Die Grüne Linie durch Jerusalem

Lay of the Land, 22. Mai 2020

Als die Vereinten Nationen 1947 überlegten Israel in einen arabischen Staat und einen jüdischen Staat zu teilen, wollte man die umstrittenen religiösen Stätten, die Juden, Christen und Muslimen heilig sind, in ein eigenständiges „corpous separatum“ abzutrennen, das unter internationaler Kontrolle stehen sollte. Der Bereit von Groß-Jerusalem und Groß-Bethlehem sollte ein „Heiliges Becken“ und ein einzigartiges Modell für die entstehenden Vereinten Nationen werden

Die Araber lehnten die Teilung ab und fünf Armeen marschierten in Israel ein. Als die Kriege 1949 endeten, schufen Waffenstillstandslinien mit Ägypten, Syrien und Jordanien für neue Umgrenzungen in der Region. Jordanien übernahmen die Kontrolle und annektierten bald die Gegend, die es eroberte, einschließlich drei Vierteln des Heiligen Beckens. Die Teilung für die jordanische Front wurde grün markiert und so als „Grüne Linie“ bekannt.

Die Teilung Jerusalems in der Waffenstillstandsvereinbarung von 1949 zwischen Israel und Jordanien.

Der israelische Teil der Landkarte wurde blau markiert und Israel übte bis zu dieser Linie Souveränität aus. Der Raum zwischen der blauen und der grünen Linie wurde als  „Niemandsland“ betrachtet.

Zur jordanischen Seite gehörte die gesamte Altstadt von Jerusalem. Die Linie verlief direkt entlang der westlichen Seite der Stadt und schloss das Jaffa-Tor und das Neue Tor bis zum Damaskus-Tor ein. Die Jordanier verboten Juden darin zu leben und die heiligen Stätten in der Stadt zu besuchen.

Die oben abgebildete Karte stammt von den Vereinten Nationen und kennzeichnet die heiligen Orte der Stadt. Beachten Sie: Obwohl die Stadt als die heiligste der Juden gilt, werden die jüdischen Orte zuletzt aufgeführt. Der heiligste Ort, der jüdische Tempelberg, wird nicht einmal als für Juden heilig markiert. Die Westmauer wird als heilig gekennzeichnet – für Juden und Muslime.

Die Karte listet die christlichen Heiligen Orte zuerst auf und schließt zahlreiche Stellen ein, darunter jede Station des Kreuzwegs. Es werden die verschiedenen heiligen Stellen in Bethlehem aufgeführt, aber nicht gezeigt. Muslime haben die wenigsten heiligen Stellen der drei monotheistischen Religionen, belegen aber die dominante Plattform Jerusalems. Nach Angaben der Karte haben einzig die Muslime unter den monotheistischen Religionen keine Stellen, die dem „Status quo“ unterliegen.

Der einzige heilige Ort auf der israelischen Seite der Linien ist das Davidgrab, das seltsamerweise als einzige Stelle aufgeführt wird, die allen drei Religionen heilig sind.

Die Vision der Welt für Jerusalem von 1949 und 1967 war ein Ort, der in bezüglich Verehrung von Christen, von Muslimen in Bezug auf Prominenz dominiert wird und wo Juden ganz hinten anstehen, deren heiligste Stelle nicht einmal anerkannt wird und deren grundlegende Menschenrechte auf Leben und Glaubensausübung ignoriert wurden.

Der Jerusalem-Tag ist ein Tag, um die auf den Kopf gestellte Dynamik kenntlich zu machen, zumindest zum Teil.

Es hat seit 72 Jahren eine Nakba gegeben. Aber sie ist nicht das, was die Palästinenser sagen.

Elder of Ziyon, 15. Mai 2020

UNRWA-Lager Jaramana in Syrien

Das Wort „Nakba“ wurde 1948 von Constantin Zureiq in seinem Pamphlet „Die Bedeutung der Nakba“ geprägt, aber es beschrieb es nicht auf die Weise, wie es heute verwendet wird. Seine Beschreibung der Ereignisse von 1948 konzentrierte sich mehr auf die Fehler der Araber als auf die Taten der Juden.

Er schrieb: „Als der Kampf ausbrach, begann unsere öffentliche Diplomatie von unseren angeblichen Siegen zu reden, um die arabische Öffentlichkeit einzuschläfern und von der Fähigkeit zu reden einen leichten Sieg einzufahren – bis die Nakba eintrat… Wir müssen unsere Fehler zugeben… und das Ausmaß unserer Verantwortung für die Katastrophe eingestehen, die unser Los ist.“

Andere Zitate aus dem Pamphlet lauten: „Sieben arabische Länder erklärten dem Zionismus in Palästina den Krieg… Sieben Länder zogen in den Krieg, um die Teilung aufzuheben und den Zionismus zu besiegen und dann schnell die Schlacht hinter sich zu lassen, nachdem sie so viel vom Land Palästina verloren – und sogar den Teil, der den Arabern im Palästina-Plan gegeben wurde.“

„Der Zionismus ist tief im westlichen Leben verwurzelt, während wir weit davon entfernt sind… Sie leben in der Gegenwart und sehen in die Zukunft, während wir von dem Traum einer prächtigen Vergangenheit zugeschüttet sind“, fuhr er fort.

Entscheidend ist, betonte Zureiq: „Wir müssen unsere Fehler zugeben … und das Ausmaß unserer Verantwortung für die Katastrophe erkennen, die unser Los ist.

Zureiq, der im Libanon lehrte, spricht hier nicht von palästinensischer Verantwortung, sondern einer breiteren arabischen Verantwortung. Aber seine Lektion ist 72 Jahre lang ignoriert worden, während der Begriff in einer verdrehten Form blieb, um sich auf die Opferrolle der Palästinenser durch die Hände der kriminellen Zionisten zu beziehen.

Die Ironie ist, dass Zureiq recht hatte – und seine Analyse der arabischen Verantwortung dafür, dass die Palästinenser weiter staatenlos sind, gilt nicht nur in der Geschichte, sondern auch heute.

Selbst wenn man die arabische Lüge akzeptiert, dass Israel das leibhaftige Böse ist und 1948 die fürchterlichsten Massaker beging und die Araber physisch vertrieb, gibt es eine sehr grundlegende Frage, die niemand stellt: Warum befinden sich die Palästinenser heute immer noch im Elend, in Syrien und Jordanien und dem Libanon? Warum sind sie heute in der gesamten arabischen Welt staatenlos, außer denen, die 1949 in der Westbank lebten und inzwischen nach Jordanien zogen?

Die Verantwortung für 72 Jahre palästinensischen Leidens liegt einzig bei ihren arabischen Brüdern, üblicherweise mit der Ausrede, es sei nötig, um die Palästinenserfrage am Leben zu erhalten.

Die Entscheidung der Arabischen Liga in den 1950-er Jahren Palästinensern nicht zu erlauben Staatsbürger in Mitgliedsstaaten zu werden, bleibt eine der brutalsten Attacken der Geschichte auf die Rechte der Palästinenser – wurde aber vorgeblich getroffen, um die Einheit der Palästinenser zu wahren und den palästinensischen Nationalismus zu nähren, der damals praktisch nicht existent war.

Das war aber nur eines von buchstäblich haufenweisen Beispielen dafür, wie die Palästinenser von der arabischen Welt und ihren eigenen Führern misshandelt wurden. Die Vertreibung von tausenden Palästinensern 1970 aus Jordanien. Die Vertreibung hunderttausender aus Kuwait. Die gegen sie gerichtete Apartheid im Libanon. Die Bombardierung von Palästinenserlagern in Syrien. Palästinenserführer unterhalten heute zwei Klassen an Bürgern – sie halten „Flüchtlingslager“ offen und behandeln deren Einwohner als Bürger zweiter Klasse, die für immer dort gehalten werden oder bis Israel vernichtet ist.

Das ist die wahre Nakba. Aber der Begriff selbst ist aus politischen Gründen verdreht worden, um ein Angriff auf Israel zu sein, statt seiner ursprünglichen Bedeutung, wie die Araber gegenüber den Palästinensern versagt haben und das bis heute tun.

