50 Jahre Liebe, Krieg und Land: Die Arbeit eines Fotojournalisten auf massive Bildschirme gebracht

Micha Bar-Am konzentriert sich zusammen mit seiner Frau und den Kindern in visuellen und Audio-Installationen im Kunstmuseum Tel Aviv auf Israels große Momente

Jessica Steinberg, The Times of Israel, 1. Juli 2022

Aus „Das letzte Foto: Ran Tal laut Micha Bar-Am“, ein neues Exponat, ausgestellt im Kunstmuseum Tel Aviv bis Dezember 2022 (mit Dank an Micha Bar-Am)

Es gibt einen mutigen Tempowechsel in „Das letzte Foto: Ran Tal laut Micha Bar-Am“, einer neuen Ausstellung im Kunstmuseum Tel Aviv, das einen Dokumentarfilm über den Fotojournalisten Micha Bar-Am in ein ergreifendes Video und eine Audio-Installation über Israels Geschichte zerlegt.

Bar-Am gilt als Vater des israelischen Fotojournalismus; er eröffnete sein Archiv aus 50 Jahren für den Filmemacher Ran Tal. Das Ergebnis war die Dokumentation „1341 Frames of Love and War“ (1.341 Bilder über Liebe und Krieg), der bei der Berlinale und in Tel Avivs Filmfestival DocAviv früher dieses Jahr Premiere feierte.

Der Film besteht in Gänze aus Fotografien, die in fortlaufender Reihenfolge, begleitet von manchmal emotionalen, lebhaften Gesprächen zwischen Tal, Micha Bar-Am und seiner Frau und Arbeitspartnerin, Orna Bar-Am, die die Fotos aussuchte, Kataloge vorbereitete und seine Arbeit archivierte.

In der Ausstellung sind in der Museumsgalerie ein halbes Dutzend massive Bildschirme aufgestellt, die Bar-Ams Fotos aus Israels Kriegen und Schlachtszenen sowie ergreifende Bilder seiner Kindheit und seines Familienlebens zeigen, während die Besucher über Kopfhörer Tals laufendem Gespräch mit dem Paar zuhören können.

Die Ausstellung ist kürzer als der Film, aus dem sie erstellt wurde und man braucht etwa eine Stunde, um alle Videos anzusehen.

„Wir betrachten die israelische Geschichte sowie seine Partnerschaft mit Orna durch seine Kamera“, sagte Museumsdirektor Tania Coen-Uzzielli. Sie fügte hinzu, dass das Museum, wie bei dieser Installation, mit seinen Ausstellungen experimentiert, einschließlich alternativer Standorte und Technologie.

Kurator Noam Gal hielt fest, dass der Dokumentarfilmer Tal Bar-Ams Fotografien verwendet hatte, um einen tiefen Blick auf Risse in der israelischen Gesellschaft zu werfen, eine Mischung von Bildern und Tönen zu schaffen, die nicht immer zusammenfließen.

Ebenfalls ausgestellt ist das Leben der Bar-Ams – die von Micha aufgenommenen Fotos, das scheinbar zwanglose Geplauder, das milde Gestreite eines langjährigen Paares und auch ihre Söhne.

Anders der Film: Die Installationsstationen sind nicht in der Reihenfolge aufgestellt worden, in der die Fotos aufgenommen wurden; sie zeigen, dass das Leben nicht immer einer bestimmten Ordnung folgt, sagte Gal.

Aus „Das letzten Foto: Ran Tal nach Micha Bar-Am“, eine neue Ausstellung im Kunstmuseum Tel Aviv, die bis Dezember 2022 gezeigt wird (zur Verfügung gestellt von Micha Bar-Am)

Zur Ausstellung gehören Bilder von Bar-Am beim Ski fahren und Tanzen während seiner Kindheit in Deutschland. Er war der Sohn eines Berliner Playboys und hieß Michael Anguli, bis seine Familie 1936 nach Israel zog, sagt er in der Tonaufnahme.

Bar-Am spricht auch über seine Auswanderung nach Israel, wo er sich seiner Aussage nach nie als Immigrant fühlte; über seine Romanze mit Orna und Bilder von der Geburt ihres ersten Kindes.

„Micha und Orna betrachten dies als Abenteuer“, sagt Tal in der Aufnahme über den Prozess der Herstellung des Films und der Ausstellung.

Ihre Lebensgeschichte ist verstrickt mit Bar-Ams Anwesenheit bei allen wichtigen Momenten in Israels Geschichte, einschließlich fünf großer Kriege, dem Eichmann-Prozess und Schnappschüssen der Führer Israels als sie Erfolg hatten und scheiterten sowie die Gründung des Landes vorantrieben.

Aus „Das letzte Foto: Ran Tal laut Micha Bar-Am“, einer neuen Ausstellung im Kunstmuseum Tel Aviv, die bis Dezember 2022 gezeigt wird (zur Verfügung gestellt von Micha Bar-Am)

Bar-Ams Kommentare überall in der Ausstellung fassen die Erfahrung des Fotojournalismus zusammen: „Je mehr man denkt, des weniger gut ist das für die Fotos“; „kein Foto hat den nächsten Krieg verhindert“; „Bilder aufzunehmen ist wie in Trance zu sein, wie high zu sein“; und: „Manchmal ist es besser zu vergessen und weiterzumachen.“

Er war ein vollendeter Fotograf, seit 1968 Korrespondent für Magnum, bleibt das einzige israelische Mitglied der Agentur. Er fotografierte für die New York Times und andere große Publikationen und diente von 1977 bis 1993 als Kurator für Fotografie im Kunstmuseum Tel Aviv.

