Die ambivalente Haltung Großbritanniens gegenüber dem muslimischen Terror

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Einmal mehr erlebt die Welt die britische Ambivalenz gegenüber muslimischem Terror. Das Vereinte Königreich war starr vor Schreck, als der 52 Jahre alte Khalid Masood am 22. März vor dem Parlamentsgebäude vier Menschen tötete und 29 verletzte.[1]

Das war nicht der erste durch islamische Ansichten motivierte tödliche Anschlag von Terroristen in Großbritannien. 2005 töteten Bombenzündungen in der Londoner U-Bahn und in Bussen 52 Menschen und verletzten Hunderte weitere.[2] 2013 wurde der britische Soldat Lee Rigby „verstümmelt und fast enthauptet, dann von Michael Adebowale (22) und Michael Adobolajo (28) ermordet, die ihm vor der Kaserne von Woolwich im Südosten Londons aufgelauert hatten.[3]

Die britische Ambivalenz gegenüber Terror ist offensichtlich. Trotz der entsetzlichen Natur der früheren Vorfälle sind Terrorunterstützer im Oberhaus willkommen. Am 27. Oktober 2016 war Baroness Tonge, ehemalige liberaldemokratische Abgeordnete und heute unabhängige Peer, die Gastgeberin. Die Teilnehmer des Treffens waren Mitglieder des palästinensischen PRC (Palestinian Return Center – Palästinensisches Rückkehrzentrum).[4] Die Zusammenkunft startete eine Kampagne, dass Großbritannien sich am 100. Jahrestag der Balfour-Erklärung von 1917 entschuldigen soll, mit der das Empire sich zur Unterstützung für das jüdische Volk in Palästina verpflichtete. Ohne Widerspruch durch Baroness Tonge, die dem Treffen vorstand, wurde Israel mit ISIS auf eine Stufe gesetzt und es wurde behauptet, dass Juden ihren eigenen Völkermord provozierten.[5]

Am 15. März lieferte Lucy Scott Moncrieff, die Kommissarin für Standards des Oberhauses, ein Urteil ab, die Baroness habe trotz überwältigender Belege des Gegenteils ehrenhaft gehandelt.[6] Ein paar Wochen davor schrieb Rabbi Abraham Cooper, der stellvertretende Dekan des Simon Wiesenthal Center, der Kommissarin, der unter anderem die Aufmerksamkeit auf einen Brief lenkte, den Tonge der britisch-jüdischen Verteidigungsorganisation Cummunity Security Trust (CST) schickte. In diesem Brief behauptete sie, Israel sei die Ursache von Antisemitismus. Darüber hinaus schrieb sie, dass der CST, eine Organisation britischer Juden, verpflichtet sei israelisches Handeln zu verurteilen.[7] Ihre Äußerung implizierte, dass Juden, die nicht in Israel wählen können, für dessen Handeln verantwortlich gemacht werden müssen.

Die Kommissarin des Oberhauses hätte einen weitere Fall berücksichtigen müssen. Das Vereinte Königreich war das erste Land, das die Antisemitismus-Definition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz IHRA) für die heimische Verwendung akzeptierte.[8] Wendet man deren Bestimmungen auf verschiedene Äußerungen an, die Lady Tonge im Lauf der Jahre von sich gab, kann man eine Vielzahl antisemitischer Aussagen feststellen.[9] Ein Beispiel für Antisemitismus aus der IHRA-Definition lautet: „Juden kollektiv für Handeln des Staats Israel verantwortlich machen.“ Tonges Brief an den CST läuft darauf hinaus.

Ein weiteres Beispiel: 2004 sagte Tonge, wenn sie Palästinenserin wäre, würde sie in Erwägung ziehen Selbstmordbomberin zu werden.[10] Das passt in ein weiteres Beispiel der IHRA-Definition für Antisemitismus – „im Namen einer radikalen Ideologie oder einer extremistischen Auffassung von Religion zum Tötens von Juden oder ihnen Schaden zuzufügen aufzurufen oder es zu rechtfertigen.“[11]

Tonge verwendete zudem eine zeitgenössische antiisraelische Version des alten Ritualmordvorwurfs, indem sie eine Ermittlung erfundener Vorwürfe forderte, israelische medizinische Teams hätten Organe „geerntet“, als sie 2010 nach Haiti kamen, um Menschen nach dem Erdbeben zu helfen.[12]

Ein weiterer Aspekt des im Oberhaus von Lady Tonge geleiteten Treffens betrifft die von ihr Eingeladenen, das Palestinian Return Centre. Der erfahrene niederländische Journalist Carel Brendel hat den Hintergrund des PRC detailliert recherchiert.[13] Er zitiert den Verfassungsschutzbericht des deutschen Innenministeriums von 2011, in dem es heißt: „Die HAMAS tritt in Europa nicht offen auf. Als Forum nutzt sie stattdessen u.a. das „Palestinian Return Centre“ (PRC) mit Sitz in London (Großbritannien).“[14] Brendel zitiert auch Verfassungsschutzberichte der Bundesländer Berlin und Nordrhein-Westfalen mit ähnlichen Schlussfolgerungen. Er berichtet, dass zwei der Schlüsselpersonen der Konferenz sich mit der Hamas identifizieren und als loyale Anhänger der Organisation gelten.

Der Daily Telegraph stellt heraus, dass das PRC in Großbritannien mit der Muslim Association of Britain in Beziehung steht, dem wichtigsten britischen Zweig der Muslimbruderschaft. Sie haben auch gemeinsame Direktoren. Das PRC hat auf seinen jährlichen Konferenzen regelmäßig Hamas-Führer empfangen.[15]

2011 veröffentlichte das Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center ein Dokument über das PRC. Es begann mit der Erklärung: „Das Palestine Return Centre (PRC) ist ein palästinensisches Zentrum für antiisraelische Propaganda, das 1996 in London gegründet wurde. Es steht in Verbindung mit der Hamas und der Muslimbruderschaft und einige seiner ranghohen Personen sind Hamas-Aktivisten, die in Großbritannien Zuflucht fanden. Seine Gründung wurde auf die Grundlage der Ablehnung der Oslo-Vereinbarungen und einer heftigen Ablehnung des Existenzrechts des Staates Israel gestellt.“[16]

Das Vereinte Königreich ist nicht das einzige Land der Welt, das die Augen vom terrorunterstützenden Charakter des PRC abwendet. Die niederländische Regierung schweigt ebenfalls zur anstehenden Konferenz „Palästinenser in Europa“, die vom PRC in Rotterdam geleitet wird und am 15. April stattfinden soll.[17] Das bedarf allerdings einer weiteren Analyse.

