehung zum tatsächlichen Zustand der israelisch-palästinensischen Beziehungen zu stehen, als zu dem Wunsch die Last der Jahrtausend-Verfolgung der Juden durch Christen im Allgemeinen und dem Holocaust im Besonderen abzuladen. Das wird durch die Tatsache belegt, dass diese widerwärtige Analogie nicht in Reaktion auf die Besatzung der Westbank und des Gazastreifens 1967 entstand, noch nicht einmal auf die Gründung Israels 1948, sondern auf der Höhe der Auslöschung der Juden im Zweiten Weltkrieg durch die Nazis und in den unmittelbar auf den Krieg folgenden Jahren Fahrt aufnahm. So finden wir einen hochrangigen Vertreter der britischen Botschaft in Bagdad, der (1943) shamlos behauptete, es gäbe eine „mächtige jüdische Organisation in Palästina, die auf faschistischen Gleisen und Nazi-Prinzipien betrieben wird“ und dass „jüdische Flüchtlinge aus der faschistischen Tyrannei der Nazis in Europa in Palästina einen guten Teil der Methoden eingeführt hat, die von Himmlers Strolchen angewandt werden, um die deutschen Massen zu reglementieren“. 1945 warnte Sir Edward Grigg (Lord Altrincham), der britischer Miniter vor Ort im Nahen Osten, auf einer Pressekonferenz in Kairo vor der „Gründung einer Art von Nazi-Gangstertum im Heiligen Land“. Während Sir Edward Spears, der während des Krieges britischer Botschafter in Syrien und dem Libanon war, ging näher auf Griggs Ansichten ein: „Der politische Zionismus, wir er sich heute in Palästina manifestiert, predigt so ziemlich dieselben Doktrinen wie Hitler.“ Selbst Premierminister Clement Attlee war nicht immun gegenüber der Gleichung Zionismus ist Nationalsozialismus. „Das war einfach Hitlers Methode“, antwortete er am 28. April 1948 auf einen amerikanischen Antrag Holocaust-Überlebende die Einreise nach Palästina zu gestatten. „Er brachte Leute als Touristen hinein, aber sie wurden rasch bewaffnet, sobald sie dort waren. Die Juden würden sie als Einwanderer hereinholen, doch sie würden bald Soldaten werden und es ist bekannt, dass sie bereits gedrillt und ausgebildet waren.“[19]

In Wirklichkeit gibt es in der Tat etwas, das im gegenwärtigen Nahen Osten – in Begriffen des Stils und der politischen Absicht (wenn auch nicht mit der Möglichkeit es umzusetzen – an den Nationalsozialismus erinnert und das ist die widerliche antisemitische Propaganda und der beharrliche Einsatz vieler Teile der arabischen Welt für die Vernichtung Israels. Selbst Ägypten, das seit mehr als dreißig Jahren mit Israel in Frieden lebt, könnte heute der erfolgreichste Produzent antisemitischer Ideen und Gesinnungen sein. Diese werden von der extremen islamistischen Presse, vom Medienestablishment und selbst von Unterstützern des Friedens mit Israel offen geäußert. In unzähligen Artikeln, akademischen Schriften, Büchern, Karikaturen und öffentlichen Äußerungen werden Juden mit den schwärzestmöglichen Begriffen dargestellt.

Dieser Zustand kann kaum überraschen angesichts der Echtzeit-Verehrung Hitlers und des Nationalsozialismus. Hassan al-Banna, der einst Uhren reparierte und Lehrer war und dann 1927 die militant islamische Gruppe der Muslimbrüder gründete, war nicht nur ein unverfrorener Bewunderer des deutschen Tyrannen, sondern organisierte auch die „Stoß-Bataillone“ der Gesellschaft, die für die meisten ihrer Terroranschläge während der 1940-er Jahre veratnwortlich waren – ganz nach dem Vorbild der berüchtigten Nazi-SS.[20] Ebenso Ahmad Hussein, der geistige Vater der Jungen Ägyptischen Gesellschaft, einer national-faschistischen Organisation, die ihre deutschen und italienischen Gegenüber nachahmte und in der spätere Präsident Nasser in den frühen 1930-er Jahren geschult wurde. Nassers Offizierskollege und Nachfolger im Präsidentenamt, Anwar Sadat, war ein gleichermaßen strammer Nazi-Sympathisant, der während des Zweiten Weltkriegs zusammen mit anderen Offizieren wegen versuchter Kollaboration mit den Nazis-Streitkräften in Nordafrika im Gefängnis saß.

Solche Gesinnung fand ihr Echo im Irak, wo Pro-Nazi-Offiziere im Frühjahr 1941 die Macht an sich rissen, nur um von der britischen Armee abgesetzt zu werden. In damals unter britischer Herrschaft stehenden Palästina berichtete ein Nazi-Funktionär schon 1937 nach Berlin, dass „die palästinensischen Araber auf allen Ebenen eine große Sympathie für das neue Deutschland und seinen Führer zeigen, eine Sympathie, deren Wert besonders hoch ist, da sie sich auf eine rein ideologischen Grundlage stützt.“ Er fügte hinzu: „Am wichtigsten für die Sympathien, die die Araber jetzt gegenüber Deutschland empfinden, ist ihre Bewunderung für unseren Führer.“ Jahre nach dem Krieg prahlte Hadsch Amin al-Husseine, der ehemalige Mufti von Jerusalem, der die Kriegsjahre in Berlin verbrachte, wo er nicht nur der Nazi-Propaganda half, sondern auch ihrer Mordmaschinerie, mit seiner engen Freundschaft zu Heinrich Himmler, Hitlers mörderischem Gefolgsmann; Husseini beschwor Hitlers Bewunderung für die Palästinenser als Beweis ihres wahren Patriotismus.[21]

Die Falschmeldung: Apartheid

Eine weitere böswillige antiisraelische Verleumdung ist im Verlauf der letzten Jahrzehnte ist alltäglich geworden sie setzt den jüdischen Staat mit dem Südafrika der Apartheid gleich. Diese von der PLO in den frühen 1960-er Jahren erfundene[22] Falschmeldung schlug bei den Arabern und ihren Verbündeten aus der Dritten Welt, aber auch bei vielen gebildeten Westlern wie den Nobelpreisträgern Desmond Tutu,[23] Jimmy Carter[24] und Maired Corrigan-Maguire[25] Wurzeln. Die Botschaft könnte nicht klarer sein. Genauso, wie das südafrikanische Regime entmannt wurde, muss das zionistische Gegenstück vernichtet werden.

Wie bei den Verleumdungen durch die Nazis ist der Apartheid-Vorwurf nicht nur falsch, sondern das komplette Gegenteil der Wahrheit. Ob in seiner Form in Südafrika oder andernorts wie dem US-amerikanischen Süden bis in die späten 1960-er Jahre, war Apartheid ein umfassendes und diskriminierendes System der Rassentrennung auf Grundlage der Ethnie, der alle Gesellschaftsschichten einbezog – von der Schule über den öffentlichen Nahverkehr, soziale Aktivitäten und Dienste bis zur Gesundheitsversorgung. Nichts davon ist jemals in Israel angewendet worden. Seine religiösen und ethnischen Minderheiten sind nicht nur freie und gleichberechtigte Bürger des jüdischen Staates gewesen, sondern vom Beginn des zionistische Unternehmens im frühen zwanzigsten Jahrhundert an, lange vor der Gründung des Staates Israel, hatten die Araber ihre Wohnorte in Massen verlassen und strömten auf der Suche nach einem besseren Leben in jüdischen Städte und Orte. In den Worten des Berichts einer von Lord Peel geleiteten britischen Untersuchungskommission des Jahres 1937:

Der Effekt des allgemeinen Nutzens der jüdischen Einwanderung für das Wohlergehen der Araber wird von der Tatsache illustriert, dass die Zunahme der arabischen Bevölkerung in am stärksten städtischen Bereichen erfolgte, die von jüdischer Entwicklung geprägt sind. Ein Vergleich der der Volkszählungen von 1922 und 1931 zeigt, dass vor sechs Jahren die Bevölkerung von Haifa um 86% zunahm, die von Jaffe um 62%, in Jerusalem um 37%, während sie in rein arabischen Städten wie Nablus und Hebron nur 7% und in Gaza eine Abnahme von 2 Prozent betrug.[26]

In der Tat hatte die zionistische Bewegung vom ersten Anfang an angenommen, dass es eine beträchtliche arabische Minderheit im zukünftigen jüdischen Staat geben würde und die allgemeine Überzeugung war, die, dass sie gleichberechtigt „an allen Sektoren des öffentlichen Lebens des Landes“ beteiligt sein würden, wie es Ze’ev Jabotinsky ausdrückte, der Gründungsvater des zionistischen Zweiges, der Ahne der heutigen Partei Likud.[27]

1934 leitete Jabotinsky den Entwurf einer Verfassung für das jüdische Palästina. Nach deren Bestimmungen sollten Araber und Juden sowohl die Vorrechte als auch die Pflichten der Eigenstaatlichkeit teilen, insbesondere den militärischen und den öffentlichen Dienst; Hebräisch und Arabische sollten denselben rechtlichen Status erhalten; und „in jedem Kabinett, in dem der Premierminister Jude ist, soll der Posten des stellvertretenden Premierminister einem Araber angeboten werden und umgekehrt“.[28] Im Widerhall dieser Vision sagte David Ben-Gurion der Führung seiner Partei Mapai 1947, dass die Nichtjuden im jüdischen Staat „gleichberechtigte Bürger sein werden; gleichberechtigt in allem, ohne Ausnahme; das heißt, der Staat wird auch ihr Staat sein.“[29]