Es gibt in dem Film eine Entwicklung vom Selbstvertrauen und Optimismus der frühen Jahrzehnte der Karriere Bar-Ams zu den Zweifeln und Fragestellungen, die er später durchmachte, insbesondere bezüglich des Handelns der israelischen Verteidigungskräfte und Ereignisse während des Ersten Libanonkriegs.

Aus „Das letzte Foto: Ran Tal laut Micha Bar-Am“, einer neuen Ausstellung im Kunstmuseum Tel Aviv, die bis Dezember 2022 gezeigt wird (zur Verfügung gestellt von Micha Bar-Am)

Schließlich hörte er ganz mit der Fotografie auf und in der Ausstellung versucht der Filmemacher Tal zu verstehen, warum das so war. Bar-Am, heute 91, hat gesagt, dass er heute nur seinen Enkel fotografiert.

Die Ausstellung „bietet einen schockierend lebendigen Blick auf Zeit und Ereignisse und das weit differenzierter als die heutigen ‚like and swipe‘ sozialen Medien, fügte Kurator Gal an.

„The Last Photograph: Ran Tal after Micha Bar-Am“, 17.  Juni 2022 bis 17. Dezember 2022 im Kunstmuseum Tel Aviv.

Werke bei deutschem Kunst-Festival sorgen für Aufregung wegen ihres antiisraelischen, antisemitischen Wesens

„Elemente, die in bestimmten Ausstellungen gezeigt werden, erinnern an Propaganda, die [Nazi-Chefpropagandist Joseph] Goebbels und seine Schläger in dunkleren Zeiten der deutschen Geschichte verwendeten“, sagte Shira Ben Tzion, Sprecher der israelischen Botschaft in Berlin. „Es sind nicht nur alle roten Linien überschritten worden; sie wurden vernichtet.“

Orit Arfa, JNS.org, 22. Juni 2022

Documenta 15, Berlin, Deutschland (Quelle: Screenshot)

Antisemitische Bilder eines führenden Kunstfestivals in Deutschland werden entfernt oder abgedeckt, nachdem deutsch-jüdische Organisationen und die israelische Botschaft in Berlin sich vereinten, um seine einseitige Kuration zu verurteilen.

Diese Bilder erschienen auf der documenta15, einem führenden Kunstfestival, das alle fünf Jahre in Kassel stattfindet. Die jüdischen Gruppen und deutsche Top-Amtsträger, darunter der Antisemitismus-Beauftragter auf Bundesebene, Felix Klein, hatten erklärt, dass Zurschaustellung von Judenhass unbestreitbar vorhanden und unentschuldbar ist.

„In bestimmten Ausstellungsteilen gezeigte Elemente erinnern an Propaganda, wie sie von [Chefpropagandist der Nazi-Partei Joseph] Goebbels und seinen Schlägern in dunkleren Zeiten der deutschen Geschichte verwendet wurden“, sagte Shira Ben Tzion von der israelischen Botschaft in Berlin in einem Tweet. „Alle roten Linien sind nicht nur überschritten worden, sie wurden vernichtet.“

Die Kuration der documenta wurde an eine indonesische Gruppe namens Ruangrupa ausgesourct. Deren Unterstützung der BDS-Bewegung, die Deutschland als antisemitische Bewegung betrachtet, spiegelte sich in der Auswahl der ausgestellten Kunstwerke, so dem von Picasso inspirierten „Guernica Gaza“, das Parallelen zwischen dem Handeln der IDF im Gazastreifen und Nazi-Deutschlands Luftangriff auf die Stadt Guernica im spanischen Bürgerkrieg zieht.

„Die gezielte Zerstörung von Guernica mit seiner Zivilbevölkerung war das einzige Ziel dieses Nazi-Kriegsverbrechens“, sagte die deutsch-jüdische Lobbygruppe Werte-Initiative in einer Erklärung, die das Festival scharf kritisierte. „Das mit dem Handeln der israelischen Armee gleichzusetzen, dämonisiert den Staat Israel. Damit findet einer Täter-Opfer-Umkehr statt, die eindeutig antisemitisch ist.“

Ein großflächiges Wandgemälde beinhaltet das Bild eines Juden mit vampirartigen Reißzähnen, einer Schlangenzunge, blutunterlaufenen Augen und einem SS-Anstecker am Hut. In einem weiteren Bild ist das Gesicht eines als Mossad-Agenten identifizierten Mannes wie das eines Schweins geformt.

„Diese Darstellung ist klassischer Antisemitismus unter staatlicher Schirmherrschaft und ein absoluter Dammbruch“, sagte Elio Adler, der Vorsitzende der Werte-Initiative. „Die Verantwortlichen müssen sofort sicherstellen, dass dieses Kunstwerk nicht länger zu sehen ist.“

Die Arbeit, zu groß, um sie zu entfernen, wurde mit Tuch verhängt und mit einer ergänzenden Erklärung versehen, sehr zum Leidwesen von Kritikern wie der Werte-Initiative, die sagte, dass die Arbeit von den Künstlern als Symbol „der Unmöglichkeit von Dialog“ abgegeben worden ist.

„Die Grundlage für dieses Desaster ist nicht fehlender Dialog, sondern Antisemitismus“, sagte Adler. Jetzt soll es demontiert werden.

„Der in meinen Augen wahre Skandal“

Die fragwürdigen Entscheidungen der documenta wurden von wichtigen jüdischen Organisationen flächendeckend verurteilt, darunter der Zentralrat der Juden in Deutschland und das American Jewish Committee in Berlin, das gefordert hat die Direktorin des Festivals, Sabine Schormann, von ihren Pflichten zu entbinden. Deren Zusicherungen, dass keine antisemitischen Arbeiten ausgestellt würden, erwiesen sich als bedeutungslos.

