BDS ist ein Haufen Sch…

Yoni Leviatan, The Times of Israel blogs, 27. November 2015

Haben Sie von BDS gehört? Israelische Sturköpfe und diejenigen, die dafür sterben würden Israelis zu töten, kennen sich zweifellos gut im Daseinsgrund der Bewegung aus. Das Akronym steht für Boykott, De-Investitionen und Sanktionen und zielt strikt auf Israel, denn es wäre in den Köpfen dieser Leute aberwitzig gegen Länder wie Syrien, den Iran und Nordkorea vorzugehen.

Leider – für die Bewegung – muss sie eine Menge Zeit damit verbringen zu erklären warum BDS das D verdient und nicht als totaler BS* bezeichnet werden sollte. Die jüngste Vorfall zur Herausforderung der Legitimität der BDS entstammt der Entdeckung, dss einige der lautstärksten Anhänger der Bewegung Wix nutzen, um ihre Internetseiten zu basteln. Wix ist eine israelische Firma, was die Studenten für Gerechtigkeit in Palästina an der Universität Denver ihre Hosen füllen lassen, während sie versuchen die Gerechtigkeit ihrer finanziellen Beiträge an die israelische Wirtschaft zu rechtfertigen versuchen. Wir können sicher schließen, dass der Boykotteur des Jahres nicht zu ihren Spitzenauszeichnungen gehören wird.

Es gibt zwei Hauptgründe, warum BDS absoluter BS ist. Der erste hat mit der Unfähigkeit zu tun sinnvolle Boykotte durchzuführen. Während viele in der Welt glauben, dass Israel der oberster Exporteur von Siedlungen ist (was es zugegebenermaßen durchaus sein könnte), sind sich wenige bewusst, dass in Wirklichkeit Israels Export Nummer 1 Technologie ist.

Seit den frühen 1970-er Jahren, als Intel sich im Gelobten Land niederließ, um seinen allgegenwärtigen Mikroprozessor zu entwickeln, sind viele der größten technologischen Fortschritte aus Israel gekommen. So unterschiedliche Dinge wie Handys, die Kamerapille, USB-Sticks, Voicemail, digitaler Druck und Instant Messenger verdanken ihre Existenz israelischem Einfallsreichtum. Was bedeutet, dass es heutzutage unmöglich ist sich in unserer modernen, technologisch unterstützten Welt miteinander zu verbinden, und nicht einen Anflug der Unterstützung der israelischen Wirtschaft zu leisten.

Google, Microsoft, Cisco, Dell, Intel, Amazon, AT&T, ebay, General Electric, IBM, LG, Oracle, Samsung, Xerox, Yahoo und viele andere – die jüngsten sind Appel und Facebook – erledigen viel von ihrer Forschung und Entwicklung in Israel. Selbst Firmen außerhalb des technischen Bereichs wie Nestle arbeiten daran ihre knusprigen Schoko-Leckereien im Land von Milch und Honig zu verbessern.

Ich fordere jeden auf einen ganzen Tag ohne Nutzung eines Produkts dieser Firmen zu verbringen. Für Israelis ist das Schöne daran, dass man durch Nutzung der Technologie dieser Firmen und Produkte die Zahlung der Körperschaftssteuer dieser Firmen an die israelische Regierung mitliefern, aber man stellt auch sicher, dass Israelis Gesellschaftsschichten weiter von den wichtigsten Firmen unserer Zeit beschäftigt werden. Und wir haben nur vom Hi-Tech-Sektor geredet. Bezieht man die landwirtschaftliche, medizinische und Verteidigungsindustrie mit ein, bei denen Israel zu den Top-Innovatoren jedes dieser Felder zählt, ist es praktisch unmöglich die Welt daran zu hindern sie Früchte israelischer Intelligenz zu nutzen (neben Israels köstlichen und saftigen Früchten), was es unmöglich macht zu verhindern, dass die Israelis sie wirtschaftliche Unterstützung der Welt genießen.

Sollte die Unmöglichkeit der Aufgabe nicht ausreichen um Sie von der Vergeblichkeit einer Boykottierung Israels zu überzeugen, sollten wir erst einmal auch die Gründe für den Boykott Israels untersuchen, die sich um die falsche Behauptung der Apartheid drehen, über die die BDS-Unterstützer ständig lügen.

Lassen Sie uns mit der Untersuchung des folgenden Bildes beginnen:

Arabische Mitglieder der aktuellen israelischen Knesset

Die ersten 13 der 14 arabischen Gesichter, die Sie sehen, gehören zur drittgrößten Partei der Knesset, dem Parlament Israels (die letzte schaffte es genau genommen nicht in die Fraktion). Ihre Wahl wurde von einem arabischen Richter am israelischen obersten Gerichtshof bestätigt, der derselbe arabische Richter ist, der die Wahl von Bibi Netanyahu zum Premierminister bestätigte und in seinen eigenen Worten sagte, Israel sei alles, aber kein „Apartheidstaat“.

Wie sich der respektierte Richter am obersten Gerichtshof wohl bewusst ist, verheißen eine arabische politische Partei sowie ein arabisches Mitglied am obersten Gerichtshof nichts Gutes für einen effektiven Apartheidstaat. Und diese Araber in der Knesset? Sie wurden von niemand anderem gewählt als israelisch-arabischen Staatsbürgern. In Israels Apartheid-Sorte sehen wir – nicht unähnlich der Art Boykott der BDS-Bewegung – eine sehr ineffektive Grundlage, die es den Arabern erlaubt nicht nur volle Staatsbürger des israelischen Staates zu sein (abzüglich der obligatorischen Pflicht des Militärdienstes) zu sein, sondern sie können bei Israels Wahlen abstimmen und für auch noch arabische Kandidaten wählen.

