„Nie wieder“? Wirklich?

Während der Internationale Holocaust-Gedenktag begangen wird, sollten wir nicht vergessen, dass der Kampf gegen Antisemitismus immer noch tobt.

Fiamma Nirenstein, JNS.org, 27. Januar 2022

Nach Angaben des jährlichen Berichts der Jewish Agency und der World Zionist Organization, der vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag veröffentlicht wurde, gab es 2021 mehr Antisemitismus als in den letzten 10 Jahren.

Das sollte unsere Trauer um das Schicksal derer unserer Liebsten nicht ersetzten, die im Nazi-Völkermord an den Juden im Zweiten Weltkrieg deportiert, gefoltert und ermordet wurden. Aber es ist nötig, einmal mehr – in ihrem Gedenken – zu bekräftigen, dass die Erfüllung des Versprechens „Nie wieder“ es vor allem erfordert den Antisemitismus zu bekämpfen.

Es ist aber die eine Sache, das anscheinend im Verlauf der Jahrzehnte vergessen worden ist. Tatsächlich stellte Gewalt gegen Juden fast ein Drittel der antisemitischen Vorfälle des letzten Jahres, mit einem Durchschnitt von mindestens 10 pro Tag. Dazu gehörten hasserfüllte Graffitis, die Schändung und/oder mutwillige Beschädigung von Eigentum, das Abreißen von Davidstern-Anhängern von Halsketten und die aggressive Entfernung von Kippot von den Köpfen von Juden.

Auch der Online-Sturm ist ein nie da gewesener. Laut der Anti-Defamation League (ADL) wurde der Satz „Hitler hatte recht“ 17.000-mal allein innerhalb einer Woche im Mai in den sozialen Medien gepostet und der Schwur die Juden auszulöschen kommt täglich vor. „Die Welt von heute braucht Hitler“, twitterte z.B. der freiberufliche CNN-Mitarbeiter Adeel Raja, was viele Follower „likten“ und „teilten“.

Bei israelfeindlichen Demonstrationen überall wurden üblicherweise Schimpfnamen wie „verdammter Jude“ skandiert. Jüdische Institutionen, Restaurants und Geschäfte wurden angegriffen, fast die Hälfte davon in Europa; der Rest in Amerika und anderswo.

Das Phänomen existiert über das gesamte politische Spektrum, von rechts bis links, zusammen mit dem größten Teil der islamischen Welt. Noch schlimmer hallt ihr konformistisches Echo in den internationalen Medien und in Regierungs- wie Nichtregierungs-Institutionen wider. Politiker und darstellende Künstler zögern nicht verleumderische Anschuldigungen gegen die Juden und Israel zu wiederholen oder die BDS-Bewegung zu unterstützen.

Der UNO-Menschenrechtsrat stelle ein dauerhaftes Adhoc-Komitee auf, das $1 Million Budget sowie 29 Mitarbeiter hat und einzig der „Beobachtung aller verdächtigen Menschenrechtsverletzungen durch Israel“ gewidmet ist. Nicht denen Syriens, nicht denen des Iran, nicht denen Chinas.

Genau dieses zweierlei Maß definiert Antisemitismus. Dennoch sieht die Welt einfach zu und nickt.

Während bei der Operation Hüter der Mauern ohne triftigen Grund 4.500 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel herabregneten, brüllte die internationale Gemeinschaft etwas von „Menschenrechten für die Palästinenser“, aber nicht vom Recht der Juden sich zu verteidigen.

Wenn eine solche Einstellung verherrlicht wird, werden Geschäfte in Los Angeles und New York zertrümmert, was die uralte Ritualmordlüge zu einer zeitgenössischen macht: dass Juden es lieben Kinder zu töten. Das alte Sprachbild, Juden würden die Welt beherrschen, wird in eine Anschuldigung verwandelt, Israel seit der „ethnischen Säuberung“ und des Kolonialismus schuldig.

Es handelt sich um ein bösartiges Narrativ, das Vorfälle wie die Zwangsräumung arabischer Besetzer aus deinem Haus im Ostjerusalemer Viertel Scheik Jarrah verzerrt. Es handelt sich um ein Narrativ, das Journalisten akzeptieren, wobei sie Geschichte und Stadtplanungs-Vorschriften ignorieren, die im jüdischen Staat gleichermaßen für Juden wie für Araber gelten; es handelt sich um eines, das das Wohlwollen des obersten israelischen Gerichtshofs gegenüber den Arabern ausblendet.

Der heutige Antisemitismus wird als Rhetorik von „Antiapartheid“, „Antirassismus“ und „Antikolonialismus“ verkleidet. Es gibt Impfgegner, die deuten an, sie würden eine Schoa erleiden, weil Juden COVID-19 nicht nur verbreiten, sondern von der Pandemie kräftig profitiert haben.

Darüber hinaus hat der Antisemitismus es geschafft sich sogar an die Bewegungen „#MeToo“ und Black Lives Matter anzuhängen. Nach Angaben letzterer sind Juden „weiße Herrenmenschen“. Ironischerweise sind es die Juden, die das Objekt islamischer Angriffe in amerikanischen Synagogen geworden sind, in denen sie bereits zum Ziel von tatsächlichen weißen Herrenmenschen geworden sind. Mit anderen Worten: Der Antisemitismus ist heute universal.

Alle Studien zur deutschen Grausamkeit, die zum Völkermord an den Juden führte, heben die entscheidende Rolle hervor, die Aufstachelungsmythologien spielten. Henry Kopels wichtiges Buch War on Hate: How to Stop Genocide, Fight Terrorism, and Defend Freedom [Krieg gegen den Hass: Wie man Völkermord aufhält, Terrorismus bekämpft und die Freiheit verteidigt] deute den Weg an, wie Juden von den Massen als Insekten und Scheusale bezeichnet wurden, als ausbeuterische Kapitalisten, als verräterische Parasiten, als unmenschliche Kommunisten – alles sollte dem von Adolf Hitler behaupteten Ziel die Deutschen „auszulöschen“ gewidmet gewesen sein.

Auf ähnliche Weise wird heute von Juden gesagt, sie wollten „die Palästinenser ausrotten“.

Die deutschen bezeichneten die Juden als „Täter von Gräueltaten“ und „tödliche Seuche“ (so wie der Iran aktuell Israel definiert). Heute werden die Juden und Israel beschuldigt „Kolonialisten“ und „Rassisten“ zu sein.

Es ist keine Schande mehr, genau den Sprachgebrauch und die Bildsprache anzuwenden, die der Schoa den Weg bereitet haben.

Kopel erklärt, dass man kein begeisterter Nazi sein muss, um an den Massakern an unschuldigen Juden, einschließlich Kindern (38.000 innerhalb eines Jahres getötet, 45.000 zusammengetrieben und in Vernichtungslager beschickt) beteiligt zu sein. Man war einfach „ein gewöhnlicher Deutscher, ohne jegliche besondere Neigung zu Gewalt“ und wenn du ein Führer warst, hattest du ein „mittleres bis hohes intellektuelles Niveau, frei von Pathologien“.

Hetze war das Mittel – der „fliegende Teppich“ – der zum Massaker führte. Und das ist bei jedem Akt des Völkermords und jedem Terrorismus der Fall.

