Der Holocaust im öffentlichen Bereich

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Wenn Zeit vergeht erhalten historische Ereignisse gewöhnlich immer weniger Aufmerksamkeit. Doch in den letzten Jahren scheinen der Holocaust, sein Missbrauch und Themen des Zweiten Weltkriegs zunehmende Bekanntheit im öffentlichen Diskurs zu gewinnen. Bis vor einigen Jahren war es immer noch möglich die öffentliche Erwähnung des Holocaust und damit in Zusammenhang stehende Themen in einem jährlichen Überblick zusammenzufassen. Das ist nicht länger der Fall. Heute ist alles, was man tun kann, mehrere Ereignisse aus den letzten ein bis zwei Jahren hervorzuheben, die aus einer Vielzahl herausstechen. Dieses Wiederaufleben von Bezügen zum Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg leitet sich höchst wahrscheinlich aus der rasch zunehmenden Unruhe überall in der Welt ab.

Themen des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs sind einige Male in den Wahlkampfkampagnen der anstehenden amerikanischen Präsidentenwahl aufgekommen. Zu den Beispielen gehört der republikanische Kandidat Mike Huckabee, der US-Präsident Barack Obama vorwarf er lasse Israel in die Öfen marschieren.[1] In der Debatte zur Waffenkontrolle behauptete ein weiterer republikanischer Kandidat, Ben Carson, dass das jüdische Volk den Holocaust hätte aufhalten können wenn es Waffen gehabt hätte.[2] Diese Äußerung instrumentalisiert fälschlich Juden und den Holocaust in einer innenpolitischen amerikanischen Debatte. Stark bewaffnete westliche Regierungen konnten die Deutschen bei ihren frühen Eroberungen nicht aufhalten, um wie viel weniger wäre das den verstreuten und entrechteten Juden möglich gewesen?

Der jüdische leitende Newsweek-Autor Alex Nazaryan twitterte: „Ted Cruz hat eine starke Basis in Iowa“ und hängte ein Foto von Menschen aus der Nazizeit an, die mit dem Hakenkreuz geschmückte Flaggen trugen. Hinterher entschuldigte er sich halbherzig – aber nicht bei Cruz: „Ich habe meinen Tweet gelöscht, der Cruz einen Nazis nannte. Seinen anständigen Anhängern gegenüber nicht fair, so sehr ich den Mann selbst nicht mag.“[3]

In einer amerikanischen Moschee kritisierte der demokratische Kandidat Bernie Sanders Trumps Aufruf Muslimen die Einreise in die USA zu verbieten; er erklärte: „Wir dürfen nie vergessen, was unter der rassistischen Ideologie der Nazis geschah, die zum Tod von Abermillionen Menschen führte, darunter viele Mitglieder meiner Familie.“[4] Da Trump nicht zur Vernichtung von Muslimen aufrief, wurde Sanders‘ Äußerung eine von vielen, die – führt man ihn in solchen Zusammenhängen an – verzerrte, was im Holocaust tatsächlich geschah.

Der autokratische türkische Präsident Erdoğan, ein antiisraelischer Aufwiegler, ist bekannt sowohl für positive Verweise auf Hitlers Staatsführung als auch dafür, sich selbst mit Hitler zu vergleichen. Er bezeichnete Hitlers Regime als ein Beispiel effektiver Regierungsarbeit.[5] Vor mehreren Jahren verglich der damalige Außenminister Avigdor Lieberman Erdoğan mit Goebbels.[6]

Der massive Flüchtlingszustrom aus dem Nahen Osten nach Europa hat ebenfalls dafür gesorgt, dass Themen angeführt werden, die mit dem Holocaust in Verbindung stehen. Lutz Bachmann, Gründer und ehemaliges Mitglied der deutschen antiislamischen Pegida-Bewegung, wurde mit Hitler verglichen.[7] Bachmann selbst verglich den deutschen Bundesjustizminister Heiko Maas mit Goebbels.[8] Auf einer Pegida-Demonstration in Dresen gaben einige Teilnehmer Holocaustleugnung Ausdruck.[9]

