Sollte Israel die französischen Sozialisten oder den Front National vorziehen?

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die jüngsten Regionalwahlen in Frankreich haben einmal mehr bestätigt, dass der rechtsgerichtete Front National (FN) in der Politik der Landes ein wichtiger Faktor geworden ist. In der ersten Runde gewann er 28% der Stimmen, mehr als jede andere Partei; in sechs der dreizehn französischen Regionen stand er an erster Stelle.[1] In der zweiten Runde gewann der FN jedoch in keiner einzigen Region. Das war verschiedenen Faktoren geschuldet, in erster Linie dem Ausscheiden kleiner linker und rechter Parteien, die die Prozenthürde nicht geschafft hatten, dazu der beträchtlichen Zunahme der Anzahl der Wähler und dem Rückzug der sozialistischen Liste in zwei Regionen. Obwohl der FN in keinen der Regionen die Kontrolle erreichte, haben seine 6,7 Millionen Stimmen in der zweiten Runde einen neuen Partei-Rekord aufgestellt.

Viele französische Juden haben den FN regelmäßig mit großem Misstrauen beobachtet. Sein Gründer, der heute 87 Jahre alte Jean Marie Le Pen, ist immer ein freimütiger Antisemit gewesen und verniedlichte die Bedeutung und das Ausmaß des Holocaust. Im April 2015 bezeichnete er Nazi-Gaskammern als „Detail“ der Geschichte. Der ältere Le Pen wurde mehrfach wegen antisemitischer Äußerungen getadelt. Er wurde im August 2015 aus dem FN geworfen.[2]

Seine Tochter Marine Le Pen ist seit 2011 die Parteichefin des FN. In einem Interview mit der deutschen Wochenzeitschrift Der Spiegel erklärte sie ihre Ansichten.[3] Die jüngere Le Pen ist dafür den französischen Franc zurückzubringen, um den Euro zu ersetzen. Sie möchte, dass Frankreich die Europäische Union verlässt. Die Partei ist gegen Globalisierung und strebt eine Wirtschaftspolitik mit stark isolationistischen Elementen an.

Der FN erwähnt Muslime nicht ausdrücklich, ist aber deutlich gegen Immigration und Nichtintegration. Le Pen hat sich z.B. gegen alternative Speisepläne in Schulen ausgesprochen, die kein Schweinefleisch anbieten.[4] 2010 verglich sie Muslime, die auf der Straße beten, mit der deutschen Besatzung Frankeichs. Das führte zu einem Gerichtsverfahren, in dem sie freigesprochen wurde.[5]

Eine weitere Schlüsselperson der Partei betonte das etwas anders. In einer Äußerung stellte der FN-Berater für republikanische und säkulare Themen, Bertrand Dutheil, die Positionen der Partei dar; er erklärte, Muslimen sollte erlaubt werden privat zu beten, aber öffentliches Gebet sollte verboten, alle Immigration sollte gestoppt und alle französischen Bürger in die französische Nation integriert werden, ungeachtet ihrer Herkunft oder religiösen Bekenntnisses. Zusätzlich erklärte Dutheil seine Überzeugung, dass der Katholizismus die Religion ist, die dem Genius der französischen Nation über die Jahrhundert hinweg Ausdruck verliehen hat.[6]

In Reaktion auf die lautstarken Gewinne des FN forderte CRIF, die Dachorganisation der französischen jüdischen Gemeinschaft, vor kurzem in der zweiten Runde der Wahl eine massive Stimmabgabe, um „den fremdenfeindlichen und populistischen FN“ aufzuhalten.[7]

Wie erwähnt, hat die lange antisemitische Geschichte der Partei und ihres Gründers unter Juden zum Aufkommen enormer Sensibilität bezüglich des FN geführt. Mit der Ankunft Marine Le Pens an der Parteispitze und der aus Teilen der muslimischen Gemeinschaft kommenden antisemitischen Gewalt und kapitaler Aufstachelung hat der Anteil der für den FN stimmenden Juden zugenommen. Für die erste Runde der Präsidentschaftswahlen von 2012 sind Zahlen verfügbar, die zeigen, dass 13,5% der Juden für den FN stimmten. Dieser Prozentsatz ist zwar beträchtlich, liegt aber noch deutlich unter dem nationalen Durchschnitt von 18%.[8]

Die Ergebnisse der Regionalwahlen 2015 zeigen, dass aus Frankreich ein Land geworden ist, in dem drei große Parteien vorherrschen. Die Linke wird von den Sozialisten repräsentiert, der größten linken Partei. Die wichtigste Partei der rechten Mitte, die sich gerade in „Republikaner“ umbenannt hat, wird heute vom ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy geführt. Der FN steht im politischen Spektrum weiter rechts.

Sarkozy hat den FN öffentlich legitimiert. Er merkte an, dass in der ersten Runde der Regionalwahlen 6 Millionen Menschen für ihn stimmten und man nicht sagen könne, dass diese Wähler gegen die Republik seien. Er ordnete die Sozialisten und den FN mehr oder weniger auf derselben Stufe ein. Und das, obwohl die Sozialisten ihre Liste in zwei Regionen zurückzogen, um die Chancen der Republikaner beim Blockieren des FN zu verbessern.[9]

Israels Interessen decken sich nicht immer mit denen der französischen Juden. Jüdische Leiter in jedem Land müssen den besten Weg finden, lokal in einem Klima unangenehmer Realitäten zu manövrieren, sich auf Menschen und Parteien zu konzentrieren, die diese Realitäten anerkennen und den beteiligten Themen wohlwollend gegenüber stehen. Der französische sozialistische Präsident François Hollande und insbesondere Premierminister Manuel Valls sind der jüdischen Gemeinschaft gegenüber sehr positiv gewesen. Außenminister Laurent Fabius hat wiederholt erklärt, die Bekämpfung des Antisemitismus habe für die französische Regierung Priorität.[10]

Wie der französische Soziologe Shmuel Trigano aufgezeigt hat, verdreht Fabius allerdings auch die Wahrheit über muslimischen Antisemitismus; er behauptet, dieser stehe mit dem palästinensisch-israelischen Konflikt in Zusammenhang. Trigano stellte fest, die mörderischen Anschläge vom Januar 2015 zeigten, dass die Ursprünge des muslimischen Antisemitismus in islamischen und koranischen Leitgedanken gegen Nichtmuslime zu finden sind.[11]

Obwohl Valls vor kurzem Boykotte gegen Israel ausdrücklich verurteilte,[12] hat Frankreich eine führende Rolle bei der Forderung nach einer Kennzeichnung israelischer Siedlungsprodukte gespielt.[13] Fabius hat zudem zwei sehr unwillkommene internationale Initiativen in Bezug auf Israel unternommen. Anfang des Jahres kündigte Frankreich seine Absicht an auf eine Resolution des UNO-Sicherheitsrats zu Siedlungen zu drängen.[14] Im Oktober 2015 kündigte Fabius an, er wolle internationale Beobachter auf dem Tempelberg stationiert sehen.[15] Die regierenden Sozialisten schlugen im Dezember 2014 im Parlament einen Antrag vor, der eine Mehrheit erhielt. Darin wurde die Regierung aufgefordert den Palästinenserstaat anzuerkennen.[16] Die Regierung handelte allerdings nicht entsprechend.

