1948 geht vor 1967

Während der ersten Intifada war der Jahrestag zum 6-Tage-Krieg im Juni von großer Bedeutung. Heute ist das anders. Was hat sich geändert?

Danny Rubinstein, Ha’aretz, 6. Juni 2004

Am gestrigen 5. Juni war der 37. Jahrestag des Ausbruchs des 6-Tage-Krieges. Im palästinensischen Sprachgebrauch wird dies „Nakhsa“ genannt, was in Sturz oder Niederlage zu übersetzen ist; anders ist es mit der „Nakba“ von 1948, was so viel wie Katastrophe, Holocaust, Schandtat bedeutet.

Die Palästinenser betrachteten die Nakba immer als größere Tragödie als die Nakhsa, aber ihr Kampf legte mehr Betonung auf Israels Besatzung der Gebiete und weniger auf die Deportation der Flüchtlinge. Was ist in den letzten Jahren des blutigen Konflikts geschehen, dass die Niederlage von 1967 vergessen ist, während die Erinnerung an die Katastrophe von 1948 stärker wird?

In den ersten Jahren nach dem Krieg von 1967 feierten die Palästinenser in der Westbank und dem Gazastreifen den Jahrestag des Krieges mit Paraden und Demonstrationen und Dutzenden Versammlungen und Feierlichkeiten. Während der ersten Intifada (1987-1991) z.B. gab es Streiks und Störungen von Schulunterricht und Arbeit, wie auch gewalttätige Vorfälle, die in den Gebieten aufflammten. Im Gegensatz dazu hielt die palästinensische Öffentlichkeit in diesem Jahr nur eine Hand voll Veranstaltungen ab, bei denen diese sechs Tage im Juni 1967 erwähnt wurden, als die Westbank und der Gazastreifen (sowie der Sinai und der Golan) erobert wurden. Die palästinensische Presse widmete dem Thema in ihren Wochenendausgaben ebenfalls nur geringe Aufmerksamkeit: Eine Zeitung brachte die Memoiren von Abu Anton Seniora aus Jerusalem, der den Tag des Ausbruchs der Kämpfe aus seiner Sicht als Beschäftigter des UN-Hauptquartiers im Armon Hanatziv in der Hauptstadt beschrieb. Abgesehen davon gab es ein paar Artikel und Ankündigungen durch verschiedene Organisationen – und das war’s dann schon. Es gibt keinen Vergleich zu dem, was an diesem Tag in der Vergangenheit gewöhnlich statt fand.

Wir können den Wandel im Licht der von Yassir Arafat ausgeführten Strategie in den Jahren des Friedensprozesses betrachten. In seinen Hunderten, vielleicht Tausenden öffentlicher Auftritte seit den Oslo-Vereinbarungen stellte Arafat sicher, dass er den Wahlspruch nutzte, der das palästinensische Volk aufrief zum Kampf „bis der unabhängige Staat mit Jerusalem als seiner Hauptstadt gegründet ist“. Er wiederholte diesen Aufruf bis zum Überdruss, gemeinsam mit der Forderung der Umsetzung von UN-Sicherheitsrats-Resolution 242, die die Palästinenser und viele andere so interpretieren, dass sie eine Rückkehr zu den Grenzen von 1967 bedeutet.

Gemeinsam mit der Betonung, die Arafat und seine Leute in jenen Jahren auf die Notwendigkeit eines israelischen Rückzugs auf die Grenzen von 1967 legten, fiel die Tatsache besonders auf, dass sie eine Beschäftigung mit dem Flüchtlingsproblem vermieden, das von der Nakba von 1948 geschaffen wurde. In Übereinstimmung mit dem palästinensischen Sprachgebrauch beschäftigten sie sich mit „dem Fall 1967“ und entschieden sich „den Fall 1948“ geschlossen zu halten.

All das änderte sich in den letzten zwei bis drei Jahren. Der Untergang des Friedensprozesses drängte den Fall Nakhsa beiseite und eröffnete den Fall Nakba neu. Das kann auch vor dem Hintergrund einer Schwächung des zentralen Konzepts des Friedensprozesses betrachtet werden – „zwei Staaten für zwei Völker“. Wenn die fraglichen Staaten ein jüdischer Staat und ein arabischer Staat sind, dann ist die logische Schlussfolgerung, dass die Palästinenser die Verwirklichung des Rückkehrrechts opfern müssen.

Zahlen der UNO beziffern die Anzahl der Flüchtlinge heute auf rund 4 Millionen; und selbst, wenn keinem großen Teil von ihnen die Rückkehr nach Israel selbst erlaubt wird, würde das bedeuten, dass Israel aufhören würde ein jüdischer Staat zu sein. Israelische Kommentatoren haben regelmäßig angemerkt, dass die Umsetzung des Rückkehrrechts das Konzept von drei Staaten für ein Volk – das palästinensische – verwirklichen würde. Die drei Staaten sind Jordanien, die Westbank mit dem Gazastreifen und der Staat Israel – von denen alle eine palästinensische Mehrheit haben würden.

Der Mann, der mutigerweise seine Bereitschaft erklärte, das Rückkehrrecht zu opfern, ist Sari Nusseibeh in seinem gemeinsamen Programm mit dem ehemaligen Shin Bet-Direktor Ami Ayalon. Yossi Beilins und Yassir Abed Rabbos „Genfer Initiative“ beinhaltet ebenfalls eine palästinensisch Bereitschaft zur Aufgabe des Rückkehrrechts, obwohl dies dort weit vager formuliert ist. [heplev: Alle palästinensischen Vertreter der Genfer Initiative betonten, dass das Rückkehrrecht NICHT aufgegeben wurde!]

Dennoch reden Arafat und palästinensische Sprecher dieser Tage oft über die Rückkehr – mehr, als sie das je seit der Konferenz von Madrid 1991 getan haben, die am Beginn des Friedensprozesses stand. Es ist kein Zufall, dass der Nakba-Tag, der auf den 15. Mai fällt, dieses Jahr von den Palästinensern auf weitaus breitere Weise gefeiert wurde, als in den voran gegangenen Jahren. So brachte die palästinensisch Zeitung „Al-Ayyam“ eine Sonderteil mit dem Titel „Das Rückkehrrecht“, der Artikel einiger der besten palästinensisch Schreiber in den Gebieten, Israel und der palästinensischen Diaspora enthielt. Einige von ihnen kritisierten Arafat direkt dafür, dass er nicht Nusseibeh und Abed Rabbo nicht schalt, dass sie das Rückkehrrecht aufgaben. Andere schrieben über die jetzige Intifada als Fortsetzung der Nakba von 1948, weil Israel weiterhin die Flüchtlinge angriff. Sie führten die Zerstörung des Flüchtlingslagers in Jenin an (bei der Operation „Schutzschild“ im April 2002), beschrieben detailliert die schweren Schäden, die den Lagern Khan Yunis und Balata zugefügt wurden und den jüngsten Abriss Dutzender Häuser in den Flüchtlingslagern in Rafah.

Der größte Anteil der palästinensischen Wut in den letzten Wochen war gegen US-Präsident George Bush gerichtet, der in seiner Pressekonferenz mit Ariel Scharon am 14. April im Wesentlichen den palästinensischen Flüchtlingen das Rückkehrrecht verweigerte. Einwohner von Jenin erzählten einem Reporter von „Al-Ayyam“, dass der als Abu Raschid bekannte Khaled Mansour, 70-jähriger Flüchtling aus Haifa, sich Zuhause auf sein Fernsehgerät stürzte und es zerschlagen wollte, als er Bush reden hörte.

Ein palästinensischer Journalist aus Ostjerusalem, der letzte Woche gefragt wurde, was sein Blatt für den Jahrestag des 6-Tage-Krieges vorbereitet, antwortete: „Fast nichts. Für uns Palästinenser ist der Krieg von 1967 zu einem großen Teil einer, der mit Jordanien, Ägypten und Syrien zu tun hat, nicht unser Krieg. Die Nakba und die Intifada dagegen gehören ganz und gar uns.“

Als internationale Garantien komplett versagten

David Makovsky, Jerusalem Post, 4. Mai 2017

Ein ägyptischer Arbeiter montiert Poster von Gamal Abdel Nasser, dessen Schließung der Straße von Tiran den Sechstage-Krieg herbeiführte. (Foto: Reuters)

Die Unentschlossenheit der internationalen Gemeinschaft und vage Garantien im Vorfeld des Kriegs von 1967 erteilten den Israelis eine wichtige, warnende Lektion: Wenn es hart auf hart kommt, dann müssen sie selbst in der Lage sein sich zu verteidigen.