In seinem vor kurzem veröffentlichten Buch Mau più! [Nie Wieder!] erzählt uns der italienische Historiker und Philosoph Giorgio Volli, dass „Nie Wieder“ das einzige wiederkehrend Thema in den vielen Dokumente, die mit dem heutigen Jahrestag in Verbindung stehen.

Trotzdem wird heute zugelassen, dass Aufstachelung zum Töten von Juden uneingeschränkt voranschreitet. Die Islamische Republik Iran betrachten sie als vorrangige Aufgabe, die im Gesetz verankert ist und die sie mit Krieg und dem Bau einer Atombombe verfolgt. Die Terrororganisationen Hamas und Hisbollah betrachten es als religiöse Pflicht.

Die Schoa genau darzulegen hat viele Jahre gedauert. Die Nürnberger Prozesse von 1946 bis 1949 und danach der Eichmann-Prozess 1961 wurden von der Ungläubigkeit überschattet, dass die europäische Kultur etwas derart Böses geboren haben konnte.

Volli beschreibt das gut. Die Interpretation des „absolut Bösen“, zusammen mit dem, was die Philosophin Hannah Arendt die „Banalität des Bösen“ nannte – sich hinter dem „Wahnsinn“, der „Perversion“ oder der „Paranoia“ von Hitler & Co. zu verstecken und sich zu weigern die große Zahl Mozart liebender Deutschen zu sehen, die jüdische Kinder töteten – lullen uns dahingehend ein zu glauben, dass das nicht noch einmal passieren wird. Nicht uns. Aber es geschah bereits, wenn auch auf niedrigerem Niveau.

Volli hält fest, dass viele der Dokumente, die den Internationalen Holocaust-Gedenktag begründen, reduzierend sind. Das Deutsche z.B. beinhaltet das Wort „Jude“ nicht. Das des Europarats nennt den Holocaust sogar „beispielhaft“ unter den Verbrechen gegen die Menschheit.

Wenige wagen es die Deutschen als Nation verantwortlich zu machen. Fast jeder zieht es vor die Mörder „Nazis“ zu nennen, während die Europäische Union von einem allgemeinen Angriff auf Minderheitengruppen, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit redet. Niemand erinnert sich, dass wir hier von Antisemitismus reden!

Aber die Grundtendenz des Internationalen Holocaust-Gedenktags gegenüber allgemeinem „Humanitarismus“ ist eindeutig: der Rat an alle Beteiligten des Gedenkens in ihren Reden alle Formen der Diskriminierung anzuführen, einschließlich Islamophobie und die durch die Schoa gelernten Lektionen zu nutzen, um universalistische Botschaften zu vermitteln.

Natürlich gab es, wie Kopel herausstellt, zwischen 1952 und 2001 weltweit 37 Völkermorde, von Kambodscha über den Balken und die Uiguren bis zu den Kurden. Und natürlich ist jedes menschliche Leiden gleich: Nichts unterscheidet ein von den Deutschen getötetes jüdisches Kind von einem von den Türken getöteten armenischen.

Aber die Besonderheit der Schoa zu leugnen, trivialisiert das nicht nur; es riskiert die Verstärkung des Antisemitismus. Die Auslöschung der Juden, auf der Wannsee-Konferenz vor 80 Jahren industriell geplant, wurde federführend, wie der ehemalige US-Präsident George H.W. Bush sagte, „von Menschen geplant, die sich als Intellektuelle betrachteten“.

Der Internationale Holocaust-Gedenktag hat daher hundert gute Gründe sich dem Krieg gegen den Antisemitismus und den fortgesetzten Versuch der Vernichtung des jüdischen Volks zu verpflichten. Wenn mit der Schoa wie mit einem „universalen“ Ereignis umgegangen wird, nutzen die Palästinenser die Gelegenheit, um in ihrer Propaganda-Kampagne Opfer und Täter umzukehren, um die Juden zu den neuen Nazis zu machen. Das ist das, was der verstorbene, große Historiker Robert Wistrich treffend die „Nazifizierung“ der Juden und Israel über die Anschuldigungen der Apartheid, ethnischer Säuberung und Rassismus nannte – Hauptleitmotive des zeitgenössischen Antisemitismus.

Die Rückkehr des mörderischen Antisemitismus nach der Schoa ist ein ernstes Hindernis dafür das Ziel des „Nie wieder“ zu erreichen. Die Geiselnahme vom 17. Januar in der Synagoge Beth Israel in Colleyville (Texas) – verübt von einem bekannten ISIS-Antisemiten – wurde nicht sofort als antisemitische Tat eingestuft. Dasselbe passierte im Fall von Ilan Halimi, der 2006 in Paris langsam getötet wurde, nachdem eine Bande ihn entführte, die ihn folterte, während die Täter ihm den Koran vorlasen. Die französische Polizei lehnte es ab das antisemitische Wesen des Verbrechens zu sehen.

Solche Vorfälle erinnern uns daran, das Gedenken an Böses uns nicht von der Fortsetzung seiner Bekämpfung ausnimmt.

„Ein Denkmal und ein Name“: Die Geschichte des Holocaust-Museums Yad Vashem

Ruby Kwartz, HonestReporting, 14. Oktober 2021

Zu Angela Merkels letzter Reise nach Israel als deutsche Bundeskanzlerin gehörten Besuche einer Reihe wichtiger Stätten. Das möglicherweise wichtigste Ziel auf ihrem zweitätigen Reiseplan war Yad Vashem – Das Welt-Gedenkzentrum für den Holocaust in Jerusalem.

Die deutsche Leiterin hat Reue wegen des Nazi-Völkermords an rund sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs zum Ausdruck gebracht, insbesondere 2008 bei ihrer Rede vor der Knesset, dem israelischen Parlament. Während dieser Rede erklärte Merkel: „Die Schoah [Holocaust] erfüllt uns Deutsche mit Scham. Ich verbeuge mich vor den Opfern. Ich verbeuge mich vor allen, die den Überlebenden halfen.“

Merkels Besuch beim Denkmal, das für jede politische Führungsperson der Welt ins Protokoll gehört, der nach Israel kommt, dient als Erinnerung an die Bedeutung von Yad Vashem – für Juden genauso wie für Nichtjuden.

Buch Jesaja Kapitel 56, Vers 5: Wurzeln von Yad Vashem

Die Idee Yad Vashem als Gedenkstätte für die im Zweiten Weltkrieg ermordeten Juden in Israel zu gründen zu gründen wurde erstmals bei einem Treffen des Jüdischen Nationalfonds im September 1942 vorgestellt. Die Diskussion wurde von frühen Berichten angestoßen, dass Juden in von den Nazis besetzten Ländern verfolgt und unterdrückt werden. Damals waren sich die Teilnehmer des Treffens des ganzen Ausmaßes der in Europa ablaufenden Schrecken nicht voll bewusst.

Foto: Valley2city

Nach dem Krieg wurde 1945 der Plan für eine Holocaust-Gedenkstätte erneut bei einem Treffen in London diskutiert, das einen provisorischen Vorstand aus zionistischen Führungskräften einrichtete. Im Februar 1946 eröffnete Yad Vashem seinen Hauptsitz in Jerusalem, dazu ein Büro in Tel Aviv.

