Verschifft – Warum die Karine-A auf einigen Radarschirmen nicht auftauchte

Jonathan S. Tobin, Jewish World Review, 21.01.2002

Nach der Übernahme des palästinensischen Waffenschiffs Karine-A verschwendeten eine Reihe von Leuten in Israel ihre Energie und ihre Tinte damit, sich gegenseitig die Verantwortung zuzuschieben.

Warum, könnte man fragen, sollte irgendjemand in Israel sich Sorgen machen? War nicht die Aufbringung des mit Tonnen von Sprengstoff, Minen, Granaten, Mörsern und Scharfschützen-Gewehren beladenen Schiffes ein großer Sieg für Israel?

Vielleicht nicht ein Sieg des Ausmaßes der Rettungsmission von Entebbe 1976, aber die Karine-A war ein unglaublicher Triumph für das israelische Militär. Es gab bei dem Angriff des Marine-Kommandotrupps keine Toten und die Besatzung des Schiffs und seine Ladung tödlicher Munition wurde unbeschädigt gefangen. Ein paar Tage später wurden die erdrückenden Beweise der Welt in Eilat auf einem Silbertablett serviert.

Viele in Israel glaubten, diese Kaperung würde ein und für alle Mal beweisen, dass der Führer der palästinensischen Autonomie, Yassir Arafat, den Weg des Krieges geht, nicht den des Friedens. Angesichts solch überwältigender Belege würde der Rest der Welt mit Sicherheit anerkennen, was die Mehrheit der Israelis seit langem akzeptiert hat: dass der Friedensprozess von Oslo tot ist und durch Arafats Krieg ersetzt wurde.

Gleichgültigkeit statt Empörung

Das einzige Problem mit diesem Szenario ist, dass mächtig viele Leute in aller Welt sich darüber nicht gerade aufzuregen scheinen. Sicher, es brachte ein, zwei Tage ein paar Schlagzeilen. Aber selbst für die Nachrichtenwelt von heute mit ihrem 24-Stunden-Rhythmus des „nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“ brachte die Karine-A einen relativ kleinen Ausschlag auf der Bewusstseinsskala der Weltmedien.

Man könnte denken, dass nach allem was wir in den letzten acht Jahren durchmachen mussten, seit auf dem Rasen des Weißen Hauses „Frieden“ erreicht wurde, dies nicht hätte nötig sein müssen. Wenn denn Arafats Ablehnung des lächerlich großzügigen Friedensangebots des ehemaligen israelischen Premierministers Ehud Barak vom Juli 2000 nicht ausreichte, um seine Absichten zu belegen, was dann?

Aber das Versagen der Medien, aus dieser Story ein Fressen zu machen, brachte viele Israelis auf. Erstes Ziel ihrer Wut waren allerdings – vorhersehbar – sie selbst.

Praktisch sofort prügelten örtliche Autoritäten auf das israelische Militär ein, weil die die Darbietung der Beute vor der Weltpresse verpfuschten. Offensichtlich dachte in Israel niemand daran, ein Flugzeug zu chartern und die ausländische Presse nach Eilat zu bringen, was dazu führte, dass viele Schreiberlinge darum schlugen, rechtzeitig da zu sein. Sie waren auch nicht klug genug, Versprechungen zu mehr Belegen für die Verwicklung der PA-Spitze für sich zu behalten, während sie nicht alles danach durchkämmten.

Das Geständnis des palästinensischen Marineoffiziers, der das Schmuggelschiff befehligte, half zwar, die Araber schlechter da stehen zu lassen, aber da war die Aufmerksamkeit der Welt bereits weiter gegangen.

Während die Israelis darauf warteten, dass jedermann die angemessenen Schlüsse ziehen und Sanktionen gegen die PA verhängen oder die Verbindungen zu Arafat kappen würde, passierte nichts dergleichen.