Da wir uns dem 50. Jahrestag des Kriegs von 1967 nähern, sollten wir eine aus dem Vorlauf zum Krieg bleibenden Lektionen nicht vergessen sollten. Diese lautet, dass Vereinbarungen durch ihre eigenen Vorzüge stehen müssen und nicht auf abstrakten internationalen Garantien für die Zukunft gründen können. Diese Idee wurde im Mai 1967 in das Bewusstsein Israels eingebrannt. Diese schmerzliche Lektion verstärkte den zionistischen Ethos der Autarkie. Menachem Begin sollte später den bekannten Satz sagen: „Es gibt keine Garantie, dass man eine Garantie garantieren kann.“

Am 22. Mai 1967 schloss Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser die Straße von Tiran – für Israel ein lebensgefährlicher Schlag, da es von Ölimporten aus dem Iran abhängig war. Israel glaubte, es habe 1957 von der der internationalen Gemeinschaft eine Garantie erhalten, dass sie die von Nasser geschlossene Straße wieder öffnen werde, wie sie das 1956 getan hatte.

Nach der Suezkrise (Sinai-Krieg) von 1956 machte Premierminister David Ben-Gurion prinzipiell zu von der Halbinsel abzuziehen, verlangte aber mehrere Garantien, bevor Israel den Schritt machen konnte: Zu den Sicherheiten, die er anstrebte, gehörte, dass die Straße von Tiran nicht wieder blockiert wird und dass israelische Schiffe Zugang zum Golf von Aqaba und den israelischen Hafen Eilat haben würden. Er strebte zu dem die Garantie an, dass die UNO-Eingreiftruppe (UN Emergency Force, UNEF) im Sinai nicht nur allein auf Forderung der Ägypter zurückgezogen werden kann.

Präsident Dwight Eisenhower hatte das Gefühl, dass Israel die Pflicht hatte die UNO-Resolution einzuhalten und abzuziehen und konnte nicht mit Bedingungen für einen Abzug aufwarten. Gleichzeitig gestand er ein, dass es legitime Bedenken hatte. Um im März 1957 die Quadratur des Kreises zu schaffen, bot er Israel einen Text an, der im US-Außenministerium als aide-memoire bekannt war; darin hieß es: „Kein Staat hat das Recht die freie und gutartigen Passage in den Golf und durch die Straße, die den Zugang zu ihm gewährt, mit Gewalt zu verhindern“ und dass „die Vereinigten Staaten im Interesse von Schiffen im US-Register bereit ist, das Recht der freien und gutartigen Passage geltend zu machen und sich anderen anzuschließen, um die allgemeine Anerkennung dieses Rechts sicherzustellen“, wobei explizit erklärt wurde, dass die Blockade der Straße nicht hinnehmbar ist. Er implizierte, erklärte aber nicht, dass die USA bereit wären militärische Mittel einzusetzen, um seinen Worte Rückendeckung zu geben.

In einem dem aide-memoire folgenden Brief an Ben-Gurion schrieb Eisenhower, Israel „wird keinen Grund haben seine Entscheidung zum Abzug zu bereuen“. Ben-Gurion übermittelte Eisenhower, er „betrachte die freie Schifffahrt durch die Straße von Trian und in den Golf von Aqaba als mehr oder weniger sichergestellt“.

In der Folge von Nassers Schritt in der Straße schickte Premierminister Levi Eschkol Außenminister Abba Eban auf eine stürmische Reise nach Paris, London und Washington, um zu sehen, ob die internationale Gemeinschaft die Straße wieder öffnen und Krieg abwenden würde. Eban sah sich allerdings einem veränderten politischen Kontext als dem von zehn Jahren zuvor gegenüber. Charles de Gaulles Frankreich vertrug sich inzwischen mit der arabischen Welt nach dem französischen Abzug aus Algerien und war nicht länger der Paria, der es in den 1950-er Jahren war. De Gaulle räumte Eban gegenüber ein, dass die Verpflichtung die Straße von Tiran offen zu halten, eingegangen worden war. Michael Oren schreibt dazu in seinen Six Days of War, dass de Gaulle danach erklärte: „Das war 1957“, und hinzufügte: „Heute haben wir 1967.“ Präsdient Lyndon Johnson war mit Vietnam beschäftigt und seine Berater mussten zu Eisenhowers Ruhestand-Wohnsitz in Gettysburg in Pennsylvania eilen, um herauszufinden, was versprochen worden war.

Johnsons Generalstabschef General Earle Wheeler mochte die britische Idee einer „Regatta“ oder einer Gruppe Schiffe aus verschiedenen Ländern nicht, die durch die Straße fahren sollten, um Nasser zu zwingen sie zu öffnen. Gefragt, war gemacht werde für den Fall, dass Ägypten auf die USA schießt, falls deren Streitkräfte sich die Durchfahrt durch die Straße erzwingen, erklärte Wheeler: „Das bedeutet Krieg.“ Die Idee mit der Regatta verlief im Sande.

Der Gedanke, dass internationale Garantien nicht wasserdicht sind, sollte jedoch nicht mit dem Gedanken verwechselt werden, dass Israel sich nur auf Gewalt verlassen sollte. Der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel von 1979 sowie der Friedensvertrag zwischen Jordanien und Israel von 1994 haben in den letzten zwei Jahrzehnten enormen regionalen und bilateralen Erschütterungen standgehalten.

Kritiker verhöhnten beide Verträge als lediglich einen kalten Frieden. Diese Vereinbarungen haben sich für Israel jedoch enorm bezahlt gemacht.

In der Zeit nach dem Krieg von 1973, schätzen offizielle Zahlen der USA, dass Israel die Hälfte seines Bruttosozialprodukts für Militärausgaben ausgab. Auf Grundlage dieses Anteils würde das bedeuten, dass Israel haute fast $150 Milliarden im Jahr ausgeben würde. Tatsächlich betragen Israels Militärausgaben nach Angaben des International Institute for Strategic Studies in London weniger als $19 Milliarden. (Von diesem Betrag kommen $3,1 Milliarden aus den USA, weitere $500 Millionen unterstützen Israels Verteidigung gegen Raketen.) Der Unterschied der beiden Beträge ist offensichtlich enorm – eine Friedensdividende von mehr als $130 Milliarden in jedem einzelnen Jahr. Diese Gelder gehen stattdessen in Straßen, Schulen, Kliniken und eine Vielzahl weiterer Programme, die zu die Lebensqualität der Israelis in die Höhe schießen ließ.

Frieden hat also bedeutet, dass bilaterale Militär-Sicherheits-Beziehungen zwischen Israel und Ägypten sowie Israel und Jordanien sich infolge gemeinsamer Bedrohung durch ISIS, Hamas und anderer Jihadisten auf einem Höchststand befinden. Die Quintessenz lautet, dass ordentlich aufgebaute Vereinbarungen für Israels Sicherheit enorm wichtig gewesen sind und den Test de Zeiten überstanden haben. Vereinbarungen, die den Interessen beider Seiten dienen, funktionieren.

Diese unterscheide sich fundamental von allgemeinen Versprechen internationalen Eingreifens Dritter für zukünftige Krisen, in denen es keine vertragliche Bündnisse gibt. Es gab viele Faktoren, die zum Krieg im Juni 1967 beitrugen; einer davon war, dass internationale Garantien von einem Jahrzehnt zuvor vergänglich waren. Als der politische Kontext sich für die außen stehenden Seiten änderte, verflüchtigten sie die Garantien.

Fairerweise muss gesagt werden, dass internationale Garantien und Sicherheitsvereinbarungen nicht dasselbe sind. Sollte die Lektion von 1967 von der NATO oder den USA geführte Sicherheitsarrangements im Jordantal im Fall eines israelisch-palästinensischen Durchbruchs ausschließen? Das Thema ist einstweilen aus einer Reihe von Gründen extrem theoretisch geworden, darunter die enormem Lücken in Fragen zwischen Israel und den Palästinenser sowie der Gesamtstabilität des Nahen Ostens in der Zeit nach dem Arabischen Frühling. Natürlich sind unzählige Faktoren zu berücksichtigen und ein aide-memoire von Eisenhower für ein theoretisches Zukunftsszenario würde sich entscheidend von detaillierten, konkreten, nachhaltigen Sicherheitsvorkehrungen unterschieden, die Israel in die Lage versetzen würde sich erfolgreich zu verteidigen, wenn diese Arrangements zusammenbrechen.

