Der Himmel fällt uns nicht auf den Kopf, es gibt keine Heuschreckenplage und Israel wird nicht zur faschistischen Theokratie

Elder of Ziyon, 4. November 2022

Allein die Schlagzeilen in Ha’aretz lassen einen fragen, wann sie eine Heuschreckenplage in der Folge des Wahlsiegs des Likud-Blocks voraussagen.

Sie sind alle von heute [Freitag, 4. November].

Die Westbank steht auf der Kippe und Netanyahu holt die Pyromanen
Wird Israel zur Theokratie? Religiöse Parteien sind größte Wahlgewinner
Netanyahu verspricht, er „kam nicht um zu zerstören“, aber wird er sich selbst kontrollieren können?
Jüdischer Überlegenheitsanspruch ohne Masken
Netanyahus Wahlsieg erteilte dem Judentum einen schweren Schlag

Ja, Bibi hat das Judentum zerstört!

Die Sache ist die, dass wir das kennen. Wir haben schon ähnliche Warnungen der Medien, Koryphäen, „Experten“ und amerikanisch-jüdischen Leitern erlebt, jedes einzelne Mal, wenn in Israel eine rechte Regierung eine Wahl gewonnen hat.

Jimmy Carter wird für seine relativ ungebildete Nahost-Diplomatie wahrscheinlich keinen Nobelpreis gewinnen. Aber wenn die Dinge in dieser Region in den nächsten Jahren von schlecht zu schlimmer verlaufen, dann wäre es unfair dem Präsidenten zu viel Schuld dafür zu geben.
Aus irgendeinem Grund ist die gewaltige politische Veränderung der letzten Monate in Israel – eine wahrlich außergewöhnliche rechte Metamorphose – in der amerikanischen Presse unzureichend berichtet worden. Und damit steht Herr Carter weiter unter demselben Druck der US-Sympathisanten Premierminister Menachem Begins provokative Regierung zu unterstützen, wie er das viel mildere Regime von Herrn Begins Vorgänger unterstützen sollte. Das könnte die Amerikaner teuer zu stehen kommen, sollte im Nahen Osten ein Krieg ausbrechen, der die Araber zu einem weiteren Öl-Embargo verpflichten würde, um US-Waffenlieferungen an Israel zu stoppen.

Amerikanische Juden fürchten, Sharon wird Israel in neuen Nahost-Krieg führen

Dennoch war es Israels Rechte, die Frieden mit Ägypten schloss, die half die Abraham-Vereinbarungen voranzutreiben, die arabischen Israelis Rekordsummen an finanzieller Unterstützung gegeben hat.

Ich kann nicht vorhersagen, was diese Regierung tun wird. Die Ängste sind allerdings reichlich übertrieben und viel zu viele Leute glauben diese irrsinnigen und hirnverbrannten Vorhersagen.

Hier ist das, was ich weiß:

* Israel ist eine starke Demokratie mit Kontrolle der Regierung. Sie kann nicht wegen ein oder zwei Ministern faschistisch werden.

* Netanyahu ist ein brillanter Politiker und der Vorsitzende der größten gewählten Partei. Er wird Deals abschließen, um seine größere Agenda in Gang zu bringen, aber wenn es etwas gibt, gegen das er opponiert, dann wird das nicht passieren.

* Netanyahu hat bereits eine lange Führungsgeschichte. Wir kennen seine Ansichten und Positionen. Die Sorge, dass er plötzlich seine politischen Meinungen ändern wird – die trotz der Berichterstattung in den Medien ziemlich moderat sind – ist lächerlich.

* Zeitungen und Gelehrte gewinnen Leser, indem sie Voraussagen abgeben, die extrem sind und sie werden selten dafür bestraft falsch zu liegen – es gibt also in den prominenteren Organen wenig Anreiz für nüchterne Analyse

Meine Meinung zu Netanyahu ist seit der letzten Wahl gefallen, aber er hat seine Positionen und Vision deutlich gemacht. Er wird nicht von irgendeinem Knessetmitglied oder Minister manipuliert werden – er ist derjenige, der sie manipuliert. Die Dinge werden weitgehend so sein, wie sie es in seinen früheren Amtszeiten waren, also weitgehend pragmatisch.

Der Himmel fällt uns nicht auf den Kopf und diejenigen, die überzogene Vorhersagen anstellen, sind so unzuverlässig wie diejenigen, die vorhersagten, Begin und Sharon würden Kriege anfangen.

Drei Minuten Farbfilm-Aufnahmen der Juden von Nasielsk in Polen am Vorabend des Holocaust (Video)

Elder of Ziyon, 2. Juni 2022

Im Januar schrieb die New York Times eine Story zu einer neuen Dokumentation über die Entdeckung und Bewahrung eines bemerkenswerten Amateur-Farbfilms.

Glenn Kurtz fand die Filmrolle 2009 in einer Ecke im Schrank seiner Eltern in Palm Beach Gardens (Florida). Es handelte sich um eine verbeulte Aluminiumdose.

Die Hitze und Feuchtigkeit Floridas hatten das Zelluloid beinahe in eine Masse „wie einen Eishockey-Puck“ verdichtet, sagte Kurtz. Aber jemand hatte 1980 einen Teil davon auf VHS-Videoband übertragen, also konnte Kurtz sehen, was sich darauf befand: Ein Amateurfilm mit dem Titel „Unsere Fahrt nach Holland, Belgien, Polen, in die Schweiz, Frankreich und England 1938“.

Der von seinem Großvater David Kurtz am Vorabend des Zweiten Weltkriegs aufgenommene 16mm-Film zeigt die Alplen, idyllische holländische Dörfer und drei Minuten Filmmaterial einer lebensprühenden Gemeinde in einer polnischen Stadt.

Alte Männer mit Jarmulkes, dürre Jungs mit Kappen, Mädchen mit langen Zöpfen. Lächeln und Scherzen. Leute strömen durch große Türen einer Synagoge. Es gibt etwas Gedrängel in einem Café und das war’s dann. Der Film endet abrupt.

Kurtz verstand trotzdem den Wert des Materials als Beleg jüdischen Lebens in Polen kurz vor dem Holocaust. Es kostete ihn fast ein Jahr das herauszufinden, aber er entdeckte, dass die Bilder Nasielsk zeigten, den Geburtsort seines Großvaters, eine Stadt fast 50km nordwestlich von Warschau, die vor dem Krieg von rund 3.000 Juden Heimat genannt wurde.

Weniger als 100 sollten überleben.

Jetzt hat die niederländische Filmemacherin Bianca Stigter die fragmentarischen, vergänglichen Bilder genutzt, um „Drei Minuten: eine Verlängerung“ zu erstellen, einen 70-minütigen Film, der weiterhilft zu definieren, was und wer verloren ging.

