Die Lektionen von Bergen-Belsen bleiben ungelernt

Der Geist des von den Nazis inspirierten Antisemitismus wurde aus der arabischen Welt nie ausgetrieben

Lyn Julius, The Jerusalem Post, 15. April 2020

Holocaust survivors at Auschwitz. (Foto: Reuters)

Am 15. April begeht die Welt den 70. Jahrestag der Befreiung des berüchtigten KZ Bergen-Belsen. Mehr als 50.000 Gefangene, hauptsächlich Juden, starben dort – an Hunger, Überanstrengung, Krankheiten oder infolge grausamer medizinischer Experimente. Anne Frank war das vermutlich berühmteste Opfer. Sie und ihre Schwester starben im Lager an Typhus, nur einen Monat vor der Befreiung.

Unter den befreiten Gefangenen an diesem herrlichen Apriltag gab es mehrere hundert libysche Juden, die über Italien nach Bergen-Belsen deportiert worden waren. Es gibt ein Foto dieser Überlebenden, die in einem Eisenbahnwagen saßen und die Beine herausbaumeln ließen, auf den sie gekritzelt hatten „Auf dem Weg nach Hause“ und „Zurück nach Tripoli“.

Nach Angaben der Juden aus Libyen seitens Professor Maurice Roumani wurden etwa 870 der 2.000 Juden in Libyen mit britischen Pässen als Teil der „sfollamlento“-Politik des Wegschickens von Ausländern nach Italien deportiert. Mitglieder derselben Familie konnten nach Marokko, Tunesien oder Algerien zerstreut werden – die unter der Kontrolle der nazifreundlichen Vichy-Regierung standen.

Zwei Transporte mit je 300 Juden sowie weitere 120 wurden von Libyen nach Neapel verschifft, dann mit Güterzügen nach Bergen-Belsen, wo sie am 25. Mai 1944 ankamen. Aus Libyen in Bologna ankommende Juden wurden im Juli 1943 mit dem Zug nach Innsbruck-Reichenau gebracht, einem Teil des Lagersystems Dachau.

Die libyschen Juden, die relativ spät im Krieg in Bergen-Belsen ankamen, überlebten. Einige wurden gegen deutsche Kriegsgefangene ausgetauscht. Sie erhielten Pakete des Roten Kreuzes und etwas erleichterte Arbeitsbedingungen. Sie schafften es sogar koscher zu leben, indem sie gekochtes Essen gegen trockenes Brot tauschten. Ein Jude, Zion Labi aus Bengazi, eröffnete eine Schule.

Die Deportation der Juden aus Libyen ans Nordufer des Mittelmeers straft das weit verbreitete Missverständnis Lügen, dass nur europäische Juden vom Holocaust betroffen waren.

Obwohl ihr Leiden nicht mit den Schrecken verglichen werden kann, die den Juden Osteuropas zugefügt wurden, wurden Juden in Nordafrika die Auswirkungen des Krieges nicht erspart. Rund 2.500 libysche Juden wurden vom faschistischen Regime Italiens ins berüchtigte Arbeitslager Giado befördert. Ein Fünftel starb an Typhus oder Hunger.

Das benachbarte Tunesien kam sechs Monate lang unter direkte Nazi-Kontrolle. Rund 2.000 tunesische jüdische Männer, die den obligatorischen gelben Stern trugen, wurden in Arbeitslager geschleppt. Juden wurden in algerischen und marokkanischen Arbeitslagern als Sklavenarbeiter benutzt. Und die ganze Zeit über starben tausende Juden bei Luftangriffen, als die alliierten und deutschen Armeen um die Kontrolle rangen.

Man kann vertreten, dass die nordafrikanischen Staaten, die noch nicht unabhängig waren, nicht für die antijüdischen Maßnahmen des Vichy-Regimes und der italienischen Faschisten verantwortlich waren. Aber abgesehen von Einzelpersonen, die Juden retteten, lagen die Sympathien der arabischen Massen weitgehend auf Seiten der Deutschen.

Der seit 1932 unabhängige Irak war 1941 Schauplatz eines nazifreundlichen Staatsstreichs, was unaufhaltsam zur Farhud, der irakisch-jüdischen Kristallnacht führte. In dieser zweitätigen Orgie aus Mord, Vergewaltigung, Verstümmelung und Plünderung wurden bis zu 600 Juden getötet, geben britische Archivquellen an. Die genaue Zahl werden wir nie erfahren.

Der palästinensische Großmufti von Jerusalem spielte eine zentrale Rolle bei der Planung des nazifreundlichen Umsturzes im Irak. Von November 1941 bis zum Ende des Kriegs sendete er aus dem Exil in Berlin antijüdische Propaganda in die arabische Welt.

