Mitglieder des Friedenslagers, schämt ihr euch eigentlich überhaupt nicht?

Die aktuellen Friedensvereinbarungen stellen dem Friedenslager ein paar peinliche Fragen: Wie kann es sein, dass dieselbe Rechte, von der ihr sagt, sie würde auf ewig mit dem Säbel rasseln, jetzt die Seite ist, die den Olivenzweig hält? Wie könnt ihr euch weiter das Friedenslager nennen, wenn die Seite, die tatsächlich Frieden voranbringt, der Likud ist?

Dr. YItzhak Dahan, Israel HaYom, 16. Dezember 2020

Ende der 1990-er Jahre, als die Brüche in den Oslo-Vereinbarungen deutlich wurden, wollte das Friedenslager die öffentliche Unterstützung mit Hilfe einer ganzen Industrie vertiefen, die einer Idee Rückhalt verschafft, die sich allmählich von der Realität verabschiedete: Thinktanks, Forschungsgelder, Literatur, die Presse und die akademische Welt, sie alle vermarkteten dieses Produkt ohne vernünftige Erklärungen zu haben: Wenn wir weiter die Kontrolle über die Gebiete behalten, wird das auf Kosten von Friedensabkommen sein, was bedeutet auf Kosten von Wirtschaftswachstum und Sozialhilfe. Ein von ranghohen IDF-Offizieren für die Peace and Security Association 2012 veröffentlichtes Papier stellte fest, dass „die Siedlungen Israels nationale Sicherheit nicht stärken, seinen internationalen Ruf und die Belastbarkeit der Gesellschaft schädigen sowie ein zentrales Hindernis für Fortschritt bei einer diplomatischen Regelung darstellen“. Dieses Argument wurde lange nach den Oslo-Vereinbarungen von 1993 und nach Israels Abzug aus dem Gazastreifen angeführt, um zu zeigen, dass sie uns weiterhin lehren, was es wirklich heißt am Glauben festzuhalten.

Die aktuellen Friedensvereinbarungen lassen das Friedenslager schlecht aussehen und werfen einige peinliche Fragen auf: Wie werden die IDF-Generäle vor der Öffentlichkeit da stehen, wenn sie den Israelis Jahre lang erklärten, dass sich das Tor zur arabischen Welt in Ramallah befindet? Wie werden sie erklären, dass Wirtschaftswachstum von Rückzug abhängig ist, wenn die meisten der aktuellen Vereinbarungen nicht an territoriale Zugeständnisse gebunden sind? Wie kann es sein, dass dieselbe Rechte, von der wir sagten, sie würde auf ewig mit dem Säbel rasseln, jetzt die Seite ist, die den Olivenzweig hält? Wie können wir uns weiter als Friedenslager bezeichnen, wenn die Seite, die tatsächlich den Frieden voran bringt, der Likud ist? Schämen wir uns denn gar nicht?

Die, die diese Fragen werden beantworten müssen, sind die Vorboten des „Friedens“ selbst und darin liegt das Problem. Die gebräuchliche psychologische Theorie lehrt uns: Wenn die Realität uns ins Gesicht schlägt, sind wir gezwungen in einen Zustand kognitiver Dissonanz einzutreten, gefolgt von einem Zustand der Desillusionierung. Aber diejenigen, die in den 1990-er Jahren einen Eid auf die Friedensvision ablegten, werden Probleme haben ihre Überzeugungen aufzugeben. Desillusion ist ein schmerzhafter Prozess. Um dich herum bricht alles zusammen. Das ist genau der Punkt, an dem eine Industrie herauszubilden beginnt, die sowohl Ausweichtechniken als auch falsche Narrative bietet.

Eine Methode, um die Realität zu meiden, besteht darin den Erfolg deines Feindes nicht den Qualitäten des Führers oder seiner Weltanschauung zuzuschreiben, sondern externen Umständen. Gemäß dieser Methode fand sich Premierminister Benjamin Netanyahu durch Zufall an einer optimalen historisch-politischen Wegscheide wieder; Irans Feindschaft gegenüber Saudi-Arabien und seinen Verbündeten zusammen mit Druck von US-Präsident Donald Trump schob die arabischen Staaten in Israels Arme. Das grundsätzliche Problem mit der Gestaltung der Situation auf diese Weise besteht darin, dass sie den Faktor persönliche Führung und das unabhängige Denken der Öffentlichkeit aus der Gleichung entfernt.

So schrieb zum Beispiel Nahum Barnea in einem Artikel am Wochenende in Yedioth Ahranoth Marokkos Bereitschaft die Beziehungen zu Israel zu normalisieren geopolitischen und innenpolitischen Umständen sowie seinem Wunsch nach Anerkennung seiner Kontrolle über die Westsahara zu.

Das mag zwar viel Sinn machen, ist aber in Wirklichkeit eine Entstellung. Um das zu beweisen, reicht uns ein einziges Beispiel. Aus realpolitischer Perspektive entstammt die Entscheidung der Vereinigten Arabischen Emirate Frieden mit Israel zu schließen einem externen Faktor – dem Iran. Aber warum beeilten sie sich so damit Frieden mit Israel zu schließen? Israel wird als stark angesehen; das entschlossene Handeln seiner Sicherheitskräfte in Kooperation mit den USA im Verlauf des letzten Jahrzehnts hat Israel zu einer Macht gemacht, mit der man arbeiten macht.

Interesse? Gewiss. Aber auch Vertrauen; die Idee der Rechten, dass du, um das Komplott deines Feindes zu durchkreuzen, diesen zerschlagen musst, ist eine Frage des Glaubens. Genauso ist es die Vorstellung des Friedenslagers, dass man, um eine Gesellschaft zu heilen, zuerst den Feind beschwichtigen muss, z.B. durch die Aufgabe von Territorium. Jemand, der glaubt, sagt man, hat keine Angst. Aber nur bis zu einem gewissen Punkt und an diesem Punkt trifft der Glaube auf die Realität.