Komitees, die die Grundlagen für den im Werden begriffenen Staat legten, diskutierten detailliert die Gründung einer arabischsprachigen Presse, der Verbesserung des Gesundheitssystems, die Eingliederung arabischer Offizieller in die Regierung, die Integration der Araber in die Polizei und das Bildungsministerium und die arabisch-jüdische kulturelle und intellektuelle Integration. Selbst militärische Pläne für die Abwehr einer erwarteten panarabischen ‚Invasion in den späten 1940-er Jahren wurden ausgearbeitet,, mit den ausdrücklichen Anweisungen des Oberkommandierenden der Hagana zur „Anerkennung der vollen Rechte, Bedürfnisse und Freiheit der Araber im hebräischen Staat ohne jegliche Diskriminierung und den Wunsch nach Koexistenz auf der Grundlage beiderseitiger Freiheit und Würde“.[30]

Dasselbe Prinzip wurde in Israels Unabhängigkeitserklärung verankert, die am 14. Mai 1948 abgegeben wurde. Der neue Staat verpflichtete sich „absolute soziale und politische Gleichheit der Rechte für alle seine Bürger festzuschreiben, ohne Unterschied von Religion, Rasse oder Geschlecht“. Insbesondere wurden die arabischen Bürger gedrängt „am Aufbau des Staats auf Grundlage voller und gleichberechtigter Staatsbürgerschaft und auf Grundlage angemessener Repräsentation in all seinen provisorischen wie permanenten Institutionen mitzuarbeiten“. Während der Erklärung Verfassungsstatus fehlt, wurden ihre Prinzipien als Richtlinien für Regierungsverhalten übernommen; im Verlauf der Jahre sollten sie durch Entscheidungen des obersten Gerichtshofs und Handeln der Knesset (des Parlaments) Rechtsstatus erhalten.

Als Ergebnis genießen israelische Araber volle Gleichheit vor dem Gesetz und sind mit dem vollen Spektrum demokratischer Rechte ausgestattet – einschließlich dem Recht für staatliche Institutionen zu stimmen und in ihnen zu dienen. (Vom ersten Moment an hat es arabische Abgeordnete in der Knesset gegeben.) Von der Festsetzung des Arabischen als Amtssprache über die Anerkennung nichtjüdischer religiöser Feiertage als gesetzliche Ruhetage ihrer jeweiligen Gemeinschaften bis zur Gewährung von Bildungs-, kultureller, rechtlicher und religiöser Autonomie dürften die Araber in Israel wohl weit mehr Vorrechte genießen als ethnische Minderheiten überall sonst in der demokratischen Welt.

Im Verlauf der Jahre haben die Araber erstaunliche soziale und wirtschaftliche Fortschritte gemacht. Weit davon entfernt hinterherzuhinken, hat ihre Entwicklung oft die des jüdischen Sektors übertroffen, mit dem Ergebnis, dass die Lücke zwischen den beiden Gemeinschaften stetig kleiner wurde. Z.B. ist die Sterblichkeitsrate im Verlauf der letzten Jahrzehnte um fast zwei Drittel gefallen, während die Lebenserwartung israelisch-arabischer Männer von 70 Jahren (1970) auf heute 76,3 Jahre gestiegen ist. Diese Zahl setzt sich nicht nur wohltuend vom Nahost-Durchschnitt von 68 ab, sondern der durchschnittliche israelische Araber kann erwarten beträchtlich länger zu leben las viele seiner weißen europäischen Pendants.[31]

Nicht weniger bemerkenswert sind die Fortschritte in der Bildung gewesen. Seit Israels Gründung, während die arabische Bevölkerung sich verachtfacht hat, hat sie Zahl der arabischen Schulkinder um den Faktor 35 zugenommen. Wenn 1960 der durchschnittliche israelische Araber ein Jahr in der Schule verbracht, liegt das heute bei elf Jahren; im selben Zeitraum ist die Analphabetenrate bei Erwachsenen von 52 auf 6,2% zurückgegangen (3,5% bei Frauen unter 45 Jahren). Das setzt die israelischen Araber nicht nur meilenweit vor ihre Brüder in der arabischen Welt – in Marokko liegt die Analphabetenrate bei 69%, in Ägypten bei 61%, in Syrien bei 44% – spiegelt aber ein Fortschrittstempo, das fast doppel so hoch ist wie im jüdischen Sektor.

Noch dramatischer ist die Geschichte in Sachen höhere Bildung, wo die Zahl der Araber mit Abschluss von 1961 bis 2001 um das Fünfzehnfache stieg. Vor dreißig Jahren hatten lediglich 4% der arabischen Lehrer einen akademischen Abschluss; bis 2000 war diese Zahl auf 47% gestiegen.

Der Lebensstandard? In den späten 1940-er Jahren, nach der Flucht seiner wohlhabenderen Klasse und dem Zusammenbruch der Wirtschaftsbeziehungen zu den Nachbarstaaten, blieb die arabische Minderheit in Israel weitgehend verarmt zurück. Sowie sie zunehmend in das lokale Wirtschaftsleben eingebunden wurden, erfuhren die Araber einen steilen Anstieg ihrer Einkünfte und eine sichtbare Verbesserung ihrer materiellen Umstände. Bis 2002 hatten 86% der arabischen Haushalte – mehr arabische Haushalte als jüdische – drei oder mehr Zimmer. Entgegen dem Standardbild der beengten Viertel und akuten Landknappheit ist die Bevölkerungsdichte in arabischen Orten niedriger als ihre Pendants in jüdischen Orten.

Was Einkommensstatistiken angeht, so ist es unbestreitbar, dass israelische Araber im Durchschnitt weniger verdienen als Juden. Aber wem ist das zuzuschreiben? Zum einen ist der durchschnittliche Muslim in Israel zehn Jahre jünger als sein jüdischer Gegenpart; überall in der Welt verdienen jüngere Leute weniger. Dann gehen auch weniger arabische Frauen auf den Arbeitsmarkt als jüdische Frauen. Die Auffälligkeiten dieser und weiterer Faktoren – Größe der Familie, Bildungsniveau, kulturelle Traditionen usw. – können durch den Blick auf Segmente der israelischen Gesellschaft von heute wie den ultraorthodoxen Einwohnern oder denen von Entwicklungsstädten (Orten, die während der 1950-er und 1960-er Jahre gegründet wurden, um die frischen Wellen jüdischer Einwanderer, besonders die aus arabischen Ländern, aufzunehmen) ansehen, deren Einkommensniveau denen im arabischen Sektor ähnlicher sind. 1997 z.B., als der durchschnittliche Monatslohn im arabischen Nazareth 4.450 Schekel betrug, betrug die vergleichbare Summe für das zumeist jüdische Nazareth Illith 4.780 Schekel. Während der späten 1990-er Jahre war die Arbeitslosenrate in Israels arabischem Sektor durchweg niedriger als in jüdischen Entwicklungsstädten.

Finanzielle Zuweisungen der Regierung an arabische Stadtverwaltungen sind im Verlauf der letzten vierzig Jahre stetig gestiegen und sind jetzt den Subventionen im jüdischen Sektor ebenbürtig, wenn sie sei nicht gar übersteigen. Bis Mitte der 1990-er Jahre erhielten die arabischen Kommunen rund ein Viertel solcher Zuweisungen, deutlich über dem „Anteil“ der Araber an Israels Gesamtbevölkerung. In zahlreichen Fällen gingen die Beiträge an arabische Kommunalhaushalte beträchtlich über die Beiträge an ähnlich situierte jüdische Orte hinaus: 1996 z.B. lagen die relativen Auszahlungen an die arabische Stadt Tamra dreimal so hoch wie die an die jüdische Stadt Yahud; fast dreimal mehr ging an (das arabische) Abu Snan als an das (jüdische) Even Yahuda; zweimal mehr hoch an das (arabische) Iksal als an das (jüdische) Azur.

Die Stadt Haifa, um ein prominentes Beispiel zu geben, war ein Modell arabisch-jüdischer Koexistenz, weil zwei Gemeinschaften Seite an Seite in Frieden und Harmonie lebten. Und während diese idyllische Koexistenz durch den Krieg von 1948 grausam zerbrach, als die meisten der arabischen Einwohner von ihrer nationalen Führung trotz Betteln der jüdischen Nachbarn es nicht zu tun ins Exil getrieben wurden, wurden die, die blieben, als gleichberechtigte Bürger in das Gewebe des entstehenden jüdischen Staates integriert.

Mit dem folgenden Wachstum ihrer Anzahl infolge einer hohen natürlichen Zunahme sowie Migration aus ländlichen und aus der Peripherie kommenden Migration haben die Araber von Haifa ihre zentrale Rolle wiedergewonnen und die Koexistenz von vor 1948 wieder hergestellt. Juden und Araber leben zusammen, studieren zusammen, gehören denselben Vereinen an, fahren mit denselben Bussen, gehen in denselben Zentren einkaufen und essen in denselben Restaurants. Es überrascht daher kaum, dass, als sich am 4. Oktober 2003 Hanadi Jaradat, eine 29-jährige Rechtsanwältin aus Jenin, sich an einem friedlichen Samstagnachmittag in einem stark besuchten Restaurant sprengte und 21 Menschen ermordete sowie weitere sechzig verletzte, das für das abscheuliche Verbrechen ausgesuchte Geschäft in gemeinsamem arabisch-jüdischem Besitz war und die Opfer sowohl Juden als auch Araber.