Die Unschlüssigkeit im Vorfeld des Kriegs von 1967 lehrt uns immer noch eine wichtige Lektion der Vorsicht, die veranschaulicht, wo internationale Garantien komplett versagten. Wenn es hart auf hart kommt, muss Israel in der Lage sein sich selbst zu verteidigen.

Erinnerung an die Bedrohung vom Mai 1967

Michael Freund, Jerusalem Post, 18. Mai 2017

Während die Nation sich darauf vorbereitet den 50. Jahrestag der Wiedervereinigung von Jerusalem und die Befreiung von Judäa, Samaria und dem Golan zu feiern, liegt es vielleicht in der Natur der Sache, dass wir uns vorrangig auf den wunderartigen Ausgangs des Sechstage-Kriegs im Juni 1967 zu konzentrieren. Nach 1.900 Jahren des Sehnens war das jüdische Volk endlich mit dem herzen unseres angestammten Heimatlandes wiedervereint, als göttliche Fügung Israel einen schallenden Sieg über unsere Gegner schenkte.

Zum ersten Mal seit die römischen Legionen unter Titus Jerusalem in Brand setzten, standen heilige Orte wie der Tempelberg, Schiloh und Hebron wieder unter voller jüdischer Souveränität und Kontrolle.

Es war ein Sieg für die Ewigkeit, ein Wendepunkt in der Geschichte, der das jüdische Schicksal neu formte, als die Träume unserer Vorfahren in Wirklichkeit verwandelt wurden; Juden konnten wieder in den Hügeln von Judäa, den Weinbergen von Samaria und den mit Steinen gepflasterten Gassen Jerusalems leben und spielen, beten und arbeiten.

Doch inmitten der Festlichkeiten ist es nicht weniger wichtig sich der Ereignisse des Mai 1967 zu erinnern, als die Drohung der Vernichtung über der Nation lastete, weil unsere Nachbarn schworen dem jungen jüdischen Staat den Gnadenstoß zu versetzen.

Inbesondere heute, wo die Palästinenser und ihre Anhänger haben Erfolg damit gehabt die historische Wahrheit mit Hirngespinsten und Unwahrheiten zu vergiften, wird ein kurzer Blick zurück auf das, was sich vor dem Krieg abspielte dazu dienen das falsche Narrativ zu untergraben, das von unseren Feinden bemüht wird.

Erst einmal behalten Sie bitte im Hinterkopf, dass es im Mai 1967 keine israelische „Besatzung“ gab, keine jüdischen „Siedlungen“ und keine „Verjudung“ von Jerusalem. Trotzdem gab es jede Menge arabischer Anfeindungen, der Äther war angefüllt mit schaurigen Drohungen die Juden ins Meer zu treiben.

Am 8. Mai 1967 erklärte Syriens Informationsminister Mahmud Zuabi offen, dass sein Land bald „ernstere Schlachten führen wird, bis Palästina befreit und die zionistische Präsenz beendet ist“.

Acht Tages später, am 16. Mai, fiel Radio Kairo ein und verkündete: „Die Existenz Israels hat schon zu lange Bestand… Wir heißen die Schlacht willkommen, auf die wir so lange gewartet haben. Die Stunde des Höhepunkts ist gekommen. Die Schlacht ist gekommen, mit der wir Israel vernichten werden.“

Für den Fall, dass jemand ihre Botschaft nicht begriffen haben sollte, war das Radio in Kairo am nächsten Tag noch unverblümter: „Ganz Ägypten ist vorbereitet, um in totalen Krieg zu tauchen, der Israel ein Ende bereiten wird.“

Unter diesen Drohungen unternahm der ägyptische Diktator Gamal Abdel Nasser konkrete Schritte zur Vorbereitung für Völkermord am jüdischen Staat; er verdoppelte die ägyptischen Truppen im Sinai und stationierte hunderte Panzer nahe der südlichen Grenze Israels. Nasser orderte dann, dass die 3.400 Mann starke United Nations Emergency Force sofort abgezogen wird, die seit einem Jahrzehnt im Gazastreifen und dem Sinai stationiert war, um Konflikt zu verhindern.

Weniger als eine Woche darauf, am 22. Mai machte die UNO genau das; die Truppen verließen feige ihre Posten, womit sie die Bühne für eine ägyptische Invasion bereiteten.

Ägyptens Radiosender „Stimme der Araber“ strahlte hämisches Feiern des Abzugs der UNO aus und verkündete: „Es gibt kein Leben, keinen Frieden und keine Hoffnung für die Banden des Zionismus im besetzten Land zu bleiben. Von heute an gibt es keine internationale Notfalltruppe mehr, um Israel zu beschützen… Die einzige Methode, die wir gegen Israel anwenden werden, ist ein totaler Krieg, der die Vernichtung der zionistischen Existenz zur Folge haben wird.“

Mit dem Abgang der UNO machte Nasser mit der Schließung der Straße von Tiran für israelische Schiffe weiter, eine Handlung, die zehn Jahre zuvor, 1957, US-Präsident Dwight D. Eisenhower gesagt hatte, sie würde als Kriegshandlung betrachtet werden.

Am 25. Mai verlegten Syrien, Jordanien, der Irak und Saudi-Arabien Truppen an Israels Grenzen, womit sie den jüdischen Staat wie Aasgeier, die sich darauf vorbereiten sich auf ihre Beute zu stürzen.

Sechs Tage später nahm der irakische Präsident Abdel-Rahman Aref kein Blatt vor den Mund, als er erklärte, warum sein Land Soldaten in das Gebiet schickte; er behauptete: „Die Existenz Israels ist ein Fehler, der korrigiert werden muss. Das ist unsere Gelegenheit die Schmach auszulöschen, die uns seit 1948 begleitet. Unser Ziel ist klar – Israel von der Landkarte zu wischen.“

Derweil machte sich auch die 1964 gegründete PLO für den Krieg bereit. Auf die Frage in einem Interview, was mit Israels Juden im Fall eines Krieges geschehen würde, erklärte PLO-Gründer Ahmed Schukairy am 1. Juni schlagfertig: „Diejenigen, die überleben, werden in Palästina bleiben. Ich schätze, dass keiner von ihnen überleben wird.“

Vier Tage später brach der Krieg aus und der Rest ist Geschichte.

Oder etwa nicht?

Trotz der Umstände, die eindeutig demonstrieren, dass Israel im Sechstage-Krieg in einen Verteidigungskrieg um seine Existenz verwickelt war, stellt ein Großteil der internationalen Gemeinschaft heute die Übernahme von Territorium 1967 fälschlich als aggressive Handlung oder „Besatzung“ dar.

Schlimmer noch: Sie spielen das palästinensische Märchen mit, dass es beim arabisch-israelischen Konflikt nur um Jerusalem, Judäa und Samaria geht, obwohl es in Wirklichkeit, wie die Ereignisse von 1967 zeigen, die zugrunde liegende Ursache in der Weigerung der Araber eine dauerhafte jüdische Präsenz in der Region zu akzeptieren besteht.

Während wir uns also der Erinnerung an Israels wunderbaren Sieg vor fünf Jahrzehnten erfreuen, wollen wir unsere Anstrengungen verstärken die Welt an die einfache Wahrheit zu erinnern, die viele von uns nicht sehen wollen. Der Auftakt zum Krieg von 1967 ist ein entscheidender Teil der Geschichte, einer, der den ihm folgenden Ereignissen dringend notwendige Klarheit und Kontext schafft.

Einfach gesagt: Der jüdische Staat schuldet niemandem eine Entschuldigung dafür, dass er seine Feinde niederstarrte und das Territorium einnahm, das genau diese Feinde als Plattform nutzten, von der aus sie uns vernichten wollten.

Israels Präsenz in Jerusalem, Judäa und Samaria ist historisch gerechtfertigt, moralisch recht, biblisch bevollmächtigt und militärisch notwendig, um unser Überleben sicherzustellen. Und wir werden bis ans Ende der Zeiten in diesen Gebieten bleiben, ob das der Welt gefällt oder nicht.

Wer muss abziehen?

Yisrael Medad, My Right Word, 11. März, 2017

Resolution 242 des UNO-Sicherheitsrat weist Bedenkliches auf.

Sie erwähnt kein „palästinensisches Volk“.

Sie erwähnt nur „Staaten“.

