Vor 955 Jahren: Ermordung der Juden im Massaker von Granada

Der jüdische Wesir wurde gekreuzigt und tausende Juden in der Stadt getötet; das wird weithin als antisemitisches Pogrom betrachtet, das als das Ende des Goldenen Zeitalters des spanischen Judentums bewertet wird.

Aaron Reich, Jerusalem Post, 30. Dezember 2021

Alandalusische Architektur in Granada, Spanien (Beispielbild –Foto: PIXABAY)

Am 30. Dezember war das Massaker von Granada 955 Jahre her, ein brutales Ereignis, bei dem ein muslimischer Mob den königlichen Palast in Granada im muslimisch beherrschte Spanien stürmte, den jüdischen Wesir kreuzigte und tausende jüdische Einwohner der Stadt abschlachtete.

Granada war die Hauptstadt eines muslimischen Berber-Königreichs desselben Namens im modernen Spanien, das damals als al-Andalus bekannt war, als es sich unter muslimischer Herrschaft befand. Damals wurde es von der Zirid-Dynastie regiert; die Kontrolle über das Königreich wechselte zwar mehrere Jahrhunderte über die Hände, aber Granada sollte letztlich als die letzte Bastion muslimischer Herrschaft in al-Andalus bekannt werden, bevor es 1492 als Höhepunkt der Reconquista unter spanische Herrschaft fiel.

Die jüdische Präsenz in Granada ist allerdings weit älter. Tatsache ist, dass einige Legenden sogar postulieren, dass Juden seit der Zerstörung des ersten Tempels in der Stadt lebten; die ersten bekannten Nachweise gehen ins Jahr 711 zurück. In der Tat ist die jüdische Präsenz in Granada so alt und bewiesen, dass die Stadt einst als Garnāta-al-Yahūd bekannt war, was heißt „Granada, Stadt der Juden“. Obwohl einige Forscher diese weit verbreiteten Mutmaßungen jüdischer Geschichte in der Stadt anzweifeln, lebt das traditionelle Vermächtnis weiter, so wie ihre Bedeutung in der jüdischen Geschichte.

Wie in vielen Teilen von al-Andalus blühte die lokale jüdische Bevölkerung auf, wobei die muslimische Herrschaft über die Iberische Halbinsel weithin als das „Goldene Zeitalter“ für das sephardische Judentum betrachtet wurde. Während dieser Zeit genossen Juden mehr Freiheiten und Reichtum als mehr als tausend Jahre zuvor und jüdische Kultur, Philosophie und Wissenschaften florierten.

Die Lage war allerdings nicht immer gut. Fakt ist, dass nach dem Fall des Kalifats von Córdoba und al-Andalus in kleinere muslimische Königreiche zerbrach, Juden nicht immer denselben Wohlstand hatten. Aber in Granada war das nicht der Fall; dort blühte jüdisches Leben unter der Herrschaft der Ziriden.

Blick auf die Ziriden-Mauern Granadas von Aussichtsturm des Dar la-Hurra-Palasts (Foto: Wikimedia Commons)

In der Tat kann der Einfluss der jüdischen Gemeinde in Granada nicht untertrieben werden, da sie nicht nur denselben Status als Dhimmi – Nichtmuslimen mit geschütztem Status – inne hatten, der im Fall muslimischer Herrschaft üblich war. Ein Forscher ging sogar so weit, den Ziridenstaat als „jüdisches Königreich außer dem Namen nach“ zu beschreiben.

Das ist besonders im Fall eines bestimmten Juden zu sehen: Samuel ibn Naghrillah, besser bekannt als Samuel HaNagid oder Schmuel HaNagid, ein prominenter Talmud-Forscher, Dichter und Philosoph, der von manchen als einflussreicher Jude in al-Andalus beschrieben wird. Er war seine ganze Karriere hindurch kolossal erfolgreich und wurde sogar der Oberste Wesir und General der Ziriden, mit Letzterem der erste Juden, der muslimische Armeen auf dem Schlachtfeld kommandierte. Tatsächlich widersprachen beide Positionen dem Pakt des Omar, einem uralten muslimischen Vertrag, der den Dhimmistatus einführte und sicherstellte, dass Dhimmis unter muslimischer Herrschaft kein öffentliches Amt bekleiden durften.

Nach seinem Tod ersetzte ihn Josef ibn Naghrela als Wesir. Leider sollte er nicht den Erfolg seines Vater haben.

Manche beschreiben Josef als stolz und unbescheiden, andere sagen, dass ihm Glaube fehlte. Während diese Anschuldigungen unwahr sein könnten, da viele andere Berichte ihn preisen, waren viele Berber mit ihm unzufrieden.

Das selbst ist Folge der vielen möglichen Gründe wie Groll, dass Josef eine solch herausragende Position inne hatte oder dass er angeblich geplant habe ein feindliches Königreich in die Stadt zu lassen, wenn dieses ihn als König einsetzen würde.

Ebenfalls recht bekannt ist die Verbreitung von Gedichten, die Josef und die Juden als Ganzes verleumden. Eines dieser Gedichte, geschrieben von einem Ibrahim ibn Masud Saad al-Tujibi, auch bekannt als Abu Ischaq, war besonders bösartig und beinhaltete die folgenden Verse, wie der Historiker Bernard Lewis erzählt:

Betrachtet sie zu töten nicht als Verletzung des Glaubens,
die Verletzung des Glaubens bestünde darin sie weitermachen zu lassen.
Sie haben unseren Bund mit ihnen verletzt, wie könnt ihr gegen die Übertreter für schuldig gehalten werden?
Wie können sie ein Bündnis haben, bei dem wir unbedeutend und sie herausragend sind?
Jetzt sind wir niedrig neben ihnen, als wenn wir unrecht hätten und sie recht!

Was sich letztlich daraus ergab, war das Massaker.

Am 30. Dezember 1066 stürmte ein wütender Mob den Palast und kreuzigte Josef, bevor er seine Wut gegen die Juden der Stadt richtete und tausende von ihnen abschlachtete.

Die genaue Zahl der Todesopfer ist unklar und heiß umstritten. Zwar haben viele die Zahl in die Tausende schätzen, besonders Zahl 1.500 Haushalte wird angegeben, aber die genaue Anzahl ist unbekannt. Trotzdem ist das Blutvergießen gut dokumentiert und wird weithin als Beispiel für ein antisemitisches Pogrom betrachtet.

Nicht alle Juden wurden getötet, aber viele andere waren gezwungen zu fliehen, ihre Häuser und Land zu verkaufen, um Granada zu verlassen.

Die Juden sollten später in die Stadt zurückkehren. Es sollte jedoch nie wieder den Höhepunkt von einst erreichen. Juden wurden unter den folgenden Herrscherdynastien der Almoraviden, Almohaden und Naseriten anders behandelt, manchmal besser, manchmal schlimmer. Letztlich sollte aber die lange Geschichte des jüdischen Lebens in Granada 1492 zu Ende gehen, als die Juden aus Spanien vertrieben wurden.

Das Massaker wird von vielen als Ende des Goldenen Zeitalters des sephardischen Judentums in al-Andalus betrachtet, ein Auftakt zum tragischen Schicksal, das die Juden auf der Iberischen Halbinsel heimsuchen sollte.

Obwohl sie einst die Stadt der Juden gewesen ist, sind Spuren des alten jüdischen Lebens in Granada heute fast völlig verschwunden.

