Russlands Annexion ist illegal. Israels ist legal. Hier die Gründe

Elder of Ziyon, 2. Oktober 2022

Übers Wochenende versuchten antiisraelische Stimmen zu behaupten, die internationale Gemeinschaft sei scheinheilig, weil sie Russlands illegale Annexion ukrainischen Territoriums verurteilt und nicht dasselbe bei Israels Annexion des Golan und „Ost-Jerusalem“ tut.

Hier sind die Gründe, warum Israels Annexionen legal sind; es handelt sich um Auszüge einer Abhandlung von Professor Eugene Kontorovich (kursive Hervorhebungen sind seine, fett von mir).

Wie immer der aktuelle Status einer absoluten Verbots territorialer Veränderung infolge von Krieg aussehen mag, es gab 1967 natürlich kein Pauschalverbot, als das Gebiet unter israelische Kontrolle kam. Damals verbot das Völkerrecht nur den Erwerb durch illegale oder Aggressionskriege. Das geht aus der Quelle des Verbots in der UNO-Charta, der staatlichen Praxis seit der Charta und dem damaligen Verständnis seitens internationaler Juristen hervor. Es gibt 1967 schlicht keinen Präzedenzfall oder maßgebliche Quelle für das Verbot defensiver Eroberung

Die UNO-Charta verbietet Krieg für die meisten Zwecke. Wenn die Anwendung von Gewalt illegal ist, ist der Schluss natürlich, dass jeder territoriale Gewinn durch eine solche Aggression auch nicht anerkannt werden kann. Damit entstammt die Illegalität von Eroberung der mutmaßlichen Illegalität der Gewaltanwendung. Entscheidend ist aber, dass die UNO-Charta nicht alle Kriege für illegal erklärt. Stattdessen bestätigt sie ausdrücklich die Legalität eines Verteidigungskriegs. Weil Verteidigung nicht illegal ist, folgt daraus, dass die territorialen Gewinne des Verteidigenden durch einen solchen Krieg nicht illegal sind.

Die fundamentale Rechtsfrage lautet, ob das Gesetz, wie es 1967 war, eindeutig territoriale Veränderungen ausschloss, die das Ergebnis legaler Gewaltanwendung waren. Um das zu beantworten, müssen wir uns ansehen, wie die staatliche Praxis und führende Juristen die Frage ab der Annahme der UNO-Charta und vor 1967 beantworteten.

1. Die Kommission für Völkerrecht (ILC) und führende Wissenschaftler

Die Legalität defensiver Eroberung wurde von der Völkerrechtskommission bestätigt, einem Gremium, das von der Vollversammlung geschaffen und mit den vollständigeren Erklärungen der rechtlichen Bedeutung der UNO-Charta und verbundenen Dokumenten beauftragt war.

Zusammengesetzt aus den bedeutendsten Juristen der damaligen Zeit, wird ihre Arbeit unmittelbar nach dem Krieg als die höchst verlässliche Erklärungen der UNO-Charta bietend betrachtet. In ihrem einflussreichen ILC-Entwurf der Konvention zu den Rechten und Pflichten der Staaten (1949) und dem Entwurf des Kodex der Verstöße gegen den Frieden und die Sicherheit der Menschheit (1954) kam wiederholt die Frage des erlaubten Ausmaßes territorialer Eroberung auf. Die ILC erkannte wiederholt an, dass nicht alle territorialen Veränderungen durch Krieg illegitim sind. Nicht alle Annexionen seien schlecht, argumentierte der US-Delegierte. Alle stimmten überein, dass Grenzanpassungen nach dem Zweiten Weltkrieg gerechtfertigt seien, wenn sie helfen das Opfer der Aggression zu schützen. Es gab breiten Konsens, dass territoriale Veränderung nur im Fall eines „Aggressions“-Kriegs unzulässig sei. So sieht das Abschlussdokument vor, dass Staaten verpflichtet sind „keinerlei Territorialerwerb durch einen anderen Staat anzuerkennen, der in Verletzung der UNO-Charta oder anderer internationalen Rechtsregeln handelt“. Aber Israels Gewaltanwendung 1967 war defensiv – natürlich haben die USA das Recht ihn als solchen zu betrachten – und fällt damit ausdrücklich unter die Charta. Daher gibt es keine Verpflichtung das nicht anzuerkennen.

Darüber hinaus offenbaren die führenden Abhandlungen zum Völkerrecht unmittelbar vor 1967 eine Meinungsverschiedenheit zwischen führenden Autoritäten wie Hersch Lauterpach und Robert Jennings darüber, ob defensive Eroberung gemäß der UNO-Charta angemessen war. Die Mehrheitsmeinung scheint der Meinung zu sein, dass das erlaubt ist, aber beide Seiten gaben zu, dass die Sache umstritten war und es entstand keine klare Regel.

2. Staatspraxis 1945-1967

Die Ansichten der Kommission zum Internationalen Recht der UNO und die meisten Gelehrten, die defensive Eroberung als gemäß UNO-Charta rechtmäßig befinden, sollte in Anbetracht dessen nicht überraschen, dass das schlicht breite staatliche Praxis gemäß der Charta widerspiegelt. In den Jahren unmittelbar nach der Annahme der Charta übernahmen viele der siegreichen Alliierten Territorium besiegter Staaten. All diese Annexionen sind ohne Streit von den USA und der internationalen Gemeinschaft anerkannt worden. Um nur zwei dieser Beispiele zu nennen: Holland annektierte 1949 einseitig Teile Deutschlands; Griechenland und Jugoslawien übernahmen Teile von Italien; die UdSSR und Polen annektierten große Teile Deutschlands. Die ILC sprach in ihren Überlegungen besonders die rechtliche Basis für diese Annexionen an: Weil die zugrundeliegende Gewaltanwendung rechtmäßig (defensiv) war, kann der Erwerb von Territorium erlaubt werden.

