Antiisraelische Italiener missbrauchen die Erinnerung an den Holocaust

Manfred Gerstenfeld interviewt Angelo Pezzana, 23. Januar 2012 (direkt vom Autor)

„Im Januar 2012 sagte Ricardo Pacifici, Präsident der Jüdischen Gemeinde von Rom, dass wir jedes Jahr um den nationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar ‚Zeugen von Empörendem und Provokationen werden, die wir nicht länger tolerieren können.‘ Pacifici reagierte, nachdem Vandalen neu gelegte Gedenk-Stolpersteine beseitigt hatten, Pflastersteine mit Messingplakette auf der Oberseite, die die Namen von Holocaust-Opfern tragen. Diese Steine werden im Bürgersteig vor Gebäuden eingelassen, in denen die lebten, derer gedacht wird.“

Angelo Pezzana
Angelo Pezzana

Angelo Pezzana ist italiensicher Journalist. 2001 gründete er die Internetseite www.informazionecorretta.com. Diese hat viele tausend Abonnenten und Besucher; in der Hauptsache bietet sie tägliche kritische Analysen der italienischen Medien. Sie ist außerdem eine führende italienische Informationsquelle zu politischen Themen, die Israel und den Antisemitismus betreffen.

Pezzana sagt: „Am 20. Juli 2000 verabschiedete das italienische Parlament das Gesetz 211, in dem es ausdrücklich heißt: ‚Die italienische Republik erkennt den 27. Januar – das Datum, an dem die Tore von Auschwitz niedergerissen wurden – als Erinnerungstag für die Rassengesetze, die Verfolgung der jüdischen Bürger durch Italien, die deportierten, eingekerkerten und ermordeten Italiener wie auch derer, die in unterschiedlichen Organisationen gegen das Vernichtungsprojekt opponierten und unter Einsatz ihres eigenen Lebens das Leben anderer retteten und die Verfolgten schützten.‘

Der Gesetzestext ist klar. Es ist wichtig, dass es auch die Verantwortung der faschistischen Kollaborateure Italiens einschließt. Die Absichten des italienischen Parlaments waren zwar gut – die Erinnerung sollte am Leben erhalten werden – aber einige Ergebnisse waren negativ, wie Pacificis Äußerung andeutet.

Der Schoah wurde bereits viele Jahre gedacht, bevor das Gesetz in Kraft trat; Zeitungen brachten die Zeugnisse von Überlebenden, Fernsehsender zeigten Filme und es wurden entsprechende Dokumentarfilme mit Originalfotografien aus Archiven erstellt. In Schulen wurden Texte berühmter Schriftsteller wie Primo Levi gelesen. Lehrer diskutierten deren Inhalte mit ihren Schülern. Die Autoren wurden regelmäßig eingeladen vor den Schülern zu sprechen.

Damals war Erinnerung noch etwas Respektvolles. Diejenigen, die Israel hassten, wagten es nicht öffentlich gegen die zu demonstrieren, die den jüdischen Staat wiedererrichtet hatten. Diese Leute nahmen sogar an den Erinnerungsveranstaltungen gegen ermordete Juden teil, weil sie Angst hatten als Antisemiten eingestuft zu werden.

Den 27. Januar als Tag der Erinnerung festzulegen hat aus ihm in ein nationales Ereignis gemacht, zu dem jeder seine Meinung bekunden kann, so erbärmlich sie auch sein mag. Letzteres geschieht meistens in Schulen. Es werden Treffen mit hunderten Schülern abgehalten, zu denen linksextreme Professoren als Sprecher eingeladen werden. Sie präsentieren die Schoah auf eine verzerrte Art und Weise. Dies führt danach zu einer öffentlichen Diskussion, in der gewöhnlich die Verbrechen der Nazis mit der Politik Israels verknüpft werden.

Diese Hassprediger sind verbal so gewalttätig, dass Moderate ihre Meinung nicht äußern können. Ich habe an einer Reihe solcher Treffen teilgenommen. Die entsetzliche Vergangenheit wurde schnell vergessen, um den Hass auf Israel zum Ausdruck zu bringen. Der am häufigsten wiederholte Satz war: ‚Israel tut den Palästinensern an, was die Nazis den Juden antaten.‘

Das sind keine isolierten Ereignisse. Sie sind das Ergebnis von Jahrzehnten der Propaganda, die aus dem Umfeld linksgerichteter Politik, Gewerkschaften und Kirchen kommt. Das gilt nicht nur für die dominante katholische Kirche, sondern auch für verschiedene Protestanten. Kirchen sind sehr oft Gastgeber von Treffen mit propalästinensischen Rednern. Die Teilnehmer dieser Propaganda-Versammlungen haben kein angemessenes Wissen zu den Fakten und sind bereit zu akzeptieren, was immer dort vortragen wird. Dies um so mehr, als Priester anwesend sind, die völlig mit dem dort gesagten übereinstimmen.