Das „Yad Vashem-Gesetz“ wurde von der Knesset 1953 einstimmig verabschiedet, fünf Jahre nach der Gründung des Staates Israel. Es bildete die Behörde für das Gedenken an die Holocaust-Märtyrer und -Helden und gründete Yad Vashem als Weltzentrum für das Holocaust-Gedenken.

Das Gesetz betraute Yad Vashem mit der Verantwortung des Gedenkens, der Dokumentation, Forschung und Bildung zum Holocaust, wobei sich besonders auf die Erinnerung der Menschen, Familien und Orte konzentriert wird, die während des Kriegs verloren gingen.

Das Gesamtziel bestand darin sicherzustellen, dass die Umgekommenen nicht vergessen werden.

Der Name Yad Vashem, der übersetzt „ein Denkmal und ein Name“ bedeutet, wurde einem Bibelvers im Buch Jesaja (56,5) entnommen: „Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals ausgetilgt wird.“ Dieser Vers umfasst den Auftrag von Yad Vashem als Institution; der darin besteht den Opfern der Schoah zu gedenken und die Erinnerung an sie zu bewahren. Zusammen mit diesen Zielen schuf Yad Vashem eine „Halle der Namen“,  um die Namen aller Opfer des Holocaust aufzuzeichnen, damit ihre Leben niemals aus der Erinnerung gelöscht werden können.

„Den Einzelnen in die Augen blicken“: Museum der Geschichte des Holocaust

Foto: Dennis Jarvis: Israel-06229 – Yad Vashem

Das Museum der Geschichte des Holocaust ist das zentrale Element des 45 Morgen Grundstücks von Yad Vashem auf dem Har HaZicharon (Berg der Erinnerung). Das Museum wurde von dem prominenten israelischen Architekten Mosche Safdie entworfen und 2005 nach zwei Jahrzehnten Planung und Bau eröffnet.

Das Museum der Geschichte des Holocaust ist entlang eines langen Korridors angelegt und enthält zehn Ausstellungsräume, die sich chronologisch vom Anfang des Aufstiegs der Nazis an die Macht in Deutschland bis zur Befreiung der Todeslager und den Folgen des Kriegs fortbewegt; am Ende befindet man sich in der Halle der Namen. Jeder Raum enthält zahlreiche Artefakte, darunter persönliche Besitztümer, politische Propaganda und Zeugenaussagen.

Avner Shalev, der ehemalige langjährige Vorstand des Museums, wollte, dass die neue Ausstellung sich weniger als Darstellung einer Reihe von Ereignissen anfühlt, sonder mehr so, als würden die Besucher „den Einzelnen in die Augen blicken“.

Triumph über den schlimmsten Völkermord der Menschheitsgeschichte

Foto: Dennis Jarvis: Israel-06258 – Yad Vashem

Architekt Safdie ermutigt nicht zu einer einzigen Interpretation dessen, was der Aufbau des Museums symbolisiert, drängt die Menschen stattdessen dazu ihre eigene Bedeutung aufgrund dessen abzuleiten, was es ihnen persönlich sagt.

Aber der 180 Meter lange, dreieckige Tunnel der eng und dunkel beginnt und dann im Verlauf des Ausstellungsfortschritts allmählich weiter und heller wird – Ergebnis der Prismen-Oberlichter, die über die ganze Länge des Museums verlaufen – ruft Gefühle der Hoffnung auf Überleben des jüdischen Volks und des Triumphs über den schlimmsten Völkermord der modernen Menschheitsgeschichte hervor.

Die Tatsache, dass der Ausgang des Museums zu einem beeindruckenden Blick auf Jerusalem führt, wird von vielen ebenfalls als Verkörperung der Zukunft des jüdischen Volks gesehen, zusammen mit der Idee, dass die Existenz eines jüdischen Staats verhindern wird, dass solche Gräueltaten noch einmal geschehen.

Undendliche Zahl an Lichtern: das Kinder-Denkmal

Foto: Bgabel bei wikivoyage

Das KinderDenkmal ist eine weitere aufrüttelnde Ausstellung, ebenfalls von Safdie entworfen. Eine kurze Fußstrecke vom Hauptgebäude des Museums ist das Kinder-Denkmal aus einer unterirdischen Höhle gehauen worden, was Dunkelheit und Still verleiht. Der einzige Inhalt in dem Denkmal ist eine einzelne Kerze in der Mitte des Raumes. Es fällt auf, dass die Vielzahl der Spiegel, die die Wände säumen, den Anschein von einer unendlichen Zahl an Lichtern erweckt, was die 1,5 Millionen jüdischen Kindern symbolisiert, die im Holocaust ermordet wurden.

Zusätzlich zur visuellen Darstellung hören die Besucher einen subtilen Unterton düsterer Musik neben einer Tonaufzeichnung, die die Namen, das Alter und Herkunftsland jüdischer Kinder vorliest, die während des Krieges verloren gingen.

Das Kinder-Denkmal wurde von den Holocaust-Überlebenden Abe und Edita Spiegel vorgeschlagen und finanziert, deren zweieinhalb Jahre alter Sohn Uziel im KZ Auschwitz ermordet wurde. Ein Steinporträt Uziels steht am Eingang zur Denkmalshöhle, geformt nach dem einzig erhaltenen Bild, das die Spiegels von ihrem Sohn hatten.

Eine Zeit für Gebet: Die Synagoge von Yad Vashem

Die Synagoge von Yad Vashem fungiert als Ort, an dem Menschen entweder privat beten können, um die zu betrauern, die verloren gingen oder um an einem traditionellen jüdischen Gottesdienst teilzunehmen. Ein prägendes Merkmal der Synagoge besteht darin, dass sie 31 verschiedene Judaika beinhaltet, die erhalten und aus Europa hergebracht wurden, darunter vier Thora-Bögen. Anders als die weit überwiegende Mehrheit der Judaika aus Synagogen und Häusern in ganz Europa wurden diese Dinge nicht zerstört. Damit dienen sie als Erinnerung an den „außergewöhnlichen Überlebenswillen des jüdischen Volks, sich zu erinnern und wieder aufzubauen“, so die Worte des früheren Museumsvorsitzenden Shalev.

Mehr als 27.000 Gerechte unter den Völkern

Foto: צילום: ד”ר אבישי טייכר

Als Teil des Yad Vashem-Gesetzes von 1953 hat das Museum die Pflicht die Nichtjuden zu ehren, die ihr Leben riskierten, um Juden zu ermöglichen der Verfolgung durch die Nazis zu entkommen. Diese Menschen sind als Gerechte unter den Völkern bekannt und mehr als 27.000 wurden von Yad Vashem als solche anerkannt.

Ihrer wird in Yad Vashem mit Bäumen gedacht, von denen jeder einer Person oder Organisation gewidmet ist, die Juden half den Holocaust zu überleben. Die Bäume wurden rund um den Museumskomplex gepflanzt. Einige Namen sind auch in die Ehrenmauer im Garten der Gerechten unter den Völkern eingraviert. Ihre Namen stehen zudem in der Enzyklopädie der Gerechten unter den Völkern zur Verfügung, zu denen auch mehrfache Ehrungen für verschiedene Gruppen von Menschen gehören, die ihre Sicherheit und Freiheit  opferten, um anderen zu helfen zu überleben.

