Alles abbrennen, um die Juden loszuwerden

First One Through, 9. August 2021

Mir wurde immer gesagt, dass die Familie meiner Großmutter väterlicherseits aus Sighet kam, einer mittelgroßen Stadt in Rumänien an der Grenze zur Ukraine. Das wurde als kleine Quelle familiären Stolzes betrachtet, da es auch die Heimatstadt von Eli Wiesel war, dem Nobelpreisgewinner, der über den Holocaust schrieb.

Vor ein paar Jahren, als ich, weil meine Großmutter vor meiner Geburt starb, mit dem Bruder meiner Großmutter über den Ort sprach, an dem die Familie aufwuchs, erfuhr ich, dass die Geschichte etwas Zeit benötigt, sowohl um stattzufinden als auch erklärt zu werden.

Mein Großonkel informierte mich, dass seine Familie in deinem kleinen Schtetl aufwuchs, einem kleinen jüdischen Dorf ein paar Kilometer von Sighet. Eines Abends, als er etwa acht Jahre alt war, brach in einer Ecke des Schtetl ein Brand aus. Alle Menschen des Orts, auch er, stellten sich rasch auf, um Wassereimer weiterzureichen, damit die Flammen gelöscht werden konnten. Er erinnerte sich, dass er beim Weiterreichen der Eimer jemanden rufen hörte, dass auf der anderen Seite des Dorfes ein weiteres Feuer ausgebrochen sei. Die Dorfbewohner begannen zu rufen, wie man die Reihe in zwei aufteilen konnte, um mit dem zweiten Brand klarzukommen, als sie aufsahen und einen dritten Brand in einer weiteren Stelle des Ortes sahen. Und dann einen vierten.

Die lokalen Antisemiten waren gekommen, um ihren Ort abzubrennen.

Er erinnerte sich, dass die Familie am folgenden Morgen alle Habseligkeiten griff, die sie nehmen konnte und nach Sighet ging, während der Rauch aus seinem Dorf die Luft erfüllte. Er sagte mir den Name des ehemaligen Dorfes und wie ich den fremd klingenden Namen vergaß, verinnerlichte ich, dass die Geschichte es auch vergessen hatte.

Also ja, die Familie lebte in Sighet, aber das war nicht wirklich seine Geburtsstadt. Unsere Familie war bereits von den örtlichen Antisemiten ein paar Jahrzehnte, bevor die Nazis hinter den Juden von Sighet her waren, in die Flucht geschlagen worden.

Extreme Rechte verfolgten hunderte Jahre lang unerbittlich die Juden Europas und Russlands, manchmal als Teil der herrschenden Klasse und andere Male durch eine Bande Einheimischer. Unter allen jeweiligen Umständen wussten sie, wie die sie die kleine Ansammlung Juden in die Flucht schlagen konnte.

Die Vier Ecken des Antisemitismus heute

In vielen Teilen der Welt wird die Herrscherklasse von Extremisten übernommen. Die Linke zeigte Wirkung in Amerikas Demokratischer Partei, indem die Demokratischen Sozialisten Amerikas (DSA) Sitze im Kongress erhielten, u.a. Bernie Sanders, Rashida Tlaib, Ilhan Omar, Alexandria Ocasio-Cortez, Cori Bush und Jamaal Bowman. Die DSA folgten dem Manuskript der Labour Party in Großbritannien, wo Jeremy Corbyn Antizionismus, Antisemitismus und extremistische Ideen puschte, um die Partei zu übernehmen.

Die DSA luden den in Ungnade gefallenen ehemaligen Vorsitzenden der britischen Labour Party, Jeremy Corbyn, ein, um auf ihrer jährlichen Tagung zu sprechen.

Die extreme Rechte existiert immer noch weltweit und in Amerika, wurde aber von der zivilisierten Gesellschaft gemieden und kaltgestellt. Nicht so die extreme Linke, die sich mit islamischen Extremisten verbunden hat, um Macht zu gewinnen, in der Sache von Brandstiftungen an jüdischen Häusern auch mit der extremen Rechten.

Amerikanische Juden sind auf allen Seiten umgeben von antisemitischen Extremisten und es gibt weder genug Freiwillige, die Eimer weiterreichen, um die Flammen des Hasses zu löschen, noch um die sinistren Brandstifter zu vertreiben.

Wie man Antisemitismus bekämpft – und wie nicht

Elder of Ziyon, 14. Juli 2021

Diese Woche gab es zwei Geschichten, die für die amerikanisch-jüdische Gemeinschaft nichts Gutes verheißen.

Die erste war die kaum besuchte Kundgebung „No Fear“ (Keine Angst) gegen Antisemitismus in Washington. Die zweite war die Veröffentlichung einer Meinungsumfrage, die zeigt, dass viele amerikanische Juden glauben, Israel sei der Apartheid und sogar des Völkermords schuldig.

Beide Ereignisse deuten auf katastrophales Versagen der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft hin.

Lauri Regan, eine erfahrene Organisatorin, schreibt eine vernichtende Kritik zur Kundgebung „No Fear“. Während viele ihrer Probleme technischer Natur seien, war der Hauptgrund dafür, dass sie derart klein ausfiel, ironischerweise der, dass man so viele Juden wir möglich als Beteiligte dabei haben wollte.

Um erfolgreich zu sein braucht man eine fokussierte Botschaft und ein Thema, hinter dem die Leute stehen können. Man muss einen Kern engagierter Teilnehmer haben. Aber die Organisatoren waren stärker daran interessiert liberale jüdische Organisationen zu gewinnen, die dem jüdischen Staat entweder teilnahmslos oder feindselig gegenüber stehen und die gefordert hatten, dass die Kundgebung nicht offen zionistisch ist – Organisationen, die die Existenz von Antisemitismus bei ihren politischen Verbündeten der Linken bestreiten.

Wenn die teilnehmenden Organisationen sich nicht einmal zur Definition von Antisemitismus einigen können, ist die Veranstaltung schon ein Fehlschlag bevor sie beginnt.

Was heißt überhaupt „Keine Angst“? Das ist eine leere Parole. Juden werden auf der Straße und online brutal angegriffen und eine Kumbaya-Parole stumpfen diese Angriffe nicht im Geringsten ab.

