Palästinenser sagen jetzt, ihr wichtigster Schrein ist – die Westmauer!

Elder of Ziyon, 9. Februar 2020


Dieser Ausschnitt stammt vom Anfang eines Artikels auf der Internetseite der Fatah; darin wird jegliche jüdische Verbindung zu Jerusalem bestritten, dafür wird behauptet, es gebe uralte palästinensische Bande.

„Hunderte Millionen Muslime überall auf dem Globus haben keinen Zweifel, dass Palästina seit Ewigkeiten arabisch und dass Jerusalem seine ewige Hauptstadt ist … und dass Palästina ohne Jerusalem keinen Sinn macht, Jerusalem ohne die Al-Aqsa-Moschee keinen Sinn macht, die Al-Aqsa-Moschee ohne die Al-Buraq-Mauer keinen Sinn macht…“

Die „Al-Buraq-Mauer“ ist das, wie die Palästinenser die Kotel, die Westmauer erst seit dem vergangenen Jahrhundert genannt haben. Davor gab es keinen Konsens dazu, welche Mauer um den Tempelberg die sein sollte, an der Mohammed angeblich seine Nachtreise begann, obwohl Hinweise stark auf die Südmauer mit ihrem Doppeltor hindeuten, wie es 1932 von Charles D. Matthews beschrieben wurde:

Die Beweise von Muqaddasi (985 n.Chr.), einem Bürger Jerusalems, spricht fraglos für die südliche Position. Muqaddasi spricht von den „Zwei Toren des Propheten“, Babai an-Nabi, auf eine Art, die die Identifikation mit dem Doppeltor recht positiv macht. Die Beschreibung von Nasir-i-Khusrau, einem persischen Historiker, der Jerusalem 1047 n.Chr. besuchte, ist recht fesselnd. Er sagt (zitiert vom englischen Forscher Le Strange in dessen sehr vorzüglichen Buch „Palestine Under the Moslems“, S. 178): „So eins (Tor) wird Bab an-Nabi genannt (oder Tor des Propheten) – Friede und Segen sei mit ihm; es öffnet sich hin zum Qiblah-Punkt, nach Süden (gegen Mekka) … Der Prophet  … ging in der Nacht seines Aufstiegs in den Himmel über Edle Heiligtum durch diese Passage, denn das Tor öffnet sich auf die Straße von Mekka.“ Was könnte klarer sein?  Und das von einem Einwohner Jerusalems und angesehenen Historiker!

Auf die eine oder andere Art würde kein Muslim je sagen, dass die Buraq-Mauer heiliger sei als die Al-Aqsa-Moschee. Zu sagen, dass die Moschee ohne die Kotel keine Bedeutung hat – der eine Ort, den Juden Jahrhunderte lang verehrt haben, als ihnen der Besuch auf dem Tempelberg selbst verboten war – ist ein eindeutiger Beweis, dass das gesamte palästinensische Narrativ eine Serie an Lügen ist.

Gibt es deutlichere Belege, dass der gesamte palästinensische Anspruch nicht dazu dient irgendwelche historischen oder juristischen Rechte aufrecht zu erhalten, sondern jüdische Rechte zu zerstören? Buchstäblich jeder jüdische Schrein im Heiligen Land wird von Palästinenser als der ihre beansprucht, ein Mordszufall. Und sie haben lautstark gesagt, dass auch die Kotel ihnen gehört, das palästinensische Fernsehen erzählte seinen Zuschauern gerade erst, dass die Palästinenser ihre Rechte an dem Ort mit ihrem Leben verteidigen müssen.

Der Rest des Fatah-Artikels ist mit solchen Lügen angefüllt, wie in diesem Abschnitt im ersten Absatz, wo es heißt: „Die Geschichte beweist, dass Palästina mit seiner Hauptstadt Jerusalem arabisch ist, bevor der erste Jude (Josua Ben-Nun) seinen Fuß darauf setzte.“ Die Palästinenser behaupten jetzt, sie würden von den Jebusitern abstammen, einem Stamm, für dessen Existenz außer in den jüdischen Schriften keinerlei Beweise existieren und für die es keinen Beweis gibt, dass sie Araber waren.

Über die offensichtliche Tatsache hinaus war Jerusalem nicht die Hauptstadt irgendeiner anderen Nation außer Israel/Judah und ein „Palästina“ gab es nie.

Palästinenser zeigen Bilder aus der Zeit des Holocaust als Fotos „israelischer Massaker“

Elder of Ziyon, 14. September 2017

Tomer Ilan machte auf Facebook eine erschreckende Entdeckung:

Palästinensische Medien präsentieren fälschlich Holocaust-Bilder als Bilder aus dem israelisch-palästinensischen Konflikt. Meine Recherchen habe Dutzende von Fällen aufgedeckt, in denen palästinensische und arabische Publikationen, darunter auch Mainstream-Zeitungen, Bilder aus den Nazi-Konzentrationslagern des Zweiten Weltkriegs veröffentlichen, die sie fälschlich als Ereignisse bezeichnen, die im Nahost-Konflikt auftraten.

Tatsächlich ist dieses Bild aus dem Gestapo-KZ Mittelbau-Dora in arabischen Medien als Beweis für israelische Massaker benutzt worden. Das Lager war nicht in erster Linie für Juden gedacht, obwohl tausende Juden, darunter Frauen und Kinder, gegen Ende des Krieges dorthin geschickt wurden und auf dem Weg viele starben und im Lager selbst verhungerten.

Al-Quds, die offizielle PA-Zeitung, sagt, dies sei ein Bild, das Kafr Qasim im Jahr 1956 zeigt. (autoübersetzter Screenshot).

Qudsn.ps sagt, das Foto sei aus Tel Zaatar im Libanon im Jahr 1976.

Karam Press, die Nachrichtenseite Shasha.ps und viele andere Internetseiten bezeichnen dieses Foto als Deir Yassin (autoübersetzter Screenshot):

Al Ghad TV sagt, es handelt sich um ein Foto aus Sabra und Shatila im Libanon:

Die schon widerliche, von palästinensischen Arabern und ihren antisemitischen Verteidigern regelmäßig betriebene Holocaust-Umkehr (bei der Juden beschuldigt werden genauso schlimm wie die Nazis zu sein) wird hier noch grotesker, weil diese Bilder den Holocaust komplett ausgelöscht und durch Palästinenser als Opfer ersetzt werden.