Er erwies sich bei der Unterstützung der „Endlösung“ der Judenfrage als eifriger als die Nazis. Vom Mufti glaubt man, dass er für die Ermordung von 20.000 europäischen Juden im Nazi-Holocaust direkt verantwortlich war.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sollte der Mufti bei den Nürnberger Prozessen als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden.

Er wurde von Jugoslawien wegen Verbrechen gegen die Menschheit angeklagt und verurteilt, die mit seiner ausschlaggebenden Rolle in den SS-Divisionen Handschar und Skandeberg zu tun hatten, die Balklan-Juden aus dem Kosovo, Mazedonien und Thrakien deportierten. Aber die Allierten scheuten davor zurück die Araber vor den Kopf zu stoßen. Der Mufti blieb für Zehntausende ein Held.

Nazi-Deutschland überhäufte die arabische Welt mit Geld und Propaganda in der Hoffnung einen antikolonialen Aufstand anzufachen. Es finanzierte die 1928 in Ägypten gegründete Muslimbruderschaft. Deren Gründer, Hassan al-Banna, machte das Nazi-Konzept der Juden als Inbegriff des allumfassenden Bösen, überzogen mit traditionellen judenfeindlichen Vorurteilen aus dem Koran zum Kern der Ideologie der Bruderschaft. Gegen Ende des Krieges hatte die Bruderschaft ein Million Mitglieder.

Kurz nachdem die Überlebenden von Belsen nach Libyen zurückgekehrt waren, erlitten die Juden von Tripoli und den umliegenden Dörfern ein grausames, dreitägiges Pogrom, das 130 Todesopfer forderte und tausende Juden obdachlos machte.

Wie war das möglich, kaum sechs Monate nachdem die Nachrichten über die furchtbare Vernichtung der Juden Europas die arabische Welt erreichten? Die libyschen Krawalle vom November 1945 schwappten aus den Unruhen in Ägypten über, bei denen fünf Juden ermordet wurden. Manche machen zwar den Zusammenstoß von Zionismus und arabischem Nationalismus verantwortlich, aber Historiker berichten, dass die Randalierer in Libyen keine antizionistischen Parolen riefen. Der Mob wusste nicht einmal, was Zionimus ist, hieß es in einem Bericht der Jewish Agency. Es ist bemerkenswert, dass die ägyptischen Randalierer, aufgehetzt von der Muslimbruderschaft, koptische, griechisch-orthodoxe und katholische Institutionen genauso angriff wie Juden.

Der Massenexodus und die Plünderung einer Million Juden aus der arabischen Welt gelten allgemein als Rache für die Vertreibung palästinensischer Araber 1948. Eine plausiblere Erklärung lautet, dass nazi-inspirierter Blut-und-Boden-Nationalismus sowie fremdenfeindlicher Islamismus, der sich in der arabischen Welt das vorhergehende Jahrzehnt über festgesetzt hatte, darauf abzielte nichtmuslimische Minderheiten zu vernichten oder – bestenfalls – aus dem öffentlichen und politischen Leben auszugrenzen.

1947 entwarf die Arabische Liga einen Plan um mit ihren jüdischen Bürgern als feindliche Ausländer umzugehen, noch bevor auch nur ein einziger palästinensischer Araber geflohen war.

Kaum drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ahmten Mitgliedstaaten der Arabischen Liga den Nationalsozialismus mit Gesetzen der Art der Nürnberger Gesetze nach; damit wurde der Zionismus kriminalisiert, jüdische Bankkonten eingefroren, Quoten eingeführt, Einschränkungen zu Arbeitsstellen und Reisefreiheit verhängt. Gewalt und die Drohung mit Gewalt erledigten den Rest. Das Ergebnis war die ethnische Säuberung Jahrhunderte alter jüdischer Gemeinden innerhalb einer einzigen Generation.

Der Geist des von den Nazis inspirierten, judenfeindlichen Fanatismus wurde nie ausgetrieben: Nach dem Zweiten Weltkrieg gab die arabischen Welt Nazi-Kriegsverbrechern eine sichere Zuflucht, in die sie flüchten konnten. Sie wurden Militärberater und Tatsachenverdreher für Judenhass.

Adolf Eichmann, der Nazi-Architekt der „Endlösung“, hoffte, seine „arabischen Freunde“ würden seinen Kampf gegen die Juden fortsetzen, die immer die „Haupt-Kriegsverbrecher“ und „Hauptaggressoren“ waren. Er hatte es nicht geschafft seine Aufgabe der „totalen Vernichtung“ zu vollenden, also konnten die Muslime sie immer noch für ihn vollenden.