Dokumentation der Schoah: Das Archiv von Yad Vashem

Das Archiv von Yad Vashem ist die größte Sammlung an Dokumenten und Artefakten aus der Schoah. Wegen der fortgesetzten Bemühungen von Historikern und Archivaren nimmt die Menge an erworbenen Informationen über das Leben von  Juden, die die Nazis zu überleben, ständig zu.

Das Archiv beherbergt Millionen Artefakte aus dem Holocaust, darunter Dokumente, Fotografien, schriftliche Zeugenaussagen und physische Gegenstände. Zusammen haben diese zu einem besseren Verständnis der verschiedenen Wege geführt, über die Menschen versucht haben den Holocaust zu überleben. Das Archiv erlaubt es auch, der Umgekommenen angemessen zu gedenken.

Ein beträchtlicher Teil des Archivs ist digitalisiert worden und für die Öffentlichkeit frei online zugänglich.

4.800.000 Namen

Eine der Kernaufgaben von Yad Vashem – der Namen jedes einzelnen Opfers des Holocaust zu gedenken – manifestiert sich in der Gründung der Zentralen Datenbank der Namen der Opfer der Schoah. Sie enthält mehr als 4.800.000 Namen, von denen viele als Ergebnis von Zeugenaussagen offenbart wurden, die von Freunden und Familien der Opfer eingereicht wurden.

Foto: Yad Vashem, Holocaust Museum, Jerusalem – Halle der Namen _ Noam Chen_ IMOT

Die Namen werden im letzten Raum des Museums gezeigt, der als Halle der Namen bekannt ist, dem wohl bewegendsten Teil des Museums. Die Decke der Halle bildet ein 10 Meter hoher Kegel, der sich dem Himmel entgegenstreckt und mehr als 600 Bilder und Fragmente von Dokumenten zeigt, die mit den Opfern des Holocaust in Verbindung stehen. Als Ergebnis wird die Darstellung im Wasserbecken gespiegelt, was eine Atmosphäre der Besinnung und Trauer um die Menschen  schafft, deren Namen nie gefunden werden und die nicht persönlich in das Mahnmal integriert werden können.

Die Seiten mit den Zeugenaussagen, die Informationen zu jedem Opfer der Schoah bieten, säumen die Wände auf einer Reihe Regale, von denen einige in der Hoffnung ergreifend leer geblieben sind, dass weitere Namen entdeckt und der Datenbank hinzugefügt werden. Auf diese Weise wird eines Tages eines jeden Opfers gedacht werden.

Nie wieder

Die Institution Yad Vashem betreibt die Internationale Schule für Holocaust-Studien, um sicherzustellen, dass die Menschen überall auf der Welt, Juden wie Nichtjuden, eine umfassende Bildung zur Schoah erhalten können. Yad Vashem ist das Heim für das Lerncenter der Schule, das es Besuchern ermöglicht interaktiv verschiedene historische Themen und die moralischen Fragen zu erforschen, die der Holocaust aufwirft.

Seit der Gründung von Yad Vashem hat es bahnbrechende Arbeit zum Gedenken an die Opfer des Holocaust geleistet, wobei es sicherstellte, dass solche Tragödien niemals vergessen oder bagatellisiert werden. Yad Vashem steht an vorderster Front von Holocaust-Gedenken und -Bildung und repräsentiert die Kraft des jüdischen Volks die schlimmsten vorstellbaren Umstände zu überleben, während es geeint und hoffnungsvoll in die Zukunft sieht.

Gedenken an Babi Yar, als niemand sonst das tat

Zwei Jahrzehnte lang war eines der schlimmsten Massaker des Holocaust so gut wie vergessen.

Zack Rothbart, the Librarians, 29. September 2021

Frühe Bemühungen in den 1960-er Jahren zur Lokalisierung und Identifizierung von Überresten in Babi Yar, wo nur zwanzig Jahre zuvor 100.000 Menschen ermordet wurden. Aus dem Archiv Emmanuel (Amik) Diamant, Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volks in der Nationalbibliothek Israels (Foto: Joseph Schneider)

Am 29./30. September 1941 begingen die Nazis und ihre Kollaborateure eines der größten Massaker des Holocaust; sie ermordeten in nur zwei Tagen in einer Schlucht in Babi Yar (manchmal auch „Babyn Yar“ geschrieben), das damals direkt außerhalb von Kiew lag und heute innerhalb der modernen Stadt der Ukraine liegt, fast 35.000 Juden. In nur zwei Jahren wurden mehr als 100.000 Menschen ermordet.

Die Schlucht von Babi Yar. Aus der Sammlung Emmauel (Amik) Diamant, Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volks in der Nationalbibliothek Israels (Foto: Joseph Schneider)

Dennoch war die Erinnerung an Babi Yar auf viele Weisen vergessen – das Ergebnis der Bemühungen Geschichte auszulöschen und umzuschreiben sowie der Tatsache, dass die Rolle und die Bilder der Todeslager oft die zentrale Bedeutung überschatteten, die andere Massenmorde wie in Babi Yar in der Geschichte des Holocaust spielten.

In den 1960-er Jahren begann sich das zu ändern.

1961 wurde Jewgeni Jewtuschenkos berühmtes Gedicht „Babi Yar“ veröffentlicht. Ein Originalmanuskript davon ist kurz darauf in den Sammlungen der Nationalbibliothek Israels gesichert worden.

Fünf Jahre später kam Anatoly Kusnetzows Buch mit demselben Titel heraus und eine breitere Bewegung, angeführt von jungen, lokalen Juden mit Interesse an ihrem eigenen Erbe und Geschichte begann zu wachsen. Das persönliche Archiv eines der Leiter dieser Bewegung, einem Ingenieur namens Emmaunel (Amik) Diamant, kam vor kurzem ins Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volks in der Nationalbibliothek Israels in Jerusalem.

Babi Yar 1966. Aus der Sammlung Emmanuel (Amik) Diamant, Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volks in der Nationalbibliothek Israels (Foto: Joseph Schneider)

1966, am 25. Jahrestag des Massakers, wurde ein inoffizielles Gedenkschild aufgehängt, das zu den folgenden Jahrestagen tausende lokale Juden anzog und zu einer zentralen Kraft bei der Erweckung des sowjetischen Judentums werden sollte.

Anstrengungen an der Basis begannen ebenfalls um diese Zeit die Massengräber in der Gegend zu lokalisieren, etwas anderes, das für die sowjetischen Behörden sicher keine Priorität hatte.

Frühe Bemühungen die Überreste in Babi Yar zu lokalisieren und zu identifizieren, 1966. Aus der Sammlung Emmanuel (Amik) Diamant, Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volks in der Nationalbibliothek Israels (Foto: Joseph Schneider)

Einige dieser Aktivitäten wurden von Joseph Schneider, Holocaust-Überlebender, Veteran der Roten Armee, antisowjetischer Dissident und zionistischer Aktivist, eingefangen; sein Archiv kam vor kurzem ebenfalls in das Zentralarchiv für die Geschichte des Jüdischen Volks.

Joseph Schneider 1960. Joseph Scheider-Archiv, Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volks in der Nationalbibliothek Israels.

Diese Fotos enthüllen die grausigen, aber entscheidenden frühen Bemühungen das Vermächtnis von Babi Yar besser zu verstehen und seiner Opfer zu gedenken.

