Double Standard Watch: Eiferern kann Israel nichts recht machen

Alan M. Dershowitz, Jerusalem Post Blog, 24. Januar 2010

Während die meisten objektiven Beobachter rund um die Welt Israels Effektivität und Großzügigkeit bei der Führung der medizinischen Anstrengungen in Haiti bestaunen, bestehen einige Eiferer darauf, dass diese Anstrengungen als Gelegenheit genutzt werden, weiter ihre Attacken gegen den jüdischen Staat zu reiten. Doch die harte Rechte der Neonazis und die neostalinistische harte Linke können nicht anders als Israel zu dämonisieren, egal was es tut.

Die Neonazi-Website ReportersNotebook.com bringt einen Blogeintrag mit dem Titel „Die Zionisierung der Katastrophenhilfe“. Sie beschuldigt Israel „das Leid der armen, hilflosen Haitianer zugunsten israelischen Triumphalismus auszuschlachten“. Sie beschwert sich, dass Israel Haiti nur deshalb leistet, um die Aufmerksamkeit von ihren Verbrechen gegen die Palästinenser abzulenken.

Die harte Linke, selbst die in Israel, beschwert sich, dass Israel nicht medizinische Hilfe an einen so weit entfernten Ort schicken sollte. Stattdessen sollte sie sie in das nahe gelegene Gaza schicken.

Selbst die New York Times versäumte es in einer ansonsten durchdachten Analyse der Umstrittenheit der Hilfe unter einigen Israelis den Unterschied zu vermerken, der zwischen der Sendung begrenzter israelischer Hilfe in das weit entfernte Haiti und in den nahe gelegenen Gazastreifen zu schicken. Haiti befindet sich nicht mit Israel im Krieg. Haiti hat sich nicht der Vernichtung Israels verschrieben. Haiti hat kein 8.000 Raketen auf israelische Zivilisten geschossen. Auf der anderen Seite hat der Gazastreifen eine vom Volk gewählte Regierung, die all das getan hat und weiter tut. Darüber hinaus gibt es keinen Vergleich zwischen den Zehntausenden Haitianer, die durch eine Naturkatastrophe umkamen, und den Menschen des Gazastreifens, die weit weniger unter dem leiden, was im Grunde genommen eine selbst zu gefügte Wunde ist.

Auch auf den Vergleich zwischen dem winzigen und ressourcenarmen Israel einerseits und den riesigen und ressourcenreichen arabischen und muslimischen Staaten andererseits wird von Israels Dauerfeinden kein Wert gelegt. Während Israel Personal zur Verfügung stellt und tief in die Kasse greift, um medizinische Hilfe um ein Viertel der Welt zu schicken, fehlen arabische und muslimische Staaten im Allgemeinen bei den Aktivitäten, wenn es um Hilfsanstrengungen geht. Das gilt nicht nur für Haiti, das ein katholischer Staat ist, sondern stimmte genauso, als Tsunamis und andere Naturkatastrophen muslimische Staaten verheerten.

Auf die, die argumentieren, Israel schicke diese Hilfe aus selbstsüchtigen Gründen nach Haiti, gibt es zwei Antworten. Erstens die Antwort der Realpolitik: Alle Staaten haben Interessen; und alle handeln, so war es zumindest bisher – aus Eigeninteresse. Als die US-Regierung von den Amerikanern aufgefordert wurde ihre Mulitmilliarden-Dollar-Auslandshilfen zur rechtfertigen, antwortete sie im Allgemeinen mit dem Argument, dass diese Beihilfen den Interessen der Vereinigten Staaten dienen. Geht es jedoch um Israel, dann wird immer zweierlei Maß angewendet. Israel darf nur aus rein altruistischen Motiven handeln, während ander Länder das Recht haben, Altruismus an Eigeninteressen auszurichten. Die zweite Antwort ist: Israel tut in Haiti weit mehr als verlangt würde, um Eigeninteressen zu befriedigen. Es schickt mehr Hilfe pro Kopf [der eigenen Bevölkerung] als jedes andere Land der Welt. Es tut das mit außergewöhnlicher Effizienz und echter Wirkung. Ist es nicht zumindest möglich, dass die Jahrtausende alte jüdische Tradition der Zadakah – Barmherzigkeit, die auf Gerechtigkeit gründet – wenigstens Teil der Erklärung für Israels Großzügigkeit ist?

