Aktuelle Attacken gegen die Einzigartigkeit des Holocaust

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die Erinnerung an den Holocaust ist seit vielen Jahrzehnten einem fortdauernden Angriff durch die extreme Rechte, die extreme Linke und Teile der islamischen Welt ausgesetzt. Dazu gehört auch einer seiner wichtigsten Aspekte: dass der Holocaust einzigartig war. Er ist bei vielen Gelegenheiten aus einer Vielzahl von Gründen attackiert worden. In den letzten Jahren sind neue Arten von Angriffen aufgekommen.

Der Holocaust war ein einzigartiges Ereignis. Einige Elemente sind zwar mit anderen Völkermorden vergleichbar, aber die Kombination seiner Charakteristika war es nicht. Es gibt eine Reihe Kriterien, die zusammen den Holocaust beispiellos machen: eine nie da gewesene Gesamtheit (alle Juden), Allgemeinheit (Juden überall), Vorrang (alle Bereiche des deutschen Staates waren involviert), industriellen Charakter, der zudem nicht praktisch war (statt jüdische Arbeitskraft auszubeuten, wurden sie getötet).

Vergleicht man die Schoah mit anderen Völkermorden, schrieb der führende Holocaust-Philosoph, der verstorbene Emil L. Fackenheim, so war der armenische Völkermord auf das türkische Reich beschränkt. Er richtete sich dort nicht gegen alle Armenier, zum Beispiel nicht gegen die in Jerusalem. Die geografische Beschränkung gilt auch für die Völkermorde in Kambodscha, Ruana, Bosnien und den Sudan.

Fackenheim sagte, dass im Gegensatz dazu die Nazis sich daran machten jeden Juden auf dem Angesicht der Erde auszurotten. Er stellte heraus, dass die „nordamerikanischen Indianer in Reservaten überlebt haben; jüdische Reservate waren in einem siegreichen Nazi-Imperium unvorstellbar.“ Fackenheim merkte an, dass vom Holocaust gesagt werden könne, er gehöre mit anderen Katastrophen zur Spezies Völkermord. Innerhalb dieser Kategorie ist die geplante und weitgehend ausgeführte Vernichtung im Holocaust ohne Vorbild und zumindest bisher ohne Nachfolger. Daher muss für ihn der Begriff „einzigartig“ verwendet werden.[1]

Ein anderer jüdischer Philosoph führte Fackenheims Sicht weiter aus. David Patterson schrieb zum Vergleich der Schoah mit anderen Völkermorden: „Ich würde noch weiter gehen und darauf bestehen, dass der Holocaust nicht auf einen Fall von Völkermord reduziert werden kann, genauso wenig wie man ihn auf irgendein anderes historisches oder politisches Phänomen im engeren Sinne reduzieren kann, obwohl er natürlich diese Elemente enthält. Die Nazis wollten mehr tun als ein Volk zu vernichten. Wir sagen, sie wollten ein grundlegendes Prinzip ausrotten, Jahrtausende jüdischer Lehre und Zeugnis auslöschen, den lebenden Gott Abrahams, Isaaks und Jacobs vernichten, eine Art Gott ausmerzen, wie man die Welt und die Menschheit begreift, wie sie insbesondere durch die Juden verkörpert wird.“[2]

In Deutschland wurde die Debatte des Themas der Einzigartigkeit des Holocaust gerade zum Anhängsel der Affäre Achille Mbembe. Dieser öffentliche Intellektuelle aus Kamerun war von den Organisatoren der Ruhrtriennale im August eingeladen worden den Eröffnungsvortrag zu halten. Dann wurde bekannt, dass er ein extremer antiisraelischer Hetzer und in antisemitische Taten involviert war. Es folgte eine öffentliche Debatte. Diese ging trotz der durch die Corona-Pandemie verursachten Absage des Festivals weiter.

Eine der vielen Rügen gegen Mbembe lautete, er habe den Holocaust mit der Apartheid Südafrikas gleich gesetzt. Er gab zu, dass es einen quantitativen Unterschied zwischen beiden gab. Dennoch reagierte Alan Posener, der für Die Welt schreibt, in einem Artikel damit, dass dies fundamental falsch sei: „Der Holocaust war nicht eine viel größere Form der Apartheid, und, was wichtiger ist, die Apartheid nicht eine kleinere Version des Holocausts. Vielmehr handelt es sich um einen nicht quantitativ, sondern qualitativ anderen Vorgang.“[3]

Seitdem hat Posener einen Teil der Weltsicht Mbembes als totale Attacke auf die europäische Tradition der Aufklärung entlarvt. Er fügte an: „Zwar ist die Aufklärung selbst nicht frei von antisemitischen Zügen; aber für die Gegenaufklärung ist der Antisemitismus konstituierend, wie der Antizionismus für den Anti-Aufklärer Mbembe.“[4]

Über Mbembes Antisemitismus und sein massives Reinwaschen hinaus entwickelte sich ein wichtiges sekundäres Element der Affäre, das sich auf die nationale Erinnerung bezieht. Leider wurde das Thema der nationalem Erinnerung Deutschlands hauptsächlich von Leuten aufgebracht, die Mbembes Antisemitismus übertünchten.

