Wenn wieder einer erzählt, man müsse „auch die andere Seite sehen“

Neulich habe ich einer Gruppe Leute das Lied Jeruschalayim Schel Zahav von Naomi Schemer, gesungen von Schuli Nathan, vorgespielt. Danach den Hintergrund des Liedes erzählt: Anfang 1967 geschrieben, 3 Wochen vor dem Sechstagekrieg veröffentlicht und zu einer Art zweiter Nationalhymne Israels geworden; die Soldaten sangen es (mit verändertem Text) vor der Westmauer nach der Eroberung der Altstadt.

Die Zuhörer fanden das Lied ergreifend und im Vergleich zur Version von Ofra Haza authentischer. Nur einer meinte, er müsse unbedingt loswerden: „Man muss aber auch die andere Seite sehen.“  Womit er die „Palästinenser”meinte. Die seien doch Opfer der Israelis. Außerdem verweigert Netanyahu die Zweistaatenlösung. Es gebe nie nur eine Seite, die Opfer sei.

Ganz ehrlich: Das gehört zu den perfidesten und verlogensten Behauptungen in Sachen arabisch-israelischer Konflikt überhaupt. Die Gründe:

Ein solcher Satz wird nie geäußert, wenn palästinensische Araber (vermeintliche oder tatsächliche) Opfer sind. Es geht ja gar nicht, dass die Israelis „nur“ als Opfer betrachtet werden, Israelis (Juden) MÜSSEN Täter sein, Araber in den Gebieten und Israel MÜSSEN als Opfer gesehen werden. Und wenn es nicht anders geht, als Araber als Täter sehen zu müssen, dann MÜSSEN noch Israelis als Täter angeführt werden. Mindestens als gleich schlimme, wenn nicht schlimmere Täter. Wenn Israel sich wehrt, ist „man muss auch die andere Seite sehen“ niemals zu hören. Da wird auf Israel eingedroschen, die Araber sind die einzigen Opfer. Wie man aktuell seit April an den Terror-Feuerdrachen und –Ballons sehen kann. Im Juli titelte telekom-online sogar in Umkehrung der Fakten so etwas wie: „Israel fliegt Angriffe auf den Gazastreifen, Palästinenser schießen mit Raketen zurück.“

Geht es verlogener? Vielleicht, aber wer „die andere Seite sehen“ „muss“, tut das einseitig und gehört entweder zu den Lügnern oder zu den ahnungslos Dummen.

Sehen wir uns „die andere Seite“ mal genauer an: Wer tut wirklich etwas für den Otto-Normalpalästinenser? Ich würde behaupten, es gibt niemanden, der so viel für die Palästinenser tut wie Israel. Israel sorgt für Wasser und Strom für die meisten palästinensischen Araber, während die PA und die Hamas das im Großen und Ganzen nicht tun. Sie lassen die zugehörige Infrastruktur verrotten; es wird nicht repariert und schon gar nicht neu gebaut (die Ausnahme ist die neue Stadt Rawabi, die aber auf Privatinitiative eines arabischen Superreichen gebaut wird). Israel veranstaltet Messen für die Bauern, Händler und Industriellen der Palästinensergebiete. Israel hat Förderprogramme für den Export der Produkte aus den Palästinensergebieten. Israel veranstaltet Fortbildungsmaßnahmen für Bauern, Händler, Handwerker und Industrielle aus den Palästinensergebieten. Alles Maßnahmen, die es weder von der PA noch der Hamas gibt. Von denen gibt es nur dann „Infrastrukturmaßnahmen“, wenn sie dazu dienen können Israel Schaden zuzufügen.

Sehen die Leute das, die verlangen „die andere Seite zu sehen“? Nein, sehen sie nicht. Sie sehen nur ihre Version – Israel als brutaler Besatzer, was es nicht ist.