Die Tatsache, dass so viele Israelis für medizinische und andere Hilfe im Gazastreifen eintreten, unterstützt gewiss diese zweite Theorie. Hat irgendein anderes Land in der Geschichte der Welt jemals Menschen medizinische und andere Hilfe gewährt, mit denen es sich im Krieg befindet – Menschen, die weiterhin Raketenangriffe und andere Formen des Terrorismus gegen seine Zivilisten befürworten? Wieder zweierlei Maß. Die Realität ist die, dass Israel den Menschen des Gazastreifens gegenüber extrem großzügig sein wird, wenn diese zu welchem Zeitpunkt auch immer die Angriffe auf israelische Zivilisten nicht mehr unterstützen, aufhören aus ihren Selbstmord-Bombern Märtyrer zu machen und aufhören ihre Kinder dazu zu ermutigen Selbstmord-Gürtel anzulegen. Vergleichen Sie Gaza mit der Westbank, die heute über eine erstarkende Wirtschaft und bessere Reisebedingungen verfügt sowie über eines der besten Gesundheitssysteme in allen arabischen oder muslimischen Ländern der Gegend. Die Friedensdividende, die das palästinensische Volk aus einem Friedensschluss mit Israel ernten wird, ist unabsehbar.

Also macht weiter mit eurer Kritik an Israel, wenn es nicht den allgemein angelegten internationalen Standards gerecht wird, aber lobt es, wenn es über diese Standards hinaus geht, wenn es Hilfe leistet, die viele Leben gerettet hat und weiter retten wird. Israel wird weiterhin Katastrophenhilfe schicken, egal, wie die Welt darauf reagiert; einfach, weil die Israelis verstehen, wie es sich anfühlt Katastrophen ausgesetzt zu sein. Aber die Fairness verlangt, dass Israel nicht für seine humanitären Anstrengungen verurteilt wird und dass seine Hilfe für Haiti nicht als nur ein weiterer Fall der Anwendung von zweierlei Maß für sein Tun benutzt wird.

Proportionalität

Alan Dershowitz wurde von Yishai Fleischer auf IsraelNationalRadio interviewt. Dabei machte er einige Anmerkungen zur notwendigen Anpassung des Rechtsstaats an die Bedrohungen durch den Terrorismus und schrieb der Weltöffentlichkeit (einschließlich Israel) etwas zur „verhältnismäßigen“ Antwort auf den (Raketen-)Terror ins Stammbuch:

Israel sollte eine Null-Toleranz-Politik zu Raketen einnehmen. Ich habe beschrieben, dass jede Raketen, die vom Gazastreifen nach Israel fliegt, eine Verletzung von Artikel 51 der UNO-Charta ist – ein bewaffneter Angriff, der Israel volles Recht auf proportionale Verteidigung gibt.

„Warum muss sie proportional sein?“, unterbrach Fleischer, worauf Dershowitz antwortete:

Proportional heißt nicht die Zahl der Leben gleichzusetzen; es heißt lediglich, dass, wenn sie mit einem Gewehr auf dich schießen, du sie nicht mit Atombomben bewerfen sollst. Es heißt ebenfalls nicht, dass du für jedes genommene Leben ein Leben nehmen kannst, wie es die internationale Gemeinschaft so absurd glaubt. Es heißt einfach, dass du nicht völlig unverhältnismäßig reagierst, dir aber auch nicht den tatsächlich verursachten Schaden ansiehst, sondern das Risiko des Angriffs in Augenschein nimmst. Wenn eine Rakete das Potenzial hat 100 Menschen zu töten, dann beseitigt es, nur weil sie fehl gegangen ist, nicht das Risiko, das da bestanden hat. Israel muss nicht unendlich warten, bis eine Rakete einen Schulbus oder einen Kindergarten oder einen Krankenwagen trifft. Es kann sich die Risiken ansehen, nicht nur die tatsächlichen Folgen.

Und dann kann es entsprechend reagieren. Was andererseits sagt, dass die bisherigen „Reaktionen“ alles andere als unverhältnismäßig waren. Sie waren gegen die Terrorführer und die Terroristen gerichtet. Das Verständnis von „proportional“ (verhältnismäßig) muss eingenordet werden. Das wird sich bei den üblichen Verdächtigen nicht durchsetzen, weil dort ohnehin alles, was Israel zu seiner Verteidigung tut, „unverhältnismäßig“ ist; man muss hoffen, dass Dershowitz sich bei den vorhandenen kleinen extremistischen Gruppen in Israel durchsetzt, damit die nicht überreagieren.