Es ist nicht sonderlich leicht die tatsächlichen Aufnahmen als Ganzes zu finden, aber ich fand eine Version in geringerer Auflösung mit etwas hinzugefügter Hintergrundmusik.

Die Kinder sind begeistert, schneiden Grimassen, springen ins Bild, boxen sich sogar gegenseitig. Männer und Frauen helfen alten Eltern die Treppen der Synagoge hinunter. Es ist alles gänzlich unscheinbar, außer dass fast alle Personen innerhalb von ein paar Jahren tot sein sollten.

Das ist ein seltener Blick darauf, wie dynamisch und lebendig die Juden im Vorkriegs-Europa waren und wie viele verschiedene Welten im Holocaust verloren gingen.

Vor 955 Jahren: Ermordung der Juden im Massaker von Granada

Der jüdische Wesir wurde gekreuzigt und tausende Juden in der Stadt getötet; das wird weithin als antisemitisches Pogrom betrachtet, das als das Ende des Goldenen Zeitalters des spanischen Judentums bewertet wird.

Aaron Reich, Jerusalem Post, 30. Dezember 2021

Alandalusische Architektur in Granada, Spanien (Beispielbild –Foto: PIXABAY)

Am 30. Dezember war das Massaker von Granada 955 Jahre her, ein brutales Ereignis, bei dem ein muslimischer Mob den königlichen Palast in Granada im muslimisch beherrschte Spanien stürmte, den jüdischen Wesir kreuzigte und tausende jüdische Einwohner der Stadt abschlachtete.

Granada war die Hauptstadt eines muslimischen Berber-Königreichs desselben Namens im modernen Spanien, das damals als al-Andalus bekannt war, als es sich unter muslimischer Herrschaft befand. Damals wurde es von der Zirid-Dynastie regiert; die Kontrolle über das Königreich wechselte zwar mehrere Jahrhunderte über die Hände, aber Granada sollte letztlich als die letzte Bastion muslimischer Herrschaft in al-Andalus bekannt werden, bevor es 1492 als Höhepunkt der Reconquista unter spanische Herrschaft fiel.

Die jüdische Präsenz in Granada ist allerdings weit älter. Tatsache ist, dass einige Legenden sogar postulieren, dass Juden seit der Zerstörung des ersten Tempels in der Stadt lebten; die ersten bekannten Nachweise gehen ins Jahr 711 zurück. In der Tat ist die jüdische Präsenz in Granada so alt und bewiesen, dass die Stadt einst als Garnāta-al-Yahūd bekannt war, was heißt „Granada, Stadt der Juden“. Obwohl einige Forscher diese weit verbreiteten Mutmaßungen jüdischer Geschichte in der Stadt anzweifeln, lebt das traditionelle Vermächtnis weiter, so wie ihre Bedeutung in der jüdischen Geschichte.

Wie in vielen Teilen von al-Andalus blühte die lokale jüdische Bevölkerung auf, wobei die muslimische Herrschaft über die Iberische Halbinsel weithin als das „Goldene Zeitalter“ für das sephardische Judentum betrachtet wurde. Während dieser Zeit genossen Juden mehr Freiheiten und Reichtum als mehr als tausend Jahre zuvor und jüdische Kultur, Philosophie und Wissenschaften florierten.

Die Lage war allerdings nicht immer gut. Fakt ist, dass nach dem Fall des Kalifats von Córdoba und al-Andalus in kleinere muslimische Königreiche zerbrach, Juden nicht immer denselben Wohlstand hatten. Aber in Granada war das nicht der Fall; dort blühte jüdisches Leben unter der Herrschaft der Ziriden.

Blick auf die Ziriden-Mauern Granadas von Aussichtsturm des Dar la-Hurra-Palasts (Foto: Wikimedia Commons)

In der Tat kann der Einfluss der jüdischen Gemeinde in Granada nicht untertrieben werden, da sie nicht nur denselben Status als Dhimmi – Nichtmuslimen mit geschütztem Status – inne hatten, der im Fall muslimischer Herrschaft üblich war. Ein Forscher ging sogar so weit, den Ziridenstaat als „jüdisches Königreich außer dem Namen nach“ zu beschreiben.

Das ist besonders im Fall eines bestimmten Juden zu sehen: Samuel ibn Naghrillah, besser bekannt als Samuel HaNagid oder Schmuel HaNagid, ein prominenter Talmud-Forscher, Dichter und Philosoph, der von manchen als einflussreicher Jude in al-Andalus beschrieben wird. Er war seine ganze Karriere hindurch kolossal erfolgreich und wurde sogar der Oberste Wesir und General der Ziriden, mit Letzterem der erste Juden, der muslimische Armeen auf dem Schlachtfeld kommandierte. Tatsächlich widersprachen beide Positionen dem Pakt des Omar, einem uralten muslimischen Vertrag, der den Dhimmistatus einführte und sicherstellte, dass Dhimmis unter muslimischer Herrschaft kein öffentliches Amt bekleiden durften.

Nach seinem Tod ersetzte ihn Josef ibn Naghrela als Wesir. Leider sollte er nicht den Erfolg seines Vater haben.

Manche beschreiben Josef als stolz und unbescheiden, andere sagen, dass ihm Glaube fehlte. Während diese Anschuldigungen unwahr sein könnten, da viele andere Berichte ihn preisen, waren viele Berber mit ihm unzufrieden.

Das selbst ist Folge der vielen möglichen Gründe wie Groll, dass Josef eine solch herausragende Position inne hatte oder dass er angeblich geplant habe ein feindliches Königreich in die Stadt zu lassen, wenn dieses ihn als König einsetzen würde.

Ebenfalls recht bekannt ist die Verbreitung von Gedichten, die Josef und die Juden als Ganzes verleumden. Eines dieser Gedichte, geschrieben von einem Ibrahim ibn Masud Saad al-Tujibi, auch bekannt als Abu Ischaq, war besonders bösartig und beinhaltete die folgenden Verse, wie der Historiker Bernard Lewis erzählt:

Betrachtet sie zu töten nicht als Verletzung des Glaubens,
die Verletzung des Glaubens bestünde darin sie weitermachen zu lassen.
Sie haben unseren Bund mit ihnen verletzt, wie könnt ihr gegen die Übertreter für schuldig gehalten werden?
Wie können sie ein Bündnis haben, bei dem wir unbedeutend und sie herausragend sind?
Jetzt sind wir niedrig neben ihnen, als wenn wir unrecht hätten und sie recht!

Was sich letztlich daraus ergab, war das Massaker.

Am 30. Dezember 1066 stürmte ein wütender Mob den Palast und kreuzigte Josef, bevor er seine Wut gegen die Juden der Stadt richtete und tausende von ihnen abschlachtete.