Der „Nakba-Tag“ wurde erst 1998 von Yassir Arafat eingeführt, der den ersten Tag der israelischen Unabhängigkeit für das Datum aussuchte. Obwohl er diesen Tag während des Oslo-Prozesses schuf, der den Palästinensern einen Staat verschaffen sollte, lautet seine Botschaft, dass der Nakba-Tag immer mit der Delegitimierung Israels verbunden ist. Es war ein weiterer brillanter PR-Zug, der letztlich den Palästinensern schadet, die aus Gründen der Ehre und Schande eine orwellsche Geschichte gelehrt werden, in der Hass, den die Araber ihnen entgegen bringen, beseitigt und durch eine Fiktion von 72 Jahren Leiden ersetzt wird, das ausschließlich von Israel ausgeht.

Es ist längst überfällig, dass die Palästinenserführer und die arabische Welt die Verantwortung für ihre Rolle dabei übernehmen, dass die Palästinenser keinen Staat haben und heute in „Flüchtlingslagern“ dahinrotten. Nur die Wahrheit kann effektive Veränderung bringen. Aber die Wahrheit ist genau das, was die arabische Welt mit ihrer Nakba-Geschichte vermeidet.

1948: Warum der Name Israel?

Martin Kramer, The Times of Israel blogs, 27. April 2020

David Ben-Gurion ruft den Staat Israel aus – 14. Mai 1948 (Government Press Office)

Am 14. Mai 1948 rief David Ben-Gurion im alten Museum von Tel Aviv (heute die Unabhängigkeitshalle) auf dem Rothschild-Boulevard den Staat aus. Höhepunkt war dieser Satz: „Wir erklären hiermit die Gründung eines jüdischen Staates in Eretz Israel, der als Staat Israel bekannt sein soll.“ Das war die Applaus-Linie, der Höhepunkt und der Namensgebung des Staates.

Bis zu diesem Moment wussten sehr wenige Leute, wie der Staat heißen sollte. In den unterschiedlichen Entwürfen der Erklärung war der Platz für den Namen freigelassen worden. Als die Diplomaten der Jewish Agency in Washington daran ging vorab ein Versprechen der Anerkennung des Staates sicherzustellen, konnten sie den Amerikanern nicht sagen, welchen Namen er haben würde.

Später erinnerte sich Clark Clifford, Truman juristischer Berater: „Der Name ‚Israel‘ war noch unbekannt und die meisten von uns nahmen an, der neue Staat würde ‚Judäa‘ heißen.“ Der für Harry Truman am 14. Mai vorbereitete Brief mit der Anerkennung wurde folgendermaßen getippt: „Die Vereinigten Staaten erkennen die provisorische Regierung als de facto-Obrigkeit des neuen jüdischen Staates an.“ Jemand strich „jüdischer Staat“ durch und schrieb an dessen Stelle „Staat Israel“.

Trumans Brief zur Anerkennung Israels.

Wir wurde der Name beschlossen? Am 12. Mai in einer Abstimmung in der Volksverwaltung, dem auf seine Einsetzung wartenden Kabinett. Das Protokoll führt keine Einzelheiten der Diskussion an. Es hält nur fest, dass Ben-Gurion sagte:

Wir haben beschlossen, dass der Name des Staates Israel lauten wird. Und wenn wir Staat sagen, dann ist das der Staat Israel … Dem kann im grammatischen Konstrukt mit „Staat“ jedes Wort hinzugefügt werden: Armee Israels, Gemeinschaft Israels, Volk Israels.

Ben-Gurion ließ dann darüber abstimmen. Nach Angaben des Protokolls gab es sieben Stimmen dafür. Gegenstimmen und Enthaltungen wurden nicht festgehalten. In seinem Buch Three Days von 1962 schrieb Kabinettsekretär Zeev Sharef, dass diese Entscheidung „ohne weitere Vorschläge“ getroffen wurde.

Eine nicht begeisterte Wahl

Genau genommen wissen wir aber aus zwei Quellen mehr über die Diskussion, die diesem Treffen vorausging: als erstes das, was Sharef einem Journalisten am ersten Jahrestag der Unabhängigkeit erzählte; und als zweites eine Erinnerung des Hauptgegners des Namens Israel.

Das hier erzählte Sharef 1949 diesem Journalisten. (Es war Mosche Brilliant und er veröffentlichte seinen Text an Israels erstem Jahrestag in der Zeitung, die selbst 1949 immer noch Palestine Post hieß.)

Die meisten Leute hatten gedacht, der Staat würde Judäa heißten (auf Hebräisch Yehuda). Aber Judäa ist der historische Name des Gebiets um Jerusalem, von der damals am unwahrscheinlichsten war, dass es Teil des Staates werden würde. Zudem traf der Name nur auf ein sehr kleines Gebiet zu. Also wurde Judäa verworfen.

Karte des UNO-Teilungsplans von 1947.

Von Anfang an hatte der  Zionismus darüber geredet einen jüdischen Staat zu schaffen und das machte auch der Teilungsplan. Da „jüdisch“ von Judäa abgeleitet war, hätte dieser Name einen logische Wahl sein können. Aber nach Angaben des UNO-Teilungsplans sollte praktisch der gesamte geografische Bereich Judäas entweder internationalisiert – Jerusalem und seine Umgebung- oder Teil des arabischen Staates sein. Einen Staat Judäa zu nennen, der das geografische Judäa nicht einschloss, wäre eine Anomalie gewesen.

Aber selbst wenn der Staat nicht mit dem Besitz eines Stücks von Judäa entstanden wäre, hätte er viel mehr als dieses eingeschlossen, zum Beispiel den Negev. Und wie hätte der Staat Judäa genannt werden können, wenn er zum größten Teil etwas anderes war? Es war auch auf andere Weise problematisch. Wie hätte man seine Einwohner nennen sollen? Yehudim? Wie hätte sich das mit seinen arabischen Staatsbürgern vertragen, die laut Teilungsplan eine halbe Million zählen würden? Also wurde Judäa ausgeschlossen.

Ich kehre zur Schilderung Sharefs via Brilliant zurück.

„Zion“ wurde ebenfalls vorgeschlagen. Aber Zion ist der Name eines Hügels, von dem aus man einen Blick über die Altstadt von Jerusalem hat.

Hier sehen wir wieder das Problem, das durch die vorhandene Geografie aufgeworfen wurde. Wie konnte ein Staat Zion genannt werden, wenn das geografische Zion kein Teil davon sein würde?

Selbst die Bibel bezeichnet Jerusalem und manchmal das gesamte Land als Zion. In diesem Sinne wurde es „Zion-Liebhabern“ im 19. Jahrhundert und dann von der zionistischen Bewegung übernommen.

Aber die Gründung eines souveränen jüdischen Staates hatte den Effekt Zion einmal mehr auf seine spezifische territoriale Bedeutung zu reduzieren. Und auf jeden Fall: Wie würden der Bürger eines solchen Staates genannt werden? Würde man ihn als Zionist bezeichnen, würde das zu einer Verwechslung eines in Amerika lebenden Zionisten und einem tatsächlichen Bürger des jüdischen Staates führen. Und natürlich wäre es ziemlich heftig gewesen von arabischen Bürgern zu erwarten sich selbst als Zionisten zu bezeichnen.

Zurück zu Sharef via Brilliant.

Einer schlug „Ever“ vor – die Wurzel von „Ivri“, was „hebräisch“ bedeutet. Das mochte niemand.

Es gibt keine Erklärung dafür, warum; und es gab natürlich eine Verbindung zu der Vorstellung des „neuen Juden“ als Hebräer. Vermutlich wäre der Bürger eines solchen Staates Ivri genannt worden, Hebräer. Aber Ever hatte auch eine geografische Verbindung, „überwechseln“ und eine Interpretation lautet, dass es sich auf das bezieht, was westlich des Jordan liegt. Möglicherweise eine zu starke Einschränkung und niemand mochte diesen Namen.