Obwohl alle wichtigen amerikanischen Zeitungen Artikel über die Karine-A brachten, wählten weder die New York Times, noch die Washington Post oder der Philadelphia Inquirer sie für einen Kommentar aus. Das hatte Bedeutung, bedenkt man die Vorliebe aller dreier Kommentarseiten dafür, auch den kleinsten Vorwand zu nutzen über den Friedensprozess zu schreiben, wenn Israel für irgendeine behauptete Missetat verantwortlich gemacht werden kann. Da die Karine-A nicht ihre Voraussetzungen für die Notwendigkeit israelischer Zugeständnisse bestätigte, wurde sie einfach ignoriert. Während der Vorfall an der Oberfläche die Palästinenser und Arafat beschädigte, verpassten es die Israelis, den Medien-Auftrieb, den sie suchten. Innerhalb einer Woche waren dieselben Zeitungen und Rundfunkanstalten, die den Fall Karine-A so unterbewerteten, damit beschäftigt, Gräuelgeschichten zu schreiben über israelische Zerstörung arabischer Häuser, die von Terroristen entlang der Grenze mit Gaza benutzt wurden.

Aber diesen Fehlschlag nur israelischer Fahrlässigkeit und Unfreundlichkeit zuzuschreiben, geht zu weit. Ja, es ist nicht einfach, mit der israelischen Regierung zurecht zu kommen und dem stereotyp arrogante Presseoffizier, der mit den Medien arbeiten soll, leistete lausige Arbeit, aber das Problem liegt tiefer als in taktloser Public Relations-Arbeit.

Unehrlichkeit der Linken

Die Antwort auf das Problem könnte in der Überschrift eines Artikels der Associated Press über das Geständnis des palästinensischen Kapitäns liegen, die auf der Titelseite des Philadelphia Inquirer vom 4. Januar veröffentlicht wurde.

Der Artikel begann mit der Erklärung des Kapitäns, dass er PA-Offizier mit offiziellem Auftrag war. Die Story beschrieb diesen Auftrag als einen, dessen Zweck es war, „den waffenmäßig unterlegenen Palästinensern zu ermöglichen sich zu verteidigen“.

Die Ironie ist: Statt das Märchen zu zerstreuen, dass Israel die Palästinenser während der 16 Monate von Arafats Krieg angreift, verstärkt dieser Satz das noch. Die Story über das Schiff wurde so derart verdreht, dass das Ganze zum Teil wie ein Akt heldenhaften palästinensischen Widerstands gegen israelische „Besatzung“ aussah.

Wie die Berichterstattung im Fernsehen, schien diese Story (samt vielen anderen) die Sachlage aus einem beträchtlich anderen Blickwinkel anzugehen.

Sie hob nicht die eklatante Verletzung der Oslo-Vereinbarungen heraus, die die Palästinenser als diejenigen zeigte, die mehr Gewalt gegen Israel und eine Eskalation des Krieges vorbereiteten. Statt einer Geschichte darüber, dass Terror verhindert wurde, schien die Berichterstattung oft mit der Haltung zu beginnen, dass die Palästinenser Recht damit haben, bessere Möglichkeiten zu finden Israelis zu töten.

Schlimmer noch: Einige der extremen Linken in Israel und der Diaspora machen Überstunden, um den Versuch, die Wahrheit ans Licht zu verkünden, zu untergraben. Eine Prüfung dessen, was in der Linken zu dieser Geschichte gesagt – und nicht gesagt -wurde, war aufschlussreich. Wenige derer, die zu mehr israelischen Zugeständnissen drängen, wurden von ihrer täglichen Routine abgelenkt, Premierminister Ariel Sharon zu beschimpfen oder die israelischen Armee der Kriegsverbrechen zu beschuldigen, um das Schiff zu kommentieren.

Es stimmt, ein paar wenige, wie Forward-Kolumnist Leonard Klein sagten, dies sei ein weiteres Beispiel dafür, dass Arafat ungeeignet sei. Aber seine Kriegsspiele reichten nicht aus die Linke zu überzeugen, dass sie im Unrecht waren, als sie Oslo immer weiter anpriesen. Anstatt die Verantwortung für einen tragischen Fehler zu übernehmen, der so viele Leben gekostet hat, ist die oslomanische Clique hier [d.h. in den USA] und in Israel bereit, allem und allen die Verantwortung zuzuschieben, nur nicht den eigenen fehlerhaften stümperhaften Vorstellungen.

Noch bizarrer war, dass einige der extremen Linken den paranoiden Schwachsinn der arabischen Presse nachäfften und behaupteten, die Geschichte der Karine-A sei eine israelische Fälschung.