Sollte das das Argument israelischer Apartheid noch nicht zweifelsfrei zerstört haben, gestattet Israel es den arabischen Gemeinden auch ihr eigenes Schulsystem und Religionsgerichte einzurichten, was das Recht dieser Minderheit – die 20% der Gesamtbevölkerung stellt – ihre Religion und kulturellen Traditionen innerhalb der Geborgenheit ihrer gesellschaftlichen Infrastruktur weiter sicherstellt. Dennoch sind sie frei die Vorteile von auf jüdischer Grundlage stehenden israelischen Schulen, Krankenhäuser und Sicherheit zu genießen, wann immer sie das wünschen. Ja, sie können sich auch der Sicherheit erfreuen, die das Leben unter einer israelischen Regierung mit sich bringt, da Israels berühmtes Raketenabwehrsystem Eiserne Kuppel nicht zwischen Arabern und Juden unterscheidet, wenn es sie vor einfliegenden Raketen schützt. (Ich wette, die Araber in Syrien würde es nicht stören eine Weile in Israel zu leben.)

Als wäre das nicht genug, ist Arabisch auch eine offizielle Landessprache des Staates Israel. Jedes Straßenschild im Land ist in Hebräisch, Arabisch und Englisch verfasst. Zeigen Sie mir ein anderes Land in der Welt, das seine arabischen Bürger so sehr respektiert, dass es sich die Mühe macht sicherzustellen, dass sie sich niemals auf der Straße verirren.

Die Anti-Israel-Horde muss schon eine bittere Wahrheit schlucken, aber die Tatsache bleibt, dass nirgendwo im Nahen Osten Araber größere politische Freiheit und wirtschaftliche Chancen haben als im jüdischen Staat Israel. Das ist der Grund – egal, wie sehr die arabische Bevölkerung gegen israelischen Regierungspolitik ist – dass 68% von ihnen eher die Hatikva (die israelische Nationalhymne) singen würden als in einem Palästinenserstaat zu leben.

Ob nun wegen ihrer massiv fehlgeschlagenen Bemühungen oder ihrer moralisch versagenden Philosophie, es bleibt die Tatsache, dass die BDS-Bewegung ein gigantischer, heilloser Misserfolg ist.

Oder anders ausgedrückt: BDS ist nichts weiter als ein stinkender Haufen falsch informierter Sch….
* Bullshit = Sch…

Die Juden ermordeten den Palästinenser Jesus

Zvi Mazel, Makor Rishon

Der neue Antisemitismus, der sich in der Dämonisierung des Staates Israel ausdrückt, wird in einem Buch beschrieben, das sich die Entlarvung der Täter, ihrer Vorgehensweisen und ihrer Ziele zum Anliegen gemacht hat. Ist die israelische Regierung bereit diesem Phänomen entgegenzutreten?

Gerstenfeld_war-million-cutsManfred Gerstenfeld: The War of a Million Cuts: The Struggle against the Delegitimization of Israel and the Jews, and the Growth of New Anti-Semitisms. (Jerusalem Center for Public Affairs/RVP Publishers, 501 Seiten)

Dr. Manfred Gerstenfelds neues Buch in englischer Sprache, The War of a Million Cuts, ist in seiner Darstellung des neuen Antisemitismus praktisch so etwas wie eine Enzyklopädie. Nach Gerstenfelds Definition spiegelt der neue Antisemitismus eine Verschiebung des Fokus vom Hass auf das jüdische Individuum zum Hass auf den Staat Israel. Hier nimmt er vielleicht keine Neuerung vor, aber er präsentiert ein weit detailliertes und fundierteres Bild als das, das wir bereits kennen.

Gerstenfeld listet eine nach der andern die Quellen des neuen Hasses auf Israel auf. Es gibt davon viele und sie verkörpern eine Unmenge politischer Parteien, bürgerlicher und sozialer Organisationen, die Vereinten Nationen, Kirchen, viele Medien, Teile der akademischen Welt, Künstler und Einzelpersonen mit öffentlichem Ansehen und – sowohl offensichtlich als auch insbesondere – die arabischen Staaten und muslimische Organisationen. Die Einzigartigkeit dieses Buchs entstammt der Tatsache, dass Gerstenfeld die sich aus diesem globalen Hass ergebende Delegitimierung Israels in all ihren Aspekten und Dimensionen als einen machtvollen Prozess vorstellt. Dieser ist in die europäische Gesellschaft vorgestoßen und dringt weiter in sein, verursacht beim jüdischen Volk und dem Staat Israel nachhaltige Verletzung und Schaden – die „Millionen Schnitte“. Daher der Titel dieses Buchs.

Die Bedeutung dieses Bandes für die jetzige Zeit ist offensichtlich. Das ist auch der Grund, dass mit dem Thema vertraute europäische Persönlichkeiten ihre Unterstützung gegeben haben, indem sie ihre Hochachtung für das Buch auf seinem Einband bekunden. José Maria Aznar, ein ehemaliger spanischer Premierminister, schrieb sogar das Vorwort dazu.

Die Linke und der radikale Islam

Gerstenfeld schreibt, dass der „Holocaust den Antisemitismus in westlichen Gesellschaften nur vorübergehend unterdrückte. Heute ist es in diesen Gesellschaften oft nicht politisch korrekt sich öffentlich als Antisemit zu erklären. In Israel hat man jedoch ein Ersatzziel gefunden, auf das die Antisemiten ihren Hass richten können.“ Es ist wichtig zu betonen, dass Antisemitismus nie aufgehört hat.

