Sag mir, wer deine Freunde sind…

Wenn deine Freunde Völkermörder von Juden sind, was bist du dann?

Werbeanzeigen

Die britische Labour Party – Idealfall für das Studium von Antisemitismus

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Antisemitismus nimmt an vielen Orten in der westlichen Welt zu. Das schafft eine komplexe Realität, die schwer zu analysieren ist. Zum Zweck des effektiven Studiums der vielen Facetten der zeitgenössischen Förderung von Hass und einiger der Möglichkeiten dieses Phänomens bei einer einzelnen Organisation zu bekämpfen, kann in Europa nichts der britischen Labour Party das Wasser reichen.

Der wichtigste Helfer des anhaltenden Antisemitismus in der Labour Party ist Jeremy Corbyn, seit 2015 der Parteivorsitzende. Er hat Vertreter der Hisbollah und der Hamas seine „Brüder“ und „Freunde“ genannt. Corbyn hat an einen Holocaust-Leugner gespendet und einen anderen willkommen geheißen. Er ist ein langjähriger antiisraelischer Hetzer und Teilzeit-Antisemit.[1] Er und seine engen Mitarbeiter verhindern die komplette Ausmerzung von Antisemiten aus der Partei. Die Sunday Times behauptete, Corbyns Büro sei daran beteiligt mindestens 101 solche Anzeigen hinausgezögert oder blockiert zu haben.[2]

Wann immer es so scheint als gebe es ein halbwegs komplettes Bild des Antisemitismus in der Labour Party, tauchen massig neue Daten zu diesem Problem auf. Im März 2019 veröffentlichte der britische Forscher Alan Johnson, ein Labour-Mitglied, einen 135 Seiten starken Bericht, der zu dem Schluss kommt, dass die Partei institutionell antisemitisch ist. Johnson teilte den Antisemitismus in der Labour Party in drei Kategorien auf: Sozialismus der Dummen, klassischer rassischer Antisemitismus und Antisemitismus als Antizionismus.[3]

Labour against Antisemitism ist eine Kampagne von Aktivisten. Sie hat Daten für einen Bericht gesammelt, der 15.000 Screenshots beinhaltet, die Beispiele für den vorgeworfenen Antisemitismus in der Labour Party zeigen.[4] Diese Akte wurde im May der Equality and Human Rights Commission (EHRC)[5] vorgelegt. Diese ist ein öffentliches Gremium, das durch den Equality Act von 2006 eingerichtet wurde.

Später im Mai wurde bekannt, dass ungefähr 100.000 E-Mails und WhatsApp-Postings von innerhalb der Labour Party – gesammelt von ehemaligen offiziellen Partei-Vertretern – der EHRC vorgelegt wurden. Dieses Gremium hat bereits erste Schritte für eine gesetzlich festgelegte Untersuchung der Handhabung der antisemitischen Anzeigen unternommen.[6] Vor kurzem ist die volle Untersuchung der Labour Party eröffnet worden. Solch eine Ermittlung gegen eine Partei gab es bisher erst einmal. 2010 wurde die kleine, kryptofaschistische British National Party (BNP) des Rassismus für schuldig befunden.[7] Bis zu einem EHRC-Bericht zur Labour Party könnten zwei Jahre vergehen. Er wird wahrscheinlich eine der fundiertesten Analysen des Antisemitismus zu einer einzelnen Organisation in der Geschichte liefern.

Anhand der Labour Party kann zudem das Reinwaschen von Antisemitismus als Technik studiert werden. Man muss sich hier auf die Labour-Mitglieder konzentrieren, die antisemitische Verleumdungen von sich gaben und nicht aus der Partei ausgeschlossen wurden. Darüber hinaus gibt es auch solche, die es auf Personen abgesehen haben, diesen Antisemitismus aufzudecken. Juden, die dabei mitmachen, sind für das Reinwaschen von Antisemitismus am nützlichsten. Die Jewish Voice for Peace (JVP – Jüdische Stimme für den Frieden) ist eine kleine Organisation, die Corbyn unterstützt. Ihr Sekretär Glyn Secker sprach bei einer pro-palästinensischen Kundgebung in London. Er sagte, das Jewish Labour Movement und die jüdische Parlamentsabgeordnete Dame Margaret Hodge sind eine Fünfte Kolonne innerhalb der Labour Party und fügte hinzu: „Juden befinden sich mit diesen Ratten in der Gosse.“[8]

Rhea Wolfson ist eine der beiden Juden im Führungsgremium der Labour Party, dem National Executive Committee. Sie schrieb: „Ich hatte die Ehre eng mit Jeremy Corbyn zu arbeiten, einem der prinzipientreuesten Menschen in der Politik… Jeder, der Jeremy Corbyn kennt, ihn getroffen oder mit ihm gearbeitet hat, den ich kenne, weiß, dass er keinen Fitzel an Vorurteil in sich hat und absolut der Bekämpfung des Antisemitismus verschrieben ist, so wie er gegen alle Formen der Diskriminierung und Unterdrückung ist, die er sein Leben lang bekämpft hat. Mein Engagement für Labour ist unerschütterlich und ich bin stolz auf die Arbeit, die Jeremy macht, um Antisemitismus in der Politik und der breiteren Gesellschaft anzupacken.“[9]

Die allgemeine britische Gesellschaft glaubt allerdings nicht, dass Corbyn je in der Lage sein wird die Antisemitismus-Krise der Labour Party zu beenden. Fünfzig Prozent aller Wähler stimmten im Mai 2019 zu, dass Labour ein Problem mit antijüdischem Rassismus hat; das hat von einer ähnlichen Umfrage im Februar diesen Jahres zugenommen; damals betrug der Anteil 43%. Die Zahl derer, die bestreiten, dass Labour ein solches Problem hat, ist von 23% im Februar auf 18% im Mai gefallen.[10]

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Antisemitismus-Forschung ist die Überlappung von antiisraelischen Hetzern und Reinwäschern von Antisemitismus in der Labour Party. Ein Beispiel: Die ehemalige Labour-Ministerin Clare Short schrieb im Juli 2016 auf ihrem Blog: „Der Vorwurf des Antisemitismus gegen Mitglieder der Labour Party, die Israel gegenüber kritisch eingestellt sind, ist ein Komplott, um von Israels Verletzungen des Völkerrechts abzulenken.“[11]

Die Labour Party ist auch ein idealer Ort um das zu untersuchen, was man das Legen von Nebelwänden zum Thema Antisemitismus nennen könnte, ein Thema, das selten erforscht wird. Die Führer der Partei sagen nicht: „Wir schützen Antisemiten, die wir als für die Partei wertvoll ansehen.“ Im Gegenteil: Corbyn hat bei vielen Gelegenheiten gesagt, dass die Partei Antisemitismus ausmerzen will.