Wenn man eine Botschaft verwässert, um niemanden vor den Kopf zu stoßen, dann hat man am Ende eine Botschaft, die niemanden anlockt.

Der wahre Grund, dass die Kundgebung ein Fehlschlag war, findet sich in der Umfrage des Jewish Electorate Institute. Zusammen mit anderen Umfragen bei amerikanischen Juden zeigt sie eine Gemeinschaft, die abnehmende emotionale Verbindungen zu Israel hat – und wenige Bindungen zum Judentum. Junge Juden zeigen die Richtung an, in die die Gemeinschaft sich bewegt – weniger Verbundenheit zu Israel und weniger Verbundenheit zum Judentum.

Diese Grafik von Pew sollte jedem Angst machen, dem die Zukunft des amerikanischen Judentums am Herzen liegt.

Fast die Hälfte der US-Juden haben kein Interesse daran sich an irgendwelchen jüdischen Aktivitäten zu beteiligen oder überhaupt eine Verbindung zum Judentum zu zeigen.

Ihre Apathie gegenüber dem Judentum und Israel stehen miteinander in Verbindung.

Engagiertere Juden tendieren dazu sich stärker für Israel zu engagieren. Antisemiten hassen Israel. Amerikanische Juden, die sich im Konflikt mit ihrem Judentum befinden, haben gleiche Probleme mit Israel. Die Verbindungen zwischen Judentum und Israel heute zu bestreiten heißt die Realität zu bestreiten.

Die Lösung für beides ist dieselbe: Kenntnis und Stolz.

Die meisten amerikanischen Juden wissen nichts über das Judentum und sie wissen nichts über Israel. Gleichermaßen haben die meisten amerikanischen Juden wenig Sinn für Stolz, weder bezüglich des Judentums noch zu Israel.

Das ist die Wurzel des Versagens der amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft. Es handelt sich um ein Versagen der Führer, es ist ein Versagen der Synagogen, aber noch mehr ist es ein Versagen der Eltern, die die Hauptverantwortung dafür haben ihren Kindern Stolz einzuflößen.

Es dauerte Generationen uns dahin zu bringen, wo wir heute sind. Es ist das Produkt von Jahrzehnten, in denen sich mehr darum gekümmert wurde in Amerika Erfolg zu haben statt ihren Kindern jüdischen Stolz anzuerziehen.

Wenn die Juden nicht die Kurve kriegen, wie kann man dann erwarten, dass Nichtjuden uns unterstützen?

Leider sind viele dieser Juden bereits verloren. Und nur allzu viele von ihnen führen ihr Judentum nur dann ins Feld, wenn sie mit Hilfe von Antizionismus behaupten Helden zu sein.

Für das amerikanische Judentum ist es aber noch nicht zu spät

Es gibt einige großartige neue Gruppen, die darauf zielen über das Judentum, Israel oder beides zu bilden und Stolz einzuflößen. Es ist nicht nötig orthodox zu sein, um ein engagierter, kompetenter Jude zu sein und es ist nicht notwendig Siedlungen zu unterstützen, um ein stolzer, engagierter Zionist zu sein (sehen Sie sich Hen Mazzig oder Einat Wilf an).

So wie es Zeit brauchte, um dahin zu kommen, wo wir heute stehen, wird es eine lange Zeit dauern jüdische Belesenheit und jüdischen Stolz wieder aufzubauen. Das braucht echte Hingabe. Und das fängt in der eigenen Familie an.

Wenn wir Juden unsere eigene Geschichte kennen, sind wir dafür gerüstet uns gegen die Lügen zu verteidigen. Wenn Juden aber stolz sind, gewinnen wir Fans.

Menschen sind für die attraktiv, die wissen, wer sie sind und wer sich deshalb nicht rechtfertigt. Sicher, Juden müssen genug wissen, um die Lügen zu kontern, aber das ist nur ein kleiner Teil des Jobs. Wir sollten stolz auf unser Judentum und auf Israel sein. Wir sollten nicht defensiv seine – sonder begeistert. Wir sollen Juden in Amerika und Israel als unsere Familie behandeln, die wir lieben und unterstützen, selbst wenn sie uns manchmal wahnsinnig machen.

So wird Antisemitismus bekämpft. Und es ist entscheidend die nächste Generation so aufzuziehen, dass sie weiß, wer wir sind: dass wir Juden sind, dass wir stolz sind, wir sind ein Volk und dass wir nicht weggehen.

Deutschlands „Antisemitismus ist der Sozialismus des dummen Kerls“ geht ins dritte Jahrhundert

Die Sozialdemokraten müssen ihre positive Politik gegenüber dem iranischen Regime und dem palästinensischen Terrorismus umkehren oder es bleibt beim Business-as-usual.

Benjamin Weinthal, JNS.org, 25. August 2021

Bundeskanzlerin Angela Merkels Koalitionspartner, die weitgehend dem iranischen Regime positiv gegenüberstehende SPD, liegt in Umfragen vor den Bundestagswahlen am 26. September mit der CDU gleichauf.

Ein fundierter Einblick zu linkem Judenhass – nämlich dass „Antisemitismus der Sozialismus des dummen Kerls“ ist – wird regelmäßig dem deutschen Sozialdemokraten August Bebel (1840 – 1913) zugeschrieben. Für große Teile der deutschen Linken gilt das immer noch.

Im Verlauf der letzten vier Jahre von Merkels vierter und letzter Amtszeit (sie tritt zur Wahl nicht mehr an) haben die Sozialdemokraten zum Aufstieg des deutschen Antisemitismus beigetragen und wiederholt dem schlimmsten Geldgeber des Terrorismus, der Holocaust-Leugnung und tödlichen judenfeindlichen Gesinnungen belebende Spritzen gegeben: der Islamischen Republik Iran.

Wenn die Sozialdemokraten in der nächsten Bundesregierung vertreten sein sollten, dann wird das „Business as usual“ sein, den Verlaufsweg einer Partei fortsetzen, die aus den Ideen von Aufklärung und Reform entstand, aber in eine israel- und judenfeindliche Kraft degeneriert ist.

