Dreist gelogen oder einfach nur zu blöde? Die ARD, ihre tagesschau, und die Wasser-„Berichterstattung“

Am 14. August brachte die ARD in tagesschau und Tagesthemen einen „Bericht“ über die Wasserknappheit im „Westjordanland“ – natürlich nur über die bei den „Palästinensern“. Und es wurde mehr als deutlich gemacht, dass daran die Israelis schuld sind, bei denen Wasser im Überfluss sprudelt.

Der Bericht hatte reichlich Kritik zur Folge, unter anderen von Ulrich Sahm, von Gerd Buurmann und vielen anderen. Buurmann zeigte auch, dass eine Bundestagsabgeordnete der tagesschau Lügen vorwarf.

Die Kritik war so massiv, dass die verantwortlichen Redakteure veranlasst sahen eine Stellungnahme abzugeben. Diese strotzte derart vor Selbstgerechtigkeit, dass man versucht sein könnte zu fragen, wo diese Leute ihr Hirn haben:

ARD-TA-160814

Nachbemerkungen zu unseren Beiträgen
über Wassermangel im Westjordanland,
Tagesschau und Tagesthemen vom 14.8.2016

Zu den oben erwähnten Beiträgen erreichten uns dermaßen viele Anfragen, Kommentare und Kritik, dass wir dazu Stellung beziehen möchten.

Wir schätzen das Interesse und die kenntnisreichen Hinweise unserer Zuschauerinnen und Zuschauer sehr.
Wir nehmen uns berechtigte Kritik zu Herzen, berücksichtigen sie und lernen daraus. Allerdings bitten wir darum, dabei auf sachlicher Ebene zu bleiben.

Beim Thema Wasserversorgung in den palästinensischen Gebieten scheinen wir jedenfalls einen hochsensiblen Nerv getroffen zu haben, der einiger Richtigstellungen bedarf.

Die wohl schwerwiegendste Kritik an unserem Beitrag bezieht sich darauf, dass wir Bilder manipuliert hätten, in dem wir den Wassermangel in Salfit während eines aktuellen Wasserrohrbruches gedreht hätten. Diese Mutmaßung von einem der ersten Kritiker des Beitrages, noch in der vergangenen Nacht, wurde in den sozialen Netzwerken unhinterfragt übernommen und entwickelte sich dort zu einer festen Behauptung. Bis hin zum sehr vorbelasteten Begriff der „Lügenpresse“. Dazu müssen wir sagen: Diese Unterstellung ist falsch! Als wir gedreht haben, galt der Rohrbruch als repariert.

Wir verwahren uns somit dagegen, dass man uns einer solchen Manipulation bezichtigt. Vor allem aber sind wir traurig darüber, dass unseren palästinensischen Protagonisten Lügen unterstellt werden. Im Sinne von: „Warum haben sie denn Waschmaschinen gekauft, wenn sie wissen dass die nicht funktionieren?“ etc. Diese Menschen haben eben noch immer Hoffnung auf Normalität. Sie leiden unter Wassermangel. Dies ist ein Fakt, den sie dem deutschen Publikum erzählt haben. Man sollte sich nicht darüber lustig machen. Auch nicht über den Namen der palästinensischen Familie.
Dass ihr Leiden auf so wenig Empathie stößt, hat uns sehr verwundert.

Dass Wassermangel aufgrund mangelnder Verteilungsgerechtigkeit in Salfit und vielen Orten der Westbank  Alltag ist, belegen auch diverse Berichte von unabhängigen Organisationen wie z.B. der Weltbank.

http://siteresources.worldbank.org/INTWESTBANKGAZA/Resources/WaterRestrictionsReport18Apr2009.pdf

West Bank & Gaza – World Bank Publishes Assessment of Restrictions on Palestinian Water Sector Development

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/weltbank-bericht-palaestinenser-verlieren-jaehrlich-milliarden-durch-besatzung-12671307.html

Der zweite Vorwurf, der ebenfalls wie der erstgenannte auf eine Kritiker-Behauptung zurückzuführen ist, und der im Laufe der Diskussion ebenfalls ohne weitere Diskussion als Tatsache dargestellt wurde, ist: Der im Beitrag interviewte deutsche Hydrogeologe Clemens Messerschmid sei nicht glaubwürdig. Auch hier stellen wir uns mit Nachdruck vor unseren Interviewpartner, der wie wir selbst von den Angriffen auf seine Reputation schockiert ist.

Clemens Messerschmid arbeitet seit fast 20 Jahren vor Ort als Hydrogeologe für viele deutsche und einige internationale Organisationen und Stiftungen (GIZ, DED, KfW, CIM; Weltbank, USAID, UN). Er berät auch z.B. Landeszentralen für politische Bildung, Schulbuchverlage und Abgeordnete nahezu aller Fraktionen. In Artikeln unter anderem z.B. für die SZ (10.3.2014, „Wasser und Krieg“) hat er sich mit der Wasserproblematik intensiv auseinandergesetzt. Den Vorwurf von Uli Sahm in der Internetplattform von honestly concerned, der von vielen nachfolgenden Kritikern unhinterfragt fast wörtlich übernommen worden ist, Herr Messerschmid hätte behauptet „Israel hätte Staudämme gebaut, um dann Gaza zu fluten“ streitet Clemens Messerschmid als „fabriziert“ vehement ab. Er distanziert sich auch von anderen, nach eigenen Aussagen, „fabrizierten und nicht belegbaren Behauptungen.“
Einen Mailwechsel zu dieser Kontroverse aus dem Jahre 2013 hat Herr Messerschmid uns vorgelegt.

Was wir in diesem Zusammenhang aufrichtig bedauern – und künftig anders machen werden – ist, dass wir es versäumt haben, die israelische Seite durch einen eigenen O-Ton zu Wort kommen zu lassen. Grund dafür war, dass wir wegen eines hohen jüdischen Feiertages nicht in einer der angefragten Siedlungen drehen durften und uns auch die angefragten Experten abgesagt haben. Wir haben deshalb die israelische Seite aus dem Beitrag unserer ARD-Hörfunk-Studiokollegin zitiert. Die in der Woche zuvor zu diesem Thema mit Yisrael Medad, Sprecher der Siedlung Shilo und COGAT der israelischen Verwaltung für die besetzten Gebiete ein Gespräch geführt hat.

http://blog.br.de/studio-tel-aviv/2016/07/28/der-streit-ums-wasser.html

Aus journalistischer Sicht halten wir dies für inhaltlich weiterhin voll vertretbar. Weil wir davon ausgehen, dass sich die israelischen Argumente in dem kurzen Zeitraum nicht verändert haben. Es ist uns aber bewusst, dass dies für viele Zuschauerinnen und Zuschauer ein Ungleichgewicht an Experten-Tönen dargestellt hat. Wir haben in diesem Fall der Schnelligkeit den Vorrang gegeben. Wir lernen aus Ihren Anmerkungen, dass wir dies künftig anders handhaben.