Der Virus des nationalsozialistischen Antisemitismus hat die arabische und muslimische Welt nicht nur nie verlassen, er hat exponentiell zugelegt. Muslimische Zuwanderer haben den Virus des Judenhasses in europäische Länder zurückgetragen. Saudische Petrodollars haben die weltweite Verbreitung mit seinem impliziten Antisemitismus finanziert.

Eichmann wäre zufrieden gewesen zu sehen, dass die arabische Welt praktisch judenrein ist: Es gibt heute in Libyen keine Juden mehr und nicht mehr als 4.000 im Rest der arabischen Welt. Die Muslimbruderschaft und ihre lokalen palästinensischen Zweige Hamas, al-Qaida, Islamischer Staat und allerlei islamistische Gruppen tragen die Fackel einer Ideologie weiter, die in der Nazi-Ära geboren wurde.

Der Mythos vom Arabischen Juden

Post- und Antizionisten ignorieren weiterhin, was die meisten Juden in arabischen Ländern aufgewachsene Juden sagen und fühlen, weil „Diskriminierung“ von Mizrahim als nützlicher Knüppel zum Einprügeln lauf den Zionismus dient.

Lyn Julius, Israel HaYom, 27. August 2019

Jeder, der mit dem wachsenden akademischen Feld der Mizrahi/Sephardisch-Studien (mizrahi: orientalisch, aus dem Nahen Osten; sephardisch: aus dem Spanien vor der Inquisition kommend) mithalten will, kann nicht anders als festzustellen, dass die überwiegende Mehrheit der Arbeiten sich auf angeblicher „Diskriminierung“ oder „Rassismus“ durch das aschkenasische Establishment konzentriert.

Typisch dafür ist die Arbeit einer Sarah Louden, „Israelischer Nationalismus: die Konstrukte des Zionismus und seine Auswirkungen auf interjüdischen Rassismus, Politik und radikalen Diskkurs“. Sie hat 455 Ansichten, mehr als jede andere Arbeit ihres Genres. Sie hält sich nicht mit Angriffen auf den „Rassismus“ des Zionismus zurück. Ihre Quellen sind fast ausschließlich mizrahische Antizionisten wie Ella Shohat.

Shohat ist Professorein an der New York University; sie machte sich einen Namen mit der Anwendung von Edward Saids Orientalismus-Theorie auf Israel und behauptete, dass sowohl Mizrahi-Juden als auch Araber Opfer des Westens (der Aschkenasim) sind.

Von mizrahischen Juden und Arabern wird angenommen, dass sie mehr miteinander gemeinsam haben als Juden aus dem Osten mit Juden aus dem Westen. Mizrahim, behaupten Shohat und Ihresgleichen, wurden vom Zionismus und Kolonialismus aus ihrer komfortablen „arabischen“ Umgebung gerissen und zu unfreiwilligen Feinde verwandelt.

Diese Akademiker nehmen weitgehend an, dass Mizrahi-Juden in Israel dem Likud und rechten Parteien anhängen, um sich beim von der Arbeitspartei dominierten ascheknasischen Establishment zu „revanchieren“.

Aber Louden und die andere wie sie erwähnen kaum einmal das Offensichtliche: Die unterschwellige Erinnerung an arabische und muslimische Verfolgung, die Eltern und Großeltern aus der arabischen Welt vertrieben hat.

Ist es nicht plausibel, dass Mizrahi-Juden die Raketenangriffe und Bombenanschläge, die Israel nur als letztes Kapitel einer langen Geschichte arabischen und muslimischen Antisemitismus heimsuchen, betrachten? Dass sie für den Likud stimmen, weil sie glauben, dass nur die Rechte die notwendige harte Antwort liefern kann?

Darüber hinaus verwenden westliche Akademiker fast unausweichlich den Ausdruck „arabische Juden“. Der Begriff tritt im Titel eines Buches von Prof. Sasson Somekh auf: „The Last Arab Jew“ (Der letzte arabische Jude).

Somekh starb letzte Woche. Weit links stehende Medienseiten betrauern ihn weiter als einen „arabischen Juden“.

Der 1933 in Bagdad geborene Somekh veröffentlichte zwei Autobiografien. Die erste, „Baghdad, Yesterday: The Making of an Arab Jew“ (Bagdad gestern: Die Entstehung eines arabischen Juden) behandelte sein Leben im Irak; die zweite, „Life After Baghdad: Memoirs of an Arab-Jew in Israel“ (Das Leben nach Bagdad: Memoiren eines arabischen Juden in Israel), behandelt sein Leben im jüdischen Staat.

