Die Zukunft der Juden in Frankreich, dem „Land der Apartheid“

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Der 20. Januar kennzeichnet das erste Mal, dass ein Premierminister eines westlichen Staates zugab, dass es in seinem Land „Apartheid“ gibt. Der französische Premierminister Manuel Valls erklärte diese Tatsache gegenüber Journalisten weniger als zwei Wochen nach den Morden bei Charlie Hebdo und Hypercacher*. Genauer gesagte vermittelte er ihnen, dass es in Frankreich eine „territoriale, soziale und ethnische Apartheid“ gibt.1 Valls hätte durchaus „religiöse“ hinzufügen können.

Davor hielt Valls am 13. Januar eine bemerkenswerte Rede vor dem französischen Parlament, in der er die drängendste Frage ansprach: was die Regierung tun wird, um weitere jihadistische Anschläge zu verhindern.2 Er hätte es dabei belassen können. Frühere französische Regierungen haben wiederholt die vielen langfristigen Probleme vernachlässigt, die aus der erfolglosen Integration von Teilen der Millionen muslimischer Einwanderer entstanden. Mit der Nutzung des Wortes „Apartheid“ hat Valls jetzt seine Regierung zu der Verantwortung verpflichtet eine extrem komplizierte und problematische Realität zu verbessern, statt sie zukünftigen Regierungen zu überlassen.

Viele waren von Valls‘ beispielloser Nutzung des Begriffs „Apartheid“ schockiert.3 Er war in der Tat unangebracht. Der Begriff war nur auf Südafrika anwendbar, als dieses bis ins späte 20. Jahrhundert unter der weißen Regierung stand. Darüber hinaus ist ein großer Teil der Absonderung seitens der muslimischen Bevölkerung in Frankreich kein Ergebnis von Regierungsmaßnahmen, sondern selbst gewählt. Valls‘ Gegner nutzten einige Gegenargumente, die Israelis – die fälschlich beschuldigt werden Apartheid zu verwirklichen – extrem vertraut sind.

In den kommenden Monaten wird Valls einen Plan vorstellen müssen, um diese Situation anzugehen. Ein monumentales Problem ist die Entwicklung einer ganzen Menge von „No-Go-Areas“, wie sie allgemein genannt werden. Der amerikanische Wissenschaftler Daniel Pipes hat sie jedoch besser definiert: als „halbautonome Bereiche“.

Pipes schreibt: Regierungen entscheiden sich „nur allzu oft ihren Willen in mehrheitlich muslimischen Bereichen nicht durchzusetzen, einschließlich einiger Fälle von Scharia-Gerichten, …. Alkohol und Schweinefleisch sind in diesen Distrikten verboten, Polygamie und Burkas an der Tagesordnung, die Polizei geht dort nur sehr vorsichtig und in großer Mannstärke hinein und die Muslime kommen mit Straftaten davon, die für den Rest der Bevölkerung illegal sind.4

Diese Vernachlässigung wurde von einer Serie des israelischen Kanal 10 Television illustriert. 2012 schickte der Fernsehsender den Journalisten Zvi Yehezkiely nach Frankreich, um mit Muslimen in Verbindung stehende Probleme in Europa zu recherchieren. Er riskierte sein Leben, indem er sich als Palästinenser ausgab, um der vierteiligen Serie Material zu liefern. Es hat nie eine ähnliche europäische Fernsehserie gegeben, die entwickelt wurde, um so breit die Wirklichkeit der muslimischen Ghettos, der Herrschaft der Scharia, der religiösen Unterdrückung, Gewalt, Diskriminierung, Antisemitismus usw. zu zeigen.

Ein entscheidendes Element eines jeden französischen Regierungsplans wäre es, das Vorhandensein dieser halbautonomen Bereiche zu beenden. Es ist unklar, wie dies gemacht werden kann, denn es gibt keine Präzedenzfälle. Die Situation zu ändern wird durch die Tatsache weiter verkompliziert, dass die große Mehrheit der französischen Muslime bei den Wahlen Valls‘ Partei unterstützte, die Sozialisten. Diese Regierung kann es sich nicht leisten sie vor den Kopf zu stoßen.

Was immer die französische Regierung unternimmt, wird wahrscheinlich mehr als ein Jahrzehnt brauchen, um substanzielle Ergebnisse zu zeigen. Es wird vorhersehbare Behinderungen dieser Bemühungen aus beträchtlichen Teilen der muslimischen Gemeinschaft geben. Diese Hindernisse werden nicht auf die Bemühungen der relativ kleinen Zahl von Jihad-Anhängern und die größere Gruppe anderer Salafisten beschränkt sein. Zusätzlich wird alles, was falsch läuft, vom rechtsextremen Front National ausgenutzt werden.

Doch ist der Kampf der französischen Regierung mit der derzeitigen Lage nur ein Teil der Gleichung. Viel hängt auch von internen Entwicklungen innerhalb der französischen muslimischen Gesellschaften ab. Die Frage kommt auf, ob moderate muslimische Leiter gegen die Fanatiker gewinnen können. Und wenn sie erfolgreich sind – wie lange wird es dauern, bis man greifbare Ergebnisse sieht?

Internationale Entwicklungen in der muslimischen Welt wird es für die Moderaten nicht einfacher machen die Kontrolle zu gewinnen. Muslimischer Fanatismus könnte sich sogar weiter entwickeln. Das wird auch geschehen, wenn die Bewegung „Islamischer Staat“ im Irak und Syrien durch die Koalition aus Westlern und anderen Muslimen von der Erde gewischt wird. Ihre Ideen werden in beträchtlichen Teilen der muslimischen Welt weiterleben. Dass sie Territorium kontrolliert, wie es derzeit der Fall ist, hilft diese Ideen zu vermarkten, aber das ist nicht absolut notwendig.

Wie immer dieser Prozess ausgehen mag, er wird mindestens ein Jahrzehnt lang keine positiven Resultate für die französisch-jüdische Gemeinschaft haben. Alle zukünftigen Szenarien sind düster.

Im Jahr 2000 nahmen antisemitische Vorfälle nach dem Ausbruch der Zweiten Intifada zügig zu und sind seitdem auf einem hohen Level geblieben. Der Mord an Sebastien Sellam 2004 und die Folterung und Ermordung Ilan Halimis 2006 wurden beide von Muslimen begangen.

Die von Mohammed Merah begangenen Morde 2012 in Toulouse an drei französischen Soldaten und vier Juden waren allerdings anderer Natur und die jüngste Runde an Terroranschlägen in Paris hatte eine ähnliche Struktur. Sie zielten zuerst auf bestimmte französische Bürger und danach auf die Juden. Es mag durchaus sein, dass zukünftige Anschläge auf französische Ziele von Angriffen gegen Juden begleitet sein werden. Die jüdische Gemeinschaft stellt nur ein Prozent der Bevölkerung des Landes und wird wahrscheinlich weiter unverhältnismäßig stark ins Visier genommen werden.