Tatsächlich sind die gelegentlichen Vorschläge Israels Grenzen im Rahmen einer umfassenden Friedensregelung neu zu ziehen, um vorwiegend arabische Bereiche an der Grenze in den zukünftigen Palästinenserstaat in der Westbank und dem Gazastreifen einzugliedern, bei den israelischen Arabern ausnahmslos auf Ablehnung gestoßen, die lieber Bürger des jüdischen Staats bleiben wollen als sich ihren Brüdern in einem neu geschaffenen Staat anzuschließen. Selbst die Einwohner der Gebiete haben bei all ihrer Kritik und Beschwerden Israel durchweg zu den am meisten bewunderten Demokratien der Welt gezählt, in krassem Gegensatz zu ihrer vernichtenden Meinung über arabische Regime, einschließlich ihrer eigenen palästinensischen Autonomiebehörde. Noch 2011 sagten die meisten der befragten Palästinenser in Ostjerusalem, die Anspruch auf israelische Sozialleistungen haben und frei in Israels Staatsgebiet von vor 1967 reisen können, dass sie lieber Bürger des jüdischen Staates werden würden als Bürger eines neuen palästinensischen.[32]

So viel zu Israels angeblicher Apartheid.

Das Spiel der Beschuldigungen: Von Ritualmord-Vorwürfen bis zum 9/11

Und was ist mit dem Ausgießen der absonderlichsten Verschwörungstheorien und Ritualmordlegenden, denen Israel – und nur Israel – seit dem ersten Tag seines Bestehens ausgesetzt war? Wiederum ist dieses Phänomen nicht auf die arabische und muslimische Welt beschränkt, wo mittelalterliche Mythen von Juden als heimlichen Zerstörern und Vergiftern von Brunnen weit verbreitet sind (noch im Oktober 2000 veröffentlichte die größte ägyptische Regierungszeitung, Al-Ahram, die wahrscheinlich tonangebendste arabischsprachige Zeitung, einen fast ganzseitigen Artikel mit dem Titel „Jüdische Matzen werden aus arabischem Blut gemacht“; darin werden Juden jedes denkbaren Lasters beschuldigt, von der Verbreitung von AIDS, Rinderwahn und Vogelgrippe bis zur Ermordung palästinensischer Kinder, um ihrer Organe zu ernten und den Anschlägen vom 9/11. Das wird von westlichen politischen und intellektuellen Eliten wiederholt, um Israel zu dämonisieren, indem man die niederträchtigsten antisemitischen Verschwörungstheorien zu jüdischer und israelischer Sippenherrschaft in Weltangelegenheiten beipflichtet.

Natürlich sind Juden traditionell beschuldigt worden, ihnen fehle der wahre Patriotismus in den Ländern, in denen sie Bürger sind und sie würden stattdessen versuchen ihre nichtjüdischen Landsleute in endlose Konflikte und Kriege zu verwickeln und zwar im Auftrag solch kosmopolitischer Bewegungen und Ideale wie „Weltimperialismus“, internationalem Bolschewismus“ oder „Weltzionismus“. Die Protokolle der Weisen von Zion behaupteten das. Adolf Hitler auch, der ein Bewunderer des antisemitischen Pamphlets war und seine Nazi-Propagandamaschine dazu benutzte die von ihm entfesselte horrende Gewalt fälschlich als „jüdischen Krieg“ hinzustellen. Als die Vereinigten Staaten schließlich nach dem Angriff auf Pearl Harbor in den Zweiten Weltkrieg eintrat – mehr als zwei Jahre nachdem Ausbruch der Feindseligkeiten, stellten die Nazis und ihre arabischen Lakaien das als Beweis für den angeblichen jüdischen Einfluss auf die Regierung Roosevelt dar.[33]

Dieses Zerrbild traf einen empfänglichen Nerv auf der anderen Seite des Ozeans. Vor dem Zweiten Weltkrieg war es beim US-Offizierskorps eine feste Größe, dass jüdische Versuche die bösartigen Antisemitismus der Nazis zu kontern die Beziehungen der USA zu Deutschland störten und letztlich das Land entgegen seiner wahren Interessen in den Krieg steuern würden. Die Tatsache, dass diese verzweifelten Bitten keinerlei Einfluss auf die Administration hatten oder dass die Beziehungen der USA zu den Nazis angesichts von Hitlers wahnsinnigem Wunsch nach Weltherrschaft von Anfang an dem Untergang geweiht waren, schienen diese Gegner nicht gestört zu haben. Noch im April 1948 machte General Albert C. Wedemeyer, Chef für Planung und Operationen und ein fanatischer Antisemit, der die internationalen jüdischen Verschwörer hinter jeder Ecke sah, die zionistische Bewegung und Roosevelts jüdische Berater dafür verantwortlich, dass die Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg gezogen wurden.[34]

Mehr als sechzig Jahre danach ist die Besessenheit vom angeblichen Einfluss des „Weltjudentums“ gesund und munter. Nur ist es heute der Irak-Krieg von 2003 statt dem Zweiten Weltkrieg, der angeblich von jüdischen und israelischen Machenschaften ausgelöst wurde und es ist George W. Bush statt D.F.R., der dafür kritisiert wird sich von einer jüdischen Intrige verladen worden zu sein. (Fakt ist, dass Israel Saddam Hussein nie als existenzielle Bedrohung betrachtet hat und dem bevorstehenden Krieg gegen den Irak aus Sorge, er könne die Fähigkeit der USA hartnäckiges Streben nach Atomwaffen verringern, skeptisch gegenüber stand – und was dann in der Tat auch eintrat.)

Nach Angaben von Ahmad Thomson, einem muslimischen Berater Tony Blairs, war der britische Premierminister der Letzte in einer langen Reihe Politiker, der dem Zauber einer „unheimlichen“ Gruppe Juden und Freimaurer geriet, die den Angriff auf den Irak als Mittel zur Kontrolle den Nahen Ostens betrachteten.[35] Diese Behauptung (obgleich ohne die Freimaurer) wurde unter anderem in einem „Arbeitspapier“ von Harvard-Professor Stephen Walt und seines Kollegen John Mearsheimer von der University of Chicago wiederholt, das im März 2006 unter Leitung der renommierten Kennedy School of Government an der Harvard University veröffentlicht wurde; diese Arbeit präsentierte den Irak-Krieg nicht nur als Geistesprodukt eines hinterhältigen jüdischen Intriganten, sondern beklagte die angebliche Kaperung der US-Außenpolitik der vergangenen Jahrzehnte durch die „Israel-Lobby“, die die stärkste Macht der Erde dahin manipuliert hat „ihre eigene Sicherheit beiseitezustellen, um die Interessen eines anderen Staates voranzubringen“.[36]

Lobbyarbeit ist natürlich das tägliche Brot des sozialen und politischen Lebens Amerikas und unter anderem haben „ethnische“ und „nationale“ Lobbygruppen bei zahlreichen Gelegenheiten großen Einfluss auf die US-Außenpolitik ausgeübt. Während des Zweiten Weltkriegs, um ein markantes Beispiel anzuführen, brachte die irische Lobby Präsident Roosevelt dazu zu tolerieren, dass die irischen Häfen die Kriegsanstrengungen gegen die Nazis verweigerten – mit enormen Kosten an Menschen und Material.[37] Ähnlich half die China-Lobby seit Jahrzehnten die Anerkennung und Normalisierung der Beziehungen zum kommunistischen China zu verhindern, etwas, das den Vereinigten Staaten neben anderen nachteiligen Entwicklungen möglicherweise die Kriege in Korea und Vietnam erspart hätte. Doch keine dieser Lobbygruppen, ganz zu schweigen von der heutigen skrupellosen Manipulation der US-Außenpolitik durch die arabische Öl-Lobby, haben auch nur einen Bruchteil der Kritik bekommen wie die „jüdische Lobby“. „Warum prinzipiell verlangt werden soll, dass die Juden und nur die Juden darauf verzichten ihre ethnischen Zugehörigkeit nicht zurate zu ziehen, weiß ich nicht“, schrieb der angesehene amerikanisch-jüdische Intellektuelle Irving Howe. „Aber es ist absolut empörend dass das Vorhandensein solcher Loyalitäten, die in sich in keiner Weise Juden von irgendjemand anderem unterscheidet, eine Grundlage dafür sein soll die Argumente abzulehnen, wie sie demokratische Radikale und Intellektuelle zugunsten der Unterstützung Israels anführen.“[38]

No Business like the Bash Israel Business

Angesichts all dessen überrascht es kaum, dass diejenigen, die mit dem Einprügeln auf Israel Karriere machen – in den Medien, an Universitäten und in der Politik – große Stars mit Zugang zu den wertvollsten Liegenschaften bei der Presse werden und mehr Einladungen zu Reisen in die Welt damit erhalten, dass sie Israel verunglimpfen, als sie in Anspruch nehmen können.

Nehmen wir das Affenspektakel zu Walt-Mearsheimers Abhandlung zum angeblichen Würgegriff der „Israel-Lobby“ auf die US-Außenpolitik. Während die beiden keine Mühen scheuten sich als mutige Intellektuelle hinzustellen, die ein großes persönliches Risiko eingingen, indem sie „der Macht gegenüber die Wahrheit sagten“ (Walt beklagte sogar gegenüber einem radikal-muslimischen Publikum, dass sich gegen Israel zu stellen nachteilige finanzielle Folgen mit sich bringt), ist die Wahrheit, dass ihr Dokument sie über Nacht aus dem Dunkeln ins öffentliche Rampenlicht katapultierte, was ihnen $750.000 Vorauszahlung eines prominenten New Yorker Verlagshauses eingebracht haben soll und Walt einen persönlichen Blog im viel gelesenen Internetmagazin Foreign Policy verschaffte. Ein Jahrzehnt später trat der ehemalige New Republic-Redakteur Peter Beinert in ihre Fußstapfen und strebte seine 15 Minuten Rum mit einem ähnlich bösartigen Buch an.[39]

Aber niemand verkörpert dieses Phänomen stärker als der verstorbenen Edward Said, Universitätsprofessor für Englisch und vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University, der im September 2003 starb. Jahrzehnte lang wurde Said für seinen Mut in seiner Rolle als der wortgewandteste und sichtbarste Verfechter der palästinensischen Sache verehrt. Trotz Saids ständiger Beteuerungen, dass „Palästina … unmodern ist und keine Belohnungen einbringt“, ist die Wahrheit, dass es sein Status als Aktivist und Polemiker für die Sache der Palästinenser war, weniger seine wissenschaftlichen Arbeiten oder seine akademische Karriere, die ihm internationalen Prominentenstatus ebenso wie lauten Applaus, Ehrungen und Ruhm weit über die wildesten Träume der meisten Englisch-Professoren hinaus einbrachte.