Somekh war der Guru der Studien der Arabischen Literatur an der Universität Tel Aviv und verbrachte zwei Jahre in Kairo, wo er ein enger Freund des ägyptischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Naguib Mahfouz wurde, dessen Werk Somekh beansprucht einem größeren Publikum näher gebracht zu haben.

Einige der Jünger Somekhs in der Fakultät für Arabische Literatur der Universität Tel Aviv waren Antizionisten der Art von Somekh, aber Somekh betrachtete sich nie als arabischen Juden in ihren Begrifflichkeiten.

Er sagte Almog Behar, einem seiner früheren Studenten: „Die Tendenz bei führenden Mizrah-Intellektuellen der jüngeren Generation von sich als arabischen Juden zu sprechen, ist in erster Linie eine politische Position; heißt: Ihr Wunsch scharf gegen den Gefühl der Diskriminierung zu protestieren, von dem sie das Gefühl haben, sie richtet sich gegen die Mizrahim. Sie wollen tatsächlich ihre Abneigung herausstellen Teil des zionistischen Bestandes des Staates zu sein. Ich habe kein Problem mit diesen Haltungen, aber für mich ist das nicht die Art, wie die arabisch-jüdische Identität definiert wird.“

Für Somekh ist ein „arabischer Jude“ die „kulturelle Definition eines Juden, der Arabische spricht und in einem muslimischen Umfeld aufwuchs“. Er wollte betonen, dass „seine Identität aus seinem Blickwinkel als Person stammt, die in einer arabischen Kultur aufwuchs und sich weiterhin mit dieser Kultur beschäftigt“.

Der Irak war eines der wenigen arabischen Länder, in denen Juden eine führenden Rolle in der arabischen kulturellen und literarischen Renaissance der 1920-er und 1930-er Jahre einnahmen.

„Ich bin der letzte arabische Jude“, sagte Somekh. „Deshalb schrieb ich ‚Baghdfad, Yesterday‘ um das Leben eines jüdisch-arabischen Kinders zu dokumentieren. Jeder, der sich als arabische Jude definiert, um andere zu attackieren, der aber kein Arabisch spricht … zählt nicht als solcher. Ich definiere mich zwar selbst nicht als Zionisten, wenn Zionist zu sein bedeutet, dass alle Juden herkommen sollten, aber ich bin ein israelischer Patriot.“

Mit anderen Worten: Somekh betrachtete sich selbst nicht als ethnischen Araber, sondern als einen israelischen Juden mit Affinität für die arabische Kultur.

Ein weiterer Professor arabischer Herkunft, Reuven Snir von der Universität Haifa, stimmte zu: Juden, die im 20. Jahrhundert Literatur auf Arabisch schrieben, verspürten keine Notwendigkeit sich zu Arabern zu erklären, sagte er.

Eine Konferenz, die vor rund 10 Jahren von irakischen Juden veranstaltet wurde, lehnte den Ausdruck „arabischer Jude“ als Identitätskennzeichen lautstark ab. Die überwiegende Mehrheit der Juden aus der arabischen Welt hat sich historisch nicht als Araber identifiziert – sie würden sogar von einem solchen Etikett vor den Kopf gestoßen sein.

Aber post- und antizionistische Akademiker schlagen das in den Wind, was die meisten in arabischen Ländern aufgewachsenen Juden sagen und fühlen, solange „Diskriminierung“ von mizrahischen Juden als nützlicher Knüppel dient, mit dem man auf den Zionismus einprügeln kann.

Der Stille Exodus

Pierre Rehov ist ein israelischer Dokumentarfilmer, der sich mit verschiedenen Themen des Konflikts zwischen den Arabern und Israel beschäftigt. Hier sind die jüdischen Flüchltinge aus arabischen Ländern das Thema:

Sie waren mehr als eine Million Juden. Von 1946 bis 1974 ist diese Million die Zahl der vergessenen Flüchtlinge, vertrieben aus der arabischen Welt und die die Geschichte gerne vergessen würde, während die Oper selbst ihr Schicksal unter einem Schleier der Scham versteckt ahben. Die Juden haben Jahrtausende in arabischen Ländern gelebt und schienen ihr Schicksal für immer angenommen zu haben; manche betrachteten ihr Überleben sogar als Wunder.
Aber 1948 wrude der Anfang ihes Exodus auch die Geburt des Staates Israel.
Und während die arabischen Armeen ihre Invasion des jungen Flüchtlingslandes vorbereiteten, während die Überlebenden der Schoah sich in Gefahren bringenden Schiffen stapelten, um die letzten Rückkehr in das Land ihrer Träume und ihrer Gebete zu vollführen, machten sich ein paar hunderttausend Araber aus Palästina bereit aus ihren Heimen zu fliehen, überzeugt, dass sie als Sieger und Eroberer zurückkehren würden.
Sie sollten bald schon Flüchtlingslager füllen, die auf dem Land ihrer Brüder gebaut wurden und – wegen ihrer Weigerung sich zu integrieren – ihren Flüchtlingsstatus an die nächste Generationen weitergeben.
Die Juden erhielten keinerlei Sonderstatus. Sie waren gerade in das Land ihrer Väter zurückgekehrt.
Und wenn sie aus Aden im Jemen, aus Ägypten, dem Irak, Syrien, Marokko, Tunesien oder Libyen kamen, wenn sie alles und manchmal sogar Verwandte, Erinnerungen und Friedhöfe verloren hatten, so waren sie bereit in Israel und im Westen ihr Leben wieder neu aufzubauen. Ohne jemals Schadenersatz zu fordern und ohne Rückkehrrecht oder gar den Wunsch, dass ihre Geschichte erzählt wird…

Die Juden und Araber Palästinas, 1852

Elder of Ziyon, 10. Februar 2015

Hier haben wir einen weiteren Text in einer gelegentlichen Reihe zeitgenössischer Schriften aus dem 19. Jahrhundert und davor, das zeigt, dass die angebliche Toleranz der Muslime den Juden gegenüber ein Märchen ist.

Aus „Remarks on the present condition and future prospects of the Jews in Palestine” (Anmerkungen zum gegenäwrtigen Zustand und den Zukunftsaussichten der Juden in Palästina) von Arthur George Harper Hollingsworth, 1852:

Die Bevölkerung in Palästina setzt sich aus Arabern zusammen die die Ebenen durchstreifen oder in den Bergfesten als Räuber und Fremde lauern, kein festes Zuhause haben und keine feste Bindung zum Land. In vielen der abgewirtschafteten Städte und Dörfer gibt es zuzdem eine begrenzte Zahl christlicher Familien, unzivilisiert und nicht richtig wissend aus welcher Rasse sie ihre Herkunft beziehen. Arm und ohne Einfluss halten sie von Jahr zu Jahr zitternd und zagend an ihren Habseligkeiten fest, ohne Sicherheit und ohne Wohlstand, in einem Land, von dem sie zugeben, dass es nicht das ihre ist.

Die arabische und christliche Bevölkerung nimmt jedes Jahr ab. Armut, Not, Unsicherheit, Raub und Krankheit schwächen die Einwohner dieses schönen Landes weiter. Ruinen über Ruinen; die Einöde nimmt in den verlassenen Dörfern zu. Das Land trauert um seine Einwohner. …

Unter der zerstreuten und kraftlosen Bevölkerung dieses einst glücklichen Landes findet sich jedoch eine zunehmende Zahl armer Juden; einige ihrer gelehrtesten Männer wohnen in den heiligen Städten Jerusalem, Hebron und Tiberias. Ihre Synagogen bestehen immer noch. Regelmäßig kommen Juden aus jeder Nation in Europa nach Palästina und bleiben dort mehrere Jahre; Und andere sterben mit der Genugtuung sich mit den Überresten des Staubs ihrer Vorväter zu vermischen, die jedes Tal füllen und in jeder Höhle zu finden sind.

