Die Mythen der Intellektuellen

Einsicht in französische Einseitigkeit gibt auch eine Perspektive auf die amerikanischen Feinde Israels

Jonathan S. Tobin, Jewish World Review, 2, Mai 2005

Ya’acov „Koby“ Mandell und Mohammed al-Dura waren beide Kinder. Einer war ein Israeli, der andere ein Palästinenser. Aber der Tode des 13 Jahre alten Mandell und der des 12 Jahre alten al-Dura im ersten Jahr dessen, was die zweite palästinensische Intifada genannt wird, sind zur Symbolisierung der verdrehten Berichterstattung über diesen Konflikt durch die internationalen Medien geworden.

Al-Dura, der während einem Feuerwechsel zwischen palästinensischen Bewaffneten und israelischen Soldaten starb, wurde zum Märtyrer-Helden gemacht, dessen Ermordung die israelische Brutalität zeigte. Filmmaterial des französischen Staats-Fernsehens France 2 über den Vorfall stellte das Ereignis als direktes israelisches Abschlachten eines Unschuldigen dar.

Erst später erfuhren wir, dass das Filmmaterial selektiv editiert wurde und dass die Zuschauer darüber in die Irre geführt wurden, was wirklich geschah. Eine objektive Analyse der Geschichte durch das deutsche Fernsehen und das Magazin „The Atlantic“ lassen wenig Zweifel daran, dass al-Dura eher durch Kugeln getötet wurde, die von Palästinensern abgefeuert wurden.

Tod eines Kolonisten

Im Gegensatz dazu wird an den Tod von Koby Mandell wenig erinnert. Nur eines von vielen israelischen Kindern, die in diesem sinnlosen Krieg zugrunde gingen, wurden er und ein Klassenkamerad von palästinensischen Terroristen kaltblütig ermordet; sie steinigten ihn zu Tode und dann verstümmeln sie ihre Leichen. Als dieses Verbrechen von denselben französischen Medien berichtet wurde, die den Mythos um al-Dura verbreitet gemacht hatten, charakterisierten sie Mandell als einen „Kolonisten“, der vom palästinensischen Widerstand getötet wurde.

Die Bedeutung dieser Unterscheidung wurde in einer französischen Dokumentation hervorgehoben; sie heißt „Decryptage“ (Dekodierung) und macht in diesem Frühjahr die Runde auf amerikanisch-jüdischen Festivals.

Der Film wurde 2002 auf dem Höhepunkt der jetzt abgeschlossenen Intifada gemacht; er ist ein interessantes Gegenstück zu „Relentless“, einer weniger geschickten, aber nützlichen englischsprachigen Polemik darüber, wer für den Zusammenbruch des Oslo-Friedensprozesses verantwortlich ist.

Obwohl inzwischen etwas veraltet, weil Yassir Arafat tot und der von ihm begonnene Terrorkrieg entschieden ist, sind die französischen Filmemacher Jacques Tarneo und Phillippe Bensoussan trotzdem in der Lage zum Kern der Sache vorzudringen: warum die französische Medienberichterstattung so einseitig war.

Ihre Antwort sollte uns nicht so sehr wegen dem interessieren, was sie über die Franzosen sagt, als was sie uns über die Vorstellung über den Konflikt sagt, wie sie auf amerikanischen College-Campussen heftig vertreten werden, sowie auch unter Aktivisten, die einige Kirchengruppen dazu gebracht haben Strafmaßnahmen gegen Israel zu unterstützen.

„Decrytage“ bieten den Amerikanern einen Blick auf die Besessenheit, die die elitären Schwätzer von Paris und London mit dem imperialistischen Erbe ihres Kontinents herumschleppen.

Für europäische Intellektuelle, insbesondere denen in der Linken, ist die Erbsünde ihrer Nation der Kolonialismus. Aber in ihrer Hast, mit jeglichen Überresten dieser Zeit nichts mehr zu tun haben zu wollen, haben viele Europäer den Zionismus – die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes, fälschlicherweise definiert als nicht unterscheidbar vom Impuls der Briten Indien zu besitzen oder der französischen Beanspruchung Algeriens.

Durch dieses Prisma betrachtet waren und sind die Araber Unschuldige, unterdrückt durch fremde jüdische Siedler. Dass die Juden die Einheimischen des als Israel bekannten Landes sind – die Araber nennen es „Palästina“ – scheint kaum eine Meinung geändert zu haben.

Besonders für die Franzosen ist der brutale Krieg zur algerischen Unabhängigkeit, in dem Gräuel auf beiden Seiten der Politik dieses Landes für Generationen Narben zugefügt haben, die am häufigsten zitierte Analogie.

Was an dieser fehl leitenden Darstellung besonders gefährlich ist: Wenn man diese Geisteshaltung übernimmt, dann sind „Kolonisten“ wie der junge Koby Mandell nicht wirklich Opfer. Sie sind in dieser Betrachtungsweise Mittäter an einem Verbrechen – der Existenz des Staates Israel – und legitime Ziele, wie rationale französische Journalisten, die in dem erwähnten Film interviewt werden, einräumten.

Die Bedeutung dieses Punktes kann nicht genug betont werden. Wenn man Israel als Kolonie betrachtet, dann spielt es keine Rolle, dass die Palästinenser diejenigen sind, die sich für Krieg entscheiden, wenn Israel Frieden anbietet oder dass Israels Militär enorme Anstrengungen unternimmt um zivile Verluste zu vermeiden, während die Palästinenser Unschuldige angreifen. Es zählt nur, dass Israel kein Recht hat zu existieren und kein Recht sich zu verteidigen – egal, wie es provoziert wird.

Nur, wenn man erkennt, dass der Grund der französischen Einseitigkeit nicht einfach Antisemitismus, sondern die Delegitimierung Israels ist, kann man wirklich verstehen, warum Europa sich wegen Israels Sicherheitswall so aufregt und gegen Israels Verteidigungsmaßnahmen ist, selbst während es einseitige Zugeständnisse macht wie den Rückzug aus Gaza.

Die Erklärung der De-Investitionen

Obwohl solche Ansichten in den USA vom Mainstream weit entfernt sind, gibt uns die französische Erfahrung einen kleinen Einblick in die Denkweise antiisraelischer Aktivisten auf amerikanischen Campussen und unter Kirchengruppen wie der Presbyterian Church USA oder anderer großer, liberaler protestantischer Denominationen.

All diese Gruppen übernehmen dieselbe Art von Sprache, wie sie in Europa populär ist; so sehen sie arabische Opfer und israelische Unterdrücker. Und im Namen dieser Verleumdung werben sie für wirtschaftliche Kriegsführung in der Form von De-Investitionen und dem Boykott israelischer Produkte und Institutionen.

