Der weit verbreitete muslimische Antisemitismus in Frankreich

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

In den meisten europäischen Ländern sind keine quantitativen Daten zu muslimischem Antisemitismus verfügbar. Dennoch ist bekannt, dass Mitglieder der muslimischen Gemeinschaft hinter vielen der Aggressionen und extremen verbalen Angriffe auf und Beleidigungen von Juden stecken. In Frankreich ist im Verlauf der letzten Jahrzehnte eine Reihe von Juden ermordet worden. Zudem hat es versuchte Pogrome gegeben.

Eine Studie von Fondapol aus dem Jahr 2014 mit dem Titel Antisemitismus in der französischen öffentlichen Meinung, die von Dominique Reynié erstellt wurde, bietet viele Einblicke in den Antisemitismus in Frankreich. Muslime sind ein Teil der Gesellschaft, auf den sich die Studie konzentiert.[1] Die Autoren haben außerdem die extreme Rechte und die extreme Linke untersucht. Diese benötigen jedoch eine eigene Analyse.

In der gesamten französischen Gesellschaft heben 25% der Bevölkerung antisemitische Vorurteile. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass solche Vorurteile gegen Juden bei Muslimen zwei- bis dreimal so verbreitet sind.[2] Die Autoren der Studie haben die muslimische Bevölkerung in drei Kategorien eingeteilt: praktizierende Muslime, die sowohl an den Islam glauben als ihn auch praktizieren; diejenigen, die nur glauben; und diejenigen, die muslimischer Herkunft sind.[3] Die Kategorie der Praktizierenden macht 42% der Muslime in Frankreich aus. Diejenigen, die glauben, stellen 34% und diejenigen, die muslimischer Herkunft sind, machen 21% aus. Weitere 3% definieren sich als nicht religiös.[4]

Die Fondapol-Forscher stellten sechs Fragen über Vorurteile gegenüber Juden: 1) Nutzen Juden den Zustand der Opfer des Nazi-Völkermords während des Zweiten Weltkriegs für ihre eigenen Zwecke? 2) Haben Juden in den Bereichen Wirtschaft und Finanzen zu viel Macht? 3) Haben Juden im Bereich der Medien zu viel Macht? 4) Üben Juden zu viel politische Macht aus? 5) Gibt es auf Weltebene eine zionistische Verschwörung? 6) Sind Juden für die derzeitigen wirtschaftlichen Krisen verantwortlich?[5]

Ein paar Beispiele der Ergebnisse der Studie werden den heftigen Antisemitismus bei Muslimen in Frankreich hervorheben. Neunzehn Prozent der französischen Gesamtbevölkerung sind der Meinung, dass Juden zu viel Macht in der Politik haben. Unter allen Muslimen liegt der Anteil bei 51%. Brechen wir diese Zahl aber gemäß der drei Kategorien herunter, so liegt die Zahl bei denen, die sich nur als von muslimischer Herkunft definieren, bei 37%. Bei denen, die an den Islam glauben beträgt sie 49% und bei den praktizierenden Muslimen 63%.[6]

Der Anteil der Muslime, die alle sechs Fragen zu antisemitischen Vorurteilen negativ beantworteten, ist gering. Nur 17% der Muslime antworteten auf alle Fragen mit „Nein“. Es gibt kaum einen Unterschied zwischen praktizierenden Muslimen (13%) und denen, die nur glauben (14%). Für diejenigen muslimischer Herkunft liegt der Prozentsatz beträchtlich höher, doch sie befinden sich wiederum nur in einer Minderheit (27%).[7]

Eine Studie in Frankreich hat bereits 2005 gezeigt, dass antijüdische Vorurteile bei religiösen Muslimen besonders verbreitet waren. 46% hegten solche Gefühle; im Vergleich dazu waren es bei nicht praktizierenden Muslimen 30 Prozent. Es wurde festgestellt, dass nur 28 Prozent der religiösen Muslime in Frankreich als völlig frei von solchen Vorurteilen sind.[8] Obwohl die Studien in ihren Hauptergebnissen zu muslimischem Antisemitismus nicht vergleichbar sind, deuten sie in dieselbe Richtung.

Die hohen Anteile an Antisemitismus bei französischen Muslimen sollten nicht überraschen. Die große Mehrheit von ihnen sind Einwanderer aus nordafrikanischen Ländern oder Nachkommen solcher Immigranten. Die Bevölkerung dieser Länder gehört zu den antisemitischsten der Welt.[9][10][11]

Der französische Komödiant Dieudonné wird als einer der extremsten französischen Antisemiten betrachtet.[12] Viele französische Städte entschieden sich endlich seine Auftritte zu untersagen. Fünfzig Prozent der französischen Muslime finden, dass dieser Antisemit mit der Aussage recht hatte, dass der Zionismus eine internationale Organisation sei, die versucht die Welt und die Gesellschaft zum Nutzen der Juden zu beeinflussen. 64% der praktizierenden Muslime stimmen dem zu.[13]

Sechsundvierzig Prozent der Muslime glauben, dass der Zionismus eine rassistische Ideologie ist, während 23% der gesamten französischen Bevölkerung dem zustimmen. 66% der Muslime glauben, dass der Zionismus eine Ideologie ist, die Israel dazu dient eine Politik der Besatzung und Kolonisierung palästinensischer Territorien zu rechtfertigen. Alle oben angeführten Antworten klassifizieren die Juden als Kollektiv ein. Das ist typisch für antisemitisches Denken. In Wirklichkeit variieren bei Juden die Einstellungen zu vielen Themen und politischen Überzeugungen stark.

Zu Einstellungen gegenüber individuellen Juden sind Vorurteile von Muslimen ebenfalls stärker ausgeprägt als in der Gesamtbevölkerung. 33% der Muslime und 43% derer, die den Islam praktizieren, wollen keinen Juden als Präsidenten Frankreichs haben, gegenüber 21% aller französischen Bürger. 26% der Muslime und 33% der praktizierenden Muslime wollen nicht für einen jüdischen Bürgermeister stimmen, während es bei den Franzosen insgesamt 14% sind. 22% der Muslime und 30% der praktizierenden Muslime wollen keinen jüdischen Vorgesetzten; in der Gesamtbevölkerung sind es 10%. 18% der Muslime und 23% der Praktizierenden wollen keinen jüdischen Bankier, verglichen mit 10% der Gesamtbevölkerung.[14]

Zwölf Prozent der Franzosen sind nicht damit einverstanden, dass in Schulen der Holocaust gelehrt wird. 24% der Muslime und 28% der Praktizierenden sind gegen Holocaust-Bildung. 3% der französischen Bevölkerung leugnen zu einem gewissen Grad oder komplett den Holocaust. Bei Muslimen stimmen insgesamt 5% der falschen Behauptung zu, dass die Zahl der Opfer stark übertrieben wird. Bei den praktizierenden Muslimen beträgt der Anteil jedoch 8%.[15]

All das führt zu einem klaren Schluss: Im Verlauf der letzten Jahrzehnte haben französische Regierungen, ob nun sozialistisch oder rechts der Mitte, riesige Mengen an antisemitischen Immigranten in ihr Land gelassen.

[1] http://www.fondapol.org/wp-content/uploads/2014/11/CONF2press-Antisemitisme-DOC-6-web11h51.pdf

[2] Ebenda, S. 21

[3] Ebenda, S. 22

[4] Ebenda

[5] Ebenda, S. 10

[6] Ebenda, S. 22

[7] Ebenda, S. 21

[8] Cécilia Gabizon: Les musulmans pratiquants ont plus de préjugés. Le Figaro, 7. Dezember 2005.

[9] http://global100.adl.org/#country/morocco/2014

[10] http://global100.adl.org/#country/algeria/2014

[11] http://global100.adl.org/#country/tunisia/2014

[12] http://www.theguardian.com/world/2015/nov/25/french-comedian-dieudonne-prison-sentence-hate-speech

[13] www.fondapol.org/wp-content/uploads/2014/11/CONF2press-Antisemitisme-DOC-6-web11h51.pdf, S. 22.

[14] Ebenda, S. 24

[15] Ebenda, S. 25

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Fünfzig Jahre intellektuelle französische Vorurteile gegen Israel

Ein Interview mit Simon Epstein (Veröffentlichung des Jerusalem Center for Public Affairs (JCPA), Bereich Antisemitismus und Nach-Holocaust; übermittelt von IMRA, 28.12.2002)

In den letzten Jahren hat Frankreich negativ herausgeragt, nicht nur durch viele gewalttätige Angriffe auf Juden und ihre Einrichtungen, sondern auch wegen der oft antisemitischen intellektuellen und Medien-Attacken auf Israel. Simon Epstein, Forscher am Vidal Sassoon International Center for Study of anti-Semitism [Vidal Sassoon – Internationales Zentrum für Antisemitismus-Studien] an der Hebräischen Universität in Jerusalem zeigt auf, dass die Ursprünge des intellektuellen französischen Antiisraelismus fast bis zur Zeit der Gründung des jüdischen Staates zurückreichen. Um eine Vorstellung der heutigen Probleme zu bekommen muss man ein besseres Verständnis ihrer historischen Entwicklung haben.