Diese jüdische Bevölkerung ist über jedes angemessene Wort hinaus arm; sie ist in ihrem sozialen und politischen Zustand erniedrigt in einen Zustand des Elends, derart groß, dass sie keine Rechte besitzt. Sie kann keinen Reichtum zeigen, selbst wenn sie ihn hätte, denn Reichtum zur Schau zu stellen würde Raub Raub durch die mohammedanische Bevölkerung, die türkischen Beamten oder die beduinischen Araber sicherstellen. Diese Juden leben hauptsächlich von Almosen, die aus den Nationen in allen Teilen der Welt gesammelt werden. Es gibt kein großzügigeres Volk als die Juden, obwohl diese Großzügigkeit allgemein exklusive ist. Dieses Geld bezüglich seiner Summe unsicher, kommt regelmäßig verspätet an, man ist immer unsicher, wann man es erhält, manchmal geht es unterwegs verloren und ist immer begleitet von der Erniedrigung ein unbeständiges Almosen aus einer großen Entfernung zu erhalten, das eine armselig verarmte und hungernde Bevölkerung unterstützt. Von den Juden Palästinas wird kein Fortschritt im Handel und Kommerz gemacht, in Sachen Besitz von festen Häusern oder von Land. Alleine gelassen dort, wo er der erste sein sollte, ist er der Letzte; und wo in allen anderen Ländern ein Juden gedeiht und sein Wohlstand zunimmt, ist er in diesem kraftlos durch Unterdrückung und ohne Energie, weil ohne Hoffnung auf Schutz. Er kraucht über diesen Boden, auf dem seine Vorväter stolz in der Fülle eines wunderbaren Reichtums dahinschritten, als ein Fremder, ein Ausgestoßener, eine Kreatur, die weniger als ein Hund ist und tiefer steht als der unterdrückte christliche Bettler und das in seinen angestammten Ebenen und Städten. Keine Ernte reift für seine Hand, denn er kann nicht sagen, ob es ihm erlaubt wird sie einzufahren. Von einem Juden besetztes Land ist Raub und Verlust ausgesetzt. Es gibt eine äußerst reizbare Eifersucht auf Wohlstand durch Landbesitz oder wirtschaftlichen Reichtum oder Fortschritt durch Handel beim Juden. Es gibt für einen britischen Christen in diesem Land Hindernisse sich niederzulassen, aber tausend belanglose Sperren werden geschaffen, um zu verhindern, dass ein Jude sich auf Brachland neiderlässt oder dass ein Jude Land kauft oder pachtet.

… Landwirtschaftliche Aktivitäten finden unter großem Risiko statt, denn im Bereich des Jordans gibt es viele Araber, die ihren Lebensunterhalt in erster Linie durch Plündern bestreiten. … Welche Sicherheit gibt es dafür, dass ein jüdischer Einwanderer, der sich in Palästina niederlässt, eine faire Vergütung für sein Kapital und seine Arbeit bekommt? Absolut keine. So sehr er sich abrackert, seine Ernte würde von anderen eingeheimst; der arabische Räuber kann hereinstürmen und seine Herden fortbringen. Wenn er sich um Abhilfe an den nächsten Pasch wendet, füllt der Makel seines jüdischen Blutes die Luft und verdunkelt die Augenbrauen seines Unterdrückers; wendet er sich an seine christlichen Nachbarn, begegnen ihm Vorurteil und Tücke; beansprucht er eine türkische Wache, wird er auf beleidigende Weise abgewiesen und verachtet. Wie kann er sein Kapital in ein solches Land bringen, wenn dieser flüchtige Besitz von Orten davon fliegt, wo das Schwert gezogen wird, um ihn den Händen des Besitzers zu entreißen statt zu beschützen?

… Wie soll nun dieses arme, verachtete und machtlose Kind Abrahams Wiedergutmachung erlangen oder seine Stimme an der Hohen Pforte hörbar machen? Je zahlreicher die Fälle der Unterdrückung (und es sind viele), je lauter ihre Rufe nach Gerechtigkeit, desto widerwilliger wird die Regierung des Sultans – zum Teil aus eingewurzelter und zunehmender Schwäche, zum Teil aus Abneigung – auf der Seite des Juden handeln. Sie verachten sie als eine verwünschte Rasse; sie hassen sie als die buchstäblichen Nachkommen der ursprünglichen Eigentümer des Landes.

Der November ist der grausamste Monat

Juden wurden schon vor Israels Gründung angegriffen*

Lyn Julius, Jerusalem Post blogs, 24. November 2013

Die verbrannten und beschädigten Überreste der Großen Synagoge in Aleppo (Syrien), einer von 18 Synagogen, die Angreifer Ende 1947 attackierten, was die Hälfte der jüdischen Gemeinde zur Flucht veranlasste. Es ist nicht bekannt, ob die Stätte im syrischen Bürgerkrieg weiter beschädigt wurde.
Die verbrannten und beschädigten Überreste der Großen Synagoge in Aleppo (Syrien), einer von 18 Synagogen, die Angreifer Ende 1947 attackierten, was die Hälfte der jüdischen Gemeinde zur Flucht veranlasste. Es ist nicht bekannt, ob die Stätte im syrischen Bürgerkrieg weiter beschädigt wurde.

Um es mit TS Eliot zu sagen: Der November ist für jüdische Bürger arabischer Staaten immer ein schlechter Monat gewesen – und das traf nie mehr zu als in den 1940-er Jahren.