Auch sei angemerkt, dass unser Beitrag – weil wir eben leider die Siedlerseite (auch zu ihrer Verteidigung) nicht vor die Kamera bekommen haben, bewusst darauf verzichtet, den Wasserverbrauch der Siedler (z.B. Pools, intensive Bewässerung) zu zeigen, sondern lediglich im Halbsatz erwähnte, dass im Sommer Siedlungen überproportional viel Wasser verbrauchen, was auch statistisch belegt ist.

http://www.haaretz.com/israel-news/.premium-1.729777

Schließlich erreichte uns über einen Blog der Aufruf der SPD-Bundestagsabgeordneten Michaela Engelmeier, die in dem Blog „Tapfer im Nirgendwo“ von Gerd Buurmann u.a. damit zitiert wird, die Tagesschau erzähle Unwahrheiten, sie erwarte eine Richtigstellung und die Anrufung des Rundfunkrates.
Dieses Zitat ist allerdings nicht auf der Facebook-Seite der Politikerin wiederzufinden, die sich – wie dort zu lesen ist – offenbar gerade in Rio befindet.
Da sich dieses für uns derzeit nicht zu verifizierende Zitat im Wesentlichen auf die von uns oben bereits richtiggestellten Unterstellungen der Kritiker stützt, sowie in dem besagten Blog noch mit unrichtigen Behauptungen zur Situation zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten sowie Behauptungen/Beleidigungen verbunden ist, wonach die ARD in die „Lügenkiste“ greife, weil es sich bei dem Kürzel ARD in Wahrheit um „Antisemitischer Rundfunk Deutschlands“ handle, wollen wir es an dieser Stelle bei den oben dargelegten Ausführungen belassen.

Für das ARD-Studio Tel Aviv,
Susanne Glass und Markus Rosch

Es dauerte nicht lange, bis dieser irre Schwachsinn auseinandergenommen wurde.

Auf Facebook schrieb ein Elio Adler:

Meine Reaktion auf die Stellungnahme des ARD-Studios:
Sehr erhellend ist der ausführliche O-Ton, den der Journalist, Herr Rosch, vor 3 Tagen auf Twitter gepostet hat. Er fragt wieder und wieder ähnliche, tendenziöse Fragen und muss sogar bei seiner Bemerkung, dass die Israelis sogar ein Geschäft mit der Wasserknappheit der Palästinenser machen würden von seinem Gesprächspartner gebremst werden.
Die trotzig anmutende Stellungnahme zu dem Beitrag vermag nicht zu überzeugen.
a) Der Hydrologe Clemens Messerschmid ist politisch engagiert. Er ist Anhänger der Intifada – wenn auch „nur “ der elektronischen: https://electronicintifada.net/people/clemens-messerschmid

b) Die lapidare Entschuldigung, der anderen Seite wegen eines jüdischen Feiertags kein Gehör verschafft zu haben, läuft ins Leere. Der pro-palästinensische Aktivtist Messerschmidt wurde wahrscheinlich am 11.8. interviewt. Da hätte es genug Zeit gegeben, andere Stimmen zu hören.

c) Zur fachlichen Frage der Wasserverteilung kann ich wenig sagen, außer, dass in den palästinensisch kontrollierten Bereichen – und gerade das lt Hydrologen wasserreichere als London seiende Ramallah liegt da drin – der Brunnenbau keinen israelischen Beschränkungen unterliegt. Die negativ geschilderten israelischen Landwirte verwenden wieder aufbereitetes Wasser (Israel hat die weltweit höchste Wasser-Recyclingquote) und eben KEIN Trinkwasser.
Weitere offizielle Details hier: http://www.botschaftisrael.de/…/aus-aktuellem-anlass…/

d) Subtiler wird es, wenn man sich den Bericht hinsichtlich seiner emotionalisierenden Machart ansieht: Vom süßen, blitzsauberen Mädchen (kann nach dem Feriencamp nicht duschen), bis zum vertraut wirkenden, deutschen Fachmann ist alles ein perfekter pro-Palli-Clip.
Das Antwortschreiben ist ebenfalls emotionalisierend strukturiert: Pseudo-Dank fürs Feedback und dann ein Argument nach dem anderen Abschütteln. Bis schließlich zur Drohung, dass man auch Swimmingpool-Bilder von Siedlern zeigen könne. Stimmt! Hätte man.

e) Michaela Engelmeier, MdB hat mit Ihrer pointierten Meinungsäußerung Recht und ich hoffe, dass ihr noch andere folgen werden.

f) Ich hatte mir von der Stellungnahme (vielleicht naiverweise) etwas in dieser Richtung erhofft : da ein ein „Experte“, von dem wir nicht wussten, dass er Politaktivist ist, uns eine so eindeutig wirkende Story präsentierte und wir den Fehler gemacht haben, uns emotional zu sehr mitreissen zu lassen, haben wir versäumt, etwas genauer hinzusehen. Aber Pustekuchen, statt dessen Nebelkerzen

Schade letztlich auch, dass ein so polarisierender Bericht keinen konstruktiven Beitrag zur Annäherung beider Konfliktparteien bringt. Es GIBT ein Wasserproblem, dessen Linderung ein gemeinsames Ziel von Israelis und Palästinensern sein sollte. Ein solcher Bericht eskaliert aber: Er füttert das Narrativ der einen Seite und vergrätzt in seiner Einseitigkeit die auf der anderen Seite, die zuhören wollen.

Auch Chaya Tal aus dem Gush Etzion hat einiges klargestellt, allerdings noch eher zum Bericht selbst. Dabei stellte sie u.a. auch ein Foto ein, das zeigt, wie sehr so manche PA-Araber unter der Wasserknappheit leiden:

Wasserknappheit_Salfeet

Sie führt allerdings auch einiges auf, wer da welches Wasser verschwendet – nämlich nicht die israelischen Bauern/„Siedler“, denn die nutzen aufgearbeitetes Brauchwasser.

Am intensivsten hat sich wieder tapfer im nirgendwo dem verlogenen Rechtfertigungsschwall gewidmet. Dabei dokumentierte er u.a. die Behauptung der ARD-Korrespondenten, die Kritik der Bundestagsabgeordneten Michaela Engelmeier sei nicht zu finden und daher wohl erfunden.

Vielen Dank für diese Stellungnahme, liebe ARD. Meine Antwort darauf fällt deutlich aus:

Der Kommentar von Michaela Engelmeier findet sich auf der Facebook-Seite der ARD Tagesschau direkt unter dem Artikel zur Wasserversorgung. Der Kommentar von Michaela Engelmeier hat sogar so viele Likes bekommen, dass er prominent und unübersehbar angezeigt wird, um genau zu sein, genau unter Ihrer Stellungnahme, in der Sie schreiben, den Kommentar nicht zu finden.