[1] http://edition.cnn.com/2017/03/23/europe/london-attack/

[2] http://www.bbc.com/news/uk-33253598

[3] http://www.dailymail.co.uk/news/article-2515493/Soldier-Lee-Rigby-murdered-mutilated-decapitated-Woolwich-attack-court-hears.html

[4] http://jewishnews.timesofisrael.com/breaking-baroness-tonge-suspended-by-liberal-democrats/

[5] http://www.thetimes.co.uk/article/jews-blamed-for-holocaust-at-shameful-house-of-lords-event-m86q69tl0

[6] http://www.publications.parliament.uk/pa/ld201617/ldselect/ldprivi/142/142.pdf

[7] http://www.huffingtonpost.com/entry/baroness-jenny-tonges-embraces-historys-oldest-hate_us_5894f273e4b061551b3dfe72

[8] https://holocaustremembrance.com/media-room/stories/working-definition-antisemitism

[9] https://heplev.wordpress.com/2016/08/15/lady-jenny-tonge-gehoert-zu-den-fuehrenden-britischen-anstiftern-von-antisemitismus/

[10] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/19290 – _ftn4

[11] http://www.holocaustremembrance.com/media-room/stories/working-definition-antisemitism

[12] http://www.theguardian.com/politics/2010/feb/13/jenny-tonge-sacked-israel-comments

[13] http://www.carelbrendel.nl/2017/02/03/de-aboutaleb-hamas-conferentie-factcheck/

[14] http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2012/vsb2011.pdf?__blob=publicationFile; S. 280.

[15] http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/11398538/How-the-Muslim-Brotherhood-fits-into-a-network-of-extremism.html

[16] http://www.terrorism-info.org.il/data/pdf/pdf_11_339_2.pdf

[17] http://www.huffingtonpost.com/entry/will-rotterdam-mayor-aboutaleb-allow-a-conference-led_us_58b58033e4b02f3f81e44c4b

Islam ist Frieden… und Terror im Westen gehört einfach dazu

Der (muslimische) Bürgermeister von London hatte zum heutigen Terroranschlag vor allem eins zu sagen: Dass (islamischer) Terrorismus zum Leben in einer Großstadt einfach dazu gehört. Tja, wohl nicht überall und warum wohl nicht überall?

Könnte es sein, dass es daran liegt, dass in Tokio so viele Muslime leben – nämlich so gut wie keine?

Kay Wilson postete auf Facebook einen Screenshot des Facebook-Streams von Al-Jaziras Englischen Nachrichten. Die Emoticons sind die Reaktionen von muslimischen Zuschauern auf die Nachrichten vom Terror in London:

Wie die Brexit-Verhandlungen Israel helfen können

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die Brexit-Verhandlungen werden für Israel wahrscheinlich auf mehrere Arten nützlich sein. Eine davon besteht darin, dass die britische Regierung und besonders die Medien des Landes die Probleme und das Fehlverhalten der EU in allen Einzelheiten bloßstellen werden. Ein Artikel in der britischen Tageszeitung The Telegraph sagt voraus: „Die EU wird durch Britanniens Abgang bald verkrüppelt werden, da dieser sie ihrer Finanzzentren und Milliarden Pfund an jährlichen Nettobeiträgen beraubt. Der modus operandi der EU war immer der Kauf von Unterstützung mit deutschem und britischem Geld, besonders in ärmeren Regionen und in Frankreichs landwirtschaftlichem Kernland: Wenn das Bargeld ausbleibt oder durch eine Euro-Steuer ersetzt wird, werden die Spannungen wieder aufflammen.[1]

Ein zweiter Grund besteht in der Offenlegung von Problemen der führenden Länder Europas. Obwohl die Verhandlungen noch nicht begonnen haben, kann man bereits Beispiele dafür finden. Eines betrifft Frankreich, ein Land, das eine unverhältnismäßig einflussreiche Rolle bei der Kritik an und der Hetze gegen Israel in der EU spielt, sowohl in der Vergangenheit als auch unter dem aktuellen Präsidenten.

The Telegraph hat einen Artikel veröffentlicht, der Frankreich als den Kranken Mann Europas bezeichnet.[2] Er erwähnt, dass Frankreichs Staatsschulden im Verlauf der letzten acht Jahre zugenommen haben und inzwischen 100 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts erreicht. Das setzt das Land unter die Top Sechs in der EU, die unter hohen Staatsschulden leiden. Das Blatt zeigt zudem, dass die französischen Regierungsausgaben 2015 schon bei 57 Prozent des Bruttoinlandsprodukts lagen. Das stellt es, was die Ausgaben angeht, zusammen mit Finnland an die Spitze der 28 EU-Mitgliedsstaaten. Frankreichs Wirtschaftswachstum betrug 2015 nur 1,3 Prozent, der EU-Durchschnitt lag bei 2,2 Prozent. Darüber hinaus hat das Land die zweithöchste Arbeitskampfquote in der EU.

Es gibt Indikatoren eines weiteren Vorteils der Brexit-Verhandlungen für Israel. Das Völkerrecht ist von der EU regelmäßig missbräuchlich gegen Israel eingesetzt worden. Auch hier hat das Vereinte Königreich ein ureigenes Interesse daran zu zeigen, dass das Völkerrecht ein vages und unbeständiges Konstrukt ist. Die Europäische Kommission hatte gedroht Großbritannien dazu zu zwingen etwa 450 Milliarden Pfund zu zahlen, wenn es die EU verlässt. Ein Unterausschuss des Finanzausschusses des Oberhauses sagte jedoch in einem Bericht: „Gemäß dem Völkerrecht ist das Vereinte Königreich rechtlich nicht verpflichtet zum EU-Haushalt beizutragen, wenn am Ende der Verhandlungen nach Artikel 50 keine Vereinbarung erzielt wird.“ Der Ausschuss sagte, selbst wenn die EU-Mitgliedsstaaten auf Basis des Völkerrechts einen Fall gegen Großbritannien vor Gericht bringen, wird der nur langsam in Gang kommen und kaum durchzusetzen sein.[3] Je mehr die Briten die Einschränkungen und Mängel des Völkerrechts genau beschreiben, desto besser.

Der verstorbene Meir Rosenne, ehemaliger israelischer Botschafter in den Vereinigten Staaten und Frankreich und Experte für internationales Recht, hat gesagt: „Es gibt zwei Typen Völkerrecht. Eines wird auf Israel angewendet, das andere auf alle anderen Staaten. Das gerät ins Blickfeld, wenn man sich ansieht, wie in internationalen Institutionen mit Israel umgegangen wird…“

Rosenne erwähnte als typisches Beispiel die gutachterliche Stellungnahme des internationalen Strafgerichtshofs zum israelischen Sicherheitszaun. „In seiner Beurteilung entschied das Gericht in Den Haag, dass das inhärente Recht auf Selbstverteidigung nur bei der Konfrontation mit einem Staat durchgesetzt. Wäre das wahr, dann würde es bedeuten, dass, was immer die USA gegen Al-Qaida unternehmen, illegal ist. Das kann nicht als Selbstverteidigung gemäß Artikel 51 der UNO-Charta gewertet werden, weil Al-Qaida kein Staat ist.“[4]

Es gibt eine weitere wahrscheinliche Quelle an Problemen, die für Israel in seinen Konfrontationen mit einzelnen europäischen Ländern sowie der EU aller Wahrscheinlichkeit nach nützliche Einblicke ergeben werden. Obwohl die Brexit-Verhandlungen formell zwischen der EU und Großbritannien stattfinden, muss die EU auch einen Konsens ihrer Mitgliedsländer zu den vereinbarten Modalitäten erzielen. Deren Interessen sind sehr unterschiedlich und die Verhandlungen mit dem Vereinten Königreich werden vermutlich eine Quelle der Spannungen zwischen ihnen sein. Die Briten werden ihr Bestes tun, diese Kontroversen anzuheizen. Je mehr interne Uneinigkeit es gibt, desto besser für Großbritannien.

