„Israel droht der Hamas mit Krieg“

Wieder mal eine Glanzleistung deutschen Journalismus: „Israel droht Hamas mit Krieg“, schreibt der SPIEGEL. Na ja, wenigstens droht Israel nicht, wie es mal im Focus hieß, „mit Selbstverteidigung“.

Das ist schön, nicht wahr? Die Wochen zunehmenden Qassam-Regens bleiben außen vor, es hat lediglich „seit Freitag einige selbstgebaute Raketen“ gegen Israel gegeben. Und überhaupt: Israel hat das schon mit einem Luftangriff „geahndet“, bei dem ein „militanter Palästinenser“ ums Leben kam. Was wieder den „Kreislauf der Gewalt“ heraufbeschwört, weil die Terroristen Rache schwören.

Dafür fehlt zwar nicht die Erwähnung der jetzt betroffenen Terroristen zu Mahmud Abbas und seiner Fatah, aber die sind die niedlichen „Al Aksa-Brigaden“, die sich in Wirklichkeit „Al Aksa-Märtyrerbrigaden“ nennen (was dem deutschen Leser, aber auch dem schreibenden Journalisten offenbar weder inhaltlich noch von der Länge zumutbar ist) – deren sonst übliche Bezeichnung als die Moderaten und zur Friedensfraktion gehörenden bleibt diesmal aus; sie ist fehl am Platz, aber warum wird sie sonst nicht ausgelassen? Und wieso wird die beschworene „Vergeltung“ nur kurz erwähnt, während bei den Israelis ausführliche Details über deren „aggressive“ Äußerungen nie zu kurz kommen?

Immerhin bringen sie es noch fertig zu schreiben, dass „nach Angaben von Reuters“ seit Freitag „60 Raketen und Granaten auf israelisches Gebiet abgefeuert“ wurden. Das ist im SPIEGEL-Jargon eine „Bedrohung“ – die Anführungszeichen stammen nicht von mir, die stehen im Artikel, also ist die Bedrohung in Wirklichkeit keine, obwohl der verletzte Landarbeiter erwähnt wird. Kein Wort auch über das Einkaufszentrum in Sderot, wo eine reichlich größere Anzahl Israelis nur zufällig nicht zu Opfern wurden. Kein Wort auch darüber, dass es nun überhaupt nicht die Absicht der Terroristen ist, dass so wenige Israelis getötet und verletzt werden. Was die tun und sagen wird maximal im neutralen Tonfall geschrieben.

Bei den Israelis ist das grundsätzlich anders, da wird nicht nur jedes Wort auf die Goldwaage der moralischen Verurteilung gewuchtet, sondern mit allem hantiert, was bei den Terroristen immer fehlt. Während Livnis scheinbar markigen Worte noch mit dem bösen Zeigefinger quittiert werden, weil sie militärische Mittel nicht ausschließt, wird Netanyahus Forderung nach einer „aktiven Angriffspolitik“ (Anführungszeichen durch den SPIEGEL, weil anscheinend Zitat) gleich herausgehoben und bekommt einen eigenen Absatz. Vorschläge zu eventuellen Reaktionen der Israelis auf den nicht sonderlich erwähnenswerten Dauerbeschuss durch die Terroristen werden ausführlichst formuliert, während die Hamas wiederum nur mit „defensiven“ Äußerungen zitiert wird. Aggressor ist eindeutig Israel. Die Wortwahl bereitet den Boden für die Schreibe zum israelischen Großangriff auf die Zivilbevölkerung des Gazastreifens, von der wir dann demnächst lesen dürfen: unverhältnismäßig, übertrieben, kontraproduktiv.

Auch schon in der Darstellung der gegenseitigen Meinungen: „Die militanten Gruppen wollen mit ihren Raketenangriffen ein Ende der israelischen Blockade des Gaza-Streifens erzwingen. Israel nennt hingegen als Bedingung für eine Lockerung der Blockade einen vollständigen Stopp der Raketenangriffe.“

Wie denn nun? Kreislauf? Festgefahren in gegenseitigen Forderungen? Und Israel gibt nicht nach?

Wenn die „militanten Gruppen“ ihren Beschuss einstellen, dann ist auf der Stelle Ruhe. Das wissen sie selbst in der Brandstwiete – und könnten dazu endlich einmal einen Satz schreiben. Statt dessen werden die beiden Ansichten äquidistant als unversöhnliche Gegensätze gegenüber gestellt und damit der Eindruck erweckt, die armen „militanten Gruppen“ seien die Geschädigten der israelischen Boykott-Willkür. Die wehren sich nur.

Nun braucht man nicht zu glauben, dass der SPIEGEL alleine stünde in seiner Verbrähmung der Terroristen und der negativen Beschreibung Israels. Die FAZ kann’s genauso und ist wohl noch stolz darauf, dass sie so schön neutral schreiben: „Brüchig war die Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel schon in den vergangenen Wochen.“ Und: „Nun werden wieder Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert, und die israelische Luftwaffe fliegt wieder ihre Vergeltungsangriffe.“ Klar, es darf keine schuldigen Palästinenser geben, wenn es nicht mindestens genauso schuldige Israelis gibt. Ein bereits vier Wochen seitens der so nicht benannten Terroristen geführter Krieg wird als „brüchiger Waffenstillstand“ hingestellt, damit der Leser keinen handfesten Grund für Israel erkennen kann sich zu wehren.

Das ist der Qualitätsjournalismus von heute in zweien der angesehensten Printmedien. Die sich damit zumindest in Sachen Nahost als pure Propagandablättchen erweisen. Wundert es diese Leute wirklich, dass Blogger ihnen kritische Fragen stellen? Dass die Qualitätspresse Wut erzeugt – bei Leuten, die sich immer wieder so was von moderat den Palästinensern gegenüber äußern und sich so sehr nach Frieden sehnen, dass sie bei Fragen nach Lösungen die militärische nicht akzeptieren möchten? Und dass man ihnen zeigen, wie ehrliche Berichterstattung aussehen kann? Nämlich so, dass nicht Israel „mit Krieg droht“, sondern die Terroristen den Krieg längst führen!

Kleine Nachfrage als Update: Haben wir von unseren Medien schonmal die Meldung bekommen, dass die Hamas Israel droht? Und was ist eigentlich schlimmer: die „Drohung“ mit Selbstverteidigung durch Israel oder die Drohung der Vernichtung des Staates Israel durch die Hamas? Das Ziel der Beseitigung einer Bedrohung oder das Ziel des Völkermords an den Juden?

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Seit wann ist die Tochter Die Tochter?

Evelyn Hecht-Galinski, deren Ansehen vor allem mit dem Satz „Ich bin die Tochter von Heinz Galinski“ begründet ist, nutzt diese Verwandtschaft extrem aus. Durch Vaters Ansehen und ihre Ansichten macht sie sich bei unseren Qualitätsmedien außerordentlich beliebt; dort wird sie gerne als „Publizistin“ tituliert und verkauft, obwohl sie nicht publiziert, sondern Leserbriefe schreibend und Broder hinterherreisend agitiert. Aber seit sie dies tut, laden die Schwätzer-Runden öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten sie besonders gerne ein.

Ein kürzlich veröffentlichter Leserbrief der EHG in der FAZ nahm fast eine Viertelseite ein – so viel Platz wird Leserbriefen wohl so gut wie nie eingeräumt. Bei Der Tochter ist das anders. Die darf dann auf diese Weise ihre antiisraelische Hetze ablassen, womit die Zeitung ihre Ausgewogenheit (und ihre eigentlichen Ansichten) demonstriert, nachdem sie einen Text des ehemaligen israelischen Botschafters abdruckte. Es geht ja nicht, dass die „Geschichtsverdrehung und Mystifizierung einer Staatsgründung“ dieser „autistischen israelischen Gesellschaft“ unwidersprochen bleibt. Und so werden alle die üblen Lügen wieder durchgekaut und dem Leser vorgesetzt, die es zum Krieg von 1948/49 und zur heutigen Lage so gibt: totale Vertreibung, Völkermord, Apartheid, Wasserraub, widerrechtliche Tötungen usw. – wobei ihr jegliche Kritik am Palästinenser-Terrorismus abgeht. Das Übliche eben, die orgasmierende Verdammung Israels, weil dieser Staat nicht sein darf. Und wenn schon ein Israel, dann von Gnaden derer, die es vernichten wollen (ach das gibt’s ja nicht, die wollen den Juden doch gar nichts!).

Ich ganz persönlich frage mich: Warum tauchte Die Tochter eigentlich erst auf, nachdem ihr Vater nicht mehr lebt? Warum die Öffentlichkeits-Geilheit, nachdem ihr Vater sich nicht mehr gegen sie wehren kann?

Wie oben schon erwähnt: Die Tochter geht eben damit hausieren – dass Heinz Galinski ihr Vater ist. Dass der wahrscheinlich seit einigen Jahren im Grab rotiert, ist eigentlich auch klar.

Deshalb frage ich mich, ob die Frau sich ihre mörderische Haltung erst nach dem Tod ihres Vaters zu eigen machte. Oder musste sie bis zu seinem Ableben warten, um auf den Ruf ihres Vaters gestützt Israel auf diese Weise zu bekämpfen, weil er andernfalls dafür gesorgt hätte, dass jeder die Diskrepanzen zwischen ihrer Meinung und der seinen kennt?

Und hieß Die Tochter eigentlich schon vor ihrem Auftauchen in der deutschsprachigen Medienöffentlichkeit „Hecht-Galinksi“ (steht das in ihrem Ausweis) oder erst seitdem ihr Vater unter der Erde ist?

(Was die sogenannte „Kritik“ an Shimon Stein und dem Staat Israel angeht: „Mr. Moe“ hat „Evelyn Hecht-Galinskis Welt“ ein wenig genauer betrachtet und auseinandergenommen.)