Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (11.-17.10.2015)

Sonntag, 11.10.2015:

Ein wütender Juden hat Schweinefleisch auf die Leiche eines Terroristen gelegt, als Sanitäter noch versuchten ihn wiederzubeleben.

Die Rakete von gestern Abend auf Aschkelon ist nach Angaben der IDF vom Abwehrsystem vernichtet worden

Am Sonntag wurde ein Jude angeklagt am Damaskustor Steine auf arabische Autos geworfen zu haben. Er gehört zu einer Gruppe, die das nach den Morden vom letzten Samstag gemacht hatte.

Zum Selbstmord-Bombenanschlag vom Morgen haben arabische Presseorgane eine ganz eigene Version: Die einen behaupten, das Auto habe ein Problem mit der Elektrik gehabt und die Israelis hätten sie (und ihr Kind, das nirgendwo sonst vorkommt) nicht aus dem Wagen steigen lassen. Und das weiße Pulver, das da zu sehen ist, stamme vom ausgelösten Airbag – mannomann, muss das ein Airbag gewesen sein!

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Und dann gibt es noch solche, die „Augenzeugen“ haben wollen, die die Sicherheitskräfte grundlos auf das Auto geschossen hätten. (Die Frau hat übrigens denselben Familiennamen – Djabaas – wie ein Terrorist, der 2014 in Jerusalem einen Anschlag mit einem Traktor verübte.

Mahmud Abbas meldete sich wieder zu Wort: Die Ermordung zweier Zivilisten in Jerusalem war eine „heldenhafte Operation“.

Letzte Woche zerstörten Araber im Gush Etzion eine alte Höhle, die aus der Zeit Bar Kochbas stammt.

Die Araber verüben kaum noch zu zählende Mordanschläge, schießen Raketen – aber Hamas behauptet, der Luftangriff der Israelis zeige, dass Israel die Lage eskalieren will“.

Der Fraktionschef der „Vereinten Liste“ (arabische Parteien in der Knesset) verurteilte einen der heutigen Anschläge – für den er aber Netanyahu und die Regierung verantwortlich macht.

Der Führer der Hamas in Judäa und Samaria, Husam Badran, hat die Rolle der palästinensischen Medien bei der Aufstachelung zu Anschlägen „gegen die Besatzung“ gepriesen.

„Sorgen“:
Frankreich/Hollande findet die Eskalation der Gewalt in Israel und den Palästinensergebieten „extrem beunruhigend und gefährlich“. Es müsse alles unternommen werden um die Lage zu beruhigen.

Montag, 12.10.2015:

Die palästinensische Rechtsanwaltskammer (sie erhält eine Menge Geld von der EU und der UNO) hat entschieden Muhannad Halabi einen Juristentitel ehrenhalber zu verleihen. Halabi war Jura-Student; er erstach Sonntag zwei Juden und verletzte die Frau und das Baby eines der beiden. Er wurde von Sicherheitskräften erschossen. Die Anwaltskammer bezeichnet den feigen Mörder als Helden.

Der (arabische) Bürgermeister von Nazareth beschimpfte aus seinem Auto heraus den arabischen MK Ayman Odeh, der gerade einem Fernsehsender ein Interview gab; Odeh zerstöre die Stadt, verjage die Touristen, die Lebensgrundlage der Menschen in der Stadt zu vernichten und er verbrenne die Welt (mit seinem Hass). „Es macht mich böse, dass arabische Politiker herkommen, zu Gewalt aufhetzen und es uns dann überlassen ihre Schweinerei aufzuräumen… Wir investieren hier gewaltig in Koexistenz und Tourismus. Wir wollen die Stadt entwickeln. Wir wollen Frieden und Ruhe.“ Odeh und anderen ginge es nur um Medienaufmerksamkeit und sie arbeiteten nicht zum Wohl der Menschen, die sie wählten.

Der Genralstaatsanwalt wird ein Strafverfahren gegen MK Hanin Zoabi wegen Unterstützung und Anzettelung von Gewalt einleiten.

Mehr als 100 Jüdische Jugendliche protestierten in Hadera gegen die Terrorwelle.

Arabische Eltern feiern den Tod ihrer Terroristen-Kinder. Kinder verkünden, dass sie für Allah und die Al-Aqsa-Moschee sterben wollen.

Die israelische Islamische Bewegung droht mit offenem Religionskrieg. Zur Begründung führen sie fadenscheinige Behauptungen von angeblichen israelischen Plänen in Jerusalem an.

Die Eltern mehrerer getöteter Terroristen priesen ihre Kinder in den pal-arabischen Medien. Sie folgten damit einem Aufruf der PA.

Zufällige Umfrage unter PalArabern, ob sie die, die israelische Soldaten und Zivilisten als Helden ansehen. Mit weit überwältigender Mehrheit unterstützen die Araber die Taten.

PA-„Außenminister“ al-Maliki behauptet Netanyahu wolle eine dritte Intifada auslösen, um von den Problemen abzulenken, die er habe. Er dehne den Konflikt von einem mit den Palästinensern in einen unbegrenzten Krieg mit der gesamten muslimischen Welt weltweit aus.

Heckmeck:
– Die Vertreter des Nahost-Quartetts haben ihre Reise nach Israel aufgeschoben auf Bitten Jerusalems wegen der aktuellen Gewalt.

Dienstag, 13.10.2015:

Terror-in-3-Stunden(Bildquelle)

Wegen der massiven Terroranschläge wurden alle Krankenhäuser auf eine höhere Bereitschaftsstufe beordert.

Die Bus-Attentäter von heute waren ein Fatah-Mitglied, von dem bekannt ist, dass er sich früher schon radikal geäußert hat, sowie ein Hamas-Aktivist, der schon eine Weile im Gefängnis war. Der Hamasnik wird aktuell von der Polizei verhört.
Der Attentäter von der Bushaltestelle unterstützte die Täter des Massakers auf die Synagoge Har Nof (November 2014) und zeigte Sympathien für den IS.
Die Attentäter von Raanana hatten bekannte Beziehungen zu Terrororganisationen und Kriminalakten.

Die Arabische Liga und die Türkei haben den Nerv Israel wegen der aktuellen Gewaltwelle Vorwürfe zu machen. Sie fordern „internationalen Schutz für die Palästinenser im Kampf gegen den gegen sie gerichteten Terrorismus“.

Arabische Knessetabgeordnete beschuldigen die Polizei sie würden die Terroristen nur erschießen, weil sie Araber sind.