Als Jennie Formby Anfang 2018 Labour-Generalsekretärin wurde, versprach sie, innerhalb weniger Monate würden die Anzeigen bearbeitet. Viele Fälle wurden damals nicht behandelt und es kamen weiter neue auf. Im Februar 2019 sagte sie, Antisemitismus könnte nicht komplett ausgemerzt werden: „Ich glaube nicht, dass irgendjemand sagten kann, wir können den Antisemitismus komplett ausrotten und jeden einzelnen davon abhalten jeden … Jeden einzelnen Tag kann jemand anderes in die Partei eintreten und etwas tun.“[12] Allerdings ist das etwas Marginales. Der Kern des Problems betrifft antisemitische Bemerkungen aktueller Parteimitglieder, von denen einige ihr schon lange Jahre angehören.

Angesichts der vielen Fälle von Antisemitismus in der Labour Party und dem fehlerhaften Umgang mit dem Problem gibt es zudem beträchtliche Reaktionen auf den Antisemitismus in der Partei. So kann man auch Methoden studieren Judenhass in einer linken Organisation zu bekämpfen, deren Führung es ablehnt Antisemitismus auszumerzen.

Die stärkste Antisemitismus bekämpfende Kraft innerhalb der Partei ist die Jewish Labour Movement (JLM), die seit fast einhundert Jahren Teil der Labour Party gewesen ist. Aber selbst die JLM nutzte einen Euphemismus zu Corbyn, der hilft eine Nebelwand zu legen. Sie gab eine Erklärung ab, dass sie jegliches Vertrauen in Corbyn Fähigkeit verloren haben Rassisten aus der Partei auszuschließen.[13] Corbyn ist jedoch nicht unfähig das zu tun, sondern zieht es stattdessen vor gewisse Leute in der Partei zu behalten, die antisemitische Äußerungen von sich geben. Die JLM ging nicht so weit das deutlich zu machen.

Ein weiteres interessantes Handeln gegen Antisemitismus in der Labour Party war die Entscheidung des ehemaligen Premierminister Gordon Brown, der nicht jüdisch ist, sich aus Solidarität der JLM als außerordentliches Mitglied anzuschließen.[14] Dasselbe machte der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan.[15] Viele ranghohe Labour-Persönlichkeiten haben sich gegen Antisemitismus in der Partei ausgesprochen. Zu diesen gehören der frühere Premierminister Tony Blair[16] und Schattenkanzler Ed Balls.[17]

Der Antisemitismus-Skandal der Labour Party hat zudem Aspekte, die über die Partei hinausgehen. Labour hat Beobachterstatus bei der Sozialistischen Internationale (SI). Diese weltweite Organisation von sozialdemokratischen, sozialistischen und Arbeitsparteien bringt 147 politische Parteien und Organisationen aus allen Kontinenten zusammen. Sie behauptet für die progressive Politik in einer faireren Welt einzutreten.

Die SI hat eine ausführliche Ethik-Charta, zu der „totale Verpflichtung auf die Werte von Gleichheit und Solidarität“ gehört. Sie respektiere die Rechte von Minderheiten und Einzelpersonen. Dadurch, dass sie nicht gegen Labour vorgeht, sind die SI-Führung und ihre Mitglieder mitschuldig am institutionellen Antisemitismus der Partei. Sie können nicht behaupten von nichts zu wissen, denn das SI-Büro befindet sich in London.

Forschung im Bereich des Antisemitismus ist nicht sehr konsolidiert. Die Förderung von Hass hat heutzutage viele Aspekte. In der Labour Party sind weitere Entwicklungen in diesem Bereich fast ständig im Gang. Während die Mainstream-Medien sich weiter für diese Entwicklungen in der Labour Party interessieren, werden in der Zukunft viele weitere Einblicke ans Licht kommen.

[1] https://besacenter.org/perspectives-papers/corbyn-against-jews-israel/

[2] www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-5490686,00.html; /www.thetimes.co.uk/article/vile-anti-semitism-met-with-a-slap-on-the-wrist-at-most-b38v7z9jd

[3] Alan Johnson: Institutionally Antisemitic: Contemporary Left Antisemitism and the Crisis in the British Labour Party, 2019.

[4] http://www.jpost.com/Diaspora/Labour-Against-Antisemitism-non-Jewish-Brits-fight-back-from-within-568681

[5] http://www.thetower.org/7326-campaign-group-submits-report-with-15000-cases-of-anti-semitism-urges-equalities-watchdog-to-investigate-labour/

[6] https://www.thejc.com/news/uk-news/ehrc-launches-formal-investigation-into-labour-antisemitism-1.484822

[7] http://www.theguardian.com/politics/2019/mar/07/labour-antisemitism-equalities-watchdog-opens-investigation

[8] www.thejc.com/news/uk-news/labour-activist-behind-antisemitic-rant-is-to-deliver-training-on-jew-hate-to-party-members-1.484235

[9] www.thejc.com/comment/comment/rhea-wolfson-comment-jeremy-corbyn-jonathan-arkTush-1.464888

[10] http://www.thejc.com/news/uk-news/jc-poll-british-public-do-not-believe-jeremy-corbyn-will-ever-end-labour-antisemitism-1.484592

[11] http://www.clareshort.org/?s=antisemitism+ploy&category_name=&submit=Search

[12] http://www.thejc.com/news/uk-news/exclusive-jennie-formby-told-mps-twice-that-it-would-be-impossible-to-eradicate-antisemitism-1.479565

[13] http://www.thesun.co.uk/news/9085211/anti-semitism-recorded-score-card-jewish-labour-movement-activists/

[14] http://www.thejc.com/news/uk-news/gordon-brown-labour-has-let-down-the-jewish-community-over-antisemitism-1.482365

[15] https://jewishnews.timesofisrael.com/sadiq-khan-proud-to-join-jewish-labour-movement-as-affiliate-member/

[16] http://www.jpost.com/International/Former-UK-PM-How-is-antisemitism-in-Labour-Party-tolerated-580295

[17] http://www.thejc.com/news/uk-news/ed-balls-says-jeremy-corbyn-has-said-antisemitic-things-and-fails-to-see-it-1.484327

 

Die Sozialistische Internationale sollte die britische Labour Party ausschließen

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die Sozialistische Internationale (SI) ist die weltweite Organisation sozialdemokratischer, sozialistischer und Arbeitsparteien. Derzeit bringt sie 147 politische Parteien und Organisationen aus allen Kontinenten zusammen. Achtundzwanzig Mitgliedsparteien sind in Regierungsverantwortung. Die britische Labour Party hat Beobachterstatus in der SI. Die Hauptbotschaft der SI lautet, dass sie für progressive Politik für eine fairere Welt ist.