Sie sagt nicht, dass Israel aus „allen Gebieten…“ abziehen muss und definiert den Erwerb von „allen/jedem Territorium“ nicht als unzulässig.

Und noch eins:

Die Forderung nach „Abzug“ ist auf „bewaffnete Kräfte“, also die IDF beschränkt.
Bis November waren bereits mehrere zivile Gemeinden gegründet worden.
Ist es möglich, dass jüdischen Zivilisten bleiben können?

 

Wie die Siedlungen „illegal“ wurden

Moshe Dann, Jerusalem Post, 23. Juli 2009

Israel schlug, angegriffen, 1967 zurück und eroberte die Golanhöhen von Syrien, die Sinai-Halbinsel und den Gazastreifen von Ägypten und Judäa, Samaria und Jerusalem (die Westbank) von Jordanien. Israel war ein zweiter Holocaust angedroht worden und es gab wenige, die sein Handeln in Zweifel zogen. Niemand sprach von einem palästinensischen Staat; es gab kein „palästinensisches Volk“.

Viele Rechtsexperten akzeptierten Israels Recht seine historische Heimat zu „besetzen“ und sich darin niederzulassen, weil die Gegend von den einfallenden arabischen Ländern seit 1948 illegal besetzt war. Eine Organisation allerdings – das Internationale Komitee vom Roten Kreuz – war anderer Meinung.

Bei einem geheimen Treffen Anfang der 1970-er Jahre in Genf legte das IKRK fest, dass Israel die Vierte Genfer Konvention verletze. Auf Grundlage der Haager Konventionen wurde die GK IV nach dem Zweiten Weltkrieg entworfen, um unschuldige Zivilisten zu schützen und brutale Besatzungen beschneiden. Einseitig kehrte das IKRK das in eine Waffe zur Delegitimierung und Dämonisierung Israels.

So weit bekannt, baute das IKRK auf keinerlei rechtlichen Präzedenzfällen auf; sie erfand „das Recht“.

Gleichzeitig Richter und Geschworene, fehlte seiner Entscheidung der Anschein eines ordentlichen Verfahrens. Da alle Entscheidungen und Protokolle des IKRK zu dieser Sache unter Verschluss sind, bleibt selbst die Identität der Beteiligten ein Geheimnis. Und es gibt keine Berufungsinstanz. Ohne Transparenz oder juristische Ethik wurde das Urteil des IKRK zu „internationalem Recht“. Seine Verurteilungen Israels liefern die Basis für Anschuldigungen der „illegalen Besetzung“ allen 1967 eroberten Territoriums durch Israel.

Obwohl die meisten Mitglieder der internationalen Gemeinschaft, ihrer NGOs und Institutionen die Autorität des IKRK und anderer Institutionen, wie dem Internationalen Gerichtshof, als einzige Schiedsrichter dafür akzeptieren, was „legal“ ist oder nicht, ist es seltsam, dass manche israelische Politiker und Juristen Israels legalen Anspruch auf die Territorien nicht verteidigen können. Und Israels Anspruch ist überzeugend.

1945 wurde die UN-Charta angenommen; Artikel 80 hält fest: „…ist dieses Kapitel nicht so auszulegen, als ändere es unmittelbar oder mittelbar die Rechte von Staaten oder Völkern oder in Kraft befindliche internationale Übereinkünfte, deren Vertragsparteien Mitglieder der Vereinten Nationen sind.“ Das bedeutet, dass die Bezeichnung „Palästina“ als „Nationale Jüdische Heimstatt“, im britischen Mandat eingeschlossen und durch internationale Vereinbarungen vom Völkerbund und dem US-Kongress angenommen, Israels souveräne Rechte in diesem Gebiet garantiert. Alle jüdischen Siedlungsaktivitäten waren und sind daher legal.

Zwei Jahre später, mitten in einem sich ausweitenden Bürgerkrieg, schlug die UNO die Teilung Palästinas zwischen Juden und Arabern vor – womit sie die Bedingungen des Mandats änderte; die Juden akzeptierten, die Araber begannen einen Vernichtungskrieg.

Als Großbritannien das Mandat beendete und [das Mandatsgebiet] verließ, wurde der Staat Israel ausgerufen und den örtlichen Mobs, die die Juden seit Jahren angriffen, schlossen sich fünf arabische Armeen an. Der Waffenstillstand von 1949 – für die Juden die Unabhängigkeit, für die Araber die nakba (Katastrophe) – hatte keinen palästinensischen Staat zur Folge, weil die Araber ihn nicht wollten. Die arabischen Führer akzeptierten Israels Existenzrecht als jüdischer Staat nicht – die meisten lehnen ihn heute noch ab.

Unter dem Druck der Russen und der arabischen Staaten nahm der Sicherheitsrat die Resolution 242 an, die von Israels Rückzug von einigen – nicht allen – dieser eroberten Gebiete im Zusammenhang mit einem abschließenden Friedensabkommen spricht. In der Frage der Souveränität blieb sie ausweichend und problematisch.

Israels Politik und das oberste Gericht nahmen Abstand davon, die volle Souveränität über die gewonnen Gebiete geltend zu machen, aber da es keine reziproken Gesten gab, stimmten sie zu Juden die Erlaubnis zu geben, in Jerusalems Altstadt und nach Gush Etzion zurückzukehren, wo eine blühende Gruppe Siedlungen 1947 ausgelöscht worden war. Sie erlaubte in einem Kompromiss den Bau von Kiryat Arba bei Hebron, wo die jüdische Gemeinde bei arabischen Krawallen 1929 ausgelöscht worden war; den Juden wurde zum ersten Mal seit 700 Jahren erlaubt in der Machpela-Höhle zu beten, einem antiken Gebäude, in dem sich die Gräber der jüdischen Patriarchen und Matriarchen befinden.

Obwohl sie frei waren, die UNRWA-Flüchtlingslager mit neuen Chancen und Herausforderungen zu verlassen, forderten die Palästinenser weder Eigenstaatlichkeit noch Frieden mit Israel. Die PLO, die behauptete die Palästinenser zu repräsentieren, widmete sich dem Terrorismus, nicht dem Aufbau einer Nation.

Für manchen ist dies keine „Rechtsfrage“, sondern eine moralische: Juden sollten nicht über andere herrschen („besetzen“). Also zog sich Israel einseitig aus fast allen „palästinensischen“ Städten, Gemeinden und Dörfern zurück und übergab als Teil der Oslo-Vereinbarungen 1994 und ein paar Jahre später in den Abkommen von Wye und Hebron große Gebiete an die PA/PLO ab.

Als Israel sich aus dem Gazastreifen zurückzog, wurde dieser zu einer Bastion der Hamas. „Land für Frieden“ bedeutet in Wirklichkeit „Land für Terror“.

Unter dem Einfluss dieser Ereignisse, aufgehetzt durch die Islamisten, ermutigt von israelischen Zugeständnissen und mit dem Bestreben den Staat zu untergraben, identifizieren sich israelische Araber als „Palästinenser“ und fordern ein Ende der „jüdischen Besatzung“ und Diskriminierung und die Vernichtung des Staates. Andere verfechten, dass „Israels jüdische und demokratische“ Natur bedroht ist, wenn weiter eine große Anzahl Araber dazu gehört, die nicht loyal sind und sich nicht mit dem Staat identifizieren. Doch fast alle „Palästinenser“ leben unter der Herrschaft der PA, nicht unter israelischer. Der jetzige Streit dreht sich daher um Territorium, nicht um die Bevölkerung.

Vorhersagen einer „arabischen demographischen Zeitbombe“ haben sich nicht als realistisch oder genau erwiesen. Darüber hinaus könnte nachgedacht werden, arabischen Einwohnern volle Bürger- und Menschenrechte ohne politische Rechte zu geben, wie das in den meisten anderen Ländern der Fall ist, zusammen mit der Neuansiedlung arabischer „Flüchtlinge“ im Libanon, Syrien, Jordanien usw., der Auflösung der UNRWA-Lager, der Beendigung des Terrorismus und der Hetze gegen Israel.

Dass ein zweiter (oder dritter) arabisch-palästinensischer Staat eine existenzielle Bedrohung für Israel sein würde, scheint offensichtlich. „Land für Frieden“ ist fehl geschlagen. Warum also weiter dafür werben?

