Wird der Repräsentant der EU beim Weltforum zur Bekämpfung von Antisemitismus die Wahrheit eingestehen?

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Am 12. Mail wird in Jerusalem das fünfte Weltforum zur Bekämpfung von Antisemitismus beginnen. Die israelischen Regierungsministerien, die die Veranstaltung organisierten, haben den ersten Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, den Niederländer Frans Timmermans eingeladen bei der Eröffnungssitzung zu sprechen. Angesichts der diskriminierenden Einstellungen, die Timmermans, die niederländische Arbeitspartei, der er angehört und die EU gegenüber Israel hegen, schlage ich vor, dass er das Folgende in seinen Vortrag aufnimmt, um einiges aufzuklären.

Ich bin sehr froh, dass ich zu diesem Weltforum eingeladen worden bin. Es ist eine einmalige Gelegenheit, endlich die Wahrheit zu europäischer Diskriminierung Israels und zu europäischem Antisemitismus einzugestehen und zu erklären. Ich möchte auch die indirekte Unterstützung der Islamo-Nazis von der Hamas durch meine eigene Partei, die niederländische Arbeitspartei, erklären und mich für mein Vorurteil bezüglich Israels entschuldigen.

Europa hat eine entsetzliche, mörderische Vergangenheit mit dem jüdischen Volk, die viele Jahrhunderte zurückreicht. Ich erwähnte das vor kurzem im niederländischen Fernsehen. Es läuft auf die Tatsache hinaus, dass Antisemitismus ein Teil der europäischen Geschichte sowie seiner Kultur ist.[1] Nach dem Zweiten Weltkrieg glaubten viele naive Menschen, dass Europa seine Lektion aus dem Holocaust gelernt hätte. Sie waren Narren.

Verschiedene Studien zeigen, dass mehr als 40% der Europäer glauben, Israel führe einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser.[2] Wenn so viele Europäer derart extreme und hasserfüllte Meinungen zu Israel haben, bedeutet das, dass ein großer Teil der EU eine kriminelle Gesinnung hat. Wenn ich heute hier spreche, repräsentiere ich die EU und damit auch die vielen widerwärtigen Antisemiten der EU. Mit anderen Worten: Ich spreche hier auch im Namen von mindestens 150 Millionen Europäern über 16 Jahren, die kriminelle und antisemitische Ansichten hegen, die diesmal gegen Israel gerichtet sind. Das ist so skandalös, dass man es kaum glauben kann. Ich frage mich, wie viel die EU, verschiedene Politiker unserer Mitgliedsstaaten, viele Medien, Gewerkschaften, NGOs, Kirchen und so weiter zur Entwicklung dieser kriminellen Stereotypisierung beigetragen haben.

Ich war immer stolz darauf intelligenter zu sein als die meisten Politiker. Ich bin ein gewandter Diplomat und spreche viele Sprachen. Um dieses Image zu behalten, habe ich es oft geschafft die Wahrheit auf eine Weise zu manipulieren, dass meine Motive nicht allzu transparent sind.

Das ist der Grund, weshalb ich in einem kürzlich gegebenen Interview zugab, was viele europäische Politiker, die nicht so smart sind, heute weiterhin abstreiten. Ich sagte, dass hinter Antizionismus oft Antisemitismus steckt.[3] Ich sprach auch über griechischen Rassismus und erwähnte, dass er von der extremen Rechten kommt. Die Menschen merkten nicht, dass ich es absichtlich ablehnte zu präzisieren, welcher Teil der Bevölkerung eine unverhältnismäßig große Anzahl der schlimmsten antisemitischen Vorfälle in Europa hervorbringt. Wir alle wissen, wer verantwortlich ist, wollen das aber nicht laut sagen: Teile der muslimischen Gemeinschaften. Die EU-Staaten ließen eine riesige Zahl Einwanderer herein, ohne etwas wie ein Prüfverfahren einzuführen, obwohl wir wussten, dass viele aus den antisemitischsten Staaten der Welt kamen.[4]