Said war so schlau die palästinensische Sache in den späten 1960-er Jahren aufzunehmen, einer Zeit wachsender westlicher Sympathie für Fragen der Dritten Welt und antikoloniale Ideologie, die im Gegenzug den Glauben verstärkte, dass der Zionismus eine anachronistische, sogar illegitime Ideologie war, während die Palästinenser einen Befreiungskampf führten. Im Verlauf der nächsten drei Jahrzehnte war niemand geschickter als Said darin die Parolen und antikolonialen Sprachgebrauch zu verkünden, der Generationen an Westlern die Knie weich machte; und niemand war geschickter als Said darin Israel als nichts als eine künstliche koloniale Schöpfung westlicher Imperialisten darzustellen. Nicht unerwartet machten seine Ansichten zu Palästina ihn schnell bei den westlichen Medien beliebt. 1971 schrieb Said seinen erste Artikel für Le Monde Diplomatique. 1973 hatte er sein Debut in der New York Times. In beiden Artikeln ging es um den arabisch-israelischen Konflikt. Bis 1977 war er Mitglied des palästinensischen Nationalrats geworden und bis 1979 hatte er The Question of Palestine (Die Palästinafrage) veröffentlicht und wurde von Les Temps moderne nach Paris eingeladen, um an einem Seminar mit Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir in der Wohnung von Michael Foucault zum Frieden im Nahen Osten teilzunehmen. Der junge englische Professor, der sich im Dunkeln abgerackert hatte, bis er sich der Sache der Palästinenser annahm, hatte es weit gebracht. Said mag ein kompetenter Literaturkritiker gewesen sein, seine frühen Studien zu Jane Austen und Joseph Conrad mögen stichhaltige Beiträge zum wissenschaftlichen Fachgebiet gewesen sein, aber aus seiner Sicht hatte sein Werk wenig mit seinem Ruf oder Ansehen zu tun. Palästina wurde, wie ein Bewunderer es ausdrückte, „ein sich beinahe überwältigend wiederholendes Thema in Saids Werk“ und es war fast unmöglich eine Linie zwischen seinen Polemiken zur Palästinenserfrage und dem Rest seiner Werke zu ziehen.[40]

Gleichermaßen ist der britische Journalist Robert Fisk von Legionen an Fans dafür verehrt, dass er die Aufmerksamkeit der Welt mit seinen Bericht auf Israels angeblichen Ungerechtigkeiten und Verbrechen gegenüber den Palästinenser lenkte. Wie Said ist eine der wichtigen Beschwerden Fisks über die westlichen Medien die Art, wie er die Lage übersimplifiziert und in seiner Berichterstattung über den muslimischen Nahen Osten mit den Vorurteilen seines Publikums spielt. In seinen gerade veröffentlichten Memoiren erzählt er uns, es ist „eine gewisse Erleichterung Israelis zu finden, die wortgewandt und mutig genug sind die koloniale Mentalität infrage zu stellen“. In Wirklichkeit brauchen Israelis (anders als ihre arabischen Nachbarn) nicht mutig zu sein, um sich in irgendeiner Frage öffentlich gegen ihre Regierung oder andere vom Staat finanzierte Institutionen zu stellen. Das Ausmaß dieser eindimensionalen Herangehensweise an die Berichterstattung aus Israel bedeutet, dass niemand, der Fisk liest, wüsste, dass Gewalt, Krawall und Aufruhr Teil des Gewebes des Nahen Ostens war, lange bevor die gefürchteten Zionisten ihren Staat gründeten. Wenn man das glaubt, glaubt man alles. Aber vielleicht ist es das, worauf sich diese Kohorten an Israel-Bashern von jeher verlassen.

Vor etwas weniger langer Zeit sind die israelischen „neuen Historiker“ vergöttert, die Ende der 1980-er Jahre die Bühne betraten; sie galten als Pioinere des Anti-/Post-Zionismus, die mutig der unterdrückerischen und häretischen zionistischen Ideologie trotzten. Mit der Behauptung die „historische Wahrheit“ über die Gründung des Staates Israel und dem Aufkommen des arabisch-israelischen Konflikts aufgedeckt zu haben, sind sie zu gefeierten Personen geworden, die aus dem Prestige, Buchverträgen und Reisen Kapital schlugen, die überall in der Welt für Israel-Basher angeboten wurden. So witzelte Tom Segev, ein israelischer Journalist und „neuer Historiker“ gegenüber einem amerikanischen Journalisten: „Wir führen Hochzeiten und Bar Mitzwas durch.“[41] Und das, obwohl das völlige nicht vertraut sein der meisten „neuen Historiker“ mit der arabischen Welt – ihrer Sprache, Kultur, Geschichte und Politik; ihres herablassenden Umgangs mit den Palästinensern als passiven Objekten; ihrem Versagen neue Fakten auszugraben oder neuartige Interpretationen zu bieten;[42] und der Tatsache, dass die jüngste Freigabe von Millionen von Dokumenten aus der Zeit des britischen Mandats und Israels frühen Tagen ein weit eindeutigeres Bild der historischen Aufzeichnungen malt und zwar eines, das in völligem Widerspruch zu den antiisraelischen Karikaturen steht, die von den „neuen Historikern“ gezeichnet werden.

Andere Juden wie der US-Akademiker Norman Finkelstein sind unter anderem in Deutschland wegen ihrer höchst beleidigenden Behauptungen gefeiert worden, dass Israel und die diasporajüdische Gemeinschaften den Holocaust zum eigenen Nutzen übertrieben haben.[43] Schlimmer noch: Eine Reihe Juden, darunter Professor Moshe Zimmerman von der Hebräischen Universität und der verstorbene israelische Philosoph Yeshayahu Leibowith, vergöttert von Said und Fisk, haben Parallelen zwischen dem Handeln israelischer Regierungen und den israelischen Verteidigungskräfte (IDF) und den Nazis gezogen. Da diese Behauptung es den Europäern ermöglicht einiges von ihren Schuldgefühlen wegen des Holocaust loszuwerden, ist das bereitwillig übernommen worden. Eine in neun europäischen Ländern durchgeführte Eurobarometer-Umfrage, die am Vorabend des Holocaust-Gedenktags 2004 veröffentlicht wurde, stellte fest, dass 35,7% der Befragten glaubten, Juden „sollten aufhören die Opfer des Holocaust zu spielen“.

Die jüngste Welle an Antisemitismus und Angriffen auf Juden und jüdische Ziele in einem in Europas seit den 1930-er Jahren nicht bekanntem Ausmaß scheint diese Mentalität einen Schritt weiter zu bringen. Wenn alle Juden Israelis sind und alle Israelis Nazis, dann ist es legitim sie ins Visier zu nehmen. Und natürlich ist diese Haltung von der Tendenz der politischen und intellektuellen Eliten Europas Israel zu dämonisieren angespornt worden: Erinnern Sie sich an das Titelbild des New Statesman vom Januar 2002 mit einem goldenen Davidstern, der einen Union Jack [die britische Flagge] durchstößt, darunter die Schlagzeile: „Eine koschere Verschwörung?“

Der Libanonkrieg von 2006 hat einmal mehr unterstrichen, wie weithin Juden und Israelis als ein und dasselbe wahrgenommen werden. Während der Krise gab es in Großbritannien im Vergleich zum Juli 2005 eine Verdoppelung der antisemitischen Anschläge und Vorfälle und in Kanada gegenüber dem selben Zeitraum des Vorjahrs eine Verdreifachung dieser Vorfälle. Gleichzeitig wurden das jüdische Denkmal für Holocaustopfer in Brüssel und Berlins Holocaust-Gedenkstätte geschändet und mit Hakenkreuzen beschmiert, ebenso zwei Synagogen in Sydney (Australien) und eine in der brasilianischen Stadt Campinas; zwanzig jüdische Geschäfte in Rom wurden beschädigt und mit Hakenkreuzen beschmiert und ein pakistanischer Amerikaner ging im Juli 2006 in das jüdische Gemeindezentrum in Seattle und eröffnete das Feuer auf unschuldige jüdische Zivilisten, wobei er eine Person tötete und fünf verletzte.

Was diese Sachlage noch ärgerlicher macht: Die Medien und westliche Führungspolitiker haben sich seit dem 9/11 verbogen, um die Verbreitung von Islamophobie zu verhindern, wenn die Wahrheit darin besteht, dass es die Juden sind, nicht die Muslime, deren Leben am nachteiligsten durch zunehmende Feindseligkeit vor Ort betroffen ist – immerhin sind es die Juden, nicht die Muslime Frankreichs, die in Rekordzahlen auswandern, um einen sicheren Hafen zu finden. Es sind die Juden, die sich für Angriffe verletzlich fühlen, die sich der meisten Gewalt ausgesetzt sehen und deren Institutionen von Synagogen über Gemeindehäuser bis zu jüdischen Redaktionsräumen wegn der Ereignisse im Nahen Osten seit Jahren unter schwerer Polizeibewachung stehen – keine muslimische Gemeinde im Westen muss ähnliche Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Und doch ignorierten Politiker und die Medien einfach die Raketen von Hisbollah und Hamas auf israelische Bevölkerungszentren, sprangen aber im Dreieck wegen Jerusalems militärischer Reaktion; sie ignorieren zudem die Realität, dass es nicht Islamophobie, sondern Antisemitismus, das große Hassverbrechen in Europa ist, außerdem zunehmend in den USA, Kanada und Australien, wobei sowohl Israel und die jüdischen Gemeinden dieser Länder di Hauptlast dieser boshaften Angriffe ertragen.