Dafür gibt es ein Fachwort: Peinlich!

Wenn die Tagesschau es nicht mal schafft, diesen Kommentar auf ihrer eigenen Seite, unter ihren eigenem Bericht, unter der eigenen Stellungnahme zu finden, dann kann es mit der Recherche der Tagesschau nicht so weit her sein.

Wenn die Tagesschau schon daran scheitert, ihre eigene Seite zu lesen, dann möchte ich mir gar nicht ausmalen, wie sehr sie in anderen Bereichen scheitert. Wenn die Tagesschau so über Israel recherchiert, wie sie auf ihrer eigenen Seite recherchiert, dann gute Nacht Qualitätsjournalismus.

Ich nehme daher alles zurück. ARD steht nicht für Antisemitische Rundfunkanstalt Deutschland sondern offenkundig für Arbeitsverweigernde Rundfunkanstalt Deutschland.

Liebe ARD,

wenn Sie immer noch nicht den Kommentar von Michaela Engelmeier finden, lesen Sie meinen Blog, da ist der Kommentar sogar verlinkt und als Screenshot zu sehen.

Und schiebt im Wissen, dass die Qualitätsjournalisten das nicht schaffen nach:

Liebe Redaktion,

Sie schreiben in einer öffentlichen Stellungnahme, ich hätte in meinem Beitrag auf Tapfer im Nirgendwo unrichtige Behauptungen aufgestellt.

Können Sie mir bitte mitteilen, um welche unrichtigen Behauptungen zur Situation zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten es sich handelt?

Ich möchte und werde alles sofort korrigieren.

Vielen Dank,
Gerd Buurmann

Fazit: Die ARD und ihre Qualitätsberichterstatter sind nicht nur einseitig; recherchieren nicht/lassen weg, was ihnen nicht ins Konzept der Hetze gegen Israel passt. Sie sind zumindest an der Grenze zum Antisemitismus, haben ihn teilweise schon überschritten.

Und da fragt es sich wirklich, ob sie nur dumm und ignorant sind oder sich gezielt und willentlich Instrument arabisch-muslimischen Hasspredigens machen. Was wäre schlimmer?

Vielleicht gibt es ja wieder eine Stellungnahme. Ich gehe davon aus, dass das nicht der Fall sein wird. Denn mit der nächsten wird sich wieder nur Arroganz, Ignoranz und weitere unglaubliche Dummheit und Verblödung offenbaren – und selbst diesen Qualitätsjournalisten könnte dämmern, dass das so ist und sie lassen es deshalb sein – was wiederum Bände über das spricht, was sie in ihrem Beruf verbrechen.

Die Große Lüge im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: Wassernot in der ARD-Tagesschau-Redaktion

Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 14. August 2016 (direkt vom Autor)

Die Tagesschau der ARD brachte am Sonntagabend um 20 Uhr ohne aktuellen Aufhänger einen Bericht von Markus Rosch über die „Wassernot“, unter der „viele Palästinenser“ leiden, wie Moderator Jan Hofer verkündete. „Die Ressource ist knapp und wird von den Israelis streng rationiert“, behauptet Hofer weiter. Das Wasser ist gewiss knapp, aber von einer „Rationierung“ kann keine Rede sein!

„Verschärfend komme hinzu, dass Palästinenser keine Baugenehmigungen für Brunnen erhielten, um sich selbst zu versorgen,“ setzt Hofer fort.

Selbstverständlich muss es Genehmigungen für das Bohren von Brunnen geben. Genauso ist es in Deutschland und anderswo. Da kann nicht jeder in seinem Hinterhof nach Gutdünken einen Brunnen bohren oder das Wasser aus dem Rhein, der Elbe oder der Spree abpumpen. Denn sonst würde sehr schnell das passieren, was im Gazastreifen kurz nach dem kompletten Abzug der Israelis 2005 geschehen ist. Sowie die „scharfe Kontrolle“ der Israelis weggefallen war, und die örtlichen Behörden der Palästinenser sich um nichts mehr kümmerten, haben die Menschen nur ein paar Meter tief in den Sand gebohrt, eine Pumpe angeschlossen und schon sprudelte kostenfrei das Wasser ins Haus. Ohnehin war man im Gazastreifen (und teilweise auch im Westjordanland) nicht „gewöhnt“, eine Wasser- (oder Strom-) Rechnung zu zahlen. Das Dumme war, dass der hohe Spiegel des Grundwassers in Gaza ganz schnell sank. Dann floss Salzwasser aus dem Mittelmeer nach. Heute ist 95% des Süßwassers im Gazastreifen ungenießbar. Das einzige Trinkwasser im Gazastreifen pumpt Israel dorthin. Eine „Selbstversorgung“, wie Hofer sagt, indem man Brunnen bohrt, muss in jedem Fall mit allen Beteiligten abgesprochen sein, weil man sonst ganz schnell das Grundwasser unwiederbringlich zerstört und dem Nachbarn das Wasser abgräbt.

Nun zur Reportage von Markus Rosch. Er berichtet über die Ortschaft Salfit, ohne mitzuteilen, wann er die Reportage gedreht hat.

Vor etwa 2 Wochen hat es (wegen schlechter Instandhaltung) einen Rohrbruch bei einer Hauptleitung gegeben. Einige Tage lang war tatsächlich in Salfit wie in Siedlungen, die alle über das gleiche Rohr versorgt wurden, das Wasser knapp.

Rosch erwähnt nicht, dass es sich hierbei um Wasser handelt, das von Israel in das Westjordanland gepumpt wird. Er sagt auch nicht, ob er seine Reportage ausgerechnet während dieses Rohrbruchs gedreht hat. Die emotionalen Darstellungen, des Mädchens, das sich nicht waschen könne, der Vater mit den Wasserflaschen oder die entnervte Schwester, die nicht einmal die Waschmaschine benutzen kann, bedürfen keines Kommentars. Angemerkt sei nur, dass die sich gewiss keine Waschmaschine angeschafft hätte, wenn die Wasserknappheit ein Dauerzustand wäre. Auch der feine tröpfelnde Wasserhahn wirkt nicht so, als würde der nur im Winter nach einem Regenfall benutzt werden.

Rosch schwenkt mit der Kamera in Richtung einer Siedlung und auf das Schild nach Schiloh. O-Ton: „Doch während Siedlungen wie Schiloh, das in der Nähe von Salfit liegt, viel Wasser bekommen, gehen palästinensische Dörfer oft leer aus.“ Anstatt in der Siedlung mal nachzufragen oder mit einem israelischen Hydrologen zu sprechen, bleibt es bei seiner Behauptung, ohne jegliche Nachweise.

Im Gegenteil. Rosch trifft sich mit den deutschen Hydrologen Clemens Messerschmidt.