Selbst der britische Oberrabbiner Ephraim Mirvis hat sich an der Verdrehung des Holocaust beteiligt. Er und mehrere andere orthodoxe Rabbiner besuchten ein Flüchtlingslager in Griechenland. Mirvis sagte, „in ein Zelt gebracht, in dem Menschen ausruhen, habe ich an Bunker in Auschwitz gedacht, wo es ein sehr anderes Ende gab…“[10]

In Österreich verglich ein im Iran geborener Discjockey die Hetze gegen Minderheiten durch den rechten Parteichef Heinz Strache mit der Hitlers. Strache zog dagegen vor Gericht, verlor das Verfahren aber.[11]

Vom Holocaust gefärbtes Verfluchen von Juden geht weiter. In Spanien schrieb die jüdische Künstlerin Margarita Gokun Silver, dass eine Klassenkameradin ihrer Tochter, dem einzigen jüdischen Kind unter 1.300 Schülern, gesagt hatte, sie solle „in die Gaskammer gehen“. Gokun Silver fügte hinzu: „Meine Tochter erzählt mir, dass in der WhatsApp-Gruppe ihrer Klasse Schüler regelmäßig ‚Heil Hitler‘ als Gruß benutzen. Sie sagt, dass sie – über ihre Religion und Gemeinschaften – gelehrt worden sind, Juden seien und würden immer verdammt sein.“[12]

Es wird sich noch immer für Verbrechen der Zeit des Holocaust entschuldigt. 2015 entschuldigten sich sowohl Luxembourg[13] als auch Monaco[14] für ihr Verhalten gegenüber den Juden. Die Niederlande bleiben das einzige westeuropäische Land, das es ablehnt sich ehrlich mit dem Nichtinteresse ihrer Regierung für das Schicksal der Juden und der Kollaboration seiner Bürokratie mit den deutschen Besatzern während des Krieges zu beschäftigen. Anfang 2015 bog der niederländische Premier Mark Rutte einmal mehr parlamentarische Fragen ab, die ihn um eine solche Entschuldigung ersuchen.[15]

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende werden weiterhin Holocaust-Mahnmale gebaut oder eingeweiht, zum Beispiel in den niederländischen Städten Baarn,[16] Utrecht[17], Heemstede[18] und Den Haag.[19] Das Mahnmal in der Stadt Geffen gedachte jedoch neben ermordeten jüdischen Bürgern eines örtlichen niederländischen Soldaten, der als Freiwilliger in der deutschen Armee diente und im Krieg getötet wurde. Das führte zu Protesten.[20]

In Boston[21] und anderen Städten in verschiedenen Ländern wurden Holocaust-Mahnmale geschändet. Griechenland hat eine lange Liste an Schändungen von Holocaust-Erinnerungsmalen. Das Mahnmal für ermordete jüdische Kinder in Athen wurde 2015 zweimal geschändet.[22] In der griechischen Stadt Kavala wurde nach viel Diskussion ein Holocaust-Gedenkmal eingeweiht.[23] Es wurde zwei Wochen später mutwillig beschädigt.[24] In der ukrainischen Hauptstadt Kiew wurde das Mahnmal für die vielen in Babi Jar Ermordeten letztes Jahr wieder mehrfach beschädigt.[25]

Die Anne-Frank-Stiftung im schweizerischen Basel beauftragte ein niederländisches Autorenpaar, Jessica Durlacher und Leon de Winter, ein neues Theaterstück auf der Grundlage von Annes Tagebuch zu schreiben.[26] Dafür wurde ein besonderes Theater gebaut. Das Stück hatte in Amsterdam Premiere und wird auch in anderen Ländern gezeigt werden.

