Unermüdlich auf der Suche nach dem israelischen Aggressor: Wie Deutschlands Medien aus Nahost „berichten“

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 10. Mai 2018 (direkt vom Autor)

Israel greift Dutzende iranische Stellungen in Syrien an, titelt die Süddeutsche.

Eskalation im Nahen Osten: Israel greift iranische Stellungen in Syrien an, so t-online.

Israel greift Dutzende iranische Ziele in Syrien an, behauptet der MDR.

Israels Armee greift zahlreiche iranische Ziele in Syrien an, lautet die Ansicht der Deutschen Welle.

Unter dem Titel „Israel greift iranische Ziele in Syrien an“ heißt es auch bei der Tagesschau: „Jetzt haben iranische Truppen in Syrien offenbar Stellungen auf dem Golan mit Raketen beschossen. Israel reagierte mit Angriffen auf Ziele in Syrien.“

Anders ausgedrückt: iranische Raketen wurden nur „offenbar“ auf Israel abgeschossen, aber die israelische Reaktion darauf ist ein Fakt. Der unbedarfte Leser muss zum Schluss kommen, dass Iran vielleicht gar keine Raketen abgeschossen hat und dass das nur eine bedingt glaubwürdige israelische Behauptung ist.

Obgleich die Iraner eben noch „offenbar“ Israel beschossen haben, werden dann aber syrische Staatsmedien zitiert, denen die Tagesschau mehr Glaubwürdigkeit zugesteht, als dem israelischen Militärsprecher. „Die Angriffe seien eine Antwort auf israelische Attacken gewesen. Sie erfolgten einen Tag nach dem US-Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran und dem Besuch von Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu beim russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dieser hatte angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen Israel und dem Iran zu einer Lösung des Konflikts aufgerufen.“

Also hat es doch iranische Raketen auf Israel gegeben und zwar als Antwort auf „israelische Attacken“, die dann auch noch beim Namen genannt werden: Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen mit Iran, Netanjahus Treffen mit Putin in Moskau und schließlich noch Netanjahus Aufruf „zu einer Lösung des Konflikts“. Alle drei Argumente der syrischen „Staatsmedien“ scheinen für die Tagesschau überzeugende Gründe für Iraner in Syrien zu sein, Krieg gegen Israel zu führen.

Dass ein iranischer Raketenangriff auf Israel fraglich sei, geht auch aus einem Titel in der FAZ hervor: Israel feuert nach mutmaßlichem Raketenangriff des Iran zurück.

Durch das Verdrehen von Ursache und Wirkung, sowie durch die Verwendung relativierender Worte wie „mutmaßlich“ verbreiten diese Medien „Fake News“ und machen offen Stimmung gegen Israel und die von Israel angeblich verschuldete „Eskalation“. Ein Täter ist im Nahen Osten offenbar erst dann ein richtiger Täter, wenn er ein jüdischer Täter ist.

Nur wenige deutsche Medien, darunter das Handelsblatt und Bild haben erst einmal den iranischen Raketenangriff in den Titel gesetzt und danach die israelischen Reaktionen beschrieben: „Feuergefechte an den Golan-Höhen. Iranische Truppen greifen israelische Stellungen an.“ Sogar die russische Agentur Sputnik formulierte die Chronologie der Ereignisse korrekter als die meisten deutschen Medien: „Iranische Kräfte beschießen israelische Positionen mit 20 Raketen“ (Sputnik Deutschland). Und im Nachbarland Österreich heißt es sachlich: „Iranische Streitkräfte haben erstmals aus Syrien heraus direkt israelische Militärstellungen angegriffen. Nach Angaben der israelischen Armee wurden in der vergangenen Nacht 20 Raketen auf israelische Militärposten auf den Golanhöhen abgefeuert. Ein Armeesprecher machte die iranischen Al-Quds-Brigaden verantwortlich. Beinahe zur selben Zeit berichteten syrische Staatsmedien von israelischen Angriffen auf Ziele in Syrien. Dabei sollen etliche Raketen Ziele im Südwesten des Landes getroffen haben.“ So die österreichische Nachrichtenagentur apa.