Sollte, wenn die französischen Sozialisten bei zukünftigen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen besiegt werden, Israel in der Tat jegliche Präferenz für Kontakte zu ihnen zugunsten des Front National aufgeben? Schon eine solche Frage zu stellen, könnte vielen wegen der langfristigen kulturellen Einschränkungen ketzerisch erscheinen, aber angesichts der jüngsten negativen Einstellung der Sozialisten zu Israel auf der internationalen Bühne muss das gefragt werden. Es ist klar, dass für den Fall, dass Israel sich entscheidet Kontakte zum FN zu entwickeln, die Verbindung sehr allmählich aufgebaut werden sollte, unter ständiger Überprüfung, wie die Einstellungen dieser Partei zu für Israel wichtigen Fragen aussieht. Das gilt besonders für den Fall, dass Jean Marie Le Pen in die Partei zurückkehrt.

[1] Angelique Chrisafis: Front National wins opening round in France’s regional elections. The Guardian, 7. Dezember 2015.

[2] Noemie Bisserbe: Jean-Marie Le Pen Expelled From National Front. The Wall Street Journal, 20. August 2015.

[3] Mathieu von Rohr: Interview with Marine Le Pen: ‚I Don’t Want this European Soviet Union‘. Der Spiegel, 3. June 2014. [Anmerkung heplev: In der deutschen Version formuliert der Spiegel Len Pens Ansichten weit härter und extremer als in der englischen!]

[4] France’s Le Pen: ban non-pork meals in schools. The Telegraph, 5. April 2014.

[5] Aurelien Breeden: French Court Acquits Marine Le Pen of Hate Speech. The New York Times, 15. Dezember 2015.

[6] Bertrand Dutheil: Aux Français qui se disent musulmans de s’assimiler dans la République”. Front National, 2. September 2014.

[7] Le CRIF appelle à faire barrage au Front National. CRIF, 7. Dezember 2015.

[8] Les votes juifs : poids démographique et comportement électoral des juifs de France. IFOP, August 2014.

[9] Alexandre Lemarié: Pour son premier meeting de l’entre-deux-tours, Sarkozy met PS et FN sur le même pied. Le Monde, 8. Dezember 2015.

[10] Laurent Fabius: „Les juifs en France ne doivent pas avoir peur.” RTL, 24. Juli 2014.

[11] Shmuel Trigano: Pourquoi la manifestation du 11 janvier est un événement inquiétant. Actualité Juif, 5. Januar 2015.

[12] Lahav Harkov: French PM Valls condemns BDS: ‘Criticism of Israeli policies that turned into anti-Semitism’. Jerusalem Post, 19. Dezember 2015.

[13] Israel compiles EU ‚black list‘ on goods labeling. Globes, 13. Dezember 2015.

[14] Barak Ravid: France to Push for UN Security Council Resolution on West Bank Settlements. Haaretz, 11. Oktober 2015.

[15] Barak Ravid. France Pushes Security Council Call for Deployment of International Observers to Temple Mount. Haaretz, 17. Oktober 2015.

[16] L’Assemblée adopte une résolution invitant la France à reconnaître l’Etat palestinien. Le Monde, 12. Dezember 2015.

Wie ernst ist es Frankreich mit dem Krieg gegen muslimischen Terror?

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Präsident François Hollande und weitere französische Führungspolitiker haben nach dem furchtbaren Massaker am 13. November in Paris viele stramme Worte benutzt. „Auch wenn Frankreich verwundet ist, wird es aufstehen“, sagte Hollande. „Auch wenn wir trauern, wird nichts uns zerstören.“ Er nannte die Massaker zudem einen „Akt des Krieges“.[1] Premierminister Manuel Valls sagte: „Wir befinden uns im Krieg.“ Die Regierung hat außerdem den Notstand ausgerufen, den sie um drei Monate verlängern will.

Die französische Regierung macht den Eindruck, dass sie ein riesiges Programm zur Bekämpfung des Islamischen Staates in Angriff nimmt. Französische Flugzeuge haben bereits die syrische Stadt Raqqa bombardiert, die de facto die Hauptstadt der Organisation ist. Nebenbei könnte man hier erwähnen, dass eine Meinungsumfrage im Sommer 2014 feststellte, dass 16% der französischen Bevölkerung ISIS damals positiv betrachteten.[2]

Frankreich, tatsächlich aber jedes Land, das in den Krieg zieht, muss das Schlachtfeld einschätzen. In einer postmodernen Gesellschaft ist das radikal anders als bei klassischen Kriegen, da es nicht auf einen geografisch definierten Bereich beschränkt ist. Zum Schlachtfeld gehört eine ungleiche Ansammlung vieler Individuen mit aufrührerischen Absichten. Radikalmuslimische Ideologie ist in Frankreich und andernorts in Westeuropa weit verbreitet. Die Variante Islamischer Staat ist nur eine von vielen.

Einige der Terroristen kamen aus dem Viertel Molenbeek, einer radikalmuslimischen Brutstätte in Brüssel. Die belgische Regierung hat zugegeben, dass sie die Kontrolle über das Gebiet verloren hat.[3] Frankreich hat vorübergehend seine Grenzen geschlossen. Permanente Grenzkontrollen einzuführen ist allerdings eine Voraussetzung für jede effektive Bekämpfung radikalisierter Muslime. Eine solche Maßnahme wird zwangsläufig das Schengen-Abkommen über offene Grenzen aushöhlen, das eine der wichtigen Leistungen der EU ist.

Frankreichs Führer haben in dem, was wir bisher gehört haben, keinen Hinweis gegeben, dass das Land vorhat das gesamte Schlachtfeld abzudecken. Im Gegenteil: Nach den Morden im Januar 2015 an den Charlie-Hebdo-Journalisten und den Juden im Hyper Cacher-Supermarkt erklärte Hollande: „Diese Fanatiker haben nichts mit der muslimische Religion zu tun.“[4] Damit behauptete er unsinnigerweise, wenn ein Muslim mit Mordabsicht „Allahu Akbar“ als Schlachtruf brüllt, hat das nichts mit dem Islam zu tun. Valls äußert sich näher an der Wahrheit, als er sich damals zu den Minderheiten-Ghettos äußerte. Er sagte, es gäbe eine „territoriale, soziale und ethnische Apartheid“, die diese Viertel vom Rest Frankreichs abtrennt.[5]

Diese Anschläge stellen ein weit größeres Problem dar, als das, dem man im Januar diesen Jahres gegenüber stand, da das Ziel eindeutig nicht länger auf Journalisten und Juden beschränkt ist. Ganz Frankreich – und in Erweiterung Europa – samt seiner Bevölkerung und Kultur wird angegriffen.

