Iranische Regierungszeitung druckt Karikatur von deutschem Außenminister als „Zionistischem Nazi“

Zeitung des Obersten Führers sagte: „Deutschland ist Sklave Israels“

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 12. Juni 2019

Die Titelseite der Tageszeitung der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) zeigte am Dienstag eine antideutsche und antisemitische Karikatur des deutschen Außenministers Heiko Maas, der den Hitlergruß gibt und Brillen in der Form von Davidsternen trug.

Der in den USA lebende Iran-Experte Amir Toumaj schrieb auf seinem Twitter-Feed: „Titelseite der IRGC-Tageszeitung Jawan zeigt eine Karikatur des deutschen Außenministers Heiko Maas und schreibt ‚Die faschistischen Erwartungen des Botschafters Europas‘. Zeigt ihn mit Hitlergruß und mit einer Nazi-Armbinde, Brille in Form von Davidstern und einer USA-Flagge als Krawatte.“

Stefan Frank, ein deutscher Journalist, der ausführlich über Antiamerikanismus und Antisemitismus geschrieben hat, sagte auf Twitter: „Jahre lang ist unsere Regierung – und besonders Außenminister Heiko Maas – um das iranische Regime herumgeschwänzelt. Sehen Sie sich das Bild an, das wir als Reaktion bekommen (entnommen der heutigen Ausgabe von ‚Jawan‘, einer Zeitung der Islamischen Revolutionsgarden).“

Der prominente iranische Journalist Amir Taheri schrieb: „Wird Heiko Maas nach dem desaströsen Besuch in Teheran den Fehler bei der Einschätzung der Islamischen Republik zugeben? Die heutige Kayhan, die Khameneis Ansichten wiedergibt, sagte: ‚Eine große Zahl an Sitzen im deutschen Parlament ist von nicht deutschen Zionisten besetzt.‘ Sie fügt hinzu: ‚Deutschland ist der Sklave Israels!‘“

Kayhan ist das Sprachrohr-Zeitung des Obersten Führers des Iran, Ali Khamenei.

Die Vereinigten Staaten ordneten die IRGC im April als Terrororganisation des Auslands ein. US-Präsident Donald Trump sagte damals: „Dieser beispiellose Schritt, vom Außenministerium unternommen, erkannte die Realität, dass der Iran nicht nur ein staatlicher Terror-Sponsor ist, wobei die IRGC aktiv an der Finanzierung beteiligt ist und Terrorismus als Mittel der Staatskunst propagiert.“ Die IRGC sind das Hauptmittel der iranischen Regierung in der Leitung und Umsetzung seiner globalen Terrorkampagne.

Er fügte hinzu: „Diese Kennzeichnung wird das erste Mal sein, dass die Vereinigten Staaten jemals einen Teil einer anderen Regierung als ausländische Terrororganisation bezeichneten. Es unterstreicht die Tatsache, dass das Handeln des Iran sich fundamental von dem anderer Regierungen unterscheidet. Dieses Handeln wird unseren maximalen Druck auf das iranische Regime an Umfang und Ausmaß ausweiten. Es macht die Risiken von Geschäften mit den IRGC und ihnen Unterstützung zukommen zu lassen kristallklar. Wer Geschäfte mit den IRGC macht, wird Terrorismus finanzieren.“

Maas und das deutsche Außenministerium haben auf die Karikatur der IRGC nicht reagiert. Maas widersprach am Montag auf einer Pressekonferenz in Teheran mit dem iranischen Außenminister Mohammed Javad Zarif nicht, als Zarif die USA warnte, „sie können nicht sicher sein“, während der Iran die atomare Anreicherung steigert und die Islamische Republik Iran weiterhin Schwule hinrichtet.

Nachdem ein deutscher BILD-Reporter Zarif zur Hinrichtung von Schwulen fragte, sagte Zarif: „Unsere Gesellschaft hat moralische Prinzipien und wir leben gemäß diesen Prinzipien. Das sind moralische Prinzipien bezüglich des Verhaltens von Menschen im Allgemeinen. Und das ist der Grund, dass das Gesetz geachtet wird und man sich an die Gesetze hält.“ Irans Rechtssystem schreibt tödliche Homophobie vor. Nach Angaben eines britischen Wikileaks-Dokuments aus 2008, das von der Jerusalem Post prüfte, sind vom iranischen Regime seit der Islamischen Revolution 1979 zwischen 4.000 bis 6.000 Schwule und Lesben hingerichtet worden.

Maas‘ Außenministerium nahm im Februar an Feiern zur Islamischen Revolution in der Botschaft Teherans teil. Mass sagte, er sei „wegen Auschwitz“ in die Politik gegangen. Der Iran ist der führende internationale Staatssponsor von Holocaust-Leugnung, Antisemitismus und Terrorismus. Kanzlerin Angela Merkels Regierung hat es abgelehnt  sich den US-Sanktionen gegen das Regime des Iran anzuschließen und bleibt Teil des Atom-Deals mit dem Iran. Merkel beauftragte den deutschen Bankier Per Fischer Instex zu beaufsichtigen, einen Finanzmechanismus mit Sitz in Paris, der die US-Sanktionen gegen Teheran umgehen soll. Rabbi Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Center sagte gegenüber der Post: „Warum diese Verzweiflung der Deutschen die Serienlügner-Möchtegerntyrannen in Teheran zu retten? Es ist an der Zeit friedliche Sanktionen zu verwenden, um Tyrannen die Stirn zu bieten und für das Volk des Iran einzustehen.“

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Deutschland ist weit von seiner Vergangenheit weg, aber seine Iran-Politik bleibt schäbig

Deutschlands Vergangenheit hätte es ihm zur Pflicht machen müssen die moralische Führung bei Werben für Regime-Change zu übernehmen, wenn es um den Umgang mit einem totalitären Regime wie dem Iran geht.

Yigal Carmon, JNS.org, 12. Juni 2018

Wenn man von irgendeinem Land der Welt erwarten kann extrem vorsichtig dabei zu sein sich jemandem anzuschließen, der Israels Vernichtung fordert, dann wäre es Deutschland, ungeachtet jeglicher mildernden Umstände – wirtschaftlich, politisch oder sonst wie. Die Bundesrepublik hätte sich von jeglicher substanziellen Verbindung zur Islamischen Republik Iran distanzieren sollen, deren mörderisches Regime damit droht Israel auszulöschen.

Deutschland war das erste Land, das dem moralisch relativierenden Barack Obama hätte sagen sollen, dass totalitäre Regime, wie Deutschlands Nazi-Regime, völlig inakzeptabel sind und dass ihnen jegliche Legitimität verweigert werden sollte, insbesondere wenn es um einen Atomdeal mit ihnen geht. Deutschlands Vergangenheit hätte es ihm zur Pflicht machen müssen offen die moralische Führung dabei zu übernehmen Regime-Change zu propagieren, wenn es um den Umgang mit einem totalitären Regime wie dem Iran geht.