Betrachten wir eines der unerhörtesten Beispiele. Deutschlands sozialdemokratischer Außenminister Heiko Maas hat ständig hochrangige Diplomaten in Teherans Botschaft in Berlin geschickt, um die Islamische Revolution zu feiern, die 1979 das radikal-klerikale Regime herbeiführte.

Dass ein Politiker wie Maas, der sagte, er sei „wegen Auschwitz in die Politik gegangen“, ein Regime zu Mainstream macht, das den Holocaust leugnet und gleichzeitig völkermörderische Ankündigungen macht einen zweiten herbeizuführen, sagt alles.

Der sozialdemokratische Präsident Frank-Walter Steinmeier schickte ein berüchtigtes Telegramm angelegentlich des 40. Jahrestages der Revolution von 1979 an den damaligen iranischen Präsidenten Hassan Rouhani, mit dem er „im Namen des deutschen Volkes“ dem Mullah-Regime gratulierte.

Es sollte vermerkt werden, das Merkel weder gegen Steinmeiers Telegramm noch gegen die Teilnahme von Maas‘ Außenministerium an einer Veranstaltung zur Feier eines klerikalen Regimes Einwände hatte.

Merkels wichtigste Priorität war ihre Koalition zu erhalten und keine Kämpfe mit den Sozialdemokraten zu provozieren. Ihre weitere Hauptpriorität war Deutschlands kommerzielle Interessen zu fördern, selbst auf Kosten ihres Versprechens an Israel, die Sicherheit des jüdischen Staates sei „nicht verhandelbar“.

Deutschland bleibt der wichtigste europäische Handelspartner der Islamischen Republik. 2019 schickte Maas einen Top-Diplomaten zu einem Semnar, das Firmen helfen sollte US-Sanktionen gegen das Regime des Iran zu umgehen.

Björn Stritzel, Journalist für Sicherheit und Äußeres bei der Berliner BILD, Europas meistverkaufter Zeitung, schrieb damals über das Seminar, dass Geschäfte mit dem Iran „mit dem Segen des deutschen Außenministeriums stattfand. Das ist nicht nur schändlich, sondern ein Schlag ins Gesicht aller freiheitsliebender Iraner.“

Letzte Woche beschrieb der deutsche Journalist Wolfram Weimer Maas als „den schlechtesten Außenminister seit 1945“.

Maas‘ Bilanz zur Delegitimisierung Israels und Gefährdung jüdischer Sicherheit rechtfertigt Weimers scharfe Kritik.

Er widersprach nicht, als Christoph Heusgen, sein Botschafter bei der UNO, Israel im UNO-Sicherheitsrat mit der jihadistischen Terrorbewegung Hamas auf eine Stufe stellte. Heusgens haarsträubende Gleichsetzung brachte ihm einen Platz auf der Liste der schlimmsten Ausbrücke von Antiisraelismus und Antisemitismus des Simon Wiesenthal Center von 2019 ein.

Ein Jahr später wurde ein weiterer Mitarbeiter des Außenministeriums, Andreas Görgen, Generaldirektor für kulturelle Angelegenheiten und Kommunikation, auf diese Liste für 2020 gesetzt, weil er für die BDS-Kampagne eintritt, die sich gegen Israel richtet.

Die Jusos, die Jugendbewegung der Sozialdemokratischen Partei, gewann ebenfalls einen Platz auf der Wiesenthal-Liste, weil sie einen Beschluss fassten, in der Solidarität mit der Jugendbewegung der Fatah als „Schwesterorganisation“ erklärt wurde, der wichtigsten Fraktion der PLO. Die Fatah-Jugend strebt die Liquidierung Israels an. Bei einem Beispiel auf einer Demonstration 2018 in der umstrittenen Westbank, trugen Fatah-Jugendliche falsche Sprengstoffgürtel und skandierten Parolen, die Israels Vernichtung forderten.

Als ich Michaela Engelmeier, eine sozialdemokratische Politikerin und die Generalsekretärin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, nach dem antisemitischen Einzelheiten des Gesetzesentwurf ihrer Partei fragte, lehnte sie es ab das zu kommentieren und blockierte mich auf Twitter.

Wenn Sozialdemokraten wie Engelmeier, die eine führende Rolle in einer moderat pro-israelischen Gruppe spielt, die von Deutschlands Regierung finanziert wird, schweigen, dann bereitet das den Weg für weiteren von den Sozialdemokraten angeregten Antisemitismus.

Fairerweise muss gesagt werden, dass Engelmeier – ehemaliges Mitglied der deutschen Judo-Nationalmannschaft – mit Kritik an mehrheitlich muslimischen Ländern wie der Islamischen Republik, die mit der Weigerung gegen israelische Athleten anzutreten Antisemitismus betreibt, einiges an anständiger Arbeit geleistet hat.

Leider gibt es in Engelmeiers Partei keine starken Ausgleichskräfte, die das zunehmende judenfeindliche Problem untergraben.

Die Sozialdemokraten müssen – um einen Ausdruck des Gründers des modernen Sozialismus, Karl Marx zu entlehnen – „rabiate Kritik“ an ihrer Förderung des intensiven Antisemitismus üben und dabei auf ihre dem iranischen Regime und palästinensischem Terrorismus positiv gegenüber stehenden Politik umkehren. Bedauerlicherweise hat sich die pervers modernisierte Version des „Sozialismus des dummen Kerls“ in Deutschland in ein drittes Jahrhundert fortgesetzt.

Du kannst nicht „pro-Israel“ sein, wenn du Antizionisten verteidigst

Liberale und Linke versuchen weiter den Konflikt mit antisemtiischen „Squad“-Mitgliedern Rashida Tlaib und Ilhan Omar zu vermeiden. Ihre Rechtfertigungen sind sehr dünn.