Das sowjetische „Ärzte-Verfahren“

Epstein führt ausführlich einen frühen, besonderen Tiefpunkt des moralischen Missbrauchs des Zionismus auf: „Im November 1947 stimmte die Sowjetunion bei den Vereinten Nationen für die Schaffung des jüdischen Staates; daher hatten die französischen kommunistischen Intellektuellen eine positive Haltung zu Israel. Als nach ein paar Jahren die Sowjetunion begann, eine antizionistische und antisemitische Haltung einzunehmen, drehten sich auch die Ansichten vieler französischer Kommunisten.“ Im Januar 1953 brachte die Zeitung „Prawda“ die Nachricht von der Anklage gegen neun Ärzte, von denen sechs Juden waren. Ihnen wurde vorgeworfen, den Tod führender Sowjets durch falsche Diagnosen und Behandlungen herbei geführt und weitere Morde geplant zu haben. Gleichzeitig intensivierte die sowjetische Presse ihre Kampagne gegen ‚Kosmopolismus und Zionismus’.

Französische kommunistische Intellektuelle organisierten größere Solidaritäts-Kundgebungen in Paris zur Unterstützung der offiziellen sowjetischen Haltung zum ‚Ärzte-Komplott’. Die Organisatoren sorgten dafür, dass es genug Juden unter den vielen Rednern auf dem Podium gab. Schlüsselrednerin war Annie Kriegel, die später eine glühende Antikommunistin und pro-zionistisch wurde und für die rechts gerichtete Zeitung ‚Le Figaro’ schrieb.

Die Botschaft der Redner war Furcht erregend. Viele erklärten, dass es normal sei, dass Ärzte Menschen vergifteten. Man müsse sich nur Mengeles Rolle in Auschwitz ansehen. Wenn er fähig war zu tun, was er tat, warum sollten andere Ärzte nicht Gift benutzen? Ein jüdischer Arzt war unter denen, die öffentlich diese Meinung vertraten. Als Arzt war er Zeuge dafür, dass der Vorwurf nicht absurd war. Er gründete seine Haltung auch auf das Fehlverhalten deutscher Ärzte im Zweiten Weltkrieg und erklärte, es könne nicht definitiv ausgeschlossen werden, dass Juden oder Zionisten sich entschieden sowjetische Prominente zu vergiften. (Jahre später bereute er seine Worte sehr.)“

Die Instrumentalisierung der jüdischen Gemeinden

„Die moralische Verirrung dieser ‚Zeugen’ war so schlimm, weil Frankreich – anders als die UdSSR – ein freies Land war. Die Redner sprachen freiwillig. Kommunistische Organisationen arrangierten auch eine groß angelegte Medienkampagne. Intellektuelle schrieben Artikel über die ‚kriminellen Ärzte’ oder unterschrieben Petitionen gegen sie. Wieder achteten die Organisatoren der Kommunistischen Partei darauf, dass unter den Unterzeichnern viele Juden waren.

Zu dieser Partei gehörten als jüdisch identifizierbare Organisationen wie die ‚Union des Sociétés Juives de France’ und die MRAP-Bewegung gegen Rassismus. Beide wurden zur Agitation im ‚Ärzte-Komplott’ mobilisiert. Viele antisemitische Themen der damaligen Zeit kamen in antiisraelischen Kampagnen nach dem Sechstage-Krieg 1967 wieder auf.

Die ursprüngliche Intensität dieser Kampagnen war weit geringer als die in der Vorkriegszeit. Die Kommunisten griffen den Zionismus an, während sie – wie die Sowjetunion – immer Israels Existenzrecht anerkannten. In den 1950-ern dominierten sie die französische Linke. Der Trotzkismus war damals eine sehr kleine Gruppe, die erst zwanzig Jahre später zulegte, nach den Ereignissen vom Mai 1968, als der Kommunismus Kraft zu verlieren begann.

Ungefähr zur gleichen Zeit gewann die extreme Recht in Frankreich an Boden. 1953 waren alle nach dem Krieg verurteilten Kollaborateure wieder frei. Viele nahmen an der demokratischen französischen Gesellschaft teil, wo jedermann Versammlungsfreiheit und das Recht zur freien Meinungsäußerung hat. Die rechtsextreme Presse veröffentlichte wieder antisemitische Artikel. Eine rechtspopulistische Bewegung unter der Führung von Pierre Poujade gewann damals rund 50 Sitze im Parlament. Sie konzentrierte ihre Angriffe auf Pierre Mendés Frankreich, einen progressiven Juden, der 1954 Premierminister geworden war. Die antizionistische Publicity wurde fast komplett von den Kommunisten gefüttert.“

Die Charakteristika des französischen Intellektualismus

Epstein erklärt die vielfältigen Abweichungen des französischen Intellektualismus, indem er sich auf seine allgemeinen Charakteristika bezieht: „Er ist gekennzeichnet durch eine Tendenz zum Extremismus. Die Haltung des französischen Intellektuellen ist von der Notwendigkeit geprägt, die absolute Moral zu repräsentieren und das Gefühl zu geben, dass seine Analyse die einzig gerechtfertigte ist. Er muss kontrovers sein und Feinde definieren; Nuancen und Zwischenpositionen sind nicht gestattet.

Ein anderes Charakteristikum betrifft die Art, wie der Intellektuelle sich ausdrückt: Sprache, die sehr wichtig ist, muss immer komplex sein und rhetorische Aspekte beinhalten. Denken trennt sich von der Wirklichkeit und ist in theoretische Konstruktionen eingebettet, die auf eine absolute Welt zielen. Die Kombination dieser Merkmale regt zu größeren intellektuelle Verdrehung an.“

Epstein zeigt ein nicht mit der Sache verbundenes Beispiel desselben Phänomens auf: „Seit den 1970-ern sind viele französische Denker an der Rolle von Worten und der Vielzahl von Konzepten interessiert. Sie haben ganze Schulen von Intellektuellen geschaffen, deren Worte unverständlich sind. Wenn sie vor einer Zuhörerschaft stehen, stoßen sie endlos Abstaktionen aus, ohne einfache Worte zu benutzen. Das führt zu einem absurden Intellektualismus, den es auch in den Sozialwissenschaften andernorts gibt, der aber ursprünglich in Frankreich entwickelt wurde.“

Der Erfolg des Marxismus

„Der marxistische Intellektualismus war weit mehr als ein Wortspiel. Die Faszination, die der Marxismus auf wichtige Teile der französischen Linken ausübte, führte zu einem weitaus größeren Anteil Intellektueller, die von ihm angezogen wurden, als andernorts im Westen; möglicherweise war Italien eine Ausnahme. Er wurde im Nachkriegs-Frankreich besonders unter Intellektuellen, als orthodoxer Kommunismus wie auch in verschiedenen trotzkistischen Formen, extrem erfolgreich.

Dafür gab es viele Gründe. Der Marxismus ist eine hervorragendes theoretisches Konstrukt, der eine faszinierende Welt öffnet, die ganze Generationen anzog. Hatte man ihn einmal akzeptiert, konnte man für alles Erklärungen finden, von kurzfristigen Fragen bis zu langfristigen Entwicklungen. Er war ein kompliziertes System, anwendbar auf Politik wie auf die Geschichte.

Andere Faktoren spielten ebenfalls eine Rolle. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfreute sich die UdSSR großer Wertschätzung angesichts ihres wichtigen Beitrags zur Niederschlagung des Nationalsozialismus. Dieser Status vergrößerte das Prestige des Marxismus und die Faszination seiner alles umfassenden Theorie.“

Ein weiteres vollständiges System: der Faschismus

Epstein stellt heraus, dass in den 1930-ern der Faschismus auch ein vollständiges System mit ähnlichen Charakteristika war und zunehmend die Intellektuellen anzog. Einige Antifaschisten änderten ihre Ansichten 1933 oder 1934 radikal, darunter Ramon Fernandez und Pierre Drieu la Rochelle. Unter den Nazis wurden der letztere Herausgeber des führenden Literaturmagazins Nouvelle Revue Française (NRF). In ihren späteren Werken findet sich eine ästhetische Faszination durch den Faschismus, der ebenfalls auf alle Fragen eine Antwort hatte.

„Die Attraktivität des Faschismus für die Intellektuellen, die vorher gegen Antisemitismus geschrieben hatten, war sehr weit verbreitet. Unter den ersten, die ihn 1933 unterstützten, waren Pazifisten, die gegen den Krieg gegen Deutschland waren. Sie interessierte nicht, was mit den deutschen Juden passierte. Andere änderten ihre Meinung 1936 und viele weitere folgten 1938 zur Zeit des Münchener Abkommens. Sie behaupteten, dass die Juden für einen möglichen Krieg verantwortlich sein würden. Viele Intellektuelle, die vorher gegen den Antisemitismus geschrieben hatten, wurden entweder moderat oder extreme Antisemiten. Dieser Wechsel von pro-jüdischen Ansichten zum Antisemitismus war ein wichtiges Phänomen der 1930-er Jahre.“

Epstein beschäftigte sich mit einem Aspekt dieses Phänomens in einem Buch über die Ansichten früherer Unterstützer von Dreyfus unter der deutschen Besatzung, für die er eine Auszeichnung der Académie Française erhielt. Seine wichtigste und überraschendste Erkenntnis ist die hohe Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der während der „Affäre“ ein aktiver, glühender und bekannter Dreyfus-Anhänger war, mit großer Wahrscheinlichkeit später ein Antisemit würde.1

Epstein arbeitet jetzt an einem neuen Buch, das sich mit einem weit größeren Querschnitt der französischen Intellektuellen und Politiker beschäftigt, die den Juden half und vor dem Zweiten Weltkrieg gegen Rassismus und Antisemitismus protestierte. Unter der Vichy-Regierung und der deutschen Besatzung war die Mehrzahl davon für eine von verschiedenen Formen der Kollaboration.2 „Dieser bedeutende Schritt vom Philosemitismus zum Antisemitismus hat eine doppelte Bedeutung. Er bestätigt die vielfältigen linken Wurzeln der Kollaboration mit Deutschland. Er zeigt auch die Zerbrechlichkeit des Philosemitismus und aller Systeme der jüdischen Verteidigung gegen den Antisemitismus.