Die Verschlechterung der Lage für die Juden seit dem Beginn dieses Jahrhunderts ist sichtbar. Neben den regelmäßigen antisemitischen Angriffen entwickelte sich ein Trend, bei dem viele engagierte Juden ihre Kinder aus öffentlichen Schulen nahmen, in denen sie wegen ihrer Religion gemobbt wurden. Die Kinder wurden auf jüdische Schulen oder Privatschulen geschickt. Jetzt sind die Kinder, die auf jüdische Schulen gehen, tagtäglich mit bewaffneten Soldaten konfrontiert, die die Schultore vor möglichen Angriffen bewachen und dort zum Schutz des Lebens der Schüler, der Mitarbeiter und der Eltern stationiert wurden. Die Soldaten dienen zur Beruhigung, sind aber auch eine tägliche Erinnerung an die problematischen Realitäten, denen sich das französische Judentum ausgesetzt sieht.

Alle strukturierten Bemühungen der französischen Regierung die vielen Probleme zu lösen, die von Elementen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft kommen, werden wahrscheinlich zu zunehmenden Spannungen führen. Die folgende Unruhe wird vermutlich die Juden unverhältnismäßig stark betreffen. Eine Stärkung des weit rechts stehenden Front National mit seinen vielen Antisemiten könnte die allgemeine Atmosphäre intensivieren.

Was Israel angeht, sind Frankreichs Versuche den problematischen Teilen der muslimischen Einwanderung entgegenzutreten entweder eine Gefahr oder eine Chance. Eine Gefahr, weil die französische Regierung versuchen könnte dieses Handeln dadurch zu kompensieren, dass sie sich bei den potenziellen muslimischen Wählern durch Einführung noch stärkerer antiisraelischer Politik anbiedert. Dass Frankreich im UNO-Sicherheitsrat für die Anerkennung eines Palästinenserstaats stimmte, war ein Beispiel einer solchen Taktik. Gleichzeitig hat Israel viel Erfahrung im Umgang mit muslimischer Gewalt. Wenn Israel es lernt der internationalen Gemeinschaft und insbesondere der französischen Regierung und Bevölkerung seine Politik weit durchdachter darzustellen, kann es zeigen, dass Israel im Kampf ums Überleben der westlichen Demokratie Frankreich voraus ist.

 

1 Manuel Valls évoque ‘un apartheid territorial, social, ethnique’ en France. Le Monde, 20. Januar 2015.
2 Discours de Manuel Valls à l’Assemblée nationale en hommage aux victimes des attentats. Gouvernement.fr, 13. Januar 2015.
3 Luc Bronner, “L’’apartheid’ en France ? Pourquoi les mots de Manuel Valls marquent une rupture. Le Monde, 20. Januar 2015.
4 Daniel Pipes: Hat Europa No-Go-Areas? 20. Januar 2015

 

* Der im Zusammenhang mit den Charlie Hebdo-Terroristen überfallene koschere Supermarkt in Paris.

Die Folgen der Morde von Paris – französische Juden und Israel

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die Folgen der Morde von Paris für die französische Gesellschaft werden zu mehreren politischen und sozialen Entwicklungen führen. Die meisten davon werden nur allmählich sichtbar werden. Viele werden für die französischen Juden und/oder Israel von Bedeutung sein. Eine dieser Entwicklungen betrifft eine aktuelle Erklärung von Premierminister Manuel Valls im Parlament, dass Frankreich sich im Krieg mit dem Terrorismus befindet. Er fügte hinzu: „Frankreich befindet sich im Krieg mit dem Jihadismus und dem radikalen Islamismus. Frankreich befindet sich nicht mit dem Islam oder den Muslimen im Krieg.“ In seiner Rede wandte sich Valls auch an die französische muslimische Gemeinschaft und versicherte ihr den Schutz der Regierung.1

Doch eine solch klare Trennung zwischen radikalem Islamismus und dem Islam ist weit schwieriger herzustellen als es Valls‘ Worte vermitteln dürften. In mehreren französischen Schulen erachten muslimische Schüler, die selbst keine Jihadisten sind, die Morde der Karikaturisten als nicht verurteilenswert und einige glauben, dass solche Morde sogar zu loben sind.2

Derweil hat das Lager der Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel Frankreich mit weiteren Anschlägen gedroht.3 Die Lage könnte sich weiter verschlechtern, wenn Frankreich erfolgreich Verbündete für einen Militäreinsatz in Libyen mobilisieren kann, das zu einem wichtigen Drehkreuz für Jihadisten geworden ist.4

Die französische Regierung hat angekündigt, dass sie verschiedene Maßnahmen treffen wird, um den Terrorismus im Inland besser in den Griff zu bekommen. Eine Reihe Terror-Apologeten hat bereits Gefängnisstrafen erhalten, andere werden vor Gericht gebracht.5 Außerhalb von Frankreich rufen die Jihadisten allerdings weiter die französischen Muslime dazu auf, Anschläge gegen das Land auszuführen.

Was nicht besonders betont worden ist: Der Kampf gegen muslimischen Terrorismus wird eine Zunahme der Telefon- und Internetüberwachung erfordern. In einem Land, das Freiheit zu seinen höchsten Prioritäten zählt, wird die französische Regierung dieses Thema nicht hervorheben. Fakt ist, dass solches Abhören oft missbraucht wird. Charlie Hebdo verkörpert einen Aspekt der französischen Freiheit – das Recht zu provozieren und zu beleidigen. Ein Recht hochzuhalten und gleichzeitig ein anderes – das Recht auf persönliche Privatsphäre – einzuschränken ist eine der Realitäten unserer Zeit. Die Amerikaner haben mit ihrer gängigen Überwachung von Kommunikation an vielen Orten – einschließlich der der Führungskräfte ihrer Verbündeten – die Führung dabei übernommen.6

Der in Spanien geborene und mit einer Jüdin verheiratete Valls warf noch eine weitere Frage auf. Zu einer anderen Gelegenheit sagte er, ein Frankreich ohne die Juden würde bedeuten, dass die Republik versagt habe.7 Er hat nicht klargestellt, was er mit diesem Kommentar meint. Man könnte dies als Valls‘ Art der Reaktion auf die vielen Diskussionen zur Auswanderung französischer Juden nach Israel betrachten, die zum Teil vom israelischen Premierminister Benjamin Netanyhau angeregt ist. Valls erklärte auch: „Wenn die Juden Frankreichs angegriffen werden, wird Frankreich angegriffen, das Gewissen der Menschheit wird angegriffen. Lasst uns das nie vergessen.“8

Was Israel angeht, ist die französische Doppelzüngigkeit jedoch immer offenkundig. In der Tat haben französische Führungskräfte auf höchster Regierungsebene und besonders Valls ihr Bestes gegeben, um der jüdischen Gemeinschaft die richtigen Worte zu sagen. Auf niedrigeren Ebenen der französischen Regierung werden allerdings andere Gesinnungen zum Ausdruck gebracht. In der Stadt Aubervilliers wurde dem palästinensischen Terroristen Marwan Barghouti die Ehrenbürgerschaft verliehen.9 In Valenton wurden sowohl eine Straße als auch ein Platz nach ihm benannt.10 Indem sie Barghouti ehren, machen sich diese Städte zu indirekten Unterstützern des palästinensischen Terrorismus.

