Der Faktor Angst: Der Libanon und die europäische Art der Friedenssicherung

Sören Kern, The Brussels Journal, 18. September 2007

Die europäisch geführte UN-Friedenssicherungstruppe im Libanon, UNIFIL, ist positiver Beleg, sollte solcher denn gebraucht werden, warum Europa kaum jemals einen globale Supermacht sein wird. Als die 13.400 Personen starke Truppe nach dem 34-tägigen Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im letzten Sommer zusammengekratzt wurde, sagten die Europäer, dass ihr „Soft Power“-Ansatz zur Friedenssicherung die USA ein oder zwei Dinge über die globale Politik lehren würde. Während die USA Kriege beginnen, beendet Europa sie – behauptete man.

Aber heute steht der Libanon kurz vor dem politischen Zusammenbruch, eine aufsässige Hisbollah hat sich bis zum Geht-nicht-mehr wieder bewaffnet und es gehen Gerüchte, dass ein weiterer Krieg mit Israel vor der Tür steht. Und während der Libanon weiter ins Chaos schlittert, ist die UNIFIL selbst zu einem Ziel der Versuchung geworden – so sehr, dass sie jetzt die meiste Zeit damit verbringt sich selbst zu schützen.

Was die Frage aufwirft: Was genau tun die Europäer im Libanon?

Nicht viel, sagt die UNIFIL. Was UNIFIL-Sprecherin Yasmine Bouziane am 29. August sagte, dürfte die Untertreibung des Jahres sein: Die UNIFIL-Mission „hat ihre erklärten Ziele nicht erreicht, auch nicht die, die von der UNO-Resolution 1701 diktiert wurden“. Wahrscheinlich zielte sie auf ihre europäischen politischen Herren, als sie fortfuhr: „Zu diesem Zeitpunkt kann nicht darauf verzichtet werden an die Hauptaufgabe der UNIFIL zu erinnern, die darin besteht die Sicherheit und Stabilität im Südlibanon wieder herzustellen.“ Das ist sie in der Tat.

Aber da der UNO-Sicherheitsrat gerade das UNIFIL-Mandat um ein weiteres Jahre verlängert hat, könnte dies ein guter Zeitpunkt sein einen Überblick des Zustands des europäischen Spiels im Libanon zu geben.

Sucht die Hisbollah einen weiteren Kampf?

Die meisten Analysten stimmen darin überein, dass der Auftrag der UNIFIL von Anfang an gefährdet war. Obwohl die UNO-Resolution 1701, die dem Krieg im Libanon im August 2006 ein Ende setzte, unzweideutig darin war ein Waffenembargo zu fordern, wurde von der Politik absichtlich an den Einsatzvorschriften der UNIFIL herumgebastelt, um zu verhindern, dass die Truppen aktiv nach den Waffen der Hisbollah suchten. Das Fehlen einer klaren Verpflichtung die Hisbollah zu entwaffnen ist ein Mangel, den der Iran und Syrien schnell ausnutzten. Sie haben das Arsenal der Hisbollah wieder aufgebaut, während die Europäer daneben standen und zuschauten.

Bereits im Oktober 2006 berichtete Terje Roed-Larsen, UNO-Sonderbotschafter für den Libanon: „Es sind Waffen über die Grenze in den Libanon gekommen.“ Im April sagte Walid Jumblatt, ein hochrangiger libanesischer Politiker, gegenüber dem Fernsehsender Al-Jazira, dass libanesische Sicherheitskräfte den Hisbollah-Guerillas helfen Waffen über die poröse Grenze mit Syrien zu schmuggeln. Im Juni warnte Roed-Larsen erneut den Sicherheitsrat vor einem „alarmierenden und zutiefst verstörenden Bild“ eines „beständigen Flusses an Waffen und bewaffneten Elementen über die Grenze mit Syrien“. Und im Juli berichtete die Jerusalem Post, wobei sie israelische Geheimdienstquellen zitierte, dass die Hisbollah von Syrien mehrere Hundert Mittelstrecken-Raketen erhalten hat.

Aber Waffen sind nicht das Einzige, was auf der Einkaufsliste der Hisbollah steht. Die Gruppe baut derzeit ein unabhängiges Mobilfunk-Telefonnetz im gesamten Südlibanon und Beirut auf. Kürzlich wurden unterirdische Kabel entdeckt, die neben denen des staatlichen Telefonsystems lagen – eine Entwicklung, die natürlich die Informationsbeschaffung über die Hisbollah während eines zukünftigen Krieges komplizieren würde.

Das mag erklären, warum Hassan Nasrallah, der immer wichtigtuerische Führer der Hisbollah, in letzter Zeit besonders großspurig ist. Im Juli prahlte er damit, dass die Hisbollah-Guerillas ein Raketenarsenal haben, das „jede Ecke“ des Staates Israel erreichen könne, einschließlich Tel Aviv. Und in einer Rede im August zum Jahrestag des „göttlichen Sieges“ über Israel, versprach er, der jüdische Staat würde bei einer zukünftigen Auseinandersetzung mit der Hisbollah eine „große Überraschung“ erleben.

Europäisches Appeasement?

Dabei bleiben die Europäer der Hisbollah gegenüber gleichgültig, ja sogar heuchlerisch. Einerseits hat die Hisbollah bei Mord- und Bombenanschlägen rund um die Welt reihenweise Europäer getötet. Andererseits lehnen es europäische Offizielle ab, sich den USA, Kanada und Australien anzuschließen und die Hisbollah auf ihre offizielle Liste der Terrororganisationen zu setzen – ein Zug, der der Gruppe Gelder von islamischen „Wohlfahrtsorganisationen“ in Europa entziehen würde.

Javier Solana, EU-Außenpolitik-Chef, sagte im Juni 2006, es gäbe keinen Plan die Hisbollah auf die Terrorliste zu setzen, weil die EU nicht genug Informationen habe um festzustellen, ob die Gruppe als solche bezeichnet werden sollte. Solana versucht sich zu rechtfertigen, indem er sagt, die Sache sei rechtlicher, nicht moralischer Natur. Aber im März 2005 verabschiedete das Europaparlament mit 473 zu 8 Stimmen eine Resolution, die erklärte, dass es reichlich Belege gibt, dass die Hisbollah eine Terrororganisation ist, und forderte „alle nötigen Maßnahmen, um den Terroraktivitäten dieser Gruppe ein Ende zu setzen“.

Warum nur sind die Europäer so ambivalent, wenn es darum geht das Richtige zu tun? Angst, Angst und noch mal Angst, nach Angaben von Experten einer Anhörung vom 20. Juni mit dem Titel „Adding Hezbollah to the EU Terrorist List“ (Hinzufügen der Hisbollah zur EU-Terrorliste), die vom Außenpolitischen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses gesponsert wurde. Die Europäer zögern die Hisbollah das zu nennen, was sie ist, weil sie sich vor Vergeltungsmaßnahmen gegen europäische Interessen Zuhause und in Übersee fürchten.