Und was ist mit der Zweistaatenlösung? Die wird von den Arabern seit jeher verweigert: 1936/37 gegenüber der Peel-Kommission, 1948/49 gegenüber der UNO, 1967 (die „3 Nein“ von Khartoum), 1993 (als Arafat schon einen Tag nach Unterzeichnung der Oslo-Verträge erklärt, dass das nur ein Scheinfrieden ist, um den Vernichtungskrieg gegen Israel besser fortführen zu können), 2000 in Camp David gegenüber US-Präsident Clinton und 2008 nach dem Angebot von Olmert auch wieder. Von Netanyahu ist hingegen verbrieft, dass er sie nicht ablehnt. Ganz anders als die „Palästinenser“. Umfragen, die zitiert werden, zeigen zwar, dass die Mehrheit der PA-Araber für eine Zweistaatenlösung ist, aber sie versäumen es nachzufragen, was sie darunter verstehen und welchen Zweck sie hat. Und da sieht es schon ganz anders aus. Denn die palästinensischen Araber betrachten die Zweistaatenlösung schon gar nicht als Ende des Konflikts, sie sehen sie als Ausgangspunkt, den Vernichtungskrieg gegen Israel wirkungsvoller weiterzuführen und ihre Vernichtungsziele zu erreichen!

Und noch ein Punkt zur Zweistaatenlösung wird immer nur allzu gerne ignoriert: Dass nämlich eine solche Lösung die gegenseitige Anerkennung beinhaltet. Und die fehlt von Seiten der palästinensischen Araber völlig. Sie fordern die Anerkennung ihres judenreinen Staates, aber sie sind im Gegenzug nicht bereit Israel als Staat des jüdischen Volkes anzuerkennen. Sie verlangen einen Staat ausschließlich für sich, denn dort darf es keine Juden geben (denen wird ein Rückkehrrecht verweigert) und einen weiteren für die Juden und sich, einschließlich eines „Rückkehrrechts“, mit dem die Juden in ihrem Staat zur Minderheit gemacht werden würden – damit man Israel demografisch vernichten kann.

Die Behauptung, „man muss auch die andere Seite sehen“, ist das Nachplappern der Vernichtungspropaganda der Terroristen; der verlogenen Behauptungen von Abbas und Co. Das „die andere Seite sehen müssen“ ignoriert:

  • dass der Otto Normalpalästinenser von der eigenen Führung unterjocht und missbraucht bis ermordet wird.
  • dass die Anerkennung der Zweistaatenlösung beinhaltet, dass Israel von den Arabern als Staat des jüdischen VoIks anerkannt werden muss – was aber verweigert wird.
  • dass Israel mehr für die einfachen Palästinenser tut als alle anderen Araber zusammen, einschließlich der PA bzw. Hamas.

„Man muss auch die andere Seite sehen“ ist ein Code dafür, die pal-arabische Seite von jeglicher Verantwortung für das eigenen Volk und das eigen Tun (bzw. Nichttun) freizusprechen, um Israel zum Schuldigen zu machen, sie von jegliche Verpflichtung den eigenen Leuten gegenüber freizusprechen, um Israel diese zuzuschieben, Terror zu billigen bzw. zu rechtfertigen und die palästinensischen Araber ausschließlich als Opfer darzustellen. Das ist entweder übel verlogen oder es zeugt von völliger Ahnungslosigkeit. Wer so redet, hat keinerlei Sachkenntnis, ignoriert die Fakten oder leugnet sie, lässt jegliche Ursachen für die Verhältnisse außer Acht.

„Man muss auch die andere Seite sehen“ ist der Satz der gutmeinenden Dummschwätzer ohne Ahnung (oder der böswilligen Lügner), von den verlogenen Heuchel-Propagandisten übernommen. Es ist ein Satz, der erfunden wurde, um dem ahnungslosen Fußvolk im Westen Sand in die Augen zu streuen, damit es ein Haltung übernimmt, die die antiisraelische Hasspropaganda ihnen vermittelt. Die Worte sind wohl gewählt, sie verführen und leiten fehl. Sind genau dafür ausgewählt worden.

Unsere Medien sind über die wohlmeinende Ahnungslosigkeit längst hinaus. Sie sind aktiver Teil der Lügenpropaganda, machen sich zum aktiven Sprachrohr der Terroristen. Dem einen „man muss auch die andere Seite sehen“-Schwätzer kann ich noch unterstellen, dass er ahnungslos ist und von unseren Medien desinformiert. Unseren Qualitätsmedien kann ich nicht mal mehr vorhalten, dass sie es gut meinen (wobei das Gegenteil von „gut“ bekanntlich „gut gemeint“ lautet), sondern dass sie übelwollend den jüdischen Staat verleumden wollen.

Womit sie ihren Auftrag gezielt verfehlen. Sie verstehen sich heutzutage als Volkserzieher, nicht als Berichterstatter. Und sie verwenden und verbreiten den Satz „man muss auch die andere Seite sehen“ als Waffe gegen Israel – gewollt eingesetzt – statt neutral und ausgewogen zu informieren.

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