Die Erinnerung an den Kolonialismus war ein zentraler Teil eines offenen Briefes vom 18. Mai, der von mehr als 700 afrikanischen Wissenschaftlern und Künstler unterschrieben wurde. Er war an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Frank-Walter Steinmeier gerichtet. Der Brief begann mit einem Absatz, der zwei dicke Lügen enthielt. Die erste lautete, Mbembe habe sich nicht antisemitisch geäußert. In dem Brief hieß es: „Wir, afrikanische Intellektuelle, Denker, Schriftsteller und Künstler verurteilen vorbehaltlos die lügnerischen Antisemitismus-Anschuldigungen rechtsextremer fremdenfeindlicher und rechtskonservativer Gruppierungen in Deutschland gegen Professor Achille Mbembe.“[5]

Die zweite Lüge war, dass in dem Absatz behauptet wurde, die Vorwürfe gegen Mbembe kämen aus der extremen Rechten. Die Aufdeckung des Antisemitismus Mbembes stammte zumeist aus Mainstream-Quellen. Der Brief endete mit der Forderung, der deutsche Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein sollte gefeuert werden. Das war extrem dreist, denn dieser sagte die Wahrheit über Mbembes Antisemitismus noch bevor weitere Fakten zum Schüren von Hass durch den Mann ins Blickfeld gerieten.

Dasselbe Problem der Anerkennung der Erinnerungskultur zum Kolonialismus kam in einer chaotischen Debatte auf. Teil davon waren die Äußerungen einer prominenten Reinwäscherin Mbembes, Professorin Aleida Assmann. Sie ist eine führende deutsche Expertin zu Gedenkkultur. Anfangs vermittelte sie den Eindruck, dass sie den Holocaust relativiert.

Assmann versuchte ihre Haltung in einem Interview mit Die Welt zu klären. Sie sagte: „Für mich als Deutsche steht die Singularität des Holocaust außer Frage und ist nicht verhandelbar. Es besteht ein eklatanter Unterschied zwischen den kolonialen Genoziden und dem Holocaust. Die europäischen Kolonisatoren haben die Ureinwohner umgebracht, weil sie ihnen im Wege waren und sie sich ihr Land aneignen wollten. Die Deutschen haben die europäischen Juden systematisch verfolgt und umgebracht, weil sie von dem Wahn besessen waren, dass ihre Zukunft nur in einer Welt ohne Juden möglich sei.“ Sie fügte hinzu, dass die deutsche Fixierung auf die Einzigartigkeit des Holocaust kaum eine Erinnerung an andere Verbrechen zum Ergebnis habe, z.B. die Kolonialgeschichte oder den Vernichtungskrieg des Zweiten Weltkriegs.[6]

Die führende deutsche Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland (VAD) beteiligte sich ebenfalls an der Debatte um Mbembe. Sie forderte mehr Objektivität zu Postkolonialismus und Israelkritik sowie ernste Analyse von Mbembes Arbeit. In der Frankfurter Allgemeine Zeitung antwortete deren Journalist Patrick Bahners auf den offenen Brief der VAD mit dem Bericht, wie er den Leiter der VAD kontaktierte, den Frankfurter Professor für Ethnologie Hans Peter Hahn und ihn bat im einzelnen aufzulisten, wer seiner Meinung nach Mbembes Texte nicht genug Aufmerksamkeit schenkte.

Überraschenderweise erwähnte Hahn zwei Wissenschaftler, die sich für Mbembe aussprachen: Aleida Assmann und die Philosophin Susan Neiman, beides Expertinnen für Erinnerungskultur in globaler Perspektive. In seiner Antwort an Bahners verwies Hahn auf die Tatsache, dass Assmann am Ende einer 50-minütigen Radiosendung von Deutschlandfunk Kultur zum Fall Mbembe gefragt wurde, was sie aus seiner Arbeit mitgenommen habe. Sie sagte, es falle ihr schwer Mbembe zu verstehen; Grund sei sein abstrakter philosophischer Ton, der manchmal poetisch werde. Assmann fügte hinzu, dass sie am meisten an Mbembes Überlegungen zu Reparationen [postkoloniale Beziehungen] interessiert ist. Neiman sagte, sie wüsste nicht, was sie mitnehme.

Hahn argumentierte, dass das beiläufige Eingeständnis der beiden Experten, dass sie „keine Ahnung von Mbembes Theorien haben“, ein Ungleichgewicht im öffentlichen Radio widerspiegelt. „Deutsche Intellektuelle erlauben sich über und für afrikanische Autoren zu reden, ohne sie gelesen zu haben.“

Eine sehr starke Stimme in der Debatte zur Erinnerungskultur war die des Philosophen Ingo Elbe. Er schrieb, dass in der Debatte der Kampf gegen Israel auch stellvertretend über Angriffe auf die deutsche Erinnerungskultur und ihren angeblichen Provinzialismus ausgefochten wird.[7]

In einem anderen Artikel schrieb Elbe, dass das postkoloniale Erinnerungskonzept zu der falschen Behauptung geführt habe, die Betonung der Einzigartigkeit des Holocaust schaffe eine Blockade des Leidens und eine Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden anderer. Elbe fügte hinzu, dass die Opferkonkurrenz bekämpft werden muss. Er schrieb darüber hinaus, die Behauptung, das Holocaust-Gedenken blockiere andere Erinnerungen, spiele schwarzen und muslimischen Antisemitismus herunter und übersehe besonders jüdische Erfahrungen, die einer Strategie der antirassistischen Gegenhegemonie geopfert werden.[8] Die um Mbembes geplanten Vortrag initiierte Debatte ist noch lange nicht vorbei.[9] Die damit verbundene Diskussion um Deutschlands Gedenkkultur dürfte jedoch viel länger andauern.[10]

In der internationalen akademischen Welt findet ein weiterer wichtiger Angriff auf die Einzigartigkeit des Holocaust statt. Der führende israelische Genozidforscher Israel W. Charny hat die schuldigen Wissenschaftler bloßgestellt. Er hat aufgezeigt: „In der akademischen Welt hat sich eine Alternative zu klassischen ‚schlampigen‘ Holocaust-Leugnungen entwickelt. Mehrere Forscher verbreiten heute die explizit falsche These, die Juden seien als Opfer nicht angegriffen worden, weil sie Juden waren. Stattdessen wird behauptet, sie seien eine Minderheit, die von den Nazis gemeinsam mit anderen Minderheiten verfolgt wurden.“