Die PA will Israel beim Internationalen Strafgerichtshof verklagen, weil PA-Terroristen bei ihren Anschlägen getötet wurden. Saeb Erekat nennt die Verteidigungshandlungen „außergerichtliche Hinrichtungen“.

Premierminister Netanyahu forderte Mahmud Abbas auf, er solle aufhören zu lügen und aufzustacheln.

Die Araber im Gazastreifen feierten die Anschläge in Raanana auf der Straße, wobei sie Messer und Beile schwangen. Arutz-7 hat Fotos.

Um die mit der Terrorgefahr mehr als ausgelastete Polizei nicht zu überlasten wurde eine Demonstration gegen den Terror vor der Residenz des Premierministers abgesagt.

Ban Ki-moon unterstellt Israel, es setze bei seinen Versuchen den Terror zu stoppen zu viel Gewalt ein. Zu den Terroristen hat er nichts zu sagen.

Mittwoch, 14.10.2015:

Für die UNRWA gibt es offenbar nur nennenswerte arabische zivile Opfer, keinesfalls aber arabische Terroristen: In einer Erklärung wurde beklagt, dass es in den letzten Tagen so viele tote Palästinenser gab – aber völlig verschwiegen, unter welchen Umständen sie umkamen, nämlich beim Verüben von Mordversuchen.

Minister Eitan erklärte, dass ab sofort die Leichen von Terroristen nicht mehr an deren Familien zurückgegeben werden. (Das sorgt u.a. dann dafür, dass die aus den Beerdigungen keine Heldenfeiern mehr machen.)

Mahmud Abbas hatte behauptet Israel habe einen 13-jährigen arabischen Jungen „hingerichtet“. Das ist selbst Abgeordneten in der arabischen „Vereinigten Liste“ zu viel, von denen sonst heftig antiisraelische Töne kommen. Sie nannten Abbas‘ Behauptungen „Besorgnis erregend“, „verleumdend“, „die Realität verzerrend“, „an absolute Unverantwortlichkeit grenzend“; sie würden nur dazu dienen die Flammen der Hoffnungslosigkeit und des Hasses in der Region zu schüren. Das Büro des Premierministers machte darauf aufmerksam, dass der von Abbas genannte Junge nicht tot, sondern verletzt ist und im Hadassa-Krankenhaus behandelt wird. Er hatte auf jüdisches Kind eingestochen, das mit dem Fahrrad fuhr.
Zudem „warnte“ (= drohte) Abbas die (israelische) Eskalation würde zu einem heiligen Krieg führen, der die ganze Welt einbezieht.

So viel zu den „Aufrufen“ zu „friedlichem Protest“ des PA-Terrorchefs: Die „arabische Straße“ hat keinen Bock darauf und will weiter Juden schädigen. Die Kinder sind indoktriniert genug, dass sie nur noch „Märtyrer“ werden wollen.

Die Polizei errichtete eine Sperre zwischen Armon HaNatziv und Jabel Mukaber, einem der Hauptausgangsorte für Terror gegen Juden in Jerusalem. Die Sperre soll verhindern, dass weiter so viele Brandsätze und Steine auf das jüdische Viertel geworfen werden.
Auch an Ras al-Amud wurde eine Sperre aufgebaut.

Die neueste Forderung der Terror-Granden: Die UNO soll eine militärische „Schutztruppe“ in Jerusalem stationieren, um die Gewalt zu unterdrücken. (Die der Israelis, nicht der Araber!)

Traurig, dass das nötig ist: Israels neuer Botschafter bei der UNO, Danny Danon, forderte Generalsekretär Ban Ki-moon auf endlich den Palästinenserterror zu verurteilen.

Der Führer der Islamischen Bewegung in Israel, Raed Saleh und sein Stellvertreter erhielten ein Ausreiseverbot. Er darf Israel nicht verlassen. Am Abend erhielt er am Flughafen Ben Gurion die Anweisung. Sie gilt aktuell für 30 Tage.

Die Grenze am Gazastreifen wird einen neuen Zaun erhalten, nachdem mehrfach arabische Mobs es schafften ihn zu durchbrechen.

Donnerstag, 15.10.2015:

Wegen eines muslimischen Feiertags ist die Patriarchenhöhle in Hebron heute für Juden gesperrt.

War etwas anderes zu erwarten? Das US-Außenministerium befindet, Israel arbeite „zu eifrig“ daran den Terror zu unterdrücken und setze dabei unverhältnismäßig Gewalt ein. (Zudem fällt auf, dass die Pressekonferenz zu den Themen Iran, Afghanistan, Kamerun, Iran, Syrien/Russland/ISIL/Region, China, Russland/Ukraine Jemen/Saudi-Arabien und Israel/Palästina umbenannt wurde in „Nahost-Frieden“ – ob die Obama-Administration glaubt, sobald die Streitigkeiten auf einem Sechshundertvierzigstel des Territoriums der Region mit einem Dreißigstel der Bevölkerung zu lösen automatisch den Frieden im gesamten Nahen Osten auslöst?

Die Familien der Mörder des Ehepaars Henkin wurden informiert, dass ihre Häuser zerstört werden.

Wegen der Sicherheitslage hat die IDF vorläufig alle Besuche von Soldatengruppen am Ammunition Hill eingestellt. (Die IDF macht mit Rekruten Touren zu wichtigen Orten der israelischen Geschichte als Teil ihres Bildungsprogramms; der „Ammunition Hill“ war eine heftig umkämpfte Stelle im Krieg 1967.)

Saeb Erekat behauptet, die Messerangriffe auf Juden sei „Selbstverteidigung“.

Die Fatah von Friedensengel Mahmud Abbas feiert die Judenmorde als „Symphonie der Liebe zu Jerusalem“.
Gleichzeitig fordert er von Israel, angeblich aufhetzende Offizielle zu verhaften. (Er meinte natürlich nur Juden, sonst müsste Hanin Zoabi oder auch er selbst sofort hinter Gitter.)

Hanin Zoabi forderte übrigens heute ein Ende der „Einsame Wölfe“-Anschläge – zugunsten eines „Massenaufstands“, bei dem Tausende gleichzeitig versuchen Juden zu morden.

Wundert es? Nur einen Tag vor dem Mord an drei Juden forderte Mahmud Abbas Anschläge in Jerusalem.

Hamas verkündet, dass ihr Widerstand nicht auf den Gazastreifen beschränkt ist (ist ja nichts Neues…), sondern das „ganze Palästina“ befreit werden soll. (Bitte sucht weiter nach den moderaten Hamasniks, ihr Clauia Roth!)

