Warum muslimische Soldaten ihre christlichen Kameraden töten

Raymond Ibrahim, 24. März 2021

Muslimische Soldaten töten ihre christlichen Waffenkameraden – offenbar, weil letztere als „Ungläubige“ bereits der Feind sind. In jüngster Zeit stahl ein muslimischer Oberst in Nigeria Waffen aus einem Arsenal und beschuldigte dann die 12 diensthabenden Soldaten des Diebstahls. Sechs der 12 Soldaten – alles Christen – wurden dann hingerichtet. Ein mit dem Fall vertrauten Anwalt gibt an:

Die heutige [nigerianische] Regierung verabscheut das Christentum … Diese Regierung handelt mit Hilfe einer ethnischen Agenda gegen die [christliche] Igbo-Bevölkerung … Das ist in der Armee nie praktiziert worden. Die Dinge wurden in dem Moment geändert, als die aktuelle Regierung [von Muhammadu Buhari] an die Macht kam. Es laufen Dinge, die es vorher nicht gab. Da geht es nicht nur um die sechs Soldaten… Selbst in den Sicherheitskräften werden Christen ins Visier genommen.

Ein Bericht vom 4. Februar legt genauer dar:

Viele Nigerianer glauben heute, die Armee kämpfe für den Islam, nicht Nigeria… Im vorwiegend christlichen Süden des Landes nennen die Leute sie ‚Boko Harams Armee‘. Muslime haben alle der wichtigsten Führungspositionen inne. Die fehlenden Maßnahmen der Armee zum Schutz von Christen kommt direkt von ihren Führern in der Regierung… Wenn Gruppen in von radikalen Islamisten kontrollierte Gebiete gehen, um nigerianische Christen zu verteidigen, befiehlt die Regierung ihnen sich zurückzuziehen. Dann schießen ihnen islamistische Rebellen in den Rücken.

Das Phänomen muslimischer Militärs, die ihre christlichen Gegenüber ermorden – und damit davon kommen – ist nicht auf Nigeria beschränkt. 2018 wurde zum Beispiel Matthew Samir Habib, ein 22-jähriger Christ im ägyptischen Militär, einfach deswegen getötet, weil er Christ war. Er war der letzte von rund 10 christlichen Soldaten in Ägypten, die in separaten Vorfällen im Verlauf der Jahre von muslimischen Soldaten wegen ihres Glaubens getötet wurden.

In praktisch allen dieser Fälle folgt ein gleiches Muster: Trotz aller anders lautender Beweise (wie körperlichen Schrammen auf dem gesamten Körper der Erschlagenen) bestehen Offizielle des Militärs darauf, dass – wegen irgendeines plötzlichen und unerklärlichen Depressionsanfalls – all diese Christen angeblich „Selbstmord“ begingen. Derweil bestehen die Familien der toten christlichen Soldaten und die ihnen am nächsten Stehenden darauf, dass ihre erschlagenen Söhne und Brüder glücklich und gesund waren, dass sie folgsame Christen waren und dass es Belege gibt, dass sie von ihren muslimischen „Waffenbrüdern“ wegen ihres offenkundigen Christseins verfolgt wurden.

Beim erwähnten Fall des Matthew Habib zum Beispiel wurde der ermordete Christ von zwei Schüssen getroffen – und die Behörden bleiben immer noch dabei, es sei Selbstmord. (Klicken Sie hier, um weitere Beispiele für bizarre Gründe sehen, die von Militärbehörden für die Tode angeführt werden, die allesamt von den christlichen Familien der Opfer bestritten werden.)

Warum diese Christen getötet werden, ist nicht schwer zu begreifen. Für viele Muslime in Ägypten, Nigeria und andernorts ist Krieg synonym mit Jihad – und es tut nicht viel für die Moral unten stehende Ungläubige zu haben, die selbst Hauptziele des Jihad sind, aber an der Seite der Jihad Praktizierenden kämpfen.

Diese modernen Tötungen werfen weiteres Licht auf einen eher theoretischen – oder vielmehr theologischen – Punkt. Eine der Klammern des islamischen Reinwaschens ist die Behauptung, dass Jizya – das Erpressergeld, das Juden und Christen zu zahlen hatten/haben (Sure 9,29) – sie sogar „für muslimischen Schutz vor Aggression von außen berechtigte und vom Militärdienst befreite“, um John Esposito von der Georgetown University zu zitieren.

Nach dieser weitverbreiteten Logik forderten muslimische Invasoren nicht, dass die eroberten nichtmuslimischen Bevölkerungen ihr Leben mit Geld freikaufen – so erklären es praktisch alle muslimischen Juristen und Historiker – sondern waren so freundlich ihren ungläubigen Untertanen gegen eine kleine Gebühr „Schutz“ und Befreiung vom Militärdienst anzubieten.

Allerdings, und wie die Tötung christlicher Soldaten heutzutage deutlich machen, waren Christen und Juden nicht vom Militärdienst „ausgenommen, weil sie den Jizya-Tribut bezahlten, sondern weil sie als eroberte Ungläubige selbst der Feind waren und abgesondert und unterworfen zu bleiben hatten – wozu christliche Minderheiten in muslimischen Staaten bis heute tendieren. (Als ein Beispiel wird Anträgen Kirchen zu eröffnen oder zu renovieren immer mit Massengewalt und Unruhen begegnet, oft ermöglicht, wenn nicht sogar angezettelt durch örtliche muslimische Obrigkeiten: als Ungläubigen ist Christen nicht gestattet Gotteshäuser zu bauen oder zu renovieren, die offen die Lehren Mohammeds bestreiten.)

Apologeten wie Esposito stellen die Fakten auf eine andere wichtige Weise auf den Kopf: Während die Zahlung der Jizya den eroberten Ungläubigen tatsächlich (eine Art) „Schutz“ kaufte, erfolgte dieser Schutz nicht gegen feindliche Kräfte von außen, sondern gegen feindliche Kräfte von innen – heißt, Muslime selbst: Scharia-Handbücher machen deutlich, dass das Versäumen der Zahlung der Jizya das Leben der Dhimmis verwirkt.

Schließlich und als würde all das oben nicht ausreichen, verlangte der Koran selbst, dass eroberte Nichtmuslime „die Jizya bereitwillig geben, während sie gedemütigt werden“ (Sure 9,29) beseitigt jegliche Behauptung, dass die Zahlung der Jizya eine reine Geschäftstransaktion ist, die die Befreiung vom Militärdienst rechtfertigt, sondern dass es sich um eine rituelle Zuschaustellung islamischer Dominanz über Ungläubige ist.

Von hier aus könnte man auch anfangen die Wurzeln eines damit verbundenen Phänomens zu verstehen: Muslimische Soldaten, die im US-Militär nichtmuslimische Soldaten als Vorführung der Loyalität gegenüber dem Islam töten.

Geschändet und vollgekackt: Kirchen in Europa unter dem Islam

Raymond Ibrahim, 10. März 2021

„Kreuz“ aus Exkrementen an einer Kirche in Nimes, Frankreich

Ein paar Tage, nachdem muslimische Migranten eine 800 Jahre alte schwedische Kirche zweimal innerhalb von vier Tagen mit Brandbomben bewarfen – einmal am 20. Januar 2021 und ein weiteres Mal am 24. Januar – gab es am 4. Februar einen Bericht, in dem es hieß, dass allein von 2012 bis 2018 829 „Hassverbrechen“ gegen Kirchen in Schweden oder rund jedes Jahr durchschnittlich 138 Anschläge zur Anzeige gebracht wurden.

Damit schließen sich die Kirchen Schwedens denen anderer Staaten Westeuropas an, die beträchtliche Anzahlen muslimischer Migranten aufgenommen haben. In Frankreich werden z.B. jeden Tag zwei Kirchen mutwillig beschädigt. Nach Angaben eines Berichts von PI News wurden 2018 in Frankreich 1.063 Anschläge auf christliche Kirchen oder Symbole (Kruzifixe, Ikonen, Statuen) registriert. Das stellt eine Zunahme von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2017) dar, in dem 878 Anschläge registriert wurden – was bedeutet, dass solche Anschläge von schlimm zu schlimmer.

Sie werden zudem zunehmend widerlich. Zum Beispiel verwendeten Vandalen menschliche Exkremente, um 2019 ein Kreuz auf die Kirche Notre-Dame des Enfants in Nimes zu „malen“; auch  geweihtes Brot wurde draußen in Müll geworfen gefunden. Eine Woche später schändeten und zerschlugen Vandalen Kreuze und Statuen an der Kathedrale Saint-Alain in Lavaur, sie verstümmelten die Arme eines gekreuzigten Christus auf verhöhnende Weise und verbrannten Altarmaterialien.

Ähnliche Berichte kommen aus Deutschland. Nachdem es berichtete, dass 2019 vier unterschiedliche Kirchen im Verlauf von vier Wochen verwüstet und/oder in Brand gesetzt wurden, erklärte PI-News: „Auch hierzulande herrscht schleichender Krieg gegen alles, was Christentum symbolisiert: Angriffe auf Gipfelkreuze, auf Heiligenfiguren am Weg, auf Kirchen und neuerdings auch auf Friedhöfe.“

Obwohl Mainstream-Medien regelmäßig behaupten, die Vandalen – die selten gefasst werden, um ihre Identitäten zu verifizieren – „psychisch krank“ oder Teil „rechtextremistischer“ Gruppen sind, wie der aktuelle schwedische Bericht erklärt, offeriert PI-News einen Hinweis: „Es werden Kreuze zerbrochen, Altäre zerschlagen, Bibeln angezündet, Taufbecken umgestürzt und die Kirchentüren mit islamischen Bekundungen wie „Allahu akbar“ beschmiert.“

Gleichermaßen stellte ein weiterer deutschsprachiger Bericht von Ende 2017 fest, dass allein in den Alpen und in Bayern rund 200 Kirchen angegriffen und viele Kreuze zerbrochen wurden: „Die Kriminalpolizei hat es derzeit immer wieder mit Kirchenschändungen zu tun. Die Täter seien oft jugendliche Randalierer mit Migrationshintergrund.“

Ein weiterer, viel sagender Indikator ist, dass solche Regionen Europas mit großer muslimischer Migrantenbevölkerung oft einen Anstieg an Angriffen auf Kirchen und christliche Symbole erleben. Vor Weihnachten 2016 wurden in Nordrhein-Westfalen, wo mehr als eine Million muslimischer Migranten wohnen, rund 50 öffentliche Jesus-Statuen und weitere christliche Figuren geköpft und Kruzifixe zerbrochen.

Nach der Ankunft einer weiteren Million muslimischer Migranten sagte eine Lokalzeitung in Dülmen: „Es vergeht kein Tag“ ohne Angriffe auf christliche Statuen.

Frankreich, wo eine der größten muslimischen Bevölkerungen Europas lebt – und wo Kirchen jeden einzelnen Tag angegriffen werden – ist ebenfalls indikativ dafür, dass da, wo die Zahl der Muslime zunimmt, auch die Angriffe auf Kirchen zunehmen. Eine Studie vom Januar 2017 deckte auf, dass „islamistisch-extremistische Angriffe auf Christen“ in Frankreich um 38 Prozent zunahmen, von 273 im Jahr 2015 auf 376 im Jahr 2016; die Mehrheit ereignete sich während der Weihnachtszeit und „viele der Anschläge fanden in Kirchen oder anderen Gotteshäusern statt“.

Als typisches Beispiel beging ein muslimischer Mann 2014 „bedeutende Wandalismus-Taten“ innerhalb einer historischen katholischen Kirche in Thonon-les-Bains. Nach Angaben des Berichts mit Bildern (inzwischen gelöscht) „stürzte er zwei Altäre, die Kandelaber und Stehpulte um und zertrümmerte sie, zerstörte Statuen, riss ein Tabernakel nieder, verbog ein massives Bronzekreuz, zerschlug eine Tür der Sakristei und zerbrach sogar einige Buntglasfenster“. Zudem „trampelte“ er auch noch auf der Eucharistie herum.

Weitere Beispiele von Muslimen, die auf frischer Tat bei der Schändung von Kirchen in anderen europäischen Staaten ertappt wurden, finden Sie hier, hier, hier, hier und hier.

Sollte es immer noch irgendwelche Zweifel bezüglich der wahren Identität der am meisten Verantwortlichen für die Verwüstung von Kirchen überall in Europa geben, muss man sich nur an den Umgang mit Kirchen in der muslimischen Welt selbst zuwenden oder auch in Gegenden, die eine sehr große muslimische Bevölkerung haben.

So steckten Muslime in Kenia vom 20. Januar bis 24. Januar fünf Kirchen in Brand – genau in den Tagen, als Muslime zweimal eine 800 Jahre alte Kirche in Schweden mit Brandsätze bewarfen. „Eine Mehrheit der Kirchenmitglieder hatte nach dem Niederbrennen der Kirchen Angst Gottesdienste [in oder an den Ruinen] zu besuchen, weil sie befürchteten, die Brandstifter könnten ihnen nach Hause folgen und damit das Leben ihrer Familien gefährden“, sagte eine lokale Quelle.

