The War of a Million Cuts – Kapitel 8: Christliche Hetzer – römische Katholiken

Die Analyse der aktuellen Dämonisierung Israels durch christliche Organisationen, Prediger und Einzelpersonen ist eine komplexe Sache. Verschiedene Faktoren tragen zu dieser Komplexität bei. Einer ist die lange andauernde Geschichte des christlichen Antisemitismus. Ein zweiter ist die riesige Zahl an Christen, wobei die Christenheit in viele Denominationen zersplittert ist. Ein dritter ist das Fehlen systematischer Beobachtung des christlichen Antisemitismus und Antiisraelismus. Man kann dem Thema in diesem Kapitel und dem nächsten nicht gerecht werden; dazu wäre ein gesamtes Buch nötig. Daher wird nur eine Reihe wichtiger Aspekte diskutiert.

Viele Jahrhunderte lang war die christliche Dämonisierung der Juden der Haupttenor des europäischen Antisemitismus. Selbst heute ist das Hassmotiv, die Juden seien für die Tötung Jesu verantwortlich, weit verbreitet, wie die schon zitierten Statistiken gezeigt haben. Zahlreiche Überbleibsel christlichen Antisemitismus sind in vielen Denominationen dieser Religion zu finden; neue Elemente antiisraelischen Hass-Schürens kommen hinzu.

Das Christentum durchdringt die europäische Gesellschaft seit vielen Jahrhunderten mit Antisemitismus. Zahlreiche führende Persönlichkeiten und andere innerhalb der Kirchenbewegungen verbreiteten Judenhass. Die hauptsächliche Hass-Botschaft unter vielen anderen war die Gottesmord-Anschuldigung. Verbreitet wurde sie durch Predigt und religiöse Bildung. Christliche Intellektuelle brachten zudem über Lehre in dortigen Kirchen und europäischen Schulen europäische Arten des Antisemitismus in den Nahen Osten.[1]

Meir Litvak, ein Experte für arabischen Antisemitismus, sagte:

Der europäische Antisemitismus wurde von christlichen Intellektuellen in den Nahen Osten gebracht, die in Kirchen und europäischen Schulen lehrten. Christen initiierten den Ritualmordvorwurf 1840 in Damaskus, indem Juden beschuldigt wurden einen Kapuziner-Mönch ermordet und sein Blut für rituelle Zwecke genutzt zu haben. Die lokale Herrschaft unter Mohammed Ali – der für die Türken über Ägypten herrschte – verhaftete mehrere jüdische Gemeindeleiter. Als sie gefoltert wurden, gestanden zwei von ihnen ein Verbrechen, das sie nicht begangen hatten. Dennoch wurden sie unter dem Druck der europäischen Mächte freigelassen.[2]

Historisch unterschied sich der Schweregrad der antisemitischen Propaganda bei verschiedenen christlichen Gesellschaften. Der Katholizismus spielte im Verlauf der Jahrhunderte eine wichtige Rolle bei der massiven Dämonisierung von Juden. Doch es gibt auch tiefe Wurzeln in Teilen des protestantischen Antisemitismus. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Reformator Martin Luther. Enttäuscht von der Tatsache, dass die Juden sich nicht bekehren wollten, schrieb er ein extrem antisemitisches Buch über „Die Juden und ihre Lügen“. Luther nannte sie „lebende Teufel“ und empfahl Synagogen zu Ehren Gottes und der Christenheit anzuzünden.[3]

Die langjährige Verbreitung dieser extremen Abscheu gegenüber den Juden durch viele christliche Kirchen machte den Hass nicht nur sehr mächtig, sondern ließ ihn auch andauern. Diese Kirchen definierten weiterhin das absolut Böse in theologischen Begriffen; sie suggerierten, weil viele Dutzende Generationen zuvor einige Vorfahren der Juden angeblich Gottes Sohn getötet hatten – eine falsche Anschuldigung – seien Juden zu allem denkbar Bösen fähig. Sie erklärten zudem nicht, wie Jesus, wenn er Gotts Sohn sei, gegen seinen Willen getötet werden konnte. Hatte man erst einmal fälschlich Menschen beschuldigt Satans Repräsentanten auf Erden zu sein, war es leicht sie als Sündenböcke für viele Katastrophen verantwortlich zu machen, mit denen sie nichts zu tun hatten.