Eine Gruppe Studenten im Gazastreifen hat ein Video erstellt, mit dem der tödliche Anschlag auf den Bus Nr. 78 nachgespielt wird. Natürlich „heldenhaft“.

Der angeblich tote Araberjunge erklärte einem Polizisten gegenüber jetzt, dass er und sein Cousin Juden töten wollten. Sein Cousin hatte den Anschlag geplant und für die Messer gesorgt.

Die PA fälscht wieder: Sie gab eine neue „Übersetzung“ der Rede von Abbas aus, in der er Israel die kaltblütige Hinrichtung eines Araberjungen vorwarf. Sie strichen „hinrichten“ und setzten dafür „auf unsere Kinder schießen“ ein..

Statistik: Seit Rosh Hashana nahm die Polizei 380 arabische Randalierer fest; 209 davon waren Erwachsene, 171 Minderjährige.

Freitag, 16.10.2015:

Die Hamas hat den Freitag zu einem weiteren „Tag des Zorns“ erklärt. Die israelischen Sicherheitskräfte (und die Bevölkerung) waren auf neue Gewalt eingerichtet.

Am Nachmittag wollten Araber und Juden im Wadi Ara an der Megiddo-Kreuzung eine Menschenkette für Koexistenz bilden. Es kamen etwa 700 Personen nach Zentralgaliläa.

Eine Freitagspredigt im Gazastreifen (wie üblich): Juden sind die Brüder von Affen und Schweinen. Die Al-Aqsa-Moschee erwartet Mudschaheddin und das Märtyrertum Suchende; Al-Aqsa erwartet, dass die Helden der Westbank den Jihad beginnen und alle Siedler und Verräter töten, denen sie begegnen.

Einige PA-Granden verurteilten die Brandstiftung am Josefsgrab; es gab sogar Stimmen, die forderten den Wiederaufbau durch die Araber.

Mahmud Abbas fordert, dass die UNESCO die Westmauer (Kotel, Klagemauer) zum Teil der Al-Aqsa-Moschee erklärt.

Hamas wieder grundsätzlich: Die Grenzen von 1948 und 1967 sind nur vorübergehend, das Ziel die Befreiung des „ganzen Palästina“.

Gesundheitsminister Litzman ordnete Ermittlungen gegen Beschäftigte einer Klinik in der Altstadt von Jerusalem an, weil die verdächtigt werden jüdischen Terroropfern ganz in der Nähe nicht geholfen zu haben, so dass diese starben.

Samstag, 17.10.2015:

Ach, wenn Gebäude abgebrannt werden, dann ist Herr Ban auf einmal da: Er verurteilte den Brandanschlag auf das Josefgrab in Schechem/Nablus von dieser Woche. (Dass die israelischen Sicherheitskräfte Attentäter töteten, hatte er auch schon verurteilt. Die Terroranschläge der Araber nicht!)
Ein Repräsentant Bans machte übrigens bei einem Treffen des UNO-Sicherheitsrats „beide Seiten“ gleichermaßen für die Gewalt verantwortlich – um dann Israels „unbarmherziges Vorgehen“ zu kritisieren.

MK Ahmed Tibi fällt in den Rechtfertigungschor zu Abbas‘ Lüge ein: Der PA-Chef hat nicht gelogen, er hat sich nur vertan, als er den lebenden Jungen für hingerichtet erklärte.

Umfrage unter den israelischen Arabern: 54% sagen, dass die arabischen Knessetabgeordneten sie nicht repräsentieren.

Frankreich: Anfangsdiagnose des neuen Antisemitismus

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Der Antisemitismus ist in Europa auf ein Niveau gestiegen, auf dem viele engagierte Juden sich fragen, ob sie nicht auswandern sollten. Dasselbe gilt auch für eine beträchtliche Anzahl stärker assimilierter Juden. Noch stärker in der jüdischen Gemeinschaft verbreitet ist die Frage, ob ihre Kinder in ihren Heimatländern bleiben sollten.

In einem Umfeld, in dem die jüdische Gemeinschaft große Zweifel bezüglich ihrer Zukunft hat, hilft es eine größere Perspektive zu gewinnen, indem man auf den europäischen Antisemitismus zurückblickt, der nach der zweiten Intifada im Jahr 2000 einen nie da gewesenen Stand erreichte.

Unter allen europäischen Ländern ist Frankreich aus einer Reihe von Gründen gut als Beispiel zu nutzen. Seit dem Jahr 2000 sind Niveau und Art der antisemitischen Vorfälle, die sich in Frankreich ereignen – zu denen mehrere Morde an Juden durch Muslime gehören – ernster als in anderen europäischen Ländern. Frankreich hat mit einer halben Million nicht nur die größte jüdische Gemeinde Europas, sondern mit geschätzten fünf Millionen auch die größte muslimische Gemeinschaft. Zusätzlich gab es in Frankreich die ersten hochrangigen Analysten, die zu Bewertungen des neuen Antisemitismus hervortraten, der sich in großem Maß vom klassischen religiösen und ethnischen Antisemitismus unterscheidet.

Die Arbeit dieser Analysten ist international nicht allzu bekannt, weil sie zumeist in Frankreich veröffentlicht wurde. Sie bleibt jedoch von großer Bedeutung, denn sehr viel von dem, was sie ursprünglich beobachteten, hat sich in noch größere Proportionen ausgeweitet. Das ist zu einem großen Teil dem Versagen der Regierungsbehörden geschuldet. Der Soziologe Shmuel Trigano, einer der führenden jüdischen Denker Europas, gehört zu den ersten, die einen substanziellen Beitrag zur Aufdeckung und Bewertung der Lage leisteten. Ende 2001 begann Trigano die Veröffentlichung einer Artikelserie mit dem Titel „Observatoire du monde juif“[1] (Beobachtung der jüdischen Welt); diese Serie lief über mehr als zweieinhalb Jahre.

Trigano hatte damit Erfolg die Zusammenarbeit einer beträchtlichen Anzahl an Autoren zu organisieren, die viele Aspekte der von Hass getriebenen Ausbrüche analysierten. Die erste Ausgabe – datiert vom November 2001 – hatte Titel zum Inhalt, die auf das Klima für die französische jüdische Gemeinschaft hinwiesen: „Zielt die Intifada gegen die Juden Frankreichs?“, „Eine Atmosphäre der Unsicherheit“, „Der Nahost-Konflikt wird in westliche Demokratien exportiert“, „Religiöser Antisemitismus“, „Politischer Antisemitismus“ und „Die extreme Linke und ihre ideologischen Manipulationen“.[2] Das könnten durchaus Titel aktueller Aufsätze sein. Seitdem hat sich die Lage nur verschlechtert.