Uri Avnery, alterndes israelisches Enfant terrible, der regelmäßig im amerikanisch-jüdischen Lehrkreis auftaucht, behauptete genau dies in einer Kolumne, die die Gush-Shalom-Extremisten im Internet verbreiteten. Er ging weiter und erklärte, dass, selbst wenn die Geschichte stimmte, er glaubt, dass die Palästinenser jedes Recht hätten, diese tödlichen Waffen gegen Israelis zu benutzen.

Ob er oder andere seinesgleichen (wie die örtlichen Juden, die regelmäßig an der Freiheitsglocke hier in Philadelphia gegen Israels „Besatzung“ demonstrieren) denken, sie würden verschont, wenn die Araber die Tötung der „schlechten“ Juden abschließen oder nicht, ist unserer Phantasie überlassen.

Obwohl ein Unterschied besteht zwischen der studierten Gleichgültigkeit der Kommentatoren und dem Fieberwahn aus den Malariasümpfen der jüdischen Linken, sprechen beide Phänomene Bände zur nicht vorhandenen Bereitschaft Beweise anzusehen und logische Schlussfolgerungen zu ziehen.

Die gute Nachricht ist, dass außerhalb der Schwätzer-Vorträge, der harten Linken und einigen Kämmerchen des Außenministeriums die Debatte über Arafat, den Friedensprozess und den Krieg, der gegen Israel geführt wird, im Großen und Ganzen geendet hat.

Die Aufgabe derer, die sich um das Überleben Israels sorgen, ist es, sicher zu stellen, dass jeder andere das auch weiß.

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Die Asymmetrie im israelisch-palästinensischen Konflikt

Barry Shaw, Politichicks, 2. Oktober 20107

Die Haltung vieler Weltführer und eines Großteils der internationalen diplomatischen Gemeinschaft zum israelisch-palästinensischen Problem lautet, dass alles mit einer Zweistaatenlösung auf Grundlage der Grenzen von 1967 gelöst werden kann.

Damit wird betont, dass Israel gezwungen werden soll im Namen des Friedens Territorium aufgeben und dass Israel der Schuldige ist, wenn es das ablehnt.

Die Vorstellung, dass fehlender Friede, der ausbricht, wenn Israel sich von Land zurückzieht, auf das es gleichermaßen, wenn nicht mehr Anspruch hat,  als sonst eine Seite der palästinensischen politischen Kluft, ist ein Trugschluss.

Fakt ist, dass sie zu dem Denkfehler geworden ist, der Fortschritt hin zu irgendeiner Lösung verhindert hat. Sie ist ein Denkfehler auf Grundlage der falschen Prämisse, dass alles, was die Palästinenser wollen, ein eigener Staat ist und dass Israel ihren Wunsch in Frieden in ihrem eigenen Staat zu leben blockiert. Diese Voraussetzung ist keine Schablone für Frieden, denn sie ignoriert den zugrundeliegenden Graben, die unterschiedlichen Ideologien und Mentalitäten der beiden Seiten. Es lohnt sich, Aspekte auf beiden Seiten zu untersuchen. Das hilft uns, die unbestreitbare Wahrheit dafür zu erlangen, warum Fortschritt unmöglich ist.

Israel hat die Vorstellung von zwei Staaten für zwei Völker akzeptiert. Die Palästinenser nicht.

Israelische Politik ist die des Versuchs das Leben der sowohl in Ramallah als auch in Gaza unter der Kontrolle ihrer Führung lebenden Palästinenser zu verbessern. Das wurde vom ehemaligen israelischen Kabinettsmitglied Mosche Ya’alon gegenüber einem englischsprachigen Publikum in Netanya am 25. September bestätigt; dort sage er, obwohl er keine Möglichkeit eines diplomatischen Durchbruchs mit der Palästinenserführung in der Westbank und dem Gazastreifen sieht, die Verbesserung des Lebens und der Lebensbedingungen der unter palästinensischer Kontrolle lebenden Araber voll und ganz befürwortet.