Vor etwa einem Jahr hatte ich in der Jerusalem Post vorgeschlagen, dass Israel ein Schwarzbuch zum Fehlverhalten der EU ihm gegenüber vorbereiten solle, da die Diffamierung Israels durch die EU und das Untergraben seiner Souveränität ein großes Ausmaß annehmen.[5] Dieser Vorschlag ist heute obsolet. Was seitens des Vereinten Königreichs an Kritik an der EU zum Vorschein kommen wird, wird weit umfassender sein als das, was israelische Experten jemals hätten erreichen können.

Heute wird allerdings ein anderes Herangehen nützlich sein. Israel sollte ein Komitee aus Regierungsvertretern und von außen dazugeholten Experten bilden, die aus dem riesigen Strom an Artikeln und Daten die Elemente identifizieren, die von Israel in seinen Konfrontationen mit der EU genutzt werden können.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Jerusalem Center for Public Affairs. Ihm vom Journal for the Study of Antisemitism ein Preis für sein Lebenswerk und vom Simon Wiesenthal Center der International Leadership Award verliehen.

[1] http://www.telegraph.co.uk/business/2017/02/22/must-leave-eu-quickly-falling-apart-faster-thought/

[2] http://www.telegraph.co.uk/business/2017/03/06/eight-charts-show-france-sick-man-europe/

[3] http://www.telegraph.co.uk/news/2017/03/04/britain-will-not-have-pay-penny-leave-european-union-say-peers/

[4] Meir Rosenne, personal communication, cited in Manfred Gerstenfeld, “European Politics: Double Standards toward Israel,” Jewish Political Studies Review 17, 3-4 (Fall 2005).

[5] www.jpost.com/Opinion/An-Israeli-black-book-on-the-EU-450819 (deutsche Version: https://heplev.wordpress.com/2016/04/18/ein-israelisches-schwarzbuch-zur-eu/)

Das zweierlei Maß bei außergerichtlichen Tötungen

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die Reaktionen demokratischer Regierungen auf außergerichtliche Tötungen variiert ganz enorm, je nachdem, welches Land sie durchführt. Das kann konkreter so wiedergegeben werden: Die Anwendung von zweierlei Maß gegen Israel – was ein Kernelement von Antisemitismus ist – ist auch in Sachen außergerichtlicher Tötungen sehr klar zu erkennen.

Das rückte vor kurzem in einem neuen französischen Buch wieder in den Vordergrund, dessen Titel mit „Tödliche Fehler“ übersetzt werden kann.[1] Autor ist der französische Journalist Vincent Nouzille; er behauptet, Frankreichs Präsident François Hollande habe von 2013 bis 2016 mindestens vierzig außergerichtliche Tötungen genehmigt. Einige wurden von der französischen Armee oder den Geheimdiensten des Landes ausgeführt, andere von verbündeten Staaten auf Grundlage von durch Frankreich zur Verfügung gestellte Geheimdienst-Informationen.[2]

Über diese Tötungen sind in den großen englischsprachigen Medien fast keine Informationen zu finden. Dieses relative Schweigen unterscheidet sich enorm von der immensen Verurteilung Israels nach der Exekution von Scheik Ahmed Yassin. 2004 tötete Israel diesen Führer der Terrororganisation Hamas. Er war für Selbstmord-Bombenanschläge und viele andere tödliche Anschläge auf israelische Zivilisten direkt verantwortlich.

Daraufhin wurde Israel massiv verbal angegriffen. Der damalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan sagte zum Beispiel: „Ich verurteile die gezielte Tötung von Scheik Yassin und den anderen, die mit ihm starben. Solche Handlungen widersprechen nicht nur dem Völkerrecht, sondern sie tun gar nichts, um bei der Suche nach einer friedlichen Lösung zu helfen.“[3] Im Sicherheitsrat mussten die USA ihr Veto einlegen, um eine Verurteilung Israels zu verhindern.[4]

Nach dem Tod von Scheik Yassin sagte der französische Außenamtssprecher Hervé Ladsous: „Frankreich verurteilt die gegen Scheik Yassin unternommene Tat, so wie es immer das Prinzip jeder außergerichtlichen Tötung als dem Völkerrecht widersprechend verurteilt hat.“[5]

Die Tötung von Scheik Yassin durch Israel ist von dem damaligen britischen Außenminister Jack Straw als „inakzeptabel“ und „ungerechtfertigt“ bezeichnet worden.[6] Der offizielle Sprecher des damaligen Labour-Premierministers Blair verurteilte den „gesetzwidrigen Angriff“ und merkte an: „Wir haben wiederholt unsere Opposition gegen Israels Nutzung gezielter Tötungen und Ermordungen deutlich gemacht.“[7]

Die klarste Demonstration weit verbreiteten westlichen zweierlei Maßes betrifft jedoch den Vergleich der Tötung von Scheik Yassin und der von Osama bin Laden durch die USA im Jahr 2011. Die Obama-Administration hatte enorme Geldmengen investiert, um diesen Terroristen zu orten und zu töten.

Der damalige UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon sagte: „Der gestern Abend von Präsident (Barack) Obama verkündete Tod von Osama bin Ladens ist ein Wendepunkt in unserem globalen Kampf gegen den Terrorismus.“[8]

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bejubelte Bin Ladens Tod als einen Schlag im Kampf gegen den Terrorismus.[9] Er rief Präsident Obama an, pries seine Entschlossenheit und seinen Mut und den der anderen, die den Al-Qaida-Chef zehn Jahre lang verfolgt hatten. Sarkozy fügte hinzu, dass die beiden Staatschefs übereingekommen waren, den gerechten und notwendigen Kampf gegen terroristische Barbarei und die, die sie unterstützen, fortzusetzen.[10]

Der damalige britische Premierminister David Cameron gratulierte Präsident Obama zur erfolgreichen Tötung von Bin Laden. Er betrachtete sie als massiven Schritt vorwärts im Kampf gegen den extremistischen Terrorismus.[11] Der ehemalige Premierminister Blair hieß Bin Ladens Exekution willkommen.[12]

Wie die Franzosen hat die britische Regierung Cameron ebenfalls außergerichtliche Tötungen begangen. 2015 bestätigte Cameron, dass Großbritannien zwei außergerichtliche Tötungen an britischen Bürgen verübte, die in Syrien für ISIS kämpften. Sie wurden von einer britischen Drohne gezielt beschossen. Ein dritter britischer Jihadist wurde nach Angaben von Cameron durch einen gesonderten Luftangriff der USA getötet.[13]

Neben dem zweierlei Maß in Bezug auf Israel gibt es einen weiteren wichtigen Schluss: Israel exekutierte außergerichtlich einen palästinensischen Feind. Die Franzosen und Briten töteten ihre eigenen Staatsbürger. Aber für die Israelhasser macht das vermutlich auch keinen Unterschied.