In intellektuell höher stehende Veranstaltungsorte wie z.B. Universitäten werden antiisraelische Israelis zu Vorträgen eingeladen. Das ist eine schmutzige, aber effektive Art Israel zu delegitimieren. Shlomo Sand, Professor für Geschichte an der Universität Tel Aviv, besuchte 2011 Italien. Sein Buch The Invention of the Jewish People (Die Erfindung des jüdischen Volks) ist in viele Sprachen übersetzt worden. Sand behauptet, das jüdische Volk habe nie existiert. All dies ist Teil des politischen Krieges gegen Israel. In diesem werden subtile Techniken eingesetzt und er erscheint damit noch überzeugender.

Durch diese Manipulationen ist die Schoah zu einem effektiven Werkzeug gegen Israel geworden. Mit der Rechtfertigung der Erinnerung an 6 Millionen ermordete Juden werden Anstrengungen unternommen, dieselben Ergebnisse bezüglich 6 Millionen lebender Juden zu erzielen. Die Absicht des italienischen Parlaments war radikal anders, doch das Gesetz 211 liefert eine unerwartete Plattform für all die, die anstreben den jüdischen Staat Israel auf jede erdenkliche Weise zu verleumden.“

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Vorsitzender des Aufsichtsrats des Jerusalem Center of Public Affairs.

Mit Holocaust-Filmen Geschichte schreiben

Manfred Gerstenfeld interviewt Willy Lindwer (direkt vom Autor)

Willy Lindwer
Willy Lindwer

Der Dokumentarfilmer Willy Lindwer wurde 1946 in Amsterdam geboren. Er lebt heute in Jerusalem. Für seinen weithin gezeigten Film „The Last Seven Months of Anne Frank“ (Die letzten sieben Monate der Anne Frank) erhielt er 1988 den internationalen Emmy – die höchste Auszeichnung für Filmemacher. 2010 wurde Lindwer von der niederländischen Königin in den Ritterstand erhoben.

„Als ich 1969 an der Niederländischen Filmakademie studierte, machte ich eine zweiteilige Dokumentation über die Rolle der niederländischen Polizei während der deutschen Besatzung. Das war in den 1960-er Jahren recht schockierend, die meisten Polizeichefs hatten selbst eine dubiose Vergangenheit im Krieg. Die niederländischen Behörden behielten sie ohne große Untersuchung im Polizeidienst.

Im Zweiten Weltkrieg gab es in der niederländischen Polizei viele Kollaborateure. Nach dem Krieg mussten die Niederlande saubere Hände vorweisen und ihre Vergangenheit überprüfen. Einige zu langen Gefängnisstrafen verurteilte Polizisten wurden ein paar Jahre später frei gelassen. Andere gingen nach Indonesien, das damals noch eine niederländische Kolonie war. Als sie in die Niederlande zurückkehrten, setzten sie ihre Polizeikarriere einfach fort.

Damals wollten die Niederländischen Fernsehsender meinen Film nicht zeigen. Der Direktor der Filmakademie sagte mir, dass die Medien die Rolle der niederländischen Polizei während des Krieges immer noch als Tabu betrachteten. Erst in den 1980-ern kam plötzlich Interesse an dieser Dokumentation auf.

1986 verließ ich das öffentlich-rechtliche niederländische Fernsehen und wurde ein unabhängiger Produzent.

Ich war nun in der Lage Filme zu Fragen zu produzieren, die mich persönlich berührten. Der erste war eine Biografie Marek Edelmans, des einzigen damals noch lebenden Anführers der jüdischen Widerstands im Warschauer Ghetto. Er wurde ein sehr bekannter Kardiologe in Lodz.

