Den Jihad von Gaza antreiben

P. David Hornik
FrontPageMagazine.com, 23. Januar 2008

Wir wissen schon lange, dass Israel seine Bürger nicht vor Terrorangriffen schützen soll. Alle israelischen Terrorbekämpfungs-Maßnahmen, angefangen bei gezielten Tötungen der Terrorchefs über das Ausmerzen des Terror-Zufluchtsorts in Jenin bis hin zu bloßen Ausgangssperren und Straßenkontrollen, sind heftig und fast von jedem verurteilt worden. Selbst die passivste aller Maßnahmen – der Bau eines Zauns, um die Terroristen draußen zu halten – ist in den Haag getadelt worden und wurde als „Apartheidsmauer“ zu einer Cause Celèbre für einen Haufen Israelfeinde.

Aber jetzt ist dem Prinzip, dass Israel sich nicht gegen Terror verteidigen darf, ein neues Prinzip hinzugefügt worden: dass Israel den Terror gegen sich selbst im wahrsten Sinne des Wortes antreiben muss.

Als letzte Woche die Bombardierung von Sderot und kleineren Gemeinden am Gazastreifen nach sieben Jahren mit rund fünfzig Raketen und ein Dutzend Mörsergranaten pro Tag einen neuen Höhepunkt erreichte, kam die taumelnde israelische Regierung auf eine Idee, die mit Sicherheit fehl schlagen musste: die Grenzübergänge zu verriegeln und die Treibstoffversorgung des Gazastreifens zu unterbrechen. Einige glauben, das würde die Einwohner Gazas dazu bringen „die Hamas unter Druck zu setzen das Raketenfeuer einzustellen“ – als ob der Gazastreifen eine parlamentarische Demokratie mit darauf reagierenden Parlamentariern sei, die sich überschlagen, um ihre Wählerschaft zufriedenzustellen.

Statt dessen war das, was seitdem geschah, in aller Düsternis vorhersagbar.

Selbst nachdem Israel alle Treibstofflieferungen eingestellt hatte, bekam der Gazastreifen noch immer zwei Drittel seines Stroms, direkt aus Israel geliefert. Trotzdem inszenierte die Hamas am Sonntagabend eine „humanitäre Krise“, indem sie das einzige Elektrizitätswerk des Gazastreifens herunter fuhr. Gaza Stadt, so heißt es in den Nachrichten, wurde „in totale Dunkelheit gestürzt“, dazu gab es einen Lichterketten-Protest marschierender Kinder, was schnell viel mehr humanitäre Sorge einbrachte, als es sieben Jahre auf Häuser und Schulen fallende Raketen schafften.

„Wir haben die Wahl entweder den Strom für Babys auf der Neugeborenenstation zu kappen oder den für Patienten mit Herzoperationen oder den Betrieb der Operationsräume einzustellen“, trällerte ein Beamter des Gesundheitsministeriums in Gaza. Das war nicht wirklich wahr, da die Hamas noch reichlich Strom hatte, die sie an die Krankenhäuser und für weitere dringend Benötigtes liefern konnte; und sie hätte selbst – theoretisch – das ganze Problem dadurch lösen können, dass sie ihre Mordversuche an Israelis einstellt. Aber es hat wunderbar funktioniert.

Derselbe Chor, der immer erklingt, um den palästinensischen Terror zu verteidigen, verpasste seinen Einsatz nicht. Am Montag sagte die EU-Kommissarin für Außenbeziehungen, Benita Ferrero-Waldner: „Ich verurteile das Raketenfeuer auf Israel und wir verstehen die Notwendigkeit vollkommen, dass Israel seine Bürger verteidigen muss… Aber die jüngste Entscheidung, alle Grenzübergänge zum Gazastreifen zu schließen, wie auch die Lieferung von Treibstoff einzustellen, wird eine bereits unheilvolle humanitäre Lage weiter verschlimmern… Ich habe klar gestellt, dass ich gegen diese kollektive Bestrafung der Menschen des Gazastreifens bin.“

Ebenfalls am Montag protestierte UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon beim israelischen Premierminister Ehud Olmert, nachdem er Israel über das Wochenende gedrängt hatte die Schließungen aufzuheben. Die Arabische Liga hielt in Kairo gemeinsam mit den arabischen Botschaftern bei der UNO ein Dringlichkeitstreffen ab und forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats, das schnell für Dienstag anberaumt wurde.

