Kenne deine Geschichte – AmYisrael Chai

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Die jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Ländern

Nach Israels Wiedergeburt 1948 flohen mehr als 850.000 Juden vor zunehmender Verfolgung aus arabischen Ländern oder wurden vertrieben. Sie wurden heimatlos, obwohl einige ihrer Gemeinschaften mehr als 2.000 Jahre alt waren. Als junger Staat mit rund 650.000 Einwohnern begann Israel trotzdem nicht nur Holocaust-Überlebende aufzunehmen, sondern auch Juden, die aus arabsichen Ländern flohen.

Abnehmende jüdiche Bevölkerung in Ländern des Nahen Ostens:

 19482016
Algerien140.00050
Ägypten 75.000100
Iran100.0009.000
Irak150.0000
Libanon 20.000200
Marokko265.0002.300
Syrien 30.000100
Tunesien105.0001.100
Jemen 55.00050
Gesamt978.00012.900

In der Folge des Kriegs von 1948 waren mehr als 850.000 Juden gezwungen arabische Länder zu verlassen, in denen Juden seit zwei Jahrtausenden lebten.

Die jemenitischen Juden, die 1881 im Heiligen Land ankamen

Kurz vor dem, was als „Die erste Aliyah“ bekannt ist, kam eine Gruppe Juden aus dem Jemen im Land Israel an. Mehrere Dutzend jemenitische Familien hatten sich auf eine lange und beschwerliche Reise begeben, um sich in Jerusalem niederzulassen. Einmal dort angekommen begegneten ihnen Feindseligkeit, Arroganz und Entbehrung seitens ihrer Mitjuden. Wohin wandten sie sich und wer kam ihnen zu Hilfe?

Amit Naor, the Librarians, 27. März 2022

Häuser im Dorf Siloah. Sammlung Haim Berger, aus der Sammlung Bitmuna, Nationalbibliothek Israels.

Wann begann die „erste Aliyah“ – die erste große Welle zionistischer Immigration ins Land Israel? Wenn Sie mit Erzählungen von den Pogromen in Russland 1881 und den Pionieren der Bilu-Bewegung antworten, dann könnten Sie falsch liegen. Es gab verschiedene Gründe, die Historiker dazu brachten diese Welle Immigranten aus Europa „Die Erste Aliyah“ zu nennen, obwohl davor Juden de facto in einem Rinnsal aus verschiedenen Teilen des Globus immigrierten. Mehrere Monate, bevor die osteuropäischen Juden im Hafen von Jaffa ankamen, um die lokale jüdische Gemeinschaft zu erweitern und wiederzubeleben, war eine andere Gruppe Juden angekommen, allerdings mit weit weniger historischem Tamtam. Dabei handelte es sich um jemenitische Juden, die meisten von ihnen aus der Stadt Sana’a, die sich kurz nach dem Fest Schawuot im Mai 1881 auf eine beschwerliche Reise ins Land Israel begeben hatten.

Was brachte sie zu diesem Schritt? Die Gründe sind nicht ganz klar, aber offenbar war ein Faktor, der dazu beitrug, dass der osmanische Statthalter im Jemen eine Immigrationsgenehmigung gegeben hatte. Die ersten kamen im August 1881. In den folgenden Monaten und das Jahr 1882 hindurch kamen weitere Immigranten aus dem Jemen, insgesamt rund 200 Personen. Im Vergleich dazu zählten die Bilu-Pioniere, die ein paar Monate später kamen, nur wenige Dutzend. Der dieser Welle jemenitischer Immigranten gegebenen Name, E’eleh BeTamar, bedeutet „Ich will die Palme ersteigen.“ Er ist einem Vers des Hohelied entnommen (Hohelied 7,9) und entstammt zudem einem Anagramm des hebräischen Jahrs 5642 – תרמ”ב (das entspricht 1881/82 und wird in Hebräisch tarmab ausgesprochen).

Zwei jemenitische Immigranten, ein Mann und ein Kind, im Dorf Siloah. Zur Verfügung gestellt vom Anwesen Zeev Alksandrowicz, The Prikter Family National Photogrpahy Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Die damalige jüdische Gemeinschaft im Land Israel, der Jischuw, bestand aus Neuankömmlingen sowie aus langjährigen Einwohnern, die seit Generationen dort gewesen waren. Eingewanderte Neuankömmlinge hatten gerade die Landwirtschaftsgemeinschaft Petah Tikva gegründet, eine weitere in Rosch Pina war kurz zuvor verlassen worden, um im folgenden Jahr wiedergegründet zu werden und in der Landwirtschaftsschule in Mikwe Israel waren Studien im Gang. Aber die Mehrheit der Juden im Land Israel wohnten in den vier heiligen Städten: Jerusalem, Hebron, Tiberias und Safed. Diese Menschen waren kollektiv als der „alte Jischuw“ bekannt.

Die Neueinwanderer aus dem Jemen hatten nur ein einziges Ziel im Visier – Zion, Jerusalem. Ihre Reise war lang und schwierig gewesen, wobei es unterwegs nur wenige freundliche und einladende Gesichter gab. Sie mussten raues Gelände passieren, reisten über Ägypten und Indien, bis sie schließlich das Heilige Land erreichten. Selbst diejenigen, die den Jemen mit Geldmitteln verließen, kamen im Land Israel mit leeren Taschen an.

Zwei jemenitische Immigranten im Dorf Siloah. Zur Verfügung gestellt vom Anwesen Zeev Alksandrowicz, The Prikter Family National Photogrpahy Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Einmal im Land Israel angekommen, machten sie sich auf nach Jerusalem. Aber als sie die Stadt erreichten, wurde diesen Juden aus einem fernen Land, gekleidet in ihre einzigartige Kluft oder was davon übrig war, mit Feindseligkeit begegnet. Die jemenitischen Juden sahen nicht nur sehr anders als die sepharidischen und aschkenasischen Juden, die bereits dort lebten, sie folgten auch anderen Traditionen, was es ihnen schwer machte sich in die jüdische Bevölkerung zu integrieren. Darüber hinaus stellten einige der lokalen Juden sogar das Judentum der neu Zugewanderten infrage. Das hatte einige Ironie, bedenkt man, dass Juden schon lange im Jemen lebten, bevor Europas sephardische und aschkenasische Gemeinden überhaupt entstanden.

Verdacht und der Zweifel hatten auch praktische Auswirkungen. Der Alte Jischuw in Jerusalem war über Gemeinde-Netzwerke, kollels genannt, organisiert, die finanzielle Unterstützung für die jüdischen Einwohner der Stadt ermöglichten. Die Inkompatibilität mit den bekannten ethnischen Mustern veranlasste die Administratoren der Gemeinschaften es abzulehnen sie in den bestehenden kollels zu akzeptieren und als Ergebnis erhielten sie keinen Anteil an den Almosengeldern, die die Juden der Stadt während dieser Zeit unterstützten. Praktisch ausgedrückt bedeutete das auch, dass den jüngsten jüdischen Ankömmlingen aus dem Jemen verboten wurde sich innerhalb der Mauern der Altstadt niederzulassen.

Mittellos und als Ausländer angesehen, hatten die jemenitischen Juden kein andere Wahl als sich anderswo nach Unterkunft umzusehen. Dennoch gaben sie ihren Traum sich in Jerusalem niederzulassen nicht auf. Als ersten Schritt bauten sie einfache Hütten vor den Mauern der Altstadt und schliefen im Freien, unter freiem Himmel. Einige jemenitische Immigranten schliefen sogar in Höhlen, Scheunen und anderen behelfsmäßigen Unterständen im Umfeld der ummauerten Stadt.

Häuser im Dorf Siloah Ende des 19. Jahrhunderts. Foto: Nadav Mann, Bitmuna. Aus der Sammlung Degani, the Priztker Family National Photography Collection, Nationalbibliothek Israels
Das Dorf Siloah Ende des 19. Jahrhunderts. Foto: Nadav Mann, Bitmuna. Aus der Sammlung Degani, the Priztker Family National Photography Collection, Nationalbibliothek Israels

Die Immigranten wollten nicht auf Almosen warten oder auf jemanden, der sie rettet. Die jungen Leute unter ihnen suchten sofort Arbeit bei den arabischen Bauunternehmern der Stadt. Sie scheuten sich auch nicht sich dabei die Hände schmutzig zu machen, wie dem Mischen von Mörtel, Gepäckträgerdiensten, schwere Steine für Gebäude zu schleppen oder dem Pflastern von Straßen. Die älteren Immigranten betrieben Handwerksarbeiten wie Zimmerei oder der Reparatur von Tonwaren. Allerdings reichten diese Jobs nicht aus, um die gesamte Gemeinde zu versorgen und die Unterkunftsfrage musste immer noch gelöst werden.