„Eretz Israel“, der hebräisch-biblische Name für Palästina, wurde ausgeschlossen, weil es die Gefahr einer irredentischen Note in sich trug.

Abgesehen von der Verbindung von Eretz Israel mit der biblischen Vergangenheit war es während des britischen Mandats der offizielle hebräische Name des gesamten Landes gewesen. Dieser Name lautete Palestina Aleph Yud für Eretz Yisrael. Juden im Mandat bezeichneten sich manchmal als Eretz Yisraelim. Aber die UNO hatte eine Teilung des Landes gefordert. Die Ausrufung des Staates achtete zwar sorgfältig darauf keinen Verweis auf diesen Plan als Teilungsplan zu beinhalten, aber niemand wollte auch offen der UNO trotzen. Den Staat Eretz Israel zu nennen, hätte wie ein offener Anspruch auf das gesamte Mandatsgebiet Palästina geklungen. Also wurde auch das ausgeschlossen.

Zurück zu Sharef via Brilliant:

Ben-Gurion war der erste, der „Israel“ vorschlug. Es erschien anfangs seltsam und der Vorschlag wurde kühl aufgenommen. Aber die Mitglieder versuchten „Regierung Israels“, „Armee Israels“, „Bürger Israels“, „israelischer Konsul“ auszusprechen, um zu sehen wie das klang. Die meisten wahren nicht begeistert, aber es waren weniger als 48 Stunden übrig und es war viel dringendere Arbeit zu erledigen, also wurde darüber abgestimmt. Sieben der zehn anwesenden Mitglieder stimmten für „Israel“.

Das war es also. Der Name „Israel“ kam über ein Ausschlussverfahren zum Staat, weil es nicht die Zeit gab etwas Besseres zu finden. Eine Mehrheit stimmte dafür – eine wenig begeisterte Mehrheit.

Die verlorene Sache für Judäa

Das stichhaltigste Argument für diese Wahl kam von Yitzhak Gruenbaum, dem tonangebenden säkularen Führer des polnischen Judentums zwischen den Kriegen, später Vorsitzender des Jewish Agency Rescue Committee während des Holocaust und erstem Innenminister Israels.

Gruenbaum argumentierte für den Namen Judäa statt Israel und erklärte seine Begründung dafür Jahre später mit diesen Worten:

Ich bin gegen den Namen Israel. Er erinnert mich an den Namen israélite [auf Französisch], der von nichtjüdischen Sympathisanten und Assimilationisten statt juif [jüdisch] verwendet wird, der als abwertig betrachtet wurde. Wir Zionisten begrüßen den gering geschätzte „jüdisch“, das seit der Rückkehr aus dem [babylonischen] Exil der Name unseres Volks und dem Bau des zweiten Tempels war. Der unabhängige Hasmonäerstaat trug auch nach der Eroberung durch die Römer diesen Namen. Ich bevorzuge diesen Namen, den die Massen des [jüdischen] Volks in ihrer gesprochenen Sprache akzeptierten. Ein anderer Name würden den Staat verpflichtend von der Diaspora trennen.

Für Gruenbaum hatte der Name Judäa den Vorteil Kontinuität zu schaffen, von der letzten Ausdrucksform jüdischer Souveränität – Judäa unter den Hasmonäern – und durch die 2.000 Jahre der Diaspora der Juden hindurch. Das war von den Zionisten begrüßt worden, als sie sich für eine jüdische nationale Heimstatt in einem jüdischen Staat stark machten. Ein Staat namens Judäa würde nicht nur dieser Kontinuität in der Zeit betonen, sondern den neuen Staat auch zu den Juden überall in der Gegenwart verbinden.

Diesen Streit verlor Gruenbaum wegen des bereits erwähnten geografischen Gegenarguments: das geografische Judäa war zu klein und nicht als Teil des Staates vorgesehen. Gruenbaum gab zu, dass „die Mehrheit Ben-Gurions Vorschlag akzeptierte … weil die Grenzen unseres Staates weiter waren als die die Hasmonäer“.

Aber jetzt kommen wir Gruenbaums Anspielung auf den wirklichen Grund kommt, weshalb Ben-Gurion Israel Judäa vorzog. Er hatte nichts mit der Geografie zu tun.

Ich hatte das Gefühl, das Ben-Gurion den wahren Grund hinter seinem übernommenen Vorschlag nicht verriet. Leider erkannte man nach ein paar Jahren, dass der Name „Israel“ ein Missverständnis bei den im Land geborenen Sabres gab. Die Sabre begannen sich als Israelis zu betrachten, nicht als Juden.

Gruenbaum hatte den Verdacht, dass der wahren G rund, dass Ben-Gurion den Staat Israel dem Staat Judäa vorzog darin bestand, dass er einen Bruch der Kontinuität wollte, einen Bruch mit der jüdischen Vergangenheit im Exil.

Diesbezüglich unterschied sich Ben-Gurion nicht komplett von denen in Frankreich, die juif durch israélite ersetzt hatten, womit signalisiert werden sollte, dass die Juden in Frankreich sich emanzipiert hatten. Immerhin war auch Emanzipiation ein Bruch mit der jüdischen Vergangenheit. Und Ben-Gurion wollte keine Brücke zur Diaspora, sondern deren Unterordnung unter den neuen Staat. Mit der Wahl des Namens Israel wollte Ben-Gurion eine neue Identität schaffen, die auf jüdischer Identität aufbaut, sie aber dennoch ersetzt.

Gruenbaum war nicht religiös. Im Gegenteil, er war erklärter Säkularist und landete in der sozialistischen Partei Mapai. Er wollte nicht, dass der Name Judäa den Staat an der Religion festkettet (oder an einen Anspruch auf Territorium bindet). Aber er wollte einen Namen, der den Staat an die jüdische Geschichte bindet und nicht einfach nur israelitisches Altertum.

Als Gruenbaum sich beschwerte, dass die Sabres aufgehört hatten sich als Juden zu betrachten, sprach er 1961, auf der Höhe der säkularen Welle selbstgefälligen Selbstachtung der im Land geborenen Israelis, die glaubten, sie seien über die jüdische Geschichte hinausgeschritten.

Aber in diesem Moment hatte Ben-Gurion einen wichtigen Schritt unternommen, um die jungen Israelis daran zu erinnern, dass sie tatsächlich Juden waren. Im Jahr davor hatte Israel Adolf Eichmann festgesetzt, eine Schlüsselfigur in der Planung des Holocaust und ihn 1961 wegen an den Juden begangenen Verbrechen vor Gericht gestellt, die vor der Geburt Israels in Europa ermordet wurden. Die Washington Post brachte ein Editorial, in dem behauptet wurde Israel habe keinen Anspruch darauf das jüdische Volk zu repräsentieren. Ben-Gurions Antwort:

Der Schreiber der Washington Post ist sich vielleicht nicht bekannt, dass wir am 14. Mai 1948 den Staat Israel ausgerufen haben, gemäß den Entscheidungen der Vereinten Nationen (die von den USA wie auch anderen Ländern gestützt wurden) und dass Israel nur der Name des jüdischen Staates ist.

Das Wesen des Staates war jüdisch; sein Name war eine Zweckmäßigkeit. Aus Ben-Gurions Sicht hätte der Eichmann-Prozess jede durch den Namen verursachte Unzweideutigkeit beseitigen müssen.

Aber die Wahl des Namens Israel schuf eine Verwirrung, die bis heute fortbesteht.

Nakba-Tag: Warum flohen die Araber 1948 und die Juden nicht?

Elder of Ziyon, 15. Mai 2019

Die meisten Araber, die 1948 aus ihren Häusern flogen, gingen aus Angst vor dem Krieg, bevor sie auch nur einen einzigen zionistischen Soldaten gesehen hatten. Selbst die Historiker der Neuen Welle stimmen bei, dass die Welle der arabischen Flucht bis Juni 1948 von Angst vor Krieg ausgelöst wurde und dass es zu diesem Zeitpunkt keine Vertreibungen gab.