Um Terroristen trauern

Victor Rosenthal, Abu Yehuda, 30. April 2020

In Israel ist der Yom Hazikaron (Gedenktag) der Tag vor dem Yom Ha’atzmaut (Unabhängigkeitstag). Das mach Sinn: Man kann nicht über das Wunder unseres jüdischen Staates nachdenken, ohne der 23.816 Soldaten, Polizisten und anderen Sicherheitskräften zu gedenken, die ihr Leben verloren, damit wir es behalten konnten, dazu der 4.166 Zivilisten, die von Terroristen ermordet wurden, die es uns nehmen wollen.

Israel ist ein kleines Land. Eine entsprechende Anzahl, auf die Bevölkerung umgerechnet, wäre mehr als eine Million Amerikaner. Jeder Israeli kennt jemanden, der mindestens ein Familienmitglied durch Krieg oder Terror verloren hat.

Wenn ich in meiner kleinen Werkstatt koche oder herumhantiere, höre ich Radio, Reschet Bet, den Nachrichten- und Gesprächskanal der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt Israels. Mein Lieblingsmoderator ist ein Typ namens Yigal Guetta. Guetta ist 1966 in Kiryat Schmona, der Entwicklungsstadt im Norden geboren, in eine Familie, die aus Marokko nach Israel immigrierte. Er trägt eine schwarze Kippa und saß 2016/17 für die sephardisch-hareidische Schas-Partei in der Knesset, wurde aber von seiner Partei zum Rücktritt gezwungen, nachdem er in einem Interview verriet, dass er an der Schwulen-Hochzeit eines seiner Neffen teilgenommen hatte. Er stritt nicht gegen die Rabbiner, die seinen Rücktritt forderten. Er war und ist ein traditionell praktizierender Jude. Aber Familie ist Familie. Einige Jahre davor wurde er aus seinem Job als CEO einer kleinen Stadt gefeuert, als er dem Bürgermeister Korruption vorwarf. Wie ich kocht er gerne und manchmal beschreibt er auf Sendung traditionelle marokkanische Rezepte. So ist er.

Aber gestern erfuhr ich etwas über ihn, das ich nicht wusste. Er sprach über einen Tag, als er 8 Jahre alt war, den 11. April 1974. Damals infiltrierten palästinensisch-arabische Terroristen von der PFLP-GC Kiryat Schmona vom Libanon aus und ermordeten 18 Menschen, darunter 8 Kinder. Die Terroristen drangen zuerst in eine Schule ein, die aber wegen des Pessah-Festes geschlossen war. Dann gingen sie in ein Wohngebäude, schossen auf jeden, den sie sahen und warfen Granaten. Es dauerte, bis die Armee kam und Guettas Bruder und seine Schwägerin gehörten zu den Opfern.

Er beschrieb, wie seine Eltern danach nie mehr dieselben waren. Ich kann mir nicht ansatzweise vorstellen, wie es für sie war.

Man sollte glauben, dass sich die Dinge seit 1974 geändert hätten, aber weil wir es versäumten uns beständig ernsthaft gegen unsere Feinde zu stellen – mit Jabotinskys Formulierung: unser Versäumnis eine „eiserne Mauer“ zu bauen – geht der palästinensisch-arabische Terrorismus weiter. Erst gestern wurde siebenmal in Kfar Saba auf der Straße auf eine 62-jährige Frau eingestochen. Zum Glück wird sie überleben, aber weniger erfreulich ist, dass der von einem zivilen Wachmann angeschossene Terrorist ebenfalls überleben wird. Die Israelis wissen, wie das läuft – er wird die im Nahen Osten bestmögliche medizinische Versorgung bekommen, ein paar Jahre im vermutlich komfortabelsten Gefängnissystem der Welt außerhalb der skandinavischen Länder verbringen und ein stattliches Gehalt der PA erhalten, das mit den großzügigen Spenden der EU finanziert wird.

Der Terrorismus wird nicht enden, solange Israel nicht den Mumm findet die palästinensische Autonomiebehörde zu beseitigen, die das protegiert, finanziert und dafür wirbt. Tatsächlich priesen die offiziellen PA-Medien die Terroristen, die Guettas Verwandte töteten, als „Märtyrer“ und „Helden“.

Aber den schlimmsten Teil davon haben Sie noch nicht gehört. Das psychopathologische, postzionistische Kontingent in Israel veranstaltet zusammen mit mehreren linken amerikanischen Gruppen und unterstützt vom New Israel Fund eine jährliche „alternative Yom HaZikaron-Zeremonie“, mit der „der Verlust aller betrauert wird, die im Zusammenhang mit dem Konflikt fielen – Israelis wie Palästinenser“.

Verstehen Sie? Die PFLP-GC-Terroristen, die großen „Märtyrer“ und „Helden“ der Palästinenserbewegung, die kaltblütig 18 Menschen ermordeten, 8 davon Kinder, darunter Yigal Guettas Bruder und Schwägerin, werden von einigen ihrer jüdischen Opfer betrauert.

Und nicht nur die. Auch den Terroristen, der 2001 seine Bombe in der Pizzeria Sbarro zündete und 15 tötete, darunter 7 Kinder. Diejenigen, die 1978 den Bus auf Israels Küstenstraße entführten und 38 töteten, darunter 13 Kinder. Diese Juden beten für die.

Ich kann meine Gedanken einfach nicht da drum wickeln. Ich kann nicht verstehen, warum ein israelischer Jude oder überhaupt irgendein Jude um die trauert, die ihr Ende fanden, als sie uns ermordeten oder versuchten uns zu ermorden. Veranstalten Amerikaner Feiern um die Terroristen des 9/11 zu betrauern? Weinen Russen um Hitler? Das einzige Wort, das das adäquat beschreibt, lautet „Irrsinn“.

