Sie können es nicht lassen

Am 17. Februar 2020 lief in der ARD (in der Mediathek noch bis 18.03.2020 verfügbar) eine Dokumentation über das Fußball-Freundschaftsspiel der israelischen Nationalmannschaft gegen Borussia Mönchengladbach im Februar 1970 und welche politische Wirkung dieses Spiel hatte. Diese 90 Minuten Fußball erreichten für die Verständigung und Normalisierung des Verhältnisses zwischen Deutschland und Israel mehr als die vielen Jahre vorheriger Diplomatie zusammen.

Ein sehenswerter Film – wegen der fußballerischen Hintergründe, der Lebenshintergründe der Trainier Weisweiler und Schaffer, der Beschreibung der sportlichen Entwicklung im Land usw. – der leider doch wieder geschichtsfälschende Elemente enthält, die dazu beitragen, dass Israel als böser Besatzer da steht, der den Palästinensern Unrecht tut. So erklärt der Historiker Wolfgang Kraushaar bei Minute 16.12, nachdem er die fast korrekte Begründung für den Präventivkrieg lieferte: „Dieser [Sechstage-] Krieg endete mit einem Gebietsverlust und zwar der Palästinenser.“

Was für ein Quatsch!

Die „Palästinenser“ konnten kein Gebiet verlieren, weil sie gar keins hatten!

„Gebiet verloren“ hatten Ägypten, Jordanien und Syrien. Das ist historische Tatsache. Alles andere ist Unsinn, ideologische Täuschung.

„Daraus“ – der Niederlage, dem Gebietsverlust – so Kraushaar, zogen bestimmte radikale Palästinenser den Schluss, man müsse auf eigene Weise etwas militärisch dagegen unternehmen müsse. Diese Konsequenzen könnten nicht darin bestehen Kommandoaktionen durchzuführen, weil man den Israelis militärisch hoffnungslos unterlegen sei, sondern man müsste Nervpunkte treffen und hat deshalb vorgeschlagen Flugzeuge zu entführen.

Alles auf dem Mist der Palästinenser und auch da nur dem von ungenannten „bestimmten Radikalen“ gewachsen? Kein Wort davon, dass die arabischen Staaten als Ganzes diesen Kurswechsel initiiert und getragen haben, daran beteiligt waren, mitmachten, z.B. dadurch, dass die entführten Flugzeuge in ihren Staaten gelandet werden konnten ohne die Täter anzutasten; dass die Terrorgruppen finanziert und angeleitet wurden; dass sie arabische Bevölkerung überall aufgehetzt wurde und die Terroristen bejubelte.

Was für eine verfälschende Darstellung wird hier geboten! Von einem Historiker, einem Wissenschaftler!

Ab Minute 21 geht es um den Anschlag auf das jüdische Seniorenwohnheim in München. Die Täter, sind unbekannt. Und der damalige Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel betont noch heute, man könne nicht wissen, ob es sich um linksextreme Täter handelte oder ob sie ausschließlich aus antisemitischen Beweggründen handelten. (Es gibt genug Hinweise, die belegen, dass es sich um linksextreme Terroristen handelte. Schlimm genug auch die Skandale, die heute die Ermittlungen und das Gedenken an den Anschlag überschatten.)

Es folgt eine „Ungenauigkeit“ (22:44): Am 21. Februar, zwei Tage vor dem geplanten Spiel in Tel Aviv, „explodiert eine Paketbombe im Frachtraum einer Austrian Airlines-Maschine… Der Pilot kann das Flugzeug in Frankfurt notlanden. ie Maschine war auf dem Weg nach Tel Aviv.“ Die Gepäck-Etiketten sagen etwas anderes: Die Maschine sollte von Frankfurt nach Wien fliegen. Was Sinn macht, denn die AUA hatte keine Verkehrsrecht von der Bundesrepublik Deutschland nach Tel Aviv. Eine Suchmaschinen-Anfrage bringt die Fakten: Das Paket hätte eigentlich in einem Flugzeug der El Al von Frankfurt nach Tel Aviv transportiert werden sollen (El Al lehnte den Transport des Pakets ab, weshalb es in einen Flieger nach Wien gesteckt wurde, um von dort nach Israel gebracht zu werden). Warum solche Fehlinformationen?

Das heutige „Narrativ“ bestimmt eindeutig die Schilderung der Nahost-geschichtlichen Aspekte dieser Sendung. Dabei wäre es unglaublich leicht die richtigen Fakten ohne Aufwand zu recherchieren und anzugeben. Aber das geht nicht, weil es nicht „passt“, weil auch Wissenschaftler nicht mehr nachfragen/nachforschen/recherchieren oder ihre Kenntnisse in Schieflage interpretieren und dem Bild damit eine Schieflage geben, das falsche Eindrücke schafft. Selbst wenn es nur „Kleinigkeiten“ unter nicht wenigen richtigen Aussagen sind.

Nachbemerkung:
Insgesamt ist die Dokumentation auch ein Loblied auf Willy Brandt, der mit Regierungsentscheidungen dafür sorgte, dass das Spiel überhaupt stattfinden konnte. Es wird immer wieder betont und herausgehoben, dass Brandt die Beziehungen zu Israel normalisieren wollte. Das stimmt zwar, aber was war 1973? Da handelte Brandt als Feind Israels, der den Amerikanern verbot die Entsatzlieferungen für Israel über Deutschland zu schicken. Nachdem er vorher schon Golda Meirs Bitte um Hilfe für Annäherung bzw. Entschärfung der Lage an die Araber unterschlug. Brandt wollte offensichtlich lediglich einen diplomatischen Fauxpas vermeiden und die offiziellen Beziehungen verbessern, aber er stand alles andere als auf Israels Seite. Das gehörte sicherlich nicht in diese Dokumentation, aber die einseitige Hochjubelei des ersten SPD-Bundeskanzlers ist für jemanden mit etwas Kenntnis der Geschichte doch etwas, sagen wir mal, „problematisch“.

