Alle sind gleich – aber eine Gruppe nicht…?

Bitte eigenen Schlüsse ziehen…

Europeans against Antisemitism (Facebook), 8. Februar 2015

Ich möchte euch von der Nachtwache in Cardiff erzählen, die nach dem Morden bei Charlie Hebdo und Hypercacher stattfand. Uns wurde gesagt, dass die Wache ALLEN Opfern der Terroranschläge in Paris gedenken und dort für freie Meinungsäußerung/Rede eingetreten werden sollte. Viele von aus, aus beiden Synagogen waren anwesend (es gibt zwei Synagogen für die 2000 Juden in Wales, beide in Cardiff, das etwa 800 jüdische Einwohner hat). Der Leiter des Muslim Council of Wales sprach und sagte uns, dass der Islam eine Religion des Friedens sei. Der Rabbiner war auch dort, aber er sagte nichts. Wir warteten die ganzen Reden über darauf den Rabbi Kaddisch für die in Paris ermordeten Juden sagen zu hören. Nicht ein Wort wurde über die Juden gesagt, NICHT EIN EINZIGES.

Hinterher fragte ich den Rabbi, warum – ich heulte wie ein Schlosshund und frage ihn, warum – warum sagte er nicht Kaddisch? Warum sagte er nichts? Der Grund? DIE ORGANISATOREN SGTEN IHM, IHM SEI NICHT ERLAUBT ZU SPRECHEN. Er war aufgefordert worden einzutreten, aber ihm war nicht erlaubt zu reden. Wir sind offenbar alle gleich – aber einige von uns sind gleicher als andere.

(Die Schreiberin legt Wert darauf, dass der junge Rabbiner auf viele Weisen sehr aktiv für die kleine jüdische Gemeinschaft ist und bitte nicht deswegen getadelt werden sollte; er hatte offenbar das Gefühl, es sei besser, wenn er still anwesend ist, als gar nicht dort zu sein.)

Was würde Martin Luther King von einem Wasserspender nur für Muslime halten?

Elder of Ziyon, 19. Januar 2015

Zum Martin Luther King Day sollten wir uns daran erinnern, wie schlecht Diskriminierung war:

Es ist etwas Gutes, dass heute niemand mehr so krass sein würde Menschen wegen seiner Rasse oder Religion davon abzuhalten Wasser aus einem Spender zu trinken – richtig?

Vom Tempelberg, gestern:

Ja, die muslimische Frau ist derart aufgebracht durch den Gedanken, dass ein Jude Wasser aus demselben Spender trinkt, an dem Muslime sich die Füße waschen, dass sie ihn körperlich stößt.

Wenn Sie dieses Video ansehen und Mitgefühl mit der Frau empfinden, könnten sie selbst ein Rassist sein.

Warum schreibt Deutschland Juden vor, wo sie leben dürfen?

Michael Freund, The Jewish Press, 17. Januar 2014

Mit tadellosem Gespür für Timing kam der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier diese Woche in Israel an, nahm an der Beerdigung von Ariel Sharon teil und setzte dann damit fort Israel öffentlich zu tyrannisieren.

Im Gespräch mit Reportern beschuldigte Steinmeier den jüdischen Staat den Friedensprozess zu „schädigen“, indem es Häuser für Juden in Judäa und Samaria baut.

Und in einer Diskussion mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu am Rande des Sharon-Begräbnisses setzte er den Premierminister unter Druck, er solle von weiterer Bautätigkeit absehen, da dies „den Prozess weiterhin stören könnte“.

Ich bin nicht vertraut Trauerritualen in Deutschland, aber nehme ich an, dort gehört das Beleidigen des Gastgebers direkt am Ende der Beerdigung nicht dazu.

Und doch fand Steinmeier, als er in Israel war, nichts falsch daran, genau das zu tun: Die Gelegenheit auszunutzen eine politische Sache herauszuheben, egal wie geschmacklos und ungehörig das war.

Das ist nicht die Art Benehmen, das man von einem „Freund“ erwartet, oder?