Mehr als drei Jahre lang sind weltweit viele Informationen zum Antisemitismus in der Labour Party veröffentlicht worden. Die Partei wird von Jeremy Corbyn geführt, der Empathie für Terroristen hat; er bezeichnete völkermörderische Killer als seine „Brüder“ und „Freunde“. Die Führer und offiziellen Vertreter der Organisation wären unglaubwürdig, sollten sie Unkenntnis zum weit verbreiteten Antisemitismus in der Labour Party behaupten. Das um so mehr, als die Büros der SI sich in London befinden.

Alan Johnson ist ehemaliger Universitätsprofessor für Demokratie-Theorie und –Praxis und selbst Mitglied der Labour Party. Er veröffentlichte unlängst einen 135 Seiten starken Bericht, der zu dem Schluss kommt, dass die Labour Party institutionell antisemitisch ist. Ihr Titel deutet das an: „Institutionally Antisemitic Contemporary Left Antisemitism and the Crisis in the British Labour Party”.[1]

Johnsons Hauptargumente dazu, warum Antisemitismus in der Labour Party institutionell ist, sind für die Partei vernichtend. Zu den vielen von ihm erwähnten Fällen, die seine Behauptungen untermauern, gehören Beispiele dafür, wie die Partei es versäumte ihre jüdischen Mitglieder zu sichern. Sie verfehlte es auch die jüdischen Erfahrungen zu begreifen und zu betonen. Labour verfährt nicht effektiv mit dem Antisemitismus, sondern trifft allzu tolerante Entscheidungen zu einzelnen Fällen. Die Partei verfehlt es auch Mitglieder in Sachen Antisemitismus zu bilden. Zudem erklärt Johnson, dass Labour die Kultur der Antisemitismus-Leugnung und der Schuldzuweisung an die Opfer nicht beendet hat.

Die Jewish Labour Movement (JLM), die seit vielen Jahren mit der Partei verbunden ist, verabschiedete diesen Monat einen Misstrauensbeschluss gegen Parteichef Jeremy Corbyn wegen dessen Umgang mit den Beschwerden über Antisemitismus. Der ehemalige britische Labour-Premierminister Gordon Brown, selbst kein Jude, hat sich aus Protest gegen den Antisemitismus in seiner Partei JLM als außerordentliches Mitglied angeschlossen.

Bereits früher zeigte die JLM die Labour Party bei Großbritanniens Equalities and Human Rights Commission (EHRC) an, einem öffentlichen Gremium. Die EHRC machte öffentlicht, dass Labour „gesetzwidrige Diskriminierung von Menschen wegen ihrer ethnischen und religiösen Überzeugungen“ haben könnte. Sie muss aber noch entscheiden, ob eine vollwertige Untersuchung durchgeführt wird. Seitdem sind zusätzliche Informationen über die Tatenlosigkeit der Labour-Führung im Umgang mit hunderten Beschwerden wegen Antisemitismus verfügbar geworden.

Die SI hat eine Ethik-Charta. Diese beinhaltet die totale Verpflichtung auf Gleichheit und Solidarität. SI-Mitglieder versprechen feierlich diese Werte im Geist der fundamentalen Erklärungen und Kampagnen der SI zu respektieren, zu verteidigen und für sie zu werben. Es wäre absurd, sollte die Führung der Organisation behaupten, dass Labours regelmäßige Gleichgültigkeit extrem antisemitischen Äußerungen durch verschiedene ihrer gewählten Offiziellen gegenüber zu diesen Werten passt.

In ihrer Ethik-Charta sagte die SI auch, dass sie die Verteidigung der pluralistischen Demokratie respektiert, die unter anderem die Rechte von Minderheiten und Einzelpersonen impliziert. Bei Treffen der Labour Party mussten einige jüdische Abgeordnete in Begleitung von Personenschützern erscheinen. Das wurde ausführlich in den Medien berichtet. Solcher Schutz wurde angesichts der tausenden von Hassmails nötig, die sie erhielten. Wenn das Präsidium der SI den Respekt des Rechts von Einzelnen als etwas ansieht, das zur Realität der Labour Party gehört, wenn einige Abgeordnete Personenschützer benötigen, dann sollte die SI das ausdrücklich so sagen.

Die Labour Party ist die extremen verbalen Angriffe auf einzelne Juden nicht angegangen. Das läuft einem weiteren Abschnitt der Ethik-Charta der SI zuwider, gemäß dem der Respekt der menschlichen Würde unter allen Umständen garantiert werden muss. In der Ethik-Charta der SI wird zudem erklärt, dass der Kampf gegen alle Formen der Diskriminierung, einschließlich der wegen ethnischer Herkunft und Religion, bekämpft wird. Außerdem heißt es darin, dass die Mitglieder der SI rassistische Trends bekämpfen werden.

Das Ethik-Komitee der SI ist dafür zuständig die Einhaltung des Verhaltenskodex durch alle Mitgliedsparteien zu beobachten. Es ist bevollmächtigt Empfehlungen zu formulieren oder auch den führenden Organen der Sozialistischen Internationale Sanktionsvorschläge vorzulegen. Man kann vernünftigerweise annehmen, dass es in Sachen SI-Ethik keinen Lockerung für Parteien gibt, die keine Mitglieder, sondern nur Beobachter sind, wie im Falle Labour.

Der aktuelle Präsident der SI ist seit 2006 der ehemalige griechische Premierminister George Papandreou. Er ist der frühere Parteichef der griechischen sozialistischen Partei PASOK. Diese Partei trägt große Verantwortung für das Finanzdesaster des Landes. Ihr Einfluss hat sich infolge dessen enorm verringert. Heutzutage besteht ihre Fraktion im griechischen Parlament aus nur 19 der 300 Abgeordneten.

Papandreou ist keines Antisemitismus verdächtig. Doch in seiner Partei hat es extreme Fälle davon gegeben. Sein Vater, Andreas Papandreou, warf Israel Nazi-Praktiken vor, als er Premierminister und Parteichef der PASOK war.

Die SI hat zwei israelische Mitglieder: die Arbeitspartei (Avoda) und Meretz. Der abtretende Avoda-Parteichef Avi Gabbay hat die Verbindungen zu Corbyn und seinem Büro wegen des Umgangs von Labour mit Antisemitismus abgebrochen. Es würde sich ziemen, wenn die israelischen Mitglieder bei der SI eine Ermittlung gegen die britische Labour Party beantragen würden. In der Zwischenzeit sollte ihr Beobachterstatus ausgesetzt werden.

[1] Institutionell antisemitischer zeitgenössischer, linker Antisemitismus und die Krise in der britischen Labour Party

Die vielen Gesichter des Reinwaschens von Antisemitismus

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Wichtige Fälle von Antisemitismus werden im Allgemeinen begleitet von einer Vielzahl an Äußerungen, die sie reinwaschen sollen. Dieses Reinwaschen von Antisemiten und Antisemitismus wird jedoch selten als weit verbreitete und facettenreiche Sache betrachtet.