Über Messerschmidt sei hier erst einmal erwähnt, dass er Empfänge der deutschen diplomatischen Vertretung in Ramallah grundsätzlich aus ideologischen Gründen boykottiert. Er scheint also nicht in deutschen Diensten zu stehen. Das verriet er im Dezember 2014, als es im ganzen Nahen Osten schwere Unwetter mit Schnee in den Bergen und Überschwemmungen in Tel Aviv gab. Selbstverständlich stand wegen der Regengüsse auch der Gazastreifen unter Wasser. Was behauptete damals der diplomierte Hydrologe aus Deutschland? Israel habe Staudämme geöffnet, die es allein gebaut habe, um im Winter den Gazastreifen zu überschwemmen – oder vielleicht besser ausgedrückt – wegzuschwemmen. Tatsache ist, dass es diese von Messerschmidt behaupteten „Staudämme“ gar nicht gibt. Sie waren reine Erfindung. Messerschmidt tritt übrigens auch im „Muslim-Markt“ auf, eine üble anti-israelische Plattform.

Messerschmidt hat sogar recht mit der Behauptung, dass das Bergland im Westjordanland ziemlich regenreich sei. Doch verschweigt er, dass der Regen die unterirdischen Grundwasser-Seen füllt und dass Wasser per Schwerkraft immer nach unten fließt. Anders ausgedrückt: Der Regen fällt im „palästinensischen“ Gebiet, fließt aber unterirdisch nach Westen in Richtung Israel und nach Osten in Richtung Jordan und Totes Meer. Aus Sicht Messerschmidts müssten die Israelis offenbar alles Wasser ihrer Quellen ins Westjordanland pumpen, weil der Regen dort gefallen ist und deshalb den Palästinensern gehöre. Auf Europa übertragen müssten alle Anwohner des Rheins ihre Wasserrechnung an die Schweiz entrichten, weil dort der Rhein entspringt.

Rosch verschweigt zudem, dass Israel heute etwa ein Drittel mehr Wasser in die palästinensischen Gebiete pumpt, als in den Osloer Verträgen festgelegt. Er verschweigt auch, dass etwa 40% des verfügbaren Wassers bei den Palästinensern wegen maroder Infrastruktur verloren geht. In Israel und in Europa sind 10% Wasserverlust „normal“.

Während in Israel etwa 90% das Abwassers geklärt und in separaten Rohren der Landwirtschaft zugeführt wird, haben die Palästinenser Lieferungen billigen geklärten Wassers für ihre Landwirtschaft abgelehnt mit dem Argument: „Eure Sch… wollen wir nicht“. So vergeuden palästinensische Bauern weiterhin kostbares Trinkwasser in traditionell verschwenderischer Weise für ihr Gemüse auf den Feldern.

Abschließend sei hier erwähnt, dass viele Palästinenser ihre Wasserrechnung nicht bezahlen. In der Folge hat sich ein Schuldenberg in Millionenhöhe* für Strom und Wasser angehäuft. Rosch hat sich nicht die Mühe gemacht, die Familie Osman nach ihrer monatlichen Rechnung zu befragen. Dass Israel dennoch weiterhin Strom und Wasser liefert, liegt am internationalen Druck und an der Selbstverständlichkeit, dass Israel die Palästinenser weder verdursten noch im Finsteren sitzen lassen wollen.

Hier sei noch angemerkt, dass die „palästinensische“ Familie Osman einen Namen führt, der nicht sehr arabisch klingt, sondern eher „osmanisch“.

(C) Ulrich W. Sahm
Wortprotokoll der Sendung:

Jan Hofer: Im Westjordanland leiden viele Palästinenser unter Wassernot. Die Ressource ist knapp und wird von den Israelis streng rationiert

Kritiker werfen Israel vor, eigene Siedlungen bevorzugt zu versorgen. Verschärfend komme hinzu, dass Palästinenser keine Baugenehmigungen für Brunnen erhielten, um sich selbst zu versorgen.

Markus Rosch

Salfit, eine Stadt im Westjordanland. Mit knapp 10.000 Einwohnern. Aber ohne Wasser. Ein Problem auch für die Familie Osman, bei über 30 Grad. Vater Ali schleppt Wasserflaschen nach Hause. Maximal 2 Mal in der Woche füllt die Stadtverwaltung die Wassertanks auf. Die 7-köpfige Familie Osman bekommt etwa 100 Liter am Tag, wenn denn der Wasserlaster kommt. Ali: „Wir brauchen Wasser zum Leben. Jetzt gibt es keines mehr. Wie lange soll das noch so gehen?“ Tochter: „Ich geh mit meinen Freunden zum Ferienlager. Danach sind wir immer schmutzig. Aber wir können uns danach nicht waschen. Unsere Eltern wollen nun, dass wir nicht mehr dahingehen.“

Bild schwenkt zu einer Siedlung in der Ferne.

Rosch: Das Wasser im Westjordanland kontrollieren und verteilen die Israelis.

(Im Bild Straßenschild nach Schiloh)

Doch während Siedlungen wie Schiloh, das in der Nähe von Salfit liegt, viel Wasser bekommen, gehen palästinensische Dörfer oft leer aus. Dabei gäbe es genug Wasser, so der deutsche Hydrologe Clemens Messerschmidt. Die Gegend sei eine Wasserreiche Region, doch Israel kontrolliere die Verteilung.

Messerschmidt: „Die Palästinenser brauchen eine Erlaubnis für jede Arbeit im Wassersektor. Ob für einen Brunnen bohren oder eine Leitung legen. Oder eine Pumpstation aufbauen. Oder einen Wasserturm hinstellen wollen. Immer brauchen wir eine Erlaubnis und das Militär sagt einfach nein.

Rosch: Ali Osmans Schwester ist mit den Nerven am Ende. Kein Abwasch ist möglich. Auch die Waschmaschine kann sie nicht benutzen. Mittlerweile isst die Familie von Plastiktellern. (Neben der Spüle ist lauter normales Geschirr zu sehen). Hier in Salfit ist es ein täglicher Kampf um jeden Tropfen Wasser.

Dazu auch zu lesen:
– Henrik M. Broder: Die Tagesschau nimmt es mit der Wahrheit so genau wie Präsident Abbas
Israel, die Palästinenser und das Wasser (Lizas Welt)

—-
* meines Wissens sind es mehere HUNDERT Millionen Euro (hepelv)

Was ist da los? Die Medienmeute ist los…

Drei junge Israelis wurden von Terroristen entführt. Was bewegt die deutsche Qualitätsjournaille? n-tv sieht den Nahost-Konflikt „befeuert“ – nein, nicht durch die Entführung oder Handeln von Terroristen, sondern durch den Hashtag „#BringBackOurBoys“, die Internet-Aufmerksamkeitsinitiative gegen die Entführung!

ntv-hashtagBBOBUnd was ist problematisch an der Aktion? Die Palästinenser regen sich auf, das sei doch alles völlig unangemessen. Und diese Meinung von „palästinensischen Usern“ wird nicht etwa als das bezeichnet, was es ist, sondern der Eindruck erweckt, als hätten sie absolut recht sich so aufzuregen. Weil die Israelis/Juden ja allesamt viel schlimmer sind.