Die von Katholizismus, Luthertum und so weiter gelegte Infrastruktur nährte einen großen Teil der europäischen Denkweise, die später den Holocaust möglich machte. Europäische nationalistische Bewegungen des 19. Jahrhunderts übernahmen dieselben Kernmotive der ultimativen Boshaftigkeit der Juden. Hand in Hand mit der religiösen Variante entwickelte sich der ethnische Antisemitismus zu einer zweiten wichtigen Form des extremen Judenhasses. Der deutsche und österreichische Nationalsozialismus führte zusammen mit seinen vielen Anhängern andernorts dieses antisemitische Weltbild zu seinem völkermörderischen Ergebnis.

Weitere Gründe dafür, dass Juden Christen hassen?

Da mächtige Institutionen und Eliten Hassideen über einen sehr langen Zeitraum propagieren, wurden sie zu einem integralen Bestandteil der Kulturen. In den 1960-er Jahren analysiert James Parkes den Konflikt zwischen Christen und Juden während der ersten acht Jahrhunderte der christlichen Ära. In Bezug auf diese Periode schloss er: „Es gab weit mehr Gründe für die Juden die Christen zu hassen als für die Christen die Juden zu hassen – und das nur gemäß christlicher Quellen.“

Parkes kam zudem zu dem Schluss, dass das christlich-theologische Konzept der ersten drei Jahrhunderte die Grundlagen für den Hass schuf, in denen ein „entsetzlicher Überbau“ erstellt wurde. Die ersten Steine dafür wurden „genau in dem Moment gelegt, als die Kirche die Macht hatte dies zu tun, mit der Gesetzgebung Konstantins und seiner Nachfolger“.

Bezüglich des modernen Antisemitismus machte Parkes geltend: „Wenn aufgrund so sorgfältiger Vorbereitung moderne Antisemiten eine Struktur der Rassen- und Wirtschaftspropaganda herangebildet haben, bleibt die volle Verantwortung immer noch bei denen, die den Boden bereiteten, die Deformation des Volks schufen und so diese Unfähigkeiten glaubwürdig machten.“[4]

Veränderung in der katholischen Kirche

Die katholische Kirche änderte ihre Einstellung gegenüber den Juden 1965mit der Erklärung Nostra Aetate von Papst Paul VI. beim Zweiten Vatikanischen Konzil.[5] Wistrich kommentierte:

Beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) wurde der Vorwurf des Gottesmordes vom jüdischen Volk als Ganzem fortgenommen. Das dies verkörpernde Dokument Nostra Aetate wurde 1965 unter dem Pontifikat von Paul VI. veröffentlicht, der bezüglich dieser Fragen lauwärmer war als sein Vorgänger. Das Dokument, das Johannes XXIII, und Kardinal Bea ursprünglich haben wollten, war von konservativeren Kreisen innerhalb der Kirche beträchtlich verwässert.

Nostra Aetate war keine völlige Schuldbefreiung der Juden. Sie besagte, dass die Schuld für den Tod Jesu der jüdischen Führung von vor zweitausend Jahren gehört, aber nicht bis zum jüdischen Volk von heute durchwirkt. Trotzdem ist sie ein entscheidendes Instrument im Kampf gegen katholischen Antisemitismus gewesen. Diese Art von Antisemitismus war immerhin die machtvollste und weitgehendste oder durchgängigste Form der Feindschaft gegenüber den Juden, zumindest vor den russischen Pogromen und dem Nazi-Massenmord an den Juden im zwanzigsten Jahrhundert.[6]

Aharon Lopez, ehemaliger Botschafter beim Vatikan, fasste die von Nostra Aetate vorgenommenen Veränderungen zusammen:

Dieser Text beseitigte die Kollektivschuld der Juden für die Kreuzigung Jesu und erklärte, dass „Juden Gott besonders am Herzen liegen“ und dass „das große spirituelle väterliche Erbe von Christen und Juden geteilt werde“. Hass auf Juden wurde somit unvereinbar mit der formalen Kirchendoktrin.