Juni 1967: damit wir nicht vergessen

Point of No Return, 5. Juni 2015

Israelische Fallschirmjäger nach der Eroberung der Westmauer in der Altstadt von Jerusalem im Juni 1967 und Jahrzehnte später

Israels Sieg im Sechstagekrieg hatte dramatische Auswirkungen auf die wenigen Tausend Juden, die noch arabischen Ländern lebten. Mit der Ausnahme von Syrien und dem Irak, wo Juden praktisch als Geiseln gehalten wurden, floh die weit überwiegende Mehrheit der verbliebenen Juden aus Ägypten, Libyen, Marokko und Tunesien nach dem Krieg, was die seit biblischen Zeiten dort bestehenden Gemeinschaften an den Rand des Aussterbens brachte. Einige arabische Regierungen verfolgten ihre Juden aktiv, als wären sie unter ihnen lebende Israelis gewesen.

Im Verlauf der nächsten Tage wird Point of No Return sich darauf konzentrieren, was mit den Juden in den einzelnen arabischen Ländern geschah.

Es gab also im Juni 67 keine Bedrohung? Echt?

Robert Werdine, Times of Israel, 31. Mai 2012

Nach meinem Kalender steht der 45. Jahrestag des Sechstagekriegs bevor und der Kehrreim, der die Bedrohung leugnet und herunterspielt, der sich der jüdische Staat damals gegenüber sah und der aus den Kreisen von Israels revisionistischen Kritikern ausströmt, wird zweifelsohne wieder zu hören sein.

Ich muss zugeben, dass ich das immer reichlich seltsam fand. Als passionierter Student der Militärgeschichte habe ich das Studium der Umstände des Sechstagekriegs (wie ich das bei allen arabisch-israelischen Kriegen mache) immer faszinierend gefunden: die Rollenverteilung der Beteiligten, das Drama des Cowntdowns zum Krieg, der Zusammenprall von Selbstüberhebung und Heldentum, von Mut und Feigheit, aber vor allem, wie ein kleiner, junger Staat seinen Weg durch eine Krise der Gefahr und Ungewissheit tastete, hin zu Kontrolle, Sicherheit und Sieg. Wenn ich das ignoriere, dann ist meine Ignoranz unheilbar, da ich keine Mühen gescheut habe das zu begriefen; und ich habe so ziemlich jedes Buch dazu durchstöbert, das ich in den letzten 25 Jahren in die Hände bekommen konnte. Wie jemand die Umstände des Konflikts kennen kann und einfach auf eine Landkarte sehen und die Gefahr nicht sehen kann, der sich Israel Anfang Juni 1967 ausgesetzt sah, ist mir ein Rätsel.

Natürlich gibt es da immer das arabische Narrativ, das – vorhersagbar – das israelische Handeln als nicht provozierte Aggression darstellt; das ist nicht überraschend. Doch es verstört, dass das westliche, revisionistische Narrativ herunterspielt, dass die Bedrohung fortbesteht. Nach Angaben des „Neuen“ Historikers und Kolumnisten Tom Segev in seinem ansonsten sehr interessanten und informativen „Israel, the War, and the Year That Transformed the Middle East“ (2006 – Israel, der Krieg und das Jahr, das den Nahen Osten verwandelte) gab es mi Mai und Juni 1967 keine arabische Bedrohung – schon gar keine „existenzielle“ Bedrohung des Lebens des jüdischen Staates. Die Israelis, die im Schatten des Holocaust immer noch die Hände rangen, reagierten über, obwohl sie in Wirklichkeit nichts zu fürchten hatten außer die Furcht selbst. Segev sieht in diesen zum Krieg führenden Tagen in Israel nichts als Panik und Hysterie. Jede Sorge zu der Gefahr, die jetzt an Israels Grenzen klingelt, „hat keine Grundlage in der Realität“ und „es gab in der Tat keine Rechtfertigung für die Panik, die dem Krieg voraus ging, auch nicht für die Euphorie, die danach um sich griff“.

Hier schüttelt Segev den Kopf und gibt angesichts des in Erwartung eines Massakers vor dem Krieg schon Gräber aushebenden Israelis ein „ts-ts-ts“ von sich:

„Nur eine Gesellschaft, die durchtränkt ist von der Erinnerung an den Holocaust konnte sich derart akribisch auf den nächsten vorbereiten.“

Und dann gab es – natürlich – Israels kriegslüsterne Generäle:

„Die klammerten sich an die israelische Kultur der Jugend fest; sie waren wie brünstige heranwachsende Jungs oder Bullen. Sie glaubten an Gewalt und wollten Krieg. Krieg war ihr Schicksal.“

Norman Finkelstein, der mit einer widerlichen und abscheulichen Schmutzkampagne zu Berühmtheit aufstieg, der jüdische Staat nutze den Holocaust als Ermächtigung für seine angebliche Kriminalität und Unterdrückung, geht sogar noch weiter als Segev. In einer provokativen Rezension von Michael Orens Six Days of War (2002) postuliert er die volle Verantwortung Israels für die Krise mit Syrien, die zu dem Konflikt führte; er argumentiert, dass das alles – weit davon entfernt die Antwort auf eine echte Bedrohung zu sein – alles ein zynischer Landraub war, um die Grenzen des nicht bedrohten jüdischen Staates auf Kosten seiner schutzlosen, Frieden anstrebenden arabischen Nachbarn auszudehnen und um dem ägyptischen Diktator Gamal Abdel Nasser und dem arabischen Nationalismus einen tödlichen Schlag zu versetzen. Er deutet außerdem an, dass der israelische Angriff auf das amerikanische Spionageschiff USS Liberty kein Versehen war.

„Es gab tatsächlich keine Rechtfertigung für die Panik, die dem Krieg voraus ging…“

„Sie glaubten an die Gewalt und wollten Krieg…“

Wirklich?

Der Dritte arabisch-israelische Krieg war von keiner Seite vorher geplant. Die Krise, die zum Konflikt führte, erwuchs natürlich direkt aus dem nicht vorhandenen Frieden zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn, damals in seinem 19. Jahr. In den Jahren seit den Waffenstillstandsvereinbarungen von 1949 hatten die Israelis praktisch einer Epidemie von Infiltrationen und Terrorangriffen an all ihren Grenzen erlitten, die im Verlauf der Jahre in einem anscheinend endlosen Kreislauf destabilisierender arabischer Angriffe und israelischer Gegenangriffe und Vergeltung weiterging.

Die Stationierung von UNO-Friedensschützern 1957 im Sinai nach dem Suezkrieg von 1956 machte die Grenze nach Ägypten weitgehend ruhig, doch an den Grenzen zu Syrien und Jordanien flammten ständig Angriffe und Gegenangriffe auf. Der Krise im Mai und Juni 1967 gingen direkt die fortgesetzten Bemühungen der Syrer voraus die Israelis daran zu hindern das Land in der demilitarisierten Zone an ihrer Grenze zu kultivieren; und der „Wasserkrieg“ zwischen Israel und Syrien, von syrischen Anstrengungen provoziert das Wasser des Jordan abzuleiten, hätten die Kapazitäten des israelischen Wasserleitsystems um rund 35% und Israels gesamte Wasserversorgung um rund 11% gekürzt.

Die Syrer feuerten im November 1964 massiv auf den Kibbutz Dan, weitere drei Male im Verlauf des Jahres 1965; jedes Mal erhielten sie eine scharfe Reaktion der IDF. Im Juli 1966 wurde ein weiterer syrischer Angriff von der israelischen Luftwaffe beantwortet, die einige Bulldozer zerstörte und eine syrische MiG-21 abschoss, die eingreifen wollte.

Im Januar 1967 feuerten syrische Panzer – ohne unprovoziert und ohne Warnung – rund 30 Granaten auf den Kibbutz Almagor und streuten massiv Feuer aus leichten Maschinengewehren af den Kibbutz Shamir, wobei zwei Personen verletzt wurden. Bei weiterem von diesen Aktionen provozierten Geplänkel wurde ein Israeli getötet und zwei andere wurden von einer Anti-Personen-Mine verletzt, für die die Terroristen der Fatah die Verantwortung reklamierten, die aber syrische Erkennungszeichen trugen. Und für den Fall, dass daran gezweifelt wird, wer hier die ersten Schüsse abgab, wollen wir die seltene Offenheit einer Sendung von Radio Damaskus vom 17. Januar 1967 die Dinge richtigstellen lassen:

<„Syrien hat seine Strategie geändert und sich von der Verteidigung auf Offensive verlegt… Wir werden die Operationen fortführen, bis Israel eliminiert worden ist.“

Nacn weiteren Provokationen wurde von Levi Eskol, dem damaligen israelischen Premierminister, Ende März die Entscheidung getroffen auf den nächsten syrischen Angriff auf die demilitarisierte Zone heftig zu antworten. Als dann am 7. April zwei Traktoren, die in der Nähe von Tel Katzir arbeiteten, wie von den Israelis erwartet von den Syrern mit Feuer aus 37mm-Kanonen beschossen wurden, schossen israelische Panzer zurück und die Syrer antworteten nicht mit Beschuss der Panzer, sondern damit die nahe gelegene israelische Siedlung mit 81mm- und 120mm-Mörsern zu bombardieren.

