„Seine Bücher verkaufen sich übrigens auch in Israel“

So schrieb der Leiter Referat 22 (Afrika, Asien, Entwicklungspolitik) in seiner Antwort auf – anscheinend nicht nur – meinen Protest gegen die Laudatio des Bundespräsidenten für Henning Mankell in Osnabrück. Tolles „Argument“!

Was will der gute Mann uns damit sagen? Dass die in Israel verkauften Mankell-Bücher eine Rechtfertigung für die Ehrung sind? Dass die antisemitischen Hass-Tiraden des Schweden gerechtfertigt sind?

Israel hat genug eigenen Idioten und duldet sie, ohne dass deren Lügen und Gehässigkeiten gerechtfertigt wären. Man denke an Uri Avnery, Ilan Pappé, Avram Burg usw., die zum Teil sogar gute Posten und hohe Ämter bekleideten.

Oder unterstellt der gute Mann, dass, wenn ein Staat, der mit anders Denkenden nicht so umgeht wie beispielsweise Putin-Russland (Ermordung von missliebigen Journalisten usw.), diese anders Denkenden im Recht sind?

Der Referatsleiter offenbart, dass er wohl ein etwas seltsames Bild von Israel hat. Müsste Israel den Verkauf von Mankell-Büchern verbieten oder von der Bevölkerung ein Mankell-Boykott ausgerufen und durchgezogen werden, damit der Bundespräsident keine Laudatio auf ihn hält? (Ich vermute – aber das ist nur eine Vermutung – dass sich Mankells Bücher in Israel seit August deutlich schlechter verkaufen als vorher, falls der Verkauf sich nicht ohnehin auf einem so niedrigen Level bewegte, dass kaum jemand boykottieren muss.)

Dass Mankell-Bücher sich in Israel verkaufen, zeigt nur, dass Israel eine offene Gesellschaft ist, in der sich auch extrem miese Charaktere herumtreiben können. Und dass viele gar nicht wissen, wie mies der Charakter eines Promis ist. Allerdings hätte das Bundespräsidialamt das wissen müssen, schließlich war der „Unmut“ über Mankells antisemitische Tiraden sehr frisch. Der Leiter Referat 22 streitet ja nicht einmal ab, dass Mankell Antisemitisches von sich gegeben hat oder dass er das hätte wissen müssen. Er lenkt lieber vom eigentlichen Problem ab und schwafelt von „scharfer Kritik“. Was ich als typisch gutmenschliche Ignoranz und Schummelei bezeichnen würde. Wenn ich gute Laune habe. Bei weniger guter Laune gibt es treffendere und härtere Begriffe.

Der Präsident und die Antisemiten

Schon kurz nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Felicia Langer kam wieder Unmut auf, weil Bundespräsident Köhler in Osnabrück eine Laudatio auf Henning Mankell hielt, der sich kurz vorher bei der Generaldirektion Palästinas und im Interview mit (wundert’s?) Aftonbladet als Antisemit und Israelvernichter geoutet hatte. Daraufhin schrieb ich am 21.09.2009 eine E-Mail an unseren Präsidenten:

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Köhler,

Sie werden (hoffentlich) schon reichlich Post und E-Mails zum Thema erhalten haben. Daher brauche ich nicht mehr die Belege dafür anzuführen, wie Herr Mankell sich immer wieder als Antisemit produziert und Israel jegliches Existenzrecht abgesprochen hat.

Dennoch möchte ich meine Bestürzung zum Ausdruck bringen, dass Sie – nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Frau Felicia Langer – jetzt die nächste Person ehren, die sich als derartig boshafter Hasser offenbart hat.

Ich weiß nicht, wer Ihnen zuarbeitet, aber vielleicht sollten Sie Ihre Mitarbeiter anhalten etwas genauer hinzusehen. Mankell mag einige gute Taten auf seinem Konto verbuchen können, aber rechtfertigt das die Verleihung eines Preises an ihn, wenn er in übelster Weise gegen einen Staat hetzt, der um sein Überleben kämpft und diesen dämonisiert?
Ich denke, Leute wie Herr Rieger von der braunen Fraktion könnten noch so viel positive Leistungen vollbringen, er würde niemals von Ihnen mit einer Laudatio geehrt werden (und da bekämen Sie meine volle Unterstützung). Warum ist das bei anderen Hass-„Predigern“ anders?