Auch über einen anderen Typ Doppelzüngigkeit sickerte etwas durch: Hollande wäre es lieber gewesen, Netanyahu hätte nicht an dem riesigen Solidaritätsmarsch in Paris teilgenommen.11 Und das, obwohl der Zweck des Marsches zum Teil darin bestand die Morde an Juden als das zu verurteilen, was sie waren. Und als Netanyahu seine Absicht äußerte doch daran teilzunehmen, lud Hollande Mahmud Abbas, den Verherrlicher vieler palästinensischer Terrormörder israelischer Zivilisten zum Mitmarschieren ein.12

Um die jüngsten Morde hat sich eine zusammenhanglose Diskussion bezüglich der Auswanderung von Juden aus Frankreich entwickelt. Die Annahme, dass innerhalb weniger Jahre die Mehrheit der halben Million Juden Frankreich Richtung Israel verlassen wird, ist komplett unrealistisch. Es gibt viele Gründe, aus denen ein solcher Massenexodus nicht stattfinden wird. Einer ist, dass viele französische Juden sich als ausschließlich französische Staatsbürger betrachten, die wenig Verbundenheit zu Israel oder sogar zum jüdischen Volk haben. Würde die Lage in Frankreich untragbar werden, würden sie wahrscheinlich überlegen in andere Länder als Israel abzuwandern. Es gibt bereits beträchtliche Zahlen französischer jüdischer Einwanderer in London, Montreal, Miami und New York.13

Selbst für die Juden, die gerne weggehen würden, gibt es zahlreiche Einschränkungen. Viele französische Juden sprechen nur Französisch und tun sich nicht unbedingt leicht damit eine neue Sprache zu erlernen. Ist man ein Franzose mittleren Alters aus dem Beamtentum, welche Arbeitsstelle könnte man in Israel überhaupt bekommen? Über solche Überlegungen hinaus gibt es auch familiäre Zwänge. So bedeutsam die Aliyah auch sein würde, Frankreich ist nicht die Sowjetunion. Es gibt in Frankreich ein Komfortlevel, das die französischen Juden vermissen würden. Diejenigen französischen Juden, die nach Israel einwandern, werden vermutlich aus den aktiveren Teilen der jüdischen Gemeinschaft kommen und das wird diese Gemeinschaft überproportional weiter schwächen.14

Die Israelis dürften sich fragen, ob die Franzosen jetzt erkennen werden, dass Frankreichs wie Israels Kampf gegen den muslimischen Terrorismus – weit gefasst – ein und derselbe sind. Das ist es, was Netanyahu immer wiederholt, aber ohne die substanzielle und organisierte Unterstützung durch eine – derzeit nicht existente – israelische Antipropaganda-Struktur wird diese Idee nicht in Fahrt kommen.15 Das ist selbst dann so, wenn jetzt ein paar weitere einzelne Franzosen der Gleichartigkeit des Kampfs gegen den Terrorismus zustimmen sollten.

Das Fehlen einer solchen Anerkennung ist jedoch nicht nur eine Frage der Ignoranz. Es gibt wichtigen politischen Widerstand in der französischen und europäischen Politik diese Wahrheit zuzugeben. Eine Ähnlichkeit einzugestehen würde bedeuten, dass ihr sorgfältig aufgebautes politisches Kartenhaus mit seinen vielen Lügen und Täuschungen zusammenbrechen würde. Zuzustimmen, dass Israels Kampf gegen den palästinensischen Terrorismus und der Kampf des Westens gegen den muslimische Terrorismus ein und dasselbe sind, würde bedeuten, dass europäische Politiker eingestehen müssten, dass der palästinensisch-israelische Konflikt weit davon entfernt ist das zentrale Problem der Welt zu sein, dass israelischer Siedlungsbau nicht die singuläre Handlung im Nahen Osten ist, die regelmäßig verurteilt werden sollte und dass palästinensische Gewalt nicht nur wirtschaftlich bestimmt ist, sondern eine riesige religiös-ideologische Komponente hat.

Es würde auch bedeuten zugeben zu müssen, dass die Palästinenser nicht die Opfer Israels sind, sondern dass sie eine von vielen arabischen Gesellschaften sind, die – zum Teil – von Verbrechen durchdrungen sind und die wenig Respekt für menschliches Leben besitzen. Das würde weiterhin die Erwähnung der Tatsache einschließen, dass die größte Palästinenserpartei, die Hamas, ein islamo-nazistisches Wesen habt. Es würde auch die Notwendigkeit bedeuten, dass Europa die Praxis der Beurteilung Israels mit zweierlei Maß aufgeben müsste. Man könnte dem viele weitere Elemente des falschen europäischen Konstrukts über den palästinensisch-israelischen Konflikt hinzufügen.

 