Der Golan war daraufhin übersät mit Kanonen- und Maschinengewehrfeuer; bis 13:30 Uhr stellten UNO-Beobachter fest, dass etwa 247 syrische Artilleriegranaten den Kibbutz Gadod getroffen hatten, wo mehrere Gebäude zerstört wurden. Die israelische Luftwaffe handelte direkt, handelte rasch und beschoss syrische Bunker und Artilleriestellungen. Syrische MiG-21 trafen am Himmel über Damaskus auf Mirages der IAF; innerhalb von dreißig Sekunden schoss die IAF sechs MiGs ab und stellten komplette Überlegenheit im syrischen Luftraum her. Um ihren Triumph zu betonen, flogen die IAF-Mirages dann eine Siegesschleife um Damaskus.

Am 8. April 1967 polterte Radio Damaskus:

„Unser bekanntes Ziel ist die Befreiung Palästinas und die Liquidierung des dortigen zionistischen Bestandes. Unsere Armee und unser Volk werden jedem arabischen Kämpfer ihre Unterstützung geben, der für die Rückkehr Palästinas handelt.“

Am 10. April 1967 prahlte der Beamte al-Bath, wie immer ohne angesichts von Desaster und Blamage den Mut zu verlieren, ausgelassen:

„Unser heldenhaftes Volk, das Kriegslieder singt, sehnt sich danach die letzte Schlacht zu beginnen. Es gibt keine Möglichkeit die Besatzung zu beseitigen, als die Basen des Feindes zu zerschlagen und seine Macht zu zerstören.“

* * *

Abgesehen von der Gewalt an den Grenzen war eines der Dinge, die die Krise vom Mai 1967 so schwierig einzudämmen machte, das ständige Macho-Gehabe und das konkurrierende, rhetorische Muskelspiel der regionalen Araberführer darüber, wer „dem Zionismus und Imperialismus gegenüber weich“ sei und wer nicht.

Der Vorfall vom 7. April – unter anderem – löste eine neue Runde interarabischen Gezänks aus und die gegenseitige Verspottung unter den arabischen Hauptstädten nahm merklich zu. König Hussein, der nach dem Samu-Angriff von 1966 Nasser verhöhnte hatte, er „verstecke sich hinter den Röcken der UNEF“, stichelte jetzt wegen seiner Untätigkeit wegen des Vorfalls am 7. April und schlug ihm den folgenden sarkastischen Spott entgegen: „Unser Feind weiß leider jetzt, wie ernst es Präsident Abdel Nasser meint, als er in seiner jüngsten Rede sagte, die VAR [Vereinigte Arabische Republik – heplev] würde sich der Schlacht in dem Moment anschließen, in dem Syrien von Israel angegriffen wird.“

Hussein hatte die Ba’ath-Partei in Damaskus verhöhnt, indem er (fälschlich) feststellte, man hätte an den drei abgeschossenen syrischen Flugzeugen, die in Jordanien abstürzten, Raketen aus Holz gefunden; Assad, hieß es, würde ihnen keine echten geben.

Um nicht ausgestochen zu werden, antwortete Nasser: „Jordanien wird eine Garrison des Imperialismus, ein Trainingslager für Söldnerbanden, ein reaktionärer Außenposten zum Schutz Israels.“ Hussein sei, wie sein Großvater, mit den Juden im Bunde, die „geborene Spione, aufgezogen in Verrat“ seien – Hussein arbeitete für die CIA. Und: „Hussein ist ein Lakai der Imperialisten.“

Hussein antwortete im Gegenzug, es sei Nasser, der „der einzige arabische Führer ist, der in Frieden und Ruhe mit Israel lebt. Nicht ein Schuss ist aus seiner Richtung gegen Israel geschossen worden… Wir hoffen, er ist mit seiner Schande zufrieden.“

Wie fiese Teenager reizten sich die arabischen Führer auf diese Weise einander mit unerträglichem Gruppendruck, um irgendwie gegen Israel vorzugehen; zusätzlich zu diesem ständig eskalierenden Austausch von Schulkinder-Verhöhnungen zwischen den arabischen Hauptstädten erfuhr die bereits gespannte Lage am 13. Mai eine weitere Steigerung: Die Sowjets informierten die Ägypter offiziell (und falsch), dass Israel Syrien angreifen werde. Am selben Tag forderte Hafez al-Assad, dass Ägypten Israel als Ablenkung angreifen solle.

Als jedoch der ehemalige ägyptische Feldmarschall Muhammed Fawzi zu Konsultationen in Damaskus eintraf, war er überrascht keinerlei Beweise dafür zu finden, dass die IDF Truppen an der syrischen Grenze zusammenzieht: kein Mobilisierung der Reserve und keine ungewöhnliche Stationierung von Truppen und schweren Waffen.

Am 14. Mai lud Levi Eshkol den sowjetischen Botschafter in Syrien zu einer Inspektion der israelischen Seite der Grenze ein; sie wurde abgelehnt, wahrscheinlich aus dem einfachen Grund, dass die Sowjets – die ihre eigenen Lügen nicht glaubten – wussten, dass es keine Stationierung von Truppen gab. Am nächsten Tag vermerkte Odd Bull, der Chef der UNO-Waffenstillstandsbeobachter, er habe „absolut keine Berichte über Truppenstationierungen“ von Grenzbeobachtern erhalten.

In den nächsten Tagen warf Nasser die den Frieden schützenden UNEF-Truppen (United Nations Emergency Force) aus dem Sinai, remilitarisierte den Sinai und den Gazastreifen und blockierte am 22. Mai die Straße von Tiran – alles gesetzeswidrig und eklatante kriegerische Akte. Auch er selbst hielt mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Er nannte die UNEF „eine Truppe, die dem Neoimperialismus dient“ und befahl ihren Abzug bis zum 16. Mai. Drei Tage später parierten sie und an diesem Abend plärrte Radio Kairo: „Das ist unsere Chance, oh Araber, Israel einen tödlichen Vernichtungsschlag zu versetzen.“

Nasser sagte am 27. Mai in einer Rede vor einer Versammlung der arabischen Gewerkschaften:

„Wir wissen, dass die Schließung des Golfs von Aqaba Krieg mit Israel bedeutet. Wenn der Krieg kommt, wird er total sein und das Ziel wird die Vernichtung Israels sein. Das ist arabische Macht.“

Israels Abzug aus den im Krieg 1956 besetzten Sinai und Gazastreifen 1957 hing damals von der Garantie der UNO ab, dass der Sinai und der Gazastreifen entmilitarisiert blieben, vom internationalen Status des Golfs von Aqaba und der Straße von Tiran und der Unantastbarkeit der maritimen Rechte Israels dort. Die UNO stationierte die United Nations Emergency Force, um die Friedenssicherung im Sinai entlang der israelisch-ägyptischen Grenze zu beobachten. Israel legte außerdem fest, dass jeder Bruch dieser Garantien durch Ägypten eine Kriegshandlung darstellt und dass Israel sich auf seine Rechte unter Artikel 51 der UN-Charta berufen würde, um sich zu verteidigen.

Am 20. Februar 1957 sagte Präsident Eisenhower:

Wir sollten davon ausgehen, dass Ägypten, wenn Israel sich zurückzieht, die israelische Schifffahrt daran hindert den Suezkanal oder den Golf von Aqaba zu benutzen. Sollte Ägypten, was zu bedauern wäre, danach die Waffenstillstandsvereinbarung oder andere internationale Verpflichtungen verletzen, dann sollte die Vereinigung der Nationen entschieden damit umgehen.