Die Suche nach dem Absoluten offenbart sich in verschiedenen Formen des französischen Intellektualismus. Frankreich übernahm z.B. die intellektuelle Führung der Verleugnung des Holocaust nach dem Krieg, als ob es die Deutschen nach deren Niederlage unterstützen müsste. Das kann kaum erklärt werden.“

Nach dem Sechstage-Krieg

„Nach dem Sechstage-Krieg und den Ereignissen vom Mai 1968 brach der Antizionismus ein zweites Mal aus. Seine Studentenführer gehörten verschiedenen Fraktionen an. Einige waren Trotzkisten, andere extrem linke Intellektuelle. Zu ihnen gehörten viele Juden wie Alain Krivine, Führer der trotzkistischen Partei. Einige waren Kommunisten, die regelmäßig gegen Israel in der kommunistischen Zeitung L’Humanité schrieben.

Im Juni 1967 beschrieb Benoit Frachon, ein Führer der französischen kommunistischen Partei, die israelische Siegesfeier in Jerusalem mit den folgenden Worten: ‚Die Anwesenheit führender Persönlichkeiten aus der Finanzwelt gaben der Zeremonie einen anderen Charakter als die religiöse Inbrunst, als die, die die teilnehmenden wahren Gläubigen dort finden wollten. Das Spektakel machte den Eindruck, als ob – wie im Faust – Satan das Fest dirigierte. Nicht einmal das goldene Kalb fehlte, das seine diabolischen Machenschaften ins Auge fasste. Tatsächlich deuteten Informationen darauf hin, dass an diesen Orgiasmen zwei Vertreter des kosmopolitischen Stammes der Bankiers teilnahmen, die in allen Ländern der Welt bekannt waren: Alain und Edmond de Rothschild.’3

Andere, die Israel angriffen, waren linke Gaullisten wie Jacques Debé-Bridel und Emmanuel d’Astier de la Vigerie. Beide waren in der Resistance und hatten vor dem Krieg zur extremen Rechten gehört. Andere wieder, nicht weniger vehement antiisraelisch eingestellt, wie Georges Montaron, hatten einen katholisch-sozialen Hintergrund. Im links orientierten katholischen Journal Témoignage Chrétien konstruierte er eine Analogie zwischen Christus und den Palästinensern.

In dieser Athmosphäre verursachte de Gaulles Erklärung vom November 1967 über das jüdische Volk, sie seien ein Volk, das ‚sehr von sich überzeugt und elitär ist und zu Dominanz neigt’, eine riesige öffentliche Debatte über die Loyalität der Juden zu Frankreich. Der jüdische politische Philosoph Raymond Aron griff in die Diskussion ein und warf de Gaulle vor, er habe alte antisemitische Mythen wieder aufleben lassen.“4

Unterstützung der PLO

„Von 1967 bis 1973, als der verbale Antizionismus stark war, schien der klassische Antisemitismus unbedeutend. Die extreme Rechte war politisch schwach. Es gab in dieser Zeit wenige gewalttätige Zwischenfälle gegen Juden und viele Juden dachten, dass der Antisemitismus schließlich vorbei sei. Sie waren sich des Antizionismus bewusst, dachten aber, dass die alten, antijüdischen Vorurteile zweifellos verschwunden waren.

Als die PLO erstmals öffentlich auftauchte, akzeptierten die Intellektuellen der extremen Linken ihre gesamten Argumente. Sie unterstützten die Palästinenser vollkommen und erklärten Israel für ungesetzlich; sie drückten ihre Befürwortung der Elimination Israels und an seiner Stelle der Schaffung eines demokratischen und säkularen Palästina aus.

Die einzige dominante Persönlichkeit aus der extrem linken Umgebung, der sich von der antizionistischen Kampagne distanzierte, war der Philosoph Jean-Paul Sartre. Der israelische Historiker Eli Ben Gal, der ihm damals besonders nahe stand, war Zeuge dafür.

Jüdische Reaktionen

„Viele jüdische Intellektuelle ragierten gegen die Angriffe auf Israel. Unter den wichtigsten war Jacques Givet mit seinem Buch von 1968 ‚Die Linke gegen Israel?’5, in dem er seine systematische Antwort auf die antiisraelische Propaganda gab. Er benutzte den Begriff ‚Neo-Antisemitismus’ für den Antisemitismus derer, die sagten, sie seien gegen Antisemitismus.

Léon Poliakov veröffentlichte 1969 ein kleines, heftiges Buch zum Antizionismus, in dem er erklärte, dass er eine Form des Antisemitismus war.6 Poliakov war gut vorbereitet das zu tun, da er der erste war, der eine verständliche Geschichte des Antisemitismus schrieb, für die er hauptsächlich bekannt war – was seine Studie in ein neues Feld der Wissenschaft verwandelte. Vorher erschien es auszugsweise in jüdischen Geschichtsbüchern. Auch Poliakov widmete seine Aufmerksamkeit dem Konzept des ‚neuen Antisemitismus’.

Beide Autoren unterschieden zwischen moderatem und extremem Antizionismus. Die erste Kategorie unternimmt eine falsche Gleichsetzung zwischen terroristischen Angriffen und israelischer Vergeltung, indem sie verdrehte Grunddaten des israelische-arabischen Konflikts benutzt. Die zweite kritisiert regelmäßig die Rothschilds – das Symbol des jüdischen Reichtums – als Helfer Israels. Sie werfen auch pro-israelischen Juden vor, mehr Israelis als Franzosen zu sein und verweigern Israel das Recht als normaler Staat zu existieren. Sie betrachten die Juden damit als das einzige Volk der Erde, das nicht einen eigenen Staat haben darf.

Außerhalb Frankreichs wurd das sehr klar von Daniel Elazar erkannt, der schrieb: ‚Das Absterben der Nachkriegsgeneration Mitte der 70-er Jahre markiert unter anderem das Verschwinden eines Tabus gegen Judenhass. Jetzt, in den frühen Jahren der zweiten Generation nach dem Holocaust, muss das jüdische Volk verstehen lernen, dass wir einer neuen Situation gegenüber stehen, einer, die dass gewisse Ausdrucksarten des Antisemitismus relative Straffreiheit gestattet.’7

Der Krieg im Libanon

„1982 – während und nach dem Libanon-Krieg – gab es einen neuen Ausbruch des Antizionismus, der oft in offenen Antisemitismus abglitt. Wieder ging die verbale Gewalt der linken Intellektuellen sehr weit. Es gab Boykott-Aufrufe gegen Israel und das Vokabular der Shoah wurde benutzt, als im August 1982 die Belagerung von Beirut diskutiert wurde. Der Krieg war viel kürzer als der jetzige und die Angriffe entwickelten sich nicht so detailliert.

Der Philosoph Alain Finkielkraut (1983) brachte verschiedene Beispiele von Nazi-Metaphern, die gegen Israel angewendet wurden. Die französische Zeitung ‚Libération’ schrieb, dass die Überlebenden jetzt ihren Verfolgern [also den Nazis] ähnelten. ‚Témoignage Chrétien’ nannte die Palästinenser von West-Beirut‚ die Kämpfer des Warschauer Ghettos’.8 Die falsche Gleichsetzung mit der Shoah konzentrierte sich auf eine andere wichtige Parallele: das französische Dorf Oradour, das mitsamt seinen Einwohnen 1944 von den Deutschen nieder gebrannt wurde – ein Symbol, das heftige Vergleiche hervor rief.

Diese Verdrehungen zeigen die falsche Interpretation der israelischen Intervention von 1982 auf: Begeisterung für den heldenhaften palästinensischen Widerstand, Dämonisierung des israelischen Premierministers Menachem Begin. Dies wurde begleitet von Vorwürfen, dass Israel Kriegsverbrechen beging, besonders nach der Tragödie von Sabra und Schatila. Die zweite Verdrehung war mit dem Wiederaufkommen grundsätzlicher antizionistischer Behauptungen verbunden, wobei die Unrechtmäßigkeit des Staates Israel betont wurde und das Konzept des ‚kriminellen Staates’ entwickelt wurde.

Die Angriffe nahmen manchmal lächerliche Formen an. Eines Tages sah ein Reporter von ‚Le Monde’, wie israelische Soldaten ihn passierten. Er schrieb, dass die Nachlässigkeit ihrer Kleidung die libanesische Bevölkerung beleidige. Ein paar Tage später sah er reguläre israelische Truppen vorbei kommen und schreib, dass die Korrektheit ihrer Kleidung die libanesische Bevölkerung beleidige. Dies ist nur ein sehr kleines Beispiel der Befangenheit der Medien.

Die Intellektuellen offenbarten sich mit dem Beginn der Intifada 1988 erneut gegen Israel; die verbale Gewalt war viel geringer als 1982, obwohl die Themen die gleichen waren. Sie rifen zu einem Boykott Israels auf. Israel wurde mit Nazi-Begriffen beschrieben und blähten Israels Taten auf, so dass sie als schwere Gräueltaten dargestellt wurden. Trotzdem blieben die verbalen Attacken deutlich unter dem derzeitigen Niveau.“

Physische Gewalt

„Die Wellen verbaler antiisraelischer Gewalt von den linken Intellektuellen sollte nicht mit den physischen Angriffen in Frankreich durcheinander gebracht werden. Physischer und intellektueller Antisemitismus folgen nicht denselben Zyklen; sie arbeiten mit unterschiedlichem Rhythmus. Manchmal mögen sie sich treffen, so wie in den letzten zwei Jahren, als es bedeutende verbale Gewalt gegen Israel gab und gleichzeitig viele physische Angriffe.“ Vor einigen Jahren erklärte Epstein in einem Aufsatz: „Die erste Welle, die ‚Hakenkreuz-Epidemie’ genannt werden sollte, wurde in Westeuropa, den Vereinigten Staaten und Lateinamerika beobachtet. Sie begann mit der Schändung einer Synagoge in Köln am 25. Dezember 1959 durch zwei junge Deutsche, die zügig festgenommen und schwer bestraft wurden. 685 Vorfälle wurden in Deutschland registriert, über 600 in den USA. Insgesamt wurden fast 2.500 Vorfälle an 400 Orten in der gesamten Welt gezählt.“9 Trotzdem kamen nach den Vereinbarungen von Evian 1962 viele algerische Juden in Frankreich an und sie wurden nicht mit wesentlichem Antisemitismus konfrontiert.