… Eine Überprüfung staatlicher Praxis und internationaler juristischer Meinung zeigt, dass das Völkerrecht defensive Eroberung auf Stand 1967 nicht verbot und sogar bestätigend bewilligt worden sein könnte. Fehlende Klarheit selbst ist wichtig, denn im Völkerrecht gibt es ein Metaprinzip, das sich mit Situationen beschäftigt, in denen es nicht klar ist, ob daraus eine Völkerrechtsregel entstand. Die als Lotus-Prinzip bekannte Regel lautet, dass Staaten frei handeln können, wenn nicht klar ist, ob eine neue völkerrechtliche Regel entstanden ist. Das heißt, die Beweislast liegt bei denen, die die Existenz einer Regel demonstrieren wollen, die souveränes Handeln einschränken würde. Was nicht klar verboten ist, ist erlaubt. Es ist nach Israels tatsächlicher Eroberung dieser Gebiete nicht nötig zu überlegen, ob irgendeine defensive Eroberung verbietende Norm entstanden ist. Gemäß dieser Doktrin des intertemporalen Rechts verändern nachfolgende Entwicklungen im Völkerrecht den Status der Entwicklungen nicht, die vor diesen Veränderungen stattfanden. Das heißt, dass Völkerrecht nicht rückwirkend ist und das gilt besonders ausdrücklich für Fragen territorialer Souveränität und Eroberung, wo jedes andere Prinzip zu Chaos in den internationalen Beziehungen führen würde.

Politische Argumente

.. die politischen Argumente für das Erlauben defensiver Eroberung sind überzeugend. Ohne solch eine Möglichkeit wird einem möglichen Aggressor versichert, dass es keine negativen Konsequenzen von Bedeutung gibt. Territoriale Expansion wird zu nichts Gleichem. Kurz gesagt: Das Fehlen jeglicher Möglichkeit selbst zu verlieren, weil Aggressoren immer zumindest Hilfesanktionen brechen werden, dient als Freibrief und Anreiz für Aggressoren, besonders ohne ein geeintes internationale Sicherheitssystem der Art von Charta, die ursprünglich vorgesehen war.

Natürlich spricht niemand die tatsächlichen Völkerrechts-Aspekte der Situationen an – sie erfinden nur eine nichtssagende Analogie und nehmen an, dass das Publikum zu ignorant ist, um es besser zu wissen.

Siehe auch „International Law and the Arab-Israel Conflict“ von Julius Stone, herausgegeben von Ian Lacey, das zu dem Schluss kommt, dass Israels Eroberung Jerusalems legal ist:

Für diejenigen, die dieser Analyse nicht zustimmen, bleibt die Frage – wer hat mehr legales Recht auf Jerusalem als Israel? Jordanien kann es nicht sein (es hat seinen Rechtsanspruch aufgegeben), die UNO kann es aus den oben angeführten Gründen nicht sein und es kann kein nicht existenter palästinensisch-arabischer Staat oder Gebilde sein, den es noch nicht einmal gab, als Israel es eroberte.

Warum redet die EU weiter von den nicht existenten „Grenzen von 1967“, obwohl diese ausdrücklich nie als Grenzen gedacht waren?

Elder of Ziyon, 28. Oktober 2021

In einer Presseerklärung von Montag, die Israel vorwirft einen Plan voranzutreiben Häuser in Judäa und Samaria zu bauen, erklärte die EU (wie sie es buchstäblich hunderte Male zuvor schon tat): „Die Europäische Union hat ständig deutlich gemacht, dass sie keine Veränderungen an den Grenzen von vor 1967, auch in Bezug auf Jerusalem, anerkennen wird, außer denen, die von beiden Seiten vereinbart werden.“

Die EU hat diese Formulierung so lange verwendet, wie sie in ihrer jetzigen Form existiert – buchstäblich hunderte Male. Der konkrete Sprachgebrauch hier ist einer EU-Resolution aus dem Jahr 2011 entnommen, die palästinensische Eigenstaatlichkeit unterstützt.

Wenn Resolutionen wie diese formuliert werden, gibt es Komitees, die sich Tage oder Monate lang treffen, um die Worte zu gestalten, damit sie so präzise wie möglich sind.

Warum verweist die EU ständig auf Grenzen, die nie existierten?

Vor 1967 existierte Israel innerhalb von Waffenstillstandlinien von 1949. Diese Linien waren – darauf bestanden die Araber! – keine Grenzen. Die jordanisch-israelische Vereinbarung lautete sehr ausdrücklich: „Den in den Artikeln V und VI festgelegten Demarkationslinien des Waffenstillstands dieser Vereinbarung werden von den Parteien unbeschadet zukünftiger territorialer Regelungen oder Grenzlinien oder Ansprüchen einer der Parteien hierzu vereinbart.“

Es gab ähnlichen Sprachgebrauch in Israels Vereinbarung mit Ägypten. Aber diese wurde durch den israelisch-ägyptischen Friedensvertrag ersetzt, der die internationale Grenze zwischen beiden zog.

Was ist mit den Linien zwischen Jordanien und Israel?

Die Friedensvereinbarung der beiden von 1994 erscheint da sehr eindeutig:

Anhang I (a)

Abgrenzung und Ziehung der internationalen Grenzen zwischen Israel und Jordanien

1. Es wird vereinbart, dass in Übereinstimmung mit Artikel 3 des Vertrags die internationale Grenze zwischen den beiden Staaten aus den folgenden Sektoren besteht:

A. Die Flüsse Jordan und Jarmuk. B. Das Tote Meer. C. Das Emek Ha’arva/Wadi Araba. D. Der Golf von Aqaba.

Diese Vereinbarung tut zweierlei: Sie ersetzt die Waffenstillstandsvereinbarung von 1949, die die Quelle des „Grenzen von vor 1967“-Mythos ist und sie definiert die internationale Grenze zwischen Israel und Jordanien als den Jordan, das Tote Meer und so weiter.

Nicht zwischen „Palästina“ und Jordanien – zwischen Israel und Jordanien.

Es gibt einen winzigen Vorbehalt, der keinerlei rechtliche Auswirkung auf die tatsächlich definierten Grenzen zu haben scheint:

Die Ortophoto-Landkarten und Bildkarten, die die Linie zeigen, die Jordanien vom Territorium trennt, das 1967 unter die Kontrolle israelischer Militärregierung kam, soll die Linie enthalten, die in einer anderen Präsentation angedeutet wird und die Legende soll den folgenden Hinweis tragen: „Diese Linie ist die administrative Grenze zwischen Jordanien und dem Gebiet, das 1967 unter die Kontrolle israelischer Militärregierung kam. Jeder Umgang mit dieser Linie erfolgt ohne Berührung des Status des Territoriums.“

Die Vereinbarung sagt nicht, dass die Grenze zwischen Israel und Jordanien infrage steht. Sie weist an, dass alle Landkarten, die auf dieser Vereinbarung gründen, Sprachgebrauch beinhaltet, der besagt, dass der Rechtsstatus von Judäa und Samaria nicht festgelegt worden ist.