Fazit: Israel und das menschliche Gewissen

Die Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus wird von vielen Gegnern Israels zweifelsohne als „zionistische Propaganda“ abgetan. Dieses Argument läuft aber tatsächlich nicht nur der vorherrschenden Meinung unter israelischen Akademikern und Intellektuellen zuwider, für die solche Behauptungen Anathema sind, sondern ziehen auch eine der fundamentalen Grundsätze des Zionismus in Zweifel – dass die Gründung des jüdischen Staates, in dem die jüdische Diaspora sich versammeln und normalisieren kann, das „jüdische Problem“ lösen sollte und besser werden lassen sollte, wenn sie nicht gar das Phänomen des Antisemitismus völlig eliminiert.

Was diese Denkweise der Gründungsväter des Zionismus jedoch nicht bedachten: dass das Vorurteil und die Obessesion, die bis dahin für jüdische Einzelpersonen und Gemeinden reserviert war, auf den jüdischen Staat übertragen würde. Wurden Juden vor der Gründung Israels wegen ihrer Hilflosigkeit verachtet, werden sie heute wegen ihres neu entdeckten physischen und politischen Stärke verunglimpft, wie die wiederholte Kritik an Israels angeblichem Gebrauch von „unverhältnismäßiger Gewalt“ bezeugt, wann immer es sich gegen willkürliche Terroanschläge durch Gruppen verteidigt, die sich seiner Vernichtung verschrieben haben.

Jahrtausende lang war das jüdische Volk – in den Worten des angesehenen Philosophen Martin Buber – ein unheilvolles, heimatloses Gespenst. Dieses Volk, das die Einbindung in jegliche Kategorie widerstand, ein Widerstand, an den sich die anderen Firmen niemals wirklich gewöhnen konnten, war immer das erste Opfer fanatischer Bewegungen und widerwärtiger Vorurteile und gebrandmarkt als die Ursache von massenhaftem Unglück. So schrieb der Dichter Heinrich Heine, selbst ein Konvertit aus dem Judentum, einmal, das Judentum sei „der Familienfluch, der tausend Jahre andauert“; und egal wie sehr er sich Mühe gegeben hat, der Staat Israel – wie einzelne Jduen und jüdische Gemeinden vor ihm – ist nie in der Lage gewesen dieser verstörenden Realität zu entkommen.

In der Tat ein betrüblicher Gedanke. Aber gibt es irgendeine andere Erklärung dafür, warum Israel mehr als sechzig Jahre nach seiner Gründung der einzige Staat der Welt bleibt, dessen Bürger als Erben des Nazi-Mantels dargestellt werden; deren Wirtschaft nicht nachlassenden Rufen nach Sanktionen, Boykotten und Investitionsabzug ausgesetzt ist; dessen Politik und Handeln jahrein, jahraus von der internationalen Gemeinschaft verteilt wird und dessen Existenzrecht ständig diskutiert und in Frage gestellt wird?

Efraim Karsh ist Forschungsprofessor für Nahost- und Mittelmeerstudien am King’s College in London, Chefforscher am Middle East Forum (Philadelphia) und zuletzt Autor von „Palestine Betrayed“ (Yale University Press, 2010)

[1] Efraim Karsh/Rory Miller: Freya Stark in America: Orientalism, Anti-Semitism, and Political Propaganda. Journal of Contemporary History, Vol. 39, No. 3 (July 2004), S. 327.

[2] Joseph W. Bendersky: From Cowards and subversives to Aggressors and Questionable Allies: US Army Perception of Zionism since World WW I. Journal of Israeli History, 25:1 (2006), S. 123-24.

[3] Rivka Yadlin: Genuis Yahir Veosheq:Anti-Zionut ke-Anti-Yahadut be-Mitsraim (Jerusalem: Yad Ben-Zvi, 1988), S. 127.

[4] Akhbar al-Yom (Cairo), Oct. 11, 1947. Für Hintergrundinformationen zur Erklärung und ihre vollständige Übersetzung s.: David Barnett/Efraim Karsh: Azzam’s Genocidal Threat. Middle East Forum, Fall 2011, S. 85-88.

[5] Political Program for the Present Stage drawn up by the 12th PNC, Cairo, June 9, 1974. Journal of Palestine Studies, Summer 1974, S. 224-225

[6] Efraim Karsh: Arafat’s War: the Man and his Battle for Israeli Conquest (New York: Grove, 2003).

[7] Schon am 11. Oktober 1949 schrieb der prominente ägyptische Politologe Muhammad Salah al-Din, der bald Außenminister des Landes werden sollte, in der einflussreichen ägyptischen Tageszeitung al-Misri: “Mit der Forderung nach Rückführung der Flüchtlinge nach Palästina beabsichtigen die ARaber, dass sie als die Herren der Heimat und nicht als Sklaven zurückkehren. Im engeren Sinne haben sie vor den Staat Israel auszulöschen. (Zitiert in: Forschungsabteilung, israelisches Außenministerium: „Refugee Repatriation – A Danger to Israel’s security.” 4. Sept. 1951, Israel’s State Archives, ISA, FM 2564/1.

[8] Edward Said: The Question of Palestine (New York: Vintage, 1980), S. 12–13.

[9] Edward Said: My Right of Return. Interview mit Ha’aretz-Journalist Ari Shavit, 18. August, S. 2000.

[10] Tony Judt: Israel: The Alternative. New York Review of Books, 23. Okt. 2003.

[11] Das berüchtigste Pogrom fand in der polnischen Stadt Kielce statt, wo am 4. Juli 1946 lokale Mobs überlegende und zurückkehrende Juden in der Stadt nach falschen Gerüchten, die Juden hätten ein christliches Kind entführt, das sie zu rituellen Zwecken töten wollten. Die Aufrührer töteten mindestens 42 Juden und verletzten ungefähr 50 weitere.

[12] Interview [by] Clare Hollingowith with Azzam Pasha, 23. März 1948, ISA, S25/9020. Cairo to London, Jun. 4, 1948, FO 371/68527

[13] David Ben Gurion’s Diary (Sde Boker), 2. Juni 1949.

[14] Daniel Pipes: The Hell of Israel is Better than the Paradise of Arafat. Middle East Quarterly, Spring 2005, S. 43-50.

[15] Yale Law School, the Avalon Project: Hamas Covenant, Articles 11.

[16] Robert Fisk: The Great War for Civilization: the Conquest of the Middle East (New York: Vintage, 2007).

[17] Hillel C. Neuer: The Struggle against Anti-Israel Bias at the U.N. Commission on Human Rights. Jerusalem Center for Public Affairs, No. 40, 1. Jan. 2006; UN Wipes Israel Off the Map—Photos – Nov. 29, 2005, UN Day of Solidarity with the Palestinian People http://www.eyeontheun.org/view.asp?l=21&p=142.

[18] Edwin Black: Ford Foundation Aided Groups Behind Biased Durban Parley. Forward, 17. Okt. 2003; Jerusalem Post, 2. Sept. 2001; Anne F. Bayefsky: Terrorism and Racism: the Aftermath of Durban. Jerusalem Letter/Viewpoints, No. 468, 16. Dez. 2001(http://www.jcpa.org/jl/vp468.htm); Irwin Cotler: Durban’s Troubling Legacy One Year Later: Twisting the Cause of International Human Rights Against the Jewish People. Jerusalem Issue Brief, Vol. 2, No. 5 (20. Aug. 2002).

[19] Record of Conversation which the Prime Minister and Secretary of State had with the United States Ambassador on the 28th April 1948. FO 800/487.

[20] Zu Bannas Ideologie und politischer Karriere s.: Hassan al-Banna: Shaheed (Karachi: International Islamic Publishers, 1981); Richard P. Mitchell, The Society of the Muslim Brothers (New York: Oxford University Press, 1993); Robert St. John, The Boss: The Story of Gamal Abdel Nasser (New York: McGraw Hill, 1960), S. 41-42.

[21] Muhammad Amin Husseini: Haqa’iq an Qadiyat Filastin (Cairo: Maktab al-Hay’a al-Arabiyya al-Ulya li-Filastin, 2nd ed., 1956; Abdel Karim Umar: Mudhakkirat al-Hajj Muhammad Amin al-Husseini (Damascus: Ahali, 1999), S. 107, 124-27.

[22] S. z.B. Fayez A. Sayegh: Zionist Colonialism in Palestine (Beirut: Palestine Liberation Organization Research Center, 1965).

[23] Tutu Condemns Israeli Apartheid. BBC News, 29. Apr. 2002

[24] Jimmy Carter: Palestine: Peace Not Apartheid (New York: Simon & Schuster, 2006).

[25] Mairead Corrigan-Maguire: Stand Up to Israeli Apartheid. Stop de Landroof (http://www.stopdebezetting.com/wereldpers/mairead-corrigan-maguire-stand-up-to-israeli-apartheid.html), aufgerufen am 19. März 2012

[26] Palestine Royal Commission, Report. Presented to the Secretary of State for the Colonies in Parliament by Command of his Majesty, July 1937 (London: HMSO; rep. 1946), S. 93 (vii).

[27] Vladimir Jabotinsky: The Jewish War Front (London: George Allen & Unwin, 1940), S. 216.

[28] Ebenda, S. 216-220.

[29] David Ben-Gurion: Bama’araha (Tel Aviv: Mapai Publishing House, 1949), Vol. 4, Part 2, S. 265.

[30] Hagana Commander-in-Chief to Brigade Commanders, “The Arabs Residing in the Enclaves.” 24. März 1948, Hagana Archiva (HA), 46/199z.