Jonathan S. Tobin, Israel HaYom, 15. August 2021

Es scheint so, dass die Abgeordneten Rashida Tlaib (Demokraten, Michigan) einigen ihrer linken jüdischen Verbündeten und Fürsprecher dann doch etwas zu weit gegangen sein könnte. Bei einer Online-Konferenz Gleichgesinnter der Demokratischen Sozialisten Amerikas beschloss die erste palästinensische Amerikanerin im Repräsentantenhaus in ihrer laufenden Kampagne der Dämonisierung Israels und der Juden einen Schritt weiter zu gehen.

Die Demokratin aus zog eine direkte Linie zwischen dem, was sie fälschlich als Unterdrückung der Palästinenser durch Israel bezeichnet, und dem Umgang mit Afroamerikanern in den Vereinigten Staaten, womit sie eine undurchsichtige, niederträchtige Verschwörung hinter Missetaten auf zwei Kontinenten behauptete.

„Sie tun das von Gaza bis Detroit. Die Struktur, unter der wir gerade leben, ist von denen geschaffen, die den Rest von uns zu ihrem eigenen Profit ausbeuten. Wenn Sie den Vorhang öffnen und dahinter sehen, dann sind es dieselben Leute, die – und ja, das tun sie – mit Rassismus Geld machen.“

Es gab nicht viele Zweifel darüber, wer „sie“ sind. Das ist dieselbe Frau, die früher schon mit antisemitischen Stereotypen hausierte und vor nicht einmal drei Monaten an einer auf Israel einprügelnden Sitzung im US-Repräsentantenhaus beteiligt war, wo sie Lügen über den jüdischen Staat und Rechtfertigungen für den Hamas-Terrorismus heraussprudelte. Sie macht außerdem deutlich, dass sie glaubt, die einzig gerechte Lösung für den Konflikt im Nahen Osten bestehe darin den einzigen jüdischen Staat auf dem Planeten auszuradieren.

Aber zu behaupten, dieselben Leute, die verhindern, dass die Palästinenser die Juden loswerden, würde „normaler Amerikaner“ ausbeuten, verband das alles in einen Verschwörungsbogen, dem die ebenfalls aus Michigan stammende Ikone und Antisemit Henry Ford beglückt beigepflichtet hätte.

Die Reaktion von Liberalen, die so getan haben, als kämen Hass und Antisemitismus von der Rechten, reichten von Wut bis Verwirrung. Jonathan Greenblatt von der Anti-Defamation League hat aus dem voreingenommenen Manuskript der Partei heraus agiert, der er während der beiden Administrationen der letzten Jahre diente, obwohl auch er sie als „entsetzlich“ betrachtete.

Aber Greenblatts Instinkt, dies irgendwie mit den Leuten in Verbindung zu bringen, die er wirklich ablehnt – Republikaner und der ehemalige Präsident Trump – verwies darauf nur als „antisemitisches Pfeifen“. Das ist ein Begriff, der wiederholt gegen Trump eingesetzt wurde, um behaupten zu können, dass er irgendwie an Antisemitismus beteiligt war, obwohl er nicht nur der pro-israelischste Präsident aller Zeiten im Weißen Haus war, sondern seine Freundschaft und engen Verbindungen zu Juden nie in Frage standen.

Dieselbe Linie wurde von Dana Milbank von der Washington Post gefahren, der ebenfalls ständig Trump dämonisierte und es fällt ihm sehr schwer zu begreifen, warum Menschen wie Tlaib, von denen er so verzweifelt gut denken will, Antisemiten sind.

Er ignorierte die Tatsache, dass Tlaibs Überzeugung eine ein Jahrhundert alte Tradition palästinensischen Denkens veranschaulicht, ebenso die Art von Verschwörungsverbreitung über jüdische Macht, die von Elementen der Linksextremen angewandt wird, die auf Karl Marx höchstpersönlich zurückgeht. Stattdessen behauptet er, dass sie Trump nachäfft, von dem er sagte, er habe Tlaib und Omar wegen ihres Antisemitismus und ihrer Bereitschaft Amerikas Rolle in internationalen Angelegenheiten als Hauptproblem, dem die internationale Gemeinschaft gegenüber steht, unfair kritisiert.

Das Problem hier ist nicht, wie weit liberale Stimmen gehen um Tlaib zu verurteilen. Die wahre Frage ist, was ihre Partei bereit ist zu tun, um festzulegen, dass sie die Art offenen Judenhasses nicht tolerieren wird, die sie von sich gibt. Und die Antwort auf diese Frage lautet: nichts.

Erinnern wir uns, dass zu den ersten Aufgaben, die vom aktuellen Kongress aufgenommen wurden, als er Anfang diesen Jahres zusammentrat, gehörte die Bestrafung der Abgeordneten Marjorie Taylor-Greene (Republikanerin, Georgia), weil sie sich in der Vergangenheit eine Vielzahl QAnon-Verschwörungstheorien zueigen machte. Die berüchtigsten davon handelten von einer Führungskraft einer Rothschild-Bank und Weltall-Lasern. Demokraten beschlossen ein Exempel zu statuieren, indem sie Taylor-Greene das Recht verweigerten in Ausschüssen des Repräsentantenhauses zu sitzen.

Lassen wir die Tatsache beiseite, dass Taylor-Green Anfang des Jahres verkündete, sie habe sich seitdem von QAnon distanziert: Die Dinge, die sie in der Vergangenheit sagte, waren unhaltbar. Aber wie kann man sie als für Privilegien des Repräsentantenhauses für unwählbar erklären, wenn Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi und Mehrheitsführer Steny Hoyer – die beide weiterhin ihre Freundschaft zu und Unterstützung von Juden und Israel verkünden – Tlaib vom Haken lassen?

Die Antwort ist dieselbe, die sie in der Vergangenheit gegeben haben, um es abzulehnen Tlaibs „Squad“-Kollegin Ilan Omar (Demokratin, Minnesota) ernsthaft zu disziplinieren. Als „Women of Color“ wird ihnen ein dauerhafter Freifahrtschein gegeben Antisemitismus zu betreiben.

Im Juni zog Omar eine fadenscheinige und unerhörte Analogie zwischen Terrorgruppen wie der Hamas und den Taliban einerseits und Israel und den USA andererseits, für die sie eine ihrer Markenzeichen-„Klarstellungen“ gab, die einer Rücknahme oder Entschuldigung nicht einmal nahe kamen.