„Israelkritik“ ist in Deutschland selbstverständlich legitim, wobei der Duden weder „Syrienkritik“ noch „Irankritik“ kennt. Als Israel kürzlich nach elfjährigem Schweigen eingestanden hat, im Norden Syriens eine Atomfabrik bombardiert zu haben, behauptete die ARD-Tagesschau, dass es sich nur um eine „mutmaßliche“ syrische Atomfabrik gehandelt habe. Auf Anfrage erklärte die Redaktion, das Wort „mutmaßlich“ verwendet zu haben, weil keine syrische Bestätigung dafür vorliege. Die Kollegen von der Tagesschau wollen nicht verstehen, dass Syrien aus politischen Gründen niemals eingestehen kann, an einer Atombombe gebastelt zu haben.

Man darf sich jetzt mal vorstellen, was von der Tagesschau alles mit dem Wort „mutmaßlich“ versehen werden müsste. So kann es in Deutschland Morde, Vergewaltigungen und andere Verbrechen nur geben, wenn der Täter seine Tat „bestätigt“ hat. Gleiches gilt für Autounfälle, Selbstmordattentate und andere Ereignisse mit tödlichem Ausgang, die alle nur als „mutmaßlich“ vermeldet werden müssten, solange der Täter nicht dazu interviewt wurde. Bis hin zur deutschesten aller Fragen: Hat Hitler den Befehl zur „Endlösung“, der Vernichtung der europäischen Juden, gegeben?

Die „mutmaßliche“ Antwort darauf mag man sich allerdings dann nicht mehr vorstellen.

(C) Ulrich W. Sahm

Werbeanzeigen

Der Faktor Angst: Der Libanon und die europäische Art der Friedenssicherung

Sören Kern, The Brussels Journal, 18. September 2007

Die europäisch geführte UN-Friedenssicherungstruppe im Libanon, UNIFIL, ist positiver Beleg, sollte solcher denn gebraucht werden, warum Europa kaum jemals einen globale Supermacht sein wird. Als die 13.400 Personen starke Truppe nach dem 34-tägigen Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im letzten Sommer zusammengekratzt wurde, sagten die Europäer, dass ihr „Soft Power“-Ansatz zur Friedenssicherung die USA ein oder zwei Dinge über die globale Politik lehren würde. Während die USA Kriege beginnen, beendet Europa sie – behauptete man.

Aber heute steht der Libanon kurz vor dem politischen Zusammenbruch, eine aufsässige Hisbollah hat sich bis zum Geht-nicht-mehr wieder bewaffnet und es gehen Gerüchte, dass ein weiterer Krieg mit Israel vor der Tür steht. Und während der Libanon weiter ins Chaos schlittert, ist die UNIFIL selbst zu einem Ziel der Versuchung geworden – so sehr, dass sie jetzt die meiste Zeit damit verbringt sich selbst zu schützen.

Was die Frage aufwirft: Was genau tun die Europäer im Libanon?

Nicht viel, sagt die UNIFIL. Was UNIFIL-Sprecherin Yasmine Bouziane am 29. August sagte, dürfte die Untertreibung des Jahres sein: Die UNIFIL-Mission „hat ihre erklärten Ziele nicht erreicht, auch nicht die, die von der UNO-Resolution 1701 diktiert wurden“. Wahrscheinlich zielte sie auf ihre europäischen politischen Herren, als sie fortfuhr: „Zu diesem Zeitpunkt kann nicht darauf verzichtet werden an die Hauptaufgabe der UNIFIL zu erinnern, die darin besteht die Sicherheit und Stabilität im Südlibanon wieder herzustellen.“ Das ist sie in der Tat.

Aber da der UNO-Sicherheitsrat gerade das UNIFIL-Mandat um ein weiteres Jahre verlängert hat, könnte dies ein guter Zeitpunkt sein einen Überblick des Zustands des europäischen Spiels im Libanon zu geben.

Sucht die Hisbollah einen weiteren Kampf?