Wie es geschah, als Wandalen in Frankreich 2019 menschliche Exkremente verwendeten, um ein Kreuz auf die Kirche Notre-Dame des Enfants zu schmieren, begingen auch diese kenianischen Brandstifter „diese abscheulichen Taten menschliche Fäkalien auf die Gebäude zu schaufeln“, fügte die Quelle hinzu.

Tatsache ist: die widerliche Schändung von Kirchen (einschließlich mit menschlichen Exkrementen) Jahrhunderte lang ein Markenzeichen der Muslime gewesen ist – eine Art „der Islam war hier“. Wie in „Sword and Scimitar: Fourteen Centuries of War between Islam and the West“ umfassend dokumentiert ist, haben Muslime bei ihren Invasionen in christlichen Nationen hunderttausende Kirchen rituell geschändet (allein Kalif Haim b’amr Allah zerstörte Berichten zufolge während des frühen elften Jahrhunderts 30.000 Kirchen). Denken Sie an das, was ISIS gemacht hat, allerdings auf exponentiellem Niveau – und nicht eine Handvoll Jahre lang, sondern über mehr als ein Jahrtausend in Dutzenden Nationen auf drei Kontinenten.

Gerade erst ist nach Angaben eines Berichts vom 17. Februar 2021 die neunte Kirche im mehrheitlich muslimischen Sudan in Brand gesetzt worden. Bevor sie in Flammen gesteckt wurde, warfen örtliche Muslime ein Licht darauf, warum sie Kirchen angreifen: „In jeder Stadt oder jedem Dorf, in dem Muslime leben, sollten sie nichts zulassen, das Ungläubigen gehört wie Kirchengebäude dort“, schrieb ein Muslim in den sozialen Medien; ein anderer bestand darauf, dass wo immer Muslime die Existenz einer Kirche gestatten, dieser Ort „geschändet“ ist. Kurz gesagt und mit den Worten von Rev. Kuwa Shamal von der sudanesischen Kirche Christi: „Sie nahmen die Kirche ins Ziel, weil sie kein Kreuzzeichen in der Gegend sehen wollen.“

Wie man aus dem erkennt, was Kirchen in ganz Westeuropa geschieht, teilen zumindest einige muslimische Migranten diese Ansicht, obwohl sie im Westen Minderheiten und Gäste sind.

Mit Hass indoktriniert: Palästinensische Schulen sind typisch muslimische Schulen

Raymond Ibrahim, 24. Juli 2020

Palästinensische Schulkinder mit Hass zu indoktrinieren und gegen die Existenz Israels zu sein grassiert, stellte eine gerade durchgeführte Studie fest, nachdem fast 400 Schulbücher und mehr als 100 Lehrerhandbücher untersucht wurden, die das Bildungsministerium der palästinensischen Autonomiebehörde zwischen 2013 und 2020 ausgegeben hat.

Nach Angaben des Autors Dr. Arnon Groiss vom Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center hat diese Bildung der Aspekte:

[1] Delegitimierung der Existenz des Staates Israel und die Anwesenheit von Juden im Land Israel, einschließlich der Ablehnung der Existenz von jüdischen heiligen Stätten im Land Israel; [2] Dämonisierung Israels und der Juden: „Der zionistische Feind“ ist gemäß der Beschreibung in den Schulbüchern insgesamt böse und stellt eine existenzielle Bedrohung für die Palästinenser dar, die als ultimative Opfer beschrieben werden, ohne gemeinsame Verantwortung für den Konflikt; und [3] Heranabildung zu einem gewalttätigen Kampf zur Befreiung des Landes Israel (Palästina) ohne Bildung zu Frieden und Koexistenz. In keinem der PA-Schuldbücher ist irgendeine Aufforderung zur friedlichen Lösung des Konflikts oder irgendeine Erwähnung der Koexistenz mit Israel zu finden.

Ein ausgesprochen religiöses Element durchdringt weiterhin die palästinensischen Ansichten zu Israel, soweit sie sie nicht sogar dominiert. Nach Angaben eines früheren Berichts zu diesem Thema, ebenfalls von Groiss, werden „Juden außerhalb des Konflikts auch im religiösen Kontext dämonisiert. Sie werden als seit Beginn an korrupte Nation und als Feinde des Islam seit den frühesten Tagen dargestellt.“

Unter Anführung des Koran und anderer islamischer heiliger Schriften lehren palästinensische Schulbücher: „Die Korruption der Kinder Israel auf Erden war der Grund für ihre Vernichtung und wird es sein“; und obwohl er mit ihnen verbündet war, war sich Mohammed „der Hinterlist und Verschwörungen der Juden bewusst“.

Darüber hinaus „islamische traditionelle Ideale des Jihad und des Märtyrertums werden verherrlicht und ihnen einen besondere Rolle im Befreiungskampf zugewiesen. Tatsächlich gibt es eine Sprachübung, die zu Märtyrertum besonders ermutigt.“

Dass palästinensische Schulkinder dazu indoktriniert werden Juden zu hassen scheint zwar eine Besonderheit des israelisch-palästinensischen Konflikts zu sein – heißt, es mag als Produkt von Politik und Missständen erscheinen – aber tatsächlich ist es Teil eines größeren Trends: Schulbücher in einer Vielzahl anderer muslimischer Staaten lehren ebenfalls Hass auf „andere“ – selbst diejenigen, die weit von einer Position entfernt sind Muslime zu „unterdrücken“ werden in Wirklichkeit von diesen unterdrückt.

2018 zum Beispiel gab die US-Kommission für internationale religiöse Freiheit eine Erklärung aus, in der es hieß, es sei „enttäuschend, in saudischen Schulbüchern aufhetzerische Inhalte zu finden, von denen man vorher annahm, dass sie entfernt worden seien“. Die Kommission „entdeckte Inhalt, der für Gewalt und Hass auf religiöse Minderheiten und andere wirbt“, oft in Verbindung zur islamischen Doktrin der „Loyalität und Feindseligkeit“, die von Muslimen auf Grundlage des Koran (z.B. Sure 60,4) verlangt zu lieben, was Allah liebt und zu hassen, was Allah hasst – wozu „Ungläubige“, also Nichtmuslime, gehören.

Ein gesonderter Bericht, veröffentlicht von Human Rights Watch im Jahr 2017, berührte den Indoktrinationsprozess: „Schon im ersten Schuljahr werden Schüler in saudischen Schulen Hass auf alle gelehrt, die als einen anderen Glauben habend oder einer anderen Denkschule angehörig wahrgenommen werden … Die Lektionen in Hass werden mit jedem folgenden Jahr verstärkt.“ Weiter Besorgnis erregend ist, dass solche hasserfüllten Texte nicht auf saudische Schulen begrenzt sind, sondern weiterhin weithin in Madrassen in der ganzen Welt, einschließlich in den USA, verbreitet werden.

Schulen in Pakistan lehren ihre Kinder weiterhin „Christen und andere religiöse Minderheiten zu hassen“, stellte ein Bericht aus 2017 fest.

Statt Hass-Material zu verringern und von religiösem Extremismus abzubringen [wie die Regierung es nach einem besonders tödlichen islamischen Terroranschlag auf eine Schule versprach, bei der im Jahr 2014 132 Schüler getötet wurden] scheint das Gegenteil zu geschehen, wobei der Trend zu einem noch einseitigeren Lehrplans zuzunehmen scheint und in Pakistans öffentlichen Schulen noch mehr religiöser Extremismus gelehrt wird.

Ein pakistanisch-christlicher Leiter sagte 2019, dass religiöse „Minderheiten als Ungläubige betrachtet und in Schulbüchern negativ dargestellt werden, die Vorurteile gegen Minderheiten propagieren.“ Deswegen:

Geben viele Minderheiten ihren Kindern islamische Namen, damit sie nicht als Christen ausgesondert zu potenziellen Zielen für Diskriminierung in Grund- und Mittelschulen sowie auf Oberschulebene werden… in vielen Fällen werden Minderheiten angehörende Schüler in öffentlichen Schulen misshandelt.“

Auch Schulbücher in der Türkei dämonisieren Nichtmuslime. Eine ehemalige Muslima, die zum Christentum konvertierte, sprach aus eigener Erfahrung, als sie erklärte, dass „ihre Meinung von Christen sehr schlecht war, wegen all der Dinge, die sie und andere in einer muslimischen Gesellschaft über Christen gelehrt wurden“. Nach Angaben der Konvertitin, die heute in den USA lebt und das Pseudonym Cerya Little angenommen hat, „ist eine christenfeindliche Gesinnung ein großer Teil der nationalen Identität, deshalb steht jeder oder alles, was Christliches propagiert, automatisch unter Verdacht“.

Schulbücher lehrten sie, dass „es die Christen waren, die das Land und die Reichtümer der muslimischen Welt plündern wollen“ und dass Türken nur damit reagierten „zu verteidigen, was rechtlich ihres war“. (In Wirklichkeit besteht die heutige Türkei aus Gebieten, die mehr als ein Jahrtausend christlich waren, bevor sie im Namen des Jihad brutal erobert wurden.)

„Alles wird verwendet, um die Christen wie Verbrecher aussehen zu lassen“, sagte sie und fügte hinzu: „Das ist in allen muslimischen Ländern dasselbe.“

Und das ist der Punkt. Wenn palästinensische Schulkinder indoktriniert werden Israel und Juden zu hassen, weil sie „ihnen das Land gestohlen“ hätten und sie überhaupt unterdrücken, was erklärt dann die Tatsache, dass andere Kinder überall in der islamischen Welt ebenfalls indoktriniert werden andere Nichtmuslime zu hassen, insbesondere entrechtete christliche Minderheiten, die, weit davon entfernt über Muslime zu „herrschen“, jetzt von ihnen verfolgt werden?

Die Antwort – das im Islam tiefsitzende Gefühl von Herrenmenschentum und Hass auf „den anderen“ – sollte offensichtlich sein.

Stattdessen hilft Hass auf entmachtete religiöse Minderheiten tatsächlich zu erklären, warum Israel derart verunglimpft wird. Wenn, wie es muslimischen Kindern gelehrt wird, Ungläubige immer zu ihren Füßen legen müssen – „Muslime sind die Herren Jerusalems und keine Stimme soll höher sein als ihre Stimme [dort]“, lehren palästinensische Texte – dann wird wohl nur kriegerische Empörung übrig bleiben, wo immer Muslime sich unter der Obrigkeit von „Ungläubigen“ befinden.

Ungläubige vergewaltigen und schwängern: „Eine andere Form des Jihad“

Raymond Ibrahim, 20. Mai 2020

Weil höhere Zahlen mehr Macht und Einfluss entsprechen, haben Muslime aus allen Lebensbereichen– sogar Muammar Gaddafi – deutlich gemacht, dass Akt der Fortpflanzung eine Form des Jihad ist. In Großbritannien „planen muslimische Hass-Fanatiker Britannien zu übernehmen, indem sie mehr Babys zeugen und eine Bevölkerungsexplosion erzwingen“, deckte 2008 ein Bericht auf: „Die angeschwollene muslimische Bevölkerung würde ausreichen Britannien aus dem Inneren heraus zu erobern.“

Eine christliche Freiwillige und Übersetzerin aus Eritrea, die in Immigrationszentren in Deutschland arbeitete und von der die Immigranten oft annahmen, sie sei Muslima, räumte ein, dass „muslimische Migranten sich ihr oft anvertrauten und von ihrer Abneigung gegenüber Christen sprachen“ und dass „eine Reihe muslimischer Migranten, mit denen sie gesprochen hat, ihren Hass gegenüber Christen offenbarten und entschlossen waren die Religion zu vernichten“. Wie sie das zu erreichen planen: „Manche Frauen sagten mir: ‚Wir werden unsere Zahl vervielfältigen. Wir müssen mehr Kinder bekommen als die Christen, denn das ist der einzige Weg, wie wir sie hier vernichten können.‘“

Es gibt jedoch eine noch unheimlichere und weithin unbekannte Art diesen „Fortpflanzungs“-Jihad zu betreiben – eine Art zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: erobert und besamt nichtmuslimische Frauen mit muslimischen Babys. Das zu tun verringert die Reihen der Frauen der Ungläubigen und die nichtmuslimischen Babys, die sie gebären könnten, während beide gleichzeitig für den Islam verstärkt werden.

In Nigeria zum Beispiel, das etwa zur Hälfte muslimisch, zur anderen Hälfte christlich ist, sind tausende christliche Mädchen entführt, zum Übertritt zum Islam gezwungen, verheiratet und in Brutmaschinen für zukünftige Jihadisten verwandelt worden. Anders ausgedrückt: Die fast dreihundert christlichen Chibok-Mädchen, die 2015 in die Schlagzeilen gerieten – von denen einige einer Gehirnwäsche unterzogen wurden, so dass sie Christen die Kehle durchschnitten – sind die Spitze des Eisbergs. Die Menschenrechtsgruppe Hausa Christian Foundation of Nigeria erklärte gerade:

Der Fall christlichen jungen Frauen zu entführen und sie zwangsweise zum Islam zu bekehren sowie sie in Ehen zu zwingen, um in Nordnigeria zu einem entscheidenden Einschnitt geworden… Der Augenblick, in dem diese jungen Frauen entführt wurden, wurden sie allem möglichen Bösen unterworfen, um die Kontrolle über ihre Psyche zu bekommen. Sobald sie die Psyche der jungen Frauen im Griff haben, werden diese nur tun, was ihnen aufgetragen wird. Während die Eltern um die Freilassung ihrer Töchter kämpfen, missbrauchen die Entführer diese weiter, hypnotisieren [heißt: beeinflussen unterschwellig] ihr Essen, Getränke, Kleidung, wo sie schlafen, beschwören ständig böse Geister auf sie bis zu dem Punkt, an dem diese jungen Frauen komplett den Verstand verlieren und nicht einmal mehr daran denken nach Hause zurückzukehren. In der Regel stellen sie in dem Moment, wenn eine junge Christin entführt wird, sicher, dass sie sie innerhalb von ein bis zwei Wochen verheiraten. Sie wird noch vor der Ehe sexuell missbraucht, damit die Eltern sie aufgeben, wenn sie schwanger wird.