Drei populäre Mythen umgeben die 870.000 Juden, die die arabischen Länder verließen. Die erste ist, sie seien aus freien Stücken dort weggegangen. Zweitens: Wenn sie als Flüchtlinge flohen, dann weil die arabischen Staaten spontan auf ihre jüdischen Bürger losgingen wie ein Bulle auf ein rotes Tuch (und wer könnte ihnen das übel nehmen?). Drittens: Die arabischen Staaten nahmen wegen des Leids de raus Palästina vertriebenen Arabern Rache an ihren Juden.

Mit dieser Lesart der Geschichte stimmt mehreres nicht. Erstens teilten die Juden den Druck mit anderen nicht muslimischen und ethnischen Minderheiten. Zweitens drohten die arabischen Führer ihren eigenen jüdischen Bürgern und entwickelten einen koordinierten Plan sie zu verfolgen, noch bevor der UNO-Teilungsplan verabschiedet wurde. Drittens gingen dem Kriegsausbruch in Palästina und der daraus folgenden Flucht mehrerer Hunderttausend Araber gewalttätige Krawalle gegen wehrlose Juden in arabischen Ländern voraus.

Es ist diese Woche 66 Jahre her, dass das Politische Komitee der UNO-Vollversammlung sich hinsetzte, um die vorgeschlagene Teilung Palästinas zu diskutieren. Der ägyptische Delegierte Heykal Pascha sagte Folgendes:

„Die Vereinten Nationen … sollten die Tatsache nicht aus dem Blick verlieren, dass die vorgeschlagene Lösung eine Million in den muslimischen Ländern lebende Juden gefährden könnte. Die Teilung Palästinas könnte in diesen Ländern Antisemitismus schaffen, der sogar noch schwieriger auszurotten wäre als der Antisemitismus, den die Alliierten in Deutschland auszulöschen versuchten… Wenn ein jüdischer Staat gegründet wird, könnte niemand Störungen verhindern. Aufruhr würde in Palästina ausbrechen, würde sich über alle arabischen Staaten ausbreiten und könnte zu einem Krieg zwischen zwei Rassen führen.“

Tatsächlich breitete sich dann auch eine Welle der Gewalt in Ägypten aus, nachdem am 29. November 1947 für die Teilung gestimmt wurde. Demonstrationen wurden für den 2. bis 5. Dezember angesetzt. Nur weil die Polizei einen Mob daran hinderte das jüdische Viertel in Kairo anzugreifen, wurde Leben verschont.

In Bahrain begannen Menschenmengen am 5. Dezember jüdische Häuser und Geschäfte zu plündern und zerstörten die Synagoge. Zwei betagte Frauen wurden getötet.

In Aleppo (Syrien) wurde die jüdische Gemeinde von einem Mob verheert, den die Muslimbruderschaft anführte. Mindestens 150 Häuser, 50 Geschäfte, alle 18 Synagogen, fünf Schulen, ein Waisenhaus und ein Jugendclub wurden zerstört. Viele Menschen wurden getötet, die genaue Zahl ist aber nicht bekannt. Mehr als die Hälfte der 10.000 Juden der Stadt flohen in die Türkei, den Libanon und nach Palästina.

In Aden konnte die Polizei die Randale nicht eindämmen. Als die Ordnung am 4. Dezember wieder hergestellt war, waren 82 Juden getötet worden. Von 170 Geschäften in jüdischem Besitz waren 106 zerstört. Zu den niedergebrannten jüdischen Institutionen gehörten die Synagoge und zwei Schulen.

Arabische Staatsmänner drohten ihren jüdischen Bürgern sechs Monate bevor Ben Gurion den Staat Israel ausrief.

Besorgniserregender war, dass Juden schon Jahre früher Ziel von Gewalt waren. Im Irak wurden 179 Juden in einem Pogrom nach Naziart, dem Farhud, getötet – sieben Jahre bevor Israel gegründet wurde.

Im November 1945, zwei Jahre vor der Ausrufung Israels und vor der Abstimmung der UNO über den Teilungsplan, brach in mehreren arabischen Ländern zum Jahrestag der Balfour-Erklärung eine Serie antijüdischer Krawalle aus.

In Ägypten wurde von der Muslim-Bruderschaft, Misr al-Fatat und der Vereinigung junger muslimischer Männer zu antizionistischen Demonstrationen aufgerufen. Am Balfour-Tag (2. November) fanden in Kairo, Alexandria und anderen Städten Massendemonstrationen statt. Jüdische Geschäfte in Kairo und im jüdischen Viertel wurden ausgeraubt und die aschkenasische Synagoge geplündert. Die Unruhen liefen in Anti-Dhimmi-Gewalt über, bei der koptische, griechisch-orthodoxe und katholische Institutionen ebenfalls attackiert wurden. Von 500 ausgeraubten Geschäften gehörten 109 Juden. Erstaunlicherweise wurde in Kairo nur ein Polizist getötet. Unter den sechs Getöteten in Alexandria waren fünf Juden.