Die zweite, weitaus intensivere Welle physischer Gewalt begann 1974/75 und erreichte ihren Höhepunkt in den frühen 80-er Jahren. Synagogen wurden angezündet. Der dramatischste Vorfall in Frankreich war eine Bomber vor der Synagoge in der Kopernikusstraße in Paris im Oktober 1980, die 10 Passanten tötete.10

Die 80-er Jahre

„1982 traf der intellektuelle anitiisraelische Zyklus mit dem Ende des zurückgehenden klassischen, gewalttätigen antisemitischen Zyklus zusammen. Damals wie heute wurden eine Reihe neo-antisemitischer Symposien abgehalten. Mitte der 80-er Jahre ging die antisemitische Gewalt deutlich zurück.

1987 stieg die Zahl der Vorfälle physischer Gewalt erneut an; diese dritte Welle erreichte 1992 ihren Höhepunkt. Es ist nicht klar, was diesen Zyklus auslöste. Es konnte nicht die palästinensische Intifada sein, denn diese begann deutlich früher. Es schien fast so, als hätte die Gewalt einen natürlichen Rhythmus.

Die physischen Angriffe nahmen in der Zeit von 1990 bis 1992 zu. 1990 wurde der jüdische Friedhof von Carpentras geschändet. Ursprünglich wurde die extreme Rechte beschuldigt. Die gesamte Linke, einschließlich Präsident Mitterand und vieler Intellektueller, beteiligte sich an großen antifaschistischen Protest-Demonstrationen im Mai 1990. Ab 1992 ging die pyhsische Gewalt wieder zurück und eine Reihe ruhiger Jahre folgte. Die neue Welle von Anschlägen begann kurz vor dem Jahr 2000.

Die Gegenwart

„In den letzten beiden Jahren traf die Kampagne der physischen Gewalt klar mit der intellektuellen zusammen. Es gab sogar viel mehr gewalttätige Vorfälle als früher in einer gleichen Zeitspanne. Im Gegensatz zu früheren Wellen werden nach Schätzungen sind aber 80 Prozent der Täter junge Leute aus dem Kreis der maghrebinischen (arabischen) Immigranten. Die restlichen 20 Prozent sind, wie in der Vergangenheit, extrem rechte Rowdies. Das führt zu vier wichtigen Erkenntnissen:

1. Die Zahl der Anschläge in Frankreich ist vergleichsweise höher als jedem anderen Land. Das liegt daran, dass es unter den wichtigen westlichen Ländern das ist, dessen muslimische Bevölkerung vornehmlich arabisch ist.

2. Antijüdische Gewalt ist nicht ausschließlich mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt verbunden, wenn auch von ihm ausgelöst. Es gibt viele Hinweise darauf, dass diese Angriffe auch eine gesellschaftliche Basis haben, da die maghrebinische Jugend die Juden mit Geld und Macht identifiziert.

3. Ein sorgfältiger Blick auf die Statistiken zeigt einen Zuwachs an Vorfällen vor dem Beginn der Intifada.

4. Es gibt eine Verbindung zum Aufstieg der extremen Rechten in den letzten zwei Jahren, der seinen Höhepunkt in der Präsidentenwahl im Frühjahr 2002 erreichte als der Führer der ‚Front National’, Jean-Marie Le Pen, den sozialistischen Kandidaten Lionel Jospin für die Stichwahl ausstach.

Die Welle der intellektuellen und Medien-Feindseligkeit gegen Israel und die Juden drückte sich in fehlenden Reaktionen auf die Brandanschläge auf Synagogen und jüdische Zentren aus, besonders in linken Kreisen, die in der Vergangenheit sehr heftig auf antisemitische Vorfälle reagierten, die von der extremen Rechten begangen wurden. Die Vorfälle wurden klein geredet, weil sie von jungen arabischen Immigranten begangen wurden.

Diese Entwicklung geschieht vor dem Hintergrund der Entdeckung der Politischen Parteien, dass die arabische und muslimische Bevölkerung eine große Wählergruppe ist. Der sozialistische Stratege Pascal Boniface schrieb z.B. eine Studie für seine Partei, in der er betonte, dass es in Frankreich zehnmal mehr Muslime als Juden gibt, womit er andeutete, dass es eine konsequente Hinwendung zu einer stärke pro-palästinensischen Position geben sollte. Er veröffentlichte auch einen Artikel hierzu in ‚Le Monde’, der viel Polemik auslöste.“12

Betäubendes Schweigen begleitet neue Anschläge

„Das taub machende Schweigen über die gewalttätigen antisemitischen Vorfälle ist begleitet von einem Strom verbaler Angriffe auf Israel, die Behauptungen früherer antizionistischer Kampagnen wieder aufwärmen. Die Moderaten vergleichen Sharon mit Milosevic; die Extremisten vergleichen ihn mit Hitler.

Ein extremes Beispiel der linken Verdrehungen war ein Artikel, der von Sara Daniel im führenden intellektuellen Magazin ‚Le Nouvel Observateur’ geschrieben wurde, das von ihrem Vater Jean herausgegeben wird. Der Artikel beschäftigte sich mit den Ehrenverbrechen gegen Frauen, die in der arabischen Gesellschaft illegitimer sexueller Beziehungen verdächtigt werden. Darin wurde ganz nebenbei erwähnt, dass israelische Soldaten gezielt palästinensische Frauen vergewaltigten, weil sie wissen, dass diese, nun entehrt, bei ihrer Heimkehr getötet würden. Israelische Soldaten werden so als machiavellische Vergewaltiger dargestellt. Dieser Abschnitt wurde aus einer militanten palästinensischen Quelle ohne jegliche Glaubwürdigkeit übernommen, ohne diese zu benennen. Daniel stellte es als Tatsache dar. Ihr Vater wurde zu einer Entschuldigung aufgefordert und kam dem halbherzig nach.13

Gleichzeitig wurde ein anderes schockierende Phänomen bekannt: Lehrer, die den Holocaust in französischen Klassenzimmern erwähnen, werden von Schülern maghrebinischer (arabischer) Herkunft eingeschüchtert, die nicht wollen, dass die Shoah gelehrt wird. Eine Art islamistischer Zensur zum Lehren über die Shoah ist aufgekommen – ein weit verbreitetes und gut dokumentiertes Phänomen.14

Die derzeitige Betonung des ‚neuen Antisemitismus’ ist daher sinnlos. Mehrere Autoren haben Bücher zu diesem Thema veröffentlicht, in denen sie die Geschichte vergessen und annehmen, alles beginne heute.15 Frankreichs anerkanntester Antisemitismus-Forscher, Pierre-André Taguieff, untersucht bereits seit 1980, was er ‚die neue Judeophobie’ nennt.16 Wenn ich höre, wie Leute über Antisemitismus reden, wundere ich mich immer wieder, ob sie nur einfach ignorant gegenüber der Vergangenheit sind.“

Das Interview führte Manfred Gerstenfeld

Dieses Interview basiert auf Dr. Epsteins Vortrag „Neue und alte Elemente des französischen Antisemitismus – Beobachtung, Analyse und Kampf“, der in der ersten Serie der Herbert Berman-Gedächtnis-Vorträge der JCPA am 24. April 2002 gehalten wurde.

Simon Epstein kam 1974 nach Jerusalem. In Frankreich war er vorher Generalsekretär der französischen Zionistischen Vereinigung.. Er arbeitete als Wirtschaftsexperte in der Haushaltsabteilung des israelischen Finanzministeriums. Seit 1982 hat er Bücher und Artikel zu Antisemitismus und Rassismus veröffentlicht. Er ist ein frührer Direktor des Vidal Sassoon International Center for Study of anti-Semitism an der Hebräischen Universität in Jerusalem, wo er nun seine Forschungen betreibt. Er lehrt auch an der Hebräischen Universität.