1 Manuel Valls: Oui, la France est en guerre contre le terrorisme. Le Monde, 13. Januar 2015.
2 Dans les collèges et lycées, le soutien à ‘Charlie Hebdo’ loin de faire l’unanimité. Le Monde, 4. Januar 2015.
3 Attentats de Paris: Al-Qaïda au Yémen menace la France de nouvelles attaques. L’Express, 10. Januar 2015.
4 Jean-Yves Le Drian, Sur Le Pied de Guerre en Libye. Paris Match, 10. Januar 2015.
5 Plus de 70 procédures ouvertes pour apologie et menaces d’actions terroristes. Le Monde, 13. Januar 2015.
6 James Ball: NSA monitored calls of 35 world leaders after US official handed over contacts. The Guardian, 25. Oktober 2013.
7 Jeffrey Goldberg: French Prime Minister: If Jews Flee, the Republic Will Be a Failure. The Atlantic, 10. Januar 2015.
8 www.gouvernement.fr/partage/3118-seance-speciale-d-hommage-aux-victimes-des-attentats-allocution-de-manuel-valls-premier-ministre
9 Marwan Barghouti nommé Citoyen d’honneur de la ville d’Aubervilliers. l’Humanité, 22. Dezember 2014.
10 Valenton Inauguration d’une rue Marwan-Barghouti, une première dans le monde. l’Humanité, 18. September 2014.
11 Hollande asked Netanyahu not to attend unity march. JTA, 12. Januar 2015.
12 Itamar Marcus/Nan Jacques Zilberdik: Abbas Hypocrisy: Participated in the Anti-Terror march in France, while PA glorifies terrorists who kill Israelis. Palestinian Media Watch, 11. Januar 2015.
13 Uriel Heilman: For embattled French Jews, mixed feelings about call to move to Israel. JTA, 12. Januar 2015.
14 Cnaan Lipshiz: After attack, spike in emigration could deplete France’s Jewish community. JTA, 13. Januar 2015.
15 Herb Keinon: Netanyahu at site of Paris attack: I expect world leaders to fight terrorism alongside Israel. The Jerusalem Post, 12. Januar 2015.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (25.-31.01.2015)

Sonntag, 25.01.2015:

Mahmud Abbas: Die „israelischen Siedlungen und Angriffe“ müssen vor den Internationalen Strafgerichtshof gebracht werden. Die volle Mitgliedschaft der PA werde ab April aktiv sein.

Eine Propagandakampagne der PA macht „den Mossad“ und Netanyahu dafür verantwortlich, dass Charlie Hebdo Mohammed-Karikaturen veröffentlichte; damit sollte muslimische Gewalt provoziert werden, damit Juden nach Israel auswandern. 84% der PalAraber glauben den Schwachsinn.

Assad: Israel ist die Luftwaffe von Al-Qaida. Es ist „sehr klar“, dass die Israelis die Terroristen unterstützen.

Aufruf der Fatah: Die „Palästinenser“ sollen der IDF und den „Siedlern“ „Widerstand“ leisten (also Terroranschläger verüben).

Montag, 26.01.2015:

Die Hamas lässt jetzt doch „zionistische Produkte“ in den Gazastreifen importieren (Limonaden, Kleidung, Kaffee u.a.). Der Krieg vom Sommer habe die Produktion im Strip geschädigt, hieß es zur Begründung. Nach Angaben der Hamas soll das das erste Mal in fünf Jahren sein, dass ein solcher Import erfolgt. Lachhaft (wie Elder of Ziyon schon 2011 zeigte).

Ein moderater Hamasnik: Mahmud Zahar verkündete, dass „kein Jude jemals Gaza betreten wird“.

Dienstag, 27.01.2015:

Die Fatah lässt wissen, dass sie den Olivenzweig nicht aufgenommen hat, um das Gewehr fallen zu lassen und dass sie weiter dem „bewaffneten Widerstand“ verpflichtet sei.

 

Mittwoch, 28.01.2015:

Die Hisbollah hat Bilder veröffentlicht, die den Angriff auf israelische Soldaten von heute zeigen sollen (eine Rückverfolgung zeigt, dass sie aus dem Jahr 2008 und dem Irak stammen).

Nach Berichten in türkischen Medien evakuierte die Hisbollah in der Nacht auf Mittwoch ihre Einrichtungen im Südlibanon. (Der Anschlag war gut geplant und vorbereitet – auch auf die Reaktion Israels.)

Die Hamas lobt den Überfall der Hisbollah.
Der Iran bejubelt die zwei toten israelischen Soldaten.

Wegen des Beschusses durch durch die Hisbollah im Norden wurde der Hermon wieder evakuiert. Die Flugplätze Haifa und Rosh Pina wurden zeitweise geschlossen.

Viele Libanesen sind es leid, dass die Hisbollah Israel ihr Land als Angriffsbasis gegen Israel nutzt – weil sie wegen der Gegenschläge die Leidtragenden sind.
Die Regierung des Libanon dagegen verurteilt Israel, weil es sich gegen den Terror der Hisbollah wehrt. (Den Überfall der Hisbollah finden sie in Beirut in Ordnung…) Der libanesische Premierminister behauptete, sein Land sei der Resolution 1701 des UNO-Sicherheitsrats verpflichtet (der von den Arabern bisher nicht umgesetzt wurde) und kritisierte Israel dafür, dass es „die Eskalation der Spannungen verursacht“.

Wer verurteilt den Terrorangriff der Hisbollah?
die USA

Frankreich forderte wegen der Gewalt an der israelisch-libanesischen Grenze eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats (die Hisbollah wurde nicht verurteilt).
Israels UNO-Botschafter forderte eine Verurteilung der Hisbollah wegen des Überfalls.

Donnerstag, 29.01.2015:

Die IDF gräbt weiter im Norden, um Terrortunnel an der Grenze zum Libanon orten.

Erst morden sie und feiern sich dafür, dann lassen sie Israel über Mittelsmänner wissen: Die Hisbollah will keine Eskalation an der Grenze.

Derweil macht der spanische UNO-Botschafter im Auftrag seiner Regierung Israel für die „Eskalation der Gewalt“ verantwortlich, die zum Tod eines spanischen Soldaten im Libanon zur Folge hatte.

Freitag, 30.01.2015:

Fatah und PLO organisierten diesen Monat ein Sportfest, das nach zwei ihrer mörderischsten Terroristen benannt wurde: Raed al-Karmi und Dalal Mughrabi, die zusammen 46 Israelis ermordeten.

Der PLO-Botschafter in Indien war von den Hisbollah-Morden im Norden Israels begeistert und sagte das auch.

Nachwirkungen der Morde von Paris: Symptome der französischen Krankheit

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Nach der jüngsten Mordserie in Paris sagte der französische Präsident François Hollande: „Diese Fanatiker haben mit der muslimischen Religion nichts zu tun.“1 Hollandes Worte beschönigen das Problem statt es zu klären; das war nur eines der vielen Ereignisse in der Folge der Morde von Paris, die weiterer Aufmerksamkeit würdig sind.