Probleme in der französischen muslimischen Gemeinschaft haben vielfältige Aspekte, wie zum Beispiel eine Studie von Gilles Kepel zeigt.[6] Wahrscheinlich gibt es unter den Muslimen in Frankreich nur einen kleinen Anteil Antidemokraten, die derzeit terroristische Absichten hegen. Jedoch sind viele anfällig für Radikalisierung und müssen daher als potenzielle Terroristen betrachtet werden. Ein paar weitere französische Muslimführer zu überzeugen die Morde zu verurteilen, wird nicht viel helfen. Der wahre postmoderne Krieg gegen gewalttätige und andere antidemokratische Muslime erfordert einen Masterplan, der weit über Interimsmaßnahen wie die Schließung radikaler Moscheen hinaus geht.

Das bedeutet Zurückgewinnung der verlorenen Territorien in französischen Städten und der Gesellschaft, ein Schritt, der der Eliminierung der lokalen Kultur in definierten städtischen Regionen gleichkommt, die aktuell faktisch vom Schariarecht beherrscht werden und in denen das französische Recht marginalisiert worden ist. Das würde ein Ende der „No-Go-Areas“ bedeuten, die die Polizei nur in großer Zahl auf „Ad-hoc-Basis“ betreten kann.

Explizit zu erklären, dass die Kontrolle durch die Regierung in den autarken muslimischen Enklaven wiederhergestellt werden muss, würde für einen sozialistischen Politiker in Frankreich an Frevel grenzen. Das ist nicht das Ergebnis einer Verschwörung des Schweigens seitens der französischen Regierung und der politisch korrekten Medien. Solches Vermeiden hat seinen Ursprung in etwas Tückischerem: einer Sanitisierung öffentlicher Äußerungen, zu der von den Hauptakteuren des Establishments sowohl sozial als auch politisch ermutigt wird. Das Fehlen jeglicher klarer Erwähnung von Problemen, die ausdrücklich mit der französischen muslimische Bevölkerung und dem Islam in Verbindung steht, ermöglicht den irreführenden Glauben, solche Probleme seien nicht wichtig.

Um den Krieg zu führen, den sie gegen den Terrorismus erklärt hat, muss die Regierung das Schlachtfeld definieren. Das erfordert Äußerungen, die im französischen Kontext extrem wären. Sie laufen hinaus auf: „Um den Islamischen Staat effektiv zu bekämpfen, müssen wir systematisch neu auswerten, was in der französischen Gesellschaft falsch läuft, wobei besondere Betonung auf seine muslimische Komponente zu legen ist. Wir werden mit diesen Problemen unter allen Umständen und so lange es dauern mag auf systematische Weise umgehen. Wir wissen, wenn wir das nicht tun, dann betteln wir um mehr Probleme.“

In Frankreich gibt es wichtige Kräfte, die nicht Teil des Establishments sind und die durch die Massaker vorangetrieben werden könnten. Die wichtigste ist Marine Le Pens rechte Partei Front National. Ihre Führer haben kein Problem damit, ihre sehr anderen und manchmal rassistischen Ansichten zu dem zu betonen, was in der französisch-muslimischen Gemeinschaft heute falsch läuft.

Es mag immer noch zu früh sein bei den anstehenden Regionalwahlen Anfang Dezember einen weiteren Beliebtheitsschwenk hin zu dieser Partei zu erleben. Doch selbst kurz vor dem Massaker führte Le Pen in den Umfragen zur ersten Runde der Präsidentschaftswahl 2017, vor Nicolas Sarkozy von den Republikanern. Hollande lag dahinter auf Platz drei und würde es nach den Umfragen nicht in die zweite Runde schaffen.[7] Das ist ein zusätzlicher Ansporn für ihn die Dinge in der derzeitigen Krise weit ernster zu nehmen, als er es bisher getan hatte.

Um zu beobachten, ob das Schlachtfeld korrekt thematisiert wurde, werden Beobachter im Verlauf der Zeit in der Lage sein das Ausmaß zu beurteilen, wie ernst es der französischen Regierung mit dem Umgang und der Verhinderung des Terrorismus ist. Soweit es Israel betrifft: Wenn Frankreich so handelt, wie es das zu seiner eigenen Sicherheit tun sollte, dann sollte es für seine Regierung schwieriger werden im palästinensisch-israelischen Konflikt mit weiterem beunruhigenden Posieren aufzuwarten und israelisches Handeln gegen Terroristen zu verurteilen.

Handelt Frankreich nicht, kann Israel nur betonen, dass Frankreichs Politik zu einem weit größeren von Muslimen begangenen Massaker in Paris geführt hat, als es je in Israel auftrat. Ist es Hollande erst, würde es dem französischen Geheimdienst gut anstehen sich um hochentwickelten Rat an das einzige demokratische Land im Nahen Osten zu wenden. Israel hat im Verlauf der Jahre erfolgreich eingehende Geheimdienstmethoden entwickelt, um solche Massaker zu vermeiden; dabei hat es mit einer ständigen Bedrohung durch viele gewaltbereite Palästinenser und in geringerem Maße mit lokalen muslimischen Tätern zu tun.

[1] Hollande: C’est un acte de guerre commis par une armée terroriste, Daech. France 24, 14. November 2015.

[2] Madeline Grant: 16% of French Citizens Support ISIS, Poll Finds. Newsweek, 26. August 2014.

[3] Christoph B. Schiltz, Brüssel: Hier fallen islamistische Terroristen nicht auf. DIE WELT, 15. November 2015.

[4] 12-French forces kill newspaper attack suspects, hostages die in second siege. Reuters, 10. Januar 2015.

[5] Sylvia Zappi: Manuel Valls, l’apartheid et les banlieues. Le Monde, 26. Januar 2015.

[6] Luc Bronner: La place croissante de l’islam en banlieue. Le Monde, 4. Oktober 2011.

[7] Raheem Kassam: Marine le-Pen Tops Another French Presidency Poll. Breitbart, 13. November 2015.

Die französischen Unruhen von 2005 und die ethnische Apartheid des Landes

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Vor zehn Jahren, Ende Oktober 2005, brachen in Frankreich große Unruhen aus. Zwei Jugendliche aus Clichy sous Bois bei Paris wurden versehentlich durch Stromschlag getötet, nachdem sie ein Trafohäuschen betraten. Ihre Freunde behaupteten, sie seien vor der Polizei geflohen.[1] Das führte zum Ausbruch von Unruhen, die drei Wochen anhielten; in dieser Zeit verloren die Behörden mehrere Tage lang die Kontrolle.

Mehr als neuntausend Autos wurden in diesen drei Wochen abgefackelt. Zu den abgebrannten Institutionen gehörten Kindergärten, Schulen, Geschäfte, Bibliotheken und ein Theater. Achtzehn religiöse Einrichtungen wurden angegriffen, darunter drei Moscheen und zwei Synagogen. Obwohl England 2011 seinen Anteil an gewalttätigen Unruhen hatte,[2] erlangten diese Krawalle sowie andere soziale Unruhen in Westeuropa im Verlauf der vergangenen Dekade niemals das Ausmaß der Herbstunruhen von 2005 in Frankeich.