Anmerkungen:
1. Simon Epstein, Les Dreyfusards sous l’Occupation, Paris, Albin Michel, 2001.
2. Simon Epstein, Les Antiracistes dans la Collaboration (vorläufiger Titel, Veröffentlichung geplant).
3. L’Humanité, 16. Juni 1967.
4. Raymond Aron, De Gaulle, Israél et les Juifs, Paris, Plon, 1968. [französisch]
5. Jacques Givet, La Gauche contre Israél, Paris, Jean-Jacques Pauvert, 1968.
6. Léon Poliakov, De l’antisionisme é l’antisémitisme, Paris, Calmann Lévy, 1969. Vgl. auch zum gleichen Thema, aber weniger wissenschaftlich und in polemischerem Stil: Paul Giniewski, L’antisionisme, Brussels, Librairie Encyclopédique, 1973.
7. Patterns of Prejudice, Vol. 16, No. 4, Oktober 1982
8. Alain Finkielkraut, La Réprobation d’Israél, Paris Denoél/Gonthier, 1983, S. 122-123. Siehe auch zum gleichen Thema: Annie Kriegel, Israel est-il coupable?, Paris, Robert Laffont, 1982.
9. Simon Epstein, „Cyclical Patterns in Antisemitism: The Dynamics of Anti-Jewish Violence in Western Countries since the 1950s,“ Acta no. 2, Jerusalem, The Hebrew University of Jerusalem, 1993.
10. Simon Epstein, Cry of Cassandra: The resurgence of European anti-Semitism, Bethesda, National Press, 1985.
11. Quoted in L’Arche, März 1983.
12. Pascal Boniface, „Lettre é un ami israélien,“ Le Monde, August 4, 2001. Siehe auch vom selben Autor: „Est il interdit de critiquer Israél?“ Le Monde, 31. August 2001.
13. Siehe Jean Daniel, „Pour cinq lignes que nous regrettons.une erreur et une cabale,“ Le Nouvel Observateur, 22. November 2001.
14. Siehe z.B.: Eric Conan, „Islam, ce que l’on n’ose pas dire.“ L ‚Express, 12. September 2002.
15. Gilles William Goldnadel, Le nouveau bréviaire de la haine, Paris, Ramsay, 2001 und Raphael Draé, Sous le signe de Sion. L’antisémitisme nouveau est arrivé, Paris, Michalon, 2001.
16. Pierre-André Taguieff, La Nouvelle Judéophobie, Paris, Mille et Une Nuits, 2002.

Die kriminellen Brüder Merah: Wie Frankreich seine Juden und seine übrigen Bürger im Stich ließ

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Anfang November wurde Abdelkader Merah von einem französischen Gericht zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.[1] Er wurde der kriminell-terroristischen Verschwörung für schuldig befunden. Abdelkader hatte großen Einfluss auf seinen mörderischen Bruder Mohammed Merah gehabt. Den Hintergrund der Familie Merah zu analysieren bietet uns wichtige Einblicke in die Probleme unkontrollierter und nicht selektiver Zuwanderung von Muslimen nach Europa sowie anderer Themen, die weit über die Verbrechen der Familie Merah hinausgehen.[2]

Zuerst die Fakten: Im März 2012 tötete Mohammed Merah, ein in Frankreich geborener Muslim algerischer Eltern, einen jüdischen Lehrer und drei Kinder vor der jüdischen Schule Otzar haTorah in Toulouse.[3] Mehrere Tage zuvor ermordete er drei französische Soldaten. Ein paar Tage nach den Morden an der Schule wurde Merah bei einem Schusswechsel mit der französischen Polizei getötet. Es wurde festgestellt, dass er Besucher einer Al-Qaida-Hochburg in Pakistan gewesen war.[4]

Mohammed Merah behauptete, er sei aus Solidarität mit palästinensischen Kindern zum Mord an Juden motiviert gewesen. Danach distanzierte sich der damalige palästinensische Premierminister Salam Fayyad von Merah. Er erklärte, dass palästinensische Kinder nicht zur Legitimierung von Terror genutzt werden sollten.[5] Fayyad versäumte es zu erwähnen, dass die Palästinenser gewohnheitsmäßig ihre eigenen terroristischen Mörder israelischer Zivilisten auf viele Weisen verherrlichen.

Nach Angaben der französischen Tageszeitung Le Monde sagte der Vater von Merah, um die Palästinenser zu verteidigen sei er bereit zum Selbstmordbomber zu werden. Souad Merah, die älteste Schwester von Mohammed, wurde mit der Aussage zitiert, sie wolle zusammen mit ihren Kindern im Untergrund zur Selbstmordbomberin werden, weil „es nicht Unschuldige sind, die man tötet, sondern Ungläubige“. Als sie von den von Mohammed begangenen Morden erfuhr, sagte Merahs Mutter Zoulikha: „Mein Sohn hat Frankreich auf die Knie gebracht.“[6] Der aktuelle Aufenthaltsort von Souad Merah ist nicht bekannt.[7]

Ende 2012 veröffentlichte Mohammeds Bruder Abdelghani ein Buch mit dem Titel „Mein Bruder, der Terrorist“. Er schrieb, dass ihre Eltern sie zu fanatischen Antisemiten erzogen hatten.[8] Bei einem Vorfall stach Abdelkader auf seinen Bruder Abdelghani ein und erhielt eine Gefängnisstrafe.

Hätten die französischen Behörden den Hintergrund und die Einstellungen ins Land kommender Migranten überprüft, wäre den Eltern der Merahs niemals die Einreise ins Land gestattet worden. Warum sollte das demokratische Frankreich mit seiner dunklen Vichy-Vergangenheit weiteren extremen Antisemiten erlauben sich dort niederzulassen? Eine Studie der amerikanischen Anti-Defamation League (ADL) stellte fest, dass der Anteil von Antisemiten in Algerien, Tunesien und Marokko jeweils bei 87 Prozent, 86 Prozent und 80 Prozent liegen.[9] Bei derart hohen Zahlen kann man verstehen, wie die massive, unkontrollierte Zuwanderung aus muslimischen Ländern für das westeuropäische Judentum zum negativsten Ereignis der letzten fünfzig Jahre geworden ist.

Mohammed Merahs Morde schufen eine Verbrechenswelle durch Nachahmer. Nach Angaben der jüdischen Verteidigungsorganisation Service de Protection de la Commauté Juive (SPCJ) erlebte Frankreich 2012 im Vergleich zu 2011 eine Zunahme der antisemitischen Vorfälle von 58%. Ihr Bericht erklärte: „2012 ist ein Jahr nie dagewesener Gewalt gegen Juden in Frankreich gewesen.“[10]

Zu den intelligentesten Apologeten von Mohammed Merah gehörte damals Tariq Ramadan, Professor für zeitgenössische Islamstudien in Oxford und Enkel von Hassan al-Banna, dem Gründer der Muslimbruderschaft. Er wurde vor kurzem von der Universität beurlaubt, nachdem zwei Frauen ihn der Vergewaltigung beschuldigten.[11] Es lohnt sich Ramadans Technik des Reinwaschens des Mörders zu analysieren. Er begann mit der Fälschung von Mohammed Merah’s Weltanschauung. Ramadan schrieb: „Merah war ein fehlgeleiteter Junge, in dessen Denken es keine Werte des Islam oder rassistische oder antisemitische Ideen gab.“

Der nächste Schritt bestand darin aus Merah ein Opfer zu machen. In Ramadans Worten war Merah „ein armer Kerl, schuldig und zweifelsohne zu verurteilen, obwohl er selbst Opfer einer sozialen Ordnung war, die ihn und Millionen weitere bereits zu einer Randständigkeit und Nichtanerkennung seines Status als Bürger mit gleichen Rechten und Chancens verurteilt hatte“. Ramadan verwandelte Merah so in ein nicht rassistisches, nicht  antisemitisches Opfer der Gesellschaft, dessen Ideen nichts mit irgendeiner muslimischen Ideologie zu tun hatte.[12]

Der inzwischen verstorbene französische jüdische Philosoph André Glucksmann griff Ramadans Reinwaschen an. Er schrieb, man könne heute sagen: „Der Henker war ein Opfer und die Opfer sind Henker.“ Glucksmann verwies zudem auf muslimische fundamentalistische Massenmörder mit einer weit besseren Bildung, als er schrieb, dass diejenigen, die von 1992 bis 1997 in Algerien viele Menschen abgeschlachtet hatten, Abitur hatten.[13]

In manchen Kreisen wurde Merah ebenfalls zum Helden. Eine Lehrerin in Rouen wurde beurlaubt, nachdem sie ihre Klasse zu einer Schweigeminute für Merah aufforderte.[14] Ihre Gewerkschaft machte aus ihr daraufhin ein Opfer, indem sie sagte, sie habe „psychologische Probleme“. Eine den Mörder verherrlichende Facebook-Seite wurde auf Verlangen der französischen Behörden geschlossen.[15]

Seitdem sind in Frankreich weitere muslimisch-terroristische Mörder dem Beispiel Mohammed Merahs gefolgt. 2015 konzentrierten sich einige auf Juden wie bei den Hypercacher-Morden[16], während andere bestimmte französische Ziele wie die Journalisten von Charlie Hebdo angriffen.[17] Wieder andere griffen willkürlich ausgesuchte französische Ziele an, wie es bei den Morden in Paris im November 2015 und denen von Nizza 2016 der Fall war. Zunächst sah es so aus, als habe die französische Regierung mit ihrer fahrlässigen Einwanderungspolitik gegenüber Frankreichs Juden unverhältnismäßig versagt. In den letzten Jahren ist allerdings klar geworden, dass sie auch gegenüber ihren Bürgern insgesamt versagt hat.

[1] http://www.lefigaro.fr/langue-francaise/dossier/abdelkader-merah-juge-pour-complicite-d-assassinats

[2] theatlantic.com/international/archive/2017/11/abdelkader-merah-toulouse-terrorist-brother-trial-france/544961/

[3] http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/france/9157126/Toulouse-siege-as-it-happened.html

[4] http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/france/9312399/Toulouse-killer-Mohamed-Merah-was-traced-to-al-Qaeda-stronghold.html

[5] http://www.maannews.com/Content.aspx?id=469956

[6] http://www.lemonde.fr/societe/article/2017/10/19/la-famille-merah-vue-de-l-interieur_5203004_3224.html

[7] http://www.marianne.net/societe/proces-merah-la-grande-absence-de-souad-soeur-ainee-et-mentor-du-tueur-au-scooter

[8] John Lichfield: How my hate-filled family spawned Merah the Monster. The Independent, 12. November 2012.