Die jemenitischen Immigranten setzten auch ihre Versuche fort sich einem der kollels in der Stadt anzuschließen, um das verteilte Almosengeld zu erhalten, das ihnen zustand. Überraschender weise gab es Zeiten, in denen die Gruppe Teil des aschkenasischen kollels war. Schließlich schlossen sie sich aber dem sephardischen kollel an, dessen Mitglieder Hebräisch sprachen und Arabisch mit einer Aussprache nutzten, die es für die jemenitischen Juden einfacher machte zu kommunizieren, da sich gegenüber aschkenasischen Juden einen erheblich andere Aussprache hatten. Jahre später gründeten die jemenitischen Juden ihre eigene, unabhängige Gemeinschaft, zum Teil wegen der herablassenden Haltung ihrer Mitjuden, die ihnen keinen fairen Anteil an den Spendengeldern aus dem Ausland zuteilten.

Jemenitische Jungen spielen auf der Straße des Dorfs Siloah. Zur Verfügung gestellt vom Anwesen Zeev Alksandrowicz, The Prikter Family National Photogrpahy Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Da ihnen die Unterkunft in der eigentlichen Stadt verwehrt wurde, hofften die jemenitischen Juden sich so nahe wie möglich daran niederzulassen. Ihre Rettung kam von einer unerwarteten Quelle. Israel Dov Frumkin, der Herausgeber der Zeitung Havatzelet, setzte sich leidenschaftlich für die Immigranten aus dem Jemen ein. Er schrieb in seiner Zeitung über ihre jämmerliche Lage und kontaktierte den Philanthropen Boaz Ben Yonatan Mizrahi, der schließlich den Immigranten aus dem Jemen die Hälfte des ihm gehörenden Landes an den Hängen des Ölbergs, nahe des Kidron-Bachs stiftete. Die neuen Pächter nannten es das Dorf Siloah, nach dem berühmten Siloah-Teich (oder Siloam), der von der Gihon-Quelle gespeist wurde.

Die Nähe zur Altstadt und dem Tempelberg – nur eine Viertelstunde zu Fuß entfernt – sowie die nahe gelegenen Wasserquellen und offenes Ackerland, trugen zur Entscheidung der jemenitischen Juden bei sich dort niederzulassen. Aber sie waren nicht allein. Das Dorf Silwan, dessen meiste Einwohner Araber sind, besteht bis heute. Ortsansässige sagten aus, dass die nachbarschaftlichen Beziehungen anfangs sehr gut waren und die jüdischen und arabischen Einwohner sich gegenseitig zu den Festen der anderen besuchten. Laut dieser Aussagen lernten die Araber sogar jemenitische Hochzeitslieder zu singen.

Ein jemenitischer Immigrantenjunge mit einem Lamm im Dorf Siloah. Zur Verfügung gestellt vom Anwesen Zeev Alksandrowicz, The Prikter Family National Photogrpahy Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Die Siedlung wuchs langsam, hatte auf ihrem Höhepunkt 150 Familien. Die Erweiterung stoppte, als der sich intensivierende jüdisch-arabische Konflikt der anderen Teile des Landes das Dorf erreichte. Während der arabischen Krawalle von 1929 wurde es für die jüdischen Einwohner gefährlich die Straßen nach Siloah zu nutzen, es gab in der Gegend mehrere gewalttätige Vorfälle. Mit zunehmenden Spannungen intervenierte der Mukhtar des Dorfes, Haddsch Mohammed Ruslan, zugunsten der jüdischen Einwohner und trat den gewalttätigen Aufrührern entgegen. Um die Lage nicht zu eskalieren, lehnten die jüdischen Einwohner sogar das Angebot der Haganah ab Kämpfer zu ihrem Schutz zu schicken. Letztlich konnte der Mukhtar die Aufrührer nicht abwehren. Die Juden von Siloah ließen ihre Habe bei ihren arabischen Nachbarn zurück und zogen vorübergehend in die Altstadt, wo sie wie Flüchtlinge lebten. Nachdem die Ruhe wieder hergestellt war, kehrten die Juden ins Dorf zurück und die Geschichte des Mukhtar, der ihnen zu Hilfe kam, grub sich in ihre Erinnerung ein.

Trotzdem konnten die nachbarschafltichen Beziehungen die Intensivierung des Konflikts nicht überleben. Der Große Arabische Aufstand von 1936 bis 1939 beendete schließlich die jüdische Siedlung in Siloah. Der arabische Boykott jüdischer Produkte und die Schließung des Dungtors durch die Behörden schnitten das Dorf von der Stadt ab – ein wirtschaftlich vernichtender Schlag. Es gab auch zunehmende Schikane durch arabische Banden, die aus Hebron und Nablus kamen, dazu Plünderungen und sogar Mordfälle. Langsam zogen mehr und mehr Familien weg, bis im August 1938, genau 57 Jahre, nachdem die ersten Immigranten aus Sana’a im Jemen in Jerusalem ankamen, der letzten der jüdischen Einwohner Siloahs evakuiert wurden.

UNO-Zeugenaussage zu Antisemitismus in der arabischen Welt, 1947

Elder of Ziyon, 25. April 2021

Treffen des UNSCOP-Komitees in Jerusalems CVJM

Hier ist die Zeugenaussage von Eliahu Eliachar, dem Gründer der World Sephardi Foundation und Mitgründer sowie Vizepräsident der World Sephardi Federation, als er vor dem UNO-Sonderkomitee für Palästina (UNSCOP) sprach, das am 15. Juli 1947 im CVJM in Jerusalem tagte.

Es handelt sich um eine gute Zusammenfassung der Lage der Juden in arabischen Ländern zur damaligen Zeit.

Eliachar war bemerkenswerterweise ein Peacenik, der in den 1970-er Jahren Dialog mit Palästinensern und einen Palästinenserstaat in der Westbank haben wollte. Er war zudem stellvertretender Bürgermeister Jerusalems.

Das Treffen fand privat statt, wie Eliachar erklärt, um die Juden in den arabischen Ländern nicht noch mehr zu gefährden.

Herr Vorsitzender, ehrenwerte Mitglieder des Komitees:

Wir danken ihnen dafür, dass Sie uns diese Anhörung vor der Kamera gestatten. Nicht, dass wir irgendetwas zu sagen haben, von dem wir nicht wollten, dass jeder es weiß, sondern aus Angst, dass dies die Lage unserer Brüder in den arabischen Ländern gefährdet, wie ich weiter erklären werde.

Die sepharischen und die orientalischen Juden sind ein integraler Bestandteil des jüdischen Volks. Die Unterschiede sind durch unterschiedliche Umwelten, Gewohnheiten und die Verwendung leicht unterschiedlicher Gebetbücher und Rituale geschaffen.

„Sephardisch“ bedeutet von Juden aus Spanien und Portugal abzustammen, wohingegen aschkenasisch eine Abstammung von Juden aus Deutschland und Zentraleuropa heißt. Die Demonination sephardisch beinhaltet, dass alle Juden dasselbe Gebetbuch verwenden und dieselben Rituale ausüben; daher gehören alle Juden des Orients und der Länder des Nahen Ostens dazu.

In Palästina veschwinden durch das rivalisierende Hebräisch diese Unterschiede allmählich und es wächst eine Nation mit einer Religion und denselben Idealen und Sehnsüchten.