[31] Statistische Daten in diesem Artikel meist entnommen aus Israel’s Central Bureau of Statistics (http://www1.cbs.gov.il/reader/?MIval=cw_usr_view_Folder&ID=141). S. Auch zwei Artikel von Amnon Rubinstein in Ha’aretz, 10. Sept. 2002 und 7. Apr. 2003.

[32] David Polock: What do the Arabs of East Jerusalem Really Want? Jerusalem Center for Public Policy, 7. Sept. 2011.

[33] Jeffrey Herf: Convergence—the Classic Case: Nazi Germany, Anti-Semitism and Anti-Zionism during World War II. Journal of Israeli History, Vol. 25, No. 1 (März 2006), S. 75, 77-78.

[34] Bendersky: From Cowards and Subversives. S. 114-15, 118.

[35] Jews and Free Masons Controlled War on Iraq, Says No. 10 advisor. Daily Telegraph, 12. Sept. 2005.

[36] John Mearsheimer/Stephen Walt: The Israel Lobby and U.S. Foreign Policy (Harvard University: John F. Kennedy School of Government, März 2006), S. 1.

[37] Efraim Karsh: Neutrality and Small States (London: Routledge, 1988; neu aufgelegt 2010), S. 70-72.

[38] Irving Howe:Vietnam and Israel. In: Irving Howe/Carl Gershman (Hg.): Israel, the Arabs and the Middle East (New York: Bantam Books, 1982), S. 343-344.

[39] The Crisis of Zionism (New York: Times Books, 2012).

[40] Efraim Karsh/Rory Miller: Did Edward Said Really Speak Truth to Power? Middle East Quarterly, Vol. 15, No. 1 (Winter 2008), S. 13-21.

[41] Michael Kennedy:rewriting History. Inquirer Magazine, 1. Feb. 1998, S. 12.

[42] So gab z.B. Benny (von der Ben-Gurion Universität in Beersheva) zu, dass er beim Schreiben von Birth of the Palestinian Refugee Problem (1987) „keinen Zugang zu“ den umfangreichen Dokumenten in den Archiven der konkreten israelischen Institutionen hatte – an anderer Stelle sagte er, er sei sich ihrer „nicht bewusst gewesen“ -, deren Handeln 1948 die Last seiner Anklage bildeten: Die Untergrundorganisation Haganah und die israelischen Verteidigungskräfte (IDF). S. Morris: Revisiting the Palestinian Exodus of 1948. In: Eugene Rogan/Avi Shlaim: The War for Palestine: Rewriting the History of 1948 (Cambridge: Cambridge University Press, 2001), S. 37.

[43] Norman G. Finkelstein: The Holocaust Industry (London: Verso, 2003).

UNESCO nutzt moralischen Relativismus durch Förderung antiisraelischer Einseitigkeit

Manfred Gerstenfeld und Jamie Berk (direkt von den Autoren)

Argumentationen, die „moralischen Relativismus“ oder die unmoralische Behauptung verwenden, „die Wahrheit oder Rechtfertigung moralischer Wertungen ist nicht absolut, sondern relativ zu den moralischen Standards einer Person oder Gruppe“[1], werden oft auf schädigende Weise gegen Israel eingesetzt. Die Vereinten Nationen sind dabei ein bedeutender Schuldiger und dieses Mittel wird regelmäßig unter ihrer Schirmherrschaft eingesetzt.

In einem früheren Artikel haben wir die regelmäßige Verwendung von moralischem Relativismus durch den UNO-Menschenrechtsrat (UNHRC) gezeigt.[2] Dieses auf „unterschiedlichen Wertkriterien für unterschiedliche Völker“ gegründete Missbrauchsinstrument wird auch von einer anderen UNO-Organisation regelmäßig gegen Israel eingesetzt: der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO).

Die UNESCO wurde 1945 mit dem Ziel gegründet, „auf den festen, von zwei Weltkriegen innerhalb von weniger als einer Generation geformten Glauben der Nationen zu antworten, dass politische und wirtschaftliche Abkommen nicht ausreichen, um einen dauerhaften Frieden aufzubauen. Frieden muss auf der Grundlage der moralischen und intellektuellen Solidarität der Menschheit aufgebaut werden.“[3]

Israel ist seit 1999 ein aktives und gefügiges Mitglied der UNESCO gewesen. Es hat jetzt neun Welterbe-Stätten und achtzehn vorläufige Orte, die auf die Anerkennung warten.[4] Trotzdem hat die UNESCO Israel ständig attackiert. Der Beschuldigungen der Organisation betreffen nicht nur das, was sie fälschlich als israelische Bedrohungen kultureller Wahrzeichen bezeichnet, sondern auch, dass sie jüdische Ansprüche auf Erbe in Israel in Frage stellt.

2012 weihte die UNESCO einen von ihr gestifteten Lehrstuhl für Astronomie, Astrophysik und Weltraumwissenschaften an der Islamischen Universität von Gaza ein. Die Institution beschäftigt zahlreiche Hamas-Ingenieure, die dafür bekannt sind Sprengstoff und Bomben für den Einsatz gegen israelische Zivilisten zu bauen. Nach Angaben eines ranghohen Vertreters des israelischen Außenministeriums wurde diese Stiftung akademischer Aktivitäten innerhalb eines terroristischen Umfelds ohne jegliche vorherige Untersuchung des Tuns der Universität verkündet. Bei der Eröffnung von der UNESCO gestifteter ähnlicher Lehrstühle am Technion und dem Interdisciplinary Center Herzliyah (IDC) wurden jedoch „mit einer Lupe geprüft“.[5]

Eine übliche Verwendung von moralischem Relativismus durch die UNESCO ist ihr harsches Urteil darüber, wie Israel heilige Stätten verwaltet. Die Organisation hat zudem die Legitimität jüdischer Ansprüche auf diese Stätten bestritten. An die arabische Welt sind von der UNESCO keine dem nahe kommenden Maßstäbe angelegt worden.

2014 waren die UNESCO und das Simon Wiesenthal Center Partner bei der Präsentation einer Ausstellung im Hauptsitz der UNESCO in Paris; sie trug den Titel „Volk, Buch, Land – die 3.500 Jahre Beziehung des jüdischen Volks zum Heiligen Land“. Ihr Text wurde vom kürzlich verstorbenen Robert Wistrich verfasst, einem führenden Antisemitismus-Wissenschaftler.

Die auf Januar 2014 festgesetzte Eröffnung der Ausstellung wurde von der UNESCO aufgrund von Druck der 22 UNO-Mitgliedsstaaten, die den arabischen Block bilden, verschoben. Sie erfanden eine absurde und lachhafte Argumentation – sie erklärten „besorgt zu sein, dass die geplante Ausstellung sich negativ auf den Friedensprozess und die aktuell laufenden Verhandlungen im Nahen Osten auswirken könnten“.[6] Vielleicht um eine direkte Konfrontation mit ihrem Antiisraelismus zu vermeiden diskutierte die die Verschiebung der Ausstellung ankündigende offizielle Erklärung der UNESCO ihre verschiedene Aktivitäten zur Holocaust-Bildung und zum Erhalt des Jiddischen ihrer Geldgeber. Sie erwähnte keinerlei Aktivitäten der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft mit israelischer Beteiligung.[7] Die Ausstellung wurde schließlich im Juni 2014 eröffnet, zum Teil wegen der Proteste der Regierungen der USA, Israels, Frankreichs und Kanadas.[8] Im Mai 2015 blieben die Aussichten auf Frieden anscheinend unversehrt, als der palästinensische Zweig der UNESCO Gastgeber eines Workshops zum Entwurf des „palästinensischen Gesetzes zur Sicherung des immateriellen kulturellen Erbes“ war.[9]

Die UNESCO wandte außerdem bei ihrer im Juli 2015 veröffentlichten Verurteilung Israels scharfe Maßstäbe an. Sie behauptete, Israel schädige den Tempelberg durch „illegale Ausgrabungen“. Sie nannte den Platz vor der Westmauer zudem den „Buraq-Platz“.[10] Die Wahrheit ist, dass die für die Verwaltung des Tempelbergs zuständige muslimische Behörde Waqf die Stätte seit Jahrzehnten schädigt, mit schlecht geplanten archäologischen Untersuchungen und Versuchen jegliche Beweise jüdischen Erbes vom Ort zu entfernen. Es hat seitens der UNESCO keine Verurteilung dieser fortgesetzten Zerstörung von Altertümern gegeben.[11]

Dieselbe Äußerung der UNESCO behauptete, der Bau der Jerusalemer Straßenbahn zerstöre die „visuelle Integrität der Altstadt“.[12] Das war Unsinn, da die Straßenbahn nicht in der Altstadt fährt.

Die Zerstörung der antiken Stadt Nimrod im März 2015 durch die Bewegung Islamischer Staat war eine der auffälligsten Taten der letzten Jahre gegen ein Weltkulturerbe. Die UNESCO verurteilte den Vorfall in einer von ihrer Generaldirektorin Irina Bokova veröffentlichten Äußerung; sie erklärte: „Ich appelliere auch an alle kulturellen Institutionen, Museen, Journalisten, Professoren und Wissenschaftler die Bedeutung dieses Erbes und der mesopotamischen Zivilisation zu erklären… Auf dem Spiel steht das Überleben der irakischen Kultur und Gesellschaft.“[13]

Der Fall Nimrod scheint darauf hinzuweisen, dass nach Angaben der UNESCO Artefakte und Archäologie nicht islamischer antiker Völker und Religionen von großer Wichtigkeit sind und geschützt werden müssen. In ihrer Erklärung zu den heiligen Stätten in Jerusalem jedoch verweist die UNESCO nicht auf die Bedeutung der Altstadt für das Judentum und die Christenheit.[14] Sie behauptet, dass die angeblich stattfindenden Aktivitäten eine Bedrohung des Islam sind.