Interessant ist, dass die erste Welle der Flüchtenden im Dezember 1947 und Januar 1948 die Reichen waren; viele der Führer waren bis zum Juni weg. Die gesamte Sozialstruktur der Araber in Palästina brach zusammen und als die Araber sahen, dass ihre Führer sie im Stich ließen, gingen auch sie weg.

Aus Wikipedia:

Nach Angaben von Efraim Karsh sind im April 1948 „rund 100.000 Palästinenser, zumeist aus den wichtigen urbanen Zentren Jaffa, Haifa und Jerusalem sowie aus Dörfern in den Küstenebenen weggegangen. Innerhalb eines Monats verdoppelten sich die Zahlen beinahe; und bis Anfang Juni, … waren 390.000 Palästinenser fortgegangen.“ 30.000 Araber, zumeist Intellektuelle und Mitglieder der sozialen Elite waren in den Monate nach der Genehmigung des Teilungsplans aus Palästina geflohen, was die soziale Infrastruktur Palästinas aushöhlte. Ein Artikel im Time Magazine vom 10. Mai 1948 stellte fest: „Ein britischer Offizieller in Jerusalem sagte letzte Woche: ‚Die gesamte Effendi-Klasse ist weg. Es ist bemerkenswert, wie viele der Jüngeren sich plötzlich entscheiden, dass dies eine gute Zeit sei ihre Studien in Oxford fortzusetzen…“

Obwohl die Frage rhetorisch erscheint, sollte sie gestellt werden: Warum verschwand die arabische Sozialstruktur in Erwartung der Kämpfe und die jüdische blieb intakt? Die Juden hatten natürlich Angst und denen, die von Arabern gefangen genommen wurden, wurde keine Gnade gezeigt, wie Joseph Schechtman schrieb:

Die arabische Kriegsführung gegen die Juden in Palästina … war immer von willkürlichen Tötungen, Verstümmelung, Vergewaltigung, Plünderung und Brandschatzung gekennzeichnet. Dieser Angriff auf die jüdische Gemeinde 1947/48 war brutaler als je zuvor. Bis die arabischen Armeen Israel schon am Tag seiner Geburt am 15. Mai 1948 überfielen, wurde keinem Juden, der Araber in die Hände fiel, Pardon gegeben. Verletzte wie Tote wurden verstümmlt. Jedes Mitglied der jüdischen Gemeinschaft wurde als Feind betrachtet, der gnadenlos zu vernichten ist.

Dennoch blieben die Juden und die Araber flohen. Warum?

Der offensichtliche Grund lautet, dass die die Juden nirgendwo anders hin konnten. Israel war ihr Heim und seine Nachbarn hätten sie ermordet. Sie hatten keine andere Wahl.

Die Araber hatten eine Wahl. Viele der arabischen Familien waren nicht mehr als ein Jahrhundert in Palästina gewesen und praktisch all muslimischen Araber konnten ihre Familiengeschichte, die Züge durch den Nahen Osten von ihren Ursprüngen in Arabien oder dem Jemen oder Ägypten, zurückverfolgen. Die Vorstellung separater arabischer Nationen war noch neu – das Osmanische Reich kontrollierte den Nahen Osten bis zum Ende des Ersten Weltkriegs nur drei Jahrzehnte zuvor – und die Araber betrachteten die gesamte Region als ihre Heimat, nicht „Palästina“. Palästina war für sie einfach eine weitere arabische Region und ihre Bande dazu war nicht sonderlich stark.

Andererseits nahmen sie an, dass sie ohne Probleme in andere arabische Länder umziehen konnten. Wer hätte ahnen können, das sie nicht in der Lage sein würden sich in die Länder ihrer Mitaraber zu integrieren? Die Vorstellung, dass sie die anstehenden Jahrzehnte lang staatenlos sein würden, war unvorstellbar.

Die Juden hatten keine Wahl. Die Juden mussten um ihr Land kämpfen oder bei dem Versuch sterben. Obwohl die meisten Juden gerade erst gekommen waren, waren ihre psychologischen Bande zu Eretz Yisrael weit stärker als die der Araber Palästinas, deren Führer beim ersten Zeichen von Schwierigkeiten flohen.

Auf gewisse Weise war 1948 ein Test, um zu sehen, welche Bevölkerung das Land am stärksten haben wollte.

Es gibt einen Grund, dass die meisten arabischen Kämpfer nicht aus Palästina waren. Die Idee eines gewaltigen Sieges, die romantische Vorstellung die Juden zu besiegen und zu massakrieren war in der muslimischen Welt stark und zog Abenteurer und Jihadisten an. Aber die eigentlichen arabischen Einwohner des Landes wollten einfach ihr Leben als Araber– nicht als Palästinenser;  als die sich kein einziger von ihnen identifizierte, sondern als Araber – führen. Diejenigen, die gegen die Juden kämpften, verteidigten ihre eignen Dörfer und Städte, hatten aber kein Interesse daran ein „Palästina“ zu verteidigen, mit dem sie sich nie identifizierten.

Einige arabische Staaten waren erbost, dass die Männer Palästinas zu ihnen flohen und die Flüchtlinge mussten zur Rückkehr und zum Kampf gezwungen werden.

Am Ende waren die arabischen Bande zu ihrer angeblichen Heimat weit schwächer als die der „kolonisierenden“ Juden. Die Sieger waren die, die das Land stärker haben wollten.

Menschen, die das Land lieben, laufen nicht bei der ersten Gelegenheit weg. Menschen, die das Land lieben, bleiben und kämpfen darum.

Das ist der Grund, warum die Juden blieben und die Araber flohen. Das ist der Grund, dass die Juden ihren eigenen Staat in ihrer historischen Heimat weit mehr verdienen als die Araber einen weiteren Staat auf einem winzigen Flecken der riesigen arabischen Welt verdienen.

Israelische und ägyptische Soldaten auf einem Gruppenfoto von 1948: Die Geschichte hinter einem Bild

Yaakov Yaniv in der Mitte des Bildes, das bei der Begegnung zwischen israelischen und ägyptischen Soldaten aufgenommen wurde. The Pritzker Family national Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels

Wie ein israelischer Soldat sein Leben riskierte, um die Leichen gefallener Kameraden hinter den feindlichen Linien zu bergen und die unglaublichen Fotos, die eine unwahrscheinliche Begegnung einfingen.

Hadar Ben Yehuda, the  Librarians, 3. März 2020

Die Geschichte der Operation Yekev („Weingut“ auf Hebräisch) beginnt im Oktober 1948, während Israels Unabhängigkeitskrieg; als eine ganze Brigade, die aus drei Bataillonen bestand – dem Bataillon Beit Horon, dem Bataillon Moriah und dem 64. Bataillon – auf eine Mission geschickt wurde, um die Stadt Beit Jala zu erobern, die südlich von Jerusalem und nordwestlich von Bethlehem liegt. Kommandeur der Operation war Mosche Dayan.

Das Bataillon Beit Horon schaffte es auf die andere Seite der Eisenbahngleise zu kommen, die als Trennlinie zwischen israelischen und ägyptischen Positionen diente (nahe dem, was heute als Ein Yael und Jerusalems Biblischer  Zoo bekannt ist). Das 64. Bataillon begann einen Angriff auf das Dorf Walaja. Der Held unserer Geschichte, Yaakov Yaniv (Novak), war Feldwebel eines Zugs in seinem Bataillon. Er war damals 20 Jahre alt und war erst ein paar Monate zuvor aus Tel Aviv nach Jerusalem gekommen, um in der Haganah zu dienen. Das 64. Bataillon beteiligte sich in diesem Fall nicht am Kampf, aber die Einheit war Feuer der eigenen Seite seitens einer Mörsereinheit ausgesetzt. Zum Glück wurde keiner der Soldaten des Bataillons verletzt. Das Bataillon Moriah begann seinen eigenen Angriff während der Nacht, schaffte es aber nicht die Eisenbahnschienen zu überqueren und auf den von den Ägyptern besetzten Hügel vorzurücken. Ein einzelnes Bren-Maschinengewehr schoss unentwegt auf die Vorhut des Moriah und verhinderte seinen Vorstoß. Operation Yekew war ein erschütternder militärischer Fehlschlag.