Wie Ihnen heute bereits gesagt worden ist, meine Herren, wohnen Juden ununterbrochen seit der Zerstreuung durch die Römer in Palästina. Die älteste Gemeinde ist die der orientalischen Juden, die Palästina bzw. die Länder des Nahen Ostens nie verließen und ihnen folgten die spanischen Juden, die nach der Vertreibung aus Spanien 1492 zurückkehrten. Unsere Gemeinschaft, die heute hier vorzustellen wir die Ehre haben, war organisiert und hat seit 1276 ohne Unterbrechung existiert. Wir stellen in Jerusalem mehr als 50.000 Juden der orientalischen Gemeinschaft. Unsere Zahl geht über 160.000 hinaus, beträgt wahrscheinlich mehr als ein Viertel des gesamten jüdischen Jischuw. Jerusalem hat immer eine jüdische Mehrheit gehabt. Wir möchten diesen Punkt betonen. Vor der Besetzung des Nahen Ostens durch die Briten und die Alliierten stand die gesamte Gegend unter türkischer Regierung und Herrschaft. Es scheint so, dass Ihnen dieser Punkt nicht verdeutlicht worden ist. Wir möchten auf diesem Punkt beharren; dass dies ein Territorium war, zusammen mit all den anderen Nahost-Ländern, die heute arabische Länder genannt werden, unabhängige arabische Staaten, die hunderte Jahre lang unter türkischer Herrschaft standen und es gab vor der Besatzung des Nahen Ostens durch die Briten und ihre Verbündetn irgendwann ab 1916 und danach keine sogenannten unabhängigen Staaten. Juden und Araber waren gleichermaßen der eisernen Faust der Türken unterworfen. Niemand hatte irgendeinen Vorteil gegenüber dem anderen, außer den Vorteilen, die das muslimische Recht Muslimen gegenüber Ungläubigen gewährte. Juden türkischer Nationalität durften sich frei zu bewegen, sich frei überall niederlassen, wo sie wollten, Land kaufen, wo immer es ihnen gefiel. Zuwanderung von außerhalb des türkischen Reiches war reguliert, aber die illegale Zuwanderung florierte. Der einzige Unterschied zur Gegenwart bestand darin, dass kein Immigrant vertrieben wurde, sobald er Palästina betreten hatte und keine britische Flotte oder türkische Flotte sie in britische Konzentrationslager auf Zypern brachte, mit allem sich daraus ergebenden Elend und Leid.

Die arabisch-jüdischen Beziehungen war im sozialen und wirtschaftlichen Bereich gut. Sie betrieben miteinander freien Handel, sie trafen sich gesellschaftlich und die Oberklasse der Araber besuchte jüdische Schulen. Ich habe selbst mit vielen der heutigen arabsichen Führer in Palästina und im Ausland gelernt und viele gehören immer noch zu meinen besten Freunden. Wir waren während des Ersten Weltkriegs Waffenkameraden und bessere Freunde sind schwer zu finden.

Die Türken duldeten keinerlei Unordnung. Meine Herren, erlauben Sie mir diesen Punkt mit aller Macht zu betonen. In diesem Land herrschte Jahrhunderte lang keine Unordnung. Welche Ursache hatte das? Wir überlassen es Ihnen darüber nachzudenken. Ein besonderes System gewährte gewissen Christen, Juden und sogar Moslems Schutz aus dem Ausland. Ohne diese beiden Schutzmaßnahmen werden die arabischen Massen, die allgemein eher friedlichen Charatkers sind, infolge ihrer Militanz und Fanatismus sehr leicht zu Blutvergießen aufgestachelt.

Vor der Besetzung Palästinas gab es keinen oder zumindest nur schlummernden arabsichen Nationalismus. Die Balfour-Erklärung wurde von den Arabern Palästinas stillschweigend akzeptiert. Nur Intriganten von außerhalb riefen Gegnerschaft hervor. Das Wort von Köng Hussein und das seines Sohnes, des Emirs Faisal, wurde von der arabsichen Welt und den Arabern Palästinas damals als Gesetz und letztes Wort des Gesetzes akzeptiert. Aber allmählich wurde von der extra für diesen Zweck in Palästina gegründeten Christlich-Muslimischen Vereinigung Opposition organisiert. Die Massen der Araber wurden aus religiösen Gründen aufgeblasen, was die furchbaren Massaker in Jaffa, Hebron, Jerusalem, Safed, Mosca und so weiter zur Folge hatte. Diese Massaker wurden von Arabern an einstigen Freunden, Nachbarn, Partnern begangen. Die Gemeinschaft von Hebron, der ältesten jüdischen Siedlung in Palästina, wurde zerstört und abtransportiert. Das ist bis heute so geblieben. Eine Stadt, eine ganze jüdischen Gemeinschaft in Jerusalem, die seit mehr als acht- oder neunhundert Jahren ununterbrochen bestand, ist unter britischer Herrschaft ausgelöscht worden. [Das bezieht sich uaf die jüdsiche Gemeinschaft in Silwan/Kfar HaSchiloach – EoZ.] Eine solche Vernichtung hätte den Juden unter den Türken nicht passieren können, insbesondere da die Regierung sich bewusst war, dass die arabsichen Massen von ihren Führern dazu aufgestachelt und ermutigt worden wären zu glauben, dass die Regireung diese Taten unterstützt. „Al Dole Maana“ war in diesen Tagen die Parole.

Viele Araber verurteiten diese Morde. Viele haben ihre freundschaftlichen Beziehungen zu den Juden fortgesetzt, aber die Tatsache bleibt, dass Juden sich nicht länger frei in arabischen Städten und Dörfern bewegen können, selbst wenn sie zu orientalischen Gemeinschaften und den ältesten Einwohnern gehörden.

Bei der Stärke unserer Erfahrung aus den vergangenen Generationen und den gegenwärtigen Ereignissen können wir uns nicht vorstellen von einem arabischen Staat abhängig zu sein. Unser nacktes Überleben wird in Gefahr sein und das Schicksal der Gemeinschaft von Hebron könnte auch das unsere sein.

Ohne auf die Ursachen einzugehen, die diese Einstellungsänderung herbeigeführt haben, können wir nur beklagen, dass die heutige arabische Führung bezüglich ihrer Absichten die extremistischste und unverblümteste ist. Kein Jude darf vom guten Willen des Muftis oder dem seiner Stellvertreter abhängig sein. Unter Verwendung seiner religiösen Position und Prestiges hat er zu Masskaern an den Juden aufgerufen, seit er nach Deutschland floh.

Darf ich Ihnen ein paar Worte aus Herrn Crums Buch zu diesem Thema zitieren:

„1941 floh der Mufti nach Deutschland. Er machte sich dort sofort an die Arbeit, um mit all seinem Einfluss gegen die Ghettoisierung der Juden und für eine Endlösung zu agitieren: Auslöschung. Das Ergebnis war die dritte Phase der Nazi-Politik, die geplante Vernichtung der jüdischen Rasse… Stattdessen, sagte er, sollten sie an einen Ort geschickt werden, an dem sie ‚unter strenger Kontrolle stünden, zum Beispiel nach Polen‘. Der Protest des Muftis war erfolgreich. Nach dem Juli 1943 verließ kein Kindertransport mehr Bulgarien.

Ein paar Wochen später schickte er einen ähnlichen Brief an den Außenminister Rumäniens, der achthundert jüdische Kinder betraf. Diesmal schlug er wieder Polen vor, zeigte auf, dass sie unter dem stehen würden, was er ‚aktive Aufsicht‘ nannte, ein Euphemismus für die Gaskammern…

Dieser ‚gemeinsame Feind‘ war natürlich Großbritannien. Er fuhr fort: ‚Aber vor allem haben sie definitiv das jüdische Problem gelöst.‘“

Wir verkünden daher vor den gorßen Nationen der Welt, dass kein Jude in Palästina, der bei klarem Verstand ist, jemals akzeptiert noch weiter als Teil einer Minderheit in Palästina zu leben.

Die Araber Palästinas sind nicht demokratisch organisiert. Ihre aktullen Fürher sind nie gewählt worden. Selbsternannt haben sie jede Opposition mit Schusswaffen und Dolchen zerstört und machen das auch weiter. Jüngste Morde sind ein Hinweis auf das, was das Schicksal der arabischen Opposition sein kann, wenn die Behörden dem kein Ende setzen.

Ich möchte sehr gerne aus einem kleinen Buch zitieren, das ich hier habe, veröffentlicht von einem der Oppositionsführer, der in Bagdad ermordet wurde, Fakhri Naschaschibi. Es mag etwas dauern, aber ich möchte nicht, dass Sie dem entkommen dies zu hören, damit sie unsere Position erkennen. Ich habe das Heft hier und ich werde es dem Komitee vorlegen. In dem Memorandum, das Fakhri Naschaschibi dem Hochkommissar vorlegte, erklärt er, dass der Mufti die Araber Palästinas nicht repräsentiert und seine Vernichtungsideologie repräsentiert 75 Prozent der Araber mit Sonderinteressen in Palästnia und diejenigen, die ihn und seine Ansichten unterstützen, übersteigt die Hälfte der Araber Palästinas. Um alle Opposition innerhalb der arabischen Gemeinschaft zu eliminieren, vernichtete Haddsch Amin sie. In der Zeit von 1937 bis 1938 wurden hundert Araberführer und Familienoberhäupter unter seiner Federführung ermordet. Diejenigen, die überlebten, flohen aus dem Land. Die Zahl der Familienoberhäupter, Stammeschefs und Führer, die vernichtet wurden oder das Land verließen, erreichte 150.“ Er nennt hier die Besten, die Blume der Jugend der Araber Palästinas, die getötet wurden. Ich werde nur ein paar Namen verlesen: Hassan Sidki Dajani, Mitglieder der Familie R’sheyid, Farid El-Hamdallah, Abdel Salam e-Barkawi, Haddsch Khalil Taha, Haddsch El-Huneidi, Haddsch Ali El-Karzoun, Nasr Ed-Din, stellvertretender Bürgermeister von Hebron. Das ist das, was seiner Aussage nach eine demokratische Zumutung der Ansichten des heutigen Führers der Araber war.