[9] http://global100.adl.org/#map/meast

[10] JTA: Report: France saw 58% rise in anti-Semitic attacks in 2012. Jerusalem Post, 20. Februar 2013. Den französischen Text lesen Sie bitte hier:“Rapport sur l’Antisémitisme en France,” Service de Protection de la Communauté Juive (SPCJ), 2012, http://dl.antisemitisme.org/RAPPORT%202012.pdf.

[11] http://www.theguardian.com/world/2017/nov/07/oxford-university-places-tariq-ramadan-on-leave-amid-claims

[12] https://tariqramadan.com/les-enseignements-de-toulouse/

[13] André Glucksmann: Strage di Tolosa, il male esiste. Ora non sia colpevole. Corriere della Sera, 26. März 2012.

[14] “French teacher seeks ‘minute’s silence for killer,’ AFP, 24. März 2012.

[15] http://www.lemonde.fr/societe/article/2012/03/23/l-interieur-fait-fermer-une-page-d-hommage-a-mohamed-merah-sur-facebook_1674659_3224.html

[16] http://www.timesofisrael.com/bodies-of-kosher-market-victims-to-arrive-in-israel-for-burial/

[17] http://www.bbc.com/news/world-europe-30708237

Henryk Broder und die ewigen Antisemiten

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Malmö, die drittgrößte schwedische Stadt, wird von vielen Experten als Hauptstadt des zeitgenössischen europäischen Antisemitismus betrachtet. Ein paar wenige der vielen Aspekte, die diese Charakterisierung rechtfertigen, werden teilweise in einer neuen deutschen Dokumentation mit dem Titel „Der ewige Antisemit – Geschichte einer unerwiderten Liebe“ entlarvt. Sie wurde anlässlich des Jahrestages der Kristallnacht am späten Abend des 8. November im Bayrischen Fernsehen ausgestrahlt.[1]

Der Film folgt dem deutsch-jüdischen Autor Henryk Broder bei seiner Reise durch Deutschland, Frankreich und Schweden. Er wird oft von Hamad Abdel Samed begleitet, einem in Deutschland lebenden ägyptischen Publizisten (mit deutscher Staatsangehörigkeit). Mehrere Theologen der ägyptischen Muslimbruderschaft haben eine Fatwa ausgegeben, dass er wegen Ketzerei getötet werden muss. Im Film ist er mit Personenschützern der Polizei zu sehen.[2]

Bevor Broder und Abdel Samad nach Malmö kamen, hatten sie Termine mit dem Polizeichef und der Bürgermeisterin vereinbart, die in letzter Minute abgesagt wurden. Sie trafen den amerikanischen Rabbiner der jüdischen Gemeinde Stadt, Shneur Kesselman. Er erzählt ihnen, dass die schrumpfende Gemeinde in der Synagoge schusssichere Fenster installieren musste. Selbst das half nicht. Eine Bombe explodierte vor der Synagoge und eine weitere Bombe wurde in die Kapelle des jüdischen Friedhofs geworfen, die komplett zerstört wurde.

Der der Chabat-Bewegung angehörende Rabbiner sagt, er werde regelmäßig schikaniert, wenn er auf die Straße geht. Aus vorbeifahrenden Autos werden ihm Beleidigungen wie „Tod den Juden“ zugerufen. Er wird mit Gegenständen beworfen, darunter befanden sich schon ein Apfel, ein Feuerzeug, ein Glas und eine Flasche. Kesselman kam vor zwölf Jahren nach Malmö. Er sagt, hätte er die Realität der Juden in der Stadt gekannt, wäre er nicht gekommen, aber heute will er aus Loyalität gegenüber der schrumpfenden jüdischen Gemeinde nicht fortgehen.

Kesselman erwartet, das viele Kinder der Gemeindemitglieder Malmö verlassen werden. Vor ein paar Wochen, der Film war schon fertiggestellt, zerschmetterten Steine einmal mehr die Fenster der Synagoge. Bei dieser Gelegenheit sagte der ehemalige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde gegenüber der Presse, dass die meisten Vorfälle von Muslimen oder Arabern verübt werden.[3]

Ein jüdischer Lehrer an einer öffentlichen Grundschule in einem problematischen Viertel Malmös wird ebenfalls interviewt. Er spricht von Schießereien im Viertel, manchmal mit tödlichen Folgen. Kinder aus anderen Klassen öffnen manchmal die Klassentüren und rufen ihm antisemitische Beleidigungen zu. Ein Elfjähriger schrie „Heil Hitler“. Die Schulleitung mag die antisemitischen Vorfälle nicht öffentlich machen; sie sagt: „Das sind nur Kinder.“

Bevor sie durch ein Viertel Malmös mit einer großen Zahl an Migranten fahren, warnt die Polizei die Filmemacher, dass sie das Auto nicht verlassen, nicht einmal anhalten sollten. Auf gut Deutsch übersetzt heißt das: „Das ist ein muslimisches Ghetto, in dem die Polizei die Kontrolle verloren hat.“ Die Filmemacher verwenden durchweg das Wort „Migranten“, während der Zuschauer selbst begreifen muss, dass sie Muslime meinen. Dieser Teil der Dokumentation ist ein direkte Anklage der progressiven Behörden in Malmö und vielen anderen schwedischen Städten.

In Deutschland besuchen Broder und Abdel-Samad einen jüdischen Restaurant-Besitzer – einen irakischen Juden – in München. Dieser erzählt ihnen, dass er vor kurzem sein zweites Restaurant schließen musste. Er sieht sich oft antisemitischen Beleidigungen und Schikanen ausgesetzt, die von Deutschen ausgehen. Die Filmemacher besuchen Naumburg in Sachsen-Anhalt. Dort treffen sie einen Holocaust-Leugner, der ihnen erzählt, dass es in Auschwitz keine Gaskammern gab.

Der Interviewpartner ist sozialdemokratischer Bürgermeister eines Dorfes gewesen. Er wechselte später zur Neonazi-Partei NPD. Nachdem er erklärte, der Holocaust sei ein Mythos, wurde er in zwei Instanzen vor Gericht wegen Holocaustleugnung verurteilt. Das Oberlandesgericht Naumburg sprach ihn dann frei.

In Hildesheim wird eine Diskussion über extrem antisemitisches Material gegen Israel gezeigt, das in ein Seminar an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) eingefügt wurde. Von einem Podiumsmitglied werden ein paar Beispielbilder gezeigt, die Israel mit den Nazis gleichsetzen. Die Hochschulrektorin sagt, sie sei nicht überzeugt, dass das Seminar Antisemitisches beinhaltete. Broder kommentiert, dass die Nazis wussten, wie sie einen Juden definieren, aber heute Deutsche Probleme haben Antisemitismus zu definieren. In Köln wird eine Kunstmesse besucht, auf der ein Bild je nach Blickwinkel ein Hakenkreuz oder einen Davidstern zeigt. Die Messe findet in einem Gebäude statt, aus dem Juden und andere während des Krieges in Vernichtungslager geschickt wurden.

In Frankreich wird das alte Pariser Viertel um die Rue des Rosiers besucht. Die Gedenktafel des früheren Restaurants Goldenberg wird an einer Wand gezeigt. 1982 töteten Palästinenser sechs Gäste und verletzten 22 weitere. Schwer bewaffnete Soldaten patrouillieren das Viertel.

Der Film wurde von Broder und Joachim Schneider gemacht. Ein anderer von Letzterem erstellter Film, „Auserwählt und ausgegrenzt – der Hass auf Juden in Europa“, wurde im Frühjahr diesen Jahres vom deutsch-französischen Fernsehsender Arte zensiert, der ihn in Auftrag gegeben hatte. Später wurde er vom WDR gezeigt, der den Film verstümmelte, indem viele kritischen Anmerkungen in ihn eingearbeitet wurden.

Schließlich versucht Broder zu analysieren, was in Europa geschieht. Er diskutiert dies mit einem Freund, dem niederländisch-jüdischen Schriftsteller Leon de Winter. Da sie den Antisemitismus nicht erklären können, kommt de Winter zu dem Schluss, dass in der Vergangenheit niemand mehr Liebe für Europa hatte als die Juden. Diese Liebe wurde nicht erwidert. Er glaubt, dass jetzt die letzte Phase der Existenz der Juden in Europa angebrochen ist. De Winter prognostiziert, dass das europäische Judentum in 40 bis 50 Jahren verschwunden sein wird. Ob es so kommt, bleibt abzuwarten.

Derzeit gibt es Broders und Schröders Film nur auf Deutsch. Englische und französische Untertitel würden ihn einem weit größeren Publikum zugänglich machen.

[1] http://www.br.de/mediathek/video/dox-der-dokumentarfilm-der-ewige-antisemit-av:59cb7a607460e90012ceaeb7?t=1m7s

[2] http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/28/hamed-abdel-samad-rettung

[3] http://jewishnews.timesofisrael.com/stones-shatter-window-of-synagogue-in-sweden/

Frankreich: Rechtsextreme und linksextreme Führungspolitiker entstellen die Geschichte des Holocaust

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die französischen Eingeständnisse der Holocaustschuld, die Jahrzehnte zu spät kamen, werden derzeit von wichtigen französischen Politikern angezweifelt. Dieses Jahr wurde die Wahrheit des zeitgenössischen Frankreich als legalem Nachfolger des Vichy-Regimes von zwei extremistischen Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen bestritten – von Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon. Während des Wahlkampfs erzielte die rechtsgerichtete Le Pen 21,3% der Stimmen der ersten Runde und 33% der Stimmen in der Stichwahl. Nach den Wahlen bemühte der linksextreme Kandidat Jean-Luc Mélenchon noch stärker verzerrt Äußerungen. Er erzielt 19,6% der Stimmen in der ersten Runde der Wahl.