Gemäß dem anerkannten internationalen Recht werden Landkarten selbst allgemein als Beweis betrachtet, haben aber von sich aus keinen Rechtsstatus. Der Text auf einer Landkarte hat nicht dasselbe Gewicht wie eine juristische Vereinbarung, außer sie ist als Teil der Vereinbarung selbst angefügt. Das hat der IStGH 1986 entschieden.

Der entscheidende Punkt ist, dass der Vereinbarung selbst keine solche Landkarte angefügt wurde. Ohne sie ist der Text die einzige rechtliche Definition der Grenze zwischen Israel und Jordanien – was bedeutet, dass Israels Grenze gemäß dem Völkerrecht dort endet, wo die von Jordanien beginnt.

Welchen Rechtsstatus auch immer Judäa und Samaria haben, die Waffenstillstandslinien von 1949 waren weder 1949 noch 1967 rechtliche Grenzen und gewiss nicht nach dieser Vereinbarung von 1994.

Die EU weiß das. Sie bezeichnet die Waffenstillstandslinien von 1949 trotzdem als „Grenzen“.

In jedem anderen Zusammenhang wäre dies ein riesiger Skandal. Aber wenn es um Israel geht, werden Fakten plötzlich optional und Beschlüsse der EU werden von Narrativen getrieben.

Seltene Fotos, die direkt nach der Wiedervereinigung Jerusalems aufgenommen wurden

Nationalbiliothek Israels („Land of Israel“), 6. November 2017

Im Sechstage-Krieg von 1967 kam die gesamte Stadt Jerusalem unter Israels Kontrolle, einschließlich der Altstadt und der Westmauer. Diese Bilder fingen die Emotionen des Tages ein, der direkt darauf folgte…

Jeder – Männer, Frauen und Kinder, Soldaten und Zivilisten, alle wollten die allerheiligsten Stellen mit eigenen Augen sehen. Die Fotografen von damals verstanden die historische Bedeutung des Augenblicks und machten das Meiste daraus. Sie schossen Bild um Bild, fingen die hunderttausende Besucher ein und dokumentierten die, die zur Westmauer kamen. Sie dokumentierten auch die Beseitigung des Schutts, der die Mauer umgab und den Beginn der Arbeit am Vorplatz, die bald darauf begannen, der die Stelle als Pilgerort kennzeichnete.

In diesen ersten Tagen nach dem Krieg kamen die Führer des jüdischen Staates an die Mauer um zu beten, darunter Präsident Zalman Shazar, der darauf bestand nach Jerusalem zu fahren, bevor der Krieg vorüber war und sogar einen Stahlhelm aufsetzte. David Ben-Gurion kam an dem Tag zur Mauer, nachdem der Krieg als vorüber erklärt wurde.

Die Fotos in dem Album wurden von der Agentur IPPA aufgenommen, die vom Fotografen Dan Hadani gegründet wurde. Die Dan Hadani-Sammlung, die das Leben und die Zeit des Staates Israel und die israelische Gesellschaft und Kultur des zwanzigsten Jahrhunderts dokumentiert, beinhaltet etwa eine Million historischer Fotografien. Sie wurde von der Nationalbibliothek Israels im September 2016 erworben.

Die Linie von 1967, die Israel und die Westbank teilte, ist ein Denkfehler

Am 20. Mai 1967 sperrte der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser die Straße von Tiran und verkündete: „Dieses Gewässer gehört uns… die israelische Flagge darf nicht durch den Golf von Aqaba fahren.“

Shlomo Slonim, The Jerusalem Post, 17. Juli 2020

IDF-Soldaten kommen während des Sechstage-Krieges im Juni 1967 auf dem Tempelberg an. Ein paar Monate später traf sich die Arabische Liga und erklärt: „Nein zu Frieden mit Israel, Nein zur Anerkennung Israels; Nein zu Verhandlungen mit Israel.“ (Foto: GPO)

In ihrem unerbittlichen Drang den Palästinensern Selbstbestimmung zu verleihen, führen europäische Regierungsvertreter ausnahmslos an, dass die Linie vom 5. Juni 1967 als Trennlinie zwischen Israel und dem vorgeschlagenen Palästinenser-Gemeinwesen sei. Es ist so, als ob diese Linie in heiliger Schrift geweiht und für alle Betroffenen als Ausgangspunkt für jegliche Verhandlungen zwischen den Parteien bindend sei.

Allerdings wurden diese Linien, die im Juni 1967 Israel von den Arabern trennten, von einem Mann mehrere Wochen vor diesem Datum zerschmettert. Am 20. Mai 1967 sperrte der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser die Straße von Tiran und verkündete entgegen der UNO-Vereinbarung: „Dieses Gewässer gehört uns… die israelische Flagge darf nicht durch den Golf von Aqaba fahren … wir sind zum Krieg bereit.“

Mit dieser Bekanntmachung erklärte Nasser die Linien vom 5. Juni für ungültig. Den letzten Schliff gab es, als Jordanien am 5. Juni in Jerusalem das Feuer auf Israel eröffnete. Früher an diesem Tag hatte Israel angeboten die Angelegenheiten zwischen den beiden Ländern intakt zu halten, falls Jordanien von Feindseligkeiten Abstand nahm, aber Jordanien antwortete mit Sperrfeuer, was die letzten Überreste der Juni-Linien vernichtete.

Das ist keine theoretische Analyse; es wird von den nachfolgenden Verhandlungen vollkommen bestätigt, die zwischen den Mächten und bei den Vereinten Nationen erfolgten.

Unmittelbar nach dem Sechstage-Krieg forderte derselbe Nasser, dass Israel sich sofort aus allen Gebieten zurückzieht, die es erobert hatte. Trotz seiner Kriegstreiberei beschuldigte er Israel der Aggression, etwas, das Israels Anwesenheit in den Gebieten als Verletzung des Völkerrechts abstempeln würde.

Die Sowjetunion, die unter der Niederlage ihrer Waffen litt, nahm diesen Kehrreim bei der UNO auf, scheiterte aber sowohl im Sicherheitsrat wie auch in der Vollversammlung damit die nötige Mehrheit zu sichern, damit Israel Aggression vorgeworfen werden konnte. Daraufhin schickte Moskau seinen Präsidenten Alexej Kossygin in die Vereinigten Staaten; er sollte versuchen Präsident Lyndon Johnson davon zu überzeugen sich dem Druck anzuschließen Israel auf die ehemaligen Linien zurückzudrängen. Johnson lehnte den sowjetischen Vorschlag kategorisch ab.