Die Realität ist tragischerweise genau das Gegenteil. Nachdem es aus der Asche aufstieg und eine stabile, humanistische Demokratie wurde, unterstützt Deutschland mörderische, totalitäre Regime. Deutschland, das anderen Ländern Menschenrechte predigt – zum Beispiel Saudi-Arabien wegen dessen Handeln im Jemen, zurecht – hat seine Augen vor den berüchtigten Menschenrechtsverletzungen im Iran verschlossen, genauso davor, wie der Iran seine eigenen Bürger terrorisiert und ermordet. Der Iran ist natürlich, zusammen mit Russland, ein wichtiger Partner bei der größten humanitären Katastrophe des 21. Jahrhunderts: dem Abschlachten und der Vertreibung von Millionen Syriern durch das Regime Assad.

Die Stornierung der von Obama untergeschobenen Iran-Politik durch die Regierung Trump bot Deutschland eine goldene Gelegenheit seine bekundeten Werte wiederzugewinnen. Aber das Gegenteil geschah: Deutschland legitimiert den Iran, verteidigt ihn sogar.

Was motiviert Deutschland einen solche beschämende und unmoralische Politik zu wählen?

Eine mögliche Motivation ist antiamerikanische Stimmung, die nicht mit Donald Trump begann und die Jahrzehnte zurückreicht. Trump verschärfte diese Stimmung natürlich, als er von „America First“ sprach, forderte, dass Deutschland und andere europäische Staaten ihren Anteil an die NATO bezahlen und damit drohte Zölle auf Stahl- und Aluminiumexporte in die USA zu erheben. (Deutschland hat tatsächlich einen schnell wachsenden Handelsüberschuss mit den USA in Höhe von $65 Milliarden – das dritthöchste nach China und Japan – aber die Deutschen haben trotzdem das Gefühl, die Zölle seien ein feindlicher Akt gegen sie).

Ein weiterer Katalysator könnte das Verhalten des französischen Präsidenten Emmanuel Macron sein, der mit Mitteln um die Führung der EU kämpft, die manchmal eher eine Konfrontationspolitik gegenüber den USA sind. Macron betrachtet den Iran als eine Gelegenheit nach Jahren wohlverdienter deutscher Hegemonie in Europa die deutsche Führungsrolle in Brüssel zu auszuhöhlen.

Eine weitere Erklärung, mit der die Deutschen (und die Franzosen) in der Welt hausieren gehen, um ihr Appeasement des Iran zu rechtfertigen, besteht in dem Wunsch Krieg zu vermeiden. Wir hörten diese Erklärung bis zum Erbrechen in den 1930-er Jahren. Dem Iran fehlt das militärische Potenzial von Nazideutschland und er kann keinen Krieg gegen eine moralische westliche Koalition auf die Beine stellen. Das ist aus der iranischen Reaktion auf die neue amerikanische Strategie gegen den Iran ersichtlich, die von Pompeo verkündet wurde; die Iraner krallen sich an der Vereinbarung und an Europa als Verteidigung gegen die USA und ihre regionalen Verbündeten fest. Es wäre höchst unglücklich, wenn Deutschland zu der Politik zurückkehren würde, die ihre früherer Außenminister Joschka Fischer vertrat und sich entschiede als menschlicher Schutzschild des Iran zu dienen.[1]

Unabhängig von Deutschlands Motiven[2] ist diese der Moment, in dem es nationale Führung und Verantwortung demonstrieren kann, die über die unbedeutenden Überlegungen des Wunderknaben Macron und seiner plötzlichen Gereiztheit gegenüber Trump steht und eine Politik auf seinen moralischen Werten aufbaut. Wenn es sich als der Gelegenheit gewachsen zeigt, könnte Deutschland das Thema Iran von anderen isolieren und als wahrer globaler Leuchtturm moralischer Politik dienen. Es gibt andere Wege sein erwähnten Probleme mit den USA zu lösen und sogar in Wirtschaftsfragen eine durchsetzungsfähige Haltung gegenüber Donald Trump einzunehmen.

Leider sind sich Deutschlands Große Koalition und die Oppositionsparteien in der Verteidigung des Iran und gegen die USA einig. Das zeigt, wie tief Deutschlands moralische Finsternis und seine ideologischen Scheuklappen reichen. Das demokratische und humanistische Deutschland, das Land, das so viele verzweifelte syrische Flüchtlinge willkommen hieß, ist weit von seiner dunklen Vergangenheit entfernt; aber seine Iran-Politik ist schäbig. Bezüglich der Islamischen Republik Iran gibt es kein neues Deutschland.

(Yigal Carmon ist der Präsident von MEMRI)

[1] S. Mohamed ElBaradei: The Age of Deception: Nuclear Diplomacy in Treacherous Times. London (Bloomsbury Press), S. 131.

[2] Man muss Deutschland zugute halten, dass es wichtig ist zu betonen, dass entgegen weit verbreitetem Glauben seine unmoralische Politik gegenüber dem Iran nicht auf wirtschaftlichen Überlegungen gründet, sondern auf seiner politischen Feindseligkeit gegenüber Trump. Deutschlands Handel mit dem Iran ist unbedeutend.

Dear Germany: Hast du irgendetwas gelernt?

Dennis Prager, 2. April 2003

Wie viele Amerikaner und fast alle Juden wuchs ich mit einer großen Wut auf eure Land auf. Aber als junger Mann begann ich meine Ansichten zu den Deutschen zu überdenken. Gegen die Wünsche fast aller, die ich kannte – von denen die meisten nicht einmal ein deutsches Produkt kaufen würden – entschied ich mich nach Deutschland zu reisen. Mein Besuch 1968, im Alter von 20 Jahren, war der erste von mindestens einem Dutzend Reisen in euer Land.

Fakt ist: Ich wurde zu jemandem, der euch verteidigte.

Ich argumentierte, dass es falsch ist irgendeinen Deutschen, der während des Krieges jünger al s13 Jahre alt war, moralisch für die furchtbaren Verbrechen eures Landes verantwortlich zu machen. Ich wählte das Alter von 13 Jahren, weil das im Judentum das Alter der moralischen Schuldfähigkeit ist. Ich argumentierte 1968, dass jeder Deutsche, der damals unter 40 Jahre als war, als unbescholten gelten müsse und wir sollten nicht bei jedem Deutschen über 40 das Schlimmste annehmen.

Ich argumentierte, weil Volkswagen und Mercedes dem arabischen Boykott trotzten und Geschäfte mit Israel machten, sollten Juden deutsche Produkte nicht boykottieren.

Ich argumentierte, dass ihr im Kalten Krieg Gegenüber dem Sowjet-Kommunismus treue Verbündete ward.

Ich argumentierte, was am wichtigsten überhaupt war, dass Deutsche sich ihrer Nazivergangenheit schämten und große moralische Lektionen daraus gelernt hatten.