Dem verlogenen Kartensatz etwas entgegenhalten

Wir kennen die verlogene Landkartenserie der angeblichen „Verluste“ von „palästinensischem“ Land an die ach so landgrabschenden Juden zur Genüge. Sie wird weiterhin verbreitet und damit nicht weniger eklig und verlogen.

Dass dem allein mit Worten nicht beizukommen ist, kann man sich vorstellen. Bilder prägen sich ein. Im oben verlinkten Text war schone in Bild enthalten, das in der Entlarvung der Lügenlandkarten untergegangen sein könnte. Hier ist es noch einmal, diesmal eingedeutscht. Es zeigt, welche Gebiete die Araber, die sich heute „Palästinenser“ nennen, tatsächlich kontrollierten:

Palästinenser-herrschten

Wir sehen, dass erst mit Hilfe Israels überhaupt jemals „Palästinenser“ überhaupt selbst die Kontrolle über ein Gebiet erhielten. Alles vorher ist gelogen.

Eine weitere Karte stellt dar, wie sich das mit der „Besetzung“ durch Israel in Wirklichkeit entwickelte:

Israel-Konzessionen1967-2011

Israel gab immer wieder Land auf – gegen Versprechen von Frieden. Im Fall von Ägypten gab es tatsächlich so etwas wie Frieden, auch wenn er inzwischen verdammt kalt ist. Im Fall von Jordanien wurde er zumindest von der Bevölkerung nie anerkannt, inzwischen wird vom Parlament regelmäßig gehetzt, vom König kommt öffentlich auch reichlich Negatives. Dieser „Frieden“ ist keiner. Und im Fall der „Palästinenser“ wurde Land erst für von erwiesenermaßen von Anfang an leeren Worten abgegeben, später sogar ohne jegliche Worte auf die Hoffnung hin, dass die Terrorgranden endlich so etwas wie einem Ende des Terrors zustimmen. War nicht, sie haben jedes Zugeständnis nur als Schwäche interpretiert, die sie für mehr ausnutzen können.

Nehmt die Bilder, haut sie den Terror-Apologeten um die Ohren! Haltet dagegen!

Warum Antisemitismus Teil der europäischen Kultur ist

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Antisemitismus ist nicht nur Teil der Geschichte Europas, sondern auch ein Bestandteil seiner Kultur. Die lang andauernde antisemitische Geschichte Europas ist mit Verleumdung, Diskriminierung, zweierlei Maß, Pogromen, Vertreibungen und anderer Verfolgung angefüllt. Sie erreichte ihren absoluten Tiefpunkt im Holocaust. Der Völkermord wurde nicht nur von Deutschen und Österreichern begangen, sondern auch von vielen Kollaborateuren in den besetzten Ländern, die nicht unbedingt alle für die Nazis waren.

Soweit es den Holocaust betrifft, gestanden fast alle besetzten Länder irgendwann die Wahrheit ein, dass sie versagt und in unterschiedlichem Grad mit den Nazis kollaboriert hatten. Die meisten entschuldigten sich.[1] Vor ein paar Wochen wurde Luxemburg zum neuesten Land, das dies tat.[2] Die große Ausnahme sind die Niederlande. Der derzeitige Premierminister Mark Rütte (Liberale Partei) gab vor kurzem zum zweiten Mal eine nichtssagende Antwort auf eine Anfrage im Parlament, um zu vermeiden das skandalöse Versagen der niederländischen Regierung der Kriegszeit zugeben zu müssen. Während des Exils in London zeigte sie kein Interesse an dem stattfindenden Massenmord – die Vernichtung von drei Vierteln der 140.000 niederländischen Juden durch die deutschen Besatzer.[3] Die jüdische Gemeinschaft war schon seit Jahrhunderten in den Niederlanden präsent gewesen.

Während es wenig Diskussion zur antisemitischen Geschichte Europas gibt, ist bezüglich des Antisemitismus als Bestandteil der europäischen Kultur eine detailliertere Erklärung nötig und wohl bezüglich seiner Juden ein dominierender Teil. Um jeglichem Missverständnis aus dem Weg zu gehen: Das heißt nicht, dass heute die meisten Europäer Antisemiten sind.

Der gerade verstorbene, führende Antisemitismus-Wissenschaftler Robert Wistrich hat viel zur Infrastruktur beigetragen, durch die verstanden und bewiesen wird, dass Antisemitismus ein integraler Bestandteil der europäischen Kultur ist.

Vor ein paar Jahren lud ich ihn ein, beim Jerusalem Center for Public Affairs über die Tradition des europäischen intellektuellen Antisemitismus zu sprechen. Wistrich erklärte, dass christliche Geistliche und viele führende christliche Theologen im Mittelalter und die Jahrtausende hindurch „Verachtung des jüdischen Volks lehrten“. Solche Credos beschränkten sich nicht auf die katholische Kirche. Zum protestantischen Reformator Martin Luther erklärte Wistrich: „Seine Angriffe auf Juden gehören zu den brutalsten in der Geschichte antisemitischer Diffamierung.“

Wistrich führte detailliert auf, wie intellektuelle Trends in Europa die Mutation des Antisemitismus jeweils beeinflussten. Er erklärte, wie die antisemitische jüdische Tradition sich während der Aufklärung fortsetzte und illustrierte das mit dem Hass, den Voltaire für das jüdische Volk hegte. Wistrich erwähnte auch die folgende Generation Antisemiten, so die idealistischen deutschen Philosophen des 18. und 19. Jahrhunderts, darunter Kant, Hegel, Schopenhauer und später Karl Marx.

Er führte an, dass mit seltenen Ausnahmen die französischen Sozialisten des frühen 19. Jahrhunderts die Grundlagen des Antisemitismus des späten 19. Jahrhunderts legten. Er merkte an, dass Edouard Drumonts antisemitisches Werk La France Juive (Das jüdische Frankreich) ein Bestseller seiner Zeit war. Es gab etwa einhundert Auflagen.