Am späten Abend wurde den drei Bataillonen der Brigade der Rückzugsbefehl erteilt. Sechs Soldaten aus dem Bataillon Beit Horon wurden im Kampf getötet. Die Soldaten des Bataillons schafften es vier der Leichen zu bergen, aber zwei blieben im Feld.

Die Leichen

Eineinhalb Monate später am 3. Dezember 1948, bemannten Yaakov Yaniv und seine Männer eine Position auf dem Hügel Malcha, der die Eisenbahnlinie darunter überblickte; sie beobachteten die nahe gelegene ägyptische Truppe. Heute füllen die Häuser des Jerusalemer Stadtteils Malcha das gesamte Gebiet, das damals eine kahle Hügelkuppe in Nachbarschaft eines arabischen Dorfes war.

Ein paar ägyptische Soldaten verließen plötzlich ihren Posten und riefen Yaniv und seinen Männern zu. „Wir haben zwei Leichen. Wenn ihr wollt, dann kommt und holt sie.“ Yaakov Yaniv hörte das und war verblüfft. Er und ein paar seiner Männer gingen den Hügel hinab und erreichten die Bahnlinie des britischen Mandats von Tel Aviv nach Jerusalem; dort warteten die Ägypter auf sie. Sie kamen überein, dass Yaniv und ein paar seiner Männer zum ägyptischen Posten gehen sollten, um die Leichen zu holen, während zwei ägyptische Soldaten am Fuß des Hügels in Gewahrsam der anderen Israelis bleiben würden, die über sie wachten, bis Yaniv und seine Männer sicher zurückkehrten.

Die Bergung

Yaakov Yaniv überquerte die Gleise und begab sich zu dem ägyptischen Vorposten auf dem Berg vor sich; er hatte nur seine Kodak-Kamera dabei. Eine Baumgruppe deckte den Weg den Berg hinauf ab. Yaniv ging durch die Bäume, während einer der ägyptischen Soldaten ihm dichtauf folgte; er war ein großer, dünner, Soldat sudanesischer Abkunft, bewaffnet mit einer Tommy Gun. Yaniv sollte später erfahren, dass dies der Maschinengewehr-Schütze war, der den Angriff des Bataillons Moriah vereitelt hatte. Sie liefen weiter bis zu der als „Weißer Graben“ bekannten ägyptischen Position, einer alten türkischen Befestigung aus dem Ersten Weltkrieg, gebaut zur Verteidigung gegen britische Angriffe.

Wer waren die Ägypter, die sich dort 1948 verschanzten? Es handelte sich um Einheiten, die der Organisation der Muslimbruderschaft nahe standen. Wie kamen sie hierher? Die ägyptische Armee war früher im Jahr nach Israel eingedrungen, marschierte Richtung Tel Aviv, aber sie wurde in Aschdod an der Südküste gestoppt. Von dort machten sich einige Einheiten auf nach Osten in die Berge Judäas, schließlich waren sie auf dem Weg nach Jerusalem, darunter die Einheit der Muslimbrüder.

Yaakov Yaniv in der Mitte des Fotos, aufgenommen bei der Begegnung zwischen israleischen und ägyptischen Soldaten,. The Pritzker Family Naitonal Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Als sie am Graben ankamen, traf Yaakov Yaniv auf den Kommandeur der ägyptischen Truppe und war überrascht zu erfahren, dass dieser tatsächlich ein lokaler palästinensischer Araber aus dem nahe gelegenen Dorf Beit Safafa war. Sie sprachen Englisch und schließlich sagte ihm der palästinensische Kommandeur: „Du kannst die Leichen mitnehmen“, während er auf die ein paar Fuß von ihrem Standpunkt entfernt hingestreckten menschlichen Formen deutete. Sie Ansicht der völlig entblößten Leichen war verstörend, aber nach einem genaueren Blick erkannte Yaniv, dass sie nicht misshandelt wurden, sondern in schlimmem  Zustand waren, weil einige Zeit vergangen war, seit die Soldaten getötet wurden.

Yaniv schickte nach Decken und Tragen, um die Leichen der gefallenen Soldaten auf die israelische Seite zu bringen. Derweil bot ihm der palästinensische Kommandeur eine Tasse Tee an und sie setzten sich, um zusammen zu trinken. Der Kommandeur erzählte Yaniv, dass er die Truppe geführt hatte, die das Viertel Mekor Chaim von Beit Safafa aus ein paar Monate zuvor angegriffen hatte. Yaniv sagte ihm, dass sein Kommandeur, Danieli, Mitglied des Palmach, in Mekor Chaim geboren, die Truppe führte, die das Viertel gegen die Angriffe verteidigte.

Als er in dem ägyptischen Posten saß, hatte Yaniv keine Angst. Er wurde anständig behandelt, sagte er. Immerhin hatten sie ihm Tee angeboten und sie freuten sich, ihn mit ihm zusammen zu trinken. Mancher könnte es ein Wunder oder vielleicht nur einen absurden Moment mitten in den furchtbaren Schlachten des Unabhängigkeitskriegs nennen.

Als sie saßen und tranken, sammelten sich Soldaten um sie und als die Tragen und Decken kamen, stand der palästinensische Kommandeur auf und sagte: „Ich werde euch helfen die Tragen zu tragen.“ Er ging hinüber und griff ein Ende der Trage mit beiden Händen. Yaniv hielt sie am anderen Ende und zusammen gingen sie den Hügel Richtung Eisenbahn hinab. Die zweite Trage wurde von anderen Soldaten hinabgetragen.

Die Bilder

Als sie mit den Leichen der gefallenen Soldaten am Wartepunkt ankamen, waren bereits Männer aus Yanivs Einheit gekommen, um die Leichen in Empfang zu nehmen. Das war der Moment, als Yaniv seine Kodak-Kamera herausholte, die er sich vom ersten Gehalt kaufte, als er vor dem Krieg in der Hauptpost in der Allenby-Street in Tel Aviv arbeitete. Der Augenblick wurde für die Nachwelt festgehalten: Soldaten beider Armeen posierten für das Foto, Feinde im Krieg, die für kurze Zeit Partner in einer Operation waren, um die Leichen von IDF-Soldaten zur Beerdigung nach Israel zu bringen – eine Operation, bei der alle Teilnehmer ihr Leben riskierten.

Nach seiner Rückkehr konfiszierte Danieli, Yaakov Yanivs Kommandeur, den Film und drohte Yaniv mit einem Militärgericht. Danieli betrachtete die von seinem Untergebenen initiierte Operation als schweren Verstoß gegen militärische Vorgehensweisen – obwohl sie friedlich geendet hatte, war Yanivs Leben und möglicherweise das seiner Kameraden gefährdet worden. Yaniv unternahm die Operation alleine, ohne um Erlaubnis zu fragen. Hätte er darum gebeten, wäre ihm natürlich nie erlaubt worden eine solche Operation in einem ägyptischen Außenposten mitten im Krieg auszuführen. Zu Yanivs Überraschung wurde ihm der Film ein paar Tage später zurückgegeben und der Prozess vor dem Militärgericht fand nie statt.