Meine nächste Geschichte war Anne Franks Leben in den Konzentrationslagern. Anne war wegen ihres Tagebuchs in der Zeit, in der sie versteckt lebte, weithin bekannt. Doch den letzten Monaten ihres Lebens in Auschwitz und Bergen-Belsen wurde keine Aufmerksamkeit geschenkt. Als Vorbereitung des Films besuchte ich Hans Westra, damals Direktor der Anne Frank-Stiftung. Er lehnte eine Zusammenarbeit mit mir ab, weil – so behauptete er – das KZ die Aufmerksamkeit von Annes Geschichte im Versteck abziehen würde. Er sagte: ‚Ein Symbol sollte in einem Film nicht sterben!‘

Zum Glück saß ich auf einem Stuhl, andernfalls wäre ich in Ohnmacht gefallen. Ich antwortete: ‚Ich werde diese Dokumentation ohne Ihre Beteiligung machen.‘ In meinem Film wird das Anne Frank-Haus weder gezeigt noch erwähnt. Später, in anderen Zusammenhängen, kam ein großer Streit auf, weil die Tatsache, dass Anne Frank Jüdin war, nicht in die Agenda der Stiftung zu passen schien. Dort gab man der Konzentration auf Diskriminierung allgemein und nicht besonders gegenüber Juden den Vorzug. Wegen der Entjudaisierungs-Versuche der Stiftung wurden mehrere pro-jüdische Mitarbeiter entlassen.

Ich habe 22 Filme über den Holocaust gemacht; die meisten davon haben die Niederlande zum Gegenstand. Einer war über das niederländische Übergangslager Westerbork. Von dort fuhren die Züge mit Juden in die Vernichtungs- und Konzentrationslager in Polen. Ein weiterer Film beschäftigte sich mit der Art, wie der Judenrat in Amsterdam arbeitete und mit den unmöglichen Entscheidungen, die er zu treffen hatte.

2000 machte ich einen Zweiteiler mit dem Titel ‚Sie taten ihre Pflicht‘. Das war eine Reihe von Gesprächen mit Niederländern, die eine Rolle im Deportationsprozess spielten. In dem Film waren Menschen zu sehen, die ein ‚J‘ in niederländisch-jüdische Personalausweise stempelten, Polizisten, die Juden verhafteten, Wachen in Westerbork und Eisenbahnpersonal, das Juden transportierte.

Der Höhepunkt meiner Arbeit zu den Niederlanden war der Zweiteiler ‚Goodbye Holland‘ (2004). Er porträtiert die unterschiedlichen Einstellungen von Niederländern im Zweiten Weltkrieg. Der Film erzählt auch die Geschichte der Mitglieder meiner eigenen Familie. Einige wurden von Niederländern verraten, von Niederländern verhaftet, in Westerbork von Niederländer bewacht und von niederländischen Zugbegleitern in Zügen auf die erste Etappe in ihren Tod in Polen geschickt. In dem Film tauchen keine Deutschen auf.

Ich habe auch mehrere Filme über den Krieg außerhalb der Niederlande gemacht. Einer ist eine Dokumentation aus dem Jahr 1992 über die Wannsee-Konferenz fünfzig Jahre danach. Am 20. Januar 1942 diskutierten deutsche Schlüsselpersönlichkeiten darüber, wie die Vernichtung der Juden durchgeführt werden kann. Ein weiterer Film aus dem Jahr 1994 ist eine Biographie Simon Wiesenthals, des österreichisch-jüdischen Nazijägers.

Ein weiterer wichtiger Film ist ‚Messengers without an Audience‘ (Boten ohne Zuhörer); er zeigte, dass einige Menschen wie Jan Karski versuchten den Westen und besonders Präsident Roosevelt und den britischen Premierminister Churchill über die Vernichtung der Juden in den Konzentrationslagern zu informieren. Diese Politiker hörten zu, unternahmen aber nichts.“

Lindwer hat auch Dokumentationen gemacht, die nichts mit dem Krieg zu tun haben. Zu diesen gehören Filme über den ehemaligen Jerusalemer Bürgermeister Teddy Kollek (1993), den ehemaligen Premierminister Yitzchak Rabin (1998) und den derzeitigen Präsidenten Israels, Shimon Peres (2008).

Lindwer schließt: „In den Niederlanden sind die meisten Reaktionen auf meine Dokumentationen positiv. Im Verlauf der Jahre habe ich festgestellt, dass viele Niederländer meine Filme gesehen haben. Mein Beitrag zur Aufzeichnung der niederländischen Geschichte hat hauptsächlich in Filmen über den Zweiten Weltkrieg seinen Ausdruck gefunden.