Unter den Anführern der Welt ist Hollande nicht allein damit die muslimische Identität von Kriminellen zu übertünchen. In einer Rede über die Bewegung Islamischer Saat sagte Präsident Barack Obama, diese sie „nicht islamisch“ und fügte hinzu: „Keine Religion billigt das Töten von Unschuldigen.“2 Diese Ansicht zu der extremen Muslimbewegung wurde vom britischen Premierminister David Cameron geteilt, der erklärte: „Sie prahlen mit ihrer Brutalität. Sie behaupten dies im Namen des Islam zu tun. Das ist Unsinn. Der Islam ist eine Religion des Friedens. Sie sind keine Muslime, sie sind Monster.“3

Die Tatsache, dass die Mörder von Paris sehr muslimisch waren, wurde noch klarer gemacht, als eine Vielzahl muslimischer religiöser Führer und Organisationen im Nahen Osten sich mit ihnen identififzierten.4 Man muss noch nicht einmal so weit weg gehen. Viele muslimische Schüler in Frankreich lehnten es ab an einer Gedenkminute teilzunehmen, die an Schulen aus Respekt den Opfern gegenüber abgehalten wurde.5

Die mörderischen Ereignisse in Paris und die folgenden Reaktionen sind noch zu frisch, als dass sie eine vollwertige Bewertung gestatten. Doch es gibt bereits eine Reihe von Aspekten, auf die schon hingewiesen werden können, auch wenn sie weiterer Recherche wert sind.

Erstens gab es zwischen dem beiden Mordserien ausgesprochene Unterschiede bezüglich der Motive. Die Journalisten von Charlie Hebdo wurden wegen dem getötet, was sie schrieben und zeichneten; die Juden im Supermarkt wurden wegen dem getötet, was sie waren – Juden.

Es liegt eine große Symbolik darin, dass die vier jüdischen Opfer in Israel beerdigt worden sind, obwohl sie Franzosen waren. Frankreich hat sie hintergangen. Der Verrat begann bereits vor langer Zeit. Frankreich gewährte Millionen Einwanderern aus einer Juden gegenüber feindseligen Kultur die Einreise. Algerien, Tunesien und Marokko gehören zu den zehn antisemitischsten Ländern der Welt. Diese Ergebnisse entstammen einer Studie der ADL von 2014 über klassischem Antisemitismus in der Welt.6

Die Lage in Frankreich wäre radikal anders gewesen, gäbe es 500.000 Muslime im Land statt der derzeitigen 5 Millionen. Die Zahl der Jihadisten hätte dann in Hunderten gezählt werden können statt in Tausenden, wie es jetzt der Fall ist. Die Politik der wahllosen Einwanderung großer antisemitischer Bevölkerungen könnte als unbewusste Form von Staats-Antisemitismus betrachtet werden. Um alles noch schlimmer zu machen, hat sich nur ein Teil dieser Leute in die allgemeine französische Bevölkerung integriert und Tausende von ihnen sind radikalisiert worden.

Im Verlauf der letzten Tage gab es weitere Akte, die symbolische Bedeutung hatten. Es ist verständlich, dass die französischen Behörden am Freitagnachmittag jüdische Geschäftsinhaber aufforderten ihre Geschäfte zu schließen, denn es war nicht klar, ob weitere muslimische Mörder frei herumliefen. Die Schließung der Großen Synagoge von Paris durch die Behörden am Freitagabend gab es zuletzt während der deutschen Besatzung. Viele nahmen die Symbolik davon zur Kenntnis.7

Der einzige vage ähnliche Fall einer wegen Drohungen am Sabbat geschlossenen Synagoge ist ein abgesagter Gottesdienst 2010 in der kleinen konservativen Synagoge von Weesp, einer Stadt in den Niederlanden. In diesem Fall wurde die Entscheidung von den Gemeindeleitern getroffen, nachdem sie eine Drohung erhielten.8 2006 verlegte in einem Fall die jüdische Gemeinde in Malmö den Gottesdienst von der Synagoge an einen geheimen Ort.9

Der Einheitsmarsch von Paris, seine positive Botschaft und die Zahl der Teilnehmer waren beeindruckend. Doch dadurch, dass eine Reihe Diktatoren eingeladen wurden, die aktiv Pressefreiheit unterdrücken, wurde er befleckt. Reporter ohne Grenzen erwähnt die Teilnahme von Führungspolitikern aus Ägypten, Russland, der Türkei, Algerien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das sind alles Länder, in denen die Pressefreiheit – neben einer Reihe weiterer Freiheiten und Menschenrechte – unterdrückt wird.10

Die von Hollande an den PA-Vorsitzenden Mahmud Abbas geschickte Einladung war eine direkte Beleidigung der Israelis und des jüdischen Volkes. Abbas hat massiv die Ermordung von Zivilisten, Israelis, Juden und anderen verherrlicht. Abbas hätte von den Franzosen gar nicht erst eingeladen werden dürfen und natürlich hätte er nicht in die erste Reihe gehört.11 Das war ein Symptom der wiederkehrenden Doppelzüngigkeit Frankreichs.

Es ist gesagt worden, dass Netanyahu die Franzosen verletzte, indem er alle französischen Juden aufrief nach Israel zu immigrieren. Dass er sich an Juden wandte, die französische Staatsbürger sind und die Form, in der er es ursprünglich machte, war taktlos; der Aufruf zur Aliya hätte anders formuliert werden müssen.12

Netanyahu hätte den französischen Führungspolitikern gegenüber auch anmerken können, dass Israel eine Periode durchgemacht hat, in der jedes Restaurant verpflichtet worden ist eine bewaffnete Wache zu haben. In der derzeitigen französischen Realität werden jetzt jüdische Schulen von Polizisten oder Soldaten bewacht, damit Kinder den Unterricht besuchen können. Es wäre keine Übertreibung solche Maßnahmen zu treffen, um auch jüdische Restaurants und wichtige Geschäfte in Frankreich zu schützen.

Als die Geiselnahme in dem koscheren Supermarkt öffentlich wurde, kam der französische Innenminister – ein Sozialist – an den Ort des Verbrechens.13 Dieser Minister sagte während der Operation Fels in der Brandung im letzten Sommer, er hätte an den Pro-Gaza-Demonstrationen teilgenommen, wäre er nicht Mitglied in der Regierung.14 Mit anderen Worten, Cazeneuve hätte die islamo-nazistische Hamas-Bewegung unterstützt.

Und schließlich hat Frankreich gerade erst die jordanische UNO-Resolution zur Gründung eines Palästinenserstaats befürwortet. Frankreichs UNO-Botschafter François Delattre behauptete, dass es eine „dringende Notwendigkeit zum Handeln“ gab. Er fügte hinzu: „Unsere Bemühungen dürfen hier nicht aufhören. Es liegt in unserer Verantwortung es wieder zu versuchen, bevor es zu spät ist.“15

Weit ehrlicher wäre gewesen, hätte Delattre zugegeben, dass Frankreich in erster Linie für die Resolution gestimmt hatte, um die Muslime zu belohnen, die bei den letzten Präsidentschaftswahlen massiv für Hollande gestimmt hatten. Was „eine dringende Notwendigkeit zum Handeln“ angeht, müssen die Franzosen dringend Zuhause gegen die extreme Gewalt vorgehen, die von kriminellen Elementen seiner muslimischen Bevölkerung verübt wird. Diese Notwendigkeit scheint weit drängender zu sein als ihre Einmischung im Nahen Osten, indem sie den palästinensisch-israelischen Konflikt noch weiter durcheinander bringen.