[1] http://www.fayard.fr/erreurs-fatales-vincent-nouzille

[2] http://www.telegraph.co.uk/news/2017/01/05/francois-hollande-has-personally-authorised-least-40-targeted/

[3] http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=10155&Cr=middl#.WG4btlV967Q

[4] news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/3568349.stm

[5] http://www.mcgill.ca/channels/news/double-standard-when-fiends-slain-174326

[6] news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/3556559.stm

[7] http://www.theguardian.com/politics/2004/mar/22/foreignpolicy.israel

[8] http://www.un.org/press/en/2011/sgsm13535.doc.htm

[9] http://www.dailymail.co.uk/news/article-1382649/Osama-bin-Laden-dead-Photo-Obama-watching-special-forces-shoot-him.html

[10] http://www.ambafrance-uk.org/President-Sarkozy-hails-US-leader

[11] ebenda

[12] http://www.mirror.co.uk/news/top-stories/2011/05/03/osama-bin-laden-world-braced-for-terror-revenge-attacks-following-death-115875-23103432/

[13] http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/terrorism-in-the-uk/11848600/David-Cameron-Britain-mounted-fatal-air-strike-in-Syria-live.html

Die Auswahl der antisemitischsten Vorfälle 2016

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Es ist zur Tradition geworden, dass das Simon Wiesenthal Center am Jahresende eine Auswahl der wichtigsten antisemitischen Vorfälle veröffentlicht. Als die Liste 2010 erstmals erstellt wurde¸ war sie zwei Seiten lang.[1] Bis letztes Jahr hatte sie sich auf sechs Seiten verdreifacht.[2] Was 2016 angeht, gibt es zwei neue Aspekte. Der erste ist die breite Anerkennung einer Antisemitismus-Definition, die seit Mai gültig ist, nämlich die der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA).[3] Ihre Annahme erforderte die Zustimmung aller 31 demokratischen Mitgliedsstaaten.

Der zweite Aspekt ist, dass der vielleicht größte antisemitische Vorfall dieses Jahres Juden nicht einmal erwähnte. Durch dieses Fehlen wurde er extrem antisemitisch. 2016 nahm die UNESCO eine Resolution an, die den Tempelberg ausschließlich als Al-Haram Al-Sharif/Al-Aqsa-Moschee bezeichnet.[4] Damit schnitt sie Juden und Christen von der Bedeutung Jerusalems für ihre Religionen ab.

Dieses Jahr wird es für die Führungskräfte des SWC schwierig sein ihre Arbeit zu tun, denn es gab eine Vielzahl wichitger antisemitischer Vorfälle, aus denen sie aussuchen können. Ein paar Vorschläge könnten hilfreich sein. Die Black Lives Matter-Koalition (BLM) sollte weit oben auf der Liste stehen. Ihr Programm behauptet fälschlich, Israel sei ein „Apartheidstaat“, der Völkermord an den Palästinensern begeht.[5]

Ein weiterer Spitzenkandidat für die SWC-Liste ist Jeremy Corbyn, der linksextreme Parteichef der Britischen Labour Party. Unter seiner Führung hat der Antisemitismus sich in der Partei enorm ausgeweitet. Corbyn hat Hamas und Hisbollah als seine Freunde bezeichnet und es so viele Monate lang abgelehnt sich von dieser Äußerung zu distanzieren,[6] dass dies, nachdem er es schließlich machte, bedeutungslos geworden war.

Corbyn ernannte als seinen strategischen Berater Seumas Milne,[7] der ein Fürsprecher der Hamas ist.[8] Er gab zudem Kenneth Livingstone, dem berüchtigten Produzenten antisemitischer Verleumdungen, eine wichtige Position in der Partei.[9] Letzerer wurde später wegen antisemitischer Äußerungen suspendiert. Er sagte, Hitler habe den Zionismus unterstützt.[10] Als der wiet verbreitete Antisemitismus in der Partei offenbar wurde, wählte er eine ungeeignete Untersucherin zur Ermittlung des Sachverhalts, die einen höchst unprofessionellen Bericht erstellte.[11]

Corbyns Tun passt aber nicht in die IHRA-Definition. Das zeigt, dass diese in Bezug auf antiisraelischen Antisemitismus viel zu kurz greift und durch eine detailliertere Definition dieser Art des Antisemitismus ergänzt werden sollte.[12]

Es gibt weitere Kandidaten aus Großbritannien. Eine ist Malia Bouattia, die Präsidentin der National Union of Students (NUS). Der innenpolitische Ausschuss des Unterhauses verurteilte, dass sie die Universität Birmingham als „zionistischen Außenposten“ bezeichnete. Der Ausschuss sagte zudem, dass die National Union of Students es versäumt hat eine zunehmende Kultur des Antisemitismus an den Universitäten ernst zu nehmen.[13]

Das SWC wird auch zu entscheiden haben, ob man auf ihrer Liste wieder Menschen anführen will, die regelmäßig antisemitische Verleumdungen produzieren. Dazu gehört Baroness Tonge. Dieses Jahr hat sie gesagt, Israels Umgang mit den Palästinensern sei eine wichtige Ursache für das Aufkommen des Jihadismus und des islamischen Staates;[14] sie war Gastgeberin einer Veranstaltung im Oberhaus, bei der Juden für den Holocaust verantwortlich gemacht wurden und die britische Regierung die Aufforderung bekam sich für die Balfour-Erklärung von 1917 zu entschuldigen.[15]

Die muslimische Welt ist ein Hauptlieferant antisemitischer Wiederholungstäter. Einer davon ist der türkische Präsident Tayyip Recep Erdoğan. Eine Erklärung von 2016, die ihn qualifiziert, lautet gemäß einer Übersetzung von AFP: „Ich akzeptiere nicht, was Hitler machte und ich akzeptiere auch nicht, was Israel getan hat. Wenn es darum geht, dass so viele Menschen sterben, ist es nicht angemessen zu fragen, wer barbarischer war.“[16]