Jerusalem am Rhein

Bewahrung der Geschichte dreier deutscher Städte, die in der jüdischen Geschichte eine große Rolle spielten: Speyer, Worms und Mainz

Elisabeth Becker, Tablet Magazine, 6. Dezember 2021

Im Juli wurden drei Städte am deutschen Rhein – Speyer, Worms und Mainz, die zusammen als „Wiege des europäischen Judentums“ beworben werden – zusammen zur UNESCO-Welterbestätte erklärt. In dieser Region, die heute zum Bundesland Rheinland-Pfalz gehört, hat es seit dem 9. Jahrhundert Juden gegeben, jüdische Gemeinden wurden im 10. und 11. Jahrhundert gegründet. Auf den grasbewachsenen Feldern von Worms bilden von Moos überzogene Grabsteine, die sucg nach links und rechts neigen, den ältesten überlebenden jüdischen Friedhof Europas. In Speyer führen Steinstufen zum Becken der ältesten überlebenden Mikwe Europas. Und in Mainz gibt es noch Fragmente eines aschkenasischen jüdischen Friedhofs – immer wieder geschändet – der um dieselbe Zeit eingerichtet wurde wie in Worms. Es handelt sich zwar um relativ kleine Städte – Speyer mit rund 50.000 Einwohnern, Worms mit 83.000 und Mainz mit 218.000 – aber in der aschkenasischen Geschichte spielen sie eine bedeutende Rolle.

Speyer und Main liegen 90km auseinander, Worms etwa auf der Hälfte zwischen den beiden. Sie sind kollektiv als die „SchUM“-Städte bekannt, ein Akronym, das aus den Buchstaben der mittelalterlichen hebräischen Namen gebildet ist: Schin (Sch), Waw (U) und Mem (M). Schum bedeutet auf Hebräisch „Knoblauch“. Zeichnungen jüdischer Händler der Region aus dem 16. Jahrhundert zeigen sie mit einem Knoblauch-Spross in einer Hand, der die geografische Herkunft andeutet und einem gelben Kreis auf ihrer Kleidung, um die jüdische Identität zu zeigen. SchUM war keine Region, in der Knoblauch angebaut wurde; diese Verbindung entstand aus der hebräischen Bedeutung des Akronyms zusammen mit antisemitischen Zuordnungen, d.h. dem mit Juden verbundenen „Gestank“ von Knoblauch.

Diese Heiligen Gemeinden – sie identifizierten sich dann als „Jerusalem am Rhein“, als im 11. Jahrhundert die Wormser Synagoge mit Nachbauten der zwei Säulen des salomonischen Tempels in Jerusalem gebaut wurde – sind lange als die Bastion des aschkenasischen Judentums anerkannt gewesen; das begann vor einem Jahrtausend und setzte sich mit dem Einfluss auf die jüdische Kultur, Architektur, Religionsausübung und religiösen Denkens bis heute fort. Die Anerkennung als Welterbe beinhaltet aber auch eine beschwerliche Mühe Jahrhunderte an Beiträgen, die zum Blühen jüdischen Lebens am Rhein und dessen Einfluss weit über die Grenzen Deutschlands hinaus führte.

Die Saat dieser Idee wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts durch Michael Kissel, den damaligen Bürgermeister von Worms, zusammen mit der damaligen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde von Mainz gelegt. Mit Unterstützung der örtlichen jüdischen Gemeinden, dem Bundesland Rheinland-Pfalz und Vertretern der Stadt reichte die Gesellschaft einen Antrag zur Aufnahme auf Deutschlands Liste potenzieller UNESCO-Stätten von 2012 ein. 2014 erfolgte die Aufnahme auf die „vorläufige“ UNESCO-Liste anerkannter Welterbestätten, worauf die drei Städte formell die SchUM-Städte Speyer, Worms; Mainz gründeten – ein Verband (der die Abkürzung SchUM nutzte) mit dem Auftrag die Beiträge der Städte zum jüdischen Erbe und Kultur zurückzuverfolgen; 2020 reichte er bei der UNESCO einen kompletten Antrag ein.

Während kollektive Bemühungen zu Forschung und Kommunikation. an denen Land, Stadt und Vertreter der jüdischen Gemeinschaft beteiligt waren, nachhaltige Innovationen und Einflüsse der drei Städte dokumentierten, steht die Historikerin Susanne Urban – heute Direktorin des Verbandes der SchUM-Städte – an vorderster Front des Vorstoßes zur Anerkennung.

„Sie haben hier 1.000 Jahre Geschichte, alles, jede Ebene deutsch-jüdischer Geschichte, von den dunkelsten bis zu den leuchtendsten Zeiten“, sagte Urban mir, als wir uns vor kurzem in ihrem Büro trafen, das einen Blick über die mit schwarzem Dach und roten Steinen wiederaufgebaute Wormser Synagoge hat. „Das zeigt die Widerstandfähigkeit der Juden, dass die Juden in den SchUM-Städten Subjekte der Geschichte sind, nicht ihre Objekte.“ Sie beschrieb die Anerkennung der SchUM-Städte als Welterbestätte als „einen Kreis, der sich schließt“.

David Maier, Kulturkoordinator von Worms, beschreibt dieses Gefühl von Abschluss, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die Kennzeichnung eine Gelegenheit ist jüdisches Leben am Rhein heute zu repräsentieren und zu unterstützen. Obwohl die jüdische Bevölkerung geringer ist als vor dem Holocaust, als ungefähr 4.200 Juden in dem Bereich lebten, gibt es auch heute immer noch Juden in den SchUM-Städten – etwa 1.550. „Wir haben hier nicht nur Denkmäler, wir haben eine pulsierende jüdische Gemeinschaft. Wir arbeiten also nicht nur mit Steinen, wir arbeiten mit Menschen“, sagte Maier. „Diese Status zu bekommen bedeutet nicht, dass etwas vorbei ist. Es ist eher ein Anfang – vielleicht kein Anfang, weil wir hier früher schon aktiv waren. Heute ist es eine neue Verpflichtung, ein neues Engagement.“

Der Kulturhistoriker und Professor Frank Stern sagte, es sei zwar unmöglich die deutsch-jüdische Vergangenheit wiederzubeleben, aber die Welterbe-Anerkennung garantiere den Schutz dieser wichtigen jüdischen Plätze. „Man weiß, dass die Friedhöfe, Häuser des Lebens jetzt sicher sind“, sagte er. „Es gibt hunderte ehemaliger jüdischer Orte in ganz Deutschland und Österreich, die heute Parkplätze, Supermärkte, Einkaufszentren sind. Lebensorte – all diese Stellen sind verloren – der Erinnerung verloren gegangen.“

Das jüdische Gericht und die Synagoge von Speyer (Foto: Jürgen Ernst, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz)

Mit dem Ziel diese Erinnerung der allgemeinen Öffentlichkeit sowohl sichtbar als auch lesbar zu machen, kuratierte Urban eine laufende Ausstellung in Worms: SchUM am Rhein vom Mittelalter bis zur Moderne. Diese Ausstellung findet im Raschi-Haus statt, selbst ein Ort der „dunkelsten und leuchtendsten Zeiten“ in der deutsch-jüdischen Geschichte: Es wurde im 15. Jahrhundert als Tanzsaal genutzt, im 18. Jahrhundert als Synagoge und als Ort, an dem Juden festgehalten werden, die während der Naziherrschaft vor der Deportation in Vernichtungslager aus ihren Häusern geholt worden waren. Heute wird die „Stimme“ des Hauses in einem verdunkelten Ausstellungsraum über Lautsprecher abgespielt; sie spricht von diesen tief bewegenden und transformativen Momenten, die zusammen die deutsche jüdische Geschichte geformt haben. Die Ausstellung enthält rituelle Objekte, architektonische Relikte, künstlerische Darstellungen, individuelle und familiäre Geschichte in schriftlicher Form sowie Fotografien aus allen Zeiten der SchUM.