Als ich EU-Kommissar wurde, stieß ich auf einen Brief von Rabbi Abraham Cooper, dem stellvertretenden Dekan des Simon Wiesenthal Center. Er hatte dem Präsidenten des Europaparlaments, Martin Schulz, wegen Europas Antiisraelismus geschrieben.[5] Dessen Antwort schlug kein konkretes Handeln vor und beinhaltete nichts als Phrasen.[6] Nina Rosenwald, die Präsidentin des Gatestone Institute, schrieb zum selben Thema dem damaligen Präsidenten der Europäische Kommission, José Manuel Barroso.[7] Der Beamte, der den Brief in dessen Namen beantwortete, vermied es ebenfalls das Thema anzusprechen.[8]

Außenminister von achtzehn EU-Staaten wollen Waren als aus der Westbank kommend etikettieren, um sie von Produkten zu unterscheiden, die innerhalb des Israel von vor 1967 gefertigt werden. Zu ihnen gehört mein Nachfolger als niederländischer Außenminister, Bert Koenders, der ebenfalls Mitglied der Arbeitspartei ist.[9] Die EU sagt außerdem, dass es ihr verboten ist in besetzten Gebieten zu investieren. Wir haben mit Israel niemals ernsthaft diskutiert, warum die Westbank als besetzt angesehen wird, statt als umstrittenes Gebiet. Eines ist jedoch sicher: Die EU investiert im türkischen Nordzypern, das auf jeden Fall besetztes Gebiet ist.[10]

Das bringt mich dazu den Begriff des zweierlei Maß zu erwähnen, eine Manipulation, die sich seit Jahrhunderten im Herzen des Antisemitismus befindet.[11] Im Dezember 2013 sprach ich an der Universität Tel Aviv über die israelisch-europäischen Beziehungen. Das ist ein heikles Thema, wenn man die Wahrheit darüber sagt. Ich zog es daher vor, ausführlich vom Grab eines israelischen Soldaten zu reden, der auf einem Militärfriedhof in den Niederlanden liegt und den meine Familie sich zu adoptieren entschied. Ich sprach auch einige Zeit über Juden, die während des Kriegs in einem Haus versteckt worden waren, das meine Familie erworben hatte.[12] Das hatte nichts mit den israelisch-europäischen Beziehungen zu tun, aber solange man sich teilnahmsvoll auf tote Juden konzentriert, kann man bei einem jüdischen Publikum nichts falsch machen.

Es wäre dumm gewesen abzustreiten, dass Europa bezüglich Israel zweierlei Maß anlegt. Nach der europäischen Antisemitismus-Definition ist zweierlei Maß als antisemitisch anzusehen. Daher haben wir jetzt die europäische Definition des Antisemitismus von unseren Internetseiten entfernt.[13] Wir können es uns nicht leisten, nach Angaben unserer eigenen Definition Antisemiten zu sein.

Ich gestand in dieser Rede an der Universität Tel Aviv ein, dass Europa bei Israel zweierlei Maß anwendet. Ich versuchte das damit wegzuerklären, dass ich behauptete, wir würden die Israelis wie Europäer betrachten und damit von ihnen mehr erwarten, als wir es von den Palästinensern oder anderen Arabern tun. Diese stufen wir nicht entsprechend europäischen Standards ein. Es mag sein, dass das nicht das Klügste war, was man tun kann, denn hinterher wurde vermerkt, dass ich wie ein alter, kolonialistischer Rassist gesprochen hatte, der europäische Überlegenheit über andere Völker geltend macht. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte jedoch besagt, dass alle Menschen mit Vernunft und einem Gewissen ausgestattet sind.[14] Das bedeutet, dass sie für ihr Tun gleichermaßen verantwortlich sind. Europa glaubt nicht, dass das für die Palästinenser gilt, was der Grund ist, dass ihre Kriminalität und Völkermord-Absichten übertüncht werden. Ich muss daher zugeben, dass meine Äußerung zu zweierlei Maß in Tel Aviv ein rassistisches Element beinhaltet.