Frühe Bemühungen die Überreste in Babi Yar zu lokalisieren und zu identifizieren, 1966. Aus der Sammlung Emmanuel (Amik) Diamant, Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volks in der Nationalbibliothek Israels (Foto: Joseph Schneider)

Aktuelle Attacken gegen die Einzigartigkeit des Holocaust

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die Erinnerung an den Holocaust ist seit vielen Jahrzehnten einem fortdauernden Angriff durch die extreme Rechte, die extreme Linke und Teile der islamischen Welt ausgesetzt. Dazu gehört auch einer seiner wichtigsten Aspekte: dass der Holocaust einzigartig war. Er ist bei vielen Gelegenheiten aus einer Vielzahl von Gründen attackiert worden. In den letzten Jahren sind neue Arten von Angriffen aufgekommen.

Der Holocaust war ein einzigartiges Ereignis. Einige Elemente sind zwar mit anderen Völkermorden vergleichbar, aber die Kombination seiner Charakteristika war es nicht. Es gibt eine Reihe Kriterien, die zusammen den Holocaust beispiellos machen: eine nie da gewesene Gesamtheit (alle Juden), Allgemeinheit (Juden überall), Vorrang (alle Bereiche des deutschen Staates waren involviert), industriellen Charakter, der zudem nicht praktisch war (statt jüdische Arbeitskraft auszubeuten, wurden sie getötet).

Vergleicht man die Schoah mit anderen Völkermorden, schrieb der führende Holocaust-Philosoph, der verstorbene Emil L. Fackenheim, so war der armenische Völkermord auf das türkische Reich beschränkt. Er richtete sich dort nicht gegen alle Armenier, zum Beispiel nicht gegen die in Jerusalem. Die geografische Beschränkung gilt auch für die Völkermorde in Kambodscha, Ruana, Bosnien und den Sudan.

Fackenheim sagte, dass im Gegensatz dazu die Nazis sich daran machten jeden Juden auf dem Angesicht der Erde auszurotten. Er stellte heraus, dass die „nordamerikanischen Indianer in Reservaten überlebt haben; jüdische Reservate waren in einem siegreichen Nazi-Imperium unvorstellbar.“ Fackenheim merkte an, dass vom Holocaust gesagt werden könne, er gehöre mit anderen Katastrophen zur Spezies Völkermord. Innerhalb dieser Kategorie ist die geplante und weitgehend ausgeführte Vernichtung im Holocaust ohne Vorbild und zumindest bisher ohne Nachfolger. Daher muss für ihn der Begriff „einzigartig“ verwendet werden.[1]

Ein anderer jüdischer Philosoph führte Fackenheims Sicht weiter aus. David Patterson schrieb zum Vergleich der Schoah mit anderen Völkermorden: „Ich würde noch weiter gehen und darauf bestehen, dass der Holocaust nicht auf einen Fall von Völkermord reduziert werden kann, genauso wenig wie man ihn auf irgendein anderes historisches oder politisches Phänomen im engeren Sinne reduzieren kann, obwohl er natürlich diese Elemente enthält. Die Nazis wollten mehr tun als ein Volk zu vernichten. Wir sagen, sie wollten ein grundlegendes Prinzip ausrotten, Jahrtausende jüdischer Lehre und Zeugnis auslöschen, den lebenden Gott Abrahams, Isaaks und Jacobs vernichten, eine Art Gott ausmerzen, wie man die Welt und die Menschheit begreift, wie sie insbesondere durch die Juden verkörpert wird.“[2]

In Deutschland wurde die Debatte des Themas der Einzigartigkeit des Holocaust gerade zum Anhängsel der Affäre Achille Mbembe. Dieser öffentliche Intellektuelle aus Kamerun war von den Organisatoren der Ruhrtriennale im August eingeladen worden den Eröffnungsvortrag zu halten. Dann wurde bekannt, dass er ein extremer antiisraelischer Hetzer und in antisemitische Taten involviert war. Es folgte eine öffentliche Debatte. Diese ging trotz der durch die Corona-Pandemie verursachten Absage des Festivals weiter.

Eine der vielen Rügen gegen Mbembe lautete, er habe den Holocaust mit der Apartheid Südafrikas gleich gesetzt. Er gab zu, dass es einen quantitativen Unterschied zwischen beiden gab. Dennoch reagierte Alan Posener, der für Die Welt schreibt, in einem Artikel damit, dass dies fundamental falsch sei: „Der Holocaust war nicht eine viel größere Form der Apartheid, und, was wichtiger ist, die Apartheid nicht eine kleinere Version des Holocausts. Vielmehr handelt es sich um einen nicht quantitativ, sondern qualitativ anderen Vorgang.“[3]

Seitdem hat Posener einen Teil der Weltsicht Mbembes als totale Attacke auf die europäische Tradition der Aufklärung entlarvt. Er fügte an: „Zwar ist die Aufklärung selbst nicht frei von antisemitischen Zügen; aber für die Gegenaufklärung ist der Antisemitismus konstituierend, wie der Antizionismus für den Anti-Aufklärer Mbembe.“[4]

Über Mbembes Antisemitismus und sein massives Reinwaschen hinaus entwickelte sich ein wichtiges sekundäres Element der Affäre, das sich auf die nationale Erinnerung bezieht. Leider wurde das Thema der nationalem Erinnerung Deutschlands hauptsächlich von Leuten aufgebracht, die Mbembes Antisemitismus übertünchten.

Die Erinnerung an den Kolonialismus war ein zentraler Teil eines offenen Briefes vom 18. Mai, der von mehr als 700 afrikanischen Wissenschaftlern und Künstler unterschrieben wurde. Er war an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Frank-Walter Steinmeier gerichtet. Der Brief begann mit einem Absatz, der zwei dicke Lügen enthielt. Die erste lautete, Mbembe habe sich nicht antisemitisch geäußert. In dem Brief hieß es: „Wir, afrikanische Intellektuelle, Denker, Schriftsteller und Künstler verurteilen vorbehaltlos die lügnerischen Antisemitismus-Anschuldigungen rechtsextremer fremdenfeindlicher und rechtskonservativer Gruppierungen in Deutschland gegen Professor Achille Mbembe.“[5]

Die zweite Lüge war, dass in dem Absatz behauptet wurde, die Vorwürfe gegen Mbembe kämen aus der extremen Rechten. Die Aufdeckung des Antisemitismus Mbembes stammte zumeist aus Mainstream-Quellen. Der Brief endete mit der Forderung, der deutsche Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein sollte gefeuert werden. Das war extrem dreist, denn dieser sagte die Wahrheit über Mbembes Antisemitismus noch bevor weitere Fakten zum Schüren von Hass durch den Mann ins Blickfeld gerieten.

Dasselbe Problem der Anerkennung der Erinnerungskultur zum Kolonialismus kam in einer chaotischen Debatte auf. Teil davon waren die Äußerungen einer prominenten Reinwäscherin Mbembes, Professorin Aleida Assmann. Sie ist eine führende deutsche Expertin zu Gedenkkultur. Anfangs vermittelte sie den Eindruck, dass sie den Holocaust relativiert.