Dies ist die gekürzte Version eines Interviews, das auf Niederländisch in Manfred Gerstenfelds Bestseller „„Het Verval, Joden in een stuurloos Nederland“ (Der Niedergang: Juden in den führungslosen Niederlanden, 2010) erschien.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Vorsitzender des Aufsichtsrats des Jerusalem Center of Public Affairs.

Die Zerstörung der Erinnerung an das Vorhandensein von Juden in Osteuropa

Eine Fallstudie: Das ehemalige Jugoslawien

Interview von Manfred Gerstenfeld mit Ivan Ceresnjes, 12. Dezember 2011 (direkt vom Autor)

„Die Erinnerung an die vielen Juden in Osteuropa vor dem Zweiten Weltkrieg wird zunehmend zerstört. Dieser Prozess ist zum Teil gewollt; teilweise geschieht er aus der Vernachlässigung jüdischer Stätten und Gedenkstätten. Um die verschiedenen daran beteiligten Faktoren verstehen zu können, wirft man am besten einen Blick auf die ehemalige Bundesrepublik Jugoslawien. Ihr Auseinanderfallen im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte hat den Prozess beschleunigt, der andernorts langsamer vonstatten geht. Das betrifft sowohl Versuche die kollektive Erinnerung der Bürger, wie auch den physischen Verfall jüdischer Stätten, Mahnmale und Denkmäler. Mahnmale werden in der Regel gebaut, um die Erinnerung an eine bedeutende Person, ein Ereignis der Geschichte oder eine Zeitspanne zu bewahren. Denkmäler stehen in der Regel mit Tod und Zerstörung in Zusammenhang.“

Ivan Ceresnjes
Ivan Ceresnjes

Ivan Ceresnjes war Leiter der jüdischen Gemeinde von Bosnien-Herzegowina und stellvertretender Vorsitzender des Jugoslawischen Verbandes jüdischer Gemeinden, bis er 1996 nach Israel emigrierte. Er hilft der US-Kongresskommission zum Schutz und Erhalt amerikanischen Eigentums im Ausland. Diese Kommission wurde 1985 geschaffen, um einen Überblick über jüdische Friedhöfe, Mahnmale und Denkmäler zu bekommen und zu diese erforschen. Der Schwerpunkt liegt fast komplett in Osteuropa, denn hauptsächlich dort verschwindet diese Infrastruktur rapide.

„Ähnlich wie in anderen einst kommunistischen Ländern hat das ehemalige Jugoslawien sich von dem politisch korrekten, allgemeinen Ansatz des Gedenkens der Vergangenheit in neue Richtungen entwickelt. Aus kommunistischer Sicht konnte das Leiden einer Gruppe von Staatsbürgern unter Nazideutschland und seinen Verbündeten nicht von dem anderer getrennt werden. Den Menschen wurde gesagt, dass all ihre Bürger unter Feinden sowohl von außen wie von innen gelitten hatten.

Viele Europäer kollaborierten mit den Deutschen. In den meisten Gebieten Jugoslawiens wurden Angehörige bestimmter Menschengruppen zur gleichen Zeit ermordet. In der Regel war das ein ethnischer Mix aus Menschen, zu denen auch – nach Angaben der örtlichen Bevölkerungszusammensetzung – Muslime, andere Feinde der Nazis wie auch Faschisten gehören konnten.

Nach dem Holocaust kam langsam eine neue Art des jüdischen Gedenkens auf. Es fand ausschließlich Zuhause, innerhalb der Familie statt. Der nächste Schritt bestand darin, allmählich an Orten, die Juden gehörten und von ihnen genutzt wurden (wie Synagogen und jüdische Friedhöfe), Denkmäler und Mahnmale zu errichten. Eine Gedenkplatte anzubringen wurde sogar als eine Art Protest gegen die Kommunisten betrachtet, da die Sowjetunion das in der Regel nicht erlaubte.

Ganz langsam begannen in den frühen 1950-er Jahren besondere Mahnmale für Juden an öffentlichen Orten aufzukommen, ebenso Gedenktafeln an Institutionen, die nicht ausdrücklich in Verbindung zu Juden standen. Damit wurde den Juden ein Platz in der nationalen Geschichte gegeben. Denkmäler in osteuropäischen Ländern sind eng mit Nationalismus verbunden, der unter der kommunistischen Herrschaft stark unterdrückt worden war.