Die Rechte an „Mein Kampf“ verjährten. Jetzt wurde eine kommentierte Ausgabe veröffentlicht.[27] Im Verlauf letzten der Jahre sind Übersetzungen in vielen Sprachen zu erhalten gewesen. Ausgaben werden seit Jahrzehnten in vielen Ländern, hauptsächlich in muslimischen Staaten verkauft. Bereits vor Jahren ist die türkische Übersetzung von Mein Kampf im Land ein Bestseller geworden.[28]

Diese Ausgaben sind nur wenige unter vielen. Man erlebt gelegentlich, dass Muslime andere Muslime als Nazis bezeichnen.[29] Die Trivialisierung des Holocaust erscheint in vielen Ländern in unterschiedlicher Form.[30] Gleichzeitig bringt Holocaust-Forschung viele neue Informationen ans Tageslicht.[31] Unter diesen Umständen werden mit dem Holocaust in Verbindung stehende Themen in den kommenden Jahren in der Öffentlichkeit weiter rapide zunehmen.

[1] http://edition.cnn.com/2015/07/26/politics/huckabee-obama-israel-oven-door/

[2] http://www.theguardian.com/us-news/2015/oct/09/ben-carson-claims-jewish-people-might-have-stopped-holocaust-if-they-had-guns

[3] https://www.washingtonpost.com/news/the-fix/wp/2016/01/07/no-that-newsweek-writers-tweet-about-ted-cruz-and-nazis-doesnt-prove-media-bias/

[4] http://www.haaretz.com/jewish/news/1.692361

[5] http://www.theguardian.com/world/2016/jan/01/turkish-president-recep-tayyip-erdogan-hitlers-germany-example-effective-government

[6] http://www.haaretz.com/israel-news/1.542806

[7] http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/lutz-bachmann-pegida-gruender-spielt-hitler-13382531.html

[8] http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-11/pegida-dresden-lutz-bachmann-vergleich-maas-goebbels

[9] http://www.bild.de/regional/dresden/pegida/hass-attacken-gegen-mahnwache-43333848.bild.html

[10] http://www.thejc.com/lifestyle/lifestyle-features/149519/the-refugee-camp-has-made-me-think-auschwitz%E2%80%99

[11] http://derstandard.at/2000021504601/Strache-verliert-Prozess-um-Hitler-Vergleich

[12] Lesen Sie dazu mehr auf http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.683675

[13] http://www.haaretz.com/jewish/news/1.660752

[14] http://www.jpost.com/Diaspora/Monaco-apologizes-for-deporting-Jews-during-Holocaust-413490

[15] Artikel MG und Cooper

[16] http://www.joodsmonumentbaarn.nl/

[17] http://joodsmonumentutrecht.nl/verhaal-143/

[18] http://www.joodsmonumenthaarlem.nl/nieuws/onthulling-joods-monument-heemstede

[19] http://www.joodserfgoeddenhaag.nl/nieuw-joods-herdenkingsmonument-in-den-haag/

[20] http://www.refdag.nl/nieuws/binnenland/ophef_over_duitse_naam_op_oorlogsmonument_geffen_1_904142

[21] http://www.haaretz.com/world-news/1.658203

[22] http://www.jpost.com/Diaspora/Athens-Holocaust-memorial-desecrated-for-second-time-this-year-380553

[23] http://www.algemeiner.com/2015/06/11/greece-outraged-over-desecration-of-athens-holocaust-memorial-for-children/

[24] http://www.haaretz.com/jewish/news/1.662552

[25] http://www.jpost.com/Diaspora/Babi-Yar-Holocaust-site-vandalized-for-sixth-time-this-year-416306

[26] http://www.theatersinnederland.nl/toneelvoorstelling-anne/

[27] http://www.spiegel.de/international/germany/new-annotated-mein-kampf-offers-insight-into-hitler-a-1072032.html