Durch diese verdrehte Linse werden Gruppen wie das International Solidarity Movement (das gegen Israels Existenz ist und Terroristen bei ihrem Widerstand gegen israelische Gegenmaßnahmen hilft) zu „Friedensaktivisten“, während jüdische Männer, Frauen und Kinder, die in Tel Aviv mit dem Bus fahren, zu legitimen, wenn auch unglücklichen Zielen der Vernichtung werden.

Hat man erst einmal begriffen, dass der Punkt dieser Protestierer nicht wirklich Dinge wie die Zerstörung palästinensischer Gebäude oder „illegaler Siedlungen“ ist, sonder die Unrechtmäßigkeit des Zionismus, dann ist leicht zu sehen, warum sie gegenüber Argumenten so immun sind. Solange dies die Art ist, wie Leute Israel sehen, werden Diskussionen mit ihnen darüber, was an dem, was das Land tut, richtig oder falsch ist, sie nicht überzeugen. Genauso wenig die Argumente, die von Freunden Israels angeführt werden und sich auf die israelischen Zugeständnisse konzentrieren.

Hat man einmal begriffen, dass diese Feinde nicht an einem kleineren Israel interessiert sind, sondern an überhaupt keinem Israel, dann beginnt man zu verstehen, warum das letzte Jahrzehnt, in dem der jüdische Staat so viele Opfer für den Frieden gebracht hat, auch eines war, in dem sein internationales Ansehen den Bach runter ging. Und wir sollten nicht überrascht sein, wenn dieser Trend sich fortsetzt, sollte, was wahrscheinlich ist, die nächste Runde des Konflikts beginnen.

Das ist eine deprimierende Erkenntnis, aber eine, die wir im Hinterkopf behalten müssen, selbst wenn wir weiterhin hoffen, dass die jüngsten Friedensfühler Erfolg haben werden. Es ist ein Punkt, den nur ein Dummkopf – oder diejenigen, die von dem antiimperialistischen Mythos geblendet sind, der Israels Feinde leitet – ignorieren würde.

Advertisements

Der Irrglaube an die Zweistaaten-Lösung

Die Welt glaubt immer noch, dass die „Zweitstaaten-Lösung“ der Weg zur Lösung des Israel-Palästina-Konflikts ist. Aber als die Palästinenser diese Idee ins Feld führen, meinen sie etwas sehr anderes, das nichts mit Frieden zu tun hat.

Dr. Joel Fishman, MiDA, 12. Februar 2017

Nur eine Phase auf dem Weg zur Vernichtung Israels: Salah Khalaf mit Yassir Arafat

Seit einiger Zeit ist die Parole der sogenannten „Zweistaaten-Lösung“ in den Medien ständig als wünschenswertes Ziel präsent gewesen, eine, die Israel und die Palästinenser im Interesse des Friedens umsetzen sollten. Wann immer diese Idee aufgebracht wird, wird unterstellt, dass Israel große Opfer im Tausch für einen unklaren Nutzen bringen sollte. Während der Obama-Administration beschuldigte Außenminister John Kerry die Regierung Israels bitter, sie engagiere sich nicht in der „Zweistaaten-Lösung“ und selbst letzte Woche erklärte Premierministerin Theresa May in London, dass sie die „Zweistaaten-Lösung“ vorzieht. Sie fragte Premierminister Netanyahu, ob er sich auch dieser Formel verpflichtet habe. Der Premierminister seinerseits antwortete nicht direkt, sondern erklärte, Israel sei dem Frieden verpflichtet.

Dieser Parole fehlt jeglicher Wert. Die PLO führte sie erstmals als List ein, deren wahrer Zweck es gewesen ist ihre wahren Ziele und die ihres Nachfolgers, de palästinensischen Autonomiebehörde, zu verschleiern. Diejenigen, die die Vorstellung der „Zweistaaten-Lösung“ einführten, beabsichtigten, dass sie von den Israelis – ihren potenziellen Opfern – und anderen gutmeinenden Außenseitern, die dem Anschein nach eine faire Lösung für diesen Krieg wollen, anders verstanden wird.

Während des Vietnamkriegs starteten die Nordvietnamesen als erste die Formel der „Zweistaaten-Lösung“, um ihr strategisches Ziel zu verbergen. Die übernahmen eine Phasen-Strategie, nach der sie den Zwischenschritten ihres Kampfs Aufmerksamkeit widmeten, sie aber in die Lage versetzen würde ihr Ziel schrittweise zu erreichen. Ihre wahre Absicht bestand darin, dass Nordvietnam Südvietnam erobern würde, aber sie sprachen von der „Zweistaaten-Lösung“. Am Ende unterwarf und eroberte das kommunistische Nordvietnam Südvietnam und 1975 flohen die letzten Amerikaner per Hubschrauber vom Dach ihrer Botschaft in Saigon. Das war eine wichtige Niederlage sowohl für die Südvietnamesen als auch für die Vereinigten Staaten von Amerika.

Während der frühen 1970-er Jahre führte Salah Khalaf, der als Abu Iyad bekannt war, eine PLO-Delegation nach Hanoi, um von den Nordvietnamesen zu lernen. Dort trafen sie sich mit dem legendären General Vo Nguyen Giap und politischen Beratern, die sie darin unterwiesen, wie sie ihre Sache präsentieren und ihr Image als Terroristen in der öffentlichen Meinung der Welt verändern. Abu Iyad beschrieb diesen wichtigen Besuch in seinem Buch Meine Heimat, mein Land (das er mit Eric Rouleau 1978 veröffentlichte). Abu Iyad erzählte darin, dass die Nordvietnamesen den Palästinensern rieten die Aufmerksamkeit auf die Zwischenziele ihres Weges zu richten und die Notwendigkeit „persönlicher Opfer“ zu akzeptieren.

„Ohne je ausdrücklich auf die Fatah oder die PLO verweisen, gaben die Mitglieder des Politbüros eine lange Denkschrift über die verschiedenen Phasen im Kampf des vietnamesischen Volkes aus; sie erklärten, warum sie sich selbst verschiedenen Zugeständnissen abfinden mussten, manchmal wichtigen wie der Teilung des Landes in zwei separate, unabhängige Staaten.“ Unabhängig davon veröffentlichte Yossef Bodansky, ein Geheimdienstanalyst, 1997 weitere Informationen über dieses Treffen. „Die Vietnamesen schlugen vor, man sollte dem Anschein nach ‚die Teilung des Landes in zwei unabhängige Staaten‘ akzeptieren, ohne zu betonen, dass dies nur eine Zwischenphase sei; das würde die Gegner der PLO im Westen neutralisieren.“

Wir leben in einer hoch technologischen Kultur der Kurzzitate und kurzen Textnachrichten, schneller und einfacher Kommunikation, der Einzeiler; uns solche Gewohnheiten halten die Öffentlichkeit davon ab die Erfahrung der Vergangenheit sorgfältig zu studieren. Um zu begreifen, was hier falsch ist, müssen wir uns der Geschichte dieser Parole erinnern, die von Anfang an als Schwindel konzipiert wurde. Sie begann als Mittel der politischen Kriegsführung und ihr Zweck hat sich nicht geändert. Ihre Wirkungsstärke ist geblieben, weil die Menschen die Vergangenheit nicht kennen oder eingelullt wurden.