In einer der 2002 veröffentlichten Ausgaben erklärte Alexandre del Valle in einem Artikel mit dem Titel „Die neuen roten, braunen und grünen Gesichter des Antisemitismus“ das Zusammenlaufen verschiedener Totalitarismen; das bezog sich auf das Zusammentreffen von Kommunismus, Faschismus und Islamismus in Bezug auf Antisemitismus.[3] In der nächsten Ausgabe beschrieb Michèle Tribalat, dass das islamistische Netzwerk voller Botschaften war, die Israel mit den Nazis gleichsetzte.[4]

Ein weiterer wichtiger Wissenschaftler, der sehr viel zur Diagnose der antisemitischen Realität in Frankreich beitrug, ist Pierre-André Taguieff. Dieser nichtjüdische Philosoph veröffentlichte sein Buch „Die neue Judenphobie“ im Jahr 2002; es trug Wichtiges zum Verständnis des Antiisraelismus bei. Taguieff diskutierte diese neueste Mutation des Antisemitismus und wie sie das französische Judentum traf. Er stellte fest, dass zwar der klassische Antisemitismus als politisch inkorrekt betrachtet wird, Antiisraelismus aber nicht solchem Widerstand begegnete und damit in der Lage war sich rasch auszubreiten.

Taguieff entlarvte den Prozess, mit Hilfe dessen über die Verbrechen der angeblich Beraubten, einer Gruppe, zu der die Palästinenser zu gehören behaupten, hinweggesehen wird. Er beschrieb die Rolle der Medien bei der Rechtfertigung von Gewalt und der Darstellung von Kriminellen als Opfern. Er stellte heraus, dass der nächste Schritt im Verfälschungsprozess darin bestand zu erklären, dass die Kriminellen, jetzt als Opfer getarnt, für ihre Taten nicht zur Verantwortung gezogen werden durften, weil sie durch ihre sozio-ökonomischen Umstände geformt wurden.

Taguieff entlarvte auch weitere Schlüsselthemen wie den Glauben, dass Muslime und Araber sich so verhalten, wie sie es tun, weil sie angeblich erniedrigt oder verfolgt sind. Er identifizierte den neuen Mythos des „eigentlich guten Palästinensers“ oder – mit anderen Worten – dass die Palästinenser nicht Falsches tun können. Taguieff erklärte, dass blinder Pazifismus sowohl den Aggressor als auch sein Opfer auf dasselbe moralische Niveau stellt und legitime Selbstverteidigung in ein kriminelles Vergehen kehrt.[5] Heute können wir viele Beispiele dieses Phänomens sehen, einschließlich des neu veröffentlichten Berichts des UNO-Menschenrechtsrats zum Gazakrieg von 2014.[6]

Taguieff entlarvte auch den weit verbreiteten Trugschluss, dass Islamophobie ein größeres Problem sei als Antisemitismus. Das Risiko von Juden in Frankreich, angegriffen zu werden, war und bleibt viele Male größer als das Risiko von Muslimen, angegriffen zu werden.

Ein weiterer wichtiger Beiträge leistender dafür Frankreichs fortgesetzten Verfall zu verstehen, war Emmanuel Brenner, das Pseudonym des Historikers Georges Bensoussan. Zusammen mit einer Reihe anderer Mitwirkender veröffentlichte er 2002 ein Buch, dessen Titel mit „Die verlorenen Territorien der französischen Republik“ übersetzt werden kann. Die Autoren analysierten den Zusammenbruch von Recht und Ordnung in mehreren Bereichen der französischen Gesellschaft; sie wiesen auf die Angst von Polizisten hin, bestimmte städtische Bereich zu betreten, die hauptsächlich von nordafrikanischen Immigranten und deren Nachkommen bewohnt sind. Sie analysierten zudem den Zusammenbruch der Gesellschaft in Teilen des Schulsystems, wo Antisemitismus, Rassismus und sexuelle Diskriminierung grassieren. Sie berichteten, dass in Schulen mit großen muslimischen Mehrheiten Kinder mit anderem Hintergrund oft derart eingeschüchtert werden, dass sie versuchen ihre Identität zu verbergen.[7]

Ebenfalls in Frankreich wurde die erste Regierungsstudie zum massiven neuen Ausbruch von Antisemitismus in Europa durchgeführt. Sie wurde 2003 von Nicolas Sarkozy angeordnet, der damals Innenminister war. Der Autor der Studie war der Arzt, Diplomat und Menschenrechtsaktivist Jean-Christophe Rufin, der den Kern vieler der mit Antisemitismus und Rasse in Verbindung stehenden Probleme Frankreichs identifizierte, die nicht nur fortbestehen, sondern auch exponentiell zunehmen. Dieses Dokument verdient eine eigene Analyse.[8]

[1] http:// obs. Monde.juif.free.fr/

[2] ebenda.

[3] Alexandre del Valle: Les nouveaux visage rouge-bruns-verts de l’antisémitisme. Obeservatoire du monde juif, Bulletin Nr. 3, Juni 2002.

[4] Michèle Tribalat: L’obsession anti-israélienne sur le net islamique. Observatoire du monde juif, Bulletin Nr. 4/5, Dezember 2002.

[5] Pierre-André Taguieff: Rising from the Muck: The New Anti-Semitism in Europe. Chicago (Ivan R. Dee) 2004). Im französischen Original wurde es veröffentlicht unter dem Titel: La nouvelle judéophobie. Paris (Fayard/Mille et Une Nuits) 2002.

[6] Bericht der detaillierten Feststellungen der Untersuchungskommission des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen zum Gaza-Konflikt von 2014 (A/HRC/29/CRP.4), veröffentlicht am 22. Juni 2015.

[7] Emmanuel Brenner: Les territoires perdus de la République: Antisémitisme, racisme et sexisme en milieu scolaire. Paris (Mille et Une Nuits) 2004 (französisch).

[8] http://www.interieur.gouv.fr/rubriques/c/c2_le_ministere/c21_actualite/2004_10_19_rufin/rapport_Rufin.pdf

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (13.-19.09.2015)

Sonntag, 13.09.2015:

Mahmud Abbas nannte – natürlich! – das Handeln der angegriffenen Sicherheitskräfte auf dem Tempelberg einen Angriff und verurteilte es.
Auch Jordanien redete von „israelischen Provokationen“ und warnte davor den Status quo zu ändern

Die israelische Islamisten-Bewegung verkündete, dass den Juden niemals erlaubt würde den Tempel wieder aufzubauen. Die israelische Führung würde Augen und Ohren für Vernunft und Wahrheit verschließen, die Palästinenser ausrotten und die Al-Aqsa-Moschee zerstören wollen.