Angesichts des ungarischen Antisemitismus sollte mindestens ein Kandidat aus diesem Land auf die Liste kommen. Vielleicht sollte es die ungarische Regierung sein, denn sie verlieh Zsolt Bayer, dem antisemitischen Kolumnisten der Magyar Hirlap und Publizisten der konservativen Partei Fidesz das Ritterkreuz des ungarischen Verdienstordens, die dritthöchste Auszeichnung, die die Regierung für Leistungen verleiht.[17]

Keine jährliche Liste antisemitischer Verleumdungen kann ohne Kandidaten aus den skandinavischen Brutstätten der Scheinheiligkeit und des Antisemitismus vollständig sein: Norwegen und Schweden. Die drittgrößte norwegische Stadt, Trondheim, ist jetzt im Rennen als Kandidat für Europas Hauptstadt der antiisraelischen Version des Antisemitismus, weil sie beschloss Produkte aus den Siedlungen zu boykottieren.[18]

Kreise des SWC informierten mich, dass die schwedische Außenministerin Margot Wallström nur knapp der Liste antisemitischer Vorfälle des letzten Jahres entging. Dieses Jahr sollte sie definitiv darauf erscheinen, denn sie forderte eine Untersuchung, ob Israel außergerichtlicher Tötungen von Palästinensern während der jüngsten Terrorwelle schuldig ist. Der Parteichef von Yesh Atid, Yair Lapid, bezeichnete sie während einer Kundgebung in Stockholm ausdrücklich als Antisemitin.[19]

BDS ist ebenfalls ein jedes Jahr wiederkehrendes antisemitisches Phänomen. Siebzig Juden schrieben einen Brief an die New York Book Review, mit dem sie einen gezielten Boykott aller Waren und Dienstleistungen ausschließlich aus allen israelischen Siedlungen und aller Investitionen dort forderten.[20] Wegen ihres zweierlei Maßes, das ein Kernelement des Antisemitismus ist, wären sie ein stellvertretender Kandidat für die BDS-Liste.

Die oben angeführte Auswahl könnte den Führungskräften des SWC helfen. Das Problem besteht darin, dass sie nur einen kleinen Anteil der vielen Kandidaten enthält, die ihnen die Unehre verleiht auf die Liste zu kommen.

[1] http://www.wiesenthal.com/atf/cf/%7B54d385e6-f1b9-4e9f-8e94-890c3e6dd277%7D/TTASS.PDF

[2] http://www.wiesenthal.com/atf/cf/%7B54d385e6-f1b9-4e9f-8e94-890c3e6dd277%7D/TT_2015.PDF

[3] http://www.holocaustremembrance.com/sites/default/files/press_release_document_antisemitism.pdf

[4] http://whc.unesco.org/archive/2016/whc16-40com-19-en.pdf

[5] http://www.jta.org/2016/08/09/news-opinion/united-states/author-of-black-lives-matter-position-on-israel-defends-genocide-claim

[6] https://www.theguardian.com/politics/2016/jul/04/jeremy-corbyn-says-he-regrets-calling-hamas-and-hezbollah-friends

[7] https://heplev.wordpress.com/2016/05/23/jeremy-corbyn-der-antisemiten-legitimiert/

[8] http://www.theguardian.com/commentisfree/2012/nov/20/palestinians-have-right-defend-themselves

[9] https://heplev.wordpress.com/2016/05/23/jeremy-corbyn-der-antisemiten-legitimiert/

[10] http://www.bbc.com/news/uk-politics-36160135

[11] https://heplev.wordpress.com/2016/07/18/die-hoechst-unprofessionelle-untersuchung-des-britischen-labour-antisemitismus/

[12] https://heplev.wordpress.com/2016/09/19/die-gerstenfeld-definition-fuer-antiisraelischen-antisemitismus/

[13] http://www.independent.co.uk/news/education/nus-president-malia-bouattia-anti-semitism-parliament-home-affairs-select-committee-israel-a7363591.html

[14] http://jewishnews.timesofisrael.com/baroness-tonge-shares-article-about-jewish-power/

[15] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3878392/Israel-condemns-shameful-House-Lords-event-audience-applauded-claims-JEWS-responsible-Holocaust.html

[16] http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/erdogan-turkish-president-israel-hitler-more-barbarous-gaza-interview-palestinians-decide- holocaust-a7431311.html

[17] hungarianspectrum.org/2016/08/19/zsolt-bayer-the-purveyor-of-hate-in-his-own-words/

[18] https://heplev.wordpress.com/2016/12/12/trondheims-fortwaehrender-israel-hass/

[19] http://www.jpost.com/Israel-News/Politics-And-Diplomacy/WATCH-Pro-Israel-demonstrators-battle-anti-Zionism-at-Swedish-rally-466231

[20] http://www.nybooks.com/articles/2016/10/13/economic-boycott-israeli-settlements/

Das Weißbuch von 1939, nicht die Balfour-Erklärung ist das Dokument, für das die Briten sie wirklich entschuldigen müssen

Elder of Ziyon, 2. November 2016

Eine jüdische Demonstration gegen das Weißbuch, 1939

Am 99. Jahrestag der Balfour-Erklärung beginnen Araber eine groß angelegte Kampagne, um Großbritannien zu zwingen sich dafür zu entschuldigen.

Das ist natürlich aus einer ganzen Reihe von Gründen absurd. Die Balfour-Erklärung wurde in die Beschlüsse von San Remo aufgenommen und wurde Völkerrecht, womit der gesamte Bereich Palästinas eine jüdische nationale Heimstatt werden sollte. Dieses Recht gilt auch heute noch. Die Kampagne ist in Wirklichkeit ein Versuch den Juden ihr Recht auf Selbstbestimmung zu verweigern.

Aber es gibt ein Dokument, für das die Briten sich entschuldigen sollten.

Das Weißbuch von 1939 beschränkte die jüdische Immigration nach Palästina genau in dem Moment stark ein, als die Juden Europas dem Tod ins Auge sahen.