Der Präsident hatte zuvor erklärt: „Die Nationen der Region haben 20 Jahre lang nur brüchige Waffenstillstandslinien gehabt, die sie verletzten. Was sie jetzt brauchen sind anerkannte Grenzen und andere Vorkehrungen, die ihnen Sicherheit vor Terror, Zerstörung und Krieg geben.“

Johnson lehnte Kossygins Vorschlag ab und sagte: „Das ist kein Rezept für Frieden, sondern für erneuerte Feindseligkeit.“ Außerdem „müssen die Konfliktparteien diejenigen sein, die Frieden schließen.“

Lange und mühsame Verhandlungen zwischen den Mächten zogen sich bis zum 22. November 1967 hin, als der Sicherheitsrat die Resolution 242 verabschiedete, die das Grundlagendokument für eine friedliche Regelung des arabisch-israelischen Konflikts wurde. Mit der Übernahme von 242 wurden „sichere und anerkannte Grenzen“ das Grundprinzip für jede verbindliche Regelung.

Die Linien vom 5. Juni wurden komplett beseitigt und in keinem Dokument angeführt. Israel hatte ein Recht auf sichere und anerkannte Grenzen, die zwischen den Seiten ausgehandelt werden. Nur solche Abkommen würden helfen die zukünftige israelische Sicherheit gewährleisten.

Johnson war auch nicht der einzige US-Präsident, der diese Formel bestätigte. Präsident Ronald Reagan erklärte in seiner Rede zu Nahost-Friedensbemühungen am 1. September 1982: „Ich habe Israels heldenhaften Überlebenskampf seit seiner Gründung immer verfolgt und unterstützt… in den Grenzen vor 1967 war Israel an seiner engsten Stelle kaum 16km breit. Der größte Teil der Bevölkerung Israels lebte in Reichweite der Artillerie der feindlichen arabischen Feinde. Ich werde Israel nicht auffordern wieder so zu leben.“

Die amerikanische Haltung die Waffenstillstandslinien von 1948 für null und nichtig zu betrachten spiegelt somit eine parteiübergreifende Politik.

Daher kommt die Frage auf: Woher nehmen diese Europäer diese Formel vom 5. Juni? Die Antwort lautet, dass der Sicherheitsrat am 23. Dezember 2016 auf Drängen von Präsident Barack Obama Resolution 2334 verabschiedete, die die alte Formel von den Linien vom 5. Juni erneuern wollte.

Drei Wochen bevor er das Weiße Haus verließ war das Obamas Abschiedsgeschenk an seinen treuen Widersacher, Premierminister Benjamin Netanyahu. Aber Resolution 2334 bestätigt auch Resolution 242, sie kann also nicht annullieren, was 242 durchsetzte. Darüber hinaus wurde 2334 mit der Enthaltung der USA verabschiedet, was bedeutet, dass nur 242 das akzeptierte und anerkannte System für eine Regelung bleibt. [Anmerkung heplev: Das verstehe ich nicht; der Sicherheitsrat hat den Beschluss gefasst, damit ist er gültig.]

Kurz gesagt: Die Linien vom Juni wurden von Nasser zerstört und mit der Verabschiedung von 242 begraben. Die Bemühung zur Wiederbelebung der Anerkennung der Linien vom 5. Juni müssen abgebrochen werden. Israel handelt in Übereinstimmung mit internationalen und UNO-Recht, wenn es solche nutzlosen Bemühungen ablehnt.

Die Rechtsgrundlage zur Anwendung israelischen Rechts in Judäa, Samaria und dem Jordantal

Maurice Hirsch, Palestinian Media Watch, 1. Juli 2020

Einleitung

Israel hat angekündigt, dass es israelisches Zivilrecht auf Bereiche von Judäa und Samaria sowie das Jordantal (das Gebiet, das von Jordanien nach 1948 in „Westbank“ umbenannt wurde) anwenden will, entweder am oder nach dem 1. Juli 2020. Obwohl das von manchen als übereilte politische Entscheidung betrachtet wird, lautet die fundamentalere Frage: Hat Israel nach dem Völkerrecht das Recht, das zu tun?

Die Antwort auf diese Frage ist ein klares – Ja.

  1. Der Völkerbund wies 1922 ganz Israel, einschließlich dieser Gebiete, dem Zweck zu, eine nationale jüdische Heimstatt zu schaffen. Kein anderes international anerkanntes Instrument hat diese Entscheidung ersetzt.
  2. Die arabischen Länder und die meisten arabischen Einwohner des vom britischen Mandat kontrollierten Palästina lehnten den UNO-Teilungsplan von 1947 ab, also hat dieser heute gemäß dem Völkerrecht keine Bedeutung.
  3. Kein anderes Land hat einen legalen Anspruch auf das Territorium.
  4. Judäa und Samaria sowie das Jordantal sind nie durch Staatsgrenzen vom Rest Israels abgetrennt worden.
  5. Die Anwendung israelischen Rechts auf Judäa, Samaria und das Jordantal sollte nicht als „Annexion“ bezeichnet werden, da Annexion die Aneignung von Territorium durch einen Staat auf Kosten eines anderen Staates ist.

Dementsprechend hat Israel gemäß dem Völkerrecht das Recht sein Zivilrecht auf diese Bereiche anzuwenden.

Der historisch-rechtliche Status von Judäa, Samaria und dem Jordantal 1517 bis 2020

Von 1517 bis 1917 war der gesamte Bereich Israels, einschließlich Judäas, Samarias und des Jordantals, Teil des Osmanischen Reichs. Während dieser Periode gab es in der Gegend keinen unabhängigen, souveränen Staat.