Dienstag,15.09.2015:

Die Reaktion der UNO auf den muslimischen Terror auf dem Tempelberg: „Die Zusammenstöße könnten Gewalt an anderen Orten auslösen, solche Provokationen haben das Potenzial Gewalt auch jenseits der Mauern der Altstadt von Jerusalem auszulösen.“ Die „Zusammenstöße“ erfolgten nach Angaben des UNO-Sondergesandten nach „radikalen Einschränkungen“ für den Zugang auf den Tempelberg (für Muslime) durch Israel. „Alle“ sollen Zurückhaltung üben.

Und Jordanien schimpft wieder über israelische „Aggressionen“ auf dem Tempelberg.

Die PA macht sowieso Israel für alles verantwortlich, was an Unfrieden auf dem Tempelberg geschieht.

Das Weiße Haus äußert sich „besorgt“ über die Zusammenstöße auf dem Tempelberg und verurteilt „alle Gewalttaten“ dort.

Mittwoch, 16.09.2015:

Klartext von Mahmud Abbas: „Israelis haben kein Recht unsere heiligen Stätten mit ihren dreckigen Füßen zu schänden.“ Er sprach ausdrücklich von muslimischen und christlichen Stätten in Jerusalem. Dazu pries er die „Märtyrer“. (Alles so richtig dem Frieden dienend, nicht wahr?)

Die Ermordung des israelischen Autofahrers hat zu Protesten jüdischer Israelis in Jerusalem geführt.

Nach den massiven Krawallen und Gewalttätigkeiten der Feiertage blieb es heute auf dem Tempelberg dank massiver Polizeipräsenz ruhig. Das hat allerdings die Kreischweiber nicht davon abgehalten jüdische Besucher weiterhin zu belästigen.

Jordaniens König Abdallah warnt Israel vor weiteren „Provokationen“; diese würden unweigerlich die Beziehung zwischen den beiden Staaten beeinflussen, Jordanien werde handeln müssen.

Einer der Führer der „Islamischen Bewegung in Israel“ hat einen religiösen Krieg um den Tempelberg ausgerufen.

Der Hungstreik-Terrorist Mohammed Allan wurde aus dem Krankenhaus entlassen und sofort wieder festgenommen.

Die PA wirbt für Angriffe durch Steinewerfen für die Al-Aqsa-Moschee. Nach dem internationalen Recht seien solche Mordversuche erlaubt, erzählten die Terrorgranden dem Volk. Gleichzeitig drohen sie, härtere Maßnahmen gegen die Mordversuche werde die Palästinenser ermutigen Schusswaffen zu benutzen.

Die Einwohner von Armon Hanatziv glauben der Regierung bzw. den Politikern nicht, dass sie – wie von Netanyahu gerade versprochen – härter gegen Stein- und Brandwurf-Terrorismus vorgehen werden. Seit einem Jahr stehen sie ständig unter solchen Angriffen aus dem Viertel Jabel Mukaber.

Die Israelis können offensichtlich sagen, was sie wollen (nämlich dass der Status quo auf dem Tempelberg nicht verändert wird), die Terrorgranden weiter Israel wolle den Tempelberg „teilen“ und „stehlen“. Aktuell gab das gerade wieder Saeb Erekat von sich. Israel müsse den „Terrorsumpf“ trockenlegen, forderte er. (Merke: Die Mordversuche und die Belästigungen durch die Muslime und ihre Kreischweiber sind niemals Terrorismus, sondern friedlich auf das Plateau kommende Juden!)

Jetzt mischt sich auch Hollande ein und fordert „die Beibehaltung des Status quo“ auf dem Tempelberg – womit nicht der echte Status quo gemeint ist, sondern das Verbot von Juden auf dem Berg. Natürlich alles aus Sorge vor einer Eskalation der Gewalt. Die einigen, die den Status quo – gewaltsam – ändern wollen, sind die Terroristen, zusammen u.a. mit arabischen Knessetmitgliedern, die sich zum Teil aktiv an den Krawallen beteiligen.

Donnerstag, 17.09.2015:

Im Hamas-Fernsehen lassen sie kleine Jungs tönen: „Wir wollen Jihad gegen Israel führen, wenn wir groß sind.“

Weil mehr Gewalt erwartet wird, hat die IDF eine „Eiserne Kuppel“ bei Aschdod stationiert.

Netanyahu hat mit Ban Ki-moon telefoniert und ihm erklärt, dass Israel nicht aus dem Blauen heraus auf dem Tempelberg agiert, sondern auf Gewalttaten reagiert. Im Gegensatz zu Palästinensergewalt und -hetze behält Israel den Status quo bei.

Die Saudis haben Obama aufgefordert die „israelischen Angriffe auf den Tempelberg“ zu stoppen. (Heuchler!)
Jordanien droht Israel seinen Botschafter abzuberufen, wenn es den Terroristen in Sachen Tempelberg nicht nachgibt.
D
er UNO-Sicherheitsrat forderte Ruhe auf dem Tempelberg. Die „Regeln“ sollten eingehalten werden. (Sprich: freie Religionsausübung für Juden darf es nicht geben, man muss vor den gewalttätigen Muslimen kuschen.)

Freitag, 18.09.2015:

Da die Hamas einen „Tag des Zorns“ ausgerufen hat, steht die Polizei in verstärkter Bereitschaft.

Ron Prosor (Israels Botschafter bei der UNO) antwortete auf die Aussagen des UNO-Sicherheitsrats: Das war eine Erklärung, die auf den Tempelberg nur im Namen der Muslime Bezug nimmt und die Rechte von Muslimen anführt, aber die Gewalt der Palästinenser völlig ignoriert, ebenso die Verbindung des jüdischen Volks zum Tempelberg und das Recht auf freien Zugang für Mitglieder anderer Religionen.

Seit dem frühen Freitagmorgen kursiert ein Video im Internet (und verbreitet sich virusartig), das einen arabischen (israelischen) Polizisten zeigt, der auf Anweisung eines Waqf-Mitarbeiters einen alten Juden schlägt und bedroht, er soll auf dem Tempelberg ja keine Bewegungen ausführen. Der Mann bewegte irgendwann seine Lippen, der Waqf-Mann zeigte das bei dem Polizisten an, der sofort „eingriff“.