Die meisten Analysten stimmen darin überein, dass der Auftrag der UNIFIL von Anfang an gefährdet war. Obwohl die UNO-Resolution 1701, die dem Krieg im Libanon im August 2006 ein Ende setzte, unzweideutig darin war ein Waffenembargo zu fordern, wurde von der Politik absichtlich an den Einsatzvorschriften der UNIFIL herumgebastelt, um zu verhindern, dass die Truppen aktiv nach den Waffen der Hisbollah suchten. Das Fehlen einer klaren Verpflichtung die Hisbollah zu entwaffnen ist ein Mangel, den der Iran und Syrien schnell ausnutzten. Sie haben das Arsenal der Hisbollah wieder aufgebaut, während die Europäer daneben standen und zuschauten.

Bereits im Oktober 2006 berichtete Terje Roed-Larsen, UNO-Sonderbotschafter für den Libanon: „Es sind Waffen über die Grenze in den Libanon gekommen.“ Im April sagte Walid Jumblatt, ein hochrangiger libanesischer Politiker, gegenüber dem Fernsehsender Al-Jazira, dass libanesische Sicherheitskräfte den Hisbollah-Guerillas helfen Waffen über die poröse Grenze mit Syrien zu schmuggeln. Im Juni warnte Roed-Larsen erneut den Sicherheitsrat vor einem „alarmierenden und zutiefst verstörenden Bild“ eines „beständigen Flusses an Waffen und bewaffneten Elementen über die Grenze mit Syrien“. Und im Juli berichtete die Jerusalem Post, wobei sie israelische Geheimdienstquellen zitierte, dass die Hisbollah von Syrien mehrere Hundert Mittelstrecken-Raketen erhalten hat.

Aber Waffen sind nicht das Einzige, was auf der Einkaufsliste der Hisbollah steht. Die Gruppe baut derzeit ein unabhängiges Mobilfunk-Telefonnetz im gesamten Südlibanon und Beirut auf. Kürzlich wurden unterirdische Kabel entdeckt, die neben denen des staatlichen Telefonsystems lagen – eine Entwicklung, die natürlich die Informationsbeschaffung über die Hisbollah während eines zukünftigen Krieges komplizieren würde.

Das mag erklären, warum Hassan Nasrallah, der immer wichtigtuerische Führer der Hisbollah, in letzter Zeit besonders großspurig ist. Im Juli prahlte er damit, dass die Hisbollah-Guerillas ein Raketenarsenal haben, das „jede Ecke“ des Staates Israel erreichen könne, einschließlich Tel Aviv. Und in einer Rede im August zum Jahrestag des „göttlichen Sieges“ über Israel, versprach er, der jüdische Staat würde bei einer zukünftigen Auseinandersetzung mit der Hisbollah eine „große Überraschung“ erleben.

Europäisches Appeasement?

Dabei bleiben die Europäer der Hisbollah gegenüber gleichgültig, ja sogar heuchlerisch. Einerseits hat die Hisbollah bei Mord- und Bombenanschlägen rund um die Welt reihenweise Europäer getötet. Andererseits lehnen es europäische Offizielle ab, sich den USA, Kanada und Australien anzuschließen und die Hisbollah auf ihre offizielle Liste der Terrororganisationen zu setzen – ein Zug, der der Gruppe Gelder von islamischen „Wohlfahrtsorganisationen“ in Europa entziehen würde.

Javier Solana, EU-Außenpolitik-Chef, sagte im Juni 2006, es gäbe keinen Plan die Hisbollah auf die Terrorliste zu setzen, weil die EU nicht genug Informationen habe um festzustellen, ob die Gruppe als solche bezeichnet werden sollte. Solana versucht sich zu rechtfertigen, indem er sagt, die Sache sei rechtlicher, nicht moralischer Natur. Aber im März 2005 verabschiedete das Europaparlament mit 473 zu 8 Stimmen eine Resolution, die erklärte, dass es reichlich Belege gibt, dass die Hisbollah eine Terrororganisation ist, und forderte „alle nötigen Maßnahmen, um den Terroraktivitäten dieser Gruppe ein Ende zu setzen“.

Warum nur sind die Europäer so ambivalent, wenn es darum geht das Richtige zu tun? Angst, Angst und noch mal Angst, nach Angaben von Experten einer Anhörung vom 20. Juni mit dem Titel „Adding Hezbollah to the EU Terrorist List“ (Hinzufügen der Hisbollah zur EU-Terrorliste), die vom Außenpolitischen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses gesponsert wurde. Die Europäer zögern die Hisbollah das zu nennen, was sie ist, weil sie sich vor Vergeltungsmaßnahmen gegen europäische Interessen Zuhause und in Übersee fürchten.