Die Europäer haben Angst, dass, wenn sie gegenüber der Hisbollah eine harte Linie fahren, ihre Truppen im Libanon angegriffen werden könnten. Sie haben ebenfalls Angst, dass die Hisbollah (von der gesagt wird, dass sie ihre Leute in jedem einzelnen EU-Land hat) Schläfer-Zellen aktivieren könnte, die Anschläge in Europa verüben. Und die Europäer haben Angst, dass die Tausende träger, junger muslimischer Einwanderer in Städten in ganz Eurabien aufgehetzt werden. Die Angst vor wütenden Muslimen ist in der Tat so durchdringend, dass, in praktischen Begriffen ausgedrückt, der Islam in Sachen Gestaltung der Außenpolitik in Europa bereits ein de facto-Veto hat.

Angst beherrscht auch den europäischen Friedenssicherungs-Auftrag im Libanon. In einer vorhersagbaren Wendung der Ereignisse sind die als neutrale Beobachter in den Libanon geschickten europäischen Friedenssicherer zu die wichtigsten Beschützern der Hisbollah gedreht worden – weitgehend deshalb, weil die Hisbollah-Guerillas jetzt die wichtigsten Beschützer der europäischen Friedensschützer sind. Was sagt uns das?

Nach einem Anschlag im Juni, durch den sechs spanische Friedensschützer getötet wurden, begann Spanien mit der Hisbollah zu kooperieren, um festzustellen, wer seine Soldaten tötete. Fakt ist, dass der spanische Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero, ein postmoderner Jünger des „Kults der Einbindung“, der zufällig auch tödliche Angst vor negativer Publicity in Umfragen hat, entschied die Hisbollah und auch noch den Iran zu rekrutieren, um die spanischen Truppen zu schützen – als Weg seinen eigenen Job zu sichern.

Dann telefonierte der glücklose spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos mit dem iranischen Außenminister Manoucher Mottaki; bizarrerweise pries er Irans „konstruktive und effektive Rolle bei der Lösung regionaler Krisen“. Moratinos beschrieb seine Beziehung zur Hisbollah ebenfalls als „positiv“. Tatsächlich stimmten nach einem heimlichen Treffen mit spanischen Geheimdienstlern, die angeblich versprachen, dass spanische Truppen wegsehen würden, während die Hisbollah sich für den nächsten Krieg gegen Israel bewaffnet, die Militanten der Hisbollah zu die UNIFIL-Patrouillen schützend zu „eskortieren“.

Postheroische Europäer

Warum also haben die Europäer überhaupt Truppen in den Libanon geschickt? Weil der Libanon Europas Supermacht-Moment sein sollte. Die Vereinigten Staaten lieferten den Europäern, weil sie sich im Libanon in die Zuschauerrolle zurückzogen, eine Gelegenheit sich als ehrliche Vermittler im Nahen Osten zu beweisen. Und tatsächlich waren die Europäer genau deshalb dagegen eine NATO-Streitmacht in den Libanon zu schicken, weil sie sagten, diese sei zu amerikanisch.

Die heutige UNIFIL aber, wie so vieles andere Europäische, ist leere Hülle. Sie wurde von großspurigen Europäern manipuliert, die, verbittert wegen amerikanischer Macht und amerikanischen Einflusses auf der Bühne der Welt, glauben, sie könnten sich ihren Weg zur Supermacht herbeiheucheln, indem sie einen Teil davon schauspielern.

In Beschwörung der amerikanischen Erfahrung von Beirut 1983 nahmen viele Europäer tatsächlich an, dass der Libanon beweisen würde, wie viel besser die Dinge sein würden, wenn die Welt einfach nur die Europäer die Dinge regeln lassen würde. Stattdessen zeigt der Libanon der Welt, woraus das postheroische Europa wirklich gemacht ist. Denn wenn der Libanon etwas zeigt, dann dass Angst die große Achillesferse Europas ist. In der Zwischenzeit und während die Europäer zusehen, bereitet die Hisbollah sich auf einen weiteren Krieg vor.

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Zur Zukunft Jerusalems

David M. Weinberg, BESA Center Perspectives Nr. 510, 27. Juni 2017

Westmauer in Jerusalem an Schawuot, Foto: Daniel Majewski, via Wikimedia Commons

Zusammenfassung: Ein genauer Blick auf die Lage im östlichen Jerusalem offenbart widersprüchliche Bewegungen: radikale Islamisierung vs. engere Integration mit dem jüdischen Jerusalem. Beide Trends befinden sich zugleich auf dem Vormarsch. Trotz der komplizierten Umstände, ist das vereinte Jerusalem unter ausschließlich israelischer Souveränität der Schlüssel, kein Hindernis, für Frieden und Sicherheit in der Stadt.

1. Islamisierung in Jerusalem

Das Feuerwerk und Trara des Jubiläums zur der Befreiung Jerusalems schiebt die Realitäten eienr widerspenstigen Lage in Ostjerusalem unter das Radar. Alarmglocken sollten wegen der ruchlosen Intensivierung der Einmischung der Türkei Erdoğans und anderer radikaler Islamistengruppen in die politischen und sozialen Angelegenheiten schrillen.

Details dieser dunklen Entwicklungen sind in einem gerade erstellten Expose zu finden, das von Dr. David Koren und Ben Avrahami veröffentlicht wurde, den Beratern der Stadtverwaltung Jerusalems für die Angelegenheiten im östlichen Jerusalem. Ihr Artikel „Eastern Jerusalem Arabs Between Erdogan and Israel“ (Ostjerusalemer Araber zwischen Erdoğan und Israel) wurde im neuen hebräischen Intellektuellen-Journal Hashiloach  (Band 4, Mai 2017) veröffentlicht und entstammt der intimen Vertrautheit mit dem Gestrüpp der widersprüchlichen Interessen, Spannungen und Streitereien, die über das tägliche Leben in Jerusalem informieren.

Nach Angaben von Koren und Avrahami hat es eine beträchtliche Erosion des Status der altgedienten ostjerusalemer muktare sowie des Einflusses der politischen Infrastruktur der Fatah und der Führer der PA gegeben. In das Vakuum sind mit der Hamas identifizierte Elemente getreten, im breiteren Zusammenhang zusammen mit der Nördlichen Islamischen Bewegung in Israel und der Muslimbruderschaft.

Über eine Reihe von Zivilorganisationen, gemeinnütziger Vereine und Graswurzelorganisationen, manchmal auf Nachbarschaftsebene und manchmal weitergehend, investieren sie Millionen Dollar pro Jahr in dawa-Aktivitäten (Mission) – hauptsächlich wohltätige Unternehmungen und Bildungsprogramme – um die Jugend für islamische Werte zu gewinnen.

Es gibt eine direkte Linie, sagten die Autoren des Artikels, von ziviler dawa zur Radikalisierung und aktiver Anwerbung zum bewaffneten Kampf gegen Israel. Das schließt aktives soziales Netzwerken ein, das Terroristen, Märtyrer und Gefangene verherrlicht und ausdrücklich zu gewalttätigem Widerstand gegen Israel aufruft. Diese Netzwerke waren auch die Quelle für die Verleumdung, dass die Al-Aqsa durch die Juden/Zionisten gefährdet ist, ebenso für die Verbreitung eines unfassbaren Ausmaßes an Desinformation in Verbindung zu israelischem Handeln auf dem Tempelberg.