Zehn Jahre nach den Unruhen ist es wichtig eine Bestandsaufnahme dessen vorzunehmen, was damals und seitdem geschah. Die Bedeutung dieses Überblicks geht über die französische Gesellschaft im Allgemeinen und die jüdischen Bevölkerung des Landes hinaus. Sie ist zudem grundlegend für die Analyse und das Verständnis der Situation in Teilen der muslimischen Welt, einschließlich des aktuellen palästinensischen Terrorismus.

Einer der klügsten Analytiker der Zeit war der jüdische Philosoph Alain Finkielkraut. In einem Interview mit Ha’aretz erklärte er: „In Frankreich würde man gerne diese Krawalle auf ihre soziale Dimension reduzieren, sie als Revolte von Jugendlichen aus den Vororten gegen ihre Lage sehen, gegen die Diskriminierung, unter der sie leiden, gegen die Arbeitslosigkeit. Das Problem ist, dass die meisten dieser Jugendlichen Schwarze oder Araber mit einer muslimischen Identität sind. Sehen Sie, in Frankreich gibt es auch andere Immigranten, deren Lage schwierig ist – Chinesen, Vietnamesen, Portugiesen – und die beteiligen sich nicht an den Krawallen. Daher ist es klar, dass diese eine Revolte mit einem ethnisch-religiösen Charakter ist.“ Er fügte hinzu: „Die Plünderer fordern nicht mehr Schulen, mehr Kindertagesstätten, … mehr Busse: Sie verbrennen sie.“[3]

Finkielkraut machte während des Interviews auch überzeugende Bemerkungen, für die er hinterher heftiger Kritik ausgesetzt wurde. Er wurde gezwungen sich für einige seiner Bemerkungen zu entschuldigen.

Mehrere Monate nach den Unruhen schrieb Léon Sann, Leiter der Ethik-Kommission eines Krankenhauses, einen detaillierten Aufsatz zum unverhältnismäßig großen Ausmaß der Kriminalität unter Minderheiten-Jugendlichen aus „schwierigen“ Vororten. Er legte Statistiken vor, die über einen mehrjährigen Zeitraum gesammelt wurden. Er stellte heraus, dass diese Kriminalität sich in Angriffen auf Gebäude, das Verkehrswesen, Schulen, und Krankenhäuser zeigte und zitierte Quellen, die zeigten, dass Minderheiten 60 bis 70 Prozent der jungen Straftäter ausmachten.[4]

Die Unruhen vom Herbst 2005 machten klar, dass die vielen früheren Anschläge, hauptsächlich von Muslimen gegen jüdische Einrichtungen begangen, nur ein Auftakt für den Angriff auf das Hauptziel waren: die französische Gesellschaft. Im Herbst 2005 wurden selten gezielt jüdische Institutionen angegriffen;[5] Ausnahmen waren die Synagogen in Pierefitte und Garges les Gonesse. An einem Punkt während der Krawalle und über mehrere Tage hinweg warnten die französischen Behörden die jüdische Gemeinschaft sogar, dass sie nicht in der Lage seien sie zu schützen.

Nach den Unruhen kündigten die französischen Behörden an, dass sie Maßnahmen ergreifen würden, um die Integration der Minderheiten zu verbessern. Doch bis heute bleibt das enorm problematisch. Der französische Begriff für Vorort, banlieue, ist ein abwertender Begriff geworden, da viele dieser Vororte von Armut, Verbrechen, Arbeitslosigkeit, einem hohen muslimischen Bevölkerungsanteil und sozialer Isolation vom Rest Frankreichs geprägt sind.[6] Während des verhängnisvollen Besuchs einer Gruppe niederländischer Amtsträger im Pariser Vorort Saint Denis im letzten Monat, die die dortige Radikalisierung studieren wollten, wurde das wieder international publiziert. Die Besucher wurden von einer Gruppe Randalierer angegriffen. Sie wurden getreten und geschlagen, einer von ihnen erlitt sogar eine Kopfwunde; sie waren gezwungen zu fliehen. Ihnen wurde einiges gestohlen.[7]

Im Gefolge der Massaker bei Charlie Hebdo und dem Hyper Cacher-Markt im Januar 2015 sagte der französische sozialistische Premierminister Manuel Valls, als er von den Minderheiten-Ghettos sprach, es gäbe eine „territoriale, soziale und ethnische Apartheid“, die diese Viertel vom Rest Frankreichs trennt.[8]

Wie so oft ist die Lage der Juden ein erstklassiger Indikator der Probleme der Gesellschaften, in denen sie leben. In der jüdischen Gemeinschaft ist das Gefühl weit verbreitet, dass selbstbewusste Juden in Frankreich kaum eine Zukunft haben. Das hat sich in den letzen zehn Jahren enorm verstärkt. Ebenso die jüdische Auswanderung. Mehrere Juden sind ermordet worden, alle von Muslimen. Im Sommer 2014 wurden neun Synagogen von muslimischen Randalierern angegriffen.[9]

Das oben Angeführte illustriert einige der vielen Facetten der Unfähigkeit Frankreichs in seinem Haus Ordnung zu schaffen, nachdem das Ausmaß des Chaos durch die Unruhen von 2005 so klar demonstriert worden war. Trotzdem fordern diejenigen, die Zuhause derart versagt haben, jetzt eine Rolle als wichtiger Spieler dabei Israel zu diktieren, wie es sich zu verhalten hat. Im März diesen Jahres wollte Frankreich eine Resolution zum palästinensisch-israelischen Konflikt in den UNO-Sicherheitsrat einbringen.[10] Im Oktober schlug es vor, internationale Truppen sollten auf dem Tempelberg stationiert werden. Vielleicht wäre es effektiver gewesen ausländische Truppen in einige der „Apartheid“-Gebiete in Frankreich zu schicken.[11]

Das in den französischen Unruhen vorhandene destruktive Element, das Finkielkraut so gut kenntlich machte, ist seitdem in vielen Teilen der muslimischen Welt besser sichtbar geworden. Die dieses destruktive Element treibenden Faktoren sind oft stärker kultureller denn sozio-ökonomischer Natur. Dieses Element ist außerdem in der palästinensischen Gesellschaft seit vielen Jahrzehnten offenkundig gewesen und seine Führer sind weit stärker daran interessiert Israel zu zerstören als eine eigene Gesellschaft aufzubauen.