Erst 1995 gestand der französische rechts der Mitte stehende Präsident Jacques Chirac ein, dass das Vichy-Regime – das mit den Deutschen kollaborierte – auf legitime Weise an die Macht kam. Chirac sagte das auf einer Gedenkveranstaltung an der Stelle des ehemaligen Pariser Radfahrstadions Vélodrome d’Hiver, wo die Festgenommenen bei der ersten großen Zusammentreibung von Juden in Frankeich festgehalten wurden.

Chirac erwähnte die Hilfe, die Frankreich den Nazis bei der Verhaftung der Juden geleistet hatte, als Schritt auf dem Weg zu ihrer Ermordung: „Frankreich, die Heimat des Lichts und der Menschenrechte, Land des Willkommens und des Asyls, Frankreich beging an diesem Tag das nicht mehr Gutzumachende. Es brach sein Wort und lieferte die, die von ihm beschützt werden sollten, ihren Henkern aus.“ Er fügte hinzu: „Wir behalten ihnen gegenüber eine unverzeihliche Schuld.“[1]

Sein Eingeständnis machte klar, dass das gegenwärtige Frankreich Verantwortung für die extrem antisemitischen Maßnahmen des Vichy-Regimes übernehmen muss, das manchmal sogar Deutschlands Tun vorauseilte. Chiracs Worte waren noch wichtiger, weil sein sozialistischer Vorgänger François Mitterand es abgelehnt hatte diese Wahrheit einzugestehen. Mitterand war Staatsbeamter im Vichy-Frankreich gewesen, bis er sich 1942 der Résistance anschloss.

In späteren Jahren wurde Frankreichs Verantwortung für die Verbrechen Vichys vom sozialistischen Premierminister Lionel Jospin[2] und dem rechten Premierminister Dominique de Villepin[3] eingeräumt. Ähnliche Erklärungen wurden von Chiracs Nachfolger, Präsident Nicholas Sarkozy[4] und danach vom sozialistischen Präsidenten François Hollande[5] abgegeben.

Im April 2017 sagte Marine Le Pen: „Ich glaube nicht, dass Frankreich für das Vél d’Hiver verantwortlich war. Ich denke, allgemein gesprochen, wenn es verantwortliche Personen gibt, dann diejenigen, die damals an der Macht waren. Es ist nicht Frankreich.“ Sie fügte an: „Kinder in Frankreich waren Gründe gelehrt worden das Land zu kritisieren und nur die vielleicht dunkelsten Aspekte unserer Geschichte zu sehen… ich will deshalb, dass sie wieder stolz auf Frankreich sind.“[6]

Um Le Pens Äußerung zusammenzufassen: Damit französische Kinder stolz auf ihr Land sein können, muss man über Frankreichs antisemitische Vergangenheit und die sich daraus ergebende Verantwortung des Landes lügen. Der Mitte-Rechts-Kandidat bei den Präsidentenwahlen, der ehemalige Premierminister François Fillon reagierte: „Die Wahrheit lautet, dass das, was im Vél d’Hiver geschah, ein vom französischen Staat verübtes Verbrechen ist.“ Er fügte hinzu: „Der Front National hat immer noch viele Mitglieder, die wehmütig auf die Vichy-Regierung zurückblicken.“ Fillon machte seine Ansichten noch klarer, indem er sagte: „Vichy war das offizielle Frankreich, obwohl es ein anderes Frankreich gab, das von De Gaulle in London.“[7]

Dieses Jahr lud der französische Präsident Emmanuel Macron den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu zur Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Razzia des Vél d’hiv ein. Der allgemeine Trend von Macrons Rede lag auf einer Linie mit der seiner Vorgänger.[8]

Mélenchon, heute Parteichef der linksextremen französischen Partei Unbeugsames Frankreich, war in seiner Jugend Trotzkist. Später schloss er sich der Sozialistischen Partei an und wurde Minister.[9] Mélenchon hatte auf Le Pens entstellende Ausführungen mit der Aussage reagiert, dass die französische Polizei die Verhaftung der Juden organisiert hatte. Er fügte hinzu: „Nicht die französische Republik ist schuldig, sondern Frankreich ist es.“

Nach Macrons Rede änderte Mélenchen seine Haltung radikal. Er schrieb: „Frankreich ist nichts außer seiner Republik, die am 10. Juli 1940 beseitigt wurde.“ Er fügte an: „Die französische Republik ist mit General de Gaulle nach London verpflanzt worden, um den Widerstand zu organisieren.“ Er merkte weiter an, dass Vichy nicht Frankreich war.[10]

Diese Äußerung war eine extreme Entstellung der Geschichte. Die Vereinigten Staaten, die damals neutral waren, erkannten Vichy als die offizielle französische Regierung an und schickten einen Botschafter dorthin. Bei seiner Gründung wurde Vichy auch von vielen anderen Ländern anerkannt, darunter der Sowjetunion, Kanada und Australien. Es war Vichy, das die Beziehungen zu Großbritannien abbrach und nicht umgekehrt.

Diese Entstellungen der Rolle Frankreichs im Holocaust kann nicht als marginal betrachtet werden, da Le Pen und Mélenchon zusammen mehr als 40% der Stimmen der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen holten. Der linksextreme Führer missbrauchte die Geschichte des Holocaust sogar noch vehementer als die Führerin der Rechten.

Um das Bild zu vervollständigen: Mélenchon ist auch ein glühender Feind der Regierung Israels, eine Meinung, die er zu verschiedenen Gelegenheiten zum Ausdruck brachte.[11] Einige davon haben überhaupt nichts mit Israel zu tun. Das war zum Beispiel der Fall, als seine Partei sich diesen Monat aus der Parlamentskommission zurückzog, die die institutionelle Zukunft von Neukaledonien, einem französischen Territorium im Pazifik, untersucht. Mélenchon motivierte dies mit dem polarisierenden Charakter des Vorsitzenden der Kommission, dem ehemaligen Premierminister Manuel Valls. Er erwähnte einen weiteren Grund: Valls‘ angebliche Nähe zu den Führern der extremen Rechten Israels.

[1] http://archive.wikiwix.com/cache/?url=http://elysee.fr/elysee/elysee.fr/francais/interventions/discours_et_declarations/1995/juillet/allocution_de_m_jacques_chirac_president_de_la_republique_prononcee_lors_des_ceremonies_commemorant_la_grande_rafle_des_16_et_17_juillet_1942-paris.2503.html

[2] http://discours.vie-publique.fr/notices/973144898.html

[3] www.lemonde.fr/societe/article/2005/07/17/commemoration-de-la-rafle-du-vel-d-hiv-villepin-appelle-au-devoir-de-memoire_673294_3224.html

[4] www.lexpress.fr/actualite/politique/sarkozy-au-vel-d-hiv-nous-ne-devons-pas-oublier_465649.html

[5] www.theguardian.com/world/2012/jul/22/francois-hollande-wartime-roundup-jews

[6] www.independent.co.uk/news/world/europe/marine-le-pen-france-jews-nazis-not-responsible-second-world-war-concentration-camps-death-francois-a7675791.html

[7] http://www.europe1.fr/politique/le-vel-dhiv-un-crime-de-letat-francais-affirme-francois-fillon-3290555

[8] www.franceinter.fr/histoire/les-presidents-francais-au-vel-d-hiv

[9] http://www.telegraph.co.uk/news/0/left-wing-firebrand-jean-lucmelenchon-policies/

[10] http://www.lefigaro.fr/politique/le-scan/2017/07/18/25001-20170718ARTFIG00260-sur-la-rafle-du-vel-d-hiv-les-contradictions-de-jean-luc-melenchon.php

[11] http://melenchon.fr/2017/10/06/lettre-de-demission-de-mission-dinformation-lavenir-institutionnel-de-nouvelle-caledonie/

Der Halimi-Mord und Frankreichs geistige Gesundheit

Manfred Gerstenfeld und Irena Kuruc (direkt vom Autor)

Am 4. April 2017 wurde die 66-jähirge Jüdin Sarah Halimi von dem 27 Jahre alten Kada Traoré ermordet. Er brach mitten in der Nacht in ihre Wohnung ein. Traoré folterte Halimi und warf sie hinterher aus dem Fenster ihrer Wohnung im vierten Obergeschoss im Viertel Belleville im nördlichen Paris.

Zeugen hörten, wie Traoré, ein Muslim afrikanischer Herkunft, „Allahu Akbar“ (Allah ist größer) brüllte, während er sein Verbrechen beging.[1] Traoré hatte Halimi gegenüber in der Vergangenheit schon viele antisemitische Äußerungen getätigt; dabei bezeichnete er sie und ihre Verwandten als „dreckige Juden“.[2] Die Behörden versuchten den antisemitischen Charakter des Mordes herunterzuspielen.[3] Sie behaupteten, der Mörder sei geistig krank, obwohl er keine derartige Geschichte hat. Die Mainstream-Medien ignorierten dieses religiös motivierte Verbrechen.

Gilles-Willam Goldnadel, ein Anwalt, der Halimis Familie vertritt, verurteilte, was er „die ‚systematische Psychiatrisierung‘ radikalislamisch-antisemitischer Morde“ nannte.[4] Am Anfang dieses Jahrhunderts hatte der französische Soziologe Shmuel Trigano bereits eine ähnliche Haltung der Behörden des Landes offengelegt.