Die Briten, die es schrieben, gaben natürlich vor, es sei absolut fair und sachgerecht:

Wenn Einwanderung eine nachteiligen Auswirkung auf die wirtschaftliche Position des Landes hat, sollte sie eindeutig eingeschränkt werden; und gleichermaßen, wenn das einen ernsthaft schädigenden Effekt auf die politische Position im Land hat, die nicht ignoriert werden sollte. Obwohl es nicht schwer ist zu argumentieren, dass die große Zahl jüdischer Immigranten, die bisher zugelassen wurden, wirtschaftlich absorbiert wurden, hat die Angst der Araber, dass dieser Zustrom unbegrenzt weiter geht, bis die jüdische Bevölkerung in einer Position ist sie zu beherrschen, Konsequenzen geschaffen, die für Juden wie für Araber sowie den Frieden und den Wohlstand Palästinas extrem besorgniserregend sind. Die bedauernswerten Störungen der letzten drei Jahre sind nur die jüngste und anhaltende Erscheinungsform dieser erbitterten arabischen Besorgnis. Die von arabischen Terroristen eingesetzten Methoden gegen Mitaraber und Juden gleichermaßen müssen uneingeschränkt verurteilt werden. Aber ist nicht zu leugnen, dass Angst vor unbegrenzter jüdischer Immigration in der arabischen Bevölkerung weit verbreitet ist und dass diese Angst Unruhen möglich gemacht hat, die dem wirtschaftlichen Fortschritt ernste Rückschläge versetzt, den palästinensischen Fiskus ausgezehrt, Leben und Grundeigentum unsicher gemacht und eine Verbitterung zwischen arabischer und jüdischer Bevölkerung geschaffen haben, die zwischen den Bürgern ein und desselben Landes bedauernswert ist. Wenn unter diesen Umständen die Immigration ohne Rücksicht auf alle anderen Überlegungen bis zur wirtschaftlichen Absorbtionskapazität des Landes fortgesetzt wird, dann wird eine tödliche Feindschaft zwischen den beiden Völkern perpetuiert und die Lage in Palästina dürfte eine dauerhafte Spannungsquelle bei allen Völkern des Nahen und Mittleren Ostens werden. Die Regierung seiner Majestät kann nicht zur Ansicht komme, dass entweder ihre Verpflichtungen unter dem Mandat oder Überlegungen des gesunden Menschenverstands und der Gerechtigkeit erfordern, dass sie diese Umstände bei der Formulierung ihrer Politik ignorieren sollte.

Kurz gesagt: die Briten gaben den arabischen Terroristen Veto-Macht darüber Juden zu erlauben in das Land zu kommen, weil sie Angst vor mehr Terror hatten:

… Die Alternativen für seiner Majestät Regierung sind entweder (i) danach zu streben die jüdische nationale Heimstatt durch Immigration unbegrenzt auszudehnen, gegen den eindringlich ausgedrückten Willen des arabischen Volks im Land; oder (ii) die weitere Expansion der jüdischen nationalen Heimstatt durch Immigration nur dann weiter zu erlauben, wenn die Araber bereit sind ihr zuzustimmen. Die früher Politik bedeutet Herrschaft durch Gewalt… Darüber hinaus müssen die Beziehungen zwischen den Arabern und den Juden in Palästina früher oder später auf gegenseitige Toleranz und guten Willen gegründet werden; der Frieden, die Sicherheit und der Fortschritt der jüdischen nationalen Heimstatt selbst erfordert dies. Daher hat seiner Majestät Regierung nach ernsten Überlegungen und unter Berücksichtigung des Ausmaßes, in dem die Zunahme der jüdischen nationalen Heimstatt im Verlauf der letzten zwanzig Jahre ermöglicht wurde, entschieden, dass die Zeit gekommen ist prinzipiell die zweite der beiden oben angeführten Alternativen zu wählen.

Mehr Juden bedeutet, dass die Araber aufgebrachter werden und aufgebrachtere Araber bedeutet, dass die jüdische nationale Heimstatt nicht überleben kann. Was ist das für eine Logik zur Rechtfertigung des drohenden Todes von Millionen Juden?

Oh, aber die Autoren gaben vor sich um die europäischen Juden zu sorgen. Oder zumindest um ein paar davon.

… Die Regierung seiner Majestät ist sich der gegenwärtigen, traurigen Notlage einer großen Anzahl von Juden bewusst, die Zuflucht vor gewissen europäischen Ländern suchen und sie glaubt, dass Palästina einen weiteren Beitrag zur Lösung dieses drängenden Weltproblems leisten kann und sollte. Unter all diesen Umständen glaubt sie, dass sie in Übereinstimmung mit ihren Mandatsverpflichtungen sowohl den Arabern als auch den Juden gegenüber handeln wird und auf die Art, die am besten geplant ist, um den Interessen des gesamten Volks Palästinas zu dienen, indem die folgenden Vorschläge bezüglich Immigration festgesetzt werden:

… Die Zulassung von – seit Beginn April diesen Jahres – rund 75.000 Immigranten im Verlauf der nächsten fünf Jahre. Diese Immigranten würden gemäß dem Kriterium der wirtschaftlichen Absorbtionskapazität wie folgt zugelassen:

Für jedes der nächsten fünf Jahre wird eine Quote von 10.000 jüdischen Immigranten unter der Übereinkunft zugelassen, dass eine Kürzung in einem Jahr auf die Quoten der nächsten Jahre innerhalb der Fünfjahres-Periode aufgeschlagen wird, wenn die wirtschaftliche Absorbtionskapazität dies erlaubt.

Zusätzlich werden als Zugeständnis an die Lösung des jüdischen Flüchtlingsproblems 25.000 Flüchtlinge zugelassen, sobald der Hochkommissar überzeugt ist, dass angemessene Versorgung für sie sichergestellt ist, wobei besondere Rücksicht auf Flüchtlingskinder und -Abhängige zu nehmen ist.

Der bestehende Mechanismus zur Festsetzung der wirtschaftlichen Absorbtionskapazität wird beibehalten und der Hochkommissar wird die letzte Verantwortung bei der Entscheidung übe die Grenzen der wirtschaftlichen Kapazität haben. Bevor jede zyklische Entscheidung getroffen wird, werden jüdische und arabische Repräsentanten konsultiert.

Nach einem Zeitraum von fünf Jahren wird keine weitere jüdische Immigration zugelassen außer die Araber Palästinas sind bereit dem zuzustimmen.

Die Regierung seiner Majestät ist entschlossen die illegale Einwanderung zu drossen und darüber hinaus werden Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Die Zahl jeglicher jüdischer illegaler Zuwanderer, die es trotz dieser Maßnahmen schaffen ins Land zu kommen und nicht deportiert werden können, wird von den jährlichen Quoten abgezogen.

Die Regierung seiner Majestät ist überzeugt, dass sie, wenn die Immigration im Verlauf von fünf Jahren abgeschlossen ist und stattgefunden hat, unter keinen Umständen berechtigt noch die Verpflichtung ist die weitere Entwicklung der jüdischen nationalen Heimstatt durch Immigration ohne Berücksichtigung der Wünsche der arabischen Bevölkerung weiter zu entwickeln.

Das Weißbuch erklärte zudem ausdrücklich, dass Juden in einem Großteil Palästinas von Arabern kein Land kaufen dürfen, womit Antisemitismus zur offiziellen Politik der britischen Regierung gemacht wurde.

Die Autoren des Buchs wussten sehr wohl, dass jeder Jude, dem sie die Immigration nach Palästina untersagten, wahrscheinlich ermordet werden würde. Der liberale Abgeordnete James Rothschild erklärte während der parlamentarischen Debatte, dass „es für die Mehrheit der Juden, die nach Palästina gehen, eine Frage der Migration oder der physischen Vernichtung ist“.