Der Historiker Matthias Preissler warnt in seinem Buch Die SchUM-Städte Speyer-Worms-Mainz, dass die verbundene Geschichte der drei Städte nicht nur Geschichte jüdischen Afublühens, sondern auch, wie bei allen europäischen Juden, von den vielen Perioden der Verfolgung gekennzeichnet sind. Zu den vielleicht bemerkenswertesten davon gehören die Rheinland-Massaker von 1096, die Verfolgung wegen des Schwarzen Todes, die 1347 begann – und in Massakern an jüdischen Gemeinschaften gipfelte, denen die Verantwortung für die Seuche gegeben wurde – und der Holocaust. Insbesondere Mainz ist ein Ort unbarmherziger Judenverfolgung gewesen, eine Tatsache, die sich in ihren wenigen verbliebenen vormodernen jüdischen Bauten offenbart.

Während die Ausstellung in Worms den Pflichtbeitrag gegenüber der zyklischen Verfolgung des deutschen Judentums leistet, hebt sie die Innovation hervor – in architektonischer und religiöser Praxis, Gelehrsamkeit und Kultur – die in den frühen jüdischen Gemeinden der Städte auftrat und sich bald über den Globus verbreitete. So zeigt sie zum Beispiel mit Fotografien, wie die Wormser Synagoge als Modell für später in Regensburg, Krakau, Wien und Prag gebaute Synagogen diente. Sie enthüllt auch die Rolle der SchUM-Städte als intellektuelles Zentrum frühen aschkenasischen Denkens. Zu den berühmten Rabbinern, die aus dieser Region stammen, gehört Gerschom ben Judah – auf Hebräisch als „Licht der Diaspora“ bekannt und für seine Talmud-Kommentare anerkannt – der im 10. und 11. Jahrhundert in Mainz wohnte. Zu anderen angesehenen Rabbinern gehörten Jehuda Chassid aus Speyer, Rokeach aus Soeyer/Mainz, MaHaRam aus Worms und MaHaRiL aus Worms; ihre Kommentare und Kodifizierung der Einhaltung religiösen Gebote wurden weiterhin studiert und leben in den aschkenasischen Gemeinden weltweit. Ein bemerkenswertes Beispiel ist das Gebet Unetaneh Tokef, das weithin an Rosch HaSchanah und Yom Kippur gesprochen wird; es wurde erstmals von Rabbi Mannon aus Mainz im 11. Jahrhundert gesprochen, nur Augenblicke vor seinem Tod. Urban vermerkte diese Beständigkeit des jüdischen Erbes der Städte: „Es sind nicht nur Denkmäler, Grabsteine, sondern es gibt auch etwas Konkretes und sehr Lebendiges dahinter. Die Liturgie und Gebete aus SchUM werden in aschkenasischen Synagogen rund um die Welt immer noch gesprochen.“

Diese Tradition jüdischen Lebens wurde über schriftliche Abhandlungen weitergegeben, das jüdische Wort, das im Zentrum dieser Ausstellung steht: in der Form eines Golem, der vom jüdisch-amerikanischen Künstler Joshua Abarbanel aus hebräischen Buchstaben gemeißelt wurde, wobei der Hals des Golem von einer Metallkette umschlossen ist, die ihn am Boden festhält. Ein Aleph (der hebräische Buchstabe, der die Einzigkeit Gottes signalisiert) ist aus seinem Herzen gemeißelt und dazu verwendet, die Kette niederzuhalten, die ihn am Boden befestigt. Abarbanel beschreibt das Gefühl, dass dieser Golem, jetzt in Worms, „mich mit einer ganzen Geschichte und Tradition jüdischen Lebens in Deutschland verbindet“ und auch „die Macht der Schöpfung in der jüdischen Tradition verkörpert“. Das ist nicht nur ein Golem – die handgefertigte, unberechenbare, mystische jüdische Kreatur, die im Kern so vieler rabbinischer Erzählungen liegt – sondern einer ganzen jüdischen Geschichte, die in dieser Stadt immer noch zu sehen ist, wie auch in Speyer und Mainz. Die jüdische Welt und die Gefäße – menschlich wie aus Stein – haben sie bewahrt und damit ist die  die heutige jüdische Welt von diesen drei Städten geformt worden.

Das „neue Feld“ auf dem alten jüdischen Friedhof, Mainz (Foto: Jürgen Ernst, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz)

Jüdisch-aschkenasische Innovation verbreitete sich über Migration und Exil aus diesen Städten um die Welt. Eine Reise ins Zentrum der gerade veröffentlichten Dokumentation Was sind 1.000 Jahre? Von Kalonymos nach Klamanowitsch besuchte der in Israel geborene und in Berlin lebende Rapper Ben Salomodie SchUm-Städte, um die Verbindung mit seinen Vorfahren namens „Kalonymos“ herzustellen – die Linie rabbinischer Gelehrter und Poeten, die die erste jüdische Gemeinde in Mainz gründete. Wie die Familie Kalonymos geht das Leben dieser Städte über die geografischen Grenzen Deutschlands und Europas hinaus, getragen von denen, die nach Osten und Westen fortzogen, vor Verfolgung flohen.

Die Überbleibsel dieser tiefen und anhaltenden Vergangenheit, ihrer Zyklen aus Zerstörung durch Verfolgung und Wiederaufbau, ist in den SchUM-Stadtbildern deutlich sichtbar, ein Konglomerat des Überlebens und Wiederaufbaus von Bauten aus anderen Zeiten. Worms ist Heimat des ältesten jüdischen Friedhofs vor Ort in Europa mit Grabsteinen, die bis ins 11. Jahrhundert  zurückgehen, den hohen Mauern einer Mikwe aus dem 12. Jahrhundert und einer Synagoge, die unzählige Male zerstört und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde. In Speyer gibt es eine weitere Mikwe aus dem 12. Jahrhundert (die früheste und langlebigste ihrer Art), hohe Mauern einer Synagoge aus dem 12. Jahrhundert und die einer Schul für Frauen aus dem 13. Jahrhundert. Die meisten jüdischen Stätten in Mainz wurden während wiederholter Phasen der Judenverfolgung seit dem frühen Mittelalter zerstört, wenn auch einige der frühesten jüdischen Grabsteine in Europa dort bis heute noch stehen. Seit dem Mittelalter gab es in der Judengasse historisch solche Schlüsselstellen jüdischen Lebens. In Speyer und Worms sind zwar einige Originalgebäude der Judengasse übrig, aber sie wurden in Mainz während der anhaltenden Judenverfolgung und dem Zweiten Weltkrieg komplett zerstört.

„Wir sehen hier, dass jüdische Geschichte – 1.000 Jahre davon – nicht abstrakt ist“, sagte Urban. „Man hat diese Unverwüstlichkeit nach jeder einzelnen Zerstörung, den Kreuzzügen, Pogromen, Stadtbränden, der Schoah (die etwas anderes ist); jedes Mal bauten sie das wieder auf und sie bestätigten: ‚Wir gehören zum SchUM.‘ Juden sind keine Fremden. Sie fühlten sich Zuhause und sie sind hier verwurzelt.“

Stern wiederholt diese Entschlossenheit der drei Städte, sich selbst trotz der Verfolgung zu verwurzeln. „Wenn ich in die Mikwe [in SchUM] hinabsteige, dann weine ich, weil dies großartig, schön ist. Es war wohltuend, weil die Leute arbeiteten und arbeiteten und arbeiteten und etwas gegen all die Diskriminierung taten. Sie schufen etwas, das hunderte Jahre blieb. Das wird für die Zukunft bestehen bleiben.“

Während Gedenkfeiern wie die Verlegung von „Stolpersteinen“ den Verlust jüdischen Lebens in den SchUM-Städten kennzeichnen, wird ihnen auch neues jüdisches Leben eingehaucht: vom Bau moderner jüdischer Räume über jüdische Poesie bis zu jüdischen Musikgruppen. Hinter diesem neuen Leben steht eine Migration aus dem Osten, da es weitgehend russische Juden sind, die Ende des 20. Jahrhunderts zuwanderten. Weder kopiert dieses neue jüdische Leben die Vergangenheit nicht noch kann es das; zu viel der deutschen jüdischen Kultur – zu viel deutsches jüdisches Leben – ist unwiderruflich vernichtet worden. Dennoch ist es nicht komplett ohne die Verbindung zur Vergangenheit der Region. Urban erzählt die Geschichte eines Mitglieds der jüdischen Gemeinde Worms, dessen Vorfahren nach den Pogromen beim Schwarzen Tod im 14. Jahrhundert aus der Region flohen und die in der postsowjetischen Ära nach Deutschland übersiedelten: Ein weiteres Beispiel eines im SchUM-Dreieck sich schließenden Kreises.