In derselben Erklärung äußerte die Hausa Christian Foundation diese vielsagende Anmerkung:

Die unaufhörlichen Entführungen der christlichen jungen Frauen und die Zwangskonversion zum Islam ist eine weitere Form des Jihad im 21. Jahrhundert. Sie haben zwei wichtige Ziele das zu tun: den Eltern der jungen Frauen und der christlichen Gemeinschaft Schmerz zuzufügen; und die jungen Frauen zu schwängern, um ihren Anspruch zu verstärken, dass der Islam die am schnellsten wachsende Religion der Welt ist. Sie machen das gezielt.

Die Erklärung fuhr damit fort sich sarkastisch zu „wundern“, „wie unreine Ungläubige [entführte Christen] dazu benutzt werden können eine solch heilige und reine Religion wie den Islam voranzubringen … Aber wir wissen, worum es in der Religion geht. Alles ist willkommen, egal wie böse und inhuman, solange es Allah hilft, besonders das Töten, die Attacken auf, die Entführung und Versklavung von Christen.“

Dasselbe Phänomen herrscht vor, wo immer christliche Minderheiten neben Muslime leben. In Ägypten sind zahllose junge Christinnen aus genau demselben Grund entführt worden – um sie dem Islam zuzuführen, die Zahl der Ungläubigen zu senken und die der Muslime zu erhöhen. Die Pläne nehmen oft aufwändige und komplexe Formen an. Gerade erst wurde eine unbekannte Frau, die sich als koptische Nonne ausgab, zusammen mit einem unbekannten Mann, der sich als Mönch und ihr Assistent ausgab, vom koptischen Papst höchstselbst als Betrüger entlarvt, die ihre religiöse Kleidung dazu nutzen sich jungen Christinnen zu nähern und ihr Vertrauen zu gewinnen.

2017 erklärte ein ehemaliger Entführer, der „zugibt, dass er Jahre lang in einem Netzwerk aktiv war, das sich gegen koptische junge Frauen richtete, den systematischen und ausgeklügelten Prozess in Ägypten:

Eine Gruppe Entführer trifft sich in einer Moschee, um über potenzielle Opfer zu diskutieren. Sie beobachten die Häuser von Christen genau und überwachen alles, was dort vorgeht. Auf dieser Grundlage weben sie ein Spinnennetz um die Frauen … Ich erinnere mich an eine koptische junge Christin aus einer reichen, bekannten Familie in Minya. Sie wurde von fünf muslimischen Männern entführt. Sie hielten sie in einem Haus fest, zogen sie aus und filmten sie nackt. In dem Video zog sich auch einer der Männer aus. Sie drohten das Video öffentlich zu machen, wenn die junge Frau ihn nicht heiratet … Die Entführer erhalten große Geldsummen. Polizisten können ihnen auf unterschiedliche Weisen helfen und wenn sie das tut, könnten sie auch einen Teil der finanziellen Belohnung erhalten, die den Entführern von der Islamisierungsorganisation gezahlt wird. In einigen Fällen liefert die Polizei den Entführern beschlagnahmte Drogen. Die Drogenwerden dann den jungen Frauen gegeben, um ihren Widerstand zu schwächen, wenn sie unter Druck gesetzt werden. Ich weiß sogar von Fällen, in denen die Polizei Hilfe dabei anbot die jungen Frauen zu verprügeln, um sie dazu zu bringen das islamische Glaubensbekenntnis aufzusagen. Und der Wert der Belohnung  nimmt zu, wann immer die junge Frau eine Sonderstellung hat. Zum Beispiel, wenn sie die Tochter eines Priesters ist oder aus deiner bekannten Familie kommt… Die mir bekannte Salafistengruppe mietete Wohnungen in unterschiedlichen Bereichen Ägyptens, um entführte Kopten zu verstecken. Dort setzten sie sie unter Druck und bedrohten sie, zum Islam zu konvertieren. Und sobald sie volljährig geworden waren, kommt ein extra dafür organisierter islamischer Repräsentant dazu, um die Konversion offiziell zu machen, eine Urkunde auszustellen und ihren Ausweis entsprechend zu ändern… Wenn alles nach Plan verläuft, werden die jungen Frauen auch gezwungen einen strengen Muslim zu heiraten. Ihre Ehemänner lieben sie nicht, sie heiraten sie nur, um aus ihnen echte Muslimas zu machen. Sie werden geschlagen und gedemütigt. Und wenn sie versuchen zu fliehen oder zu ihrer ursprünglichen Religion zurückzukonvertieren, werden sie getötet.

Obwohl es solche Netzwerke seit den 1970-er Jahren gibt, erreichten sie ihre „jetzt in der Ära von Präsident Sisi ihren höchsten Stand“, fügte der ehemalige Entführer hinzu.

In Pakistan – einem weiteren mehrheitlich muslimischen Staat, wo die Entführung, Vergewaltigung und Zwangskonversion von jungen Christinnen endemisch ist – sagte die Asian Human Rights Commission in einem Bericht aus dem Jahr 2011:

Die Lage wird durch die Polizei verschlimmert, die sich immer auf die Seite der islamischen Gruppen stellt und Minderheitengruppen als niedere Lebensformen behandelt. Die dunkle Seite er Zwangskonversion zum Islam … involviert zudem die kriminellen Elemente, die an Vergewaltigungen und Entführungen beteiligt sind und dann ihre abscheulichen Verbrechen damit rechtfertigen, dass die Opfer zum Islam konvertieren. Die muslimischen Fundamentalisten freuen sich diesen Kriminellen Schutz zu bieten und nutzen die Rechtfertigung, dass sie ihrer heiligen Sache der Zunahme der muslimischen Bevölkerung einen großen Dienst erweisen.

Selbst in Indonesien – einst als der exemplarische „moderat muslimische“ Staat bekannt – stellte ein Bericht letztes Jahr fest, dass „eine neue Form der Verfolgung auf dem Vormarsch ist – junge Christinnen werden von muslimischen Männern angegriffen… Einflussreiche Führer bilden junge Männer regelrecht dazu aus junge Christinnen zu schwängern.“ Der Bericht fährt fort:

Sie nehmen sie ins Visier und versuchen die Verbreitung des Christentums zu unterbinden, weil die Familie der jungen Christin sich [wegen der Schwängerung] derart schämt … dass sie gezwungen werden ihre Tochter in eine muslimische Familie zu verheiraten… und die Muslime werden ausgebildet, das zu tun, sie verstehen das. Das ist, was sie machen … Sobald die jungen Frauen in die muslimischen Familien verheiratet sind, werden sie oft von ihren Familien abgeschottet oder aufgegeben und sie sehen sich noch schwierigeren Umständen gegenüber. In einigen Fällen sind die jungen Frauen die zweite oder dritte Frau ihres Verfolgers und sie haben wenige Freiheiten.

Am Ende sind all diese übersehenen und/oder im Stich gelassenen, zu muslimischen Gebärmaschinen gemachten jungen Christinnen Teil des gleichermaßen übersehenen Fortpflanzungs- oder demografischen Jihad, der dazu führen soll, dass bis 2070 ein Drittel der Menschheit auf der Erde muslimisch ist.

Lektionen aus der palästinensischen Herrschaft über Bethlehem

Dov Lipman, HonestReporting, 28. Januar 2020

Das Minarett einer muslimischen Moschee spiegelt sich an Bethlehems Krippenplatz wird während einer Heiligeabend-Prozession vor der Geburtskirche in einem goldenen Kruzifix. (Foto: David Silverman/GettyImages)

Was ist so besonders an Bethlehem?

Für Juden stammt die Heiligkeit der Stadt aus ihrer Beschreibung als Begräbnisort von Rahel, Jakobs geliebter Frau (1. Mose 35,19). Später dreht sich die Geschichte von Ruth weitgehend um Bethlehem als Heimatort in der Kindheit von König David und Ort, an dem er zum König gesalbt wurde (1. Samuel 16,1-13). Jüdische Tradition lehrt, dass der Messias aus Bethlehem kommen wird (Micha 5, 2-5).

Christliche Tradition lehrt, dass Bethlehem der Geburtsort Jesu war (Math. 2,1-12; Lukas 2,4-20 und Joh. 7,42). Die Geburtskirche wurde von Konstantin dem Großen im 4. Jahrhundert n.Chr. über einer Höhle gebaut, die für den Ort gehalten wird, an dem Jesus geboren wurde.

Bethlehem heute und damals

Leider ist diese Stadt auch eine Stadt des Streits geworden.

Der Teilungsplan der Vereinten Nationen von 1947 schlug vor, dass Bethlehem, nur 9 km südwestlich von Jerusalem gelegen, als Teil der internationalen Zone Jerusalem unter UNO-Kontrolle gestellt wird. Während des Unabhängigkeitskriegs von 1948, der ausbrach, nachdem die arabischen Länder den Teilungsplan ablehnten, übernahm die Arabische Legion die Kontrolle über Bethlehem. Während dieser 19 Jahre nahm die christliche Bevölkerung um tausende ab.

Israel übernahm im Juni 1967 während des Sechstage-Kriegs die Kontrolle über die Stadt. Die christlichen Einwohner baten Israel die Stadt zu annektieren und sie offiziell zum Teil Israels zu machen, aber Israel lehnte die Idee ab; es bestand auf der Möglichkeit sie im Kontext einer Friedensvereinbarung in arabische Hände zurückzugeben.

Von 1967 bis 1995 blühte Bethlehem auf. Christen kamen zu Millionen auf Pilgerreisen zur Geburtskirche und jüdische Beter strömten zum verehrten Rahelgrab. Verkäufer, Restaurants und Hotels vor Ort erlebten großen Erfolg, weil Menschen aus allen Religionen sich frei fühlten die Straßen der Stadt zu besuchen und entlang zu gehen.

Aber dann führten israelische Verhandlungen mit der Palästinenserführung zum Oslo II-Abkommen, bei dem Israel zustimmte die zivile und Sicherheitskontrolle von sechs Städten – Jericho, Tulkarm, Nablus, Qalqilya und Bethlehem – abzugeben.

Bethlehems langjähriger christlicher Bürgermeister Elias Frej bettelte den israelischen Premierminister Yitzhak Rabin an, die Stadt mit ihrer mehrheitlich christlichen Bevölkerung nicht an die palästinensische Autonomiebehörde abzugeben. Er fürchtete, was muslimische Herrschaft mit den dort lebenden Christen tun würde. Aber Israel übergab Bethlehem, im Versuch einen Durchbruch in seiner Beziehung zu den Palästinensern zu erzielen, am 21. Dezember 1995 in palästinensische Herrschaft.

Das Rahelgrab

Das führte zu einer Periode furchtbarer Unruhe in und um die heilige Stadt. Palästinensische Heckenschützen begannen auf jüdische Besucher des Rahelgrabs zu schießen und töteten sogar IDF-Soldaten, die die Beter schützten. Manchmal musste die heilige Stätte, die mit Betonmauern und Dächern befestigt ist, wegen der Drohungen palästinensischer Terroristen geschlossen werden. Zu anderen Zeiten konnten die Besucher nur in gepanzerten Fahrzeugen zu der heiligen Stätte reisen.

Abgesehen von den Angriffen auf das Rahelgrab wurde Bethlehem zur Heimatbasis von Terrorzellen und Ausgangspunkt für Terroranschläge auf israelische Bürger. Seine Nähe zu Jerusalem machte die Hauptstadt verletzbar. Ein paar Beispiele:

  • Dezember 2001: Der palästinensische Terrorist Daoud Ali Ahmed Saad wurde von der Basis des Islamischen Jihad in Bethlehem geschickt, um sich im Herzen des Zentrums Jerusalems zu sprengen. Er machte das, wobei er fünf Zivilisten schwer verletzte.
  • Februar 2002: Der palästinensische Terrorist Yassir Said Moussa Uda wurde von einer Terrorgruppe der Fatah/Tanzim in Bethlehem geschickt, sich an einer Straßensperre an einer Schnellstraße außerhalb von Jerusalem zu sprengen. Er tötete einen israelischen Polizisten und verletzte zwei Zivilisten schwer.
  • März 2002: von einer Fatah/Tanzim-Terrorzelle in Bethlehem geschickt, sprengte sich Abdullah Nabatiti an einer großen Jerusalemer Kreuzung, wobei er 25 Menschen schwer verletzte.
  • März 2002: Der palästinensische Terrorist Ayat Mohammed Latfi al-Akhras aus dem Distrikt Bethlehem sprengte sich in einem großen Jerusalemer Supermarkt; er tötete zwei Zivilisten und verletzte 22.
  • März 2002: Fatah-Agenten in Bethlehem bereiteten eine Bombe in einem Rucksack vor und schickten einen 16-jährigen Jungen nach Jerusalem. Der Junge sprengte sich neben einer Krankenstation und verletzte sechs Zivilisten.