Man muss nicht erst erwähnen, dass mit dem Handeln Nassers im Mai 1967 „von der Vereinigung der Nationen“ nicht „entschieden umgegangen“ wurde und dass Israel, das seinen Rückzug aus dem Sinai von den Versprechen der USA und der UNO abhängig gemacht hatte, dass der nicht kriegerische Status des Sinai und des Gazastreifens und israelische maritime Rechte am Golf von Aqaba und der Straße von Tiran sicher gestellt würden, die als internationale Wasserstraße anerkannt waren, vollständig im Stich gelassen wurde. Im Mai 1967 bestätigte sogar Eisenhower in einem Interview die von den USA 10 Jahre zuvor Israel gegenüber eingegangenen Verpflichtungen, sehr zum Beschämen der Johnson-Administration, die dieser Verpflichtung ganz geschäftig auswich.

Als UNO-Generalsekretär U-Thant sich mit Nasser traf, um ihn zum Überdenken seines Handelns zu drängen, sagte Nasser ihm:

„Wir werden nie in einer besseren Position sein als jetzt. Unserer Streitkräfte sind gut ausgerüstet und ausgebildet. Wir werden alle Vorteile haben, wenn wir zuerst angreifen. Wir sind uns des Sieges sicher. Meine Generäle sagten mir, dass wir gewinnen werden – was würden Sie ihnen sagen?“

Und so taten die Vereinten Nationen – wie drei Jahrzehnte später bei Saddam Hussein und den 17 nicht durchgesetzten Resolutionen des Sicherheitsrats zur fehlenden Einhaltung der Zusammenarbeit mit den Inspektoren, unternahm die UNO absolut nichts zu Nassers offenen Missachtung des internationalen Rechts und seiner dreisten Werbung für seine Absichten einen Akt unrechtmäßiger Aggression zu begehen, außer sich laut über dessen „unglückliches“ und „nicht hilfreiches“ Verhalten zu beschweren. Nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal war Israel von der UNO komplett beschwindelt worden, um die Versicherungen zu seiner Sicherheit zu akzeptieren und dann restlos seinem Schicksal überlassen zu werden.

Am 27. Mai hatte der sowjetische Botschafter Nasser informiert, dass die Amerikaner von einem bevorstehenden ägyptischen Angriff auf Israel Wind bekommen hätten. Am selben Tag gab der ägyptische Feldmarschall ‘Amer Befehle zum Angriff auf den Negev aus, doch Nasser – auf die mögliche amerikanische Intervention und das offensichtliche, von den Sowjets zum Ausdruck gebrachte Unbehagen zu eine solchen Eventualität hingewiesen – widerrief den Befehl. ‘Amer war wütend. Ungeduldig und erpicht darauf in den Krieg zu ziehen, hatte er Nasser gesagt: „Durch das Warten verliert Ägypten den Krieg noch bevor er angefangen hat.“

(‘Amer sollte bald schon allen Krieg bekommen, den er wollte.)

Es gibt einige Hinweise darauf, dass Nasser durch die Remilitarisierung des Sinai, den Rauswurf der UNEF und die Schließung der Straße von Tiran einen blutlosen politischen Sieg gerade eben noch ohne Krieg anstrebte, der sein Prestige als erster Führer der arabischen Welt konsolidieren würde; er war geleitet von seinem Glauben, das die UNO die Supermächte intervenieren würden wie ein Ringrichter beim Boxen, um Israel und die Araber zu trennen und sie zurück in ihre Ecken zu schicken, bevor alles außer Kontrolle geriet.

Es ist freilich klar, dass Nasser die Anwesenheit der UNEF im Sinai 1967 in einer Weise betrachtete, die der des Saddam Hussein bezüglich der UNO-Waffeninspekteure in den 1990-er Jahren glich – als fremden Übergriff auf seine Souveränität und Beleidigung für sein Prestige und dass Nasser – wie er von der UNO und seinen hochrangigen Militärberatern wusste – dass es keine israelische Drohung gegen Syrien gab, dass er lediglich diese jüngste Krise als Gelegenheit nutzte sei rauszuwerfen.

Das ist zweifellos wahr. Doch das Gewicht der Beweise überzeugt sogar noch mehr, dass er auch von einem Glauben geleitet war – weithin vom arabischen Lager geteilt – dass endlich die Zeit für den finalen Showdown mit dem „zionistischen Gebilde“ gekommen war, um die Demütigungen von 1948 und 1956 wegzuwischen und dass Israel, das seinen Sieg von 1956 nur mit der Hilfe von Großbritannien und Frankreich erzielte, der vereinten Macht der Araber nicht alleine widerstehen könne und dass nur Krieg wiedergewinnen konnte – und musste – was den Araber durch Krieg genommen worden war.

Gleichermaßen klar ist, dass er nicht aufgrund eines Masterplans handelte und lediglich seine Rhetorik und sein Handeln entsprechend der Ereignisse improvisierte, deren Diener er öfter war als deren Herr. Doch mit dem Rauswurf der UNEF, der Remilitarisierung des Sinai und der Schließung der Straße von Tiran zündete er ein Feuer an, das er jetzt nicht löschen konnte, ohne einen demütigenden Prestigeverlust hinzunehmen – was immer seine vorrangige Sorge war. Die durch diese Handlungen geschaffene Krise brachte sein Prestige in der arabischen Welt in nie da gewesene Höhe; überschwängliches Lob floss ihm jetzt aus jedem arabischen Lager zu. Die Hauptstädte im gesamten Nahen Osten waren jetzt im Griff eines hysterischen Taumels zum Anfeuern eines Krieges und versanken in Ozeanen von Demonstranten, die Nassers Lob brüllten und Israels Untergang proklamierten; Presse und Propaganda beschäftigten sich eifrig damit in Karikaturen und gedruckt Israels Nachruf zu verfassen. Die arabische Welt war wie nie zuvor gegen ihren gemeinsamen Feind geeint.

Die Würfel waren gefallen: Es gab kein Zurück mehr. UNO-Generalsekretär U-Thant glaubte zweifelsohne, dass, hätte Israel der Stationierung von UNEF-Truppen auf seiner Seite der Grenze zugestimmt, der Krieg hätte vermieden werden können, doch das war naiv. Hätten die Ägypter angegriffen, wären die UNEF-Truppen einfach marginalisiert oder einfach ignoriert worden. Wenn es zu Entscheidungen über Leben oder Tod kommt, dann vertrauen Staaten ihr Schicksal nicht unwirksamen Friedensschützern an, sollten das auch nicht tun. Sie hätten so viel Chancen gehabt einen Angriff der anderen Seite zu verhindern, wie ihre Jungs mit den blauen Helmen sie hatten, die ethnischen Säuberungen und Morde in Bosnien 1992 bis 1995 und den Völkermord in Ruanda 1994 zu verhindern.

Die Wahrheit ist: Wie viel Druck aus immer ausgeübt wurde, von der UNO oder sonst jemanden, er hätte Nasser nie veranlasst sich von dem Punkt zurückzuziehen, zu dem er jetzt vorangeschritten war. Er muss gewusst haben, dass sein Tun Krieg bedeutete; doch Nasser war Nasser und so mag es sein, dass er sich selbst so weit täuschte zu glauben, dass das nicht so war. Selbst die Sowjets, die in der Region immer gerne die Flammen schürten, wollten keinen Krieg, waren verblüfft, dass Nasser die Straße von Tiran sperrte. Sie wussten, was das bedeutete.

Am 30. Mai unterschrieb König Hussein von Jordanien in Kairo einen Militärpakt mit Nasser. Am selben Tag übernahmen irakische Truppen Stellungen in Jordanien. Der irakische Präsident Aref sagte am 31. Mai:

„Unser Ziel ist klar: Israel von der Landkarte zu wischen.“ Er fügte hinzu: „Es wird keine jüdischen Überlebenden geben.“

Nasser sagte am 31. Mai:

„Die Armeen Ägyptens, Jordaniens, Syriens und des Libanon stehen an den Grenzen Israels bereit… um sich der Herausforderung zu stellen und hinter uns stehen die Armeen des Irak, Algeriens, Kuwaits, des Sudan und die gesamte arabischen Nation.“

Ahmed Shukairy, PLO-Vorsitzender, sagte am 1. Juni:

„Die Juden Palästinas werden gehen müssen… Jeder aus der alten jüdischen Bevölkerung Palästinas, der überlebt, darf bleiben, aber mein Eindruck ist, dass von ihnen niemand überleben wird.“

Radio Damaskus sagte:

„Arabische Massen, dies ist euer Tag. Eilt zum Schlachtfeld… Lasst sie wissen, dass wir auch den letzten imperialistischen Soldaten mit den Eingeweiden des letzten Zionisten aufhängen werden.“

Hafez al-Assad sagte seinen Truppen in einem Furcht erregenden Hinweis auf das, was er 20.000 seiner eigenen Leute 15 Jahre später in Hama antun würde:

„Schlagt die [zivilen] Siedlungen des Feindes, verwandelt sie in Staub und ebnet die arabischen Straßen mit den Schädeln der Juden. Schlagt sie ohne Gnade.“

Assad sagte ebenfalls:

„Unsere Streitkräfte sind jetzt absolut bereit nicht nur die Aggression zurückzuschlagen, sondern auch den Befreiungsakt selbst zu initiieren und die zionistische Präsenz im arabischen Heimatland platzen zu lassen. Die syrische Armee, mit dem Finger ab Abzug, ist geeint … Ich als Mann des Militärs glaube, dass die Zeit gekommen ist in eine Vernichtungsschlacht einzutreten.“

Bis zum 4. Juni hatten Ägypten, Syrien, Jordanien und der Irak allesamt die Reservisten eingezogen, mobilisiert und an der israelischen Grenze zusammengezogen.