Charny fügte hinzu: „Diese Art fadenscheinigen intellektuellen Jonglierens führte zu absolut  falschen Äußerungen in mehreren Artikeln im ‚seriösen‘ Journal of Genocide Research (JGR). Der deutsche Fall der Holocaust-Verwässerung oder -Minimierung ist nicht nur ein deutsches Phänomen. In einem Artikel wird behauptet, die ausdrücklich antijüdische Wannsee-Konferenz sei überhaupt nicht von Judenhass motiviert gewesen, sondern stellte eine Politik gegenüber europäischen Minderheiten insgesamt dar, trotz der Tatsache, dass es diese Konferenz war, die die Pläne für die ‚Endlösung‘ festlegte.“

Charny schießt: „Die verzerrte Einstellung, dass der Holocaust nur einer von vielen Völkermorden ist, die das deutsche Nazi-Regime beging, ist eine Verniedlichung der grundlegenden Bedeutung des Holocaust, die von einer schockierenden Zahl gutgläubiger Wissenschaftler propagiert worden ist.“[11]

Es hat im vergangenen Jahrzehnt eine Explosion an Holocaust-Missbrauch gegeben. Dieser offenbart sich auf viele Weisen, einschließlich Holocaust-Umkehr (d.h. zu behaupten, dass Israel sich wie die Nazis verhält), Leugnung, Ablenkung, Reinwaschung, Entjudung, Gleichsetzung und Trivialisierung.[12] Diese Liste ist nicht vollständig, weil in den letzen Jahren mehrere zusätzliche Entstellungen aufgekommen sind. Solange es nirgendwo breit angelegte Post-Holocaust-Studienprogramme gibt, muss der Missbrauch des Holocaust in einer Kategorie nach der anderen angegangen werden.

[1] Emil L. Fackenheim: Holocaust. In: Michael Morgan (Hg.): A Holocaust Reader: Responses to the Nazi Extermination. New York (Oxford University Press) 2001, zitiert in: Patterson: Emil L. Fackenheim, S. 93.

[2] Patterson: Emil L. Fackenheim, S. 93.

[3] https://starke-meinungen.de/blog/2020/06/17/ueber-textverdrehungen-und-taschenspielertricks/

[4] https://starke-meinungen.de/blog/2020/07/13/mit-carl-schmitt-und-co-gegen-die-spaetmoderne-achille-mbembe/

[5] https://simoninou.files.wordpress.com/2020/05/brief-von-afrikanischen_intellektuellen_an-die-dt-bundeskanzlerin_-angela-merkel.pdf

[6] https://www.welt.de/kultur/plus208072327/Achille-Mbembe-und-der-Antisemitismus-Aleida-Assmann-ergreift-Partei.html

[7]  www.welt.de/debatte/kommentare/plus209117081/Mbembe-Debatte-Wenn-Linke-einen-Schlussstrich-unter-Auschwitz-fordern.html

[8] www.mena-watch.com/solidaritaet-statt-provinzialitaet-fallstricke-multidirektionaler-erinnerung/

[9] https://taz.de/Postcolonial-Studies-und-Herrschaft/!5691524/

[10] https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2020-06-25/geschichte-ist-immer-schmutzig/474847.html

[11] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/21517

[12] https://jcpa.org/text/holocaustabuse.pdf

Eine notwendige, äußerst wichtige Botschaft an das Holocaust Forum

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Dutzende Staatsoberhäupter werden nach Jerusalem kommen, um am Fünften Holocaust-Forum teilzunehmen. Diese Veranstaltung wird am 23. Januar in Yad Vashem beginnen und unter der Schirmherrschaft des israelischen Präsidenten Reuven Rivlin stattfinden. Die Zusammenkunft ist eine einzigartige Gelegenheit einem Top-Publikum öffentlich eine entscheidende Botschaft im Kampf gegen Antisemitismus zu vermitteln. Die israelische Regierung und jüdische Institutionen haben es Jahrzehnte lang versäumt die Botschaft öffentlich zu weiterzugeben, dass Antisemitismus mehr als tausend Jahre lang ein integraler Bestandteil westlicher Kultur gewesen ist. Diese Tatsache ist unentbehrlich für das Verständnis und die Bekämpfung von zeitgenössischem Antisemitismus und muss daher kontinuierlich wiederholt werden.

Vor mehr als einem Jahrtausend haben mächtige Organisationen – hauptsächlich, aber nicht ausschließlich im Westen – die Idee propagiert, dass Juden absolut böse sind. Die römisch-katholische Kirche war die Originalquelle dieser hasserfüllten Idee. Ihr folgten später verschiedene andere christliche Denominationen. Juden in allen Generationen wurden beschuldigt den mutmaßlichen Sohn Gottes, Jesus, getötet zu haben; ihnen wurde die Verantwortung für seinen Tod vorgeworfen.

Christliche Theologen stereotypisierten die Juden. Statt den Fehler bei einzelnen Individuen in einer lange zurückliegenden Vergangenheit zu suchen, machten sie alle Juden jeder Generation für ein Verbrechen verantwortlich, das ihre Ahnen nicht begangen hatten. Damit lieferten sie einen riesigen Beitrag zu dem, was heute allgemein Rassismus genannt wird. Menschen zu stereotypisieren ist ein Kernelement dieses Übels. Als Christen Juden brutal behandelten, entwickelten sie die boshafte Behauptung, das daraus resultierende Leiden der Juden sei göttliche Strafe dafür, dass sie Jesus nicht anerkennen.

