Franklin Roosevelt und die Juden

Michael Curtis, The American Thinker, 9. Mai 2018

Von Zeit zu Zeit treten Retter des jüdischen Volks auf. Purim ist ein Feiertag, der die Rettung der Juden vor der Auslöschung im Perserreich feiert. Der Schurke Haman, königlicher Wesir, wollte alle Juden im Reich vernichten, was aber Königin Esther mit Hilfe ihres Cousins Mordechai verhinderte, der sich weigerte wich Hamas Verehrung zu zeigen. Die beiden überzeugten König Ahasveros ihr jüdisches Volk vor Völkermord zu retten. Der König war ein Retter: Er gewährte Esther ihre Bitte, die Juden wurden gerettet und der boshafte Haman wurde gehenkt.

Rund 2.500 Jahre später war ein weiterer mächtiger Führer einer großen Nation unwillig demselben Volk hu hlfen, obwohl der von seiner Frau Eleanor dazu gedrängt wurde. In Jerusalem ehrt die Gedenkstätte Yad Vaschem Einzelpersonen, die Gerechten unter den Völkern. Bisher gehören dazu mehr als 26.000 Menschen die ihr Leben riskierten um Juden vor dem Holocaust zu retten und als Retter betrachtet werden können. Bedauerlicherweise gehört US-Präsident F. D. Roosevelt, trotz seiner bemerkenswerten Beiträge zum amerikanischen Leben und öffentlichen Angelegenheiten, nicht dazu.

Seit dem Erscheinen von David Wymans Buch The Abandonment oft the Jews: Americans and the Holocaust, 1941-4[1] im Jahr 1984 mit seinem Argument, das US-Außenministerium und das britische Foreign Office hätten keinerlei Absichten gehabt eine große Zahl an Juden zu retten, gibt es eine tobende Kontroverse über das alles andere als schmeichelhafte Porträt Roosevelts als jemand, der vierzehn Monate lang, nachdem er von der Ermordung der europäischen Juden erfuhr, wenig bis nichts getan hat, um Juden zu retten.

Der Freigabe weiterer Dokumente zum Schicksal der Juden während des Zweiten Weltkriegs und die Ausstellung zum Thema im US-Holocaustmuseum in Washington wirft mehr Licht auf die Ansichten und Taten Roosevelts. Am meisten überrascht, dass er weniger mit direktem Handeln zum Erhalt des Lebens von Juden beschäftigt war als mit der Zukunft. Er beschäftigte sich mit der Frage, wo Heimatlose, einschließlich Juden, nach dem Krieg angesiedelt werden sollten. 1943 schrieb er an Winston Churchill, dass der beste Weg die Judenfrage zu lösen, der sei die Juden überall in die Welt zu verstreuen, statt sie alle an einem Ort zu halten.

Mit dieser Zielrichtung setzte Roosevelt am 30. Juli 1942 ein Geheimprojekt in Gang, das Projekt M (Migration), das seine Optionen für die Nachkriegsmigration heimatloser Europäer umriss. Sein Partner dabei war Henry Field, ein Anthropologe.

Das Projekt sollte die zu erwartenden ethnologischen Probleme wegen Rassenmischung im Nachkriegseuropa studieren. FDRs Personalwahl hierzu war fragwürdig. Seine erste Wahl für die Leitung des Projekts war Ales Hrdlicka, ein Anthropologe am Smithsonian Museum of Natual History, der an die Überlegenheit der weißen Rasse und Verfechte der Ansicht war, dass Japaner weniger entwickelte Schädel hatten und von Natur aus kriegerisch waren. Hrdlicka lehnte den Posten ab, weil ihm nicht die volle Kontrolle über das Projekt gegeben wurde.

Roosevelt ernannte dann Isaiah Bowman, 1935 bis 1948 den Präsidenten der Johns Hopkins University, von Beruf Geograf, der half die American Geographical Society zu gründen und als Berater sowohl für Woodrow Wilson als auch FDR fungierte. Allerdings war Bowman auch ein offenkundiger Antisemit, der erklärte, es gäbe zu viele Juden an der Hopkins; er schränkte die Zahl der jüdischen Studenten an der Universität ein und verhängte eine Quote für sie; und er feuerte den jungen Juden Eric Goldman aus dem Lehrkörper, der später in Princeton Professor wurde und Rendezvous with Destiny schrieb. Goldman schrieb von FDR als „rastlos und launenhaft in seinem Denken … er vertraute keinem System außer dem System der endlosen Experimentierei“.

Wie befinden uns in einer Zeit, in der die Ehrung von Personen aus der Vergangenheit neu bewertet wird. Heute sind Robert E. Lee, John Calhoun, Woodrow Wilson, Roger B. Taney, Cecil Rhodes und andere vom Thron gestoßen worden, physisch und buchstäblich; wird FDR dasselbe Schicksal erleiden? Natürlich wird sein Ruf durch die neuen Dokumente nicht verbessert. Über dieses Handeln und Nichthandeln tobt seit einiger Zeit ein Streit. Wann wusste FDR erstmals vom Holocaust? Warum befahl er kein konkretes Handeln um Juden zu retten?