Assmann versuchte ihre Haltung in einem Interview mit Die Welt zu klären. Sie sagte: „Für mich als Deutsche steht die Singularität des Holocaust außer Frage und ist nicht verhandelbar. Es besteht ein eklatanter Unterschied zwischen den kolonialen Genoziden und dem Holocaust. Die europäischen Kolonisatoren haben die Ureinwohner umgebracht, weil sie ihnen im Wege waren und sie sich ihr Land aneignen wollten. Die Deutschen haben die europäischen Juden systematisch verfolgt und umgebracht, weil sie von dem Wahn besessen waren, dass ihre Zukunft nur in einer Welt ohne Juden möglich sei.“ Sie fügte hinzu, dass die deutsche Fixierung auf die Einzigartigkeit des Holocaust kaum eine Erinnerung an andere Verbrechen zum Ergebnis habe, z.B. die Kolonialgeschichte oder den Vernichtungskrieg des Zweiten Weltkriegs.[6]

Die führende deutsche Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland (VAD) beteiligte sich ebenfalls an der Debatte um Mbembe. Sie forderte mehr Objektivität zu Postkolonialismus und Israelkritik sowie ernste Analyse von Mbembes Arbeit. In der Frankfurter Allgemeine Zeitung antwortete deren Journalist Patrick Bahners auf den offenen Brief der VAD mit dem Bericht, wie er den Leiter der VAD kontaktierte, den Frankfurter Professor für Ethnologie Hans Peter Hahn und ihn bat im einzelnen aufzulisten, wer seiner Meinung nach Mbembes Texte nicht genug Aufmerksamkeit schenkte.

Überraschenderweise erwähnte Hahn zwei Wissenschaftler, die sich für Mbembe aussprachen: Aleida Assmann und die Philosophin Susan Neiman, beides Expertinnen für Erinnerungskultur in globaler Perspektive. In seiner Antwort an Bahners verwies Hahn auf die Tatsache, dass Assmann am Ende einer 50-minütigen Radiosendung von Deutschlandfunk Kultur zum Fall Mbembe gefragt wurde, was sie aus seiner Arbeit mitgenommen habe. Sie sagte, es falle ihr schwer Mbembe zu verstehen; Grund sei sein abstrakter philosophischer Ton, der manchmal poetisch werde. Assmann fügte hinzu, dass sie am meisten an Mbembes Überlegungen zu Reparationen [postkoloniale Beziehungen] interessiert ist. Neiman sagte, sie wüsste nicht, was sie mitnehme.

Hahn argumentierte, dass das beiläufige Eingeständnis der beiden Experten, dass sie „keine Ahnung von Mbembes Theorien haben“, ein Ungleichgewicht im öffentlichen Radio widerspiegelt. „Deutsche Intellektuelle erlauben sich über und für afrikanische Autoren zu reden, ohne sie gelesen zu haben.“

Eine sehr starke Stimme in der Debatte zur Erinnerungskultur war die des Philosophen Ingo Elbe. Er schrieb, dass in der Debatte der Kampf gegen Israel auch stellvertretend über Angriffe auf die deutsche Erinnerungskultur und ihren angeblichen Provinzialismus ausgefochten wird.[7]

In einem anderen Artikel schrieb Elbe, dass das postkoloniale Erinnerungskonzept zu der falschen Behauptung geführt habe, die Betonung der Einzigartigkeit des Holocaust schaffe eine Blockade des Leidens und eine Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden anderer. Elbe fügte hinzu, dass die Opferkonkurrenz bekämpft werden muss. Er schrieb darüber hinaus, die Behauptung, das Holocaust-Gedenken blockiere andere Erinnerungen, spiele schwarzen und muslimischen Antisemitismus herunter und übersehe besonders jüdische Erfahrungen, die einer Strategie der antirassistischen Gegenhegemonie geopfert werden.[8] Die um Mbembes geplanten Vortrag initiierte Debatte ist noch lange nicht vorbei.[9] Die damit verbundene Diskussion um Deutschlands Gedenkkultur dürfte jedoch viel länger andauern.[10]

In der internationalen akademischen Welt findet ein weiterer wichtiger Angriff auf die Einzigartigkeit des Holocaust statt. Der führende israelische Genozidforscher Israel W. Charny hat die schuldigen Wissenschaftler bloßgestellt. Er hat aufgezeigt: „In der akademischen Welt hat sich eine Alternative zu klassischen ‚schlampigen‘ Holocaust-Leugnungen entwickelt. Mehrere Forscher verbreiten heute die explizit falsche These, die Juden seien als Opfer nicht angegriffen worden, weil sie Juden waren. Stattdessen wird behauptet, sie seien eine Minderheit, die von den Nazis gemeinsam mit anderen Minderheiten verfolgt wurden.“

Charny fügte hinzu: „Diese Art fadenscheinigen intellektuellen Jonglierens führte zu absolut  falschen Äußerungen in mehreren Artikeln im ‚seriösen‘ Journal of Genocide Research (JGR). Der deutsche Fall der Holocaust-Verwässerung oder -Minimierung ist nicht nur ein deutsches Phänomen. In einem Artikel wird behauptet, die ausdrücklich antijüdische Wannsee-Konferenz sei überhaupt nicht von Judenhass motiviert gewesen, sondern stellte eine Politik gegenüber europäischen Minderheiten insgesamt dar, trotz der Tatsache, dass es diese Konferenz war, die die Pläne für die ‚Endlösung‘ festlegte.“

Charny schießt: „Die verzerrte Einstellung, dass der Holocaust nur einer von vielen Völkermorden ist, die das deutsche Nazi-Regime beging, ist eine Verniedlichung der grundlegenden Bedeutung des Holocaust, die von einer schockierenden Zahl gutgläubiger Wissenschaftler propagiert worden ist.“[11]

Es hat im vergangenen Jahrzehnt eine Explosion an Holocaust-Missbrauch gegeben. Dieser offenbart sich auf viele Weisen, einschließlich Holocaust-Umkehr (d.h. zu behaupten, dass Israel sich wie die Nazis verhält), Leugnung, Ablenkung, Reinwaschung, Entjudung, Gleichsetzung und Trivialisierung.[12] Diese Liste ist nicht vollständig, weil in den letzen Jahren mehrere zusätzliche Entstellungen aufgekommen sind. Solange es nirgendwo breit angelegte Post-Holocaust-Studienprogramme gibt, muss der Missbrauch des Holocaust in einer Kategorie nach der anderen angegangen werden.

[1] Emil L. Fackenheim: Holocaust. In: Michael Morgan (Hg.): A Holocaust Reader: Responses to the Nazi Extermination. New York (Oxford University Press) 2001, zitiert in: Patterson: Emil L. Fackenheim, S. 93.

[2] Patterson: Emil L. Fackenheim, S. 93.