Wenn wir den Ursprung des Begriffs zurückverfolgen und dokumentieren, können wir sicher sein, dass er arglistig ist und diejenigen, die ihn vorantreiben dies nicht mit Israels Wohl im Sinn tun können. Aus demselben Grund sollte kein Israeli, der seinem Land Gutes wünscht, jemals für die „Zweistaaten-Lösung“ eintreten. Ihr Programm bedeutet nichts weniger als den Politizid Israels. Die Vorstellung mag während der Oslo-Ära schick in Mode gewesen sein, aber es ist immer noch nötig sorgfältig zuzuhören, was der Feind sagt und was er meint.

Begreift eigentlich keiner Gaza?

Daled Amos, Elder of Ziyon, 5. September 2017

Damals, 2005, war die Mutter aller Lösungen für das Problem Gazastreifen Israels Abkoppelung von ihm.

Die wohlwollenden Meinungen damals illustrierten – im Rückblick – wie unzureichend die Abkoppelung und der Gazastreifen verstanden wurden, besonders von den am meisten respektierten Experten.

Landkarte des Gazastreifens. (Herkunft: CIA World Factbook; Quelle: Wikipedia)

Ab 15. August 2005 schrieb Roger Simon über die Verantwortung von Abbas nach dem Abbau der Siedlung und dem Abzug der Israelis aus dem Gazastreifen:

Wenn aber die Ereignisse ohne einen größeren Patzer weitergehen, wird der Ball allzu bald in Mohammed Abbas‘ Feld landen. Der Gazastreifen wird seine Spielwiese sein und er wird mit der Hamas und dem Islamischen Jihad befassen müssen. Ich beneide ihn nicht… Wir pflegten über unser eigenes Feld zu sagen: „Gibt nichts zurück!“

Natürlich lebt Israel direkt neben seinem „Spielfeld“ Gazastreifen und Israelis sind diejenigen, die unter der Tatsache leiden, dass es kein „Zurückgeben“ gibt. Es war die Abkoppelung, die die Stadt Sderot so berühmt machte. Und zum Synonym von Hamas-Raketenangriffen.

Am 19. August 2005 schrieb Charles Krauthammer, nach dem Abzug aus dem Gazastreifen wird die Abschreckung die Palästinenser dazu bringen die Raketen stillzulegen:

Israel sollte ankündigen, dass fortan jede von palästinensischem Territorium geschossene Rakete sofort eine mechanische automatische Reaktion auslösen wird, bei der mit fünf israelischen Raketen zurückgeschossen wird. Es wird kein menschliches Eingreifen dabei geben. Jede palästinensische Rakete, die in Israel einschlägt, wir sofort Sensoren auslösen und voreingestellte Gegenangriffe auslösen. Jeder palästinensische Terrorist, der eine Rakete losschießt, wird wissen, dass er sechs schießt: eine palästinensische und fünf israelische.

Israel sollte entscheiden, wie diese fünf für die Reaktion programmiert werden sollten. Vielleicht drei, die auf den Abschussort und die direkte Umgebung zielen und zwei auf eine Liste vorher festgelegter wurden und strategischer Aktivposten der palästinensischen Milizen.

… Ist Israel einmal aus, gibt es keine Möglichkeit die Raketen zu demontieren. Abschreckung ist alles, was es gibt. Nach nur ein paar wenigen israelischen Demonstrationen „nicht massiver Vergeltung“ werden die Palästinenser ihre terroristischen Raketenschützen stilllegen. [Hervorhebung hinzugefügt]

Abgesehen von der Tatsache, dass eine solche Lösung haltlos ist: In den frühen Jahren der palästinensischen „Demokratie“ überschätzten viele, wie weit freie Wahlen ein Land bringen können, das sich aus freiem Willen entscheidet Terroristen zu ihren Führern zu wählen.

Am 20. August schrieb John Derbyshire von „The Corner“ der National Review, dass die Abkoppelung einen Gaza-Staat schaffen würde, der einen Sinn für Verantwortung bringen würde, der die palästinensische Aggression drosseln würde:

Die Araber sollten deswegen sehr besorgt sein. Wenn ich einfach ein Staat bin und du einfach ein Staat bist, dann könnten wir einen Krieg anfangen, wie Staaten das tun, wenn es irgendeinen der traditionellen Definitionen eines casus belli gbit.

Israel hat Kriege gegen Jordanien, Ägypten und Syrien gekämpft; aber es hat nie einem Krieg gegen Palästina geführt. Wie würde ein israelisch-palästinensischer Krieg aussehen? Wäre ich ein palästinensischer Araber, würde ich hoffen, das nie herauszufinden.

Mit westlichem Einfluss und Druck, der zur Verfügung steht, um Israel dauerhaft im Zaum zu halten, ist es fragwürdig, wie viel Angst palästinensisch-arabische Führer tatsächlich haben.

Natürlich war nicht jeder blind. Nathan Sharansky erkannte die Folgen der Abkoppelung. In einem Interview in der Ausgabe des Middle East Quarterly vom Winter 2005 zeigte Sharansky, dass er wusste, was kommen wird:

MEQ: Sind Sie prinzipiell gegen den Gaza-Abkoppelungsplan oder haben Sie Sorge wegen seiner praktischen Umsetzung?

Sharansky: Fragen zu Prinzipiellem und zu praktischen Dingen sind für mich immer miteinander verbunden. Ich war gegen den Abkoppelungsplan, nicht weil ich glaubte, wir sollten im Gazastreifen bleiben, sondern weil einseitige Zugeständnisse Gaza in einen Brückenkopf für einen terroristischen Staat verwandeln könnte. Wenn sich eine palästinensische Demokratie entwickeln würde, dann würde ein Palästinenserstaat nicht gefährlich sein. Wie ich vor vielen Jahren sagte, ist es sehr wichtig, dass der Tiefe unserer Zugeständnisse der Tiefe der Demokratie auf der anderen Seite entsprechen sollte. Wäre die Abkoppelung mit demokratischen Reformen verbunden, würde ich absolut für den Plan sen. Aber ich lehne jeden Plan ab, der Territorium für Terror freigibt. [Hervorhebung hinzugefügt]

Natan Saransky (Foto: Nathan Roi – The Jewish Agency for Israel; Quelle: Wikipedia)

Krauthammer schrieb am 2. Dezember 2005 vom erstaunlichen jüngsten Fortschritt in der Entschärfung des arabisch-israelischen Disputs:

… der Gaza-Abzug war ein Erfolg. Auf israelischer Seite wurde er mit bemerkenswerter Geschwindigkeit und ohne jeglichen sozialen Aufruhr und innere Unruhen erreicht, die vorhergesagt worden waren. Was die Palästinenser angeht, so wurde ohne jegliches Trara gerade ihr erster Staat aus der Taufe gehoben. Sie haben politische Unabhängigkeit für 1,3 Millionen ihrs Volks, Souveränität über den gesamten Gazastreifen und zum ersten Mal eine Grenzen mit der Außenwelt (den Übergang Rafah zu Ägypten), den sie kontrollieren.