Wistrich fügte hinzu, dass ein großer Teil des Nationalsozialismus, des Faschismus und sogar einige Arten des Sozialismus – die wichtige antiintellektualistische Komponenten haben – ebenfalls intellektuelle Gründer hatten.[4] In seinem wichtigen Buch A Lethal Obsession (Eine tödliche Besessenheit) widmete Wistrich ein ansehnliches Kapitel dem, was er „die alt-neuen Judeophoben Britanniens“ nannte. Er erwähnte den weit verbreiteten Antisemitismus in den britischen Literaturklassikern über die Jahrhunderte. Er schrieb, dass im Vereinten Königreich „antisemitische Gefühle auch Teil des Diskurses des Mainstreams sind, die bei den akademischen, politischen und Medien-Eliten stetig wieder aufkommen“.[5]

Viele weitere Beispiele, dass Antisemitismus Teil der europäischen Zivilisation ist, sind in David Nirenbergs Buch „Anti-Judaism, the Western Tradition“ (Die westliche Tradition des Antijudaismus) zu finden.[6]

Eine Reihe führender europäischer Romanautoren waren extreme Antisemiten. Einer der berühmteren war der Franzose Louis-Ferdinand Céline, der nach dem Zweiten Weltkrieg wegen Kollaboration mit der Besatzungsmacht verurteilt wurde.[7] Es gibt zudem auf Gebäuden wie der Kathedrale Notre Dame in Paris alte antisemitische Skulpturen.[8] In der europäischen populären Kultur – z.B. in Zeichnungen und Karikaturen – findet man ebenfalls antisemitische Leitgedanken. Das Studentenaustauschprogramm der Europäischen Union ist nach dem fanatischen Antisemiten Erasmus benannt.[9] Die Universität von Rotterdam ebenfalls.

Es ist ein Fehler zu glauben, dass der Nationalsozialismus und seine boshafte „Kultur“ mit der Niederlage Deutschlands im Jahr 1945 endeten. Viele Nazis behilten ihre Ideen. Manche versuchten ihre Kinder mit der Nazi-Ideologie zu füllen. Nach dem Krieg gab es in Deutschland nicht genug unbefleckte Richter und Beamte, um die benötigten Regierungsposten zu besetzen. Zu den früheren Nazis, die hohe Posten im Nachkriegsdeutschland besetzten, gehörte der Christdemokrat Kurt Georg Kiesinger, der von 1966 bis 1969 Bundeskanzler war. Sogar viele der Ärzte, die jüdische Überlebende untersuchten, die aus gesundheitlichen Gründen Ansprüche stellten, hatten einen Nazi-Hintergrund.[10]

Wenn man fragt, wer der wichtigste Nachkriegsphilosoph Europas war, werden viele Martin Heidegger nennen. Seine vor kurzem veröffentlichten Notizbücher lassen keinen Zweifel aufkommen, dass seine Ideenwelt zutiefst antisemitisch war.[11]

Die Tatsache, dass eine beträchtliche Zahl heutige Europäer der Aussage zustimmen, dass „Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt“, ist ein wichtiges Beispiel des zeitgenössischen europäischen Antisemitismus. Diese Äußerung wurde von mehr als 40% der EU-Bürger im Alter über 16 Jahre für korrekt erachtet. Das passt perfekt in die antisemitische Kultur Europas.[12]

Der amerikanische Politikwissenschaftler Andrei Markovits fasst ein Schlüsselelement der gegenwärtigen europäischen Realität prägnant zusammen: „Europa hat eine ungelöste, wichtige Beziehung zu seiner Vergangenheit. Das ständige Analogisieren der Israelis mit den Nazis erfolgt aus dem europäischen Bauch heraus. Das ist natürlich eine doppelte Unverschämtheit. Damit entlasten sich die Europäer von ihrer eigenen Geschichte. Gleichzeitig gelingt es ihnen ihre früheren Opfer zu beschuldigen sich so zu verhalten wie die schlimmsten Täter der eigenen Seite.“[13]

Die Führungskräfte des Kontinents, auf dem der Nationalsozialismus geboren wurde und florieren durfte, widmen heute relativ wenig ihrer Mahnungen der naziartigen Politik und Äußerungen, die aus den diversen Terrororganisationen des Nahen Ostens kommen. Deren Werbung für den Völkermord ist kein Hiter-Nazismus, sondern ein Nazismus, der aus Teilen des Islam stammt.

Das nächste Mal, wenn Repräsentanten Europas Israel wegen seiner Politik kritisieren, sollte die israelische Antwort lauten, dass sie sich angesichts der Vergangenheit Europas besser auf den Islamo-Nazismsu konzentrieren sollten. Die Offiziellen der EU und ihrer Mitgliedsstaaten, die ständig und unverhältnismäßig Israel abmahnen, stehen auf unmoralischen Füßen.

[1] Manfred Gerstenfeld: The Abuse of Holocaust Memory: Distortions and Responses. Jerusalem, The Jerusalem Center for Public Affairs, 2009, S. 136-150.

[2] EJC welcomes Luxembourg apology for role in Holocaust. European Jewish Congress, 11. Juni 2015.

[3] Gerstenfeld: The Abuse of Holocaust Memory: Distortions and Responses, S. 141.

[4] Manfred Gerstenfeld interviewt Robert Wistrich: Intellectuals and anti-Semitism: a millenial tradition. Jewish Tribune, 13. August 2013.

[5] Robert S. Wistrich: A Lethal Obsession. Anti-Semitism from Antiquity to Global Jihad. New York (Radom House) 2010.

[6] David Nirenberg: Anti-Judaism: The Western Tradition. New York (W. W. Norton) 2014.

[7] Antoine Peillon: Céline, un antisémite exceptionnel. Une Histoire française. Lormon: Le Bord de l’eau, 2011.

[8] Toni L. Kamins: Notre-Dame de Paris to Prague, Europe’s anti-Semitism is literally carved in stone. JTA, 20. März 2015.

[9] Hans Jansen: Protest Van Erasmus Tegen Renaissance Van Hebreeuwse Literatuur. Heerenveen (Groen) 2010.

[10] Manfred Gerstenfeld, Interview mit Nathan Durst in: Europe’s Crumbling Myths, The Post-Holocaust Origins of Today’s Anti-Semitism. Jerusalem, Jerusalem Center for Public Affairds, Yad Vashem, WJC 2003, S. 128-136.