So wurde Bethlehem zur Basis für palästinensische Anschläge auf Israelis in Jerusalem. Die zunehmende Zahl der Oper zwang die Israelischen Verteidigungskräfte wiederholt in die Stadt einzudringen,  um die Terroristen zu suchen und zu verhaften. Die israelischen Streitkräfte arbeiteten auch daran die Terrorinfrastruktur in der Stadt abzubauen. Nicht nur wurden zahlreiche Selbstmord-Bombenanschläge vereitelt, die Sicherheitskräfte entdeckten zudem Mörser und Infrastruktur für die Produktion von Raketen.

Bethlehems Geburtskirche

Israel hatte auch keine andere Wahl als die Sicherheitsbarriere zu bauen, die Bethlehem umgibt und das Gefühl einer Stadt unter Belagerung gibt. Die Maßnahmen reduzierten die Zahl der erfolgreichen Terroranschläge stark, aber mit einer in Bethlehem verankerten Hamas-Terrorzelle gehen die Versuche weiter.

Christen und ihre heiligen Stätten litten furchtbar unter den Kämpfen, besonders die Geburtskirche während einer Monate dauernden Belagerung. Am 2. April 2002, während der IDF-Operation Defensive Shield, wollten israelische Truppen eine Reihe palästinensischer Flüchtlinge in der Stadt verhaften. Fünfzig flüchteten in das Kirchengelände, wo sie 200 Mönche als Geiseln nahmen. Nach 38 Tagen endete die Belagerung friedlich; die palästinensischen Flüchtlinge stimmten zu ins Exil zu gehen, einige in den Gazastreifen und andere nach Europa. Israelische Sicherheitskräfte fanden 40 Sprengsätze auf dem Kirchengelände, von denen eine Reihe mit versteckten Auslösern ausgestattet war.

Bethlehems abnehmende Christen

Abgesehen von den vom Sicherheitskonflikt geschaffenen Herausforderungen sehen Christen, wie radikale Muslime Christen im gesamten Nahen Osten verfolgen und sehen, dass das bei ihnen geschieht, seit der palästinensischen Autonomiebehörde die Kontrolle über die Stadt gegeben wurde. Zu Beispielen dafür, dass palästinensische Muslime ihre christlichen Nachbarn einschüchtern, gehört:

  • Landraub mit Gewalt oder mit gefälschten Dokumenten, mit wenig bis keiner Zuflucht im PA-Justizsystem.
  • Muslimische Männer belästigen christliche Frauen verbal und sexuell.
  • Christliche Geschäfte werden gezwungen Schutzgeld zu zahlen.
  • Es gibt Diskriminierung von Christen bei der Arbeitsplatzsuche.
  • In Kirchen wird eingebrochen, sie werden geplündert und verwüstet.
  • Muslime, die zum christlichen Glauben bekehren, sehen sich Ausgrenzung, Angriffen, sogar Mord ausgesetzt.
  • Entführung und Zwangskonversion von Christen.

All das hat zu einem beträchtlichen Rückgang der christlichen Bevölkerung in Bethlehem geführt.

Bethlehems Hirtenfeld

Während Christen früher die Mehrheit der Einwohner Bethlehems stellten, machen sie heute, nach 25 Jahren palästinensischer Kontrolle über die Stadt, nur noch 20% seiner Bevölkerung aus. (Einen ähnlichen Vorgang gab es im Gazastreifen, wo 2005, als Israel sich zurückzog,  5.000 Christen lebten. Aber nach 14 Jahren Hamas-Herrschaft sind nur noch 1.000 Christen verblieben und oft sind Kirchen abgerissen worden.)

Die Lage im heute von Palästinensern kontrollierten Bethlehem steht in starkem Kontrast zum israelisch kontrollierten Jerusalem, das nur 9 km weiter nördlich liegt. In Jerusalem kann die christliche Bevölkerung ihren Glauben frei und sicher leben. Die Stadtverwaltung von Jerusalem stellt christlichen Einwohnern sogar kostenlos Weihnachtsbäume zur Verfügung.

Fakt ist, dass Israel das einzige Land im Nahen Osten ist, in dem die einheimische christliche Bevölkerung seit 1948 zugenommen hat. Ende 2019 zählte Israels christliche Bevölkerung 177.000, hatte nach Angaben des zentralen Statistik-Büros um 1,5 Prozent zugenommen.

Die Lektion ist eindeutig. Christen blühen in israelisch kontrollierten Gebieten mit totaler Religionsfreiheit auf und leiden, wenn Israel die Kontrolle an die radikalen Palästinenserkräfte übergibt.

Die Unmöglichkeit einer Zukunft der Christen im Nahen Osten

Ein uralter Glaube verschwindet aus den Ländereien, in denen er er zuerst wurzelte. Es steht nicht nur eine Religionsgemeinschaft auf dem Spiel, sondern das Schicksal des Pluralismus in der Region.

Emma Green, The Atlantic, 23. Mai 2019 (Fotos von Alexandra Rose Howland und Elaine Cromie)

Der Anruf kam 2014, kurz nach Ostern. Vier Jahre zuvor hatte Catrin Almakos Familie Sondervisa für die USA beantragt. Catrins Ehemann Evan hatte während der frühen Jahre der amerikanischen Militärbesetzung des Irak US-Soldaten die Haare geschnitten. Jetzt war ein Mitarbeiter der International Organization for Migration am Telefon. „Sind Sie bereit?“, fragte er. Der Familie war ein Ausreisedatum in nur ein paar Wochen zugewiesen worden.

„Ich war so durcheinander“, sagte Catrin mir vor kurzem. Während der Jahre, in denen sie auf ihre Visa warteten, hatten Catrin und Evan diskutiert, ob sie den Irak wirklich verlassen wollten. Beide waren in Karamles aufgewachsen, einer kleinen Stadt im historischen Herzen der irakischen Christenheit, der Ebene von Ninive. Evan gehörte ein Frisörladen in der Nähe einer Kirche. Catrin liebte ihre Küche, in der sie ihre Tage damit verbrachte mit Nüssen und Datteln gefülltes Gebäck zu machen. Ihre Familien lebten dort: ihre fünf Geschwister und alternden Eltern, seine zwei Brüder.

Sie lebten allerdings in ständiger Gefahr. „Jeder, der militärisch mit den Vereinigten Staaten gearbeitet hat – sie werden getötet“, sagte Catrin. Evan war 2004 bei einer Explosion nahe einer Basis der U.S. Army in Mossul verletzt worden. Catrin machte sich Sorgen, weil er zur Basis und zurück auf Autobahnen fahren musste, die einige der am stärksten umkämpften Gebiete im Irak durchquerten. Selbst nachdem er aufhörte für das Militär zu arbeiten, hatten Sie Angst, er könnte Opfer der von Gewalt werden. Diese Angst war mit ihrem Glauben gemischt: Während der Kriegsjahre griffen Aufständische in einem Terrorfeldzug ständig christliche Städte und Kirchen an.

Die Almakos hatten gesehen, wie Nachbarn und Freunde mit derselben Frage kämpften: bleiben oder weggehen? Heute entscheiden sich immer mehr Christen die Region zu verlassen. Die Kurve des Niedergangs der Religion im Nahen Osten hat sich in den letzten Jahren von einem steten Rückgang in einen Absturz wie von einer Felsklippe verwandelt. Die Zahlen im Irak sind besonders krass: Vor der amerikanischen Invasion lebten mindestens 1,4 Millionen Christen im Land. Heute bleiben weniger als 250.000 dort – ein Absturz von 80 Prozent in weniger als zwei Jahrzehnten.

Die Almakos entschlossen sich das Land zu verlassen. Sie verbrachten die verbleibende Zeit in Karamles damit nachzudenken, was sie mitnehmen und was sie zurücklassen sollten. „Du weißt nicht, was du mitnehmen wirst“, sagte Evan mir. „Du muss eine Menge Dinge diskutieren: das eine Wichtige, das andere nicht wichtig.“ Am Ende erwies sich die Auswahl ihrer Besitztümer als zu schwierig. Sie beschlossen fast alle Erinnerungen und Erbstücke zurückzulassen, einschließlich Kästen mit Bildern ihrer Familie und ihrer beiden kleinen Kinder Ajub (damals 12) und Sofya (10). Catrin bestand darauf ein emotional gefärbtes Teil mitzunehmen, ein in Italien gefertigtes kleines gewebtes Tuch von Jesus.

Im Uhrzeigersinn von oben links: Catrin Almako mit Familienmitgliedern, als sie im Irak aufwuchs; Catrin Zuhause in Michigan; ein gewebtes Tuch von Jesus, gefertigt in Italien, das das eine emotionale Teil war, das Catrin mitnahm, als die Almakos den Irak verließen. (Bilder: mit freundlicher Genehmigung von Thabet; Elain Cromie)

Am letzten Abend der Almakos in Karamles platzte ihr Haus aus allen Nähten, weil die Leute der Stadt zu ihnen kamen. Es schien so, als hätten sie alle ein Geschenk, das sie Catrin und Evan für Familienmitglieder in Amerika mitgeben wollten: Süßigkeiten, Gewürze, Kleidung. Nichts, das man in den Vereinigten Staaten nicht finden könnte, aber „das kannst du ihnen nicht sagen“, sagte Evan. Die Menschen im Irak betrachten die USA als einen Ort der Großzügigkeit, erklärte er, aber er ist immer noch grundsätzlich fremd. Von den drei Koffern der Familie war einer mit diesen Geschenken aus der Heimat gefüllt.

Einer nach dem anderen versuchte jedes ihrer Familienmitglieder Catrin und Evan davon zu überzeugen in Karamles zu bleiben. Ihr älterer Bruder Thabet ist Priester und der entschiedenste Verteidiger der Stadt. „Geht nicht“, erinnert sich Catrin an seine Worte. „Bleibt hier.“

Der letzte der Besucher, eine von Catrins Schwestern, blieb bis nach Mitternacht. Die Familie sollte in ein paar Stunden abreisen, aber Catrin konnte nicht schlafen. Sie lag wach, katalogisierte alles, das sie an ihrer Heimat vermissen würde und sorgte sich wegen der vor ihnen liegende Reise. Sie war noch nie mit einem Flugzeug geflogen. Sie war nie weit von Karamles weg gewesen. Einmal abgereist, glaubte sie, würde sie nie wiederkehren.

Die Familie verbrachte ein paar Tage in Bagdad. Sie hatten Aufenthalt in Jordanien, Deutschland und New Jersey. Schließlich kamen sie erschöpft in Detroit an. Sie verbrachten die ersten Wochen im Hause eines Cousins. Catrin hatte großes Heimweh. Allmählich lebte die Familie sich aber ein. Evan fand Arbeit auf dem Bau. Catrin bekam einen Job bei der Heilsarmee. Sie mieteten eine Wohnung. Ihr neues Leben nahm Formen an.

Die Almakos waren weniger als drei Monate in Detroit, als sie hörten, dass der Islamische Staat nach Osten auf Karamles marschierte. Die Terrorgruppe und ihr Vorläufer waren lange südlich der Ninive-Ebene aktiv. Catrin und Evan glaubten immer noch, dass ihre Stadt sicher sei. Sie versuchten verzweifelt ihre Familienmitglieder anzurufen und SMS zu schicken. Sie waren jetzt fast 10.000km weit weg von ihren Lieben. Niemand antwortete.

Allein die unsichere Situation der Christenheit im Irak ist schon tragisch. Die Welt könnte bald schon Zeuge der dauerhaften Vertreibung einer uralten Religion und eines uralten Volkes sein. Diese in dieser Region Einheimnischen haben mehr gemeinsam als den Glauben: Sie bezeichnen sich selbst als Suraye und beanspruchen eine Verbindung zu den antiken Völkern, die dieses Land lange vor der Geburt Christi bewohnten.

Aber das Schicksal der Christenheit an Orten wie der Ebene von Ninive ist auch von geopolitischer Bedeutung. Religiöse Minderheiten sind ein Test der Toleranz eines Landes für Pluralismus; eine gesunde Demokratie schützt verletzbare Gruppe und erlaubt ihnen die Teilnahem an einer freien Gesellschaft. Ob Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern überleben und gedeihen können, ist ein entscheidender Indikator dafür, ob Demokratie auch an diesen Orten machbar ist. Im Irak ist die Perspektive düster, so wie auch in anderen Staaten der Region, die historisch christliche Bevölkerung beherbergen, darunter Ägypten, Syrien und die Türkei. Christen, die dort leben, sind Diskriminierung, von der Regierung zugelassener Einschüchterung und regelmäßiger Gewalt ausgesetzt.