Gerstenfeld erwähnt, dass der Antisemitismus kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auftauchte, als einige europäische Länder jüdische Holocaust-Überlebende davon abhielten in ihre Häuser zurückzukehren, die in der Zwischenzeit von anderen bewohnt wurden. Damit wurde ein Lage geschaffen, die an den Bibelvers 1. Könige 21,19 erinnert: „So spricht der HERR: Hast du gemordet und auch noch den Besitz übernommen?“ Das Problem ist nie gelöst worden und es darf bezweifelt werden, dass es je gelöst werden wird. Danach durchlief der Antisemitismus Phasen des Auf und Nieder. Die Zeit nach dem Sechstage-Krieg war von einem Tief beim Antisemitismus gekennzeichnet. Mit den weiteren Entwicklungen im arabisch-israelischen Konflikt wie zum Beispiel dem Zweiten Libanon-Krieg und der erst kurz zurückliegenden Operation Fels in der Brandung, erreichte der Antisemitismus jedoch neue Höhen.

In dieser Zeit, schreibt Gerstenfeld, betrat ein neuer Faktor die europäische Bühne, der für das Thema zentral wurde: die Masseneinwanderung von Muslimen, die in Zusammenarbeit mit der europäischen Linken die Grundlagen für antisemitische arabische Propaganda legte. Die Befürworter und Täter des neuen Antisemitismus sind in ihrem Kampf gegen Israel sehr tatkräftig; sie behaupten, dass ihre Worte und Taten legitime Kritik an der Politik Israels in den Gebieten darstellt und sich „gegen die Besatzung“ richten. Sie rechtfertigen sogar Angriffe auf europäische Juden, die sie als legitimes Ziel betrachten, „weil sie Israel unterstützen, das einen Völkermord am palästinensischen Volk verübt“.

Die bedeutendste und akuteste Bekundung der antiisraelischen Kooperation zwischen Muslimen und europäischen linken Organisationen wurde auf dem NGO-Forum der UNO-Konferenz gegen Rassismus in Durban (Südafrika) im Jahr 2001 stark betont. Eine unheilige Partnerschaft aus revolutionären, frustrierten Linken und Muslimen, die infolge ihrer Kultur gegen Menschenrechte sind, wie sie in der westlichen Welt verstanden werden, führte zur berüchtigten Erklärung von Durban. Diese Erklärung nannte Israel einen rassistischen Staat, der eine Apartheidpolitik betreibt; dazu hieß es in ihr: „Die Palästinenser haben das Recht mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen zu kämpfen“, bis sie ihre Ziele erreichen, wozu die Rückkehr aller Flüchtlinge nach Israel gehört. Mit anderen Worten: Das Ziel ist es den jüdischen Staat zu vernichten und dem jüdischen Volk das Recht auf einen unabhängigen Staat zu verweigern. Gerstenfeld sieht in dieser Erklärung – und zwar zurecht – die Grundlage für die Entwicklung des neuen Antisemitismus, wie er von der Aufstachelung zu globalem Hass auf Israel repräsentiert wird. Das ist die Untermauerung für die Bewegung Boykott, De-Investition und Sanktionen (BDS); sie hat die NGO-Erklärung von Durban als Schlachtruf übernommen.

Dr. Manfred Gerstenfeld, ein Holocaust-Überlebender, ist Wirtschaftswissenschaftler und Antisemitismus-Forscher. Er wurde in Wien geboren. Seine Familie floh in die Niederlande, als der Einfluss der Nazis zunahm. Die Familie ging in den Untergrund und schaffte es die Nazizeit zu überleben. Nach Abschluss seines Studiums begann Gerstenfeld seine Karriere als Wirtschaftsberater, wurde aber später angesichts seiner persönlichen Erfahrungen und seiner zionistischen Aktivitäten in den Niederlanden und andernorts in die Antisemitismusforschung gezogen.

Sein Freund, der verstorbene Professor Daniel Elazar, der das Jerusalem Center for Public Affairs gründete, brachte ihn in das JCPA. Gerstenfeld fand dort reichlich Gelegenheit für seine Antisemitismusforschung, die er tiefgreifend entwickelte. Innerhalb des Rahmens des Zentrums gründete er das Programm für Antisemitismus-Studien und brachte viele Forscher aus dem Ausland zu Vorträgen über seinee verschiedenen Aspekten dorthin. Er machte aus dem JCPA eines der wichtigsten Forschungszentren zum Thema. Bis 2012 diente er auch als Vorsitzender der Stiftung.

Gerstenfeld hat viele Bücher und Hunderte Artikel in einer Vielzahl von Ländern und in mehreren Sprachen veröffentlicht. Seine Schriften konzentrieren sich besonders auf sein Fachgebiet – europäischen Antisemitismus. Die Titel seiner Bücher bringen ihren Inhalt prägnant zum Ausdruck: den Verrat Europas und seiner Eliten an den Juden und am Staat Israel.

Im aktuellen Band legt Gerstenfeld, wie schon erwähnt, die Liste der Kristallisationspunkte des Antisemitismus dar, auch wenn er garantiert, dass diese Liste längst nicht vollständig ist. Um die unbegreifliche und beträchtliche Vielzahl und das Ausmaß dessen, wie der Hass zum Ausdruck kommt, zu illustrieren, zitiert er die Täter der schlimmsten antisemitischen Verunglimpfungen der letzten Jahre an, wie sie vom Simon Wiesenthal Center veröffentlicht wurden. 2012 gehörten dazu die Muslimbruderschaft, die iranische Regierung, der brasilianische Karikaturist Latuff, die antisemitischen Fußballfans in Europa, die Partei Svoboda in der Ukraine, die Partei Goldene Morgenröte in Griechenland, die Partei Jobbik in Ungarn, Trond Ali Linstad (ein zum Islam konvertierten Norweger), der deutsche Journalist Jakob Augstein und Louis Farrakhan, der Führer des Nation of Islam in den Vereinigten Staaten. 2013 standen auf dieser Liste der oberste Revolutionsführer des Iran, Ali Khamenei, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, Richard Falk (der Autor des UNO-Berichts zu Palästina), die BDS-Bewegung und so weiter.