Die Autoren fordern besondere Aufmerksamkeit für die zunehmende Verwicklung Erdoğans aus der Türkei, der weltweit der wichtigste Schirmherr der Bruderschaft ist. Die Türkei genießt heute nie bei den Einwohnern Ostjerusalems eine da gewesene Popularität, schreiben die Autoren. Die öffentliche Unterstützung palästinensischen Sache durch die Türken und die Übernahme des Themas Al-Aqsa sowie ihre Entscheidung Millionen Dollar nach Ostjerusalem zu geben, haben ihnen große Sympathie und Unterstützung eingebracht.

Die Türken finanzieren einen großen Teil der dawa-Aktivitäten in der Stadt mit Scheik Ekrima Sa’id Sabri als ihrem führendem Agenten. (Er ist ein ehemaliger von der PA ernannter Großmufti von Jerusalem und heute der prominenteste Repräsentant der Muslimbruderschaft in der Stadt.) Das türkische Konsulat in Jerusalem, die Unterstützungsagentur der türkischen Regierung, und eine Kette türkischer Organisationen, die lokale Zweige in Israel der der Westbank haben, sind ebenfalls direkt in diese subversiven Aktivitäten verwickelt. Als Ergebnis wehen heute überall in Ostjerusalem türkische Flaggen und markant auch auf dem Tempelberg.

Die Türken haben zudem beträchtliche Summen an diejenigen gezahlt, die auf ihr Geheiß auf dem Tempelberg agieren; sie sind für verschiedene Aktivitäten gezahlt, so das Rezitieren des Koran durch Gruppen, den Transport von Moscheegängern zur und von der Moschee, iftar-Festessen im Ramadan, Renovierungs- und Reinigungskampagnen und Ähnliches. Im Allgemeinen agieren islamistitsche Kräfte auf dem Tempelberg, ob nun vorsätzlich oder nicht, zum Nutzen der Türkei und zum Nachteil Jordaniens. Sie mögen glauben, die Ersetzung der jordanischen Präsenz durch einen türkische sei eine positive und willkommene Entwicklung.

Der Hauptverlierer ist Jordanien, das lange den Status des Hüters der heiligen Stätten und des Beschützers der Araber Jerusalems genoss. Das ist auch der Kontext der intensiven Aktiviäteten der PA in der internationalen Arena und besonders bei der UNESCO, vordergründig um die islamischen heiligen Stätten vor einer Übernahme durch Israel zu schützen. Diese Taktik erlaubt der PA ihren Kritikern zu übermitteln, dass sie die wahren Verteidiger der Al-Aqsa und Jerusalems gegen die Bedrohung durch „Judaisierung“ ist, während gleichzeitig an Jordaniens historischer Rolle als Hüter des Berges genagt und danach gestrebt wird der entstehenden türkischen Dominierung bei Tempelberg-Angelegenheiten entgegenzusteuern.

Die Aufmerksamkeit sollte auch einer weiteren zunehmenden Kraft in Jerusalem gewidmet werden, der Islamischen Befreiungspartei oder Hizb ut-Tahrir, die in der Stadt mehrere Tausend Anhänger hat. Wie ISIS strebt diese salafistische Gruppe an von der Al-Aqsa aus ein globales islamisches Kalifat auszurufen. Sie hat zunehmenden Einfluss auf Universitäten der gesamten Westbank gewonnen, einschließlich der Al-Quds-Universität bei Jerusalem. Scheik Issam Amira von der al-Rahman-Moschee in Beit Safafa ist der auffälligste Prediger der Gruppe und erfreut sich freier Aktivität und Rede auf dem Tempelberg.

Die Freiheitsparte tritt zwar nicht für gewalttätigen Jihad ein, aber einige Parteimitglieder könnten von einer salafistischen Denkweise zu salafistisch-jihadistischer Einstellung „fortschreiten“ und sich den Reihen von ISIS anschließen. Das könnte, sagen Koren und Avrahami, die Anwesenheit von ISIS-Zellen und ISIS-Akteuren in Jerusalem erklären, so die von Fadi al-Qunbar, der Anfang 2017 den terroristischen Ramm-Anschlag mit einen LKW in Ost-Talpiot verübte, und die ISIS-Zelle, die im Flüchtlingslager Schuafat einige Monate davor festgenommen wurde.

Kurz gesagt: Der Zerfall der palästinensischen säkularen nationalistischen Organisationen und Institutionen in Ostjerusalem, zusammen mit israelischer Erstarrung, hat den Aufstieg islamistischer Gruppen und feindlicher Akteure aus dem Ausland ermöglicht.

Die verstärkte Präsenz aus dem Ausland im Herzen der Hauptstadt Israels berührt die tiefsten Saiten der Frage israelischer Souveränität im östlichen Teil der Stadt; und diese Präsenz kann nicht einfach eliminiert werden.

Meine Schlussfolgerung daraus lautet, dass Israel energisch handeln muss, um Ostjerusalem „zurückzuerobern“. Während eindeutig beträchtliche Sicherheitsvorkehrungen und entschiedene diplomatische Manöver geboten sind, wird Israel auch die volle Verantwortung für die Dienste übernehmen müssen, die die arabischen Einwohner Ostjerusalems benötigen, mit beträchtlichen Auswirkungen auf den Haushalt des Bürgermeisters.

2. Ermutigung zur Integration in Jerusalem

Koren und Avrahami präsentieren auch eine optimistischer Seite der Lage. Entgegen der oben beschriebenen Islamisierung beschreiben sie einen dem entgegenwirkenden Trend, der unter den Arabern Ostjerusalems Auftrieb hat. Viele Araber, sagen sie, bewegen sich ihn zu mehr Integration mit der israelischen Gesellschaft.

Um das zu verstehen, muss man die Zahlen und die juristische Lage verstehen.

Es gibt in Jerusalem rund 320.000 arabische Einwohner (dazu 50.00 Einwohner von Judäa und Samaria, die illegal oder kraft Familenvereinigung in der Stadt wohnen). Sie stellen rund 37% der Bevölkerung Jerusalems und 20% der Araber innerhalb Israels Gesamtgrenzen. Mehr als 100.000 der Jerusalemer Araber leben in chaotischen Vierteln, die innerhalb der Stadtgrenzen Jerusalems, aber auf der anderes Seite des Sicherheitszauns liegen.

Die Araber Jerusalems sind relativ jung und verarmt. Nach Angaben des Nationalen Versicherungsinstituts leben 83% der Kinder in Ostjerusalem unterhalb der Armutsgrenze, bei den israelisch-arabischen Kindern sind es 56% und bei den jüdischen israelischen Kinder in Westjerusalem sind es 39%.