… Als Resultat lässt Israels regionale Isolation nach, da islamische Länder von Pakistan über Qatar bis Marokko offen ihre Beziehungen erweitern oder intensivieren, während antiisraelische Verweigerer wie Syrien und die Hisbollah isoliert sind und sogar namentlich vom UNO-Sicherheitsrat verurteilt werden.

Wie kam das zustande? Durch israelischen Unilateralismus und dass die Palästinenser erwachen wurden.

Dann lässt Krauthammer selbst den Ballon platzen und gibt zu, dass es ausschließlich um Israels militärische Fähigkeiten geht und weder um israelische Zugeständnisse noch palästinensisches Erwachsenwerden:

Es ist nicht so, als würden viele Gazaner die Romanze mit dem revolutionären Terrorismus und Jihad nicht fortsetzen wollten. Aber sie haben nicht länger die Mittel. Der Trennzaun macht es fast unmöglich Anschläge in Israel zu verüben. Und auf israelische Städte geschossene Raketen wird mit israelischen Vergeltungs-Artilleriesalven begegnet, die die Raketenschützen zuhause eher unbeliebt machen. Ein ähnliches Gleichgewicht wird in der Westbank erreicht, wenn der Zaun nächstes Jahr vollendet wird.

All das zeigt, dass man hinterher immer klüger ist. Und das ist gut – bedenkt man, dass die Genauigkeit von Experten-Vorhersagen einer Rate von 50:50 nicht einmal nahe kommt.

Zum Beispiel kommen die Leute, die über die Lage angeblich richtig gut Bescheid wissen, selbst heute immer noch mit leeren Händen daher.

Letzte Woche erklärte Trumps Nahost-Gesandter Jason Greenblatt, die PA muss in Gaza herrschen. Die Hamas hat darin versagt den Grundbedürfnissen der Menschen gerecht zu werden:

Jason Greenblatt, der Sondergesandte von US-Präsident Donald Trump für den israelisch-palästinensisch Friedensprozess, sagte am Mittwoch, die palästinensische Autonomiebehörde müsse „wieder anfangen ihre Rolle in der Verwaltung des Gazastreifens zu übernehmen“, angesichts des Schadens, den die Hamas dem Land dort zugefügt hat. Greenblatt äußerte dies während einer Tour entlang des Grenzgebiets zwischen Israel und dem Gazastreifen mit IDF-Generalmajor Yoav Mordechai, dem Koordinator der Regierungsaktivitäten in den Gebieten.

Seltsam, dass es in dem Artikel keine Erwähnung von Abbas durch Greenblatt gibt.

Der Artikel hält ebenfalls fest, dass Obama dasselbe versuchte, nach dem Gazakrieg von 2014 auf eine Lösung des UNO-Sicherheitsrats zur Wiedereinsetzung der PA im Gazastreifen drängte. Aber daraus wurde nichts – weil sowohl die Israelis als auch die Palästinenser das ablehnten.

Ist es da verwunderlich, dass die Mainstreammedien im Westen diese Story ignorierten?

Man sollte doch wohl Abbas schwache Bilanz zum Gazastreifen in Betracht ziehen.

Obwohl er im Oktober 2004 zum Vorsitzenden der PLO und dann im Januar 2005 mit 66% der Stimmen zum Präsidenten gewählt wurde, war Abbas‘ Popularität bis Ende 2005 an einem derart niedrigen Punkt angelangt, dass es Gerüchte gab er würde zurücktreten. Symbolisch für diese fehlende Kontrolle war schon damals seine Unfähigkeit die aus dem Gazastreifen nach Israel geschossenen Qassam-Raketen zu stoppen.

Abba sagte sogar, die aus dem Gazastreifen auf Israel geschossenen Qassam-Raketen seien „Israels Problem“ und das er nicht vorhabe einzugreifen. „Lasst die Israelis sich darum kümmern“, sagte er.

Es überrascht nicht, dass ein Umfrage des Palestinian Center for Policy and Survey Research im Juli 2017 feststellte, dass 62% der palästinensischen Araber wollen, dass Abbas zurücktritt.

Und Trumps Gesandter plädiert für eine Rückkehr der PA-Kontrolle über den Gazastreifen?

Die beste Analyse, die ich jemals zur Situation im Nahen Osten hörte, war die von George Will. Vor Jahren sagte er, als er das Problem des arabisch-israelischen Konflikts ansprach, das sein kein Problem, das sein ein Schlamassel. Der Unterschied zwischen Problem und Schlamassel, sagte er, liege darin, dass ein Problem eine Lösung hat.

Als Trump andeutete, er sei bereit die beiden Seiten die Dinge selbst in Ordnung bringen zu lassen und er würde das unterstützen, egal ob eine Zweistaatenlösung oder etwas anderes dabei herauskäme – da war das ein anderer und notwendiger Ansatz.

Trumps Kehrtwende ist weder für die beteiligten Seiten noch für die USA gut.

Während der Zeit der Unbesonnenheit 2005 konnte man den idyllischen Optimismus verstehen, der Politiker wie Experten Frieden am Horizont sehen ließ.

Heute hat die Administration Trump keine Ausrede.

Eine politisch inkorrekte Diagnose

Yoram Ettinger, Israel HaYom, 1. August 2017

Die politische Korrektheit suggeriert, die Lösung der Palästinenserfrage läge in einem dramatischen israelischen Zugeständnis an Land und der Gründung eines Palästinenserstaats: der Zweistaatenlösung.

Darüber hat die politische Korrektheit die Wirklichkeit des Nahen Ostens und der langfristigen nationalen Sicherheit dem Erreichen des heiligen Grals der friedlichen Koexistenz von Juden und Arabern westlich des Jordan untergeordnet. In diesem Prozess haben die „Gralsjünger“ den höchst komplexen, unvorhersagbaren, gewalttätigen, intoleranten, fragmentierten Nahen Osten übersimplifizeirt. Das ist dieselbe Denkschule, die den arabischen Tsunami von 2011 falsch als Arabischen Frühling und Übergang zu Demokratie wahrnahm,

Die politische Korrektheit hat Reden und auf Einschätzung gegründete „Hoffnung“ dem Jahrhunderte alte, durchaus gut dokumentierte Realismus vorgezogen.