Selbst „die Kommission des Völkerbunds meinte, dass das Weißbuch im Konflikt mit dem Bedingungen des Mandats stand.

Am Ende ließen die Briten nicht einmal die vollen 75.000 Juden zu, die das Weißbuch genehmigte.

Sechs Millionen wurden ermordet. Zehntausende oder sogar Hunderttausende hätten gerettet werde können, hätte es das Weißbuch nicht gegeben. Die widerliche Appeasementpolitik dessen, was das Buch buchstäblich „arabische Terroristen“ nannte, führte zum Tod unzähliger Juden.

Wenn jemand von den Briten eine Entschuldigung fordert wird, dann sollte es das jüdische Volk wegen der unmoralischen Politik sein, die so viele unserer Verwandten zum Tode verurteilte.

70 Jahre nach dem Münchener Abkommen

Dr. Joel Fishman, FrontPageMag.com, 26. September 2008

Fotografien und Wochenschaufilme haben den Augenblick unsterblich gemacht, in dem Premierminister Neville Chamberlain aus München zurückkam und am Flughafen Heston triumphierend das unterzeichnete Abkommen schwenkte. Der britische Premierminister proklamierte er gebracht habe „Frieden in unserer Zeit … Frieden in Ehre“ gebracht und die Massen empfingen ihn als Helden, denn er antwortete damit auf ihre höchsten Hoffnungen. Unglücklicherweise hielt die Vereinbarung nicht. Statt dessen half sie den Weg in den Zweiten Weltkrieg zu ebnen. Der zeitgenössische Historiker und Zionist Sir Louis Namier beschrieb diese Szene, die uns eines der zu Ikonen gewordenen Bilder des zwanzigsten Jahrhunderts gebracht hat:

Als Chamberlain in Heston die Stufen des Flugzeugs verließ und seinen „Vertrag“ mit Hitler schwenkte wie ein glücklicher Autogrammjäger – „hier ist ein Papier, das seinen Namen trägt – staunte Europa. Konnte Chamberlains Vertrauen, Freude und Triumph echt sein? … Er war gerissen, ignorant und von sich eingenommen und hatte die Fähigkeit sich selbst so weit zu täuschen, wie es seine tief sitzenden Instinkte und der Zweck es verlangten und auch die zu täuschen, die sich täuschen lassen wollten.

Dieses Jahr fällt Rosh Hashanah auf Dienstag, den 30. September – den siebzigsten Jahrestag des Münchener Abkommens. Kurz nach Mitternacht am Sonntag, 30. September 1938 unterzeichneten ihn Neville Chamberlain, Adolf Hitler, Eduard Daladier und Benito Mussolini. Das Abkommen übergab die befestigte Grenzregion an Deutschland, das Sudetenland, das von einer Deutsch sprechenden Minderheit bewohnt war (und einer erklecklichen Zahl von Tschechen), die die Nazis in einen Zustand der Revolte gegen die tschechoslowakische Regierung aufgehetzt hatten. Die Versammlung fand unter der Drohung mit Krieg statt und kein Vertreter der Tschechoslowakei war anwesend. Was die Sache noch schlimmer machte: Frankreich, das einen Bündnisvertrag mit der Tschechoslowakei hatte, verriet seinen kleineren Partner.

München war eine Transaktion, bei der die größeren demokratischen Mächte Europas – Großbritannien und Frankreich – im Namen des Friedens einem kleineren Staat tödliche Opfer auferlegten. Sie zwangen die Tschechoslowakei „territoriale Zugeständnisse“ zu machen, um einen Aggressor zu beschwichtigen; aber der Aggressor – Nazi-Deutschland – hielt das Abkommen bald nicht mehr ein und verschlang im März 1939 den ganzen Staat der Tschechoslowakei. Nachdem er sich die Opfer gegriffen hatte, die England und Frankreich anderen aufgezwungen hatten, ging Hitler hin und stellte weitere Forderungen. Diese Episode zeigt den hohen Preis, den eine Politik ohne Moral sowohl für die großen Staaten hat, die sie betreiben, als auch für die kleinen, denen sie die selbstmörderischen Opfer aufgezwungen hatten.

Frank McDonough, Historiker der Universität Manchester, veröffentlichte ein Zitat aus einem Dokument von 1926 neu, das aufzeigt, wie die die Politik entscheidende Elite im Außenministerium den Platz Großbritanniens in der Welt sah: „Wir haben alles, was wir wollen – vielleicht auch mehr. Unser einziges Ziel ist es zu behalten, was wir wollen und in Frieden zu leben… Tatsache ist, dass Krieg und Kriegsgerüchte, Streit und Reibereien in jeder Ecke der Welt Verluste und Schäden für britische kommerzielle Interessen bedeuten… wie immer der Ausgang einer Störung des Friedens aussehen mag, wir werden die Verlierer sein.“ Großbritannien war nach Darstellung dieser Sichtweise eine „satte“ Macht und hätte eine Weltführungsrolle nur zögerlich übernommen. Angesichts dieser vorsichtigen Sicht und der auf dem Spiel stehenden großen Interessen übte das Prinzip des Appeasement eine deutliche Anziehungskraft aus. Nicht zuletzt hofften diejenigen, die den Status quo beizubehalten wünschten, ein politisches Ziel über das zu erreichen, was im Endeffekt eine kommerzielle Transaktion war, indem sie das Territorium anderer nutzten, um Frieden und Ruhe zu erkaufen.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erklärte Sir Orme Sargent (1884-1962), hochrangiger Mitarbeiter des Außenministeriums und Gegner des Appeasement, dass dieses unter gewissen Umständen gerechtfertigt sein könne, denn „[Appeasement] wird als Verhandlungsmethode nur dann fragwürdig, wenn gezeigt werden kann, dass es unmoralisch ist, d.h. wenn der Appeaser die Rechte und Interessen einer dritten Partei opfert und nicht seine eigenen, wenn er Zugeständnisse macht; oder wenn es klar gefährlich ist, d.h. wenn das gemachte Zugeständnis die Stärke des Appeasers absichtlich oder unabsichtlich ernsthaft untergräbt; das ist besonders dann der Fall, wenn das Zugeständnis wiederholt werden muss, denn Appeasement wird dann nichts anderes als Erpressung; und schließlich, wenn der gesamte Prozess des Appeasement einfach ineffektiv ist, d.h., wenn der Appeaser, der sein Zugeständnis macht, im Gegenzug kein quid pro quo erhält.“

Martin Gilbert, Historiker und Churchill-Biograf, schrieb in den 1960-er Jahren erklärend: „Appeasement wurzelte tief in dem Glauben, dass die menschliche Natur nicht völlig vom Bösen überwältigt werden kann, dass selbst die am gefährlichsten aussehende Lage verbessert werden kann und das der reizbarste Politiker besänftigt werden kann, wenn man ihn mit Respekt behandelt.“

Als Geschäftsmann mit großem Selbstbewusstsein kannte Chamberlain die europäische Geschichte und die Charakteristika seiner verschiedenen Völker nicht. Er übernahm entschlossen die Kontrolle über die britische Außenpolitik und regulierte die Informationen, die in die Öffentlichkeit gingen. Das war besonders gefährlich, denn er überschätzte seine eigenen Fähigkeiten und versäumte es sowohl die Gefahr der Methoden Hitlers zu erkennen als auch die moralischen Kosten der Unterwerfung unter Erpressung. Wie so oft fanden persönliche Ignoranz und Selbstgefälligkeit ihren Ausdruck in übertriebenem Optimismus.