 

1 12-French forces kill newspaper attack suspects, hostages die in second siege. Reuters, 10. Januar 2015.
2 Statement by the President on ISIL.Weißes Haus, 10. September 2014.
3 https://www.youtube.com/watch?v=IFmCkJ92DRw
4 Algerian Terrorists Linked To ISIS, Al Qaeda, Charlie Hebdo Massacre Was Forewarned By Algeria. Inquistr, 11. Januar 2015.
5 Mattea Battaglia/Benoit Floc’h: A Saint-Denis, collégiens et lycéens ne sont pas tous “Charlie”. Le Monde Campus, 11. Januar 2015.
6 ADL Global 100: A Survey of Attitudes toward Jews in Over 100 Countries around the World. Anti-Defamation League, 2014.
7 Michael Wilner: Landmark Paris synagogue closes on Shabbat for first time since World War II. The Jerusalem Post, 9. Januar 2015.
8 Karel Berkhout: Synagoge schrapt viering sabbat na dreiging. NRC Handelsblad, 9. Juni 2010.
9 Mikael Tossavainen: Arab and Muslim Anti-Semitism in Sweden. In: Manfred Gerstenfeld: Behind the Humanitarian Mask – The Nordic Countries, Israel and the Jews. Jerusalem (Jerusalem Center for Public Affairs) 2008, S. 97.
10 Mark Tran: Presence at Paris rally of leaders with poor free press records is condemned. The Guardian, 11. Januar 2015.
11 Itamar Marcus/Nan Jacqeus Zilberdik: Abbas Hypocrisy: Participated in the Anti-Terror march in France, while PA glorifies terrorists who kill Israelis. Palestinian Media Watch, 11. Januar 2015.
12 Piotr Smolar: Le nombre exceptionnel de départs vers Israël traduit une lame de fond. Le Monde, 11. Januar 2015.
13 Marion Souzeau: Epicerie casher de la porte de Vincennes: les otages ‘vraisemblablement’ tués avant l’assaut. Le Parisien, 13. Januar 2015.
14 Rassemblement pro-Gaza: Cazeneuve aurait manifesté s’il n’était pas ministre. Le Point, 15. August 2014
15. AFP: Palestinian Resolution Fails at UN Security Council. Mail Online, 31 Dezember 2014.

Einer hatte Spaß

Lauter ernste Gesichter in Paris – die staatsoberhauptlichen Demonstranten für Meinungsfreiheit hatten einen äußerst ernsten Job zu erledigen. Schließlich hatte es jede Menge Tote gegeben, ermordet von Muslimen, auch wenn sie denen sie das Muslim sein absprachen. Aber da es in Frankreich geschah, war das auf einmal tatsächlich richtiger Terrorismus. Nicht so, wie wenn Juden in Israel von Arabern ermordet werden. (Und dass in Frankreich gezielt Juden angegriffen wurden, spielte ja auch nur eine enorm untergeordnete Rolle. Lediglich der Oberfranzose hatte es gewagt im Zusammenhang mit den Toten im Lebensmittelladen von Antisemitismus zu reden.) Und zwischen den ganzen ernst dreinblickenden hohen Persönlichkeiten steht einer, der über alle Backen fröhlich strahlt und seine Freude nicht verhehlen kann.

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Denn das zweierlei Maß samt seiner Heuchelei wurde durch die ausdrückliche französische Einladung an einen Mann deutlich, dessen Anwesenheit nun wahrlich niemand anders denn als Hohn empfinden sollte: Mahmud Abbas, persönlich eingeladen von Präsident Hollande – sonst wäre er gar nicht gekommen.

Alleine dadurch hatte er schon allen Grund zur Freude. Es kommt aber noch besser. Denn warum bekam er die Einladung überhaupt?

Ganz einfach: Weil Benjamin Netanyahu seine Teilnahme angesagt hatte. Ursprünglich hatte der israelische Premier das gar nicht vor(aus Sicherheitsgründen). Dann überlegte er, ob er nicht doch kommen sollte. Daraufhin bekam er aus Frankreich gesagt, er möge bleiben, wo er war. Wenn er käme, würde das „entzweiend“ sein. Dem gab Bibi erst nach. Dann erfuhr er, dass Avigdor Lieberman und Naftali Bennett teilnehmen würden – politische Rivalen, die damit punkteten, wenn er nicht auch mitzog. Also sagte er den Franzosen, dass er käme. Daraufhin drohte Paris, Abbas werde auch eingeladen. Und so kam es. Außerdem wurden pressewirksame Treffen mit dem Fatah-Führer durchgeführt. Und keiner hatte etwas dagegen, dass der Typ sich in die erste Reihe schmuggelte, wo er herzlichst von Frau Merkel bemerkt wurde.

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Noch mehr wird dem Terrorführer gefallen haben, wie die Franzosen sonst noch mit Netanyahu umgesprungen sind. Nach Angaben der Tunis Tribune auf ihrer Facebook-Seite fuhren gleich zwei Busse los zum Marché Républicaine, ohne den Israeli einsteigen zu lassen.

In der Le Monde fand sich eine Liste der Staatsgäste. Darauf waren erst einmal alle Staats- und Regierungschefs samt ihres Staates verzeichnet; sogar der Mann ohne eigenen Staat wurde als „Präsident Palästinas“ aufgeführt. Direkt davor gab es einen, der hatte keinen Staat: „Benyamin Nétanyahou, avec son chef de la diplomatie, Avigdor Lieberman“.

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Israel? Was ist das? Inzwischen ist das bei Le Monde korrigiert und auch Naftali Bennett kommt darin vor. Fragt sich, ob das auf die Kappe von Le Monde geht oder die französische Regierung dafür verantwortlich war. Doch auch die korrigierte Fassung hat ein Problem:

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Was fällt auf? Zweite Reihe von unten, zweiter rechts: Avigdor Lieberman, Außenminister. Zwischen all den Regierungschefs. Nicht Netanyahu unter den ganze Premierministern, Kanzlern und Präsidenten. Nett…

Die Tunis Tribune hat übrigens noch ein Ding auf Lager: Gleich nach dem Satz mit den Bussen schreibt sie, dass Reporter ohne Grenzen (RSF) empört war und sich entsprechend äußerte: „Anwesenheit von Unterdrückern der Meinungsfreiheit“ aus Ländern wo Journalisten und Blogger systematisch unterdrückt werden. Ob das jetzt von den Tunesiern so zusammengerückt wurde oder die Reporter ohne Grenzen sich auf die Israelis bezogen, muss wohl offen bleiben (außer jemand hat die Original-Stellungnahme der RSF und sieht mal nach.