Die regelmäßigen und vielfältigen, von Muslimen und linken Organisationen initiierten Aktivitäten haben sowohl in der politischen Arena als auf der Straße Hass auf Israel entfacht. Das ist hauptsächlich in europäischen Ländern aufgetreten, ist aber auch auf anderen Kontinenten zu sehen. Er kommt öfter in endlosen Attacken zum Ausdruck, mit denen Israels Name durch Vergleiche mit Nazideutschland zusammen mit Anschuldigungen verunglimpft werden soll, Israel töte absichtlich palästinensische Kinder und begehe sogar einen Völkermord an den Palästinensern.

All dies wird begleitet von gewalttätigen Aktionen gegen Juden und Aufrufen das jüdische Volk auszurotten. Der Wahlspruch „Tod den Juden“ ist auf Demonstrationen in europäischen Ländern zu einer akzeptierten Parole geworden. Es gibt Bemühungen den historischen Status des Judentums als Quelle des Christentums in Zweifel zu ziehen, indem darauf bestanden wird, dass Jesus ein Palästinenser war. Das erfolgt mit Hilfe antisemitischer Gruppen. Es ist unmöglich all die fingierten Anschuldigungen aufzuführen, die Israel zugeschrieben werden. Wir sprechen von einer gut geölten Propagandamaschine, die unablässig arbeitet und die Medien sowie die sozialen Netzwerke nutzt, um die Botschaft und ihre Auswirkungen zu verstärken. Das offensichtliche Ziel besteht darin Israel zu dämonisieren und zu delegitimieren, es zu isolieren und zu untergraben und zusätzlich den Juden Angst zu machen, die als seine Unterstützer wahrgenommen werden.

Ein derart breit angelegter Angriff durch eine so große Gruppe an Gremien über viele Jahre hinweg, betont Gerstenfeld, zielt darauf ab der Welt im Allgemeinen und dem „aufgeklärten Europa“ im Besonderen das Gefühl einzuprägen, dass Israel und die Juden das Böse verkörpern und dass die Vernichtung Israels und der Juden ein wünschenswertes und akzeptables Ziel ist.

Schwerer Schaden

Gerstenfeld beschreibt ausführlich die Aktivitäten in den meisten Ländern der Europäischen Union, wo der neue Antisemitismus sich entwickelt hat. Er zeigt, wie der neue Antisemitismus in der Psyche der Öffentlichkeit Wurzeln geschlagen hat und wie Bürger Europas dazu gekommen sind Israel als Staat zu betrachten, der den Weltfrieden gefährdet, auf einer Stufe mit dem Iran und Nordkorea.

Dabei bringen 40% der Bürger der Europäischen Union bis zu einem gewissen Grad antisemitische Gefühle zum Ausdruck. Eines der Ergebnisse des neuen Antisemitismus ist natürlich die merkliche Flucht von Juden aus Europa, insbesondere aus Frankreich, Heimat der größten jüdischen Gemeinschaft in Europa – in der Diaspora die zweitgrößte nach der in den USA.

Dem Phänomen gegenüber, sagt Gerstenfeld, verschließt Westeuropa die Augen, womit es seine jüdischen Bürger praktisch im Stich lässt. Die Medien und die akademische Gemeinschaft kollaborieren entweder damit oder ignorieren, was geschieht; damit sind sie zu Partnern der muslimischen Propagandakampagne geworden. Darüber hinaus werden die Lügen über Israels Politik und die falschen Vorwürfe des Völkermords an den Palästinensern von der Europäischen Union als wahr akzeptiert; diese setzt Israel politisch und wirtschaftlich unter Druck und fügt dem Land damit großen Schaden zu.

Gerstenfeld erklärt zu Beginn des Buches, dass er sich nicht auf die Vorstellung eines theoretischen akademischen Dokuments über Antisemitismus beschränken, sondern die Täter, ihre Vorgehensweise und ihre Ziele auf systematische Weise darlegen will. Sein Ziel ist es die israelische Regierung dazu zu bewegen mit aller Dringlichkeit eine aktive Politik gegen dieses Phänomen zu planen, da der neue Antisemitismus den Staat Israel in Gefahr bringt und dem jüdischen Volk erheblichen Schaden zufügt.

Gerstenfeld betont, dass aufeinander folgende israelische Regierungen das Problem ignoriert haben. Inzwischen, sagt er, ist das Phänomen weit stärker geworden. Es ist unerlässlich die geeigneten Personen so schnell wie möglich zu organisieren, eine Infrastruktur aufzubauen, die über Mobilisation von Geheimdienstinformationen, Menschen und Budgets rasch handeln kann. Es gibt in Israel viele, die behaupten, die Antisemitismus-Frage sei übertrieben und dass Israel werde wenig Schaden zufügt. Sie argumentieren, wenn die Juden durch Antisemitismus geschädigt würden, dann sollten sie nach Israel ziehen. Gerstenfelds Buch weist diesen Unsinn zurück und hebt die unmittelbar bevorstehende Gefahr des neuen Antisemitismus mit äußerster Klarheit hervor. Israels Regierung sollte ihn mitnichten ignorieren. Dieses Buch ist wichtig und sollte in alle europäischen Sprachen übersetzt werden. Im gegenwärtigen Klima darf jedoch bezweifelt werden, dass sein Aufruf gehört werden wird.

Zvi Mazel ist ehemaliger Botschafter Israels in Ägypten, Rumänien und Schweden. Heute ist er leitender Analyst am Jerusaelem Center for Public Affairs.