Heute befindet sich die größte der drei jüdischen Gemeinden in Mainz (mit etwa 1.000 Mitgliedern), wo 2010 eine neue Synagoge gebaut wurde. Dies Synagoge steht dort, wo die Synagoge von 1912 von den Nazis während der Pogrome vom November 1938 abgebrannte gestanden hatte – sie ersetzt sie nicht, sondern bringt neues jüdisches Leben in eine Region, die 1.000 Jahre lang jüdische Kultur, Brauchtum und Denken geformt hat. Eine Beschreibung der Form der neuen Synagoge auf der Internetseite der Stadt lautet: „[Architekt] Manuel Herz schließt den Bogen vom Mittelalter zur Gegenwart.“ Dennoch schließt sich in dieser Synagoge, gebaut aus grün gefliestem Metall, mit eingravierten hebräischen Worten für den Segen „Kaduschahk“ der Bogenüberhaupt nicht. Der Bogen öffnet sich für jüdisches Leben am deutschen Rhein – abebbend und fließend, aber irgendwie niemals ohne wieder anzusteigen.

Alles abbrennen, um die Juden loszuwerden

First One Through, 9. August 2021

Mir wurde immer gesagt, dass die Familie meiner Großmutter väterlicherseits aus Sighet kam, einer mittelgroßen Stadt in Rumänien an der Grenze zur Ukraine. Das wurde als kleine Quelle familiären Stolzes betrachtet, da es auch die Heimatstadt von Eli Wiesel war, dem Nobelpreisgewinner, der über den Holocaust schrieb.

Vor ein paar Jahren, als ich, weil meine Großmutter vor meiner Geburt starb, mit dem Bruder meiner Großmutter über den Ort sprach, an dem die Familie aufwuchs, erfuhr ich, dass die Geschichte etwas Zeit benötigt, sowohl um stattzufinden als auch erklärt zu werden.

Mein Großonkel informierte mich, dass seine Familie in deinem kleinen Schtetl aufwuchs, einem kleinen jüdischen Dorf ein paar Kilometer von Sighet. Eines Abends, als er etwa acht Jahre alt war, brach in einer Ecke des Schtetl ein Brand aus. Alle Menschen des Orts, auch er, stellten sich rasch auf, um Wassereimer weiterzureichen, damit die Flammen gelöscht werden konnten. Er erinnerte sich, dass er beim Weiterreichen der Eimer jemanden rufen hörte, dass auf der anderen Seite des Dorfes ein weiteres Feuer ausgebrochen sei. Die Dorfbewohner begannen zu rufen, wie man die Reihe in zwei aufteilen konnte, um mit dem zweiten Brand klarzukommen, als sie aufsahen und einen dritten Brand in einer weiteren Stelle des Ortes sahen. Und dann einen vierten.

Die lokalen Antisemiten waren gekommen, um ihren Ort abzubrennen.

Er erinnerte sich, dass die Familie am folgenden Morgen alle Habseligkeiten griff, die sie nehmen konnte und nach Sighet ging, während der Rauch aus seinem Dorf die Luft erfüllte. Er sagte mir den Name des ehemaligen Dorfes und wie ich den fremd klingenden Namen vergaß, verinnerlichte ich, dass die Geschichte es auch vergessen hatte.

Also ja, die Familie lebte in Sighet, aber das war nicht wirklich seine Geburtsstadt. Unsere Familie war bereits von den örtlichen Antisemiten ein paar Jahrzehnte, bevor die Nazis hinter den Juden von Sighet her waren, in die Flucht geschlagen worden.

Extreme Rechte verfolgten hunderte Jahre lang unerbittlich die Juden Europas und Russlands, manchmal als Teil der herrschenden Klasse und andere Male durch eine Bande Einheimischer. Unter allen jeweiligen Umständen wussten sie, wie die sie die kleine Ansammlung Juden in die Flucht schlagen konnte.

Die Vier Ecken des Antisemitismus heute

In vielen Teilen der Welt wird die Herrscherklasse von Extremisten übernommen. Die Linke zeigte Wirkung in Amerikas Demokratischer Partei, indem die Demokratischen Sozialisten Amerikas (DSA) Sitze im Kongress erhielten, u.a. Bernie Sanders, Rashida Tlaib, Ilhan Omar, Alexandria Ocasio-Cortez, Cori Bush und Jamaal Bowman. Die DSA folgten dem Manuskript der Labour Party in Großbritannien, wo Jeremy Corbyn Antizionismus, Antisemitismus und extremistische Ideen puschte, um die Partei zu übernehmen.

Die DSA luden den in Ungnade gefallenen ehemaligen Vorsitzenden der britischen Labour Party, Jeremy Corbyn, ein, um auf ihrer jährlichen Tagung zu sprechen.

Die extreme Rechte existiert immer noch weltweit und in Amerika, wurde aber von der zivilisierten Gesellschaft gemieden und kaltgestellt. Nicht so die extreme Linke, die sich mit islamischen Extremisten verbunden hat, um Macht zu gewinnen, in der Sache von Brandstiftungen an jüdischen Häusern auch mit der extremen Rechten.

Amerikanische Juden sind auf allen Seiten umgeben von antisemitischen Extremisten und es gibt weder genug Freiwillige, die Eimer weiterreichen, um die Flammen des Hasses zu löschen, noch um die sinistren Brandstifter zu vertreiben.

Wie man Antisemitismus bekämpft – und wie nicht

Elder of Ziyon, 14. Juli 2021

Diese Woche gab es zwei Geschichten, die für die amerikanisch-jüdische Gemeinschaft nichts Gutes verheißen.

Die erste war die kaum besuchte Kundgebung „No Fear“ (Keine Angst) gegen Antisemitismus in Washington. Die zweite war die Veröffentlichung einer Meinungsumfrage, die zeigt, dass viele amerikanische Juden glauben, Israel sei der Apartheid und sogar des Völkermords schuldig.

Beide Ereignisse deuten auf katastrophales Versagen der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft hin.

Lauri Regan, eine erfahrene Organisatorin, schreibt eine vernichtende Kritik zur Kundgebung „No Fear“. Während viele ihrer Probleme technischer Natur seien, war der Hauptgrund dafür, dass sie derart klein ausfiel, ironischerweise der, dass man so viele Juden wir möglich als Beteiligte dabei haben wollte.

Um erfolgreich zu sein braucht man eine fokussierte Botschaft und ein Thema, hinter dem die Leute stehen können. Man muss einen Kern engagierter Teilnehmer haben. Aber die Organisatoren waren stärker daran interessiert liberale jüdische Organisationen zu gewinnen, die dem jüdischen Staat entweder teilnahmslos oder feindselig gegenüber stehen und die gefordert hatten, dass die Kundgebung nicht offen zionistisch ist – Organisationen, die die Existenz von Antisemitismus bei ihren politischen Verbündeten der Linken bestreiten.

Wenn die teilnehmenden Organisationen sich nicht einmal zur Definition von Antisemitismus einigen können, ist die Veranstaltung schon ein Fehlschlag bevor sie beginnt.

Was heißt überhaupt „Keine Angst“? Das ist eine leere Parole. Juden werden auf der Straße und online brutal angegriffen und eine Kumbaya-Parole stumpfen diese Angriffe nicht im Geringsten ab.