Von rechts nach links: Der Kommandeur der ägyptischen Truppe, Yaniv (den Riemen der Kamera über der Schulter) und der sudanesische Maschinengewehrschütze. Sitzend: ein Soldat der Haganah. The Prizker Family Natoinal Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels

Die Begnadigung

Jahre später fragte Yaniv Kommandeur Danieli, warum er damals nicht vor Gericht gestellt wurde und Danieli antwortete, dass am Tag nach dem Vorfall Mosche Dayan, der Abschnittskommandeur, in dem Sektor ankam. Danieli erzählte Dayan, was passiert war und dieser antwortete mit einer typisch wegwerfenden Geste und wies Danieli an die Sache auf sich beruhen zu lassen. Es schien, dass für Dayan Yaakov Yanivs heldenhafte Tat schwerer wog als das Vergehen. Als ihm der Film zurückgegeben wurde, versteckte Yaniv ihn und ließ die Bilder so schnell wie möglich entwickeln. Er hatte sie seitdem immer bei sich. Eines Tages erhielt er einen Anruf des Militärhistorikers Dr. Nir Mann, der von Yaniv hörte, als er historisch zur Operation Yekev recherchierte. Als sie sich trafen, sah Mann die Fotos und schlug vor, dass Yaniv sie wegen ihres großen historischen Wertes der Nationalbibliothek Israel stiften sollte.

Die gefallenen Soldaten

Viele  Jahre waren vergangen, aber Yaakov Yaniv konnte nicht aufhören an die Soldaten zu denken, deren Leichen er zur Beerdigung nach Israel gebracht hatte. Er wollte wissen, wer sie waren. Er begann nachzuforschen und suchte nach Antworten; traf aber auf viele Schwierigkeiten, da er nicht aus demselben Bataillon war wie die Gefallenen und sehr wenig Informationen zu ihnen hatte. Er kontaktierte die Abteilung Familien und Gedenken im Verteidigungsministerium und erzählte ihnen seine Geschichte. Die Information, die er erhielt, beinhaltete die Namen der Soldaten und ein paar Dokumente, aber das war nur in Teilen genau. Nach Angaben der Aufzeichnungen des Ministeriums wurde an diesem Tag nur eine Leiche geborgen.

Schließlich beschloss Yaniv selbst zum Friedhof zu gehen und nach den Gräbern zu suchen. Auf dem Militärfriedhof auf dem Herzl-Berg, wo die Gräber der gefallenen Soldaten nach Krieg und Datum angeordnet sind, suchte er nach den Gräbern mit den Namen, die er erhalten hatte. Er entdeckte, dass einer von ihnen auf der Kuppe des Berges lag und der andere näher am Fuß. Beide Gräber hatten dasselbe Datum. Yaniv konnte nicht verstehen, warum zwei Menschen, die am selben Ort getötet wurden, die in derselben Einheit gedient hatten und deren Leichen – von ihm – zusammen geborgen wurden, an unterschiedlichen Stellen beerdigt wurden. Er erzählte das dem Verteidigungsministerium und bat, dass sie nebeneinander beerdigt werden; die Beamten im Ministerium versprachen, dass das gemacht werden würde.

Schließlich war Yaniv in der Lage die Identitäten der beiden gefallenen Soldaten zu entdecken, für deren anständige Beerdigung er sein Leben riskiert hatte: Beide waren Holocaust-Überlebende, die kurz zuvor in Israel angekommen waren, wo sie an die Front geschickt wurden. Keiner von ihnen hatte noch irgendwo in der Welt bekannte Verwandte. Sie waren die letzten Überlebenden ihrer Familien.

Seit damals geht Yaniv jedes Jahr am Abend vor jedem israelischen Gefallenen-Gedenktag auf den Militärfriedhof auf dem Herzl-Berg und legt Blumenkränze auf die zwei Gräber.

Zvi Kenner wurde in der Stadt Jasi in Rumänien geboren. Er arbeitete als Zimmermann und wartete auf die Auswanderung nach Israel, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Er überlebte den Krieg, der Rest seiner Familie nicht. 1948 kam er auf einem illegalen Einwandererschiff nach Israel, das abgefangen wurde; er wurde einige Monate auf Zypern interniert, bevor er am 8. August 1948 in die israelische Armee eintrat. Er wurde am 20. Oktober 1948 im Alter von 21 Jahren getötet.

Schmuel Szimanski, geboren in Polen, wurde als junger Schneider in die polnische Armee eingezogen. Er kämpfte später auf Seiten der Russen, bis nach Berlin, wurde geehrt, erhielt Orden für seinen Dienst und Mut. Vor dem Krieg war er Mitglied der Jugendbewegung Haschomer Hatzair und nach dem Krieg, als er entdeckte, dass keiner seiner Verwandten überlebt hatte, kontaktierte er erneut Mitglieder der Haschomer Hatzair und schloss sich einem Kibbuz an, in den er auf einem der letzten illegalen Immigrantenschiffe in Israel ankam. Er kam 1948 nach Israel, trat in die IDF ein und wurde zur Operation Yekev geschickt, um an der Schlacht gegen die Ägypter teilzunehmen, bei der er im Alter von 29 Jahren getötet wurde.

UNO-Resolution 194 und das „Rückkehrrecht“

Araberführer zeigen fälschlich auf die UNO-Resolution 194 als Beweis, dass arabische Flüchtlinge ein Rückkehrrecht haben, aber was ist mit den vergessenen jüdischen Flüchtlingen?

Elie E. Herz, Myths and Facts

Jüdische Flüchtlinge aus arabischen Ländern, 1950
Palästinensisch-arabische Flüchtlinge , 1950

Resolution 194, von der UNO-Vollversammlung am 11. Dezember 1948 beschlossen, beschäftigte sich mit einer ganzen Reihe von Dingen, aber nur einer von 15 Absätzen beschäftigte sich mit den vom Konflikt geschaffenen Flüchtlingen. Resolution 194 versuchte die Mittel zu schaffen, die nötig waren, um in der Region eine Waffenruhe zu erreichen. Sie schaffte eine Schlichtungskommission mit Repräsentanten aus den Vereinigten Staaten, Frankreich und der Türkei, die den UNO-Vermittler ersetzen sollte. Die Kommission erhielt den Auftrag „eine endgültige Regelung aller Fragen zwischen … betroffenen Regierungen und Obrigkeiten“ zu erzielen. Der „Flüchtlingsabschnitt“ ist kein allein stehender Punkt, wie die arabische Welt uns glauben machen will, sie gilt auch nicht spezifisch für die palästinensisch-arabischen Flüchtlinge.

Von den 15 Absätzen behandeln die ersten sechs Abschnitte Möglichkeiten eine Waffenruhe zu erreichen; die nächsten vier Absätze behandeln die Möglichkeit, dass Jerusalem und die es umgebenden Dörfer und Städte entmilitarisiert werden sollten und wie eine internationale Zone oder Zuständigkeit in und um Jerusalem herum geschaffen werden könnte. Die Resolution ruft zudem alle Seiten auf, den freien Zugang zu heiligen Stätten, einschließlich religiöser Gebäude, zu schützen zu gestatten.

Ein Absatz hat die meiste Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Paragraf 11, der als einziger die Flüchtlingsfrage und Kompensation für diejenigen anspricht, deren Eigentum verloren ging oder beschädigt wurde. Entgegen arabischen Behauptungen garantierte er kein Rückkehrrecht und er garantierte schon gar kein bedingungsloses Recht auf Rückkehr – also das Recht palästinensisch-arabischer Flüchtlinge nach Israel zurückzukehren. Genauso wenig erwähnte sie ausdrücklich arabische Flüchtlinge, womit signalisiert wurde, dass die Resolution alle Flüchtlinge meinte, sowohl jüdische wie auch arabische. Stattdessen empfahl Resolution 194, dass Flüchtlingen erlaubt wird in ihr Heimatland zurückzukehren, wenn sie zwei wichtige Bedingungen erfüllten:

1. dass sie bereit sind in Frieden mit ihren Nachbarn zu leben.

2. Dass die Rückkehr „zum frühest praktizierbaren Datum“ stattfindet.

Die Resolution empfahl zudem, dass denjenigen, die nicht zurückkehren wollten, von den „verantwortlichen Regierungen oder Obrigkeiten Entschädigung für ihr Eigentum … oder den Verlust oder Schaden an Eigentum“ gezahlt werden sollte.