Was aber an Steinmeiers Heldentaten noch beleidigender ist, ist die historische Amnesie der deutschen Regierung, die offizielle Vertreter ohne jeden Sinn für Ironie bezüglich ihrer Position zum Recht Juden in Judäa und Samaria zu leben zurückließ. Immerhin ist es nicht einmal acht Jahrzehnte her, dass Deutschland Juden in den Nürnberger Gesetzen von 1935 aussonderten, um sie als der Zivilgesellschaft zu verstoßen, als Schritt deutschen Bodens von ihrer Anwesenheit zu „säubern“. In der Folge war unter deutscher Herrschaft das Recht der Juden zu leben, wo sie wollten, stark eingeschränkt.

Man sollte denken, dass angesichts dieses dunklen Kapitels ihrer Geschichte die Deutschen besonders darauf achten würden nicht in seine solche Sache zu waten und kundzutun, wo Juden leben, bauen oder ihre Familien aufziehen dürfen.

Doch das ist nicht der Fall gewesen.

Fakt ist: Letzten Sommer wurde weithin berichtet, dass Berlin sich entschieden hat eine Initiative der Europäischen Union zu stützen, die Unternehmen in jüdischem Besitz in Judäa und Samaria aussondert. Der Zug zielt darauf ab sie einer Sonderbehandlung zu unterziehen, zu der die Anwendung einzigartiger Herkunftsetiketten auf von Juden in diesen Gegenden hergestellten Waren gehört. Unnötig zu erwähnen, dass von Palästinensern betriebene Fabriken in den Gebieten nicht auf diese Weise gekennzeichnet würden.

In einem Interview mit Reuters warnte der EU-Nahostbotschafter Andreas Reinicke letzten Monat, wenn die letzte Runde der Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern fehlschlage, würde die EU ihre Pläne zum Anbringen der Etiketten auf von Israelis hergestellten Gütern aus Judäa und Samaria beschleunigen.

Die Scheinheiligkeit hinter dem Etikettierungskreuzzug ist umso offensichtlicher, wenn man bedenkt, dass keine solchen Kampagnen für andere „umstrittene Gebiete“ erwogen werden. Daher gibt es keine europäische Forderung chinesische Produkte Made in Tibet, in Tschetschenien hergestelltes Russisches oder spanische Waren aus Katalonien zu kennzeichnen. Es scheint so, dass europäische Liberale nur dann, wenn der jüdische Staat beteiligt ist, auf solchen Maßnahmen besteht.

Das ist nicht nur Doppelzüngigkeit, das ist schlicht und einfach Diskriminierung.

Und im Fall Deutschlands ist eine solche Haltung besonders empörend und die Regierung von Angela Merkel sollte sich schämen, dass sie da mitmacht. Was immer man vom Friedensprozess und der Zweistaatenlösung halten mag, es sollte offensichtlich sein, dass mit Waren und Bauen nur deswegen unterschiedlich umgegangen wird, weil die Person, der die Fabrik gehört oder das Haus baut ein Anhänger von Moses und nicht Mohammeds ist, fanatisiertes Tun ist.

Und angesichts der eigenen unehrenhaften Bilanz während des 20. Jahrhunderts haben Deutschland und seine Führungspolitiker eine besondere Verantwortung in solchen Dingen außergewöhnlich sensibel zu sein, insbesondere wenn sie mit Juden im Zusammenhang stehen. Niemand behauptet, dass Deutschland einen zweiten Holocaust plant, aber das Land muss mehr Bewusstsein bezüglich der schmerzlichen Ironie zeigen, die hier am Werk ist.

1936 wurde im gesamten Reich ein Brettspiel namens „Juden raus“ beliebt.* Die Spieler bewegten Juden darstellende Figuren zu „Sammelpunkten“, von denen aus sie ins Land Israel deportiert werden sollten. „Gelingt es dir 6 Juden rauszujagen“, instruierte das Spiel, „bist du Sieger ohne zu fragen!“

Traurigerweise spielt Deutschland einmal mehr ein ähnliches Spiel, wenn auch mit einem Unterschied. Während das Ziel früher war Juden nach Israel wegzuschicken, ist das Ziel heute uns zu zwingen Teile davon zu verlassen.

Doch ich habe eine Neuigkeit für Frau Merkel und ihrer Kollegen: Niemand, besonders nicht Deutschland, hat das Recht Juden zu sagen, wo sie leben dürfen oder nicht.

1945 kroch das jüdische Volk aus den Öfen Europas und gewann unsere angestammte Heimat wieder zurück.