Und auch Präsident Holland setzt noch einen drauf: Neben Netanyahu war noch eine weiter Person absolut unwillkommen – und diese konnte man auch einfach von der Veranstaltung verbannen – Marine LePen vom rechtsextremen Front National. Das könnte uns einiges darüber sagen, wo Holland und Konsorten Netanyahu verortet sehen wollen.

Wundert es, dass der Finanzier des Attentats bei den Olympischen Spielen von München und Doktor der Holocaust-Leugnung so viel Spaß hatte? Ganz abgesehen davon, dass die Welt ihn als Friedensengel und Moderaten mitmachen ließ, obwohl er genau solche Leute, gegen die angeblich die ganze Welt hier angeblich zu Felde zog, Zuhause als Helden und Vorbilder feiert? Dass seine Anwesenheit ein Hohn für den angeblichen Sinn der Veranstaltung war? Viel mehr konnte man nicht als Terrorchef nun wirklich kaum erwarten. Zum Glück war das Ganze eine Schweige-Veranstaltung, sonst hätte der Lügenbaron noch eine Rede halten müssen. Da wäre er vor Lachen vermutlich umgefallen…

Frankreich: Muslime werden importiert, Probleme in den Nahen Osten exportiert

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Israels Führung wurde davon überrascht, dass Frankreich im UNO-Sicherheitsrat für die Anerkennung der palästinensischen Eigenstaatlichkeit stimmte. Das widersprach den Positionen, die die Vereinigten Staaten, Australien und Großbritannien einnahmen. Das französische Abstimmungsverhalten sollte in erster Linie als eine weitere Geste gegenüber der muslimischen Bevölkerung Frankreichs gesehen werden: Muslime unterstützten massiv die Kandidatur von François Hollande bei den französischen Präsidentschaftswahlen.1

Das französische Abstimmverhalten in der UNO ist ein kleiner Teil eines größeren und weit komplexeren Prozesses, der in Frankreich und anderen Ländern in Europa stattfindet. Am Tag der Bastille, dem 14. Juli 2014, während die Operation Fels in der Brandung im Gang war, kündigte Hollande an, dass der israelisch-palästinensische Konflikt nicht [nach Frankreich] importiert werden würde.2 Am Tag davor hatte der französische Außenminister Maunel Valls bereits erklärt, Frankreich werde niemals tolerieren, dass der israelisch-palästinensische Konflikt über verbale Gewalt oder durch Handeln auf französischen Boden importiert werde.3 Der Hauptgrund hinter diesen wiederholten Äußerungen waren die Angriffe auf französische Synagogen und andere jüdische Ziele durch Muslime.

Die Äußerungen verzerrten die französische Realität. Hollande und Valls hätte etwas sagen sollen, das der Wahrheit besser entspricht, etwas wie: „Wir werden die muslimischen Aggressionen gegen die Juden nicht weitergehen lassen. Der französische Antisemitismus des Jahres 2014 war noch schlimmer und noch weiter verbreitet als in den Jahren davor. Die Anschläge auf Synagogen waren einmal mehr extreme Gewalttaten von Muslimen gegen Juden und jüdische Ziele in Frankreich.“

Die wichtigen antisemitischen Vorfälle hatten sich weitgehend seit dem Jahr 2000 manifestiert, ab der Zeit fast unmittelbar nach dem Beginn der zweiten Intifada. Auch davor waren bereits Muslime aus dem Nahen Osten nach Frankreich gekommen, um Morde zu begehen. In Paris wurden zum Beispiel 1982 das einem Juden gehörenden, Restaurant Goldenberg sechs Menschen getötet, höchstwahrscheinlich durch die Gruppe Abu Nidal.4

Die Äußerungen von Hollande und Valls stellten darüber hinaus die Fakten zu den derzeitigen Ereignissen in Frankreich falsch dar. Die Formulierung „den Konflikt importieren“ würde bedeuten, dass die zwei sogenannten französischen „Stellvertreter“ des palästinensisch-israelischen Konflikts, nämlich die muslimischen Immigranten und die französischen Juden, einander bekämpfen. Das war und ist nicht der Fall. In den letzten 14 Jahren hat es nur einseitige Aggression gegeben, bei der die Gewalt aus einer bestimmten Richtung kam: von den Muslimen, die antisemitische Vorfälle gegen Juden begingen. Deutlich vor dem Beginn der Operation „Fels in der Brandung“ wurde Sammy Ghozlan, Präsident des Nationalen Büros für Wachsamkeit gegenüber Antisemitismus in Frankreich mit den Worten zitiert, die überwiegende Mehrheit der körperlichen Angriffe gegen Juden in Frankreich werde von Muslimen begangen.5

Der „Import“ des Nahost-Konflikts und die darauf folgende Zunahme des Antisemitismus in Frankreich haben bereits viel früher stattgefunden. Das Potenzial für muslimische Aggression gegen Juden war bereits in dem Moment importiert worden, als Frankreich Millionen Muslimen ohne Auswahl die Einwanderung gestattete. Eine Studie der Anti-Defamation League zeigte, dass Algerien, Tunesien und Marokko weltweit zu den zehn Ländern mit dem höchsten Prozentsatz an Antisemitismus in der Bevölkerung gehören.6 Die Einwanderer aus diesen Ländern brachten ihre Kultur mit nach Frankreich und dazu gehörte ihr Antisemitismus. Umfragen bestätigen den unverhältnismäßig hohen Grad an Antisemitismus bei französischen Muslimen im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung.7

Vor allem die Juden waren das Ziel der Aggressoren, allerdings nicht alleine. Im Herbst 2005 brachen überall in Frankreich große gewalttätige Störungen und Vandalismus aus. Die Randalierer waren entweder alle oder fast alle Muslime. Hooligans und Kriminelle nord- und westafrikanischer Herkunft zerstörten nicht nur tausende Autos, sondern auch eine große Anzahl anderen öffentlichen und privaten Eigentums.8

Diese Probleme hatten mit dem palästinensisch-israelischen Konflikt oder der muslimisch-arabischen Identifikation mit den Palästinensern absolut nichts zu tun. Die Krawalle waren ihrer Natur nach antifranzösisch, konzentrierten sich nicht besonders auf die Juden und waren das Ergebnis einer Einwanderungspolitik, die Frankreich niemals hätte zulassen dürfen. Alleine der Umfang der Einwanderungsbevölkerung hätte die verschiedenen französischen Regierungen leicht darauf hinweisen können, dass Frankeich sie unmöglich in die französische Gesellschaft integrieren konnte.