Das letzte Argument, erkenne ich jetzt, war eher Hoffnung als Fakt. Es gibt keine Frage, dass die überwiegende Mehrheit der Deutschen sich des Nationalsozialismus und des Holocaust schämen. Heute bin ich mir aber genauso sicher wie traurig, dass ihr nichts über Gut und Böse daraus gelernt habe und das ihr heute moralisch genauso verwirrt seid wie ihr es ward, als ihr Hitler unterstützt habt. Nicht weil ihr böse seid, sondern weil ihr nicht in der Lage seid das Böse zu erkennen.

Das ist atemberaubend. Anders als die Japaner, die ihre Gräuel gegenüber den Chinesen und Koreanern ignoriert haben, habt ihr euch eurem Bösen gestellt. Ihr habt die nächsten Generationen der Deutschen über den Nationalsozialismus und den Holocaust gelehrt.

Daher ist es unfassbar, dass all die Bildung zum Bösen eine Generation hervorgebracht hat, die davor zurückschreckt das Böse zu beurteilen, geschweige denn sich ihm entgegenzustellen. Es übersteigt das Vorstellungsvermögen, dass eine Nation, die nur dadurch vom Nationalsozialismus befreit wurde, dass Armeen Krieg führten, den Pazifismus umklammern würde, dass eine Nation, die erlebte, zu welchem Übel das Appeasement führt, dieses jetzt übernimmt.

Ich war sicher, dass einige deutsche Führungspersönlichkeiten aufstehen und sagen würden: „Liebe deutsche Mitbürger, wir erkennen einen Hitler, wenn wir ihn sehen und Saddam Hussein ist einer.“ Aber kein Deutscher stand auf, um das zu sagen. Stattdessen setzte einer eurer Führungspolitiker den amerikanischen Präsidenten mit Hitler gleich.

Ich war sicher, dass einige deutsche Führungspersönlichkeiten aufstehen und sagen würden: „Liebe deutsche Mitbürger, wir erkennen völkermörderischen Antisemitismus, wenn wir ihn sehen und wir sehen ihn in der arabischen Welt.“ Aber auch hier stand keine deutsche Führungspersönlichkeit auf und sagte das.

Wenige von uns erwarteten irgendetwas von den Franzosen. Von den Jakobinern und der Guillotine über das Dreyfus-Verfahren und das Vichy-Regime zu de Gaulles Rückzug aus der antikommunistischen NATO hat Frankreich mit wenigen Ausnahmen kaum etwas getan, das moralisch ist und nichts, das mutig ist. Die Geringschätzung, die viele Amerikaner lange für Frankreich empfunden haben, ist lediglich verstärkt worden.

Aber ich glaube, dass ich im Namen vieler Amerikaner spreche, wenn ich sage, dass wir mehr von euch erwarten. Wegen dem, was wir nach dem Zweiten Weltkrieg und während des Kalten Krieges für euch gemacht haben. Weil ihr, gerade ihr, wisst, das Amerikaner anständige Leute sind. Und besonders, wegen eurer Erfahrung mit dem Bösen. Wie konntet ihr einen Hitler hervorbringen und nur eine Generation später einen weiteren nicht erkennen? Wie konntet ihr aus erster Hand über Folterkammern und Kinderschreie Bescheid wissen und nicht schmerzhaft wollen, dass das in einem anderen Land beendet wird? Wie könnt ihr auch auf die Seite eines amoralischen Frankreich gegen euren Freund Amerika stellen?

Es gibt, so scheint es, nur eine Antwort: Aus dem Nationalsozialismus habt ihr nichts gelernt. Statt zu lernen, dass das Böse bekämpft werden muss, habt ihr gelernt, dass zu kämpfen böse ist.

„Es ist Amerikas Fehler!“

Die „Frachtkult“-Mentalität

John Derbyshire, National Review Online, 14. Juni 2002 (heute nur noch hier)

Wenn man etwas öffentlich über den Nahen Osten schreibt, bekommt man eine Menge Leserpost. Nach einer Weile fängt man an Trends in diesen Antworten festzustellen – Trends, die sehr suggestiv darüber sind, wie Menschen denken und welche Gefühle sie bei großen Dingen haben.

Wenn ich selbst über den Nahen Osten schreibe, mache ich normalerweise irgendwo mittendrin eine Pause um herauszustellen, warum Araber als Einzelne generell nicht besser oder schlechter sind als einzelne Engländer, Amerikaner oder Ungarn, die arabische Gesellschaft aber nie einen Hang zu rationaler Politik hat und keine Anzeichen zeigt, ihn jemals zu haben. Daher ist jedes einzelne arabische Land entweder eine finstere Theokratie oder eine säkulare „Volksrepublik“ unter der Knute eines zynischen Gangsters.

Es gibt eine Antwort, die ich von arabischen Lesern in diesem Zusammenhang relativ oft bekomme. Sie liest sich mehr oder weniger so: „Was erwarten Sie? Natürlich ist die arabische Welt politisch rückständig. Ihr Amerikaner habt diese Regime eingesetzt! Ihr erhaltet sie! Das Volk von Saudi Arabien usw. würde diese fürchterlichen, despotischen Herrscher liebend gerne los werden, aber ihr Amerikaner lasst das nicht zu! Wenn die Saudis versuchen sollten, ihre Monarchie zu stürzen und eine Regierung des Volkes einzusetzen, würden die USA alles unternehmen, das zu unterbinden! Das ist alles Amerikas Fehler!“

Als erstes muss über diese Argumentation gesagt werden, dass eine Reihe intelligent klingender Araber (und Pakistanis und passende andere) das glauben – ich bekomme jede Woche ein halbes Dutzend E-mails diesen Inhalts. Das Zweite, das gesagt werden muss, ist, dass dies als These in den Politikwissenschaften nicht mehr einen Hundepups wert ist.

Es ist tatsächlich so, dass Demokratie in der arabischen Welt wahrscheinlich nicht im Interesse der USA ist. Es gibt gute Gründe zu glauben, dass jede arabische Demokratie rasch in Faschismus degenerieren würde und dass die arabischen Herrscher, obwohl sicher widerlich, im Ganzen den USA und unseren Interessen weniger feindselig gegenüber stehen als die arabischen Menschen insgesamt – natürlich weniger als die politisch organisierte Opposition in Ägypten, Saudi Arabien, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, vielleicht sogar im Irak. In Palästina natürlich auch. Die derzeitige Unbeliebtheit Yassir Arafats in seinem Volk z.B. scheint aus der Ansicht zu stammen, dass er nicht antisemitisch und antiamerikanisch genug ist, um sie zufrieden zu stellen.

Nichtsdestotrotz ist es wahr, dass ein entschiedener Versuch des Volkes eines jeden Nahost-Staates sein pro-amerikanisches Regime zu stürzen mit Sicherheit Erfolg haben würde. Sagt Ihnen der Begriff „Schah des Iran“ etwas? Wenn eine Nation den Zeitpunkt der Revolution erreicht, gibt es sehr wenig, das eine Macht von außen tun kann, um den Verlauf der Dinge zu ändern, wenn es nicht in der Art Stalins im Europa der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg geschieht oder der Römer im Palästina des ersten Jahrhunderts: mit absoluter Rücksichtslosigkeit. Sei es nun positiv oder negativ: so sind die USA nicht. Das kann von außen Stehenden nicht aufgezwungen oder gemanagt werden, wenn es nicht besondere Umstände sind wie die im Nachkriegs-Japan. Wenn das Volk von Syrien oder Pakistan entschieden eine verfassungsbestimmte Regierung haben wollten, dann könnten die USA oder irgendjemand anderes nichts dagegen ausrichten. Genauso beim Gegenteil: Wenn sie nicht entschieden dafür sind, dann kann sie ihnen niemand geben. Und wir schon gar nicht.

