Es ist schwer in Israel ein „christlicher Araber“ zu sein, aber nicht aus Grund den Sie annehmen

Nur in Israel können Christen des Nahen Ostens ihren Glauben voll praktizieren und produktive Mitglieder der Gesellschaft sein

Vater Gabriel Naddaf, The Observer, 26. März 2015

Ich habe das Vorrecht griechisch-orthodoxer Priester aus Nazareth in Galiläa zu sein. Mein Volk ist irrigerweise „christliche Araber“ genannt worden, doch die Wirklichkeit sieht so aus, dass wir Aramäer sind, die Nachkommen des Volks, das seit der Zeit der Bibel hier in Israel lebte.

Nach einer langgezogenen öffentlichen Kampagne hat Israels Innenministerium uns gerade als die „aramäische Nation“ anerkannt. Partner bei diesen Bemühungen waren eine Reihe israelischer zionistischer Organisationen.

Im Verlauf der letzten drei Jahre bin ich in Israel zu einer kontroversen Person geworden, aus dem einfachen Grund, dass ich den Zionismus begrüße, die jüdische Souveränität in Israel und die Toleranz, den Respekt und die Chancen für alles, was aus dieser Souveränität gewachsen ist. Ich glaube, dass unsere Jugend – die christliche Jugend – sich voll in die israelische Gesellschaft integrieren sollte. Fester Bestandteil dieser Integration ist der Dienst in den Israelischen Verteidigungskräften (IDF), der israelischen Armee, oder eine andere Form nationalen Dienstes zu tun, den Israel routinemäßig seinen Teenagern anbietet.

2012 gründeten ein paar wenige christliche IDF-Offiziere und ich das I.C.R.F. – das Israeli Christians Recruitment Forum. Meine Bemühungen hatten gemischte Ergebnisse. Auf der positiven Seite sind Hunderte arabischer oder aramäischer christlicher Jugendlicher meinem Aufruf gefolgt und haben ihrem Land ausgezeichnet gedient. Sie sind von ihren Soldatenkameraden bereitwillig akzeptiert worden, von denen sie als Waffenbrüder betrachtet werden, nicht als Fremde in ihrer Mitte.

Die Kehrseite der Medaille sind die intensiven Nackenschläge auf meine Bemühungen seitens sich verweigernden Elementen in den christlichen und muslimisch-arabischen Gemeinschaften. Christliche Soldaten wurden von ihren Nachbarn und in vielen Fällen von ihren Familien schikaniert. Diese Soldaten sind gezwungen ihre Uniformen auszuziehen, bevor sie in ihre Heimatstädte zurückkehren, denn sie müssen befürchten, dass man sich auf dem Weg nach Hause drangsaliert.

Ein weiteres Beispiel gab es 2012, als in Nazareth eine Konferenz von Unterstützern christlicher Rekrutierung in die IDF stattfand. Ein örtlicher Leiter, der Anwalt Abir Kopty aus dem Mossawa Center, griff die Teilnehmer an und beschuldigte sie Palästinenser zu verfolgen. Herr Kopty suggerierte zudem, dass die Integration von Christen in die Armee ein Versuch sei die arabische Gesellschaft in ihrem nationalen Kampf gegen Israel zu spalten.

Nach der Konferenz begann eine Schikanierungskampange gegen ihre Organisatoren. Teilnehmende Studenten wurden bedroht, isoliert und erlitten Demütigungen über soziale Netzwerke und in den arabischen Medien. Eine israelische Organisation, die uns unterstützt, ist Im Tirtzu; sie veröffentlichten hinterher einen Bericht, der die gegen Äußerungen detailliert aufführte, die sich gegen Christen richteten, die zum Eintritt von Christen in die IDF ermutigen.

Für mich persönlich haben meine Überzeugung und mein Handeln zu zahlreichen Morddrohungen geführt, zu meiner Exkommunikation durch den orthodoxen Kirchenrat und dass ich die Verkündigungskirche nicht betreten darf.

Nichts davon hat mit der israelischen Regierung oder der jüdischen Gemeinschaft zu tun. Die Behauptung Israel sei ein sogenannter Apartheidstaat, ist völliger Unsinn. Meine Erfolge und Herausforderungen sprechen laut aus, wo für meine Mitchristen das wahre Problem liegt.

Es bereitet mir Schmerzen das zu sagen, aber es muss gesagt werden. Die gegen mich, meine Kampagne und all die Christen, die sich in die israelische Gesellschaft integrieren wollen gerichtete Hetze ist von arabischen Führern aus Israel und dem Ausland angeführt worden und sogar von einigen arabischen Abgeordneten im israelischen Parlament, der Knesset.

MK Hanin Zoabi schrieb mir mit offiziellem Knesset-Briefkopf und beschuldigte mich „dem Feind des palästinensischen Volks zu helfen“, „mit den Besatzungskräften zu kooperieren“ und setzte mich unter Druck, ich solle „gegen die Loyalisten des Regimes kämpfen“.- Natürlich schafft all das eine Atmosphäre der Aufstachelung gegen jeden, der an der Integration der christlichen Minderheit in die nationalen Dienste in Israel interessiert ist.

Es wurde eine schwarze Liste an Priestern und christlichen Leitern zusammengestellt, die Integration und Kooperation mit dem Staat Israel unterstützen; Bilder der Leiter und Jugendlichen, die an Begebenheiten mit der IDF teilnahmen, haben ihren Weg in die arabische Presse gefunden, gefährden ihr Leben und ermutigen zu Gewalt gegen sie.

Mossawa ist nicht allein darin den christlichen Arabern das Recht auf Integration in die israelische Gesellschaft zu verweigern. Eine koordiniert Kampagne gegen den Eintritt israelischer Araber in die IDF wurde auch von anderen Organisationen geführt.

Zu dieser Kampagne gehörte massiver Druck auf die israelische und arabische Presse, einschließlich einer Reihe von Artikeln, die 2012 auf der Internetseite des Magazin +972 veröffentlicht wurden und die arabischen Einschreibungen in den militärischen oder nationalen Dienst brandmarkte; Schulaktivitäten, die Kinder dazu anhalten dem Land nicht zu dienen; oder die Anstrengungen der Baladna, einer NGO, die seit vielen Jahren unter arabischen Jugendlichen in Israel arbeitet und sie die „Bedrohungen“ lehrt, die im Dienst im Nationaldienst oder der IDF inbegriffen sind. Adalah arbeitet daran zu verhindern, dass Militärveteranen Wohnbeihilfe in arabischen Städten bekommen.

Zu den Organisationen, die sich bei der Kampagne zu Stopp der Integration der aramäischen Gemeinden in die israelische Gesellschaft über den Zivildienst oder der Armee mitmachen, gehören Adalah, Mosswa, Baladna, +972 und weitere. Sie sind israelische gemeinnützige Organisationen – einige davon setzen sich aus israelischen Arabern zusammen, andere gehören zur extremen Linken und den Antizionisten. Diese NGOs lehnen Israel als nationale Heimat des jüdischen Volks ab. Sie würden gerne das Rückkehrrecht aufheben und den jüdischen Charakter Israels beseitigen.

Sie lehnen den Sonderstatus der hebräischen Sprache ab, modifizieren die Nationalflagge und die Nationalhymne und machen aus Israel einen binationalen Staat. Diese Organisationen rufen die Araber Judäas und Samarias und die in Israel lebenden Araber auf sich zusammenzutun, um den Zionismus zu bekämpfen. Deshalb ist für sie die Vorstellung, dass eine Gruppe sich von diesem Kampf abgesetzt hat und sich als Aramäer identifiziert, ein Gräuel.

All diese Organisationen nehmen für sich in Anspruch für die Schwachen zu kämpfen, für die Minderheiten, die nicht für sich selbst einzustehen in der Lage sind und ihre eigenen Rechte fordern. Doch letztlich werfen diese NGOs die Frage auf, für welche Rechte sie wirklich kämpfen, wessen Interessen sie schützen und wie ihre wirkliche Agenda aussieht.

Diese NGOs haben ganz klar kein Interesse daran zu sehen, dass christliche Araber Teil der israelischen Gesellschaft werden. Ganz ähnlich der Art, wie arabische Länder die Palästinenser in diversen Flüchtlingslagern als Bauern im Kampf gegen den Staat Israel benutzt haben, sind diese NGOs zufrieden damit meine Gemeinschaft in Kanonenfutter für ihre Bemühungen zur Delegitimierung Israels zu reduzieren.

