Krieg und Frieden

ICEJ, E-Mail-Newsletter (engl.), 7. März 2003

Sonder-Kommentar
Die folgende Bibelauslegung von ICEJ-Verwaltungsdirektor Malcolm Hedding richtet sich an Christen, die überlegen, wie sie sich zum drohenden Krieg im Irak stellen sollen.

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Krieg und Frieden

Wir stehen vor sehr kritischen Zeiten. Es ist niemandem entgangen, dass wir Stück um Stück einem möglichen Konflikt in der Region des Mittleren Ostens entgegen gehen. In vielen Kirchen gibt es verstärkten Widerstand gegen einen Krieg gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein. Die Kirchen wollen daher wissen, wo die Internationale Christliche Botschaft in Jerusalem in dieser überaus wichtigen Frage steht.

Unsere Antwort ist weder für Krieg noch für Frieden. Interessanterweise muss unsere Antwort eine biblische sein. Es klingt gut zu sagen: „Wir sind für Frieden und für Liebe“, denn das scheint mit einem biblischen oder christlichen Standpunkt überein zu stimmen. Aber das ist sicher nicht der Standpunkt der Bibel in ihrer Gesamtheit. Wie antworten wir also auf diese Ereignisse und wo sollten wir unserer Haltung dazu formulieren?

Eine der tief gehendsten Stellen der Bibel bezüglich Konflikten finden wir in Jeremiah, Kapitel 18. In diesem Kontext droht der Prophet mit Krieg gegen Israel durch Gott selbst, wegen Israels Ungehorsam und Rebellion gegen den offenbarten Willen Gottes. Ich möchte aber das Prinzip hervor heben. Beachten Sie, wie der Prophet in Jeremiah 18,7-10 spricht: „ Einmal rede ich über ein Volk und über ein Königreich, es ausreißen, niederbrechen und zugrunde richten . Kehrt aber jenes Volk, über das ich geredet habe, von seiner Bosheit um, lasse ich mich des Unheils gereuen, das ich ihm zu tun gedachte. Und ein anderes Mal rede ich über ein Volk und über ein Königreich, es bauen und pflanzen zu wollen. Tut es aber, was in meinen Augen böse ist, indem es auf meine Stimme nicht hört, so lasse ich mich des Guten gereuen, das ich ihm zu erweisen zugesagt habe.“ (Elberfelder Übersetzung)

Hier haben wir Gott, der höchstpersönlich damit droht, dass Er Nationen aufgrund ihrer Ungerechtigkeit niederreißen wird. Der Abschnitt gibt uns klar die Kriterien, aufgrund derer Gott Nationen angreift. Im Buch Joel haben wir eine weitere Erinnerung an Gottes Handeln im Krieg. Es gibt Zeiten, zu denen Gott zu Krieg aufruft. Daher können wir Christen diese Frage nicht simplistisch angehen. Zu sagen, wir seien auf der Seite des Friedens, ist nicht christlich; und zu sagen, wir seien für Krieg, ist nicht christlich. Die Wahrheit ist, dass wir auf der Seite des souveränen Gottes sind. Das ist christlich.

Im vierten Kapitel bei Joel finden wir bemerkenswerte Worte – sie sind ein Spiel mit dem, was wir in Jesaja 2 lesen, wo über die letzten Tage gesprochen wird, nach der Vollendung der Zeiten und der Einführung des tausendjährigen Reichs des Messias. In diesen Versen lehrt die Bibel, dass die Nationen ihre Schwerter zu Pflugscharen und Sicheln umschmieden werden und Jahr für Jahr werden sie nach Jerusalem ziehen, um das Wort des Herrn zu hören. Im Buch Joel spielt der Prophet direkt mit dem, was her in Worten der prophetischen Äußerungen hörte. Sehen Sie, was er in Joel 4 sagt, besonders in Vers 9: „Ruft dies unter den Nationen aus, heiligt [andere Übersetzer: rüstet euch für] einen Krieg (hier spricht Gott!), erweckt die Helden! Herankommen und heraufziehen sollen alle Kriegsleute! Schmiedet eure Pflugscharen zu Schwertern und eure Sicheln zu Lanzen! (Er dreht die Worte Jesajas um!) Der Schwache sage: Ich bin stark!“

Wie viele von Ihnen haben oft dieses Lied gesungen? – „Lass die Schwachen sagen: Ich bin stark!“ Wie haben wir uns daran gefreut! Nun, es war aber Gott, der den Nationen sagte, sie sollten ihre Panzer und Raketen für den Krieg bereit machen – es hat nichts mit Ihnen als Christ zu tun, dass Sie sich in die Brust werfen und sagen: „In Jesus bin ich stark!“ Es hat ausschließlich damit zu tun, dass sich Nationen gegenseitig mit Massenvernichtungswaffen auslöschen! Es tut mir leid, dass ich den Zusammenhang eines unserer Lieblingslieder in Frage stelle.

Joel fährt fort: „Eilt und kommt her, all ihr Nationen ringsumher, und versammelt euch! Dahin, HERR, sende deine Helden hinab!“ Das ist ein Kriegsruf; es ist kein spiritueller Aufruf innerhalb der christlichen Kirche, auch wenn er oft in diesem Zusammenhang zitiert wird. Das ist falsch geleitet.

Dann gibt es den Abschnitt in Matthäus, den Christen und selbst die Welt liebend gerne zitieren. Nach Matthäus, Kapitel 5, wo Jesus das Vorwort zu den Zehn Geboten beginnt, was als Seligpreisungen bekannt ist, sollen wir Friedensstifter sein und werden dafür gesegnet. Schauen Sie sich Vers 9 an: „9 Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.“ Auch dieser Vers wird oft aus dem Zusammenhang gerissen. Es ist wahr, dass wir uns als Christen um den Frieden kümmern sollen; und wir erkennen, dass die Bibel uns aufruft für den Frieden zu beten. Das steht nicht in Frage, aber dieser Abschnitt hat wenig mit den großen Fragen in Bezug auf Konflikte zwischen Völkern zu tun.

Wir wissen aus dem ersten Timotheus-Brief, dass das Wort Gottes uns ermahnt für den Frieden zu beten. Warum sollte es in der Welt Frieden geben? Will Gott das nur, damit Völker sicher in garantierten Grenzen leben können? Natürlich nicht! Das lehrt die Bibel auch nicht. Aber man könnte denken, wenn man vielem Reden in der christlichen Welt zuhört, dass wir einfach nur für Frieden beten brauchen und die Völker könnten dann leben, wie sie wollen, und sein, was sie wollen. Aber so ist das nicht. Lesen wir: „Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen, für Könige und alle, die in Hoheit sind[a], damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, welcher will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“

Tatsache ist, dass wir nicht einfach nur für Frieden sind. Wir sind keine Vertreter des „Frieden um jeden Preis“. Trotzdem versucht die Kirche im Gleichschritt mit der Friedensagenda der Welt zu gehen. Ist das nicht erstaunlich?

Warum also wollen wir Frieden? Als Christen wollen wir Frieden wegen des Evangeliums von Jesus Christus. Das ist der Grund, warum wir für Frieden beten und für die, die die Macht haben. Wir wollen Stabilität und Frieden in jedem Land, soweit dies in der Souveränität Gottes möglich ist, denn Er weiß mehr als wir, so dass alle Menschen mit dem Wissen um die Wahrheit erreicht und gerettet werden können. Konflikt im Land macht es unmöglich zu predigen, wenn jedermann in seinem Bunker sitzt, um den Raketen zu entgehen. Die Menschen kommen dann nicht zum Gottesdienst.

Noch einmal: Die Art von Frieden, nach der wir Linie trachten, ist in erster Linie der Frieden, der Versöhnung und Frieden zwischen Einzelnen bringt. Das ist der Zusammenhang aus Matthäus 5. Dein Leben nach der Ethik des „Wiedergeborenen“ zu leben, wo du ein Friedensstifter bist, weil du ein Kind Gottes bist. Du bemühst dich um die in deiner Umgebung; du heilst Wunden; du bringst die Verlorenen, die verlorenen Schafe zurück. Du übersiehst eine Vielzahl von Sünden, denn dir ist nicht wichtig, was dir die Leute antun. Du lebst nach deinem Gewissen, das aus der Sicht Gottes rein und klar sein sollte, daher kannst du viele Dinge übersehen. Wenn jemand etwas über dich sagt, was soll’s? Du weißt, dass dein Gewissen klar und dein Herz rein ist. Daher kannst du sagen: „Ich vergebe dir.“ Das ist Gottes Wille für uns. Gesegnet sind die Friedensstifter, denn sie sollen die Söhne Gottes genannt sein. Auf dieser Ebene ist das für eine ziemlich große Herausforderung, nicht wahr?

Das ist der Zusammenhang von Matthäus 5; es ist die Ethik des „Wiedergeborenen“; ein Vorwort zu den Zehn Geboten, durch das Er uns eine kurze Zusammenfassung dessen gibt, was es bedeutet deinen Nächsten zu lieben wie dich selbst und Gott aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstand.

Andererseits sind wir unterschiedlicher Meinung, wenn es um die Frage von Krieg und Frieden geht. Wenn man mich fragt, ob die ICEJ für Krieg oder für Frieden ist, werde ich daher sagen: „Ich weiß es nicht.“ Ich weiß, dass es in Gottes Souveränität Zeiten gibt, wo er zum Krieg ruft. Ich sehe das klar und deutlich in der Bibel. Ich weiß auch, dass nichts in der Welt ohne die Zustimmung Gottes geschehen kann. Und je länger ich warte und schaue, was passiert, und je mehr ich sehe, dass diese Sache unvermeidbar wird, desto mehr muss ich sagen, dass es in der Souveränität Gottes geschieht, denn sonst würde es nicht geschehen.

Ich beklage Krieg, genauso, wie es auch das Wort Gottes tut. Er ist ein bedauerliches, göttliches Mittel der Züchtigung und Gott selbst sagt das. Er will ein Volk aufbauen, es nicht nieder reißen. Aber die Verderbtheit fließt manchmal über, und in Teilen der Welt, sogar an Orten, die wir nicht als verderbt ansehen würden, werden wir trotzdem einige erstaunliche Dinge sehen. Gott wird sogar Völker nieder reißen, von denen wir dachten, sie würden wahrscheinlich die Gerechten, die Guten sein.

Das ist die Welt, in der wir leben. Als Christ bete ich für den Frieden, auch im Irak. Warum? Damit dort die Möglichkeit besteht, das Evangelium zu predigen. Ich begreife es auch so, dass, wenn die Verderbtheit so groß ist, dass Gott in Seiner Souveränität die Nation nieder reißen wird, es mein Glaube und Vertrauen ist, dass hinterher das Evangelium dort freier gepredigt werden kann. Mein Wertesystem ist völlig anders als das der Welt und ich verpflichte mich der biblischen Offenbarung von Frieden und Krieg in dieser Sache.

Daher können wir als Dienst keine Extremposition beziehen – wir sind nicht einfach nur für Frieden unter den Völkern. Auch sind wir nicht einfach nur für Krieg unter den Völkern. Das mag verwirrend erscheinen, aber letztlich gilt unser Glaube und Vertrauen einem souveränen Gott. „Des HERRN ist die Erde und ihre Fülle, die Welt und die darauf wohnen.“ (Psalm 24,1) Nichts kann in der Welt geschehen, ohne Bezugnahme auf die Souveränität Gottes.

In unserer Zeit scheint es so, dass Gott das Schwert gegen den Irak zückt. Das ist eine Angst einflößende Sache. Wir sollen für die Menschen des Irak beten. Am Wichtigsten ist der Fakt, dass sie die wunderbare Botschaft von Jesus hören müssen. Das ist der Gruß, dass wir dort Frieden wünschen und wir sollten in dieser Art beten. Das ist es auch, warum es so schwierig ist, in diesem Dingen simplistisch zu sein.

Auf der persönlicheren Ebene bedeutet das auch, dass wir für den Frieden in unseren Herzen beten sollten, denn die Bibel bestätigt, dass Gott alle Dinge kontrolliert. Daher müssen wir sicher stellen:

  1. dass wir vollkommen im Willen Gottes für unser Leben leben. Das ist der einzige und sicherste Ort, an dem wir sein können. Das heißt nicht, dass wir in einem Gebiet außerhalb des Konflikts leben. Man kann sich am friedlichsten Ort der Welt befinden, aber wenn man sich außerhalb des Willens Gottes befindet, befindet man sich möglicherweise an einem sehr gefährlichen Ort!
  2. dass wir uns in einer perfekten Beziehung zu Gott befinden. Man kann nicht charakterlich perfekt sein, aber man kann und sollte in einer perfekten Beziehung zu Jesus stehen. Beziehung hat mit Sehnen zu tun, nicht mit Leistung. Sie sollten ein perfektes Sehnen danach haben Gott zu lieben und auf Seinem Weg zu gehen. Wenn wir das in unserem Leben falsch machen, dann geht alles schief, besonders im Bereich der persönlichen Beziehungen zu Einzelnen. Wir sind leicht beleidigt und beschmutzt und manchmal wissen oder sehen wir das nicht einmal. Wir haben keine Gnade, keine Liebe, kein Mitleid und nicht die Fähigkeit, eine Vielzahl von Sünden zu vergeben.

Da wir in eine Zeit eintreten, in der wahrscheinlich ein Konflikt in unserer Region stattfinden wird, lasst uns erkennen, dass wir nichts zu befürchten haben. Lasst uns für den Irak beten, dafür, dass das Evangelium in diesem Land verkündet wird und dass der Wille Gottes geschieht. Wenn diese Art von Frieden die Frucht des Krieges ist, dann könnte es sein, dass der Gott des Himmels zu den Speeren und Schwertern ruft. Möge Gott uns helfen zu leben, wie wir leben sollten, und mögen wir, in Angst und Zittern, erkennen, dass Er immer mit dem Gedanken an Buße und Rettung urteilt.

Malcolm Hedding
ICEJ-Verwaltungsdirektor

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Eine Beschreibung von Antizionismus

Sar Shalom, Israel Thrives, 24. November 2017

Die aktuelle Ausgabe von Conversations des Institute of Jewish Ideas and Ideals beinhaltet einen Artikel von Ziv Zohar über eine Handvoll sephardischer/Mizrahi-Juden, „Broadening Our Vision: An Introduction to Seven Interesting Middle Eastern Rabbis“ (Unsere Vision erweitern: Eine Einführung in sieben interessante nahöstliche Rabbiner; der Artikel ist derzeit nicht online, aber ich könne einen Link zur Verfügung stellen, sobald er verfügbar ist). Einer der vorgestellten Rabbiner ist Yaakov Moshe Toledano, geboren in Tiberias und mit marokkanischen Vorfahren. Während seiner Tage waren der Zionismus und der Jischuw (der dessen Hauptmanifestation war) bei religiösen Juden ein umstrittener Gedanke. Rabbi Toledano antwortete auf die religiöse Opposition zu Zionismus mit einem Responsum, in dem er schrieb:

… im Glauben, dass es uns, so lange wir in diesem harten Exil waren, verboten war unseren Kopf zu heben. Stattdessen war uns geboten uns vor jedem Tyrannen und Herrscher niederzubeugen und unsere Rücken denen zu geben, die uns schlagen und unsere Wangen denen, die uns raufen (Jesaja 50,6); als wäre das Blut Israels verwirkt und als habe Er – Er sei gesegnet – verfügt, dass Jakob zum Raub und Israel den Plünderern übergeben worden (Jes. 42,24).

Rabbi Toledano schrieb mit Blick auf religiöse Opposition zum Verlassen der Länder unseres Exils. Die Bezugnahme auf das Exil würde das jedoch zu einem Verweis auf ein allgemeineres Publikum machen. Es wäre nicht perfekt anwendbar, da die progressive Linke Juden nicht als verpflichtet betrachtet sich „vor jedem Tyrannen und Herrscher“ zu verbeugen, da Europäer/Amerikaner und Ostasiaten eine Ehrerbietung nicht verdienen. Die Araber aber, als unterdrücktes Volk, verdienen eine ihrer Meinung nach eine solche Ehrerbietung. Damit würden Rabbi Tolanos Worte, wie die progressive Linke sie anwendet, hierzu werden:

Den Juden ist geboten sich vor jedem Araber zu verbeugen und ihre Rücken jedem Araber zu geben, der sie auspeitschen würde und ihre Wangen jedem Araber, der ihnen Haare ausreißen würde; so wie Israel eingebüßt worden war und sei angeordnet worden, dass Jakob au den Abraum geworfen und Israel arabischen Räubern gegeben wurde.

Für diese Meinung gibt es ein Wort. Das Wort lautet Antisemitismus.

Sollten Juden Christen vertrauen? Sie könnten von der eindeutigen Antwort der Thora überrascht sein

Adam Eliyahu Berkowitz, 27. Juni 2017

Fremde stehen bereit und führen eure Herden auf die Weide,
Ausländer sind eure Bauern und Winzer. (Jesaja 61,5)

Die steigende Strom an christlicher Unterstützung für Israel lässt sich viele Juden fragen, ob es vom Gesetz der Thora erlaubt ist diese neu gefundene Freundschaft angesichts des Jahrtausends schwieriger Beziehungen zwischen den beiden Religionen anzunehmen. Viele Rabbiner glabuen, dass es nicht nur erlaubt ist, sondern dass es ein Gebot der Thora ist diese Freundschaft gleichermaßen zurückzugeben.

Ein solcher Rabbiner ist Rabbi Eliezer Melamed, der geistige Leiter der Gemeinschaft von Har Brache und eine international respektierte Autorität zu halacha (dem Gesetz der Thora). Rabbi Melamed hat eng mit Hayovel zusammengearbeitet, einer Organisation, die zur Erfpüllung der Prophetie in Jeremiah christliche Freiwillige zur Arbeit in örtliche Weinberge bringt

Wieder sollst du Weingärten pflanzen auf Samarias Bergen.
Wer Pflanzungen anlegt, darf ihre Früchte genießen. (Jeremia 31,5)

Nicht alle Juden stimmen Rabbi Melamed zu. Luke Hilton, der Marketingdirektor von Hayovel, sagte gegenüber Breaking Israel News, dass eine „kleine, aber lautstarke Gruppe“ Israelis erhob Bedenken gegen ihre Bemühungen Israel zu helfen. Die Einwände erscheinen in sozialen medien und dem Internet in Form von Blogs und sogar als Seite, die ausdrücklich gegen Hayovel gerichtet ist.

Rabbi Eliezer Melamed

„Wir versuchen das mit Bescheidenheit zu akzeptieren“, sagte Hilton. „Angesichts der Geschichte zwischen unseren beiden Religionen ist es verständlich. Wir hoffen, auf diese Weise werden sie kommen und sehen, dass unsere einzige Absicht ist Israel zu helfen.“

Vielmehr lautet die Frage, ob es erlaubt ist mit Christen auf diese Weise Kontakt herzustellen im Thora-Gesetz ein komplizierter Fall ist. In seiner 2011 veröffentlichten offiziellen Entscheidung zum Thema vermerkte Rabbi Melamed die schwierige Geschichte und die theologischen Hindernisse, die der Verbindung von Juden und Christen im Weg stehen.

Wie sollten wir Beziehungen zu Christen herstellen, die plötzlich unsere Freunde geworden sind? Fast zwei Jahrtausende lang verfolgten sie die jüdische Nation, ermordeten uns, plünderten uns aus, vertrieben uns, erpressten uns zum Christentum überzutreten und plötzlich lieben sie uns? Können wir ihnen glauben? Und was tun wir mit dem, was der Rambam (Maimonides) schrieb, dass das Christentum den Status von Götzenanbetung hat?

Der Rabbiner merkte an, dass der entscheidende Faktor die Haltung der Christen gegenüber Israel war. Der Rabbiner beschrieb Liebe zu Israel als „den Lackmustest für Moral, Wahrheit und Glaube in dieser Welt“.

Die größte Sünde der Christenheit war, dass sie bestritten, dass Gott Israel zu seinem auserwählten Volk erwählte sowie all die Prophetien der Erlösung, die für das jüdische Volk gesprochen wurden. Sie glaubten Israel zu ersetzen und damit verursachten sie für uns horrendes Leid, als sie mit aller Macht versuchten Juden zum Christentum zu bekehren.

Genau aus diesem Grund sagt Rabbi Melamed, dass es heute notwendig ist die angebotene Freundschaft anzunehmen.

Wenn es um Christen geht, die glauben, dass Gott Israel erwählte und dass all die guten Prophetien innerhalb Israels erfüllt werden sollen und sie nicht daran arbeiten uns zu bekehren, was Gott verhüte, sondern um uns zu stärken – dann sind all die zu Christen erwähnten ernsten Dinge au sie nicht anzuwenden. Im Gegenteil – von ihnen sind große Korrekturen vorgenommen worden, sie sind gerechte Nichtjuden und Gott wird sie belohnen.

In seiner Entscheidung zitierte Rabbi Melamed Rabbi Abraham Isaac Kook, den ersten aschkenasischen Oberrabbiner des britischen Mandats Palästina, dessen Philosophie heute immer noch wichtigen Einfluss auf jüdische Theologie ausübt. Rabbi Kok schrieb, dass die Probleme mit dem Christentum und dem Islam nicht in ihren religiösen Überzeugungen liegen, sondern in ihrer „Absage an die Hoffnung des [jüdischen] Volks in Beziehung auf seine vollständige Wiederbelegung“.

Rabbi Melamed schlug eine Verbindung mit proisraelischen Christen auf einem nie da gewesenen Niveau vor, das an Bruderschaft grenzt; er schrieb: „Diese Christen stehen uns näher als die säkularen, liberalen Linken in westlichen Ländern, sowohl was ihren Glauben an die Bibel angeht, als auch ihre Ethik.“

In einer späteren Entscheidung diskutierte Rabbi Melamed die Kritik aus der jüdischen Gemeinschaft, die sich gegen Rabbiner richtete, die an der Kultivierung dieser positiven Beziehung zu Christen beteiligt sind. Ein Großteil dieser Kritik konzentrierte sich auf Rabbi Shlomo Riskin, den Oberrabbiner von Efrat und Gründer des Center for Jewish-Christian Understanding and Cooperation (CJCUC). Rabbie Melamed recherchierte die Sache und kam zu dem Schluss, dass die Kritik an Rabbi Riskin Verleumdung darstellte, im Judentum eine schwere Sünde.

David Nekrutman, der Direktor des CJCUC, erklärte, für diese Beziehung zwischen Juden und Christen zu werben, sei ein jüdisches Gebot; er zitierte dazu Jesaja.

Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht für die Völker; damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht. (Jesaja 49,6)

„Das ist, wer wir als das jüdische Volk sind“, sagte Nekrutman gegenüber Breaking Israel News. „Wir können kein Licht für die Nationen sein, ohne eine Partnerschaft mit den Nationen aufzubauen. Wir haben diesen Auftrag mit anderen zu arbeiten, und wenn sie bereit sind, haben wir eine Verpflichtung das zu tun.“

Nekrutman merkte an, dass das Christentum in diesem prophetischen Prozess eine besondere Rolle spielt.

„Sie versuchen die fast 2000 Jahre von der Kirche gelehrte Ersetzungstheologie gutzumachen“, sagte Nekrutman. „Das ist für sie kein leichter Prozess. Wir, das jüdische Volk, müssen ihnen gestatten diese Reise zu machen und ihre Berufung in der Unterstützung Israels und des jüdischen Volkes zu finden.“

„Abneigung bei der Unterstützung jüdisch-christlicher Beziehungen ist infolge der Geschichte der Vergangenheit zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk nachvollziehbar“, gestand Nekrutman ein. „Aber die Thora gebietet uns es zu tun.“

Palästina und die Evangelien, aber keine Wahrheit

Yisrael Medad, My Right Word, 8. Januar 2016

Es gibt ein Buch mit dem Titel “Faith in the Face of Empire: The Bible Through Palestinian Eyes” (Der Glaube angesichts des Reichs: Die Bible durch palästinensische Augen). Hier findet sich eine Beschreibung:

In dieser kurzen Arbeit, die auf den Laien als Leser zielt, deckt Raheb, Schriftsteller, Prediger und Präsident des Dar al-Kalima University College in Bethlehem einen beeindruckende Bandbreite antiker und moderner palästinensischer Geschichte, um den geopolitischen Kontext für die Schriften der Bibel herzustellen. Raheb … stellt Fehlvorstellungen von Außenstehenden zur Kultur und ihren Texten heraus, während er wortgewand für größere Aufmerksamkeit für diese Kultur eintritt, wenn man die Bibel interpretiert, insbesondere das lange Vermächtnis des Reichs in Palästina und die Reaktion des Volks auf wiederholte Besetzung. Das ist eine selten gehörte Sichtweise auf die Bibel.

Das Buch ist in neun Kapitel gegliedert,

dazu ein Epilog. Raheb erklärt, dass das Ziel des Buchs darin besteht „die Grundlagen für eine echte palästinensisch-christliche Schilderung zu legen, die politisch aktuell ist, ebenso der Mission Jesu, in der der palästinensischen Kontext heute als hermeneutischer Schlüssel für das Verständnis des ursprünglichen Kontextes und den Inhalt der Bibel dient. Die palästinensischen Christen selbst sind schließlich ein wichtiges Kontinuum von biblischer Zeit bis heute, deren Narrativ ein einzigartiges Licht auf die biblische Geschichte wirft (S. 6-7) … Raheb greift den Mythos einer „jüdisch-christlichen Tradition“ an, ebenso die „kreative Art evangelikaler Hardliner-Christen“ (S. 24), die zusammen mit den arabischen und westlichen Mächten die dominante Kultur geformt haben, die für die Notlage der Palästinenser verantwortlich ist (S. 26-27). Postkoloniale Theorie und Edward Saids Orientalismus bieten die Plattform dafür, dass die palästinensische Befreiungstheologie den jüdischen Nationalismus ablehnt (S. 27-29). Die Ablehnung der Vorstellung, dass „der moderne Staat Israel in einer Kontinuität des biblischen Israel steht“ ist die Grundlage für die Widerstandsbewegung der palästinensischen Christen (S. 35).

Hier ist allerdings eine andere Beschreibung:

Die Wahrheit lautet, dass Raheb in dem Buch nicht nur ziemliche Ignoranz zur Bibel zeigt und seine Gestaltung Äußerungen tätigt, die das Buch für eine Diskussion in jeglichem akademischen Kontext disqualifizieren würde; außerdem hat er auch wiederholt Ansichten über das jüdische Volk zum Ausdruck gebracht, die reichlich rassistisch sind.

Und hinzugefügt wird:

Raheb wirbt für eine „palästinensische Theologie“, die behauptet Juden seien nicht das auserwählte Volk und hätten daher kein Recht auf das Heilige Land. In einer Ansprache sagte er im März 2010: „Tatsächlich sind die palästinensischen Christen die einzigen in der Welt, die, wenn sie von ihren Vorvätern sprechen, ihre tatsächlichen Ahnen meinen und zudem die Vorväter im Glauben … Das ist also die Realität der Völker im Land. Wiederum sind sie nicht Israel…“

Kein Wunder, dass es ein kurzes Buch ist.

„Palästina kommt in den Büchern des Neuen Testaments nicht vor.

Judäa sehr wohl. Samaria sehr wohl. Das Land Israel sehr wohl.

Aber der Autor, werden wir informiert, hat einen Preis gewonnen:

Der Olof Palme Gedächtnisfond in Stockholm (Schweden) hat verkündet, dass der Olof Palme-Preis 2015 zu gleichen Teilen dem palästinensischen Pastor Mitri Raheb von der Evangelical Lutheran Christmas Church in Bethlehem (Palästina) und dem israelischen Journalisten Gideon Levy, Autor und Kolumnist bei Ha’aretz, verliehen wurde.

Wer ist schlimmer, Raheb oder Levy?

Nachtrag: Zur Verfolgung und Ermordung von Christen im November letzten Jahres.

Jürgen Todenhöfers übermäßig gewalttätiges Christentum

Johannes Hartl, Facebook, 7. März 2015

In einem viel beachteten Facebook-Post hat der als Nahostkorrespondent bekannte Jürgen Todenhöfer die Christen letzte Woche aufgefordert, doch nicht ständig dem Islam vorzuwerfen, gewalttätig zu sein. Seine Begründung: das Alte Testament sei grausamer als der Koran.

Christen, die ihm erwiderten, das AT gelte doch seit dem NT nicht mehr oder doch zumindest nicht mehr so ganz, entgegnete er – übrigens theologisch korrekt – dass das AT nach wie vor integraler Bestandteil der als geoffenbart geltenden heiligen Schriften der Christen sei. Hat Jürgen Todenhöfer also nun Recht?

Zunächst und ganz allgemein: Jürgen Todenhöfers Meinung zum Nahostkonflikt lässt sich sehr einfach in einem Satz darstellen. Und der lautet: der Westen und Israel sind an allem Schuld. Und die armen Bewohner der arabischen Staaten können überhaupt nicht anders, als in Scharen zu Terrorvereinigungen überzutreten, wenn die Jugendarbeitslosigkeit nunmal so hoch ist. Und die armen Palästinenser hätten auch keine Wahl: so böse wie Israels Siedlungsbau ist, wer wird da nicht zum Selbstmordattentäter? Ich überzeichne, doch der Trend ist klar.

Dem Islam an sich attestiert Todenhöfer grundsätzlich große Friedlichkeit. Es muss sich um einen verblüffenden Zufall handeln, dass beinahe alle Terroranschläge weltweit von radikalen Muslimen ausgeübt werden. Doch nein, es ist ganz anders: Bushs Angriff auf den Irak war ein viel schlimmerer terroristischer Akt als alle 9/11s zusammen. Denn wenn die USA den Irak nicht angegriffen hätte und Saddam noch immer im Amt wäre, dann wäre im ganzen Nahen Osten jetzt Frieden. So wie in Syrien, wo der despotische Regierungschef Assad nicht vom Westen gestürzt wurde. Und nun alles gut ist, oder? Und im Irak wäre sicherlich kein arabischer Frühling ausgebrochen, der das Land in einen Bürgerkrieg wie jetzt in Syrien gestürzt hätte, oder… Äh… OK. Ooops, ich hab mich schon wieder beim Spötteln erwischt.

Aber da haben wir es wieder: der Westen ist noch viel schlimmer als die islamische Welt. Und Bush beruft sich auf die Bibel. Deshalb liegt ja auch die These nahe: Die Bibel ist genauso gewalttätig wie der Koran und das Christentum war genauso gewalttätig wie der Islamismus jetzt. Und dann kam die Aufklärung. Und die wird in der muslimischen Welt auch irgendwann kommen. Das Problem ist nur: es gab schon viel aufgeklärtere Phasen im Islam, doch irgendwie scheint die Entwicklung eher rückläufig zu sein.

Doch nun der Reihe nach. Zunächst zu der These, das AT sei genauso grausam wie oder grausamer als der Koran. Dieser Satz ist etwa genauso sinnvoll wie die Aussage: im Telefonbuch der Stadt Neckarsulm befinden sich genauso viele Buchstaben wie im in einer Riesenpackung Buchstabensuppe. Will meinen: der Koran und das AT unterscheiden sich in literarischer Hinsicht sehr entschieden. Im AT werden gewalttätige Akte beschrieben, die von Menschen auf Gottes Geheiß hin verübt wurden. Und es werden gewalttätige Akte beschrieben, von denen klar ist, dass Gott sie nicht wollte. Oder von denen unklar ist, ob sie nötig waren. Oder die nur ein einziges Mal gebilligt waren, dann nicht mehr. Darüber hinaus gibt es Gesetze, die das Zusammenleben des Volkes Israels regeln sollten. Darunter auch viele, die mit unseren heutigen Strafgesetzen nicht mehr vereinbar sind. Diese Texte des AT erstrecken sich über einen Zeitraum von vielen Jahrhunderten. Erkennbar darin ist eine Entwicklung, eine Pädagogik. Rein kulturell entwickelte sich das Volk Israel in dieser Zeit ganz entscheidend weiter: von einem Nomadenvolk hin zu einer gebildeten, sesshaften Schriftkultur. Und Gott scheint auf dem Weg mit seinem Volk die Offenbarung entsprechend der kulturellen Entwicklungsstufe zu geben. Ist das „Auge um Auge“ des Pentateuch bereits ein deutlicher Fortschritt gegen das in vielen alten Kulturen übliche Vergeltungsrecht („beleidigst Du mich, bringe ich Deine ganze Familie um“), zeigen die späteren Bücher eine viel ausgefeiltere Reflexion auf Moral und Ethik. In den weisheitlichen Büchern der Schrift und bei den Propheten finden wir Kulturkritik, Kritik an den Herrschenden und eine sehr differenzierte Sicht auf die Gewalt.

Ich behaupte: bereits diese Reflexionsstufe auf bestehende Ethik und Moral ist für die damalige Zeit beispiellos und übertrifft alles Vergleichbare im Koran deutlich.

Und entschieden muss gesagt werden: Zwar gibt es im AT in wenigen einzelnen Büchern tatsächlich göttliche Befehle zur Auslöschung bestimmter Stämme (das ist für uns heute erschreckend genug), doch nirgends wird auch nur angedeutet, dass das Volk Israel die grundsätzliche Erlaubnis oder den Auftrag hätte, Kriege zu führen, um den jüdischen Glauben auszubreiten. Genau das ist auch niemals passiert: Juden haben keine anderen Nationen angegriffen, um sie jüdisch zu machen.

Und genau das ist in der Geschichte des Islams ständig passiert. Und der Koran ließ sich wunderbar dafür zitieren.

Natürlich haben sich freilich auch Christen auf die Bibel BERUFEN und schreckliche Dinge getan. Nichts daran darf kleingeredet werden. Allerdings wurden schreckliche Dinge auch in Berufung auf die Demokratie oder den Kampf gegen den Faschismus verübt. Entscheidend ist deshalb der Blick auf den Text selbst: Mit welchem Recht beruft sich wer auf welche Stellen? Und welche Person gilt als Vorbild in rechter Nachfolge? Hier wird es gleich etwas deutlicher.

Deutlich verschieden vom Koran ist das positive Menschenbild des AT. Er ist mehr als Diener Gottes: Er ist sein personales Gegenüber. Gott ist ihm gegenüber nicht nur barmherzig, sondern emotional involviert wie ein Hirte, ein Vater, ein Bräutigam. Gott krönt den Menschen (Psalm 8).

Schließlich – und nicht zuletzt: Die menschliche Vernunft wird gerade in den späteren Schriften des AT positiv gewertet. Wissenschaft und Philosophie florierten in Israel. Und dieser Trend setzte sich im NT und in der Kirche fort. In der kritischen Auseinandersetzung mit dem Glauben und der Reflexion auf die Offenbarung wurde im breiten Strom der Geschichte des Christentums keine Gefährdung des Glaubens gesehen, sondern eine Chance. Und nicht umsonst brachten sowohl das Judentum als auch das Christentum bis heute eine riesige Zahl höchst gebildeter Menschen und Forscher hervor, die Erfindungen machten, Nobelpreise bekamen etc.

Oft wird gesagt, dass erst die Aufklärung die gewalttätigen Seiten des Christentums gebändigt habe. Daran ist manches wahr. Ebenso wahr ist aber die Erkenntnis, dass die Aufklärung eine direkte Frucht des hohen Levels der kritischen Wissenschaften des Hochmittelalters und der Renaissance war. Sie konnte wachsen und gedeihen in einem jüdisch-christlichen Europa. Es waren die Klöster, die nach dem Chaos der Völkerwanderung Bildung und Wissenschaft in Europa etablierten. Und ja: Es gab auch Reaktionen wie die Lehrverurteilung Galileis. Doch was der große Mainstream war, kann am Verlauf der Geschichte leicht erkannt werden: Die Aufklärung setzte sich in Europa friedlich durch, weil Christentum und Vernunft bereits von der Bibel zwar nicht als deckungsgleich, aber als miteinander verbunden gedacht werden.

Nicht wenige schrieben Jürgen Todenhöfer, für Christen sei das Alte Testament nicht mehr verbindlich. Er widersprach. Was sie wohl meinten: Durch das Neue Testament erfährt das AT eine radikal neue Auslegung. Und hier kommt der entscheidende und niemals änderbare radikale Unterschied zwischen der Bibel und dem Koran ins Spiel. Er heißt: Jesus.

Für Christen ist nicht nur einfach die Bibel das Wort Gottes, sondern Jesus ist DAS Wort. ER ist der Ausleger der Schrift. Jesus fügt dem Kanon der biblischen Bücher nicht nur ein paar interessante Randglossen hinzu, er ist die ganze Pointe. In ihm ist die Fülle der Offenbarung. Deshalb kann ein Christ mit großer Zuversicht sagen: Nein, die Steinigung von Ehebrechern hat für uns Christen heute keine Relevanz mehr, weil Jesus einen anderen Weg des Umgangs damit zeigte. Nein, das Ausrotten der Feinde hat für uns Christen heute keine Relevanz mehr (auch wenn sie im AT beschrieben ist), weil Jesus die Feindesliebe lehrte. Und eigentlich hat sich das schon herumgesprochen, lieber Herr Todenhöfer.

Das Beispiel des Lebens Jesu und seine Lehre sind unvergleichbar mit jeder anderen menschlichen Philosophie. Sie sind völlig verschieden vom Leben und Lehren jedes anderen religiösen Lehrers und etwas komplett anderes als jedes andere „heilige“ Buch.

Dass Gott Menschen radikal und vollständig liebt – und zwar sosehr liebt, dass er Mensch wird um an ihrer Statt zu sterben; dass das dem Menschen einen kompletten, rein auf Gnade basierenden Neustart und vollständige Vergebung gibt; dass das den Menschen zum Kind Gottes macht, zum Geliebten Gottes; dass Gott ein Vater ist; dass er uns Vergebung, Feindesliebe, Versöhnung und selbstlose Hingabe und Liebe auch gegen „Ungläubige“ und Sünder lehrt. All das findet sich kein bisschen im Koran.

Natürlich finden sich im Koran auch jede Menge schöne und friedliche Stellen (viele davon stammen ja auch aus der Bibel). Das Problem ist aber, dass der Koran auf so verschiedene Weise ausgelegt werden kann. Und mit gutem Recht behaupten viele dann das Beispiel des Lebens Mohammeds. Doch leider gibt gerade dieses nicht so viel her für eine friedliche Auslegung des Korans. Und im Gegensatz zur Bibel liefert der Koran kein inhärentes Auslegungsprinzip mit. Es gibt verschiedene Auffassungen über die „Abrogation“, also die Frage, welche Stelle welche Stelle „sticht“. Eine parallele Diskussion für die Bibel wäre schnell beendet.

Matt 5:43:
Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen. (Jesus)

Was also gilt hier? Natürlich das, was Jesus gesagt hat. Hier gibt es garkeine Frage: Jesus ist die höchste Autorität und seinem Beispiel nachzufolgen, das nennt man Christentum.

Christentum bedeutet nicht, allen Geboten des Alten Testaments zu folgen oder allen Taten Josuas nachzueifern (welcher Christ käme denn auf so eine Idee?), sondern bedeutet: Jesus nachfolgen.

Die Autorität des Korans gründet sich auf die Glaubwürdigkeit einer Person: der Person Mohammeds. Er empfing den Koran – wer dem Islam glaubt, muss glauben, dass dem Mohammed wirklich der Erzengel Gabriel erschienen ist, denn es gibt ansonsten keine Beweise dafür.

Die Autorität der Bibel gründet sich auf die jahrhundertelange Glaubensgeschichte eines ganzen Volkes mit seinem Gott: des Volkes Israel. Es gründet sich schließlich auf die Glaubwürdigkeit und auf die historische Auferstehung Jesu Christi und die Zuverlässigkeit der Augenzeugen, die im NT über diese Auferstehung berichteten und der frühen Kirche. Doch sie steht und fällt mit der Person Jesu. Und der kritisierte nämlich genau die jüdischen Strömungen seiner Zeit, die sich mit Berufung auf das AT für einen gewalttätigen Aufstand gegen Rom aussprachen.

Wenn ein Christ wie Jürgen Todenhöfer* deshalb also das AT zitiert, dann möge er bitte auch Jesus dazu zitieren und sagen: Was für ein Schatz und was für ein Geschenk, dass wir Christen nicht nur ein „heiliges Buch“ haben. Sondern eine lebendige, auferstandene Person, die diese Schrift uns erschlossen und eine auf Gewalt basierende Auslegung des AT ein für allemal unmöglich gemacht hat. Und DIESER PERSON gilt unser Glaube, nicht einfach nur einem Buch.

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Anmerkung heplev: Für mich ist Todenhöfer KEIN Christ. Vielleicht hält er sich für einen. Mehr aber auch nicht.

Antisemitische Elemente im Neuen Testament

Manfred Gerstenfeld interviewt Pieter van der Horst (direkt vom Autor)

Das Neue Testament enthält einige antisemitische Passagen. Man findet diese nur in den spätesten Dokumenten. Das Hauptbeispiel ist das Johannes-Evangelium. Es wurde nach dem Bruch zwischen Christen und Juden geschrieben. Die antijüdischen Gefühle durchdringen das gesamte Buch; es beinhaltet die meisten antisemitischen Verse des Neuen Testaments.

Bei Johannes distanziert sich Jesus komplett vom jüdischen Volk. Er lässt ihn über die Juden, ihre Gesetze und Feste sprechen, als sei er nicht länger einer von ihnen. Am schlimmsten ist, dass Johannes ihn in einem Streit zwischen Jesus und den jüdischen Leitern sagen lässt: „Ihr aber habt den Teufel zum Vater.“1 In späterer christlicher Literatur wird diese Äußerung aufgenommen.

Pieter van der Horst
Pieter van der Horst

Professor Pieter van der Horst studierte klassische Philologie, Literatur und Theologie. Er war Professor für jüdische Studien und andere Fächer an der Universität Utrecht.

Diese fatale kurze Bemerkung hat über zwei Jahrtausende hinweg tödliche Folgen gehabt. Es kostete in der weiteren Geschichte Zehntausende Juden das Leben, besonders im Mittelalter. Dieser Vers wurde von christlichen Judenhassern als Lizenz zur Ermordung von Juden genutzt. Diese Mörder glaubten: „Wenn Jesus sagte, dass Juden den Teufel zu Vater haben, sollten wir sie nach bestem Vermögen ausmerzen.“

Alle Neutestamentler stimmen darin überein, dass dies nicht Jesu Haltung ist, sondern die von Johannes. Wenn eine religiöse Gruppe von ihrer Mutterreligion wegbricht, muss sie ihre eigene, neue Identität schaffen. Die Soziologie der Religion lehrt uns, dass die neue Gruppe in der ersten Phase immer anfängt die alte Religion heftig anzugreifen. Die effektivste Dämonisierung ist es, die Juden als „Kinder des Teufels“ zu bezeichnen und das Jesus selbst sagen zu lassen. Unglücklicherweise ist das Johannesevangelium jedoch eines der beliebtesten Bücher der Christenheit.

Die antijüdischen Texte im Matthäus-Evangelium fügen sich in ein Bild ein, das an sich nicht antisemitisch ist. Nur in der Erzählung der Passion Jesu in diesem Evangelium findet sich, dass Pilatus, der römische Gouverneur Judäas, sagt: „Ich finde nichts Böses an diesem Mann.“ Pilatus wäscht dann seine Hände als Zeichen, dass er nichts mit Jesu Hinrichtung zu tun haben wünscht. Pilatus Frau sagt: „Lass die Hände von diesem Gerechten, denn seinetwegen habe ich heute im Traum viel gelitten.“2 Alles, was wir aus anderen Quellenwissen, sagt uns, dass Pilatus durch und durch skrupellos und gnadenlos war. Die Vorstellung, er könnte einen Menschen vor der Todesstrafe retten, weil er ihn für unschuldig hält, ist nicht historisch und fast lächerlich.

Matthäus‘ Text muss im Kontext seiner Zeit verstanden werden, ungefähr in den 80-er Jahren des ersten Jahrhunderts. Mitte der 60-er Jahre unserer Zeitrechnung, unter Kaiser Nero, hatten die ersten Christenverfolgungen begonnen, denen später weitere weniger starke Verfolgungen auf örtlicher Ebene folgten. Das ängstigte die Christen.

Aus politischen Gründen war Matthäus sehr daran interessiert, dass seine Schriften den Römern den Eindruck vermitteln sollten, dass Christen für sie keine Gefahr seien. Wenn Pilatus, ein hoch respektierter römischer Magistrat, von Jesus sagt: „Dieser Mann ist völlig unschuldig“, dann impliziert das, dass die Römer das Christentum nicht fürchten müssen. Das führt dann im Gegenzug zu der Geschichte, dass die Juden angeblich brüllen: „Sein Blut soll über uns kommen“ – was bedeutet: „Wir übernehmen die Verantwortung für seinen Tod.“ Die Verantwortung für Jesu Tod auf das jüdische Volk zu verschieben steht mit Widerspruch zu dem, was Matthäus in den früheren Teilen seines Evangeliums sagt, wo es praktisch heißt, dass Jesus sich immenser Beliebtheit bei den Massen erfreute, soll heißen: mit der Mehrheit der einfachen jüdischen Menschen.

Es gibt auch einen vereinzelten Fall eines antijüdischen Ausbruchs durch den Apostel Paulus. In einem seiner Briefe an die Thessalonicher, der christlichen Gemeinde in der griechischen Stadt Thessaloniki, berichtet er, dass die Juden seinen Predigten stark ablehnten. Paulus gerät dann in Rage und sagt: „Diese haben den Herrn Jesus getötet und die Propheten, sie haben uns verfolgt, sie missfallen Gott und sind allen Menschen feind.“3

Das ist der einzige Text im Neuen Testament, der sagt, die Juden seien die Feinde des Restes der Menschheit. Dieses Motiv entstammt dem vorchristlich-heidnischen Antisemitismus, wo er oft auftritt. Er steht in völligem Gegensatz zu dem, was Paulus in seinem Brief an die Römer ausführlich über das jüdische Volk sagt. In drei Kapiteln – 9, 10 und 11 – zeichnet Paulus ein weit positiveres Bild des jüdischen Volks. Es gibt keine Erwähnung, dass sie die Feinde der Menschheit sind; es gibt auch keine solche in Paulus‘ anderen Briefen.

In seinem späteren Brief an die Römer sagt Paulus: „Wir Christen sollten erkennen, dass der Olivenbaum das Volk Israel ist und wir nur in diesen Olivenbaum eingepfropft wurden.“4 Der einzige Fall eines antijüdischen Ausfalls scheint der eines Menschen zu sein, der seine Emotionen nicht immer unter Kontrolle hat. Erst in späteren Jahrhunderten griff die Christenheit die jüdische Religion so heftig an, wie sie konnte, einschließlich durch Dämonisierung.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

1 Johannes 8,44
2 Matthäus 27,15-26
3 1. Tessalonicher, 2,14-16
4 Römer 11,24

Die Große zionistische Bibel-Verschwörung

Elder of Ziyon, 25.11.2009

Middle East Online hat einen unglaublich paranoiden Artikel, geschrieben von einem Maidhc Ó Cathail, den man gesehen haben muss, um ihn zu glauben:

Die Boykott-, Deinvestitions-, Sanktions-Kampagne für Palästina sollte ihr Betätigungsfeld ausweiten, um gegen nicht israelische Firmen gerichtet zu werden, die signifikant zur Unterdrückung der Palästinenser beitragen. Als Teil dieser breiter angelegten Strategie sollte einem der ungeheuerlichsten Täter Priorität zuteil werden, dem angesehenen britischen Verlag Oxford University Press. So unwahrscheinlich das scheinen mag, der größte Universitäts-Verlag ist für eines der größten Hindernisse für Gerechtigkeit für die Palästinenser verantwortlich – die Scofield-Bibel.

Seit sie 1909 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, hat die Scofield-Studienbibel aus Millionen Amerikanern kompromisslose Zionisten gemacht. Als John Hagee, der Gründer von Christians United for Israel, sagte, „50 Millionen evangelikale, bibelgläubige Christen vereinen sich mit fünf Millionen amerikanischen Juden, um gemeinsam für Israel einzustehen“, sprach er über die Scofield-Bibel.

Obwohl die Scofield-Studienbibel den Text der King James Authorized Version enthält, ist es nicht die traditionelle protestantische Bibel, sonder Cyrus I. Scofields erläuternder Kommentar, der das Problem darstellt. Mehr als jeder andere Faktor sind es Scofields Anmerkungen, die Generationen amerikanischer Evangelikaler zu glauben veranlasste, Gott verlange ihre unkritische Unterstützung für den modernen Staat Israel.

Hier also die These: Scofields Anmerkungen zur Bibel, 1909 veröffentlicht, drehen die Bibel in ein zionistischeres Buch, als sie es schon ist.

Wie geht das? Hier ein Beispiel:

Im Zentrum des christlich-zionistischen Glaubens steht Scofields Kommentar zu 1. Mose 12,3. Um der Klarheit willen, sind Scofield’s Anmerkungen in folgenden Abschnitt schräg gestellt:

„Ich will segnen, die dich segnen.“ In Erfüllung steht das in engem Bezug zum nächsten Satz: „Und wer dir flucht, den werde ich verfluchen.“ Wunderbar erfüllt in der Geschichte der Zerstreuung. Es ist ausnahmslos schlecht für Völker ausgegangen, die den Juden verfolgt haben – und gut für die, die ihn geschützt haben. Die Zukunft wird dieses Prinzip noch beachtenswerter beweisen.

John Hagee stützt sich auf Scofields spekulative interpretation, wenn er behauptet: „Der Mann oder die Nation, die die Stimme oder die Hand gegen Israel erhebt, lädt den Zorn Gottes auf sich.“

Stephen Sizer stellt jedoch in seiner maßgeblichen Kritik „Christian Zionism: Road-map to Armageddon?“ heraus: „Das Versprechen, als es sich auf Abrahams Nachkommen bezieht, spricht davon, dass Gott sie segnet, nicht von ganzen Nationen, die die hebräische Nation ‚segnen‘, noch weniger den zeitgenössischen und säkularen Staat Israel.“

Sich offenbar dieser eher orthodoxen Lesart nicht bewusst, verstärkte die New Scofield Bible, 1984 von Oxford University Press, Scofields Interpretation, indem sie hinzufügte: „Eine Nation, die die Sünde des Antisemitismus begeht, bringt unweigerlich das Gericht über sich.“ Wenn ein bibelgläubiger Christ derart tendenziöse Kommentare liest, könnte er z.B. einfach davon ausgehen, dass Gott die 114 Staaten bestrafen wird, die den Goldstone-Bericht gut hießen.

Zumindest gibt Cathail implizit zu, dass Antizionismus gewöhnlich eine Manifestation von Antisemitismus ist!

Scofields Interpretation des Abschnitts, der aber in Genesis (1. Mose) 15,18 zu finden ist*, ist ziemlich direkt und die Vorstellung, dass Gott sich nicht auf Gruppen von Menschen oder Nationen beziehen kann, ist selbst etwas tendenziös.

Wie auch immer, nachdem Cathail einmal festgelegt hat, dass Scofield ein ekelhafter Zionist ist, muss er nicht nur erklären, dass er ein Halunke war, sondern auch, dass er in Wirklichkeit von einem jüdischen Zionisten manipuliert wurde, der wirklichen jüdischen Kraft hinter dieser Zio-Bibel:

Ein „wieder geborener“ Prediger zu sein hinderte Scofield nicht daran 1901 Mitglied eines exklusiven Herrenclubs in New York zu werden. In seiner vernichtenden Biographie „The Incredible Scofield and His Book“ kommentiert Joseph M. Canfield: „Die Zulassung Scofields zum Lotos Club, die von Scofield nicht angestrebt werden konnte, stärkt den Verdacht, der vorher schon aufgetreten war, dass jemand die Karriere von C. I. Scofield dirigiert hat.“

Dieser Jemand, argwöhnt Canfield, stand mit einem der Vorstandsmitglieder des Clubs in Verbindung, dem Wall Street-Anwalt Samuel Untermeyer. Canfield gibt zu verstehen, dass Scofields Theologie „überaus hilfreich dabei war die fundamentalistischen Christen dazu zu bringen, das internationale Interesse auf eines der Lieblingsprojekte Untermeyers zu lenken – die zionistische Bewegung“.

Andere aber sind deutlicher gewesen, was die Natur des Dienstes Scofields für die zionistische Agenda angeht. In „Unjust War Theory: Christian Zionism and the Road to Jerusalem“ behauptet Prof. David W. Lutz: „Untermeyer nutzte Scofield, einen Anwalt aus Kansas City ohne formelle Ausbildung in Theologie, dem amerikanischen Protestantismus zionistische Ideen einzuimpfen. Untermeyer und andere reiche und einflussreiche Zionisten, mit denen er Scofield bekannt machte, förderten und finanzierten dessen Karriere, einschließlich Reisen nach Europa.“

Ohne solche mächtige Verbindungen ist es kaum vorstellbar, dass „dieses Mitglied der Taugenichtse“ jemals einen Vertrag mit der Oxford University Press bekommen konnte, um seine Bibel zu veröffentlichen. Dennoch bleibt es ein Geheimnis, warum OUP sich entschied ein solch sektiererisches Werk zuzulassen.

Sehen Sie? Diese ruchlosen Juden gaben der Welt nicht nur die Bibel … sie manipulierten sie immer weiter, indem sie arglose Christen kontrollieren und sie zwingen zionistische Kommentare zu schreiben, Jahrzehnte, bevor der Staat Israel gegründet wurde!

Wie konnte Oxford University Press so blind sein, sich in diese Jahrhunderte alte jüdische Verschwörung eingekauft zu haben?

* Das ist eine andere Stelle, ich weiß nicht, was Elderof Ziyon hier tatsächlich meint; 1. Mose 15,18 lautet: An jenem Tag schloss der HERR einen Bund mit Abram und sprach: Deinen Nachkommen habe ich dieses Land gegeben, vom Strom Ägyptens an bis zum großen Strom, dem Euphratstrom. (Dieser wird von Befürwortern eines „Groß-Israel“ angeführt.) Der Vers 1. Mose 12,3 ist tatsächlich einer, der für evangelikale Christen für die Unterstützung des jüdischen Volkes maßgeblich ist.