Das Erwähnte muss vor dem Hintergrund der Politik gesehen werden, die von meiner Partei, der niederländischen Arbeitspartei, betrieben wird. Unser Parteiprogramm erwähnt den israelisch-palästinensischen Konflikt. Wir ersparen uns allerdings die Erwähnung der Hamas, ebenso der Tatsache, dass die Palästinenser diese Islamo-Nazis allen anderen vorgezogen haben, wie es in ihrer einzigen demokratischen Parlamentswahl offensichtlich wurde.[15] Die Hamas will alle Juden auslöschen, um Allah zufriedenzustellen, was sie in ihrer öffentlichen Charta ausdrücklich erklärte.[16] Wenn man über einen zeitgenössischen Typ des Nationalsozialismus schweigt und die Israelis angreift, dann ist man ein indirekter Unterstützer dieser Nazis. Das ist genau das, was meine Partei tut. Wir alle wissen, dass einer der Gründe, dass wir das tun, darin besteht, dass wir daran interessiert sind bei Wahlen die muslimischen Stimmen zu gewinnen. Unser Parteichef Diederik Samsom, ist einer der Haupthetzer gegen Israel.[17]

Was meine eigenen Äußerungen angeht, bevor ich niederländischer Außenminister wurde, so kritisierte ich Israel, wenn es seinen Wunsch zum Ausdruck brachte den UNO-Menschenrechtsrat (UNHRC) zu verlassen. Ich wusste sehr genau, dass es sich um ein eifrig antisemitisches Gremium handelt, das viele extrem barbarische Diktaturen als Mitglieder hat. Statt den UNHRC zu kritisieren und anzugreifen, forderte ich meinen Vorgänger, Minister Uri Rosenthal, auf Israel zu kritisieren.[18]

Da ich jetzt versucht habe heute die Wahrheit zu einer Reihe von wichtigen Themen zu sagen, hoffe ich, dass wir nun zusammenarbeiten können, um den Versuch zu unternehmen zu reparieren, was von den Europäern, darunter meiner Partei, über so lange Zeit zerstört wurde.

Um Herrn Timmermans bei der Vorbereitung seines Vortrags zu unterstützen, habe ich unten in der Form von Fußnoten Quellen zur Verfügung gestellt. Mit diesem Text in der Hand wird das Publikum beim anstehenden Weltforum in der Lage sein zu entscheiden, ob Herr Timmermans sich entschieden hat Farbe zu bekennen.

[1] TV-Programm Buitenhof: Paul Witteman interviewt Frans Timmermans. 15. März 2015 (Niederländisch).

[2] library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf.

[3] Buitenhof: Paul Witteman interviewt Frans Timmermans. 15. März 2015 (Niederländisch).

[4] http://global100.adl.org.

[5] Brief von Rabbi Abraham Cooper, stellvertretendem Dekan des Simon Wiesenthal Centers, an den Präsidenten des Europaparlaments, Herrn Martin Schulz, 18. Februar 204.

[6] Antwort von Martin Schulz an A. Cooper vom SWC, 3. Apri 2014.

[7] E-Mail von Frau Nina Rosenwald an Herrn José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, 25. März 2014.

[8] Antwort der Europäischen Kommission – Jean Claude Thebault an Frau Nina Rosenwald, 16. April 2014.

[9] Koenders zet etikettering weer op agenda. Telegraaf, 20. November 2014. (Niederländisch)

[10] Eugene Kontorovich: How the EU directly funds settlements in occupied territory. Jerusalem Post, 28. September 2013.

[11] Manfred Gerstenfeld: Double Standards for Israel. Journal for the Study of Antisemitism, 7. Januar 2013.