Die unverschämte Verlogenheit der tagesschau einmal mehr offenbart

Am 31. März berichtete (ausgerechnet wieder mal) die BILD-Zeitung online eine Kritik von Andrea Kiewel an der „Berichterstattung“ der tagesschau in der Jüdische Allgemeine vom 28. März. Sie hatte den Raketenangriff aus dem Gazastreifen auf Tel Aviv live miterlebt, unmittelbar nach ihrer Ankunft in Israel. Für die Berichterstattung der ARD zu diesem Vorfall und dem folgenden Tag mit der israelischen Reaktion auf arabische Aggression die hatte sie kein Verständnis. Verständlich. Denn in dem 28-sekündigen Beitrag der tagesschau wurde erst einmal ständig auf Israels Angriffe (die RE!-aktion) durch den Wolf gedreht, Israel zum Aggressor gemacht und ganz am Ende ein winziges Sätzchen angehängt: „Am Montag hatte die Hamas bei einem Raketenangriff ein Haus in Israel zerstört.“ Wo dieses Haus stand und dass dabei 7 Menschen, teilweise schwer verletzt wurden, drei davon kleine Kinder – nichts. Aber vorher in aller Ausführlichkeit Israels Handeln negativ darstellen, das ging. Kiewel regte sich völlig zurecht darüber auf, dass von der tagesschau die Ereignisse auf den Kopf gestellt wurden und ein falscher Eindruck erzeugt wurde. Auch, was Kiewel schon gar nicht mehr schreibt, dadurch, dass der Hamas-Raketenregen noch weiter ging und auch sonst am Grenzzaun jede Menge Gewalttaten un Angriffe durch die Hamas stattfanden.

Die Reaktion der tagesschau ließ erstmal auf sich warten. Sie folgte am 31. März nach den üblichen Mustern (screenshot):

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Der Chefredakteur von ARD-aktuell, Kai Gniffke, der die Verantwortung für die Berichterstattung der tagesschau tragen muss, geriert sich hier auf twitter als Opfer ungerechtfertigter Kritik. Einer Kritik, auf deren Inhalte er nicht mit einem einzigen Wort eingeht! Er pickt sich etwas heraus, was nicht gesagt wurde und „widerlegt“ es. Er geht nicht darauf ein, dass die Reihenfolge nicht stimmte. Er gibt mit keinem Wort zu erkennen, welche wichtigen Einzelheiten der Geschehnisse er ignoriert.

Dieser lapidare „Konter“ wie ist genauso verlogen wie der kritisierte Bericht und hat genauso System:

Der Bericht stellt den Auslöser der Geschehnisse ans Ende, statt an den Anfang. Er berichtet ausführlich über Israels Handeln, während das der Araber nur in knappstmöglichster Weise erwähnt wird, ohne da im Geringsten auf wichtige Einzelheiten einzugehen. Die werden geflissentlich außen vor gelassen. Das ist das System, mit dem die tagesschau in der aus dem arabisch-israelischen Konflikt „berichtet“.

Die Reaktion des Chefs geht auf keinen Punkt der Kritik ein, sondern imagniert sich einen eigenen, der nicht so angeführt wurde. Und den „widerlegt“ er mit einem zwar richtigen, aber völlig unzureichenden Hinweis, der zudem alles weglässt, was das Problem ausmacht. Auch das ist System. So arbeitet jeder „Israelkritiker“, der es nicht nötig hat sein Weltbild durch Fakten stören zu lassen.

Ähnliches kann man denen attestieren, die in den Kommentaren zu Gniffkes Kommentar ihre Lobeshymnen auf die Tagesschau singen. Nicht ein einziger scheint sich mit der Kritik Kiewels beschäftigt zu haben. Es handelt sich bei ihnen um eine reine Echo-Kammer: Tagesschau gut, öffentlich-rechtliche Sender gut, alle Kritiker dumm und ahnungslos. Ein Versuch, die auch hier zuhauf geübten Kritikpunkte irgendwie zu entkräften – Fehlanzeige. Stattdessen mimimi und Diffamierungen gegenüber den Kritikern.

Der stern hat erkannt (staun), dass Gniffke da reichlich sparsam mit der Wahrheit umgegangen ist und dass seine Reaktion auf die Kritik unzureichend ist:

Mit seiner Replik macht es sich Gniffke ziemlich einfach. Er verschweigt, dass der von ihm zitierte Satz erst ganz am Ende des Beitrages kommt, nachdem der Zuschauer zunächst den Eindruck gewinnen musste, Israel sei der Aggressor. Zu dem – zumindest unglücklichen – Aufbau der Meldung sagt der Chefredakteur kein Wort. Eine wirkliche Entkräftung der Kritik Kiewels ist sein Beitrag damit nicht.

Was auch der stern dabei nicht begriffen hat – wie man dort selbst gerne mal so arbeitet? – ist es System ist, wie berichtet wird und wie auch hinterher mit Kritik umgegangen wird, nicht „unglücklich“. Jeder Israelfreund und Medienkritiker kann ganze Balladen davon singen.

Es wird Zeit, dass die Qualitäts-Journaille endlich Qualitätsprüfungen unterzogen und für ihre Verlogenheit zur Rechenschaft gezogen wird. Zum Beispiel mit Entzug der Zwangsgebühren für das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Deutsche Medien berichten über einen Raketenangriff aus dem Gazastreifen auf Tel Aviv

Die Terroristen im Gazastreifen haben am späten Abend des 14. März den Konflikt wieder einmal weiter eskaliert. Zwei Raketen wurden auf den Großraum Tel Aviv geschossen. Beide richteten zum Glück – ganz entgegen der Absichten der Terroristen – keinen Schaden an. Die deutsche Qualitätsjournaille berichtet. Drei Beispiele:

Ein Wunder bei der Süddeutsche Zeitung: Die Reihenfolge des Geschehens stimmt schon in der Schlagzeile und den Inhaltspunkten darunter!