Die neu aufgedeckten Dokumente zeigen, dass FDR mehr als zwei Jahre vor dem gewöhnlich angenommenen Datum von den Nazi-Gräueln wusste. Verschiedene Hinweise liegen vor. Der CBS-Journalist Edwad R. Murrow sendete am 13. Dezember 1942, dass man nicht länger einfach von Konzentrationslagern reden könne; man kann nur von Vernichtungslagern reden. Zeugenaussagen von Lagerhäftlingen zu den Schecken wurden an die Kriegsalliierten geschmuggelt. Der britische Außenminister Anthony Eden sagte am 17. Dezember 1942 dem Unterhaus, dass polnischen Behörden die Massenhinrichtungen an Juden bekannt waren und dass diese in der Presse weithin berichtet worden war. Eden merkte an, dass die deutsche Obrigkeit Hitlers oft wiederholte Absicht verwirklichten das jüdische Volk auszulöschen.

FDR selbst sagte in einer Äußerung vom 7. Oktober 1942, die Regierung erhalte Informationen zu den barbarischen Verbrechen an Zivilbevölkerungen in den besetzten Ländern, besonders auf dem europäischen Kontinent. FDRs Haupttenor war „den Krieg zu gewinnen“. Das, meinte er, war die beste Möglichkeit das Töten zu beenden. Die Täter dieser Verbrechen sollten nach dem Krieg vor Gerichten Rede und Antwort stehen. Was fehlt ist jegliche Erwähnung oder besondere Hinweis au Juden oder an bestimmtes Handeln um das Morden zu stoppen.

Verständlicherweise hatte FDR andere Prioritäten und wurde von verschiedenen Faktoren geplagt und behindert – zum Beispiel ressortübergreifenden Kämpfen innerhalb der Administration und dem feindseligen Sumpf des Außenministeriums, in dem Breckinridge Long, ehemaliger Botschafter und stellvertretender Außenminister, eine wichtige Rolle beim Abblocken von Visa für deutsche jüdische Flüchtlinge spielte und gezielt verhinderte, dass Informationen zum Massenmord an Juden im Kongress und den Medien bekannt wurden.

FDR handelte in einer Atmosphäre erheblichen Isolationismus, veranschaulicht durch mächtige Gestalten wie Charles Lindbergh, Henry Ford, Charles Coughlin und dem America First Committee. Meinungsumfragen des American Institute of Public  Opinion im November 1938 hielt fest, dass 71% zustimmten, dass die USA nicht erlauben sollten, dass eine große Zahl jüdischer Exilanten aus Deutschland in die USA kommen und dort leben. Im Nachhinein betrachtet ist offenkundig, dass die US-Medien und Hollywood, wenn sie das Verhalten der Nazis erwähnten, das nicht Juden als Hauptopfer der Verfolgung beinhaltete.

Umfragen zeigten ebenfalls, dass rund 90% der USA im Mai 1940 gegen ein US-Eingreifen in den Zweiten Weltkrieg waren.

Einige Einzelpersonen waren sich des fehlenden Handelns seitens FDR bewusst. Im Licht der Politik von heute gehörte Thomas D’Alesandro dazu, katholischer Sohn italienischer Einwanderer, Bürgermeister von Baltimore und Mitglied des Kongresses vom Januar 1939 bis Mai 1947 – und Vater von Nancy Pelosi. Er stimmte zwar in dem meisten Themen mit FDR überein, aber er war gegen dessen Beschränkung jüdischer Flüchtlinge und unterstützte die von Hillel Kook (alias Peter Bergson) geführten Bergson Group, die FDR in der Flüchtlingsfrage in Frage stellte und Lobbyarbeit für Handeln betrieb. Durch seine Aktivitäten und das Drängen Henry Morgenthaus, Finanzminister und der einzige Jude im Kabinett, gab FDR am 22. Januar 1944 eine Präsidentenanweisung zur Gründung des War Refugee Board aus, um diejenigen zu retten, die gerettet werden konnten – vielleicht 200.000.

Eine verbleibende Kontroverse dreht sich darum, weshalb FDR, als er vom laufenden Holocaust wusste, nicht die Bombardierung von Auschwitz befahl. Es wird offengelegt, dass US-Flugzeuge den nahe gelegenen Komplex der IG Farben in Monowitz bombardierte und dass von Juli bis November 1944 2.800 Flugzeuge Öl-Fabrikanlagen bombardierten, wobei sie manchmal Birkenau überflogen. Zweimal warfen Bomber weniger als 8km von den Gaskammern ihre Last ab. George McGovern, ein junger Bomberpilot bei einigen der Angriffe, sagte, das FDR, sein politischer Held, zwei große Fehler gemacht habe: die japanischen Amerikaner zu internieren und Auschwitz nicht zu bombardieren. Die Bombardierung hätte Juden gerettet und das Vorgehen wäre symbolisch wichtig gewesen.

Das Urteil zu FDR ist noch offen. Heute, wo der Öffentlichkeit alle Belege vorliegen, können wir vielleicht eine leidenschaftliche Debatte darüber erwarten, ob der FDR Drive in New York City umbenannt werden sollte.