Weit schlimmer war das Pogrom in Libyen, das am 4. November in Tripoli begann, als Tausende sich im jüdischen Viertel und Basar austobten. Jüdische Häuser und Geschäfte waren vorher für die Angriffe markiert worden. Die Gewalt breitete sich in andere Städte aus. Im Verlauf von drei Tagen Randale sah die Polizei zu und britische wie amerikanische Soldaten in den Vororten warteten drei Tage lang, bis sie eine Ausgangssperre verhängten. Bis dahin waren 130 Juden tot, darunter 36 Kinder. Frauen wurden vergewaltigt, rund 4.000 Juden waren obdachlos und neun Synagogen zerstört.

In Syrien brach ein Mob in die große Synagoge in Aleppo ein und verprügelten zwei ältere Männer. Im Irak vermied die Regierung eine Wiederholung der Farhud von 1941 mit einem Verbot öffentlicher Demonstrationen.

Doch im November 1947 waren die schaurigen Drohungen arabischer Offizieller nichts andres als staatlich sanktionierte Aufwiegelung.

Die Palestine Post brachte am 11. Dezember 1947 ein Editorial mit der Überschrift „Unwilling Hostages“ (Widerwillige Geiseln). Darin wurde ein Editorial des Manchester Guardian vom Vortag mit der Überschrift „Hostages“ (Geiseln) zitiert. Darin wurden aufhetzerische Äußerungen arabischer Führer beklagt, die als Drohungen gegen die jüdischen Minderheiten interpretiert werden konnten. Sowohl in Syrien wie im Irak „sind die Juden unter Druck gesetzt worden den Zionismus zu verurteilen und die arabische Sache zu unterstützen. Man kann sich nur wunden, welche Drohungen geäußert wurden, um das herbeizuführen.“

Die Krawalle der vorhergehenden Woche waren von arabischen Regierungen der „Wut der Menschen“ zugeschrieben worden. Das Editorial warf vor, dass „die betreffenden Regierungen, wenn sie sie nicht auslösten oder zu ihnen anstachelten, wohlwollend zusahen“.

Die Mitglieder der Arabische Liga billigten oder veranlassten nicht nur die Gewalt gegen ihre jüdischen Minderheiten, sondern entwarfen auch einen Plan ihre jüdischen Bürger „als die jüdische Minderheit Palästina“ zu schikanieren. Die Palestine Post vom 22. Dezember 1947 brachte einen Bericht über brutale Maßnahmen, die die Arabische Liga gegen die Juden in arabischen Ländern überlegte. Ihnen würde erst ihre Staatsbürgerschaft genommen, ihr Grundeigentum würde beschlagnahmt werden, ihre Bankkonten eingefroren und sie würden als feindliche Ausländer behandelt werden.  „Es gibt zwar keine Nachrichten über die Annahme dieser Resolution durch die Arabische Liga, aber es ist bedeutsam und tragisch, dass ein solches Dokument überhaupt formuliert worden ist“, klagte das Editorial. „Es ist für sie leicht den Schläger zugeben und ein Schwert über dem Haupt Hunderttausender Juden hängen zu lassen, die ihrer Gnade ausgeliefert sind.“

Die libanesische Regierung gab Ausweisungsanweisungen gegen palästinensische Juden im Libanon aus.

Obwohl sie nicht beschlossen wurde, wurden Teile des Resolutionsentwurfs der Arabischen Liga von einzelnen arabischen Regierungen übernommen. Der Menschenrechtsanwalt und ehemalige kanadische Justizminister Irwin Cotler hat sie „nürnbergartige Maßnahmen“ genannt. Juden konnten wegen des Verbrechens des Zionismus verhaftet und gelegentlich hingerichtet werden, dochd ie Grenzen zwischen Judentum und Zionismus waren immer verschwommen.

Bis zu dem Zeitpunkt, als Israel am 15. Mai 1948 gegründet wurde, waren die jüdischen Gemeinden in arabischen Ländern in ihren Grundfesten erschüttert worden. Wie Norman Stillman schreibt, trug die Palästinafrage ein enorm dazu bei, aber sie war nicht das einzige – sie war eher ein Katalysator. Arabischer und islamischer Nationalismus konnten keinen Raum finden für ethnische und religiöse Gruppen, die von der Norm abwichen und die Juden fanden sich von der Gesellschaft im Allgemeinen entfremdet wieder.

* Es handelt sich um eine etwas erweiterte Version dieses Textes.