Natürlich beschäftigt sich die SZ zuvörderst mit dem israelischen Gegenschlag  und weidet diesen aus, bevor es ein klein wenig (unvollständige) Info zum arabischen Terrorismus gibt. Zitat:

Die israelischen Streitkräfte bestätigten auf Twitter Angriffe auf mehrere „terroristische“ Ziele, machten zunächst aber keine näheren Angaben dazu.

Wie gehabt: Israelische Angaben werden durch die Wiedergabeart in der Zeitung in Zweifel gezogen, die Anführungszeichen signalisieren dem Leser: Pass auf, hier kommt was, das nicht stimmt. Im Gegensatz dazu werden arabische Angaben teilweise zwar als solche gekennzeichnet, aber nicht gewertet – womit sie als glaubhaft etikettiert sind.

Und dann muss das Ganze am Ende garniert werden. Zuerst mit Informationen aus 2014 sowie den „teilweise gewaltsamen Protesten an der Gaza-Grenze“ (Hervorhebung: heplev), die natürlich ausschließlich mit den Opferzahlen aus dem Gazastreifen versehen sind; und zusätzlich mit einem Verweis auf einen anderen Artikel: Frauen im Nahost-Konflikt. „Es gibt keine Träume in Gaza“.

Es kann ja nicht sein, dass Israel das Opfer ist, die Araber müssen Opfer sein, nicht Täter.

BILD agiert ähnlich: Die Schlagzeile ist grundsolide, faktisch, genauer als in der SZ.

Auch danach folgt viel ausführliche Information über den israelischen Gegenschlag (von den Terroristen übernommen), bevor ein Video aus Tel Aviv während des Raketenangriffs der Terroristen samt Abwehrfeuer folgt und dann ein paar sehr kurze erläuternde Zeilen dazu.

Den Vogel schießt einmal mehr die tagesschau ab. Auf ihrer Internetseite findet sich die politisch passende/gewollte Desinformations-Schlagzeile:

„Im Gazastreifen“ fliegen Raketen. Sonst nicht? Die Inhaltsbeschreibung gibt zwar die Reihenfolge richtig wieder (Angriff auf Tel Aviv, Reaktion Israels), aber auch dort finden sich die üblichen Vokabeln, die Israel als Täter und schlimmer als die Terroristen darstellen: „holte umgehend zum Vergeltungsschlag aus und flog Angriffe“. Die Juden können ja nichts anderes als Rache nehmen und überreagieren. Zum Beispiel dadurch, dass „mehrere Ziele“ im „Gazastrafen“ bombardiert wurden. Tel Aviv wurde nicht bombardiert. Und ob „Gazastrafen“ ein harmloser Tippfehler ist, darüber könnte mancher gerne spekulieren.

Natürlich darf auch bei der tagesschau nicht fehlen, dass die israelische Kategorisierung der Ziele im Gazastreifen in Anführungszeichen gesetzt wird, um sie in Zweifel zu ziehen. Dass es „mindestens 4 Explosionen“ gegeben hat, „davon eine besonders schwere in der Stadt Gaza“, gibt dem Ganzen auch wieder den Anstrich der Übertriebenheit der israelischen Reaktion. Was sind 4 Explosionen, eine davon besonders schwer, schon gegen zwei harmlose Raketen?

Und auch hier wieder die Garnierung mit einer Rechtfertigung für den Terror durch das Einklinken eines Links zu einer „Zusatzinformation“:

Die Opfer sind die Araber. Nicht die Israelis. Die Juden sind die Täter. Das wird dem Medienkonsumenten-Michel auch bei Eskalationen durch die Terroristen immer schön eingehämmert.

Die deutschen Medien und die Dämonisierung Israels

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die ARD hat der Saga der von Joachim Schröder und Sophie Hafner produzierten Antisemitismus-Dokumentation Auserwählt und ausgeschlossen: der Hass auf Juden in Europa neue Manipulationen hinzugefügt. Der von der EU subventionierte deutsch-französische, öffentlich-rechtliche Fernsehsender ARTE hatte diese Dokumentation über das ARD-Mitglied WDR in Auftrag gegeben.

Soweit bekannt hatte der WDR keine Einwände, bevor er die Dokumentation an ARTE weiterleitete. Dieser lehnte den Film jedoch ab und behauptete er habe professionelle Mängel und entspreche nicht dem vertraglich festgelegten Auftrag.

Daraufhin stellte die größte deutsche Zeitung BILD die Dokumentation 24 Stunden lang online – ohne das Copyright dafür zu haben. Von dort aus wurde die Dokumentation auf YouTube hochgeladen.[1] In Reaktion auf die öffentliche Aufmerksamkeit entschied sich die ARD die Dokumentation am Abend des 21. Juni auszustrahlen.

Der Film wurde auf eine nie da gewesene Weise entstellt. Es gab eine Einführung, die den Zuschauer anleitete, wie er die Dokumentation zu betrachten habe; zusätzlich blendete der WDR ständig Kommentare ein, die die Richtigkeit einzelner Elemente in Zweifel zogen. Darüber hinaus stellte der WDR am Tag vor der Sendung einen „Faktencheck“ auf seine Internetseite, der fast 30 „Fehler“ oder „Unwahrheiten“ aufführte.[2] Einige dieser „Faktenchecks“ sind schon auf den ersten Blick haltlos. Viele weitere werden überzeugend bestritten.[3] Zudem schrieb NGO Monitor dem WDR einen Brief, der detailliert anführte, dass der Sender die Organisation in ihrem Faktencheck verleumdet hatte. NGO Monitor verlangte eine sofortige Rücknahme dieser Anmerkungen.[4]

Danach beging die ARD eine weitere Manipulation. Nach der Ausstrahlung der Dokumentation veranstaltete sie eine Diskussionsrunde mit der bekannten Talkmasterin Sandra Maischberger.[5] Die Produzenten der Dokumentation waren jedoch nicht eingeladen daran teilzunehmen. Die Zusammensetzung der Runde war unausgewogen. Ihr gehörten drei prominente Israelkritiker an, dagegen standen zwei pro-israelische Experten. Zudem repräsentierte WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn seinen Sender.