[12] Rede Frans Timmermans, Universität Tel Aviv: Israël en de EU: Voorbij de horizon. Dezember 2013.

[13] Sam Sokol: Israel Urges EU Human Rights Body to Return ‘Anti-Semitism’ Definition to Website. Jerusalem Post, 6. Dezember 2013.

[14] http://www.un.org/en/documents/udhr/ article 1.

[15] Scott Wilson: Hamas Sweeps Palestinian Elections, Complicating Peace Efforts in Mideast. Washington Post, 27. Januar 2006.

[16] http://avalon.law.yale.edu/20th_century/hamas.asp

[17] Rede von Diederik Samsom – Midden-Oostendebat PvdA Nieuwe Buitensocieteit te Zwolle. 2. März 2013 (Niederländisch).

[18] Timmermans: Protest Rosenthal nodig tegen besluit Israël. Trouw, 26. März 2012 (Niederländisch).

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (08.-14.07.2012)

Sonntag, 08.07.2012:

Der PA-Minister für Häftlingsfragen (Häftlinge in israelischen Gefängnissen) will eine neue Kampagne zur Freilassung von Häftlingen starten, die angeblich krank sind.

Heckmeck:
José Manuel Barroso, Präsident der EU-Kommission, war in Ramallah, traf sich mit Salam Fayyad und forderte die Erneuerung der israelisch-arabischen Verhandlungen – der Friedensprozess dürfe kein Opfer des Arabischen Frühlings werden.

Montag, 09.07.2012:

Netanyahu soll Abbas angeboten haben einige Häftlinge freizulassen, wenn der sich wieder mit ihm an den Verhandlungstisch begibt. Ein Sprecher des Häftlingsministers ließ wissen, dass Mahmud Abbas das Angebot ablehnt. Alle sollen freigelassen werden.

Das fördert den Frieden so sehr: Im PA-TV lief mal wieder  Werbung und Lob für die mörderischsten Terroristen – gleich zwei, die zusammen 19 Juden ermordeten, wurden als „ehrenhafter als wie alle“ gefeiert. Selbstmord-Bomber sind eine „Kerze, die den Tunnel der Freiheit erleuchtet“.

Donnerstag, 12.07.2012:

War ja wohl auch nur eine Frage der Zeit: Die UNESCO hat der Islamischen Universität von Gaza einen Lehrstuhl für Astronomie, Astrophysik und Weltraumwissenschaften beschert. Der Universität, die „Ingenieure“ ausbildet, die die „selbst gebastelten Raketen“ der Hamas bauen und die die Terroristen der Organisation geistig entsprechend heranzieht.

Die Israelis sind die Völkermörder, die „Palästinenser“ diejenigen, die nach Frieden suchen – und deshalb ist es nur logisch, dass die Einwohner des größten Konzentrationslagers (wahlweise Freiluftgefängnisses) der Welt den Frieden damit fördern, dass sie zu zwei Dritteln Mordversuche  an israelischen Zivilisten befürworten! (In Judäa und Samaria sind es zwar etwas weniger, aber das ist auch nicht unbedingt Vertrauen erweckend.)

Freitag, 13.07.2012:

Der Shalit-Deal hat für eine Erhöhung der versuchten Terroranschläge geführt, hat die IDf festgestellt.

Samstag, 14.07.2012:

Zypriotische Behörden haben einen Libanesen festgenommen, der mit einem saudischen Pass einreiste. Die Zyprioten hatten einen Tipp aus dem Ausland erhalten, dass der Araber einen Terror-Anschlag „auf israelische Interessen“ vor hatte.

Zur Erinnerung: die „täglichen Vorkommnisse“ (verhinderte Terroranschläge, versuchte Morde usw.) finden sich auf der Seite „Friedfertigkeiten 2012“; die humanitären Lieferungen und Maßnahmen Israels unter „Humanitäres“ (beides in der Sidebar zu finden).