Es überrascht nicht, dass extremistisch antiisraelische Gruppen wie If Not Now und J-Street bei diesem Wahnsinn mitmachen. Aber die größte jüdische Organisation in Nordamerika, die Union for Reform Judaism, ist einer der Mitsponsoren der Veranstaltung. Sei retweeteten sogar eine Ankündigung der Organisatoren für dieses Event und fügten ihre eigenen Worte hinzu, mit denen sie die Leute baten: „… Schließen Sie sich tausenden anderen aus aller Welt an, während wir uns in Frieden zusammenschließen.“

Eines der bei mir vom Yom Hatzmaut heraufbeschworenen Gefühle ist, dass die Wiedergründung und das Überleben des souveränen jüdischen Staats in unserer historischen Heimat ein höchst einzigartiges und bemerkenswertes Ereignis ist. Wäre ich religiös, würde ich sagen, es ist ein Wunder. Es wurde gewiss zu einem hohen Preis vollbracht und es fordert weiterhin einen Preis in Blut ein. Wir verdanken den Familien, die ihre Söhne und Töchter im Kampf gegen einen unversöhnlichen Feind verloren haben, so viel, dass ausgerechnet die zu betrauern, die diesen Familien das Herz herausrissen, obszön ist.

Der lange Kampf ist für einige von uns zu viel gewesen und es gibt Leute, die in ein Wahn-Syndrom abgesunken sind; diese entschieden sich dafür sich in die Nähe ihrer Mörder zu begeben, indem sie deren Sichtweise übernehmen. Vielleicht hoffen sie, dass sie sich mit der Opferung ihrer eigenen Leute von dem Bösen reinigen, von dem sie inzwischen glauben, es sei ihrem Nationalstaat und um ehrlich zu sein, in sich selbst als Juden, inhärent.

Indem sie sich zwingen Mitgefühl mit denjenigen zu empfinden, die fähig sind auf jüdische Kinder zu schießen, glauben sie, dass sie bessere Menschen sein werden und daher einen Weg finden mit dem Anderen zu kommunizieren, um Frieden zu bringen.

Aber im Endeffekt scheitert diese Strategie immer; und sie stehen alleine da, ihrem Volk entfremdet, während sie von ihren Feinden immer noch verachtet werden.

„Zweistaatenlösung“ und „Frieden“ – Deutschlands Tabus

Ulrich Sahm (direkt vom Autor)

„Friede sei mit Euch“ sagt jeder Priester und jede Pastorin im Gottesdienst. Niemand würde diesem frommen Wunsch widersprechen. Deshalb gilt es auch als Selbstverständlichkeit, wenn Regierungschefs diesen Spruch in ihr Programm übernehmen. Das gilt besonders für die deutsche Regierung. Denn Deutschland hat zweimal einen verheerenden Weltkrieg ausgelöst, was Millionen Menschen das Leben gekostet und zu flächendeckender Zerstörung geführt hat. In Folge dessen ist man bemüht, möglichst viel Frieden in die Welt zu bringen.

Deutschlands alternativlose Einseitigkeit

Wenn nun Deutschland mit erhobenem Zeigefinger ausgerechnet den Israelis ins Gewissen redet, die Zweistaatenlösung ohne Wenn und Aber zu akzeptieren, weil das die „alternativlose Lösung“ für den Nahostkonflikt sei, wirft das einige peinliche Fragen auf.

So hatte Kanzlerin Angela Merkel den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu ermahnt, als sie ihm mit einer Woche Verspätung telefonisch zu seinem Wahlsieg gratulierte. Als Frau Merkel kurz darauf dem frisch ernannten Regierungschef Muhammad Schtaye der Palästinenser ebenfalls gratulierte, gab es keine mahnenden Worte, wie etwa zur Kluft zwischen der PLO in Ramallah und der Hamas-Organisation, den hungernden Menschen in Gaza zu helfen, das von Präsident Mahmoud Abbas aufgelöste Parlament wieder einzusetzen oder die seit 2006 zum letzten Mal erfolgten Wahlen abzuhalten, um der Regierung in Ramallah demokratische Legitimation zu geben. Wenn Deutschland sich so eifrig um Frieden in Nahost bemüht und speziell Israel ermahnt, ohne die Kriege in Syrien, Libyen oder im Jemen zu erwähnen, und ohne zu sehen, dass kein anderes Land in der Welt von allen Seiten mit der Auslöschung seiner puren Existenz bedroht wird, fragt sich, wie es eigentlich um Deutschland steht.

Wie legitimiert sich Deutschlands Wille zum Frieden in Nahost?

 Der letzte Friedensvertrag in Europa wurde in Versailles nach dem ersten Weltkrieg unterzeichnet, und führte direkt zum noch schlimmeren Zweiten Weltkrieg. Adolf Hitler und seine Nationalsozialisten empfanden die Vorgaben jenes Friedensvertrages als Schmach für Deutschland.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bis heute kein Friedensvertrag abgeschlossen. Zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern wie Frankreich, Dänemark und Polen, sowie den sogenannten Siegermächten wie den USA, Russland und Großbritannien, gibt es nur Waffenstillstandsabkommen, nachdem die Deutschen im April 1945 bedingungslos kapitulierten.

Bringt der „Friede“ wirklich Frieden?

 Seitdem hat es in Deutschland und Europa großartige Entwicklungen gegeben, die allesamt wie „Frieden“ aussehen: Wirtschaftsabkommen, das deutsche Wirtschaftswunder, die EU mit gemeinschaftlicher Währung, offenen Grenzen, diplomatischen, kulturellen Beziehungen und mehr.

Angesichts dieses traumhaften nie dagewesenen Zustands in Europa nach Jahrhunderten von Krieg und blindem Hass sollte niemand an diesen friedlichen Zuständen rütteln.

Es mag deshalb wie eine Wortklauberei klingen, wenn wir behaupten, dass dies dennoch kein Frieden ist. Denn nach einem Krieg muss es einen unterzeichneten Friedensvertrag geben, um von „Frieden“ reden zu können. Das ist bis heute nicht geschehen. Und das ist auch gut so. Denn zu einem Friedensvertrag gehören auch Entschädigungen für Kriegsschäden. Sollte Deutschland dazu gezwungen werden, würde das wunderbare Gebilde des friedlichen Europas wirtschaftlich zusammenbrechen.

