Erinnerung an den „Zweiten Exodus“ am 30. November

Lyn Julius, Jewish News (blogs), 18. November 2021

Ägyptisch-jüdische Flüchtlinge besteigen ein Schiff.

Am 29. Oktober 1956 schwamm Lilian Abda im Suezkanal; dann kamen ägyptische Soldaten und verhafteten sie. Abda wurde angeklagt versucht zu haben dem Feind Informationen zukommen zu lassen. „Ich wurde in meinem Badeanzug zur Polizeiwache gebracht“, erinnert sie sich. „Am nächsten Tag vertrieben sie mich und meine gesamte Familie aus dem Land.“

Diesen Herbst vor 65 Jahren war Lilian Abda eine von 25.000 Juden, die von Präsident Nasser nach der Suez-Krise aus dem Land geworfen wurde. Nasser rächte sich an den 60.000 Juden – ein Viertel war bereits nach 1948 geflohen – weil Israel mit Großbritannien und Frankreich konspiriert hatte in die Halbinsel Sinai einzumarschieren um terroristische Überfälle auf sein Territorium zu stoppen.

Unter Anführung von Notstandsgesetzen begann Nasser britische und französische Staatsbürger, einschließlich Juden, zu auszuweisen. Sie wurden in zwei Wellen vertrieben: Den ersten wurden 24 Stunden gegeben, um das Land zu verlassen. Den zweiten wurde befohlen das Land mit ihren Familien innerhalb von sieben Tagen zu verlassen.Die Brhöden stigmatisierten dann alle Juden als Zionisten, verhafteten sie wahllos und internierten sie.

Edna Anzarut-Turner, die einen britischen Reisepass besaß, hat immer noch Albträume wegen ihrer Vertreibung. Jedem Mitglied ihrer Familie wurde erlaubt eine Decke, einen Koffer und ein Pfund mitzunehmen. Ihre Cousine Myra und deren Verlobter Benny wurden interniert und in Handschellen aus dem Gefangenenlager für „kriminelle Zionisten“ in Moascar bie Aboukir geholt, um in der Nebi Daniel-Synagoge in Alexandria zu heiraten. Der Rabbiner lehnte es ab die Hochzeitszeremonie durchzuführen, wenn die Handschellen nicht abgenommen würden. Es folgte ein gewaltiger Streit  mit den arabischen Wachen. Die Handschellen wurden während der Trauzeremonie abgenommen; und Myra und Benny wurden zu einem Schiff gebracht, das Ägypten verließ.

Britische und französisch Staatsbürger waren nicht die einzigen, die verjagt wurden. Clement Soffer erinnert sich: „Ich wurde im Alter von 15 Jahren mit 24 Stunden Vorwarnung ausgewiesen, gezwungen meine ägyptische Staatsbürgerschaft aufzugeben. Sie gaben mir ein Dokument mit dem  Stempel „Gefährder der öffentlichen Sicherheit“ und sagten mir, dass ich niemals zurückkommen dürfe. Mir wurde nicht erlaubt meine Familie zu sehen.“

An einem Tag im Dezember 1956 störte ein Klopfen an ihrer Haustür in Heliopolis (in Kairo) den Haushalt der Simsolos. „Zwei Offiziere des Militärs und zwei Polizisten forderten meinen Vater auf ihnen zu folgen“, sagt Gilbert Simsolo. „Drei Wochen lang hörten wir nichts von meinem Vater und wussten nicht einmal, wo er festgehalten wurde. Meine Mutter fand ihn schließlich in einem Militärlager bei Kairo. Uns wurde gesagt, dass er nur freigelassen würde, wenn wir ins Ausland gingen. Ein paar Wochen später waren wir mit meinem Vater auf einem Schiff nach Italien, ohne dass wir nach Ägypten zurückkehren durften.“

Geschichten vom, wie er bekannt wurde, „Zweiten Exodus“ werden am 30. November wieder erzählt, dem Tag, der in Israel zum Tag bestimmt wurde, an dem der Flucht von fast einer Million Juden aus arabischen Ländern und dem Iran im Zeitraum von 30 Jahren gedacht wird. Meine Organisation Harif, JW3 und Sephardi Voices UK werden sich auf die Zeit der Vertreibung nach der Suez-Krise konzentrieren. Aber wir werden auch die Tatsache feiern, dass die meisten Flüchtlinge Zuflucht in Israel fanden; der Rest wurde im Westen willkommen geheißen. So traumatisch er auch war, fast kein Jude bedauert den Abgang aus Staaten, in denen Toleranz gegenüber anderen nicht selbstverständlich war.