Das Ziel der aktuellen Terroraktivitäten, die von den Palästinenserführern mit Beifall versehen und verherrlicht werden, besteht darin die Beziehungen zwischen israelischen wie palästinensischen Arabern und Juden weiter zu verkomplizieren. Diese Taten führten zur Vernichtung vieler Arbeitsstellen für Palästinenser. Arabische Arbeiter in jüdischen Vierteln fühlen sich jetzt bedroht, was vor dem neuen Ausbruch des palästinensischen Terrorismus nicht der Fall war. Die Kultur, zu der – neben anderen – die französischen Randalierer und die palästinensischen Terroristen gehören, hat in der ganzen Welt bereits zu vielen Problemen geführt. Diese destruktiven, kulturellen Elemente, oft auch religiös orientiert, die in der muslimischen Welt so lautstark und gewalttätig vorhanden sind, werden in der Zukunft voraussichtlich auch viele weitere schwerwiegende Probleme verursachen.

[1] Manfred Gerstenfeld: The Autumn 2005 Riots in France: Their Possible Impact on Israel and the Jews. The Jerusalem Center for Public Affairs, 2006.

[2] England riots: Maps and Timeline. BBC News UK, 15. August 2011.

[3] Dror Mishani/Aurelia Smotriez: What Sort of Frenchmen Are They? Ha’aretz, 17. November 2005.

[4] Léon Sann: Violence Urbaines. Controverses 1, Editions de l’Eclat, 2006, S. 147-173.

[5] Hilary Leila Kriegler: French Jews Remain Largely Untargetd. The Jerusalem Post, 8. November 2005.

[6] George Packer: The Other France. The New Yorker, 31. August 2015.

[7] Nederlandse ambtenaren mishandeld in probleemwijk Parijs. NOS-Internetseite, 21. Oktober 2015.

[8] Sylvia Zappi: Manuel Valls, l’apartheid et les banlieus. Le Monde, 26. Januar 2015.

[9] Manfred Gerstenfeld interviewt Cnaan Lipshitz: Wie die europäische Wirklichkeit sich für Juden verändert hat. abseits vom mainstream, 27. Juli 2015 (englische Version: Israel National News, 27. Juli 2015)

[10] France to Begin Push for UN Security Council Resolution on Israeli-Palestinian Conflict. Ha’aretz, 27. März 2015.

[11] Dana Somberg (Reuters): France advancing plan to deploy international observers at Jerusalem’s Temple Mount. The Jerusalem Post, 17. Oktober 2015.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (11.-17.10.2015)

Sonntag, 11.10.2015:

Ein wütender Juden hat Schweinefleisch auf die Leiche eines Terroristen gelegt, als Sanitäter noch versuchten ihn wiederzubeleben.

Die Rakete von gestern Abend auf Aschkelon ist nach Angaben der IDF vom Abwehrsystem vernichtet worden

Am Sonntag wurde ein Jude angeklagt am Damaskustor Steine auf arabische Autos geworfen zu haben. Er gehört zu einer Gruppe, die das nach den Morden vom letzten Samstag gemacht hatte.

Zum Selbstmord-Bombenanschlag vom Morgen haben arabische Presseorgane eine ganz eigene Version: Die einen behaupten, das Auto habe ein Problem mit der Elektrik gehabt und die Israelis hätten sie (und ihr Kind, das nirgendwo sonst vorkommt) nicht aus dem Wagen steigen lassen. Und das weiße Pulver, das da zu sehen ist, stamme vom ausgelösten Airbag – mannomann, muss das ein Airbag gewesen sein!

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Und dann gibt es noch solche, die „Augenzeugen“ haben wollen, die die Sicherheitskräfte grundlos auf das Auto geschossen hätten. (Die Frau hat übrigens denselben Familiennamen – Djabaas – wie ein Terrorist, der 2014 in Jerusalem einen Anschlag mit einem Traktor verübte.

Mahmud Abbas meldete sich wieder zu Wort: Die Ermordung zweier Zivilisten in Jerusalem war eine „heldenhafte Operation“.

Letzte Woche zerstörten Araber im Gush Etzion eine alte Höhle, die aus der Zeit Bar Kochbas stammt.

Die Araber verüben kaum noch zu zählende Mordanschläge, schießen Raketen – aber Hamas behauptet, der Luftangriff der Israelis zeige, dass Israel die Lage eskalieren will“.

Der Fraktionschef der „Vereinten Liste“ (arabische Parteien in der Knesset) verurteilte einen der heutigen Anschläge – für den er aber Netanyahu und die Regierung verantwortlich macht.

Der Führer der Hamas in Judäa und Samaria, Husam Badran, hat die Rolle der palästinensischen Medien bei der Aufstachelung zu Anschlägen „gegen die Besatzung“ gepriesen.

„Sorgen“:
Frankreich/Hollande findet die Eskalation der Gewalt in Israel und den Palästinensergebieten „extrem beunruhigend und gefährlich“. Es müsse alles unternommen werden um die Lage zu beruhigen.

Montag, 12.10.2015:

Die palästinensische Rechtsanwaltskammer (sie erhält eine Menge Geld von der EU und der UNO) hat entschieden Muhannad Halabi einen Juristentitel ehrenhalber zu verleihen. Halabi war Jura-Student; er erstach Sonntag zwei Juden und verletzte die Frau und das Baby eines der beiden. Er wurde von Sicherheitskräften erschossen. Die Anwaltskammer bezeichnet den feigen Mörder als Helden.

Der (arabische) Bürgermeister von Nazareth beschimpfte aus seinem Auto heraus den arabischen MK Ayman Odeh, der gerade einem Fernsehsender ein Interview gab; Odeh zerstöre die Stadt, verjage die Touristen, die Lebensgrundlage der Menschen in der Stadt zu vernichten und er verbrenne die Welt (mit seinem Hass). „Es macht mich böse, dass arabische Politiker herkommen, zu Gewalt aufhetzen und es uns dann überlassen ihre Schweinerei aufzuräumen… Wir investieren hier gewaltig in Koexistenz und Tourismus. Wir wollen die Stadt entwickeln. Wir wollen Frieden und Ruhe.“ Odeh und anderen ginge es nur um Medienaufmerksamkeit und sie arbeiteten nicht zum Wohl der Menschen, die sie wählten.

Der Genralstaatsanwalt wird ein Strafverfahren gegen MK Hanin Zoabi wegen Unterstützung und Anzettelung von Gewalt einleiten.

Mehr als 100 Jüdische Jugendliche protestierten in Hadera gegen die Terrorwelle.

Arabische Eltern feiern den Tod ihrer Terroristen-Kinder. Kinder verkünden, dass sie für Allah und die Al-Aqsa-Moschee sterben wollen.

Die israelische Islamische Bewegung droht mit offenem Religionskrieg. Zur Begründung führen sie fadenscheinige Behauptungen von angeblichen israelischen Plänen in Jerusalem an.

Die Eltern mehrerer getöteter Terroristen priesen ihre Kinder in den pal-arabischen Medien. Sie folgten damit einem Aufruf der PA.

Zufällige Umfrage unter PalArabern, ob sie die, die israelische Soldaten und Zivilisten als Helden ansehen. Mit weit überwältigender Mehrheit unterstützen die Araber die Taten.