Den Jihad von Gaza antreiben

P. David Hornik
FrontPageMagazine.com, 23. Januar 2008

Wir wissen schon lange, dass Israel seine Bürger nicht vor Terrorangriffen schützen soll. Alle israelischen Terrorbekämpfungs-Maßnahmen, angefangen bei gezielten Tötungen der Terrorchefs über das Ausmerzen des Terror-Zufluchtsorts in Jenin bis hin zu bloßen Ausgangssperren und Straßenkontrollen, sind heftig und fast von jedem verurteilt worden. Selbst die passivste aller Maßnahmen – der Bau eines Zauns, um die Terroristen draußen zu halten – ist in den Haag getadelt worden und wurde als „Apartheidsmauer“ zu einer Cause Celèbre für einen Haufen Israelfeinde.

Aber jetzt ist dem Prinzip, dass Israel sich nicht gegen Terror verteidigen darf, ein neues Prinzip hinzugefügt worden: dass Israel den Terror gegen sich selbst im wahrsten Sinne des Wortes antreiben muss.

Als letzte Woche die Bombardierung von Sderot und kleineren Gemeinden am Gazastreifen nach sieben Jahren mit rund fünfzig Raketen und ein Dutzend Mörsergranaten pro Tag einen neuen Höhepunkt erreichte, kam die taumelnde israelische Regierung auf eine Idee, die mit Sicherheit fehl schlagen musste: die Grenzübergänge zu verriegeln und die Treibstoffversorgung des Gazastreifens zu unterbrechen. Einige glauben, das würde die Einwohner Gazas dazu bringen „die Hamas unter Druck zu setzen das Raketenfeuer einzustellen“ – als ob der Gazastreifen eine parlamentarische Demokratie mit darauf reagierenden Parlamentariern sei, die sich überschlagen, um ihre Wählerschaft zufriedenzustellen.

Statt dessen war das, was seitdem geschah, in aller Düsternis vorhersagbar.

Selbst nachdem Israel alle Treibstofflieferungen eingestellt hatte, bekam der Gazastreifen noch immer zwei Drittel seines Stroms, direkt aus Israel geliefert. Trotzdem inszenierte die Hamas am Sonntagabend eine „humanitäre Krise“, indem sie das einzige Elektrizitätswerk des Gazastreifens herunter fuhr. Gaza Stadt, so heißt es in den Nachrichten, wurde „in totale Dunkelheit gestürzt“, dazu gab es einen Lichterketten-Protest marschierender Kinder, was schnell viel mehr humanitäre Sorge einbrachte, als es sieben Jahre auf Häuser und Schulen fallende Raketen schafften.

„Wir haben die Wahl entweder den Strom für Babys auf der Neugeborenenstation zu kappen oder den für Patienten mit Herzoperationen oder den Betrieb der Operationsräume einzustellen“, trällerte ein Beamter des Gesundheitsministeriums in Gaza. Das war nicht wirklich wahr, da die Hamas noch reichlich Strom hatte, die sie an die Krankenhäuser und für weitere dringend Benötigtes liefern konnte; und sie hätte selbst – theoretisch – das ganze Problem dadurch lösen können, dass sie ihre Mordversuche an Israelis einstellt. Aber es hat wunderbar funktioniert.

Derselbe Chor, der immer erklingt, um den palästinensischen Terror zu verteidigen, verpasste seinen Einsatz nicht. Am Montag sagte die EU-Kommissarin für Außenbeziehungen, Benita Ferrero-Waldner: „Ich verurteile das Raketenfeuer auf Israel und wir verstehen die Notwendigkeit vollkommen, dass Israel seine Bürger verteidigen muss… Aber die jüngste Entscheidung, alle Grenzübergänge zum Gazastreifen zu schließen, wie auch die Lieferung von Treibstoff einzustellen, wird eine bereits unheilvolle humanitäre Lage weiter verschlimmern… Ich habe klar gestellt, dass ich gegen diese kollektive Bestrafung der Menschen des Gazastreifens bin.“

Ebenfalls am Montag protestierte UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon beim israelischen Premierminister Ehud Olmert, nachdem er Israel über das Wochenende gedrängt hatte die Schließungen aufzuheben. Die Arabische Liga hielt in Kairo gemeinsam mit den arabischen Botschaftern bei der UNO ein Dringlichkeitstreffen ab und forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats, das schnell für Dienstag anberaumt wurde.