Unter den protestantischen Reformern sticht Martin Luther in seinen späten Jahren als fanatischer Antisemit heraus. Er schrieb, dass Juden in Ställen gehalten werden sollten, ihre Bücher sollten ihnen weggenommen werden und wenn Rabbiner predigten, dass sollten sie getötet werden. Luther empfahl auch, dass Synagogen zur Ehre Gottes und der Christenheit niedergebrannt werden sollten.[1] Heutzutage gehört der Ökumenische Rat der Kirchen („Weltkirchenrat“) zu den großen christlichen Hass Schürenden gegen Israel.[2]

Auf der Jahrhunderte alten Infrastruktur des christlichen Antisemitismus entwickelte sich ein zweiter Typ des Antisemitismus: der ethnische/nationalistische Antisemitismus. Ohne die christliche Hass-Grundlage hätten viele in den europäischen Gesellschaften vermutlich weniger bereitwillig mit den deutschen Mördern bei der Verfolgung der Juden kooperiert.

Die Anti-Defamation League hat mehrere Studien zu einer Reihe von europäischen Ländern sowie den Vereinigten Staaten und Argentinien veröffentlicht. Die Umfragen stellten fest, dass selbst heute noch 26% der Christen an die Falschmeldung glauben, dass die Juden für den Tod Jesu verantwortlich sind.[3]

Mit der Entwicklung der westlichen Kultur mutierte auch der Antisemitismus. Anti-Israelismus hat dieselben Kernmotive wie die beiden früheren Typen des „klassischen“ Antisemitismus. Im christlichen Antisemitismus waren die Juden aufgrund der falschen Anschuldigung, sie hätten Jesus getötet, das absolut Böse. In der nachfolgenden Nazi-Ideologie waren die Juden das absolut Böse, weil sie fälschlich als untermenschlich, mit Defekten geboren, Insekten, Ungeziefer oder Bakterien angesehen wurden.

In der zeitgenössischen Gesellschaft stellt sich das absolut Böse als sich wie Nazis zu verhalten und Völkermord zu planen dar. Aus verschiedenen Studien wissen wir, dass eine große Minderheit der Bevölkerung Europas fälschlicherweise glaubt, Israel habe vor Völkermord an den Palästinensern zu begehen; alternativ wird geglaubt, es verhalte sich den Palästinensern gegenüber wie die Nazis es den Juden gegenüber machten.[4]

Es gibt viele Belege der fortbestehenden Verflechtung von Antisemitismus und westlicher Kultur. Rothschild, die Juden und Geld sind immer wiederkehrende, von Antisemiten verwendete Verknüpfungen. Lange davor hatte die Kirche bereits Judas Ischariot vorgeworfen Jesus für Geld verkauft zu haben. Shylock taucht immer noch in der westlichen Gesellschaft als der Inbegriff des Wucherers auf. Trotz des extremen Bösen des Nationalsozialismus wurde der Nazi-Denker Martin Heidegger zum führenden Philosophen des Nachkriegs-Europa.[5]

Es gibt viele weitere Belege, dass dieser Antisemitismus mit der westlichen Kultur verflochten ist. In der Postmoderne entwickeln viele wichtige neue intellektuelle oder ideologische Strömungen früher oder später antisemitische Ausdrucksformen. Die Menschenrechtsbewegung ist vollgestopft mit antiisraelischen NGOs. Ihr höchstes Organ, der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UNHRC), ist ein moralisch korruptes Gremium, das von antiisraelischen Hass Schürenden durchsetzt ist.

Es gibt eine Vielzahl anderer Beispiele zeitgenössischer ideologischer Bewegungen, in denen Antisemitismus aufgekommen ist. Ein paar Beispiele: Der Feminismus ist eine offensichtliche.[6] Ebenso Teile der LGBT-Bewegung. Einige Leute in dieser Bewegung beschuldigen Israel des „Pinkwashing“. Diese Idee behauptet, dass Israel der Schwulengemeinschaft gleiche Rechte einräumt, sei ein Mittel die Aufmerksamkeit von seiner angeblichen Diskriminierung der Palästinenser abzulenken.[7] Die Intersektionalitätsbewegung zielt oft auf die Solidarität aller Opfer mit Ausnahme der Juden.

In der akademischen Welt bezeichnen Verfechter des Postkolonialismus Israel manchmal als „Kolonialmacht“.[8] Der Begriff ist eine gewaltige Entstellung. Israels Verhalten gegenüber den Palästinensern enthält keine Ähnlichkeit zu den massiven Verbrechen der belgischen, britischen, niederländischen, französischen, deutschen, portugiesischen und spanischen Kolonisatoren an den eroberten Völkern im Verlauf der Jahrhunderte. Diese Länder unterwarfen Völker, um Geld zu machen. Juden machten das Gegenteil. Sie investierten große Mühen und beträchtliche Geldsummen in die Wiederbelebung ihres angestammten Landes, um es aus langjähriger Verwahrlosung zu holen.

Das bevorstehende Holocaust-Forum ist eine einzigartige Gelegenheit für die Organisatoren die obigen Botschaften öffentlich zu präsentieren. Es ist eine Schande, dass so viele jüdische Organisationen es versäumt haben die fortgesetzte Verflechtung von Juden hassendem Antisemitismus mit westlicher Kultur hervorzuheben und was das dafür bedeutet den zeitgenössischen Antisemitismus zu verstehen und zu bekämpfen.

[1] https://jcpa.org/article/historical-roots-anti-israel-positions-liberal-protestant-churches-2/

[2] www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/11053; https://jerusalemjournal.net/news-and-views/fools-on-the-ground-the-world-council-of-churches-in-israel-and-its-eappi-by-dexter-van-zile

[3] www.adl.org/news/press-releases/adl-poll-anti-semitic-attitudes-in-america-decline-3-percent

[4] Zum Beispiel: library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf

[5] https://www.newyorker.com/culture/richard-brody/why-does-it-matter-if-heidegger-was-anti-semitic

[6] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18876

[7] http://www.jpost.com/Israel-News/Ilhan-Omar-Rashida-Tlaib-respond-to-Palestinian-LGBTQ-ban-on-Twitter-599139

[8] https://spme.org/spme-research/analysis/philip-carl-salzman-reflections-on-postcolonial-theory-and-the-arab-israel-conflict/4259/

Nie wieder?