Egal, was Berlin glauben oder sagen mag: Wir sind nicht im Begriff davon einen Teil wieder herzugeben.

 

* Anmerkung heplev: Nach Angaben von „Board Game Studies“ wurde das Spiel seitens der Nationalsozialisten kritisiert und wurde zum Ladenhüter. Eine PowerPoint-Präsentation zu Schule im Dritten Reich gibt hingegen an, dass das Spiel bis 1938 über eine Million Mal verkauft wurde und damit alles andere als ein Ladenhüter war. Ein Forschungsbericht von adacemia.edu beschreibt, dass der Verkauf vieler Spiele eher unwahrscheinlich war, weil sogar die Nazis es kritisierten und der Hersteller bedroht wurde. (Was vielleicht damit zusammenhängen könnte, dass sich in dieser Zeit das Ziel der Nazis veränderte – weg von der Vertreibung der Juden hin zu ihrer Vernichtung?)

Die Scheinheiligkeit des IKRK und die Definition von „Besatzung“

Elder of Ziyon, 9. Oktober 2013

Vor ein paar Jahren setzte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz einen Trupp Fachleute für internationales Recht in einen Raum und sie alle diskutierten „Besatzung und anderen Formen der Verwaltung fremden Territoriums“.

Ein sehr interessanter Teil der daraus entstandenen Veröffentlichung ist, dass die Experten nicht nur diskutierten, welche Faktoren ein Territorium zu einem legal Besetzten machten, sondern auch, welche Faktoren notwendig sind, um eine Besatzung zu beenden. Es gab zwar kaum Konsens, aber einige Teile der Diskussionen sind äußerst erhellend. Was die Definition von Besatzung angeht, gab es fast Einstimmigkeit, dass sie drei Komponenten hat:

Die Experten diskutierten die insgesamt wesentlichen Elemente des Begriffs der effektiven Kontrolle über ein fremdes Territorium, das die Definition der Besatzung untermauert, wie sie in Artikel 42 der Haager Bestimmungen von 1907 dargelegt ist.

Die Anwesenheit fremder Streitkräfte: Diese Kriterium wurde als einzige Möglichkeit betrachtet feste Kontrolle über ein fremdes Territorium herzustellen und auszuüben. Es wurde als eine Voraussetzung für die Errichtung einer Besatzung identifiziert, besonders weil es die Verbindung zwischen der Idee der effektiven Kontrolle und der Fähigkeit die Verpflichtungen zu erfüllen schafft, die einer Besatzungsmacht obliegen. Man einigte sich auch darauf, dass Besatzung nicht nur durch die Ausübung von Macht von jenseits der Grenzen der besetzten Gebiete her hergestellt oder aufrecht erhalten werden kann, eine bestimmte Zahl fremden „Stiefel vor Ort“ seien notwendig.

Die Ausübung Obrigkeit in besetztem Gebiet: Die Experten stimmten überein, dass, sind fremde Feindtruppen einmal anwesend, es sie befähigt, die Obrigkeit die Macht in dem fremden Territorium auszuüben ist, was zählt, nicht die tatsächliche oder konkrete Ausübung solcher Macht. Die Nutzung eines auf der Fähigkeit Macht auszuüben gründenden Tests würde jeden Versuch des Besetzenden verhindern seine Verpflichtungen unter dem Besatzungsrecht zu vermeiden, indem die Macht vorsätzlich nicht ausgeübt wird oder eine Marionettenregierung eingesetzt wird. Man kam auch überein, dass das Besatzungsrecht nicht fordert, dass die Macht ausschließlich von der Besatzungsmacht ausgeübt wird. Das gestattet die Teilung der Macht zwischen dem Besetzenden und der besetzten Regierung, vorausgesetzt letztere trägt weiterhin die ultimative und Gesamtverantwortung für das besetzte Territorium.

Die nicht einvernehmliche Beschaffenheit kriegerischer Besatzung: Nicht bestehende Einvernehmlichkeit des Staates, dessen Territorium der Anwesenheit fremder Streitkräfte unterworfen wird, wurde als Voraussetzung für das Besethen eines Staates unter kriegerischer Besetzung bestimmt. Damit das Besatzungsrecht nicht anwendbar ist, muss dieser Konsens echte, gültig und eindeutig bestehen. Die Experten hatten das Gefühl, weil das Besatzungsrecht keine Kriterien für seine Evaluierung bietet, müsse Einverständnis im Licht des derzeitigen öffentlichen internationalen Rechts interpretiert werden. Schließlich wurde die Existenz der Annahme einer Abwesenheit von Einvernehmen, wenn ausländische Streitkräfte in einem „failed state“ intervenieren, angenommen.