Die Qualitätszeitung DIE WELT schrieb, dass von den Diskussionsteilnehmern nur die beiden Pro-Israelis als Experten angesehen werden können: der Historiker Michael Wolffsohn und der heute in Berlin lebende israelische Araber Ahmad Mansour. Über diesen hieß es in dem Artikel: „Kaum jemand weiß mehr über den islamischen Antisemitismus in Europa.“ Über einen der anderen wurde geschrieben; „Rolf Verleger [ein Psychologie-Professor] qualifizierte sich einzig und allein für die Runde, weil er ein Jude ist, der Israel kritisiert.“

Dann gab es die Journalistin Gemma Pörzgen, eine „Expertin für die Apartheidpolitik in Südafrika und für Osteuropa“. Sie hatte den Film bereits auf Facebook scharf als „unsägliches Machwerk von Überzeugungstätern“ kritisiert. Der dritte antiisraelische Teilnehmer war der frühere CDU-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm. Über ihn schrieb DIE WELT: Er „ist dabei, weil er immer dabei ist. Und weil er sich als Israel-Kritiker profiliert hat.“[6] Blüm ist außerdem jemand, der den Holocaust indirekt umkehrt. 2009 zog er eine Verbindung zwischen der Judenverfolgung durch die Nazis und Gräueltaten gegen Palästinenser.[7]

2002 konstatierte Blüm, der jüdische Staat führe einen „Vernichtungskrieg“ gegen die Palästinenser.[8] Schon Jahrzehnte vor dem Einmarsch in die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg wurde dieser Begriff für den deutschen Völkermord an den Hereros in Südwestafrika verwendet.

Blüms aufstachelnde und falsche Äußerung über Israel ist repräsentativ für die damalige Meinung einer großen Mehrheit der Deutschen. 2004 führte die Universität Bielefeld in Deutschland eine Meinungsumfrage durch; darin wurde gefragt, ob man mit der Äußerung übereinstimmt, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt. Achtundsechzig Prozent der Befragten stimmten dem zu.[9]

Von derselben Universität wurden 2011[10] und 2014[11] zwei weitere Studien wurde durchgeführt. Die Zahl der Deutschen, die der Äußerung zustimmen, hatte sich auf 48%, dann auf 40% verringert. Weitere Umfragen durch die Bertelsmann-Stiftung und die Universität Bielefeld wollten wissen, ob die Menschen der Äußerung zustimmen, das Israel sich gegenüber den Palästinensern so verhält wie die Nazis gegenüber den Juden. Die Zahl der Deutschen, die dem zustimmten war sehr wechselhaft. 2004 stimmten 51% der Befragten[12] zu, 2007 dagegen waren es 30%.[13] 2014 stimmten 27% zu[14] und bis 2015 hatte der Anteil der Befragten diesbezüglich auf 41% zugenommen.[15]

Hätten Blüm und die große Anzahl der Deutschen in ihrer Wahrnehmung des erfundenen israelischen Vernichtungskriegs Recht gehabt, dann hätten die Filmemacher bei Besuchen im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem keine palästinensischen Patienten filmen können, die dort behandelt werden. Während des Zweiten Weltkriegs brauchten die Deutschen lediglich zwei Jahre, um in den Vernichtungslagern Treblinka, Sobibor und Belzec zwei Millionen Menschen zu ermorden, vorwiegend Juden.

Nazideutschland dämonisierte die Juden, indem es behauptete sie seien eine minderwertige Rasse. Dutzende Millionen heutiger Deutscher dämonisieren Israel, indem sie die Israelis wie die Nazis ansehen. In vielen anderen europäischen Ländern findet eine ähnliche Dämonisierung Israels statt. Indes sind dort sowohl die Medien als auch die Politiker daran beteiligt diese Atmosphäre geschaffen zu haben.

In Deutschland haben die meisten Politiker aus dem Mainstream mit Ausnahme einiger weniger – wie Blüm oder gelegentlich der sozialdemokratische Außenminister Sigmar Gabriel – sowie der Linken gezögert solch extreme verbale Gewalt und Aufhetzung gegen Israel zu verwenden.

Da Menschen nicht als Israelverleumder geboren werden, ist es offensichtlich, dass Deutschland ein Land ist, in dem die gewaltige Dämonisierung Israels hauptsächlich Teilen der Sende- und Medienfirmen entspringt. Durch ihre nie da gewesene Verstümmelung der Dokumentation von Antisemitismus hat die ARD einem wichtigen Versuch enormen Schaden zugefügt, der versucht dieser Dämonisierung gegenzusteuern.

[1] http://www.youtube.com/watch?v=I0ffyhZ2_TE

[2] www1.wdr.de/unternehmen/der-wdr/unternehmen/doku-faktencheck/doku-faktencheck-gesamt-100.html

[3] http://www.audiatur-online.ch/2017/06/21/das-handwerk-des-antisemitismus/

[4] http://www.ngo-monitor.org/letter-wdr-failure-adhere-journalistic-standards/

[5] http://www.youtube.com/watch?v=HHhQGIMGNWg

[6] http://www.welt.de/vermischtes/article165784062/Muss-ein-Film-gegen-Antisemitismus-in-Europa-pro-juedisch-sein.html

[7] http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/gaza-krieg-bei-plasberg-schlamassel-mit-der-deutschen-schuld-a-602764.html

[8] „Der Vorwurf des Antisemitismus wird auch als Knüppel benutzt,“ Stern, 18. Juni 2002.

[9] Wilhelm Heitmeyer, “Texte zu Ergebnissen der Umfrage 2004 des Projektes” (Universitaet Bielefeld, Institut fur interdisziplinare Konflikt- und Gewaltforschung, 2004)

[10] library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf.

[11] „Zusammenfassung zentraler Ergebnisse,“ Friedrich Ebert Stiftung/Universität Bielefeld, 20. November 2014.