Die genaue Zahl der Todesopfer ist unklar und heiß umstritten. Zwar haben viele die Zahl in die Tausende schätzen, besonders Zahl 1.500 Haushalte wird angegeben, aber die genaue Anzahl ist unbekannt. Trotzdem ist das Blutvergießen gut dokumentiert und wird weithin als Beispiel für ein antisemitisches Pogrom betrachtet.

Nicht alle Juden wurden getötet, aber viele andere waren gezwungen zu fliehen, ihre Häuser und Land zu verkaufen, um Granada zu verlassen.

Die Juden sollten später in die Stadt zurückkehren. Es sollte jedoch nie wieder den Höhepunkt von einst erreichen. Juden wurden unter den folgenden Herrscherdynastien der Almoraviden, Almohaden und Naseriten anders behandelt, manchmal besser, manchmal schlimmer. Letztlich sollte aber die lange Geschichte des jüdischen Lebens in Granada 1492 zu Ende gehen, als die Juden aus Spanien vertrieben wurden.

Das Massaker wird von vielen als Ende des Goldenen Zeitalters des sephardischen Judentums in al-Andalus betrachtet, ein Auftakt zum tragischen Schicksal, das die Juden auf der Iberischen Halbinsel heimsuchen sollte.

Obwohl sie einst die Stadt der Juden gewesen ist, sind Spuren des alten jüdischen Lebens in Granada heute fast völlig verschwunden.

Jerusalem am Rhein

Bewahrung der Geschichte dreier deutscher Städte, die in der jüdischen Geschichte eine große Rolle spielten: Speyer, Worms und Mainz

Elisabeth Becker, Tablet Magazine, 6. Dezember 2021

Im Juli wurden drei Städte am deutschen Rhein – Speyer, Worms und Mainz, die zusammen als „Wiege des europäischen Judentums“ beworben werden – zusammen zur UNESCO-Welterbestätte erklärt. In dieser Region, die heute zum Bundesland Rheinland-Pfalz gehört, hat es seit dem 9. Jahrhundert Juden gegeben, jüdische Gemeinden wurden im 10. und 11. Jahrhundert gegründet. Auf den grasbewachsenen Feldern von Worms bilden von Moos überzogene Grabsteine, die sucg nach links und rechts neigen, den ältesten überlebenden jüdischen Friedhof Europas. In Speyer führen Steinstufen zum Becken der ältesten überlebenden Mikwe Europas. Und in Mainz gibt es noch Fragmente eines aschkenasischen jüdischen Friedhofs – immer wieder geschändet – der um dieselbe Zeit eingerichtet wurde wie in Worms. Es handelt sich zwar um relativ kleine Städte – Speyer mit rund 50.000 Einwohnern, Worms mit 83.000 und Mainz mit 218.000 – aber in der aschkenasischen Geschichte spielen sie eine bedeutende Rolle.

Speyer und Main liegen 90km auseinander, Worms etwa auf der Hälfte zwischen den beiden. Sie sind kollektiv als die „SchUM“-Städte bekannt, ein Akronym, das aus den Buchstaben der mittelalterlichen hebräischen Namen gebildet ist: Schin (Sch), Waw (U) und Mem (M). Schum bedeutet auf Hebräisch „Knoblauch“. Zeichnungen jüdischer Händler der Region aus dem 16. Jahrhundert zeigen sie mit einem Knoblauch-Spross in einer Hand, der die geografische Herkunft andeutet und einem gelben Kreis auf ihrer Kleidung, um die jüdische Identität zu zeigen. SchUM war keine Region, in der Knoblauch angebaut wurde; diese Verbindung entstand aus der hebräischen Bedeutung des Akronyms zusammen mit antisemitischen Zuordnungen, d.h. dem mit Juden verbundenen „Gestank“ von Knoblauch.

Diese Heiligen Gemeinden – sie identifizierten sich dann als „Jerusalem am Rhein“, als im 11. Jahrhundert die Wormser Synagoge mit Nachbauten der zwei Säulen des salomonischen Tempels in Jerusalem gebaut wurde – sind lange als die Bastion des aschkenasischen Judentums anerkannt gewesen; das begann vor einem Jahrtausend und setzte sich mit dem Einfluss auf die jüdische Kultur, Architektur, Religionsausübung und religiösen Denkens bis heute fort. Die Anerkennung als Welterbe beinhaltet aber auch eine beschwerliche Mühe Jahrhunderte an Beiträgen, die zum Blühen jüdischen Lebens am Rhein und dessen Einfluss weit über die Grenzen Deutschlands hinaus führte.

Die Saat dieser Idee wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts durch Michael Kissel, den damaligen Bürgermeister von Worms, zusammen mit der damaligen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde von Mainz gelegt. Mit Unterstützung der örtlichen jüdischen Gemeinden, dem Bundesland Rheinland-Pfalz und Vertretern der Stadt reichte die Gesellschaft einen Antrag zur Aufnahme auf Deutschlands Liste potenzieller UNESCO-Stätten von 2012 ein. 2014 erfolgte die Aufnahme auf die „vorläufige“ UNESCO-Liste anerkannter Welterbestätten, worauf die drei Städte formell die SchUM-Städte Speyer, Worms; Mainz gründeten – ein Verband (der die Abkürzung SchUM nutzte) mit dem Auftrag die Beiträge der Städte zum jüdischen Erbe und Kultur zurückzuverfolgen; 2020 reichte er bei der UNESCO einen kompletten Antrag ein.

Während kollektive Bemühungen zu Forschung und Kommunikation. an denen Land, Stadt und Vertreter der jüdischen Gemeinschaft beteiligt waren, nachhaltige Innovationen und Einflüsse der drei Städte dokumentierten, steht die Historikerin Susanne Urban – heute Direktorin des Verbandes der SchUM-Städte – an vorderster Front des Vorstoßes zur Anerkennung.

„Sie haben hier 1.000 Jahre Geschichte, alles, jede Ebene deutsch-jüdischer Geschichte, von den dunkelsten bis zu den leuchtendsten Zeiten“, sagte Urban mir, als wir uns vor kurzem in ihrem Büro trafen, das einen Blick über die mit schwarzem Dach und roten Steinen wiederaufgebaute Wormser Synagoge hat. „Das zeigt die Widerstandfähigkeit der Juden, dass die Juden in den SchUM-Städten Subjekte der Geschichte sind, nicht ihre Objekte.“ Sie beschrieb die Anerkennung der SchUM-Städte als Welterbestätte als „einen Kreis, der sich schließt“.