Während die politische Korrektheit darin versagt hat die friedliche Koexistenz voranzubringen, hat sie die Araber gezwungen westlichen Druck auf Israel von der maximalistischen Seite her zu überflügeln, ihre Forderungen zu radikalisieren und die Friedenshindernisse weiter zu verschärfen.

Die politische Korrektheit erinnert an einen Chirurgen, der sich auf die Stelle konzentriert, an der operiert werden soll, während er die medizinische Geschichte des gesamten Körpers und deren Bedeutung für die Operation ignoriert.

Zum Beispiel hat der anhaltende arabische Krieg gegen den jüdischen Staat im Nahen Osten stattgefunden, der einen systematischen, regionalen Kriegszustand, Terrorismus, Subversion, provisorische Regime, die mit Waffengewalt agieren, dürftige Vereinbarungen, eingeschränkte Waffenstillstände und das Fehlen bürgerlicher Freiheiten zur Schau stellt – und das, seitdem der Islam im siebten Jahrhundert auftauchte. Dabei hat es sich fast ausschließlich um innerislamische, innerarabische Kriege gehandelt, die (bislang) unüberbrückbare ethnische, Stammes-, kulturelle, religiöse, historischer, ideologische Schlachten spiegeln, die die Region beherrscht haben – und das völlig ohne Bezug zu Israel.

Der arabisch-israelische Konflikt und die Palästinenserfrage sind weder „der Nahost-Konflikt“ noch haben sie für arabische politische Entscheidungsträger höchste Priorität.

Im Gegensatz zur politischen Korrektheit ist die Palästinenserfrage nie der Kern des arabisch-israelischen Konflikts oder ein Kronjuwel arabischer politischer Entscheidungsträger gewesen, ebenso wenig eine Kernfrage regionaler Turbulenzen.

Die politische Korrektheit hat angenommen, dass jedermann sich Frieden, Wohlstand und bürgerliche Freiheiten wünscht, dabei aber die Tatsache ignoriert, dass die diktatorischen arabischen Regime ihren Völkern solche Aussichten systematisch verweigert haben. Während die meisten Araber auf regionalen Frieden hoffen mögen und nicht mit Israel beschäftigt sind, hat sich das Konzept der Mehrheitsregierung im Nahen Osten nie als politische Realität durchgesetzt.

Die politische Korrektheit hat den Islam als nur eine weitere Religion unter vielen betrachtet und dabei seine fundamentalen Lehren übersehen, z.B. den ständigen Kampf zwischen dem „Wohnsitz des Islam“ und der schlussendlichen Untertänigkeit des „Wohnsitzes der Ungläubigen“; die Entschlossenheit den Islam zu verbreiten, am liebsten friedlich, aber wenn nötig auch mit Krieg; die Pflicht sein Leben dem Jihad für den Islam zu widmen; und die Option zwischenzeitliche Vereinbarungen mit den Ungläubigen zu beenden – und bei Verhandlungen Doppelzüngigkeit (taqiyya) einzusetzen.

Arabische Einstellungen gegenüber Israel entstammen der 14 Jahrhunderte alten Intoleranz gegenüber Christen, Juden, Buddhisten und anderen „Ungläubigen“, die Souveränität über „den Wohnsitz des Islam“ beanspruchen. Die Schlüsselfrage war nie die Größe, sondern die Existenz des „ungläubigen“ jüdischen Staates auf Land, das angeblich gottgewollt von Gläubigen des Islam beherrscht werden soll.

Die politische Korrektheit hat das Haupthindernis für Frieden ignoriert oder heruntergespielt: die palästinensische Erfolgsgeschichte der Welle des Terrorismus in den 1920-er Jahren, ihre Allianz mit Nazideutschland, dem Sowjetblock, den Ayatollahs des Iran, Saddam Hussein, Nordkorea und Venezuela, ihre Ausbildung internationaler Terroristen im Libanon, dem Sudan und dem Jemen und ihre aktuelle Hass-Erziehung, Aufstachelung und Terrorismus. Eine solche Bilanz bezeugt den antiamerikanischen Einschlag des vorgeschlagenen Palästinenserstaat.

Wäre die Annahme realistisch, dass Israels Abzug von den Bergketten von Judäa und Samaria (was seine Abschreckungsstellung drastisch reduzieren würde, anders als Israels beträchtliches Land-Zugeständnis an Ägypten – die Sinai-Halbinsel) die Araber veranlassen würde „dem ungläubigen jüdischen Staat“ friedliche Koexistenz zu gewähren, die sie „Glaubensbrüdern“ seit dem siebten Jahrhundert verweigern?

Wäre es realistisch anzunehmen, dass der arabische Nahe Osten, der gegenüber schwachen, verletzlichen Mitarabern gnadenlos gewesen ist, Mitgefühl gegenüber einem höchst angreifbaren „ungläubigen“ jüdischen Staat zeigen würde, wenn dieser auf einen 14 bis 24 km breiten Streifen entlang des Mittelmeers reduziert wird, den ein bergiger Palästinenserstaat überragt?

Die unergründliche Lücke zwischen der Wirklichkeit des Nahen Ostens und der Zweistaatenlösung wurde 1993 demonstriert, als der israelische Außenminister Shimon Peres für die Zweistaatenlösung und seine Vision von Frieden im „Neuen Nahen Osten“ warb. Im Versuch Israels dramatischstes Zugeständnis seiner strategisch wertvollsten Bergkette an die PLO vernünftig zu begründen behauptete Peres: „[Der PLO-Vorsitzende Yassir] Arafat ist ein nationales Symbol, eine Legende seiner Zeit [S. 17] … Das internationale politische Umfeld ist Krieg nicht mehr dienlich [S. 80] … Wir müssen uns auf diese neue Realität des Nahen Ostens konzentrieren… Kriege, die nie wieder ausgetragen werden. [S. 85] … Wir müssen nach weniger Waffen und mehr Vertrauen streben. … Man kann fast die schweren Schritte von Stiefeln hören, die nach hundert Jahren Feindschaft die Bühne verlassen. Man könnte dem sanften Schleichen neuer Schritte zuhören, die in der Erwartung des Weltfriedens ihr Debut geben. [S. 196]“

1994 wurde der Friedensnobelpreis gemeinsam an Arafat, Peres und Premierminister Yitzhak Rabin verliehen, „für ihre Bemühungen im Nahen Osten Frieden zu schaffen“. Die Nobel-Stiftung und die politischen, akademischen und Medien-Establishments entschieden sich Arafats Bilanz zu ignorieren, die mit der Gründung der Terrororganisationen Fatah 1959 und PLO 1964 ihre Highlights hatte und die acht Jahre vor bzw. drei Jahre von dem Krieg von 1967 zur „Befreiung Palästinas“ aufriefen.