Warum scheinen dann so viele Menschen zu glauben, dass „alles der Fehler Amerikas“ ist? Ich denke, da laufen mehrere Dinge ab.

Eines ist, dass wir eine Vater-Nation sind: groß, stark, reich und dominant. Viele in der Welt stehen in einer ähnlichen Beziehung zu den USA wie ein schwieriger Teenager zu seinem Vater. Es sind nicht nur unsere Größe, unser Reichtum oder unsere Stärke, die sie verrückt machen; es ist bereits unsere pure Existenz, die sie kaum ertragen können, das Wissen, wie sehr sie von uns abhängen. Ich bin ein selbstbestimmtes Wesen! Ich habe einen eigenen Willen! Ich kann die Zukunft sehen – ich bin TEIL DER Zukunft – und du wagst es, mir im Weg zu stehen?!?! Im Fall der arabischen Welt wird diese Haltung wahrscheinlich durch das oft beobachtete Phänomen des verwöhnten arabischen, männlichen Heranwachsenden vervielfacht, der von seinen weiblichen Verwandten abgöttisch geliebt wird, auf dem die Hoffnungen der Familie liegen.

Eine andere Sache, so denke ich, ist die, dass ein reichlich großer Teil der arabischen Welt in einer Art Frachtkult-Mentalität gefangen ist. Frachtkulte kamen während des Zweiten Weltkriegs in den melanesischen Inseln des Südpazifik auf. Die Völker dieser Orte sahen, wie die Amerikaner und Briten kamen und Landestreifen für Flugzeuge bauten. Als dann die Landestreifen gebaut waren, begannen mit Fracht beladene Flugzeuge zu kommen. Die Melanesier schlossen daraus, was angesichts ihres Kenntnisstands nicht unvernünftig war, dass, wenn sie Landebahnen bauten, Flugzeuge auch zu ihnen kommen und gleichermaßen Fracht bringen würden. Also hackten sie behelfsmäßige Landebahnen aus dem Dschungel und bauten Modelle von Kontrolltürmen aus Gras und Schlamm. Dann setzten sie sich hin und warteten darauf, dass die Frachtflugzeuge kämen.

Einen Geschmack des Frachtkults bekommt man in einer Reihe von Dritte-Welt-Ländern. Amerika hat Wolkenkratzer. Amerika ist reich und stark. Lasst uns Wolkenkratzer bauen – dann werden wir auch reich und stark! Der Gedanke, dass der Reichtum und die Stärke in Gewohnheiten, Vereinbarungen, Gesetzen, Freiheiten, Traditionen und Gedankenmustern, Verhalten und Verbindungen ihre Wurzeln haben und dass die Wolkenkratzer ein zufälliges Nebenprodukt sind, wird nicht besonders gut verstanden.

Die kommunistische Welt war dem auch sehr ähnlich – und ist es noch, wo sie überlebt. In Pjöngjang gibt es haufenweise breite Boulevards und bombastische Gebäude. Nur gibt es keinen Verkehr, der die Boulevards nutzen könnte und die Menschen, die die Gebäude bevölkern, wenn sie sich die Mühe geben zur Arbeit zu erscheinen, sind zerlumpt und hungern. Als aber die Boulevards geplant und die Gebäude gebaut wurden, glaubten die Menschen wahrscheinlich, dass der Reichtum und die nationale Stärke – die Fracht! – unvermeidlich folgen würden.

Südlich der Sahara war der Frachtkult in den 1960-er und 1970-er Jahren sehr akut, nachdem die Kolonialmächte abzogen. Jede neue Nation schaffte sich eine Airline, ein Universitätssystem, eine Reihe von Superautobahnen, ein prestigeträchtiges Industrieprojekt, eine Verfassung. Seht ihr, wir sind genauso wie ein europäisches Land! Genau wie Amerika! Jetzt muss die Fracht kommen! Nur: kam sie nicht. Die Prestige-Projekte sind vom Busch geschluckt worden, Gras wächst in den Rissen der Autobahnen, die Verfassung wurde von Präsident auf Lebenszeit Klepto Bandido auf den Müll geworfen und eine Rebellenarmee schlägt ihre Zelte in der Universitätsbibliothek auf, wobei sie die Bücher als Brennstoff zum Kochen benutzt.

Als ich in den frühen 1980-er Jahren in China lebte, bestaunte ich all die sinnlose Schauspielerei, die dort ablief. Sie hatten ein „Parlament“, das niemals über irgendetwas debattierte, „Zeitungen“ ohne Nachrichten, „Gerichtsverhandlungen“, wo nichts verhandelt wurde, weil das Urteil im Vorfeld beschlossen wurde. „Warum das alles?“, fragte ich mich. Ich begann eine Ahnung davon zu bekommen, was die Antwort darauf war: Weil Amerika diese Dinge hatte. Seht, wie reich, wie erfolgreich sie sind! Deshalb müssen wir diese Dinge auch haben. Dann werden wir reich und erfolgreich sein, wie Amerika! (Als Bertrand Russel über seinen Besuch in Russland 1920 berichtete, sagte er, dass das Ziel Lenins und seiner Bolschewiken war: „Russland so zu industrialisieren und amerikanisch zu machen wie möglich.“)

In meiner pessimistischen Stimmung glaube ich, dass verfassungsgemäßes Regieren eine Art glücklicher Zufall ist, über den Völker von Zeit zu Zeit auf gut Glück stolpern, vielleicht einmal in einem Jahrtausend. Die Engländer lösten das irgendwie in der Frühmoderne und trugen es in ihre Kolonien, die das verbesserten. Die römische Republik unternahm eine Zeit lang einen recht guten Versuch darin, bis gerade die Erfolge ihres Systems ihren Herrschaftsbereich zu groß machten, als dass das System ihn noch in den Griff bekam. Ähnlich die antiken Griechen. Ein paar verstreute andere Orte – Westeuropa, Japan, Indien, Taiwan – sehen aus, als ob sie die richtige Vorstellung haben. Ich würde nicht sagen, dass ihr Zugriff darauf immer sehr fest ist, aber wenigstens ein paar Jahrzehnte werden ihre Parlamente debattieren, ihre Richter richten, ihre Zeitungen Nachrichten bringen. Aber der größte Teil der Welt, einschließlich der gesamten arabischen Welt, ist in politischer Dunkelheit versunken, die der natürliche Zustand der Menschheit ist. Die Völker dort wissen, dass ihnen etwas fehlt, aber sie können nicht heraus finden, was zum Teufel das ist. Wir bauen Landebahnen und die Kontrolltürme und die Hangars – schaut! Warum kommt die Fracht nicht?