[12] Aribert Heyder/Julia Iser/ Peter Schmidt: Israelkritik oder Antisemitismus? Meinungsbildung zwischen Öffentlichkeit, Medien und Tabus, In: Wilhelm Heitmeyer (Hg.): Deutsche Zustände. Frankfurt am Main (Suhrkamp) 2005, S. 144ff.

[13] www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_LW_Germany_and_Israel_today_2015.pdf, p.35

[14] „Zusammenfassung zentraler Ergebnisse.“ Friedrich Ebert Stiftung/Universität Bielefeld, 20. November 2014.

[15] www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_LW_Germany_and_Israel_today_2015.pdf. p.35

Markus Rosch und sein Film zur Evakuierung des Zoos von Khan Junis im Gazastreifen

Ulrich Sahm, 25. August 2016 (über Facebook)

Markus Rosch verlautbart:

Mohammed Eweda, Zoo-Direktor: „Nach dem letzten Krieg kamen einfach keine Besucher mehr. Viele konnten sich das nicht mehr leisten. Die Arbeitslosigkeit ist hier hoch. Es fehlt an Geld.“

Rosch: „…Tiere in einen jordanischen Zoo zu bringen“ Gezeigt wird ein betäubter Affe, der in Israel bleiben soll, was Rosch verschweigt.

Schwenk nach Khan Younis. Kinder.

Rosch: „Die zweitgrößte Stadt im Gazastreifen verliert ihren Zoo. Und für die vielen Kinder hier, die durch drei Kriege in den letzten Jahren gezeichnet sind, wird das Leben noch karger.“

Ich verstehe nicht. Eben hatte er doch behauptet, dass seit dem letzten Krieg 2014 „keine Besucher mehr kamen“. Wieso wird dann deren Leben „noch karger“, wenn Sie ohnehin den Zoo nicht mehr besucht haben????

Dem Tiger Laziz steht eine lange Reise bis Südafrika bevor.

Wieso verschweigt Rosch, dass der auch nicht nach Jordanien gebracht wird, sondern per EL AL vom Ben Gurion Flughafen abfliegen wird? Das hat mir die auch von Rosch interviewte Indra Kley am Telefon erzählt.
Entweder hat dieser Tel Aviv-Korrespondent nicht gefragt oder alle Israel-relevanten Infos wegzensiert. Wie neulich bei der Wassergeschichte, scheint das bei Ihm System zu sein, selbst wenn es sich um eine nette Geschichte über einen Zoo handelt.

(Ein vernünftiger Bericht über den Zoo und die Evakuierung ist bei Audiatur online zu finden.)

ARD änderte Stellungnahme zum Wasserfilm

Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 19. August 2016 (direkt vom Autor)

Markus Rosch von der ARD änderte im Nachhinein seine Stellungnahme zu dem am 14.8. ausgestrahlten Film zur vermeintlichen Wassernot unter Palästinensern. Er hat eingefügt: „Die Dreharbeiten zu den Beiträgen fanden ab dem achten August statt.“ Das ist eine wichtige Angabe, weil es wegen eines „hohen jüdischen Feiertags“ angeblich nicht möglich war, Reaktionen israelischer Sprecher einzuholen.

Rosch verwickelt sich mit dieser Angabe in weitere Widersprüche, denn zwischen dem 8. August und dem Sendedatum gab es keinen jüdischen Feiertag. Schlimmer noch. Seine Lüge, weshalb er keinen Israeli filmen konnte, hat er aus der neu aufgefrischten Stellungnahme nicht gelöscht: „Was wir in diesem Zusammenhang aufrichtig bedauern – und künftig anders machen werden – ist, dass wir es versäumt haben, die israelische Seite durch einen eigenen O-Ton zu Wort kommen zu lassen. Grund dafür war, dass wir wegen eines hohen jüdischen Feiertages nicht in einer der angefragten Siedlungen drehen durften und uns auch die angefragten Experten abgesagt haben.“

Der einzige jüdische Feiertag fand erst am Sendetag, dem Sonntag 14.8. statt.

Neu hinzugekommen ist folgender Passus: „Die Debatte um den Beitrag zeigt, um welch sensibles Terrain es sich hier handelt. Wir bleiben deshalb an diesem wichtigen Thema weiter dran und werden nach Abschluss unserer Recherchen weiter darüber berichten.“

Andere nachweisliche Falschdarstellungen wurden in der neuen Version der Stellungnahme belassen, so zum Beispiel, die Behauptung, dass eine Reaktion der Abgeordneten Michaela Engelmeier nicht auf Facebook zu finden gewesen seien.

Zahlreiche Kritiker hatten dazu angemerkt, dass die Tagesschau es versäumt hatte, auf ihre eigene Facebook-Seite zu schauen.

Meine Antwort auf die ARD – „Nachbemerkungen zu unseren Beiträgen über Wassermangel im Westjordanland, Tagesschau und Tagesthemen vom 14.8.2016“

ARD/BR hat auf die Kritik an ihrem Lügenbericht in der tagesschau/den Tagesthemen vom 14. August reagiert: http://blog.br.de/studio-tel-aviv/2016/08/15/stellungnahme-zur-kritik-am-tagesthemen-beitrag-vom-14-08-2016.html. Darin wurde auch Ulrich Sahm angegriffen. Er kontert:

Von Ulrich Sahm, Jerusalem, 16. August 2016 (direkt vom Autor)

Mitte Juni wurde der Bruch einer Wasserleitung gemeldet. Das habe zu zeitweiligen Engpässen bei der Wasserversorgung geführt. Der Grund war Wasserdiebstahl, was zum Bruch der Hauptleitung nach Salfit führte.

Am 28.7. wurde der Radiobericht des BR gesendet: Der Streit ums Wasser ARD Studio Tel Aviv am 28/07/2016 um 06:00 Uhr

Wie der reine Zufall so will, wurden der gleiche Ali Osman und der gleiche Clemens Messerschmid (nicht „Wasserschmid“ wie bei der unfehlbaren ARD) interviewt, die fast 3 Wochen später dann auch in Tagesschau und in den Tagesthemen auftauchten.