Das ist so ziemlich das, dem jeder ernsthafte Rechtsgelehrte als Kriterien für Besatzung zustimmen würde.

Was ist mit dem Ende der Besatzung? An welchem Punkt ist eine Besatzung vorbei?

Eine große Mehrheit der Experten gab der Ansicht Ausdruck, dass die Kriterien für die Feststellung des Endes einer Besatzung diejenigen spiegeln sollten, die zur Festlegung ihres Beginns genutzt werden. Mit anderen Worten: Die Kriterien sollten dieselben sein wie die für den Anfang einer Besatzung, nur in Umkehrung. Daher wären die physische Anwesenheit fremder Truppen, ihre Fähigkeit der Machtausübung über das betreffenden Territorium und die fortgesetzte Abwesenheit des Einverständnisses der territorialen Behörden für die Anwesenheit der fremdne Truppen die Vorbedingungen, die zusammengenommen erfüllt sein müssten, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Besatzung nicht geendet hat. Sollte eine dieser Kriterien nicht erfüllt sein, würde sich daraus das Ende des Besatzungszustandes ergeben. Das Konzept der „klassischen“ Besatzung war die Grundlage der Diskussionen zu den Kriterien für die Feststellung der Existenz eines Besatzungszustands, insbesondere seiner Beendigung, für die Anwendung des internationalen Menschenrechts.

Die Gründe sind ziemlich klar:

… einige der Experten betonten den Punkt, dass nicht gesagt werden kann eine Besatzung bestehe, wenn die fremden Truppen vollständig aus dem betreffenden Territorium abgezogen sind. Nach ihren Angaben kann man dann nicht die weitere Anwendung des Besatzungsrechts unterstützen und behaupten, die fremden Truppen trügen immer noch Verantwortung entsprechend diesem Recht, denn diese Truppen wären nicht in der Position den zugehörigen Verpflichtungen nachzukommen. Das würde dem Prinzip der Effektivität widersprechen, das das internationale Menschenrecht und besonders das Besatzungsrecht erfüllt. Die Abwesenheit von fremden Truppen sollte nicht als einziger Indikator für die Bewertung des Endes der Besatzung dienen, sollte aber auch als Voraussetzung für die Bestimmung des Endes von Besatzung beibehalten werden. Ein Teilnehmer stellte heraus, dass man keine Argumente für die künstliche Aufrechterhaltung des Rahmenwerks des Besatzungsrechts aufrechterhalten sollte, besonders wenn es dafür nötig würde dass die fremden Truppen wieder in das von ihnen verlassene Gebiet eindringen müssten. Mit anderen Worten: Es wurde unterstrichen, dass das Besatzungsrecht niemals fremde Truppen verpflichten kann Territorium wieder zu besetzen, aus dem sie sich komplett zurückgezogen haben.

Als Humanitäre war manchen die Vorstellung unangenehm, dass eine fremde Armee sich einfach entscheiden kann das Territorium zu verlassen und sich selbst überlassen kann. Sie entwickelten das Konzept der „verbleibenden Verantwortlichkeiten“:

Ein Experte fügte an, wenn fremde Truppen erst einmal das von ihnen besetzt Territorium verlassen hätten, der Rahmen des Besatzungsrechts entfällt und eine neue Rechtsgrundlage für die verbleibenden Verantwortlichkeiten ausgearbeitet werden sollte, die immer noch vom ehemaligen Besatzer getragen werden könnte.