Bis dahin hatte die Kirchendoktrin behauptet, Gott habe wegen Jesu Hinrichtung den Bund vom Volk Israel genommen und auf die Kirche übertragen, das „wahre Israel“ (Verus Israel). Heute akzeptiert die Kirche einen andauernden Bund zwischen Gott und dem jüdischen Volk, was einen großen theologischen Durchbruch in der Beziehung zu ihm bedeutete.

Veränderungen setzen sich in einer riesigen Organisation wie der katholischen Kirche jedoch nur langsam durch. Lopez merkte an: „Die große Wende auf den höchsten Ebenen muss noch die ganze Kirche durchdringen, die ziemlich umfänglich ist… Es bleibt jedoch für die Kirche schwierig ihre 2.000 Jahre alte geschichtliche Position umzukehren. Das könnte ein oder zwei weitere Generationen dauern.“[7]

Fast fünfzig Jahre nach der Erklärung Nostra Aetate besteht katholischer Antisemitismus vielerorts fort. Der Vatikan und viele ranghohe katholische Leiter versuchen ihn zu bekämpfen, aber dabei konzentrieren sie sich nicht unbedingt auf die schwersten Fälle.

Vorurteile treten wieder auf

Von Zeit zu Zeit treten selbst bei vom Vatikan gesponserten Veranstaltungen die alten Vorurteile in verschiedener Form wieder auf. Im Oktober 2010 fand im Vatikan eine Bischofssynode des Nahen Ostens statt. 185 Bischöfe und Patriarchen mit vollem Stimmrecht nahmen teil, die die zurückgehende Zahl der Katholiken im Nahen Osten vertraten. Im den Beziehungen zu den Juden gewidmeten Bereich sagte die Synode in ihrer Abschlusserklärung: „Der Rückgriff auf theologische und biblische Positionen, die das Wort Gottes so falsch verwenden, um Ungerechtigkeiten zu rechtfertigen, ist nicht akzeptabel.“

Danach sagte der melkitische Bischof Cyrille S. Bustros aus den Vereinigten Staaten, der an der Konferenz teilnahm: „Für uns Christen kann man dem jüdischen Volk gegenüber nicht länger von einem gelobten Land sprechen.“ Er fügte an, dass das Kommen Christi zeige, dass Juden „nicht länger das auserwählte Volk sind; alle Männer und Frauen aller Länder sind das auserwählte Volk.“ Er merkte zudem an, dass das Thema des Gelobten Landes nicht verwendet werden kann, „um die Rückkehr der Juden nach Israel und die Verbannung der Palästinenser zu rechtfertigen“.[8]

Der stellvertretende israelische Außenminister Danny Ayalon wurde zitiert, die Synode sei ein „Forum für politische Attacken auf Israel in der besten Tradition der arabischen Propaganda“ geworden. Er fügte hinzu, dass die Synode von einer antiisraelischen Mehrheit gekapert worden war.

Rabbi David Rosen, Direktor für interreligiöse Angelegenheiten für das American Jewish Committee, war der einzige jüdische Repräsentant, der zur Synode sprach. Er sagte, es sei „erschreckend, dass die Bischöfe in ihrer Abschlusserklärung … nicht den Mut hatten die Herausforderungen der Intoleranz und des Extremismus in den muslimischen Ländern anzugehen, in denen sie leben und sich lieber dafür entscheiden den israelisch-palästinensisch Konflikt in ihren Fokus zu stellen.“ Er fügte hinzu, dass Bischof Bustros‘ Erklärung „entweder schockierende Ignoranz oder Insubordination in Bezug auf die Lehre der katholischen Kirche zu Juden und dem Judentum spiegelt, die aus der Erklärung ‚Nostra Aetate‘ des Zweiten Vatikanischen Konzils strömen“.