BDS verkündet Boykott der PA wegen „enger wirtschaftlicher Beziehungen zu Israel“

Danny Nash, The Mideast Beast, 29. August 2015

In einer überraschenden Wende der Ereignisse haben die Organisatoren der BDS-Bewegung (Boykott, De-Investition, Sanktionen) angekündigt, dass die international anerkannten politischen Repräsentanten der Palästinenser – die palästinensische Autonomiebehörde (PA) – Ziel ihrer Aktivitäten wird. Die BDS-Bewegung, ursprünglich dazu da, dass Antisemiten ich hinter einem höflicheren Banner verstecken konnten, hat sich der Aufgabe verschrieben Menschen, Regierungen und Firmen davon zu überzeugen, dass sie in ihrer Freizeit über Israel nachdenken sollten. Mit dem jüngsten Versuch Matisyahu (einem jüdischen, aber nicht israelischen Raggae-Rapper) in Spanien zu boykottieren, scheint es so, dass BDS Streit sammelt wie Juden Pfennige (um es in Begriffen auszudrücken, die auch sie verstehen). Trotz dieser fragwürdigen Haltung bleibt die Unterstützung für BDS stark, was viele Anhänger dazu führt sich zu fragen, was ihre neueste Ankündigung bezüglich der PA soll.

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Jüdischer Rapper Matisyahu boykottiert spanisches Fest, nachdem die Organisatoren es ablehnten die Inquisition zu verurteilen

„Die PA hat alle Kennzeichen einer Organisation, die wir boykottieren sollten“, sagte BDS-Führer Jon Katz The Mideast Beast. „Die PA macht Geschäfte mit Israel, arbeitet an gemeinsamen Projekten mit Israel, viele der von ihr repräsentierten Menschen arbeiten in Israel oder für Israelis. Schauen Sie sich einfach eine Landkarte an – sie berühren Israel sogar. Ich muss Ihnen sagen, das macht mich krank.“ Katz hofft auf internationale Unterstützung dafür die PA verschwinden zu lassen und als Ergebnis mit ihr auch Israel. „Wenn man ehrlich darüber nachdenkt, braucht der israelische militärische Komplex die PA; wie könnten sie sonst den Kauf so vieler Gewehre rechtfertigen – um auf Zivilisten zu schießen, ohne einen Feind zu haben?“ Und mit diesem Punkt ist die Logik des Argumentation offenbart wie die Hörner an einem Juden, wenn er seinen Hut abnimmt.

Aus die Maus: BDS ist das Gesicht des modernen Antisemitismus

Der Versuch Matisyahu zu boykottieren hat einen unbezahlbaren Blick in die einzigartige Struktur des zeitgenössischen Antisemitismus geboten – und zeigt uns, wie er bekämpft werden kann.

Ari Soffer, Israel National News, 23. August 2015

Die Debatte darüber ob die BDS-Bewegung – die Boykotte, De-Investitionen und Sanktionen gegen den Staat Israel fordert – antisemitisch ist, tobt seit deren Gründung vor etwa einem Jahrzehnt.

Als Beweis ihres Antisemitismus deuten die BDS-Gegner auf die Tatsache, dass sie den jüdischen Staat (eigentlich besonders die israelischen Juden und jüdische Institutionen/Firmen in Israel, nicht israelische Araber) aussondert, während sie massive Menschenrechtsverletzungen anderswo in der Region ignoriert – selbst wenn sie, wie z.B. in Syrien, an anderen Palästinensern verübt werden.

Sie führen weiterhin die schaurigen Ähnlichkeiten zwischen den Kampagnen zum Boykott (von Juden) im jüdischen Staat und früheren antisemitischen Boykottkampagnen in Europa (z.B. die von Nazi-Deutschland verübten) an. Und natürlich ist da die Frage der vielen offenen Antisemiten, die vom BDS und breiteren antiisraelischen Bewegungen aus allen Ecken des politischen Spektrums angezogen werden.

Die BDS-Unterstützer begegnen diesem Argument weitgehend damit, dass sie auf die nicht unbedeutende Handvoll Juden zeigen, die eine – manchmal herausragende – Rolle in ihrer Kampagne spielen, ebenso auf die Tatsache, dass (in ihren eigenen Worten) sie öffentlich jede Form von Rassismus ablehnen. Wie kann eine Kampagne, an der Juden beteiligt sind und die Rassismus ablehnt, eine antisemitische sein?

Die jüngste Saga zu Matsyahus Auftritt beim Rototom Sunsplash-Festival sollte diese Debatte ein für alle Mal beenden. Nach den Ereignissen der letzten Wochen sollte es mehr als klar sei, dass BDS nicht nur völlig antisemitisch ist, sondern sie und die breitere Antiisrael-Bewegung sind in der Tat gerade das Symbol des modernen Antisemitismus.

Es geht nicht um das „Warum-Geeiere“

Es geht nicht darum, dass BDS Matisyhau aufgrund der fadenscheinigen Grundlage der Sorge um „Menschenrechte“ ins Visier nahm, während die extrem homophoben Künstler ignoriert werden, die auf demselben Festival auftraten. Sicher, diese Scheinheiligkeit ist ein Kennzeichen der Schande für die Festival-Organisatoren; die Wiedereinladung Matisyahus macht die Tatsache nicht ungeschehen, dass sie ihn als „Verdächtigen“ behandelten, weil er ein pro-israelischer Jude war, während mit Homophoben, die das Verbrennen von Schwulen befürworten, nicht ebenso unter Druck gesetzt wurden.