Das gibt Ihnen zusammen mit den Äußerungen von Crum eine korrekte Sicht auf unsere Gründe für die Ablehnung eines Minderheitenregimes in Palästina.

Wir haben den jüdischen Fall noch nicht als Ganzes berührt. Dies ist Ihnen von der Jewish Agency vorgelegt worden, zu der wir voll und ganz gehören. Wir fassten unsere Haltung in Palästna vor der britischen Besetzung zusammen:

Rund eine Million Juden leben in den verschiedenen arabsichen Ländern. Ihre Position ist eine, die Ihre ganze Aufmerksamkeit erfordert. Ihr Fall ist durch die Gewalt der Ereignisse und die Taten ihrer Herrscher mit dem Palästina-Problem verbunden worden.

Obwohl wir die Tatsache beklagen, dass Sie die Lager für Heimatvertriebene [DP-Lager] in Europa noch nicht besucht haben, was Sie stärker zu unserem Problem aufgeklärt hätte als jeder Bericht und jede Rede – zu viele Reden sind vor Ihnen gehalten worden, zu viele Berichte sind Ihnen vorgelegt worden – nichts absolut nichtgs wird Sie von der unmittelbar bevorstehenden Gefahr überzeugen, wenn Sie nicht, wie ich, auch nur einen armseligen Tag im letzten Jahr gesehen haben, einen flüchtigen Blick auf das, was in den DP-Lagern in Europa abläuft. Um nach Palästina zu kommen, das Palästina-Problem zu diskutieren, es über Bücher, über Berichte und Reden anzugehen, wird Sie nur ermüdet haben, wird Sie vielleicht so ermüdet haben, dass Sie nicht in der Lage sind, den eigentlichen Kern ds Problems zu verdauen. Der wahre Kern des Problems, meine Herren, steckt in den DP-Lagern. Ich habe einen kurzen Blick dort hineingeworfen. Und, meine Herren, Mitglieder der größten Nationen, die die gesamte vereinte Welt repräsentieren, Sie können nicht darüber reden, Sie können das Palästina-Problem nicht verstehen, solange Sie ihm nicht ein paar weitere Tage Ihrer Zeit widmen – all den Müll, der in Palästina abgeht, Sie Worten und mehr Worten auszusetzen, die verschwunden sind und Sie werden das Problem sehen, wie es ist. Was ist Palästina? Was ist Zionismus? Was bedeutet das? Abertausende sehen auf Sie, um ihr Leben zu beruhigen, ein Urteil abgeben, das Problem vom tatsächlichen Blickwinkel aus angehen. Meine Herren, verlassen Sie sich nicht auf irgendwelche Reden. Verlassen Sie sich nicht darauf Berichte zu lesen. Sie können die Zeit nicht gehabt haben die hunderte Seiten zu lesen, die ihnen vorgelegt wurden. Wir können nicht glauben, dass Sie sie alle verarbeitet haben. Sie können das ganze Problem in 24 Stunden, in einem einzigen Tag verdauen, indem sie irgendein Konzentrationslager in Europa besuchen. Ich habe die unangnehme Position erlebt dort zu sein. Ich habe selbst nie leiden müssen. Ich wurde als freier Mann in Palästina geboren. Sechshundert Jahre lang hat meine Familie dort gelebt. Die ganze Zeit über erkannten wir eines: dass das jüdische Problem, selbst wie ein Jude es betrachten kann – ob er nun in Washington, London, Argentinien, Palästina oder irgendwo anders lebt – sich komplett von dem unterscheidet, was sie selber in einem Tag in den DP-Lagern sehen werden.

Es gibt noch etwas, das Sie sehen müssen, um zu erkennen, ob Sie das Problem würdigen wollen, dem Sie sich gegenüber sehen und das eine Lösung fordert. Das sind die Ghettos der arabischen Staaten, dieser unabhängigen, souveränen, demokratischen Mitglieder der Vereinten Nationen. Die Ghettos in diesen arabischen Staaten, im Jemen, im Irak, in Damaskus – wenn Sie eines davon besuchen, werden all Ihre Berichte, all Ihre Reden, all Ihre Beweise, ob dieser oder jeder Prophet an diesem oder jenem Tag geboren wurde, all das wird weg sein und Sie werden sich dem Problem der Menschheit im Rohzustand stellen, und eine Lösung verlangen.

Über Sie sind wir verpflichtet Alarm zu geben und an das menschliche Bewusstsein der Welt zu appellieren Bilanz zu ziehen, bevor es zu spät ist. Was unter dem Nazi-Regime im Westen geschah, könnte unter der Herrschaft gewisser Regierungen, Mitgliedern der Organisation der Vereinten Nationen, geschehen. Viel hunderttausende Juden blicken zu Ihnen auf, ehrenwerte Herren, damit eine Wiederholung der Massaker wie in Bagdad unter Raschid Ali verhindert wird, als hunderte getötet wurden; oder in Tripolitanien unter der britischen Besatzungsflagge, wo 120 Männer, Frauen und Kinder brutal abgeschlachtet wurden. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Arabische Liga und die arabische Regierung die Juden in ihrem Machtbereich als Geiseln für das Palästinaproblem betrachten. Sie haben das offen erklärt. Wenn Sie irgendwelche Beweise brauchen, haben wir diese dabei. Wir wollen nicht zu viel von ihrer Zeit in Anspruch nehmen, aber wenn Sie irgendwelche Beweise zu diesen Äußerungen der Arabische Liga haben wollen, die von einer ganzen Reihe ihrer Regierungen getätigt wurden, von Dr. Jamali, dem Außenminister des Irak, dann sind wir bereit sie zu liefern. Judenhass und Judenhetze nehmen in fast allen arabischen Ländern tagtäglich zu. Was einst in Bagdad, Tripolitanien, Urfa, an der syrisch-türkischen Grenze passierte, wo eine ganze Familie über Nacht massakriert wurde, in Ägypten, was am 2. November 1945 geschah, dem Jahrestag der Balfour-Erklärung, kann mit zunehmender Gewalt wieder passieren.

Sogenannte demokratische Länder, Mitglieder der Vereinten Nationen, die mit Ihnen zusammensitzen, geben sich der Rassendiskriminierung hin, die die Samen der Unruhen, Misshandlung und schließlich Massaker in sich tragen.

Allmählich und methodisch werden die Juden im Irak, in Syrien, im Libanon, in Ägypten einer Sonderbehandlung unterzogen, die administrativ durchgesetzt wird, aber juristisch nicht nachvollziehbar ist.

Drohungen gegen Einzelne sind ein tägliches Vorkommnis.

Juden wird in ihrem Wirtschaftsleben eine Zwangsjacke enger gezogen. Man ist gegen jüdisch-hebräische Kultur. Es wird versucht jede Verbindung zum jüdischen Palästina zu verhindern. Allen Juden, die aus irgendeinem Grund Palästina besuchen wollen, werdenHindernisse und Schwierigkeiten in den Weg gestellt. Pässe werden als „ungültig für Palästina“ gestempelt. Alle  irakischen Juden werden als Gefangene gehalten und viele verlassen den Irak nur selten oder nur gegen große Geldsummen Kaution. Juden aller Nationalitäten – amerikanische, britische oder welche auch immer – können den Irak nicht einmal auf der Durchreise betreten und Juden jeglicher Mitgliedstaaten der Arabischen Liga erhalten keine Transit-Visa, außer unter riesigem Druck. Vor kurzem ist jeglicher Transit von Waren in den Irak über Palästina offiziell verboten worden, um den Boykott palästinensischer Juden zu verschärfen.

