Druck aushalten

DryBones, 16. Juni 2015

Wir müssen klug sein. Wir dürfen Druck nicht nachgeben, der ständig auf uns ausgeübt wird. Und wir müssen die nächste Generation ausbilden klug zuu sein und wir müssen sie fähig machen den vor uns liegenden Herausforderungen nicht nachzugeben.

Den jüdischen Staat delegitimieren

DryBones, 11. Juni 2015

Das Schockierende an Bernard Boutons Beitrag zu Irans antisemitischem Holocaust-Karikaturenwettbewerb, der Palästinenser als „Opfer eines Holocaust“ darstellt, besteht darin, dass wir von der Karikatur nicht schockiert sind. Wir sind aus dem einfachen Grund nicht schockiert, weil in den letzten Jahren von Karikaturen überflutet wurden, die bizarrerweise behaupten, dass die Juden die Täter eines Holocaust an den palästinensischen Arabern sind. „Bizarr“, weil es die unsäglichen Realitäten des wahren Holocaust verharmlost; öffentliche Buchverbrennungen, Zerstörung von Synagogen, Ausschluss aus Schulen, Boykott von Geschäften, das Zusammentreiben von Zivilisten, die öffentlich erniedrigt und in Viehwaggons in Todeslager abtransportiert wurden, Nummern auf die Arme tätowiert bekamen, als Häftlinge verhungerten, sterilisiert, gefoltert wurden, sich zu Tode arbeiten mussten, in Gaskammern getrieben wurden, Babys, die lebend in Öfen geworfen wurden, um Kugeln zu sparen usw. usw. usw… Nichts davon hat irgendeine Parallele im Umgang mit den palästinensischen Arabern. Wie kommt es dann, dass diese irrationalen Karikaturen, die Judenhass fördern und Gewalt und mörderische Angriffe von „wahren Gläubigen“ auf Juden entfachen, von Karikaturisten wie Bernard Bouton und so vielen anderen gezeichnet werden?

Eric Hoffer untersuchte im 20. Jahrhundert in seinem Buch „Die wahren Gläubigen“ die Mechanismen und Taktiken der Massenbewegungen, die versuchten seine Welt zu erobern und umzugestalten – Bewegungen wie der Nationalsozialismus, Faschismus, Kommunismus, Sozialismus, Anarchismus usw. Er kam zu dem faszinierenden und entlarvenden Schluss, dass „eine Massenbewegung ohne den Glauben an einen Gott aufkommen und sich verbreiten kann, aber niemals ohne den Glauben an einen Teufel“. Der Nationalsozialismus fand seinen „Teufel“ in „der Bedrohung“, die die Juden für die Welt darstellten. Der volle Name der Nazipartei war „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“, aber wer erinnert sich, dass ihre Ideen und Ideale andere waren als Judenhass und rassische Überlegenheit? Ihre Identität und Überzeugungen wurden von ihrem wahnsinnigen Judenhass zerstört. Heute sind wir im 21. Jahrhundert Zeugen des Aufstiegs einer weiteren Massenbewegung, die anstrebt die Welt zu erobern und zu verändern. Sie wird Islamismus genannt. Und ihr „Teufel“ ist, wie der der Nazis, „die Bedrohung der Welt durch die Juden“. Die Identität des Islam und seine Überzeugungen sind vom wahnsinnigen Judenhass der Islamisten vernichtet worden. „Antisemitismus“ ist ein Synonym für Judenhass. Er ist ein Begriff, der 1879 von einem Deutschen namens Wilhelm Marr erfunden wurde.

Um Boutons Karikatur zu verstehen, muss man begreifen, dass Antisemitismus Verhaltens- und Kulturvirus ist, der die Gesellschaft infiziert. Wie in Virus, der einen Computer infiziert oder ein Virus, der einen Menschen infiziert, besteht der Hauptstoß dieses Virus den Wirt zu übernehmen, den er infiziert. Sein Ziel ist es sich auf jeden weiteren Wirt zu übertragen, mit dem er in Kontakt kommt. Boutons Karikatur ist, sehr einfach ausgedrückt, mit dem Virus des Judenhasses infiziert. Wie jemand, der einen Virus hat und die Krankheit durch Niesen verbreitet, kann der Karikaturist Bouton (und andere wie er) die Krankheit nicht kontrollieren, die ihn infiziert und zwingt andere zu infizieren. In den 1930-er Jahren stellten die Nazis eine begrenzte Zahl an Bildern viralen Antisemitismus zusammen. In einer Studie, die ich an der Yale University für die Initiative zum Interdisziplinären Studium des Antisemitismus und Rassismus (YIISA) erstellte und die von der Yale University Press veröffentlicht wurde, stellte ich fest, dass der von Nazis geschaffene Satz viraler Bilder, der in Karikaturen eingebettet wird, in zwei Stränge unterschieden werden kann; der eine Strang beantwortet die Frage, was die Juden sind (gehörnte Teufel, Spinnen, Schlangen, mit Fangzähnen bewehrte Vampire, Ratten usw.). Der zweite Strang beantwortete die Frage, was Juden tun (Babys töten, Blut trinken, die Medien kontrollieren, die Banken besitzen, die Welt beherrschen usw.). Diese beiden viralen Karikaturenstränge infizierten die Leser mit der Vorstellung, dass sie wahrscheinlich Opfer der mächtigen, dämonischen Juden sein würden.