Es ist gesagt worden, dass die Welt im Angesicht von Gräueltaten nie wieder schweigen wird. Aber wie kann man das behaupten, wenn im Verlauf der letzten Jahrzehnte den Morden an Millionen Menschen rund um die Welt mit Stille begegnet wurde?

Nadav Shragai, Israel HaYom, 2. Mai 2019

Im Zentrum des Konzentrationslagers Dachau befindet sich ein Denkmal aus Glas und Stein, auf das in zahlreichen Sprachen „Nie wieder“ geschrieben wurde. Auch im Zentrum des Todeslagers Treblinka ist ein ähnliches Mahnmal zu finden, das den von so vielen über die Jahre hinweg zu dieser Zeit im Jahr von uns wiederholten Schwur trägt.

Aber 80 Jahre nach dem Holocaust scheint es so, als sei die Zeit gekommen diesem Eid ein Fragezeichen hinzuzufügen.

In Europa wie auch bei radikalen Gruppen in den USA breitet sich Judenhass aus und Zurschaustellungen von Antisemitismus in seinen verschiedenen Formen sind mit zunehmender Regelmäßigkeit ausgebrochen. Manchmal handelt es sich um religiösen Hass, andere Male beruht er auf Kultur oder Rasse. In weiteren Fällen ist der Judenhass sozio-ökonomischer Natur.

Diese Erscheinungsformen des Hasses sind jedoch von geringerem Interesse. Seit dem Holocaust hat es unter unseren Feinden solche gegeben und gibt es weiter, die öffentlich erklärten, dass der Plan zu unserer Auslöschung in Kraft bleibt. Es gibt solche, die es schwer finden diese Tatsache zu akzeptieren, insbesondere den Fakt, dass die Nation, die jetzt in Zion wohnt, ihre Beziehung zur Gegenwart zu einem Großteil auf den Lektionen aus der Vergangenheit aufbaut.

Einer dieser Menschen war der verstorbene Professor Yehuda Elkana, selbst ein Holocaust-Überlebender, der das Cohn-Institut für Geschichte und Philosophie der Naturwissenschaften an der Universität Tel Aviv leitete. In den 1980-er Jahren lehnte Elkana es ab die Erinnerung an die Vergangenheit als politisches Argument zu verwenden; er sagte, das sei so, als lasse man die Toten am demokratischen Lebensprozess teilnehmen.

Es gibt viele in unserer Generation, die Elkanas Sichtweise teilen. Sie verstehen nicht, dass die Direktive zum Erinnern sich nicht gegen die Streuung und Verbreitung von Hass richtet, sondern die Sicherstellung eben dieser Existenz und Fortsetzung des Lebens ist, tatsächlich dazu dient sicherzustellen, dass der Holocaust niemals wieder begangen wird. Die Art das zu erreichen besteht darin zu fragen und zu forschen und zu fordern und zu untersuchen und fast ständig zu überlegen: Wird das wirklich nie wieder geschehen?

Eine Welt, die nicht erhebt

Solange Menschen herumlaufen, die bereit sind die Nazi-Rassentheorie und den Judenhass zu verbreiten und entsprechend zu handeln, ist diese Frage nicht nur legitim, sondern unverzichtbar. Nach dem Holocaust waren es der Jerusalemer Großmufti Haddsch Amin al-Husseini und der Feldkommandeur der Arabischen Befreiungsarmee, Fawzi al-Qawuqji, die davon sprachen, dass die „Endlösung die komplette Auslöschung aller Juden“ ist.

Etwa zu der Zeit des Sechstagekrieges 1967 waren es die Führer der arabischen Staaten oder ihre Sprachrohre, die von ihrer Doktrin in diesem Geist sprachen oder verbreiteten. In unserer Generation sprechen die Führer des Iran offen davon und große Teile der „aufgeklärten“ Welt verschließen vor ihren Äußerungen die Ohren. Auch das Phänomen des Islamischen Staates, das sehr stark an die Nazi-Ideologie erinnert, muss diese Welt noch verlassen.

Es ist gesagt worden, dass die Welt niemals wieder schweigen oder nicht handeln wird. Aber wie kann man diese Behauptung aufstellen, wenn im Verlauf der letzten Jahrzehnte an verschiedenen Orten überall auf der Welt Millionen von ihren Feinden ermordet worden sind, während die Welt mit Schweigen reagierte, mit Schweigen reagiert und mit aller Wahrscheinlichkeit weiterhin mit Schweigen reagieren wird.

Es reicht in diesem Zusammenhang aus, die Ermordung von 3 Millionen Muslimen und Hindus durch die westpakistanische Armee in Ostbengalen 1971 anzuführen, den Völkermord an 2 Millionen Kambodschanern durch das Regime der Roten Khmer, den Massenmord an einer halben Million Menschen in Darfur im Westsudan seit 2003 und die 400.000 Ermordeten im blutigen syrischen Bürgerkrieg.

Die Welt erhob und erhebt sich nicht wirklich gegen diese Gräueltaten auf, so wie sie sich nicht gegen den Völkermord an den Juden erhob. Es gibt nicht wirklich einen Grund anzunehmen, es würde etwas von Bedeutung unternommen werden, wenn – was der Himmel verhüten möge – die Existenz des jüdischen Volks in Israel oder weltweit bedroht würde.

Die Worte „Nie wieder“ müssen daher in unserer Generation nicht nur als Eid oder Versprechen dargelegt werden, sondern als unablässige Klarstellung und Frage, die ständig gestellt werden muss.