Während die umstrittenen Bilder und der Ton des Festivals sich mehrere Wochen lang auf dem Prüfstand befanden, schließen sich ranghohe deutsche Offizielle wie die Kulturstaatsministerin Claudia Roth und Präsident Frank-Walter Steinmeier erst jetzt den Stimmen an, die sich negativ äußern.

„So nachvollziehbar manche Kritik an der israelischen Politik, etwa dem Siedlungsbau, ist: Die Anerkennung der israelischen Staatlichkeit ist die Anerkennung der Würde und Sicherheit der modernen jüdischen Gemeinschaft“, sagte Steinmeier bei der Eröffnungsfeier der documenta. „Als deutscher Bundespräsident halte ich für mein Land fest: Die Anerkennung Israels ist bei uns Grundlage und Voraussetzung der Debatte!“

Roth hat inzwischen ihre frühere Verteidigung – im Namen der Kunstfreiheit – gegen die Vorwürfe zurückgenommen; sie sagte in einer auf twitter geposteten Erklärung: „Die Menschenwürde, der Schutz gegen Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit sind die Grundlagen unseres Zusammenlebens und hier findet auch die Kunstfreiheit ihre Grenzen.“

Manche Kritiker stellen aber die Ernsthaftigkeit dieser deutschen Führungspolitiker infrage.

Kunst aus der Ausstellung der documenta15 in Kassel; Quelle: twitter

„Zuerst ermöglichte Roth [das Festival] und natürlich wusste sie alles“, sagte Chaim Noll, ein deutsch-israelischer Schriftsteller, bei einem Anruf aus seinem Haus in Südisrael. Roth, eine altgediente Grünen-Politikerin, wurde bei ihrem Amtsantritt als Kulturstaatsministerin 2021 wegen ihre Freundschaftlichkeit gegenüber dem iranischen Regime sowie der BDS-Bewegung unter die Lupe genommen.

„Es ist unmöglich, dass sie nicht wusste, was für die Ausstellung geplant war“, sagte Noll. „Aber nachdem mehrere Tage lang ausgestellt wurde und jeder sah, was sie machten und jeder Fotos im Internet postete, äußerte sie jetzt Bedauern. Ich kaufe es ihr aber nicht ab. Das ist in meinen Augen der eigentliche Skandal.“

Er glaubt, Deutschland müsse eine besänftigendere Haltung gegenüber Israel einnehmen, weil das Land jetzt nach Russlands Einmarsch in die Ukraine bei Waffen- und sogar Erdgas-Exporten abhängiger geworden ist. „Sie können es sich im Moment nicht leisten Israel zu verärgern.“

Die documenta findet kurz nach anderen umstrittenen, von der Regierung gesponserten Ausstellungen statt, die bei pro-israelischen Aktivisten die Alarmglocken hätten schrillen lassen müssen. Die erste war „Hijacking Memory“, eine entschieden linke Konferenz, an der der Journalist Peter Beinart und andere kontroverse jüdische Kritiker Israels mitwirkten. Gegner kritisierten sie wegen ihrer Angriffe auf rechte Gruppen und sogar Israel wegen angeblicher „Vereinnahmung“ des Holocaust-Gedenkens, um für die Sachte der Nation zu werben.

Das Goethe-Institut sagte die Teilnahme eines Schriftstellers bei der anstehenden Konferenz über die „globale Rechte“ ab, der für seine antisemitischen Kommentare bekannt ist. Die Auseinandersetzung wegen dieser Veranstaltungen ist von den Mainstream-Medien weitgehend nicht berichtet worden.

„Ich bin nicht sicher, ob es der Mühe wert war darüber zu schreiben“, sagte Noll. „Es ist die übliche Gruppe antiisraelischer Juden, die wir bereits aus Europa kennen. Es sind immer dieselben Namen und solange Claudia Roth diesen Posten hat, wird sie versuchen diese üblichen Verdächtigen zu finanzieren. Sie ist eine wirklich knallhart israelfeindliche Person, finde ich.“


Anmerkung: Im Originaltext wurde behauptet, Guernica sei im Zweiten Weltkrieg zerstört worden; das geschah aber im spanischen Bürgerkrieg und wurde in der Übersetzung korrekt angegeben. Eine Bildunterschrift verortete die documenta in Berlin, auch das ist in der Übersetzung korrigiert.

Die gefälschte palästinensische Geschichte der UNO (Teil 3)

Elder of Ziyon, 23. Juni 2019

In Fortsetzung zur großen Dauerausstellung der UNO zur Frage der UNO und der Palästinenser sehen wir diese Zeitleiste:

1947: Die Vollversammlung beschließt Resolution 181, die man als Teilungsplan für Palästina kennt. Sie fordert die Schaffung eines arabischen und eines jüdischen Staats in Palästina mit einem internationalen Sonderstatus für Jerusalem. 1948: Großbritannien gibt sein Mandat über Palästina auf und am 14. Mai wird der Staat Israel ausgerufen. Am nächsten Tag marschieren reguläre Truppn der arabischen Nachbarstaaten in das Territorium ein, um den palästinensischen Arabern zu helfen. Die Kämpfe wurden mit einem Waffenstillstand aufgehalten, den der Sicherheitsrat am 29. Mai forderte, der von der UNO-Waffenstillstands-Aufsichtsorganisation (UNTSO) beaufsichtigt wurde. 1949: Unter Aufsicht der Vereinten Nationen warden Waffenstillstandsvereinbarungen zwischen Israel und den arabischen Nachbarstaaten unterzeichnet, womit die Waffenstillstandslinien, auch als Gründe Linie bekannt, festglegt wurden. 1967 und 1973: Nach zwei Kriegen entwarf der Sicherheitsrat in seinen Resolutionen 242 (1967) und 338 (1973) die Prinzipien für einen gerechten und dauerhaften Frieden, bestont die Unzulässigkeit des Erwerbs von Territorium durch Krieg und fordert Verhandlungen zum Erreichen dieses Ziels. 1967: Der Bau israelischer Siedlungen in den Besetzten Palästinensischen Gebieten (OPT) beginnt kurz nach dem Krieg von 1967 in Verletzung des Völkerrechts. Trotz des Aufrufs des Sicherheitsrats an Israel die Siedlungsaktivitäten einzustellen und die Siedlungen abzubauen, wurden sie weiter im palästinensischen Territorium, einschließlich Ostjerusalems bis zum heutigen Tag gebaut. 1974: Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) wird von der Vollversammlung als Repräsentant des palästinensischen Volks anerkannt und Beobachterstatus gewährt. 1975: Die Vollversammlung gründet das Komitee zur Ausübung der unveräußerlichen Rchte des palästinensischen Volks und forder es auf ein Aktionsprogramm zu empfehlen, um dem palästinensischen Volk zu ermöglichen seine unveräußerlichen Rechte auszuüben, einschließlich des auf Selbstbestimmung.

Der Eintrag zu 1948 ist falsch. Die palästinensischen Araber begannen Juden lange vor dem Mai 1948 anzugreifen – sie begannen innerhalb von Stunden nach der Abstimmung zum Teilungsplan 1947. Sie töteten viele Zivilisten bevor die zionistischen Streitkräfte begannen sich zu verteidigen.

Das Erstaunliche an dieser Geschichte ist aber, was fehlt. Obwohl es eine Geschichte der Involvierung der UNO in das Thema ist, erwähnt die UNO nicht, dass Israel 1949 als Mitglied dort akzeptiert wurde. Der Krieg von 1956 wird komplett ignoriert, ebenso wie die Fedayyin-Anschläge auf Israel von seiner Gründung bis 1967. Die Drohungen arabischer Staaten gegen Israel – ignoriert. Die tatsächlichn Kriege von 1967 und 1973 wurden im Wesentlichen ignoriert. Die Aufstellung der Fatah und der PLO sowie weiterer Terrorgruppen – ignoriert. Der Schwarze September – ignoriert. Palästinensische Flugzeugentführungen in den 1960-er und 1970-er Jahren – ignoriert.

Letzteres ist besonders wichtig, weil es mindetens eine Resolution des UNO-Sicherheitsrats gab, die forderte, dass die Entführer die Passagiere einer dieser Entführungen freilassen. Die UNO kann nicht behaupten, dass ihre Geschichte nur die ihrer direkten Involvierung bei Palästinensern udn die andere Information ist nicht relevant – weil eine Resolution des UNO-Sicherheitsrats eine große Sache ist, jedoch wird sie in dieser Geschichte ignorirt, weil der Punkt ist nicht die Besucher über die palästinensische Geschichte in der UNO zu informieren, sondern sie reinzuwaschen.

(Teil 1, Teil 2)

Die gefälschte palästinensische Geschichte der UNO (Teil 2)

Elder of Ziyon, 17. Juni 2019

Ich gehe weiter durch das Display der Palästinenserfrage in den Hallen der Vereinten Nationen. Teil 1 ist hier.

Die United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East (UNRWA) wrude 1949 von der UNO-Vollversammlung gegründet, um den Palästina-Flüchtlingen Notfallhilfe zu leisten. Heute beitet die Agentur mehr als 5 Millionen registrierten Palästina-Flüchtlingen (von weltweit mehr als 11 Millionen Palästinensern) Hilfe und Schutz, die in Jordanien, dem Libanon, Syrien, dem Gazastreifen und der Westbank einschließlich Ostjerusalems leben. Die Dienste von UNRWA umfassen Bildung, Gesundheitsversorgung, Linderung und Sozialleistungen, Lager-Infrastruktur und –Verbesserung, Mikrokredige und Notfallhilfe. Zusätzlich bieten spezialisierte Organisationen und Programme der UNO, darunter der UNO-Kinderfonds (UNICEF), das UNO-Etwicklungsprogramm, der UNO-Bevölkerungsfonds und das World Food Pgramme (WFP) in verschiedenen Bereichen weiter Hilfe für das palästinensische Volk, darunter Lebensmittelversorgung, Bildung, Entwicklung und Landwirtschaft. Geschätzte 1,6 Millionen Palästinenser, rund 33% der Bevölkerung der OPT, haben keine sichere Lebensmittelversorgung.  Die meisten Palästinenser sehen sich Wasserknappheit ausgesetzt, wobei die Krise im Gazastreifen besonders akut ist

Ich werde nicht allzu viel Zeit mit diesem Bereich über die UNRWA verbringen; die Probleme, dass die UNRWA eine völlig andere Flüchtlingsdefinition hat als in der Flüchtlingskonvention dargelegt, ist ein Thema, das wir viele Male abgedeckt haben und bei bestem Willen sagen, dass heute 5 Millionen Flüchtlinge gibt.

Das Display erwähnt, wie schon gesagt, die Intifadas nicht. Es überpringt Oslo und Arafats Weigerung einen Staat zu akzeptieren. Es stimm, die UNO war nicht dran beteiligt, aber die Geschichte ist wichtig; Menschen, die das als ihre Bildung zu palästinensischer Geschichte lesen, lernen praktisch nichts darüber, warum sie keinen Staat haben – weil sie ihn so oft abgelehnt haben.