Omar hat früher schon amerikanische Juden mit ihrem berüchtigten „es geht nur um die Benjamins“-Satz zur Rolle, die die pro-Israel-Lobby AIPAC spielt, beschuldigt den Kongress zu kaufen. Das verhinderte nicht, dass die Parlamentspräsidentschaft sie befürwortet sowie als Star von Late Night-Fernsehcomedians gefeiert wurde, deren Sendungen einen täglichen gleichgesinnten Beitrag für die Demokratische Partei darstellen.

AIPAC geißelte das sowie einen Kommentar von „Squad“-Star Alexandria Ocasio-Cortez (Demokraten, New York), in dem sie sich gegen Hilfe für Israel stark machte und anstrebte die Hamas für ihre Terroranschläge auf den Judenstaat zu belohnen. Die Reaktion von führenden Demokraten und liberalen jüdischen Gruppen war nicht Empörung wegen ihrer Ziele, sondern richtete sich gegen die pro-israelische Lobby, weil die die Frechheit besaß, sie wegen dem, was sie sagte, anzuprangern.

Nach Angaben von Omar und ihren Verteidigern hieß etwas über ihren Antisemitismus und Hass gegen Israel zu sagen „ihr Leben in Gefahr zu bringen“. Die linke J-Street-Lobby behauptete, dass AIPAC damit, schlicht die Fakten zu festzustellen, „progressiven Demokraten den Krieg erklärt“ und falsche Beschuldigungen zu „Women of Color“ erhebt.

Leider sagten Pelosi und Hoyer, sich gegen das Paar oder Tlaib zu äußern sei „zutiefst zynisch und aufhetzend“ und es würde die Unterstützung für Israel nicht zunehmen lassen.

Das Problem hier lautet nicht nur, dass Mitglieder der erweiterten Version der „Squad“ von 2021 zu Israel gelogen haben und helfen zu antisemitischer Gewalt gegen Juden aufzustacheln. Das Problem ist, dass ihre Demokraten-Kollegen sich immer noch stärker von Versuchen angegriffen fühlen, diese Leute zur Verantwortung zu ziehen, als sie es von der Art offenen Antisemitismus sind, der von ihnen zum Ausdruck gebracht wird.

Demokraten reagieren auf jede Anfrage zu diesem Thema mit Gerede von rechtsextremem Antisemitismus. Aber das Land mit Gerede über Trump in den Wahnsinn zu treiben ist keine Antwort.

Wir wissen, dass Demokratische Sozialisten und andere Mitglieder der linken Basis der Partei, die derzeit sowohl das Weiße Haus als auch den Kongress kontrollieren, zunehmend antizionistische und antisemitische Positionen akzeptieren, was es für Mainstream-Demokraten politisch gefährlich macht sich ihnen entgegenzustellen.

Auch wenn sie schändliche Attacken gegen die führten, die versuchen die Wahrheit über „The Squad“ aufzuzeigen, zog J-Street seine Unterstützung für Tlaib wegen ihrer offenen Befürwortung der Elimination Israels zurück. Aber es gibt wenig Unterschiede zwischen ihrer Haltung und denen von Abgeordneten wie Omar, Ocasio-Cortez und Cori Bush (Demokraten, Missouri), die ebenfalls der antisemitischen BDS-Bewegung anhängen.

Wir befinden uns jetzt an dem Punkt, an dem liberalen jüdische Gruppen – ganz zu schweigen von den Demokratenführern Pelosi und Hoyer im Repräsentantenhaus – nicht erlaubt werden darf weiterhin mit den Bemühungen davonzukommen sich von diesen Hassern zu distanzieren, während sie sie eigentlich nicht verurteilen oder ihre Entfernung aus dem Kongress fordern. Das Gerede über die Verteidigung von „Women of Color“ und andere Versuche uns von der Wirklichkeit dessen abzulenken, was inzwischen auf einen informell für Antisemitismus eintretenden Gremium im Parlament hinausläuft, reicht schlicht nicht mehr aus.

Einfach ausgedrückt: Wenn Rashida Tlaib nicht dieselbe Behandlung zuteil wird wie Taylor-Greene, dann gibt es keine Möglichkeit zu argumentieren, dass die Mehrheit des Parlaments keinen Standard aufgebaut hat, der dem Antisemitismus von links gestattet durchzugehen.

Die wahre Bedrohung durch den modernen Antisemitismus

Parteilichkeit, „progressive“ Politik, juristische Vorwände, israelfeindliche Stimmung und Spaltungen in der Gemeinschaft behindern die Bemühung den stark zunehmenden Judenhass zu bekämpfen. Am Allerschlimmsten ist, dass der zunehmende Judenhass scheinbar das Vertrauen der amerikanischen Juden untergraben hat, was vielleicht die größte Bedrohung überhaupt ist.

David M. Weinberg, Israel HaYom, 18. Juli 2021

Letzte Woche versammelten sich an zwei Orten Juden, um Antisemitismus zu bekämpfen und die sehr unterschiedlichen Ergebnisse sind aufschlussreich.

In Jerusalem versammelten sich mehrere hundert NGO-Vertreter zum zehnten Weltforum zur Bekämpfung von Antisemitismus, dieses Jahr unter der Schirmherrschaft der israelischen Ministerien des Äußeren und der Diasporaangelegenheiten. Die Diskussionen der Strategien, um den aktuellen Tsunami der Vermischung von antisemitischer und antizionistischer Äußerungen waren tiefgreifend und fruchtbar.

In Washington DC kooperierten einhundert amerikanisch-jüdische Organisationen bei der Organisation einer Kundgebung in der Nähe der Hauptstadt gegen denselben Tsunami, mit dürftigen Ergebnissen. Nur 3.000 Personen nahmen an der Demonstration „Keine Angst“ teil, was auf etwa 30 Juden (und Nichtjuden) pro Organisation hinausläuft. Einige heftig linke amerikanisch-jüdische Gruppen lehnten die Teilnahme rundheraus ab, weil sie die übergeordnete Botschaft ablehnten, dass jüdische Identität und Unterstützung für Israel nicht zu trennen sind.