Wenn man eine Botschaft verwässert, um niemanden vor den Kopf zu stoßen, dann hat man am Ende eine Botschaft, die niemanden anlockt.

Der wahre Grund, dass die Kundgebung ein Fehlschlag war, findet sich in der Umfrage des Jewish Electorate Institute. Zusammen mit anderen Umfragen bei amerikanischen Juden zeigt sie eine Gemeinschaft, die abnehmende emotionale Verbindungen zu Israel hat – und wenige Bindungen zum Judentum. Junge Juden zeigen die Richtung an, in die die Gemeinschaft sich bewegt – weniger Verbundenheit zu Israel und weniger Verbundenheit zum Judentum.

Diese Grafik von Pew sollte jedem Angst machen, dem die Zukunft des amerikanischen Judentums am Herzen liegt.

Fast die Hälfte der US-Juden haben kein Interesse daran sich an irgendwelchen jüdischen Aktivitäten zu beteiligen oder überhaupt eine Verbindung zum Judentum zu zeigen.

Ihre Apathie gegenüber dem Judentum und Israel stehen miteinander in Verbindung.

Engagiertere Juden tendieren dazu sich stärker für Israel zu engagieren. Antisemiten hassen Israel. Amerikanische Juden, die sich im Konflikt mit ihrem Judentum befinden, haben gleiche Probleme mit Israel. Die Verbindungen zwischen Judentum und Israel heute zu bestreiten heißt die Realität zu bestreiten.

Die Lösung für beides ist dieselbe: Kenntnis und Stolz.

Die meisten amerikanischen Juden wissen nichts über das Judentum und sie wissen nichts über Israel. Gleichermaßen haben die meisten amerikanischen Juden wenig Sinn für Stolz, weder bezüglich des Judentums noch zu Israel.

Das ist die Wurzel des Versagens der amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft. Es handelt sich um ein Versagen der Führer, es ist ein Versagen der Synagogen, aber noch mehr ist es ein Versagen der Eltern, die die Hauptverantwortung dafür haben ihren Kindern Stolz einzuflößen.

Es dauerte Generationen uns dahin zu bringen, wo wir heute sind. Es ist das Produkt von Jahrzehnten, in denen sich mehr darum gekümmert wurde in Amerika Erfolg zu haben statt ihren Kindern jüdischen Stolz anzuerziehen.

Wenn die Juden nicht die Kurve kriegen, wie kann man dann erwarten, dass Nichtjuden uns unterstützen?

Leider sind viele dieser Juden bereits verloren. Und nur allzu viele von ihnen führen ihr Judentum nur dann ins Feld, wenn sie mit Hilfe von Antizionismus behaupten Helden zu sein.

Für das amerikanische Judentum ist es aber noch nicht zu spät

Es gibt einige großartige neue Gruppen, die darauf zielen über das Judentum, Israel oder beides zu bilden und Stolz einzuflößen. Es ist nicht nötig orthodox zu sein, um ein engagierter, kompetenter Jude zu sein und es ist nicht notwendig Siedlungen zu unterstützen, um ein stolzer, engagierter Zionist zu sein (sehen Sie sich Hen Mazzig oder Einat Wilf an).

So wie es Zeit brauchte, um dahin zu kommen, wo wir heute stehen, wird es eine lange Zeit dauern jüdische Belesenheit und jüdischen Stolz wieder aufzubauen. Das braucht echte Hingabe. Und das fängt in der eigenen Familie an.

Wenn wir Juden unsere eigene Geschichte kennen, sind wir dafür gerüstet uns gegen die Lügen zu verteidigen. Wenn Juden aber stolz sind, gewinnen wir Fans.

Menschen sind für die attraktiv, die wissen, wer sie sind und wer sich deshalb nicht rechtfertigt. Sicher, Juden müssen genug wissen, um die Lügen zu kontern, aber das ist nur ein kleiner Teil des Jobs. Wir sollten stolz auf unser Judentum und auf Israel sein. Wir sollten nicht defensiv seine – sonder begeistert. Wir sollen Juden in Amerika und Israel als unsere Familie behandeln, die wir lieben und unterstützen, selbst wenn sie uns manchmal wahnsinnig machen.

So wird Antisemitismus bekämpft. Und es ist entscheidend die nächste Generation so aufzuziehen, dass sie weiß, wer wir sind: dass wir Juden sind, dass wir stolz sind, wir sind ein Volk und dass wir nicht weggehen.

Nie wieder? Wirklich?

Naomi Ragen, 24. Mai 2021

Es passiert nicht jeden Tag, dass eine Frau aufwacht, um festzustellen, dass ihre Kinder und Enkel die Nacht in einem Luftschutzbunker verbracht haben, bombardiert von Raketen, die von einer bösartigen, antisemitischen Terrororganisation geschossen werden, die sich verpflichtet jeden einzelnen Juden auf der Erde zu ermorden; Raketen, die wahllos auf dicht besiedelte Wohngebiete im Herzen des Landes geschossen werden. Ich denke an meine Schwiegereltern, beides Überlebende, eine von Auschwitz, der andere von Sklavenarbeit in Ungarn, dessen Ehefrau und zwei Kinder von den Nazis vergast wurden. Und hier sind wir im Jahr 2021 und ihre kostbaren Nachkommen sind auch wieder Gegenstand intensiver Versuche der Auslöschung, während die sogenannte zivilisierte Welt unisono in Unterstützung der Hamas kreischt – den spirituellen Erben der Nazis.

Bedenkt man die extreme Empfindsamkeit und fast fanatische Beachtung von Menschenrechten, die diese Generation begeistert aufgenommen hat, die vom Gebrauch falscher Pronomen, die Forderung nach „sicheren Orten“, an dem ihre empfindlichen Ohren nicht durch sich von ihren eigenen unterscheidenden Meinungen angegriffen sein könnten, so finde ich das erstaunlich. Doch die Tatsache, dass die Kinder und Enkel der Überlebenden sowie die dahinschwindenden, aber kostbaren und eindeutig lebenden Entkommenen von Hitlers Endlösung auf obszöne Weise der Angst und den Schrecken existenzieller Angriffe auf ihr Existenz unterzogen werden, scheint niemanden zu kümmern, ganz zu schweigen davon sie zu der Art von fieberhaften Aktivitäten zu bewegen, die – sagen wir – ein Transgender-Geschichtenerzähler auslösen würde, dem Zugang zu kleinen Kindern in einer Bibliothek verweigert wird. Fakt ist: Wenn sie beschließen überhaupt involviert zu sein, dann um sich in Solidarität mit Hamasterroristen und ihren Anhängern unterzuhaken, aufgebracht, erklären sie, durch Israels „barbarischen“ Umgang mit den Palästinensern im „besetzten“ Gazastreifen. Oder weil Israelis auf den Tempelberg gingen, Israels heiligsten Ort, für den Bau der Al-Aqsa-Moschee überpflastert. Lassen Sie uns diese Argumentation untersuchen und einige Fakten anbringen.

Gaza, eine uralte Stadt, erobert und zurückerobert, wurde von Juden bereits 96 v.Chr. unter Herodes regiert. Erst sieben Jahrhunderte später, 637 n.Chr., tauchten Muslime auf. In modernen Zeiten gab es sogar eine jüdische Gemeinde in Gaza, bis ihre Mitglieder 1929 vor muslimischen Krawallen flohen. Ägypten herrschte über die Gegend, bis sie den Sechstage-Krieg anfingen. Jüdische Siedlungen im Gusch Katif hatten, ermutigt von der israelischen Regierung, Israels Grenzen zu sichern, Erfolg darin Raketen-Schießer von der Grenze weiter entfernt zu halten. Mit Israels einseitigem Abzug 2005 nach den Oslo-Vereinbarungen, wurde dieser Puffer komplett zerstört, Juden aus ihren Häusern geworfen, ihre Synagogen und jedes einzelne Grab entfernt und ihre lukrativen Gewächshäuser zurückgelassen, alles im Namen des Friedens.