David Maier, Kulturkoordinator von Worms, beschreibt dieses Gefühl von Abschluss, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die Kennzeichnung eine Gelegenheit ist jüdisches Leben am Rhein heute zu repräsentieren und zu unterstützen. Obwohl die jüdische Bevölkerung geringer ist als vor dem Holocaust, als ungefähr 4.200 Juden in dem Bereich lebten, gibt es auch heute immer noch Juden in den SchUM-Städten – etwa 1.550. „Wir haben hier nicht nur Denkmäler, wir haben eine pulsierende jüdische Gemeinschaft. Wir arbeiten also nicht nur mit Steinen, wir arbeiten mit Menschen“, sagte Maier. „Diese Status zu bekommen bedeutet nicht, dass etwas vorbei ist. Es ist eher ein Anfang – vielleicht kein Anfang, weil wir hier früher schon aktiv waren. Heute ist es eine neue Verpflichtung, ein neues Engagement.“

Der Kulturhistoriker und Professor Frank Stern sagte, es sei zwar unmöglich die deutsch-jüdische Vergangenheit wiederzubeleben, aber die Welterbe-Anerkennung garantiere den Schutz dieser wichtigen jüdischen Plätze. „Man weiß, dass die Friedhöfe, Häuser des Lebens jetzt sicher sind“, sagte er. „Es gibt hunderte ehemaliger jüdischer Orte in ganz Deutschland und Österreich, die heute Parkplätze, Supermärkte, Einkaufszentren sind. Lebensorte – all diese Stellen sind verloren – der Erinnerung verloren gegangen.“

Das jüdische Gericht und die Synagoge von Speyer (Foto: Jürgen Ernst, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz)

Mit dem Ziel diese Erinnerung der allgemeinen Öffentlichkeit sowohl sichtbar als auch lesbar zu machen, kuratierte Urban eine laufende Ausstellung in Worms: SchUM am Rhein vom Mittelalter bis zur Moderne. Diese Ausstellung findet im Raschi-Haus statt, selbst ein Ort der „dunkelsten und leuchtendsten Zeiten“ in der deutsch-jüdischen Geschichte: Es wurde im 15. Jahrhundert als Tanzsaal genutzt, im 18. Jahrhundert als Synagoge und als Ort, an dem Juden festgehalten werden, die während der Naziherrschaft vor der Deportation in Vernichtungslager aus ihren Häusern geholt worden waren. Heute wird die „Stimme“ des Hauses in einem verdunkelten Ausstellungsraum über Lautsprecher abgespielt; sie spricht von diesen tief bewegenden und transformativen Momenten, die zusammen die deutsche jüdische Geschichte geformt haben. Die Ausstellung enthält rituelle Objekte, architektonische Relikte, künstlerische Darstellungen, individuelle und familiäre Geschichte in schriftlicher Form sowie Fotografien aus allen Zeiten der SchUM.

Der Historiker Matthias Preissler warnt in seinem Buch Die SchUM-Städte Speyer-Worms-Mainz, dass die verbundene Geschichte der drei Städte nicht nur Geschichte jüdischen Afublühens, sondern auch, wie bei allen europäischen Juden, von den vielen Perioden der Verfolgung gekennzeichnet sind. Zu den vielleicht bemerkenswertesten davon gehören die Rheinland-Massaker von 1096, die Verfolgung wegen des Schwarzen Todes, die 1347 begann – und in Massakern an jüdischen Gemeinschaften gipfelte, denen die Verantwortung für die Seuche gegeben wurde – und der Holocaust. Insbesondere Mainz ist ein Ort unbarmherziger Judenverfolgung gewesen, eine Tatsache, die sich in ihren wenigen verbliebenen vormodernen jüdischen Bauten offenbart.

Während die Ausstellung in Worms den Pflichtbeitrag gegenüber der zyklischen Verfolgung des deutschen Judentums leistet, hebt sie die Innovation hervor – in architektonischer und religiöser Praxis, Gelehrsamkeit und Kultur – die in den frühen jüdischen Gemeinden der Städte auftrat und sich bald über den Globus verbreitete. So zeigt sie zum Beispiel mit Fotografien, wie die Wormser Synagoge als Modell für später in Regensburg, Krakau, Wien und Prag gebaute Synagogen diente. Sie enthüllt auch die Rolle der SchUM-Städte als intellektuelles Zentrum frühen aschkenasischen Denkens. Zu den berühmten Rabbinern, die aus dieser Region stammen, gehört Gerschom ben Judah – auf Hebräisch als „Licht der Diaspora“ bekannt und für seine Talmud-Kommentare anerkannt – der im 10. und 11. Jahrhundert in Mainz wohnte. Zu anderen angesehenen Rabbinern gehörten Jehuda Chassid aus Speyer, Rokeach aus Soeyer/Mainz, MaHaRam aus Worms und MaHaRiL aus Worms; ihre Kommentare und Kodifizierung der Einhaltung religiösen Gebote wurden weiterhin studiert und leben in den aschkenasischen Gemeinden weltweit. Ein bemerkenswertes Beispiel ist das Gebet Unetaneh Tokef, das weithin an Rosch HaSchanah und Yom Kippur gesprochen wird; es wurde erstmals von Rabbi Mannon aus Mainz im 11. Jahrhundert gesprochen, nur Augenblicke vor seinem Tod. Urban vermerkte diese Beständigkeit des jüdischen Erbes der Städte: „Es sind nicht nur Denkmäler, Grabsteine, sondern es gibt auch etwas Konkretes und sehr Lebendiges dahinter. Die Liturgie und Gebete aus SchUM werden in aschkenasischen Synagogen rund um die Welt immer noch gesprochen.“

Diese Tradition jüdischen Lebens wurde über schriftliche Abhandlungen weitergegeben, das jüdische Wort, das im Zentrum dieser Ausstellung steht: in der Form eines Golem, der vom jüdisch-amerikanischen Künstler Joshua Abarbanel aus hebräischen Buchstaben gemeißelt wurde, wobei der Hals des Golem von einer Metallkette umschlossen ist, die ihn am Boden festhält. Ein Aleph (der hebräische Buchstabe, der die Einzigkeit Gottes signalisiert) ist aus seinem Herzen gemeißelt und dazu verwendet, die Kette niederzuhalten, die ihn am Boden befestigt. Abarbanel beschreibt das Gefühl, dass dieser Golem, jetzt in Worms, „mich mit einer ganzen Geschichte und Tradition jüdischen Lebens in Deutschland verbindet“ und auch „die Macht der Schöpfung in der jüdischen Tradition verkörpert“. Das ist nicht nur ein Golem – die handgefertigte, unberechenbare, mystische jüdische Kreatur, die im Kern so vieler rabbinischer Erzählungen liegt – sondern einer ganzen jüdischen Geschichte, die in dieser Stadt immer noch zu sehen ist, wie auch in Speyer und Mainz. Die jüdische Welt und die Gefäße – menschlich wie aus Stein – haben sie bewahrt und damit ist die  die heutige jüdische Welt von diesen drei Städten geformt worden.