Mit traurigen Grüßen

Jetzt erreichte mich eine Antwort aus dem Bundespräsidialamt (offensichtlich ein allgemeines Rundschreiben an alle, die sich beschwerten):

Sehr geehrter Herr …,

Bundespräsident Horst Köhler hat mich gebeten, Ihnen für Ihre E-Mail vom 21. September zu danken und diese zu beantworten.
Wenn wir Sie richtig verstehen, wiegt die scharfe Kritik Henning Mankells an Israel so schwer, dass sie einer Ehrung für sein Afrika-Engagement im Weg steht. Henning Mankell bezieht in der Tat polarisierend Stellung in einer politischen Diskussion, die im europäischen Ausland und in Israel selber anders geführt wird als in Deutschland. Dennoch ist das Afrika-Engagement des schwedischen Schriftstellers weltweit anerkannt. Seine Bücher verkaufen sich übrigens auch in Israel. Der Bundespräsident hat sich in seiner Laudatio eindeutig auf dieses Engagement für Afrika bezogen.
Ebenso eindeutig bekennt sich der Bundespräsident zur besonderen Verantwortung Deutschlands für Israel und sein Existenzrecht. Dazu gehört auch ein dauerhafter Friede für den Nahen Osten. In seiner Rede im Bundestag anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus, am 27. Januar 2009, hat er daher auch der Toten der Auseinandersetzung im Gaza-Streifen gedacht und gemahnt, dass der Teufelskreis der Gewalt im Nahen Osten endlich gebrochen werden muss. Die Bürger Israels müssen in sicheren Grenzen frei von Angst und Gewalt leben können. Und das palästinensische Volk muss in einem eigenen lebensfähigen Staat seine Zukunft finden können. Der Bundespräsident wird sich auch weiterhin nachdrücklich dafür einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Georg Schmidt
Leiter Referat 22 (Afrika, Asien, Entwicklungspolitik)

Eine enttäuschende Reaktion – pure Rechtfertigung und kein Eingehen auf das eigentliche Problem. Ich rechne das nicht dem Bundespräsidenten persönlich an, sondern den Mitarbeitern des Bundespräsidialamtes; entsprechend habe ich dem Leiter des Referats 22 zurückgeschrieben (Anmerkung vorab: der erwähnte Vergleich stammt in der Tat von Broder):

Sehr geehrter Herr Schmidt,

da hatte jemand im Umfeld von Herrn Broder – oder dieser selbst – einen passenden Vergleich:
Wenn ein gewisser Herr mit „deutschem“ Gruß vom Vorsitzenden des ADAC für Leistungen beim Autobahnbau geehrt würde – würden da nicht auch alle empört protestieren?

Es geht nicht um Herrn Mankells Haltung zu Israel oder um Polarisierung, sondern um den von ihm darin zum Ausdruck gebrachten offenen Antisemitismus.

Antisemiten für irgendetwas zu ehren, was mit ihrem Antisemitismus vielleicht nichts zu tun hat, empfinde ich als obszön. Und da haben offensichtlich die verantwortlichen Mitarbeiter im Bundespräsidialamt versagt. Brandstiftern gehören keine Ehrungen verliehen – und nicht die Ehre einer Laudatio durch den Bundespräsidenten.
Ich empfinde es als empörend, dass nur bei Nazis/Neonazis alles abgelehnt wird, was solche Personen betreiben, bei sonstigen Antisemiten aber zwischen deren miesen Einstellungen, Äußerungen und Handeln und anderen Tätigkeiten unterschieden wird. Würden Sie dem Herrn Bundespräsidenten zuraten eine Laudatio auf einen Kinderschänder zu halten, der einen Literaturpreis verliehen bekommt?

Mit enttäuschten Grüßen

Nachtrag (24.10.09):
Ein wunderschönes Beispiel wie man üblicherweise verfährt, wenn jemand irgendetwas mit „rechts“ zu tun hat und diese Person dann als Ganzes von allem ausgeschlossen wird, ohne Rücksicht auf irgendwelche nicht vorhandenen oder herzustellenden Zusammenhänge, findet sich hier.