Das Filmchen über einen Rohrbruch hat Cogat auf Facebook am 15.6. gepostet: https://www.facebook.com/cogat.israel/posts/1027620780666939

Am 21. Juli berichtet Cogat erneut über Wasserdiebstahl durch Palästinenser in der gleichen Gegend: https://www.facebook.com/cogat.israel/posts/1049708118458205

In dem Bericht vom 26.6. schreibt die Jerusalem Post über die palästinensischen Verantwortlichkeiten für die Wasserknappheit: Wasserdiebstahl (5 Millionen m³ Wasser pro Jahr), Verweigerung von Gesprächen mit den Israelis, 20-40% mehr Bedarf vor allem für die Landwirtschaft (nicht zum Duschen und Trinken). Um den erhöhten Bedarf zu decken, habe Israel Maßnahmen ergriffen, die aber nicht umgesetzt werden könnten, solange die Autonomiebehörde keine Genehmigung für eine Modernisierung der Infrastruktur gegeben habe. Ohne palästinensische Erlaubnis können die Israelis nicht tätig werden. Die Folgen dieser Weigerung trafen besonders das palästinensische Dorf Salfit. Wasser habe genauso in jüdischen Siedlungen in der Gegend gefehlt: Shiloh, Ariel, Yitzhar, Eli, Kedumim, Itamar, Elon Moreh und Rechilim. Am Freitag (24.6.) habe es in mehreren Siedlungen gar kein Wasser gegeben. Es handelte sich also nicht um eine Maßnahme gegen Palästinenser, sondern um ein allgemeines Problem der Infrastruktur, von der Siedler genauso betroffen waren. Genau in dieser Zeit hat Mahmoud Abbas die Israelis von dem Europäischen Parlament bezichtigt, palästinensische Brunnen zu vergiften. Dieses hat Abbas innerhalb von Stunden widerrufen.

Die ARD hat nicht verraten, wann sie den Rundfunk/Fernsehbericht angefertigt hat.

„Als wir gedreht haben, galt der Rohrbruch als repariert.“ Der nicht erwähnte Rohrbruch „galt“ also als repariert. Warum hat dann die Stadtverwaltung von Salfit das Wasser nicht fließen lassen?

Es heißt in dem BR-Bericht wörtlich: „Nur noch ein- bis zweimal in der Woche pumpen die örtlichen Wasserwerke Trinkwasser in den Stadtteil, in der Familie Osman lebt. Alle Haushalte füllen dann ihre Tanks: Das Wasser muss dann solange reichen, bis die Stadtwerke das nächste Mal den Hahn für diesen Teil der Stadt aufdrehen. In Zahlen heißt das: 167 Liter pro Tag für eine sechsköpfige Familie. In Deutschland liegt der durchschnittliche Verbrauch pro Kopf und Tag bei 126 Litern.”

Darf ich also annehmen, dass das ARD Team gefilmt hat, just bevor die Stadtverwaltung wieder Wasser geliefert hat?

Waschmaschinen: Ich frage erneut, warum denn „früher“ genügend Wasser für die Waschmaschine vorhanden war und jetzt nicht mehr. Da gemäß allen offiziellen Angaben das Wasser früher noch knapper war als heute, müsste man mal prüfen, wie alt die Waschmaschine ist, die Familie Osman allein aus „Hoffnung auf Normalität“ gekauft hat. Wer kauft sich teure Geräte, wohl wissend, sie mangels Wasser nicht benutzen zu können? Die ARD behauptet: „Diese Menschen haben eben noch immer Hoffnung auf Normalität.“

Da Ali Osman hier der einzige „Kronzeuge“ ist, müsste man wenigstens prüfen, ob auch bei anderen in Salfit das Wasser fehlt, oder ob es nur ein Problem in Osmans Stadtteil ist.

Bei einer Pressetour nach Ouja bei Jericho stellte sich heraus:

1) Keiner der Bürger hatte eine installierte Wasseruhr, also zahlte keiner für seinen Wasserkonsum.

2) Der Bürgermeister zeigte (aufgrund meiner Nachfrage) den Journalisten eine happige Wasserrechnung aus Ramallah(!). Diese Rechnung sollten die Europäer bezahlen, da er kein Geld dafür habe. Kein Wunder, da seine Bürger nichts bezahlt haben.

3)  Aus diesem Grund wäre es sinnvoll gewesen, auch Ali Osman nach seinen Wasserrechnungen zu befragen, um seinen früheren Wasserverbrauch zu prüfen. Es geht hier um die grundsätzlichste Recherche. Ebenso hätte der Verantwortliche für Wasserfragen in der Stadtverwaltung von Salfit befragt werden können. Der war gewiss nicht durch „hohe jüdische Feiertage“ verhindert.

4) Niemand bezweifelt, dass die Palästinenser kein Wasser im Überfluss haben, obgleich es durchaus ausreicht, zahlreiche Swimmingpools zu füllen, Straßen mit Wasserstrahl aus dem Hydranten abzuspritzen (mehrfach in Bethlehem gesehen, auf dem Krippenplatz und vor einer Woche an einer der Hauptstraßen). Es reicht für die netten Wasserfontänen in Hebron und anderswo. Der Bericht wäre aufrichtiger gewesen, wenn einerseits die Wasserverschwendung und andererseits die Knappheit gezeigt worden wäre. Denn es gibt beides. Und hat nicht die ARD selber mal eine große Reportage über die reichen Leute im Westjordanland gebracht, mitsamt ihren Pools?