Es ist wichtiger als je zuvor die Erfahrungen jüdischer Flüchtlinge aus arabischen Ländern aufzuzeichnen, weil die Geschichte umgeschrieben wird, um die Juden für ihren eigenen Abgang verantwortlich zu machen oder ihr Leid herunterzuspielen. Ein typisches Beispiel ist der Amateurhistoriker Dr. Mohamed Aboulghar, dessen revisionistische Geschichte der Juden Ägyptens sich offensichtlich wie warme Semmeln verkauft.

Es reicht nicht um Gerechtigkeit zu kämpfen; wir müssen auch für die Wahrheit kämpfen.

Um am Gedenkabend am 30. November teilzunehmen oder online zuzusehen, siehe die  Internetseite von JW3 oder besuchen Sie www.harif.org/.

Der Sinai-Feldzug – Lektionen eines vergessenen Krieges

Die Torheit internationaler Garantien.

Ari Lieberman, FrongPage Mag, 1. November 2018

Vor 62 Jahren, am 29. Oktober 1956, setzten sechzehn C-47 Dakotas-Transportflugzeuge der israelischen Luftwaffe (eines von einer Frau pilotiert) 395 Fallschirmjäger tief hinter ägyptischen Linien auf der Sinai-Halbinsel ab, direkt außerhalb des Mitla-Passes. Stunden zuvor durchtrennten israelische P-51 Mustang ägyptische Telefonleitungen im Sinai mit ihren Flügeln und Propellern, womit sie die ägyptische Militärkommunikation erheblich störten. Diese Aktionen stellten die Eröffnungsschüsse des Sinai-Feldzugs dar, der den Codenamen Operation Kadesch hatte; es handelte sich um ein groß angelegtes israelischen Militärunternehmen, das sich gegen Israels damaligen Hauptgegner Ägypten richtete. Der Absetzung der Fallschirmjäger folgten Vorstöße am Boden.

Es gab vier Gründe für den Angriff. Erstens blockierte Ägypten unters seinem angriffslustigen, pan-arabischen Führer Gamal Abdel Nasser, die Straße von Tiran, einen internationalen Seeweg, für israelische Schiffe. Als Ergebnis wurde damit Israels südliche Hafenstadt Eilat nutzlos gemacht und sein Seezugang zu Teilen von Asien und Afrika war abgeschniten.

Zweitens hatte Ägypten seit den frühen 1950-er Jahren Fedajin-Angriffe auf Israel gesponsert. Die Fedajin waren zumeist Palästinenser, von Ägypten bewaffnet, ausgebildet und bezahlt. Sie starteten ihre Terroranschläge zum größten Teil aus Ägypten und Jordanien heraus. Einer der berüchtigsten davon war als Massaker am Skorpionpass bekannt , ein tödlicher Anschlag aus dem Hinterhalt, bei dem 11 Eggedbus-Fahrgäste, darunter Frauen und Kinder, tot zurückblieben. Mindestens eine Passagierin wurde vor ihrer Ermordung vergewaltigt. Kadesch zielte darauf Ägypten für seine Rolle bei den Fedajin-Anschlägen zu bestrafen und Fedajin-Basen im Gazastreifen und dem Sinai zu zerstören.

Drittens schloss Ägypten 1955 eine großen Waffenkauf mit der Sowjetunion ab, die im Gegenzug die Tschechoslowakei als geeigneten Gesprächspartner nutzte. Der Deal beinhaltete den Verkauf hunderter T-34-Panzer, Schützenpanzer, Artillerie, MiG-15-Jagdflugzeuge, Iljuschin Il-28-Bomber und Marinefahrzeuge an Ägypten. Ein solch großer Waffentransfer veränderte die Machtbalance zugunsten von Ägypten. Israels Verteidigungsminister Mosche Dayan schätzte, dass es Ägypten Jahre kosten würde diese massive Menge an Material aufzunehmen und wenn es das getan hätte,-würde es Israel angreifen. Nasser verpasste keine Gelegenheit seiner Basis und der arabischen Welt als Ganzem seine schändlichen Absichten zu verkünden. Und Israel nahm diese Drohungen ernst. Von daher entschied sich Israel, dass, wenn Krieg schon unvermeidlich war, es besser war, wenn er eintrat, bevor die Ägypter lernten mit ihren neuen Spielzeugen umzugehen.