Mit anderen Worten: Der palästinensische Fokus hat auf der Delegitimierung und Vernichtung des Israel von vor 1967 gelegen, wie es im Lehrplan für Schulen der palästinensischen Autonomiebehörde, in Freitagspredigten in palästinensischen Moscheen und in den palästinensischen Medien betont wird.

Das Evangelium der „Zweistaatenlösung“ ist eine Miniatur-Nachbildung der deutsch-britischen „Frieden für unsere Zeit“-Initiative des britischen Premierministers Neville Chamberlain von 1938; dieser opferte die Klarheit der nationalen Sicherheit auf dem Alter eines trügerischen Friedens. Er betrieb einem Schurkenregime gegenüber Appeasement, lieferte Deutschland den strategisch wichtigsten Landstrich der Tschechoslowakei aus, spiegelte Schwäche und regte Hitlers Appetit an; damit erzeugte er einen kräftigen Rückenwind für den Zweiten Weltkrieg.

Werden die politischen Entscheidungsträger solch schwere Patzer vermeiden – oder wiederholen?

Von der Entnazifizierung zur EntPLOisierung

The Media Line, 11.2.2002, Bereich „Analyse arabischer Medien“ (Autor: Media Line-Mitarbeiter; Link nicht mehr vorhanden)

„Was machen wir mit Yassir Arafat?“ und: „Was machen wir nach Yassir Arafat?“

Dies sind einfach klingenden Fragen, die klare Antworten benötigen, denn die Antworten zu diesen Fragen könnten die Möglichkeiten jeglichen arabisch-israelischen Friedens in der nahen Zukunft genauso bestimmen, wie die Chancen für jede Art regionaler Stabilität.

Zusätzlich gibt es viele in der Bush-Administration, die glauben, dass seine Verfügbarkeit oder seine Absetzung Auswirkungen auf Amerikas Krieg gegen islamistische orientierten Terror, vom Iran, Irak und Nordkorea unterstützt und angestiftet, haben könnte.

Es ist kein Zufall, dass in den letzten Tagen die Internetseite von Arafats offizieller Presseagentur (WAFA) und sein offizieller Radiosender (Voice of Palestine) voll des Lobes für Arafat waren, das ausgerechnet aus – Nordkorea kam.

Das sollte genügen um uns zu sagen, dass Arafat ein Zuhause auf der koreanischen Halbinsel haben könnte (oder auch in Libyen), wenn und falls er aus seinen belagerten Büros in Ramallah im Norden von Jerusalem entfernt werden sollte. (Es gibt nur sehr wenige Länder, die Arafat als permanenten Einwohner haben wollen, auch nicht Tunesien, wohin er nach seinem Rauswurf aus dem Libanon in den 80-er Jahren ging.)

80 Prozent der Israels (einschließlich der arabischen Israelis) sind der Meinung, dass Arafat Teil des Problems ist und nicht Teil der Lösung des jetzigen palästinensisch-israelischen Abnutzungskriegs; und obwohl viele Amerikaner und Europäer dem zustimmen, fällt es ihnen schwer die Konsequenzen daraus zu ziehen: ihr Handeln darauf auszurichten, dass Arafat von der Bühne entfernt wird.

Viele in der Europäischen Union und im US-Außenministerium äußern immer noch die bedeutungslosen Parolen von „Frieden jetzt“ oder „Frieden in unserer Zeit“, zu denen sich schon Winston Churchill abschätzig äußerte.

Churchill, der vor allen anderen die Natur Hitlers und Stalins erkannte, warnte davor, Politik durch Schlagwort-Äußerungen zu ersetzen und sprach sich gegen die aus, die „in gut klingenden Plattitüden schwelgen“ und die es ablehnen „unangenehmen Tatsachen ins Auge zu sehen“, während sie „ohne Rücksicht auf die lebenswichtigen Interessen des Staates ein Streben nach Popularität und Wahlgewinnen“ vorzögen.

Churchill hat nichts als Verachtung für die übrig, die eine „tiefe Liebe zum Frieden“ mit dem „pathetischen Glauben, dass dieser nur und ausschließlich durch Liebe erreicht werden kann“ verbinden. (So in seinen Memoiren zum Zweiten Weltkrieg auf S. 45.)

Es muss anerkannt werden, dass Arafat ein Meister der Diplomatie ist und darin, Botschaften an verschiedene Zuhörerschaften anzupassen. Die Führer vieler demokratischer Gesellschaften haben „Worte des Friedens“ aus Arafats Mund kommen hören. In den meisten Fällen hörten sie nur, was sie hören wollten.

Arafat ist offensichtlich nicht Adolf Hitler und die Palästinensische Autonomie nicht Nazideutschland. Aber Arafats diplomatische Techniken und seine Medienmanöver ähneln Hitlers Manipulation der westlichen Regierenden.

In einem der jüngsten Bestseller untersuchte ein bekannter amerikanischer Historiker, Harvard-Professor Ernest May, Hitlers Verführung der britischen und französischen Führer. In „Strange Victory“ (Seltsamer Sieg) schreibt er auf Seite 453: „Eine offensichtliche Schlussfolgerung, die gezogen werden muss, ist die, dass Hitler die französische und die britische Regierung besser verstand als diese Regierungen ihn… Der Grund für dieses bessere Verständnis schloss die Tatsache mit ein, dass er sich mehr auf die politischen Führer und die öffentliche Meinung als auf die augenscheinlichen nationalen Interessen oder Fähigkeiten konzentrierte; und begleitende Tatsache war, dass seine Einschätzung dieser Regierungen keine verhandelbare Einschätzung war…“

Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass Hitler dem deutschen Zuhörer gegenüber ehrlicher war als gegenüber der im Ausland. Der Historiker Sir John Wheeler-Bennett erkennt: „Außer in den Fällen, wo er sein Wort gab, meinte Hitler immer, was er sagte.“ (Wheeler-Bennett, Nemesis of Power, S. 461, in: May: Strange Victory, S. 453)

Mit anderen Worten: Wenn Hitler seiner deutschen Zuhörerschaft sagte, er wolle die Welt erobern, dann meinte er das auch so. Als Hitler den westlichen Staatsmännern versprach, er würde sein Wort und die unterschriebenen Vereinbarungen einhalten, log er.

Das klingt wie eine perfekte Beschreibung von Yassir Arafat.

Und genauso wenig, wie man Hitler bessern oder umerziehen konnte, kann man auch Arafat weder bessern noch umerziehen.