Tatsächlich argumentierten einige Teilnehmer, dass die verbleibenden Aspekte der Besatzung (d.h. die von der ehemaligen Besatzungsmacht beibehaltenen Kompetenzen) weiterhin vom Besatzungsrecht geregelt würden, selbst wenn die effektive Kontrolle konkret aufgegeben wurde…

Andererseits:

Zwei Experten bestritten trotzdem die Ansicht, das Besatzungsrecht könne eine adäquate Rechtsgrundlage für diese verbleibenden Verantwortlichkeiten bieten. Sie machten auf die Tatsache aufmerksam, dass die Normen des Besatzungsrechts so abgestimmt seien, dass sie nur greifen, wenn ein gewisses Maß an Kontrolle über ein bestimmtes fremdes Territorium hergestellt wurde; dieser Punkt würde nur erreicht, wenn die in den vorangegangenen Arbeitssitzungen bestimmten Kriterien zutreffen. Daher, argumentierten diese Experten, wäre es nicht weise die Anwendung des Besatzungsrechts vom Konzept der effektiven Kontrolle zu Zwecken des internationalen Menschenrechts loszulösen.

Die der ehemaligen Besatzungsmacht verbleibenden Verantwortlichkeiten sollten von anderen Rechtsregelungen wie den Menschenrechtsgesetzen oder gar verbleibendem internationalen Menschenrecht geregelt werden, da das Besatzungsrecht nicht länger anwendbar wäre. Diesbezüglich warnte ein Experte vor der Gefahr alles ins Besatzungsrecht zu stopfen und unterstrich die Notwendigkeit diesen corpus juris nicht zu überstrecken, da das letztlich das Prinzip der Effektivität anfechten würde, das die Voraussetzung des Besatzungsrechts bildet. Das wäre insbesondere dann der Fall, wenn man versuchen sollte die Verpflichtungen des Besatzungsrechts fremden Streitkräfte aufzuerlegen, die nicht in der Position sind sie zu achten, insofern als die positiven Verpflichtungen dieses Gesetzeskorpus, um effektiv umgesetzt zu werden, in der Regeln „Stiefel vor Ort“ benötigen.

Es wird kein Gegenargument angeboten.

Später schließt der Bericht unter Hinweis auf den Gazastreifen:

… die besondere Behauptung, dass die Regeln zur Besatzung in der Situation nach dem September 2005 weiter bestanden, erscheint schwer aufrecht zu erhalten, nimmt man die traditionellen Regeln zur Besatzung mit ihrer starken Betonung auf der Faktenbasis der fortgesetzten Anwesenheit vor Ort.

Mit anderen Worten: Es gibt eine beinahe totale Konsens-Ansicht unter den in diesem IKRK-Dokument befragten internationalen Rechtsgelehrten, dass der Gazastreifen im rechtlichen Sinne nicht als von Israel besetzt angesehen werden kann.

Im letzten Jahresbericht des IKRK steht aber geschrieben:

[Das IKRK] reagierte schnell auf die Bedürfnisse der von Notfällen betroffenen Menschen, einschließlich denen gegen Jahresende in der Demokratischen Republik Kongo, Israel und den besetzten palästinensischen Territorien (Gazastreifen) und den Philippinen.

Genauso wie die UNO weiß das IKRK, dass die Definition von Besatzung keineswegs auf Gaza anwendbar ist – doch man erklärt den Gazastreifen weiter für besetzt!

Im Fall des IKRK ist es schlimmer. Denn das IKRK handelt, als sei es die ultimative Autorität zum internationalen Menschenrecht; wenn es also sagt der Gazastreifen sei besetzt – entgegen seiner eigenen juristischen Argumentation – hat es Bedeutung. Es gibt praktisch kein zurechnungsfähig juristisches Argument, dass der Gazastreifen immer noch als besetzt angesehen werden sollte (man sehe hier nach Antworten auf die bedeutendsten Argumente, die im IKRK-Dokument nicht angesprochen wurde).

Der einzige Schluss, der daraus gezogen werden kann, ist der, dass das IKRK eine genauso politische Organisation wie die UNO ist und sich der politisch korrekten Linie unterordnen wird, die besagt der Gazastreifen sei besetzt obwohl es genau weiß, dass anders ist. Wie so oft gibt es eine Regel für Israel und eine für den Rest der Welt – selbst bei denen die vorgeben die am wenigsten einseitigen Beobachter zu sein.

(Diese Scheinheiligkeit des IKRK wurde in dieser kurzen, aber grundlegenden Abhandlung von Robbie Sabel von der JCPA vermerkt; Ich verfolgte einfach seinen Fußnoten, um zu verifizieren, dass das IKRK tatsächlich mit einer Schlussfolgerung aufwartet und sie dann ignoriert, wenn es um Israel geht.)