Die Woche der europäischen Sorge wegen Antisemitismus

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Dieses Jahr ging dem Internationalen Holocaust-Gedenktag voraus, was man als „Woche der europäischen Sorge wegen Antisemitismus“ bezeichnen könnte. Führende Politiker Europas haben Äußerungen abgegeben, dass Antisemitismus ein ernstes Problem ist und bekämpft werden müsse, ohne Näheres zu Maßnahmen anzugeben, die sie dafür ergreifen werden.

In Brüssel sagte Antonio Tajani, Präsident des Europaparlaments: „Antisemitismus ist ein fortdauerndes Thema. Die Gewalt gegen jüdische Gemeinden in Europa nimmt zu.“ Er fügt hinzu, dass zu seinem tiefsten Bedauern „Juden weiterhin Europa verlassen, weil sie sich nicht sicher fühlen. Das ist inakzeptabel. Wir müssen handeln und reagieren. Wir müssen unseren Bürgern die Hand ausstrecken, insbesondere den jungen Menschen. Sie sind die Zukunft Europas.“[1]

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel sagte, es sei die Pflicht eines jeden Einzelnen „Verantwortung dafür zu tragen, dass wir null Toleranz gegen Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit, Hass und Rassenwahn zeigen“.[2] Das spiegelt die Politik ihrer Regierung seit 2015 nicht, die viele Hunderttausende Antisemiten ins Land ließ. Diese waren Teil der Zuwanderer aus muslimischen Ländern, in denen Antisemitismus ein tiefgehendes Phänomen ihrer Gesellschaften ist.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas schrieb in einem Artikel in DIE WELT: „Rechtspopulistische Provokateure relativieren den Holocaust – im Wissen, dass ein solcher Tabubruch maximale Aufmerksamkeit beschert. Rechte zeigen auf offener Straße den Hitlergruß, jungen Männern wird die Kippa vom Kopf gerissen, jüdische Kinder werden beschimpft.“[3]

Die Hauptfolgerung aus dem Lesen dieses Artikels lautet, dass Maas wissentlich die Tatsache ignoriert, dass viele derer, die Juden auf der Straße angreifen, muslimische Zugewanderte und deren Nachkommen sind. Beim schlimmsten Vorfall in einer Berliner Schule wurde der jüdische Schüler, Oscar Michalski, beschimpft. (Sein Vorname wurde leicht verändert um seine Identität zu schützen.) Ein muslimischer Schüler dort schoss mit einer echt aussehenden Waffe auf ihn. Er wurde außerdem bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt.[4]

Bei einer weiteren Gelegenheit sagt Maas, er sei „wegen Auschwitz“ in die Politik gegangen.[5] Eine wichtige Gruppe Antisemiten anzugreifen, während man zu einer anderen, riesigen Gruppe von Tätern antisemitischen Handlens schweigt, ist teilweises Reinwaschen von Antisemitismus. Das einzige Argument, das man anbringen kann, um Maas‘ zweierlei Maß abzuschwächen, lautet, dass sein Amtsvorgänger Sigmar Gabriel, ebenfalls ein Sozialist, weit schlimmere Äußerungen von sich gab. Gabriel hat Israels Politik in den „Gebieten“ mit denen der Apartheid in Südafrika gleichgesetzt. Er brauchte viele Monate, um sich dafür zu entschuldigen. Gabriel behauptete in einem Artikel in der Berliner Zeitung[6] zudem fälschlich, Sozialdemokraten seien wie Juden die ersten Opfer der Nationalsozialisten gewesen, mit demselben Schicksal.[7]

Letzte Woche war Israels Präsident Reuven Rivlin zu einem diplomatischen Besuch in Frankreich. Bei einem Treffen mit Präsident Macron merkte er an, dass es in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 eine Zunahme der Zahl antisemitischer Vorfälle in Frankreich um 69% gab. Macron sagte: „Antisemitismus steht unseren Werten und allem, was unsere Demokratie darstellt, absolut entgegen.“ Er fügte an: „Jegliche Gewalt oder Einschüchterung werden wir in unserem Land niemals hinnehmen. Wir werden alles tun, was wir können, um sicherzustellen, dass Antisemitismus beseitigt wird.“[8] Dabei hat Frankreich noch nicht einmal die Antisemitismus-Definition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz übernommen.

Wenn es tatsächlich einen Wunsch gäbe, bei den Reden zum Holocaust-Gedenktag das Thema Antisemitismus anzugehen, hätte das Folgende gesagt werden können: „Antisemitismus widerspricht vielen europäischen Werte, dennoch ist der Antisemitismus in der europäischen Kultur viel länger verankert als all diese Werte. Als einen ersten Schritt, sollten alle europäischen Länder die Einstellungen der Zuwanderer überprüfen und diejenigen abweisen, die Antisemiten sind. Wenn das nicht gemacht werden kann, könnte man es ein paar Jahre lang vermeiden Zuwanderer aus Ländern hereinzulassen, in denen der Anteil der Antisemiten beträchtlich ist und das umso mehr aus Ländern, wo die Mehrheit der Bevölkerung antisemitische Einstellungen hegt.[9] Alle europäischen Ländern und die EU sollten die Antisemitismus-Definition der IHRA annehmen. Alle europäischen Länder sollten Antisemitismus-Beauftragte haben.“

Ein einziger führender europäischer Politiker bot ein wenig Gegengewicht zum Übermaß an Worten und dem Mangel an Handeln der anderen Staatslenker und sagte bei einer besonderen Gelegenheit das, was gesagt werden sollte. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz sagte Mohammed Mahathir, dem erzantisemitischen malaysischen Premierminister, dass jede Form von Antisemitismus in Malaysia oder wo auch immer inakzeptabel ist.[10]