Im April 2003 legten die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, die Russische Föderation und die Vereinten Nationen – auch als das Quartett bekannt – eine Friedensinitiative vor, die „Roadmap“, die eine dauerhafte Zweistaatenlösung vorsah. Der Plan wurde vom Sicherheitsrat mit Resolution 115 (2003) befürwortet. Die Roadmap rief zu einer Vereinbarung auf, die den Konflikt und die Besatzung beendet und zu zwei Staaten – Israel und Palästina – führt, die Seite an Seite in Frieden, Sicherheit und gegenseitiger Anerkennung leben. Jeder Staat muss die Verpflichtungen einhalten, gleiche bürgerliche Rechte für all seine Bürger sicherzustellen und die Menschenrechte und die Menschenwürde zu respektieren. Jerusalem muss über Verhandlungen als zukünftige Hauptstadt zweier Staaten daraus hervorgehen. Es muss zudem eine vereinbarte, faire und realistische Lösung für die Flüchtlingsfrage geben.

UNSC 1515 sagte nicht viel darüber hinaus, das die UNO die Roadmap des Quartetts befürwortet.

Die Roadmap sagte überhaupt nichts von Jerusalem als Hauptstadt Palästinas, obwohl sie impliziert, dass es geteilt werden könnte: „Eine Verhandlungslösung zum Status von Jerusalem, der die politischen und religiösen Sorgen beider Seiten einbezieht und die religiösen Interessen von Juden, Christen und Muslimen weltweit schützt und die Vision von zwei Staaten erfüllt, Israel und ein souveränes, unabhängiges, demokratisches und existenzfähiges Palästina, die Seite an Seite in Frieden und Sicherheit leben.“ Aber es gibt in diesem Text nichts, das Israel daran hindert die Kontrolle über ganz Jerusalem zu behalten.

Die Ausstellung ignoriert einmal mehr Israels Friedensangebot von 2008, das Jerusalem in der Tat geteilt hätte.

(Teil 1, Teil 3)

Die gefälschte palästinensische Geschichte der UNO (Teil 1)

Elder of Ziyon, 16. Juni 2019

Mrs. Elder und ich besuchten am Freitag die UNO als geladene Gäste der israelischen Mission bei der UNO.

An herausragender Stelle nahe des Sicherheitsrats befindet sich dieses große Wand-Display zur „Frage Palästinas und der Vereinten Nationen“.

Wie zu erwarten war, gibt es eine Menge Auslassungen und Unwahrheiten.

Angefangen mit:

Als die Vereinten Nationen 1945 gegründet wurden, wurde Palästina, das Christen, Juden und Muslime als heiliges Land betrachteten, vom Vereinten Königreich verwaltet, unter einem Mandat, das es 1922 durch den Völkerbund erhielt.

Muslime betrachteten Palästina nicht als heiliges Land. Sie hielten Jerusalem für heilige (das ist das, was Al-Quds bedeutet) und verehrten einen bestimmten Ort in Hebron, aber ich habe nie jemanden sagen hören, dass das gesamte Land als heilige betrachtet wurde. Immerhin wurden die Grenzen dieses Landes nie von Muslimen festgelegt, als sie es kontrollierten.

Als das britische Mandat Palästina 1947 zu Ende ging, schlug die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Teilung des Landes vor. Darin wurden ein unabhängiger arabischer und ein jüdischer Staat ins Auge gefasst sowie ein besonderes internationales System für Jerusalem. Der Plan wurde von der Jewish Agency for Palestine akzeptiert, nicht aber von den arabischen Staaten , die ihn für eine Verletzung der UNO-Charta hielten, die des Respekt für das Prinzip der Selbstbestimmung anerkannte. 1948 wurden als Ergebnis des Kriegs zwischen Israel und den benachbarten arabischen Staaten fast 750.000 Palästinenser entwurzelt, enteignet und zu Flüchtlingen.

Es gibt keine Verwunderung darüber, wie die UNO-Vollversammlung möglicherweise die UNO-Charta verletzt haben könnte. Und beachten Sie, dass das Prinzip der Selbstbestimmung nach Maßgabe der arabischen Verweigerer für Juden nicht existiert.

Die Verwendung des Wortes „Palästinenser“ ist anachronistisch, da es sich damals fast ausschließlich auf Juden bezog, sowohl von Juden selbst als auch vom Rest der Welt.

Der Staat Israel wurde 1948 gegründet. Der arabische Staat – Palästina – kam nicht zustande.

Noch einmal: Er wäre vermutlich nicht Palästina genannt worden, da dieses Wort damals mit Juden assoziiert war und Institutionen wie das Palestine Symphony Orchestra und die Palestine Post jüdisch waren.

Die Ausstellung fragt nicht, warum die Araber keinen Staat gründen konnten. Sie erwähnt nicht, dass Ägypten den Gazastreifen eroberte und Jordanien illegal die Westbank annektierte.

Nichts wird über die Terroranschläge palästinensischer Fedayyin in den 1950-er und 1960-er Jahren an Israels Grenze gesagt. Nichts über die Gründung der PLO 1964 oder der Fatah in den 1950-ern. Nichts über die ständigen Drohungen Ägyptens, Syriens und anderer arabischer Staaten Israel zu vernichten.