Das muss Amerikas Fehler sein.

Notiz an Europa: Werdet in Bezug auf den Irak endlich erwachsen

Andrew Sullivan, The Sunday Times of London, 11. August 2002 (leider ohne URL)

Der Sitzkrieg dieses Sommers sieht noch seltsamer aus, wenn man die europäische und die amerikanische Presse vergleicht. In London und Paris, Berlin und Brüssel sind die Zeitungen voll mit Spekulation zu einem Krieg mit dem Irak. Es gibt Forderungen, die Parlamente aus der Sommerpause zu holen; es gibt Gerüchte zu möglichen Kabinetts-Rücktritten; es gibt geheime Umfragen, die die enorme Unbeliebtheit von George Bush bei den Briten zeigen. In Deutschland macht der Kanzler sogar Opposition gegen den Krieg zu einer Zentralfrage seines Wahlkampfs. Aber in der „Reichshauptstadt“, tausende Kilometer entfernt, bleibt es seltsam ruhig. Der Senat hielt gerade Anhörungen zu einem möglichen Krieg gegen Saddam ab, aber die Administration sagt, sie sei noch nicht so weit befragt zu werden. Der Kongress macht Pause. Der Präsident ist in Texas. Viele Amerikaner sind in den Ferien. Die Zeitungen berichten über die Sache, aber es gibt noch keine aktuelle, leidenschaftliche, substantielle Debatte. Und es gibt wenig Geheimnisvolles um das Warum. Trotz der Bemühungen von Antikriegs-Zeitungen wie der New York Times zeigen Umfragen beständig, dass zwischen 60 und 70 Prozent der Amerikaner Krieg unterstützen. Der Präsident hat sich rhetorisch zu einem solchen Ergebnis verpflichtet. Niemand, der der Administration nahe steht, hat in privaten Gesprächen Zweifel, dass er stattfinden wird – wahrscheinlich diesen Winter. Die Amerikaner sind angesichts dieses Krieges nicht fröhlich: Es werden ihre Söhne und Töchter sein, die in ihm sterben werden. Aber sie sind genauso wenig bereit eine solche gefährliche Bedrohung des Westens zu ignorieren, wie wir sie erlebt haben.

Und die amerikanische Antwort auf die europäische Panik und den europäischen Widerstand? Vielleicht wird sie am besten in einem ungeduldigen Seufzer zusammen gefasst. „Den Europäern ist angesichts der amerikanischen Macht unwohl“, ist nicht mehr unbedingt eine schockierende Schlagzeile. Es ist schlicht keine Neuigkeit mehr, dass der Guardian den Gebrauch von Waffen ablehnt, um der Wiederauferstehung eines der bösartigsten und gefährlichsten Regime der Welt vorzubeugen. Es ist nicht neu, dass die EU es in Gestalt von Chris Patten vorzieht palästinensischen Terror zu subventionieren statt sich über den möglichen irakischen Einsatz von biologischen Waffen zu ärgern. Die Amerikaner verdrehen schlicht die Augen wegen der gewöhnlichen europäischen Leugnung und ihrer Proteste. Wenn die Europäer sogar gegen den Krieg in Afghanistan waren, welche Chance gibt es, dass sie den Krieg gegen den Irak unterstützen? Amerikaner kennen das. Sie werden es wieder erleben. In der Zwischenzeit haben sie eine Arbeit zu erledigen.

Auf einer tieferen und eher Besorgnis erregenden Ebene ist es zunehmend richtig, dass viele Amerikaner sich darum gar nicht mehr kümmern. Sie sind die instinktive europäische Ablehnung jeden Gebrauchs militärischer Gewalt gewöhnt; und sie sind den automatischen (und oft heuchlerischen) Antiamerikanismus der europäischen Mitte und Linken gewohnt. Aber dem wird ein relativ neuer und nicht zu beantwortender Faktor hinzu gefügt: Warum um alles in der Welt, einmal abgesehen von guten Manieren, sollten sich die Amerikaner darum kümmern, was die Europäer denken? Ja, Diplomatie verlangt Höflichkeit und „Zuhören“. Aber es ist überhaupt nicht klar, was sonst benötigt wird. Militärisch ist Europa eine Niete und auf gutem Wege, völlig unbedeutend zu werden. Mit einer einzigen Ausnahme, Großbritannien, haben die Europäer eine vernachlässigbar geringe Menge an Geld und Truppen zur Ergreifung Al Qaidas (aber noch nicht zum Sieg über sie) beigetragen. Sie waren in den 90-er Jahren nicht einmal in der Lage, genug Initiative und Koordination aufzubringen, um einen weiteren Völkermord auf ihrem Kontinent zu verhindern. Mit Ausnahme Großbritanniens haben sie ihre Verteidigungsausgaben derart weit verringert, dass sie als militärische Verbündete praktisch wertlos sind. Und diese Kürzungen der Militärausgaben gehen weiter – sogar nach dem 11. September. Wenn jemand, der es ablehnt, seine Tür nachts abzuschließen, beginnt sich über den einzigen Polizisten in der Straße zu beschweren, dann sollten vernünftige Leute darüber nachdenken, was mit der Realitätswahrnehmung dieser Person passiert ist. Will er nicht tatsächlich ausgeraubt oder ermordet werden? Gleichermaßen ist es eine Sache, wenn die Europäer sagen, sie wollten alle militärische Verantwortung für die Aufrechterhaltung der internationalen Ordnung den USA überlassen. Es ist aber eine andere Sache für die Europäer, Einspruch zu erheben, wenn die USA sie beim Wort nehmen und zur Verteidigung dieser Weltordnung handeln.

Die Notwendigkeit einer solchen Ordnung ist während des letzten Jahrzehnts nicht aufgehoben worden. Die Welt ist immer noch ein Furcht erregend gefährlicher Ort – vielleicht durch die vorangeschrittene destruktive Technologie gefährlicher als irgendwann in der Vergangenheit. Es war einmal unmöglich sich vorzustellen, dass radikale Terroristen die Fähigkeit erringen könnten eine ganze Stadt wie New York oder Rom zu zerstören. Aber sie stehen jetzt kurz davor dies schaffen zu können und letzten September demonstrierten sie der Welt, dass sie nicht zögern würden, diese Möglichkeiten zu nutzen. Der verwunderte Durchschnittsamerikaner möchte daher die nervösen Europäer fragen: Was genau versteht ihr am 11. September nicht? Diese mörderischen Fanatiker könnten ihre Absichten und ihre Möglichkeiten nicht deutlicher zeigen. Sie wollen euch töten und eure Zivilisation vernichten. Das muss die vorsichtige Gleichung ändern, wenn man einer Gefahr wie Saddam Hussein gegenüber steht. Wenn ein Tyrann wie Saddam alles tut, um biologische, chemische und Atomwaffen zu bekommen, wenn er bereits in einen Nachbarstaat einmarschiert ist, wenn er chemische Waffen gegen das eigene Volk eingesetzt hat, wenn er den Terror überall im Nahen Osten subventioniert, wenn er umfangreiche Verbindungen zu islamistischen Terrorgruppen in der ganzen Welt unterhält, steht die Gunst des Zweifels nicht auf der Seite desjenigen, der versucht ihn zu entwaffnen und zu entthronen? Und ändert das Massengrab von 3000 Amerikanern im Zentrum New Yorks nicht die Gleichung ein wenig?