Israel koordiniert sich täglich mit der palästinensischen Autonomiebehörde sowohl bezüglich ziviler als auch in Sicherheitsfragen. Israel hat der PA die volle zivile und Sicherheitskontrolle in dem gegeben, was in den unterschriebenen Olso-Vereinbarungen Area A und B genannt wird. Das gestattet es palästinensischen Kräften in diesen Territorien ausgebildet und bewaffnet zu werden. Zwischen achthundert und eintausend LKWs strömen tagtäglich aus Israel in den Gazastreifen, was den Anschuldigungen widerspricht, dass es eine Blockade betreibt.

Die Palästinenser andererseits führen einen Delegitimierungskrieg gegen den jüdischen Staat, mit dem sie jegliche Chance auf echte Eigenstaatlichkeit verhindern, indem sie die Anerkennung Israels als jüdischer Staat ablehnen. Sie bringen massive und erfolgreiche antiisraelische und antisemitische Kampagnen in internationalen Foren, zu denen ihre Verleumdungen gehörten, dass Juden keine Geschichte und kein Erbe an Orten wie dem Tempelberg in Jerusalem und dem Patriarchengrab in Hebron haben.

Sie beanspruchen Eigenstaatlichkeit, ohne dass, selbst nach der Interpretation der Eigenstaatlichkeit im Völkerrecht, eine Eigenstaatlichkeit existiert. Sie fordern, dass die israelische Hauptstadt Jerusalem ihre Hauptstadt sein muss, obwohl sich ihre politischen und Verwaltungszentren in Ramallah und Gaza Stadt befinden. Und es schockiert, dass die diplomatische Immunität all diese abwegigen Behauptungen stützt.

Die internationale Gemeinschaft ignoriert den Missbrauch ihrer Geldzahlungen an die PA, die Terroristen und ihren Familien mehr als dreihundert Millionen Dollar zuweist. Nicht nur die Hamas, auch die PA ist eine von Terror befallene Organisation. Palestinian Media Watch enthüllte ihn ihrem jüngsten Bericht, der am 27. September veröffentlicht wurde, dass die palästinensische Autonomiebehörde heute fünfundsiebzig Schulen hat, die nach Terroristen oder Nazi-Kollaborateuren benannt sind. Eine der Schulen wird von der belgischen Regierung finanziert.

Beide Seiten auf dem palästinensischen poltischen Graben äußern ständig hetzende, antisemitische Bemerkungen, wenn sie Israel erwähnen. Mahmud Abbas hat eine lange Geschichte auf Juden einzuschlagen, wenn er auf Israel losgeht. Als er am 24. Juni 2016 vor dem Europaparlament sprach, beschuldigte er Rabbiner, diese verlangten von der israelischen Regierung palästinensisches Wasser zu vergiften. Davor sagte er bei einer weiteren antisemitischen Bemerkung: „Wir werden nicht gestatten, dass Juden mit ihren dreckigen Füßen den Tempelberg besudeln.“

Inbrünstiger palästinensischer Antisemitismus ist in der berüchtigten Hamas-Charta zu finden, die offen zitiert: „Oh Muslim! Da ist ein Juden hinter mir. Komm her und töte ihn.“

Das ist dann die Asymmetrie, die jede mögliche Lösung aus der Sackgasse verhindert, in der sich Israel und die Palästinenser befinden.

Es geht nicht um Grenzen oder Territorium. Es geht um die tiefe Spaltung der beiden Seiten, die Jahrzehnte lang Fortschritt verhinderte.

Solange die internationale Gemeinschaft sich diesem offensichtlichen Hindernis – der ideologischen Asymmetrie zwischen den beiden Seiten – nicht stellt, dürfen Sie keine baldige Lösung erwarten.

Nicht wegen der „Besatzung“

Boaz Bismuth, Israel HaYom, 23. März 2016

Am 14. November, einen Tag nach den entsetzlichen Terroranschlägen von Paris, erklärte der französische Präsident François Hollande, Frankreich befinde sich im Krieg. Es war echt das Letzte, das die Bürger Frankreichs in Besonderen und die Europas im Allgemeinen hören wollten. Hollande verkündete nach den Anschlägen, die vermutlich in Terrorstaaten wie Syrien, dem Irak und Belgien geplant wurden, zudem einen Ausnahmezustand im Land.