Karamles in der Ebene von Ninive ist das gegrafische Herz der irakischen Christenheit – und liegt ein einem erbittert umkämpften Landstreifen. (Alexandra Rose Howland)

Sie haben jedoch einen einflussreichen und mächtigen Verbündeten: die Regierung der USA, die unter Präsident Donald Trump die Unterstützung der Christen im Nahen Osten zu einer noch unverhohlenere Priorität der amerikanischen Außenpolitik gemacht hat als unter George W. Bush oder Barak Obama. Seit Trump das Amt übernahm hat die Ninive-Ebene beträchtliche Investitionen der US-Regierung erhalten.

Zum Teil gründet diese Haltung in der Außenmpolitik in der Innenpolitik. Die konservativen Wähler, die Trump zum Wahlsieg verhalfen, kümmern unterdrückte Christen enorm und sie vermitteln ihre Sorge durch eine außergewöhnlich effektive Lobby-Maschinerie in Washington DC. Aber das Leid der Christen in der Region ist auch ein natürlicher Grund für eine Administration, die Außenpolitik als Kampf zum Erhalt des Einflusses des Westens betrachtet. Für Trump kann das Christentum ein Bollwerk westlicher Werte in einer Region voller wahrgenommener Feinde sein.

Christen, diein ihrem Heimatland bleiben wollen, sagten Vertreter der Administration, sollten die Wahl haben das zu tun. Aber viele Familien in der Ebene von Ninive sind bezüglich ihrer Zukunft zwiegespalten. Sie hegen dieselben Ängste, die Catrin und Evan dazu brachten fortzuziehen, bevor die Verwünstung durch ISIS sie heimsuchte; das Leben ist für christliche Minderheiten seitdem nur schwieriger geworden. Als ich letztes Jahr Familien in der Ninive-Ebene interviewte, gestanden fast alle ein, dass sie weggegangen wären, hätten sie die Chance gehabt. Selbst die, die am stärksten entschlossen sind zu bleiben, haben die Sorge, dass sie, egal, wie viel Hilfe sie aus Washington erhalten, immer noch gefährdet sind. Das Überleben der Christenheit an einem der Orte, wo sie zuerst Wurzeln schlug, wird davon abhängen, ob sie sich entscheiden zu bleiben.

Die Nacht hatte sich über Karamles gesenkt. Es war der 6. August 2014 – das Fest der Verklärung, das die biblische Geschichte der Verwandlung Jesu und dass er von Gott als sein Sohn genannt wurde begeht. Wochen lang waren Priester in der Ebene von Ninive mit kurdischen Militärs, den Peschmerga, wegen der drohenden Gefahr durch ISIS in Kontakt gewesen, der schnell nach Osten vorgestoßen war. Früher im Sommer hatte er die Kontrolle über Mossul erobert, nur 25km von Karamles entfert. Aus der Großen Moschee von Mossul hatte der Kleriker Abu Bakr al-Baghdadi sich zum Kopf eines neuen islamischen Kalifats erklärt. Trotzdem sagten einige im kurdischen Militär, dass sie das Gebiet verteidigen würden.

Aber in dieser Nacht war der ISIS unterwegs und die Peschmerga entschlossen sich zum Rückzug. Gegen 23 Uhr läutete Catrins Bruder Thabet die Glocke von St. Adday, der Hauptkirche von Karamles, die laut genug ist um in jedem Haus in der kleinen Stadt gehört zu werden. So spät in der Nacht konnte das vertraute Läuten nur eine schlimme Warnung sein. Innerhalb von Stunden waren fast alle 820 Familien auf der Schnellstraße aus der Stadt hinaus, unterwegs nach Osten, in die Sicherheit der großen, vorwiegend kurdischen Stadt Erbil.

Thabet wartete, bis er glaubte, alle außer ihm selbst wären evakuiert. Selbst als seine Leute flohen hatte Thabet versucht optimistisch zu bleiben. „Ich hatte die geringe Hoffnung, dass ISIS vielleicht nicht kommen würde“, sagte er mir kürzlich, als wir auf der staubigen Schnellstraße unterwegs waren, die sich westlich von Erbil bis Mossul erstreckt. Aber als Thabet die Peschmerga sich zurückziehen sah, Karamles unverteidigt blieb, erkannte er, dass seine Stadt verloren war. Innerhalb von ein paar Stunden sollten ISIS-Kämpfer eintreffen.

Von jungen Jahren an hatte Thabet sich zum Priesteramt berufen gefühlt. Er liebte den Dienst als Messdiener in seiner chaldäischen Kirche, die aus einem uralten östlichen Ritus der Christenheit entstand, der heute mit dem römischen Katholizismus abgeglichen ist. Nach Jahren der Ausbildung am Seminar, einschließlich etwas Zeit in Rom, wurde Thabet 2008 ordiniert, als er in seinen späten 20-ern war. Bilder von ihm und seiner Familie in den Jahren vor der Besetzung durch den ISIS und besonders vor der US-Invasion im Irak legen ein relativ isyllisches Leblen nahe. Politisch unterschied sich die Lage sehr von Christen in dieser Zeit: Saddam Hussein beaufsichtigte eine Serie brutaler religiöser Maßregelungen, als er an der Macht war, aber sein Regime tolerierte die christliche Minderheit des Landes. Einer seiner sichtbarsten Berater, Tariq Aziz, war Mitglied der Chaldäisch-katholischen Kirche.

Thabet als junger Priester (links) in Karamles während der Karwoche (mit freundlicher Genehmigung von Thabet; Alexandra Rose Howland)

Jetzt sah Thabet, wie alle, die er kannte und liebte, aus seiner Stadt flohen. Eine kleine christliche Enklave in den Außenbezirken von Erbil quoll mit der Ankuft von 13.200 heimatlosen Christen aus der gesamten Ebene von Ninive über. Manche, einschließlich Thabet, waren ohne die Mitnahme grundlegender Güter des täglichen Bedarfs weggegangen. „Als ich ankam, war ich ohne Orientierung, weil ich zwei Tage lang nicht geschlafen hatte“, erinnerte er sich. „Ich musste ausruhen und etwas Kleidung kaufen.“

Weil sie nirgendwo sonst hingehen konnten, schliefen einige der christlichen Flüchtlinge im Hof einer Kirche. „Wir sammelten die Menschen aus den Gärten, von den Straßen und schufen einen kleinen Platz für sie“, sagte Thabet. Irgendwann ließen sich viele der Einwohner von Karamles auf dem Fußboden eines noch nicht fertiggestellten Wohngebäudes nieder; es hatte ein Dach, aber keine Wände. 40 Tage lang lebten die Gemeindeglieder in dem Gebäude, zusammen mit hunderten Flüchtlingen aus anderen Städten.

Bald wurde klar, dass die Vertreibung der Gemeinde nicht in Tagen gemessen werden würde. Familien begannen sich um Erbil herum zu zerstreuen; einige konnte Wohnungen mieten, andere zogen in hastig errichtete Lager. Thabet wrude zum inoffiziellen Führer seiner Leute im Exil – teilweise Priester, teilweise geliebter Onkel, teilweise inoffizieller Bürgermeister. Als Hilfsgelder und andere Hilfe von Gurppen wie den Kolumbus-Rittern ankam, ging das über Kirchenvertreter wie Thabet. Wenn Menschen Kleidung oder eine Unterkunft brauchten, kamen sie zu ihm.

Es dauerte mehr als zwei Jahre, bis das irakische Militär die Ebene von Ninive zurückeroberte. Ein paar Tage vor der Befreiung von Karamles stieg Thabet auf einen kleinen Berg über der Ebene, während Regierungssoldaten in der gesamten Region kämpften. Durch ein Fernglas sah er zu, wie Rauch aus seiner Heimatstadt aufstieg. Als die Kämpfe beendet waren, war er der erste Einwohner, der die Stadt wieder betrat.

Die Zerstörung war atemberaubend. Die Hände einer lebensgroßen Marien-Statue, hellblau gekleidet, waren an den Handgelenken abgeschlagen. Die Glocke von St. Aday, die die Einwohner in der Nacht, als ISIS kam, in Sicherheit geleitet hatte, saß jetzt schief in ihren Turm. Die Kirche selbst war zum Teil schwarz vor Ruß; Thabet glaubt, dass Kämpfer en paar Tage vor ihrem Rückzug Sprengsätze gezündet haben. Enthauptete Statuen von Maria und Jesus umgaben den Altar, dazu die Überbleibsel von Engeln, die von den Wänden geschossen worden waren. Thabet fand im Schutt ein zerrissenes Stück seines Ordinationsumhangs – das einzigeTeil, das ihn an den Tag erinnern kann, als er gelobte seiner Gemeinde zu dienen.

Langsam begannen Thabet und die anderen Priester in der Gegend den Prozess des Wiederaufbaus. In jeder Stadt erstellten Anführer genaue Auswertungen örtlicher Gebäude und berechneten den Schaden in der Ebene von Ninive. Thabet breitete eine große, farblich codierte Karte von Karamles auf den Boden des Pfarrhauses aus. Ein kleines Quadrat stellte sein Elternhaus dar, rot eingefärbt, um zu zeigen, dass es zerstört worden war. Ein weiteres zeigte das Haus von Catrin und Evan – geplündert, aber weitgehend verschont. Insgesamt wurden 672 Häuser beschädigt oder niedergebrannt. Fast 100 waren praktisch abgerissen worden.

Im Herbst 2017 begannen die ersten der Einwohner von Karamles nach Hause zu kommen. Langsam füllten die Straßen sich mit kleinen Zeichen von Gemeinschaftsleben: Menschen wässerten ihre Gärten und riefen nach umherstreifenden Kindern; auf roten Plastikstühlen sitzende Männer, die unter Lichterketten sitzen, die kreuz und quer über das Stadtzentrum hängen. Bis zum Frühjahr sind 450 Familien zurückgekehrt, wenn auch in vielen Fällen in unvertraute Häuser – die von Verwandten, Nachbarn oder Fremden, die sich entschieden nicht nach Hause zu kommen. Ein Schild bei der Kirche, auf Arabisch und in falsch geschriebenem Englisch, verkündet WELLCOME BACK.

Doch selbst jetzt sind die belebetesten Blöcke mit leeren Heimen gesprenkelt, die auf ihre Eigner warten, die sich vielleicht niemals sicher genug fühlen zurückzukommen. Manche Christen verließen die Region komplett; andere begannen in Erbil ein neues Leben.

Im Uhrzeigersinn von links: Zusätzliche Sicherheitskräfte wurden dieses Jahr zu Ostern überall in Karamles angeworben, wobei Soldaten an jeden Eingang zu Dorf stationiert wurden; ein Mitglied der Kirceh zeigt auf eine Landkarte von Karamles, die zeigt, welche Häuser vom Islamischen Staat zerstört wurden; der Hauptfriedhof in Karamles, der von ISIS weitgehend zerstört wurde. (Alexandra Rose Howland)

Einige der Einwohnder von Karamles betrachten ISIS als extremen Ausdruck einer Feindseligkeit, die dem Aufstieg der Gruppe voraus ging und nach ihrer Niederlage bleibt. Im Irak ist Diskriminierung direkt in die Verfassung geschrieben. Das Dokument wurde zwei Jahre nach der US-Invasion geschrieben und erklärt den Islam zur offiziellen Religion des Landes; es verbietet jegliche Gesetze, die „den eingeführten Vorkehrungen des Islam widersprechen“. Dies formt Leben auf alltägliche, aber bedeutsame Weise. Personalausweise kennzeichnen Bürger als Muslime, Christen, Mandäer, Jesiden. Nichtmuslimische Männer können keine muslimischen Frauen heiraten. Kinder gemischter Eltern werden automatisch als Muslime klassifiziert, wenn ein Elternteil muslimisch ist, selbst wenn sie als Folge von Vergewaltigung geboren werden. Für viele im nördlichen Irak lebende Christen ist Diskriminierung Teil des Lebens: Viele Nichtchristen werden keine Christen in ihren Firmen einstellen. Familien beobachten ihre Töchter genau, aus Angst, dass sie Opfer sexueller Gewalt werden.

Angesichts dieser täglichen Demütigungen – sowie der bedenklichen politischen und wirtschaftlichen Umwelt des Irak – hat eine große Zahl an Christen und anderen Minderheiten beschlossen zu fliehen. Aber Möglichkeiten in die USA zu kommen sind jetzt noch seltener als sie es waren, als Catrin Almako ihre Familie nach Detroit brachte. Die Entschlossenheit der Administration Trump Christen im Nahen Osten zu unterstützen korrespondierte mit einem starken Abfall in der Zahl der in den USA aufgenommenen christlichen Flüchtlinge. Unter Obama beschwerten sich Fürsprecher, die Demokraten lehnten es ab verfolgte Christen aufzunehemn, aber die Zahl der aus dem Irak angenommenen Christen hat in den letzten zwei Jahren um 98 Prozent abgenommen. Nach Angaben von Daten des US-Außenministeriums und der Wohlfahrtsorganisation World Relief wurden 2018 nur 23 irakische Christen in den USA aufgenommen, verglichen mit 2.000 im Jahr 2016. Familien, die noch im Irak sind, setzen jetzt stattdesen auf Europa und Australien.