Leider behindern Parteilichkeit, „progressive“ Politik, juristische Ausreden, israelfeindliche Stimmung und Spaltung der Gemeinschaft die Bemühungen den zunehmenden Judenhass zu bekämpfen. Am schlimmsten von allem ist, dass der zunehmende Judenhass scheinbar das Vertrauen der amerikanischen Juden untergraben hat, was vielleicht die größte Bedrohung überhaupt ist.

Diese beunruhigenden Trends sind in einer Reihe aktueller, wichtiger intellektueller Artikel wie folgt analysiert worden:

Falsche Gleichsetzung: Die britische Kolumnistin Melanie Phillips vermerkt, dass Politiker und Intellektuelle sogar dann, wenn sie Antisemitismus verurteilen, Schuldgefühle hegen gleichzeitig und im selben Satz „Islamophobie“ und „alle Formen des Rassismus“ verurteilen zu müssen. Diese politisch korrekte Weigerung die Einzigartigkeit des Antisemitismus anzuerkennen (und das überwältigende Übergewicht des Antisemitismus über und jenseits alles anderen Hasses, einschließlich des antimuslimischen Hasses) demonstriert präzise diesen Judenhass.

„Die Leute können die Einzigartigkeit des Antisemitismus nicht ausstehen weil sie die Einzigartigkeit des jüdischen Volks nicht ertragen können.“ Schlimmer noch: Viele progressive Juden machen die falsche Gleichsetzung des Antisemitismus mit muslimfeindlichen Übergriffen in dem fehlgeleiteten Versuch zu beweisen, dass sie keinen Sonderstatus als Opfer beanspruchen.

Mainstreaming: Auf dem Blog von Bari Weiss schrieb Peter Savodnik einen Überblick dazu, wer sich gegen Antisemitismus äußert und wer schweigt. Während die demokratische Kongressabgeordnete Rashida Tlaib und einige ihrer „Squad“-Kolleginnen ihre traurige Berühmtheit dazu nutzen antisemitische Politik und Rhetorik in den Mainstream zu bringen, sind viele Nachrichtenmedien viel zu sehr vom Novum ihrer Identität besessen oder in ihre „progressive“ Politik verliebt, als dass sie sich darum kümmern würden, schreibt er.

Selbst wenn Tlaib und Omar den Vorwurf der „gespaltenen Loyalität“ gegen proisraelische Senatoren auswürgen – ein klassisch antisemitisches Bild – hat die nationale Führung der Demokratischen Partei sich schwer getan, sie geradeheraus oder ausdrücklich zu verurteilen, ohne die Ablehnung der Verleumdung in den faden Mantel der Ablehnung „allen rassistischen“ Sprachgebrauchs zu kleiden.

Der Grund dafür ist, dass die amerikanische Linke in den bodenlosen Wahn der Identitätspolitik gestolpert ist. „Sie haben die neue, radikal gendernde Klassifizierungslehre angenommen, die tausende Jahre jüdischer Geschichte in ein gewoketes Diorama neu interpretieren. Heute darf der Konflikt nur durch dieses einebnende Prisma betrachtet werden, wobei Israel die Rolle des weißen, kolonialen Siedlers und die Palästinenser die des dunkelhäutigen, indigenen Opfers der Siedler spielen.

„Es wird noch schlimmer: Indem der israelisch-palästinensische Konflikt in das Prokrustesbett linken Indentitarismus gepresst wird, haben die neuen Progressiven den Juden, der meistenteils dem jüdischen Staat verbunden bleibt, dem amerikanischen Gemeinwesen entfremdet hat. Mit der Verwandlung des jüdischen Staates in eine Kraft des Bösen haben sie den Juden gezwungen diese Verbundenheit zu verteidigen. Sie haben einen Raum für die Trennung des Juden von Amerika geschaffen und in diesem Raum haben sie Gewalt gegen den Juden legitimiert, um das Unhaltbare zu verteidigen: Israels angebliche Apartheid, Kolonialismus, weiße Vorherrschaft, ethnische Säuberung und Völkermord.“

Kritische Rassentheorie: In einem Artikel im Journal Sapir entdeckt Pamela Paresky, dass im Kern der Woke-Bewegung Antisemitismus geleugnet wird. Juden sind „hyperweiß“ und können daher keine Opfer sein, punkt.

Studenten werden an der Universität indoktriniert, dass Weiße, Heterosexuelle, Cisgender, Mittelklasse und körperlich Gesunde alle mit Privilegierung, Unterdrückung und Herrschaft assoziiert werden. Nur wer einer gegensätzlichen Kategorie angehört, bekommt „marginalisierte Identität“ gewährt, in welchem Fall sie, per Definition und stolz, unterdrückt sind.

Die bittere Ironie, stellt sie heraus, besteht natürlich darin, dass „im kritischen sozialen Gerechtigkeitsparadigma Juden, die von denen, für die weiß zu sein etwas moralisch Gutes ist, nie als Weiße betrachtet wurden, heute von denen als Weiße gesehen werden, für die Weiß sein etwas absolut Böses ist.“

„Das spiegelt das Wesen des Antisemitismus: Unabhängig von den Klagen oder der Identität der Geschädigten werden Juden verantwortlich gemacht. Die kritische Rassentheorie macht es nicht nur einfach Juden zu dämonisieren, indem man die Sprache sozialer Gerechtigkeit verwendet; das macht es schwer, dies nicht zu tun.“

Der nächste Sprung „vorwärts“ ist der israelisch-palästinensische Konflikt. Die Palästinenser haben, anders als die rassistischen, „transnationalen“ Zionisten, keine Armee. Was immer die Palästinenser in ihrem Kampf um Befreiung und Rechte tun, ist notwendig. Daher ist ihr Tun als „Terrorismus“ zu bezeichnen ist die weiße, kolonialistische, imperialistische Propaganda eines illegitimen Apartheidstaats.

Akademische Abdankung: Für das Institute for the Study of Global Antisemitism and Policy (ISGAP – Institut für das Studium des weltweiten Antisemitismus und Politik) warnt Professorin Sylvia Barack Rishman, dass die Auswirkungen darauf an der Universität darin besteht, dass eine Generation junger amerikanischer Juden vor Israel wegläuft.