Mordechai Lewy, israelischer Botschafter beim Vatikan, sagte über Bischof Bustros‘ Äußerungen: „Der Vatikan sollte sich deutlich von ihnen distanzieren, denn das wird jedem Juden einen Grund geben Verständigung mit der katholischen Kirche verdächtig zu finden.“ Er fügte hinzu, dass er in mehreren Punkten der Abschlussbotschaft der Synode widerspricht und stellte fest: „Die israelische Regierung nutzt nicht die Bibel, um unsere politischen Grenzen festzulegen.“[9]

Vater Lombardi, Sprecher des Vatikan, reagierte auf die jüdische Kritik eher undurchsichtig: „Es gibt einen großen Reichtum und Mannigfaltigkeit an Beiträgen, die von den Synodenvätern geboten wurden, allerdings sollte das nicht als die Stimme der Synode als Ganzes betrachtet werden.“ Er fügte dann an, dass die Gesamtbewertung der Synode nach Angaben von Papst Benedikt XVI. weitgehend positiv war.[10]

Die gescheiterte Geschichts-Kommission

Die Einstellung von Papst Pius XII. gegenüber dem Holocaust ist Thema vieler Debatten gewesen. Wistrich war Mitglied der internationalen katholisch-jüdischen Geschichtskommission, die die für dieses Thema relevanten Dokumente in den Archiven des Vatikans genau untersuchen sollte. Die Kommission setzte ihre Arbeit nach zwei Jahren aus. Wistrich merkte an:

Die schlichte Wahrheit lautet, dass wir in zwei Jahren vom Vatikan keine materielle Hilfe erhielten, keine wirkliche Ermutigung und vor allem nicht ein einziges neues Dokument. Andererseits erhielten wir einen kräftigen Anteil Verunglimpfung, Unterstellungen und falsche Gerüchte von Personen, die zu dieser mächtigen und erlauchten Institution gehörten oder sogar in ihrem Namen sprachen. Diese negative Reaktion auf ihre eigene Initiative steht in auffallendem Gegensatz zum positiven Empfang, den die Arbeit der Kommission von der aufgeklärtesten Meinung der Welt erhielt, von vielen katholischen Liberalen und Laien und von einem Großteil der wissenschaftlichen Gemeinschaft, die aufrichtig hoffte, dass wir mit unseren Anstrengungen zur Öffnung der Archive Erfolg haben würden.[11]

Wistrich hielt außerdem fest:

Eine Beurteilung der Haltung von Pius XII. während und nach dem Krieg sollte sich nicht auf sein Schweigen zum Völkermord an den Juden beschränken. Der Papst blieb zu den deutschen Gräueltaten am polnischen Volk weitgehend neutral. Er verurteilte auch die völkermörderischen katholisch-kroatischen Faschisten und ihren Führer Ante Pavelić nicht. Dieser Staat massakrierte 350.000 Nichtkatholiken, darunter dreißigtausend kroatische Juden. Es gibt zwingende Beweise, dass der Vatikan entscheidend dabei behilflich war, dass Pavelić 1947 die Flucht aus Italien nach Argentinien ermöglicht wurde.[12]

Die bisher nicht eingestandenen Verbindungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem von der Ustascha geführten kroatischen Regime sind nie geklärt worden. Diese Massenmörder von Serben, Juden und andren waren einer der grausamsten Nazi-Verbündeten im Zweiten Weltkrieg. Es gibt Beweise, dass der Vatikan kroatischen Nazis geholfen hat Gelder zu verbergen und aus Europa zu entkommen.[13]

Ein weiteres Thema, das eine detaillierte Untersuchung verdient, ist, wie viel Aufmerksamkeit die Vatikanzeitung Osservatore Romano israelischem Handeln im Nahen Osten verglichen mit der weit verbreiteten Verfolgung von Christen in muslimischen Ländern widmet.