1967, nach einem weiteren arabisch-israelischen Krieg, besetzte Israel den Gazastreifen und die Westbank, einschließlich Ost-Jerusalems, sowie den ägyptischen Sinai und den syrischen Golan. Mindestens 500.000 Palästinenser wurden aus ihren Häusern vertrieben; rund die Hälfte von ihnen zu zweiten Mal seit 1948. Der Sicherheitsrat reagierte mit Beschluss der Resolution 242, die zum Rückzug der israelischen Streitkräfte aus im Konflikt besetzten Territorien aufrief, der Beendigung aller Ansprüche auf Krieg oder Kriegszustände und Respekt für sowie Anerkennung von Souveränität, territorialer Integrität und politischer Unabhängigkeit eines jeden Staates in der Region sowie ihr Recht in Frieden mit Sicherheit und anerkannten Grenzen zu leben. Seit 1967 haben aufeinander folgende israelische Regierungen Siedlungen in den Besetzten Palästinensischen Gebieten (OPT) gegründet. Die Gesamt-Siedlerbevölkerung in den OPT, einschließlich Ostjeursalem, wurde auf mehr als 570.000 geschätzt, so ein Bericht des Nahost-Quartetts von 2016. Die israelischen Siedlungsaktivitäten werden gemäß dem Völkerrecht als illegal betrachtet. Artikel 49 der Vierten Genfer Konvention verbietet solche Aktivitäten; dort ist festgelegt: „Die Besatzungsmacht darf keine Zivilbevölkerung oder Teile davon in das von ihr besetzte Gebiet umsiedeln.“

Dort steht nicht, von welchem Land Israel die Westbank und den Gazastreifen „besetzte“ – weil sie keinem Land gehörten. Was einer der Gründe ist, dass das Land nicht als legal besetzt betrachtet wird – Israel hatte und hat einen legalen Anspruch auf das Land. Es ist umstritten.

Die 500.000 angeblich vertriebenen Palästinenser sind eine erfundene Zahl. Diese UNO-Quelle spricht von 100.000 bis 300.000. Ich kann keine andere Quelle finden, die höhere Zahlen angibt.

Es gab zwar ein paar winzige Dörfer, die zerstört wurden, aber die weit überwiegende Mehrheit der Araber floh, weil sie nicht unter jüdischer Herrschaft leben wollten – Israel hat sie im Großen und Ganzen nicht vertrieben, außer bekannte Terroristen und Verdächtige. Die Gazaner flogen in Bussen nach Jordanien, die Israel ihnen zur Verfügung gestellt hatte!

UNSC 242 erwähnte keine Palästinenser. Sie kann auf keinesfalls so interpretiert werden, sie würde sagen, dass irgendwelche von Israel eroberten Gebiete palästinensisch waren. Sie erwähnte auch diese „500.000“ Heimatlosen nicht.

Israel deportierte oder transferierte keinen einzigen Juden in diese Gebiete. Sie gingen freiwillig dorthin. Es gibt keine Verletzung der Genfer Konvention; tatsächlich war der ganze Grund, dass dem Statut von Rom die zusätzlichen Worte „Transfer, direkt oder indirekt“ hinzugefügt wurden, weil die arabische Welt sicherstellen wollte, dass das Völkerrecht die Siedlungen ex post facto (im Nachhinein) für illegal befinden sollte.

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Heute leben die Palästinenser4 weiter unter dem Besatzungsregime, begleitet von wirtschaftlichem Elend, Verletzungen des humanitären Völkerrechts und der Menschrechtsgesetze und Gewalt, die bei mehreren Gelegenheiten in offenen bewaffneten Konflikt eskalierte, was zahlreiche zivile Opfer und massive Zerstörung zur Folge hatte.

Die UNO erwähnt nicht, dass den Palästinenser mehrere Male ein Staat angeboten wurde und sie das ausschlugen. Sie erwähnt nicht die  Flugzeugentführungen der 1970-er Jahre, die beiden tödlichen Intifadas, die Bombenanschläge auf Busse, die Selbstmord-Bomber. Nur palästinensisches Opfertum darf angeführt werden, keine palästinensische Verantwortlichkeit.

Es gibt noch mehr.

(weiter zu Teil 2 und Teil 3)

‚Apartheid sichtbar gemacht’

Unter dem Titel „Inside Out“ stellen „palästinensische Studenten Fotos in Köln“ aus. „Auf den Fotos verarbeiteten die Studierenden aus Bethlehem die physischen, emotionalen und spirituellen Konsequenzen angesichts eines Lebens hinter einer Mauer“, zitiert der Kölner Stadtanzeiger den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

Und wie lautet der erste Leser-Kommentar dazu? „Apartheit sichtbar gemacht“ – und geht dazu über sich zu wundern, dass diese „politisch unkorrekte“ Ausstellung in Köln überhaupt noch möglich ist. Und wer „die wahren Herren“ sind (nämlich die Juden, die das Jüdische Museum durchsetzen wollen). Dazu das übliche Gefasel vom „Apartheidstaat Israel“ und den wahren Opfern desselben, die von der Öffentlichkeit ausgeblendet würden.