Die beste Nachricht rund um den Holocaust-Gedenktag kam von ganz anderer Stelle. Das Internaitonale Paralympische Komitee (IPC) nahm Malaysia die Schwimm-Weltmeisterschaft der Behinderten ab, da das Land nicht in der Lage war zu garantieren, dass israelische Athleten daran teilnehmen können.[11]

[1] www.jpost.com/Diaspora/Antisemitism/European-Parliament-president-Ongoing-antisemitism-must-be-stopped-578376

[2] http://www.welt.de/newsticker/news1/article187752150/Antisemitismus-Merkel-mahnt-zu-Gedenken-an-NS-Opfer.html

[3] www.welt.de/debatte/kommentare/article187748332/Heiko-Maas-Das-Unwissen-der-jungen-Deutschen-ist-gefaehrlich.html?wtrid=socialmedia.email.sharebutton

[4] http://www.zeit.de/2018/06/antisemitismus-deutschland-juden-berichte/seite-2

[5] http://www.timesofisrael.com/i-entered-politics-because-of-auschwitz-says-new-german-fm/

[6] https://www.berliner-zeitung.de/politik/gastbeitrag-von-sigmar-gabriel-europa-und-israel-gemeinsam-gegen-nationalismus-26758358

[7] http://www.jpost.com/Israel-News/Anger-at-German-FM-after-he-repeats-that-Israel-is-an-apartheid-regime-521405

[8] www.jpost.com/Israel-News/Rivlin-in-Paris-If-we-face-threats-from-Lebanon-we-will-not-stand-by-578389

[9] http://global100.adl.org/#map/weurope

[10] www.freemalaysiatoday.com/category/nation/2019/01/22/anti-semitism-unacceptable-austrian-chancellor-tells-dr-m/

[11] http://www.insidethegames.biz/articles/1074728/ipc-strip-malaysia-of-2019-world-para-swimming-championships-over-israel-policy

Internationaler Holocaust-Gedenktag

Es ist „internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des nationalsozialistischen Völkermords an den europäischen Juden“.

Jetzt ergehen sie sich wieder im Gedenken an die ermordeten Juden. Ganz besonders in Deutschland wird das „Nie wieder“ so herausgekramt wie immer auch am 9. November zum Kristallnacht-Gedenken. Deutschland hat die tollste Gedenkkultur der Welt. Wir können uns an die eigene Brust schlagen, wie niemand sonst. Und das tun wir in Deutschland mit Inbrunst.

Da gibt es Aktionen ohne Ende. In Leverkusen zum Beispiel putzten Gymnasiasten die „Stolpersteine“ – in einer Fußgängerzone. Was ist mit den anderen? Sollten die nicht auch sauber sein? Oder gelten sie nicht so viel, weil sie weiter abseits liegen? Nein, das war wohl „praktischer Geschichtsunterricht, denn die Aktion fand während der Unterrichtszeit statt.

In Regensburg gibt es eine Gedenkfeier der Stadt u.a. mit einem Kurzfilm von Schülern über das KZ Ravensbrück.

Die Grünen in Aachen haben eine Ausstellung zu bieten, die bis 1. Februar in einer Kirche zu sehen ist und am Sonntag mit einer Klezmer-Band eröffnet wird.

In Weimar war schon am Freitag offizielles Kranzniederlegen im KZ Buchenwalt unter Ausschluss der AfD, weil diese – angeblich – „antidemokratische, menschenrechtsfeindliche und geschichtsrevisionistische Positionen“ vertritt. (Nur der dritte Punkt trifft auf einzelne, sicherlich noch zu viele Mitglieder zu, nicht die Gesamtpartei. Aber hier wird wieder eine politische Suppe gekocht, das Gedenken einmal mehr instrumentalisiert. Es wird ausgegrenzt und verleumdet.)

In Frankfurt-Flörsheim steht die „Musik jüdischer Künstler der Weimarer Zeit … ganz im Fokus des Programms“, „deren Namen heute zu Unrecht oft völlig vergessen sind.“

Berlin gedenkt in einer „Erinnerungsstunde“ am Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma; dazu ein „stilles Gedenken“ am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Tiergarten. Am Gedenktag für die Ermordung der europäischen Juden werden die Mahnmale anderen Opfer in den Mittelpunkt gerückt.

Auf ZDF info liefen von der Nacht (!) von Freitag auf Samstag 14 Dokumentationen und Filme. Ganz gewichtig anscheinend 3 Folgen „Die Wahrheit über den Holocaust“ von 1.15 bis 3.30 Uhr.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland mahnte vor wachsender Geschichtsvergessenheit in Deutschland und Europa. „Das mangelnde historische Wissen und die fehlende Empathie mit den Opfern der Schoah führten zu Gleichgültigkeit, fürchtet Zentralratspräsident Josef Schuster. Der Holocaust-Gedenktag soll hiergegen ein deutliches Zeichen setzen.“

NRW-Ministerpräsident Laschet reist extra (auf Einladung der Union progressiver Juden) nach Auschwitz. Info dazu: Für Laschet und die Landesregierung seien das Mahnen und Erinnern an das Menschheitsverbrechen der Schoah sowie die Förderung der Erinnerungskultur und das entschlossene Eintreten gegen Antisemitismus zentrale Anliegen, hieß es weiter. Wie manifestiert sich dieses „entschlossene Eintreten gegen Antisemitismus“? Tut die Landesregierung das auch gelegentlich auch mal außerhalb des Neonazi-Antisemitismus? Da fehlen die handfesten Beispiele.