1916 trafen die britischen und französischen Imperien im Vorgriff auf das Ende des Ersten Weltkriegs unter Mitwirkung des Russischen Reiches eine Vereinbarung die Kontrolle über den Nahen Osten unter sich aufzuteilen. Die als „Sykes-Picot-Abkommen“ bekannte Vereinbarung teilte die Einflussbereiche und Kontrolle in einem Großteil des Nahen Ostens zwischen den beiden Reichen so auf, wie in der folgenden Karte dargestellt:

1917 gab die britische Regierung die Balfour-Erklärung ab:

Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, mit der Maßgabe, dass nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern in Frage stellen könnte. (Hervorhebung hinzugefügt)

Beim Treffen in San Remo in Italien im April 1920, wo die Zukunft der früheren Territorien des osmanischen Reiches diskutiert wurde, beschlossen die Haupt-Alliierten, die die Deutschen und die Osmanen besiegt hatten, dass einige Gebiete Staaten werden sollten. Was „Palästina“ betrifft, so beschlossen die Alliierten:

„Das Mandat wird dafür verantwortlich sein die ursprünglich am 2. November 1917 von der britischen Regierung gemachte und von den anderen alliierten Mächten übernommene Erklärung zugunsten der Gründung einer nationalen Heimstatt für das jüdische Volk in Palästina umzusetzen.“

Damals bestand „Palästina“ aus Israel (einschließlich Judäa, Samaria und dem Jordantal) sowie dem Territorium, das heute Jordanien ist.

Der Beschluss von San Remo wurde 1922 im Völkerbund-Mandat für Palästina verankert.

Die Präambel des Mandats bestätigte die Balfour-Erklärung und bestätigte erneut die historische Verbindung des jüdischen Volks zum Land Israel mit diesen Worten:

In Anbetracht dessen, dass die alliierten Hauptmächte … ferner übereingekommen sind, dass der Mandatar verantwortlich sein soll für die Verwirklichung der ursprünglich am 2. November 1917 durch die Regierung Seiner Britischen Majestät erlassenen und von den erwähnten Mächten anerkannten Deklaration zugunsten der Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, wobei klar verstanden ist, dass nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und die religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung, deren sich die Juden in irgendeinem anderen Lande erfreuen, beeinträchtigen würde; und

dass dadurch die Anerkennung der historischen Verknüpftheit (historical connection) des jüdischen Volkes mit Palästina und der Grundlagen für die Wiedererrichtung seiner nationalen Heimstätte in diesem Lande erfolgt ist. (Hervorhebung hinzugefügt)

1923 wurde in Übereinstimmung mit Artikel 25 des Mandats eine Entscheidung getroffen das Mandat Palästina in zwei Instanzen zu teilen – „Palästina“ westlich des Jordan und „Transjordanien“, das mit der Zeit (1948) als Haschemitisches Königreich Jordanien anerkannt werden sollte. Die Vorkehrungen des Mandats zur Gründung der jüdischen nationalen Heimstatt, einschließlich durch Ansiedlung von Juden in dem Land, traf weiter auf das gesamte Gebiet westlich des Jordan zu. Die folgen Karte illustriert diese Teilung:

Während Artikel 80 der Charta der neu einberufenen Vereinten Nationen (die den Völkerbund ersetzen) die vom Mandat dem jüdischen Volk gewährten Rechte wahrte, ging die UNO in der Folge des Zweiten Weltkriegs erneut die Palästina-Frage an. Nach Betrachtung der verschiedenen vorgelegten Empfehlungen beschloss die Vollversammlung der UNO am 29. November 1947 die Resolution 181, bekannt als „Teilungsplan für Palästina“. Diese Resolution wollte das verbleibende Territorium Palästina in zwei neue Staaten teilen – einen jüdischen Staat und einen arabischen Staat – wobei die vorgesehenen neuen Grenzen der entstehenden Staaten in der folgenden Illustration zu erkennen sind:

Im Teilungsplan der UNO taucht kein Hinweis auf den Begriff „Westbank“ auf. Fakt ist: Bei der Ziehung der Grenzen des „arabischen Staates“ sagt die Resolution ausdrücklich: „Die Grenze auf dem Bergland westlich von Samaria und Judäa beginnt am Jordan“.

Während Repräsentanten des jüdischen Volks den Teilungsplan akzeptierten, lehnten ihn die arabischen Repräsentanten und die umliegenden arabischen Länder in seiner Gesamtheit ab und begannen aktive Vorbereitungen, um das gesamte Gebiet militärisch zu erobern. Die Reaktion der arabischen Repräsentanten und Länder machte die Umsetzung der Resolution 181 der UNO-Vollversammlung unmöglich und sie wurde nie vom UNO-Sicherheitsrat bestätigt.

Am 14. Mai 1948 erklärte Israel seine Unabhängigkeit ohne seine Grenzen festzulegen. Der neue Staat wurde sofort von einer Koalition aus 5 arabischen Staaten sowie von arabischen Kräften im ehemaligen Mandatsgebiet angegriffen, die zusammen anstrebten ihn auszulöschen. Die ägyptischen Streitkräfte griffen von Süden aus an, die libanesischen und syrischen von Norden und die jordanischen, begleitet von irakischen Kräften, griffen von Osten aus an.

Die jordanischen Streitkräfte attackierten und besetzten Judäa, Samaria und das Jordantal, die sie dann – zum ersten Mal – als „die Westbank“ bezeichneten. Die dieses Gebiet besetzenden jordanischen Streitkräfte zerstörten die bestehenden jüdischen Gemeinden und töteten oder vertrieben ihre Einwohner.

1949 schloss Israel „Waffenstillstands“-Abkommen mit den benachbarten arabischen Staaten. Die Waffenstillstandsvereinbarung mit Jordanien bestimmte, dass die gezogenen Demarkationslinien unter keinen Umständen als „Grenzen“ betrachtet werden dürfen.

So erklärte Artikel II der Waffenstillstandsvereinbarung:

Es wird zudem anerkannt, dass keine Vorkehrung dieser Vereinbarung in irgendeiner Weise die Rechte, Ansprüche und Haltung einer der Parteien hierzu einer endgültigen Friedensregelung der Palästinafrage vorgreifen soll; die Vorkehrungen dieser Vereinbarung sind ausschließlich durch militärische Überlegungen angeordnet.

Artikel VI.9 derselben Vereinbarung schreibt vor:

Die in den Artikeln V und VI dieses Abkommens definierten Waffenstillstandsabgrenzungslinien werden von den Vertragsparteien unbeschadet künftiger territorialer Siedlungen oder Grenzlinien oder der diesbezüglichen Ansprüche einer Vertragspartei vereinbart.

Die Waffenstillstandslinien sollten dann als „Grüne Linie“ bekannt werden.

Ein jordanischer Versuch Judäa, Samaria und das Jordantal zu annektieren wurde von der internationalen Gemeinschaft abgelehnt.