Erwartungsgemäß übernahmen die Europäer, die UNO und die Araber die Führung, aber die USA blieben nicht weit zurück. Am Dienstag sagte Außenministerin Condoleezza Rice gegenüber Reportern: „Niemand will, dass unschuldige Gazaner leiden und so haben wir mit den Israelis darüber gesprochen, wie wichtig es ist, dass man es nicht erlaubt, dass sich dort eine humanitäre Krise entwickelt.“ Sie erklärte nicht, warum sie bei ihren zahlreichen Besuchen der letzten Jahre in Israel niemals eine humanitäre Krise in Sderot wahrgenommen hatte oder irgendeine Notwendigkeit, das Leid von dessen Einwohnern zu lindern.

Der amerikanische UNO-Botschafter Zalmay Khalilzad stimmte mit ein: „Wir glauben, dass Angriffe gegen Israel inakzeptabel sind und dass es das Recht hat sich zu verteidigen. Aber wir haben auch gesagt, dass Israel, wenn es sich verteidigt, die Auswirkungen auf die Zivilisten einbeziehen muss.“ Übersetzung: „Israel hat nicht das Recht sich zu verteidigen, da es beim Handeln gegen Terroristen im Gazastreifen unmöglich ist, immer zu verhindern, dass Zivilisten zu Schaden kommen; wir könnten viel leichter mit weiteren siebzig Jahren der Bombardierung von Sderot leben, als das zuzulassen.“

Israel knickte – natürlich – schnell ein. Am Diemstag nahm es die Treibstoff-Lieferungen in den Gazastreifen wieder auf und pumpte 700.000 Liter Diesel durch den Übergang Nahal Oz, während es ebenfalls Kochgas und Medikamente lieferte. Die Hamas zeigte rasch ihre Anerkennung, indem sie am selben Morgen sieben Qassams abfeuerte. Eine israelische Frau wurde ins Krankenhaus von Ashkelon nördlich des Gazastreifens eingeliefert; sie stand unter Schock und hatte schwere Angstzustände.

Ebenfalls am Dienstagmorgen fingen Gaza-Terroristen wieder an auf Feldarbeiter beim Kibbutz Ein Hashlosha zu schießen, wo letzte Woche ein 20-jähriger ecuadorianischer Freiwilligenhelfer durch Heckenschützenfeuer getötet wurde. Unnötig zu erwähnen, dass die Arabische Liga keine weitere Dringlichkeitssitzung abhielt und die Stimmen von Ferrero-Waldner, Ban, Rice, Khalilzad et al. in Sachen dieser Ereignisse nicht zu hören waren.

Anmerkungen:

1. Israel muss sich besonders die Verantwortung dafür selbst zuschreiben, dass es eine Politik zu betrieben versuchte, die die palästinensischen Zivilisten benachteiligt und unter Druck setzt, was in der heutigen Welt ungefähr so gute Chancen auf Erfolg hat wie eine Kampagne für das Rauchen oder gegen Kondome. Israel machte das, um einmal mehr die Wahrheit zu meiden, dass nichts mehr seine Bürger in Nachbarschaft des Gazastreifens schützen, ihre Gemeinden retten oder Israels Abschreckung und Funktionsvielfalt wiederherstellen kann außer eine groß angelegte Militäraktion dort. Auch das wird palästinensische Zivilisten kollektiv schädigen und überhaupt nicht populär sein – aber wenigstens wird damit etwas erreicht.