PA-„Außenminister“ al-Maliki behauptet Netanyahu wolle eine dritte Intifada auslösen, um von den Problemen abzulenken, die er habe. Er dehne den Konflikt von einem mit den Palästinensern in einen unbegrenzten Krieg mit der gesamten muslimischen Welt weltweit aus.

Heckmeck:
– Die Vertreter des Nahost-Quartetts haben ihre Reise nach Israel aufgeschoben auf Bitten Jerusalems wegen der aktuellen Gewalt.

Dienstag, 13.10.2015:

Terror-in-3-Stunden(Bildquelle)

Wegen der massiven Terroranschläge wurden alle Krankenhäuser auf eine höhere Bereitschaftsstufe beordert.

Die Bus-Attentäter von heute waren ein Fatah-Mitglied, von dem bekannt ist, dass er sich früher schon radikal geäußert hat, sowie ein Hamas-Aktivist, der schon eine Weile im Gefängnis war. Der Hamasnik wird aktuell von der Polizei verhört.
Der Attentäter von der Bushaltestelle unterstützte die Täter des Massakers auf die Synagoge Har Nof (November 2014) und zeigte Sympathien für den IS.
Die Attentäter von Raanana hatten bekannte Beziehungen zu Terrororganisationen und Kriminalakten.

Die Arabische Liga und die Türkei haben den Nerv Israel wegen der aktuellen Gewaltwelle Vorwürfe zu machen. Sie fordern „internationalen Schutz für die Palästinenser im Kampf gegen den gegen sie gerichteten Terrorismus“.

Arabische Knessetabgeordnete beschuldigen die Polizei sie würden die Terroristen nur erschießen, weil sie Araber sind.

Die PA will Israel beim Internationalen Strafgerichtshof verklagen, weil PA-Terroristen bei ihren Anschlägen getötet wurden. Saeb Erekat nennt die Verteidigungshandlungen „außergerichtliche Hinrichtungen“.

Premierminister Netanyahu forderte Mahmud Abbas auf, er solle aufhören zu lügen und aufzustacheln.

Die Araber im Gazastreifen feierten die Anschläge in Raanana auf der Straße, wobei sie Messer und Beile schwangen. Arutz-7 hat Fotos.

Um die mit der Terrorgefahr mehr als ausgelastete Polizei nicht zu überlasten wurde eine Demonstration gegen den Terror vor der Residenz des Premierministers abgesagt.

Ban Ki-moon unterstellt Israel, es setze bei seinen Versuchen den Terror zu stoppen zu viel Gewalt ein. Zu den Terroristen hat er nichts zu sagen.

Mittwoch, 14.10.2015:

Für die UNRWA gibt es offenbar nur nennenswerte arabische zivile Opfer, keinesfalls aber arabische Terroristen: In einer Erklärung wurde beklagt, dass es in den letzten Tagen so viele tote Palästinenser gab – aber völlig verschwiegen, unter welchen Umständen sie umkamen, nämlich beim Verüben von Mordversuchen.

Minister Eitan erklärte, dass ab sofort die Leichen von Terroristen nicht mehr an deren Familien zurückgegeben werden. (Das sorgt u.a. dann dafür, dass die aus den Beerdigungen keine Heldenfeiern mehr machen.)

Mahmud Abbas hatte behauptet Israel habe einen 13-jährigen arabischen Jungen „hingerichtet“. Das ist selbst Abgeordneten in der arabischen „Vereinigten Liste“ zu viel, von denen sonst heftig antiisraelische Töne kommen. Sie nannten Abbas‘ Behauptungen „Besorgnis erregend“, „verleumdend“, „die Realität verzerrend“, „an absolute Unverantwortlichkeit grenzend“; sie würden nur dazu dienen die Flammen der Hoffnungslosigkeit und des Hasses in der Region zu schüren. Das Büro des Premierministers machte darauf aufmerksam, dass der von Abbas genannte Junge nicht tot, sondern verletzt ist und im Hadassa-Krankenhaus behandelt wird. Er hatte auf jüdisches Kind eingestochen, das mit dem Fahrrad fuhr.
Zudem „warnte“ (= drohte) Abbas die (israelische) Eskalation würde zu einem heiligen Krieg führen, der die ganze Welt einbezieht.

So viel zu den „Aufrufen“ zu „friedlichem Protest“ des PA-Terrorchefs: Die „arabische Straße“ hat keinen Bock darauf und will weiter Juden schädigen. Die Kinder sind indoktriniert genug, dass sie nur noch „Märtyrer“ werden wollen.

Die Polizei errichtete eine Sperre zwischen Armon HaNatziv und Jabel Mukaber, einem der Hauptausgangsorte für Terror gegen Juden in Jerusalem. Die Sperre soll verhindern, dass weiter so viele Brandsätze und Steine auf das jüdische Viertel geworfen werden.
Auch an Ras al-Amud wurde eine Sperre aufgebaut.

Die neueste Forderung der Terror-Granden: Die UNO soll eine militärische „Schutztruppe“ in Jerusalem stationieren, um die Gewalt zu unterdrücken. (Die der Israelis, nicht der Araber!)

Traurig, dass das nötig ist: Israels neuer Botschafter bei der UNO, Danny Danon, forderte Generalsekretär Ban Ki-moon auf endlich den Palästinenserterror zu verurteilen.

Der Führer der Islamischen Bewegung in Israel, Raed Saleh und sein Stellvertreter erhielten ein Ausreiseverbot. Er darf Israel nicht verlassen. Am Abend erhielt er am Flughafen Ben Gurion die Anweisung. Sie gilt aktuell für 30 Tage.

Die Grenze am Gazastreifen wird einen neuen Zaun erhalten, nachdem mehrfach arabische Mobs es schafften ihn zu durchbrechen.

Donnerstag, 15.10.2015:

Wegen eines muslimischen Feiertags ist die Patriarchenhöhle in Hebron heute für Juden gesperrt.

War etwas anderes zu erwarten? Das US-Außenministerium befindet, Israel arbeite „zu eifrig“ daran den Terror zu unterdrücken und setze dabei unverhältnismäßig Gewalt ein. (Zudem fällt auf, dass die Pressekonferenz zu den Themen Iran, Afghanistan, Kamerun, Iran, Syrien/Russland/ISIL/Region, China, Russland/Ukraine Jemen/Saudi-Arabien und Israel/Palästina umbenannt wurde in „Nahost-Frieden“ – ob die Obama-Administration glaubt, sobald die Streitigkeiten auf einem Sechshundertvierzigstel des Territoriums der Region mit einem Dreißigstel der Bevölkerung zu lösen automatisch den Frieden im gesamten Nahen Osten auslöst?

Die Familien der Mörder des Ehepaars Henkin wurden informiert, dass ihre Häuser zerstört werden.

Wegen der Sicherheitslage hat die IDF vorläufig alle Besuche von Soldatengruppen am Ammunition Hill eingestellt. (Die IDF macht mit Rekruten Touren zu wichtigen Orten der israelischen Geschichte als Teil ihres Bildungsprogramms; der „Ammunition Hill“ war eine heftig umkämpfte Stelle im Krieg 1967.)