Zeitgenössische katholische Hetzer

An den Rändern der offiziellen katholischen Kirche hält die traditionalistische Gesellschaft des Heiligen Pius X. (SSPX) oft an uralten Dogmen fest. Einer ihrer Bischöfe, der Brite Richard Williamson, ist ein Holocaust-Leugner, wurde aber 2012 aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Nach Angaben der Anti-Defamation League „haben SSPX-Repräsentanten in Predigten, Schriften, auf Internetseiten und in Publikationen die Protokolle der Weisen von Zion gutgeheißen und behauptet, dass es eine Faktenbasis für die Ritualmordlüge gibt. Einer ihrer Bischöfe hat zudem den Holocaust geleugnet“.[14]

Es gibt zudem neue Elemente des Schürens antiisraelischen Hasses in katholischen Umfeldern. Im Oktober 2003 veröffentlichte die Jewish Telegraphic Agency eine Reihe Artikel mit dem Titel „Funding Hate“ (Hass finanzieren) über die Beiträge antiisraelischer Hass-Gruppen der Ford-Stiftung. Als Bemerkung am Rande erwähnt der Artikel, dass es einen noch größeren Spender für die führende Hass-Gruppe hinter der antiisraelischen Hass-Kampagne von Durban steht: die niederländisch-katholische Wohlfahrts-NGO Cordaid, die $1,5 Millionen beigetragen hatte.[15]

2007 initiierte Cordaid zusammen mit der propalästinensischen römisch-katholischen Gruppe Pax Christi eine pro-palästinensische öffentliche Erklärung in den Niederlanden, mit der die niederländische Regierung aufgefordert wurde das Patt im palästinensisch-israelischen Konflikt zu durchbrechen. Die Erklärung beschwerte sich über vierzig Jahr „Besatzung“, schwieg aber zu 75 Jahren völkermörderischer Absichten und mörderischer Angriffe durch die palästinensischen Araber.[16]

Yitzhak Santis von NGO Monitor sagt:

Cordaids einseitige Aktivitäten werden von ihren Finanzierungsentscheidungen, Publikationen und politischen Einstellungen illustriert. Sie gehört mit anderen Gruppen zur Organisation United Civilians for Peace der Niederlande, die für Boykott, De-Investitionen und Sanktionen (BDS) gegen Israel eintritt. Cordaid-Direktor René Grotenuis argumentierte bei einer Podiumsdiskussion im niederländischen Parlament, dass BDS eine Defensivtaktik sei, weil „es wichtig ist, dass Menschen in Palästina nach Wegen suchen der Besatzung Widerstand zu leisten und dies ist eine gewaltlose Art das zu tun“.

2012 schloss sich Cordaid einer Koalition aus 22 europäischen NGOs an, die einen Bericht mit dem Titel Trading Away Peace. How Europe Helps Sustain Illegal Israeli Settlements. (Verkauf des Friedens: Wie Europa hilft illegale israelische Siedlungen aufrechtzuerhalten) erstellte. Darin wird die BDS-Agenda propagiert, die EU und nationale Regierungen aufgefordert über Wirtschaftssanktionen politisch Krieg gegen Israel zu führen. Cordaid schloss sich zudem 2009 einem Bericht mit dem Titel Failing Gaza. No rebuilding, no recovery, no more excuses. (Gaza im Stich gelassen: Kein Wiederaufbau, keine Besserung, keine Entschuldigungen mehr). Der Bericht behauptet fälschlich, dass der Gazastreifen weiter besetzt sei. Die Organisation finanziert zudem verschiedene antiisraelische NGOs in Israel und den palästinensisch-arabischen Gebieten.