[1] Die Preisgabe der Juden: Amerikaner und der Holocaust 1941-1944

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Polen, Holocaust-Verdrehung und das neue Gesetz

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Das unlängst verabschiedete Gesetz zur Rolle Polens im Holocaust und den damit zusammenhängenden Themen sind komplex. Polen sind Jahrzehnte lang zurecht wegen der Bezeichnung „polnische Todeslager“ vor den Kopf gestoßen gewesen. Dieser Begriff wurde von ehemaligen Nazis im deutschen Geheimdienst etwa 10 Jahre nach dem Krieg geprägt.[1] Fakt ist, dass Todeslager wie Belzec, Treblinka, Sobibor und Auschwitz-Birkenau von den deutschen Besatzern auf polnischem Boden errichtet und betrieben wurden.

Bis zum Beginn dieses Jahrhunderts lautete die geläufige historische Darstellung zu Polen während des Zweiten Weltkriegs, dass etwa drei Millionen nichtjüdische Polen und drei Millionen polnische Juden von den Deutschen ermordet wurden. Mehrere Polen halfen Juden zu verstecken. Der polnische Widerstand lieferte den jüdischen Kämpfern im Warschauer Ghetto Waffen.

Der vielleicht berühmteste Pole, der Juden half, war der außergewöhnlich mutige Jan Karski. Ende 1942 wurde er ins Warschauer Ghetto und wieder hinaus geschmuggelt, ebenso in ein Transitlager und wieder hinaus, wo er die Schrecken sah, die die Juden erlitten. Karski schaffte es hinterher nach London zu reisen, wo er der polnischen Exilregierung und ranghohen britischen Behördenvertretern, darunter Außenminister Anthony Eden, einen Bericht ablieferte. Im Juli 1943 traf Karski den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, um ihm dieselben Daten und einen Appel zu handeln übergeben.[2] Seine Mission brachte keine Ergebnisse.

Der Historiker David Bankier wies darauf hin, dass „die meisten polnischen Untergrundorganisationen glaubten, das Polen nach Hitler werde ein Land ohne Juden sein… Die Übriggebliebenen würden Polen nach dem Krieg verlassen müssen. Diese Ansicht wurde sogar in der Oragnisation Zegota vertreten, dem vom polnischen Widerstand gegründeten Rat für die Hilfe für Juden. Dazu gehörten Menschen, die ihr eigenes Leben riskierten, am auffälligsten die tiefgläubige Katholikin, berühmte Schriftstellerin und Mitgründerin der Zegota Zofia Kossak-Szczucka. Sie glaubte, dass Polen kein Land war, in dem Juden leben sollten; das lässt sehr stark erkennen, wie die wahren polnischen Gefühle damals aussahen.“[3]

Bankier fuhr fort: „In einem im August 1943 geschriebenen Artikel mit dem Titel ‚Wem helfen wir?‘ fasste Kossask-Szczucka ihre Gedanken zu polnischen Nachkriegshaltungen gegenüber den Juden zusammen: ‚Heute sehen sich die Juden der Auslöschung gegenüber. Sie sind die Opfer ungerechter mörderischer Verfolgung. Ich muss sie retten. ‚Tu andren, was du möchtest, dass sie dir tun.‘ Dieses Gebot verlangt, dass ich alle mit zur Verfügung stehenden Mittel einsetze um andere zu retten, genau die Mittel, die ich für meine eigene Rettung nutzen würde.

Sicher wird die Lage nach dem Krieg anders sein. Für die Juden und mich werden dieselben Gesetze gelten. An diesem Punkt werde ich den Juden sagen: ‚Ich habe euch gerettet, euch Unterschlupf gewährt, als ihr verfolgt wurdet. Um euch am Leben zu erhalten, riskierte ich mein Leben und das derer, die mir nahe standen. Jetzt droht euch nichts mehr. Ihr habt eure eigenen Freunde und auf manche Weise geht es euch besser als mir. Jetzt fordere ich, dass ihr geht und euch woanders niederlasst. Ich wünsche euch Glück und werde euch liebend gerne helfen. Ich werde euch nichts zuleide tun, aber in meinem Heim will ich alleine leben. Ich habe das Recht dazu.‘“[4]

Am Anfang dieses Jahrhunderts wurden weitere Fakten entdeckt, die zu radikal neuen Sichtweisen über die polnische Holocaust-Geschichte führten. Jan Gross, amerikanischer Historiker polnischer Abstammung, schrieb das Buch Neighbors (Nachbarn). Darin wird die Geschichte der polnischen Einwohner von Jedwabne erzählt, die fast alle örtlichen Juden ohne jegliche deutsche Einmischung ermordeten.[5] Zwei Dokumentationen zum Massenmord von Jedwabne wurden von Agnieszka Arnold erstellt.[6]

Die Offenbarungen zu den Morden in Jedwabne sorgten in Polen für große Erschütterung. Das Selbstbild des Landes wurde massiv in Mitleidenschaft gezogen. Es gab auch solche, die die mörderischen Fakten weiterhin leugnen und reinwaschen wollten.[7]

Die Lage veränderte sich drastisch, als der kanadische Historiker polnischer Herkunft Jan Grabowski 2013 sein Buch Hunt for the Jews: Betrayal and Murder in German-Occupied Poland (Die Jagd nach den Juden: Verrat und Mord im deutsch besetzten Polen) veröffentlichte.[8] Grabowski und seine Rechercheure dokumentierten die Richtigkeit früherer Schätzungen. Ihre Forschungsarbeiten zeigten, dass etwa 200.000 Juden von Polen ermordet wurden.[9] Das machte aus Polen eines der größten Holocaust-Täterländer.