Die UNESCO unterscheidet sich von der UNO-Vollversammlung oder dem UNHRC darin, dass sie als unabhängige Organisation agiert. Damit kann ihr Handeln nicht von der dominanten arabischen Stimme diktiert werden. Die UNESCO ist aber beständig den Behauptungen der arabischen Welt gefolgt. Sie operiert in Widerspruch zu ihren Gründungsprinzipien zu moralischer und intellektueller Solidarität und der Zusammenarbeit unter den Nationen. Sie unterstützt den Schutz nichtmuslimischen Kulturerbes innerhalb Israels nicht, obwohl das Land die einzige Demokratie des Nahen Ostens und ein bereitwilliger Partner der UNESCO ist. Stattdessen nutzt die Organisation Israel als Bauernopfer zur Beschwichtigung der arabischen Welt.

Die UNESCO wendet gegenüber Israel nicht nur zweierlei Maß an, sie trifft die bewusste Entscheidung den Terroristen Vorrang einzuräumen und verweigert dem jüdischen Volk sein unveräußerliches Recht an seiner Heimat.

[1] Moral Relativism. Stanford Encyclopedia of Philosophy, Stanford University 2015.

[2] Manfred Gerstenfeld/Jamie Berk: The UN Human Rights Councils and Moral Relativism. Israel National News, 31. Juli 2015.

[3] UNESCO: Introducing UNESCO.

[4] UNESCO: Israel

[5] Barak Ravid: Israel furious at UNESCO decision to back science chair at Islamic University of Gaza. Ha’aretz, 12 July 2012.

[6] Information regarding the planned exhibition. People, Book, Land – The 3,500 Year Relationship of the Jewish People to the Holy Land, UNESCO, 17. Januar 2014.

[7] ebenda.

[8] UNESCO to SWC: “Exhibition will Open June 11, 2014” – Major Victory over Arab Group at UNESCO. Simon Wiesenthal Center.

[9] Workshop on the final revision of the draft “Palestinian Law on the Safeguarding of Intangible Cultural Heritage”. 18. Mai 2015.

[10] Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage. UNESCO, 28. Juni-8. Juli 2015.

[11] Mark Ami-El: The Destruction of the Temple Mount Antiquities. The Jerusalem Center for Public Affairs, 1. August 2002.

[12] Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage. UNESCO, 28. Juni-8 Juli 2015.

[13] UNESCO Director General condemns destruction of Nimrud in Iraq. UNESCO, 6. März 2015.

[14] Herb Keinon: Israel slams UNESCO for ignoring Jewish, and Christian, connection to Jerusalem. The Jerusalem Post, 7. Juli 2015.

UNRWA-Bericht zu Säuglingssterblichkeit stark fehlerhaft

UNO-Organisation in Gaza stellt eine unzuverlässige wissenschaftliche Studie falsch als Fakten vor Ort dar, stellt Blog fest

Tova Dvorin, Israel National News, 10. August 2015

UNRWA-Zentrale in Gaza

Der jüngste Bericht der United Nations Relief and Works Agency (UNRWA) zur Säuglingssterblichkeit im Gazastreifen stellt eine wissenschaftliche zum Thema falsch dar, deckte der Blog Israellycool am Sonntag auf – und gab diesen Bericht an verschiedene internationale Nachrichtenagenturen weiter.

UNRWA schickte mit der Studie eine Presseerklärung an wichtige Nachrichtenagenturen und behaupteten, die Säuglingssterblichkeit im Gazastreifen im Steigen begriffen ist; mehrere der Agenturen veröffentlichten die Presseerklärung unverzüglich.

Wie Israellycool feststellt, gibt es aber mehrere klaffende Mängel der Studie:

  • Während die UNRWA angibt, die Studie untersuche Fakten vor Ort im Gazastreifen in großem Umfang, erklärt das das wissenschaftliche Dokument selbst, dass es nur von einer sehr spezifischen Teilmenge spricht: Mütter mit zwei lebenden Kindern, die sich in UNRWA-Gesundheitszentren meldeten.
  • Die Zahl der befragten Zielpersonen ist so niedrig, dass der Aufsatz selbst am Ende zugibt, dass zwar eine geringfügige Zunahme bei der Säuglingssterblichkeitsrate gibt, aber „die Säuglingssterblichkeitsrate in tatsächlich stabil sein oder weiter sinken könnte“.
  • Darüber hinaus, so stellt der Blog heraus, ist die Zahl der Befragten so niedrig, dass der P-Wert – die Wahrscheinlichkeit, dass genau dasselbe Ergebnis durch Zufall entsteht – bei riesigen 0.61 oder 61% liegt. Es heißt, dass Statistiker jede Studie mit eine P-Wert über 0,05 (5%) als zu schwach einstufen, als dass man sie für zuverlässig halten kann.
  • Das Magazin, in der die Studie veröffentlicht wurde, ist ein Online-Magazin mit offenem Zugang, das allem Anschein nach alle Aufsätze annimmt und sie dann einer Peer-Review unterzieht – eine Praxis, durch die gewöhnlich ein solches Magazin als zu unzuverlässige Quelle betrachtet wird, als dass man sie in einem seriösen akademischen Kontext nutzen kann.

Arutz 7 fragte bei UNRWA-Sprecher Chris Gunness wegen der Befunde an, hat aber bisher keine Antwort erhalten.

UNO kommentiert die Ermordung Unschuldiger: Itamar und Duma

First One Through, 2. August 2015

Dem Nahe Osten sind Anschläge auf unschuldige Menschen leider nicht fremd. Im Juli 2015 tötete ein Brandanschlag auf das Haus palästinensischer Araber in der Stadt Duma ein 18 Monate altes Kleinkind. Nur 24km entfernt, in der Stadt Itamar, erstachen zwei palästinensische Araber im März 2011 fünf Mitglieder einer Familie in ihren Betten.

Unschuldigen das Leben zu nehmen ist etwas Schreckliches. Es ist auch traurig die völlig unterschiedlichen Reaktionen von Weltgremien auf die beiden Ereignisse zu sehen. Hier ist die Presseveröffentlichung der UNO zu den vorsätzlichen Morden an fünf israelischen Juden und die Presseveröffentlichung vom Juli 2015 zum Brandanschlag, der das Leben eines palästinensischen Arabers fordert. Ein kurzer Vergleich:

Vorsätzlicher Mord an 5 israelischen Juden Brandanschlag, der das Leben eines palästinensischen Arabers forderte
Artikellänge in Worten 220 422
Anschlag als „Terrorismus“ bezeichnet nie dreimal
Schuldzuweisung nicht an Araber oder Muslime „jüdische Extremisten“
weiter erwähnte Anschläge keine Erwähnung wiederholter Anschläge von Palästinensern auf Israelis diskutierte „wiederholte Gewalttaten von Siedlern
Kommentar zur Führung „heißt die starke Verurteilung … von Präsident Abbas willkommen“ keine Begrüßung der Verurteilung durch Netanyahu Netanyahu wird für eine Vielzahl an Dingen verantwortlich gemacht, darunter den Abriss von palästinensischen Häusern und die Siedlungspolitik.
Ursache des Anschlags wird nicht diskutiert „Israels illegale Siedlungspolitik“

#JewishLivesMatter

Die fortgesetzten unverhältnismäßigen Angriffe der Vereinten Nationen auf nur eine Seite im israelisch-palästinensischen Konflikt wird die UNO als Faktor bei der Erzielung einer langfristigen Lösung in der Region marginalisieren.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon (Foto: AP/Gary Cameron)

Warum wird die UNO immer noch ernst genommen?

Judith Bergman, Israel HaYom, 17. Juli 2015

Seit 1982 findet sich die Altstadt von Jerusalem kurioserweise auf der Liste des gefährdeten Welterbes der UNESCO wieder. Eines der Hauptziele der UNO-Organisation ist der „Aufbau interkulturellen Verständnisses durch Schutz von Erbe und Unterstützung von kultureller Vielfalt“.

Die Altstadt von Jerusalem wurde 2982 auf Veranlassung Jordaniens auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt. Das an sich war, wie die USA damals betonten, eine kontroverse Entscheidung, da das fragliche Eigentum (in diesem Fall die Altstadt) sich auf dem Gebiet des vorschlagenden Staates befinden muss – so die Vereinbarung zum Schutz des Weltkultur- und Weltnaturerbes der UNESCO.

Die größte Ironie der Nominierung der Altstadt durch Jordanien hätte viele weitere Länder die Begründung Jordaniens damals infrage stellen lassen sollen. Während seiner Besetzung der Altstadt Jerusalems von 1948 bis 1967 richtete Jordanien verheerenden Schaden dort an, dessen Ausmaß erst bekannt wurde, nachdem Israel sie während des Sechstage-Kriegs zurückeroberte. In der Altstadt hatte es 35 Synagogen gegeben, aber Jordanien hatte bis auf eine aller zerstört. Sie waren als Stallungen und Hühnerställe benutzt und mit Müll, Misthaufen und Tierkadavern gefllt worden. Darüber hinaus waren Grabsteine vom Friedhof auf dem Ölberg geschändet und zerschlagen worden; man hatte sich als Baumaterial benutzt. Hundert Thora-Rollen und Tausende heilige Bücher wurden zerstört. So viel also zu Jordaniens Sorge um Jerusalems Welterbe.

Auf der jüngst in Deutschland abgehaltenen 39. Sitzung der Welterbe-Kommission, die am 8 Juli beendet wurde, wurde eine neue Resolution zur Altstadt von Jerusalem verabschiedete, in der es hieß Jerusalem solle auf der Liste verbleiben. Das Komitee stimmte mit 13 zu 2 (bei fünf Enthaltungen) dafür.