Richard Schneider von der tagesschau hat nur eine Erkenntnis – nicht, dass es da Terroristen gibt, die es zu bekämpfen gilt, sondern er kennt nur ein Problem und das bestehe darin, dass Netanyahu versuche politisches Kapital aus der Entführung zu schlagen. Und auch der SPIEGEL hat kein Problem auf die entführten Jungen zu verzichten, ganz zu schweigen von den besorgten Eltern. Stattdessen gibt es Bilder von Soldaten, die nach den Jungen suchen – natürlich wird das als schlimme israelische Übergriffe gegen Unschuldige inszeniert. Die tagesschau geht konsequent weiter den Weg der Desinformation und bezeichnet die tatsächlichen Opfer als „mutmaßlich entführt“ und „verschwunden“, Netanyahu könne keinen eindeutigen Hinweis auf eine Entführung präsentieren. Dass zu diesem Zeitpunkt längst bekannt ist, dass die Polizei einen dicken Fehler machte, als sie einen Anruf der Entführten empfing und für einen arabischen „Scherz“ hielt (um die Gesetzeshüter nutzlos zu beschäftigen), interessiert die deutsche Qualitätsjournaille einen Dreck. Das muss verschwiegen werden, sonst würden die tollen Einschätzungen ja in sich zusammenfallen und die Juden hätten tatsächlich richtig gehandelt.

Fehlt nur noch, dass irgendein Idiot Hebron zum neuen Lidice erklärt…
auch lesenswert:
– Ruhrbarone: n-tv: Mitgefühl schuld am Nahost-Konflikt
– tapfer im nirgendwo: #BringBackOurBoys
Die Meschuggestan-Protokolle: … dann lasst es einfach ganz sein!

Ergänzung zur gestrigen Desinformations-„Berichterstattung“ der ARD

Die gestrige Desinformation der ARD fing schon im „Morgenmagazin“ (moma) an. Dort wurde ein Beitrag anmoderiert, der einzig Israel anführte: „Siedlungsbau“, Freilassung, Angriff auf „angebliche“ verdeckte Raketenabschussstellungen – und das Ganze dann als widersprüchliche Signale und Provokation bezeichnet.

Was fehlte: Die Raketen auf Israel (weshalb der Luftangriff überhaupt stattfand), die Hetze in den „Palästinenser“-Gebieten, „Widersprüchliches“ seitens der Araber.

Der eigentliche Beitrag (von Ellen Trapp) geht dann auch direkt „richtig“ los:

Überall ist die israelische Flagge zu sehen. Ich bin hier in Ostjerusalem, auf dem Ölberg, und hinter mir ist eine der ersten israelischen Siedlungen zu sehen und das ist eines der Streitthemen, das den Frieden im Nahen Osten so unmöglich macht.

Alles klar? Natürlich: Der (so ziemlich?) einzige Schuldige steht vom ersten Augenblick an fest. Israel. Siedlungen. Frieden unmöglich.

Weiter Frau Trapp:

Ich frage mich: Was können die Friedensverhandlungen, die hier heute beginnen, bewirken? Können sie Palästinenser und Israelis wirklich zusammenbringen? [Sie nimmt auf dem Markt ein verpacktes Spielzeuggewehr in die Hand.] Nach Jahrzehnte langem Hass und Krieg? Ich bin in Jerusalem. Hier prallen die Fronten besonders heftig aufeinander. [Zwei Grenzpolizisten auf Posten werden gefilmt.] Die Israelis beanspruchen die Stadt – die GANZE Stadt für sich. Die Palästinenser wollen Ostjerusalem zu ihrer Hauptstadt machen. Das will auch Omar Yussef. Er ist Palästinenser, aber er arbeitet als Stadtplaner und lebt im Ostteil der Stadt. Er sagt: Die Juden, die machen ihm das Leben schwer. [Sie geht mit ihm mit vorgehaltenem Mikrofon durch eine Altstadtgasse.] „Ein provokativer Beispiel ist dieses Haus zum Beispiel. Man sieht, eine Etage, die obere Etage, ist mit Siedler [4 israelische Flaggen sind dort angebracht] und das sind keine normale jüdische Israelis, die mit die Leute wohnen… Das ist schon Siedler, die fanatisch sind, die extremistisch sind. Und wohnen sie manchmal zwischen die Leute und das ist in sich eine Provokation.“

Merke: Normale jüdische Israelis halten sich von Arabern fern, wie es sich gehört. Juden zwischen Arabern ist verboten, provoziert. Solche Juden sind fanatische Extremisten.

Ich kann Yussef verstehen. Israelis ziehen nach Ostjerusalem, aber andersherum ist es nicht möglich.

Wirklich? Warum wohl? Könnte es sein, dass die Dame keine Ahnung hat? Araber, die einen israelischen Ausweis haben, weil sie in Jerusalem leben, können in ganz Jerusalem leben. Wenn sie sogar die israelische Staatsbürgerschaft haben/beantragen, dann können sie sich überall in Israel niederlassen. Was ist mit einem Israeli, der sich irgendwo in den PA-Gebieten niederlassen will? Schonmal darüber nachgedacht? Ach nee, sie versteht ja Yussef: Juden bei Arabern ist Provokation, fanatisch, extremistisch. Geht gar nicht.

Viele Palästinenser leben in Armut. Sie haben keine Arbeit. Mir scheint, sie sehen sich oft in einer Opferrolle. Omar Yussef zeigt mir eine Stelle am Rande der Stadt, die ihn bis heute tief traurig macht: Die Mauer. Fast neun Meter hoch. Auch mich erschlägt die in Beton gegossene Kriegserklärung. Sie trennt Menschen voneinander. Trotzdem: Für Yussef gibt es keine Alternative. „Jetzt die einzige Sache, die mich überzeugt, dass diese Verhandlungen reden über neun Monate. Nach neun Monate, wenn nichts passiert, ich sehe auch kein Grund für die PA zu existieren.“

Keine Ahnung, was „trotzdem keine Alternative“ mit der Existenz der Mauer zu tun hat. Warum diese Mauer existiert, wird auch nicht gesagt – sie ist keine Kriegserklärung, sie ist der verzweifelte Versuch den Massenmord an Juden zu stoppen – und der Terror, der ist eine Kriegserklärung. Eine Kriegserklärung der Palästinenser an Israel. Aber diese Information muss fehlen, damit der richtige Eindruck erzielt wird.