Das neue Gesetz, vom polnischen Parlament verabschiedet und von Präsident Andrzej Duda unterschrieben, hat zwei Teile. Der erste verbietet die Formulierung „polnische Todeslager“. Der zweite macht es zu Verbrechen zu behaupten die polnische Nation sei im Holocaust oder einer anderen von Nazideutschland begangenen Gräueltat mitschuldig. Jetzt wurde verkündet, dass das Gesetz nicht umgesetzt wird, bevor Polens Verfassungstribunal es überprüft hat.[10]

Polens Bildungsministerin Anna Zalewska suggerierte 2016, dass die Morde von Jedwabne durch Polen eher Meinung als Tatsache waren. Das ist ein typischer Fall von bedeutender Holocaust-Leugnung[11]

Die Dinge wurden noch verschlimmert, als das Gesetz verabschiedet war. Auf der unlängst beendeten Münchener Sicherheitskonferenz konfrontierte der israelische Journalist Ronen Bergman, Sohn zweier Holocaust-Überlebender, den polnischen Premierminister Mateusz Morawiecki; er sagte: „Es gab Polen, die Juden verrieten, indem sie die Nazis mit Einzelheiten zu ihnen versorgten.“ Er verwies auf persönliche Erfahrungen seiner Mutter.

Der polnische Minister antwortete: „Ihr werdet nicht als Kriminelle betrachtet, wenn ihr sagt, dass es polnische Täter gab, so wie es jüdische Täter gab, wie es russische Täter gab und wie es ukrainische Täter gab – nicht nur deutsche Täter.“ Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu antwortete: „Die Äußerungen des polnischen Premierministers hier in München waren ungeheuerlich. Es gibt hier ein Problem der Unfähigkeit Geschichte zu begreifen sowie fehlende Sensibilität für die Tragödie unseres Volks.“[12]

Die verfälschenden Manipulationen des Holocaust durch Polen haben zu Spannungen zwischen der polnischen und israelischen Regierung geführt. Der Versuch einer polnischen Delegation zu Besuch in Israel, um diese Spannungen zu entschärfen, schlug fehl. Sie haben zudem eine Menge Schmerz bei polnischen Juden verursacht. Dreiundzwanzig jüdische Gruppen unterschrieben einen Brief, in dem es hieß, dass sie sich in Polen nicht sicher fühlen.[13] Israelische und polnische Interaktionen haben viele Aspekte. Israels Botschafter in Warschau zurückzurufen, ganz zu schweigen vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Polen wären keine guten Schachzüge.

Das Simon Wiesenthal Center hat vor kurzem bekannt gegeben, dass ein von US-Außenministerium freigegebener Bericht aus dem Jahr 1946 die verabscheuungswürdige Behandlung der polnischen Juden vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentierte. Der Bericht stellte den Umgang der Polen und der Nazis mit der jüdischen Bevölkerung auf eine Stufe und sagte, viele Juden hätten es nach dem Krieg vorgezogen zu fliehen, sogar nach Deutschland.[14]

Eine Studie der Universität Bielefeld stellte 2011 fest, dass 63% der Polen der Aussage zustimmen, „was der Staat Israel heute mit den Palästinensern tut, unterscheidet sich im Prinzip nicht von dem, was die Nazis den Juden im Dritten Reich antaten.“[15] Dieser Anteil war erheblich höher als in den anderen europäischen Ländern, in denen diese Umfrage durchgeführt wurde.

Mit der Leugnung der massiven Rolle polnischer Bürger im Holocaust hat die polnische Regierung sich für starke Kritik anfällig, die auf historischen Fakten gründet. Eine effektive Art damit umzugehen, besteht für jüdische Organisationen darin Internetseiten mit Zeugenaussagen zu den von Polen an Juden begangenen Morden und Fällen, bei denen Polen Juden an Nazis verrieten einzurichten. Zweihunderttausend von Polen ermordete Juden ist eine große Zahl, deshalb kann eine Menge Information eingeholt werden, um die Verfälschungen der polnischen Regierung zu entlarven.

Informationen zum weit verbreiteten extremen Vorkriegs-Antisemitismus in Polen hinzuzufügen, ist ein zusätzlicher Ansatz. Der Historiker Laurence Weinbaum schrieb: „1937 beschrieben zwei protestantische Pfarrer aus Nordamerika, selbst kaum philosemitisch, ihre Erschütterung, dass sie in polnischen (katholischen) Kirchen neben Rosenkränzen, Bibeln und anderen religiösen Artikeln auch antisemitische Literatur zum Verkauf sahen, die nicht weniger ekelhaft war als die von Julius Streicher gelieferte; Streicher ist der berüchtigte Verleger des Nazi-Hetzblattes Der Stürmer.“[16]

Das ist nur ein Beispiel für das, was fast unbegrenzte Zahl an Zitaten zu polnischem Antisemitismus auf einer Vielzahl an Internetseiten. Es gibt jetzt zwei Alternativen: Entweder gibt die polnische Regierung ihre Verfälschungen der Geschichte des Landes zur Kriegszeit zu oder sie wird regelmäßig als extremer Holocaust-Verzerrer bloßgestellt.