Cordaid wird regelmäßig von der niederländischen Regierung subventioniert. Die Geldsummen variieren. Von 2007 bis 2001 erhielt Cordaid 422 Millionen Euro. Infolge einer Reduzierung der Regierungszuschüsse erhielt sie 2011 69 Millionen Euro.[17]

Es gibt auch katholische Politiker, die gegen Israel hetzen. Der ehemalige niederländische Abgeordnete Wim Kortenoeven sagt:

Der große niederländische Agitator gegen Israel ist der ehemalige Premierminister Dries van Agt, ein katholischer Christdemokrat. Ursprünglich war Van Agts Organisation für seinen persönlichen Kreuzzug gegen den jüdischen Staat das „International Forum for Justice and Peace“ (IFJP – Internationales Forum für Gerechtigkeit und Frieden).

Dazu gehörte der schwedische Antisemit Jöran Jermas, der sich mit dem Alias Israel Shamir als Jude ausgab. Ich war daran beteiligt diese „Schweden-Verbindung“ zu entlarven, als ich für [die niederländische, proisraelische Verteidigungsorganisation] CIDI arbeitete. Nach dem folgenden Skandal löste Van Agt das IFJP auf. Dann gründete er ein neues Kreuzzügler-Medium, The Rights Forum (Das Forum Rechte).

2007 sagt Van Agt bei der palästinensisch-europäischen Konferenz in Rotterdam, dass die drei westlichen Forderungen an die Hamas extrem unangemessen seien. Diese lauten: dia Gewalt aufgeben, Anerkennung des Staates Israel und der palästinensischen Vereinbarungen mit dem Staat Israel.[18]

Uralte antisemitische Rituale werden fortgesetzt

In mehreren christlichen Ländern sowie auch anderswo gibt es Fortsetzung antisemitischer Rituale. In Griechenland betrifft das die Hauptkirche des Landes, die griechisch-orthodoxe Kirche. 2004 schrieb das Simon Wiesenthal Center (SWC) in Los Angeles an den neu gewählten griechischen Premierminister Kostas Karamanlis von der Neuen Demokratischen Partei, dass die nationale Touristenorganisation des Landes das Osterritual des „Verbrennen (einer Puppe) des Judas“ als Touristenattraktion bewirbt. Hunderte lokaler Zeremonien beinhalten dieses Ritual, das manchmal als „Judenverbrennung“ beschrieben wird.[19]

Rabbi Mordechai Frisis aus Saloniki hielt 2004 fest: „Griechenland ist eine sehr traditionelle Gesellschaft und dort werden die Juden für die Tötung Jesu verantwortlich gemacht. Es gibt immer noch Leute, die glauben, dass Juden an Pessah das Blut von Christen trinken.“ Frisis sagte, als er Schüler an einer griechischen Oberschule war, „gab es Leute, die das mit gegenüber offen sagten“.[20]

Obwohl die griechisch-orthodoxe Kirche in der Vergangenheit offiziell das Ritual der „Judenverbrennung“ verurteilte, hat das wenig Einfluss gehabt. Der verstorbene Erzbischof von Athen, Christodoulos, gab gelegentlich negative Aussagen über Juden von sich. 2003 besuchte er das Vernichtungslager Majdanek in Polen; aber seine Rede hatte keine Bezugnahme auf den Holocaust, obwohl die überwiegende Mehrheit der Opfer dort Juden waren. Er erwähnt auch die 1.500 dort ermordeten griechischen Juden  nicht.[21]

2001 beschuldigte Christrodoulos die Juden fälschlich hinter den Entscheidung der griechischen Regierung zu stecken die EU-Regeln zu befolgen, zu denen gehört, dass auf Personalausweisen die Religion der Person nicht vermerkt wird.[22] 2004 gratulierte er George Karatzaferis, dem Führer der fremdenfeindlichen, antisemitischen rechten Partei Laos, zu seiner „verdienten Wahl“ ins Europaparlament und fügten hinzu, dass Karatzaferis „der breiteren europäischen Familie die anderen intellektuellen Werte bringt, die aus unserer christlichen und griechischen Seele sprießen“.[23]

Fußnoten:

[1] Manfred Gerstenfeld, Interview mit Meir Litvak: The Development of Arab Anti-Semitism. Post-Holocaust and Anti-Semitism, 5, 2. Februar 2003.