An der ägyptischen Grenze hatten die Ägypter inzwischen vom Erez-Checkpiont im nordöstlichen Gazastreifen bis hinunter zu al-Qusayma im Süden drei aktive Divisionen stationiert, eine Division an der Grenez südlich von Kuntilla, drei Divisionen hinter den vorderen Stellungen und mehrere gemischte Panzer- und Artillerie-Brigaden im westlichen und südlichen Sinai – alles in allem rund 100.000 Soldaten, 900 Panzer und rund 800 Kanonen schwere Artillerie.

Jordanien hatte rund 56.000 Soldaten zusammengezogen und mit ihnen neun Infanteriebrigaden, zwei gepanzerte Brigaden, eine Panzergrenadierbrigade und eine irakische Brigade stationiert. Sie hatten 294 Panzer und 194 Kanonen.

Syrien führte rund 70.000 Soldaten ins Feld; es stationierte sechs Infanteriebrigaden mit zwei Bataillonen Falschirmjägern und Spezialkräften, dazu zwei Panzerbrigaden, eine Panzergrenadierbrigade und ein unabhängiges gepanzertes Bataillon. Sie hatten 300 Panzer und 265 Kanonen.

Israel konnte dem gegenüber rund 250.000 bis 264.000 Mann mobilisieren, die zu drei Vierteln aus Reservisten bestanden, dazu rund 100.000, die an den Grenzen stationiert werden konnten. Sie waren in 11 Infanteriebrigaden, zwei Fallschirmjägerbrigaden, zwei unabhängigen Einheiten Spezialkräfte der Infanterie und drei mechanisierte Infanteriebrigaden aufgeteilt. Sie hatten etwa 1.100 Panzer und 400 Kanonen, die sich in 12 Artillerie- und 6 gepanzerte Brigaden aufteilten.

* * *

Die Zahl der Albtraum-Szenarien, der sich die Israelis nun gegenüber sehen, war damit endlos. Zuerst war da der Faktor Zeit. Edward Luttwak und Daniel Horowitz erklärten in ihrer exzellenten Studie der IDF:

„Es gab eine grundlegende Asymmetrie in der Struktur der Kräfte: Die Ägypter konnten ihre große Armee lange dienender Soldaten an der israelischen Grenze stationieren und auf unbestimmte Zeit dort halten; die Israelis konnten gegen diese Stationierung nur Reserveeinheiten mobilisieren und Reservisten konnten nicht sehr lange in Uniform gehalten werden. Ägypten konnte daher in der Defensive bleiben, während Israel angreifen müsste, sollte die Krise nicht diplomatisch entschärft werden.“ („The Israeli Army: 1948-1973“, S. 110)

Zweitens – und das ist überaus wichtig – hatten die Israelis, wie 1948, einen eindeutigen geografischen Nachteil. Es stimmt zwar, dass sie den Vorteil der inneren Linie hatten, aber das wurde durch die Länge der Grenzen zunichte gemacht, die sie verteidigen mussten, auch durch die Enge der Küstenebene, die ihre Fähigkeit erschwerte Kräfte von Norden nach Süden und umgekehrt zu verschieben, dazu die Fähigkeit Syriens, Jordaniens und Ägypten anzugreifen oder jederzeit eine Kombination zahlreicher Finten und tatsächlicher Angriffe nach Wahl zu unternehmen, die dafür sorgen, dass die nummerisch unterlegenen Israelis die 875km Grenze entlang zu hüpfen und eine Eventualität nach der anderen zu verhindern, ohne die Garantie, dass sie je entscheidend viele Kräfte aufbringen würden, um irgendeiner von ihnen entgegenzutreten. Ihr einziger Vorteil lag daher in Ahnungen. Der einzige Weg das Stattfinden solch eines Angriff effektiv abzuschrecken, war ihm zuvor zu kommen.

Der Konsens der amerikanischen Geheimdienstler vor dem Krieg war, dass Israel in einem Krieg gegen die Araber gewinnen würde, egal ob sie angriffen oder in der Defensive blieben. Während zwar klar ist, dass diese Sicht zu einem israelischen Erstschlag voll zutraf, sieht die Vorstellung, dass Israel einen Angriff der Araber innerhalb seiner Waffenstillstandslinien von 1949 verkraften könne, im Rückblick total unglaubwürdig aus.

Ein Angriff nur der Ägypter vom Sinai aus in den Negev könnte den Israelis ein wenig, wenn auch nicht viel, Polster zum Absorbieren eines Panzerangriffs gegeben haben und sie eine mobile Verteidigung durchführen lassen, bei der die Überlegenheit der IDF bei Taktik und militärischer Führung einen marginalen Vorteil geschaffen hätten, aber das hätten die ägyptischen Überlegenheit bei Masse und Ausrüstung aufgewogen, ganz zu schweigen von ihrer Möglichkeit sich ganz auf das vordere Gewicht ihres Angriffs in einer einzigen Richtung an verschiedenen Punkten der 340km langen Grenze Ägyptens und des Gazastreifens mit Israel konzentrieren zu können, ohne Sorge um ihre Nachhut oder Flanken; die Israelis andererseits, zahlenmäßig unterlegen, hätte dieser Streitmacht mit weniger als der Hälfte ihrer mobilisierten Kraft entgegentreten müssen, während der Rest ihrer Reserven in Verteidigungshaltung entlang der 540km gewundener Grenze mit Jordanien und Syrien standen.

Angesichts des totalen Fehlens an strategischer Tiefe entlang der 330km langen Grenze mit der Westbank, wo Israelis Wespentaille entlang der Küstenebene durch den Schlag von ein paar wenigen schweren, gut platzierten jordanischen gepanzerten Kolonnen durchtrennt werden konnte, war dieses Szenario besonders höllisch. Alle wichtigen israelischen Bevölkerungszentren lagen innerhalb kurzer Schlagdistanz aus der Westbank heraus: Netanya 15km, Tel Aviv 18km, Beer Sheva 16km, Haifa 34km, Aschdod 35km und Aschkelon nur 11km vom Gazastreifen entfernt, ganz zu schweigen von Städten wie Eilat und Jerusalem, die direkt in der Schusslinie lagen und schutzlos Einkesselung und Belagerung ausgesetzt.

Ihre Streitkräfte müssten sie an ihrer Ostgrenze aufzuteilen, um der Vielzahl an Eventualitäten zu begegnen und ohne irgendwelchen Raum zum Manövern und sich wieder einzugraben zu haben, könnten ihre nummerisch unterlegenen Kader zerschlagen oder umgangen werden und ihre Einheiten im Norden und Süden von den anderen getrennt, umzingelt und in Stücke geschnitten werden. Selbst das genialste taktische Flair der Israelis wäre nicht in der Lage gewesen das zu aufzuhalten. In diesem Fall würden die Geographie, die zahlenmäßige Überlegenheit der Araber an Personal und Ausrüstung und der Vorteil des Timings die Israelis mit ihrer überlegenen Taktik, Führung und Moral in einen schweren Nachteil bringen. Israel würde aller Wahrscheinlichkeit nach zerstört worden sein.

Es erscheint absolut plausibel, dass Israels revisionistische Kritiker und Widersacher in ihrem fiebrigen Versuch die Geschichte des Kriegs von 1967 umzuschreiben, sich die Umstände des Mai und Juni 1967 ansehen können und zu dem Schluss kommen, dass es keine reale und unmittelbare Bedrohung des Überlebens Israels gab, doch die Israelis entschieden sich einmal mehr lieber zu überleben statt unterzugehen.