Vertreter der Administration Trump argumentieren, dass eine kleinere christliche Bevölkerung in der Ebene von Ninive der Region langfristig schaden wird. In gewisser Hinsicht haben sie recht. Weniger Christen bedeutent weniger Repräsentation in der irakischen Regierung und geringere Chancen, dass Bagdad christliche Sorgen beherzigen wird. Eine kleinere christliche Gemeinschaft könnte zudem den Feinden der Diversität Mut machen. Länder mit mehr Religionsfreiheit tendieren dazu ein niedrigeres Niveau an Fremdenfeindlichkeit und glaubensbasierte Gewalt aufzuweisen.

Birnadet Hanna, eine in Karamles lebende Historikerin, sagte, ihr Betreuer, ein Muslim, sei überrascht gewesen, dass sie zurückkehrte, nachdem das irakische Militär ISIS aus der Region drängte; er sorgte sich um ihre Sicherheit. Andere Kollegen sagten ihr, dass sie weggehen sollte: Christen gehören nicht in den muslimischen Irak, sagten sie. Sie glaubt jetzt, dass manche ihrer muslimischen Nachbarn mit der Weltanschauung von ISIS sympathisiert haben. Der Aufstieg des Kalifats – und die sinkende Fortune der Christen des Irak – befähigten sie ihren Fanatismus offener zu leben.

Chaldäische Gottesdienste boten eine reichhaltige sinnliche Erfahrung, angefüllt mit Erinnerungen, dass diese Tradition sich in den ersten hundert Jahren nach Christus entwickelte. Die Geschlechter sitzen in der Regel getrennt und Frauen bedecken ihren Kopf mit Spitze als Zeichen ihres Anstands. Ministranten schwenken süßen Weihrauch, Rauchwolken ziehen durch die Gänge. Die Messe wird in einem Dialekt des Aramäischen gefeiert, der Sureth genannt wird – die Eingeborenen-Sprache der Christen hier und eine Schwestersprache der Sprache, die Jesus sprach.

Die Messe ist auch der Schauplatz, wo die obersten Geistlichen ihre politischen Muskeln spielen lassen können; sie führen Argumente an, die weit über die Kirchenbänke hinausreichen. Bei einem Gottesdienst in Ankawa demonstrierte vor kurzem einer der mächtigsten Bischöfe im Irak, Baschar Warda, seine Fähigkeit seine Verbündeten im Westen zu beeinflussen.

An diesem Sonntag, während die Gemeindemitglieder sangen und leichthin plauderten, kam eine Reihe Männer in dunklen Anzügen herein: der damalige US-Botschafter im Irak Douglas Silliman und seine Mitarbeiter. Warda, der Gewänder und einen gepflegten Haarschnitt trug und glatt rasiert war, grüßte die Amerikaner selbstbewusst und stellte sicher, dass sie englische Kopien der Predigt hatten, die er halten wollte. Seine Botschaft war mehr für sie gedacht als für seine eigene Gemeinde.

Thabet (links) leitet das Abendgebet vor St. Adday, einer der Kirchen in Karamles. (Alexandra Rose  Howland)

„Wenn der Rest der Welt wirklich glaubt, dass es einen multikulturellen Nahen Osten geben müsse“, sagte Warda, „muss er auch ehrlich darin sein die sich ständig ändernden und bedingten Formen der muslimischen Toleranz gegenüber Minderheiten abzulehnen.“ Er gab den USA besondere Verantwortung für die Hilfe für die Christen. Die nichtmuslimischen Minderheiten des Irak sind „die Opfer des letzten Regimewechsels im Irak und Opfer des Versagens des politischen Systems seit 2003“, als die USA einmarschierten, sagte er.

Nach der Predigt sagte Silliman mir, die USA hätten sich der Unterstützung dieser Gruppen verpflichtet. „Ich kann mir diesen Teil der Welt, insbesondere die Ebene von Ninive, nicht ohne diese diverse religiöse und kulturelle Geschichte vorstellen“, sagte er. „Sie sind sehr heilige Gemeinschaften, sie haben hier tief gehende Geschichte und wir wollen sicherstellen, dass sie andauern.“ Er wurde bald zu seinem nächsten Stopp gebracht: einem privaten Treffen mit Warda.

Noch unter der Administration Obama betrieben irakische christliche Leiter und ihre Fürsprecher in Washington eine sich lange hinziehende Kampagne, um mehr Geld für Christen in der Ebene von Ninive einzubringen. Auslandsregierungen haben über das Entwicklungsprogramm der UNO (UNDP) Geld zur Stabilisierung fließen lassen, die bis vor 18 Monaten der bei weitem größte Spieler in der Entwicklung der Region war. Schon früh äußerten Religionsführer des Irak, angeführt von Warda, Unzufriedenheit mit der Leistung der UNO. Die Organisation stellte Arbeiter ein, die überbezahlt und unterbeschäftigt waren, behaupteten sie. Ihre Ergebnisse waren oft lausig. (Die stellvertretende Sonderrepräsentantin der UNO für den Irak, Marta Ruedas, sagte mir, die Budget-Zwänge der Organisation waren für die halbfertigen Hausbau-Projekte in der Region verantwortlich. Das UNDP hat Hausbauarbeiten in Bartella und Baschika vollendet.)

Delegierte der Kirchen der Region arbeiteten mit einer internationalen NGO zusammen, um eine Gruppe zusammenzurufen, die sie das Wiederaufbaukomitee Ninive nannten; dieses stellte lokale Männer an, um Häuser in ihren Städten wieder aufzubauen. Unterstützungsfonds würden besser genutzt werden, wenn sie direkt an die Kirchen gingen, argumentierte die Gruppe.

Messe in Karamles (Alexandra Rose Howland)

Fürsprecher der Christen begannen dies in Washington vorzutragen. Bald kam die Administration Trump an Bord. Auf Anweisung des Präsidenten beauftragte Vizepräsident Mik Pence USAID – die Organisation, die Entwicklungsprojkte rund um die Welt finanziert – damit einen Sonderfinanzierungsprozess einzurichten, der dafür sorgt, dass man sich nicht mehr so stark auf die UNO verlässt. Als dieser Prozess die Forderungen der irakisch-christlichen Gemeinschaft nicht erfüllte, gab Pence eine hitzige Erklärung ab; darin sagte er, er würde „keine bürokratischen Verzögerungen tolerieren” und verurteilte das Versagen der Regierung die Verpflichtungen zu erfüllen, die man gegenüber den Minderheiten des Irak eingegangen war. Mark Green, Liter von USAID, nahm Haltung an und kündigte an, eine Reise in die Region stehe unmittelbar bevor. Um diese Zeit tauchte Silliman in der Messe von Warda auf. (Pences Büro antwortete nicht auf Anfragen nach Kommentaren.)

Die Administration Trump hat die Position übernommen, dass Christen und andere Minderhieten zu schützen ein Schlüsselmerkmal der Sicherheit im Nahen Osten ist. Würden Christen in der Ebene von Ninive eliminiert werden, „dann würde das, denke ich, auch ein nicht regiertes Vakkum beschleunigt herbeiführen, das von den Bösen nur allzu leicht gefüllt wird“, sagte Green mir gegenüber. „Sie streben an diese Art von Öffnung auszunutzen. Die Gesundheit und die Sicherheit und die Führung in diesen Gemeinschaften zu begünstigen … dreht sich ebenfalls um die Stabilisierung der Gegend und darum einen Puffer gegen die Rückkehr des gewalttätigen Extremismus zu schaffen.“

Sam Brownback, ehemaliger Gouverneur von Kansas und US-Botschafter für Religionsfreiheit, sagte mir, dass die Unterstützung der Administration für religiöse Minderheiten (zu denen sowohl Christen als auch Jesiden gehören, die von ISIS gleichermaßen verfolgt wurden) eine Fortsetzung des Projkts des Irak-Kriegs ist, wobei er behutsam die Tatsache mied, dass der amerikanische Krieg half die Bedingungen für ISIS’s Aufstieg zu schaffen. Die US-Regierung wirbt für demokratische Prinzipien, argumentierte er, einschließlich des Schutzes religiöser Minderheiten. „Ich denke, es ist für den Irak wichtig und ich denke, es ist für uns wichtig. Ich denke es ist wirklich wichtig für diese Region“, sagte er.

Die ideologische Brücke zwischen der Ebene von Ninive und Washington hat zweifelsohne zum Nutzen der Christen gewirkt. Im Oktober kündigte USAID sogar noch mehr Gelder an: Eine neue Investition von $178 Millionen bringt die gesamte Investition der US-Regierung auf fast $300 Millionen.

Der grüne Hinterhofbereich der Katholischen Universität in Erbil. Fußball- und Basketball-Felder werden gebaut und die Bautätigkeit an einem dauerhaften Gebäude hat begonnen. (Alexandra Rose Howland)

Zum größten Teil ist amerikanisches Geld in den Wiederaufbau von Schulen, Kliniken und Wasser- sowie Elektrizitätssysteme geflossen. In Erbil hat Warda sich zudem ein mächtiges Netzwerk größtenteils privater christlicher Spender zunutze gemacht, um eine Reihe ziviler Institutionen zu bauen: eine farbenprächtige Privatschule, in der Kinder in vier Sprachen lernen; ein katholisches Kolleg, in das christliche Mädchen frei von Belästigung gehen können; ein neues Krankenhaus. Ohne solche Infrastruktur wie diese argumentieren Geistliche und Aufbauhelfer, gibt es keine Chance, dass Christen im Land bleiben werden.

Infrastruktur alleine kann aber kein sozials Vertrauen aufbauen oder die Regierung stabilisieren; und sie kann nicht die physische Sicherheit der Menschheit garantieren. Christen fürchten, dass sie, wenn sie in ihr Leben zurückkehren, nur erneut vertrieben werden. Ob amerikanische Unterstützung und Zugang zu amerikanischer Großzügigkit ausreichen werden, um die Christen des Irak zu versorgen, ist eine offene Frage. Ein Beamter im US-Außenministerium, der unter der Bedingung nicht genannt zu werden sprach, weil er nicht autorisiert war von der Presse interviewt zu werden, sagte mir, die US-Bemühungen den religiösen Minderheiten des Irak zu helfen seien ohne Beispiel, könnten aber auch nicht nachhaltig sein. Die Gruppen im Nordirak gehören zu den vielen rund um die Welt, die Schutz durch die US-Regierung verdienen. Schlussendlich, sagte er, werden die USA auswerten müssen, ob es langfristig für die Stabilität im Irak tatsächlich einen Unterschied macht und ob nicht andere Orte und Völker mehr von diesen Investitionen benötigen.

Seit der US-Invasion im Irak haben regionale Mächte darum gewetteifert das Schicksal des Landes zu bestimmen und fast alle davon haben Anspruch auf die Ebene von Ninive erhoben. Im Norden ist Kurdistan, eine halbautonome Zone, die von der kurdischen ethnischen Minderhit des Landes kontrolliert wird. Territorium im Süden wird von Bagdad regiert, das aggressiv gegen die kurdische Autonomie vorgeht. Im Herbst 2017, um die Zeit, in der christliche Familien begannen in ihre Häuser zurückzukehren, beschlossen die Kurden ein Referendum, mit dem die komplette Unabhängigkeit vom Irak erklärt wurde. Bagdad schlug zurück, verbot internationale Flüge aus den Flughäfen Kurdistans und unternahm Schritte einiges der zwischen den biden Regionen unklaren Territorien zurückzuerobern, einschließlich Teilen der Ninive-Ebene. Das hat manche Christen auf dem Trockenen sitzen lassen: In der Stadt Betanya mussten Menschen, die gehofft hatten ihre Häuser nach der Niederlage von ISIS wieder aufzubauen, wieder fliehen, um den neuen Kämpfen zu entgehen.

Im Uhrzeigersinn von oben links: In der Stadt Karamles wird ein Haus gebaut; ein Bauarbeiter ght in ein katholisches Krankenhaus, das in Ankawa im Bau ist; die  Kathedrale des Heiligen Josef, Erzbischof Baschar Wardas Kriche, im Zentrum von Ankawa. (Aexandra Rose Howland)

Die Ost-West-Achse ist nicht weniger belastet. Im Westen liegt Syrien, wo bis vor kurzm die letzten Hochburgen des ISIS verblieben. Im Osten liegt der Iran, der ständig daran arbeitet seinen Einfluss beim langjährigen Nachbarn und regelmäßigen Rivalen auszuweiten und die Interessen der schiitischen Mehrheit des Irak zu fördern. Mit den Schiiten verbundene Gruppen haben in der Ebene von Ninive in den letzten Jahren an Einfluss gewonnen, während der Iran vorgeblich ein Interesse an dem Gebiet als strategischem Fuß in der Tür in dem Korridor bekommen hat, der durch Erbil und Mossul nach Syrien verläuft. Das hat die Christen mit der Angst zurückgelasen, dass ihr Heimatland zum Hauptziel der Bemühungen des Iran wird, im Nahen Osten zur dominierenden Macht zu werden. Im Mai befahl das US-Außenministerium die Evakurierung allen nicht unbedingt nötigen Personals aus der Botschaft in Bagdad – und dem Konsulat in Erbil – weil mögliche Angriffe aus dem Iran befürchtet wurden.