Nach dem Untergang des Kommunismus, zerstörte der Ausbruch des unterdrückten Nationalismus die Bundesrepublik Jugoslawien. Sieben unabhängige Staaten entstanden, von denen jeder seine Geschichte umschreibt. Damit ist auch die Erinnerung an den Holocaust entsprechend des nationalen Kontextes zerstückelt. In der Geschichte der Menschheit ist der Holocaust ein nie da gewesenes Mega-Ereignis. Dieses breitere Verstehen geht allerdings in Gesellschaften verloren, in denen seit dem Zweiten Weltkrieg keine geschichtliche Forschung unternommen wurde.“

Ceresnjes stellt fest: „Die Ermordung von sechs Millionen Juden in Europa hat ihre Familien nicht nur dramatisch betroffen. Er bedeutete auch, dass die große Mehrzahl der jüdischen Stätten in Osteuropa vernachlässigt wurde. Dazu gehört eine große Zahl an Synagogen, Gemeindegebäuden, Friedhöfen,  und anderer Orte, die zu Denkmalen für die frühere jüdische Präsenz werden könnten. In einigen Ländern übernimmt es die nationale jüdische Gemeinschaft einige Tafeln an Gebäuden anzubringen, die früher Synagogen waren, aber das kommt eher selten vor.

Manchmal kennzeichnen Regierungen oder örtliche Behörden jüdische Orte. Sie tun das regelmäßig, um die Aufmerksamkeit der westlichen Welt zu bekommen und zu zeigen, dass die Juden Teil ihrer Geschichte waren. Oft hegen sie allerdings die Erinnerung an die ermordeten Juden und die verschwundenen Gemeinden, ohne näher auszuführen, wie und warum das geschah.

Das Aufkommen des unterdrückten Nationalismus in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens hat ein Verlangen danach geschaffen die Geschichte neu zu schreiben. Das beeinflusst die Geschichte der und Erinnerung an die Juden. Es ist ein recht verbreitetes Phänomen, dass bestimmte Nationen versuchen alle Opfer der Nazis außer denen ihrer eigenen Nation zu tilgen. In diesem Prozess verschwinden auch die Namen der jüdischen Opfer.

Die Lage in all diesen Ländern ist im Wandel begriffen. Es werden zunehmend Fragen zur Tilgung der Namen anderer Volksangehöriger durch die verschiedenen Nachfolgestaaten gestellt. Das kollektive Gedächtnis hat sich verändert und wird sich weiter verändern. Doch Mahnmale, werden sie nicht beschädigt oder verändert, bestehen weiter, während sich die Gesellschaft verändert.

Man kann sich nur Gedanken machen, wie die Rolle der Juden aussehen wird, während sich neue kollektive Erinnerungen entwickeln. Auch aus diesem Grund ist es wichtig, dass die physischen jüdischen Infrastrukturen nicht weiter abgetragen werden und dass Gedenkstätten an jüdischen Orten erhalten werden. Die Mahnmale erinnern die Menschen vor Ort an das, was den Juden geschah. Vielen gestattet die Existenz eines jüdischen Mahnmals nicht, dass sie vergessen.“

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Vorsitzender des Aufsichtsrats des Jerusalem Center of Public Affairs.

Zeit, Rabin loszulassen

Daniel Greenfield, Sultan Knish, 3. November 2010

Die jährliche Wiederkehr des Todes Rabins ist schon lange nicht mehr als ein trauriges Schauspiel. Sie ist eine Bühne für Linksaußen-Politiker, die im übrigen völlig irrelevant geworden sind, um wegen Frieden zu posieren und eine Chance dafür, dass die linken Medien atemlos Skandale über „Rechtsgerichtete“ ausgraben, die den geheiligten Tag des Todes Rabins nicht respektieren. Das ist die armselige Art und Weise, wie Israels degenerierende linke Elite ihre Zeit verschwendet – für hohle Reden über Frieden und wütende Artikel, die die fehlende Anerkennung ihres Personenkults beklagen.