Rassischer Wirtschaftsboykott, von der Atlantik-Charta angeblich verboten, wird von allen arabischen Staaten gegneüber dem jüdischen Palästina offen erklärt und durchgesetzt. Diesbezügliche Abkündigungen sind an bestimmten Zollstellen ausgestellt. Es ist eine fortbestehende Ursache für Staunen, dass dies bis heute von der Mandatsmacht weiter toleriert wird, die angeblich unsere Interessen schützen soll, genauso von den Vereinten Nationen, die die Vier Freiheiten anerkannt haben.

Juden, die versuchen Syrien nach Palästina zu verlassen, werden schwer bestraft und sollte irgendjemand erfolgreich entkommen, werden seine zurückgelassenen Verwandten verfolgt und ins Gefängnis gesteckt. Dass diese judenfeindlichen Kampagnen ein alarmierendes Ausmaß erreicht haben, wird durch die aktuellen Sendungen von Premier Nokraschy in Ägypten und Dr. Recep Peker, den Premierminister der Türkei belegt, die ihre Völker zu Mäßigung aufrufen. Wir haben auf den Irak, Syrien und Ägypten hingewiesen. Die Umstände im Jemen, Afghanistan, Tripolitanien und an anderen Stellen sind unvergleichlich schlimmer. In Afghanistan gibt es Terror.

Herr Vorsitzender, an diesem Punkt möchte ich einen besonderen Appell an die Mitglieder des Komitees richten. In Indien leben mehr als 280 Flüchtlinge aus Afganistan. Sie sind um ihr Leben weggelaufen haben nur ihre Haut gerettet. Ihnen wird nicht erlaubt länger als sechs Monate am Stück in Indien zu bleiben. Dank allen möglichen Interventionen hat Indien ihnen weitere sechs Monate zugestanden. Diese sechs Monate sind fast um. Dürfen wir an den indischen Repräsentanten in diesem kleinen Fall von 280 Juden, menschlichen Wesen – wenn Sie sie kitzeln, lachen sie, wenn Sie sie stechen, weinen sie – appellieren, die dort in Indien sitzen und auf eine Entscheidung warten, wohin sie gehen werden. In Indien können sie nicht bleiben; nach Afghanistan werden sie nicht zurückkehren, weil sie bei einer Rückkehr nach Afghanisaten ermordet werden. Nach Palästina dürfen sie nicht kommen. Wir wissen nicht, wohin wir unsere Brüder aus Afghanistan schicken sollen. Darf ich an Sie, Sir Abdur Rahman, appellieren, dass ihre Regierung Nachsicht zeigt sie dort zu lassen und sie nicht zu zwingen in ihr Gebiet zurückzugehen und sich zerhacken zu lasen, in ihrem Herkunftsland, in dem ihr Leben in Gefahr ist, bis zu einer Zeit, in der wir eine Möglichkeit bekommen eine Zuflucht für sie finden, am einzigen Ort der Welt und dem einzigen Land der Welt, das bereit ist, soweit es seine Glaubensgeschwister betrifft, sie aufzunehmen.

Über den Jemen werde ich nicht sprechen. Das ist etwas aus dem Mittelalter. Ich rate den Mitgliedern dieses Komitees nur das Buch des arabisch-christlichen Autors Amin el-Rihani zu beachten. Wenn Sie nur ein paar Seiten dieses Buches lesen, dann glaube ich nicht, dass irgendjemand, der glaubt als Mensch geboren worden zu sein, es im 20. Jahrhundert ertragen und tolerieren kann, dass ein Mensch durch Menschen so behandelt wird.

Die Zustände in Marokko, Algerien und Tunesien verschlechtern sich, weil die franzosenfeindlichen Gefühle hochkochen und wie üblich die Juden die ersten sind, die darunter leiden. In vielen Ländern, wie Ägypten, ist Fremdenfeindlichkeit die Grundlage all dieser Ereignisse und Stimmungen, aber die Juden – die üblichen Sündenböcke – ohne Macht, die sie stützt, werden den Preis dafür bezahlen.

Religiöser Fanatismus zusammen mit nationalem Chauvinismus und Massenignoranz sind mit Gefahren überfrachtet, insbesondere da eine judenfeindliche Kampagne überall unter vorgetäuschtem Antizionismus in Brand gehalten wird.

Wenn die jüdischen Gemeinden in all den angeführten Ländern nicht vortreten und Ihnen gegenüber ihre eigenen Äußerungen abgeben können, wenn diese Gemeinschaften all unsere Belege verurteilen, dann bauen wir auf unsere Beurteilung um zu erkennen, dass sie nicht anders handeln können. Es reicht aus, Crums Äußerung über Beweise zu lesen, die von Juden in Damaskus vor dem Anglo American Committee abgegeben wurden. Ihnen wurden 25 Minuten gewährt. Sie sprachen 45 Sekunden lang. Das reichte aus.

Wir sind aufgrund unserer direkten Verbindung und Verwandtschaft sowie unserer relativen Sicherheit berechtigt für sie zu sprechen. Darüber hinaus sollte die Anwesenheit seiner Eminenz, des Oberrabbiners – die anerkanntermaßen höchste Autorität des sephardischen Judentums weltweit, wie sein Titel ERSTER IN ZION anzeigt – ausreichen, um unsere ernsten Vorahnungen zu bezeugen. Unsere Zahl in Palästina nimmt allmählich und regelmäßig durch Zuwanderung aus diesen Ländern zu, allen Widrigkeiten, Hindernissen, Gefahren und Risiken für die Immigranten selbst und ihren zurückgelassenen Verwandten und Freunde zum Trotz. Es reicht aus festzuhalten, dass die Gemeinde von Damaskus, die vor dem Ersten Weltkrieg mehr als 20.000 betrug, heute nicht mehr als 2.000 Seelen zählt; die meisten haben Palästina erreicht.

Eine weitere Illustration ist das ‚illegale Schiff‘ unter so vielen illegalen Schiffen, benannt nach unserem großen Zionisten von vor 700 Jahren aus Spanien, dem berühmten, anerkannten Schriftsteller-Poeten und Philosophen der arabischen wie auch der jüdischen Welt: Yehuda Halavi. Das Schiff brachte 350 Passigiere aus Nordafrika, aus Tripolitanien und Tunesien. Es gab noch keine Verfolgungen in Nordafrika, aber wenn 350 Seelen, 350 Männer das Risiko eingehen und das Land verlassen, wenn sie wissen, dass sie von der stärksten Flotte Europas abgefangen werden und in Konzentrationslager in Zypern geschickt werden, wenn sie wissen, dass sie in Zypern nicht wissen werden, wie lange sie dort bleiben müssen, dann können Sie in keinem Land 350 Männer welcher Religion auch immer finden, die bereit sind es zu verlassen und ein solch schreckliches Abenteuer auf sich zu nehmen, wenn sie fürchten, dass ihr Leib und Leben in Gefahr sind. Das ist keine Propaganda. Sie müssen sie sehen, um zu erkennen, dass es keine von der Jewish Agency oder sonst jemandem bezahlte Propaganda ist. Wenn Menschen es wagen auf einem nicht seetüchtigen, überfüllten Schiff zu reisen und in Zypern zu enden, dann weil sei Angst haben, dass das, was in Tripolitanien passierte, morgen ihnen passiert. Und sie sind bereit überall hinzugehen, nackt, alles hinter sich zu lassen, vorausgesettz ihre Brüder sympathisieren hier, wo sie als Menschen leben können, einfach als Menschen unter der Sonne.

Da sie in orientalischen Ländern geboren wurden, ihre Bräuche und Sprachen, ihren Lebensmodus und ihre Ethik kennen, sind die Sephardim aufgerufen eine größere Rolle bei der Gründung von Harmonie und Frieden überall in den östlichen Ländern zu spielen, vorausgesetzt die Organisation der Vereinten Nationen ist stark genug all ihren Mitgliedern aufzuerlegen die Grundsätze echter und wahrer Demokratie, die Grundstäze der Atlantik-Charta und die Praxis der Vier Freiheiten durchzusetzen.

Die meisten arabsichen Länder, mit Ausnahme Ägyptens, sind unterbevölkert. Kein arabisches Land befindet sich in einer Position, die ihnen von den Siegern des Ersten Weltkriegs so großzügig zugeteilten, umfagnreichen Bereiche gut zu nutzen.

Es ist höchste Zeit, dass das dem Judentum im Westen zugefügte Unrecht einigermaßen durch die Unterstützung wieder gut gemacht wird, die nötig ist um einen Zufluchtsort in ihrer nationalen und historische Wiege zu schaffen. Und das umso mehr, bevor den Juden des Ostens von den arabischen Herrschern weiteres und irreparables Unrecht zugefügt wird.