Das Reinwaschen von Judenhass zog in der andauernden Affäre Ilhan Omar viel Aufmerksamkeit auf sich. Diese neue demokratische Kongressabgeordnete gab mehrere ausgesprochen antisemitische Äußerungen von sich. Prominente Reinwäscher überschlugen sich, um die Bedeutung ihrer Worte zu verschleiern oder Erklärungen für ihre antisemitischen Äußerungen zu finden.

Die Demokratin Nancy Pelosi ist Präsidentin des Repräsentanthauses. Ihre Äußerung über Omar gehört in jede Sammlung der Klassiker des Reinwaschens: „Der Vorfall mit Omar, ich denke nicht, dass unsere Kollegin antisemitisch ist … Ich denke, sie hat eine andere Erfahrung im Gebrauch von Worten.“.[1]

Die Feststellung der jüdischen demokratischen Kongress-Abgeordneten Jan Schakowskys verdient es ebenfalls in diese Sammlung aufgenommen zu werden. Sie merkte an, dass Omar als Flüchtling aus Somalia, aus einer anderen Kultur, etwas lernen muss.[2] Der unbedarfte Leser könnte glauben, dass sie erst vor kurzem in den Vereinigten Staaten ankam. Fakt ist: Omar hat seit den 1990-er Jahren dort gelebt. In dieser Zeit hat sie gelernt erfolgreich für den Kongress zu kandidieren, eine Herausforderung, die weit schwieriger ist als die Verwendung antisemitischer Kommentare zu vermeiden.

Als sich 2016 eine Reihe Fälle von Antisemitismus in der britischen Labour Party öffentlich anzuhäufen begannen, beauftragte Parteichef Jeremy Corbyn Shami Chakrabarti mit Ermittlungen des Antisemitismus in der Partei. Der Eröffnungssatz ihres Berichts war ein Meisterwerk reinwaschender Manipulation: „Die Labour Party ist nicht von Antisemitismus, Islamophobie oder anderen Formen des Rassismus überflutet.“ Niemand hatte behauptet, Labour habe Probleme mit Islamophobie oder Rassismus. Mit dieser Anfangsbemerkung verwässerte Chakrabarti ihre Ermittlung von Beginn an.[3]

In der Labour Party gab es Antisemitismus, bevor Corbyn im September 2015 ihr Parteichef wurde. Er war aber weniger vorherrschend. Heute ist die Labour Party voller antisemitischer Reinwäscher. Eine Umfrage zahlender Parteimitglieder im März 2018 stellte fest, dass 47% sagten, Antisemitismus sei ein Problem, aber das Ausmaß des Problems werde übertrieben, „um Labour und Jeremy Corbyn zu schaden oder Kritik an Israel abzuwürgen“. Weitere 31% sagten, Antisemitismus sei kein ernstes Problem. Einundsechzig Prozent fanden, Corbyn handhabe die Antisemitismusvorwürfe gut.[4]

Es gibt viele weitere Methoden Antisemitismus reinzuwaschen. Der bekannteste und bösartigste amerikanische Antisemit ist Louis Farrakhan, langjähriger Führer der Nation of Islam. 2018 posierte Obamas ehemaliger Generalstaatsanwalt Eric Holder für ein Foto mit Farrakhan.[5] 2005, bevor er für die Präsidentschaft kandidierte, stellte sich Barack Obama für ein „Anfassen- und-lächeln“-Foto mit Farrakhan auf. Dieses Foto wurde erst vor kurzem offenbart und veröffentlicht.[6] Personen des öffentlichen Interesses, die sich mit Farrakhan treffen, legitimieren seine antisemitische Rhetorik und waschen sie rein.

In Westeuropa haben viele Menschen das Gefühl, sie müssten den weit verbreiteten muslimischen Antisemitismus ausblenden. Eine Reihe möglicher Gründe könnten angeführt werden. Manche Progressive behaupten absurderweise, dass nur Weiße Rassisten sein können. Ein weiterer Grund ist, dass viele Politiker glauben, weil Muslime Islamophobie unterworfen werden, solle man die Lage nicht verschärfen, indem man betont, wie viele Segmente der muslimischen Bevölkerung zu Antisemitismus beitragen. Ein weiterer Grund könnte sein, dass europäische Regierungen, weil Muslime oder ihre Nachkommen Zuwanderer sind, nicht beschuldigt werden wollen – wie es sein sollte – Massenimporteure von Antisemiten zu sein, da Immigranten ohne Auswahl wegen ihrer Ansichten hereingelassen wurden.

Verbrechen an Juden in Deutschland durch unbekannte Täter werden als von Rechtsextremen begangen registriert.[7] Das reduziert die Fakten zu muslimischem Antisemitismus enorm. Erst Ende 2017 musste von wichtigen deutschen Politikern die unumgängliche Tatsache des muslimischen Antisemitismus eingestanden werden. Das geschah als Ergebnis eines relativ unwichtigen Vorfalls, des Verbrennens einer selbstgemachten israelischen Flagge durch Muslime in Berlin.

In Frankreich war Ende 2000 die sozialistische Regierung Jospin an der Macht. Damals begann ein großer Ausbruch antisemtiischer Vorfälle. Höchstwahrscheinlich waren Muslime für eine große Zahl davon verantwortlich. Von der Polizei und dem Innenministerium wurden viele dieser Vorfälle als „Rowdytum“ registriert. Die von der Regierung Jospin verbreitete offizielle Version kann man so zusammenfassen, dass gesagt wurde, wenn Juden angegriffen wurden, war das nicht Antisemitismus, sondern ein Spiegel eines sozialen Problems. Der französische Soziologe Shmuel Trigano erwähnte, dass die französische Presse mehrere Monate lang weitgehend nicht über die antisemitische Gewalt berichtete.[8]

Jüdische Reinwäscher von Antisemitismus sind besonders gefragt. In Großbritannien behauptet die Jewish Voice for Labour (JVL): „Für BDS einzutreten kann nur antisemitisch sein, wenn es von Beweisen begleitet wird, dass das von rassenbasierter Feindseligkeit gegenüber Juden motiviert ist.“ Da kein antiisraelischer Hetzer eine solch spezifische Äußerung tätigen wird, ist BDS von der JVL für nicht antisemitisch erklärt worden.[9]

Einer der produktivsten jüdischen Reinwäscher von Antisemitismus ist der US-Publizist Peter Beinart. Seine Behauptung, dass weder BDS noch Ilhan Omar antisemitisch sind, ist nur ein weiterer Aspekt seiner großen Verschleierung von Antisemitismus. Er schreibt: Es gibt in der Welt eine unendliche Zahl an Ungerechtigkeiten  und selbst wenn man sie bezüglich ihrer Schwere in eine Rangfolge bringen könnte, wählen sehr wenige Menschen ihre Angelegenheiten auf diese Weise aus. Sie protestieren öfter gegen Ungerechtigkeiten, die für sie eine bestimmte Bedeutung haben.“ Beinart befindet sich auf dem glitschigen Weg zu massenhaftem Reinwaschen von Antisemitismus, der Israel herausgreift.[10]