[3] https://starke-meinungen.de/blog/2020/06/17/ueber-textverdrehungen-und-taschenspielertricks/

[4] https://starke-meinungen.de/blog/2020/07/13/mit-carl-schmitt-und-co-gegen-die-spaetmoderne-achille-mbembe/

[5] https://simoninou.files.wordpress.com/2020/05/brief-von-afrikanischen_intellektuellen_an-die-dt-bundeskanzlerin_-angela-merkel.pdf

[6] https://www.welt.de/kultur/plus208072327/Achille-Mbembe-und-der-Antisemitismus-Aleida-Assmann-ergreift-Partei.html

[7]  www.welt.de/debatte/kommentare/plus209117081/Mbembe-Debatte-Wenn-Linke-einen-Schlussstrich-unter-Auschwitz-fordern.html

[8] www.mena-watch.com/solidaritaet-statt-provinzialitaet-fallstricke-multidirektionaler-erinnerung/

[9] https://taz.de/Postcolonial-Studies-und-Herrschaft/!5691524/

[10] https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2020-06-25/geschichte-ist-immer-schmutzig/474847.html

[11] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/21517

[12] https://jcpa.org/text/holocaustabuse.pdf

Eine notwendige, äußerst wichtige Botschaft an das Holocaust Forum

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Dutzende Staatsoberhäupter werden nach Jerusalem kommen, um am Fünften Holocaust-Forum teilzunehmen. Diese Veranstaltung wird am 23. Januar in Yad Vashem beginnen und unter der Schirmherrschaft des israelischen Präsidenten Reuven Rivlin stattfinden. Die Zusammenkunft ist eine einzigartige Gelegenheit einem Top-Publikum öffentlich eine entscheidende Botschaft im Kampf gegen Antisemitismus zu vermitteln. Die israelische Regierung und jüdische Institutionen haben es Jahrzehnte lang versäumt die Botschaft öffentlich zu weiterzugeben, dass Antisemitismus mehr als tausend Jahre lang ein integraler Bestandteil westlicher Kultur gewesen ist. Diese Tatsache ist unentbehrlich für das Verständnis und die Bekämpfung von zeitgenössischem Antisemitismus und muss daher kontinuierlich wiederholt werden.

Vor mehr als einem Jahrtausend haben mächtige Organisationen – hauptsächlich, aber nicht ausschließlich im Westen – die Idee propagiert, dass Juden absolut böse sind. Die römisch-katholische Kirche war die Originalquelle dieser hasserfüllten Idee. Ihr folgten später verschiedene andere christliche Denominationen. Juden in allen Generationen wurden beschuldigt den mutmaßlichen Sohn Gottes, Jesus, getötet zu haben; ihnen wurde die Verantwortung für seinen Tod vorgeworfen.

Christliche Theologen stereotypisierten die Juden. Statt den Fehler bei einzelnen Individuen in einer lange zurückliegenden Vergangenheit zu suchen, machten sie alle Juden jeder Generation für ein Verbrechen verantwortlich, das ihre Ahnen nicht begangen hatten. Damit lieferten sie einen riesigen Beitrag zu dem, was heute allgemein Rassismus genannt wird. Menschen zu stereotypisieren ist ein Kernelement dieses Übels. Als Christen Juden brutal behandelten, entwickelten sie die boshafte Behauptung, das daraus resultierende Leiden der Juden sei göttliche Strafe dafür, dass sie Jesus nicht anerkennen.

Unter den protestantischen Reformern sticht Martin Luther in seinen späten Jahren als fanatischer Antisemit heraus. Er schrieb, dass Juden in Ställen gehalten werden sollten, ihre Bücher sollten ihnen weggenommen werden und wenn Rabbiner predigten, dass sollten sie getötet werden. Luther empfahl auch, dass Synagogen zur Ehre Gottes und der Christenheit niedergebrannt werden sollten.[1] Heutzutage gehört der Ökumenische Rat der Kirchen („Weltkirchenrat“) zu den großen christlichen Hass Schürenden gegen Israel.[2]

Auf der Jahrhunderte alten Infrastruktur des christlichen Antisemitismus entwickelte sich ein zweiter Typ des Antisemitismus: der ethnische/nationalistische Antisemitismus. Ohne die christliche Hass-Grundlage hätten viele in den europäischen Gesellschaften vermutlich weniger bereitwillig mit den deutschen Mördern bei der Verfolgung der Juden kooperiert.

Die Anti-Defamation League hat mehrere Studien zu einer Reihe von europäischen Ländern sowie den Vereinigten Staaten und Argentinien veröffentlicht. Die Umfragen stellten fest, dass selbst heute noch 26% der Christen an die Falschmeldung glauben, dass die Juden für den Tod Jesu verantwortlich sind.[3]

Mit der Entwicklung der westlichen Kultur mutierte auch der Antisemitismus. Anti-Israelismus hat dieselben Kernmotive wie die beiden früheren Typen des „klassischen“ Antisemitismus. Im christlichen Antisemitismus waren die Juden aufgrund der falschen Anschuldigung, sie hätten Jesus getötet, das absolut Böse. In der nachfolgenden Nazi-Ideologie waren die Juden das absolut Böse, weil sie fälschlich als untermenschlich, mit Defekten geboren, Insekten, Ungeziefer oder Bakterien angesehen wurden.

In der zeitgenössischen Gesellschaft stellt sich das absolut Böse als sich wie Nazis zu verhalten und Völkermord zu planen dar. Aus verschiedenen Studien wissen wir, dass eine große Minderheit der Bevölkerung Europas fälschlicherweise glaubt, Israel habe vor Völkermord an den Palästinensern zu begehen; alternativ wird geglaubt, es verhalte sich den Palästinensern gegenüber wie die Nazis es den Juden gegenüber machten.[4]

Es gibt viele Belege der fortbestehenden Verflechtung von Antisemitismus und westlicher Kultur. Rothschild, die Juden und Geld sind immer wiederkehrende, von Antisemiten verwendete Verknüpfungen. Lange davor hatte die Kirche bereits Judas Ischariot vorgeworfen Jesus für Geld verkauft zu haben. Shylock taucht immer noch in der westlichen Gesellschaft als der Inbegriff des Wucherers auf. Trotz des extremen Bösen des Nationalsozialismus wurde der Nazi-Denker Martin Heidegger zum führenden Philosophen des Nachkriegs-Europa.[5]

Es gibt viele weitere Belege, dass dieser Antisemitismus mit der westlichen Kultur verflochten ist. In der Postmoderne entwickeln viele wichtige neue intellektuelle oder ideologische Strömungen früher oder später antisemitische Ausdrucksformen. Die Menschenrechtsbewegung ist vollgestopft mit antiisraelischen NGOs. Ihr höchstes Organ, der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UNHRC), ist ein moralisch korruptes Gremium, das von antiisraelischen Hass Schürenden durchsetzt ist.

Es gibt eine Vielzahl anderer Beispiele zeitgenössischer ideologischer Bewegungen, in denen Antisemitismus aufgekommen ist. Ein paar Beispiele: Der Feminismus ist eine offensichtliche.[6] Ebenso Teile der LGBT-Bewegung. Einige Leute in dieser Bewegung beschuldigen Israel des „Pinkwashing“. Diese Idee behauptet, dass Israel der Schwulengemeinschaft gleiche Rechte einräumt, sei ein Mittel die Aufmerksamkeit von seiner angeblichen Diskriminierung der Palästinenser abzulenken.[7] Die Intersektionalitätsbewegung zielt oft auf die Solidarität aller Opfer mit Ausnahme der Juden.