5) Was den Namen der Familie Osman angeht: Nein, darüber sollte man sich nicht lustig machen. Aber wieso heißen einige „Iraki“ und sehr bekannte Palästinenser „el Masri“, auf gutdeutsch „der Ägypter“ usw. Es gibt viele Beispiele für die Herkunft waschechter arabischer „Palästinenser“, die man anhand der Namen sehen kann. Zum Beispiel der Präsident des lutherischen Weltbundes. Der stammt aus Jerusalem und heißt Younan (der Grieche). In Deutschland gibt es das genauso. Jeder Adelige ist nach seinem Herkunftsort („von“ XYZ, oder Graf von XYZ) benannt. Und darf ich ungeprüft vermuten, dass unser Innenminister französische Ursprünge hat? Gleiches Spiel können sie bei den israelischen „Toledanos“ spielen, die heute sogar einen spanischen Pass beantragen dürfen oder den zahlreichen Spiros, Schapiras usw, deren Wurzeln mal in Speyer lagen. Das ist alles sehr irrelevant. Aber wenn ein Volk von sich behauptet, „Ureinwohner“ und „Eingeborene“ zu sein, spielt es vielleicht doch eine Rolle, wenn deren Namen anzeigen, dass sie im 19. oder 20. Jahrhundert aus der Ferne eingewandert sind.

6) „Dass ihr Leiden auf so wenig Empathie stößt, hat uns sehr verwundert.“
Ich habe viel Empathie für leidende Menschen, aber nicht so sehr, wenn sich herausstellt, dass die Leiden hausgemacht sind. Die ARD meint hier wohl mit „Empathie“, dass Israel beschuldigt werden müsse, und nicht etwa, dass Palästinenser vielleicht für die eigenen Versäumnisse verantwortlich sind.

7) Ali Osman besitzt ein anständiges Haus und kann sich Mineralwasser aus dem Supermarkt leisten. Wie steht es um arme Bauern oder gar Flüchtlinge, die sich das nicht leisten können? Wir wissen nicht einmal, welchen Beruf Osman ausübt, jedenfalls hat er ausreichend Geld. Es wäre interessant zu erfahren, warum der gut situierte Osman zweimal bei ARD Zeuge der Anklage gegen Israel sein durfte.

8) „Was wir in diesem Zusammenhang aufrichtig bedauern – und künftig anders machen werden – ist, dass wir es versäumt haben, die israelische Seite durch einen eigenen O-Ton zu Wort kommen zu lassen. Grund dafür war, dass wir wegen eines hohen jüdischen Feiertages nicht in einer der angefragten Siedlungen drehen durften und uns auch die angefragten Experten abgesagt haben.“ Hat der von Ihnen erwähnte „hohe jüdische Feiertag“ auch einen Namen? In dieser fast feiertagslosen Sommerzeit gibt es seit Juni nur Tischa Be´av. Und der wurde am 14.8. begangen, am Tag der Aussendung Ihres Beitrags. Es ist unvorstellbar, dass Sie den Film ausgerechnet an einem Sonntag recherchiert, gedreht und ausgestrahlt haben, zumal es drei Wochen zuvor schon den Radiobericht gab. Es wäre auch hilfreich zu erfahren, bei welchen israelischen Experten Sie angefragt haben. Nur so könnte man nachforschen, warum die alle abgesagt haben. Der Fastentag wäre kein triftiger Grund gewesen.

9) „Dass Wassermangel aufgrund mangelnder Verteilungsgerechtigkeit in Salfit und vielen Orten der Westbank Alltag ist, belegen auch diverse Berichte von unabhängigen Organisationen wie z.B. der Weltbank. http://siteresources.worldbank.org/INTWESTBANKGAZA/Resources/WaterRestrictionsReport18Apr2009.pdf West Bank & Gaza – World Bank Publishes Assessment of Restrictions on Palestinian Water Sector Development http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/weltbank-bericht-palaestinenser-verlieren-jaehrlich-milliarden-durch-besatzung-12671307.html.” Diese Texte sind mir alle wohlbekannt. Wenn ich die ARD richtig verstehe, ist es den Palästinensern zum Beispiel in der “fruchtbaren Jordansenke” richtig gut gegangen, als sie noch “frei” waren, ehe die israelischen Besatzer kamen. Da stimmt was nicht, denn die Jordanier waren genauso „Besatzer“ und davor die Briten und davor 400 Jahre lang die Osmanen. Bei meiner ersten Fahrt 1968 durch das westliche Jordantal (auf der israelisch besetzten Seite) war es eine desolate Wüste. Erst unter den Israelis wurden über 90% der Haushalte im Westjordanland an fließendes Wasser angeschlossen.

„Den Vorwurf von Uli Sahm in der Internetplattform von honestly concerned, der von vielen nachfolgenden Kritikern unhinterfragt fast wörtlich übernommen worden ist, Herr Messerschmid hätte behauptet „Israel hätte Staudämme gebaut, um dann Gaza zu fluten“ streitet Clemens Messerschmid als „fabriziert“ vehement ab. Er distanziert sich auch von anderen, nach eigenen Aussagen, „fabrizierten und nicht belegbaren Behauptungen.“ Einen Mailwechsel zu dieser Kontroverse aus dem Jahre 2013 hat Herr Messerschmid uns vorgelegt.“

Dieser Briefwechsel liegt auch mir vor. Meine erste Mail an Herrn Messerschmid habe ich am Donnerstag, 19.Dezember 2013 um 20:31 Uhr geschickt: „Sehr geehrter Herr Messerschmid, ein Bekannter hat mir empfohlen, dass ich mich an Sie wenden sollte, wegen der Überschwemmungen in Gaza (Rafah und Deir el Balah). Wissen Sie etwas von israelischen Staudämmen, die gebaut worden seien, um den Palästinensern Wasser vorzuenthalten und die jetzt beim Wintersturm geöffnet worden seien, um die Palästinenser zu überschwemmen? Arabische und iranische Medien berichteten. Die Israelis dementierten.”

Herauf antwortete er am 20.12 um 09:35 Uhr:

„Tja, Herr Sahm

nix Genaues weiss ich auch nicht.

Sie meinen wohl technische Details ueber die flood gates…Amira (Hass vom Haaretz, U.S.) hat mich auch schon gefragt und ich musste passen.

die wenigen Dinge, die ich Weiss:

– Israel faengt tatsaechlich den Abfluss aus dem Wadi Hebron-Wadi Besor(Isr)-Wadi Gaza so weit es geht ab. Wenn ich recht im Kopf habe, etwa 12.3 Mio Kubikmeter im Jahr – also stattlich, wenn man bedenkt, dass das zufaellig genau die Menge aller Brunnen ist, die wir seit Oslo in der West Bank bohren konnten.