Das ist ein wichtiger Punkt: Die BDS ist nicht antisemitisch, weil sie „sich nicht auf andere Menschenrechtsverletzung konzentriert“. Dieses Argument, das von pro-israelischen Gruppen oft angeführt wird, ist ineffektiv. Fakt ist, dass BDS eine der zahllosen Ein-Thema-Kampagnen rund um die Welt ist, die sich auf eine bestimmte Frage/Ort/angebliche Ungerechtigkeit fokussiert während andere ignoriert werden. So funktioniert eine Ein-Thema-Kampagne nun mal. Um Antisemitismus zur Rechenschaft zu ziehen und zu bekämpfen, müssen wir ihn unbedingt genau identifizieren – und die dass BDS sich auf ein einziges Thema konzentriert, spielt keine Rolle.

(Die einzige Ausnahme ist, wenn BDS – eine Gruppe, die behauptet sich zutiefst wegen der Rechte der Palästinenser zu sorgen – „palästinensischem Leid“ vergleichsweise wenig bis keinerlei Aufmerksamkeit widmet, wenn Israel nicht beteiligt ist. Zum Beispiel, wenn in Syrien das Regime und ISIS gleichermaßen Palästinenser abschlachtet oder an Hunger sterben lässt; oder im Libanon und Jordanien, wo ihnen grundlegende Rechte wie das Recht auf Arbeit, die Staatsbürgerschaft oder andere grundlegende Freiheiten verweigert werden. Aber selbst dann, obwohl diese Heuchelei ein Indikator ist, dass etwas an der Kampagne stinkt, ist das an sich noch kein Antisemitismus.)

Um zu verstehen, wieso BDS den modernen Antisemitismus im Westen verkörpert (die arabisch-muslimische Welt ist ein völlig anderer Fall), müssen wir zuerst die genaue Natur dieser eigenartigen Unterart der Bigotterie untersuchen. Antisemitismus tendiert wie ein Virus dazu sich zu wandeln und dadurch zu entwickeln, dass er sich die vorherrschenden Gewohnheiten und Diskurse der Gesellschaft nutzbar macht, um der Art von „Fortschritt“ gegenüber resistent zu bleiben, der unausweichlich anderer Formen der Engstirnigkeit aus dem Mainstream-Diskurs hinauswirft.

Als der christliche Fundamentalismus der letzte Schrei war, waren Juden „Christusmörder“. Als die Theorien der Rassenüberlegenheit als Mainstream galten, „verunreinigten/zerrütteten/ Juden die weiße Rasse“ oder wirkten gegen sie. Im Zusammenhang mit dem Kommunismus waren Juden Teil der „Bourgeoisie/Eliten/globalen Banker“ – im Gegensatz zu faschistischen Regimen, für die wir Hand in Hand mit den Kommunisten arbeiten.

Es kann verwirrend sein einem derart verworrenen Mix aus oft diametral entgegengesetzten Beschuldigungen zu folgen – aber so sieht das Wesen des Antisemitismus aus.

Wie andere Formen des Fanatismus ist er irrational. Wie andere Formen des Fanatismus wird es immer solche geben, die sich ihm anschließen und in seinem Namen sogar abscheuliche Verbrechen begehen. Aber anders als andere Formen des Fanatismus ist er „Fortschritt“ gegenüber resistent; seine Anhänger werden immer eine Möglichkeit finden ihn nicht nur für sich selbst zu rechtfertigen, sondern – was entscheidend ist – ihn selbst im Mainstream-Diskurs „akzeptabel“ und „gerechtfertigt“ zu halten.

Um zeitgenössischen Antisemitismus zu erkennen ist es daher entscheidend sich neben die früheren Paradigmen zu stellen, innerhalb derer er einst agierte, die er aber seitdem preisgegeben hat. Innerhalb solcher veralteter Paradigmen zu agieren – z.B. nach Beweisen für auf Rasse oder Religion basierenden Fanatismus zu suche – stärkt die zeitgenössischen Antisemiten sogar darin für ihre neue Version des Hasses zu werben, indem sie die echten Unterschiede zwischen sich und ihren Vorgängern als Beweis aufzeigen, dass sie „nicht wie die“ sind. Und doch ist es ein Fehler, den wir immer und immer wieder machen.

Um das zu illustrieren gib es eine gemeinsame Haltung, die von vielen Gegnern der BDS zu hören bekommen habe: „Während die Bewegung selbst nicht per se antisemitisch ist, gibt es gewiss einige/viele Antisemiten, die darin involviert sind.“ Was diese Leute tatsächlich sagen, ohne es zu erkennen: Es gibt Leute innerhalb der BDS und der breiteren Antiisrael-Bewegung, die einigen der alten, diskreditierten Versionen des Antisemitismus beipflichten, auch wenn die Bewegung selbst – damit erkennt man ihren Giftgehalt – manchmal versucht sich von ihnen zu distanzieren. In diesem Sinne haben sie recht; man musst innerhalb der Antiisrael-Gruppe nicht weit sehen, um eine kunterbunte Auswahl rechtradikaler Holocaustleugner, islamistische Fanatiker, Anhänger der christlichen Ersetzungstheologie und Neomarxisten zu finden, die allerlei „weniger akzeptable“ antisemitische Verschwörungstheorien und Ideen speien.

Doch wieder kann zwar die Tatsache, dass solche Einzelpersonen von der Antiisrael-Bewegung angezogen werden, ein Indikator ihrer antisemitischen Natur sein, aber das ist kein eindeutiger Beweis, solange solche Gruppen sich offen und öffentlich von solchen Vorstellungen distanzieren (so voller Ungereimtheiten solche Distanzierungen auch klingen mögen).