Das ist der Kern der amerikanischen Verwirrung nicht nur wegen der europäischen Wankelmütigkeit, sondern wegen der leidenschaftlichen Opposition gegen ein Vorgehen gegen Saddam. Wenn religiöse Führer tatsächlich als Argument anführen, dass die USA moralisch Besorgnis erregender seien als ein Schlachter, der sein eigenes Volk vergast hat und Kriege mit unzählbaren menschlichen Opfern führte, dann weiß man, dass einige moralische Verhältnisse kaputt sind. Man weiß, dass die Kräfte des Appeasement und der moralischen Äquivalenz genauso stark sind, wie sie es in den 70-er Jahren waren, als man dem sowjetischen Übel gegenüber stand und in den 30-er Jahren, als man sich dem Nazi-Übel gegenüber sah. Daher ist es nützlich, die Antworten Russlands und Großbritanniens mit der offiziellen der EU und der weit verbreiteten europäischen Feindseligkeit gegenüber dem Gebrauch amerikanischer Gewalt in der Welt zu vergleichen. Russland und Großbritannien stellten in der Afghanistan-Mission Schlüsselhilfe zur Verfügung und beide Regierungen haben die amerikanischen Bedenken gegenüber dem Irak unterstützt. Beide Staaten verhalten sich so, als hätten sie auch Verantwortung in der Bekämpfung des internationalen Terrorismus und dessen Nabelschnur zu Schurkenstaaten wie dem Irak, Iran und Nordkorea zu trennen. Russland, Großbritannien und Amerika mögen in einigen Dingen nicht überein stimmen – ihre Interessen werden sich nicht immer decken. Aber sie teilen das gemeinsame Verständnis der Bedrohung, der wir alle gegenüber stehen und haben eine praktische Antwort darauf gefunden. Das ist der Unterschied zwischen Kooperation und bloßem Geschrei. Und das ist ein Unterschied, den Washington zu schätzen weiß.

Im Gegensatz dazu sind die europaweite Feindseligkeit gegenüber amerikanischer Macht und die Undankbarkeit für die afghanische Kampagne verwirrend. Es ist wichtig, eine offensichtliche Tatsache zu wiederholen: Ohne Amerika würde al Qaida es sich, mit Unterstützung des Irak, Syriens, Saudi Arabiens und der Hamas immer noch in Afghanistan bequem machen und neue und tödlichere Anschläge gegen den Westen planen. Ohne Amerika hätten London und Paris inzwischen mit größter Wahrscheinlichkeit ähnlich katastrophale Ereignisse erlebt wie den 11. September. Ohne Amerika würde der militarisierte fundamentalistische Islam mit der Hilfe von Millionen islamistischer Immigranten mehr und mehr Stärke in Kontinentaleuropa gewinnen. Trotzdem ist die europäische Antwort auf Amerikas die Welt rettende Afghanistan-Mission nicht Dank gewesen, Wertschätzung oder Unterstützung. Es hat zunehmende Kritik an den USA gegeben, weil sie die Arbeit im Irak und an anderen Orten fortsetzen wollen. Manchmal scheint es sogar so, dass die Europäer glauben, Amerikas Verteidigung sei ein größeres Problem für die Weltordnung als Terroristengruppen, die Hilfe von lokalen Tyrannen wie Saddam erhielten, die nahe daran sind Massenvernichtungswaffen zu bekommen. In dieser Sache widersprechen viele Amerikaner vielen Europäern nicht nur, sie sind von der umgekehrten Logik und moralischen Gleichsetzung abgestoßen. Und sie haben Recht. In einem Essay in der National Review, einer konservativen Zeitschrift, fasste Victor David Hanson eine allgemeine amerikanische Ansicht zu den europäischen Beschwerdeführern zusammen:

„Irak? Bleibt, wo ihr seid – wir brauchen eure Hilfe nicht und verlangen sie nicht. Der Nahe Osten? Schämt euch, denn ihr finanziert die Terroristen der Westbank. Die palästinensische Autonomiebehörde und Israel? Ihr habt geholfen eine terroristische Clique zu finanzieren; wir finanzieren eine Demokratie – rechnet euch selbst aus, was das heißt. Rassismus? Araber sind in Amerika sicherer als Juden in Europa. Dass in Bosnien und dem Kosovo 200.000 Menschen abgeschlachtet wurden, nur ein paar Stunden von Rom und Berlin entfernt, ist ein Fleck auf eurer Weste, einer der nicht Aktiven, nicht auf unserer, derjenigen, die eingegriffen haben. Todesstrafe? Unsere Regierung hat Terroristen hingerichtet; eure Regierungen haben sie frei gelassen. Ihr solltet einmal die moralische Rechnung durchführen.“

Natürlich spielt Israel in dieser Teilung eine zentrale Rolle. Es ist immer noch schockierend, z.B. die Berichte der BBC über die Geschehnisse in Israel und der Westbank zu lesen, selbst im Vergleich mit den pro-palästinensischsten Medien in Amerika. In den europäischen Medien wird es als gegeben angesehen, dass Israel das Problem ist, Israel der Aggressor ist, Israel der unmoralische Hauptdarsteller in diesem Konflikt ist. Den Independent oder den Daily Mirror zu lesen ist so, als ob man eine Welt sieht, wo Israel immer schuldig ist, bis seine Unschuld bewiesen wird – z.B. in Jenin, wo der Independent ein Kriegsverbrechen fest stellte, bevor irgendwelche echten Beweise vorgelegen haben. Die Tatsache, dass Israel eine Demokratie ist, während es in der gesamten arabischen Welt nicht eine einzige Demokratie existiert, wird ignoriert. Die Tatsache, dass Israel zum Teil wegen Europas Vermächtnis des völkermordenden Antisemitismus entstand, wird bequemerweise auch vergessen. Die Tatsache, dass Israel die Westbank wegen eines Verteidigungskrieges 1967 besetzte, wird auch aus dem Gedächtnis gestrichen. Die unabsichtliche Tötung von Zivilisten in Israels Aktionen militärischer Selbstverteidigung werden routinemäßig den gezielten Anschlägen gegen Zivilisten durch palästinensische Terroristen moralisch gleich gestellt. Und der routinemäßige, abscheuliche, naziartige Judenhass, ein Antisemitismus, der jetzt ein Schlüsselelement der vorherrschenden Ideologie der arabischen Staaten ist, wird einfach ignoriert, herunter gespielt oder geleugnet.