Staatsanwälte und Richter können ebenfalls weitgehende Reinwäscher von Antisemitismus sein. In Deutschland versuchten drei Palästinenser 2014 in Wuppertal eine Synagoge anzuzünden. Ein Gericht urteilte, dies sei ein Protest gegen Israel und könne nicht als antisemitische Tat betrachtet könne. Die Täter erhielten Bewährungsstrafen.[11]

Norwegen war das letzte Land in Europa, das Juden aufnahm. Es hat eine lange antisemitische Tradition. Im letzten Sommer rief der Rapper Kaveh Kholardi bei einem Konzert: „Scheißjuden.“ Eine Anzeige wurde von Norwegens Generalstaatsanwalt abgewiesen. Er entschied, dass Kholard kein antisemitisches Hassreden betrieb, sondern legitime Kritik an Israel übte.[12]

Alle oben angeführten Beispiele verblassen im Vergleich mit dem umfangreichen und weitgehenden Reinwaschen von Holocaust-Antisemitismus. In Rumänien leugnete das kommunistische Regime die Rolle des Landes beim Völkermord an den Juden oder spielte sie enorm herunter.[13]

Eng verbunden mit dem Reinwaschen des Holocaust ist die Ablenkung vom Holocaust. Das wurde Jahrzehnte lang ständig von österreichischen Regierungen praktiziert. Sie stellten Österreich als eines der ersten Opfer der Nazis dar statt als Mittäter.

Staaten und Regierungen sind nicht die Einzigen, die Holocaust-Antisemitismus reinwuschen. Europas führender Philosoph der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der deutsche Nazi Martin Heidegger, sagte in einer Vorlesung: Ackerbau ist „jetzt motorisierte Ernährungsindustrie, im Wesen das Selbe wie die Fabrikation von Leichen in Gaskammern und Vernichtungslagern, das Selbe wie die Blockade und Aushungerung von Ländern, das Selbe wie die Fabrikation von Wasserstoffbomben.“[14] Indem er den Holocaust zu den technischen Prozessen zählte, verschleierte er dessen moralische Gesichtspunkte.

Das oben Angeführte ist nur eine kleine, vielseitige Auswahl an Beispielen des Reinwaschens von Antisemitismus, aus dem mit entsprechender Recherche eine große Sammlung gemacht werden kann.

[1] https://thehill.com/homenews/house/433263-pelosi-omar-not-anti-semitic-has-different-use-of-words

[2] www.dailywire.com/news/44621/miller-d%C3%A9j%C3%A0-vu-rep-jan-schakowskys-convenient-anti-paul-miller

[3] www.labour.org.uk/page/-/party-documents/ChakrabartiInquiry.pdf

[4] www.thetimes.co.uk/article/labour-poll-says-antisemitism-row-is-exaggerated-8tdj7wffh

[5] www.nationalreview.com/2019/03/anti-semitism-louis-farrakhan-democratic-party/

[6] www.ajc.com/news/local/could-this-long-lost-photo-have-derailed-obama-2008-campaign/jC8NKhQr6a72VjRYY9o0EM/

[7] http://www.welt.de/politik/deutschland/plus179337122/Extremismus-Antisemitismus-ist-unislamisch.html

[8] Manfred Gerstenfeld, interview with Shmuel Trigano: French anti-Semitism: A Barometer for Gauging Society’s Perverseness.Post-Holocaust and Anti-Semitism 26, 1. November 2004.

[9] www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/23022

[10] https://forward.com/opinion/414449/no-bds-is-not-anti-semitic-and-neither-is-ilhan-omar/; https://forward.com/opinion/419206/the-sick-double-standard-in-the-ilhan-omar-controversy/

[11] www.jta.org/2017/01/15/news-opinion/world/german-court-affirms-ruling-that-said-synagogue-arson-isnt-anti-semitic; https://www.tagesspiegel.de/politik/antisemitismus-in-deutschland-wie-kann-ein-anschlag-auf-eine-synagoge-nicht-judenfeindlich-sein/19572812.html

[12] www.algemeiner.com/2019/01/11/norwegian-rapper-who-shouted-fcking-jews-at-diversity-concert-did-not-violate-law-prosecutor-says; www.miff.no/antisemittisme/2019/03/08riksadvokaten-mener-fuck-joder-kan-tolkes-som-kritikk-av-israel.htm?fbclid=IwAR0sIMmihrpg1OkmrLTTkFfoD0lU6VRLdGZ4X0Yxazeze3ksylHEbixTUKQ

[13] Laurence Weinbaum: The Banality of History and Memory: Romanian Society and the Holocaust. Post-Holocaust and Anti-semitism, 45, 1. Juni 2006.

[14] Martin Heidegger: Einblick in Das Was ist (Bremer Vortrage, 1949). In: Martin Heidegger: Bremer und Freiburger Vorträge. Frankfurt a Main (Vittorio Klostermann) 1994, Gesamtausgabe, 79, S. 3-77.

Dreizehn Millionen britische Bürger haben eine dämonische Sicht auf Israel

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Einundzwanzig Prozent der britischen Erwachsenen-Bevölkerung – oder rund elf Millionen Menschen – tendieren dazu, „stark“ oder „in gewissem Maß“ der Vorstellung zuzustimmen, dass Israel ein Apartheidstaat ist. Zehn Prozent – oder fünf Millionen – tendieren dazu zuzustimmen, dass Menschen „israelische Waren und Produkte boykottieren sollten“. Angesichts der Zahl an Menschen, die diesen verzerrten Aussagen gegen Israel zustimmen ist es nicht beruhigend, dass nur 23% der Behauptung nicht zustimmen, dass Israel ein Apartheidstaat ist, während 46% mit dem Boykott israelischer Waren nicht einverstanden sind.[1]

Diese Daten zu einigen Aspekten des gegen Israel gerichteten Antisemitismus sind das Ergebnis einer neuen Studie von David Graham und Jonathan Boyd mit dem Titel „The Apartheid Contention and Calls for a Boycott“,[2] die im Januar 2019 gemeinsam vom Institute for Jewish Policy Research (JPR) und dem Community Security Trust (CST) veröffentlicht wurde.