Noch bevor man versucht zu verstehen warum, wollten die Menschen Frankreichs, zusammen mit ihren europäischen Landsleuten, wissen, wie lange ihr Alltagsleben gestört sein würde. Ein Krieg gegen den Terror, sagt ihr? Kommt schon, wir leben in Europa, nicht im Nahen Osten. „Wenn Europa den Mund aufmacht“, witzelte der frühere französische Präsident François Mitterand einmal bekanntlich, „dann nur um zu gähnen.“ Lebt man in einem Zustand des Leugnens, dann ist sicher, dass das Folgen hat. Willkommen in „Brüsselistan“!

Wie symbolisch, dass die zwei fürchterlichen Bombenanschläge in Brüssel, die das Leben von mindestens 30 Menschen forderten, am Flughafen und der U-Bahn-Station „Europa“ gegenüber dem EU-Hauptsitz stattfanden. Das waren keine Zufallsziele, die die Gruppe Islamischer Staat sich aussuchte, die uns vielleicht zeigen will, dass die Hauptstadt Europas jetzt eine Hauptstadt des Terrors ist. Das ist der beste Ort, von dem aus man eine drohende Botschaft an die „ungläubigen Kreuzzügler“ schicken kann, „denen weitere dunkle Zeiten bevorstehen“. Und in einer Art krankem Wettbewerb ist es auch eine Botschaft an Al-Qaida: Auch wir wissen, wie man koordinierte Anschläge verübt.

Für alle, die es vergessen haben: Letzten Freitag [18.03.2016 – heplev] atmeten die Belgier kollektiv erleichtert auf. Salah Abdeslam, einer der Terroristen von Paris, wurde in Molenbeek festgenommen, einem Vorort von Brüssel, der sich vor den Augen der blegischen Behörden eine „made-in-Belgium“-Jihadistenbrutstätte verwandelt hat. Einwohner von Moldenbeek sind in Belgien geboren und zur Schule gegangen; sie erhalten Sozialleistungen; und im Nachhinein betrachtet – natürlich inoffiziell – gehen sie auch davon aus, dass sie eine Lizenz zum Töten anderer Belgier haben. Der Grund? Jihad. Keine Besatzung, kein Gefühl der Verzweiflung, kein George W. Bush – Jihad. Nach dem Irak und Syrien denken sie sich selbst gegenüber wie ISIS: Warum nicht das Kalifat auch auf Belgien ausdehnen?

Nicht wegen der „Besatzung“

Die Fahndung nach Abdeslam dauerte vier Monate. Ein Kleinkrimineller, der im Namen des Islam zu einer Erzterroristen wurde. Es war jedem klar, dass seine Genossen – diejenigen, die ihm halfen seinen Anschlag auszuführen, zu entkommen und sich zu verstecken – immer noch frei herumliefen. Es war nur logisch von weiteren Anschlägen auszugehen. Wir können sogar annehmen, dass sie nach der Festnahme Abdeslams die Notwendigkeit erkannten ihre bereits geplanten Anschläge rasch auszuführen, da er wahrscheinlich während seiner Verhöre Informationen ausplaudern würde. Offenbar waren die belgischen Sicherheitskräfte kräftig aber damit beschäftigt sich selbst auf die Schulter zu klopfen, statt ihn angemessen zu verhören.

Und während die Rechtsanwälte und das Gericht damit beschäftigt waren die Bedingungen der Auslieferung Abdeslams an Frankreich zu diskutieren, setzten seine Kumpel die Räder für ihre koordinierten Bombenanschläge in Bewegung.

Ich habe viele Jahre in Europa gelebt. Und seit vielen Jahren wollten die Europäer nicht ein einziges Wort zum Terror hören. Es gab immer einen Grund: Entweder war es Terror gegen Juden oder Amerika oder gegen die Imperialisten. Ein anderes Mal war es wegen des Kriegs in Algerien oder wegen des Kriegs im Irak. Die Kurden waren bereits misslich vergessen.

Die Europäer fanden immer eine Ausrede für die Terroranschläge auf ihrem Boden. Aus welchem Grund auch immer fühlten sie sich damit sicherer. Und wenn die Ausreden ausgingen, gibt es immer die ultimative Zuflucht, die für alle Terroranschläge auf dem Kontinent verantwortlich ist: Die zionistische Besetzung und Unterdrückung der Palästinenser. Immerhin weiß jeder, dass Abdeslam wegen des „bitteren Schicksals“ seiner Brüder in Gaza nachts nicht schlafen konnte. Wirklich, es reicht jetzt! Würden die Experten in Israel bitte aufhören auf Schritt und Tritt diesen Unsinn hinzurotzen?