Die Bewohner Ostjerusalems haben den Rechtsstatus dauerhafter Einwohner, was in der Praxis derselbe Status ist wie der von Ausländern, die für eine längere Zeit in Israel leben möchten. Dieser Status gewährt ihnen das Recht in Israel zu leben und zu arbeiten, ohne dass sie Sondergenehmigungen dafür brauchen (anders als Palästinenser in Judäa und Samaria). Es berechtigt sie auch zu Unterstützung nach dem nationalen Versicherungsgesetz und dem Gesetz zur Landesgesundheitsversicherung. Als permanente Einwohner sind sie berechtigt bei Kommunalwahlen abzustimmen, aber nicht bei Landesweiten Wahlen.

Offensichtlich haben diese sozialen und Gesundheitsunterstützung einen hohen Stellenwert unter den Gründen, aus denen Palästinenser es vorziehen innerhalb der Stadtgrenzen Jerusalems zu leben, auch wenn sie andernorts preisgünstiger und besser wohnen könnten.

Ostjerusalemer Araber „sind in ein Gestrüpp an Widersprüchen verwickelt“, schreiben Koren und Avrahami. „Sie neben ihrer palästinensischen nationalen Identität neben einer beispiellosen Nachfrage nach israelischer Staatsbürgerschaft geltend; die Straßenbahn mit Steinen zu bewerfen, während sie sie nutzen; Besucher des Hadassah-Krankenhauses auf dem Skopusberg zu belästigen, aber die Betreuung wertschätzen, die Araber in seiner Klinik und auf seinen Stationen erhalten; gegen die Durchsetzung der Planungs- und Baugesetze in arabischen Vierteln protestieren, während verstärkte Polizeipräsens dort zu fordern, um die öffentliche Ordnung beizubehalten; gegen viele Erscheinungsformen der Normalisierung mit Israel zu protestieren, zusammen damit aber ein enormes Interesse daran zu haben Hebräisch zu lernen sowie eine zunehmende Vorliebe für das israelische statt dem palästinensischen Immatrikulationszeugnis zu haben…“

Koren und Avrahami glauben, dass immer mehr Einwohner Ostjerusalems begreifen, dass keine Alternative zu israelischer Kontrolle der Stadt in Sicht ist und dass es ihnen unter israelischer Verwaltung immer besser gehen wird. In der Tat stellte die jüngste Umfrage des Washington Institute in Ostjerusalem, die im Juni 2015 durchgeführt wurde, fest, dass 52% der arabischen Einwohner es vorziehen würden Staatsbürger Israels zu werden, während nur 42% bürger des palästinensischen Staats sein wollten, selbst nach einer Friedensvereinbarung.

Wie erwähnt gibt es eine enorme Zunahme bei den Zahlen von Menschen aus Ostjerusalem, die Anträge auf israelische Staatsbürgerschaft ausfüllen – 2016 mehr als 1.000. Andere Indikatoren für die Zugehörigkeit sind die vielen Programme Hebräisch zu lernen, die in Ostjerusalem in den letzten Jahren eingerichtet wurden; die steigende Vorliebe Kinder auf Schulen zu schicken, die zu israelischen Oberstufen-Qualifizierung führen; und die rasch steigende Nachfrage in Ostjerusalem nach Vorbereitungsprogrammen für die Universität, die von der israelischen Regierung bezuschusst werden.

Jerusalemer Araber haben auch enthusiastisch darauf reagiert, dass die Stadtverwaltung in Ostjerusalem Jobcenter, Bezirksräte in Stadtvierteln und ein High-Tech-Zentrum eröffnet hat.

Zusätzlich die großen Bemühungen der Jerusalemer Stadtverwaltung zur Kenntnis genommen worden, die Ungleichheiten zu reduzieren und die Niveaus der Dienste und Infrastruktur in arabischen Vierteln zu verbessern, wobei die Betonung auf Straßen (mehr als NIS 50 Millionen im Jahr) und Klassenräumen in Schulen (NIS 500 Millionen über die kommenden 10 Jahre) liegt.

„In  unseren Augen“, schreibt die Abteilung Stadtverwaltung für arabische Angelegenheiten, „sind nicht einmal die Protestdemonstrationen von Einwohnern Ostjerusalems auf dem Safra-Platz, vor dem Rathaus, keine Belästigungen, sondern ein eher willkommenes Phänomen, das eine de facto-Anerkennung, dass die Kommunalverwaltung die geeignete Adresse zur Lösung ihrer Probleme ist. Das ist die Frucht der Normalisierung.“

„Wir glauben, dass trotz ihrer nationalen Identität breite Sektoren der ostjerusalemer arabischen Bevölkerung zu einer pragmatischen Haltung zu israelischen Behörden gefunden haben. Zunehmend betrachten sie Israel nicht nur als Übeltäter, der für ihre Probleme verantwortlich gemacht werden muss, sondern als die einzig mögliche Quelle zur Lösung ihrer Probleme und gegen ihrem Leben eine neue Richtung.“

„Es gibt viele Palästinenser in Ostjerusalem, die ein entscheidendes Level an Ausnutzung der Vorteile erreicht haben, die von der westlichen Hälfte de Stadt angeboten werden; heute möchten sie an der israelischen Gesellschaft tiefergehend teilnehmen – von ihr lernen, sich mit ihr vermischen und sich ihr sogar anschließen. Ein Ausdruck davon ist die zunehmende Zahl ostjerusalemer Teenager, die nach der Oberschule Zivildienst leisten.“

Koren und Avrahami argumenteiren, dass Israel in diese verheißungsvollen Trends investieren muss, denn sie haben strategische Konsequenzen sowohl für die Einheit der Stadt als auch ihrer Sicherheitslage. „In ein oder zwei Jahrzehnten werden die Teenager, die sich heute stärker in der israelischen Gesellschaft engagieren, die Pragmatisten sein, die die palästinensische Gesellschaft moderater machen.“

Während der aktuellen Rund an Gewalt, vermerken sie, gingen Lehrer und Rektoren auf die Straße, um ihre Schüler dazu zu bringen ihre Emotionen zu bremsen und Angriffe auf Unschuldige, Araber wie Juden, zu vermeiden. „In weiteren zehn Jahren werden sich diesen Lehrern vielleicht Geschäftsleute, Gemeindeaktivisten und Kulturschaffende anschließen, die bemüht sind gegenseitigen Respekt und Sensibilität für die turbulente Realität Jerusalems einbringen.“

3. Warum Jerusalem nicht geteilt werden kann

Vorschläge zur politischen Teilung Jerusalems sind Legion und werden international mit wenig Bezug zur Realität ständig wiederholt. Diese Pläne werden mit einem Auge darauf entwickelt Stückchen der Stadt zugestatten die Hauptstadt eines Palästinenserstaats zu werden; und für einige Israelis sind solche Pläne auch dazu gedacht, dass Israel die problematischen Teile des östlichen Sektors los wird.

Eine gründliche Betrachtung dieser Vorschläge führt zu dem Schluss, dass sie undurchführbar, unklug und vor allem ungerechtfertigt sind.