Was folgte, war das komplette Gegenteil. Zuerst gab es die internen Kämpfe zwischen PLO und Hamas, beides Organisationen, die sich dem Terror gegen Israel verschrieben haben, bis die Hamas erfolgreich die Herzen der Gazaner gewann, die sie in die Regierung wählten.

Die Gewächshäuser, den Gazanern von einem großzügigen Amerikaner gespendet, wurden zerstört. Milliarden an Hilfen aus aller Welt wurden zum Bau von Tunneln und der Aufrüstung mit Raketen verwendet. Die Gazaner wurden von gewalttätigen Hamas-Banden in Schweigen und Armut terrorisiert; die einzige Agenda der Hamas besteht darin, sie als Schutz für Offensiven gegen die Zionisten zu benutzen. Bald folgte Chaos, was Israel bewies, dass seine Hoffnungen dumm und naiv gewesen waren.

2007 wurden Langstreckenraketen auf Aschkelon geschossen. 2008 landete eine Grad-Rakete zweihundert Meter vor der Neugeborenen-Station des Barzilai-Krankenhauses. 2009 wurden 571 Raketen geschossen. 2010 waren es 250 Raketen. 2011 680. Ein auf einen Schulbus geschossener Mörser tötete den 16-jährigen Daniel. Im selben Jahr stationierte Israel das Raketenabwehrsystem Eiserne Kuppel und das gerade rechtzeitig, denn 2012 wurden 360 mit weißem Phosphor vergiftete Raketen geschossen. Diese ganze Zeit über war die israelische Marine damit beschäftigt russische und iranische Langstrecken-Raketen abzufangen, die dem Gazastreifen geschenkt wurden. 2014 errichtete die Hamas in Gaza Stadt ein liebevolles Monument für die Rakete M-75 und prahlte: „Mit ihrer Hilfe schafften sie es den Kampf ins Herz des zionistischen Gebildes Israel zu tragen.“ 2014 wurden 3.000 Raketen auf dicht bevölkerte Wohngebiete in Israel geschossen, Raketen, die nicht gezielt werden können. Selbst Human Rights Watch, dieses israelfeindliche Sprachrohr, fühlte sich verpflichtet Protest einzureichen.

Die Hamas sorgt sich nicht um Zivilisten. Tatsächlich stellt sie ihre Raketenabschussrampen zwischen Wohngebäude, in Moscheen, Schulen und Krankenhäuser, Terroristen feuern und rennen dann in der Hoffnung weg, dass die IDF, die humanste Armee der Welt, nicht zurückschlagen wird, weil sie zivile Opfer befürchtet oder – noch besser – dass sie es tut und damit ausgezeichnete Propagandafotos für die von Hass getriebene Agenda der Hamas schafft.

Dieses Szenario ist ohne Unterbrechung weiter gelaufen, hat sich in Brandballons ausgeweitet, die friedlichen israelischen Bauern entlang der Gaza-Grenze Millionen Schekel an Schäden zufügten. Israel hat sich alles in allem entschlossen (meiner Meinung nach eine Katastrophe) das Raketenfeuer der Hamas zu ignorieren, außer im Fall, dass tatsächlich menschliches Leben verloren geht.

Das ist der giftige Terrorsumpf, in den ihr eure empfindlichen Jahrtausender-Zehen getaucht habt, Pronomen-Umarmer. Um Israel für diesen Konflikt verantwortlich zu machen, muss man wahrlich wie die Hamas sein, ein Verehrer und Altardiener von den Nazis inspirierten Hasses gegen das jüdische Volk.

Wie der Gründer der Palästinenser, der Großmufti von Jerusalem Haddsch Amin al-Husseini, müsst ihr wahre Bewunderer von Mein Kampf und Hitler sein, was Husseini war. Während des Zweiten Weltkriegs sagte er: „Deutschland ist das einzige Land der Welt, das die Juden nicht nur Zuhause bekämpft hat, sondern auch dem gesamten Weltjudentum den Krieg erklärt hat; in diesem Krieg gegen das Weltjudentum fühlen sich die Araber Deutschland tief verbunden.“ Husseini besuchte mit  Himmler Auschwitz und bettelte die Deutschen an sich zu beeilen, damit die halbe Million Juden in Israel auf ähnliche Weise abgefertigt werden können. 1944 begann Husseini einen Fallschirmspringer-Angriff, um die Wasserversorgung von Tel Aviv zu vergiften. Als Kriegsverbrecher wurde ihm von der Muslimbruderschaft in Ägypten Unterschlupf gewährt. Er ist der Gründungsvater der palästinensischen Bestrebungen. Zu seinen Anhängern gehört Yassir Arafat – der Mein Kampf ins Arabische übersetzen und en gros an seine Anhänger verteilen ließ; und Mahmud Abbas, der „Moderate“, der eine Doktorarbeit schrieb, in der er den Holocaust zu einem „zionistischen Hirngespinst“ erklärte.

Und doch ist die Hamas noch schlimmer als die PLO. Ihre Gründungscharta verkündet eindeutig ihre Ergebenheit alle Juden zu töten. Ihr Verbündeter, die von Hassan Nasrallah geführte Hisbollah, erklärte 2002, dass es gut sei, wenn die Juden sich in Israel sammeln, denn „das wird uns ersparen sie in der ganzen Welt zu jagen zu müssen.“

Alle da draußen, die über Anne Franks Tagebuch geweint haben, die mit entsetzter Empörung „Der Pianist“ gesehen haben und die Holocaust-Museen und -Mahnmale besucht haben und sich fragten, wie so etwas in der modernen Welt passieren konnte, müssen sich nicht länger wundern. Wenn Sie „Nie wieder“ wirklich ernst nehmen, dann ist jetzt die Zeit etwas deswegen zu unternehmen. Macht euren Mund auf, geht online, macht Gegendemonstrationen, sagt euren Politikern, sie sollen keine Hilfe für Israel zurückhalten, das versucht sich zu verteidigen. Bewaffnet euch und eure Gemeinschaften gegen die neuen Braunhemden, die Juden verprügeln und in euren Städten Synagogen niederbrennen. Betrügt euch nicht selbst, dass ihr damit, euch dem Mob anzuschließen irgendwie von dem ausgenommen werdet, was sie für jeden einzelnen Juden der Welt planen, nicht nur für Israelis. Ihr alle habt jetzt einen Platz in der ersten Reihe für die Neuauflage des Holocaust. Wenn ihr euch entschließt euch zurückzulehnen und zuzusehen, werden wir in Israel, isoliert durch eure Gleichgültigkeit, eure Politik und eure Feigheit, eben ohne euch weiter machen. „Nie wieder“ ist heute. Sagt das nicht, wenn ihr es nicht meint.

Wie man Israel NICHT verteidigt

Elder of Ziyon, 19. März 2021

In einer Reaktion auf die Ereignisse am Middlebury College, über die ich berichtete,[1] schrieb Max Shulman-Litwin, ein Mitglied des Millebury Hillel, ein Op-ed für die College-Zeitung, in dem er erklärte, warum Juden bei den Students for Justice in Palestine unbehaglich ist.

Shulman-Litwin tappt in eine Falle, in die viele Juden geraten, wenn sie über den Nahen Osten reden – seine Argumente sind wischiwaschi und er stimmt zu, dass Israels Kritiker in gewissem Grad recht haben. Dann erwartet er, dass die Leser seinem nuancierten Denkansatz folgen eine gewundene Linie zwischen dem ziehen, von dem sie sagen, dass er es (fälschlich) für wahr hält und wo sie zu weit gehen.