[1] www.timesofisrael.com/do-the-words-polish-death-camps-defame-poland-and-if-so-whos-to-blame/

[2] http://www.ushmm.org/wlc/en/article.php?ModuleId=10008152

[3] http://www.manfredgerstenfeld.com/polish-war-time-views-on-jews-this-is-not-your-home/

[4] ebenda

[5] https://press.princeton.edu/titles/7018.html

[6] http://www.revolvy.com/main/index.php?s=Agnieszka%20Arnold

[7] http://www.pri.org/stories/2017-03-24/massacre-villages-jews-their-neighbors-wwii-poland-remembered-and-misremembered

[8] www.amazon.com/Hunt-Jews-Betrayal-Murder-German-Occupied-ebook/dp/B00EZNA8XM/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1519034328&sr=1-1&keywords=Jan+Grabowski (Das Buch wurde unter dem Titel „Judenjagd“ ins Polnische übersetzt.)

[9] http://www.timesofisrael.com/complicity-of-poles-in-the-deaths-of-jews-is-highly-underestimated-scholars-say/

[10] http://www.jpost.com/printarticle.aspx?id=543527

[11] http://www.thestar.com/news/world/2016/07/14/polish-education-minister-blasted-for-jewish-massacre-remarks.html

[12] www.reuters.com/article/us-israel-poland/israels-netanyahu-condemns-polish-pm-for-jewish-perpetrators-comment-idUSKCN1G10TE; http://www.jta.org/2018/02/17/news-opinion/world/polish-prime-minister-slammed-for-mentioning-jewish-perpetrators-of-the-holocaust

[13] http://www.jta.org/2018/02/19/news-opinion/world/polish-jewish-groups-say-they-dont-feel-safe-due-to-rise-in-anti-semitism

[14] http://www.jpost.com/Diaspora/1946-US-document-reveals-Poles-treated-Jews-as-badly-as-Germans-did-543940

[15] library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf.

[16] http://jcpa.org/article/penitence-and-prejudice-the-roman-catholic-church-and-jedwabne/

Rapide Zunahme des Holocaust-Missbrauchs

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte hat der Missbrauch des Holocaust allmählich zugenommen. Allerdings hat sich während der letzten zwei Jahre die Zahl dieser Entstellungen ziemlich unbeachtet weit schneller erhöht. Holocaust-Missbrauch hat zudem mehrere weitere Bereiche der Mainstreamgesellschaft durchdrungen.

Manipulation der Wahrheit könnte durchaus ein beträchtlicher Bestandteil des Diskurses zum Holocaust werden. Das wird umso wahrscheinlicher geschehen, als die überlebenden Holocaustopfer immer älter werden. In einer zunehmend chaotischen Welt ist schwer zu erkennen, wie dieser Trend aufgehalten werden kann.

Da es keine systematische Beobachtung des Holocaustmissbrauchs gibt, erkennt kaum jemand, dass die Zahl der Vorfälle stark zugenommen hat. Als ich 2009 mein Buch „The Abuse of Holocaust Memory: Distortions and Responses”[1] publizierte, war es noch möglich fast alle Entstellungen in acht eindeutige Kategorien einzuordnen.

Vor dieser Zeit hatten die Medien und die Öffentlichkeit den Fokus auf Holocaust-Leugnung gelegt. Das ist nicht die extremste Kategorie von Holocaust-Missbrauch. Holocaust-Umkehr ist eine hinterhältige Kategorie. Eine in dieser Kategorie verwendete wichtige Parole lautet, dass Israel sich gegenüber den Palästinensern so verhält, wie es die Nazis gegenüber den Juden taten.

Seit 2009 sind nicht nur die Grenzen zwischen Kategorien des Holocaust-Missbrauchs unscharf geworden. Es gibt auch neue Variationen. Auf eine besonders verschlagene hat der israelische Völkermordforscher Israel Charny hingewiesen. Er hat veranschaulicht, dass Fachbereichen für Holocaust-Forschung an verschiedenen, auch israelischen Universitäten „eine ganze Reihe Wissenschaftler angehört, die Holocaust-Leugnung oder -Verniedlichung frönen und die gemäß aller Regeln und Konventionen der akademischen Welt in ihrer Gesamtheit in gutem Glauben handeln.“

Charny nannte die University of Sussex in Großbritannien ein „Zentrum der Holocaust-Entstellung“. Ein Wissenschaftler dort veröffentlichte einen Artikel, in dem er behauptete Hitler habe sich nicht ausdrücklich gegen Juden gerichtet, sondern: „Das war Teil eines größeren Programms, das diejenigen beseitigen wollte, die dem expandierenden deutschen Lebensraum im Weg waren“.[2] Die Entstellung an Universitäten zeigt sich auch auf weit primitivere Weise: „Zionisten sollten in die Gaskammer geschickt werden“, wurde auf einen Bürgersteig am Campus der University of California in Berkeley gemalt.[3]

In der Europäischen Union wurde 2015 ein Beamter aus Malta antisemitischer Hassrede und Angriff auf eine EU-Angestellte beschuldigt. Er pries in einer Tirade den faschistischen italienischen Diktator Benito Mussolini und versuchte die Frau zu würgen, von der er fälschlich annahm, sie sei Jüdin. Er sagte: „Dreckige Jüdin… Hitler hätte alle Juden ausrotten sollen, so wie sie heute die Palästinenser ausrotten.“[4]