Saeb Erekat behauptet, die Messerangriffe auf Juden sei „Selbstverteidigung“.

Die Fatah von Friedensengel Mahmud Abbas feiert die Judenmorde als „Symphonie der Liebe zu Jerusalem“.
Gleichzeitig fordert er von Israel, angeblich aufhetzende Offizielle zu verhaften. (Er meinte natürlich nur Juden, sonst müsste Hanin Zoabi oder auch er selbst sofort hinter Gitter.)

Hanin Zoabi forderte übrigens heute ein Ende der „Einsame Wölfe“-Anschläge – zugunsten eines „Massenaufstands“, bei dem Tausende gleichzeitig versuchen Juden zu morden.

Wundert es? Nur einen Tag vor dem Mord an drei Juden forderte Mahmud Abbas Anschläge in Jerusalem.

Hamas verkündet, dass ihr Widerstand nicht auf den Gazastreifen beschränkt ist (ist ja nichts Neues…), sondern das „ganze Palästina“ befreit werden soll. (Bitte sucht weiter nach den moderaten Hamasniks, ihr Clauia Roth!)

Eine Gruppe Studenten im Gazastreifen hat ein Video erstellt, mit dem der tödliche Anschlag auf den Bus Nr. 78 nachgespielt wird. Natürlich „heldenhaft“.

Der angeblich tote Araberjunge erklärte einem Polizisten gegenüber jetzt, dass er und sein Cousin Juden töten wollten. Sein Cousin hatte den Anschlag geplant und für die Messer gesorgt.

Die PA fälscht wieder: Sie gab eine neue „Übersetzung“ der Rede von Abbas aus, in der er Israel die kaltblütige Hinrichtung eines Araberjungen vorwarf. Sie strichen „hinrichten“ und setzten dafür „auf unsere Kinder schießen“ ein..

Statistik: Seit Rosh Hashana nahm die Polizei 380 arabische Randalierer fest; 209 davon waren Erwachsene, 171 Minderjährige.

Freitag, 16.10.2015:

Die Hamas hat den Freitag zu einem weiteren „Tag des Zorns“ erklärt. Die israelischen Sicherheitskräfte (und die Bevölkerung) waren auf neue Gewalt eingerichtet.

Am Nachmittag wollten Araber und Juden im Wadi Ara an der Megiddo-Kreuzung eine Menschenkette für Koexistenz bilden. Es kamen etwa 700 Personen nach Zentralgaliläa.

Eine Freitagspredigt im Gazastreifen (wie üblich): Juden sind die Brüder von Affen und Schweinen. Die Al-Aqsa-Moschee erwartet Mudschaheddin und das Märtyrertum Suchende; Al-Aqsa erwartet, dass die Helden der Westbank den Jihad beginnen und alle Siedler und Verräter töten, denen sie begegnen.

Einige PA-Granden verurteilten die Brandstiftung am Josefsgrab; es gab sogar Stimmen, die forderten den Wiederaufbau durch die Araber.

Mahmud Abbas fordert, dass die UNESCO die Westmauer (Kotel, Klagemauer) zum Teil der Al-Aqsa-Moschee erklärt.

Hamas wieder grundsätzlich: Die Grenzen von 1948 und 1967 sind nur vorübergehend, das Ziel die Befreiung des „ganzen Palästina“.

Gesundheitsminister Litzman ordnete Ermittlungen gegen Beschäftigte einer Klinik in der Altstadt von Jerusalem an, weil die verdächtigt werden jüdischen Terroropfern ganz in der Nähe nicht geholfen zu haben, so dass diese starben.

Samstag, 17.10.2015:

Ach, wenn Gebäude abgebrannt werden, dann ist Herr Ban auf einmal da: Er verurteilte den Brandanschlag auf das Josefgrab in Schechem/Nablus von dieser Woche. (Dass die israelischen Sicherheitskräfte Attentäter töteten, hatte er auch schon verurteilt. Die Terroranschläge der Araber nicht!)
Ein Repräsentant Bans machte übrigens bei einem Treffen des UNO-Sicherheitsrats „beide Seiten“ gleichermaßen für die Gewalt verantwortlich – um dann Israels „unbarmherziges Vorgehen“ zu kritisieren.

MK Ahmed Tibi fällt in den Rechtfertigungschor zu Abbas‘ Lüge ein: Der PA-Chef hat nicht gelogen, er hat sich nur vertan, als er den lebenden Jungen für hingerichtet erklärte.

Umfrage unter den israelischen Arabern: 54% sagen, dass die arabischen Knessetabgeordneten sie nicht repräsentieren.

Frankreich: Anfangsdiagnose des neuen Antisemitismus

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Der Antisemitismus ist in Europa auf ein Niveau gestiegen, auf dem viele engagierte Juden sich fragen, ob sie nicht auswandern sollten. Dasselbe gilt auch für eine beträchtliche Anzahl stärker assimilierter Juden. Noch stärker in der jüdischen Gemeinschaft verbreitet ist die Frage, ob ihre Kinder in ihren Heimatländern bleiben sollten.

In einem Umfeld, in dem die jüdische Gemeinschaft große Zweifel bezüglich ihrer Zukunft hat, hilft es eine größere Perspektive zu gewinnen, indem man auf den europäischen Antisemitismus zurückblickt, der nach der zweiten Intifada im Jahr 2000 einen nie da gewesenen Stand erreichte.

Unter allen europäischen Ländern ist Frankreich aus einer Reihe von Gründen gut als Beispiel zu nutzen. Seit dem Jahr 2000 sind Niveau und Art der antisemitischen Vorfälle, die sich in Frankreich ereignen – zu denen mehrere Morde an Juden durch Muslime gehören – ernster als in anderen europäischen Ländern. Frankreich hat mit einer halben Million nicht nur die größte jüdische Gemeinde Europas, sondern mit geschätzten fünf Millionen auch die größte muslimische Gemeinschaft. Zusätzlich gab es in Frankreich die ersten hochrangigen Analysten, die zu Bewertungen des neuen Antisemitismus hervortraten, der sich in großem Maß vom klassischen religiösen und ethnischen Antisemitismus unterscheidet.

Die Arbeit dieser Analysten ist international nicht allzu bekannt, weil sie zumeist in Frankreich veröffentlicht wurde. Sie bleibt jedoch von großer Bedeutung, denn sehr viel von dem, was sie ursprünglich beobachteten, hat sich in noch größere Proportionen ausgeweitet. Das ist zu einem großen Teil dem Versagen der Regierungsbehörden geschuldet. Der Soziologe Shmuel Trigano, einer der führenden jüdischen Denker Europas, gehört zu den ersten, die einen substanziellen Beitrag zur Aufdeckung und Bewertung der Lage leisteten. Ende 2001 begann Trigano die Veröffentlichung einer Artikelserie mit dem Titel „Observatoire du monde juif“[1] (Beobachtung der jüdischen Welt); diese Serie lief über mehr als zweieinhalb Jahre.