Max’ Einleitung des Artikels zeigt, wie armselig sein gesamtes Op-ed ist:

Die Ortsgruppe Middlebury der Students for Justice in Palestine (SJP) hat eine Internetseite erstellt, die uns hilft das Ausmaß des Leides des palästinensischen Volks in der Gegenwart und in der Vergangenheit zu verstehen. In diesem Op-ed bestreite ich nicht den Verdienst ihrer Argumente für die Rechte des palästinensischen Volks, aber ich lenke die Aufmerksamkeit auf eine schädliche blinde Stelle ihres Aktivismus.

Er verlinkt die SJP-Internetseite, die Israel als Aparteidstaat bezeichnet! Noch bevor er anfängt Israel oder die Juden zu verteidigen, räumt er praktisch das gesamte Argument derer ein, die Israel vernichten wollen!

Max’ gesamter Artikel folgt derselben Apologetik:

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir die Regierung des Staates Israel (an dem ich erschreckende Mängel finde) nicht kritisieren … Der Staat Israel sollte eine sichere Zuflucht bieten, in der der Juden frei von ethnischer Säuberung gedeihen können. Ich ringe jedoch damit die Worte zu finden, um meine Klagen wegen der Art und Weise auszudrücken, in der dies ausgeführt wurde; statt ein Land der Emanzipation und Chancengleichheit zu schaffen, bekämpften die, die die Juden beschützen wollten, Feuer mit Feuer, schützten das Wohlergehen der Juden auf Kosten dessen der palästinensischen Araber, die davor in der Region gelebt hatten. Die Rechte dieser nicht geflohenen palästinensischen Araber wurden auf viele Arten beeinträchtigt und diese Menschen haben Jahrzehnte lang unter unterschiedlichen israelischen Regierungen unsägliche Ungleichheit und Misshandlungen erlitten.

Palästinensischer Terrorismus, Verweigerung, Antisemitismus – sie sollen in einem Artikel nicht erwähnt werden, der den jüdischen Standpunkt des Konflikts zeigt. Nur angebliche jüdische Verbrechen.

Meine Güte, danke für deine Objektivität.

Und selbst diese Kritik an SJP wird von der Idee verringert, dass sie bestimmt nicht wirklich die Absicht hatten antisemitisch zu sein, wenn sie Israel judenrein haben wollen:

SJP behauptet, dass der Zionismus nichts weiter ist als eine kolonialistische Ideologie; dabei gehen sie so weit den Vorschlag zu erwägen, dass jüdische Staatsbürger in die Länder Osteuropas zurückkehren, deren Völker ihre jüdischen Bevölkerungen so grauenhaft abschlachteten. Ein Ergebnis dieser Selbstgefälligkeit und fehlenden Überlegung der Folgen ihrer eigenen Forderungen, selbst wenn das nicht ihre Absicht ist, reiht sich SJP schädlich bei denen ein, die hoffen weitere Unterdrückung von Juden zu verursachen.

Seine Verwässerung des SJP-Wunschs Israel zu vernichten ist unglaublich:

Wenn palästinensische Araber das das Land Israel/Palästina vor 1948 bewohnten und alle palästinensischen Araber und ihre Nachkommen in ihre ursprünglichen Heime zurückkehren sollen, wohin sollen die Juden gehen, da der Kreislauf judenfeindlicher Gewalt und Antisemitismus fortbesteht? … SJP versucht gar nicht erst diese Frage anzusprechen; ihre Absicht mag rechtschaffen und anständig sein, aber das Ergebnis der von ihnen propagierten Politik ist tolerant (oder darf ich es wagen zu sagen: ermutigend) gegenüber dem Hass, der das jüdische Volk allgemein heimgesucht hat.

Nein, Max, sie haben keine gerechten und anständigen Absichten. Der gesamte Sinn der „Rückkehr“ besteht nicht darin für Palästinenserrechte einzutreten, sondern Israel zu vernichten. Lesen Sie dises Buch oder sehen Sie sich dieses Interview an, bevor sie beschließen eine Hassgruppe wie SJP zu verteidigen.

Viele der besten Verteidiger Israels – wie Einat Wilf oder die verstorbene Petra Marquardt-Bigman – sind entschieden linksliberal. Viele von ihnen sind gegen Siedlungen. Aber sie wissen, dass diejenigen, die Israel attackieren, ihren Argumenten keine Vorbehalte und Ausreden und Unbehagen hinzufügen – sie greifen volle Pulle an. Wenn Juden und Zionisten nicht entsprechend reagieren, werden die Schaulustigen – in diesem Fall auf dem Campus von Middlesbury – natürlich zu dem Schluss kommen, dass die Antisemiten recht haben, weil die „proisraelische“ Seite der Hälfte ihrer Prämissen zustimmt.

Dieser Artikel schadet mehr, als er nutzt.

Der Campus von Middlebury sollte jemanden finden, der die Dinge wirklich begreift, um eine Antwort zu schreiben, dass SJP eine Hassgruppe ist und dass Israel ein moderner, liberaler, erstaunlicher jüdischer Staat ist, der bereitwillig Frieden anstrebt.

Israel ist nicht nur ein „Schutzort“ für Juden. Es ist die ewige jüdische Heimat. Und wenn Sie das nicht begreifen, dann spielen Sie nicht als Sprecher auf, der Israel und die Juden verteidigen kann.

[1] Drei Studentengruppen und ein Dozent missbrauchten ein Online-Netzwerk der Universität für die Weitergabe von Informationen, die dort nicht hingehörten; eine war die eines jüdischen Studenten auf die Verleumdung Israels; bestraft wurde einzig der Jude.

Die treibende Kraft hinter dem Verbot des koscheren Schlachtens

Dieses unterdrückerische Manöver soll von Sorge um das Wohlergehen der Tiere motiviert sein, es entlarvt aber nur das die fehlende Konsequenz und Logik des Gerichts. Op-ed.

Melanie Phillips, Israel National News, 28. Dezember 2020

Koschere Schechita (die jüdische Gemeinschaft Dubai)

Die Europäische Gemeinschaft posiert gerne als Inkarnation der Toleranz, Freiheit und aller zivilisierten Werte. Jetzt hat sie ihre Tarnung heruntergerissen, um etwas Hässlicheres zu enthüllen.

Ihre höchste juristische Instanz, der Europäische Gerichtshof, hat ein Urteil ausgegeben, das das Verbot von rituellem koscherem und Halal-Schlachten in zwei Regionen Belgiens bestätigt. Das Urteil unterstützt die Forderung, dass Tiere, die geschlachtet werden, zuerst betäubt werden müssen, was sowohl im Judentum als auch im Islam verboten ist.

Gegenwärtig verbieten europäische Vorschriften Tiere ohne vorherige Betäubung zu schlachten, obwohl für religiöse Schlachtungen Ausnahmen hierzu erlaubt worden sind.

Einige europäische Länder haben allerdings solche Ausnahmen verboten und damit die Praxis koscherern und Halal-Schlachtens untersagt. Zu diesen Ländern gehören Schweden, Norwegen, Island, Dänemark und Slowenien.

Die beiden Regionen in Belgien – Flandern und Wallonien – verhängten 2017 ein ähnliches Verbot. Belgische Juden und Muslime klagten dagegen und das Urteil des europäischen Gerichts hat jetzt eine widerwärtige Reaktion geliefert.

Schlimm genug, dass einzelne Länder diesen Weg eingeschlagen haben. Ein solches Urteil des höchsten Gerichts der EU ist jedoch weit schlimmer. Es könnte nicht nur weitere Länder veranlassen gleichzuziehen, sondern es sendet auch ein verheerendes kulturelles Signal.

Das bedeutet, dass das Kernprinzip westlicher Moderne, mit dem Minderheitsgruppen ihre religiösen Vorschriften privat frei ausüben können, wo sie für die Mehrheit keine Bedrohung darstellen, in Europa jetzt verworfen worden ist.