Als Verkörperung der Irrelevanz der Linken schleppte sich der jetzt 89-jährige Peres hinüber zum Rabin-Platz in Tel Aviv, um zu erklären: „Wir sind entschlossener als die Feinde des Friedens und deshalb werden wir siegen.“ 1996, als die Linke die „Feinde des Friedens“ brandmarkte, meinten sie Netanyahu. Jetzt ist Netanyahu wieder im Amt und man kann das Los werfen, ob Peres ihn meint oder Lieberman oder die Hamas. Heute glauben wenige außerhalb der radikalen Linken überhaupt, dass das einzige Hindernis für den Frieden die israelischen Konservativen und Nationalisten sind. Die armseligen paar Tausend, die auf den Rabin-Platz trotteten, dokumentieren das.

18 Jahre, nachdem die Linke Israel illegal die Friedens-Zeitverschwendung aufdrängte, klingt ihr Gerede armselig hohl. „Sei haben nicht gewonnen und sie werden nicht gewinnen und uns unseren einzigen Besitz wegfangen. Ein Besitz, der unbezahlbar ist… Dieser teure Besitz heißt Hoffnung, er heißt Hoffnung“, deklamierte Peres. Es hat in dem Land seit langer Zeit keinen Frieden gegeben. Und für die meisten Israelis ist der kostbarste Besitz nicht der Mythos des Friedens, sondern ihr Haus, ihre Familie im Land Israel – die die Linke in ihrem fiebrigen Streben nach Frieden in Gefahr gebracht hat.

Neben der Denunzierung israelische Fernsehkanäle, weil die sich weigerten die Veranstaltung live zu übertragen, aus dem rationalen Grund, dass sie derzeit niemand sehen will, haben die Medien einen weiteren künstlich fabrizierten Skandal zusammengeschustert. Darin wir die Studentenvereinigung der Bar Ilan-Universität beschuldigt, weil sie es wagte zur Eröffnung des Studienjahres eine Party zu geben, am Datum der Ermordung nach dem gregorianischen Kalender. Klar, diese Rechtsgerichteten schmeißen eine Party, um sich über Rabins Tod an einem Kalendertag lustig zu machen, der nicht einmal für den Jahrestag genutzt wird. Der nächste Schritt besteht wahrscheinlich darin herauszufinden, was die Studenten der Bar Ilan am Jahrestag des Todes Rabins im chinesischen Kalender tun werden. Und dann geht es weiter zum aztekischen Kalender.

So wie Verschwörungstheoretiker nichts mehr lieben als Zusammenhänge zwischen der Ermordung Kennedys und Howard Hunt herzustellen, ist jede Erwähnung der Bar Ilan für die israelische Linke ein pawlowscher Pfiff, mit dem Yigal Amir mit der Bar Ilan und jedem rechts von ihnen selbst gleichgestellt wird. „Die Feinde des Friedens.“ Diejenigen, die Rabin töteten und dann auf sein Grab spuckten. Doch seitdem sind Premierminister von allen Seiten gekommen und gegangen. Rabins alte Arbeitspartei ist nur noch eine Hülle ihres alten Selbst. Kein Premierminister der Arbeitspartei oder der Kadima war in der Lage den Gordischen Knoten des Terrorstaates zu entwirren, den Rabin und Peres in die Grenzen Israels importierten.

Die israelische Linke ist inzwischen zerstückelt. Die radikale Linke nimmt die Frage der Verhandlungen nicht länger ernst. Stattdessen sind sie zu vollem Verrat übergegangen. Ihre Vorbilder sind Tali Fahima und Anat Kam. Sie arbeiten für NGOs oder Aktivistengruppen, die von der EU oder George Soros finanziert werden. Sie schwenken kommunistische Flaggen und leben Brände in Weinbergen jüdischer Bauern. Sie drängen Soldaten, sich der Wehrpflicht zu entziehen und machen Geheiminformationen öffentlich. Sei schmuggeln potenzielle Terroristen in ihren Autos nach Israel. Sie unterstützen internationale Boykotte gegen Israel.

Sie befinden sich inzwischen jenseits des politischen Prozesses und statt den Staat zu nutzen, um Frieden herbeizuführen, versuchen sie Israel zu vernichten. In Rabins Erbe gibt es nichts davon. Und während einige von ihnen sich auf dem Kikar Rabin zeigen, haben sie wenig für die alten Linken übrig, die immer noch Israels Existenz in irgendeiner Form behalten wollen. Die neue israelische Linke ist nicht nur radikal, sie postisraelisch. Sie freut sich auf die Abschaffung des Staates. Ihre Gelder kommen aus dem Ausland. Ihre Reihen bestehen aus den fanatischen, den verblendeten und bezahlten Verrätern.