Oberrabbiner Binyamin Jacobs, der Leiter des niederländischen orthodoxen Rabbinats, sagt, wenn in Israel etwas passiere, dann brüllten Leute ihn an: „Hamas, Hamas, Juden ins Gas.“ Er sagte auch, dass niederländische Jugendliche während einer seiner Reden beim Gedenktreffen für niederländische Holocaustopfer „Heil Hitler“ riefen.[5]

Jeremy Corbyn, seit zwei Jahren Parteichef der britischen Labour Party, ist regelmäßig mit dem Holocaustleugner Paul Eisen in der Öffentlichkeit aufgetreten. Dieser schrieb, dass Corbyn „an jeder einzelnen der jährlichen Veranstaltungen seiner Organisation teilnahm und der Gruppe sogar Geld spendete“.[6]

Ein wichtiger Fall von Holocaust-Entstellung betrifft den polnischen Holocaust-Revisionismus. Seit Beginn dieses Jahrhunderts hat es bedeutende Enthüllungen zu massiven Verbrechen gegeben, die von Polen während des Holocaust an Juden begangen wurden. Die zwei wichtigsten Forscher, die dies aufzeigten, sind Jan Gross und Jan Grabowski. Grabowski erklärt, seine Forschungsarbeiten zeigen, dass während des Holocaust 200.000 Juden von Polen getötet wurden. Die polnische Regierung versucht diese Tatsachen zu bestreiten.[7]

Man sollte auch nicht die Augen vor dem Missbrauch des Holocaust durch Juden verschließen, der zuzunehmen scheint. Eine der schlimmsten Beleidigungen für einen Juden besteht darin einen anderen Juden zu beschuldigen ein Nazi zu sein. Der sephardische Oberrabbiner von Jerusalem und ehemalige Oberrabbiner Israels, Schlomo Amar, sagte, Reformjuden seien schlimmer als Holocaustleugner.[8]

Man kann hunderte, wenn nicht tausende weiterer Beispiele von Holocaust-Missbrauch der letzten Jahre finden. Schon vor der Ausbreitung der sozialen Medien war es bereits schwierig einen kompletten Überblick des Holocaust-Missbrauchs zu bekommen. Die Zersplitterung des kollektiven Gedächtnisses der westlichen Welt hat seine weitere Entstellung des ermöglicht. Gleichzeitig scheint die Erwähnung des Holocaust in einem anwachsenden historischen Vakuum zuzunehmen statt zu verblassen, wie es gewöhnlich mit Ereignissen der Vergangenheit geschieht.

Die Zahl der Vorfälle ist heute derart groß, dass sogar Trends unbemerkt bleiben könnten. Das Thema bereitet genug Sorgen, dass man ihm weit mehr Aufmerksamkeit widmen müsste. Der nächste Schritt sollte sein, dass Holocaust-Gedenkinstitutionen anfangen systematisch und professionell solchen Missbrauch in ihren Ländern zu beobachten und zu kategorisieren. Auf einer internationalen Basis scheint Yad Vaschem die logische Wahl zu sein, um einen solchen Schritt zu initiieren und zu koordinieren.

[1] Der Missbrauch der Holocaust-Erinnerung: Entstellungen und Reaktionen

[2] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/21517

[3] www.jpost.com/Diaspora/University-of-California-rules-not-to-equate-anti-Zionism-with-religious-bigotry-449068

[4] http://www.maltatoday.com.mt/news/court_and_police/56771/maltese_ec_official_facing_serious_charges_for_antisemitic_aggression_in_brussels_bar

[5] Interview mit Oberrabbiner Binyomin Jacobs, in: Manfred Gerstenfeld Het Verval. Amsterdam (Van Praag) 2010).

[6] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3187428/Jeremy-Corbyn-s-links-notorious-Holocaust-denier-revealed.html

[7] www.haaretz.com/world-news/europe/.premium-1.770707

[8] www.jpost.com/Israel-News/Reform-Jews-are-worse-than-Holocaust-deniers-says-Chief-Rabbi-of-Jerusalem-504372

 

Palästinenser zeigen Bilder aus der Zeit des Holocaust als Fotos „israelischer Massaker“

Elder of Ziyon, 14. September 2017

Tomer Ilan machte auf Facebook eine erschreckende Entdeckung:

Palästinensische Medien präsentieren fälschlich Holocaust-Bilder als Bilder aus dem israelisch-palästinensischen Konflikt. Meine Recherchen habe Dutzende von Fällen aufgedeckt, in denen palästinensische und arabische Publikationen, darunter auch Mainstream-Zeitungen, Bilder aus den Nazi-Konzentrationslagern des Zweiten Weltkriegs veröffentlichen, die sie fälschlich als Ereignisse bezeichnen, die im Nahost-Konflikt auftraten.

Tatsächlich ist dieses Bild aus dem Gestapo-KZ Mittelbau-Dora in arabischen Medien als Beweis für israelische Massaker benutzt worden. Das Lager war nicht in erster Linie für Juden gedacht, obwohl tausende Juden, darunter Frauen und Kinder, gegen Ende des Krieges dorthin geschickt wurden und auf dem Weg viele starben und im Lager selbst verhungerten.

Al-Quds, die offizielle PA-Zeitung, sagt, dies sei ein Bild, das Kafr Qasim im Jahr 1956 zeigt. (autoübersetzter Screenshot).