Die PA ist die Palästinensische Autonomiebehörde. Und die Einschätzung Yussefs lässt mich ratlos zurück. [Der Araber geht links aus dem Bild, die Reporterin sitzt „verloren“ vor der Mauer.] Neun Monate wollen alle Parteien verhandeln, dann würden die Menschen hier ohne Mauer friedlich nebeneinander leben? Für mich heute unvorstellbar. [Zaun und Stacheldraht auf der Mauer.]

Ich gehe auf die andere Seite der Stadt [zu sehen in der Fußgängerzone Mamilla beim Jaffa-Tor], nach Westjerusalem. Keine alten Steine, keine Geschichte. Stattdessen moderne Läden.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – bzw. ansehen: Die Frau sucht sich die jüngste Fußgängerzone „West“-Jerusalems, in der es fast ausschließlich Nobelboutiquen und entsprechend hochwertige Läden gibt, um das als Alltagsleben hinzustellen und der vorher kolportierten „Armut der Palästinenser“ gegenüberzustellen. Ist das Berichterstattung? Nein, das ist tendenziöse Propaganda: Hier die armen Palästinenser, die nichts haben, da die reichen Juden, die sich alles nehmen!

Dazu dann noch der Satz von „keine alten Steine, keine Geschichte“ – heißt: die Juden haben hier nichts verloren, denn sie sind, im Gegensatz zu den Arabern, geschichtslos; Neulinge, Kolonisatoren, die sich aneignen, was ihnen nicht gehört.

Ich bin mit der Israelin Laura Warton verabredet. Die Amerikanerin lebt seit 25 Jahren hier…

Nun, jedenfalls nicht in der Mamilla. Hätte sie sie nicht in ihrem Viertel besuchen können? (Vielleicht wollte die Israelin das aber auch nicht.)

… und sitzt im Stadtparlament. Ich möchte wissen, wo sie eine Chance zum Frieden sieht, aber mir wird schnell klar: Wenn es um die Verteidigung ihres Landes geht, gibt es für sie keinen Verhandlungsspielraum.

Von Verhandlungsspielräumen war bei Yussef nie die Rede. Eine entsprechende Wertung kam der Dame aus Deutschland natürlich nicht einmal ansatzweise, geschweige denn, dass sie ihn danach fragte. Kompromisse der Araber? Werden nicht einmal angedacht, weder von den Arabern noch von den Friedensbengeln der westlichen Journaille.

„Ich muss betonen, die meisten Israelis wollen keinen Krieg. Wir sind aber auch bereit zu kämpfen. Ich persönlich, mein Bruder und ich, wir würden die Grenzen verteidigen. Übrigens: Jeder von uns kennt jemanden, der verletzt wurde.“

Auf Nachbarn schießen, wenn es drauf ankommt? Ehrlich gesagt, besonders hoffnungsvoll klingt das nicht. Doch Laura Warton will meine Zweifel ausräumen. „Wir brauchen zwei Staaten, die anerkannt werden. Und wir müssen auf die Frage fokussieren, wie zwei Staaten Seit‘ an Seit‘ leben und nicht welcher Religion sie angehören.“

So wird das nichts mit dem Frieden. Beide Seiten wirken für mich so rigoros und kompromisslos.

Wirklich? Das scheint doch sehr dahin gesagt, um der Äquidistanz Genüge zu tun, denn von der Kompromisslosigkeit des Yussef hat sie nichts gezeigt. Der klagte nur, ohne dass sie auch nur ansatzweise hinterfragte, wie berechtigt und stimmig die Klagen sind. Von ihm war nichts zu hören von zwei Staaten, die sich gegenseitig anerkennen.

Um meine Eindrücke zu sortieren, suche ich Rat beim Pastor der Protestanten in Jerusalem. Denn mir scheint, das Wort „Kompromiss“ existiert weder für Israelis noch für Palästinenser.

[Der Pastor – hat der keinen Namen? Sie geht mit ihm auf die „Promenade“, von wo aus man einen schönen Blick auf den Tempelberg und den Ölberg hat.] „Man hat gerade gehört, dass eben wieder auch neue Siedlungen auch in Ostjerusalem gebaut werden sollen. Bei uns gegenüber der Kirche findet sich so ein Bau, der gerade fertiggestellt worden ist, der bezogen wird. Und da kann man von Kompromissen überhaupt nichts sehen.“

Der Herr Pastor passt in das, was die Reporterin haben will: Die Israelis bauen, da ist kein Kompromiss! Über die Araber hat der Mann nichts zu sagen:

Auch er bleibt nach all den Jahren skeptisch, dass Israelis und Palästinenser zueinander finden. „Ja, man hat den Eindruck, es ist ein Spiel, das gespielt wird, seit vielen Jahren, und dass immer wieder neue Verhandlungsrunden eingeläutet werden und letztlich nichts dabei rauskommt. Also wenn man einen realistischen Blick auf die Situation hier hat, dann hat man nicht viel Hoffnung, dass diese Verhandlungen innerhalb von neun Monaten zu einem Erfolg führen werden.“

Ich würde mir gerne etwas Hoffnung bewahren, aber das ist schwer bei alledem, was ich heute gesehen und gehört habe. Es bleibt dieses ewige Kräftemessen der Religionen, ein Taktieren der Großkopferten mit vielen Worthülsen. Dabei bin ich mir sicher, dass viele hier nur eins wollen: [Sie betritt einen T-Shirt-Laden in der Altstadt und zeigt auf ein graues Teil: „I want a peace.“] Frieden. [Ihr wird eins in Gelb gedruckt.] Der Händler dabei: „5 Sekunden, dann gibt es Frieden.“

Trapp: Wenn es immer so einfach wär, Frieden zu schaffen. Ich bin nach all dem, was ich gehört und gesehen habe, sehr skeptisch. Aber ich lasse mich gern in neun Monaten eines Anderen belehren.

Was sagt dieser Bericht dem Zuschauer? Zwar hat Frau Trapp von Kompromisslosigkeit auf beiden Seiten geredet. Gezeigt hat sie sie nicht. Jeder Zuschauer dürfte zu dem Schluss kommen, dass allein Israel schuldig ist, denn angebliche Kompromisslosigkeit wird nur hier „belegt“; etwas, das den Frieden begünstigen könnte, die Aussage der Stadträtin, dass man zwei Staaten braucht, die sich gegenseitig anerkennen, wird zu Kompromisslosigkeit und Friedensunwillen umgedeutet. Alle Fehlinformationen zu den Siedlungen als Übel und Grund werden runtergebetet, gerade vom Pastor, der von „neuen Siedlungen auch hier in Ostjerusalem“ [er steht dabei in „West“-Jerusalem!] faselt, obwohl es keine neuen Siedlungen gibt, sondern nur die Planungsbürokratie für neue Wohnungen in lange bestehenden „Siedlungen“ begonnen wurden.