Den Befragten wurden zwölf Aussagen vorgelegt, zu denen sie sagen sollten, ob sie ihnen „stark“ oder „in gewissem Maß“ zustimmen oder nicht. „Israel begeht in Palästina Massenmord“ erhielt mit 24% den größten Anteil an Zustimmung. 23 Prozent stimmten der Aussage „Israel versucht gezielt die palästinensische Bevölkerung auszulöschen“ zu.[3] [4] Mit anderen Worten: 13 Millionen britische Bürger haben eine dämonische Sicht auf Israel.

Achtzehn Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass die „Interessen Israels im Widerspruch zu den Interessen des Rests der Welt“ stehen. Wenn das Wort „Israel“ durch das Wort „Jude“ ersetzt wird, ist klar, dass ein klassisches antisemitisches Bild in eine antiisraelische Empfindung mutiert ist. Dasselbe ist bei „Israel hat zu viel Kontrolle über globale Angelegenheiten“ geschehen, eine Aussage, der 17% der erwachsenen Briten zustimmen. Noch eine weitere Aussage, „Israel ist die Ursache aller Probleme im Nahen Osten“, erhielt 10% Zustimmung. All diese Aussagen hätten aus einer aktualisierten Version von Hitlers Mein Kampf stammen können, die sich statt mit den Juden mit Israel beschäftigt.

Dreizehn Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu: „Israel nutzt die Opferrolle aus dem Holocaust für eigene Zwecke aus.“ Fünf Prozent waren mit der Aussage „Israel hat alles Recht zu existieren“ nicht einverstanden. Das beziffert sich auf etwa 3 Millionen Menschen. Bei vielen Aussagen machen die, die weder zustimmen noch nicht zustimmen oder es nicht wissen, nahezu oder mehr als die Hälfte der Befragten aus.

Aus der Studie ergeben sich viele weitere wichtige Einblicke. Der höchste Anteil derer, die „Israel ist ein Apartheidstaat“ zustimmen, sind die im Alter über 60, während der niedrigste sich bei denen unter 30 Jahren befindet. Das gilt auch für diejenigen, die den Aussagen nicht zustimmen.[5] Menschen mit Universitätsabschluss tendieren mehr dazu der Aussage „Israel ist ein Apartheidstaat“ zuzustimmen als andere.[6] Bei dieser letzten Statistik könnte man sich fragen, welchen Einfluss die Linke heute an Universitäten hat.

Die Präsenz von Antisemitismus in der Labour Party ist weithin bekannt. Dennoch ist die größte Anzahl antiisraelischer Ansichten unter denen zu finden, die für kleinere Parteien stimmen. 37 Prozent derer, die schottische oder walisische Nationalisten wählen wollen, stimmen der Aussage „Israel ist ein Apartheidstaat“ zu. 31 Prozent der Grünen-Wähler stimmen ihr zu. Bei Liberaldemokraten beträgt der Anteil 30% und selbst bei der eher rechten UK Independence Party beträgt die Zahl 26%. All diese Anteile liegen über dem Durchschnitt.

Von denen, die die konservative Partei wählen, stimmen 18% zu, dass „Israel ein Apartheidstaat“ ist. Bei denen, die Labour wählen wollen, lautet die Zahl 27%.[7] Was die Zustimmung zum Boykott israelischer Waren und Produkte angeht, führen die Labor-Wähler das Feld mit 16% an, gefolgt von denen der Grünen mit 14%. Konservative laufen bei 6% ein. Alle anderen liegen nahe am Durchschnitt von 10%.[8]

Sieht man sich die Anteile derer an, die der „Apartheid-Aussage“ zustimmen, und bricht sie nach ethnischen Gemeinschaften herunter, stellen wir fest, dass 52% der britischen Araber zustimmen, 33% der asiatischen Pakistaner und 30% der asiatischen Bangladeschis. All diese Gruppen sind Muslime. Ihnen folgen die asiatischen Inder mit 28%. Bei weißen britischen Staatsbürgern lautet die Zahl 24%. Der niedrigste Prozentsatz der Zustimmung, 17%, findet sich bei der schwarzen Bevölkerung.[9]

Was den „Boykott israelischer Waren und Produkte“ angeht, führen Araber und andere Muslime das Feld der Zustimmung an. Die Anteile betragen 45% Araber, 43% asiatische Pakistanis und 37% asiatische Bangladeschis.[10] Selbst asiatische Inder, bei denen Muslime wahrscheinlich eine Minderheit sind, liegen mit 25% weit über dem Durchschnitt von 10%.

Die Studie differenzierte die Antworten auch nach der Religion der Befragten. Die Ergebnisse bestätigen, dass Muslime unter den Befragten am stärksten antiisraelisch sind. 34 Prozent der Muslime stimmen dem „Boykott israelischer Waren und Produkte“ zu. Die Zahlen für die nicht Religiösen lauten 14% und für Christen 8%. Was die Apartheid-Behauptung angeht, ist der Unterschied zwischen Anhängern von Religionen nicht allzu dominant.[11] Die Studie kommt auch zu dem Schluss, dass man umso wahrscheinlicher eine Übereinstimmung zwischen den beiden Behauptungen zu Israel findet, je höher das Level der antijüdischen Empfindungen ist.[12]

Die Erkenntnisse dieser Studie sind nicht nur eine Anklage vieler Millionen Briten und eines weit größeren Anteils der muslimischen Immigranten und ihrer Nachkommen, diese Befunde müssen auch zu einer Verurteilung der israelischen Regierung führen, die immer noch keine Agentur für Gegenpropaganda eingerichtet hat.[13] Israelische Botschaften sind nicht dazu ausgestattet mit diesen Problemen umzugehen. Nach den anstehenden Wahlen sollten Knesset-Mitglieder das Thema der Gegenpropaganda entschlossen aufbringen.

[1] http://www.jpr.org.uk/documents/JPR_2019._Apartheid_briefing_paper.pdf, S. 3

[2] Die Apartheid-Behauptung und Aufrufe zum Boykott

[3] http://www.jpr.org.uk/documents/JPR_2019._Apartheid_briefing_paper.pdf, S. 2

[4] ebenda, S. 2

[5] ebenda, S. 6

[6] ebenda, S. 6

[7] ebenda, S. 8

[8] ebenda, S. 8

[9] ebenda, S. 9

[10] ebenda, S. 9

[11] ebenda, S. 9

[12] ebenda, S. 10

[13] Manfred Gerstenfeld: War of a Million Cuts. The Struggle Against the Delegitimization of Israel and the Jws and the Growth of New Antisemitism. Jerusalem (RVP Press) 2015, Kapitel 21, S. 365-400.

Was stand in einem Leserbrief von 1929?