Qudsn.ps sagt, das Foto sei aus Tel Zaatar im Libanon im Jahr 1976.

Karam Press, die Nachrichtenseite Shasha.ps und viele andere Internetseiten bezeichnen dieses Foto als Deir Yassin (autoübersetzter Screenshot):

Al Ghad TV sagt, es handelt sich um ein Foto aus Sabra und Shatila im Libanon:

Die schon widerliche, von palästinensischen Arabern und ihren antisemitischen Verteidigern regelmäßig betriebene Holocaust-Umkehr (bei der Juden beschuldigt werden genauso schlimm wie die Nazis zu sein) wird hier noch grotesker, weil diese Bilder den Holocaust komplett ausgelöscht und durch Palästinenser als Opfer ersetzt werden.

Holocaust-Missbrauch: Ein weiteres Jahr

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

In einer zunehmend chaotischen Welt haben der Missbrauch des Holocaust und damit verbundene Fragen im Verlauf der letzten zwölf Monate weiterhin zugenommen. Falsche moralische Gleichsetzungen von Ereignissen und Themen zu Auschwitz, Hitler, den Nazis oder dem Leiden der Juden sind so üblich geworden, dass einen recht genauen Überblick dazu zu schreiben nicht länger möglich ist.

Diese Vergleiche sind Phänomene des Verfalls. Diejenigen, die sie ziehen, versuchen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen, um ihr Ego oder Persönliches zu stärken. Das ist am deutlichsten bei den Hitler-Vergleichen zu sehen. Die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten hat zu einer Serie solcher Beleidigungen geführt. „Trump mit Hitler zu vergleichen ist die schlimmste Art von Hassreden“, lautet der Titel eines Artikels des Kolumnisten und Schriftstellers Marshall Crotty. Er schreibt: „Diese Vergleiche mit Hitler und dem Holocaust sind grob verantwortungslos.“[1] Tatsächlich ist das eine Untertreibung. Diese Vergleiche sind bösartig.

Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto verglich Trump vor dessen Wahl mit Hitler und Mussolini. Ein paar Monate später sagte Nieto, er zog den Vergleich nur als Erinnerung an das in der Vergangenheit angerichtete Unheil.[2] Zwei ehemalige Präsidenten Mexikos verglichen Trump mit Hitler. Felipe Calderon, Präsident von 2006 bis 2012, sagte, Trump „nutzt Gefühle aus, wie es Hitler seinerzeit tat“. Sein Vorgänger Vicente Fox sagte gegenüber CNN, Trump „erinnert mich an Hitler“.[3]

Während seines Wahlkampfs um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner veröffentlichte John Kasich, der Gouverneur von Ohio, eine Anzeige, die Trumps Rhetorik mit dem Nationalsozialismus verglich. Wäre diese Behauptung, Trump dämonisiere Muslime und Mexikaner wie Hitler Juden dämonisierte, wahr, dann hätten diese beiden Gruppen der US-Bevölkerung inzwischen einen beträchtlichen Teil ihrer Bürgerrechte verloren.[4]

Ein Mitglied der Trump-Administration sorgte mit einem weiteren Hitler-Vergleich für einen Aufschrei. Sean Spicer, Sprecher des Weißen Hauses, behauptete der syrische Präsident Bashar al-Assad habe schlimmer als Hitler gehandelt, als er Chemiewaffen einsetzte. Spicer behauptete Hitler habe so etwas nicht getan. Er ignorierte damit den massiven Einsatz von Chemikalien zur Ermordung hauptsächlich von Juden in den deutschen Konzentrationslagern. Spicer entschuldigte sich später.[5]Auf Twitter hat Trump den amerikanischen Geheimdienst mit den Nazis verglichen: „Geheimdiensten sollte niemals erlaubt haben, dass man diese Fake News in die Öffentlichkeit hat ‚durchsickern‘ lassen. Ein letzter Schuss gegen mich. Leben wir in Nazi-Deutschland?“[6]

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan ist ein ansehnlicher Produzent von Holocaust- und Nazi-Verzerrungen. Im November 2016 sagte Erdoğan gegenüber dem israelischen Fernsehen, er könne sich nicht entscheiden, ob der Holocaust oder die israelische Militäroffensive im Gazastreifen „barbarischer“ seien.[7] Seitdem hat er seine beleidigenden Äußerungen auf andere Länder ausgedehnt; er nannte den NATO-Verbündeten der Türkei, die Niederlande, ein „Überbleibsel der Nazis“.[8]

Deutschland, ein weiterer NATO-Verbündeter der Türkei, entkam Erdoğans Nazis-Vergleichen nicht. Im März stoppte die deutsche Regierung türkische politische Kundgebungen vor der Volksabstimmung zur Erweiterung der Macht der türkischen Präsidenten. Erdoğan sagte: „Eure Methoden unterscheiden sich nicht von denen der Nazis in der Vergangenheit.“[9]