2. Die Bevölkerung des Gazastreifens kommt, wie ihre Genossen in der Westbank, ungeschoren dafür davon, dass sie 2006 die Hamas in die palästinensische Regierung wählte. Wäre z.B. bekannt, dass eine große Mehrheit der iranischen Bevölkerung hinter der Mullahkratie und ihren Zielen stünde, würde sie als Folge davon an Sympathie verlieren. Die Palästinenser jedoch sind der Augapfel der Welt, eine Ikone der Unschuld, egal, was sie tun – einschließlich der Auswahl und Unterstützung eines virulent antiwestlichen, jihadistischen Regimes.

3. Während die Hamas weinerlich über Babys, Herzpatienten und Operationsräume reden und die Führer der Welt Israel streng rügen, fragt niemand danach, ob beispielsweise Ägypten oder andere arabische Brüder der Palästinenser die Versorgung hätten aufbessern können, von der sie behaupten, dass sie so dringend gebraucht wird. Die behauptete Bedeutung der Palästinenser-frage für die „moderaten Araber“ ist zu einem Eckstein der US-Außenpolitik geworden und hat kürzlich Präsident Bush dazu gebracht in Annapolis eine Konferenz einzuberufen und öffentlich Israel unter Druck zu setzen „die Besatzung zu beenden“. Aber beim derzeitigen Geschehen hat sich das nicht in Vorschläge an die Araber übertragen, ganz zu schweigen von Druck, dass sie irgendetwas unternehmen, um den Palästinensern zu helfen. Die Araber wollen, dass Israel, nicht sie selber, auf dem heißen Stuhl sitzen; uns sie bekommen, was sie wollen.

4. Mit dem Abzug aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 bekam Israel das Schlimmste, was es bekommen konnte. Da heißt: Es zog militärisch ab, was einen riesigen Anstieg der Raketenangriffe auslöste, wurde von der Welt aber weiterhin als voll politisch in Anspruch genommen und verantwortlich für das Wohlergehen des Gazastreifens angesehen. Erwartungen, dass die Welt mehr „Verständnis“ für Israels Notwendigkeit zu militärischen oder anderen Antworten bekommen würde, wenn es erst einmal seine „Besatzung“ beendet hatte, verwirklichten sich nicht. Derzeit verzögert eine feige israelische Regierung, deren Führer einer der Hauptvertreter pro Entkoppelung war, den Tag der Abrechnung, während die militärische Herausforderung im Gazastreifen immer größer und der unvermeidbare Preis ihr zu begegnen immer höher wird.

5. In Bezug auf die derzeitige Lage stellte die israelische Außenministerin Tzipi Livni fest: „Israel ist der einzige Ort der Welt, der Strom an Terrororganisationen liefert, die im Gegenzug Raketen auf es abschießen.“ Die Verbindung – im Endeffekt das selbstzerstörerische, selbstmörderische Verhalten – ist direkt und physisch, da der von Israel gelieferte Treibstoff genau die Produktionslinien in Gaza versorgen, die die Raketen herstellen. Und nicht nur das: Die Menschen im Gazastreifen haben wiederholt Raketen auf das israelische Kraftwerk in Ashkelon abgeschossen, das den Gazastreifen versorgt.

Idealerweise würden israelische Führer wie Livni und Olmert, die in ihren persönlichen Karrieren von einem robusten Nationalbewusstsein in eine mit weichen Knien versehene Bereitschaft zufriedenzustellen abgetrieben sind, sich selbst fragen, ob das – nicht nur Juden nicht zu schützen, sondern die auch noch anzutreiben, die von denen sie angegriffen werden und die selbst noch die Quelle des Treibstoffs angreifen – nicht ein passendes Symbol der Krise des Zionismus ist und man nicht die alte Schärfe und den Stolz wieder gewinnen muss.