Antizionismus as Antisemitismus

BDS und andere antiisraelische Gruppen im Westen glauben – als Bewegung – nicht, dass alle Juden getötet oder bekehrt werden sollten (obwohl viele Einzelne innerhalb der Bewegung solche Überzeugungen hegen mögen und die Bewegung selbst offen andere völkermörderische Gruppen wie die Hamas unterstützt). Das ist keine spezifische Form des Antisemitismus, dem sie sich anschließen. Sie sind jedoch sehr offen, was die Version des Antisemitismus angeht, der sie beipflichten, obwohl sie die typischerweise so abstreiten: Antizionismus.

Dieser kommt zwar in vielen Schattierungen daher, aber der Zionismus in seinem grundlegendsten Sinn ist schlicht der Glaube, dass das jüdische Volks das Recht auf Freiheit und politische Unabhängigkeit in seinem uralten, historischen, angestammten Heimatland, Eretz Yisrael hat. Antizionismus oder „gegen Israel“ zu sein ist damit der Glaube, dass – während jede andere Nation dieses Recht besitzt – wir Juden es nicht haben oder an uns zumindest ein anderes Maß angelegt werden sollte, wenn wir es einmal haben, erbarmungslos unter die Lupe genommen gepiesackt werden sollten, wobei jeder Mangel (ob real oder imaginär) unter ein Mikroskop gelegt wird.

Noch tiefer sitzt, dass diese Überzeugung auf der perversen Vorstellung des Juden als „edlem Opfer“ basiert. Das ist der Grund, warum so viele antiisraelische Typen betonen, dass sie den Holocaust verurteilen (das ist natürlich sehr großzügig von ihnen) oder keine Mühen scheuen zu sagen, dass sie großes Mitgefühl für die Erfahrung der Juden haben, die ihn durchmachten. In den meisten Fällen tun sie das wirklich aufrichtig – denn Holocaust-Opfer sind genau die Art von tragisch schönen, „reinen“, verfolgten Juden, mit denen sie leben können. Jüdische Schwäche ist für zeitgenössische Antisemiten „attraktiv“, während jegliches wie auch immer geartetes Anzeichen jüdischer Stärke automatisch für „provokativ“ gehalten wird.

In diesem Sinne ist der zeitgenössische Antisemitismus eher mit dem Rassismus gegen Schwarze der Apartheid, des Jim Crow und der anschaulichsten Sklaverei vergleichbar als mit – sagen wir – dem Antisemitismus der Nazis.

Viele oder sogar die meisten Sklavenhalter zum Beispiel „hassten“ schwarze Menschen nicht in dem Ausmaß, dass sie sie alle tot sehen wollten. Viele von ihnen mögen sogar Zuneigung zu „ihren“ schwarzen Sklaven gehabt und sie gut behandelt haben. Aber das machte sie nicht zu Nichtrassisten, denn sie waren weiter der fundamental rassistischen Überzeugungssystem verschrieben, dass Schwarze Weißen rassisch unterlegen waren und dass ihre Status innerhalb der Gesellschaft das daher spiegeln sollte (entweder als Sklaven oder zumindest als Bürger zweiter Klasse). Schwarze, die für eine Veränderung agitierten, wurden als Unruhestifter oder Schlimmeres betrachtet – weil sie „kein Recht hatten“ frei zu sein.

Im zeitgenössischen Diskurs betrachten Antisemiten Juden auf die gleiche Weise.

Während andere Nationen frei sind, sogar ermutigt und unterstützt werden für ihre nationalen Rechte zu kämpfen, werden Juden dazu aktiv demotiviert und dafür schlecht gemacht. Während in jedem anderen Zusammenhang ein indigenes Volk, das seine angestammte Heimat physisch befreien will und gleichzeigt die durch die erobernden imperialistischen Mächte geänderte Ortsnamen zurückfordert – egal, wie lange es her ist, dass sie ihnen genommen und sie kolonisiert wurde – Wohlwollen gewinnen würde, werden Juden, die das tun, verhöhnt und verdammt, beschuldigt „auf uralter Geschichte herumzureiten“.

Es ist schon erstaunlich, dass wir Juden gleichzeitig der Unterdrückung des „uralten“ palästinensischen Volks – die angeblich „uralte“ Geschichte ist unerklärlich relevanter und weniger absurd als unsere eigene wachzurufen – über unseren modernen Nationalstaat beschuldigt werden. Diese schamlose logische Widersprüchlichkeit dienst als grafische Illustration der Schlüpfrigkeit des Antisemitismus und seiner Fähigkeit selbst in einem zeitgenössischen Kontext sein Aussehen zu ändern – manchmal innerhalb eines einzigen Atemzugs.

Das ist der Grund, dass Matisyahu zu boykottieren absolut auf einer Linie mit den Haltungen der BDS. Es spielt keine Rolle, dass er kein Israeli ist, worauf es ankommt ist, dass er ein jüdischer „Unruhestifter“ ist, denn auch wenn er nie politische Aussagen auf der Bühne macht, ist er klar pro-Israel und schämt sich dafür nicht.

Mit denjenigen, die dagegen vorgehen – bestimmt können sich nur die extremsten, Schaum vor dem Mund habenden, randständigen Antisemiten innerhalb der BDS-Bewegung möglicherweise einem solch offenen antisemitischen Standpunkt verschreiben – würde ich gerne einen Tweet teilen, den ich von jemandem erhielt, den sie vielleicht erkennen:

Ari Soffer:
Die Weigerung der BDS gegenüber zu katzbuckeln diente als Vorbild für junge Juden. Bei jüdischem Stolz geht es nicht um gefühlte Notwendigkeit „sich selbst zu beweisen“.
Jim Clancy:
Jeder trifft seine Wahl.
Poster:
Matiyahu und David Broza werden life auf der AIPAC-Politik-Konferenz 2015 auftreten.
Air Soffer:
Alter Schwede! Ein Jude, der Israel mag. Schnell, zwing ihn zur Unterwerfung!