Das „neue Feld“ auf dem alten jüdischen Friedhof, Mainz (Foto: Jürgen Ernst, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz)

Jüdisch-aschkenasische Innovation verbreitete sich über Migration und Exil aus diesen Städten um die Welt. Eine Reise ins Zentrum der gerade veröffentlichten Dokumentation Was sind 1.000 Jahre? Von Kalonymos nach Klamanowitsch besuchte der in Israel geborene und in Berlin lebende Rapper Ben Salomodie SchUm-Städte, um die Verbindung mit seinen Vorfahren namens „Kalonymos“ herzustellen – die Linie rabbinischer Gelehrter und Poeten, die die erste jüdische Gemeinde in Mainz gründete. Wie die Familie Kalonymos geht das Leben dieser Städte über die geografischen Grenzen Deutschlands und Europas hinaus, getragen von denen, die nach Osten und Westen fortzogen, vor Verfolgung flohen.

Die Überbleibsel dieser tiefen und anhaltenden Vergangenheit, ihrer Zyklen aus Zerstörung durch Verfolgung und Wiederaufbau, ist in den SchUM-Stadtbildern deutlich sichtbar, ein Konglomerat des Überlebens und Wiederaufbaus von Bauten aus anderen Zeiten. Worms ist Heimat des ältesten jüdischen Friedhofs vor Ort in Europa mit Grabsteinen, die bis ins 11. Jahrhundert  zurückgehen, den hohen Mauern einer Mikwe aus dem 12. Jahrhundert und einer Synagoge, die unzählige Male zerstört und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde. In Speyer gibt es eine weitere Mikwe aus dem 12. Jahrhundert (die früheste und langlebigste ihrer Art), hohe Mauern einer Synagoge aus dem 12. Jahrhundert und die einer Schul für Frauen aus dem 13. Jahrhundert. Die meisten jüdischen Stätten in Mainz wurden während wiederholter Phasen der Judenverfolgung seit dem frühen Mittelalter zerstört, wenn auch einige der frühesten jüdischen Grabsteine in Europa dort bis heute noch stehen. Seit dem Mittelalter gab es in der Judengasse historisch solche Schlüsselstellen jüdischen Lebens. In Speyer und Worms sind zwar einige Originalgebäude der Judengasse übrig, aber sie wurden in Mainz während der anhaltenden Judenverfolgung und dem Zweiten Weltkrieg komplett zerstört.

„Wir sehen hier, dass jüdische Geschichte – 1.000 Jahre davon – nicht abstrakt ist“, sagte Urban. „Man hat diese Unverwüstlichkeit nach jeder einzelnen Zerstörung, den Kreuzzügen, Pogromen, Stadtbränden, der Schoah (die etwas anderes ist); jedes Mal bauten sie das wieder auf und sie bestätigten: ‚Wir gehören zum SchUM.‘ Juden sind keine Fremden. Sie fühlten sich Zuhause und sie sind hier verwurzelt.“

Stern wiederholt diese Entschlossenheit der drei Städte, sich selbst trotz der Verfolgung zu verwurzeln. „Wenn ich in die Mikwe [in SchUM] hinabsteige, dann weine ich, weil dies großartig, schön ist. Es war wohltuend, weil die Leute arbeiteten und arbeiteten und arbeiteten und etwas gegen all die Diskriminierung taten. Sie schufen etwas, das hunderte Jahre blieb. Das wird für die Zukunft bestehen bleiben.“

Während Gedenkfeiern wie die Verlegung von „Stolpersteinen“ den Verlust jüdischen Lebens in den SchUM-Städten kennzeichnen, wird ihnen auch neues jüdisches Leben eingehaucht: vom Bau moderner jüdischer Räume über jüdische Poesie bis zu jüdischen Musikgruppen. Hinter diesem neuen Leben steht eine Migration aus dem Osten, da es weitgehend russische Juden sind, die Ende des 20. Jahrhunderts zuwanderten. Weder kopiert dieses neue jüdische Leben die Vergangenheit nicht noch kann es das; zu viel der deutschen jüdischen Kultur – zu viel deutsches jüdisches Leben – ist unwiderruflich vernichtet worden. Dennoch ist es nicht komplett ohne die Verbindung zur Vergangenheit der Region. Urban erzählt die Geschichte eines Mitglieds der jüdischen Gemeinde Worms, dessen Vorfahren nach den Pogromen beim Schwarzen Tod im 14. Jahrhundert aus der Region flohen und die in der postsowjetischen Ära nach Deutschland übersiedelten: Ein weiteres Beispiel eines im SchUM-Dreieck sich schließenden Kreises.

Heute befindet sich die größte der drei jüdischen Gemeinden in Mainz (mit etwa 1.000 Mitgliedern), wo 2010 eine neue Synagoge gebaut wurde. Dies Synagoge steht dort, wo die Synagoge von 1912 von den Nazis während der Pogrome vom November 1938 abgebrannte gestanden hatte – sie ersetzt sie nicht, sondern bringt neues jüdisches Leben in eine Region, die 1.000 Jahre lang jüdische Kultur, Brauchtum und Denken geformt hat. Eine Beschreibung der Form der neuen Synagoge auf der Internetseite der Stadt lautet: „[Architekt] Manuel Herz schließt den Bogen vom Mittelalter zur Gegenwart.“ Dennoch schließt sich in dieser Synagoge, gebaut aus grün gefliestem Metall, mit eingravierten hebräischen Worten für den Segen „Kaduschahk“ der Bogenüberhaupt nicht. Der Bogen öffnet sich für jüdisches Leben am deutschen Rhein – abebbend und fließend, aber irgendwie niemals ohne wieder anzusteigen.

Alles abbrennen, um die Juden loszuwerden

First One Through, 9. August 2021

Mir wurde immer gesagt, dass die Familie meiner Großmutter väterlicherseits aus Sighet kam, einer mittelgroßen Stadt in Rumänien an der Grenze zur Ukraine. Das wurde als kleine Quelle familiären Stolzes betrachtet, da es auch die Heimatstadt von Eli Wiesel war, dem Nobelpreisgewinner, der über den Holocaust schrieb.

Vor ein paar Jahren, als ich, weil meine Großmutter vor meiner Geburt starb, mit dem Bruder meiner Großmutter über den Ort sprach, an dem die Familie aufwuchs, erfuhr ich, dass die Geschichte etwas Zeit benötigt, sowohl um stattzufinden als auch erklärt zu werden.

Mein Großonkel informierte mich, dass seine Familie in deinem kleinen Schtetl aufwuchs, einem kleinen jüdischen Dorf ein paar Kilometer von Sighet. Eines Abends, als er etwa acht Jahre alt war, brach in einer Ecke des Schtetl ein Brand aus. Alle Menschen des Orts, auch er, stellten sich rasch auf, um Wassereimer weiterzureichen, damit die Flammen gelöscht werden konnten. Er erinnerte sich, dass er beim Weiterreichen der Eimer jemanden rufen hörte, dass auf der anderen Seite des Dorfes ein weiteres Feuer ausgebrochen sei. Die Dorfbewohner begannen zu rufen, wie man die Reihe in zwei aufteilen konnte, um mit dem zweiten Brand klarzukommen, als sie aufsahen und einen dritten Brand in einer weiteren Stelle des Ortes sahen. Und dann einen vierten.

Die lokalen Antisemiten waren gekommen, um ihren Ort abzubrennen.

Er erinnerte sich, dass die Familie am folgenden Morgen alle Habseligkeiten griff, die sie nehmen konnte und nach Sighet ging, während der Rauch aus seinem Dorf die Luft erfüllte. Er sagte mir den Name des ehemaligen Dorfes und wie ich den fremd klingenden Namen vergaß, verinnerlichte ich, dass die Geschichte es auch vergessen hatte.

Also ja, die Familie lebte in Sighet, aber das war nicht wirklich seine Geburtsstadt. Unsere Familie war bereits von den örtlichen Antisemiten ein paar Jahrzehnte, bevor die Nazis hinter den Juden von Sighet her waren, in die Flucht geschlagen worden.

Extreme Rechte verfolgten hunderte Jahre lang unerbittlich die Juden Europas und Russlands, manchmal als Teil der herrschenden Klasse und andere Male durch eine Bande Einheimischer. Unter allen jeweiligen Umständen wussten sie, wie die sie die kleine Ansammlung Juden in die Flucht schlagen konnte.

Die Vier Ecken des Antisemitismus heute

In vielen Teilen der Welt wird die Herrscherklasse von Extremisten übernommen. Die Linke zeigte Wirkung in Amerikas Demokratischer Partei, indem die Demokratischen Sozialisten Amerikas (DSA) Sitze im Kongress erhielten, u.a. Bernie Sanders, Rashida Tlaib, Ilhan Omar, Alexandria Ocasio-Cortez, Cori Bush und Jamaal Bowman. Die DSA folgten dem Manuskript der Labour Party in Großbritannien, wo Jeremy Corbyn Antizionismus, Antisemitismus und extremistische Ideen puschte, um die Partei zu übernehmen.

Die DSA luden den in Ungnade gefallenen ehemaligen Vorsitzenden der britischen Labour Party, Jeremy Corbyn, ein, um auf ihrer jährlichen Tagung zu sprechen.

Die extreme Rechte existiert immer noch weltweit und in Amerika, wurde aber von der zivilisierten Gesellschaft gemieden und kaltgestellt. Nicht so die extreme Linke, die sich mit islamischen Extremisten verbunden hat, um Macht zu gewinnen, in der Sache von Brandstiftungen an jüdischen Häusern auch mit der extremen Rechten.

Amerikanische Juden sind auf allen Seiten umgeben von antisemitischen Extremisten und es gibt weder genug Freiwillige, die Eimer weiterreichen, um die Flammen des Hasses zu löschen, noch um die sinistren Brandstifter zu vertreiben.

Wie man Antisemitismus bekämpft – und wie nicht

Elder of Ziyon, 14. Juli 2021

Diese Woche gab es zwei Geschichten, die für die amerikanisch-jüdische Gemeinschaft nichts Gutes verheißen.

Die erste war die kaum besuchte Kundgebung „No Fear“ (Keine Angst) gegen Antisemitismus in Washington. Die zweite war die Veröffentlichung einer Meinungsumfrage, die zeigt, dass viele amerikanische Juden glauben, Israel sei der Apartheid und sogar des Völkermords schuldig.

Beide Ereignisse deuten auf katastrophales Versagen der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft hin.

Lauri Regan, eine erfahrene Organisatorin, schreibt eine vernichtende Kritik zur Kundgebung „No Fear“. Während viele ihrer Probleme technischer Natur seien, war der Hauptgrund dafür, dass sie derart klein ausfiel, ironischerweise der, dass man so viele Juden wir möglich als Beteiligte dabei haben wollte.

Um erfolgreich zu sein braucht man eine fokussierte Botschaft und ein Thema, hinter dem die Leute stehen können. Man muss einen Kern engagierter Teilnehmer haben. Aber die Organisatoren waren stärker daran interessiert liberale jüdische Organisationen zu gewinnen, die dem jüdischen Staat entweder teilnahmslos oder feindselig gegenüber stehen und die gefordert hatten, dass die Kundgebung nicht offen zionistisch ist – Organisationen, die die Existenz von Antisemitismus bei ihren politischen Verbündeten der Linken bestreiten.

Wenn die teilnehmenden Organisationen sich nicht einmal zur Definition von Antisemitismus einigen können, ist die Veranstaltung schon ein Fehlschlag bevor sie beginnt.

Was heißt überhaupt „Keine Angst“? Das ist eine leere Parole. Juden werden auf der Straße und online brutal angegriffen und eine Kumbaya-Parole stumpfen diese Angriffe nicht im Geringsten ab.

Wenn man eine Botschaft verwässert, um niemanden vor den Kopf zu stoßen, dann hat man am Ende eine Botschaft, die niemanden anlockt.

Der wahre Grund, dass die Kundgebung ein Fehlschlag war, findet sich in der Umfrage des Jewish Electorate Institute. Zusammen mit anderen Umfragen bei amerikanischen Juden zeigt sie eine Gemeinschaft, die abnehmende emotionale Verbindungen zu Israel hat – und wenige Bindungen zum Judentum. Junge Juden zeigen die Richtung an, in die die Gemeinschaft sich bewegt – weniger Verbundenheit zu Israel und weniger Verbundenheit zum Judentum.

Diese Grafik von Pew sollte jedem Angst machen, dem die Zukunft des amerikanischen Judentums am Herzen liegt.

Fast die Hälfte der US-Juden haben kein Interesse daran sich an irgendwelchen jüdischen Aktivitäten zu beteiligen oder überhaupt eine Verbindung zum Judentum zu zeigen.

Ihre Apathie gegenüber dem Judentum und Israel stehen miteinander in Verbindung.

Engagiertere Juden tendieren dazu sich stärker für Israel zu engagieren. Antisemiten hassen Israel. Amerikanische Juden, die sich im Konflikt mit ihrem Judentum befinden, haben gleiche Probleme mit Israel. Die Verbindungen zwischen Judentum und Israel heute zu bestreiten heißt die Realität zu bestreiten.

Die Lösung für beides ist dieselbe: Kenntnis und Stolz.

Die meisten amerikanischen Juden wissen nichts über das Judentum und sie wissen nichts über Israel. Gleichermaßen haben die meisten amerikanischen Juden wenig Sinn für Stolz, weder bezüglich des Judentums noch zu Israel.

Das ist die Wurzel des Versagens der amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft. Es handelt sich um ein Versagen der Führer, es ist ein Versagen der Synagogen, aber noch mehr ist es ein Versagen der Eltern, die die Hauptverantwortung dafür haben ihren Kindern Stolz einzuflößen.

Es dauerte Generationen uns dahin zu bringen, wo wir heute sind. Es ist das Produkt von Jahrzehnten, in denen sich mehr darum gekümmert wurde in Amerika Erfolg zu haben statt ihren Kindern jüdischen Stolz anzuerziehen.

Wenn die Juden nicht die Kurve kriegen, wie kann man dann erwarten, dass Nichtjuden uns unterstützen?

Leider sind viele dieser Juden bereits verloren. Und nur allzu viele von ihnen führen ihr Judentum nur dann ins Feld, wenn sie mit Hilfe von Antizionismus behaupten Helden zu sein.

Für das amerikanische Judentum ist es aber noch nicht zu spät

Es gibt einige großartige neue Gruppen, die darauf zielen über das Judentum, Israel oder beides zu bilden und Stolz einzuflößen. Es ist nicht nötig orthodox zu sein, um ein engagierter, kompetenter Jude zu sein und es ist nicht notwendig Siedlungen zu unterstützen, um ein stolzer, engagierter Zionist zu sein (sehen Sie sich Hen Mazzig oder Einat Wilf an).

So wie es Zeit brauchte, um dahin zu kommen, wo wir heute stehen, wird es eine lange Zeit dauern jüdische Belesenheit und jüdischen Stolz wieder aufzubauen. Das braucht echte Hingabe. Und das fängt in der eigenen Familie an.

Wenn wir Juden unsere eigene Geschichte kennen, sind wir dafür gerüstet uns gegen die Lügen zu verteidigen. Wenn Juden aber stolz sind, gewinnen wir Fans.

Menschen sind für die attraktiv, die wissen, wer sie sind und wer sich deshalb nicht rechtfertigt. Sicher, Juden müssen genug wissen, um die Lügen zu kontern, aber das ist nur ein kleiner Teil des Jobs. Wir sollten stolz auf unser Judentum und auf Israel sein. Wir sollten nicht defensiv seine – sonder begeistert. Wir sollen Juden in Amerika und Israel als unsere Familie behandeln, die wir lieben und unterstützen, selbst wenn sie uns manchmal wahnsinnig machen.

So wird Antisemitismus bekämpft. Und es ist entscheidend die nächste Generation so aufzuziehen, dass sie weiß, wer wir sind: dass wir Juden sind, dass wir stolz sind, wir sind ein Volk und dass wir nicht weggehen.

Nie wieder? Wirklich?

Naomi Ragen, 24. Mai 2021

Es passiert nicht jeden Tag, dass eine Frau aufwacht, um festzustellen, dass ihre Kinder und Enkel die Nacht in einem Luftschutzbunker verbracht haben, bombardiert von Raketen, die von einer bösartigen, antisemitischen Terrororganisation geschossen werden, die sich verpflichtet jeden einzelnen Juden auf der Erde zu ermorden; Raketen, die wahllos auf dicht besiedelte Wohngebiete im Herzen des Landes geschossen werden. Ich denke an meine Schwiegereltern, beides Überlebende, eine von Auschwitz, der andere von Sklavenarbeit in Ungarn, dessen Ehefrau und zwei Kinder von den Nazis vergast wurden. Und hier sind wir im Jahr 2021 und ihre kostbaren Nachkommen sind auch wieder Gegenstand intensiver Versuche der Auslöschung, während die sogenannte zivilisierte Welt unisono in Unterstützung der Hamas kreischt – den spirituellen Erben der Nazis.

Bedenkt man die extreme Empfindsamkeit und fast fanatische Beachtung von Menschenrechten, die diese Generation begeistert aufgenommen hat, die vom Gebrauch falscher Pronomen, die Forderung nach „sicheren Orten“, an dem ihre empfindlichen Ohren nicht durch sich von ihren eigenen unterscheidenden Meinungen angegriffen sein könnten, so finde ich das erstaunlich. Doch die Tatsache, dass die Kinder und Enkel der Überlebenden sowie die dahinschwindenden, aber kostbaren und eindeutig lebenden Entkommenen von Hitlers Endlösung auf obszöne Weise der Angst und den Schrecken existenzieller Angriffe auf ihr Existenz unterzogen werden, scheint niemanden zu kümmern, ganz zu schweigen davon sie zu der Art von fieberhaften Aktivitäten zu bewegen, die – sagen wir – ein Transgender-Geschichtenerzähler auslösen würde, dem Zugang zu kleinen Kindern in einer Bibliothek verweigert wird. Fakt ist: Wenn sie beschließen überhaupt involviert zu sein, dann um sich in Solidarität mit Hamasterroristen und ihren Anhängern unterzuhaken, aufgebracht, erklären sie, durch Israels „barbarischen“ Umgang mit den Palästinensern im „besetzten“ Gazastreifen. Oder weil Israelis auf den Tempelberg gingen, Israels heiligsten Ort, für den Bau der Al-Aqsa-Moschee überpflastert. Lassen Sie uns diese Argumentation untersuchen und einige Fakten anbringen.

Gaza, eine uralte Stadt, erobert und zurückerobert, wurde von Juden bereits 96 v.Chr. unter Herodes regiert. Erst sieben Jahrhunderte später, 637 n.Chr., tauchten Muslime auf. In modernen Zeiten gab es sogar eine jüdische Gemeinde in Gaza, bis ihre Mitglieder 1929 vor muslimischen Krawallen flohen. Ägypten herrschte über die Gegend, bis sie den Sechstage-Krieg anfingen. Jüdische Siedlungen im Gusch Katif hatten, ermutigt von der israelischen Regierung, Israels Grenzen zu sichern, Erfolg darin Raketen-Schießer von der Grenze weiter entfernt zu halten. Mit Israels einseitigem Abzug 2005 nach den Oslo-Vereinbarungen, wurde dieser Puffer komplett zerstört, Juden aus ihren Häusern geworfen, ihre Synagogen und jedes einzelne Grab entfernt und ihre lukrativen Gewächshäuser zurückgelassen, alles im Namen des Friedens.