Obwohl Araberführer auf Resolution 194 als Beweis zeigen, dass arabische Flüchtlinge ein Recht auf Rückkehr oder Entschädigung haben, ist es wichtig festzustellen, dass die arabischen Staaten Ägypten, Irak, Libanon, Saudi-Arabien, Syrien und Jemen gegen Resolution 194 stimmten. Israel wird in der Resolution nicht einmal erwähnt. Auch die Tatsache, dass die Wortwahl im Plural verwendet wird – „Regierungen und Obrigkeiten“ – legt nahe, dass entgegen arabischen Behauptungen die Last der Entschädigung nicht allein einer Seite des Konflikts zufällt. Weil sieben arabische Armeen nach Israel eindrangen, war Israel nicht für die Schaffung des Flüchtlingsproblems verantwortlich. Als hunderttausende arabischer Juden mit Morddrohungen und anderen Formen der Verfolgung angegriffen und zur Flucht aus arabischen Staaten gezwungen wurden, nahm der Staat Israel die überwältigende Mehrzahl von ihnen in der damals frisch gegründeten Nation auf.

Die vergessenen jüdischen Flüchtlinge

Aus einer Menge von – praktischen bis konfessionellen – Gründen hat Israel es versäumt das Thema der Mammut-Ungerechtigkeit aufzubringen, die fast einer Million Juden aus arabischen Ländern angetan wurde. Das Ausmaß und die vorsätzliche, staatlich geförderte Verfolgung, die 1948 die Flucht von fast 900.000 Juden aus ihren Heimen veranlasste, hat erst vor kurzem begonnen aufzukommen. Arabische Publizisten haben versucht die Flucht von Juden aus arabischen Ländern komplett vom arabisch-israelischen Konflikt abzutrennen; sie behaupten, das seien zwei separate Phänomene und dass die Israelis das Thema mit jedem einzelnen betroffenen arabischen Staat besprechen sollten, nicht mit den palästinensischen Arabern.

Das ist eindeutig ein Versuch die Geschichte umzuschreiben. Man muss nur den fast prophetischen Artikel in der New York Times zwei Tage nach Israels Erklärung seiner Unabhängigkeit überprüfen („Jews in Grave Danger in all Moslem Lands“ – Juden in allen muslimischen Ländern in großer Gefahr), um die Verbindung zu bestätigen. Die New York Times berichtete am 16. Mai 1948:

Seit fast vier Monaten liegt den Vereinten Nationen einen Appell zur „sofortigen und dringenden“ Erörterung des Falls der jüdischen Bevölkerungen in arabischen und muslimischen Ländern von Marokko bis Indien vor.“

Die New York Times schätzte die gefährdete jüdische Bevölkerung in einer Tabelle mit jedem einzeln aufgeführten Land auf 899.000 Menschen. Der Artikel führte die Entlassung von Juden aus dem öffentlichen Dienst in Syrien an, die Lösegeldzahlungen von $20.000 pro Kopf durch irakische Juden, die den Irak verlassen wollten, eine Zwangsabgabe für die libanesisch-jüdischen Gemeinden zur Unterstützung der arabischen Kriegsanstrengungen parallel zur Aufstachelung und physischen Angriffen auf Juden und dass Juden aus Afghanistan nach Indien flohen. Sie zitierte den Bericht des Wirtschafts- und Sozialrats der UNO:

„Das schiere Überleben der jüdischen Gemeinden in bestimmten arabischen und muslimischen Ländern ist in ernster Gefahr, wenn nicht ohne Verzögerung vorbeugende Maßnahmen getroffen werden.“

Feindschaft und Unterdrückung wurde nur stärker, was am Ende zum Exodus fast aller Juden aus allen arabischen und muslimischen Ländern von Casablanca bis Karachi führte.

Wie und warum gingen palästinensische Araber weg und wer war dafür verantwortlich?

Es ist wichtig die historische Aufzeichnung gerade zu rücken: Die überwältigende Mehrheit der palästinensisch-arabischen Flüchtlinge verließ, was der damals neu gegründete Staat Israel war, aus eigenem Antrieb wegen der strukturellen Schwäche innerhalb der palästinensisch-arabischen Gesellschaft und ihrer Führung.

Der Druck der Umstände der Kriegszeit löste den Kollaps dessen aus, was bereits eine zerbrechliche palästinensisch-arabische Gesellschaft war, insbesondere als palästinensisch-arabische Führer sich entschieden gegen den jüdischen Staat zu opponieren, indem sie offen mit Waffen hantierten, statt einen UNO-Plan für einen eigenen Staat zu akzeptieren. Diese Ereignisse bereiteten die Bühne für die Zwangsvertreibung zahlloser anderer palästinensischer Araber aus von den Juden gehaltenen Gebieten. Diese militärische Notwendigkeit ergab sich nach der Invasion Westpalästinas durch sieben arabische Armeen mit der Zielsetzung den neu geborenen Staat Israel auszulöschen.

Nach eigenen Angaben flohen geschätzte 600.000 palästinensische Araber aus dem Kriegsgebiet, das ihre Führer geschaffen hatten. Geschätzte 250.000 bis 300.000 dieser Flüchtlinge von 1948 verließen ihre Heime, noch bevor diese Teil der Kampfzone wurden.

Abgesehen von der menschlichen Tragödie entwurzelt zu werden, waren die arabischen Flüchtlinge weder glücklose Ziele noch unschuldige Zuschauer. Die erste Phase des Kriegs von 1948 war ein heftiger interethnischer oder antizionistischer Bürgerkrieg, in dem palästinensische Araber die Aggressoren und Initiatoren waren; die zweite Hälfte war ein offener Krieg mit regulären arabischen Armeen, deren Teilnahme die palästinensischen Araber arrangiert hatten.

Der Weg der Gewalt, den die palästinensischen Araber wählten – und die sich anschließende Angst, Orientierungsverlust und wirtschaftliche Mangel durch Krieg – führen zu ihrem eigenen kollektiven Ruin.

Der Zusammenbruch der palästinensischen Gesellschaft und Massenflucht

Was verursachte den Zusammenbruch der palästinensisch-arabischen Gesellschaft? Zum Teil war es das Fehlen einer alternativen arabischen Infrastruktur, nachdem die Briten aus Palästina abzogen. Zusätzlich gab es in der lokalen arabischen Gesellschaft ernste Brüche, die in osmanische Zeiten zurückreichten. Weil die palästinensisch-arabische Gesellschaft abhängig von der britischen Zivilverwaltung und Sozialdiensten gewesen war, hinterließ der Abgang der Briten die arabischen Verwaltungsangestellten arbeitslos zurück. Im Ergebnis hörten die meisten sozialen Dienste und Verwaltungen im arabischen Sektor auf zu funktionieren, was den Fluss notwendiger Massengüter wie Lebensmittel und Treibstoff unterbrach und zu den Nöten, der Ungewissheit und den Gefahren noch hinzu kam.

Im Gegensatz dazu hatte die jüdische Gesellschaft in Palästina oder der „Jischuw“, wie er auf Hebärisch genannt wurde, im Verlauf dreier Jahrzehnte unter dem Mandat seine eigene Zivilgesellschaft aufgebaut. Der Jischuw schuf seine eigenen Repräsentationsgremien und sozialen wie wirtschaftlichen Institutionen, einschließlich Gesundheits- und Sozialdiensten, ein öffentliches Transportnetzwerk sowie ein florierendes, hochentwickeltes Marketingsystem für gefertigte Waren und Lebensmittel – kurz gesagt einen Staat in Entstehung. Er wurde 1934 vom britischen Bericht an den Völkerbund am besten geschrieben:

„Während der letzten zwei oder drei Generationen haben die Juden in Palästina eine Gemeinschaft neu aufgebaut, die inzwischen 80.000 zählt, von denen etwa ein Viertel Bauern und Landarbeiter sind. Diese Gemeinschaft hat ihre eigenen politischen Organe, eine gewählte Versammlung für die Leitung ihrer internen Angelegenheiten, gewählte Räte in den Städten und eine Organisation zur Kontrolle ihrer Schulen. Sie hat ihr gewähltes Oberrabbinat und rabbinische Räte zur Führung ihrer religiösen Angelegenheiten. Ihre Aufgaben werden in Hebräisch als Volkssprache ausgeübt und eine hebräische Presse bedient ihre Bedürfnisse. Sie hat ihr eigenes intellektuelles Leben und zeigt beträchtliche wirtschaftliche Aktivitäten. Diese Gemeinschaft mit ihrer Stadt- und Landbevölkerung, ihren politischen, religiösen und sozialen Organisationen, ihrer eigenen Sprache, ihren eigenen Bräuchen, hat folglich ihr eigenes Leben, hat in der Tat ‚nationale‘ Charakteristika.“