Die Linke, die eher dem Mainstream angehört, findet sich als isoliert und irrelevant wieder. Peres‘ Fantasien eines Neuen Nahen Ostens erscheinen in einer Umgebung armselig kindisch, in der Israel mehr als je zuvor gehasst wird und der einzig mögliche Frieden mit hohen Mauern und fortschrittlichen Waffensystem erzielt werden kann. Yossi Sarid gibt trauernd zu, dass der Rabin-Tag eine schlechte Idee war und verurteilt Peres und den Rest der Linken dafür Rabins „Traum“ im aufgegeben zu haben. Die Wahrheit ist allerdings, dass es nie einen Traum gab.

Die unschöne Wahrheit ist: Die Arbeitspartei war bereits zu Rabins Zeiten scheintot. Sie war zur Partei der Korruption ohne neue Ideen geworden. Während der Likud für wirtschaftliche Reformen und nationale Sicherheit eintrat, war die Avoda todgeweiht und irrelevant geworden. Als nochmal eine Chance auf die Macht kam, machten Rabin und Peres unter dem amerikanischen Druck dienernd eine Kehrtwende und verhandelten mit der PLO eine Art visionäre Errungenschaft. Sie begrüßten die Ideen der Linksextremen, schüttelten der PLO die Hände und zerstörten Israel.

Peres mag ein wahrer Gläubiger gewesen sein, aber Rabin war der Pragmatist. Er war bereit sich als Friedensheld Ständchen bringen zu lassen, aber sein Ziel war es nur, den Konflikt dadurch zu beenden, dass den Terroristen ein Autonomiegebiet geboten wurde. Und wenn dieses pragmatische Ziel auch dazu diente die Arbeitspartei als „Friedenspartei“ neu zu erfinden, ihre Basis zu aktivieren und ihr wieder Bedeutung zu geben – um so besser. Und das beste überhaupt: Die amerikanische Unterstützung würde die Arbeitspartei an der Macht halten.

Amerika zu trotzen hatte Shamir und Israels konservative Likud-Partei gestürzt. Der Druck mit der PLO zu verhandeln, war stetig gestiegen. Hätte Rabin sich dem widersetzt, wäre Arafat in Obskurität auf Zypern gestorben und der Terrorismus wäre eine kleine Fußnote in einem ansonsten friedlichen Israel gewesen. Stattdessen machte Rabin den Fehler sich dem Druck zu ergeben. Er schüttelte Clinton und Arafat die Hand. Und als er ermordet wurde, nutzten Clinton und Peres seinen Namen zynisch aus, um eine Politik zu fördern, der er bestenfalls skeptisch gegenüber stand.

Rabin und Peres waren das Schwanzende eines sozialistischen politischen Establishments, das sich Israel als persönlichen Jungs-Club vorstellte. Die Arbeitspartei war nie in der Lage ihre schmalbrüstige Sphäre der säkularen aschkenasischen Sozialisten irgendjemandem draußen zu vermitteln. Und selbst heute sind ihre Medienorgane wie Haaretz bitterlich außerstande sich mit einem Land zu versöhnen, das religiöser, sefardischer und eingewanderter ist. Die Jungs-Club simmert immer noch mit Hass gegen die „groß Ungewaschenen“, die Sefardim, die Siedler, die Haredim, die Russen, die Anglos und den ganzen Rest, der ihnen ihr utopisches sozialistisches Paradies genommen haben.

Die Linke hat das Land verloren, aber sie wollen einen mörderischen Todesgriff auf der Justiz, den Medien, den Universitäten und den Literaturzirkeln behalten, wo Type wie Amos Oz dafür gefeiert werden, dass sie ihren Spleen auf jeden ablassen, der aus dem Land etwas mehr als ein Café auf der Dizengoff-Straße machen wollen. Die alte Linke ist in Israel irrelevant geworden. Die neue Linke ist zu Monstern geworden, losgelöst vom Land, konzentriert auf seine Vernichtung. Die alte Linke könnte sie stoppen, aber sie entscheidet sich nicht länger dazu. Sie hat nur ihren Hass, den sie jetzt nähren kann. Ihre alten und zerbrochenen Träume.