Das Thema des Imports von Konflikten geht jedoch weit über Frankreich hinaus. Die massive Einwanderung aus arabischen und muslimischen Ländern hat zu zunehmendem und extremerem Antisemitismus in westeuropäischen Staaten geführt. Nicht nur ist die Zahl antisemitischer Vorfälle, an denen Muslime beteiligt sind, unverhältnismäßig höher, als es ihrem Anteil an der örtlichen Bevölkerung entspricht, sondern die schlimmsten dieser Vorfälle werden oft von Muslimen verübt.9

Ein weiterer sozialer Missstand, der mit Teilen der Einwanderungsbevölkerung importiert wurde, sind die deutlichen Spannungen zwischen verschiedenen Einwanderergruppen und zwischen Einwanderern und der einheimischen Bevölkerung in mehreren Ländern. 2007 gab es zum Beispiel in Doetinchem in den Niederlanden eine ganze Nacht lang Gewalt zwischen Dutzenden Kurden und Türken.10 Im Juli 2014 gab es eine Pro-ISIS-Demonstration in Den Haag.11 Im Oktober 2014 besetzten 60 bis 70 kurdische Protestierende Teile des niederländischen Parlaments in Den Haag und forderten internationales Handeln zur Verteidigung der syrischen Stadt Kobane gegen die Kämpfer des Islamischen Staates.12

Das wichtigste Land mit Konflikten scheint jedoch heute Deutschland zu sein. Zugleich mit der Unterstützung für den Islamischen Staat bei einigen deutschen Muslimen kamen auch Proteste gegen diese Terrorgruppe, insbesondere von jesidischen und kurdischen Immigrantengruppen in Deutschland, die aus Solidarität mit ihren Heimatgemeinschaften handelten. Im August protestierten in Herford 300 jesidische Immigranten aus Syrien und dem Irak gegen das Vorgehen des IS gegen ihre Gemeinschaften. Während der Demonstration wurden sie von Pro-ISIS-Vertretern angegriffen. Vorher wurden am selben Tag schon ein jesidischer Restaurantbesitzer und ein 16-jähriger von IS-Anhängern angegriffen und verletzt, weil sie ein Poster zeigten, mit dem für die Anti-IS-Demonstration geworben wurde.13 Es gab zudem im Verlauf der Jahre Konflikte zwischen Christen und Muslimen in Asylbewerberheimen.

Im Oktober 2014 gab es gewalttätige Zusammenstöße in Celle und Hamburg. In Celle gab es Aufeinandertreffen von jesidischen und tschetschenischen Immigranten. In Hamburg wurde Proteste von Kurden gewalttätig, als salafistische Muslime sich ihnen entgegen stellten.14

Zusätzlich haben einige deutsche Extremisten sich dem aus dem Nahen Osten (und Nordafrika) „importierten Kampf“ angeschlossen. Sie demonstrieren unter dem Banner „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa). Gibt es keine salafistischen Demonstrationen, konfrontieren sie die Polizei. Das war der Fall, als 4.000 Fußballfans und Mitglieder einer Neonazi-Organisation sich in Köln gegen die Polizei stellten und größere Krawalle verursachten. Die Behörden hatten große Mühe die Situation unter Kontrolle zu behalten.15

All dies verblasst jedoch im Vergleich zu den aktuellen Reaktionen auf die deutsche Einwanderung. Eine neue Gruppe namens Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Westens) marschiert jetzt in Dresden gegen muslimische Einwanderung und gegen die Unterstützung der Immigranten. Nur eine Minderheit der mehr als 15.000 Pegida-Unterstützer sind Neonazis. Der Rest sind gewöhnliche Bürger.16 Derweil breiten sich Pegida-Demonstrationen in weitere deutsche Städte aus, ebenso Gegendemonstrationen.

Was kann aus all dem geschlossen werden? Einmal mehr waren die Juden die ersten, die litten, diesmal unter Europas unkontrollierter Einwanderungspolitik. Doch inzwischen haben die negativen Folgen der unkontrollierten muslimischen Einwanderung völlig andere Dimensionen bekommen.

Was die jüngste Abstimmung der Franzosen in der UNO und Frankreichs politische Haltung angeht, mögen die französischen Obrigkeiten sinnlose Gründe für ihr Votieren gegeben haben. Der Hauptgrund ist aber mit der massiven Zahl wahllos importierter Muslime verbunden. Um sie zufriedenzustellen, unterstützt die derzeitige französische Regierung die Gründung eines Palästinenserstaates und damit den Export ihrer innenpolitischen Probleme in den bereits reichlich unruhigen Nahen Osten.

 

1 http://www.ifop.fr/media/pressdocument/482-1-document_file.pdf [Französisch]
2 François Hollande: Le conflit israélo-palestinien ne peut pas s’importer. In: Le Monde, 14. Juli 2014. [Französisch]
3 Valls ne laissera pas le conflit Israélo-Palestinien s’importer en France. Le Monde, 13. Juli 2014. [Französisch]
4 New York Times Service: Terrorist Abu Nidal Reportedly Found Dead. Baltimore Sun, 20. August 2012.
5 Report: Gang of youths taser French Jew at Paris monument. JTA, 11. Juni 2014.
6 ADL Global 100: A Survey of Attitudes toward Jews in Over 100 Countries around the World. Anti-Defamation League, 2014.
7 French Muslims see Jews controlling nation’s economy, media. JTA, 16. November 2014.
8 Manfred Gerstenfeld: The Autumn 2005 Riots in France: Their Possible Impact on Israel and the Jews. The Jerusalem Center for Public Affairs, 2006.
9 Manfred Gerstenfeld: Muslim Antisemitism in Europe. Journal for the Study of Anti-Semitism 4, 2 (2013), S. 195-229.
10 http://www.trouw.nl/laatstenieuws/laatstenieuws/article832382.ece/Turken_en_Koerden_op_de_vuist_in_Doetinchem?backlink=true
11 Vlaggen met hakenkruis bij demonstratie. De Telegraaf, 12. Juli 2014 [Niederländisch].
12 Kurdish protesters break into European Parliament. BBC, 7. Oktober 2014.
13 Iraq conflict resounds on German streets. The Local, 7. August 2014.
14 Reactions to riots in Hamburg, Celle. Deutsche Welle, 8. Oktober 2014.
15 Philip Oltermann: Football fans and neo-Nazis clash with police in Cologne. The Guardian, 27. Oktober 2014.
16 Kate Connolly: Estimated 15,000 people join ‘pinstriped Nazis’ on march in Dresden. The Guardian, 15. Dezember 2014.