Und wie die Nazis vor ihnen nutzten die Islamisten erfolgreich genau diese viralen Karikturenbilder, um ihre antijüdischen Verleumdungen und ihren Judenhass zu verbreiten.

Fotos von Konzentrationslagern zeigen jedoch, dass die Juden selbst nicht bedrohliche, schwache, bedauernswerte Opfer waren, die für andere keine glaubwürdige Bedrohung waren. Das stellte eine Herausforderung für die Verbreitung des Antisemitismus dar. Antisemiten begannen als Reaktion darauf zu bestreiten, dass der Holocaust jemals stattgefunden hatte. Holocaust-Leugnung ging jämmerlich daneben, doch es liegt in der Natur eines Virus, dass er resistente Stränge entwickelt. Und sie bildete ich ein dritter Strang heraus, der Holocaust-resistent ist. Seine viralen Bilder streiten die Nazi-Gräuel nicht ab und leugnen auch nicht die Schrecken des Holocaust. Dieser neue Strang nutzt Karikaturen, um das Konzept zu verbreiten, dass die Juden die Nazis sind und dass der Holocaust Wirklichkeit ist und von den Juden begangen wurde!!

Der Gebrauch dieses neuen Holocaust-Karikatur-Strangs ist ein Versuch eine potenzielle Basis von 1,57 Milliarden Muslimen (die mehr als 23% der Weltbevölkerung ausmacht) aufzustacheln eine winzige jüdische Bevölkerung von etwa 14 Millionen (weniger als 0,2 Prozent der Weltbevölkerung) anzugreifen und Nichtmuslime zu ermutigen diesen Judenhass als berechtigt zu akzeptieren, was uns dazu bringt den traurigen Fall des Bernard Bouton zu begutachten, eines französischen Karikaturisten und Präsident der Vereinigung der Karikaturisten-Organisationen (FECO). Weniger als sechs Monate nach den drei Tagen des Charlie Hebdo-Terrors in Frankreich, bei dem Juden in einem Pariser Supermarkt angegriffen und getötet wurden, weil sie Juden waren, erleben wir in einem Frankreich, das Juden gegenüber zunehmend feindselig wird, einen französischen Karikaturisten, der seine „Juden sind die Täter des Holocaust“-Karikatur als Beitrag für den zweiten iranischen „Holocaust-Karikturen-Wettbewerb“ offeriert.

Eine wahrlich traurige Angelegenheit, einen französischen Karikaturisten zu sehen, der mit den Feinden Frankreichs und der westlichen Zivilisation kollaboriert. Man hätte erwartet, dass der Präsident der Vereinigung der Karikaturisten-Organisationen für die Freilassung der iranischen Karikaturistin Atena Farghadani kämpft, gegen die von einem iranischen Gericht eine zwölfjährige Gefängnisstrafe verhängt wurde, weil sie auf ihrer Facebook-Seite eine Karikatur postete, die die sie nicht mochten. Man hätte erwartet, dass der Präsident der Vereinigung der Karikaturisten-Organisationen gegen den kometenhaften Aufstieg des Judenhasses in Frankreich kämpft. Man hätte vom Präsidenten der Vereinigung der Karikaturisten-Organisationen erwartet, dass er gegen die Boykottierung des jüdischen Staates, seiner Universitäten und seiner Produkte kämpft. Doch in Boutons Fall wären diese Erwartungen klar falsch gewesen. Er kann sich nicht selbst heilen und den antisemitischen Virus abstoßen, der seine Psyche und seine Arbeit infiziert hat. Kapitulation vor der Krankheit ist so viel einfacher als Mut, Selbsterkenntnis und Widerstand.