Aus diesen und vielen weiteren Gründen, die Ihnen von den offiziellen Sprechern des jüdischen Volks gegeben wurden, ist es unerlässlich, dass die Tore Palästinas aufgeworfen werden, um nicht nur diejenigen zu empfangen, die den Krematorien Hitlers entkamen, sondern auch für die, die sich in bestimmten Ländern des Nahen Ostens in unmittelbarer Gefahr für ihr Leben befinden. Die Immigration orientalischer Juden nach Palästina wird die Zahl der Juden im Nahen Osten nicht ändern. Glaubt man Fadil Jamali, dem aktuellen Außenminister des Irak, dann wird er jede zufriedenstellende Lösung in Palästina an den Juden in den arabischen Ländlern rächen. Wir werden Ihnen Beweise dafür vorlegen, wenn das gewünscht wird.

Unsere aktuelle Position in Palästina ist menschenunwürdig. Aus freien Bürgern wurden wir – ich spreche von der jüdischen Bevölkerung in diesem Land – vom Weißbuch von 1939 zu Bürgern zweiter Klasse gemacht und dies gegen alle Vorschriften des Mandats und entgegen unserem eigenen Status unter türkischem Recht. Es gibt Sperrzonen, die von der Mandatsmacht eingerichtet wurden; diese standen uns vor der britischen Besetzung offen. Eine solche ist Transjordanien, es gibt weitere Zonen in Palästina selbst, deren Einzelheiten Ihnen von unseren offiziellen Sprechern gegeben wurden.

Wir protestieren gegen solche Diskriminierung. Wir protestieren gegen Diskriminierung bei Steuern. Wir sind nicht reich. Jemand in diesem Komitee sagte, wir seien reich. Wir sind nicht reich. Das ist ein Irrtum. Darf ich es wagen Sie einzuladen etwas von unserem Viertel ein paar hundert Meter von Kadimah zu besuchen, wo Sie derzeit gastieren: Darf ich Sie einladen diese Viertel zu besuchen, um Ihnen eine Vorstellung von unseren Straßenkindern zu geben, unseren Slums, unseren überfüllten Familien, die den Mythos unserer Reichtümer rundweg bestreiten.

Fasst man das Bild zusammen, so sieht man jetzt mit ernster Sorge, dass mit der stillschweigende Zustimmung der Regierungen, die das verhindern könnten, Männer wie der Mufti in Kairo, Yunis el-Bahri in Transjordanien, Raschid Ali in Bagdad, Anton Saade im Libanon, Kawakaji in Syrien, Drause in Damaskus helfen die Zukunft zu gestalten. Überrascht es Sie, dass wir besorgt sind?

Wir appellieren daher an Sie um eine faire Lösung im Sinne dessen, was unsere offiziellen Sprecher gesagt haben.

Als indigene  Bevölkreung Palästinas fordern wir die Wiederherstellung unserer Rechte, die Abschaffung des Weißbuchs von 1939 und allem, für das es steht, sowie die Öffnung der Tore für alle Juden, die eine Heimat brauchen, ob sie nun aus dem Osten oder aus dem Westen kommen. Dieser Keim der Rastlosigkeit derer, die man nirgendwo haben will – der überall Unerwünschten – und der Verzweiflung frisst uns mit Haut und Haaren auf.

Palästina eine dauerhafte jüdische Minderheit aufzubürden, bedeutet dem Ganzen die Krone aufzusetzen. Da wir wissen, was uns unter arabsicher Herrschaft erwartet, können wir Ihnen nicht sagen, dass wir insgesamt mit Samsons Verzweiflung konfrontiert werden.

Die mutige Gründung einer Zuflucht für das seit Gründung der Menschheit am stärksten verfolgte Volk könnte diesem Land, dem Nahen Osten und der Welt in Zusammenarbeit mit all unseren semitischen und arabischen Brüdern Frieden bringen.

Ehrenwerte Mitglieder dieses Komitees, Repräsentanten der großen Nationen, Abermillionen warten auf Ihre Entscheidung; lassen Sie uns um der Menschheit willen nicht an der Menschheit verzweifeln.

Herr Eliachar unterscheidet nicht zwischen sephardischen und aschkenasischen Juden – und verweist auf sie alle, wenn er Juden als „die indigene Bvölkerung Palästinas“ bezeichnet.

Gedankenverlorenes Territorium: Israel hortet Juden, lässt Araber ihre traditionellen Massaker nicht verüben

„Krawalle sind nicht mehr dasselbe ohne lokale Juden, die man zum Sündenbock machen, verprügeln, vergewaltigen und ausplündern kann.“

PreOccupied Territory, 7. Juli 2021

Damaskus – Aktivisten und Regierungsvertreter aus der gesamten Region beschuldigten heute weiter den jüdischen Staat fast alle Juden des Nahen Ostens für sich selbst zu behalten, wodurch nur eine symbolische Anzahl in den verschiedenen es umgebenden Ländern verblieben ist und diese Gesellschaften der Gelegenheit beraubt seien den ehrwürdigen Brauch des Zusammentreibens von Juden auszuüben, um sie zu töten oder sich zumindest einem tobenden Mob anzuschließen, der jeden Juden, der ihm über den Weg läuft, ausraubt, vergewaltigt, verprügelt und ermordet.

Syrien, der Libanon, Ägypten und Jordanien – Israels unmittelbare Nachbarn – weisen eine jüdische Bevölkerung von vielleicht ein paar Dutzend auf, in einer Region, in der einst seit uralten Zeiten mehr als eine Million Juden lebten. Die Gründung Israels 1948 und seine erfolgreiche Verteidigung gegen örtliche irreguläre Kämpfer und eindringende Truppen aus fünf Ländern entfachte die Vertreibung von hunderttausenden Juden aus der gesamten Region, von denen viele in Israel aufgenommen wurden. Fortgesetzte Verfolgung der verbliebenen Juden in der Levante und darüber hinaus reduzierte deren Anzahl in diesen Ländern, während ihre Zahl in Israel stetig zunahm; heute beträgt Israels jüdische Bevölkerung mehr als sechs Millionen, die die Streitkräfte des Staates stur verteidigen und großangelegte Tötungen verhindern, die einst als wichtiges Ventil für umgebende Bevölkerungen dienten, um Aggression zu bekunden, wodurch diese Bevölkerungen ohne den Jahrhunderte alten Weg da stehen Wut, Überlegenheit oder einfach nur Langeweile zum Ausdruck zu bringen, indem sie durch die Straßen der Stadt marodieren und Juden niederknüppeln.

„Das ist nur ein Beispiel dafür, wie die Zionisten unsere Kultur auslöschen“, klagte der syrische Minister für religiöse Minderheiten, Butjur Nichtmuslim. „Allerlei Aktivisten versuchen ohnehin Juden aus der Entfernung zu töten, aber diese Zahlen sind immer enttäuschend. Nichts wie der Farhud [die Massaker in Bagdad 1941]; es wurden noch nicht einmal Dutzende Juden getötet wie in Hebron 1929. Unsere Lebensart verschwindet. Das ist eine Art ethnische Säuberung, wenn Sie mal darüber nachdenken. Denkmalschützer sollten Kampagnen betreiben, um uns die traditionellen Massaker vollführen zu lassen.“

„Krawalle sind nicht mehr dasselbe ohne die lokalen Juden zu Sündenböcken machen, verprügeln, vergewaltigen und ausplündern zu können“, gestand der libanesische Aktivist Mustafa Massakir ein. „Es gab einmal eine Zeit, da füllte das eine ganze Woche aus, aber heute, glaube ich, haben wir keine Juden mehr im Land dafür. Jedenfalls nicht genug für ein anständiges, altmodisches Massaker, das dem traditionellen Vorwurf „Juden töten nichtjüdische Kinder und nutzen ihr Blut für Matzen“ entstammt. Wir müssen uns damit zufrieden geben den jüdischen Staat zu beschuldigen er töte arabische Kids; das mag zwar auf seine eigene Weise befriedigend sein, aber es besteht eine gewisse Impotenz darin, nicht in der Lage zu sein als Teil des Rituals seine Nachbarn zu töten.“

Die Lektionen von Bergen-Belsen bleiben ungelernt

Der Geist des von den Nazis inspirierten Antisemitismus wurde aus der arabischen Welt nie ausgetrieben

Lyn Julius, The Jerusalem Post, 15. April 2020

Holocaust survivors at Auschwitz. (Foto: Reuters)

Am 15. April begeht die Welt den 70. Jahrestag der Befreiung des berüchtigten KZ Bergen-Belsen. Mehr als 50.000 Gefangene, hauptsächlich Juden, starben dort – an Hunger, Überanstrengung, Krankheiten oder infolge grausamer medizinischer Experimente. Anne Frank war das vermutlich berühmteste Opfer. Sie und ihre Schwester starben im Lager an Typhus, nur einen Monat vor der Befreiung.