Meiner Gemeinschaft wird also praktisch gesagt, sie solle für ihre fortgesetzte Ausgrenzung durch die israelische Gesellschaft kämpfen, obwohl die israelische Regierung das Ziel hat sie stärker in den Mainstream einzubringen. Hat die christliche Gemeinschaft nicht das Recht verdient ihrem eigenen Willen zu folgen und sich, wenn sie das möchte, in die israelische Gesellschaft zu integrieren? Nicht, wenn man den meisten NGOs folgt, die sagen, dass sie unserer Gemeinschaft helfen.

Als Priester bin ich von diesem Widerwillen das Wohlergehen der Einzelnen im Namen einer monolithischen Gruppenidentität bekümmert, deren Ziele und Programmatik von denen festgelegt wird, die mit der Gemeinschaft, die sie angeblich repräsentieren, sehr wenig gemeinsam haben.

Sowie Christen in Israel die Lage unserer Brüder im weiteren Nahen Osten begutachten, sind wir von der Verfolgung erschüttert, die so viele in – unter anderem – Ägypten, Syrien und dem Irak erlebt haben. Es ist wahrlich nur in Israel so, dass wir Christen unseren Glauben voll leben und produktive Mitglieder der Gesellschaft sein können.

Wir sind nicht an fehlgeleiteter Politik interessiert, die uns nur Schaden und Durcheinander bringt. Stattdessen sehen und schätzen wir die Chancen ein erfülltes Christenleben im jüdischen Staat zu führen.

Es ist wichtig, dass Christen rund um die Welt begreifen, dass das jüdische Israel ein verantwortlicher Interessenwahrer seiner Christen gewesen ist. Wir sollten für unsere Bemühungen, sich dieser gutwilligen Gesellschaft zu vereinigen, unterstützt, nicht dämonisiert werden.

Vater Gabriel Naddaf ist der geistliche Leiter und einer der Gründer des Forums zur Rekrutierung Arabisch sprechender Christen in die Israelischen Verteidigungskräfte. Er ist der geistliche Leiter des I.C.R.F und des Rat zur Stärkung der Christen.

Verfolgung von Christen durch Muslime in den Palästinensergebieten

Manfred Gerstenfeld interviewt Justus Reid Weiner (direkt vom Autor)

Christen werden im gesamten Nahen Osten durch Muslime stark verfolgt; das hat in seiner Intensität deutlich zugenommen. Anfangs des 20. Jahrhunderts stellten Christen rund 20 Prozent der Bevölkerung des Nahen Ostens. Gegenwärtig wird ihr Anteil auf rund vier Prozent geschätzt.

In den Palästinensergebieten ist die Verfolgung von Christen weniger stark als in einer Reihe anderer muslimischer Staaten. Sie ist aber dennoch diskriminierend und manchmal tödlich. Das wird aber vor der internationalen Gemeinschaft verborgen, zum Teil durch falsche Äußerungen verschiedener palästinensisch-christlicher Leiter, die mit der palästinensischen Autonomie (PA) und der Hamas verbündet sind.

Justus Reid Weiner
Justus Reid Weiner

Justus Reid Weiner ist Rechtsanwalt für internationales Menschenrecht und Mitglied der Anwaltskammern in Israel und New York. Er möchte seinem Praktikanten Nataniel Lelental für dessen Beitrag zu diesem Projekt seine Anerkennung ausdrücken.

Einige wenige der vielen Beispiele für Verfolgung und Diskriminierung von Christen in den Palästinensergebieten illustrieren ihre vielfältige Beschaffenheit: Im April 2013 wurde die Schule der Christlichen Heiligen Familie in Gaza in Brand gesetzt. Mehrere Monate später, im Juni, wurden fünf christliche Schulen im Gazastreifen nach einer Anweisung der Hamas-Regierung geschlossen, die gemischtgeschlechtlichen Unterricht verbot. Nominell betraf die Vorschrift alle Schulen im Gazastreifen, doch die fünf christlichen Schulen waren die einzigen, in denen dort koedukativ gearbeitet wurde.

Die christliche Minderheit des Gazastreifens ist winzig und besteht aus ein- bis zweitausend Personen. Nach Angaben der griechisch-orthodoxen Kirche in Gaza wurden im Juli 2012 fünf Christen entführt und zum Übertritt zum Islam gezwungen. In einer Presseerklärung sagte die Kirche, dass die Polizei ein Eingreifen ablehnte, da Salam Salameh, ein Hamas-Mitglied des palästinensischen Parlaments, die Organisation führte, die für den Übertritt verantwortlich war.