Angesichts des originellen Hintergrunds der mehr als dubiosen Aufnahme der Altstadt auf die Liste der UNESCO sollte der fortgesetzte Verbleib dort nicht irgendwie ernst genommen, sondern als Fortsetzung des politischen Kriegs der arabischen Staaten gegen Israel unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen betrachtet werden. Gewiss, die Resolution dieses Jahres wurde von Algerien, dem Libanon und Qatar eingebracht, die Israel beschuldigen „die islamischen heiligen Stätten zu beschädigen“, was sich auf den Tempelberg als nur „muslimische heilige Stätte“ bezieht. Gleichermaßen wird der Platz vor der Westmauer nur mit seinem muslimischen Namen, den „Buraq-Platz“ erwähnt. Nach Angaben dieser Resolution haben die Juden also keinen Platz in ihrer eigenen Hauptstadt.

Die Resolution wurde als so wichtig betrachte, dass sie an der Spitze der Tagesordnung des Komitees stand, noch vor den Stätten, die in Syrien unmittelbar vor der Zerstörung stehen.

Die UNESCO soll eine unpolitische Organisation sein. Doch das hält sie nicht davon ab fleißig gegen Israel zu arbeiten. Während der zweiten Intifada, im Jahr 2000, war die UNESCO gespenstisch still, als Palästinenser skrupellos das Josephsgrab, eine wichtige heilige Stätte der Juden, und alles darin zerstörten, einschließlich Thora-Rollen und weiterer heiliger Bücher. 2009 ernannte die UNESCO zusammen mit der Arabischen Liga Jerusalem zur arabischen „Kulturhauptstadt“. 2010 stufte die UNEWCO das Rahelgrab als „muslimische Moschee“ ein und kritisierten Israels Entscheidung sowohl dieses als auch die Patriarchenhöhle in Hebron auf seine Liste der Stätten nationalen Erbes zu setzen. Darüber hinaus machte die UNESCO klar, dass sie beide Stätten als palästinensisch betrachtet. Das Rahlegrab ist der drittheiligste Ort des Judentums und eine jüdische Pilgerstätte. Es bedeutete der UNESCO nichts, dass das Rahelgrab nie einem Moschee gewesen ist. Einzig die USA stimmten gegen diese absurde Entscheidung.

Der Jüdische Weltkongress schrieb der UNESCO damals und betonte, dass „die Ursprünge wichtiger jüdischer religiöser und historischer Orte zu, an denen Juden seit Jahrtausenden beteten, zu politisieren und zu fälschen im Widerspruch zur wichtigen Rolle der UNESCO stehen, die gegründet wurde, um heilige Erbestätten überall in der Welt zu bewahren und zu schützen. Dem jüdischen Volk das biblische Erbe des Rahelgrabs und der Patriarchenhöhle zu verweigern bedeutet ihm seine Geschichte zu verweigern.“

Trotzdem arbeitet die UNESCO unermüdlich daran das zu rechtfertigen und Israel als den Usurpartor arabischen Landes hinzustellen, um zu beweisen, dass die Juden nicht das einheimische Volk des Staates Israel sind. Es handelt sich um einen hinterhältigen und bösartigen Prozess, der aber nicht mit der Aufnahme der Altstadt auf die Liste des gefährdeten Welterbes begann. Schon 1974 stimmte die UNESCO dafür „Unterstützung von Israel im Bereich der Bildung, Wissenschaft und Kultur zu verweigern, weil Israel hartnäckig die Charakterzüge Jerusalems verändert“. Interessanterweise hatte die UNESCO während Jordaniens 20-jähriger Herrschaft kein Interesse an der Altstadt gezeigt.

Was uns zu der Frage bringt, welche aktuelle Bedeutung die UNESCO in der Praxis spielt, vor Ort, wo es wirklich zählt. Im März 2001, noch vor dem 9/11, stand die Welt daneben und sah zu, während die Taliban zwei unschätzbare Buddha-Statuen des 6. Jahrhunderts in der Stadt Bamiyan in der Region Hazarajat in Afghanistan sprengten. Die UNESCO rettete diese Statuen nicht und vergoss anscheinend sehr wenige Tränen darüber.

Gleichermaßen hatte die UNESCO keine Eile die unschätzbaren archäologischen und kulturellen Artefakte zu retten, die in Syrien und dem Irak zerstört werden.

Wie alle anderen UNO-Instanzen ist die UNESCO nicht da, um sich um die Interessen zu kümmern, für deren Schutz sie eigentlich gegründet wurde. Unglücklicherweise ist die UNO ein Mittel in den Händen derselben Art totalitärer Kräfte geworden, gegen die sie als Bollwerk dienen sollte. Die entsprechende Frage, die eine Antwort verdient, lautet daher also: Warum nimmt irgendjemand immer noch irgendetwas ernst, das die UNO sagt oder tut?

Ein Vorfall, den Amnesty in seiner „Gaza Platform“ nicht berichten wird

Elder of Ziyon, 22. Juli 2015

Wie wir gesehen haben kopiert Amnesty sklavisch jeden Vorfall, der in der Tageszeitung Al-Mezan und den Berichten von PCHR über den Krieg vom letzten Sommer berichtet wird, einschließlich falscher spontaner Beurteilungen ob die Opfer Zivilisten waren; dem fügen sie oft falsche Informationen in ihrer Datenbank hinzu, um Israel zu verdammen.

Tatsächlich wurde ein heutiger Tweet über einen Vorfall, bei dem jeder Israel beschuldigte in ein Krankenhaus geschossen zu haben, in dieser Datenbank zweimal gezählt; in Amnestys Datenbank, mit der sie israelische „Kriegsverbrechen“ beweisen wollen, wurden diese Menschen also mehr als einmal als Opfer gezählt (Vorfall IDs: 2422 und 2345).

UPDATE:

Sie versäumen es außerdem zu erwähnen, dass nicht das Krankenhaus das Ziel war, sondern ein Lager Panzerbekämpfungs-Flugkörper, die die Hamas in der Nähe versteckt hatte – und die die Ursache der Schäden sein könnten.

Aber hier ist ein von PCHR berichteter Vorfall, den Amnesty nicht erwähnte und der sowohl PCHRs als auch Amnesty Einseitigkeit zeigt

Etwa um 16:45 Uhr am Montag, 28. Juli 2014 schlug ein Projektiv nahe einer Reihe palästinensischer Kinder ein, die im nördlichen Teil des Flüchtlingslagers Al-Shati, westliche von Gaza Stadt spielten und das Fest Id Al-Futur feierten. Dadurch wurden 10 Kinder und ein alter Mann, der gerade vorbeiging, getötet: Yousef ‘Abdul Rahman Hassouna (11) Mahmoud Hazem Shubair (12), Ahmed Hazem Shubair (10), Jamal Saleh ‘Olayan (8), Baraa’ Akram Miqdad (7), Mohammed Nahidh Miqdad (13), Mohammed Mahmoud Abu Shaqfa (7), Mohammed ‘Emad Baroud (10), Ahmed Jaberr Wishah (10), Mansour Rami Hajjaj (14) und Subhi ‘Awadh al-Hilu (63). Eine Außendienstlerin von PCHR kam 20 Minuten nach dem Vorfall vor Ort an, als Krankenwagen die Evakuierung der Verletzten und der Leichen der Opfer beendete. Sie berichtete, dass das Projektil auf der Straße vor einem Lebensmittelladen einschlug, wo eine Reihe Kinder spielten. Sie berichtete weiter, dass die hohe Zahl der Opfer und die umfangreichen Schäden in dem Bereich unterscheiden sich nicht vom Ergebnis israelischer Angriffe aus den letzten Tagen.

Natürlich war es eine Rakete des Islamischen Jihad, die diese Kinder tötete.

So räumt der Davis-Bericht ein:

Die Kommission erhielt Informationen von NGOs, die Recherche vor Ort durchführen, sowie von einer UNO-Quelle, die Informationen sammelte, die darauf hindeuten, dass die Explosion von einer fehlgeschossenen palästinensischen Rakete herrührte. Jemand von ihnen inspizierte die Stelle nach dem Angriff und kam zu dem Schluss, dass die Folgen der Explosion auf dem Boden nicht von einer israelischen Raketen oder Artilleriegranate verursacht sein konnte; die NGO deutete zudem an, dass Augenzeugen berichteten, sie hätten unmittelbar nach dem Angriff Rettungsteams gesehen, deren Mitglieder nicht die Verwundeten einsammelten, sondern die Überreste der Waffen einsammelten und räumten. Zusätzlich deuteten zwei Journalisten, die mit der Kommission sprachen, ebenfalls an ,dass die Angriffe von fehlgeschossenen palästinensischen Raketen verursacht wurden. Einer von ihnen sagte, dass Hamas-Mitglieder sofort nach dem Vorfall an die Stelle gingen und die Trümmer wegräumten. Der andere sagte, er sei von den örtlichen Behörden daran gehindert worden an den Angriffsort zu gehen.

Die Kommission stellte fest, dass es glaubwürdige Informationen gibt, die auf den Schluss deuten, dass eine fehlgeschossene palästinensische Rakete die Quelle dieser Explosion war. Angesichts der Schwere des Falls, bei dem 11 Kinder und 2 Erwachsene an einem mit Zivilisten gedrängt vollen Platz getötet wurden, sowie den Vorwürfen, die örtlichen Behörden könnten versucht haben die Beweise für die Ursache des Vorfalls zu verstecken, sollten alle betreffenden palästinensischen Behörden eine gründliche Untersuchung des Falls durchführen, um die Herkunft und Umstände des Angriffs festzustellen.

Also muss dieser Vorfall, bei dem 11 Kinder im Gazastreifen während des Kriegs getötet wurden, natürlich aus der Gaza Platform genommen werden – aber ihr Tod fördert Amnestys Ziel der Diffamierung Israels nicht.