Erwartungsgemäß übernahmen die Europäer, die UNO und die Araber die Führung, aber die USA blieben nicht weit zurück. Am Dienstag sagte Außenministerin Condoleezza Rice gegenüber Reportern: „Niemand will, dass unschuldige Gazaner leiden und so haben wir mit den Israelis darüber gesprochen, wie wichtig es ist, dass man es nicht erlaubt, dass sich dort eine humanitäre Krise entwickelt.“ Sie erklärte nicht, warum sie bei ihren zahlreichen Besuchen der letzten Jahre in Israel niemals eine humanitäre Krise in Sderot wahrgenommen hatte oder irgendeine Notwendigkeit, das Leid von dessen Einwohnern zu lindern.

Der amerikanische UNO-Botschafter Zalmay Khalilzad stimmte mit ein: „Wir glauben, dass Angriffe gegen Israel inakzeptabel sind und dass es das Recht hat sich zu verteidigen. Aber wir haben auch gesagt, dass Israel, wenn es sich verteidigt, die Auswirkungen auf die Zivilisten einbeziehen muss.“ Übersetzung: „Israel hat nicht das Recht sich zu verteidigen, da es beim Handeln gegen Terroristen im Gazastreifen unmöglich ist, immer zu verhindern, dass Zivilisten zu Schaden kommen; wir könnten viel leichter mit weiteren siebzig Jahren der Bombardierung von Sderot leben, als das zuzulassen.“

Israel knickte – natürlich – schnell ein. Am Diemstag nahm es die Treibstoff-Lieferungen in den Gazastreifen wieder auf und pumpte 700.000 Liter Diesel durch den Übergang Nahal Oz, während es ebenfalls Kochgas und Medikamente lieferte. Die Hamas zeigte rasch ihre Anerkennung, indem sie am selben Morgen sieben Qassams abfeuerte. Eine israelische Frau wurde ins Krankenhaus von Ashkelon nördlich des Gazastreifens eingeliefert; sie stand unter Schock und hatte schwere Angstzustände.

Ebenfalls am Dienstagmorgen fingen Gaza-Terroristen wieder an auf Feldarbeiter beim Kibbutz Ein Hashlosha zu schießen, wo letzte Woche ein 20-jähriger ecuadorianischer Freiwilligenhelfer durch Heckenschützenfeuer getötet wurde. Unnötig zu erwähnen, dass die Arabische Liga keine weitere Dringlichkeitssitzung abhielt und die Stimmen von Ferrero-Waldner, Ban, Rice, Khalilzad et al. in Sachen dieser Ereignisse nicht zu hören waren.

Anmerkungen:

1. Israel muss sich besonders die Verantwortung dafür selbst zuschreiben, dass es eine Politik zu betrieben versuchte, die die palästinensischen Zivilisten benachteiligt und unter Druck setzt, was in der heutigen Welt ungefähr so gute Chancen auf Erfolg hat wie eine Kampagne für das Rauchen oder gegen Kondome. Israel machte das, um einmal mehr die Wahrheit zu meiden, dass nichts mehr seine Bürger in Nachbarschaft des Gazastreifens schützen, ihre Gemeinden retten oder Israels Abschreckung und Funktionsvielfalt wiederherstellen kann außer eine groß angelegte Militäraktion dort. Auch das wird palästinensische Zivilisten kollektiv schädigen und überhaupt nicht populär sein – aber wenigstens wird damit etwas erreicht.