Der Feind befindet sich bereits im Inneren

Aber bitte, meine Damen und Herren, strapazieren Sie die Europäer bitte nicht mit Gerede vom Krieg. Stressen Sie sie nicht mit islamischem Terror. Stressen Sie übrigens auch US-Präsident Obama damit nicht. Es ist zu romantisch und angenehm in Verleugnung zu leben, in einer Welt, in er jeder jeden lieb hat und in der es keine Kriege gibt; und wo muslimische Immigranten aus dem Irak und Syrien sich nahtlos integrieren, ohne dass gefährliche, jihadistische Infiltratoren sich unter ihnen befinden.

Vielleicht können trotz allem die Bombenexplosionen in Brüssel von Dienstag den Kontinent aus seinem Tagtraum holen. Die Brüssel zugefügten Schrecken waren die Folge der Laxheit der belgischen Sicherheitskräfte und der Blindheit der Regierung. Und ihr Versagen hatte einen hohen Preis. Wie viele weitere Anschläge sind nötig, wie viele weitere Opfer, damit der andere Fuß aufkommt und erkannt wird, dass wir uns nicht nur im Krieg befinden, sondern ein dritter Weltkrieg zwischen der aufgeklärten Welt und den Mächten der Dunkelheit stattfindet? Mit denen, die uns zurück ins siebte Jahrhundert ziehen wollen oder – schlimmer – das siebte Jahrhundert an unsere Türschwelle bringen wollen?

Wir sollten den Bürger Europas nichts vorwerfen. Das von seinen Mächtigen gelenkte Europa ist nicht länger aufgestellt um Kriege führen zu können. Seine Regierungen haben ihre Militär- und Geheimdienst-Budgets beträchtlich verkleinert. Was Europas große, sensible muslimische Bevölkerung angeht, dürfen ihre Sensibilitäten um jeden Preis nicht beleidigt werden, selbst wenn es dadurch nötig wird wegzusehen. Wie schmerzlich ist es dann in der Tat, wenn die Illusion eines gesamten Kontinents ihm um die Ohren fliegt. Vielleicht wäre es für Europa besser die Augen weiter geschlossen zu halten oder – als Alternative – einmal mehr zu dem Schluss zu kommen, dass der „Grund“ für die Probleme nichts anderes ist als das „Palästinenserproblem“.

Europa wollte glauben, dass diese Einschnitte der Jahre 732, 1529 und 1638 – als die Eroberung des Kontinents durch die Muslime drohte – der Vergangenheit angehörten. Europa begreift nicht, dass die Lage heute viel schlimmer ist. Damals wurde, wie wir wissen, der muslimischer Eindringling von Mauern aufgehalten. Heute muss der Feind nicht einmal eindringen. Er ist bereits hier, Zuhause; er muss nur eine selbst gebaute Bombe vorbereiten und sich auf die Straße begeben. ER sieht auch keine Armee, die ihm im Weg steht.

Sollten wir in der Zeit zum 25. März 1957 zurückreisen – als die Römischen Verträge unterzeichnet und die EU praktische geschaffen wurde – und den Europäern erzählen, dass Großbritannien 59 Jahre später eine Reisewarnung für Belgien ausgeben wird, dann können wir davon ausgehen, dass wir in eine Anstalt eingewiesen würden. Aber „Belgistan“ ist bereits etwas ganz anderes. Es ist wirklich gefährlich dort. Wenn der Schlummer fortgesetzt wird und Europa diesen Kampf verliert, werden unsere Enkel lernen, dass die Kontinente Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und „Europastan“ heißen. Und ich kann bereits einige Experten sehen, die den Zuschauern erklären, dass die Juden dafür verantwortlich sind. Was, das wussten Sie nicht? Das alles geschieht, weil die Palästinenser unterdrückt werden. Alles in Ordnung, solange es einen Grund gibt nicht in den Krieg zu ziehen.