Für Wien gilt: „Aktive Gedenkpolitik bedeutet aber nicht nur die Beschäftigung mit der Vergangenheit, sie bedeutet sich den Ideologien der Ungleichheit in der Gegenwart entgegen zu stellen und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen! Nachdem Zeitzeug_innen uns in den vergangenen Jahrzehnten unermüdlich erzählt haben, zu welchem unfassbaren Elend radikaler Nationalismus und rassistischer Wahn in Europa geführt haben, sehen wir in Europa heute erneut nationalistische und rassistische Bewegungen wiederentstehen oder bereits mit Macht ausgestattet”, so „Jetzt Zeichen setzen”. Deshalb wolle man wie jedes Jahr ein Zeichen am geschichtsträchtigen Heldenplatz setzen. Ah, ganz wichtig: Instrumentalisierung gegen „rechts“, aber der heutzutage am stärksten manifeste Antisemitismus wird ausgeklammert.

Es wird überall wieder hehre Worte geben und beschworen den Anfängen zu wehen – und dem werden wohl keine Taten folgen. Wenn der Regierende Bürgermeister von Berlin und amtierende Bundesratspräsident Müller wissen lässt: „Wir dürfen rassistischer und antisemitischer Hetze und Ausgrenzung keinen Raum geben. Wir können das Verbrennen von Flaggen des Staates Israel auf unseren Straßen nicht hinnehmen. Wir müssen verhindern, dass alte und neue Formen des Antisemitismus und Rassismus alltäglicher Begleiter werden“, dann sind das richtige Worte – die aber auch nur wieder hohl bleiben, weil sie keine Folgen haben. Das Verbrennen israelischer Flaggen anzuprangern ist schön und gut. Aber die Hetzpropaganda gegen Israel bleibt außen vor. Und dass es auch hier nur gegen „rechts“ geht, ist ohnehin selbstverständlich, denn: „Ausgrenzung, Hetze und Vorurteilen müssen wir Aufklärung und Wachsamkeit der Zivilgesellschaft und des Rechtsstaates entgegenstellen“, gilt nicht für Antifa und muslimische Einstellungen.

Ähnlich Jean-Claude Juncker, der „nie gedacht hätte“, „dass ich es noch erleben würde, wie Juden in Europa Angst bekommen, ihren Glauben auszuüben. Es erfüllt mich mit Trauer, dass fast 40 Prozent von ihnen darüber nachdenken, Europa zu verlassen. In Europa ist Holocaustleugnung salonfähig. Während jeder dritte Europäer nach eigenen Angaben ’nur ein bisschen‘ über den Holocaust weiß, hat einer von zwanzig nie etwas davon gehört.“ Und die „Erinnerung am Leben erhalten“ sehen will. Ross und Reiter des aktuellen Antisemitismus nennt er nicht.

Es wird sich wie immer in viel Symbolismus ergangen. Konkrete Folgen? Fehlanzeige. Und schon gar kein Angehen der tatsächlichen Probleme und Problembereiter. Im Zweifelsfall werden eher eigener Hass und Vorurteile gepflegt, um politische Süppchen zu kochen.

Wunderbares Erinnern! Ganz toll! Wie jedes Jahr zweimal. Hinterher gehen wir wieder zum Alltag über. Ignorieren linken und islamischen Antisemitismus. Hetze gegen Israel. Beschimpfen nicht nur die AfD, um sie zu Antisemiten zu machen. Damit die wahren Antisemiten nicht bekämpft werden müssen, das wäre zu aufwändig und wohl auch noch gefährlich.

Wie war das noch? Je länger das Dritte Reich tot ist, desto stärker wird Hitler bekämpft? Wie passend. Nur keine neuen „Kriege“ führen. Den Tätern von heute ergeben wir uns lieber vorab. Bis wir gemerkt haben, dass es zu spät ist, sind wir da selbst schon ermordet worden. Weil ein Wunsch-Weltbild wichtiger ist als die Realität. Weil ideologisierte Verbohrtheit mehr zählt als nüchterne Bestandsaufnahmen. Weil aus der Vergangenheit zu lernen mühsam und es viel leichter ist, sich erneut dumm und blind zu verhalten. Weil „wehret den Anfängen“ so schön klingt, wenn man es gegen unliebsame Menschen und Gruppen anwendet, die gerade unbequem sind – und man es gegenüber denen längst verpasst hat, die die tatsächlichen Gefahrenherde stellen: Islamistischen Predigern, die Hass verbreiten und Judenfeindschaft einimpfen; Verbänden, die vor allem eins können: Beleidigtsein in die Welt zu trompeten und die Täter in den eigenen Reihen schützen und reinwaschen sowie die Schuld auf Opfer schieben. Oder als Regierung auch gegenüber Regimen, die Völkermord an Juden propagieren, imperialistischen Terror nicht nur in der eigenen Region verbreiten – aber mit denen man unbedingt Geschäfte machen muss, sie hofiert und „kritischen Dialog“ führt, der seit 40 Jahren einmal nicht ansatzweise das gebracht hat, was er bringen soll, sondern genau das Gegenteil.

Der Hass, der Antisemitismus, Gewalttaten kommen heute in unserer Gesellschaft zu enorm großen Teilen aus den Reihen der Muslime; in der Weltpolitik von radikal-muslimischen Staaten. Die Ursachen dafür zu bekämpfen geht nicht. Das ist „islamophob“, wird als ausgrenzend und rassistisch gebrandmarkt. Warum? Weil das ideologische Bild stimmen muss. Und wenn die Juden da nicht reinpassen, weil es Israel gibt, dann ist dieser Antisemitismus eben auch in Ordnung.

Auf diese Art von Gedenken verzichte ich lieber. Mir sind dazu die hasserfüllten Gesichter mit dem Gebrüll der „Gegendemonstranten“ zu sehr präsent, denen ich bei Kundgebungen begegnete, die tatsächlich gegen Antisemitismus stattfanden. Von „Gegendemonstranten“, die denen angehörten, die heute als Vorbilder zur Bekämpfung von Rassismus und Ausgrenzung da stehen.