Inmitten dieses Konfliktknäuels dienen Christen und andere Minderheiten als Spielsteine von Spielern mit mehr Macht in der Region. Die Christen des Irak müsen ständig durch ein kompliziertes Netzwerk an konfessionellen und politischen Interessen navigieren. Einflussreiche Priester in Erbil, dem Sitz der kurdischen Regionalregierung, sind schnell dabei ihre kurdischen Nachbarn zu loben. Die KRG hat ein Interesse daran die religiösen Minderheiten innerhalb ihrer Territorien zu schützen; Teil der Appelle der Kurden an den Westen ist, dass sie toleranter und mehr dem Pluralismus verpflichtet sind als die Araber. Quert man aber die Linie in arabisch dominierte Teile des Irak und die Loyalität der Priester wechselt: Thabet sagte mir, er glaube das Land solle unter einheitlicher Kontrolle Bagdads stehen. Privat beschweren sich Christen auf beiden Seiten der Grenze über Misshandlung durch Araber wie Kurden, von der Beschlagnahme von Land bis zu dem, was sie als extremistische Predigten in lokalen Moscheen betrachten.

Diese regionalen Spannungen können auch Minderheitsgruppen zutiefst argwöhnisch gegeneinander werden lassen. Christliche Leiter in der Ebene von Ninive nehmen eine existenzielle Bedrohung durch eine Minderheitengruppe wahr, die in den letzten Jahren ähnlich Ziel war und marginalisiert wurde: die Schabak. Die kleine ethno-religiöse Gruppe ist synkretisch und divers, viele Mitglieder identifizieren sich als sunnitisch, schiitisch, arabisch, kurdisch oder eine Kombination davon. Wie andere Minderheiten im Irak waren die Schabak beträchtlichen Nöten ausgesetzt. Manche waren gezwungen sich in dem Konflikt zwischen arabischen und kurdischen Nationalisten zu entscheiden, was in den 1970-er Jahren begann und sie wurden in der Zeit von Saddam Husseins völkermörderischer Kampagne und Vergeltung gewaltsam bestraft. Nach Husseins Sturz wurden die Schabak, wie die Christen und die Jesiden, vom ISIS terrorisiert und vertrieben.

Aber in den letzten Jahren, behaupten christliche Leiter, fanden die Schabak im Iran einen mächtigen Helfer. Schabak-Führer haben Verbindungen zu dem nahen Schiiten-Regime bestritten und das US-Außenministerium hat keine eindeutigen Beweise gefunden, die die vorgeworfene Verbindung nahe legen, hieß es von dem Beamten. Trotzdem glauben christliche Leiter, das die Gruppe vesucht ihre Gemeinden aus der Ebene von Ninive zu verdrängen.

Zehn Minuten auf einer anarchischen Schnellstraße von Karamles entfernt liegt Bartella, eine weitere historisch chrisliche Stadt, von der Thabet befürchtet, sie könnte die Zukunft seiner eigenen Gemeinde repräsentieren. Traditionell haben ethnische Gruppen im Irak dazu tendiert innerhalb ihrer eigenen Städte zu verbleiben. Viele Jahre lang lebten die Schabak als Nachbarn der Christen in der Ebene von Ninive; das Tal um Karamles und Bartella ist gesprenkelt mit kleinen Schabak-Dörfern. Aber als die schiitischen politischen Parteien nach der US-Invasion im Irak zur Macht aufstiegen, begannen Schabak-Gruppen Grundeigentum in historisch christlichen Gebieten aufzukaufen – mit der Hilfe, glauben christliche Leiter, finanzieller Unterstützer aus dem Iran.

Christen, die nach Bartella zurückkehrten, berichten, dass das Leben in ihrer Stadt schwieriger geworden ist, als es vor der Besatzung durch ISIS war. Geschäfte haben wieder geöffnet, aber viele wollen keine Christen beschäftigen. Behnam Benoka, ein syrisch-katholischer Priester, sagte mir, dass eine Reihe Familien von Schikanen durch Schabak-Einwohnern berichteten, etwas, das in früheren Jahren höchst ungewöhnlich gewesen ist. Die zehnjährige Tochter einer Familie wurde auf dem Weg von der Schule nach Hause angegriffen und ihr wurden die Ohrringe gestohlen.

Die Familie des Mädchens lebt in einem leeren Block gegenüber von zwei abgebrannten Häusern. Ihr Haus wurde von ISIS zerstört; sie leben heute im Haus eines Verwandten und Fotografien ihres verlorenen Eigentums in einem Stapel farbenprächtiger Aktenordner. Sie sind sich in der Stadt zu bewegen, nervös, wenn sie ihr Töchter allein zur Schule schicken. Sie Träumen von Auswanderung nach San Diego, wo sie Familie haben.

Die Lage in Bartella ist immer in Thabets Hinterkopf, während er versucht seine Leute davon zu überzeugen nach Karamles zurückzukehren bzw. dort zu bleiben. Im Westen waren Integration und Diversität als löbliche Ziele betrachtet. Im Irak ist die Mentalität nach Angaben von Thabet anders. Die Schabak und die Chaldäer haben verschiedene Kulturen und Bräuche. Sie interprepieren soziale Hinweise und Gesten unterschiedlich. Sie sprechen verschiedene Sprachen. „Es ist für uns besser, wenn sie in ein anderes Dorf ziehen“, sagte mir Thabet.

Andernorts im Nahen Osten stehen Christen vor ähnlichen existenziellen Bedrohungen. In der Türkei übernimmt die Regierung eine aktive Rolle bei religiöser Unterdrückung. Armenische Christen leben mit fast täglichen Drohungen und Vandalismus durch Nachbarn, denen von der örtlichen Polizei Straffreiheit gegeben wird. In Ägypten erklärte Präsident Abdel Fattah al-Sisi seinen Wunsch Gewalt gegen und Diskriminierung von Christen zu verhindern, hat sich aber weithin als machtlos erwiesen dem nachzukommen. Er feierte vor kurzem die Eröffnung einer großen Kathedrale östlich von Kairo, wobei er zu Muslimen und Christen erklärte: „Wir sind eins und wir werden eins bleibn.“ Doch die Kopten, Ägyptens größte christliche Minderheit, sind im Verlauf der letzten Jahre Opfer regelmäßiger Bombenanschläge und Schüsse auf Menschenmengen geworden. An Palmsonntag 2017 töteten Explosionen an zwei Kirchen mehr als 40 Menschen. Im letzten November griffen islamische Militante Busse an, die durch die westliche Wüste fuhren; sie töteten sieben Menschen und verletzten weitere.

Obwohl der Status von Minderheiten in der Region sich unterscheidet, haben diese Fälle eine wichtige gemeinsame Qualität. Sie alle fanden in Ländern statt, die manchmal eine einzige religiöse Identität betonen. Diese Länder versäumten es die Rechte von Minderheiten zu schützen, so sie das überhaupt versuchten. Christen wie auch andere religiöse Minderheiten in der Region werden mit derselben unmöglichen Wahl zurückgelassen, mit der Catrin und Evan vor Jahren rangen: bleiben oder weggehen. Familien müssen abwägen zwischen dem Wunsch in ihren Heimen zu – und damit den Heimen ihrer Vorfahren – zu bleiben und dem Wunsch frei von Diskriminierung und Furcht zu leben.

Für Christen, die in einer Kirche mit so starkem Gefühl für den Ort aufgewachsen sind, bringt Umzug die furchtbare Möglichkeit auf, dass sie eine wsentliche Verbindung zu ihrem Glauben verlieren. An einem Sonntagmorgen im letzten Herbst schloss ich mich Catrin und Evan bei der Messe der Madonna der immerwährenden Hilfe an, einer großen chaldäisch-katholischen Kirche in Detroit. Die Metro Area ist Heimat der größten chaldäischen Diaspora-Gemeinde der Welt: 160.000 Christen aus dem Irak leben dort nach Angaben der chaldäisch-amerikanischen Handelskammer. Nahöstliche Christen, die anderen Traditionen zugehören, z.B. der assyrischen Kirche des Ostens, sind in um um die Stadt ebenfalls vorhanden, zusammen mit einer großen Zahl irakischer Muslime.

Catrin und Evan besuchen die Madonna der ewigen Hilfe, eine große chaldäisch-katholischen Kirche in Detroit (Elaine Cromie)

In der Lobby der Kirche tummeln sich Familien, einschließlich Frauen, die dieselben zarten Spitzentücher für die Haare tragen, wie die Frauen im Irak, bestickt mit den Namen von Pilgerorten wie Lourdes und Jerusalem. Die Priester wechselten zwischen Arabisch und Sureth, segneten die Eucharestie in einer sprache, die der uralten Zunge ihres Erlösers nahe ist. Catrin sagte mir, dass viele der Kinder in der Gemeinde, auch ihre eigenen, Englisch, Arabisch und Sureth sprechen, aber Familien manchmal damit kämpfen ihre Muttersprache an ihre Kinder weiterzugeben. Das gleiche könnte für ihren Glauben gelten. Catrins Sohn Ayoob, jetzt 17 alt, sagte mir, die meisten seiner Freunde in der Schule seien Chaldäer, aber nur wenige von ihnen gehen zur Kirche. Er ist nicht sonderlich interessiert an Religion, sagt er, und findet die Messe lang und langweilig. Am Morgen, an dem ich zu Besuch war, gingen Catrin und Evan alleine zur Kirche.

An das Leben in Amerika gewöhnen sie sich langsam. Zuerst konnte Catrin Englisch kaum verstehen, ganz abgesehen vom Akzent in Michigan. Evan übersetzte für sie im Walmart oder bei Meijer, einer Lebensmittelkette im Mittleren Westen, obwohl er inzwischen verlegen zugibt, dass seine Übersetzungen manchmal nicht richtig waren. Nach vier Jahren waren sie in der Lage ein bescheidenes Haus zu kaufen, das Evan mit der Hilfe von Verwandten und Freunden renovierte. Sie versuchen für Möbel zu sparen; als ich zu Besuch war, war der einzige Gegenstand in ihrem Wohnzimmer eine Topfpflanze.

Catrin und Evan sagten mir, sie vermissen Karamles ungemein; der Geruch der Luft im Frühling, der Geschmack des im dortigen Boden gezogenen Gemüses, die Schönheit seiner für Weihnachten herausgeschmückten Straßen. Am meisten vermissen sie die Menschen. Das Leben in Karamles ist weitgehend um die gesellschaftlichlen Kontakte mit Familie und Nachbarn herum organisiert; Catrin verbrachte Stunden mit Gesprächen und Lachen mit ihren Freundinnen. Nachbarn und Cousins saßen in Reihen vor den Geschäften, sammelten Nachrichten und schüttelten Passanten die Hände. In Detroit, sagte Evan, hat er festgestellt, dass die meisten Menschen beschäftigt sind und in ihren eigenen Häusern bleiben. Catrin arbeitet in Teilzeit und er arbeitet Überstunden, um genug Geld zu verdienen, damit sie ihre Hypothek und die Steuern bezahlen können. Sie bestehen jedoch darauf, dass den Irak zu verlassen die richtige Entscheidung war. „Ich glaube, dass jeder den Irak verlassen sollte“, sagte Catrin mir. „Es ist unsicher. Du weißt einfach nicht, was passieren wird.“

Sie weiß jedoch nicht, ob ihr Bruder jemals weggehen wird. Solange es in Karamles eine christliche Gemeinde gibt, glaubt Thabet, es sei seine Pflicht dort zu bleiben. „Er ist eine Führungspersönlichkeit“, sagte Evan. „Der Anführer kümmert sich um alle. Das ist der Unterschied zwischen mir und ihm.“

Thabet empfindet eine Verantwortung die Stadt wieder aufzubauen und in der nächtsen Generation ein Gefühl des Stolzes auf ihre Geschichte. Aber er weiß um Gefahren im Irak zu bleiben und die Grenzen seiner Macht die Gemeinde intakt zu halten. Seit Catrin in die USA ging, haben weitere Geschwister Karamles verlassen. Eine Schwester ging nach Jordanien. Eine weitere blieb in Erbil, nachdem sie vor ISIS floh. Sie hat Angst nach Hause zu gehen.

Nach einer vierstündigen Messe versammeln sich Einwohner von Karamls auf dem zentralen Platz, um zu Ostern gefärbte Eier aufzubrechen. (Alexandra Rose Howland)

Rund 56 km nordwestlich von Karamles schmiegt sich eine Sadt namens Alqosh an die Berge, die den Irak von der Türkei trennen. Für Christen in der Ebene von Ninive ist Alqosh ein Ort nationalen und religiösen Stolzs, eine Zwischenstation für wichtige Menschen der antiken christlichen Welt, die einige hier in ihrer Bedeutung mit Jerusalem oder Rom vergleichen.