Im Juli 2012 verurteilte ein Gericht in Jericho einen Christen zu einem Monat Haft, weil er während des Ramadan in der Öffentlichkeit aß. Auch fünf weitere Personen wurden wegen desselben Tuns festgenommen. Der Vorsitzende des Obersten Gerichts für Scharia-Recht in der PA erklärte: „Wir müssen die Straßen beobachten und jeden schwer bestrafen, der während des Ramadan öffentlich isst. Das liegt in der Verantwortung der Sicherheitskräfte… Ich fordere alle Nichtmuslime auf, auf die Gefühle der Muslime Rücksicht zu nehmen.“ Das steht in scharfem Gegensatz zu westlichen Gesellschaften, in denen gewöhnlich die Mehrheit aufgefordert wird auf die Minderheit Rücksicht zu nehmen.

Das palästinensische Landrecht schreibt für den Verkauf von Land an Juden die Todesstrafe vor. Verschiedene Christen haben ausgesagt, dass dies auch vollstreckt wird, wenn Land an Christen verkauft wird. Mehrere christliche Grundbesitzer sind erpresst worden ihr Land aufzugeben und Muslimen zu überlassen. In der Praxis bietet das Rechtssystem in den Palästinensergebieten ihnen keinen Regressanspruch.

Vera Baboun, die christliche Bürgermeisterin Bethlehems, schrieb zu den Feiertagen an Weihnachten 2012: „Dies ist das Bethlehem, das wir mit der Welt teilen. Ein Bethlehem, das die natürliche Koexistenz von Christen und Muslimen ist, ein Beispiel für den Rest der Region.“ Doch Baboun ist Opfer einer Rufmordkampagne geworden, weil sie angeblich Muslime diskriminiert. Als Ergebnis sind sie und ihre Familie wiederholt bedroht worden. Sie erstattete Anzeige bei der PA, die sie nach Einschüchterung durch den bewaffneten Zweig der Fatah zurückzog.

Steve Khoury, Pastor der Ersten Baptistischen Kirche Bethlehems, sagte im Mai 2013, Christen sähen sich ständigen Belästigungen ausgesetzt. Dadurch verzichten viele darauf in der Öffentlichkeit Kreuze zu tragen und Bibeln mit sich zu führen. Er fügte hinzu, dass ihnen von Muslimen oft gesagt wird, sie sollten „zum Islam konvertieren. Er ist die wahre und richtige Religion.“ Auf Khourys Kirche sind vierzehn Brandanschläge verübt worden.

Im Dezember 2013 lieferte Samir Qumsieh, ein christlicher Gemeindeleiter aus Beit Sahour bei Bethlehem, mehrere Beispiele für die Einschüchterung, der sich die christliche Gemeinschaft ausgesetzt sieht. Er zeigte einige Beispiel-Souvenirs, die von Christen um den Krippenplatz in Bethlehem verkauft werden, darunter T-Shirts der Geburtskirche, die nicht, wie sonst üblich, Kreuze zeigen. Bei einer anderen Gelegenheit erklärte Qumsieh: „Wir werden schikaniert, aber die Wahrheit können Sie nicht kennen. Niemand sagt öffentlich etwas über die Muslime. Das ist der Grund, dass die Christen die Flucht ergreifen.“

PA-Präsident Mahmud Abbas hat erklärt: „Christen sind hier keine Minderheit. Sie sind integraler Bestandteil des palästinensischen Volks. Orthodoxe, Katholiken, Armenier, Assyrer, Lutheraner, Anglikaner, Kopten, Melkiten, Protestanten und andere sind alle Teil des reichen Mosaiks dieses freien, demokratischen und pluralistischen Palästinas, das wir anstreben und wie es in unserer Unabhängigkeitserklärung und im Verfassungsentwurf festgelegt ist.“ Das war eine der vielen falschen Aussagen Abbas‘, da Artikel 7 der Verfassung lautet: „Die Prinzipien der islamischen Scharia sind eine Hauptquelle der Gesetzgebung.“

Weiner schließt: Wenn nicht gehandelt wird, dürfte daher die palästinensische Eigenstaatlichkeit durchaus zur Gründung eines weiteren muslimischen Staates führen, in dem Minderheiten brutal verfolgt werden, bis weitere beträchtliche Teile von ihnen auswandern. Der Umgang mit und das Schicksal der palästinensischen Christen ist ein Lackmustest der wahren Beschaffenheit der palästinensischen Herrschaft.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzende des Jerusalem Center of Public Affairs.