Wenn Amerikaner das zweierlei Maß sehen, wenn sie die reflexartige Feindseligkeit gegenüber Israel in den europäischen Medien erleben, wundern sich sie natürlicherweise, ob Antisemitismus, Europas eigene Form des Hasses, nicht irgendwo dahinter steckt. Und wenn Europäer auf diese Schlussfolgerung mit Wut antworten, grenzt das das Problem lediglich ein. Wir sind nicht antisemitisch, wir sind antiisraelisch, behaupten sie. Während aber die kleinste Verletzung zivilisierter Normen durch die Israelis lautstark von allen Bergspitzen herunter trompetet wird, ist von der routinemäßigen Folter, dem Despotismus, der Intoleranz und der Korruption, die unter Israels Nachbarn die Norm darstellen, kaum eine Spalte oder zwei in den Zeitungen zu lesen. Und die Fehltritte und Menschenrechtsverletzungen anderer Staaten – Chinas in Tibet, Russlands in Tschetschenien, Sri Lankas gegen die Tamilen und, besonders berühmt, Serbiens gegen die bosnischen Muslime – erleben kaum einen Ansatz der Wut und verursachen so gut wie keine Taten. (Erinnern wir uns: Es war Amerika, das schließlich die Muslime des Balkans rettete, während Europa trödelte und zappelte.) In diesem Zusammenhang ist es einfach natürlich die Europäer zu fragen: Ist es nicht etwas verdächtig, angesichts der europäischen Geschichte, dass immer Israel eurer kritischen Aufmerksam ausgesetzt ist?

Wenn man mit Europäern spricht, wird ihre Verteidigung sogar noch schlimmer. Sie werden schnell sagen, dass Amerikas Unterstützung der einzigen Demokratie des Nahen Ostens eine Folge der „übermächtigen jüdischen Lobby“ in Washington sei. Es kommt ihnen nicht in den Sinn, dass Verweise auf den Einfluss einer solch untergründigen Lobby an sich antisemitische Aspekte sind, die kaum registriert werden. Wenn der Guardian am Tag nach dem 11. September eine Kolumne mit der Überschrift „Wer wagt es Israel zu beschuldigen?“ bringt, dann kann man sehen, wie tief der antisemitische Unsinn sich in die liberale Gesinnung eingegraben hat. Wenn es in Frankreich einen Bestseller gibt, der davon handelt, dass das Flugzeug, das in das Pentagon krachte, Teil einer Verschwörung der CIA und der Juden war, dann kann man erkennen, warum Amerikaner vorsichtig sind. Wenn Synagogen abgebrannt werden, wenn jüdische Friedhöfe geschändet werden und antisemitische Faschisten bei französischen Wahlen in die Stichwahl kommen, ist es dann schockierend, dass Amerikaner Europa als einen Ort betrachten, der sich in den letzten fünfzig Jahren in einigen Teilen nicht sonderlich geändert hat?

Natürlich gibt es tiefer gehende, strukturelle Gründe für Europas Aversion amerikanischer Macht. Indem es sich einseitig selbst entwaffnet, gibt Europa eine Erklärung darüber ab, wie die Welt regiert werden sollte: durch Meditation, Diplomatie, internationale Abkommen, Souveränität durch Wahlen. Der amerikanische Analyst Robert Kagan ließ sich kürzlich zu diesem Konzept in einem viel diskutierten Essay aus. Die Erfahrung der EU – die Art, in der Erzfeinde wie Frankreich und Deutschland heute in einer konfliktfreien, postnationalistischen Umgebung kooperieren – wird der immer noch hartnäckig Verteidigung der Souveränität durch militärische Gewalt als moralisch und strategisch überlegen angesehen. Was diese Analyse abgeht, ist allerdings ein wenig Geschichte. Der einzige Grund, dass die EU existieren kann, ist, dass amerikanische Militärgewalt Nazideutschland besiegte. Der einzige Grund, warum ganz Deutschland heute zur EU gehört, ist, dass amerikanische Militärgewalt die Sowjetunion schlug. Europhyle verwechseln die Früchte der Realpolitik mit ihrer Abschaffung. Und sie begreifen nicht, dass der beste und einzige Garant europäischen Friedens und europäischer Integration – die heute von innen heraus durch den islamistischen Terror bedroht sind – einmal mehr amerikanische Macht ist. Statt an diesem Eingreifen herumzunörgeln, sollten diese Europäer darum beten – um ihre eigenen politischen Errungenschaften zu retten.

Damit sollen nicht die schwierigen Fragen abgetan werden, die man wegen eines Krieges mit dem Irak stellen muss. Sollte er eine massive Invasion zu Land mit über 200.000 Mann sein? Oder eine kleinere Streitmacht von vielleicht 50.000, die durch Spezialeinheiten ergänzt werden? Wie kann man Saddam davon abhalten chemische oder biologische Waffen einzusetzen, wenn er angegriffen wird? Wie könnte das die Region in Besorgnis erregender Weise destabilisieren – anders als die richtige Vorgehensweise? Macht die Türkei mit? Wie gehen wir mit einem Irak nach Saddam um? Diese Fragen sind bedrückend und müssen gut bedacht in die Öffentlichkeit getragen werden. Aber ihre Voraussetzung ist Verantwortung für die Weltordnung. Die Europäer mögen glauben, dass sie die Realpolitik in ihren internen Angelegenheiten abgeschafft haben, dass nationale Interessen eine Sache der Vergangenheit sind, dass militärische Macht ein Anachronismus sei. Und innerhalb der Grenzen einiger weniger europäischer Staaten mögen sie Recht haben. Aber in der Welt darüber hinaus – besonders im leicht erregbaren Nahen Osten – hat die Geschichte nicht geendet und eine neue Bedrohung des Weltfriedens steigt auf, die die gefährlichsten Waffen der Weltgeschichte so gut wie in der Hand hat. Wenn die Europäer glauben, dass sie mit Subventionen oder Diplomatie oder Beschwichtigung oder Kapitulation beschönigt werden kann, dann verwechseln sie schlichtweg ihren eigenen himmlischen Zustand mit der gewalttätigen Welt außerhalb ihrer Grenzen. Sie verstehen ihre eigene Zeit falsch – und zwar so gründlich wie in den 30-er Jahren.

Amerika hat im Gegenzug keine andere Möglichkeit, als der Bedrohung zu begegnen – oder seiner Zerstörung entgegen zu sehen. Je länger Amerika braucht, sie anzugehen, desto größer werden die Kosten sein. Die Bedrohung gilt hauptsächlich Amerika als der Hegemonialmacht der Welt, aber Europa ist nicht immun. Die Frage, die sich den europäischen Politikern stellt, ist die, ob sie Amerika unterstützen wollen oder nicht. Die Frage, ist, ob sie erwachsene Mitspieler in einer neuen und gefährlichen Welt sein wollen. Werdet erwachsen und macht mit – oder haltet die Luft an und lasst uns die Arbeit tun. Das ist die Botschaft Amerikas an Europa. Und diese Botschaft ist lange, lange überfällig.