Artikel 24 der ursprünglichen Charta der palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) legte fest: „Diese Organisation [die PLO] übt keinerlei territoriale Souveränität über die Westbank im haschemitischen Königreich Jordanien, im Gazastreifen oder im Bereich von Himmah aus.“

Im Juni 1967 griff Jordanien Israel erneut an. In Verteidigung gegen den Angriff vertrieb Israel die jordanischen Besatzer und eroberte die Kontrolle über Judäa, Samaria und das Jordantal.

Mehrere Monate nach dem Ende des Sechstage-Krieges, am 22. November 1967, verabschiedete die NO die Resolution 242. Diese wird oft fälschlich so dargestellt, dass sie von Israel fordert sich auf die Grenzen von vor 1967 zurückzuziehen. Tatsächlich lautet sie wie folgt:

Der Sicherheitsrat,
mit dem Ausdruck seiner anhaltenden Besorgnis über die ernste Situation im Nahen Osten,
unter Betonung der Unzulässigkeit des Gebietserwerbs durch Krieg und der Notwendigkeit, auf einen gerechten und dauerhaften Frieden hinzuarbeiten, in dem jeder Staat der Region in Sicherheit leben kann,
ferner unter Betonung dessen, dass alle Mitgliedstaaten mit der Annahme der Charta der Vereinten Nationen die Verpflichtung eingegangen sind, in Übereinstimmung mit Artikel 2 der Charta zu handeln,

  1. erklärt, dass die Verwirklichung der Grundsätze der Charta die Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten verlangt, der die Anwendung der beiden folgenden Grundsätze einschließen sollte:
    i) Rückzug der israelischen Streitkräfte aus Gebieten, die während des jüngsten Konflikts besetzt wurden;
    ii) Beendigung jeder Geltendmachung des Kriegszustands beziehungsweise jedes Kriegszustands sowie Achtung und Anerkennung der Souveränität, territorialen Unversehrtheit und politischen Unabhängigkeit eines jeden Staates in der Region und seines Rechts, innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen frei von Androhungen oder Akten der Gewalt in Frieden zu leben;
  2.  erklärt ferner, dass es notwendig ist,
    a) die Freiheit der Schifffahrt auf den internationalen Wasserwegen in der Region zu garantieren;
    b) eine gerechte Regelung des Flüchtlingsproblems herbeizuführen;
    c) die territoriale Unverletzlichkeit und politische Unabhängigkeit eines jeden Staates der Region durch Maßnahmen zu garantieren, die auch die Schaffung entmilitarisierter Zonen einschließen;
  3. ersucht den Generalsekretär, einen Sonderbeauftragten zu ernennen, der sich in den Nahen Osten begeben soll, um mit den beteiligten Staaten Verbindung aufzunehmen und zu unterhalten, mit dem Ziel, eine Einigung zu fördern und die Bemühungen zur Herbeiführung einer friedlichen und akzeptierten Regelung im Einklang mit den Bestim-mungen und Grundsätzen dieser Resolution zu unterstützen;4.ersucht den Generalsekretär, dem Sicherheitsrat baldmöglichst über den Stand der Bemühungen des Sonderbeauftragten Bericht zu erstatten. [Hervorhebung hinzugefügt]

Die Resolution 242 verlangt von Israel nicht sich aus „allen besetzten Gebieten“ zurückzuziehen, sondern fordert einen gerechten und dauerhaften Frieden, der sowohl Abzug Israels aus „besetzten Gebieten“ als auch „Respekt für die und Anerkennung der Souveränität, territorialen Integrität und politischen Unabhängigkeit eines jeden Staates in dem Gebiet und ihr Recht in Frieden und sicheren sowie anerkannten Grenzen, frei von Bedrohung oder Gewaltakten zu leben“.

Frühere Entwürfe hatten zwar einen Rückzug Israels „aus den besetzten Gebieten“ vorgeschlagen, aber das Wort „den“ wurde in der vom Sicherheitsrat beschlossenen Endversion der Resolution gestrichen, um zu kennzeichnen, dass ein voller Rückzug Israels auf die 1949 eingerichteten Waffenstillstandslinien nicht gefordert ist.

Seit 1967 hat Israel Judäa, Samaria und das Jordantal über einen Militärbefehlshaber verwaltet. Im Gegensatz dazu wandte es seit kurz nach dem Sechstage-Krieg sein Zivilrecht auf umfangreiche Gebiete Jerusalems an.

Die Anwendung von israelischem Zivilrecht auf Judäa, Samaria und das Jordantal sollte nicht als „Annexion“ definiert werden, da sie nicht auf Kosten eines anderen Staates durchgeführt wird. Gemäß Rainer Hofmann in der Max Planck-Enzykolpädie für Internationales Recht bedeutet Annexion, „den gewaltsame Erwerb von Territorium durch einen Staat auf Kosten eines anderen Staates … Annexion steht im Gegensatz zur Übernahme von a) Terra Nullius [Latein für ‚Niemandsland‘],,,“ [Hervorhebung hinzugefügt]

Die Opposition gegen den ersten Tag der Wiedervereinigung Jerusalems

Die Einwände um die Schaffung des „Jerusalem-Tags“ als nationalem israelischem Feiertag

Dr. Hezi Amiur, the Librarians, 2. Juni 2019

Auf dem Weg zur Westmauer, 1967; Bitmuna-Sammlung

Der „Jerusalem-Tag“ oder „Tag der Wiedervereinigung Jerusalems“ ist in Israel ein offiziell anerkannter nationaler Feiertag, der im Land heute breite Akzeptanz findet. Aber das war nicht immer so. Im Jahr nach der Wiedervereinigung Jerusalems im Sechstage-Krieg widersprachen der Premierminister Israels und der Bürgermeister Jerusalems offen der Schaffung des Feiertags. Erst nachdem die Öffentlichkeit ihre Meinung zugunsten des neuen nationalen Feiertags deutlich gemacht hatte, zogen die städtischen und Regierungsinstitutionen nach.