Dass dieses antisemitisch zumindest angehauchte Geseiere auf der Internetseite des Kölner Stadt-Anzeigers steht, ist alleine schon Beleg dafür, dass der Kommentator Stuss von sich gibt; ebenso die „politisch unkorrekte Ausstellung“, die ja wohl viel mehr den Mainstream wiedergibt, als etwas Konstruktives zur Nahost-Debatte beizutragen. Die ganze Wortwahl im Stadt-Anzeiger spricht Bände: „Mit dem Bau des so genannten ‚Verteidigungswalls’ will Israel den Zugang der Palästinenser auf der Westbank erschweren.“ Äh, wie? Zugang wohin? Der Palästinenser in die Westbank? Aus der Westbank? Innerhalb der Westbank? „So genannter“ „Verteidigungswall“? Mit „sogenannt“ schon als Lüge hingestellt und dann noch in Anführungszeichen – schlimmer geht’s nimmer. Die Sperranlage ist eine Schutzmaßnahme gegen die Terroristen – deren Zugang nach Israel erschwert bis verhindert werden soll. Was da in der Zeitung steht, ist zumindestens – tendenziös. Eigentlich ist es grober Unsinn. Angereichert mit fehlender Erklärung der Ursachen für den Schutzwall, ganz zu schweigen davon, wie sich die Juden fühlen, die von den Genossen der „Verarbeiter“ nach Kräften gemordet werden und deshalb in ihrer Verzweiflung das monströse Gebilde errichten. Es wäre ja auch zu viel verlangt, wenn man die Probleme beim Namen nennt, denn dann würden die Juden nicht mehr als die Verbrecher da stehen, die man auf Teufel komm raus auch mehr als 60 Jahre nach dem Holocaust aus ihnen machen will.

Wenn man es genau nimmt, dann wird aber durch den „Verteidigungswall“ doch Apartheid deutlich. Allerdings anders herum. Wer darf denn von wo nach wo reisen, um medizinische Versorgung (in der Regel auch noch kostenlos) zu erhalten? Wer flüchtet denn von wo nach wo, wenn die internen Kämpfe wieder mal zu mörderisch werden? Wer darf denn GRUNDSÄTZLICH NICHT von wo nach wo?

Palästinenser dürfen in Israel arbeiten – jedenfalls eine Reihe von ihnen. Ein Israeli, der seinen Fuß in die Palästinensergebiete setzt, riskiert sein Leben. Kranke Palästinenser können sich in Krankenhäuser nach Israel überweisen lassen – ein Israeli würde von jedem palästinensischen Krankenhaus abgewiesen. Wie viele Israelis sind in die Palästinensergebiete geflüchtet, weil sie Gefahr laufen im eigenen Land von den eigenen Landsleuten umgebracht zu werden?

Und: Wer will sein Land von der anderen Bevölkerungsgruppe klinisch rein halten? In Israel leben rund 1,25 Millionen muslimische Araber, ohne dass ihnen nahe gelegt wird das Land zu verlassen; wie viele Juden wollen die Palästinenser in ihren Gebieten zulassen? Genau: keinen einzigen. „Judenrein“ nannte das ein tausendjähriges Deutschland einmal. Nett, solche Parallelen, nicht wahr?

Der Kommentator im KStA wird sicher weit von sich weisen, dass er rassistisch ist, antisemitisch oder sonst etwas. Nur passt das nicht mit den Realitäten überein – weder mit seiner Wortwahl, noch mit den geäußerten Inhalten. Die Rassisten sind die Feinde Israels. Die Apartheid-Vertreter diejenigen, die eine Gruppe Menschen wegen ihrer Ethnik ausschließen und vertreiben wollen. Bei dem kommentierenden Spinner fehlt jetzt nur noch der Vorwurf des Völkermords – oder der „ethnischen Säuberung“ – an den PalArabern; was vom Streben her auch wieder nur umgekehrt der Fall ist.

Die Lügenbolzen sollten sich wirklich einmal etwas anderes einfallen lassen. Vielleicht können sie neue Lügen produzieren, weniger faktenfremd sind. Dann hätten wir wenigstens etwas Neues, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Aber so weit wollen die Lügenverbreiter wohl nicht gehen. Ihnen reicht es, immer wieder dieselben Lügen zu wiederholen; die doofen Leser werden es schon glauben. Und die Medien reihen sich schön ein in die Phalanx derer, die diese Lügen verbreitet sehen wollen. Qualität nennt man das heutzutage.

Nachtrag: Als eine der „Begründungen“ für die angeblich palästinenserfeindliche Haltung des KStA führte der Kommentarschreiber an, dass Inge Günther und ihre „Berichterstattung“ (Anführungszeichen von mir!) aus der Zeitung verbannt worden seien. Fragt sich nur, wie dann das hier zustande kommt. Man sieht auch hier wieder: Die selbsternannten „Kritiker“ Israels arbeiten nicht mit Fakten, sondern mit Einbildungen, die mit der Realität (vor Ort wie auch hier) ziemlich wenig zu tun haben…

„Abgestempelt“

Wanderausstellung zu Juden und Antisemitismus in Deutschland
(Die Links im Text führen zu weiteren Fotos aus der Ausstellung)

Einführung zu
Die Ausstellung „Abgestempelt“ stellt die Bundeszentrale für politische Bildung zur Verfügung und wurde in deren Auftrag von Museum für Kommunikation und dem Jüdischen Museum der Stadt Frankfurt erstellt. Bis zum 21. Februar 2008 gastiert sie in der Hoffnungskirche im Leverkusener Stadtteil Rheindorf, wo sie am 28. Januar von Oberbürgermeister Küchler eröffnet wurde.

Ausstellung
Die Ausstellung ist nicht groß, aber sie beeindruckt. Große Stellwände liefern kurze, einprägsame Erklärungen der Exponate, einer Vielzahl von Postkarten, vor allem aus dem Zeitraum von etwa 1890 bis in die 1920-er Jahre und dem Zweiten Weltkrieg, durch die offenbar auch der Name der Ausstellung entstanden ist. Sie gehören zu den fast 1.000 Postkarten mit antisemitischen Motiven, die Wolfgang Haney gesammelt hat.