Zitate aus „Voice of Palestine“

Beispiele für das, was der Sender Voice of Palestine ausstrahlt


Am 24. Juli 2005 berichtet Michael Widlanski:

Voice of Palestine Radio und das palästinensische Staatsfernsehen applaudierten Sonntagmorgen dem Mord an zwei israelischen Zivilisten im Gazastreifen am gestrigen Samstag; sie nannten das einen Akt des “Widerstands” [muqawwima] und “heiligen Märtyrertums” [istisch-haad] und deuteten an, dass die Mörder ihre Bürgerpflicht erfüllten.

Die palästinensischen Medienorgane bezeichneten die toten Israelis wiederholt als „Siedler“ (obwohl sie keine waren), während die palästinensischen Bewaffneten als „Widerständler“ [muqawwimin – ein positiver Begriff im palästinensischen Arabisch] und „Bürger“ [muwattinin] genannt wurden.

„Das heilige Martyrium zweier Bürger in einer Auseinandersetzung an der Kissufim-Kreuzung“, verkündete Khaled Sukkar, Leser des VOP Nachrichten-Bulletins als Topmeldung der Sonntagmorgen-Nachrichten.

Die Bemerkungen der streng von Mahmud Abbas’ PA kontrollierten Rundfunk-Medien kam nur Stunden nachdem US-Außenministerin Condolzeeza Rice Israel drängte das Regime von Dr. Abbas zu „stärken“, der, wie Dr. Rice sagte, hart dafür arbeitete Terrorakte zu stoppen.

Aber die Erschießung der beiden Israelis, die getötet wurden, während sie den Gazastreifen verließen, wurde von Abbas’ Medien nicht als „Terror“ beschrieben; tatsächlich wurde das wiederholt „eine bewaffnete Operation“ und „eine Widerstandsoperation“ genannt.

„Israelische Militärquellen berichten mindestens zwei Märtyrer und drei Siedler als tot und sieben als verwundet in einer Operation bei Kissufim“, erklärte Nizar al-Ghul, hochrangiger VOP-Radiosprecher, aber er und andere VOP-Reporter sagten, sie genauen Zahlen seien noch nicht klar.

„Unsere palästinensischen Quellen sagen, dass mindestens drei Widerständler am Angriff auf eine Gruppe jüdischer Siedler und eine Armee-Straßensperre teilnahmen“, beobachtete VOPs Gaza-Reporter Adil Zaanoun.

Widlanski weiter:
Es wird berichtet, dass US-Ministerin Rice die Israelis auch kritisierte, weil sie Abbas für Anschläge verantwortlich machten, die von der Hamas ausgeführt wurden; sie war sich offensichtlich nicht bewusst, dass Israel am Freitag einen weiteren menschlichen Bomben-Aspiranten abfing, der gerade den Gaza-Zaun hinter sich gelassen hatte: ein 18-jähriges Mitglied von Abbas’ Fatah-Organisation.
In den letzten drei Monaten hat es einen dramatischen Anstieg der Terror-Anschläge in und um Gaza gegeben, genauso Selbstmord-Bomben-Versuche von dort und der nördlichen Westbank – beides Gebiete, aus denen Israel nächsten Monat abziehen will.
Mindestens 45 Prozent der Anschläge und verhinderten Anschläge kommen von Abbas’ Fatah.
Gleichzeitig gibt es einen deutlichen Anstieg in der Benutzung junger Bomber im Alter von 11 bis 17 Jahren – die an Kontrollpunkten oder unter Zäunen und Mauern durchschlüpfen könnten.
Im Jugendflügel des israelischen Gefängnissystems gibt es mehr als 130 jugendliche palästinensische Terroristen im Alter von 13 bis 17 Jahren, die meisten davon von der Fatah-Organisation und 21 von ihnen in den letzten drei Monaten gefangen.

heplev: Die Propaganda der Palästinenser mit ihren Lügen und dem Feiern der Terroristen wird doch immer wieder übertroffen von westlichen Politikern, Medien und Aktivisten – diesmal in Person von Frau Rice – die es schaffen, die Tatsachen zu ignorieren oder zu verdrehen. Es ist zum Kotzen, wie die Dame aus Washington sich verhalten hat.
Und was ist mit Mahmud Abbas? Er lässt verkünden, er verurteile die „militärische Operation“ (nicht: Terroranschlag! Nicht: Mord!) im Gazastreifen. In unseren Medien ist natürlich nur von der Verurteilung die Rede – nicht davon, dass er den Anschlag nur deshalb verurteilt, weil der ihm politisch derzeit nicht in den Kram passt. Und schon gar nicht wird über den Helden-Lobpreis der Mörder in den PA-Medien berichtet, der den Palästinensern die wahre Botschaft des Herrn Abbas bringen.


Am 3. Mai 2004 berichtet Michael Widlanski:
Arafats PA nennt Siedler „Terroristen“, lehnt Verurteilung der Ermordung einer israelischen Familie ab

Die Montagmorgen-Sendung von Yassir Arafats Voice of Palestine (VOP) sagte gestern, dass die Siedler aus Neveh Dekalim, von denen gestern fünf ermordet wurden, „Mukharibun“ seien – Terroristen. Diese Bezeichnung der Siedler als Terroristen entstammt einem VOP-Bericht, dass die Siedler Vorbereitungen treffen würden, innerhalb der Siedlung ein neues Viertel zu bauen. Einmal mehr verurteilte VOP den gestrigen Anschlag nicht, bei dem eine schwangere Mutter und ihre vier Kinder getötet wurden, sondern verurteilte vehement den „feigen Akt“ Israels eine Hamas-Radiostation anzugreifen, die Palästinenser dazu anhielt weiter Anschläge gegen Israel auszuführen. Es wurden keine Opfer durch den israelischen Angriff berichtet.


Am 25.01.2002 berichtet Michael Widlanski von The Media Line über eine Ansprache des von Arafats Behörde bezahlten Scheich Ismail Nawada vom selben Tag in einer palästinensischen Moschee. Ungewöhnlich war, dass diese Rede auf allen vier Frequenzen von Voice of Palestine live übertragen wurde. Außerdem war sie der erste direkte verbale Angriff auf die USA seit dem 11.9.01. Zitate:

„Amerika ist der Feind aller Völker.“
„Was heute in Palästina geschieht ist etwas, das jedem Volk passieren könnte“, sagte Nawada und verband die „Not“ des Muslime in Afghanistan und Palästina mit der „Aggression“ der USA und Israels.

Der Scheich rief zur Rückeroberung von „ganz Palästina“ auf, da es Teil des „Dar-al-Islam“ (Haus des Islam) sei – eine Formulierung, die klar ausdrückt, dass auch die vor 1967 zu Israel gehörenden Gebiete „besetzt“ sind und „befreit“ werden müssen.
Es gehört zur klassischen islamischen Theologie zu behaupten, dass alles Land, das vom Islam einmal erobert wurde, unter islamischer Souveränität verbleiben muss, statt unter der der „kufr“ (Arabisch für „Ungläubige“).