„Viele von ihnen sind empfänglich für das Argument, dass Juden ‚privilegiert‘ sind und dass Antisemitismus nicht ‚in dieselbe Kategorie fällt‘ wie Rassismus, Sexismus und andere Missstände. Sie distanzieren sich von den Sünden des weißen Privilegs, nicht nur, indem sie sich zu ‚Verbündeten‘ von ‚minorisierten‘, nicht weißen Bevölkerungen erklären, sondern auch andere, weniger ‚woke‘ Juden verurteilen. In seiner extremsten Erscheinungsform ist es so, als würden Juden wünschen sich zu distanzieren, indem sie den Antisemiten sagen: ‚Hasst mich nicht – ich bin nicht diese Sorte Jude.‘“

Das, sagte sie, gibt an der Universität „heute den meist virulent antisemitischen und destruktiven Gruppen“, wie Students for Justice in Palestine, freie Hand. Diese Gruppe „nutzt Propagandatechniken, die Schock und Emotion statt sachlichen, schlüssigen Dialog zu betonen. Zum Beispiel stand während einer siebentätigen Orgie israelfeindlicher Propaganda an der Rutgers University, der sogenannten Israel Apartheid Week, der SJP-Club vor dem Speisesaal und trug weiße Hemden mit roten „Blut“-Spritzern mit Schildern, auf denen stand: ‚Das machen die Juden mit uns.‘“

Stellvertreterkämpfe: Im Israel Affairs Journal argumentiert Prof. Martin Kramer überzeugend, dass die Bewegung zum Boykott Israels unter amerikanischen Akademikern Israel eigentlich nicht auf Israel zielt, sondern eher auf pro-israelische und standhafte jüdische Professoren. Mit dem Verbot der Unterstützung Israels dient Israel dem Ziel jüdische Akademiker aus schrumpfenden Disziplinen zu verdrängen, in denen Juden Lügen zufolge überrepräsentiert sind.

„Die Debatte um Israel und die Palästinenser ist zum größten Teil ein Stellvertreterkrieg für den wahren Kampf. So finden die hartgesottenen Anhänger der Palästinenser in Feldern wie Amerika-Studien oder englischer Literatur akademische Verbündete ohne berufliches Interesse.“ Das gilt auch für Felder wie Judaistik – in akademischen Programmen von jüdischen Philantropen finanziert! – in denen man Israel kritisieren muss, um einen Lehrstuhl zu bekommen und akademischen Respekt zu gewinnen.

Verlust amerikanisch-jüdischen moralischen Selbstvertrauens: Schließlich stammt der überzeugendste aktuelle Artikel von Prof. Ruth Wisse, ebenfalls in Mosaic. Sie führt eine „Bedrohungsbewertung“ für das amerikanische Judentum durch, in der sie alles betrachtet, von hamasartigen Banden, die in New York und Los Angeles Juden verfolgen und angreifen; über Einschüchterungen an Universitäten, wie oben beschrieben, die Bedeutung der „Squad“ im Kongress und amerikanische Rabbinerstudenten „in Tränen“ wegen Israels Zwangsräumung von Palästinensern aus ihren Häusern sowie Gelehrte in Judaistikstudien und Israelstudien, die „den Schmerz der Gazaner teilen“.

Sie kommt zu dem Schluss, dass keines dieser Beispiele für Antisemitismus die größte Bedrohung für Amerika und die Juden ist. Die klare und gegenwärtige Gefahr ist vielmehr der Verlust amerikanisch-jüdischen moralischen Vertrauens.

BDS-Bewegung gegen Israel: Koexistenz schaden, Frieden verhindern

Jerry Glazer, HonestReporting, 2. August 2021

Die Antwort-E-Mail kam vom Eigentümer des „Escape Room“-Lizenzgebers. Sein Unternehmen in Texas lief gut und er war begeistert von der Aussicht mir zu helfen ein ähnliches Projekt in Israel zu eröffnen. Das war Ende 2014 und der Escape Room-Trend war noch nicht ansatzweise an seinem Höhepunkt angekommen. Vielleicht gab es in Israel in der frühen Phase der Entwicklung zwei weitere Räume; nur drei Jahre später waren es 300 bis 400 Räume.

Ich hatte kurz zuvor aufgehört als Controller für eine Immobilien-Investment-Firma zu arbeiten. Nach siebeneinhalb Jahren in der Buchprüfung von KPMG in New York, gefolgt von siebeneinhalb Jahren als Leiter der Finanzabteilung eines renommierten orthopädischen Krankenhauses hatte ich beschlossen mit meiner Familie nach Israel zu ziehen, wo ich einen weiteren Posten als Controller erhielt, den ich knapp ein Jahrzehnt lang inne hatte. Unter anderem aus vorherrschenden Marktumständen schloss das Büro und ich befand mich an einem Scheideweg.

Wie Billy Joel einst sang: „all grown up and no place to go … Pressure!“ (ganz erwachsen und keinen Ort, wo ich hin kann … Druck!)

Ich beschloss mit zweien meiner Kinder Urlaub in Dallas (Texas) zu machen. Als eingefleischter Footballfan der Cowboys fand ich es einen guten Zeitpunkt dafür einen Punkt auf meiner Wunschliste abzuhaken und mir das Stadion anzusehen, in dem das NFL-Team spielt.

Weil ich die Stadt aber ansonsten nicht kannte, suchte ich im Internet nach weiteren Dingen, die man unternehmen kann. Ich bemerkte auf der Stelle Escape Room, etwas, von dem ich bis dahin nie gehört hatte, das meine Familie und ich zusammen genießen könnten. Da 12 Personen nötig waren, verschlug es dann Einzelne aus sehr unterschiedlichen Hintergründen und Kulturen als Teilnehmer der Aktivität.

Wir hatten alle Spaß.