Der Mangel an „Frieden“ wird gleichwohl immer wieder aufgebracht. Vorreiter ist Griechenland, das bis heute unter den deutschen Zerstörungen zu leiden hat oder zum Beispiel Polen, das sich ebenfalls noch nicht von den Schlägen der Reichswehr erholt hat.

Trotz Abkommen und Beschlüssen der Alliierten wurden die territorialen Änderungen nie im Rahmen von Verhandlungen und Verträgen zwischen den bestehenden Staaten geregelt. Die Übernahme von Schlesien, Danzig und Königsberg war eine einseitige Strafaktion der Alliierten gegen Deutschland. Die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Ostgrenze Deutschlands war eine einseitige Erklärung Bonns und nicht das Ergebnis eines „Friedensvertrags“ zwischen der Bundesrepublik und Polen.

Warum sollte Israel leisten, was Deutschland verweigert?

Wenn also ausgerechnet Deutschland allein von Israel Zustimmung zu einer Zweistaatenlösung fordert, weil sonst kein Friedensvertrag zustande kommen könne, muss man sich fragen, wieso Deutschland glaubt, selbst ohne Friedensvertrag gut existieren zu können. Das ist nicht nur eine Formalität, zumal in Deutschland viele Menschen leben, die als Vertriebene den Verlust ihrer alten Heimat im Osten bis heute beklagen, auch wenn sie sich nicht anbiedern, als Selbstmordattentäter auf polnischen Marktplätzen ihr Heil zu suchen.

Für Deutschland sind „Frieden“ und „Zweistaaten-Lösung“ tabu

 Interessant ist auch die Geschichte der Zauberformel „Zweitstaatenlösung“. Von der wollen laut Umfragen weder die Palästinenser noch die Israelis hören. Zudem enthält sie einige Schönheitsfehler: Solange die Spaltung der Palästinenser in Gaza unter der Hamas und das Westjordanland unter der PLO als unüberwindbar gilt, wer könnte im Namen der Palästinenser einen Vertrag unterzeichnen? Keiner der heutigen Politiker ist mehr legitimiert, im Namen aller Palästinenser zu reden, mangels Parlament und Wahlen,.

Die Idee einer Zwei-Staaten-Lösung wurde in den 1970er Jahren von Nordvietnam konzipiert und den Deutschen vorgetragen. Bonn hatte diese Idee damals unter Willy Brandt brüsk zurückgewiesen. Eine Anerkennung der DDR und damit eine Sanktionierung der Spaltung Deutschlands kam allein wegen der damals geltenden Hallstein-Doktrin nicht in Frage. Hätte Bonn die DDR anerkannt, wäre es wohl nicht zur „Wiedervereinigung“ gekommen. Kanzlerin Angela Merkel sollte sich dieser Tatsachen bewusst werden, ehe sie wieder mal anderen Ländern Vorhaltungen macht, einen Weg zu gehen, der für Deutschland selbst nicht akzeptabel ist.

Auf den Punkt gebracht hat es der Karikaturist Harm Bengen (ERL 18):

 

Die Friedensfanatiker werden weiter von den Palästinensern widerlegt

Wie Mahmud Abbas höchstselbst Führern in Bagdad sagte, „ermutigt die Administration Trump Israel dazu ein Staat zu sein, der über dem Gesetz steht“; sie sei auch „einseitig und nicht geeignet Friedensgespräche zu unterstützen“.

Ruthie Blum, JNS.org, 5. März 2019

Die Palästinenser haben sich während der letzten Woche mächtig damit beschäftigt in Wort und Tat zu demonstrieren, dass US-Präsident Donald Trumps „Deal des Jahrhunderts“ schon bei der Ankunft tot ist.

Am Sonntag ritt Omar Hilmi Al-Ghoul, der dem ehemaligen PA-Premierminister Salam Fayyad als Berater für nationale Angelegenheiten diente, in einem Op-ed in der offiziellen, von der PA kontrollierten Tageszeitung Al-Hayat Al-Jadida“ eine Attacke auf das Weiße Haus. Als er dabei war, beleidigte er alle Menschen mit Behinderung.

Wie Palestinian Media Watch berichtet, schrieb Al-Ghoul: „Jeder, der sich [Trumps Gesandten Greenblatt] ansieht, entdeckt, dass er äußere und innere Merkmale hat, die denen mit einem Down-Syndrom ähneln: Er ist klein, seinen Augen sehen wie die von Mongoloiden au s, er plappert zügellos und ist politisch zurückgeblieben.“

Al-Ghoul fuhr fort: „Der kranke Greenblatt ist nicht der einzige, der das Down-Syndrom hat., denn es trifft alle Komponenten der amerikanischen Regierung. Jeder, der die allgemeinen Gene der Komponenten der Regierung Trump untersucht, sieht, dass es eine politisch verkrüppelte Kreatur ist. … Der mongoloide Greenblatt kann, zusammen mit Präsident Trump, seinem Schwiegersohn Jared Kushner und dem zionistischen [US-] Botschafter [in Israel David] Friedman von dem ominösen Deal schwafeln so viel er will. Sie sollten aber sicher sein, dass ohne die Unterschrift des PLO-Vorsitzenden Mahmud Abbas kein Deal zustande kommen wird und ihre dümmlichen Schritte und Politik werden weiter zwecklos sein.“

Vier Tage zuvor, deckte PMW ebenfalls auf, postete Abbas‘ Fatah eine antisemitische Tirade auf ihrer offiziellen Facebook-Seite. Zusammen mit drei Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg verzerrte die Fatah eine Geschichte aus den Memoiren eines russischen Häftlinkgs und behauptete, dieser habe gesagt, dass Juden eifrig auf einen Nazibefehl reagierten, sie sollten Russen lebendig begraben. Nach Angaben des Fatah-Kontos hielt der deutsche Kommandeur die Juden, nachdem sie begannen die Russen in einer Grube mit Dreck zu bewerfen, davon ab die Aufgabe zu vollenden und schrie den Opfern zu: „Ich wollte euch nur wissen lassen, wer die Juden sind und warum wir sie töten!“

Und wie auf Bestellung rammten am Montag drei palästinensische Terroristen ihr Auto in einen israelischen Grenzpolizisten und einen IDF-Offizier, die aus ihrem liegen gebliebenen Jeep stiegen. Beide wurden bei dem Anschlag verletzt, einer von ihnen schwer.