– Es ist nicht das erste mal, dass Wadi Gaza ueberflutet.

– Das Design ist leider genau so, dass Israel allen ruhigen (nutzbaren) Abfluss fuer sich allein zurueckhaelt, aber den (zerstoererischen) Strom-Runoff, Starkregenabfluss, dann ueber die Kammkannte nach Gaza ablaesst. –> Gaza kriegt also per design immer nur die Flash floods ab.

– Das ist seit vielen Jahren so. Leider spitzt sich aber in Gaza selbst die lage immer mehr zu.

– Immer leute fangen aus Verzweiflung und im Chaos der Zustaende an, IM Wadi selbst zu siedeln (squatten). Das muesste unterbunden werden, aber wer hat schon Ausweichunterkuenfte fuer sie.

– Vor Jahren sollten storm conductance pipes verlegt werden – das wurde auch fleissig von gebern (UN? ich weiss nicht mehr) begonnen, brach aber nach der verhaengung der Totalblockade vor 6 Jahren rapide ab. (Baustoffmangel, etc. – man kennt’s ja zum Ueberdruss). Hier liegt also eindeutig auch eine Verantwortung Israels (und uns Gebern, die wir uns das klaglos gefallen lassen!). Zuverlaessige Freunde berichteten mir von den aufgelassenen,abgebrochenen Baustellen, und wie die Leute aus Gaza dann die „wertvollen“ Bauteile abschleppten…

– Gaza hat natuerlich auch keinen PLATZ (ganz anders wiederum als Israel zw. Beer Sheva und Re’im), um die natuerliche Loesung (Ponder, Auen, Ueberschwemmungs-Feuchtgebiete) anzugehen – Sie kennen die Diskussion ja aus Deutschland (Oberrhein Hochwaesser).

– Und dann noch das Problem der Pumpen, die Strom braeuchten! (Seit November eine E-Werke, bzw.kein Fuel- und dazu Israel’s Strafregime der Unterversorgung – ebenfalls, planvoll, absichtlich…)

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Es gibt ein paar relative zuverlaessige Quellen, die von aktiver Oeffnung von Daemmen sprechen. http://www.ewash.org/en/?view=79YOcy0nNs3D76djuyAnkRVT

Aber aktiv wissen tun wir es nicht. Ich enthalte mich da immer einer Vermutung.

Fuer mich steht aber nach all dem oben Aufgefuehrten fest, dass die eventuelle aktive Oeffnung der Schleusen nur die Spitze eines gewaltigen Eisbergs waere und somit vom eigentlichen Skandal ABLENKEN, der ja im Design verankert ist.

Ich vermute, dass, wenn Israel das Wasser nutzbringend auffangen koennte, es dies auch mit Sicherheit getan haette. Nur hier war die Flut zu stark…

Alles unklar?

Clemens Messerschmid“

Hierzu einige Anmerkungen:

– Israel fängt also doch Wasser ab. Dazu braucht man Mauern oder eben Dämme, die nicht zu finden waren und von den Israelis dementiert worden sind. Messerschmid weiß nichts von solchen Staudämmen, aber er kennt die von Israel so abgefangene Wassermenge.

– Er kennt zwar nicht diese Dämme, aber er kann sich ausführlich zu deren Design äußern: „aber den (zerstoererischen) Strom-Runoff, Starkregenabfluss, dann ueber die Kammkannte nach Gaza ablaesst“. Welch unglaubliche wissenschaftliche Erkenntnis! Wenn ein (nicht existentes) Staubecken vollgelaufen ist, dann fließt das Wasser über die Kante ab. Das ist nun einmal so. Daraus aber zu folgern, dass die Israelis das bewusst tun, um Gaza zu überschwemmen, ist eine heftige Unterstellung. Es sollte Messerschmid und der ARD bekannt sein, dass Israel nicht einmal fähig ist, schwere Überflutungen in Tel Aviv zu verhindern. Und selbst die tollen Amerikaner sind ziemliche Stümper: Siehe die Überschwemmungen in Louisiana. Oder die Deutschen bei Dresden oder entlang des Rheins. Hierzu auch noch ein Kommentar zu den Überschwemmungen in Gaza: https://medforth.wordpress.com/2013/12/19/kommentar-israel-uberflutet-den-gazastreifen/

– Verwunderlich war für mich, dass jemand im Dienst und Lohn deutscher Regierungsbehörden steht, darunter viele deutsche und einige internationale Organisationen und Stiftungen (GIZ, DED, KfW, CIM; Weltbank, USAID, UN), und dann die Einladung zum Empfang aus Anlass des 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) der Vertretung in Ramallah, im Mövenpick ausgerichtet, aus ideologischen Gründen ausschlägt. In einer Mail vom 22.12.2013 um 18:35 Uhr schrieb er: „Dass Sie mich am 3. Oktober nicht trafen, ist kaum verwunderlich. Am 3. Oktober feiere ich naemlich nicht – Sie schon? Und noch dazu im Moevenpick!?“

– Wenn Messerschmid bei Muslim Markt auftritt, für die palästinensische Kampfseite „electronic intifada“ schreibt und ansonsten sehr anti-israelische Äußerungen an verschiedenen Stellen hinterlassen hat, sollte er sich nicht wundern, wenn das auch seine „Reputation“ als Wasserexperte in Frage stellt. Dass er Landeszentralen, Schulbuchverlage und Abgeordnete nahezu aller Fraktionen berät, sagt nichts aus über seine Glaubwürdigkeit. Gewisse Staudämme nicht zu kennen, sich dann aber ausführlich über deren Design zu äußern, mitsamt der bösen israelischen Absicht, damit den Palästinensern zu schaden, ist ein Widerspruch in sich.

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Auch tapfer in nirgendwo hat auf die Reaktion reagiert:
Tapfer im Nirgendwo antwortet der ARD Tagesschau