Unter den befreiten Gefangenen an diesem herrlichen Apriltag gab es mehrere hundert libysche Juden, die über Italien nach Bergen-Belsen deportiert worden waren. Es gibt ein Foto dieser Überlebenden, die in einem Eisenbahnwagen saßen und die Beine herausbaumeln ließen, auf den sie gekritzelt hatten „Auf dem Weg nach Hause“ und „Zurück nach Tripoli“.

Nach Angaben der Juden aus Libyen seitens Professor Maurice Roumani wurden etwa 870 der 2.000 Juden in Libyen mit britischen Pässen als Teil der „sfollamlento“-Politik des Wegschickens von Ausländern nach Italien deportiert. Mitglieder derselben Familie konnten nach Marokko, Tunesien oder Algerien zerstreut werden – die unter der Kontrolle der nazifreundlichen Vichy-Regierung standen.

Zwei Transporte mit je 300 Juden sowie weitere 120 wurden von Libyen nach Neapel verschifft, dann mit Güterzügen nach Bergen-Belsen, wo sie am 25. Mai 1944 ankamen. Aus Libyen in Bologna ankommende Juden wurden im Juli 1943 mit dem Zug nach Innsbruck-Reichenau gebracht, einem Teil des Lagersystems Dachau.

Die libyschen Juden, die relativ spät im Krieg in Bergen-Belsen ankamen, überlebten. Einige wurden gegen deutsche Kriegsgefangene ausgetauscht. Sie erhielten Pakete des Roten Kreuzes und etwas erleichterte Arbeitsbedingungen. Sie schafften es sogar koscher zu leben, indem sie gekochtes Essen gegen trockenes Brot tauschten. Ein Jude, Zion Labi aus Bengazi, eröffnete eine Schule.

Die Deportation der Juden aus Libyen ans Nordufer des Mittelmeers straft das weit verbreitete Missverständnis Lügen, dass nur europäische Juden vom Holocaust betroffen waren.

Obwohl ihr Leiden nicht mit den Schrecken verglichen werden kann, die den Juden Osteuropas zugefügt wurden, wurden Juden in Nordafrika die Auswirkungen des Krieges nicht erspart. Rund 2.500 libysche Juden wurden vom faschistischen Regime Italiens ins berüchtigte Arbeitslager Giado befördert. Ein Fünftel starb an Typhus oder Hunger.

Das benachbarte Tunesien kam sechs Monate lang unter direkte Nazi-Kontrolle. Rund 2.000 tunesische jüdische Männer, die den obligatorischen gelben Stern trugen, wurden in Arbeitslager geschleppt. Juden wurden in algerischen und marokkanischen Arbeitslagern als Sklavenarbeiter benutzt. Und die ganze Zeit über starben tausende Juden bei Luftangriffen, als die alliierten und deutschen Armeen um die Kontrolle rangen.

Man kann vertreten, dass die nordafrikanischen Staaten, die noch nicht unabhängig waren, nicht für die antijüdischen Maßnahmen des Vichy-Regimes und der italienischen Faschisten verantwortlich waren. Aber abgesehen von Einzelpersonen, die Juden retteten, lagen die Sympathien der arabischen Massen weitgehend auf Seiten der Deutschen.

Der seit 1932 unabhängige Irak war 1941 Schauplatz eines nazifreundlichen Staatsstreichs, was unaufhaltsam zur Farhud, der irakisch-jüdischen Kristallnacht führte. In dieser zweitätigen Orgie aus Mord, Vergewaltigung, Verstümmelung und Plünderung wurden bis zu 600 Juden getötet, geben britische Archivquellen an. Die genaue Zahl werden wir nie erfahren.

Der palästinensische Großmufti von Jerusalem spielte eine zentrale Rolle bei der Planung des nazifreundlichen Umsturzes im Irak. Von November 1941 bis zum Ende des Kriegs sendete er aus dem Exil in Berlin antijüdische Propaganda in die arabische Welt.

Er erwies sich bei der Unterstützung der „Endlösung“ der Judenfrage als eifriger als die Nazis. Vom Mufti glaubt man, dass er für die Ermordung von 20.000 europäischen Juden im Nazi-Holocaust direkt verantwortlich war.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sollte der Mufti bei den Nürnberger Prozessen als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden.

Er wurde von Jugoslawien wegen Verbrechen gegen die Menschheit angeklagt und verurteilt, die mit seiner ausschlaggebenden Rolle in den SS-Divisionen Handschar und Skandeberg zu tun hatten, die Balklan-Juden aus dem Kosovo, Mazedonien und Thrakien deportierten. Aber die Allierten scheuten davor zurück die Araber vor den Kopf zu stoßen. Der Mufti blieb für Zehntausende ein Held.

Nazi-Deutschland überhäufte die arabische Welt mit Geld und Propaganda in der Hoffnung einen antikolonialen Aufstand anzufachen. Es finanzierte die 1928 in Ägypten gegründete Muslimbruderschaft. Deren Gründer, Hassan al-Banna, machte das Nazi-Konzept der Juden als Inbegriff des allumfassenden Bösen, überzogen mit traditionellen judenfeindlichen Vorurteilen aus dem Koran zum Kern der Ideologie der Bruderschaft. Gegen Ende des Krieges hatte die Bruderschaft ein Million Mitglieder.

Kurz nachdem die Überlebenden von Belsen nach Libyen zurückgekehrt waren, erlitten die Juden von Tripoli und den umliegenden Dörfern ein grausames, dreitägiges Pogrom, das 130 Todesopfer forderte und tausende Juden obdachlos machte.

Wie war das möglich, kaum sechs Monate nachdem die Nachrichten über die furchtbare Vernichtung der Juden Europas die arabische Welt erreichten? Die libyschen Krawalle vom November 1945 schwappten aus den Unruhen in Ägypten über, bei denen fünf Juden ermordet wurden. Manche machen zwar den Zusammenstoß von Zionismus und arabischem Nationalismus verantwortlich, aber Historiker berichten, dass die Randalierer in Libyen keine antizionistischen Parolen riefen. Der Mob wusste nicht einmal, was Zionimus ist, hieß es in einem Bericht der Jewish Agency. Es ist bemerkenswert, dass die ägyptischen Randalierer, aufgehetzt von der Muslimbruderschaft, koptische, griechisch-orthodoxe und katholische Institutionen genauso angriff wie Juden.

Der Massenexodus und die Plünderung einer Million Juden aus der arabischen Welt gelten allgemein als Rache für die Vertreibung palästinensischer Araber 1948. Eine plausiblere Erklärung lautet, dass nazi-inspirierter Blut-und-Boden-Nationalismus sowie fremdenfeindlicher Islamismus, der sich in der arabischen Welt das vorhergehende Jahrzehnt über festgesetzt hatte, darauf abzielte nichtmuslimische Minderheiten zu vernichten oder – bestenfalls – aus dem öffentlichen und politischen Leben auszugrenzen.

1947 entwarf die Arabische Liga einen Plan um mit ihren jüdischen Bürgern als feindliche Ausländer umzugehen, noch bevor auch nur ein einziger palästinensischer Araber geflohen war.

Kaum drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ahmten Mitgliedstaaten der Arabischen Liga den Nationalsozialismus mit Gesetzen der Art der Nürnberger Gesetze nach; damit wurde der Zionismus kriminalisiert, jüdische Bankkonten eingefroren, Quoten eingeführt, Einschränkungen zu Arbeitsstellen und Reisefreiheit verhängt. Gewalt und die Drohung mit Gewalt erledigten den Rest. Das Ergebnis war die ethnische Säuberung Jahrhunderte alter jüdischer Gemeinden innerhalb einer einzigen Generation.

Der Geist des von den Nazis inspirierten, judenfeindlichen Fanatismus wurde nie ausgetrieben: Nach dem Zweiten Weltkrieg gab die arabischen Welt Nazi-Kriegsverbrechern eine sichere Zuflucht, in die sie flüchten konnten. Sie wurden Militärberater und Tatsachenverdreher für Judenhass.