Es gibt zu Alqosh eine weitere Geschichte. Weiter die sich windende Straße der Stadt entlang liegt ein Grab, das Nahum gehören soll, einem biblischen Propheten, von dem man glaubt, er habe in im siebten Jahrhundert v.Chr. in der Region gelebt. Unabhängig davon, ob er tatsächlich dort bestattet wurde oder nicht, beten Juden an diesem Ort. Das Gebäude war eine Synagoge und die Wände sind mit hebräischer Schrift bedeckt. Eine Gravur in einem Stein verspricht: „Dies wird für immer deine Bleibe sein.“

Juden lebten Jahrhunderte lang in Alqosh und tausende Jahre im Irak, wenn auch der Priester, der mich herumführte, Vater Araam, sie nur aus Geschichten kannte. Der babylonische Talmud, der der wichtigste Text des rabbinischen Judentums ist, wurde hier geschrieben. Dann verschwanden die Juden innerhalb einiger wenigen Jahre. Fast alle der im Irak verbliebenen Juden wurden in den späten 1940-er Jahren und Anfang der 1950-er Jahre unter intensivem politischen Druck und Mob-Gewalt richtiggehend aus dem Land vertrieben.

Priester in der Ebene von Ninive betrachten diese Geschichte als Warnung. Auch ihre Gemeinden könnten eines Tags nichts weiter als zugewucherte Gräber sein. Wenn Christen weiterhin die Ebene von Ninive und andere derartige Bereiche verlassen, wird eine beeindruckende Geschichte zu Ende gehen. In der in den USA vorherrschenden protestiantischen Denkweis ist der Leib der Kirche dort, wo immer die Menschen sind. Aber für die uralten christlichen Gruppen im Irak gilt das nicht. Die Menschen, die ich dort traf, erinnerten mich ständig daran, dass die assyrische Kultur dort vor dem Christentum gegründet wurde. Sie weisen auf die Reste antiker Aquädukte und Siedlungshügel hin, Belege für das Imperium, das einst in dieser Region blühte.

Für sie ist das Christentum nicht nur ein Glaube. Es ist Bindung an einen Ort, eine Sprache, eine Nationalität. Verstreut über Länder und Kontinente kann dieses Identitätsgefühl – als Volk, nicht nur als Mitglieder einer Religion – viel schwieriger aufrecht zu erhalten. Das Schicksal der Ebene von Ninive zu sichern, ist entscheidend „um unsere Identität, unser väterliches Erbe, unsere Sprache zu schützen“, sagte mir Thabet. „Wir sind das Urvolk des Irak.“

Türkei: Wiederaufleben der glorreichen/blutrünsigen Tage des Jihad

Raymond Ibrahim, 29. November 2019 (FrontPage Magazine)

Die wenig kommentierten, aber andauernden Misshandlungen historischer Kirchen durch die Türkei spiegelt vermehrt das zunehmende Gefühl des islamischen Überlegenheitsanspruchs dieser Nation.

Bevor die Türken dort einmarschierten, war Anatolien (die heutige Türkei) eine uralt-christliche Region; ein großer Teil der Paulusbriefe wurde an ihre Kirchen geschickt oder handelten von ihnen, darunter die sieben Gemeinden der Apokalypse. Mit der Eroberung, Kolonisierung und folgenden Türkifizierung Anatoliens durch die Türken – der Grund, dass es heute einfach „Türkei“ heißt – wurden zehntausende Kirchen systematisch geschändet und in Sieges-Moscheen umgewidmet.

Unter Mustafa Kemal Atatürks (gest. 1938) Säkularisierungsprogramm wurden aus einigen dieser historischen und bedeutenden, in Moscheen verwandelten Kirchen neutrale Museen gemacht. Heute werden sie allerdings wieder angegriffen, wieder in islamische Sieges-Moscheen umgewandelt.

Erst vor kurzem, am 5. November, kündigte die Regierung an, dass eine 1500 Jahre alte Kirche, gewidmet dem Heiligen Retter, wieder in eine Moschee umgewidmet werden soll, obwohl sie seit 1945 ein Museum gewesen ist. Das bedeutet: Obwohl sie „eines der großartigsten Beispiele byzantinischer Kunst ist und immer noch Mosaike und Fresken erhalten sind“, werden diese alle im Säuberungsprozess zerstört werden, der sie zu einer Moschee macht.

Die Heilige Retter ist kaum die erste Kirche/Museum, die in den letzten Jahren in eine Moschee umgewandelt wurde. Das andauernde Phänomen ist keine sonderlich verschleierte Drohung für die ultimative und stark erwartete Umwidmung – die der Hagia Sophia, der größten Basilika des östlichen Christentums; sie steht in Konstantinopel (dem modernen Istanbul). Obwohl auch sie seit Mitte der 1930-er Jahre ein Museum gewesen ist, obwohl sie für die östlich-orthodoxen Christen einen besonderen Ort darstellt und obwohl es allein in Istanbul mehr als 3.000 aktive Moscheen gibt,  sagten mehr als 97 Prozent der 2013 befragten Türken, sie wollten, dass die Hagia Sophia in eine Moschee verwandelt wird.

Warum so viele Türken nach dieser Umwandlung schreien – sie wollen ihr islamisches Überlegenheitsgefühl gegenüber dem Christentum (und demzufolge über den Westen, so läuft ihr Denken) zu beweisen – ist in allen Bereichen der Gesellschaft offenkundig, von ganz oben bis ganz unten. Betrachten Sie Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der früher dieses Jahr deutlich machte, dass auch er sehen will, dass aus der Hagia Sophia eine Moschee gemacht wird. Nach dem Bericht, dass „der Präsident der Türkei in der Hagia Sophia ein islamisches Gebet rezitierte, ein historisches Istanbuler Wahrzeichen, das zum Symbol von Interreligiosität und diplomatischer Spannungen geworden ist“, fügte AP hinzu, dass Erdoğan sein Gebet den „Seelen all derer widmete, die uns diese Arbeit als Erbe hinterließen, besonders Istanbuls Eroberer [Sultan Mehmet II.].“

Salih Turhan, Leiter der Anatolischen Jugendvereinigung, die jedes Jahr rund um die Hagia Sophia demonstriert, erklärte zudem: „Als die Enkel von Mehmet dem Eroberer ist es unser legitimes Recht, dass wir die Wiedereröffnung der Hagia Sophia anstreben.“

Mit anderen Worten: Der Wunsch aus der Hagia Sophia in eine aktive Moschee zu machen, ergibt sich nicht aus Frömmigkeit oder einem Mangel an Moscheen, sondern im Ruhm – heißt die Blutrünstigkeit – der Tage des Jihad und Ehre derer, die ihn ausüben, zu schwelgen.

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Im Folgenden besuchen wir exakt das, was Mehmet II., der Eroberer, in der Hagia Sophia machte und ihr antat, dass so viele modernen Türken ihn ehren, einschließlich ihres Präsidenten, wozu auch gehört, dass sie die Umwandlung des Gebäudes in eine Moschee fordern. (Alle Zitate des folgenden Berichts stammen aus Primärquellen, zumeist von Augenzeugen und sind in Sword and Scimitar: Fourteen Centuries of War between Islam and the West dokumentiert.)

Nachdem Konstantinopel Jahrhunderte lange Jihad-Vorstöße abgewehrt hatte, brandschatzte Mehmet – d.h. Mohammed (Mehmet ist die türkische Aussprache des arabischen Namens des Propheten) – Konstantinopel am 29. Mai 1453. Einmal in die Stadt eingedrungen „gaben die türkischen Soldaten kein Pardon“, schrieb ein Augenzeuge:

Als sie ihr Massaker veranstaltet hatten und es keinen Widerstand mehr gab, wollten sie plündern und durchstreiften die Stadt, stahlen, entkleideten, brandschatzten, töteten, vergewaltigten, nahmen Männer, Frauen, Kinder, alte Männer, junge Männer, Mönche, Priester, Menschen aller Art und in jeglichem Zustand… Es gab Jungfrauen, die wachten aus unruhigem Schlaf auf, um diese Banditen mit blutigen Händen und Gesichter voller erbärmlicher Raserei über sich zu sehen … [Die Türken] zogen sie weg, rissen sie fort, zwangen sie, entehrten sie, vergewaltigten sie auf den Kreuzungen und unterzogen sie den furchtbarsten Gewalttaten… Zarte Kinder wurden brutal von den Brüsten ihrer Mütter gerissen und Mädchen wurden gnadenlos fremden und schrecklichen Vereinigungen übergeben und tausend andere Dinge geschahen…

Weil tausende Bürger geflohen waren und sich in die Hagia Sophia geflüchtet hatten, bot sich hier eine ausgezeichnete Ernte an Sklaven – sobald ihre Türen aufgebrochen waren. „Ein Türke sah nach der scheinbar reichsten Gefangenen, ein anderer zog ein hübsches Gesicht bei den Nonnen vor… Jeder räuberische Türke war gierig darauf seine Gefangene zu einem sicheren Ort zu bringen und kehrte dann für einen zweiten oder dritten Preis zurück… Dann konnte man lange Schlangen sehen, die die Kirche und ihre Heiligtümer verließen, getrieben wie Vieh oder Schafherden.“

Manchmal bekämpften die Sklavenhalter sich wegen „irgendeines gut gebauten Mädchens“ gegenseitig bis zum Tod, obwohl diese es „vorzogen sich in Brunnen zu werfen und zu ertrinken statt in die Hände der Türken zu fallen“.

Nachdem sie Besitz von einer der größten und ältesten Basiliken – zur Zeit ihrer Eroberung fast tausend Jahre als – ergriffen hatten, betrieben die Invasoren „alle möglichen Widerwärtigkeiten darin, machten aus ihr ein öffentliches Bordell“. Auf „ihren heiligen Altären“ inszenierten sie „Perversionen mit unseren Frauen, Jungfrauen und Kindern“, darunter „die Tochter des Großfürsten, die sehr schön war“. Sie wurde gezwungen „sich auf den großen Altar der Hagia Sophia zu legen, mit einem Kreuz unter ihrem Kopf, dann wurde sie vergewaltigt“.

Dann „paradierten sie das Hauptkreuz [der Hagia Sophia] in einer höhnischen Prozession durch ihr Lager, schlugen Trommeln dazu, kreuzigten Christus erneut mit Bespucken und Gotteslästerungen und Flüchen. Sie setzten ihm einen türkischen Hut auf … seinen Kopf und brüllten höhnisch: „Seht, der Gott der Christen!“

Viele andere Kirchen in der alten Stadt erlitten dasselbe Schicksal. „Die Kreuze, die auf den Dächern oder Wänden von Kirchen angebracht waren, wurden heruntergerissen und darauf herumgetrampelt.“ Die Eucharistie wurde auf den Boden geworfen; heilige Ikonen wurden ihres Goldes beraubt, „auf den Boden geworfen und getreten“. Bibeln wurden ihre Gold- und Silberbilder genommen, bevor sie verbrannt wurden. „Ikonen wurden ohne Ausnahme den Flammen übergeben.“ Patriarchengewänder wurden auf die Lenden von Hunden platziert; Priestergewänder wurden auf Pferde gelegt.“

„Überall gab es Unglück, jeder wurde von Schmerz berührt“, als Sultan Mehmet schließlich seinen Einzug in der Stadt hielt. „Es gab Klagen und Weinen in jedem  Haus, Schreie auf den Straßen und Leid in allen Kirchen; das Stöhnen der erwachsenen Männer und die Schreie von Frauen, begleiteten Plünderung, Versklavung, Trennung und Vergewaltigung.“

Der Sultan ritt zur Hagia Sophia, stieg ab und ging hinein, „bewunderte den Anblick“ der Großkirche. Nachdem sie sie von ihren Kreuzen, Statuen und Ikonen gesäubert hatten – der Sultan selbst stieß ihren Altar um und trampelte darauf herum – befahl Mehmet einem Muezzin auf die Kanzel zu steigen und „ihre widerwärtigen Gebete ertönen zu lassen. Dann stieg dieser Sohn des Frevels, der Vorläufer des Antichristen, auf den Heiligen Tisch, um seine eigenen Gebete zu sprechen“, womit er „aus der Großkirche in einen Heidenschrein für seinen Gott und seinen Mahomet machte“.

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Das ist also das, worauf die Muslime der Türkei und ihr Präsident stolz sind: die gewalttätige Eroberung uralten christlichen Territoriums und die von Gräueln beladene Umwandlung ihrer größten Kathedrale in eine Moschee; das ist das, was sie begierig ehren, indem sie aus der Hagia Sophia wieder eine Moschee machen. Täuschen Sie sich nicht: Auch wenn der Durchschnittswestler bezüglich der erwähnten Geschichte keine Ahnung hat, wird sie doch jedem Türken wird sie in seiner Jugend gelehrt.

Mehmet offen zu vergöttern und zu versuchen zu tun, was er tat – aus der Hagia Sophia eine Moschee zu machen, um die „Seelen all derer zu ehren, die uns dieses Werk als Erbe hinterließen, besonders Istanbuls Eroberer“, wie Erdoğan proklamierte – ist gleichbedeutend damit, dass Türken sagen: „Wir sind stolz auf unsere Vorfahren [und versuchen es ihnen gleichzutun], die Menschen abschlachteten, versklavten und vergewaltigten und ihnen ihr Land stahlen, nur weil sie christliche Ungläubige waren.“

Nachbemerkung: Einen umfassenden Bericht von der Belagerung und folgenden Plünderung von Konstantinopel finden Sie in Kapitel 7 des Buchs Sword and Scimitar dieses Autors.