Frau Trapp und ihre Redaktion sind Heuchler. Sie geben vor neutral zu sein. Sie reden sogar ein wenig in dieser Richtung, auch wenn ich den Eindruck habe, dass das vorgeschoben ist. Was sie dazu liefern, zeigt aber ganz klar, wem hier die Schuld zugeschoben wird und wer der einzige Negativaspekt ist: Israel. Niemand sonst. Ideologisiertes Pack.

Medien, Entlassene und Friedensgespräche

WDR2 (Mittagsmagazin, gegen 12:30 Uhr) spricht mit Rolf Mützenich von der SPD: Ja, da muss man abwarten, man darf nicht zu viel erwarten. Die israelische Regierung zeigt eigentlich (auch und gerade wegen der Bautätigkeit in den „Siedlungen“), dass sie nicht bereit ist Kompromisse einzugehen. Die „Palästinenser“ haben nur ein Problemchen, denn sie sind sich nicht einig.

ARD Mittagsmagazin im Fernsehen (gegen 13:10 Uhr): Korrespondent Bernd Niebrügge „berichtet“ genauso, wie Mützenich vorher im Radio – die Siedlungen sind DAS Problem, es wird gebaut und damit provoziert, die „Palästinenser“ sind sich nicht einig, das spielt Israel in die Karten, das aber gar nicht wirklich interessiert ist an einer Einigung.

So ging es auch in den Nachrichten der tagesschau (wird nicht lange eingestellt sein) zu, wo derselbe Korrespondent zuständig ist. Die Hamas, doziert er, sei von den Verhandlungen ausgeschlossen worden, weil der gewählte Präsident Mahmud Abbas ist. Das steckt derart voller Unsinn, dass es aufgedröselt werden muss:
– Mahmud Abbas ist zwar der gewählte Präsident, aber er seine Amtszeit ist seit über 4 Jahren abgelaufen. Er hat also gar kein Mandat.
– Die Hamas ist nicht von den Verhandlungen ausgeschlossen, sie lehnt sie komplett ab. Sie würde gar nicht daran teilnehmen wollen.
– Selbst wenn die Hamas nicht diese Verweigerungshaltung einnehmen würde – Fatah und Hamas bekriegen sich weiter, sind sich in nichts einig (außer darin, DASS Israel vernichtet werden soll).

Tja, Abbas will ja Frieden, macht Niebrügge den Zuschauern weis, aber die Hamas verhindert das. Ich glaube, der Typ hat noch nie gehört/gesehen/gelesen, was der Terrorfürst von Ramallah von sich gibt, wenn er nicht gerade Westlern seine Scharaden vorspielt.

Tagesschau (20 Uhr): Herr Niebrügge behauptet, Abbas sei zu Zugeständnissen und Kompromissen gezwungen, denn sonst würden „die radikalen Palästinenser“ ihn stürzen. Kann es wirklich so viel Ignoranz geben? Es kann!
(Ach ja: Israel schadet den Gesprächen mit seiner „expansiven Siedlungspolitik“ – die Hetze der Araber offensichtlich nicht!)

Wer nach ARD-Informationen zu Frieden bereit ist und wer nicht

Das ist perfide. Die ARD „berichtet“ in ihrem Mittagsmagazin von den unterschiedlichen Sichtweisen zur Freilassung der Mörder und Terroristen – die nicht so genannt werden.

Die israelische Seite: Leute, die nicht vergeben wollen. Sie protestieren gegen Schritte zum Frieden (Freilassung nicht geläuterter Terroristen und Kriminellen).

Die arabische Seite: Freude, dass die „Freiheitskämpfer“, die „Soldaten“ nach Hause kommen. Vorwurf an Israel: „Jetzt merken sie endlich, dass sie sich für den Frieden entscheiden müssen.“ (Sagt der Vater eines Mörders.)

Und: Dieser Mörder wird vom Korrespondenten so beschrieben: „der nach israelischem Urteil einen Israeli (oder hat er „Siedler“ gesagt?) ermordet und verbrannt haben soll“. Ein Gerichtsurteil nach ordentlichem Prozess wird in Zweifel gezogen. Egal, was in den Prozessakten steht, die haben sie vermutlich nicht einmal ansatzweise einsehen wollen.

Auch ohne die sonst schon einseitige Darstellung würde dieser eine Satz alles klar machen: In Israel sind die Unversöhnlichen, die keine Frieden wollen. Ganz anders als bei den Palästinensern, die friedlich sind und Frieden wollen.

Ausgeblendet wird alles, was dieses Bild trüben könnte. Ausgeblendet wird, was Israelis – oft Opfer oder Hinterbliebene von Terroranschlägen – an Arbeit auch für Araber leisten, die gerade die Araber den eigenen Leute nicht ansatzweise zu leisten bereit sind, wie die Familie Roth, deren Tochter in der Pizzeria Sbarro mit einem Dutzend anderer von einem Selbstmord-Bomber ermordet wurde und die in Gedenken an ihre Tochter eine Stiftung ins Leben riefen, mit der behinderten Kindern geholfen wird (egal welcher Ethnie sie angehören). Auf Seiten der „Palästinenser“ ist so etwas undenkbar.

Ausgeblendet wird die Hetze in den pal-arabischen Medien und Moscheen, die Gehirnwäsche an den Kindern in den dortigen Schulen.

Nein, für die ARD sind die Israelis die Friedensfeinde, nicht die arabischen Mörder, nicht die arabischen Hetzer. So etwas nennt man Desinformation. Aber was will man in einem Land erwarten, wo Mörder und Terroristen in Bildungseinrichtungen und als Lehrer arbeiten dürfen, obwohl sie ihrer Ideologie nie abgeschworen haben…

Titel, Thesen, Temperamente – Kulisse für Überhauptnichtantisemiten*

Die Sendung nennt sich auch neckisch „ttt“ und wird von einem Typen moderiert, der mir schon vor Jahr(hent)en übel aufstieß, als er noch was anderes machte (aber auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen). Um die Zeit, zu der das gesendet wird, will ich normalerweise im Bett sein, damit ich am nächsten Tag nicht unausgeschlafen durch die Gegend wanke. Weil aber die causa Augstein behandelt werden sollte, blieb ich auf. Hat sich (nicht) gelohnt.