[11] Philip Oltermann: Heidegger’s ‚black notebooks‘ reveal antisemitism at core of his philosophy. The Guardian, 13. März 2015.

[12] library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf

[13] Manfred Gerstenfeld, Interview mit Andre S. Markovits: European Anti-Americanism and Anti-Semitism: Similarities and Differences. Post-Holocaust and Anti-Semitism Nr. 16, Januar 2004.

Warum sich die arabische Welt in einer emotionalen Nakba (Katastrophe) verliert und wie wir sie darin belassen.

Richard Landes, Tablet, 24.06.2014

Verhindert der Westen selber Fortschritte im Friedensprozess, indem er die Dynamik von Ehre und Scham in der politischen Kultur der Araber ignoriert?

Anthropologen und studierte Historiker haben schon lange verschiedene Stammeskulturen – kriegerische, nomadische – identifiziert, in denen es spezifische Ausprägungen von Ehrenkodexen gibt, deren Verletzung eine schwächende Scham hervorbringt. Der Einzelne, welcher dabei versagt Rache an einem Mörder eines Stammesmitgliedes zu nehmen, bringt Schande über sich (was ihn zu einer Frau macht) und schwächt den Klan, was zu weiteren Angriffen geradezu einlädt.

Im zweiten Weltkrieg suchte die USA Hilfe bei Anthropologen wie Ruth Benedict, um herauszufinden, welche Rolle Ehre und Scham bei den Entscheidungen der des japanischen Militärs spielten, was zum Sieg im pazifischen Kriegsschauplatz und dem Buch „Die Chrysanthemen und das Schwert“ führte. Mit ihr als Vorbild analysierte der große Klassizist E. R. Dodds in seinem Werk „Die Griechen und das Irrationale“ den Jahrtausende langen Wechsel der griechischen Kultur von einer „Scham-“ hin zu einer „Schuld“-Kultur, in dem er eine Welt darstellte, in der vor allem Ruhm und Ehre, denn Gewissen oder Angst vor göttlicher Vergeltung die Menschen handeln lässt.

Schon vor der geballten Verachtung des Literaturkritikers Edward Said gegen eine „Ehre – Scham“-Analyse in „Orientalism“ (1978) wichen die Anthropologen vor einer solchen Annäherung zurück, schien sie doch einen von Natur aus boshaften Vergleich zwischen primitiven Kulturen und dem moralisch überlegenen Westen zu beinhalten. Die Aufnahme von Saids Werk verstärkte diesen kulturellen Relativismus: Sorge um Ehre und Scham bewegt jeden und der einfache Gegensatz von Scham und Schuld muss daher letzten Endes rassistisch sein, besonders aber im Kontext von Vergleichen der arabischen Welt mit dem Westen. Sogar bei Geheimdiensten, deren Aufgabe es sein sollte, wie der Feind zu denken, wurde es zum Standard, den Rückgriff auf eine Ehre/Scham-Dynamik zu verweigern.

Jede noch so großzügige Person sollte ein gesundes Unbehagen gegenüber dem „Anderen“ haben, was eine scharfe Linie zwischen zwei Menschen zieht. Wir verwischen diese Linie nur um ein bisschen höflich zu sein; Ehrenmorde werden daher zum Beispiel als eine Art häuslicher Gewalt gesehen, die auch im Westen vorkommt. Und überhaupt sind die Sorgen um Ehre und Scham doch universell: Nur Heilige und Soziopathen scheren sich nicht darum, was andere denken und keine Gruppe hält ohne einen Ehrenkodex zusammen.

Aber auch wenn diese Praxis überall vorhanden ist, sollten wir in der Lage sein festzustellen, dass es in manchen Kulturen Stimmen gibt, die öffentlich die Werte von Ehre/Scham in einer Art und Weise unterstützen, die dem Fortschritt und einer liberalen Gesellschaft widersprechen. Die arabische Gesellschaft zum Beispiel tendiert – ungeachtet einiger liberaler Stimmen und nobler Gegner – zu einer Vormachtstellung durch Aggression, einer Politik des „starken Pferdes“ (Recht des Stärkeren), der Anwendung der Hama-Regeln – was sich alles so kombiniert, dass der Nahe Osten zwischen Gefängnis und Anarchie, zwischen Sisis Ägypten und Assads Syrien gefangen ist. So gut sie auch gemeint ist, unsere Unfähigkeit die Rolle der Ehre/Scham-Dynamiken in der Entstehung dieser politischen Kultur zu diskutieren zeigt ein Dilemma auf: Indem wir schweigen, verleugnen wir es nicht nur, sondern damit stärken wir diese brutalen Werte und schwächen jene, die wir schätzen.

Wenige Konflikte sind besser dazu geeignet diese Dinge zu erkunden, als der arabisch-israelische Konflikt.

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Um die Rolle der absoluten Ehre/Scham-Sorgen der Araber gegenüber Israel zu verstehen, muss man zuallererst die Rolle der Juden in der arabisch-muslimischen Ehren-Gruppierung verstehen. In den 13 Jahrhunderten vor dem Zionismus waren die Juden in den muslimischen Ländern Subjekte eines politischen Statutes, der genau um die Ehre (der Muslime) und der Scham (die Juden) herum gebaut war. Die Juden waren Dhimmis, geschützt vor muslimischer Gewalt, wenn sie ihre tägliche Erniedrigung und rechtliche Unterdrückung akzeptierten. So schreibt Chateaubriand im 19. Jahrhundert. „Als spezielles Ziel der (muslimischen und christlichen) Verachtung, beugen die Juden ohne Beschwerde ihre Köpfe, sie ertragen alle Ungerechtigkeiten ohne Gerechtigkeit zu verlangen, sie lassen sich durch einen Luftzug niederschmettern … Durchstreift man ihre Wohngebiete, findet man diese Menschen in schrecklicher Armut.“