UPDATE: Juan-Pdron Schaerer, IKRK-Delegationsleiter für Israel und die besetzten Gebiete, antwortet in den Kommentaren:

Dieser Artikel bietet zwar eine Zusammenfassung eines wichtigen Experten-Workshops, der Autor ignoriert aber wesentliche Fakten, die das IKRK nutzt, wenn es das Besatzungsrecht auf den Gazastreifen anwendet.

Das IKRK verfolgt die Entwicklungen im Gazastreifen genau, da Fakten vor Ort entscheidend dafür sind zu bestimmen, ob die Elemente der für Besatzung notwendigen effektiven Kontrolle weiterhin zutreffen. Es kann zwar nicht gesagt werden, dass der Gazastreifen eine „klassische“ Besatzungssituation ist, doch Israel hat seine effektive Kontrolle über den Streifen nicht komplett abgegeben. Zu dieser Kontrolle gehört unter anderem die fast totale Kontrolle über die Grenzen des Gazastreifens (bis auf die Grenze zu Ägypten), die Kontrolle über den Luftraum und die gesamte Küstenlinie, die Kontrolle darüber, wer den Gazastreifen verlassen kann, die Kontrolle des Bevölkerungsregisters, Kontrolle über alle Dinge, die importiert oder exportiert werden können und die Kontrolle über eine No-go-Zone innerhalb des Gazastreifens entlang des Zauns. Diese Fakten und andere erlauben es dem IKRK festzustellen, dass Israel effektive Kontrolle ausübt und daher im Fall von Gaza an das Besatzungsrecht gebunden bleibt.

Dieser Artikel ignoriert also wesentliche Fakten und kommt auf oberflächliche Weise zu dem Schluss, dass das IKRK scheinheilig, einseitig und politisch motiviert ist. Das IKRK hat keinen Zweifel, dass ein Großteil der Entbehrungen, die für die 1,7 Millionen im Gazastreifen lebenden Menschen verursacht werden, reduziert würden, wenn das internationale Menschenrecht voll verstanden und respektiert würde. Das IKRK arbeitet auf neutrale und unparteiische Weise daran für besseres Verständnis des internationalen Menschenrechts zu fördern und das Leiden zu mindern, das von denen verursacht wird, die es nicht respektieren.

Schaerer Juan Pedro
IKRK-Delegationsleiter Israel und die besetzten Gebiete.

Meine Antwort:

Danke für Ihre Reaktion.

Nach Angaben des Konsens des Berichts wie auch jeder einzelnen anderen juristischen Analyse, die ich jemals zu Gesicht bekommen habe (z.B. von Amnesty) bedeutet das Verständnis effektiver Kontrolle „Stiefel vor Ort“. Der Bericht des IKRK lässt „indirekte effektive Kontrolle“ zu, wenn es einen lokale Miliz gibt, die dem Besatzer gegenüber verantwortet. Das ist alles.

Wenn Sie argumentieren, dass die Kontrolle über Luftraum, Küste, und (die meisten) Grenzen usw. „effektive Kontrolle“ darstellt, dann verfolgt das IKRK wirklich eine sui generis-Definition, die für Israel und nur für Israel gilt. (Der EJIL-Artikel, auf den ich verwies, kommt zu dem Schluss, dass man sagen kann es handle sich um eine Belagern – etwas, dem die Grenze mit Ägypten komplett widerspricht – aber es ist in keiner Weise eine Besatzung.) Israel könnte im Gazastreifen nicht einmal einen Müllmann feuern, wenn es das wollte, ganz zu schweigen von der Einsetzung einer neuen Regierung.

Ich argumentiere nicht, dass Israel nach dem internationalen Menschenrecht keine Verantwortung hat den Zivilisten des Gazastreifens zu helfen. Die Entscheidung des israelischen Obersten Gerichtshofs Jaber al-Basyuni Ahmad u.a. vs den Premierminister und den Verteidigungsminister macht klar, dass es das unter dem LOAC auch tut. Aber wenn das IKRK den Gazastreifen als „besetzt“ definiert und Ihre Antwort beweist, dass es das tut (Ich gebe zu, ich hoffte, es sei ein Fehler), dann beweisen Sie, dass das IKRK einen anderen Standard für seine Definition von Besatzung hat, der nur für Israel gilt.

Ich denke, dass ihre Reaktion zeigt, dass ich Recht habe.