Adolf Eichmann, der Nazi-Architekt der „Endlösung“, hoffte, seine „arabischen Freunde“ würden seinen Kampf gegen die Juden fortsetzen, die immer die „Haupt-Kriegsverbrecher“ und „Hauptaggressoren“ waren. Er hatte es nicht geschafft seine Aufgabe der „totalen Vernichtung“ zu vollenden, also konnten die Muslime sie immer noch für ihn vollenden.

Der Virus des nationalsozialistischen Antisemitismus hat die arabische und muslimische Welt nicht nur nie verlassen, er hat exponentiell zugelegt. Muslimische Zuwanderer haben den Virus des Judenhasses in europäische Länder zurückgetragen. Saudische Petrodollars haben die weltweite Verbreitung mit seinem impliziten Antisemitismus finanziert.

Eichmann wäre zufrieden gewesen zu sehen, dass die arabische Welt praktisch judenrein ist: Es gibt heute in Libyen keine Juden mehr und nicht mehr als 4.000 im Rest der arabischen Welt. Die Muslimbruderschaft und ihre lokalen palästinensischen Zweige Hamas, al-Qaida, Islamischer Staat und allerlei islamistische Gruppen tragen die Fackel einer Ideologie weiter, die in der Nazi-Ära geboren wurde.

Der Mythos vom Arabischen Juden

Post- und Antizionisten ignorieren weiterhin, was die meisten Juden in arabischen Ländern aufgewachsene Juden sagen und fühlen, weil „Diskriminierung“ von Mizrahim als nützlicher Knüppel zum Einprügeln lauf den Zionismus dient.

Lyn Julius, Israel HaYom, 27. August 2019

Jeder, der mit dem wachsenden akademischen Feld der Mizrahi/Sephardisch-Studien (mizrahi: orientalisch, aus dem Nahen Osten; sephardisch: aus dem Spanien vor der Inquisition kommend) mithalten will, kann nicht anders als festzustellen, dass die überwiegende Mehrheit der Arbeiten sich auf angeblicher „Diskriminierung“ oder „Rassismus“ durch das aschkenasische Establishment konzentriert.

Typisch dafür ist die Arbeit einer Sarah Louden, „Israelischer Nationalismus: die Konstrukte des Zionismus und seine Auswirkungen auf interjüdischen Rassismus, Politik und radikalen Diskkurs“. Sie hat 455 Ansichten, mehr als jede andere Arbeit ihres Genres. Sie hält sich nicht mit Angriffen auf den „Rassismus“ des Zionismus zurück. Ihre Quellen sind fast ausschließlich mizrahische Antizionisten wie Ella Shohat.

Shohat ist Professorein an der New York University; sie machte sich einen Namen mit der Anwendung von Edward Saids Orientalismus-Theorie auf Israel und behauptete, dass sowohl Mizrahi-Juden als auch Araber Opfer des Westens (der Aschkenasim) sind.

Von mizrahischen Juden und Arabern wird angenommen, dass sie mehr miteinander gemeinsam haben als Juden aus dem Osten mit Juden aus dem Westen. Mizrahim, behaupten Shohat und Ihresgleichen, wurden vom Zionismus und Kolonialismus aus ihrer komfortablen „arabischen“ Umgebung gerissen und zu unfreiwilligen Feinde verwandelt.

Diese Akademiker nehmen weitgehend an, dass Mizrahi-Juden in Israel dem Likud und rechten Parteien anhängen, um sich beim von der Arbeitspartei dominierten ascheknasischen Establishment zu „revanchieren“.

Aber Louden und die andere wie sie erwähnen kaum einmal das Offensichtliche: Die unterschwellige Erinnerung an arabische und muslimische Verfolgung, die Eltern und Großeltern aus der arabischen Welt vertrieben hat.

Ist es nicht plausibel, dass Mizrahi-Juden die Raketenangriffe und Bombenanschläge, die Israel nur als letztes Kapitel einer langen Geschichte arabischen und muslimischen Antisemitismus heimsuchen, betrachten? Dass sie für den Likud stimmen, weil sie glauben, dass nur die Rechte die notwendige harte Antwort liefern kann?

Darüber hinaus verwenden westliche Akademiker fast unausweichlich den Ausdruck „arabische Juden“. Der Begriff tritt im Titel eines Buches von Prof. Sasson Somekh auf: „The Last Arab Jew“ (Der letzte arabische Jude).

Somekh starb letzte Woche. Weit links stehende Medienseiten betrauern ihn weiter als einen „arabischen Juden“.

Der 1933 in Bagdad geborene Somekh veröffentlichte zwei Autobiografien. Die erste, „Baghdad, Yesterday: The Making of an Arab Jew“ (Bagdad gestern: Die Entstehung eines arabischen Juden) behandelte sein Leben im Irak; die zweite, „Life After Baghdad: Memoirs of an Arab-Jew in Israel“ (Das Leben nach Bagdad: Memoiren eines arabischen Juden in Israel), behandelt sein Leben im jüdischen Staat.

Somekh war der Guru der Studien der Arabischen Literatur an der Universität Tel Aviv und verbrachte zwei Jahre in Kairo, wo er ein enger Freund des ägyptischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Naguib Mahfouz wurde, dessen Werk Somekh beansprucht einem größeren Publikum näher gebracht zu haben.

Einige der Jünger Somekhs in der Fakultät für Arabische Literatur der Universität Tel Aviv waren Antizionisten der Art von Somekh, aber Somekh betrachtete sich nie als arabischen Juden in ihren Begrifflichkeiten.

Er sagte Almog Behar, einem seiner früheren Studenten: „Die Tendenz bei führenden Mizrah-Intellektuellen der jüngeren Generation von sich als arabischen Juden zu sprechen, ist in erster Linie eine politische Position; heißt: Ihr Wunsch scharf gegen den Gefühl der Diskriminierung zu protestieren, von dem sie das Gefühl haben, sie richtet sich gegen die Mizrahim. Sie wollen tatsächlich ihre Abneigung herausstellen Teil des zionistischen Bestandes des Staates zu sein. Ich habe kein Problem mit diesen Haltungen, aber für mich ist das nicht die Art, wie die arabisch-jüdische Identität definiert wird.“

Für Somekh ist ein „arabischer Jude“ die „kulturelle Definition eines Juden, der Arabische spricht und in einem muslimischen Umfeld aufwuchs“. Er wollte betonen, dass „seine Identität aus seinem Blickwinkel als Person stammt, die in einer arabischen Kultur aufwuchs und sich weiterhin mit dieser Kultur beschäftigt“.

Der Irak war eines der wenigen arabischen Länder, in denen Juden eine führenden Rolle in der arabischen kulturellen und literarischen Renaissance der 1920-er und 1930-er Jahre einnahmen.

„Ich bin der letzte arabische Jude“, sagte Somekh. „Deshalb schrieb ich ‚Baghdfad, Yesterday‘ um das Leben eines jüdisch-arabischen Kinders zu dokumentieren. Jeder, der sich als arabische Jude definiert, um andere zu attackieren, der aber kein Arabisch spricht … zählt nicht als solcher. Ich definiere mich zwar selbst nicht als Zionisten, wenn Zionist zu sein bedeutet, dass alle Juden herkommen sollten, aber ich bin ein israelischer Patriot.“

Mit anderen Worten: Somekh betrachtete sich selbst nicht als ethnischen Araber, sondern als einen israelischen Juden mit Affinität für die arabische Kultur.

Ein weiterer Professor arabischer Herkunft, Reuven Snir von der Universität Haifa, stimmte zu: Juden, die im 20. Jahrhundert Literatur auf Arabisch schrieben, verspürten keine Notwendigkeit sich zu Arabern zu erklären, sagte er.

Eine Konferenz, die vor rund 10 Jahren von irakischen Juden veranstaltet wurde, lehnte den Ausdruck „arabischer Jude“ als Identitätskennzeichen lautstark ab. Die überwiegende Mehrheit der Juden aus der arabischen Welt hat sich historisch nicht als Araber identifiziert – sie würden sogar von einem solchen Etikett vor den Kopf gestoßen sein.

Aber post- und antizionistische Akademiker schlagen das in den Wind, was die meisten in arabischen Ländern aufgewachsenen Juden sagen und fühlen, solange „Diskriminierung“ von mizrahischen Juden als nützlicher Knüppel dient, mit dem man auf den Zionismus einprügeln kann.