Sagen Sie über Jim Clancy, was Sie wollen, aber der Mann betrachtet sich gewiss nicht als antisemitisch. Doch er suggeriert – als ehemaliger Rundfunksprecher eines der am stärksten zum „Mainstream“ gehörenden Senders, den man sich vorstellen kann – offensichtlich, dass die Tatsache, dass ein Juden es wagt Israel zu unterstützen, wenn auch nur auf sehr allgemeine Weise, ihn dies zu Freiwild für Boykotte und Attacken macht.

Natürlich ist das nur ein Tweet. Aber er ist ein genauer Spiegel der vielen Botschaften, die in Verteidigung der BDS-Entscheidung zirkulierten Matisyahu ins Visier zu nehmen und dass Rototom ihn dann auslud, als die Story noch ganz neu war: „Das ist nicht, weil er Jude ist – das ist, weil er Zionist ist!“

Zerlegt man jedoch die Terminologie, dann wird die fundamentale Bigotterie einer solchen Äußerung offensichtlich: „Natürlich ist es inakzeptabel einen jüdischen Künstler zu boykottieren, nur weil er eine jüdische Einzelperson ist. Aber das Problem mit Matisyahu besteht darin, dass er sich mit den nationalen Rechten seines Volks und dessen Erscheinungsformen identifiziert und dass macht ihn natürlich zu Freiwild.“

Mit anderen Worten: Juden, israelisch oder nicht, sollten ihren Platz kennen.

Dass es Juden gibt, die sich antizionistischen Ideen verschreiben, beweist nichts. In Wirklichkeit spiegelt es genau die Reaktion der stark assimilierten Juden einerseits und der hareidischen Antizionisten andererseits während der letzen großen Welle des europäischen Antisemitismus.

Der Judenhass der Nazis, darauf bestanden viele assimilierte deutsche Juden, war für die „Ostjuden“ reserviert – den primitiven, religiösen, unkultivierten Juden Osteuropas. Selbst als der Antisemitismus der Nazis auch sie anvisierte, geschah das nur, weil einige Europäer nicht zwischen „guten“ assimilierten Juden und „schlechten“ primitiven unterscheiden konnten.

Nach Ansicht der hareidischen/religiösen Antizionisten war der Antisemitismus eine Strafe Gottes für den „Zionismus“, den sie (fälschlich) sowohl als inhärent säkulare Idee, als auch als „Provokation der Nationen“ betrachteten – dieses unterwürfige letztere Argument wurde aus einer eigenartigen Interpretation talmudischer Schriften abgeleitet und besagt, dass man versuchen soll jüdische Unabhängigkeit bis zur Ankunft des Messias zu verhindern. Als solche würde Gott sie sicherlich schützen, während die zionistischen „Sünder“ untergehen würden.

Wie falsch sie lagen! Und wie falsch ihre ideologische Nachkommenschaft doch auch heute falsch in dem Glauben liegt – von der assimilierten jüdischen Linken bis zur Naturei Karta – sie hätten Liebe, Akzeptanz und Schutz gewonnen, weil sie sich von nationaler Unabhängigkeit fernhalten. In Wirklichkeit haben sie lediglich ihren Status als zweitklassige menschliche Wesen akzeptiert.

Renitenz als Lösung

Wenn Matisyahu anzuvisieren der BDS die Maske herunterriss und das Gesicht des modernen Antisemitismus offenlegte, hat seine Reaktion eine wichtige Lektion geboten, wie man zurückschlägt.

Er kapitulierte vor ihren Forderungen nicht und demütigte sich nicht vor dem bellenden Mob in der vergeblichen Hoffnung sie würden besänftigt werden; aber genauso wichtig ist, dass er keine Ausreden für seine Unterstützung Israel machte. Er ging nicht einmal auf die völlig haltlosen, beleidigenden Beschuldigungen des Staates Israel ein – obwohl er natürlich nicht mit ihnen übereinstimmte – denn das zu tun würde ihnen eine Legitimität einräumen, die sie nicht verdienen. Er ist kein Unterstützer von Bigotterie (anders als andere, die auf derselben Veranstaltung auftraten), sonder der legitimen Recht des jüdischen Volks; warum also sollte er sich gegen haltlose Anschuldigungen verteidigen?

Stattdessen war seine Reaktion eine der Verachtung – Verachtung gegenüber den Beschuldigungen und Beschuldigern und Verachtung gegenüber dem empörenden Ultimatum, das ihm gestellt wurde; die Art von Verachtung, die nur mit Selbstvertrauen und Sicherheit bezüglich der Richtigkeit der eigenen Sache kommt.

Die BDS-Bewegung und jeder andere antiisraelische Bewegung wie sie, will nicht den Juden ihre Leben oder ihre Religion rauben, sondern ihre Würde – ob durch Kapitulation oder durch gestammelte Ausflüchte. Das ist das Gesicht des modernen Antisemitismus.

Genau die Tatsache, dass in einer Diskussion über den arabisch-israelischen Konflikt die Stange dafür, nicht total bigott zu sein, oft in der „Anerkennung des Existenzrechts Israels“ liegt – eine Äußerung, die absolut bizarr, sogar beleidigend wäre, würde sie über irgendein anderes Land getätigt – ist ein Hinweis darauf, dass dieses Vorurteil zwar nicht durchgängig akzeptiert ist, aber den Diskurs des Mainstreams infiltriert und infiziert hat und dies weiter tut.

Die Reaktion muss daher darin bestehen, dass wir die uns Angreifenden verachten und auf das Wissen um die Richtigkeit unserer Sache stolz sind.

Für das zu kämpfen, von dem wir wissen, dass es richtig ist, ohne Ausflüchte und ohne Angst.

Etwa so: