Hetze, Lügen und die seltsame Ausblendung des Felsendoms

Melanie Phillips, 8. August 2017

In der Folge der jüngsten Gewalt um den Tempelberg schrieb mir ein Leser, um mir zu etwas zu sagen, das ich nicht erkannt hatte.

Ich hatte fälschlicherweise angenommen, dass die Al-Aqsa-Moschee wie der Felsendom über der tatsächlichen Stelle des jüdischen Tempels gebaut worden waren. Tatsächlich befindet sich der Felsendom auf der Stelle, an der der Tempel stand. Die später gebaute Al-Aqsa sitzt am südlichen Ende des Tempelbergs, der von Herodes erweitert worden war.

Das warf in mir eine Frage auf. Wie wir alle wissen, stachelt die arabische und muslimische Welt zu mörderischer Gewalt gegen Israel auf, indem (völlig fälschlich) behauptet wird die Al-Aqsa sei durch die Israelis „in Gefahr“. Sie nutzen den Begriff Al-Aqsa als Synonym für den gesamten Bereich des Tempelbergs und nicht nur für die so benannte Moschee.

Weil aber der Felsendom ein Religionsheiligtum ist, der Ort privaten Gebets und Wallfahrt; und weil er bewusst über den jüdischen Tempel gebaut wurde, um ihn sowohl buchstäblich als auch symbolisch zu begraben; und warum wird der Felsendom, der ein prachtvolleres Gebäude und älter als die Al-Aqsa ist, kaum anders als beiläufig erwähnt? Warum wird die Al-Aqsa als drittheiligster islamischer Ort nach Mekka und Medina klassifiziert? Warum ist es nur die Al-Aqsa, für die die arabische und muslimische Welt gegen die Juden in den Krieg zieht?

Um ein wenig Licht darauf zu werfen, konsultierte ich zwei exzellente und maßgebliche Arbeiten: einen Artikel von Daniel Pipes im Middle East Quarterly mit dem Titel Der muslimische Anspruch auf Jerusalem und eine Abhandlung von Nadav Shragai in Buchlänge für das Jerusalem Center for Public Affairs mit dem Titel The “Al Aksa is in Danger” Libel: The History of a Lie.

Diese beiden Aufsätze beinhalten viele fesselnde Details, die zeigen, dass die Behauptung, dass der Tempelberg dem Islam heilig ist, auf einer Reihe von Lügen aufgebaut ist, von denen die Behauptung „die Al-Aqsa ist in Gefahr“ der Höhepunkt ist – und die alle genutzt worden sind, um zu Krieg gegen das jüdische Volk aufzustacheln und sie aus ihrer Geschichte hinauszuschreiben.

Sowohl der Felsendom als auch die Al-Aqsa, die Jahrzehnte lang nicht beachtet wurden, wurden in den 1920-er Jahren vom islamischen Extremisten und Hitler-Verbündeten, dem Großmufti von Jerusalem Haddsch Amin al-Husseini renoviert, für den das Projekt ein Mittel war seine Macht und Autorität zu stärken.

Es war al-Husseini, der erstmals die Muslime mit dem Ruf aufstachelte, dass die Al-Aqsa durch die Juden „in Gefahr“ sei, von denen er fälschlich behauptete, sie planten insgeheim den dritten Tempel dort zu bauen. In den daraus folgenden Pogromen wurden 133 Juden, die meisten in Safed und Hebron, abgeschlachtet und 339 verletzt.

Sowohl Pipes als auch Shragai zeigen darüber hinaus, dass im Verlauf der Jahrhunderte sowohl der Tempelberg als auch Jerusalem selbst von der islamischen Welt mit Gleichgültigkeit bedacht wurde, bis sie politisch bedeutsam wurden, weil andere Kulturen Anspruch auf sie erhoben. Dann – und nur dann – wurden sie in den Status von Heiligtümern erhoben. Und das erfolgte auf der Grundlage von Lügen.

Die Behauptung, dass die Al-Aqsa ein geheiligte islamische Stätte sei, war eine Erfindung, die geschaffen wurde, um weltlichen politischen Zielen zu dienen. Um den Tempelberg und Jerusalem – den dem Judentum heiligsten Orte – zu entjuden, änderte die islamische Welt das Alter und den Status der Al-Aqsa.

Shagai schreibt: „Der Prozess der Islamisierung und Arabisierung entstammte der Notwendigkeit ein historisches arabisches und islamisches Recht auf das heilige Land zu beanspruchen, evor die Israeliten dort waren – die antiken Juden wie die Christen. Das neue muslimische Narrativ legte zum Beispiel fest, dass die Al-Aqsa-Moschee nicht vor rund 1.300 Jahren gebaut wurde – das Ergebnis moderner Forschung – sondern vielmehr vom ersten Menschen, vierzig Jahre nach dem Bau der Moschee in Mekka.“

Fakt bleibt allerdings, dass der Felsendom vor der Al-Aqsa gebaut wurde und das an der Stelle des Tempels. Warum wurde also der Al-Aqsa besondere Bedeutung verliehen?

Wie Pipes schreibt, war der Bau des Felsendoms das Ergebnis einer Revolte eines Regimegegners in Arabien gegen die in Damaskus sitzenden Omajjaden-Dynastie im siebten und achten Jahrhundert. Um ihn zu bekämpfen entschieden sich die Omajjaden-Herrscher Jerusalem zu erheben und zu verklären, um so den Status von Mekka zu untergraben. Entsprechend unternahm der Omajjaden-Herrscher Mu’awiya alles in seiner Macht stehende, um in der Stadt neue religiöse Gebäude, einen Palast und Straßen zu bauen.

Die Omajjaden begriffen, dass ihrer Hochburg eine islamische Aura beizumessen ihrem Regime die Macht zementieren würde. „Zu diesem Zweck (wie auch um die Präsenz des Islam in seiner Rivalität mit dem Christentum zu bestätigen), baute der Omajjaden-Kalif 688 bis 691 das erste große Bauwerk des Islam, den Felsendom, genau an der Stelle des jüdischen Tempels. Dieses bemerkenswerte Gebäude ist nicht nur das erste monumentale heilige Gebäude des Islam, sondern auch das einzige, das heute noch annähernd in seiner Originalform steht.“

Der Felsendom war daher ein Akt politischen Ersetzungslehre: er wurde über dem jüdischen Tempel gebaut, um die Dominanz der Omajjaden über die Stadt zu verfechten. Aber sie erkannten, dass eine islamische Aura nicht ausreichte. Sie mussten sich die Macht des Heiligen selbst nutzbar machen.

Im Koran wird Mohammeds Reise zur „entferntesten Moschee“ erwähnt, ein  Hinweis, der von einigen frühen Muslimen als metaphorisch oder ein Ort im Himmel verstanden wurde. Von diesem wurde nie behauptet, er befinde sich in Jerusalem oder auf dem Tempelberg. Tatsächlich wird Jerusalem im Koran nicht ein einziges Mal erwähnt.

Zynisch – und brillant – nutzten die Omajjaden die Gelegenheit und bauten in Jerusalem ein zweites heiliges islamisches Gebäude, ebenfalls auf dem Tempelberg; dieses nannten sie die „entfernteste Moschee“. Das war die Al-Aqsa.

Pipes merkt an: „Damit gaben sie der Stadt rückwirkend eine Rolle in Mohammeds Leben. Diese Verbindung von Jerusalem mit al-masjid al-aqsa passt in eine weit verbreitete muslimische Tendenz Orte mit Namen zu identifizieren, die im Koran zu finden sind: Wann immer der Koran einen Namen zu einem Ereignis angibt, wurden Geschichten erfunden, um den Eindruck zu geben, dass irgendwie, irgendwo, irgendwer wusste, worum es sich handelte.“

Gegen alle Logik (wie kann eine Mosche, die fast ein Jahrhundert nach dem Erhalt der Koran gebaut wurde, belegen, was der Koran aussagt?) gab der Bau einer tatsächlichen Al Aksa-Moschee, wie der palästinensische Historiker A.L. Tibawi schreibt, „dem im Koran gebrauchten symbolischen Namen Realität“. Dies hatte auch den überaus wichtigen Effekt, dass Jerusalem post hoc in den Koran eingefügt wurde, womit es eine zentralere Rolle im Islam bekam.

Das ergab auch noch andere Veränderungen. Verschiedene Koran-Verse wurden neu interpretiert, um sich auf diese Stadt zu beziehen. Jerusalem wurde mit der Zeit als der Ort des Endgerichts angesehen. Die Omajjaden verwarfen den unreligiösen Namen der Römer für die Stadt, Aelia Capitolina (in Arabisch: Iliya) und ersetzten ihn mit Namen jüdischer Art, entweder Al-Quds (Die Heilige) oder Bayt al-Maqdis (Der Tempel).“

Daraus wird klar, dass der Felsendom zwar ein islamsicher Schrein ist, er aber als politischer Bau war, der errichtet wurde um eine Erklärung der Eroberung und Dominierung abzugeben – doch das reichte nicht. Denn die wahre Macht dieser Eroberung lag in der Religion des Islam. Also wurde die Al-Aqsa mit der fadenscheinigen Begründung gebaut, dass sie einen im Koran erwähnten Ort darstellt – von dem muslimische Gelehrte sich nicht einmal einigen konnten, dass er überhaupt als tatsächlicher Ort existierte, von dem dann trotzdem gesagt wurde, das er durch bemerkenswerten Zufall an genau derselben Stelle sei wie der Felsendom, diese Erklärung zeitlicher Macht und Eroberung.

Das ist der Grund, warum der Ruf, die Muslime würden angegriffen, die Hetze gegen die Juden, die Behauptung sie wollten der islamischen Welt ihr Allerheiligste rauben – es geht immer um die Al-Aqsa. Das zeigt, dass dieser Schlachtruf tatsächlich nichts mit dem Erhalt heiliger islamischer Heiligtümer zu tun hat. Es lässt den Felsendom außen vor, weil heute die Absicht dahinter unverändert von der des siebten und achten Jahrhunderts bleibt. Diese besteht darin einen fadenscheinigen Anspruch religiöser Heiligkeit, um den heute geführten Krieg zur Vernichtung des jüdischen Anspruchs auf den Tempelberg und Jerusalem – den einzigen legitimen Anspruch – mittels Gewalt, Hetze und Lügen unantastbar zu machen, wie er es über die Jahrhunderte gewesen ist.

Araber wissen immer noch nicht, wie die Al-Aqsa-Moschee aussieht

Elder of Ziyon, 16. Juli 2017

Al Khaleej Online, eine Nachrichtenagentur mit Sitz in Großbritannien mit Zielpublikum im Arabischen Gold, hat einen Hintergrundbericht zur „Al-Aqsa-Moschee“ als Reaktion auf die Ereignisse von Freitag [Doppelmord durch israelische Araber am Tempelberg].

Hier ist die automatisch übersetzte Schlagzeile mit Foto:

Die Fotos zeigen natürlich den Felsendom, nicht die Al-Aqsa-Moschee.

Tatsächlich ergibt eine Google-Bildersuche zu „Al Aqsa Mosque“ auf Arabisch, dass im Ergebnis etwa die Hälfte der Fotos den Felsendom zeigen.

Man sollte glauben, dass der angeblich drittheiligste Ort des Islam den Muslimen besser bekannt wäre.

(Die Worte auf dem roten Streifen oben rechs lauten „Sonderbericht“.)

Unkraut – das Video

Elder of Ziyon, 30. März 2012

Wie sehr haben die Muslime den Tempelberg im Lauf der Geschichte verehrt?

Hier ist ein Elder of Ziyon-Video von 2008, das für diesen Tag angemessen ist, an dem so viele ihre Liebe zu Jerusalem behaupten (der „Tag des Landes“, dieses Jahr am 30. März und gleichzeitig der selbst vermasselte „Marsch auf Jerusalem“):

Text:

Uns wird oft gesagt,
dass Jerusalem
der drittheiligste Ort des Islam ist,
ein Ort der Pilgerfahrt und Heiligkeit.

Aber war das immer so?
Oder ist das ausgeprägte
Interesse der Muslime an Jerusalems
heiligen Orten eher etwas Jüngeres?

Der Felsendom 1875

Der Felsendom 1904

Der Felsendom 1911

Warum sollte sich eine der heiligsten Stätten einer Religion
– jeder Religion –
sich in einem solchen
Zustand des Verfalls
befinden?

Sieht das wie ein Ort aus, den täglich Tausende Anbeter besuchen?

Vergleichen Sie dies mit den frühen Fotografien der
Westmauer,
die von den Juden in ihrer heiligsten Stadt verehrt wird?

1896

1904

1911

Es sind immer Menschen dort.

Und kein einziges Unkraut
zwischen den Steinen
auf dem Boden.

Leute versuchen
die Geschichte zu ändern,

aber das Unkraut
bezeugt die Wahrheit.

Je ahnungsloser, desto krawallo

Was toben sie immer, die arabisch-muslimischen Hetzer gegen Israel, besonders einige arabisch-israelische „Aktivisten“, aber auch sonst jeder, der etwas zu geifern hat:Die Juden untergraben den Tempelberg (so nennen sie ihn nicht), um die Al Aqsa-Moschee zu zerstören und ihren Tempel dort zu errichten.

Die Juden öffnen einen antiken Tunnel, angeblich „unter“ dem Tempelberg, um die Al Aqsa-Moschee zu zerstören, damit sie ihren Tempel dort errichten können.

Die Juden machen angebliche archäologische Ausgrabungen neben dem Tempelberg, um die Al Aqsa-Moschee zu zerstören, damit sie ihren Tempel dort errichten können.

Die Juden bauen jenseits der Ostseite des Tempelberg-Vorplatzes einen Aufzug, um die Al Aqsa-Moschee zu zerstören, damit sie ihren Tempel dort errichten können.

Wunderbar. Die Juden haben nichts anderes vor als die Al Aqsa-Moschee zu zerstören, damit sie ihren Tempel dort errichten können. Etwas anderes scheint die Juden nicht zu motivieren, außer natürlich der Hass auf Araber und der Wille sie zu demütigen und zu vernichten.

Ach, wie einfach kann die Welt sein!

Wenn da nicht so ein dummer Fehler wäre: Die Al Aqsa-Moschee ist, was den Tempel angeht, für Juden völlig uninteressant! Waurm?

Es gibt da noch so eine andere Moschee, die bei uns gemeinhin „Felsendom“ genannt wird und den Wikipedia als „Schrein“ statt Moschee bezeichnet wissen will. Und dort stand der eigentliche Tempel (was Wikipedia hier verschweigt). Wenn die Juden einen neuen Tempel bauen, dann sicherlich nicht da, wo die Al Aqsa-Moschee steht, sondern am Ort des Felsendoms. Die Hetzer verzapfen mit ihren verlogenen Behauptungen also absoluten Unsinn.

Einen Unsinn, der aber auch wieder auf alle möglichen Leute abfärbt, die dem islamisch-arabischen Verleumdungsprojekt kritisch gegenüber stehen. Ein aktuelles Beispiel findet sich hier, in den Kommentaren. Auch dieser positive Kommentar leidet unter der falschen Vorstellung, der Felsendom sei die Al Aqsa-Moschee, ein durchaus üblicher Fehler. Dieser hat derart um sich gegriffen, dass er als Modellbeispiel dafür gelten kann, wie uninformiert heute über Dinge im Nahen Osten, über Judentum, Israel, Islam, Araber geredet wird – und wie nötig es wäre, jede Unterhaltung darüber zu einer Vorlesung über Fakten und Daten zu machen, die unbekannt oder nicht begriffen worden sind. Das Un- und Halbwissen ist eklatant – aber besonders laut krakeelen die, die am uninformiertesten sind und sich nicht bequemen sich besser zu informieren, sondern Propaganda nachplappern. Traurig, dass die Propagandisten und Lügner damit auch wiederum bei denen Erfolg haben, die eigentlich auf der richtigen Seite stehen.