Natürlich ist es den „Journalisten“ wieder gelungen, die Sache falsch darzustellen. Dass das Simon-Wiesenthal-Zentrum keine Liste der 10 schlimmste Antisemiten der Welt veröffentlichte, scheinen die Geistesblitzer schlichtweg nicht zu begreifen – entweder, weil sie zu blöde zum Lesen oder weil sie zu verbohrt sind. Aber für die ganz Blöden noch einmal, was schon so oft geschrieben wurde: Die Liste des SWC heißt:

2012 Top Ten Anti-Israel/Anti-Semitic Slurs: Mainstream Anti-Semitism Threatens World Peace

„Slur“ heißt auf Deutsch in diesem Fall so viel wie „Beleidigung“, „Verleumdung“, „Verunglimpfung“. Das ist nicht von den Top-Antisemiten die Rede, sondern von Äußerungen. Es steht auch nicht nur „antisemitisch“ dort, sondern auch „antiisraelisch“ – sogar vor dem anderen Terminus. Die Augstein-Fans könnten sich also in der Auswahl bedienen, aber das wissen sie vermutlich nicht einmal mehr. Aber Faktenwissen ist ja ohnehin kein Merkmal deutschen Qualitätsjournalismus, selbst in Organen, die gelegentlich als weniger notorisch verblendet auffallen. Beispiel sei eine „Dokumentation“ der Rheinischen Post über das Gespräch Augsteins beim SPIEGEL, an dem Dieter Graumann teilnahm: „Anfang des Jahres setzte das Simon Wiesenthal Center in Los Angeles Jakob Augstein auf Platz neun seiner Liste der zehn schlimmsten Antisemiten der Welt.“ Selbst wenn diese Leute des Englischen völlig unmächtig wären, sollten sie doch bei einem Blick auf die Veröffentlichung des SWC sehen können, dass dort nicht „Top Ten Anti-semits“ steht. Aber die Mühe, sich das mal anzusehen, haben sie sich offenbar nicht zumuten wollen. Wenn alle das sagen, dann stimmt das schon. In der Masse fühlen die Lemminge sich am wohlsten.

Jakob Augstein ließ auch bei ttt wissen: „Ich bin kein Antisemit.“ Weil er ja nur die israelische Regierung kritisiert. Und wer das tut, werde in Deutschland immer sofort mit der Antisemitismuskeule beehrt. Womit er das nächste Ressentiment aus der Tasche holte. Gut, geschenkt, mit solchen Leuten sind Diskussionen überflüssig. Die verlogene Behauptung aber, dass er nur die israelische Regierung kritisiere, „untermauerte“ ttt dann mit einem Journalisten, der „noch viel schärfer mit der israelischen Regierung“ ins Gericht geht: Gideon Levy von „der angesehenen Zeitung Ha’aretz“.

Das ist gleich doppelt lächerlich. Wie angesehen ist Ha’aretz? Und bei wem? Der Volksmund in Israel nennt das Blatt nur noch „die palästinensische Zeitung in hebräischer Sprache“, weil dort so viel Unsinn und antiisraelische Propagandahetze betrieben wird. Ansehen hat die Zeitung nur noch im linkslastigen Lager des Auslands, in Israel ist ihre Bedeutung kurz vor Null, der Marktanteil derart gering, dass sogar schon darüber nachgedacht wird die Printausgabe ganz einzustellen. Aber eine englischsprachige Ausgabe wird wirkungsvoll in Szene gesetzt, indem man Gideon Levy darin schmökern und eine Seite umblättern lässt, während er den oberen Rand der Titelseite schön hoch in die Kamera hält.

Ausgerechnet Gideon Levy – der Typ, der nicht einmal weiß, was Apartheid definiert, aber eine Umfrage unter Israelis in einem Kommentar mit aller böswilligen Gewalt so umdeutete, dass er dem Volk des jüdischen Staates unterstellen konnte üble Buren oder schlimmer zu sein, sich dabei aber anscheinend nicht genügend über seine eigenen Berichte informiert hatte, um die verlogenen Widersprüche seines Kommentars gegenüber seinem Bericht aus derselben Ausgabe zu erkennen. Der Mann sucht händeringend und nicht in guter Absicht nach Dingen, die er Israel negativ anlasten kann. Ein Alibi-Jude, der hier als Kronzeuge angeführt wurde, um Augstein zu entlasten.

ttt ist Qualität – die übliche Qualität der deutschen Qualitätsjournaille, die sich durch Fakten nicht stören lassen darf.

Aber auch noch einmal zurück zu dem, was Jakob Augstein so von sich gab: Er würde nur die israelische Regierung kritisieren. Man muss sich nur die Zitate ansehen, die das SWC anführt, um zu sehen, dass das nicht stimmt. Dann jammerte er noch, es ginge doch nicht, dass man ihm anhänge, seine Artikel würden Gewalt gegen Juden schüren. Warum denn nicht? Er und Seinesgleichen finden doch auch, Broder habe Breivik gemacht. Ach ja, das ist natürlich etwas ganz anderes – mit Linken darf man nicht machen, was Linke mit anderen machen. Und wenn der Überhauptnichtantisemit Jakob davon schwafelt (im SPIEGEL/Rheinische Post), dass er an Israel keine Doppelstandards angelegen würde, kann nur bitter gelacht werden. Aber so ist der, der Selbsterhöher: „Alles, was ich an Israel kritisiere, ist in schärferer Form von israelischen Journalisten geschrieben worden. Niemand regt sich darüber auf, jeder in Israel begreift das als Zeichen der freien Meinungsäußerung. Nur bei uns wird man schnell zum Antisemiten abgestempelt.“

Wahrscheinlich meint er da u.a. auch den schon angeführten Gideon Levy. Aber über den hat man sich in Israel schon aufgeregt. Wenn man ihn nicht einfach ignoriert hat, weil er schlicht zu unmöglich ist, als dass man ihn noch ernst nehmen könnte. Und was soll man sich in Deutschland über israelische Alibijuden aufregen? Augstein argumentiert von nicht ehrlich bis verlogen. Auch in Israel findet man nicht, dass Verleumdungen und Lügen freie Meinungsäußerung sind.

Der Überhauptnichtsantisemit wurde dann noch gefragt, ob er schon einmal in Israel war. Nein. „Warum nicht?“, fragte ihn Graumann. Die Antwort: „Ich wäre in den Zeiten der Apartheid auch nicht nach Südafrika gefahren.“ Alleine diese Aussage zeigt wieder, wes Geistes Kinder der Mann ist. Und Graumann ist nicht in der Lage, das zu kontern, sondern äußert und eine harmlose Empörung auf die der Überhauptnichtsantisemit noch eins draufsetzt: „Nein, wenn ich das Gefühl hätte, dass Israel diesen Konflikt mit den Palästinensern lösen will, wäre das eine andere Situation. Das finden Sie vielleicht sonderbar: Aber ich möchte nicht in Tel Aviv am Strand liegen, wenn ein paar Kilometer weiter südlich die Lage ist, wie sie ist.“ Womit er dokumentiert: Es ist alles Israels Schuld. Apartheid, Friedensunwille – Fakten stören nur und gehören nicht ins Bild.

Bei ttt war Augstein gut aufgehoben. Der selbsternannt Rechtschaffene hat ein mehr als reines Gewissen. Aber das hatten gewisse Herren mit braunen Hemden genauso, ebenso wie die mit den roten Fahnen im Osten. Kreise schließen sich und Überhauptnichtantisemiten sind immer im Recht. Öffentlich-rechtlich wie als Sturmgeschütz-Schmierfinken.

* s. Die Achse des Guten