Damit haben wir unsere erste Frage beantwortet: Arafat muss weg – und je früher, desto besser.

Die zweite Frage ist die nach Arafats Nachfolger.

Als die West-Alliierten Deutschland geschlagen hatten, suchten sie keinen Nachfolger unter Hitlers engsten Mitarbeitern. Das wäre eine Torheit gewesen.

Der Westen bestand auf der Entnazifizierung Deutschlands.

Israel darf nicht auf weniger bestehen.

Der stoppelgesichtige Arafat ist natürlich das dickste Haar auf dem Schädel, aber seine Entfernung ist ohne eine Gesamt-Enthaarung nicht möglich.

Lassen Sie es uns beim Namen nennen: Ent-PLO-isierung.

Arafats Statthalter (Abu Mazen, Abu Alla, Faruk Kadumi, Jibril Rajoub, Sari Nusseibeh und Mohammed Dahlan) teilen seine Ansichten und seine Methoden, wenn auch einige ein besseres Englisch sprechen und im Fernsehen eine bessere Figur abgeben. Immerhin schrieb der „moderate“ Abu Mazen seine „Doktorarbeit“ mit der Behauptung, dass „geheime Verbindungen“ zwischen den Nazis und der „zionistischen Führung“ bestanden. Nusseibeh half Saddam Hussein dabei, auf Orte in Israel zu schießen, die sich 1991 für seine Scud-Raketenangriffe Erfolg versprachen.

Genau so, wie die Alliierten des Zweiten Weltkriegs alle Top-Nazis entfernten und ihnen den Prozess machten (und auch mit den kaiserlichen Beamten in Japan), muss jeder, der eine führende Stellung in der PLO oder PA hatte, aus dem Apparat entfernt werden.

Palästinensische Wahlen durchzuführen und wie die palästinensische Gesellschaft wieder auf verfassungsgemäße Grundlagen zu stellen, ist keine einfache Aufgabe; aber das war auch in Deutschland und in Japan nicht einfach. Es wird mehrere Jahre dauern und es gibt keine Garantie für politischen Erfolg.

Das ist unglücklicherweise das dauerhafte Erbe der Oslo-Verträge: durch sie wurde ein echter Dialog zwischen den Israelis und den Palästinensern für lange Zeit verhindert.

„Alles, was die Araber wollen, ist, dass Israel sich auf die Grenzen von 1967 zurückzieht.“

Aaron Lerner, IMRA Weekly Commentary, 16. Oktober 2003

„Alles, was die Araber wollen, ist, dass Israel sich auf die Grenzen von 1967 zurückzieht.“

Dieser Glaube, dieser Glaubensgrundsatz, treibt die gesamte Logik jeden Schemas, das die israelische Linke seit 1967 aufgeboten hat.

Aber warum wollen die Araber nur, dass Israel sich auf die Grenzen von 1967 zurückzieht?

Israels militärischer Sieg, nachdem die IDF im Yom Kippur-Krieg von 1973 äußerst unvorbereitet getroffen wurde, liefert die Antwort: „Der Krieg bewies den Arabern, dass sie Israel nicht auf dem Schlachtfeld besiegen können.“

Da die Araber wissen, dass sie niemals in der Lage sein werden, Israel zu schlagen, so wird argumentiert, wird es immer währenden Frieden geben, sobald die Araber den Golan, die Westbank und den Gazastreifen zurück bekommen, da ein Krieg gegen Israel zum Scheitern verurteilt sein wird.

Und sobald man diese „Wahrheiten“ akzeptiert, folgt daraus, dass jedes Programm – egal, wie ungereimt es auch sein mag –, das für den vollständigen Rückzug auf die Grenzen von 1967 sorgt, Israel immerwährenden Frieden bringt.

Warum sollten sich dann Yossi Beilin und die pensionierten Peacenik-Generale überhaupt die Mühe machen, überhaupt nur den Anschein zu erwecken, sie seien an den Sicherheitsvorkehrungen interessiert, die mit den verschiedenen Plänen zusammenhängen, die sie über die Jahre hinweg vertreten haben, wenn sie meinen, dass der Rückzug an sich Israel bereits den Frieden sichert?

Sie brauchen die Fassade der Sicherheit und anderer Vorkehrungen, um das zu überwinden, was sie als einzige Sache als zwischen sich und dem Frieden in unserer Zeit stehen sehen: die israelische Öffentlichkeit.

Das ist der Grund, dass bei einem langen und gründlichen Blick auf jeden israelischen Rückzugsplan, sei es von den Golanhöhen oder der Westbank und aus Gaza, man letztlich feststellen wird, dass er aus einem Kartenhaus besteht, das auf einer Ansammlung von Wunschdenken und „Best case“-Szenarien beruht.

Es ist nicht so, dass diejenigen, die die Rückzugsschemata entwerfen und verfechten, von Natur aus nachlässig oder oberflächlich wären. Sondern sie sind überzeugt, dass es einfach keine Rolle spielt, da es, zieht Israel sich erst einmal zurück, immer währenden Frieden geben wird.

Das ist auch der Grund, warum Rückzugsvertreter sich in dem Jahrzehnt von Oslo niemals sonderlich um die palästinensische Erfüllung von Vertragsverpflichtungen kümmerten. Was die Palästinenser tun oder nicht tun, bevor Israel sich vollständig zurückzieht, ist für schlichtweg nicht von Bedeutung.

Ist dieser Glaube, ist diese „Rückzugs-Religion“ logisch?

Die Araber lernten 1973 nicht, dass die IDF nie geschlagen werden kann. Sie lernten, dass Ausrüstung und Training des Westens der der Sowjetunion überlegen waren. Und sie haben dieser Lehre entsprechend gehandelt. Alleine Ägypten hat Milliarden amerikanischer Hilfen in fortschrittliche amerikanische Waffensysteme investiert, um sich auf den nächsten Krieg gegen den jüdischen Staat vorzubereiten.

„Alles, was die Araber wollen, ist, dass Israel sich auf die Grenzen von 1967 zurückzieht?“ Welche Araber? Das sagen sie in ihren Moscheen aber nicht. Das sagen sie in ihren Schulen auch nicht. Das sagen sie auch in ihren Medien nicht.

Was ihre Führer aber sagen, ist, dass es zulässig ist, Israel in Phasen zu vernichten, statt in einem schnellen Schlag.