[2] ebenda

[3] Manfred Gerstenfeld, Interview mit Hans Jansen: The Deep Roots of Protestant Anti-Semitism. In: Demonizing Israel and the Jews. New York (RVP Press) 2013, S. 144-146.

[4] James Parkes: The Conflict of the Church and the Synagogue. Cleveland/New York (Meridian Books) 1961, S. 375-376.

[5] Erklärung zur Beziehung der Kirche zu nichtchristlichen Religionen, Nostra Aetate, Verkündet von Seiner Heiligkeit Papst Paul VI. am 28. Oktober 1965.

[6] Manfred Gerstenfeld, Interview mit Robert Wistrich: Reassessing Pope Pius XII’s Attitudes toward the Holocaust. Post-Holocaust and Anti-Semitism, 89, 1. November 2009.

[7] Manfred Gerstenfeld, Interview mit Aharon Lopez: Jewish-Vatican Relations: The Possible Beatification of Pius XII and Other Unresolved Issues. In: Europe’s Crumbling Myths. Jerusalem (Jerusalem Center for Public Affairs/Yad Vashem/World Jewish Congress) 2003, S. 137-145.

[8] Sarah Delaney: Israelis not happy with synod statement, angry over bishop’s remarks. Catholic News Service, 25. Oktober 2010.

[9] ebenda

[10] ebenda

[11] Gerstenfeld, Interview mit Wistrich.

[12] ebenda

[13] Arieh Doobov: The Vatican and the Shoah. In: Avi Beker (Hg.): The Plunder of Jewish Property during the Holocaust. Houndmills (UK: Palgrave) 2001, S. 319-321.

[14] The Society of S Pius X: Mired in Anti-Semitism. Anti-Defamation League, 26. January 2009.

[15] Edwin Black: Funding Hate, Part IV: Audit of Palestinian Group Suggests Lax Funding Controls. JTA, 16. Oktober 2003.

[16] Manfred Gerstenfeld: Misdadigers, slachtoffers, en de rol van Cordaid. Opinio, 8. Juli 2007.

[17] Manfred Gerstenfeld, Interview mit Yitzhak Santis: Catholic Aid Societies Promote Hatred of Israel. Israel National News, 20. Dezember 2013.

[18] Manfred Gerstenfeld, Interview mit Wim Kortenoeven: The Anti-Israel Lobby in the Netherlands. Israel National News, 15. September 2013.

[19] Easter Pogrom Hatemongering: Effigies, Desecration, Caricature: Greek Anti- semitism Epidemic Persists. Presseerklärung, Simon Wiesenthal Center, 20. April 2004.

[20] Michael Freund: Tackling Assimilation and Anti-Semitism in Salonika. The Jerusalem Post, 8. Februar 2004.

[21] Centre Simon Wiesenthal—Europe: 25 Months of Anti-Semitic Invective in Greece: Timeline: March 2002-April 2004. Vorgelegt bei der OSZE-Konferenz zu Antisemitismus, 28./29. April 2004.

[22] Manfred Gerstenfeld, Interview mit Moses Altsech: Anti-Semitism in Greece: Embedded in Society. Post-Holocaust and Anti-Semitism, 23, 1. August 2004 (in Zitierung von To Vima, 15. März 2001).

[23] Presseerklärung, Greek Helsinki Monitor, 27. Juni 2004.

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