Zur Europäischen Union sagte Erdoğan: „Ohne jede Scham ignorieren sie ihre eigenen blutbefleckten Hände und ohne ihre eigenen, gefühllosen Herzen zu bedenken ziehen sie Vergleiche zwischen uns und den Nazis. Wenn es irgendwo Nazis gibt, dann seid ihr die Nazis.“ Das war eine Reaktion auf eine Äußerung des luxemburgischen Außenministers Jean Asselborn, der Handeln gegenüber den türkischen Medien und der Opposition mit Ereignissen in Nazideutschland vergliche.[10] Erdoğans Missbrauch des Holocaust und die verzerrenden Gleichsetzungen mit dem Nationalsozialismus blieb nicht unwidersprochen. Künstler bildeten ihn auf Mauern der türkischen Botschaft in Berlin als Hitler ab.[11]

Es gibt zudem falsche Vergleiche zu Naziopfern. Die brasilianische Präsidentin Dilma Roussef verglich Versuche sie wegen ihrer Korruptionsskandale vor Gericht zu stellen mit der Verfolgung der Juden durch die Nazis.[12]

Der Holocaust war ein komplexes und hochentwickeltes, industrialisiertes Vernichtungsprogramm, das sich in erster Linie gegen Juden richtete. Eine Art des regelmäßigen Missbrauchs besteht darin eine bestimmte Sache zu kritisieren und das dann mit Nazimethoden gleichzusetzen. Der Vergleich selbst mag bereits falsch sein, aber darüber hinaus schafft die Nazis mit hineinzuziehen weitere Verfälschung. Ein Beispiel dafür gab es, als Christina McKelvie, Sprecherin der Scottish National Party für Menschenrecht, sagte, ein Vorschlag der britischen Regierung, Firmen des Vereinten Königreichs sollten Listen ihrer Auslandsarbeiter anlegen, erinnere an die Nazipolitik der 1930-er Jahre.[13] Mhairi Black, eine weitere SNP-Abgeordnete, schrieb eine Zeitungskolumne, in der auch sie behauptete die Immigrationspolitik der Konservativen Partei „erinnert an das Nazideutschland der frühen 1930-er Jahre“.[14]

Nach einem Besuch in Auschwitz befand sich Papst Franziskus in einer heiklen Lage, als er die allgemeine Grausamkeit und Gewalt in der Welt mit der des Holocaust gleichsetzte. Er sagte: „Als ich die Grausamkeit der Konzentrationslager sah, dachte ich an die heutige Grausamkeit, die ähnlich ist; nicht so konzentriert an diesem Ort, sondern rund um die Welt.“[15] Das war ein bedeutendes Beispiel des Holocaust als Mittel der Vermittlung einer Botschaft, während man die Tatsache ignoriert, dass es sich um ein systematisches Vernichtungsprogramm handelte. Die meiste Grausamkeit von heute ist nicht damit vergleichbar.

Die Trivialsierung des Holocaust ist ein immer wiederkehrendes Thema und beschränkt sich nicht auf falsche moralische Äquivalenz durch Führungskräfte und Politiker. Im März 2017 entkleideten sich elf Personen in Auschwitz und schlachteten ein Schaf. Ein Sprecher der Gedenkstätte sagte, ihr Motive seien nicht klar, weil sie kurz standen und sich dann neben dem berüchtigten „Arbeit macht frei“-Tor in der südpolnischen Stadt Oswiecim hinsetzten.[16]

Das oben Geschriebene ist nur eine kleine Auswahl zu einem Thema, das ohne Weiteres in einen Aufsatz erweitert werden könnte. Was am meisten Sorge bereitet, ist die rapide Vervielfältigung falscher moralischer Äquivalenz, die den Holocaust und damit verbundene Aspekte verwenden.

[1] http://www.huffingtonpost.com/james-marshall-crotty/comparing-trump-to-hitler_b_9334668.html

[2] http://www.reuters.com/article/us-usa-canada-pena-nieto-idUSKCN0ZF2JD

[3] http://www.reuters.com/article/us-mexico-trump-idUSMTZSAPEC2S8JNRJU

[4] http://www.politico.com/magazine/story/2016/03/trump-hitler-comparisons-213711

[5] http://www.nytimes.com/2017/04/11/us/politics/sean-spicer-hitler-gas-holocaust-center.html

[6] https://www.nytimes.com/2017/01/11/us/donald-trump-nazi-comparison.html?_r=0

[7] http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/erdogan-turkish-president-israel-hitler-more-barbarous-gaza-interview-palestinians-decide-holocaust-a7431311.html

[8] http://www.independent.co.uk/news/world/europe/recep-tayyip-erdogan-europe-facist-cruel-turkey-president-powers-referendum-a7641171.html

[9] http://www.theatlantic.com/news/archive/2017/03/turkey-erdogan-nazis/519528/

[10] ebenda

[11] http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/turkish-president-erdo-an-projected-with-hitler-suit-and-moustache-onto-embassy-in-berlin-a7033191.html

[12] http://www.jta.org/2016/04/01/news-opinion/world/brazils-president-likens-impeachment-calls-to-nazi-treatment-of-jews

[13] http://www.heraldscotland.com/news/14801471.SNP_MSP_sparks_Nazi_row_at_conference/

[14] http://www.telegraph.co.uk/news/2016/10/18/can-leftists-please-stop-comparing-everything-they-dont-like-to/

[15] https://cruxnow.com/vatican/2016/08/03/francis-says-violence-auschwitz-ongoing/

[16] http://www.independent.co.uk/news/world/europe/naked-group-kill-sheep-auschwitz-death-camp-nazi-a7649306.html