PA-Premierminister Rami Hamdallah war auf dem Weg auf den Tempelberg, zusammen mit einer Entourage aus u.a. PA-Sicherheitschefs. Israel verbot – angesichts der Sicherheitsmaßnahmen für den heutigen Tag – der Truppe Jerusalem überhaupt zu betreten.

Samstag, 19.09.2015:

Die Stadt Sderot forderte am Freitagabend, dass die israelische Regierung auf die Raketenangriffe reagiert.

Die Hamas behauptet eine israelische Drohne in ihrem Besitz zu haben, die bei Beit Lahiya abgestürzt sei.

Tempelberg-Empörungen:
– Der ägyptische Präsident Sisi fällt in den Chor ein und warnt vor Konsequenzen für den Frieden. Natürlich ignoriert er dabei die arabisch-muslimische Gewalt völlig.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (6.-12.09.2015)

Sonntag, 06.08.2015:

Heute sollte der Bau eines Grenzzauns zwischen Israel und Jordanien beginnen; die ersten 30km erstrecken sich von Eilat entlang der Arava-Wüste. Damit sollen in erster Linie dazu IS-Terroristen abgehalten werden.

Heckmeck:
Offizielle Vertreter Frankreichs und der PA diskutieren demnächst die Wiederbelebung der Gespräche mit Israel und mögliche Schritte zur Anerkennung des „Palästinenserstaats“ durch Frankreich.

Montag, 07.09.2015:

Die Mutter der Familie, deren Haus vorigen Monat in Duma angezündet wurde, erlag jetzt ebenfalls ihren Verletzungen. Die Saeb Erekat redet den zu erwartenden Sch… (Die Hamas ebenfalls.)

Der arabische Knessetabgeordnete Jamal Zahalka gab eine wütende Tirade von sich – gegen die Linken im Parlament, die er beschuldigte schlimmer zu sein als die Rechten, die sich (im Gegensatz zu den Linken) wenigstens wie Menschen benähmen. Auch in Sachen Siedlungsbau seien die Linken weit schlimmer als die Rechten; „Ihr pinkelt auf uns“, befand er über linke Juden. (Arutz-7 hat das Video dazu eingestellt.)

Der Araber, der in Hebron die 5 amerikanischen Juden vor einem Lynchmob gerettet hat, erhält jetzt Morddrohungen.

Grundsätzliches von der Hamas: Wir werden niemals Teil der Oslo-Vereinbarungen sein.

Und Mahmud Abbas will bei der nächsten Sitzung der UNO-Vollversammlung verkünden, dass die PA-Führung sich nicht länger an die Oslo-Vereinbarungen gebunden betrachtet.

Dienstag, 08.09.2015:

Kommentar in der offiziellen, PA-eigenen Zeitung: Stellt alle, die Normalisierung betreiben, vor Gericht.

Der PA-„Botschafter“ bei der UNO fordert die „Weltorganisation“ auf, sie solle Israel unter Druck setzen, „palästinensische“ Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen.

Mittwoch, 09.09.2015:

Liebesgruß aus Teheran: Israel wird es in 25 Jahren nicht mehr geben.

Das offizielle PA-TV: Der „sogenannte Tempel“ der Juden ist nichts als „Legenden und Märchen“ und „das größte Verbrechen und die größte Fälschung der Geschichte“.

Mahmud Abbas log einem norwegischen Diplomaten wieder vor, „die Siedlungen“ seien das Haupthindernis bei den neuen Friedensvermittlungsversuchen.

Verteidigungsminister Ya’alon hat zwei Muslimgruppen den Zugang zum Tempelberg-Plateau verboten; ihre Mitglieder belästigten nichtmuslimische Besucher auf dem Tempelberg auf aufdringliche und bedrohliche Weise.

Donnerstag, 10.09.2015:

Wegen der Brandstiftung in Duma (inzwischen sind 3 Familienmitglieder gestorben) gab es 2 Festnahmen. Die Verdächtigten haben nichts mit jüdischen Gemeinden in Judäa/Samaria zu tun.

Heckmeck:
Das EU-Parlament verabschiedete eine Resolution zur Rolle der EU im Friedensprozess zwischen Israel und der PA. Dabei wurde eine Ergänzung abgelehnt, die forderte, dass die Verhandlungen auf der Zweistaatenlösung basieren müssten. Diese Ablehnung wird als Ausdruck des Widerwillens interpretiert Israels Existenzrecht anzuerkennen. Eine Abgeordnete behauptete, diese Ergänzung ebne den Weg für die „ethnische Säuberung der nichtjüdischen Bevölkerung“ in Israel.

Wie die europäische Wirklichkeit sich für Juden verändert hat

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld interviewt Cnaan Lipshiz (direkt vom Autor)

Während ich in den letzen Jahren als Journalist über Europa berichtete, habe ich fast überall im westlichen Teil des Kontinents einen Rückfall in alten Antisemitismus und Antiisraelismus erlebt. In solch einem kurzen Interview kann ich nur ein paar wenige Beispiele bringen, die das illustrieren.

Im Oktober 2012 schrieb ich über die Synagoge in Marseille, der zweitgrößten Stadt Frankreichs: „In einer Zeit, in der jüdische Einrichtungen überall in Frankreich aufgrund von Sicherheitsmaßnahmen militärischen Festungen ähneln, ist das Betreten der großen Synagoge, jüdischem Hauptzentrum dieser pittoresken Stadt an der Mittelmeerküste, so einfach wie das Öffnen einer Haustür.“

In Marseille ist das nicht länger so. Juden befestigen ihre Einrichtungen fast überall in Westeuropa und eine zunehmende Zahl von ihnen verbirgt ihre Identität. Im Januar 2015 wurden die jüdischen Schulen von Marseille, der Heimat der zweitgrößten jüdischen Gemeinde Frankreichs, unter dauerhaften Polizeischutz durch mit Maschinengewehren bewaffnete Beamte gestellt.

Cnaan Liphshiz ist seit 2012 der Europakorrespondent der Jewish Telegraph Agency. Vorher arbeitete er für Ha’aretz, Ma’ariv und die Jerusalem Post.

Eine jüdische Reaktion in Paris ist eher selten, bedeutet aber innerhalb des allgemeinem europäischen Kontextes wenig. 2013 verfolgten einige Mitglieder der Jewish Defense League (JDL) die Araber, die sie verdächtigten am Tag davor einen Anschlag verübt zu haben. Die JDL wurde auch aktiv, als während Israels Operation Fels in der Brandung im Sommer 2014 eine Synagoge in Paris angegriffen wurde. Sie befinden sich auf Kollisionskurs mit der jüdischen Gemeinde, die immer dagegen war das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen.