Trigano hatte damit Erfolg die Zusammenarbeit einer beträchtlichen Anzahl an Autoren zu organisieren, die viele Aspekte der von Hass getriebenen Ausbrüche analysierten. Die erste Ausgabe – datiert vom November 2001 – hatte Titel zum Inhalt, die auf das Klima für die französische jüdische Gemeinschaft hinwiesen: „Zielt die Intifada gegen die Juden Frankreichs?“, „Eine Atmosphäre der Unsicherheit“, „Der Nahost-Konflikt wird in westliche Demokratien exportiert“, „Religiöser Antisemitismus“, „Politischer Antisemitismus“ und „Die extreme Linke und ihre ideologischen Manipulationen“.[2] Das könnten durchaus Titel aktueller Aufsätze sein. Seitdem hat sich die Lage nur verschlechtert.

In einer der 2002 veröffentlichten Ausgaben erklärte Alexandre del Valle in einem Artikel mit dem Titel „Die neuen roten, braunen und grünen Gesichter des Antisemitismus“ das Zusammenlaufen verschiedener Totalitarismen; das bezog sich auf das Zusammentreffen von Kommunismus, Faschismus und Islamismus in Bezug auf Antisemitismus.[3] In der nächsten Ausgabe beschrieb Michèle Tribalat, dass das islamistische Netzwerk voller Botschaften war, die Israel mit den Nazis gleichsetzte.[4]

Ein weiterer wichtiger Wissenschaftler, der sehr viel zur Diagnose der antisemitischen Realität in Frankreich beitrug, ist Pierre-André Taguieff. Dieser nichtjüdische Philosoph veröffentlichte sein Buch „Die neue Judenphobie“ im Jahr 2002; es trug Wichtiges zum Verständnis des Antiisraelismus bei. Taguieff diskutierte diese neueste Mutation des Antisemitismus und wie sie das französische Judentum traf. Er stellte fest, dass zwar der klassische Antisemitismus als politisch inkorrekt betrachtet wird, Antiisraelismus aber nicht solchem Widerstand begegnete und damit in der Lage war sich rasch auszubreiten.

Taguieff entlarvte den Prozess, mit Hilfe dessen über die Verbrechen der angeblich Beraubten, einer Gruppe, zu der die Palästinenser zu gehören behaupten, hinweggesehen wird. Er beschrieb die Rolle der Medien bei der Rechtfertigung von Gewalt und der Darstellung von Kriminellen als Opfern. Er stellte heraus, dass der nächste Schritt im Verfälschungsprozess darin bestand zu erklären, dass die Kriminellen, jetzt als Opfer getarnt, für ihre Taten nicht zur Verantwortung gezogen werden durften, weil sie durch ihre sozio-ökonomischen Umstände geformt wurden.

Taguieff entlarvte auch weitere Schlüsselthemen wie den Glauben, dass Muslime und Araber sich so verhalten, wie sie es tun, weil sie angeblich erniedrigt oder verfolgt sind. Er identifizierte den neuen Mythos des „eigentlich guten Palästinensers“ oder – mit anderen Worten – dass die Palästinenser nicht Falsches tun können. Taguieff erklärte, dass blinder Pazifismus sowohl den Aggressor als auch sein Opfer auf dasselbe moralische Niveau stellt und legitime Selbstverteidigung in ein kriminelles Vergehen kehrt.[5] Heute können wir viele Beispiele dieses Phänomens sehen, einschließlich des neu veröffentlichten Berichts des UNO-Menschenrechtsrats zum Gazakrieg von 2014.[6]

Taguieff entlarvte auch den weit verbreiteten Trugschluss, dass Islamophobie ein größeres Problem sei als Antisemitismus. Das Risiko von Juden in Frankreich, angegriffen zu werden, war und bleibt viele Male größer als das Risiko von Muslimen, angegriffen zu werden.

Ein weiterer wichtiger Beiträge leistender dafür Frankreichs fortgesetzten Verfall zu verstehen, war Emmanuel Brenner, das Pseudonym des Historikers Georges Bensoussan. Zusammen mit einer Reihe anderer Mitwirkender veröffentlichte er 2002 ein Buch, dessen Titel mit „Die verlorenen Territorien der französischen Republik“ übersetzt werden kann. Die Autoren analysierten den Zusammenbruch von Recht und Ordnung in mehreren Bereichen der französischen Gesellschaft; sie wiesen auf die Angst von Polizisten hin, bestimmte städtische Bereich zu betreten, die hauptsächlich von nordafrikanischen Immigranten und deren Nachkommen bewohnt sind. Sie analysierten zudem den Zusammenbruch der Gesellschaft in Teilen des Schulsystems, wo Antisemitismus, Rassismus und sexuelle Diskriminierung grassieren. Sie berichteten, dass in Schulen mit großen muslimischen Mehrheiten Kinder mit anderem Hintergrund oft derart eingeschüchtert werden, dass sie versuchen ihre Identität zu verbergen.[7]

Ebenfalls in Frankreich wurde die erste Regierungsstudie zum massiven neuen Ausbruch von Antisemitismus in Europa durchgeführt. Sie wurde 2003 von Nicolas Sarkozy angeordnet, der damals Innenminister war. Der Autor der Studie war der Arzt, Diplomat und Menschenrechtsaktivist Jean-Christophe Rufin, der den Kern vieler der mit Antisemitismus und Rasse in Verbindung stehenden Probleme Frankreichs identifizierte, die nicht nur fortbestehen, sondern auch exponentiell zunehmen. Dieses Dokument verdient eine eigene Analyse.[8]

[1] http:// obs. Monde.juif.free.fr/

[2] ebenda.

[3] Alexandre del Valle: Les nouveaux visage rouge-bruns-verts de l’antisémitisme. Obeservatoire du monde juif, Bulletin Nr. 3, Juni 2002.

[4] Michèle Tribalat: L’obsession anti-israélienne sur le net islamique. Observatoire du monde juif, Bulletin Nr. 4/5, Dezember 2002.

[5] Pierre-André Taguieff: Rising from the Muck: The New Anti-Semitism in Europe. Chicago (Ivan R. Dee) 2004). Im französischen Original wurde es veröffentlicht unter dem Titel: La nouvelle judéophobie. Paris (Fayard/Mille et Une Nuits) 2002.

[6] Bericht der detaillierten Feststellungen der Untersuchungskommission des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen zum Gaza-Konflikt von 2014 (A/HRC/29/CRP.4), veröffentlicht am 22. Juni 2015.

[7] Emmanuel Brenner: Les territoires perdus de la République: Antisémitisme, racisme et sexisme en milieu scolaire. Paris (Mille et Une Nuits) 2004 (französisch).

[8] http://www.interieur.gouv.fr/rubriques/c/c2_le_ministere/c21_actualite/2004_10_19_rufin/rapport_Rufin.pdf