Mehr als ein Jahrtausend lang bestand die arabische und muslimische Ehre darin, ihre Dhimmis zu beherrschen und zu erniedrigen – und wenn Reformer hin und wieder deren staatlichen Status verbesserten, so verursachte dies eine heftige Verletzung der muslimischen Ehre. So beschreibt ein britischer Gesandter die Folgen der Reformen durch Muhammed Ali: „Die Musulmanen bedauern zutiefst den Verlust ihrer Erhabenheit welche sie alle & individuell gegen alle anderen Glaubensrichtungen ausleben …. Ein Musulman glaubt, dass ein Christ – & noch mehr ein Jude – ihm gegenüber untergeordnet ist und so handelt er auch.“

Wenn man sagt, allein die Aussicht auf eine autonome politische jüdische Entität wäre für die von Ehre getriebenen arabischen und muslimischen Politiker im 20. Jahrhundert wie im 10. Jahrhundert eine Blasphemie gegen den Islam und eine Beleidigung der arabischen Männlichkeit, heißt das nicht, dass alle Epochen der muslimischen Herrschaft eine absichtliche Herabwürdigung der Dhimmis mit sich brachten. Auch kann man nicht behaupten, dass alle Araber so denken. Im Gegenteil, diese Art der testosterongefüllten und autoritären Debatte bürdet seine Interpretation von Ehre der gesamten Gemeinschaft auf, sehr oft gewaltsam. Während einige Araber in Palästina 1948 die Aussicht auf eine jüdische Souveränität als große Chance sahen, stimmten die arabischen Anführer und die „Straße“ darin überein, dass Israel um der arabischen Ehre willen zerstört werden musste und jene, die sich dagegen aussprachen Verräter an der arabischen Sache seien.

Schlimmer noch: Die Bedrohung der arabischen Ehre kam nicht von einem würdigen Feind, wie den westlichen Christen, sondern von den Juden, der traditionell passivsten, niedrigsten und feigsten Bevölkerung, über die die Muslime herrschten. So wie die Athener im 5. Jahrhundert v.d.Z. den Meliern sagten,

man fürchtet weniger eine Eroberung durch andere beherrschende Mächte, wie es die Spartaner tun, als das, was geschieht, wenn eine herrschende Macht von ihren eigenen Untergebenen attackiert und besiegt wird.

Also war die Aussicht auf einen unabhängigen Staat jener, die eigentlich Dhimmis sein sollten, für die arabischen Anführer mehr als verletzend. Er gefährdete den Islam. So sprach Rahman Azzam Pascha, das Leiter der neu gegründeten Arabischen Liga, für seine „Ehren-Gruppe“, als er drohte: „Wenn die Zionisten es wagen einen Staat zu gründen, werden wir Massaker verüben, gegen die alles, was Dschingis Khan und Hitler begangen haben, Kleinigkeiten sind.“ Wie die Armenier nur eine Generation vorher feststellen mussten, reichte schon der Verdacht einer Rebellion für ein Massaker.

Damit wurde die Niederlage von 1948 zum katastrophalsten aller Ergebnisse für diese „Ehren-Gruppe“. Sieben arabische Armeen, die die Ehre von hunderttausenden Arabern (und Muslimen) vertraten, wurden von weniger als einer Millionen Juden besiegt, die die Überlebenden des mörderischsten und effektivsten Genozid der Geschichte waren. Menschen unterlegen zu sein, die so niedrig auf einer Skala waren, dass es eigentlich unehrenhaft war, gegen sie zu kämpfen – nichts konnte erniedrigender sein. Und diese Verletzung geschah auch noch auf der offenen Bühne der neuen Nachkriegs-Weltgemeinschaft, vor der die Arabische Liga lauthals deren Abschlachten verkündet hatte. In der Geschichte der globalen Öffentlichkeit hatte noch keine so kleine oder große Gruppe einen derartigen Ehrverlust und Scham vor einem solch großen Publikum hinnehmen müssen.

Neben der Nakba (Katastrophe), die hunderttausende der arabischen Einwohner des ehemaligen britischen Mandatsgebiets Palästina betraf, finden wir eine wesentlich größere psychologische Katastrophe, die die gesamte arabische Welt und vor allem ihre Anführer betrifft: Eine Demütigung, die so groß ist, dass die arabische Kultur der Politik und des Diskurses damit nicht fertig werden konnte. Daher benutzen die Flüchtlinge den Begriff Nakba als Vorwurf den arabischen Anführern gegenüber, die diesen Krieg angefangen und verloren hatten, auch um diese zu verletzen. In einer Gesellschaft, die weniger von Ehre besessen und Selbstkritik gegenüber offener gewesen wäre, hätte dies zu einem Austausch der nationalen Eliten und zu Anführern geführt, die mit der Weltpolitik der Vereinten Nationen und dem Marshall-Plan erfolgreich zusammengearbeitet hätten. Aber wenn der äußere Schein über allem steht, beschämt jede öffentliche Kritik die Nation, das Volk und seine Anführer.

Im Zustand tiefster Erniedrigung und Kraftlosigkeit auf der Weltbühne wählten die arabischen Anführer stattdessen die Leugnung – die Juden hatten nicht, konnten nicht, durften nicht gewonnen haben. Der Krieg war nicht – konnte nie – vorbei sein, bis zum Sieg. Wenn die Flüchtlinge verschwänden, absorbiert würden von den Brüdern in deren Länder sie geflohen waren, dann wäre dies die Anerkennung des Unerträglichen – dass Israel gewonnen hat. Und so verdoppelte die arabische „Ehren-Gruppe“, getrieben von Wut und Verweigerung, die Katastrophe ihrer eigenen Flüchtlinge. Sie ließen sie in Lagern leiden, eingefroren in dem Moment der Erniedrigung, wartend und gegen den zionistischen Sieg ankämpfend, der anerkannt werden müsste. Das fortwährende Leid derer, die auf dem Altar des arabischen Stolzes geopfert wurden, schreit in der arabischen Welt nach Vergeltung an den Juden. Derweil wurden die Juden als Akt der Rache überall dort verjagt, wo die Muslime an der Macht waren.