Sheri Oz, Israel Diaries, 18. Dezember 2018

Man kann bemerkenswert unerwartete Schätze finden, wenn man eine archäologische Grabung in alten Zeitungen vornimmt. Hier ist etwas, das auftauchte, als ich nach etwas anderem suchte:

ARABER UND JUDEN

Sir – In Ihrer Ausgabe vom 26. Oktober macht Herr J. C. MacGregor in seinem Brief eine sehr seltsame Bemerkung: „Die meisten Menschen – und nicht zuletzt der berühmte Oberst Lawrence – wissen, dass unsere früheren Versprechen den Arabern gegenüber von unseren späteren Versprechen den Juden gegenüber (nationale Heimstatt usw.) annulliert wurden, wie es die Balfour-Erklärung aus dem Jahr 1917 verkörpert.“ Ich fürchte, Herr MacGregor weiß nicht, was „unsere früheren Versprechen den Arabern gegenüber“ waren, sonst würde er eine solche Bemerkung nicht geäußert haben.

Das Versprechen war Inhalt eines Briefs von Sir Henry McMahon aus dem Jahr 1915 an den Sherif von Mekka und er war von vorbehaltlicher Natur. Sein Inhalt lautete, dass Großbritannien am Ende des Krieges bereit sein würde die Unabhängigkeit arabischer Territorien anzuerkennen, die südlich des 37. Breitengrades liegen und gegen die türkische Herrschaft rebellierten. Der Sherif von Mekka rebellierte und wurde danach zum König des Hedschas gemacht. Die palästinensischen Araber rebellierten nie; sie blieben während des gesamten Feldzugs von General Allenby passiv. Erst 1921 behauptete Feisal, dass den palästinensischen Arabern im Brief von Sir Henry McMahon Selbstverwaltung versprochen worden sei und als der Kolonialminister (Herr Winston Churchill) ihm erklärte, dass sich irrte, akzeptierte er dessen Äußerung. Darüber hinaus machte Sir Henry McMahon selbst ein einem 1922 an das Kolonialministerium geschriebenen Brief aktenkundig, dass er beabsichtigte Palästina von dem dem Sherif von Mekka gegebenen Versprechen auszunehmen.

Das einzige Versprechen, das den palästinensischen Arabern gegeben wurde, ist das, das in der Balfour-Erklärung gegeben wurde, nämlich „dass nichts unternommen werden soll, das die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina beeinträchtigen könnte“. Diese Zusage ist treulich gehalten worden.

Ich bin usw.
Israel Cohen

(abgedruckt in The Saturday Review, 1929)

Ich glaube nicht, dass ich irgendetwas hinzufügen muss, um dies noch klarer zu machen, als es dem scharfsinnigen Leser ohnehin schon ist. Nicht, dass dies 1929 geschrieben wurde, vor dem Holocaust, vor der Gründung der PLO, vor einem Haufen Zeugs.

Ich überlasse es Ihnen mir zu sagen, was Sie hieraus entnehmen.

Juden mit geteilter Loyalität – das wichtigste antisemitische Stereotyp

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Dem Mord an 11 Juden in einer Synagoge in Pittsburgh folgte die Veröffentlichung einer FBI-Publikation zu 2017, die festhielt, dass 60% aller voreingenommen-religiösen Hassverbrechensvorfälle in den USA sich gegen Juden richteten, womit die Zahl für andere Religionen bei weitem überschritten wurde. Diese und eine Reihe weitere Erscheinungsformen des Antisemitismus machen eine Analyse der wichtigsten negativen Stereotype zu Juden in den Vereinigten Staaten vor dem Hintergrund der internationalen Lage notwendig.[1]

Statistiken zeigen, dass das wichtigste antisemitische Hass-Motiv weltweit das ist, Diaspora-Juden würden Israel gegenüber mehr Loyalität zeigen als gegenüber dem Land, in dem sie leben. Die von der ADL 2014 veröffentlichte Studie „Global 100“ stellte fest, dass 30% der erwachsenen Amerikaner – also 75 Millionen Menschen – diese Falschmeldung glauben.[2] Eine Studie der ADL aus dem Jahr 2015 stellte sogar einen leicht höheren Anteil fest.[3]

Die Global 100-Studie der ADL von 2014 stellte auch fest, dass die falsche Anschuldigung der geteilter Loyalität das wichtigste internationale antisemitische Stereotyp ist. 41 Prozent der in dieser Studie eingeschlossenen Weltbevölkerung glauben, dass das wahr ist,[4] was rund 1,7 Milliarden Menschen ergibt. Diese gewaltige Zahl bietet eine fruchtbare Infrastruktur für viele weitere antisemitische Anschuldigungen. Wenn die Interessen Israels denen des Landes entgegen stehen, n dem die Juden leben, könnte das israelische Interesse Vorrang bekommen. A priori untergräbt dies das Vertrauen in Juden. Man kann es so ausdrücken: „Du bist nicht wirklich einer von uns.“ In seiner extremsten Form ist geteilte Loyalität ein verschleierter Vorwurf von Verrat.

Die Anschuldigung Juden seien der Gesellschaft oder dem Land gegenüber, wo sie leben, nicht loyal, existierte lange, bevor der Staat Israel gegründet wurde. Mitte des vierzehnten Jahrhunderts ermöglichte sie zur Zeit der Plage des Schwarzen Todes das Verbrennen von Juden; sie wurden beschuldigt Lebensmittel, Brunnen und Flüsse zu vergiften. Es gab eine Reihe Variationen dieses Themas der zweierlei beziehungsweise des Fehlens von Loyalität. Eine Version lautete, Juden seien Kosmopoliten, ein Volk ohne Vaterland, die nur anderen Juden gegenüber loyal seien. Das bot eine bequeme Grundlage für die Beschuldigung und anschließende Verurteilung des französischen Offiziers Alfred Dreyfus wegen Hochverrat im Jahr 1894. Als Jude war er der ideale Kandidat um ihm Spionage gegen Frankreich vorzuwerfen, die in Wahrheit von einem nichtjüdischen Offizier begangen worden war.

Juden geteilter Loyalität zu beschuldigen ermöglicht die Schaffung weiterer antisemitischer Stereotype. Eines lautet: „Juden wollen die Welt kontrollieren.“ Die globale ADL-Studie von 2014 zeigt, dass 29% der Befragten weltweit glauben, Juden hätten zu viel Macht in Weltangelegenheiten.[5]

In den USA offenbarte 2015 eine Studie der ADL, dass 16% der Bevölkerung der Amerikaner (das sind 40 Millionen) glauben, Juden hätten zu viel Macht in der Geschäftswelt.[6] Dieselbe Zahl an Amerikanern zieht in Erwägung, dass Juden in den internationalen Finanzmärkten zu viel Macht haben. Zwölf Prozent oder 30 Millionen waren der Meinung, dass Juden zu viel Kontrolle über die US-Regierung ausüben, während dieselbe Anzahl glaubt, dass Juden zu viel Kontrolle über die Weltmedien haben. 25 Millionen erwachsene Amerikaner glauben, dass Juden zu viel Kontrolle über Weltangelegenheiten haben.[7]