In der akademischen Welt bezeichnen Verfechter des Postkolonialismus Israel manchmal als „Kolonialmacht“.[8] Der Begriff ist eine gewaltige Entstellung. Israels Verhalten gegenüber den Palästinensern enthält keine Ähnlichkeit zu den massiven Verbrechen der belgischen, britischen, niederländischen, französischen, deutschen, portugiesischen und spanischen Kolonisatoren an den eroberten Völkern im Verlauf der Jahrhunderte. Diese Länder unterwarfen Völker, um Geld zu machen. Juden machten das Gegenteil. Sie investierten große Mühen und beträchtliche Geldsummen in die Wiederbelebung ihres angestammten Landes, um es aus langjähriger Verwahrlosung zu holen.

Das bevorstehende Holocaust-Forum ist eine einzigartige Gelegenheit für die Organisatoren die obigen Botschaften öffentlich zu präsentieren. Es ist eine Schande, dass so viele jüdische Organisationen es versäumt haben die fortgesetzte Verflechtung von Juden hassendem Antisemitismus mit westlicher Kultur hervorzuheben und was das dafür bedeutet den zeitgenössischen Antisemitismus zu verstehen und zu bekämpfen.

[1] https://jcpa.org/article/historical-roots-anti-israel-positions-liberal-protestant-churches-2/

[2] www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/11053; https://jerusalemjournal.net/news-and-views/fools-on-the-ground-the-world-council-of-churches-in-israel-and-its-eappi-by-dexter-van-zile

[3] www.adl.org/news/press-releases/adl-poll-anti-semitic-attitudes-in-america-decline-3-percent

[4] Zum Beispiel: library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf

[5] https://www.newyorker.com/culture/richard-brody/why-does-it-matter-if-heidegger-was-anti-semitic

[6] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18876

[7] http://www.jpost.com/Israel-News/Ilhan-Omar-Rashida-Tlaib-respond-to-Palestinian-LGBTQ-ban-on-Twitter-599139

[8] https://spme.org/spme-research/analysis/philip-carl-salzman-reflections-on-postcolonial-theory-and-the-arab-israel-conflict/4259/

Nie wieder?

Es ist gesagt worden, dass die Welt im Angesicht von Gräueltaten nie wieder schweigen wird. Aber wie kann man das behaupten, wenn im Verlauf der letzten Jahrzehnte den Morden an Millionen Menschen rund um die Welt mit Stille begegnet wurde?

Nadav Shragai, Israel HaYom, 2. Mai 2019

Im Zentrum des Konzentrationslagers Dachau befindet sich ein Denkmal aus Glas und Stein, auf das in zahlreichen Sprachen „Nie wieder“ geschrieben wurde. Auch im Zentrum des Todeslagers Treblinka ist ein ähnliches Mahnmal zu finden, das den von so vielen über die Jahre hinweg zu dieser Zeit im Jahr von uns wiederholten Schwur trägt.

Aber 80 Jahre nach dem Holocaust scheint es so, als sei die Zeit gekommen diesem Eid ein Fragezeichen hinzuzufügen.

In Europa wie auch bei radikalen Gruppen in den USA breitet sich Judenhass aus und Zurschaustellungen von Antisemitismus in seinen verschiedenen Formen sind mit zunehmender Regelmäßigkeit ausgebrochen. Manchmal handelt es sich um religiösen Hass, andere Male beruht er auf Kultur oder Rasse. In weiteren Fällen ist der Judenhass sozio-ökonomischer Natur.

Diese Erscheinungsformen des Hasses sind jedoch von geringerem Interesse. Seit dem Holocaust hat es unter unseren Feinden solche gegeben und gibt es weiter, die öffentlich erklärten, dass der Plan zu unserer Auslöschung in Kraft bleibt. Es gibt solche, die es schwer finden diese Tatsache zu akzeptieren, insbesondere den Fakt, dass die Nation, die jetzt in Zion wohnt, ihre Beziehung zur Gegenwart zu einem Großteil auf den Lektionen aus der Vergangenheit aufbaut.

Einer dieser Menschen war der verstorbene Professor Yehuda Elkana, selbst ein Holocaust-Überlebender, der das Cohn-Institut für Geschichte und Philosophie der Naturwissenschaften an der Universität Tel Aviv leitete. In den 1980-er Jahren lehnte Elkana es ab die Erinnerung an die Vergangenheit als politisches Argument zu verwenden; er sagte, das sei so, als lasse man die Toten am demokratischen Lebensprozess teilnehmen.

Es gibt viele in unserer Generation, die Elkanas Sichtweise teilen. Sie verstehen nicht, dass die Direktive zum Erinnern sich nicht gegen die Streuung und Verbreitung von Hass richtet, sondern die Sicherstellung eben dieser Existenz und Fortsetzung des Lebens ist, tatsächlich dazu dient sicherzustellen, dass der Holocaust niemals wieder begangen wird. Die Art das zu erreichen besteht darin zu fragen und zu forschen und zu fordern und zu untersuchen und fast ständig zu überlegen: Wird das wirklich nie wieder geschehen?

Eine Welt, die nicht erhebt

Solange Menschen herumlaufen, die bereit sind die Nazi-Rassentheorie und den Judenhass zu verbreiten und entsprechend zu handeln, ist diese Frage nicht nur legitim, sondern unverzichtbar. Nach dem Holocaust waren es der Jerusalemer Großmufti Haddsch Amin al-Husseini und der Feldkommandeur der Arabischen Befreiungsarmee, Fawzi al-Qawuqji, die davon sprachen, dass die „Endlösung die komplette Auslöschung aller Juden“ ist.

Etwa zu der Zeit des Sechstagekrieges 1967 waren es die Führer der arabischen Staaten oder ihre Sprachrohre, die von ihrer Doktrin in diesem Geist sprachen oder verbreiteten. In unserer Generation sprechen die Führer des Iran offen davon und große Teile der „aufgeklärten“ Welt verschließen vor ihren Äußerungen die Ohren. Auch das Phänomen des Islamischen Staates, das sehr stark an die Nazi-Ideologie erinnert, muss diese Welt noch verlassen.

Es ist gesagt worden, dass die Welt niemals wieder schweigen oder nicht handeln wird. Aber wie kann man diese Behauptung aufstellen, wenn im Verlauf der letzten Jahrzehnte an verschiedenen Orten überall auf der Welt Millionen von ihren Feinden ermordet worden sind, während die Welt mit Schweigen reagierte, mit Schweigen reagiert und mit aller Wahrscheinlichkeit weiterhin mit Schweigen reagieren wird.

Es reicht in diesem Zusammenhang aus, die Ermordung von 3 Millionen Muslimen und Hindus durch die westpakistanische Armee in Ostbengalen 1971 anzuführen, den Völkermord an 2 Millionen Kambodschanern durch das Regime der Roten Khmer, den Massenmord an einer halben Million Menschen in Darfur im Westsudan seit 2003 und die 400.000 Ermordeten im blutigen syrischen Bürgerkrieg.

Die Welt erhob und erhebt sich nicht wirklich gegen diese Gräueltaten auf, so wie sie sich nicht gegen den Völkermord an den Juden erhob. Es gibt nicht wirklich einen Grund anzunehmen, es würde etwas von Bedeutung unternommen werden, wenn – was der Himmel verhüten möge – die Existenz des jüdischen Volks in Israel oder weltweit bedroht würde.

Die Worte „Nie wieder“ müssen daher in unserer Generation nicht nur als Eid oder Versprechen dargelegt werden, sondern als unablässige Klarstellung und Frage, die ständig gestellt werden muss.