Und während die Zeit verging:

„Diese Charakteristika sind im Verlauf der folgenden zwölf Jahr verstärkt und vergrößert worden. Heute gibt es in Palästina fast 300.000 Juden. Es ist ein ständiger Fluss an Menschen und Geld, neue Industrien werden gegründet, die Zitrusfrüchte-Kultur expandiert, neue Siedlungen entstehen, Städte werden durch Vorort um Vorort vergrößert.“

Während desselben Zeitraums hatten die Araber in Palästina jedoch all ihre Energie in die Bekämpfung jeglicher Form eines entstehenden jüdischen Gemeinwesens investiert. Obwohl die Briten die Gründung einer arabischen Agentur parallel zur Jewish Agency anregten, die die Entwicklung des jüdischen Sektors organisierte und finanzierte, misslang die Entwicklung einer ähnlichen arabischen Organisation.

Es war daher keine Überraschung, dass beim Abzug der Briten die palästinensischen Araber unorganisiert und schlecht vorbereitet blieben, nicht nur für die Eigenstaatlichkeit (die sie ohnehin ablehnten), sondern auch für einen langgezogenen Konflikt mit ihren jüdischen Gegnern. Am Ende verursachte der Krieg erschreckende Opfer bei den Juden und ließen tausende palästinensischer Araber obdachlos zurück.

UNO-Resolution 194:

A/RES/194 (III) vom 11. Dezember 1948 (englisch; deutsch)

„beschließt, dass den Flüchtlingen, die in ihre Heime zurückzukehren wünschen und in Frieden mit ihren Nachbarn zu leben, dies zum frühestmöglichen Zeitpunkt erlaubt wird und dass Ausgleichszahlungen für das Eigentum derer gezahlt werden sollte, die nicht in zurückkehren und für Verlust oder Schaden von Eigentum, das unter den Regeln des internationalen Rechts oder der Gleichbehandlung, von den verantwortlichen Regierungen wieder gut gemacht werden sollten;^

weist die Schlichtungskommission an, die Rückführung, Wiederansiedlung und wirtschaftliche und soziale Rehabilitation der Flüchtlinge und Entschädigungszahlungen zu erleichtern und engen Kontakt mit dem Direktor des UN-Flüchtlingswerks für palästinensische Flüchtlinge und durch ihn mit den entsprechenden Organen und Einrichtungen der Vereinten Nationen zu halten;

Die Verlogenheit der Nakba-Argumentation

Heute bei den Fratzen meinte einer wieder mal man dürfe „die Nakba nicht unter den Tisch fallen lassen“, als eine Israel-Aktivistin „11 Fakten zum Israel-Streit“ postete:

Er bekam von einem anderen User folgende Antwort (die er natürlich nicht akzeptieren wollte):

Dazu fällt mir dann noch ein, dass ein sehr beliebtes Argumentationsmittel der Relativierer auch ist: „Die Palästinenser dürfen nicht unter dem leiden, was wir (Deutsche/Europäer) den  Juden angetan haben.“

Das ist entweder reine Unkenntnis der Fakten oder bewusste Ignoranz und Irreführung.

Es impliziert nämlich, dass Israel nur wegen des Holocaust entstand; dass seitens der Araber nichts geschah, was die Gründung Israels hätte rechtfertigen können; und dass die Araber im Mandat Palästina nichts mit dem Holocaust zu tun hatten.

Letzteres ist nur indirekt richtig. Denn ihr Führer, derjenige, weitgehend bestimmte und lenkte, wie die Araber dort dachten und empfanden, Haddsch Amin al-Husseini, war ein Verbündeter Hitlers, der nur darauf wartete, dass die Wehrmacht in Palästina einmarschiert und er mit seinen Genossen die Juden so vernichten könnte, wie es Hitler in Auschwitz usw. machte. Al-Husseini wird bis heute verehrt. Er hatte seit Anfang der 1920-er Jahre immer mehr Einfluss genommen und gewonnen. Er hetzte zu Pogromen an  Juden auf. Er war derjenige, der 1941 im Irak die Farhoud veranlasste, ein großes Pogrom zur Vernichtung des irakischen Judentums. Hitler wird bis heute von palästinensischen Arabern verehrt. Sie beweisen das z.B. durch ihre mit Hakenkreuzen bemalten Terrordrachen, Hakenkreuzfahnen am Gaza-Grenzzaun bei den als „Marsch der Rückkehr“ ausgegebenen kriegerischen Angriffen auf die Grenzanlage zu Israel usw. bis hin zum Hitlergruß von Mitgliedern (nicht nur) der Terrororganisationen (hier der DFLP) und nach Hitler benannten Geschäften (hier im Gazastreifen):

Das heißt nicht, dass alle Palästinenser so sind, aber die entscheidenden waren so; diejenigen, die bestimmten, wo es lang ging. Sie haben mit dem Problem zu tun und das eigentlich von Anfang an.

Das gilt auch für die Judenfeindschaft auf Seiten der Palästinenser. Israel ist nicht aus heiterem Himmel nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen worden. Zum Zeitpunkt seiner Gründung gab es seit 30 Jahren den Aufbau staatlicher Institutionen, um diesen Staat zu schaffen. Es gab eine politische, soziale und Verwaltungsinfrastruktur, die nicht über Nacht aus dem Boden gestampft werden kann, auch nicht in drei Jahren. Der Jischuw hatte seit der Eroberung des Landes Israel durch die Briten 1918 daran gearbeitet, diese Strukturen zu errichten. Juden kamen zurück ins Land. 1948 war das Land so weit entwickelt, dass die Eigenstaatlichkeit möglich war.

Nur die Araber, die waren dagegen. Unter Haddsch Amin und seinen Kumpanen mordeten sie schon in den 1920-er Jahren, dass selbst die Briten begriffen, dass ihre Appeasement-Strategie ihm gegenüber gescheitert war und sie ihn festgenommen hätten, wäre er nicht geflohen und hätte aus dem Ausland weiter gemacht. Dass es 1948 Krieg gab, war keine Folge des Zweiten Weltkriegs, keine Folge des Holocaust, sondern einzig und allein folge des arabischen Judenhasses und des Willen die Juden zu vernichten. Die „Nakba“ ist nichts weiter als die Konsequenz dessen, was Araber seit spätestens 1921 im Land veranstalteten.

Die Behauptung, die Araber dürften nicht unter dem Holocaust leiden, den wir Deutsche/Europäer begangen haben, ist schlicht eine verlogene Ablenkung von den tatsächlichen Ursachen dessen, was im Land Israel vor 73 Jahren geschah.

Wenn also wieder einer mit der „Nakba“ kommt – haut ihm um die Ohren, was die Araber in der Zeit veranstaltet haben. Die Verbindung zu Holocaust ist verlogene Propaganda. Deutsche/Europäer sind nicht dafür verantwortlich, dass Israel gegründet wurde. Auch nicht dafür, dass die Araber ihren Vernichtungskrieg verloren. Eher dafür, dass sie ihn überhaupt angefangen haben. Weil sie ihnen die Propaganda lieferten, die geistigen Grundlagen für die Verschärfung ihres Judenhasses und – vor allem die Briten – die Waffen, mit denen sie die Juden vernichten wollten. Vor allem sind aber die Araber für ihre Niederlage und die Folgen verantwortlich. Sie haben den Krieg angefangen, sie haben ihn verloren und sie haben nichts dazu getan, dass die Folgen irgendwie aufgefangen wurden.