Über die Jahrzehnte hinweg haben revisionistische Historiker geschrieben, Chamberlain habe einen „starken Willen, Kompetenz und klare Sicht“ besessen. Nach ihrer Ansicht ist die Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg in Wirklichkeit auf die harten Bedingungen des Versailler Vertrags zurückzudatieren, den die siegreichen Alliierten Deutschland nach dem Ende des Ersten Weltkriegs auferlegten. Trotz dieser Einsicht und neuer Erkenntnisse wird die Gegenwart noch immer von den großen historischen Fragen zu diesem Fehlschlags verfolgt. Wie konnte Chamberlain darin versagen die Absichten seiner Feinde zu begreifen? Wie konnte er die Gefahr, die ihm vor Augen stand, nicht spüren? Und warum setzte er sein Vertrauen in Hitler?

Chamberlains Zeitgenossen versuchten diese Frage zu beantworten. Einer davon war der Erste Lord der Admiralität, Duff Cooper, der schrieb, dass Chamberlains größter Unzulänglichkeit seine fehlende Fantasie war. Cooper, Mitglied des Kabinetts Chamberlain und nach dem Münchener Abkommen zurückgetreten, schrieb: „Chamberlain… fehlte die Erfahrung in der Welt und ihm fehlte auch das Vorstellungsvermögen, das Lücken in der Erfahrung füllen kann. Er hatte sich nie in der großen Welt der Politik oder der Finanzen bewegt und Kontinental-Europa war für ihn ein Buch mit sieben Siegeln. Er war ein erfolgreicher Oberbürgermeister von Birmingham gewesen und für ihn waren die Diktatoren Deutschlands und Italiens wie die Oberbürgermeister von Liverpool und Manchester, die zu anderen politischen Parteien gehören mochten und andere Interessen hatten, die aber das Wohlergehen der Menschheit verfolgen und im Grunde anständige Männer wie er selbst sein mussten. Diese tiefgreifende Fehlvorstellung ist die Wurzel seiner Politik und erklärt seine Fehler.“

Chamberlain betrachtete die Welt mit seinem eigenen Bild und glaubte tatsächlich, dass Hitler in sich so anständig war wie er selbst. Daher hoffte er, ihm in die Augen zu sehen, von Mann zu Mann mit ihm reden und sein persönliches Wort zu erhalten zu können. Chamberlain, der das Problem in seinen eigenen Begrifflichkeiten betrachtete, kümmerte sich nicht um die Botschaft der Schwäche, die er Hitler vermittelte. Seine Anstrengungen stärkten Hitler in Deutschland zu einer Zeit, als dessen eigene Generäle sich gegen den Einmarsch in die Tschechoslowakei aussprachen. Hitler seinerseits bezeichnete Chamberlain als „Arschloch“.1

Winston Churchill erklärte in seiner Ansprache vor dem Unterhaus am 5. Oktober 1938, was Chamberlain nicht wirklich greifen konnte – was wirklich auf dem Spiel stand, war eine Frage von Moral und Gerechtigkeit: „Viele Menschen glauben zweifellos ehrlich, dass sie nur die Interessen der Tschechoslowakei aufgeben, während ich befürchte, dass wir die Sicherheit und sogar die Unabhängigkeit Großbritanniens und Frankreichs enorm gefährdet haben, vielleicht tödlich gefährdet haben… Wir haben ohne Krieg eine Niederlage erlitten…“

Eine Parallele zur gegenwärtigen Lage dürfte nicht politisch korrekt sein, ist aber einiger Aufmerksamkeit wert. In seiner Rede auf der Kundgebung vom 12. September 1938 in Nürnberg verglich Hitler ausdrücklich die Sudetendeutschen mit den palästinensischen Arabern: „Ich bin keineswegs bereit zuzulassen, dass hier im Herzen Deutschlands ein zweiter Palästina entsteht. Die armen Araber sind wehrlos und allein gelassen. Die Deutschen in der Tschechoslowakei sind weder wehrlos noch allein gelassen und man sollte das zur Kenntnis nehmen.“2 Daher ist es legitimer Teil des Diskurses, wenn man in der heutigen Diskussion das Schicksal der Sudetendeutschen mit dem der Araber Palästinas vergleicht. Hitler hat diesen Vergleich gemacht. Heute leben viele Sudetendeutsche im Bundesland Bayern und als Ergebnis harter Arbeit haben sie sich weit gehend ihr Leben wieder aufgebaut und finanzielle Behaglichkeit erreicht. Diese Gruppe ist in der deutschen Politik gut repräsentiert und vernehmbar in ihren Ansprüchen auf Rückkehr. Nichtsdestotrotz scheint es stillschweigende internationale Anerkennung für die Gründe zu geben, dass die Nachfolger der Tschechoslowakei dieser Minderheit standhaft die Erlaubnis verweigert haben unter ihnen zu leben.

In jüngerer Zeit weist der als „Land für Frieden“ bekannte Vorschlag einige Ähnlichkeit mit der ursprünglichen Appeasement-Transaktion auf. Die führenden Mächte des Westens z.B. haben in ihrem Wunsch, Gunst in der arabischen Welt zu gewinnen, Israel dazu gezwungen allerhand Opfer zu bringen ohne dafür Gegenleistungen zu erhalten. Die Methode gleicht der des Appeasements der 1930-er Jahre, wie auch ein Kreislauf der Zugeständnisse, denen mit neuen Forderungen begegnet wird. Wenn aber ein solcher Prozess in Zeitlupe stattfindet und keine direkte Bedrohung wie die von 1938 besteht, dann ist es möglich zu verbergen, was wirklich geschieht. Als Premierminister Sharon am 4. Oktober 2001 mit seiner berühmten Tschechoslowakei-Rede gegen diese Art von Appeasement protestierte, rügte ihn die Regierung Bush öffentlich und heftig.

Obwohl zu diesem Thema viel geschrieben worden ist und neue Quellen weiter aufkommen werden, können wir einige menschliche Unzulänglichkeiten feststellen, die vor siebzig Jahren zu dem desaströsen Versuch führten in München den Frieden mit „Zugeständnissen der Schwachen“ zu erkaufen. Einige davon sind: Fehlende Fantasie, Selbsttäuschung, Leugnung der Gefahr, Ignorierung der Geschichte und übertriebener Optimismus.