Die Europäer haben Angst, dass, wenn sie gegenüber der Hisbollah eine harte Linie fahren, ihre Truppen im Libanon angegriffen werden könnten. Sie haben ebenfalls Angst, dass die Hisbollah (von der gesagt wird, dass sie ihre Leute in jedem einzelnen EU-Land hat) Schläfer-Zellen aktivieren könnte, die Anschläge in Europa verüben. Und die Europäer haben Angst, dass die Tausende träger, junger muslimischer Einwanderer in Städten in ganz Eurabien aufgehetzt werden. Die Angst vor wütenden Muslimen ist in der Tat so durchdringend, dass, in praktischen Begriffen ausgedrückt, der Islam in Sachen Gestaltung der Außenpolitik in Europa bereits ein de facto-Veto hat.

Angst beherrscht auch den europäischen Friedenssicherungs-Auftrag im Libanon. In einer vorhersagbaren Wendung der Ereignisse sind die als neutrale Beobachter in den Libanon geschickten europäischen Friedenssicherer zu die wichtigsten Beschützern der Hisbollah gedreht worden – weitgehend deshalb, weil die Hisbollah-Guerillas jetzt die wichtigsten Beschützer der europäischen Friedensschützer sind. Was sagt uns das?

Nach einem Anschlag im Juni, durch den sechs spanische Friedensschützer getötet wurden, begann Spanien mit der Hisbollah zu kooperieren, um festzustellen, wer seine Soldaten tötete. Fakt ist, dass der spanische Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero, ein postmoderner Jünger des „Kults der Einbindung“, der zufällig auch tödliche Angst vor negativer Publicity in Umfragen hat, entschied die Hisbollah und auch noch den Iran zu rekrutieren, um die spanischen Truppen zu schützen – als Weg seinen eigenen Job zu sichern.

Dann telefonierte der glücklose spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos mit dem iranischen Außenminister Manoucher Mottaki; bizarrerweise pries er Irans „konstruktive und effektive Rolle bei der Lösung regionaler Krisen“. Moratinos beschrieb seine Beziehung zur Hisbollah ebenfalls als „positiv“. Tatsächlich stimmten nach einem heimlichen Treffen mit spanischen Geheimdienstlern, die angeblich versprachen, dass spanische Truppen wegsehen würden, während die Hisbollah sich für den nächsten Krieg gegen Israel bewaffnet, die Militanten der Hisbollah zu die UNIFIL-Patrouillen schützend zu „eskortieren“.

Postheroische Europäer

Warum also haben die Europäer überhaupt Truppen in den Libanon geschickt? Weil der Libanon Europas Supermacht-Moment sein sollte. Die Vereinigten Staaten lieferten den Europäern, weil sie sich im Libanon in die Zuschauerrolle zurückzogen, eine Gelegenheit sich als ehrliche Vermittler im Nahen Osten zu beweisen. Und tatsächlich waren die Europäer genau deshalb dagegen eine NATO-Streitmacht in den Libanon zu schicken, weil sie sagten, diese sei zu amerikanisch.

Die heutige UNIFIL aber, wie so vieles andere Europäische, ist leere Hülle. Sie wurde von großspurigen Europäern manipuliert, die, verbittert wegen amerikanischer Macht und amerikanischen Einflusses auf der Bühne der Welt, glauben, sie könnten sich ihren Weg zur Supermacht herbeiheucheln, indem sie einen Teil davon schauspielern.

In Beschwörung der amerikanischen Erfahrung von Beirut 1983 nahmen viele Europäer tatsächlich an, dass der Libanon beweisen würde, wie viel besser die Dinge sein würden, wenn die Welt einfach nur die Europäer die Dinge regeln lassen würde. Stattdessen zeigt der Libanon der Welt, woraus das postheroische Europa wirklich gemacht ist. Denn wenn der Libanon etwas zeigt, dann dass Angst die große Achillesferse Europas ist. In der Zwischenzeit und während die Europäer zusehen, bereitet die Hisbollah sich auf einen weiteren Krieg vor.