Der schlimmste Plan ist der des ehemaligen Knessetabgeordneten Haim Ramon (von den Parteien Avoda und Kadima) für einen einseitigen israelischen Abzug aus 28 vorwiegend arabischen Vierteln in Ostjerusalem. Ramon will, dass Israel herzlos 200.000 Araber aus dem israelischen Jerusalem ausschneidet und eine sehr große, undurchlässige Mauer zwischen den beiden Teilen der Stadt baut.

Das wird Israel rund drei Milliarden israelische Schekel (€400.000.000) an Dienstleistungen für die abschnittenen Araber ersparen, argumentiert Ramon, zudem den Anteil an Arabern im jüdischen Jerusalem von 40 auf 20 Prozent drücken.

Ramons Vorschlag für die einseitige, brutale Teilung der Stadt erinnert misstönend an den katastrophalen Abzug aus dem Gazastreifen, vielleicht zusätzlich mit Alligatoren in einem Jerusalemer Festungsgraben und Todeszonen nach Berliner Art auf beiden Seiten der Grenze.

Die üble Idee würde zweifellos zu einer schlimmstmöglichen Sicherheitslage führen. Das kriegerische Spalten Jerusalems in arabische und jüdische Souveränität würde die Stadt in einen Kampf stürzen. Jerusalem würde zum Zentrum der Zielscheibe radikal-islamischer Fantasien; eine Stadt, die Belfast in seinem schlimmsten Zustand wie ein Paradies aussehen lassen würde.

Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass jeder Teil Jerusalems unter arabischer Herrschaft ohne eine israelische Sicherheitspräsenz sofort ein Ground Zero für die erbitterten Kriege werden würde, die innerhalb der arabischen Welt über islamischen Lebensstil, Ideologie und Legitimität geführt werden.

Jeder dieser Kräfte wird anstreben ihre Überlegenheit zu beweisen und ihre Legitimität zu stärken, indem sie die Kontrolle gewinnt und dann Westjerusalem angreift. Welche bessere Möglichkeit sollte es geben die Loyalität der islamischen Sache gegenüber zu beweisen, als die israelische Rumpfpräsenz in der Stadt (einschließlich der Altstadt) von einer Operationsbasis aus, die aus Ramons brillanter Barriere sprießt?

Ramons Plan ignoriert zudem das strategische Argument, dass volle israelische Kontrolle über den Großraum Jerusalem der Dreh- und Angelpunkt für die Großsicherheitslage des Landes ist.

So haben Generalmajor (a.D.) Gershon Hacohen und Professor Efraim Inbar vom BESA-Zentrum geschrieben, dass Jerusalem der Anker der entscheidenden West-Ost-Achse ist, die von der Küstenebene zum Jordan verläuft.

Israels langfristiger Zugriff auf den strategischen Bogen von Jaffa nach Jericho, machen sie geltend, erfordert israelische Vorherrschaft in und um Jerusalem. Das könnte durch Besiedlung von E-1, die Erweiterung von Ma’ale Adumim nach Osten und die Verstärkung der militärischen und zivilen Präsenz Israels durch Unterhalt einer verteidigungsfähigen Grenze im Jodantal untermauert werden.

Ein anderer Plan, der sich der Unterstützung verschiedener politischer palästinensischer Elemente erfreut, würde die Stadt in unabhängig Bezirke mit getrennten palästinensischen und israelischen Gemeinde neuordnen.

Keine physische Barriere würde die beiden Teile der Stadt trennen und einen gemeinsame Behörde würde die beiden Rathäuser koordinieren. Irgendwie würde die Gesamtsicherheit in der Hand der Israelis bleiben.

Koren und Avrahami glauben, dass die stärkste Opposition gegen diesen Vorschlag von den Jerusalemer Arabern selbst geäußert werden wird – die die palästinensische Autonomiebehörde als korruptes und gescheitertes Regime betrachten, das keine Verpflichtung kennt ihre Bürger zu versorgen.

Sie haben den Verdacht, dass die Jerusalemer Araber in einer solchen Situation aus der östlichen in die westliche Hälfte der Stadt fliehen würden, um ihre israelische Gesundheits-, Bildungs- und Sozialversicherungsleistungen zu behalten und die kulturellen und politischen Freiheiten Israels weiter zu genießen.

Sie argumentieren, dass der Plan der „zwei Kommunalverwaltungen“ auch deshalb nicht funktionieren würde, weil es die gemeinsamen Routinen des täglichen Lebens ignoriert, die sich im vereinten Jerusalem in Bereichen wie öffentlichem Nahverkehr, Arbeitsplätze, Gesundheitsversorgung und Einkaufen entwickelt haben. Das macht kommunale Teilung sperrig und unfair, wenn nicht unmöglich.

„Ein Blick auf den Stadtplan verdeutlich, dass arabische und jüdische Viertel miteinander verzahnt sind und manchmal nur ein paar Meter auseinander liegen; oft leben sie von derselben kommunalen Infrastruktur. Das Jerusalemer Straßenbahnsystem ist aus genau dem Grund ein gutes Beispiel für diese Realität, weil es als Symbol der Nützlichkeit einer geeinten Stadt gelegentlich einem Steinhagel von palästinensischen Aufrührern ausgesetzt ist.

Berücksichtigt man all dies, dann ist es erstaunlich, dass viele internationale Beobachter immer noch annehmen, Jerusalem zu teilen werde zu Wohlstand für die Stadt und zu Frieden zwischen Israelis und Palästinensern führen.

Wahrscheinlicher stimmt das Gegenteil: Eine geteiltes Jerusalem wird sterben und zu Gewalt führen, die der Stadt auf jede Art das Herzblut aussaugen wird – kulturell, religiöse, wirtschaftlich und sonst.

Folglich sollte Israel jeden unverfroren daran erinnern, dass es die vergangenen 50 Jahre lang die komplizierte Stadt mit Erfahrung und Sensibilität zu verwalten. Es hat die Stadt klug aus Rückständigkeit in eine wahrlich strahlende internationale Hauptstadt entwickelt, die vor Energie und Kreativität sprudelt  – offen für alle.

Israel sollte vielleicht sogar unverblümter sein und Kernwahrheiten wie diese aussrepchen: Israel hat Jerusalem als attraktive Stadt entwickelt, weil es sich kümmert; weil Jerusalem das historische Herzstück des jüdischen Volksseins und des modernen Staats Israel ist.

Die Araber und Palästinenser jedoch scheren sich nicht um Jerusalem; haben sie nie. Fakt ist, dass sie es als Triumph betrachten würden, wenn Jerusalem durch Konflikt und Armut derart zerbrochen würde, dass es für die nächsten 1000 Jahre zerstört wäre – gerade so lange, wie es für die Juden verloren sein würde.

Kurz gesagt: Ein vereinten Jerusalem unter ausschließlich israelischer Souveränität ist der Schlüssel, kein Hindernis, für Frieden und Sicherheit in der Stadt. Die gewalttätige Zweiteilung Jerusalems wäre offenkundig unklug, äußerst unfair der jüdischen Geschichte gegenüber und eine unzumutbare Beleidigung für die ausgezeichnete Führung der Stadt.