2. Die Bevölkerung des Gazastreifens kommt, wie ihre Genossen in der Westbank, ungeschoren dafür davon, dass sie 2006 die Hamas in die palästinensische Regierung wählte. Wäre z.B. bekannt, dass eine große Mehrheit der iranischen Bevölkerung hinter der Mullahkratie und ihren Zielen stünde, würde sie als Folge davon an Sympathie verlieren. Die Palästinenser jedoch sind der Augapfel der Welt, eine Ikone der Unschuld, egal, was sie tun – einschließlich der Auswahl und Unterstützung eines virulent antiwestlichen, jihadistischen Regimes.

3. Während die Hamas weinerlich über Babys, Herzpatienten und Operationsräume reden und die Führer der Welt Israel streng rügen, fragt niemand danach, ob beispielsweise Ägypten oder andere arabische Brüder der Palästinenser die Versorgung hätten aufbessern können, von der sie behaupten, dass sie so dringend gebraucht wird. Die behauptete Bedeutung der Palästinenser-frage für die „moderaten Araber“ ist zu einem Eckstein der US-Außenpolitik geworden und hat kürzlich Präsident Bush dazu gebracht in Annapolis eine Konferenz einzuberufen und öffentlich Israel unter Druck zu setzen „die Besatzung zu beenden“. Aber beim derzeitigen Geschehen hat sich das nicht in Vorschläge an die Araber übertragen, ganz zu schweigen von Druck, dass sie irgendetwas unternehmen, um den Palästinensern zu helfen. Die Araber wollen, dass Israel, nicht sie selber, auf dem heißen Stuhl sitzen; uns sie bekommen, was sie wollen.

4. Mit dem Abzug aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 bekam Israel das Schlimmste, was es bekommen konnte. Da heißt: Es zog militärisch ab, was einen riesigen Anstieg der Raketenangriffe auslöste, wurde von der Welt aber weiterhin als voll politisch in Anspruch genommen und verantwortlich für das Wohlergehen des Gazastreifens angesehen. Erwartungen, dass die Welt mehr „Verständnis“ für Israels Notwendigkeit zu militärischen oder anderen Antworten bekommen würde, wenn es erst einmal seine „Besatzung“ beendet hatte, verwirklichten sich nicht. Derzeit verzögert eine feige israelische Regierung, deren Führer einer der Hauptvertreter pro Entkoppelung war, den Tag der Abrechnung, während die militärische Herausforderung im Gazastreifen immer größer und der unvermeidbare Preis ihr zu begegnen immer höher wird.

5. In Bezug auf die derzeitige Lage stellte die israelische Außenministerin Tzipi Livni fest: „Israel ist der einzige Ort der Welt, der Strom an Terrororganisationen liefert, die im Gegenzug Raketen auf es abschießen.“ Die Verbindung – im Endeffekt das selbstzerstörerische, selbstmörderische Verhalten – ist direkt und physisch, da der von Israel gelieferte Treibstoff genau die Produktionslinien in Gaza versorgen, die die Raketen herstellen. Und nicht nur das: Die Menschen im Gazastreifen haben wiederholt Raketen auf das israelische Kraftwerk in Ashkelon abgeschossen, das den Gazastreifen versorgt.

Idealerweise würden israelische Führer wie Livni und Olmert, die in ihren persönlichen Karrieren von einem robusten Nationalbewusstsein in eine mit weichen Knien versehene Bereitschaft zufriedenzustellen abgetrieben sind, sich selbst fragen, ob das – nicht nur Juden nicht zu schützen, sondern die auch noch anzutreiben, die von denen sie angegriffen werden und die selbst noch die Quelle des Treibstoffs angreifen – nicht ein passendes Symbol der Krise des Zionismus ist und man nicht die alte Schärfe und den Stolz wieder gewinnen muss.