Postkarten-Sammelleidenschaft
Thematisch sind die Ausstellungsstücke in mehrere Themen gegliedert. Zum Einstieg gibt es eine kurze Geschichte der Postkarte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dann erfolgt der Übergang zur Nutzung dieses Kommunikationsmittels durch Antisemiten und wie einige antisemitische Motive entstanden sind. Der Rest der Geschichte vor dem Dritten Reich besteht aus Fragen, die mit erklärenden Äußerungen zu den ausgestellten Postkarten beantwortet werden:

Es ist wahrscheinlich wenig bekannt, dass während der Inflation 1922/23 das von Städten gedruckte Notgeld ebenfalls oft antisemitische Motive enthielt.
Notgeld aus der Inflationszeit 1922/23
Hier gibt es in der Ausstellung allerdings auch ein Fragezeichen: Neben dem von einzelnen Städten ausgegebenen Notgeld sind eine ganze Reihe Reichsbank-Noten ausgestellt; die darauf befindlichen antisemitischen Aufdrucke erscheinen nicht zum Originalzustand zu gehören, sondern später aufgedruckt worden zu sein. Es müsste nachgeforscht werden, von wem diese Aufdrucke zu welchem Zweck gemacht wurden.

Nazideutschland
Der vorletzte Abschnitt beschäftigt sich mit dem Thema „Wenn der Antisemitismus an die Macht kommt“ – soll heißen, mit dem systematischen Antisemitismus des Dritten Reichs. Er glieder sich wieder in Abschnitte, die die Phasen der antisemitischen „Arbeit“ der Hitler-Diktatur darstellen und zunächst erklärt werden („Antisemitismus als Staatsideologie im Nationalsozialismus“): „Machtergreifung“, „Ausstellungs-Offensive“ und „totaler Krieg“:

  • In der ersten Phase gab es „Ausschreitungen gegen Juden“.
  • Ab 1936 folgten Ausstellungen über den Charakter der Juden und ihre Beiträge gegen die Menschheit („Bolschewismus“, „Entartete Kunst“, „Der ewige Jude“)
  • Der „totale Krieg“ gegen die Juden begann mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939, als die Kriegsgegner als von den Juden geführt und beherrscht dargestellt wurden, unterstützt von Filmen wie „Jud Süß“, der „Ewige Jude“ usw. Ab etwa Mitte des Krieges gab es antisemitische Feldpostkarten, die von der Ostfront und den besetzten Gebieten im Osten von Soldaten, Angehörigen der „Einsatzgruppen“ und Zivilpersonal der Besatzungsbehörden nach Hause geschickt wurden.

Stereotype heute
Den Abschluss der Ausstellung bildet ein Blick auf die Gegenwart: Wie gehen wir heute mit Stereotypen um? Wann wird die Grenze des „Erträglichen“ überschritten? Gibt es antisemitische Klischees, die bis heute überlebt haben?

Zur Verdeutlichung gibt es eine Tabelle mit „Stammtischansichten“ der Europäer über einander, zwei Comics (Asterix, Tim und Struppi), in denen Stereotype zu finden sind, ein paar Markenprodukte, die Stereotype aufzeigen (könnten), sowie die Kunstinstallation „Feinkost Adam“, die die Unkenntnis des und Umgang mit dem jüdischen Leben aufgreift und mit Vorurteilen konfrontiert. Es fällt angenehm auf, dass die Ausstellungsstücke der Markenprodukte dem Zuschauer nicht vorgibt, was daran stereotyp oder diskriminierend sein könnte, denn nicht alles muss so sein; aber Betrachter kann sich seine eigenen Gedanken machen – was sicher beabsichtigt ist.

Die letzte Stellwand führt eine problematische Entwicklung der letzten Jahre an, die zeigen, wie schief das Bild auf die Juden heute noch/wieder ist.
Israel ist eine Bedrohung!
Dazu werden Besorgnis erregende Umfrageergebnisse aus den Jahren 2002 bis 2004 zitiert, nach denen Israel als größte Bedrohung des Weltfriedens betrachtet wird; eine Mehrheit der Befragten die CIA und den Mossat als Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 ansehen; 20% der Befragten den Juden die Schuld geben, „dass wir so große Weltkonflikte haben“; 33% der Deutschen der Meinung sind, dass die Juden zu viel Einfluss in der Welt haben.

Diese Ausstellung zeigt vor allem den – wie ich es nennen möchte – „deutschen Alltags-Antisemitismus“ auf, dem die Bevölkerung sich ausgesetzt sah. Sie beschreibt, wie tief verankert er im Denken eines nicht unbedeutenden Teils der Deutschen war, ohne Staatspolitik zu sein – aber auch ohne systematisch bekämpft zu werden. Antisemit war man offenbar so „gleichberechtigt“, wie andere bei den Sozialdemokraten, Mitglied in Veteranenvereinen oder Kleingärtner waren (wobei das eine das andere nicht ausschloss).

Der heute grassierenden Antisemitismus wird von der Ausstellung nicht dargestellt. Angesprochen wird er lediglich im Rahmen allgemeiner Stereotypisierungen und möglicher Diskriminierungen und über die Zitierung der Israelfeindlichkeit offenbarenden Umfragen. Der heutige bei uns sichtbare rechtsradikale und muslimische (und arabische) Antisemitismus kommt überhaupt nicht zur Sprache. Das mag als Defizit angesehen werden, würde aber wohl eine Ausstellung sprengen, in der es um den „persönlichen“ Antisemitismus, seine „stilleren“ Erscheinungsformen und das Einschleichen ins (Unter-)Bewusstsein der Menschen geht, über das aufgeklärt werden soll. Dazu wäre vielleicht auch ein etwas umfangreicherer Teil über die Gegenwart wünschenswert, der aber schnell auch in politische Korrektheit hätte abgleiten können. So gesehen ist es gut, dass der Besucher sich seine eigenen Gedanken über die heutigen Zustände machen muss.