Die Auslegung der Ehre durch die arabischen Anführer hat dazu geführt, dass sie die Niederlage ihres eigenen Nullsummen Spiels – wir werden sie massakrieren – mit einem Minussummen Spiel beantworteten. Die Zerstörung des israelischen „Anderen“ wurde ausschlaggebend, egal wie sehr durch diese Sache die Araber, vor allem die Palästinenser, zu leiden hatten. „Keine Anerkennung, keine Verhandlungen, keinen Frieden!“ Kein Israel. Eher belassen sie Millionen Araber unter jüdischer Herrschaft, als dass über eine Lösung verhandelt würde. Lieber sterben als erniedrigt leben. Lieber Selbstmord begehen um Juden zu ermorden, als mit ihnen Frieden zu schließen.

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So offensichtlich diese Betrachtungen sind, ihre Auswirkungen werden nach wie vor nur selten in den politischen Zirkeln diskutiert. Die derzeitigen Friedenspläne setzen dagegen voraus, dass beide Seiten bereit sind die notwendigen Konzessionen zu machen und dass ein Kompromiss ein Gewinn für beide Seiten ist. Ein verblüffter BBC-Sprecher rief aus: „Du meine Güte, es ist so einfach, man könnte es mit einer einfachen E-Mail lösen!“ Oder wie es Jeremy Ben Ami ausdrückte: „Es bräuchte 60 Sekunden, um eine grundlegende Lösung zu finden.“ Aber es ist nur einfach, wenn man glaubt, die Araber würden ihr eisernes Nullsummen Spiel aufgeben, in dem jeder Gewinn Israels ein inakzeptabler Verlust an Ehre für sie ist; ihre Ehrenwächter nicht länger daran festhalten, Verhandlungen seien ein Zeichen der Schwäche, des Kompromisses, beschämend und jeder Friede mit Israel, jeder Sieg Israels, egal wie klein, sei eine Beleidigung des Islams. Während und, wesentlich bemerkenswerter, nach Oslo wurde es zu einem Glaubensgrundsatz der Politiker und Weisen, dass die alte Zeit des arabischen Irredentismus vorbei sei. So stellte ein NPR-Kommentator (während der Intifada) fest: „Jeder Palästinenser mit einem dreistelligen IQ weiß, dass Israel da ist, um zu bleiben.“

Die herablassende Weise dieser Bemerkung passt lediglich zu ihrer Fehlerhaftigkeit. Nicht nur, dass sie die gesamte Führerschaft der Hamas als Idioten ansieht, sondern sie ignoriert, wie tief das psychische Trauma Israel in der arabischen Welt geht. Khaled Ma´aschal von der Hamas, keineswegs mit einem ein zweistelliger IQ versehen, sagte Folgendes auf dem Höhepunkt der Intifada:

Morgen wird unsere Nation (Islam, nicht Palästina) auf dem Thron der Welt sitzen. … Morgen werden wir die Welt führen, das ist Allahs Wille. Bereut heute (ihr Ungläubigen) bevor euch Gewissensbisse nichts mehr nutzen. Unsere Nation schreitet voran und ihr solltet in eurem Interesse eine siegreiche Nation respektieren. … Bevor Israel stirbt, muss es erniedrigt und gedemütigt werden. Allahs Wille ist es, dass sie, bevor sie sterben täglich Demütigungen und Erniedrigungen erfahren.

Selbst bei fast vollständig verwestlichten Arabern geht die Wunde, die Israels Existenz schlägt, ungeheuer tief, ebenso der Instinkt, Israel für alle arabischen Fehler verantwortlich zu machen. Ahmed Shaikh, der Herausgeber von Al Jazeera, gibt Israel sogar die Schuld am Mangel an Demokratie in der arabischen Welt:

„An dem Tag, an dem Israel gegründet wurde, wurde die Basis für unsere Probleme gelegt. … Das liegt daran, dass wir ständig gegen Israel verlieren. Es nagt an den Menschen des Nahen Ostens, dass ein solch kleines Land wie Israel, mit gerade Mal 7 Millionen Einwohnern, die arabische Nation mit 350 Millionen Menschen besiegen kann. Das verletzt unser kollektives Ego. Das palästinensische Problem ist in den Genen eines jeden Arabers. Das Problem des Westen ist, dass er das nicht versteht.“

Sheikh kommt nicht zu der Erkenntnis, dass ein Ende der Kämpfe gegen Israel zur Demokratie führen könnte, sondern er glaubt, wenn der Westen die Araber gegen die Israelis gewinnen ließe, dann würden sie Demokratien aufbauen.

So transparent falsch das Verständnis in der arabischen Welt für die Probleme der Demokratie ist, wie diese Aussage zeigt, so hat sie doch viele westliche Verteidiger, die eifrig ihre „rationelle Wahl der Modelle“ bewahren. Viele Post-Orientalisten haben, in der Tradition Edward Saids, den Ausbruch der Demokratien schon seit Jahrzehnten vorausgesagt, von den 90-er Jahren bis zum „Arabischen Frühling“. Somit schockierte Yasser Arafats „Nein“ in Camp David Bill Clinton, Dennis Ross und eine Öffentlichkeit, die mit der Idee, ein Friedensprozess sei eine win-win-Situation, gefüttert wurde, während jene, die mit den Werten Arafats wichtigster Ehren Gruppe vertraut waren, die Ablehnung vohrhergesagt hatten. Wenn „das was mit Gewalt genommen wurde, nur mit Gewalt zurückgeholt werden kann“, dann hätte Arafat bei den Verhandlungen nichts bekommen, was möglicherweise die Scham weggewaschen hätte, die ein Federstrich mit sich -gebracht hätte, der ein Dar-ul-Harb inmitten des Dar-ul-Islam legitimiert hätte. Das Ergebnis war, dass Arafat als Held in den Nahen Osten zurückkehrte, während Bill Clinton und Ehud Barak (und, so wird berichtet, einige jüngere palästinensische Unterhändler) trauerten.

Doch das alles spielte für Experten wie Robert Malley und Robert Wright keine Rolle; sie erklärten, welche Gründe Arafat gehabt hatte, nein zu sagen. Natürlich bedeutete die Rationalisierung der Beweggründe Arafats, den Israelis die Schuld für das Scheitern der Verhandlungen zuzuschieben und damit nachträglich auch für die Explosion an Gewalt gegen sie. Als Cherie Blair Verständnis für die Verzweiflungder Selbstmordattentäter äußerte, projizierte sie ihre liberale Weltsicht auf Menschen, die eigentlich nur nach der höchsten Ehre streben, die ihnen ihre Gesellschaft geben kann: Im Krieg zur Tötung der Juden als Märtyrer zu sterben. Die Israelis selber bieten bei dieser Umkehrung der Verantwortung stattliche Hilfe. Unfähig die Unterschiede zwischen Strategie und Taktik zu erklären, kritisieren sie beide Seiten, ein Nullsummen Spiel zu spielen, wobei aber nur ihre Seite das als Tadel betrachtet.