Unter der Administration Obama entstand eine beträchtliche Uneinigkeit zwischen den USA und Israel bezüglich des Iran-Abkommens. Der jüdische Senator Chuck Shumer stimmte dagegen und wurde dann beschuldigt Israel gegenüber loyaler zu sein als Amerika.[8] Juden fürchten oft geteilter Loyalität beschuldigt zu werden, wenn einer von ihnen einen größeren Fehltritt begeht. Der extremste Fall war Jonathan Pollards Spionage für Israel. Er ist die einzige Person, die jemals eine lebenslange Strafe wegen Spionage gegen die USA im Auftrag eines Verbündeten erhielt.[9]

Es kann leicht gezeigt werden, dass auf grundlegenden Fragen großer Bedeutung für Israel die Beschuldigung der geteilten Loyalität amerikanischer Juden im Wesentlichen gelogen ist. Bisher ist Donald Trump der pro-israelischste US-Präsident gewesen. Wenn es geteilte Loyalität von Juden gäbe, sollte die große Mehrheit der amerikanischen Juden heute ihn heute unterstützen. 2016 stimmten 71% der Juden für Hillary Clinton; landesweit waren im Vergleich dazu 48%. Nur 24% der Juden stimmten für Trump.[10] Im neu gewählten Kongress wird von einer Vielzahl jüdisch-demokratischer Ausschuss-Leiter erwartet, dass sie den Präsidenten auf bedeutende Weise angreifen.[11]

Es gibt viele weitere Belege dafür, dass das Konzept der geteilten Loyalität amerikanischer Juden falsch ist. Barack Obama gehörte zu den Israel gegenüber unfreundlichsten US-Präsidenten, doch Juden stimmten in großer Zahl für ihn. 2008 stimmten 78% der Juden für Obama, landesweit waren es 53%. 2012 stimmten 69% der Juden für ihn, landesweit waren es 58%.[12][13] Die Mehrheit der amerikanischen Juden, die für Obama stimmten, taten das anscheinend gegen ihre eigenen Interessen. Er und seine Frau waren lange Zeit Mitglieder einer Kirche, deren Pastor Jeremiah Wright Antisemit ist.[14]

Wie wackelig Behauptungen der geteilten Loyalität von Juden sind, lässt sich auch in anderen Ländern zeigen. In einer in den Niederlanden während des Wahlkampfs durchgeführten Meinungsumfrage wurde festgestellt, dass 19% der niederländischen Juden beabsichtigten für die antiisraelische Arbeitspartei (PvdA) zu stimmen, während nur 6% der Gesamtbevölkerung für diese stimmte.[15]

In Großbritannien sagten 13% der Juden, sie würden bei den Parlamentswahlen 2017 immer noch für die Labour Party stimmen.[16] Und das trotz der Tatsache, dass Parteichef Jeremy Corbyn Sympathisant völkermörderisch-terroristischer Angreifer Israels und ein Anti-Israel-Hetzer ist.[17] Mehrere Menschen in seinem Umfeld hetzen extreme gegen Israel.

Stark verwässerte Versionen der geteilten Loyalität sind in vielen Ländern zu finden. Immigranten mögen beim Sport ihr Herkunftsland gegen das Land, in dem sie leben, unterstützen. Manchmal gerät dies jedoch radikal außer Kontrolle. Ein sehr bekannter Fall ist das Fußball-Freundschaftsspiel 2001 in Paris zwischen Frankreich und Algerien. In Frankreich lebende Algerier pfiffen, als die französische Nationalhymne gespielt wurde. Das Spiel musste abgebrochen werden, als Algerier das Spielfeld stürmten.[18]

Viele Länder haben eine problematische Diaspora. Anschuldigungen geteilter Loyalität ist jedoch ein typisches und weit verbreitetes, antijüdisches Stereotyp. Es gibt Fälle anderer Ethnien, wo das Problem geteilter Loyalität offensichtlich ist. Ein Beispiel ergibt sich aus der Tatsache, dass die Türkei ihren im Ausland lebenden Bürgern gestattet an Wahlen teilzunehmen. Mehr als 450.000 Türken oder 65% derer, die in Deutschland an der Wahl teilnahmen, unterstützten bei den Parlamentswahlen von 2018 Erdoğans AKP. Das ist beträchtlich mehr als der Anteil derer, die in der Türkei für sie stimmte. Trotzdem führte das nicht zu allgemeiner Entrüstung in Deutschland darüber, dass diese Leute eine Partei im Ausland unterstützen, deren Ansichten mit demokratischen Normen und Werten nicht kompatibel sind.

Der ehemalige Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir war fast der einzige deutsche Politiker, der die offensichtlichen Schlüsse zog. Er sagte: „Die feiernden deutsch-türkischen Erdoğan-Anhänger jubeln nicht nur ihrem Alleinherrscher zu, sondern drücken damit zugleich ihre Ablehnung unserer liberalen Demokratie aus. Das muss uns alle beschäftigen.“[19]

Intelligente Wege zu finden, diese falschen Behauptungen geteilter Loyalität gegen Juden zu entlarven, könnte der Anfang eines neuen Typs des Kampfs gegen Antisemitismus sein.

[1] https://ucr.fbi.gov/hate-crime/2017/topic-pages/tables/table-1.xls

[2] https://global100.adl.org/public/ADL-Global-100-Executive-Summary.pdf

[3] http://global100.adl.org/#country/usa/2015

[4] https://global100.adl.org/public/ADL-Global-100-Executive-Summary.pdf.

[5] ebenda

[6] http://global100.adl.org/#country/usa/2015

[7] ebenda

[8] http://www.timesofisrael.com/us-jewish-group-slams-dual-loyalty-smears-on-iran-deal/

[9] http://www.theguardian.com/world/2015/nov/20/spy-jonathan-pollard-to-be-free-after-30-years-but-still-a-thorn-in-us-israeli-ties

[10] http://www.jewishvirtuallibrary.org/jewish-voting-record-in-u-s-presidential-elections

[11] http://www.jpost.com/Diaspora/Jewish-Americans-are-now-the-face-of-Trump-resistance-571399

[12] ebenda

[13] http://www.jta.org/2018/10/17/news-opinion/politics/poll-shows-jewish-voters-favor-democrats-midterms-dislike-trump

[14] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/19883

[15] http://www.niw.nl/enquete-joods-nederland-kiest-555/

[16] http://www.thejc.com/news/uk-news/labour-support-just-13-per-cent-among-uk-jews-1.439325

[17] https://besacenter.org/perspectives-papers/corbyn-against-jews-israel/

[18] http://www.leparisien.fr/sports/france-algerie-pourquoi-le-match-a-degenere-08-10-2001-2002494338.php

[19] http://www.zeit.de/politik/ausland/2018-06/reaktionen-tuerkei-wahl-cem-oezdemir