Schließlich unterzeichnete Nasser nur Tage vor Ausbruch der Feindseligkeiten gegenseitige Verteidigungsverträge mit Syrien und Jordanien. Israel war nun an allen Grenzen von feindlichen Gegner umringt. Nasser provokatives Handeln überzeugte Premierminister David Ben-Gurion, dass Israel keine andere Wahl hatte.

Es war eine Blitzoperation und beinhaltete klassische israelische gekonnte und schnelle Manöver sowie zahlreiche Finten, die den Feind weiter verwirren und desorientieren sollten. Innerhalb einer Woche war alles vorbei. Die ägyptische Armee im Sinai war vernichtet und die Fedajin-Basen ausgelöscht worden. Große Mengen an sowjetischer Ausrüstung fielen den Israelis in die Hände. Diese schafften es sogar einen ägyptischen Zerstörer zu erobern, den Israel prompt in den eigenen Dienst nahm. Am wichtigsten aber war, dass Israels Schiffe nun die Straße von Tiran ohne Angst beschossen zu werden passieren konnten.

Ägypten legte nie eine offizielle Verlustliste offen, aber es wird geschätzt, dass das ägyptische Militär rund 3.000 Soldaten verlor, während weitere 5.000 gefangen genommen wurden. Israel hatte 177 im Kampf Getötete. Israels Sieg stellte die Fortsetzung eines Musters dar, das mit dem ersten arabisch-israelischen Krieg begann und bis heute andauert.

Ägypten bezeichnet den Sinai-Feldzug etwas unaufrichtig als dreifache Aggression, weil Israel einige seiner Aktivitäten mit Frankreich und Großbritannien koordiniert hatte. Aber die ägyptische Namensgebung übersieht die Tatsache, dass der anglo-französische Kriegszug mit dem Codenamen Musketeer noch nicht einmal begann, bis Israels Operation Kadesch abgeschlossen war. Mit anderen Worten: Allein Israel stand Ägypten gegenüber und besiegte es gründlich. Nebenher wird Musketeer als anglo-französisches Debakel betrachtet, getrübt von politischer und militärischer Unentschlossenheit.

Wegen Drucks aus der Administration Eisenhower wurde Israel genötigt seine territorialen Errungenschaften aufzugeben, aber die Israelis sicherten sich etwas Raum zum Atmen. Eine multinationale Streitmacht, die unter der Aufsicht der Vereinten Nationen agierte, wurde in den von den Israelis geräumten Gebieten stationiert. Israel stellte auch eine Garantie der Vereinigten Staaten und der Weltmächte sicher, dass Israels maritime Rechte an der Straße von Tiran geschützt würden.

Elf Jahre später, im Mai 1967, erwiesen sich diese Garantien als nicht einmal das Papier wert, auf dem sie geschrieben waren. Und die UNO-Streitkräfte, die stationiert waren, um den Frieden zu sichern, zerstreuten sich sang- und klanglos auf Nassers Forderung hin abzuziehen. Am 5. Juni 1967 trieb arabische Kriegslust Israel ein weiteres Mal den Rasen zu mähen.

Der Sinai-Feldzug ist heute eine ferne Erinnerung und fast vergessen, aber eine wichtige Lektion darf trotz daraus gezogen werden. Israel kann sich niemals erlauben sich in Sachen der eigenen Sicherheit auf internationale Garantien oder die Dritter zu verlassen. Die  Umstände ändern sich mit der Zeit und die Seite, die die Garantie aussprach, egal wie wohlwollend oder gutmeinende, könnte nicht länger in der Position sein diese Garantien durchzusetzen oder könnte durch andere Verpflichtungen abgelenkt sein. Im Fall der Erneuerung der ägyptischen Blockade über die Straße, war Lyndon Johnson von Vietnam zu abgelenkt, um sich um einen kleinen Seeweg in einem fernen Land zu sorgen. Was die UNO angeht, sie hat sich als nutzlos erwiesen, weil sie korrupt ist. Israel darf sich nie erlauben seine Sicherheit irgendjemand anderem anzuvertrauen als seinen Verteidigungskräften. 1967 lernte Israel das auf die harte Tour.