Leserbrief an Ha’aretz

Samstag, 5. April 2003

Betr.: Artikel „Unsung Heroes“ (Unbesungene Helden) in Ha’aretz, 03.04.03

Schalom,

ich möchte einige Gedanken und Eindrücke bezüglich Aviv Lavies Artikel „Unbesungene Helden“ (Ha’aretz Magazin, 03.04.03) äußern. Ich las diesen Artikel mit großem Interesse, denn vor nicht langer Zeit (am 22. März) hörte ich den Vortrag einer israelischen Friedensaktivistin, Menschenrechtsaktivistin und Empfängerin des Alternativen Nobelpreises. Ihr Name ist Felicia Langer. Sie war auf Einladung einer linken Partei namens „Linke Liste/Friedensliste“ in Freiburg. Der Vortrag mit dem Titel „Quo vadis, Israel?“ fand in einer Kirchengemeinde statt.

Wegen des Titels, wegen der Beschreibung Langers (Friedensaktivistin, Menschenrechtsaktivistin usw.), wegen der Organisatoren (einer politischen Partei, die das Wort „Frieden“ in ihrem Namen und in ihrem Programm trägt) und wegen des Veranstaltungsortes (einer christlichen Kirche, die als Ort des Friedens und der Versöhnung betrachtet wird) ging ich mit folgenden Erwartungen in diesen Vortrag: Langer würde eine kurze, objektive Darstellung der geschichtlichen und gegenwärtigen Lage in Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten geben und – gegründet auf dieser Darstellung – einen konstruktiven, praktischen, pazifistischen Ausblick auf Israels Zukunft geben, unter Einbeziehung der arabischen Nachbarn Israels.

Entgegen meiner Erwartungen präsentierte Langer allerdings folgendes: eine Anklageschrift gegen den Staat Israel und die meisten seiner Bürger (sie ließ die verschiedenen israelischen Friedensgruppen außen vor)!

Meiner Meinung nach war es eine Anklageschrift, die einer Juristin (die Langer angeblich ist) unwürdig ist, denn sie war angefüllt mit Lügen, Indizien, äußerst einseitigen geschichtlichen und gegenwärtigen Fakten und vielen Emotionen. Deswegen erinnerte mich Langers Anklageverfahren sehr stark an eine Art Schauprozess, in dem der Ankläger eine starke Abneigung gegen den Beschuldigten hegt (aus diesem oder jenem Grund, der nur dem Ankläger selbst bekannt sein mag). Und dieses Gefühl der Abneigung lässt den Ankläger wünschen, dass der Beklagte unbedingt verurteilt wird, also führt der Ankläger – in niederträchtiger Weise – nur diejenigen Punkte an, die gegen den Angeklagten sprechen!

Ich könnte Dutzende Beispiele anführen, die zeigen, warum ich mich während dieses Vortrags an einen Schauprozess erinnert fühlte. Lassen Sie mich bitte wenigstens drei erwähnen (sie entstammen einem Protokoll, das ich während des Vortrags schrieb):

  1. Am Anfang ihres Vortrags sagte Langer, sie verurteile palästinensischen Terror, aber jedermann müsse diesen Terror verstehen und denjenigen, die ihn noch nicht verstünden, wolle sie an diesem Abend beweisen, dass der palästinensische Terror nur durch die israelische Politik der Zerstörung, der Folter und der Zermürbung der Palästinenser verursacht werde. Langer erwähnte, dass palästinensische Kinder den Wunsch haben Israelis zu töten, eine Tatsache, die als Beweis gewertet werden müsse – so sagte sie -, dass israelische Politik den Weg zu Hass und Gewalt ebne. (Sie sagte kein einziges Wort über die jahrelang andauernde Hetze gegen Israel in palästinensischen Schulbüchern, Moscheen usw.!)
  2. Langer erklärte, dass es keinen arabischen Antisemitismus gebe! Es gebe arabischen Hass auf Israel, aber keinen arabischen Antisemitismus, wiederholte sie. Und wenn die israelische Besatzung vorbei ist, wird auch der arabische Hass vorbei sein. (Kein einziges Wort zu der Tatsache, dass es arabischen Hass gegen Israel schon vor der israelischen Besatzung gab! Und kein einziges Wort über Dutzende antisemitischer Karikaturen in arabischen Zeitungen!)
  3. Langer listete die jüngsten palästinensischen Opfer der Intifada auf und informierte die Zuhörer, dass sie die israelischen Opfer nicht auflisten könnte, weil es – nach ihren Worten – keine Statistik über die israelischen Opfer gäbe! Sei fügte hinzu, dass sie keine Statistik dazu habe, weil keine Statistik veröffentlicht sei!

Ich muss zugeben: Ich war tief erschüttert über all diese Lügen und einseitigen Fakten. Langers Erklärungen verursachten – fast von Beginn an – eine aufgeladene und gespannte Atmosphäre unter den Zuhörern (rund 130 Personen), was sich durch viele Zwischenrufe bemerkbar machte. Während bei der Mehrheit Hass und Aggression gegen Israel wuchsen, wuchsen bei der Minderheit Hass und Aggression gegen Langer. Was mich aber noch mehr als Langers Äußerungen schockierte, war die Diskussion, die dem Vortrag folgte:

In dieser aufgeheizten Atmosphäre wagten etwa zehn Personen Langers tendenziösen Vorwürfen zu widersprechen. Sie versuchten, dies durch die Anführung objektiver Fakten und durch Fragen zu diesen Fakten zu tun. Ich kann sagen, dass ich bereits bei mehreren Vorträgen, Diskussionen und Foren zum Thema „Nahost-Konflikt“ war. Aber bei keinen, die von einer Friedenspartei und einem Friedensaktivisten veranstaltet wurden. Ich muss betonen, dass ich bei keinem bisherigen Vortrag ein Verhalten erlebt habe, wie dieses furchtbare einer sogenannten Friedenspartei und einer sogenannten Friedensaktivistin, das den kritischen Fragen dieser etwa zehn Personen folgten. Lassen Sie mich dieses Verhalten – wieder an drei Beispielen – beschreiben:

  1. Bezüglich Langers Erklärung, dass Israel UN-Resolutionen genauso wie der Irak verletze, stellte ein Mann aus dem Publikum eine Frage zu den unterschiedlichen Arten der UN-Resolutionen. Zur Erklärung seiner Frage sagte er, er habe gehört, dass es verschiedene Arten gibt; die UN-Resolutionen bezüglich des Irak gehörten unter Paragraph VII, was bedeutet, dass sie bindend sind, während diejenigen bezüglich Israel andere UN-Resolutionen seien, die nicht verbindlich sind wie im Fall des Irak. Der Mann wollte noch etwas hinzu fügen, aber die Mehrheit des Publikums begann ihn so laut auszubuhen, dass er schlicht und einfach nicht in der Lage war weiter zu sprechen. Langer ignorierte seine Frage und beantwortete sie nicht.
  2. Ein anderer Mann begann seine Frage an Langer, indem er sagte: „Entschuldigen Sie, Frau Langer, aber ich bin der Meinung, dass Sie emotional argumentieren und nicht historisch…“ Langer unterbrach ihn und sagte: „Sie sind frech und arrogant!“ Und sie ließ ihn – unterstützt von den Zwischenrufen der Mehrheit des Publikums – seine Frage nicht zu Ende führen.
  3. Ein dritter Mann (und lassen Sie mich hinzu fügen, dass er ein Israeli ist, der in Freiburg studiert) sagte Langer: „Während Ihres Vortrags erwähnten sie nur, wie schlecht die Israelis sich gegenüber den Palästinensern verhalten. Ich kann bestätigen, dass Israelis eine Menge schlechter Dinge taten und tun. Aber nicht nur schlechte. Warum haben Sie z.B. nicht mit einem einzigen Wort erwähnt, dass viele Palästinenser seit dem Beginn der israelischen Besatzung auch zu einigem Wohlstand gelangten, dass sie eine Infrastruktur bekamen, Universitäten und mehr, was sie vor 1967 unter arabischer Besatzung nicht hatten?“ Langer antwortete zynisch: „Was wollen Sie mit dieser Frage sagen? Mir scheint, Sie wollen sagen, die Palästinenser seien vor 1967 ein primitives Nomadenvolk gewesen!“ Der Mann wollte dem widersprechen, konnte aber kein einziges Wort sagen, weil die Mehrheit des Publikums Langer applaudierte und den Fragenden dann auszubuhen begann. Dem Mann war es nicht möglich etwas anderes zu tun als zu rufen: „Nennen Sie mir den Namen einer palästinensischen Universität vor 1967!“ Langer antwortete nicht; stattdessen sagte sei, nachdem das Publikum sich etwas beruhigt hatte: „Wir müssen am Anfang beginnen. Bevor die Juden nach Palästina kamen, war es ein fruchtbares Land…“ Eine Frau rief dazwischen: „Das ist eine Lüge!“ Langer ignorierte diesen Zwischenruf und sagte zu dem Israeli: „Sie wissen überhaupt nichts!“ Der Mann wiederholte: „Nennen Sie mir den Namen einer palästinensischen Universität vor 1967!“ Lange nannte keine und die Mehrheit des Publikums begann wieder den Frager auszubuhen. Schließlich erklärte Langer: „Früher war die Lage in Palästina gut, heute ist sie eine Katastrophe. Wenn Sie etwas über die Lage wissen wollen, können Sie folgende Bücher lesen“ Und sie empfahl verschiedene Bücher von palästinensischen Autoren (nicht ein einziger israelischer Autor war dabei).

Ich könnte viele weitere Dinge anfügen, die in diesen zweieinhalb Stunden passierten, z.B. dass Langer Fragen der „antiisraelischen“ Seite auf ganz andere Art beantwortete, nämlich höflich und nicht auf erniedrigende, arrogante Art… Aber ich möchte hier enden und nur noch einen Abschnitt anfügen.

Ich kenne all die anderen Friedensaktivisten nicht, die Lavie in seinem Artikel angeführt hat. Das heißt, ich habe natürlich dies und das über sie gehört/gelesen, besonders über und von Uri Avnery, aber ich bin nie auf einem Vortrag gewesen, den sie gegeben haben. Daher kann ich nicht sagen, ob sie in ihrem Verhalten ähnlich sind wie Langer oder nicht. Aber die Erfahrung, die ich mit der Friedensaktivistin Langer und einer deutschen Friedenspartei in einer christlichen Kirche in Deutschland gemacht habe, sind bereits ausreichend, um mir sehr deutlich zu machen, warum die israelische Öffentlichkeit diese sogenannten Friedensaktivisten und Menschrechtsaktivisten ignoriert! Abgesehen von dem Eindruck, dass diese deutsche Friedenspartei „Linke Liste/Friedensliste“ von Frieden und friedlichem Gespräch weit entfernt zu sein scheint; und abgesehen von der Feststellung, dass eine christliche Kirche viel mehr ein Ort des Hasses und der Aggression war als ein Ort des Friedens und der Versöhnung, muss ich sagen, dass Langer es meiner Meinung nach nicht wert ist, die Titel „Friedensaktivistin“ und „Menschenrechtsaktivistin“ zu tragen; denn anstatt Frieden zu aktivieren, aktiviert sie Hass und Aggression; und die Art, wie sie Menschenrechte verteidigt, ist einseitig, denn in Bezug auf ihre Kritiker und in Bezug auf Israel und die meisten israelischen Bürger kennt sie offensichtlich nicht den ersten Paragraphen der Menschenrechtsgesetze, der besagt: die Würde aller Menschen muss respektiert werden (nicht nur die einiger weniger).

Last, but not least möchte ich meiner Besorgnis über die Tatsache Ausdruck geben, dass anti-israelische Israelis in aller Welt tatsächlich sehr willkommen sind. Die Menschen scheinen begierig zu sein, solche Lügen und tendenziösen antiisraelischen Fakten zu hören. Das ist etwas, was nachdenklich machen sollte – um in der Lage zu sein, auf dieses Phänomen angemessen reagieren zu können.

Mit freundlichen Grüßen

Andrea L., Freiburg

Wenn eine christlich-ökumenische Organisation Israels Sünden beichtet

Dexter Van Zile, Israel HaYom, 9. Oktober 2016

In ein paar Tagen werden sich Juden weltweit in Syngogen versammeln, um am Feiertag Yom Kippur für ihre Sünden zu büßen. Sie werden 25 Stunden lang fasten, beten und hoffen, dass, bis sie sich hinsetzen und ihre Fast mit einem feierlichen Mahl beenden, sie von ihren Sünden gereinigt und auf die Stufe von Engeln erhoben sind.

Dieses Jahr können Juden, die Probleme haben ihre Sünden zu identifizieren, für die sie Buße tun müssen, die Internetseite des Ökumenischen Rats der Kirchen [Weltkirchenrat] konsultieren; das ist eine der vielen christlichen Organisationen, die Geschichten und Bilder von sich im Heiligen Land schlecht verhaltenden Juden sammeln und dann diese Geschichten und Bilder an ihrer christlichen Anhänger weltweit versenden.

Der ÖRK tut diese Arbeit in einer erklärten Anstrengung, um Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu fördern, doch offiziellen Vertretern des Rats ist es reichlich egal, ob Juden in Israel und dem Rest der Welt ihr Material für Selbstgeißelung verwenden. Es würde sie glücklich – richtig glücklich – machen zu sehen, dass Juden in den Chor der Verdammung des jüdischen Staates einfallen.

Ein Ort, den man sich auf der Internetseite des ÖRK ansehen sollte, ist der Teil, der seine Weltwoche für Frieden in Palästina und Israel bewirbt, die jedes Jahr im September stattfindet.