Der malaysische Premierminister Datuk Seri Dr. Mahathir Moahmmed erklärte das auf der Eröffnung der 10. Sitzung der Islamischen Gipfelkonferenz so:

„Der Koran sagt uns, dass, wenn der Feind Frieden einklagt, wir positiv darauf reagieren sollen. Es stimmt, der angebotene Vertrag ist für uns nicht günstig. Aber wir können verhandeln. Der Prophet macht das in Hudaibiyah. Und am Ende triumphierte er. [Anmerkung A.Lerner: indem er den Vertrag brach, als er stark genug war den Feind zu schlagen.] … De rFeind wird vermutlich diese jüngsten Vorschläge begrüßen, … denn wegen ihrer Macht und ihrer offensichtlichen Erfolge sind sie arrogant geworden. Und arrogante Leute, wie wütende Leute, werden Fehler machen, werden vergessen zu überlegen. Sie haben schon angefangen Fehler zu machen. Und sie werden weitere Fehler machen. Es wird für uns jetzt und in der Zukunft Gelegenheiten geben. Wir müssen diese Gelegenheiten nutzen.“

Werden Yossi Beilin und seine Kameraden den Arabern diese „Gelegenheiten“ bieten?

Nicht, wenn die israelische Öffentlichkeit und die Freunde Israels in der Lage sind, über die falschen Versprechungen der „Rückzugsreligion“ hinaus zu sehen.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (17.-23.04.2016)

Sonntag, 17.04.2016:

Es soll eine Vereinbarung zwischen Israel und der PA geben, dass die IDF sich aus den Area A in Judäa und Samaria zurückzieht, die seit den Oslo-Vereinbarungen unter voller Zivil- und Sicherheitskontrolle der PA stehen; die Israelis waren aufgrund der Terrorwelle auch in diesen Gebieten aktiv geworden.

Zahlen: In der aktuellen „Messer-Intifada“ ermordeten die Terroristen 34 Personen und verletzten 361; weitere 125 mussten wegen Schock behandelt werden.

Mahmud Abbas beschuldigt Israel „naziartige“ Gefangenenlager zu betreiben, in denen „Freiheitskämpfer“ festgehalten werden. Es werde keinen Frieden geben, solang es noch arabische Gefangene dort gibt.

Montag, 18.04.2016:

Dank einer technischen Neuerung, mit der Hamas-Tunnel entdeckt werden können, hat die IDF einen Terrortunnel aus dem Gazastreifen nach Israel orten und „neutralisieren“ können. Es handelte sich um einen ungewöhnlich großen und komplexen Tunnel. Die Hamas prahlt, die Entdeckung sei nur „ein Tropfen im Ozean“.

Der Oberste Gerichtshof hat die Gefängnisstrafe von Islamistenführer Raed Saleh von 11 auf 9 Monate reduziert; diese muss Saleh wegen Aufstachelung zu Gewalt absitzen. Er hatte beantragt das Urteil aufzuheben.

Wegen des Widerstands der PalAraber wird Jordanien jetzt doch keine Überwachungskamera auf dem Tempelberg installieren.

Die Hamas ist überzeugt, dass Israel ihre Tunnel durch eine neue Technologie entdecken kann und die Daten auch an Ägypten weitergibt.

Etwas sehr irre geworden: Ein Redakteur von Walla News namens Roy Baharir Perl forderte die Terroristen auf eine Demonstration in Tel Aviv am Dienstag zugunsten des Soldaten anzugreifen, der in Hebron einen Terroristen erschoss und wegen Totschlag vor ein Militärgericht gestellt wird.

Dienstag, 19.04.2016:

Die Fatah lobte den gestrigen Bombenanschlag auf den Bus.

Der Shin Bet konnte aufgrund der Aussagen zweier festgenommener terroristischer Teenager Anfang März bei Nablus eine weitere Terrorzelle der PFLP festnehmen und konkret geplante Anschläge verhindern.

Der (jüdische) Mörder eines arabischen Teenagers wurde von einem israelischen Gericht verurteilt (das Strafmaß muss anscheinend noch festgelegt werden, es wird im Artikeln nicht genannt). Seine beiden minderjährigen Komplizen wurden bereits im Januar zu verurteilt, einer zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe, einer zu 21 Jahren Gefängnis. (Bei den PalArabern werden Mörder von Juden gefeiert, statt vor Gericht gestellt.)

Mahmud Abbas behauptete: „Wir Palästinenser sind gegen alle Formen des Terroismus“ – am Tag des Anschlags in Jerusalem. Ach ja, ich vergaß: Judenmord ist kein Terror, sondern „Widerstand“…

Mittwoch, 20.04.2016:

Schon wieder Hetze der Fatah: Sie veröffentlichte ein Video, das junge Leute dazu anhält Juden zu erstechen und zu überfahren sowie das „Märtyrertum“ anzustreben.

Der Schabak gab bekannt, dass Mitglieder einer vermutlichen jüdischen Terrorzelle festgenommen wurden. Eine Anwaltsorganisation sagte, die Festgenommenen hätten seit zehn Tagen (seit ihrer Festnahme) nicht die Möglichkeit bekommen einen Anwalt zu treffen und die beweisfähigen vorgeworfenen Taten hätten nicht nur keine Opfer (Verletzte oder gar Tote) zur Folge gehabt, sondern seien Streitigkeiten gewesen.

Eine der beim Bombenanschlag von Montag verletzten Personen verstarb jetzt; es handelt sich um den vermuteten Bomber. Die Hamas sagt, dieser sei einer der ihren.

Das Hetzmaul Hanin Zoabi hat wieder einmal Israel mit Nazideutschland gleichgestellt. Sie behauptete zudem, Holocaust-Bildung diene dazu zur Erniedrigung und Unterdrückung anderer zu motivieren. Natürlich sind dabei die Juden die Unterdrücker und die Araber die Erniedrigten.)

Donnerstag, 21.04.2016:

Hamas-Mitglieder aus dem Raum Bethlehem wurden im Zusammenhang mit dem Bus-Bombenanschlag vom Montag festgenommen.

Der Terrorist von Bombenanschlag von Montag hatte vorher auf Facebook schon Juden bedroht.

Heckmeck:
Frankreich kündigte ein Treffen von Ministern aus 20 Ländern am 30. Mai an; die Konferenz soll Israel Friedensgespräche aufzwingen – Israel und die PA sind nicht zu dem Treffen eingeladen.

Freitag, 22.04.2016:

Die PA ruft wieder zu „Widerstand“ auf, weil angeblich die Al-Aqsa-Moschee „verjudet“ werden soll. Zudem wurde (wieder) der Vorwurf erhoben, Israel führe einen Religionskrieg gegen die „Palästinenser“ und verhalte sich rassistisch. Die Stellungnahme endete mit einem „Gruß an unsere gefangenen Helden, die in den Gefängnissen der israelischen Besatzung schmachten.“

Die Polizei nahm am Morgen zwei Juden fest, die einen Ziegenbock auf den Tempelberg bringen wollten (offenbar um ihn dort zu opfern). Die Festnahme erfolgte wegen „Verhaltens, das geeignet ist den Frieden zu stören“.