Diese Gefahr wurde selbst von Generalanwalt Gerard Hogan erkannt, der seine Meinung zu diesem Fall gab. Im September riet Hogan, dass EU-Mitgliedstaaten „verpflichtet sind die tief verwurzelten Überzeugungen des muslimischen und des jüdischen Glaubens zu respektieren, indem das rituelle Schlachten von Tieren erlaubt wird“, und dass die Forderung des Betäubens im Schlachtvorgang „das Wesen der religiösen Garantien gefährden, die die EU bietet.

Aber das Gericht hat die Warnung des Generalanwalts beiseite gewischt und stattdessen behauptet, es habe „einen fairen Ausgleich“ zwischen Tierwohl und Religionsfreiheit gefunden.

Das Urteil tut nichts dergleichen. Es ist autoritär und repressiv; es stützt weder Tierwohl noch freie Religionsausübung; und seine Argumente sind nicht nur trügerisch, sondern versagen sogar nach der eigenen, internen Logik.

Zuerst erkennt es an, dass Betäubung vor dem Schlachten „eine Beschränkung“ der Rechte von Juden und Muslimen mit sich bringt, ihre Religion frei zu leben.

Dann sagt es aber, dass das Gesetz die Beeinträchtigung dieser Freiheit gestattet. Wie? Über etwas sprachliches Geschwafel, das das religiöse Gebot selbst falsch darstellt.

Damit erklärt es, dass Betäubung „auf einen Aspekt des spezifischen Rituals des Schlachtens begrenzt ist und dass der Akt des Schlachtens an sich hingegen nicht verboten ist“.

Das bringt die Spitzfindigkeit in der Tat auf ein hohes Niveau. Judentum wie Islam fordern, dass die Tiere „zum Zeitpunkt des Schlachtens intakt und gesund“ sein müssen, damit das Fleisch koscher bzw. halal ist.

Ein Tier zu betäuben, indem man ihm einen Bolzen in seinen Kopf schießt oder durch einen Elektroschock, schadet seinem Gehirn. Das Tier könnte damit geschädigt werden, wodurch es verboten ist es zu essen. Das Verbot der Betäubung ist daher ein entscheidendes Element in den religiösen Ritualen des koscheren und Halal-Schlachtens.

Die Art, wie das Gericht behauptet die freie Religionsausübung zu respektieren, besteht also darin, dass es auf sich nimmt diese Praxis auf eine Art umzudefinieren, die diese Religionen ablehnen. Es versucht ein religiöses Kern-Gebot zu verbieten, indem es von Juden und Muslimen verlangt stattdessen eine Praxis zu übernehmen, die ihnen gemäß des religiösen Gesetzes verboten ist. Dann versucht es diesen intoleranten Zug reinzuwaschen, indem es behauptet, das sei Juden und Muslimen nicht verboten, weil das Gericht das Gesetz umdefiniert hat.

Dieses Unterdrücker-Manöver ist angeblich von Sorge um das Tierwohl motiviert. Doch das Gericht entwirrt auch das, durch seine fehlende Beständigkeit und Logik.

Warum bestand es nicht auf gleichwertigem vorherigem Betäuben von Tieren, die gejagt, gefangen oder als Sport oder aus anderen angeblichem Nutzen der Gemeinschaft geschossen werden?

Die Antwort des Gerichts darauf war lächerlich. Bei diesen Aktivitäten, sagte es, „wäre das Einhalten von Tierwohl-Anforderungen eine nachteilige Beeinflussung des Wesens des betreffenden Ereignisses“.

Die Tatsache, dass die Forderung Tiere vor der Schlachtung zu betäuben für Juden und Muslime „nachteilige Beeinflussung des Wesens des betreffenden Ereignisses“ wäre, spielt offensichtlich keine Rolle – denn das Gericht hat auf orwellsche Weise das Wesen des Ereignisses umdefiniert.

Jagen, Fischen oder andere kulturelle und sportliche Veranstaltungen, die das Töten von Tieren beinhalten, „haben höchstens eine marginale Fleischproduktion zum Ergebnis, die wirtschaftlich nicht von Bedeutung ist“, sagte das Gericht. „Folglich können solche Veranstaltungen vernünftigerweise nicht als Aktivität der Lebensmittelproduktion angesehen werden, was rechtfertigt, dass sie anders behandelt werden als das Schlachten.“

Warum? Welchen Unterschied macht eine „marginale Produktion“, wenn das Hauptanliegen das Wohl des Tieres ist? Ganz offensichtlich überhaupt keinen.

„Diese Aktivitäten“, hieß es in dem Urteil, „finden in einem Kontext statt, in dem die Bedingungen für das Töten sich sehr von denen für Nutztiere unterscheiden.“

Richtig, aber nicht auf die Weise, wie das Gericht es meinte. Der Hirsch, der durch eine Schusswunde Schmerz erleidet, der Nerz, der an seinen Verletzungen in einer Falle stirbt oder der Fuchs, der von einem Rudel Hunde in Stücke gerissen wird, finden alle einen weit grausameren Tod als es das gemäß den Riten des Kaschrut- und des Halal-Schlachtens der Fall ist.

Es ist für diese Riten grundlegend, dass das Tier möglichst human getötet wird. Im Ergebnis wird ihm mit einem scharfen Messer die Kehle durchgeschnitten, was praktisch sofortige Bewusstlosigkeit und den Tod zur Folge hat.

Die Idee, dass Betäubung human ist, ist lächerlich. Oft ist es ineffektiv, weil es das Tier diesem Angriff mehr als einmal unterwirft, bevor es schließlich das Bewusstsein verliert. Und selbst vor der Betäubung sind Fleisch verarbeitende Betriebe in Europa oft unmenschliche Orte, in denen Nutztiere fabrikartig bewirtschaftet, mit Chemikalien vollgepumpt und industriell getötet werden.

Wenn also die Forderung nach Betäubung wenig mit Tiefwohl zu tun hat, was ist die wirkliche treibende Kraft dahinter?

Dieser Streit um das rituelle Schlachten ist in Europa seit vielen Jahren im Gang. Im Grunde spiegelt es die Priorität über den Menschen, die Tieren heute mit entsprechendem Anstieg an Ignoranz, Sentimentalität und Heuchelei gegenüber ihrem Wohlergehen eingeräumt wird.

Diese moralische Verwirrung ist eines der Ergebnisse des vorherrschenden Dogmas des Universalismus, der dafür gesorgt hat, dass ein Großteil Europas zunehmend die Gebote der hebräischen Bibel ablehnt. Das wiederum ist für die Säkularisierung und die Religionsfeindschaft verantwortlich, auf die die EU sich stützt.

Die EU ist stolz auf die Aufklärungs-Kernwerte des Liberalismus und der Toleranz. Diese Werte kamen allerdings von britischen Denkern, deren Werte durch die Bibel formuliert waren.

In Kontinentaleuropa wurde das Denken der Aufklärung hingegen angetrieben von einem bösartigen Hass auf Religion und der Überzeugung, dass Vernunft nur vorangebracht werden kann, wenn die Religion unterdrückt wird.

Es ist dieser europäische Strang des universalistischen Denkens der Aufklärung, das die Werte der Europäischen Union formt. Es hat der vorherrschenden Ideologie des moralischen und kulturellen Relativismus des Westens zum Aufstieg verholfen, der den Aufstieg des Neuheidentums und die Verehrung der Tiere und der Natur auf Kosten der Menschheit angetrieben hat. Und die hat jetzt die jüdischen und muslimischen religiösen Bräuche direkt ins Visier genommen.

Anfang 2020 schlossen sich die Europäer anderen Staaten der Welt an den 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz zu begehen und „nie wieder“ zu geloben.

Am Ende dieses furchtbaren Jahres haben die Hüter des europäischen jüdischen Friedhofs stattdessen nur allzu düster demonstriert, was dies ihrer Meinung nach für die Werte Freiheit und Toleranz bedeutet, für deren Verteidigung so viele ihr Leben gegeben haben.