Die Wahl in den Niederlanden, Israel und die Juden

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Den möglichen Folgen der Ergebnisse der Wahlen in den Niederlanden am 15. März für Israel und die niederländischen Juden ist wenig Aufmerksamkeit gewidmet worden. Und das, obwohl die weltweite Aufmerksamkeit auf den Ausgang der Wahlen gelenkt wurde. Die plötzlichen Spannungen zwischen den Niederlanden und der Türkei trugen dazu bei. Ein paar Tage vor den Wahlen lehnte die niederländische Regierung von Premierminister Mark Rutte, dem Parteichef der liberalen Partei VVD, es ab das Flugzeug des türkischen Außenministers Mevlut Cavusoglu auf Amsterdams Flughafen landen zu lassen.[1] In Reaktion darauf nannte der türkische Präsident Recep Tayyib Erdoğan seinen niederländischen NATO-Verbündeten „Überbleibsel von Nazis und Faschisten“.[2]

Die türkische Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya wurde gestoppt, bevor sie das türkische Konsulat in Rotterdam erreichen konnte. Dann wurde sie aus den Niederlanden ausgewiesen.[3] Die beiden türkischen Minister hatten vor, die niederländischen Türken davon zu überzeugen bei der Volksabstimmung am 16. April die Macht von Präsident Erdoğan auszuweiten.

Man fragt sich, ob Rutte so standfest gewesen wäre, hätten nicht die Parlamentswahlen angestanden. Alle anderen wichtigen Parteien unterstützten die Entscheidung des Kabinetts. Einzige Ausnahme war die türkisch-marokkanische DENK, eine Partei, die üblicherweise als Pro-Erdoğan gilt.

Ruttes harte Haltung gegenüber den türkischen Ministern zahlte sich aus. Obwohl sie acht Sitze verlor, blieb die VVD mit 33 von 150 Parlamentssitzen stärkste Partei. Der frühere VVD-Parteichef Hans Wiegel sagte, Herr Erdoğan hätte seiner Partei ein wenig geholfen.[4] Geert Wilders‘ Freiheitspartei kam mit 20 Sitzen auf den zweiten Platz; sie hatte fünf dazugewonnen. Unter ihren gewählten Parlamentariern befindet sich ein aktives Mitglied der aschkenasischen Gemeinschaft, Gidi Markuszower.

Der Partner der VVD in der aktuellen Koalition, die PvdA (Arbeitspartei) wurde dezimiert; sie verlor 29 ihrer 38 Sitze. Das war der größte Verlust an Abgeordneten, den je eine Partei seit dem Zweiten Weltkrieg bei Wahlen erlitt. Aus israelischer Sicht ist dies das wichtigste positive Ergebnis der Wahl. Die PvdA sind antiisraelische Hetzer. Ihr führender Aufwiegler ist Michel Servaes, der regelmäßig anführt, dass er eine jüdische Mutter hat; er wird nicht wieder ins Parlament einziehen. Auch der antiisraelische Außenminister Bert Koenders wird nicht in die Regierung zurückkehren.

Es ist jedoch wahrscheinlich, dass eine weitere antiisraelische Partei, die linksliberale D66, Mitglied der neuen Regierung sein wird. Ihr Wahlkampfleiter, der ehemalige niederländische Diplomat Sjoerd Djoerdsma, ist der wichtigste antiisraelische Sprecher der Partei.[5] Die nächste Regierung wird aus vier oder fünf Parteien bestehen. Glücklicherweise werden sie, da die D66 nur über 19 Sitze verfügt, weniger Einfluss haben als die PvdA. Wenn zur Regierung aber eine weitere antiisraelische Partei gehören sollte, nämlich die Grün-Linken, dann könnte sich die Lage zum Schlimmeren verändern. Diese Partei war der größte Gewinner der Wahlen; die Zahl ihrer Sitze stieg von 4 auf 14.

In früheren Jahren haben die Christdemokraten (CD), die jetzt ihre Vertretung von 13 auf 19 Sitze erhöhten, in der positiven Haltung des niederländischen Parlaments gegenüber Israel immer die Schlüsselrolle gespielt. Die Amtsübernahme von Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten könnte diese Haltung stärken, aber wenn sie das nicht tut, dürfte dies das Parlament gegen Israel wenden.