Ende 2000 und Anfang 2001 gab es in Frankreich einen riesigen Ausbruch antisemitischer Gewalt. Fast alle Täter waren Immigranten aus muslimischen Ländern bzw. deren Nachkommen. Trigano berichtete, dass die antisemitische Gewalt von Presse wie Behörden weitgehend unberichtet blieb. Er fügte hinzu, es gab überzeugende Hinweise, dass die jüdische Gemeinschaft von der sozialistischen Regierung Jospin aufgefordert wurde der vermehrten antijüdischen Aggression keine große Öffentlichkeit zu geben. Als Grund wurde angeführt, das zu tun könnte die Lage anheizen. Die französische Regierung wollte einen damals schon illusorischen „sozialen Frieden“ bewahren.[5]

Der Ausdruck „sozialer Frieden“ ist in einem solchen Zusammenhang eine beschönigende Umschreibung für das Ignorieren oder Reinwaschen antisemitischer Aggression durch Muslime. Eine gerade durchgeführte Studie zu Antisemitismus in sieben europäischen Ländern kam zu dem Schluss: „Verfügbare Täterdaten legen nahe, dass in Westeuropa Einzelpersonen mit muslimischem Hintergrund unter den Tätern antisemitischer Gewalt herausstechen, anders als in Russland, wo rechtsextreme Täter vorherrschen. Untersuchungen zu Einstellungen bestätigen dieses Bild insofern, als antisemitische Haltungen bei Muslimen weit stärker verbreitet sind als in der der allgemeinen Bevölkerung Westeuropas.“[6]

Trigano erwähnte auch einen Fall des Versteckens der Wahrheit zu einem mit Ideologie verbundenen Mord ohne Bezug zu Juden: „2002 wurde der stellvertretende Bürgermeister der südfranzösischen Stadt Beziers von einem Muslim ermordet. Die offizielle Geschichte lautete, dass der Mörder ein Geisteskranker war.“ Später beschuldigte der Bürgermeister der Stadt den Innenminister Daniel Vaillant, dieser habe der Stadtverwaltung diese Version aufgezwungen. Der Bürgermeister sagte, nach dem Mord kam Vaillant nach Beziers und unterbreitete die Geschichte des Geisteskranken als „offizielle Wahrheit“. Trigano fügte hinzu: „Später wurde bekannt, dass die französischen Geheimdienste entdeckt hatte, dass der Mörder mit Al-Qaida in Verbindung stand.“[7]

2003 wurde der jüdische Discjockey Sebastien Selam von seinem muslimischen Freund aus Kindertagen und Nachbarn Adel Amastaibou getötet. Medizinische Experten befanden den Mörder für geistesgestört. Als die Richter diese Schlussfolgerung akzeptierten, verhinderte der Befund ein Gerichtsverfahren, in dem Antisemitismus in beträchtlichen Teilen der französisch-muslimischen Gemeinschaft hätte diskutiert werden können.

Richard Prasquier, damals Vorsitzender der Dachorganisation der französischen Juden CRIF, verfolgte den Fall. Er sagte, es sei skandalös, dass Amastaibou in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert wurde, er aber die Erlaubnis hatte deren Gelände an Wochenenden zu verlassen. Prasquier sagte: „Die Ärzte glaubten, es wäre gut für seine psychische Verfassung nach Hause zurückzukehren, zogen aber nie die Gesundheit und Sicherheit der Familie des Opfers, der Familie Selam, in Betracht.“[8]

2006 wurde der junge Jude Ilan Halimi entführt und 24 Tage lang gefoltert, bevor er getötet wurde. Seine Entführer, angeführt von Youssouf Fofana, nannten sich die „Barbaren-Bande“. Als 2009 sein Verfahren begann, rief Fofana „Allahu Akbar“. Als seine Identität gab er „arabisch-afrikanischer Aufstand der barbarisch-salafistischen Armee“ an.[9]

2012 tötete Mohammed Merah, ein französischer Muslim algerischer Herkunft, vor ihrer Schule Otzar Hatorah in Toulouse einen jüdischen Lehrer und drei Kinder. Etwas zuvor im selben Monat hatte er drei französische Soldaten ermordet. Später veröffentlichte sein Bruder Abdelghani Merah ein Buch, in dem er beschrieb, dass ihre Eltern sie zu fanatischen Antisemiten erzogen hatten. Er schrieb, seine Schwester Souad und sein Bruder Abdelkader seien ebenfalls extreme Antisemiten.[10] Als Mohammed Merah bei einem Schusswechsel mit der französischen Polizei getötet wurde, gab es keinen konkreten Grund ihn für geisteskrank zu erklären.[11]

2015 ermordete der afrikanische Muslim Amedy Coulibaly im Pariser Supermarkt Hyper Cacher vier Juden. Er wurde später von Sicherheitskräften getötet.[12]

Eines hat sich allerdings geändert: Anders als zu Beginn dieses Jahrhunderts schweigen die Juden nicht länger. Im Viertel Belleville fand ein Marsch zum Protest gegen das Schweigen der Medien statt.[13] Eine Reihe Intellektueller, einige von ihnen Nichtjuden, veröffentlichte eine Erklärung zum antisemitischen Wesen des Mordes an Halimi.[14]

CRIF-Präsident Francis Kalifat veröffentlichte ein Op-Ed im Figaro, in dem er schrieb: „Es gibt Beweise dafür, dass dies ein Paradebeispiel für einen antisemitischen Mord ist. Dieses abscheuliche Verbrechen ist nicht als das anerkannt worden, was es ist.“ Er fügte hinzu, dass Halimi „aus dem absolut einzigen Grund ermordet wurde, dass sie Jüdin war“. Kalifat schrieb auch, dass er weiterhin Druck auf die Behörden ausüben werde, bis die Wahrheit ans Licht kommt.[15]

Frankreich ist das Land mit der zahlenmäßig und prozentual größten Anzahl an Muslimen in Westeuropa. Eine weithin zitierte Pew-Studie aus dem Jahr 2010 schätzt, dass Frankreich 4,7 Millionen Muslime hat. Bei einem Bevölkerungsanteil von 7,5 Prozent bedeutet das, dass das Land die größte muslimische Bevölkerung in Westeuropa hat.[16] Viele französische Juden erkennen, dass sich die wichtigsten antisemitischen Probleme, denen sie in Frankreich begegnen, durch eine Kombination aus dem Hass und der Aggression seitens eines großen Teils der muslimischen Präsenz mit dem fehlenden Willen der Behörden sich der Wahrheit zu stellen ergeben. Damit handelt es sich für das französische Judentum eher um strukturelle als um zufällige Probleme.[17]

Es gibt im Land 751 Gebiete, die von den Franzosen als „sensitive städtische Zonen“ bezeichnet werden.[18] Ein Teil davon sollte besser „No-Go-Areas“ genannt werden. Trigano sagte damals, dass Antisemitismus ein Barometer zum Messen der Perversität der französischen Gesellschaft ist.[19] Der neue französische Präsident Emmanuel Macron hat versprochen in Frankreich viel zu verändern. Was er sagt ist ambitioniert. Angesichts des Mordes an Halimi und dem, was danach kam, könnte sich Macron auch einige Gedanken über die geistige Gesundheit Frankreichs machen.

[1] www.liberation.fr/france/2017/06/06/meurtre-sauvage-a-paris-demence-ou-antisemitisme_1574941; www.gatestoneinstitute.org/10513/france-islamic-antisemitism

[2] www.lefigaro.fr/vox/politique/2017/05/22/31001-20170522ARTFIG00202-g-w-goldnadel-ce-que-revele-l-indifference-vis-a-vis-de-la-mort-de-sarah-halimi.php

[3] www.jpost.com/Diaspora/French-intellectuals-decry-cover-up-of-Jews-slaying-by-Muslim-neighbor-496393

[4] www.jpost.com/Jerusalem-Report/In-a-state-of-fear-492154

[5] http://www.jcpa.org/phas/phas-26.htm

[6] http://www.hlsenteret.no/publikasjoner/digitale-hefter/antisemittisk-vold-i-europa_engelsk_endelig-versjon.pdf

[7] http://www.jcpa.org/phas/phas-26.htm

[8] http://www.jpost.com/Magazine/Features/Two-sons-of-France-166298

[9] http://www.dailymail.co.uk/news/article-1175046/Trial-begins-French-gang-barbarians-accused-killing-young-Jew-24-day-torture.html

[10] http://www.independent.co.uk/news/world/europe/how-my-hate-filled-family-spawned-merah-the-monster-8307341.html

[11] http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/france/9157126/Toulouse-siege-as-it-happened.html

[12] www.lemonde.fr/police-justice/article/2015/11/07/attentats-de-paris-les-messages-du-commanditaire-au-tueur-de-l-hyper-cacher_4805099_1653578.html

[13] http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2017/04/09/01016-20170409ARTFIG00193-marche-blanche-a-paris-en-hommage-a-une-femme-defenestree-par-un-voisin.php

[14] www.lefigaro.fr/vox/societe/2017/06/01/31003-20170601ARTFIG00316-l-appel-de-16-intellectuels-que-la-verite-soit-dite-sur-le-meurtre-de-sarah-halimi.php

[15] www.lefigaro.fr/vox/societe/2017/06/25/31003-20170625ARTFIG00156-francis-kalifat-pour-sarah-halimi-je-ne-me-tairai-pas.php

[16] www.pewresearch.org/fact-tank/2016/07/19/5-facts-about-the-muslim-population-in-europe/

[17] www.jpost.com/Opinion/The-structural-uneasiness-of-French-Jews-494417

[18] http://sig.ville.gouv.fr/Atlas/ZUS/

[19] http://www.jcpa.org/phas/phas-26.htm