Nach der Rückkehr nach Israel befand ich mich vor der beängstigenden Aufgabe eine neue Arbeit zu finden, obwohl ich nicht von der Idee loskam Unternehmer zu werden und von Grund auf mein eigenes Escape Room aufzubauen. Aber ein eigenes Unternehmen zu besitzen und zu betreiben war etwas, das ich nie gemacht hatte. Als Sohn zweier Lehrer und mit meinen Kenntnissen in Finanzen und Verwaltung war allein der Gedanke nervenraubend.

Wie sollte ich das machen?

Es erschien zwar eine großartige Gelegenheit der Welle einer Idee mit anscheinend immensem Potenzial vorauszugehen, aber da ich mir meiner Stärken und Schwächen bewusst war, wusste ich, dass es schwierig sein würde das allein zu machen.

Angesichts meiner Möglichkeiten erkannte ich, dass er beste Weg das anzustellen darin bestehen würde mit jemandem zu arbeiten, der mich durch den Prozess leiten konnte. Daher kontaktiere ich den Eigentümer des Escape Room in Texas, um ihn zu informieren, dass ich daran interessiert war ein Projekt in Israel anzuführen und hoffte, er könnte mir helfen es in Gang zu bringen. Ich wurde sofort gebeten ihn anzurufen und wir sprachen mehr als eine Stunde lang miteinander. Danach versprach er alles in seiner Macht stehende zu tun um meine Initiative zu unterstützen und sagte, er würde dafür sorgen, dass die Managerin seines Escape Room („Martha“) sich mit mir in Verbindung setzt.

Ich wartete geduldig eine Woche oder zwei und hörte nichts. Ich hakte kurz darauf nach und erhielt schließlich eine E-Mail von Martha. Sie sagte mir, dass ihr Chef sie angewiesen hatte sich mit mir in Verbindung zu setzen und fragte dann nach, welchen Markt ich mit dem Escape Room in Israel bedienen wollte. Weil die Aktivität über alle Rassen und Religionen hinausgeht, erklärte ich, dass ich als Markt unterschiedliche Familien und Arbeitsgruppen im Auge hatte, die Jungen und die Alten sowie vielleicht sogar die Israelischen Verteidigungskräfte.

Ich hörte nie wieder von ihr.

Nach einer weiteren Weile wandte ich mich an den Besitzer, der – etwas überraschend – ebenfalls nicht sofort antwortete. Als er sich endlich meldete, war seine Antwort auf den Punkt genau, auch wenn er höflich war. Martha hatte ihm klargemacht, dass sie, da ich den Escape Room möglicherweise auch gegenüber israelischen Soldaten vermarkten könnte, seine Firma verlassen würde, würde er auf der Zusammenarbeit bestehen. Er behauptete, er könne sich das nicht leisten und würde mir daher nicht helfen.

Derweil verhinderte diese Geschichte, dass ich mit Vorsprung in den Escape Room-Markt in Israel kam, der dort wuchs. Zu diesem Zeitpunkt gab es mehr als 10 Einrichtungen, die entweder schon in Betrieb oder in der Entwicklung waren.

Und dank Martha, einer Anhängerin der Boykottbewegung gegen Israel, die ihre Priorität darin sieht den jüdischen Staat herauszugreifen und zu dämonisieren, war ein Businessplan, der mir hätte helfen können für Kooperation und Koexistenz zwischen Menschen zu werben, schwieriger umzusetzen.

Diese Erfahrung wurde mir erneut bewusst gemacht, als Ben & Jerry’s ankündigten, sie würden ihre Eiskrem nicht länger in dem verkaufen, was die Firma als die „Besetzten Palästinensergebiete“ bezeichnet, vermutlich die Westbank. Mit anderen Worten: Verfechter der BDS-Bewegung greifen weiter allein den einzigen jüdischen Staat an, obwohl es weltweit mehr als 120 weitere territoriale Dispute gibt.

Diese Form der Wirtschaftskriegsführung, die oft in Gefühle von Menschenrechten gekleidet und im Namen der „sozialen Gerechtigkeit“ geführt wird, hat in Wirklichkeit das Gegenteil ihres beabsichtigten Effekts zur Folge: Es dient nämlich der Verewigung des simplifizierenden und falschen „Woke“-Narrativs, dass Israel ein „Unterdrücker“ ist und die Palästinenser die „Opfer“ sind, um die Wahrscheinlichkeit von Aussöhnung und Frieden zu verringern.

So wie mein Escape Room (der schließlich gebaut wurde) nicht nur Gelegenheit für Arbeit und Partnerschaft bot, sondern auch eine Chance, dass Juden, Christen und Muslime sich miteinander beschäftigen, so ist es auch mit Ben and Jerry’s. Ihr Produkt bringt auf seine eigene Weise Menschen zusammen.

Aber das haben offenbar diejenigen nicht bemerkt, die als selbsternannte Hohepriester der sozialen Gerechtigkeit verkleidet umherlaufen. Sie merken es nicht, wenn sie offensichtliches zweierlei Maß anwenden, verbreiten und verteidigen, sobald es um Israel geht; und das stellt gemäß der weithin akzeptierten Arbeitsdefinition der IHRA Antisemitismus dar.

Tatsächlich haben diese Leute wenig, wenn überhaupt etwas zur weit schlimmeren Menschenrechtslage in Ländern des Nahen Ostens wie Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien, dem Irak und Syrien zu sagen.

Als ich Anfang 2015 meinen Escape Room eröffnete, lief dieser zweieinhalb Jahre lang ohne dass es irgendeinen Vorfall von Voreingenommenheit, Rassismus oder anderen „-ismen“ gab. Entsprechend war das Einzige, was Martha erfolgreich tat, zu demonstrieren, dass die wahren Ziele der BDS-Bewegung darin bestehen Israels Existenzrecht zu bestreiten, selbst wenn das das Risiko birgt die Aussichten auf Frieden zu torpedieren.

Die Scheinheiligkeit ist offenkundig: Die Leute, die von BDS am stärksten beeinträchtigt sind, sind die, denen ihre Befürworter vorgeben helfen zu wollen. Ein typisches Beispiel: Allein den Palästinensern wird jetzt vorenthalten Ben and Jerry’s-Eiskrem zu essen, während die Israelis, wenn sie das wollen, weiterhin einen Becher Chocolate Fudge Brownie genießen können.