Was folgte, war das komplette Gegenteil. Zuerst gab es die internen Kämpfe zwischen PLO und Hamas, beides Organisationen, die sich dem Terror gegen Israel verschrieben haben, bis die Hamas erfolgreich die Herzen der Gazaner gewann, die sie in die Regierung wählten.

Die Gewächshäuser, den Gazanern von einem großzügigen Amerikaner gespendet, wurden zerstört. Milliarden an Hilfen aus aller Welt wurden zum Bau von Tunneln und der Aufrüstung mit Raketen verwendet. Die Gazaner wurden von gewalttätigen Hamas-Banden in Schweigen und Armut terrorisiert; die einzige Agenda der Hamas besteht darin, sie als Schutz für Offensiven gegen die Zionisten zu benutzen. Bald folgte Chaos, was Israel bewies, dass seine Hoffnungen dumm und naiv gewesen waren.

2007 wurden Langstreckenraketen auf Aschkelon geschossen. 2008 landete eine Grad-Rakete zweihundert Meter vor der Neugeborenen-Station des Barzilai-Krankenhauses. 2009 wurden 571 Raketen geschossen. 2010 waren es 250 Raketen. 2011 680. Ein auf einen Schulbus geschossener Mörser tötete den 16-jährigen Daniel. Im selben Jahr stationierte Israel das Raketenabwehrsystem Eiserne Kuppel und das gerade rechtzeitig, denn 2012 wurden 360 mit weißem Phosphor vergiftete Raketen geschossen. Diese ganze Zeit über war die israelische Marine damit beschäftigt russische und iranische Langstrecken-Raketen abzufangen, die dem Gazastreifen geschenkt wurden. 2014 errichtete die Hamas in Gaza Stadt ein liebevolles Monument für die Rakete M-75 und prahlte: „Mit ihrer Hilfe schafften sie es den Kampf ins Herz des zionistischen Gebildes Israel zu tragen.“ 2014 wurden 3.000 Raketen auf dicht bevölkerte Wohngebiete in Israel geschossen, Raketen, die nicht gezielt werden können. Selbst Human Rights Watch, dieses israelfeindliche Sprachrohr, fühlte sich verpflichtet Protest einzureichen.

Die Hamas sorgt sich nicht um Zivilisten. Tatsächlich stellt sie ihre Raketenabschussrampen zwischen Wohngebäude, in Moscheen, Schulen und Krankenhäuser, Terroristen feuern und rennen dann in der Hoffnung weg, dass die IDF, die humanste Armee der Welt, nicht zurückschlagen wird, weil sie zivile Opfer befürchtet oder – noch besser – dass sie es tut und damit ausgezeichnete Propagandafotos für die von Hass getriebene Agenda der Hamas schafft.

Dieses Szenario ist ohne Unterbrechung weiter gelaufen, hat sich in Brandballons ausgeweitet, die friedlichen israelischen Bauern entlang der Gaza-Grenze Millionen Schekel an Schäden zufügten. Israel hat sich alles in allem entschlossen (meiner Meinung nach eine Katastrophe) das Raketenfeuer der Hamas zu ignorieren, außer im Fall, dass tatsächlich menschliches Leben verloren geht.

Das ist der giftige Terrorsumpf, in den ihr eure empfindlichen Jahrtausender-Zehen getaucht habt, Pronomen-Umarmer. Um Israel für diesen Konflikt verantwortlich zu machen, muss man wahrlich wie die Hamas sein, ein Verehrer und Altardiener von den Nazis inspirierten Hasses gegen das jüdische Volk.

Wie der Gründer der Palästinenser, der Großmufti von Jerusalem Haddsch Amin al-Husseini, müsst ihr wahre Bewunderer von Mein Kampf und Hitler sein, was Husseini war. Während des Zweiten Weltkriegs sagte er: „Deutschland ist das einzige Land der Welt, das die Juden nicht nur Zuhause bekämpft hat, sondern auch dem gesamten Weltjudentum den Krieg erklärt hat; in diesem Krieg gegen das Weltjudentum fühlen sich die Araber Deutschland tief verbunden.“ Husseini besuchte mit  Himmler Auschwitz und bettelte die Deutschen an sich zu beeilen, damit die halbe Million Juden in Israel auf ähnliche Weise abgefertigt werden können. 1944 begann Husseini einen Fallschirmspringer-Angriff, um die Wasserversorgung von Tel Aviv zu vergiften. Als Kriegsverbrecher wurde ihm von der Muslimbruderschaft in Ägypten Unterschlupf gewährt. Er ist der Gründungsvater der palästinensischen Bestrebungen. Zu seinen Anhängern gehört Yassir Arafat – der Mein Kampf ins Arabische übersetzen und en gros an seine Anhänger verteilen ließ; und Mahmud Abbas, der „Moderate“, der eine Doktorarbeit schrieb, in der er den Holocaust zu einem „zionistischen Hirngespinst“ erklärte.

Und doch ist die Hamas noch schlimmer als die PLO. Ihre Gründungscharta verkündet eindeutig ihre Ergebenheit alle Juden zu töten. Ihr Verbündeter, die von Hassan Nasrallah geführte Hisbollah, erklärte 2002, dass es gut sei, wenn die Juden sich in Israel sammeln, denn „das wird uns ersparen sie in der ganzen Welt zu jagen zu müssen.“

Alle da draußen, die über Anne Franks Tagebuch geweint haben, die mit entsetzter Empörung „Der Pianist“ gesehen haben und die Holocaust-Museen und -Mahnmale besucht haben und sich fragten, wie so etwas in der modernen Welt passieren konnte, müssen sich nicht länger wundern. Wenn Sie „Nie wieder“ wirklich ernst nehmen, dann ist jetzt die Zeit etwas deswegen zu unternehmen. Macht euren Mund auf, geht online, macht Gegendemonstrationen, sagt euren Politikern, sie sollen keine Hilfe für Israel zurückhalten, das versucht sich zu verteidigen. Bewaffnet euch und eure Gemeinschaften gegen die neuen Braunhemden, die Juden verprügeln und in euren Städten Synagogen niederbrennen. Betrügt euch nicht selbst, dass ihr damit, euch dem Mob anzuschließen irgendwie von dem ausgenommen werdet, was sie für jeden einzelnen Juden der Welt planen, nicht nur für Israelis. Ihr alle habt jetzt einen Platz in der ersten Reihe für die Neuauflage des Holocaust. Wenn ihr euch entschließt euch zurückzulehnen und zuzusehen, werden wir in Israel, isoliert durch eure Gleichgültigkeit, eure Politik und eure Feigheit, eben ohne euch weiter machen. „Nie wieder“ ist heute. Sagt das nicht, wenn ihr es nicht meint.