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Die politischen Folgen sind schwerwiegend. Das „rationale“ Modell nimmt an, dass die Grenzen von 1967 (Waffenstillstandslinien on 1949) der Schlüssel sind und ein Rückzug der Israelis die rationalen Forderungen befriedigen und damit der Konflikt gelöst sei. Beachtet man aber die Ehre-Scham-Kultur, legt diese nahe, dass ein solcher Rückzug noch mehr Aggressionen im Drang nach wahrer palästinensischer Ehre auslösen würde, die bedeutet: „Ganz Palästina, vom Fluss bis zum Meer.“ Um die Logik einer win-win-Lösung von Konflikten zu beschreiben, schrieb der Militärhistoriker Andrew Bacevitch kürzlich, wenn man die zu starken Israelis ein wenig schwächen würde, könnten Verhandlungen wirklich funktionieren. Da er die Politik des „Starken Pferdes“ (Recht des Stärksten) in der arabischen Kultur und ihren tiefen Groll auf das „zionistische Gebilde“ völlig übersieht, kommt er auch nicht auf die Möglichkeit, dass eine Gleichheit noch mehr Konflikte heraufbeschwören dürfte, wahrscheinlich eher dem syrischen Bürgerkrieg ähnlich denn der skandinavischen Höflichkeit, auf die er sich beruft. Die Israelis, selbst jene aus dem Friedenslager, wissen das instinktiv und widerstehen dieser Art von Konzessionen; Außenstehende und dogmatische Selbstbeschuldiger sehen in diesem Widerstand das eigentliche Problem.

Für die Israelis könnte der Irrsinn dieser abstrusen Debatte über den Zweck und die Bedeutung einer Ehre-Scham-Kultur nicht größer sein. Die Zukunft Israels hängt von der Fähigkeit ab zu verstehen, warum ihre Nachbarn sie hassen und was bei den Versuchen, mit dieser Feindschaft umzugehen funktioniert und was nicht. Es wäre eine kriminelle Nachlässigkeit, dies nicht zu beachten.

Aber das Problem geht weit über Israel und seine Nachbarn hinaus. Wie jeder, der ein wenig aufmerksam ist, weiß, vertreten die salafistischen Jihadisten, die den Islam weltweit gekapert haben, genau diese Mentalität der Ehre-Scham-Kultur in ihrer rabiatesten Form: das existentielle Drama von demütigen oder gedemütigt werden, herrschen oder beherrscht werden, ausrotten oder ausgerottet werden. Der Dar-al-Islam muss den Dar-ul-Harb erobern. Unabhängige Ungläubige (harbis) müssen spektakulär erniedrigt werden, ihre Frauen müssen vergewaltigt werden; der Islam muss die Welt beherrschen oder er geht unter. Die Sprachen der schiitischen oder sunnitischen Jihadisten haben beide denselben Ton: Ehre, Plünderungen, Herrschaft, Scham, Erniedrigung, Frauenhass, Wut, Rache, Verschwörung und die paranoide Angst vor einer Implosion.

Es ist nicht so, dass unsere Politiker – und hier meine ich nicht nur die Israels sondern des gesamten demokratischen Westens – die Dynamik der Ehre und Scham nicht beachten würden. Sie nehmen sie nur nicht ernst. Sie nehmen sie als kindische, oberflächliche Sorgen wahr, die man mit freundlichen Worten und Gesten beruhigen kann, dann werden diese guten Menschen sich wieder wie so benehmen, wie jemand, der rationale Entscheidungen trifft, und wir können auf bekannten und vernünftigen Wegen weiter machen. So war es, als Papst Benedikt von der „im Islam innewohnenden Gewalt“ sprach, was in der gesamten islamischen Welt zu gewaltsamen Aufständen führte, die den Papst in die Pflicht nahm, sich für diese Provokation zu entschuldigen. Witzigerweise konnte nur das jemanden in der muslimischen Welt davor bewahren aus Versehen getötet zu werden, getötet beim Protest dagegen, gewalttätig genannt zu werden.

Aber Kultur ist keine oberflächliche Frage von Benehmen. Im Nahen Osten ist die Ehre ein Teil der Identität. Beschwichtigungen und Konzessionen sind ein Zeichen der Schwäche. Wenn es von den eigenen Anführern praktiziert wird, kommt es zu protestierenden Ausschreitungen, beim Feind sorgt es für weitere Angriffe. Benjamin Netanjahu stoppte die meisten Siedlungsaktivitäten für neuen Monate, Barack Obama ging nach Saudi Arabien um gegenseitige Zugeständnisse zu erreichen, die er Kairo verkünden wollte, König Abdullah bekam einen Anfall und die Palästinenser stellten weitere Forderungen. Und die wenigsten fragen sich, ob man sich für die logische Basis der Verhandlungen – Land gegen Frieden – in der kulturellen Realität dieser Ecke der Welt überhaupt etwas kaufen kann. Wenn doch nur Israel etwas vernünftiger wäre…

Wenn wir den Sorgen der Araber (und der muslimischen Jihadisten) um ihre Ehre nachgeben, indem wir alles vermeiden, von dem sie behaupten, es würde sie beleidigen, glauben wir, unser Großmut und unsere Beschränkung würden irgendwann diese Extremisten dazu bringen, etwas vernünftiger zu sein. Stattdessen wird es darin enden, dass wir uns selbst zum Schweigen verdammen und uns damit mitschuldig an ihrem absolut kriegerischen Verhalten gegenüber allen „anderen“ machen, weil wir es honorieren und damit bestätigen. Es wird zu einem Schattenboxen, während wir glauben, wir würden für den Frieden arbeiten, endet es damit, dass wir die giftigste Schwäche der arabischen Welt bestätigen und munitionieren – ihre Unsicherheit, ihr Bestehen auf Alles oder Nichts bei allen Auseinandersetzungen, ihr Hang zur Rache, ihre paranoide Suche nach Sündenböcken, ihren von Scham getriebenen Hass. Und daran ist nichts Großzügiges, Rationales oder Fortschrittliches.