Im Pariser Vorort Sarcelles stand ich im Sommer 2014 mit Juden, die ihre Schul vor einem pogromartigen Pöbel beschützten, in einer Wolke Tränengas. Ein arabischer Mob von 200 Personen, bewaffnet mit Stangen und Steinen, versuchte die Synagoge anzugreifen. Sie setzten Mülleimer in Brand und brüllten: „Schlachtet die Juden!“ Eine Einheit der Polizei unterband ihre Attacke. Die etwa einhundert JDL-Unterstützer vor Ort, bewaffnet mit Baseballschlägern und Knüppeln, sangen die französische Nationalhymne Marseillaise, um die Polizei zu ehren. Die Araber waren nicht in der Lage an die Synagoge heranzukommen, die leicht beschädigt wurde. Im Verlauf des Sommers wurden neun französische Synagogen angegriffen.

Um diese Zeit berichtete ich aus Paris, dass ich während einer illegalen Demonstration hörte, wie ein junger schwarzer Mann mit Pariser Akzent einem Dutzend seiner Freunde laut verkündete: „Ok, Jungs. Lasst uns ein paar Juden jagen gehen.“ Einer seiner Freunde antwortete: „Lasst uns ihre Köpfe brechen“, worauf der Mann erwiderte: „Fangt sie schnell, tötet sie langsam.“

Einer der wenigen anderen Orte, an denen ich einige Mitglieder von Jüdischen Verteidigungskräfte fand, wenn auch unter anderen Umständen, war die ukrainische Hauptstadt Kiew. Eine kleine Gruppe Juden übte Selbstverteidigung für den Fall eines Häuserkampfs. Alle hatten eine Art Uniform mit ukrainischem oder israelischem Armee-Hintergrunde, aber ihr Können war eingerostet.

Mein eigenes Umfeld hat sich ebenfalls gewandelt. Meine Frau und ich lebten innerhalb einer kleinen, jüdischen Enklave in Schilderswijk, einem Viertel von Den Haag, das von einer Pforte beschützt ist. Das ist eines der problematischsten Viertel in den Niederlanden. Es gibt hohe Arbeitslosigkeit und im Sommer 2014 marschierte dort eine Reihe Muslime zur Unterstützung des Islamischen Staates. Die Probleme gehen weit über die Tatsache hinaus, dass meine Frau nicht einen Rock tragend in die Öffentlichkeit gehen konnte.

Liphshiz zitiert aus einem Interview, das er damals einer niederländischen Nachrichten gab. Ich sagte während des Interviews, dass ich, obwohl es peinlich ist das so zu sagen, mich in einigen Vierteln von Jerusalem, einschließlich denen mit palästinensischen Einwohnern, wohler fühle als in den Niederlanden. In Israel gibt es viel Akzeptanz für die Empfindlichkeiten von Minderheiten. In Europa werden Minderheiten diese Empfindlichkeiten oft übel genommen.

Er fügt an, dass er in Den Haag in einen Laden ging, um mein Telefon reparieren zu lassen. Als der türkische Inhaber hörte, dass ich Israeli war, sagte er: „Warten Sie einen Moment, ich werden meine Waffe holen.“ Er lachte etwas, um anzudeuten, dass er das nicht ernst meinte. Ich fragte ihn, was er gegen Israelis habe oder gegen Juden. Der Ladenbesitzer antwortete, er hasse Juden „einfach“. Im Sommer 2015, während des Ramadan, gab es viel Krawall, nachdem ein Mann aus Aruba von der niederländischen Polizei bei seiner Verhaftung erwürgt wurde. Der unglückliche Vorfall hatte nichts mit Juden zu tun, dennoch brüllten viele Demonstranten antisemitische Parolen.

Liphshiz schließt: Wenn ich in der Vergangenheit meinen Freunden gegenüber erwähnte, wo ich wohne, fügte ich immer hinzu, dass wir nie irgendwelche Probleme mit unseren Nachbarn hatten. Ich äußerte auch, dass ich nicht verberge Jude zu sein. Heutzutage stimmt das nicht mehr. Wir sind umgezogen, zum Teil wegen der rapiden Radikalisierung, die wir erlebten.

Gedankenverlorenes Territorium: Rüge für den Louvre – Antisemitismus zu offensichtlich betrieben

PreOccupied Territory, 16. Juni 2015

Sira Anamwong / Shutterstock.com

Paris, 16. Juni – Die Regierung Frankreichs gab dem Management des Museums Louvre heute einen strengen Tadel und warnte es, dass die Zurschaustellung antijüdischen und antiisraelischen Vorurteils weit subtiler sein muss als die aktuelle Ablehnung eines Gruppenbesuchs israelischer Studenten durch die Institution.

Letzten Monat versuchte ein israelischer Professor der Universität Tel Aviv Zeit und Raum zu reservieren, um seine Kunststudenten in das Museum zu bringen; er wurde aber brüskiert, obwohl er dieselbe Reservierung auf denselben Reisen früher schon mehrfach machte. Der Professor nahm dann die Rolle eins Lehrenden aus Abu Dhabi an und hatte keinerlei Probleme zu diesen Daten zu reservieren. Das Management des Museums bestritt Fehlverhalten und machte für die Ablehnung technische Probleme mit dem Computersystem verantwortlich; allerdings drückte die Regierung, die das meiste Geld für die Finanzierung des Museums zur Verfügung stellt, ihren Unmut wegen der Leichtfertigkeit aus, mit der der Louvre es französischem Antisemitismus erlaubte an die Oberfläche zu dringen.

Kultusministerin Fleur Pellerin wies das Museum an sofort Maßnahmen zu treffen, um seine antijüdischen und antiisraelischen Tendenzen effektiver als legitime Motivlage zu verkaufen. „Im 21. Jahrhundert ist Zurschaustellung kruder Diskriminierung welcher Gruppe auch immer in unserer Gesellschaft nicht willkommen“, schrieb Ministerin Pellerin an Louvre-Direktor Jean-Luc Martinez. „Von daher muss die Ihrer Sorge anvertraute Institution aktive, sofortige und effektive Schritte unternehmen, um Judenhass in ein angenehmeres Gewand zu kleiden.“

Die jüngste Zunahme antisemitischer Angriffe und Verhaltens überall in Europa und besonders in Frankreich haben Paris mit einem unangenehmen sozialen Dilemma konfrontiert. Rechtsradikale Gruppen und linksradikale Aktivisten haben im Antisemitismus eine ungewöhnliche Gemeinsamkeit gefunden, was die französisch Mainstream-Gesellschaft betroffen macht, die sich ansonsten geschmackvollerer Dosierungen an Vorurteilen gegenüber Juden erfreut, direkte Erscheinungsformen davon aber grotesk findet.