Andere Soldaten vor Ort eröffneten das Feuer auf das Fahrzeug der Terroristen, töteten damit zwei von ihnen und verletzten den dritten. Später kam  heraus, dass diese Terroristen vorher Molotowcocktails auf eine nahe gelegene Autobahn geworfen hatten.

Montagmorgen lobte die Hamas die „zwei Märtyrer“; sie sagte: „Ihr Tod beweist, dass das palästinensische Volk weiter seinen Kampf gegen den Besatzer führt, bis unser Land befreit ist.“

Die Familien aller drei Täter werden heute mit einem happigen Gehalt der PA belohnt, die diese Woche verkündete, die Terroristen werden, egal, wie viel Geld Israel von den Steuereinnahmen abzieht – gemäß eines neuen Gesetzes, das darauf abzielt Abbas‘ Politik der Bezahlung pro Mord einzudämmen – ihre Gehälter ausgezahlt bekommen. Hass auf  Israel ist eines der wenigen Dinge, bei denen die Hamas im Gazastreifen und die Fatah in Ramallah völlig übereinstimmen.

Wo wir schon davon reden: Am Montagabend gingen zwei Sprengstoff tragende Ballons, die aus dem Gazastreifen nach Israel „geflogen“ wurden, zwischen zwei Häusern im Kreis Eschkol hoch. Der Vorfall ereignete sich ein paar Stunden, nachdem Israel Terrorziele im Gazastreifen als Reaktion auf die Sprengstoffballons von letzter Woche und palästinensische Krawalle beschoss; zu den Krawallen gehörte das Verbrennen von Reifen und die Zündung zahlreicher Sprengsätze entlang des Sicherheitszauns.

Derweil gab die Vereinigung Palästinensischer Wissenschaftler (P.S.A.) im Gazastreifen die neueste einer Reihe von Fatwas (islamisch-religiöse Meinungen) aus; mit dieser warnte sie vor Friedensvereinbarungen mit dem „zionistischen Gebilde“. Nach Angaben eines Berichts von Khaled Abu Toameh im Gatestone Institute entschied die P.S.A., dass „Normalisierung und Aussöhnung bedeutet den Juden Macht über das Land der Muslime zu geben, sich den Ungläubigen zu ergeben und die islamische Religion und Land zu verlieren“.

Zusätzlich legte die Fatwa der P.S.A. fest, dass jeder Frieden mit Israel „das Recht des palästinensischen  Volks auf sein Land bestreitet und das Recht der Juden darauf fälschlich anerkennt. Aussöhnung und Normalisierung mit dem zionistischen Feind wird als null und nichtig betrachtet, als ausdrückliche Verletzung der Bestimmungen der Scharia“.

Abbs beabsichtigt eindeutig diese Fatwa zu befolgen, wie er während einer Reise nach Ägypten im Januar deutlich machte:

„Ich werde mein Leben nicht als Verräter beenden“, sagte er gegenüber Reportern in Kairo. „Ich kann ‚Nein‘ sagen und ich habe ein Volk, das ‚Nein‘ sagt, an meiner Seite. … Die Türen sind für die USA geschlossen. Solange sie ihre Entscheidung gegen das palästinensische Volk nicht zurücknehmen, darf sich kein Palästinenser mit der amerikanischen Führung treffen, egal, welche Rolle er hat.“

Erst am Montag sagte Abbas bei einem Besuch im Irak den Führern in Bagdad, dass die Administration Trump „Israel dazu ermutigt ein Staat über dem Gesetz zu sein“ sowie „einseitig und nicht adäquat als Sponsor für Friedensgespräche“.

So viel zum „Deal des Jahrhunderts“, dessen Einzelheiten erst noch verraten werden müssen. So viel zu den Fantasten in Israel und im Ausland, die weiterhin irgendwelche Hoffnungen hegen.

[Kofi Annan und] Die höfliche Eliminierung Israels

Daniel Pipes, New York Sun, 13. Dezember 2005

Es gibt seltsamerweise eine richtige und eine falsche Art die Eliminierung Israels zu fordern.

Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen, lieferte in den letzten Wochen für beides ein Beispiel. Als Mahmud Ahmadinedschad, der Präsident des Iran, am 26. Oktober erklärte, dass „das Regime, das Jerusalem besetzt, aus den Seiten der Geschichte eliminiert werden muss“, antwortete Annan damit, dass er „Bestürzung“ ausdrückte. Als Ahmadinedschad am 8. Dezember forderte, dass Israel nach Europa umziehen solle, antwortete Annan „schockiert“.

Aber Entsetzen und Schock wegen Ahmadinedschads Äußerungen hielten Annan nicht davon ab am 29. November, genau zwischen den Ausbrüchen aus dem Iran, an einem von der UNO gesponserten „Internationalen Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk“ teilzunehmen. Anne Bayefsky von „Eye on the UN“ berichtet, dass Annan in der Nähe einer arabischsprachigen „Landkarte Palästinas“ auf dem Podium saß; diese zeigte ein Palästina, das Israel ersetzte. Kartographisch erreichte sie genau das, was Ahmadinedschad forderte: die Eliminierung des jüdischen Staates.

Annans widersprüchliches Tun kommt daher, dass seit 1993 ausdrückliche Rufe nach der Vernichtung Israels beleidigend geworden sind, indirekte aber akzeptabler. Zu den Letzteren gehören:

Die Fatah und die Hamas zeigen diese Zweiteilung. Beide wollen Israel eliminieren, aber haben unterschiedliche Wege gewählt, um dort hinzukommen.