Nach Israels Unabhängigkeitskrieg 1948 war Jerusalem eine geteilte Stadt. 19 Jahre lang gehörte  Westjerusalem zu Israel, während Ostjerusalem von Jordanien gehalten wurde. Erst 1967, genauer gesagt am dritten Tag des Sechstage-Kriegs, durchbrachen die Soldaten der IDF-Fallschirmjägerbrigade unter dem Kommando von Oberst Motta Gur (ein zukünftiger Generalstabschef) die jordanische Verteidigung und eroberten die Altstadt und Ostjerusalem. Die Wiedervereinigung Jerusalems war mit Motta Gurs heute berühmten Erklärung „Der Tempelberg in unserer Hand!“ abgeschlossen.

Mordechai „Motta“ Gur war der IDF-Offizier, der erklärte „Der Tempelberg ist in unserer Hand!“ Abgebildet ist hier ein Brigadegeneral während der Feiern zum Jerusalem-Tag 1969. (Foto: Jacob Elbaz, Dan Hadani-Sammlung in der Nationalbibliothek.)

Nach dem Krieg entstand der Wunsch einen besonderen Tag einzurichten, der der wiedervereinigten Stadt Jerusalem, der Hauptstadt Israels gewidmet war. Die erste Initiative kam am ersten Jahrestag der Wiedervereinigung vom Oberrabbinat. Die Leiter des Rabbinats wollten den 28. Tag des hebräischen Monats Iyar als Danksage-Tag für die Wunder, die in der Wiedervereinigung der Stadt unter israelischer Kontrolle einrichten.

Die Stadtverwaltung Jerusalems folgte der rabbinischen Initiative und kündigte ihre Feierlichkeiten zum Begehen des neuen Jerusalem-Tag-Feiertags an, aber die israelische Regierung versuchte die Entscheidung zurücknehmen zu lassen; sie lehnte es ab Gelder für die geplanten Feiern zur Verfügung zu stellen.

Sogar der Bürgermeister Jerusalems, Teddy Kollek, beantragte, dass seine Kommunalbehörden ihre Pläne streichen, weil er fürchtete, dass die Festlichkeiten die arabische Bevölkerung Ostjerusalems vor den Kopf stoßen könnten. Premierminister Levi Eschkol zögerte ebenfalls die Feiern in ihrem vorgesehenen Format abzuhalten. Das Büro des Premierministers veröffentlichte eine Erklärung, dass Eschkol die „Ehrenbürgerwürde der Stadt“ ablehnen würde, die die Stadt Jerusalem ihm bei der Feier verleihen wollte.

Der Bürgermeister von Jerusalem Teddy Kollek war ursprünglich gegen den neuen Feiertag, gab aber später nach. Hier ist er (rechts) während der Feierlichkeiten von 1980 zu sehen. (Foto: Paula Rubin, Dan Hadani-Sammlung in der Nationalbibliothek)

Trotz der von Levi Eschkol und Teddy Kollek gezeigten Abneigung beschloss die städtische Obrigkeit die Zeremonie weiter zu planen.

Ein starkes Gefühl nationaler Freude diente als Triebfeder hinter den Festlichkeiten, die am Ende stattfanden wie geplant, einschließlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den Premierminister. Jerusalem war illuminiert und üppig dekoriert, die der berühmt ungehemmten Feiern zum Unabhängigkeitstag Konkurrenz machte.

Der israelische Premierminister Levi Eschkol mit seiner Frau Miriam, 1968 (Foto: Dan Hadani, Dan Hadahin-Sammlung in der Nationalbibliothek)

Aber anders als der Unabhängigkeitstag hatten die ersten Feiern zum Jerusalemtag einen spontaneren Charakter. Abgesehen von der Stadtverwaltung war nur eines der offiziellen Gremien an den Vorbereitungen das Oberrabbinat, das Massengebete an der Westmauer organisierte.

Tausende versammeln sich 1969 während der Feiern zum Jerusalemmtag an der Westmauer. (Foto: Jacob Elbaz, Dan Hadam-Sammlung in der Nationalbibliothek)

Verschiedene Delegationen kamen in der Hauptstadt zusammen, darunter Studentengruppen von der Bar-Ilan-Universität und dem Technion-Institut aus Haifa, die vergeblich versuchten mit ihrer Begeisterung die örtlichen Studenten der Hebräischen Universität mitzuziehen. In der ganzen Stadt fand eine Vielzahl von der Basis organisierten Veranstaltungen statt: Paraden, öffentliche Versammlungen, Schulaktivitäten sowie „gewöhnliche“ aufgeregte Menschenmengen, die auf die Straßen der Hauptstadt strömten. Es gab auch eine Reihe Gedenkveranstaltungen für gefallene Soldaten.

Die Schlagzeile lautet: „Hunderttausend strömten zur Westmauer“

Erst volle vier Monate später stimmte die israelische Regierung endlich zu den 28. Iyar zum „Jerusalem-Tag“ zu erklären; das israelische Parlament, die Knesset, gab ihre Genehmigung noch später.

Heute ist der Jerusalem-Tag ein nationaler Feiertag. Er wird mit Feiern in Städten in ganz Israel begangen, in Schulen, in den Medien und in Jerusalem selbst. Wenige sind sich des Widerstands bewusst, der den ersten Feiern des Tages vorausging und dass ihn zu haben nicht für selbstverständlich genommen werden sollte.

Die historische und die moderne Schlacht um die Rückeroberung Jerusalems

Michael Freund, Jerusalem Post, 21. Mai 2020

Jede Stadt hat ihre Symbole, es können Wahrzeichen oder Logos sein, die unser Kopf hervorzaubert, wenn wir an eine bestimmte Metropole denken. Schon die einfache Erwähnung von New York, London oder Rom kann eine ganze Reihe visueller oder verbaler Bilder hervorrufen, was nicht nur viel über die Stadt selbst, sondern auch dazu offenbart, wie jeder von uns sie auf unsere eigene, einzigartige Weise wahrnimmt.

Jerusalem, dessen Befreiung und Wiedervereinigung durch Israel 1967 wir heute feiern, ist natürlich keine Ausnahme. Für manche ist es die Heilige Stadt mit der Westmauer, dem Grab von König David und anderen heiligen Orten. Für andere ist es der Sitz der Regierung Israels, Heimat der Knesset und Gastgeber einer Vielzahl internationaler Institutionen wie Yad Vaschem.

Tatsächlich ist Jerusalem für viele Leute Vieles, was Teil seiner Attraktivität und seiner Mystik ist. Wie aber viele von uns wissen ist es auch ein Ort, der irgendwie die inneren Tiefen unserer Seelen berührt, anders als irgendetwas anderes, das oft nur schwer auszudrücken ist.