Der Direktor des Louvre versprach eine gründliche Untersuchung der Politik und Verfahren, die zur Ablehnung der Gruppe der Universität Tel Aviv führten. „Im Namen des Louvre entschuldige ich mich für die von uns gezeigte eklatante Diskriminierung und verspreche, dass ich solche Manifestationen des Antisemitismus schwerer belegbar machen werde“, sagte er.

Teil des Prozesses diese Manifestationen zu verwischen beinhaltet ein auffälligeres Bestehen darauf, Gegnerschaft zu den Juden und Gegnerschaft zum Nationalstaat der Juden zu unterschieden. „Viele Aktivisten und Regime erwecken den Anschein nichts gegen Juden an sich zu haben, nur gegen Israel“, erklärte Martinez. „Doch wenn es um Manifestationen dieses Hasses geht, bemühen sich, wenn überhaupt, nur wenige darum sicherzustellen, dass die Unterscheidung konsequent eingehalten wird. Wir hätten die Ablehnung aufgrund politischen Protestes gegen israelische Politik verteidigen können, doch das würde schlicht die Frage aufwerfen, warum nie je auch nur eine einzige Ablehnung von Gruppen aus Ländern mit weit schrecklicheren Menschenrechts-Bilanzen ausgegeben wurde.“

„Zudem steht die offizielle Haltung der französischen Regierung, die offiziell den Louvre kontrolliert, BDS entgegen“, fügte Martinez hinzu. „Wenn wir bei eklatanteren Vorurteilen Nachsicht zeigen, müssen wir warten, bis die Juden keine Kontrolle über die Reg… – ich meine, bis diese Haltung sich ändert.“

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (14.-20.06.2015)

Sonntag, 14.06.2015:

Die NGO „Creativity for Peace“ gibt Seminare für junge Frauen, in denen sie motiviert werden sollen für Frieden zwischen Israelis und PalArabern einzutreten. An den Seminaren nehmen immer zu gleichen Teilen arabische und israelische Frauen teil. Jetzt ließen pal-arabische „Aktivisten“ eine solche Veranstaltung platzen. Weder die NGO selbst noch irgendeine andere berichtet darüber. In arabischen Medien gibt es nicht eine einzige Stimme, die diese Aktion „gegen die Normalisierung“ nicht gut findet. Frieden steht offensichtlich nicht auf der Tagesordnung der Araber.

Friedliche Karikaturen der Fatah – Israel ist wie der IS, ist der terroristische Killer des Friedens.

Montag, 15.06.2015:

Der Hassprediger von der Al-Aqsa, der behauptete Juden benutzten das Blut nichtjüdischer Kinder für ihre Matzen, hat sich bei YouTube beschwert, Palestinian Media Watch hätte seine Urheberrechte verletzt, als die Organisation das Video seiner Predigt mit Untertiteln versehen einstellte. YouTube löschte daraufhin das Video (vorläufig). PMW hat dagegen protestiert, weil die Entlarvung von Hassreden legal ist.

Dem UNHRC-Berichterstatter Makarim Wibisono wurde von Israel die Einreise/Durchreise in die Palästinensergebiete verweigert. Außenamtssprecher Nahshon sagte, dass Israel mit allen UNO-Leuten zusammenarbeitet, außer mit denen, „die ein Mandat haben, das antiisraelisch ist und bei dem Israel keine Chance hat sich Gehör zu verschaffen“. Und genau das ist bei Wibisono der Fall

Dienstag, 16.06.2015:

Wegen der heftigen Kämpfe auf der syrischen Seite haben Polizei und IDF den nordöstlichen Golan zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Das bedeutet, dass nicht dort wohnenden Zivilisten der Zutritt zu diesem Gebiet untersagt ist. Kurz nach der Ankündigung wurde aber wieder ein Rückzieher gemacht.

Heckmeck:
Die Hamas redet mit Israel im Geheimen und indirekt über einen langfristigen Waffenstillstand (5 Jahre mit Option einer Verlängerung). Es gibt aber noch keine formelle Initiative oder einen Vorschlag, der auf dem Tisch läge.

Mittwoch, 18.06.2015:

In Galiläa wurde heute ein jüdisch-arabisches Museum für zeitgenössische Kunst eröffnet.

Donnerstag, 19.06.2015:

Die PA will nächste Woche ihre erste „Kriegsverbrechen“-Akte gegen Israel beim ICC vorlegen.

Heckmeck:
– Die Hamas bestreitet die Berichte, dass sie (indirekt) mit Israel verhandelt.

Freitag, 19.06.2015:

Die Hamas begrüßte den feigen Mord in Samaria als „einzigartige und heldenhafte Operation“ bei Ramallah.

Samstag, 20.06.2015:

Der „militärische Arm“ der Hamas beansprucht die Verantwortung für den gestrigen Mord in Samaria. Weitere Palästinensergruppen begrüßten den Mordanschlag. Die PLO-Medien bezeichnen den Ermordeten als „Siedler“ (der Mann wohnt in und stammt aus Lod in „Kern-Israel“).

Dass Israel erstmals seit vielen Jahren wieder palästinensische Busse ins Land lässt, statt die Fahrgäste aussteigen und israelische Verkehrsmittel nutzen zu lassen, scheint dem „Friedensengel“ in Ramallah nicht zu schmecken. Von seiner Behörde geht ein Verbot des Besuchs Israels im Ramadan aus – indirekt, über das Verbot der Ausgabe bzw. des Erhalts von Anträgen auf Einreise nach Israel. Die Begründung ist besonders pikant: Wegen des Rechts auf freie Religionsausübung (Israel lässt oft Männer unter 40 aus der PA nicht nach Jerusalem). (Das mit der Religionsausübung sollte man den Terrorgranden mal um die Ohren hauen, wenn sie wieder von „Stürmung der Al-Aqsa“ schwafeln lassen!)

Nördlich des Sees Genezareth und bei Tzfat (Safed) brachen Brände aus; es wird Brandstiftung vermutet.

Heckmeck:
– Der französische Außenminister Fabius ist im Nahen Osten unterwegs. In Kairo bezeichnete er die israelischen Siedlungen als „Friedenshindernis“ und „nach internationalem Recht illegal“.