Die Taktik der Fatah ist ab 1988 opportunistisch, doppelzüngig und unbeständig gewesen, seit Yassir Arafat nominell den Terror verurteilte und den „Friedensprozess“ mit Israel begann – während er gleichzeitig Selbstmord-Terrorismus sponserte und eine Ideologie propagierte, die die Legitimität Israels ablehnte. Diese durchsichtige Ablenkung ermöglichte es der Fatah aus Israel großen Nutzen zu ziehen, darunter Selbstverwaltung, eine quasi-militärische Truppe, riesige westliche Subventionen und die Beinahekontrolle einer der Grenzen.

Im Gegensatz dazu hat die Hamas Israels Existenz beständig abgelehnt und immer größere Teile der palästinensischen öffentlichen Meinung für sich gewonnen (die jüngste Umfrage zeigen sie für die anstehenden Wahlen mit 45 zu 35% vor der Fatah liegend). Aber diese offene Ablehnung hat sie auch für Israel und andere zum Gräuel gemacht und ihre Effektivität eingeschränkt. Das Ergebnis ist, dass die Hamas in den letzten Monaten begonnen hat mehr Flexibilität zu zeigen; z.B. hat sie eine Waffenruhe mit Israel weit gehend eingehalten und bewegt sich auf den Einstieg in einen diplomatischen Prozess vor. Das bringt Vorteile; das „Conflicts Forum“ und andere präsentieren Hamas mit einigem Erfolg als neuen, legitimen Gesprächspartner.

Es könnte sein, dass der Palästinensische Islamische Jihad sich als einzige puristische Ablehnungs-Organisation gegen Israel wieder findet.

Warum spielen solche Unterscheidungen im Stil eine Rolle? Weil der Ansatz der Fatah für die Israelis verführerisch genug ist, um mit ihr zusammenzuarbeiten; arafatartige Beschönigungen, Unstimmigkeiten, Tricks und Lügen ermutigen sie „schmerzliche Zugeständnisse“ zu machen. Im Gegensatz dazu konfrontiert der Ahmadinedschad-PIJ-Ansatz Israel mit offenen und brutalen Drohungen, die nicht wegerklärt werden können. Unverhohlene Forderungen nach Israels Verschwinden sorgen dafür, dass sich den Israelis die Nackenhaare sträuben, sie sich neue Waffen zulegen und diplomatisch zu machen.

Diese Tricks könnten die Gutgläubigkeit überanstrengen – die Israelis werden doch sicher begreifen, dass die einen nicht weniger tödlich sind als die anderen?

Tatsächlich tun sie das nicht. Seit 1993 haben die Israelis sich – in den Worten des Philosophen Yoram Hazony – als „erschöpftes Volk gezeigt, verwirrt und ohne Orientierung“, bereit und sogar eifrig bemüht von seinen Feinden betrogen zu werden. Alles, was sie brauchen, sind einige Angebote, so wenig überzeugend diese auch sein mögen, dass sie vom Krieg befreit werden und sie können sich kaum davon abhalten Tod bringenden Feinden Zugeständnisse zu machen.

Und so kann die aufgeklärte Weltmeinung Ahmadinedschad verurteilen, weil sie fühlt, dass er zu weit ging, und die Israelis zum Rückzug veranlassen. Wenn er seine Äußerungen nur etwas herunterschrauben und Israels Eliminierung höflich fordern würde, z.B. durch die Befürwortung einer Einstaaten-Lösung, würde alles gut sein.

So haben die Israelis effektiv definiert, welcher Antizionismus akzeptierbar ist und welcher nicht. Kofi Annans Geschichte der Verurteilungen und Begrüßung der Eliminierung Israels spiegelt lediglich die Etikette der Vernichtung wider, wie sie durch die Israelis selbst etabliert wurde.

Die Mythen der Intellektuellen

Einsicht in französische Einseitigkeit gibt auch eine Perspektive auf die amerikanischen Feinde Israels

Jonathan S. Tobin, Jewish World Review, 2, Mai 2005

Ya’acov „Koby“ Mandell und Mohammed al-Dura waren beide Kinder. Einer war ein Israeli, der andere ein Palästinenser. Aber der Tode des 13 Jahre alten Mandell und der des 12 Jahre alten al-Dura im ersten Jahr dessen, was die zweite palästinensische Intifada genannt wird, sind zur Symbolisierung der verdrehten Berichterstattung über diesen Konflikt durch die internationalen Medien geworden.

Al-Dura, der während einem Feuerwechsel zwischen palästinensischen Bewaffneten und israelischen Soldaten starb, wurde zum Märtyrer-Helden gemacht, dessen Ermordung die israelische Brutalität zeigte. Filmmaterial des französischen Staats-Fernsehens France 2 über den Vorfall stellte das Ereignis als direktes israelisches Abschlachten eines Unschuldigen dar.

Erst später erfuhren wir, dass das Filmmaterial selektiv editiert wurde und dass die Zuschauer darüber in die Irre geführt wurden, was wirklich geschah. Eine objektive Analyse der Geschichte durch das deutsche Fernsehen und das Magazin „The Atlantic“ lassen wenig Zweifel daran, dass al-Dura eher durch Kugeln getötet wurde, die von Palästinensern abgefeuert wurden.

Tod eines Kolonisten

Im Gegensatz dazu wird an den Tod von Koby Mandell wenig erinnert. Nur eines von vielen israelischen Kindern, die in diesem sinnlosen Krieg zugrunde gingen, wurden er und ein Klassenkamerad von palästinensischen Terroristen kaltblütig ermordet; sie steinigten ihn zu Tode und dann verstümmeln sie ihre Leichen. Als dieses Verbrechen von denselben französischen Medien berichtet wurde, die den Mythos um al-Dura verbreitet gemacht hatten, charakterisierten sie Mandell als einen „Kolonisten“, der vom palästinensischen Widerstand getötet wurde.

Die Bedeutung dieser Unterscheidung wurde in einer französischen Dokumentation hervorgehoben; sie heißt „Decryptage“ (Dekodierung) und macht in diesem Frühjahr die Runde auf amerikanisch-jüdischen Festivals.

Der Film wurde 2002 auf dem Höhepunkt der jetzt abgeschlossenen Intifada gemacht; er ist ein interessantes Gegenstück zu „Relentless“, einer weniger geschickten, aber nützlichen englischsprachigen Polemik darüber, wer für den Zusammenbruch des Oslo-Friedensprozesses verantwortlich ist.