„Niemand kann mit der Arbeitspartei bezüglich Intensität und Hass konkurrieren. Manchmal verdecken sie das mit akademischen, literarischen oder philosophischen Verkleidungen, aber es ist immer derselbe Hass, der durch ihre Venen fließt“, schrieb Eitan Haber schon 2001. Der Hass ist seitdem nur stärker geworden. Je kleiner die Arbeitspartei wurde, desto mehr wurde sie zu einer Schlangengrube. Sie ist eine Partei, deren Überbleibsel nur von ihren internen und externen Feindschaften geeint ist. Bei all dem Gerede über Frieden gibt es nicht einmal in ihren eigenen Reihen Frieden.

Die Linke hat keine Zukunft mehr. Nur ihre Vergangenheit. Und ihre Verbitterung über das, was hätte sein können. Rabin-Erinnerungen sind eine zynische politische List, in echte Trauer verwandelt – nicht um Rabin, den die meisten von ihnen von Peres abwärts hassten, sondern um ihre eigene Bedeutung. Um ihre Träume von einem pariserischen Israel, einem Land der Kaffehaus-Debatten und künstlerischen Darbeitungen, der Viertage-Arbeitswoche und dem Ende der Religion. Während die Gedenkreden die schwindenden Massen auffordern in die Zukunft zu sehen, können ihre Teilnehmer nur in die Vergangenheit blicken.

Israels politisches Establishment ist zwischen dem sanften konservativen Likud und den apolitischen Karrieristen der Kadima aufgeteilt, deren einzige politische Strategie darin besteht an die Macht zu kommen, indem sie tun, was immer Obama sagt, du dann durch amerikanische Unterstützung an der Macht zu bleiben. Kadima hat Rabins Strategie wörtlich genommen, während alles und jeder sonst missachtet wurde, außer einem unverhüllten Streben an die Macht zu kommen, um das Land auszuplündern. Anders als die anderen Parteien, die allgemein das Land im Namen von irgendetwas plündern, hat die Kadima die ultimative Selbstsucht erreicht. Ihre Korruptheit ist von Ideologie losgelöst. Sie wollen gewinnen, um zu gewinnen. Und welch besseren Ruf könnte es bezüglich des gesamten Konstrukts des Erbes Rabins geben als dass die einzige große „Pro-Frieden-Partei“ nicht länger mehr an was auch immer glaubt.

„Das Problem mit Israel ist, dass seine politisch Rechten große Trottel sind und seine politischen Linken absolut böse“, sagte einmal Präsident Chaim Herzog. Und fasst damit die Situation nur allzu gut zusammen. Die Rechte ist dumm und die Linke böse. Aber wo es einst das Böse spießbürgerlicher Tyrannen war, ist es jetzt das Böse abgesetzter Könige, die proklamieren: „Nach mir die Sintflut!“ Und welches bessere Motto könnte es je für den gesamten Friedenswahn geben, als eine lange Aufforderung zum „nach mir die Sintflut“.

Es ist an der Zeit, dass Israel Rabin loslässt, womit ich meine, dass es Zeit ist, dass die Linke ihn loslässt. Das Land selbst hat das längt getan. Nur die Verbitterten, die Realitätsfernen, hängen diesem Personenkult noch an. Ihren zerschlagenen Träumen, die auf katastrophaler Politik, schlechter Wirtschaftspolitik und einer kompletten Geringschätzung für die nationale Sicherheit des Landes gründeten. Die israelische Linke ist ein Synonym für Verrat geworden. Sie ist einmal mehr zum Instrument von Auslandsinteressen geworden, die das Land vernichten wollen. Um das hinter sich zu lassen, muss sie eine realistische Zukunft für Israel formulieren.

Die Linke überbietet sich beim Schuld zuschreiben. Ihre Identität ist gänzlich negativ geworden, mit ein paar Pinselstrichen idealistischen Geredes, die über eine hässliche Leinwand geworfen wurden. Aber statt mehr Hass zu ziehen, könnte es an der Zeit sein, dass die Linke vollständig und gänzlich zugibt, dass sie falsch lag. Dass ihr Geschacher idealistische Wurzeln gehabt haben könnte, aber auf einer Vision der Welt gründeten, die nicht existiert. Die Linke kontrolliert immer noch die Kultur, aber die Rechte hat den Streit vor langem gewonnen. Es ist an der Zeit Rabin und das leere Gerede von Frieden loszulassen und tatsächlich anzufangen nach der Zukunft des Staates Israel zu suchen.