Israel hat einen seiner größten Befürworter verloren, die kleine Partei VNL. Sie spaltete sich während der letzen Legislaturperiode von der Freiheitspartei ab und kehrt nicht ins Parlament zurück. Ihre zwei Abgeordneten, Joram van Klaveren und Louis Bontes, waren dafür bekannt niederländischen Ministern Fragen in Bezug auf für Juden und Israel negative Ereignisse zu stellen.

Eine weitere Negativentwicklung besteht darin, dass die Partei DENK mit drei Abgeordneten im Parlament vertreten sein wird, zwei niederländischen Türken und einem niederländischen Marokkaner. In Rotterdam erhielt DENK 8% der Stimmen.[6] Sie wird vermutlich die antiisraelischste Partei des Parlaments sein. Ihr Parteichef Tunahan Kuzu stand im Fokus einiger internationaler Aufmerksamkeit, als er es 2016 ablehnte dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu bei dessen Besuch in den Niederlanden die Hand zu geben.[7]

Die Aktionen gegen die türkischen Minister führten in Rotterdam zu Krawallen. Niederländische Türken bewarfen eine Sondereinheit der niederländischen Polizei mit Gegenständen. Randalierer brüllen „Juden“ und „Krebsgeschwür Juden“.[8] Das zeigte einmal mehr, dass Antisemitismus für einige Muslime in den Niederlanden ein Kernelement ihrer Identität ist.

Mancher fragt sich, ob diese niederländisch-türkische Gewalt sich gegen Juden richten könnte, wenn Israel das nächste Mal in den Gazastreifen einmarschieren muss. Nach den Krawallen von Rotterdam wurde der niederländische Oberrabbiner Binyomin Jacobs angesichts der muslimischen Anschläge auf französische Synagogen im Jahr 2014 genau diese Frage gestellt. Er antwortete: „Ich hoffe, ich liege falsch, aber ich wäre nicht überrascht, wenn das auch hier geschieht.“[9]

Israelische Sprecher sagen der Öffentlichkeit von Zeit zu Zeit, dass die Niederlande zu Israels besten Freunden in Europa gehören.[10] Sie sollten lieber schweigen. In einer Analyse der niederländischen politischen Wirklichkeit fasste der ehemalige Außenminister Uri Rosenthal die Situation vor ein paar Jahren korrekterweise so zusammen: Im Verlauf der Jahre hat die Unterstützung aus dem politischen System der Niederlande enorm abgenommen.

Kurz vor den Wahlen brachte die linksextreme Sozialistische Partei einen Antrag im Parlament ein, die EU solle ihr Assoziationsabkommen mit Israel aussetzen. Dieser Antrag wurde abgelehnt, erhielt aber die Unterstützung der Grün-Linken, der Arbeitspartei und von D66.[11]

[1] http://www.rtlnieuws.nl/nederland/rutte-cancelt-vlucht-turkse-minister-naar-nederland

[2] http://www.ad.nl/nieuws/erdogan-nederland-is-nazi-overblijfsel-en-fascist~ab60a4a5/

[3] http://www.parool.nl/binnenland/turkse-minister-als-ongewenste-vreemdeling-uitgezet~a4473369/

[4] http://www.volkskrant.nl/politiek/hans-wiegel-meneer-erdogan-heeft-rutte-een-handje-geholpen~a4474851/

[5] http://www.volkskrant.nl/binnenland/campagneleiders-blikken-terug-bij-ontbijt-op-mark-sociale-media-en-knappe-campagne-denk~a4475161/

[6] ebenda

[7] http://www.independent.co.uk/news/world/europe/dutch-mp-tunahan-kuzu-refuses-to-shake-hands-israel-prime-minister-benjamin-netanyahu-a7307296.html

[8] http://www.ad.nl/binnenland/er-hadden-fucking-doden-kunnen-vallen~a3ff7342/

[9] http://www.jta.org/2017/03/14/news-opinion/world/in-turkey-netherlands-row-a-foreboding-sign-for-jews

[10] http://www.jpost.com/Diaspora/Is-pro-Israel-Geert-Wilders-good-for-the-Dutch-Jews-484121

[11] https://jonet.nl/motie-associatieverdrag-met-israel-verworpen/