Obwohl inzwischen etwas veraltet, weil Yassir Arafat tot und der von ihm begonnene Terrorkrieg entschieden ist, sind die französischen Filmemacher Jacques Tarneo und Phillippe Bensoussan trotzdem in der Lage zum Kern der Sache vorzudringen: warum die französische Medienberichterstattung so einseitig war.

Ihre Antwort sollte uns nicht so sehr wegen dem interessieren, was sie über die Franzosen sagt, als was sie uns über die Vorstellung über den Konflikt sagt, wie sie auf amerikanischen College-Campussen heftig vertreten werden, sowie auch unter Aktivisten, die einige Kirchengruppen dazu gebracht haben Strafmaßnahmen gegen Israel zu unterstützen.

„Decrytage“ bieten den Amerikanern einen Blick auf die Besessenheit, die die elitären Schwätzer von Paris und London mit dem imperialistischen Erbe ihres Kontinents herumschleppen.

Für europäische Intellektuelle, insbesondere denen in der Linken, ist die Erbsünde ihrer Nation der Kolonialismus. Aber in ihrer Hast, mit jeglichen Überresten dieser Zeit nichts mehr zu tun haben zu wollen, haben viele Europäer den Zionismus – die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes, fälschlicherweise definiert als nicht unterscheidbar vom Impuls der Briten Indien zu besitzen oder der französischen Beanspruchung Algeriens.

Durch dieses Prisma betrachtet waren und sind die Araber Unschuldige, unterdrückt durch fremde jüdische Siedler. Dass die Juden die Einheimischen des als Israel bekannten Landes sind – die Araber nennen es „Palästina“ – scheint kaum eine Meinung geändert zu haben.

Besonders für die Franzosen ist der brutale Krieg zur algerischen Unabhängigkeit, in dem Gräuel auf beiden Seiten der Politik dieses Landes für Generationen Narben zugefügt haben, die am häufigsten zitierte Analogie.

Was an dieser fehl leitenden Darstellung besonders gefährlich ist: Wenn man diese Geisteshaltung übernimmt, dann sind „Kolonisten“ wie der junge Koby Mandell nicht wirklich Opfer. Sie sind in dieser Betrachtungsweise Mittäter an einem Verbrechen – der Existenz des Staates Israel – und legitime Ziele, wie rationale französische Journalisten, die in dem erwähnten Film interviewt werden, einräumten.

Die Bedeutung dieses Punktes kann nicht genug betont werden. Wenn man Israel als Kolonie betrachtet, dann spielt es keine Rolle, dass die Palästinenser diejenigen sind, die sich für Krieg entscheiden, wenn Israel Frieden anbietet oder dass Israels Militär enorme Anstrengungen unternimmt um zivile Verluste zu vermeiden, während die Palästinenser Unschuldige angreifen. Es zählt nur, dass Israel kein Recht hat zu existieren und kein Recht sich zu verteidigen – egal, wie es provoziert wird.

Nur, wenn man erkennt, dass der Grund der französischen Einseitigkeit nicht einfach Antisemitismus, sondern die Delegitimierung Israels ist, kann man wirklich verstehen, warum Europa sich wegen Israels Sicherheitswall so aufregt und gegen Israels Verteidigungsmaßnahmen ist, selbst während es einseitige Zugeständnisse macht wie den Rückzug aus Gaza.

Die Erklärung der De-Investitionen

Obwohl solche Ansichten in den USA vom Mainstream weit entfernt sind, gibt uns die französische Erfahrung einen kleinen Einblick in die Denkweise antiisraelischer Aktivisten auf amerikanischen Campussen und unter Kirchengruppen wie der Presbyterian Church USA oder anderer großer, liberaler protestantischer Denominationen.

All diese Gruppen übernehmen dieselbe Art von Sprache, wie sie in Europa populär ist; so sehen sie arabische Opfer und israelische Unterdrücker. Und im Namen dieser Verleumdung werben sie für wirtschaftliche Kriegsführung in der Form von De-Investitionen und dem Boykott israelischer Produkte und Institutionen.

Durch diese verdrehte Linse werden Gruppen wie das International Solidarity Movement (das gegen Israels Existenz ist und Terroristen bei ihrem Widerstand gegen israelische Gegenmaßnahmen hilft) zu „Friedensaktivisten“, während jüdische Männer, Frauen und Kinder, die in Tel Aviv mit dem Bus fahren, zu legitimen, wenn auch unglücklichen Zielen der Vernichtung werden.

Hat man erst einmal begriffen, dass der Punkt dieser Protestierer nicht wirklich Dinge wie die Zerstörung palästinensischer Gebäude oder „illegaler Siedlungen“ ist, sonder die Unrechtmäßigkeit des Zionismus, dann ist leicht zu sehen, warum sie gegenüber Argumenten so immun sind. Solange dies die Art ist, wie Leute Israel sehen, werden Diskussionen mit ihnen darüber, was an dem, was das Land tut, richtig oder falsch ist, sie nicht überzeugen. Genauso wenig die Argumente, die von Freunden Israels angeführt werden und sich auf die israelischen Zugeständnisse konzentrieren.

Hat man einmal begriffen, dass diese Feinde nicht an einem kleineren Israel interessiert sind, sondern an überhaupt keinem Israel, dann beginnt man zu verstehen, warum das letzte Jahrzehnt, in dem der jüdische Staat so viele Opfer für den Frieden gebracht hat, auch eines war, in dem sein internationales Ansehen den Bach runter ging. Und wir sollten nicht überrascht sein, wenn dieser Trend sich fortsetzt, sollte, was wahrscheinlich ist, die nächste Runde des Konflikts beginnen.

Das ist eine deprimierende Erkenntnis, aber eine, die wir im Hinterkopf behalten müssen, selbst wenn wir weiterhin hoffen, dass die jüngsten Friedensfühler Erfolg haben werden. Es ist ein Punkt, den nur ein Dummkopf – oder diejenigen, die von dem antiimperialistischen Mythos geblendet sind, der Israels Feinde leitet – ignorieren würde.