Das ist Teil der Macht Jerusalems; es spricht uns als Individuen an, beschwört aber auch unser kollektives Gedächtnis als Volk.

Wenn ich über die Bedeutung dieses Datums, den 28. Tag des hebräischen Monats Iyar, nachdenke, als israelische Truppen die jordanische Besatzungsarmee besiegten und die Altstadt zurück unter jüdische Kontrolle brachten, fand ich mich daher immer wieder dabei, dass ich zu der Idee zurückkehre, dass sich die riesige und uralte Serie meta-historischer, konzentrischer Kreise schließt.

Auf einer einfachen Ebene würde das ziemlich offensichtlich erscheinen. Die Tatsache, dass man in Jerusalem über eine Stelle gehen könnte, an der einst König David stand oder Jeremiah eine Prophezeiung verkündete oder die Makkabäer Krieg führten, reicht als Grund aus, dass wir würdigen, wie gesegnet unsere Generation gewesen ist. Nach 1.900 Jahren Exil sind wir an unsere Quelle zurückgekehrt, um uns aus diesem Land nie wieder herausreißen zu lassen.

Ich denke aber, dass hier eine Kraft am Werk ist, die weit tiefgehender und inspirierender ist, die nicht nur zu jüdischer Geschichte eine Menge zu sagen hat, sondern auch zu jüdischem Schicksal.

Das wir am besten in einem Artikel zusammengefasst, dem ich am 30. Mai 1997 begegnete, in einer Ausgabe der heute untergegangenen Zeitung HaTzofeh, die die Geschichte von Yoram Zammusch erzählte, dem Soldaten, der nach seiner Befreiung die erste israelische Flagge auf dem Tempelberg hisste.

An diesem schicksalhaften Tag, dem 7. Juni 1967, feierte Zammusch, der als Kompaniechef im Bataillon 71 der IDF-Fallschirmbrigade diente, seinen 25. Geburtstag.

Es war ein Tag voller Bedeutung für seine Familie, denn an genau demselben Datum, an dem er 1942 geboren wurde, wurden 19 von Zammuschs Verwandten von den Deutschen im Ghetto Lodz in Polen ermordet, ihre Leichen in ein Massengrab geworfen.

Und hier war er, genau zweieinhalb Jahrzehnte später, und war dabei jüdische Soldaten in die Schlacht zur Zurückeroberung von Jerusalem zu führen.

Bedenken Sie die gruselige Ironie: Seine Verwandten in Europa waren mit Stacheldraht in ein Ghetto gesperrt worden, während Zammusch und seine Männer, als sie die Altstadt erreichten, „etwa acht Reihen Stacheldraht durchbrechen mussten“, um voranzukommen.

Im Viertel Beit Hakerem hatten Zammusch und seine Einheit im Haus der Familie Cohen ein vorübergehendes Hauptquartier eingerichtet. Als die Großmutter hörte, was sie planten, übergab sie Zammusch eine handgemalte Flagge, die sie herstellte, als sie 1947 Aliyah machte und sagte zu ihm: „Wenn du auf den Tempelberg und an die Westmauer kommst, hisse dort diese Flagge.“

So nahm Zammusch die Flagge und zog in den Krieg und verlor in vielen Stunden heftigem Kampf die Jordanier und verlor ein Drittel seiner Einheit. Schließlich rannte er, als er gefolgt von seinen Männern in die Altstadt vordrang, auf den Tempelberg, wo er als erstes ankam. „Sie nahmen den Berg ein“, hielt der Artikel in HaTzofeh fest, „und fand einige jordanische Soldaten, die sich im Felsendom versteckten.“

Auf die Bitte seine Gefühle in diesem Moment zu beschreiben, erinnerte sich Zammusch: „Ich fühlte, dass wir endlich eine Rechnung mit den Soldaten des Titus beglichen hatten. Es war das erste Mal, seit der Tempel von Titus zerstört wurde, dass Juden – und auch noch bewaffnete Juden – frei auf dem Tempelberg herumgingen. Plötzlich“, fügte er hinzu, „erinnerte ich mich an Oma Cohens Flagge und entfaltete sie auf dem Berg über der Mauer. Zweitausend Jahre Sehnen, Hoffnung, Planung und Liebe zu Jerusalem gingen diesem Moment voraus, zusammen mit dem Blut unserer besten Kämpfer.“

Als wäre das noch nicht bemerkenswert genug wird die Macht dieser Geschichte von einem Abschnitt im Talmud im Traktat Taanit (29a) weiter verstärkt, der die Zerstörung der zwei Tempel durch die Babylonier und die Römer beschreibt, die sich beide an einem Samstagabend ereigneten. Trotzdem sagten die Dienst habenden Leviten unerklärlicherweise das Tageslied für Mittwoch auf.

Warum, das wurde erst 1967 deutlich.

Rabbi Nachman Kahane von den Young Israel of the Old City erklärt, dass das Lied für Mittwoch in Psalm 94 steht; er beginnt mit den Worten: „Gott der Rache, HERR, Gott der Rache, erscheine!“

Die Leviten sahen, was geschehen würde und flehten in letzter Minute Gott an, die Eroberung Seines Heiligen Tempels zu rächen, daher entschieden sie sich das Tageslied für Mittwoch aufzusagen. Und, wie der Rabbi herausstellt, war der Tag, an dem die israelische Armee den Tempelberg befreite, der 7. Juni 1967, der natürlich – ein Mittwoch war. Zufall? Ich glaube nicht.

Die Befreiung der Hauptstadt Israels markiert eindeutig nicht nur die Vollendung eines persönlichen historischen Kreises für Yoram und seine Familie. Sie bedeutet auch die einer Reihe von größeren, kollektiven, einer Serie von Kreisen, die all diejenigen Juden einschließt, die sich die Zeitalter hindurch nach Jerusalem sehnten und für es beteten, aber nicht würdig waren es zu sehen.

Diese Kreise gehen durch die Jahrhunderte hindurch zurück bis zu diesen mutigen Leviten, die uns angesichts der Eroberung durch die Römer einen flüchtigen Blick in eine hellere Zukunft gaben.

Wenn Sie also das nächste Mal an Jerusalem denken, nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit und denken Sie über das Tägliche und Banale hinaus. Denn unter der Oberfläche liegt die Schönheit dieser sehr besonderen Stadt und ihrer Geschichte, wie die eines Kreises, in ihrer Ganzheit und Vollendung.