Richard Landes, Professor für Geschichte an der UniversitätBoston, ist Autor des Buches „Heaven on Earth: The Varieties of the Millennial Experimence.“ Er bloggt auf Augean Stables.

Es ist Mai. Die “Eroberung über Besatzung“-Saison ist eröffnet

Burak Bekdil, Hürriyet, 23. Mai 2014

Es ist Mai. Das ist der Monat, in dem die islamistischen Türken die Tradition befolgen, die erklärt, warum „Eroberung“ gut, „Besatzung“ aber schlecht ist.

Außenminister Ahmet Davutoğlu zum Beispiel galubt, dass “diejenigen, die die Bedeutung Jerusalems und der palästinensischen Reste nicht verstehen, das Gewissen der Menschheit angreifen“. Ich hoffe, dieser Kolumnist fiel in Herrn Davutoğlus „mutig“-Kategorie, als er schrieb „Die Türkei ist nicht Nordkorea“ (in dieser Kolumne: Turkey is not North Korea – nor Syria, nor Egypt, 14. Mai), doch heute wird er das Gewissen der Menschheit angreifen.

Herr Davutoğlu glaubt Jerusalem und die Al-Aqsa-Moschee (wo er, wie er gesagt hat, beten möchte, wenn Jerusalem die Hauptstadt des Palästinenserstaats geworden ist) sind seit 1948 besetzt – als der Staat Israel gegründet wurde, was falsch ist. Letzte Woche sagte er: „Unter den Bedingungen des internationalen Rechts steht Jerusalem unter [israelischer] Besatzung.“ Dann fragte er: „Wenn die UNO-Entscheidungen [Resolutionen] nicht umgesetzt werden, warum werden sie dann überhaupt beschlossen?“

Würde Herr Davutoğlu im Alter von 11 Jahren an Schachunterricht teilnehmen, würde er wahrscheinlich höflich gebeten diesen sofort zu verlassen. Wie kann eine Außenminister UNO-Resolutionen zu „Jerusalems Besetzung“ zitierten, wenn mehrere andere UNO-Resolutionen seit über vier Jahrzehnten sein eigenes Land als den Besatzer Zyperns beschreiben?

Ironischerweise kam Herrn Davutoğlus Rede zur Besatzung Jerusalems um denselben Tag, an dem das Europäische Menschenrechtsgericht (ECHR) die Türkei verurteilte dem griechischen Zypern wegen der Besetzung von 1974 und der folgenden Teilung der Insel 90 Millionen Euro zu zahlen. Ehrlich: Könnten Sie mal erklären, ehrenwerter Minister, warum „wenn Entscheidungen der UNO [und des Europarats] nicht umgesetzt werden, warum sie überhaupt getroffen wurden“?

Doch in Reaktion auf das Urteil des ECHR sagte Herr Davutoğlu, er betrachte die Entscheidung als „weder bindend noch von irgendwelchem Wert“. Das wäre ein Verfassungsbruch, da Artikel 90 der türkischen Verfassung erklärt: „Internationale Vereinbarungen, die ordnungsgemäß in Kraft gesettz wurden, habe Gesetzeskraft. Keine Berufung darf bezüglich dieser Vereinbarungen aufgrund dessen eingelegt werden, sie sein verfassungswidrig.“

Natürlich könnten wir Herrn Davutoğlu immer bitten, ob er bereit wäre zu erklären, warum Israel verpflichtet sei sollte UNO-Resolutionen umzusetzen, im Fall der Türkei aber sowohl UNO-Resolutionen und EHCR-Urteile „weder bindend noch von irgendeinem Wert“ sein sollten. Ich bin sicher, er wird das nicht erklären. Doch ich glaube ich kenne die Antwort.

In etwa eine Woche ab heute werden Millionen Türken mit farbenfrohem Tamtam und Feuerwerk auf die Straße gehen, um den 561 Jahrestag der Eroberung Konstantinopels von Byzanz zu feiern – dieselben Türken, die so wütend sind, dass Jerusalem besetzt ist. Wenn dieselben frohsinnigen Türken die Eroberung feiern, wissen sie, dass Eroberung heißt, dass man einem anderen Land/Stamm Land mit Gewalt wegnimmt? Natürlich wissen sie das. Und sie sind stolz darauf. „Die Eroberung“ zu feiern ist Anerkennung einer unumstrittenen historischen Tatsache, dass Istanbul vor „der Eroberung“ einer anderen Nation gehörte. Stimmts? Stimmt.

Warum trauern dann Herr Davutoğlu und die Eroberungsfetisch-Türken wegen „der Besetzung Jerusalems“? Erinnern wir uns: 2012 sagte Professor Mehmet Görmez, der höchste muslimische Geistliche der Türkei: „Nachdem [der mächtige Kalif] Omar al-Quds [Jerusalem] eroberte, wurde er eingeladen in einer Kirche zu beten [da es in Jerusalem keine Moscheen gab]. Doch er lehnte höflich ab, weil er Sorge hatte, die [erobernden] Muslime könnten die Kirche in eine Moschee umwidmen, nachdem er dort betete.“

Jerusalem erobert? Erkannte der höchste Geistliche die Tatsache da nicht an, dass Jerusalem vor der „Eroberung“ keine muslimische Stadt war? Er tat es. Wie kann dann die Besetzung einer nicht muslimischen Stadt – Konstantinopel – eine „Eroberung“ sein, aber die Besetzung einer nicht Muslimischen Stadt, die einst von Muslimen besetzt wurde, „Besatzung“?

Die Antwort ist einfach. Im islamischen Wörterbuch ist eine „Eroberung“ etwas großartiges, denn „wir nehmen nicht muslimisches Land mit der Gewalt des Schwertes“; „Besatzung“ ist etwas, das wir betrauern, weil es „den Verlust von Land, das wir einmal besetzt hatten“ bedeutet.

Geschichte zu lesen sollte etwas Ernsteres sein als Fußball-Hooligans zu sein.