Der Irrglaube an die Zweistaaten-Lösung

Die Welt glaubt immer noch, dass die „Zweitstaaten-Lösung“ der Weg zur Lösung des Israel-Palästina-Konflikts ist. Aber als die Palästinenser diese Idee ins Feld führen, meinen sie etwas sehr anderes, das nichts mit Frieden zu tun hat.

Dr. Joel Fishman, MiDA, 12. Februar 2017

Nur eine Phase auf dem Weg zur Vernichtung Israels: Salah Khalaf mit Yassir Arafat

Seit einiger Zeit ist die Parole der sogenannten „Zweistaaten-Lösung“ in den Medien ständig als wünschenswertes Ziel präsent gewesen, eine, die Israel und die Palästinenser im Interesse des Friedens umsetzen sollten. Wann immer diese Idee aufgebracht wird, wird unterstellt, dass Israel große Opfer im Tausch für einen unklaren Nutzen bringen sollte. Während der Obama-Administration beschuldigte Außenminister John Kerry die Regierung Israels bitter, sie engagiere sich nicht in der „Zweistaaten-Lösung“ und selbst letzte Woche erklärte Premierministerin Theresa May in London, dass sie die „Zweistaaten-Lösung“ vorzieht. Sie fragte Premierminister Netanyahu, ob er sich auch dieser Formel verpflichtet habe. Der Premierminister seinerseits antwortete nicht direkt, sondern erklärte, Israel sei dem Frieden verpflichtet.

Dieser Parole fehlt jeglicher Wert. Die PLO führte sie erstmals als List ein, deren wahrer Zweck es gewesen ist ihre wahren Ziele und die ihres Nachfolgers, de palästinensischen Autonomiebehörde, zu verschleiern. Diejenigen, die die Vorstellung der „Zweistaaten-Lösung“ einführten, beabsichtigten, dass sie von den Israelis – ihren potenziellen Opfern – und anderen gutmeinenden Außenseitern, die dem Anschein nach eine faire Lösung für diesen Krieg wollen, anders verstanden wird.

Während des Vietnamkriegs starteten die Nordvietnamesen als erste die Formel der „Zweistaaten-Lösung“, um ihr strategisches Ziel zu verbergen. Die übernahmen eine Phasen-Strategie, nach der sie den Zwischenschritten ihres Kampfs Aufmerksamkeit widmeten, sie aber in die Lage versetzen würde ihr Ziel schrittweise zu erreichen. Ihre wahre Absicht bestand darin, dass Nordvietnam Südvietnam erobern würde, aber sie sprachen von der „Zweistaaten-Lösung“. Am Ende unterwarf und eroberte das kommunistische Nordvietnam Südvietnam und 1975 flohen die letzten Amerikaner per Hubschrauber vom Dach ihrer Botschaft in Saigon. Das war eine wichtige Niederlage sowohl für die Südvietnamesen als auch für die Vereinigten Staaten von Amerika.

Während der frühen 1970-er Jahre führte Salah Khalaf, der als Abu Iyad bekannt war, eine PLO-Delegation nach Hanoi, um von den Nordvietnamesen zu lernen. Dort trafen sie sich mit dem legendären General Vo Nguyen Giap und politischen Beratern, die sie darin unterwiesen, wie sie ihre Sache präsentieren und ihr Image als Terroristen in der öffentlichen Meinung der Welt verändern. Abu Iyad beschrieb diesen wichtigen Besuch in seinem Buch Meine Heimat, mein Land (das er mit Eric Rouleau 1978 veröffentlichte). Abu Iyad erzählte darin, dass die Nordvietnamesen den Palästinensern rieten die Aufmerksamkeit auf die Zwischenziele ihres Weges zu richten und die Notwendigkeit „persönlicher Opfer“ zu akzeptieren.

„Ohne je ausdrücklich auf die Fatah oder die PLO verweisen, gaben die Mitglieder des Politbüros eine lange Denkschrift über die verschiedenen Phasen im Kampf des vietnamesischen Volkes aus; sie erklärten, warum sie sich selbst verschiedenen Zugeständnissen abfinden mussten, manchmal wichtigen wie der Teilung des Landes in zwei separate, unabhängige Staaten.“ Unabhängig davon veröffentlichte Yossef Bodansky, ein Geheimdienstanalyst, 1997 weitere Informationen über dieses Treffen. „Die Vietnamesen schlugen vor, man sollte dem Anschein nach ‚die Teilung des Landes in zwei unabhängige Staaten‘ akzeptieren, ohne zu betonen, dass dies nur eine Zwischenphase sei; das würde die Gegner der PLO im Westen neutralisieren.“

Wir leben in einer hoch technologischen Kultur der Kurzzitate und kurzen Textnachrichten, schneller und einfacher Kommunikation, der Einzeiler; uns solche Gewohnheiten halten die Öffentlichkeit davon ab die Erfahrung der Vergangenheit sorgfältig zu studieren. Um zu begreifen, was hier falsch ist, müssen wir uns der Geschichte dieser Parole erinnern, die von Anfang an als Schwindel konzipiert wurde. Sie begann als Mittel der politischen Kriegsführung und ihr Zweck hat sich nicht geändert. Ihre Wirkungsstärke ist geblieben, weil die Menschen die Vergangenheit nicht kennen oder eingelullt wurden.

Wenn wir den Ursprung des Begriffs zurückverfolgen und dokumentieren, können wir sicher sein, dass er arglistig ist und diejenigen, die ihn vorantreiben dies nicht mit Israels Wohl im Sinn tun können. Aus demselben Grund sollte kein Israeli, der seinem Land Gutes wünscht, jemals für die „Zweistaaten-Lösung“ eintreten. Ihr Programm bedeutet nichts weniger als den Politizid Israels. Die Vorstellung mag während der Oslo-Ära schick in Mode gewesen sein, aber es ist immer noch nötig sorgfältig zuzuhören, was der Feind sagt und was er meint.