Dieses Jahr hat der ÖRK sich selbst übertroffen und eine liturgische „Werkzeugkiste“ produziert, die Christen nutzen können, um den Fokus ihrer Aufmerksamkeit auf die Sünden des jüdischen Staates zu richten. Das nennt sich „Barrieren abbauen“ und ist eine offensichtliche Bezugnahme auf die Sicherheitsbarriere, die im Verlauf des letzten Jahrzehnts tausende Leben – sowohl israelisches wie palästinensisches – gerettet hat.

Das Eröffnungsgebet bitte, dass „unsere gemeinsamen Gebete um Frieden, Gerechtigkeit und Gleichheit die Kraft der Liebe sind, mächtig genug, um die Art zu verändern, wie wir mit unseren Nachbarn umgehen und die Trennmauer zu Fall zu bringen.“

Es gibt in dieser Liturgie nichts dazu die Klingen in den Händen von Terroristen zu bändigen, die während der aktuellen Messer-Intifada auf Männer, Frauen und Kinder einstachen, die jeer Menge Israelis das Leben kosteten. Auch gibt es keinen Verweis auf die antisemitische Hetze, die im palästinensischen Fernsehen sowohl im Gazastreifen als auch in der Westbank ausgestrahlt wird und die die palästinensischen jungen Leute ermutigt ihr Leben mit Selbstmordangriffe zu vergeuden.

Im „Wechselgebet der Beichte“ wird es nicht viel besser. Es ist keine wirkliche Beichte von Sünden seitens der Christen, die das Gebet lesen, sondern in Wirklichkeit eine Liste von Vorwürfen gegen Israel, verkleidet in eine christliche Beichte von Sünden.

Das Gebet beschuldigt Israel implizit palästinensisches Wasser zu stehlen, wenn es darin heißt: „Du gabst reichlich Wasser und Essen für alle, aber Menschen horten es für sich selbst.“ In diesem Zusammenhang wissen die Leser, dass „Menschen“ in Wirklichkeit „diese verdammten Israelis“ bedeutet.

Wenn das Gebet ehrlich wäre, würde es Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, dass die Israelis die Wasserproduktion und das Leitungssystem in die Westbank verbessert haben – und als Ergebnis davon der Wasserverbrauch pro Kopf für die Palästinenser in dieser Gegen seit 1967 zugenommen hat. Aber wie bei der Yom Kippur-Liturgie geht es in diesem Gebet um das Beichten der Sünden von Juden, nicht der von irgendjemandem sonst.

Zur Liturgie gehört auch ein Zeugnis palästinensischen Einwohners von Beit Jala, der von den Problemen spricht, die er hat um einen Checkpoint zu passieren, damit er zu seiner Arbeit in Jerusalem kommen oder seine Frau in ein Krankenhaus in Jerusalem bringen kann. „Ich kann mich noch daran erinnern, dass es keine Mauern gab“, berichtet Bassam. „Es war leicht für uns, uns frei zu bewegen, andere zu besuchen, an Gebeten in Kirchen teilzunehmen, Verwandte in Jerusalem oder Nazareth zu besuchen. Es war leicht diese Beziehungen aufrechtzuerhalten. Heute haben wir unsere Verwandten seit Jahren nicht gesehen.“

Es gibt eine Menge israelischer Juden, die ihre Verwandten seit Jahren nicht gesehen haben, weil sie während der zweiten Intifada von Selbstmordbombern getötet wurden, aber aus irgendwelchen Gründen werden diese Verluste nicht erwähnt.

Bei all ihrer Heuchelei für Frieden, Aussöhnung und Reue zu werben, ist die Liturgie des ÖRK nur ein weiteres Dokument, das Christen eine Vorwand liefert die Sünden des jüdischen Staates zu beichten, auch noch in der Kulisse einer Kirche.

Wir haben von dieser Art des Verhaltens im Verlauf der Kirchengeschichte genug gesehen und doch geht es weiter.

Manches ändert sich eben nie.
s. zum ÖRK und der Weltwoche des Friedens auch Dexter van Ziles Artikel „Die anhaltende Anti-Israel-Besessenheit des Weltkirchenrats

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (24.-30. Juli 2016)

Montag, 25.07.2016:

Die Familie von Avra Mengistu (der von der Hamas im Gazastreifen festgehalten wird) und einige Aktivisten verzögeten, dass Verwandte von in einem Gefängnis einsitzenden Terroristen die Häftlinge besuchen können, indem sie die Zufahrt blockierten und Flugzettel an sie verteilten.

Dienstag, 26.07.2016:

Heckmeck:
– Der Generalsekretär der Arabischen Liga sagte zum Abschluss des Gipfels in Mauretanien, dass die Liga die französische Friedensinitiative unterstützt.

Mittwoch, 27.07.2016:

Im Verlauf der Aktion zur Festnahme der Mörder von Rabbi Michael Mark wurde eine Hochspannungsleitung beschädigt, was zu Stromausfällen im Gush Etzion führte. Dadurch bedingt fielen auch Wasserpumpen aus und die Einwohner hatten eine Zeit lang kein Wasser.

Der Chef von Gush Shalom schließt sich Jibril Rajoubs Forderung an israelische Fußballvereine aus Judäa und Samaria aus der israelischen Fußballliga auszuschließen, weil sie „auf palästinensischem Land agieren“. Sie benötigten die Erlaubnis der palästinensischen Fußballliga, um in Israel spielen zu dürfen und hätten diese nie beantragt.

Donnertag, 28.07.2016:

In Sderot wurde ein Projekt abgeschlossen, mit dem Häuser der Einwohner gegen Raketenbeschuss verstärkt wurden. Bei der Feier zur Fertigstellung sagte Premierminister Netanyahu, die Spielregeln hätten sich geändert; aber Angriffe aus dem Gazastreifen auf Israel würden der Hamas Vernichtung bringen.

Freitag, 29.07.2016:

Seit Anfang des Jahres wurden in arabischen Orten im Norden Israels jede Menge Waffen sichergestellt, darunter 73 Gewehre und verschiedene Sturmgewehre, 69 Pistolen und 86 Granaten unterschiedlicher Typen, außerdem 26 Sprengsätze, 81 Brandsätze, tausende Kugeln unterschiedlicher Kaliber und viel weitere Material für Sprengsätze.

Heckmeck:
John Kerry wird sich morgen in Paris mit Mahmud Abbas treffen, um Fortschritte zu einer Zweistaatenlösung zu diskutieren.

Samstag, 30.07.2016:

Omar al-Baschir ist der Präsident des Sudan und das einzige Staatsoberhaupt der Welt, für das ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs vorliegt. Mit diesem Mann, hat Mahmud Abbas stolz verkündet, gibt es jetzt vier Abkommen geschlossen: für politische Konsultationen zwischen den beiden Regierungen, eine Konvention zu einem gemeinsamen ministeriellen Komitee, ein Protokoll zu politischen Konsultationen und eine Konvention zu allgemeiner Bildung, kultureller und akademischer Kooperation im Bereich der höheren Bildung. Die Vereinbarungen sollen zur Stärkung der Beziehungen und zunehmender Kooperation zwischen beiden Ländern führen. Mahmud Abbas – ein Verbrecher, der sich mit einem anderen Verbrecher zusammentut.