[28] http://jcpa.org/article/present-day-anti-semitism-in-turkey/

[29] http://www.jihadwatch.org/2014/08/turkish-poet-islam-is-worse-than-nazism

[30] http://www.wsj.com/articles/holocaust-victims-mocked-in-ohio-state-band-parody-songbook-1438263839

[31] http://www.spiegel.de/politik/ausland/naziverbrechen-in-griechenland-durch-dokumente-aus-us-archiven-belegt-a-1058584.html

Buch setzt Holocaust mit palästinensischer Nakba gleich – entfacht Empörung

Ein neues Buch, das offiziell in zwei Wochen vorgestellt wird, hat bereits zu Kontroversen geführt, weil es das Leiden der Juden mit der arabischen Niederlage im Unabhängigkeitskrieg gleichsetzt. • Interessenvertretung sagt, das Buch ist ein Affront für die Holocaustüberlebenden in Israel und im Ausland.

Yael Branovsky, Israel HaYom, 25. August 2015

Holocaust-Nakba-Buch

Ein neues Buch, das Parallelen zwischen dem Holocaust und der palästinensischen Nakba (der arabische Begriff für die Heimatlosigkeit der palästinensischen Flüchtlinge durch Israels Unabhängigkeit) zieht, hat rund zwei Wochen vor der öffentlichen Vorstellung des Buches durch den Gastgeber Van Leer Jerusalem Institute einen massiven Tumult verursacht.

Im Tirtzu, das den eigenen Auftrag als „Stärkung und Verbesserung der Werte des Zionismus in Israel“ beschreibt, hat dem Van Leer Jerusalem Institute einen Brief geschrieben, in dem gefordert wird, dass die Veranstaltung abgesagt wird, der zu Ehren der Autoren des Buches abgehalten werden soll und den Titel „Der Holocaust und die Nakba: Erinnerung, nationale Identität und jüdisch-arabische Partnerschaft“ trägt.

Das Buch ist eine Gemeinschaftsarbeit zwischen dem Institut und der Hakibbutz Hameuchad-Sifriat Poalim Publishing Group.

In dem Brief informiert Im Tirtzu den Direktor des Instituts, Professor Gabriel Motzkin, dass „wir von dieser grotesken Gleichsetzung zwischen dem Holocaust und dem europäischen Judentum – als Millionen Juden verbrannt, erschossen und lebendig begraben wurden, obwohl sie nichts Falsches getan hatten – und der kolossalen Niederlage der Feinde Israelis im Unabhängigkeitskrieg, die im Arabischen Nakba genannt wird, höchst beunruhigt sind“, schrieben sie.

Der Brief nannte die Veranstaltung zudem „einen Affront für die Holocaust-Überlebenden, die in Israel und im Ausland leben, indem ihre Notlage missachtet wird, indem unsere kollektive Intelligenz beleidigt wird und indem der menschlichen Ethik Schande gebracht wird.“ Es wird vermerkt, dass „der niederschmetternde Schlag, der den Araber während des Unabhängigkeitskriegs versetzt wurde, das Ergebnis eines von den arabischen Armeen begonnenen Krieges war, die es ablehnten das Recht des jüdischen Volks in ihrer Heimat zu leben anzuerkennen.

Der Holocaust wurde wegen eines ungetrübten Hasses auf Juden und durch die systematische Ausrottung Millionen unschuldiger Menschen begangen. Das ist der Grund, weshalb wir fordern, dass die Veranstaltung, die ein solches Buch ehrt, das unlogische und abscheuliche Vergleiche zieht, sofort abgesagt wird“, schlossen sie.

Motzkin tat die Kritik geradeheraus ab. Im Gespräch mit Israel HaYom sagte er: „Wir setzen den Holocaust nicht mit der Nakba gleich; wir ziehen lediglich Parallelen zwischen der Weise, wie beider ein Denkmal gesetzt wird – das ist nicht dasselbe“, sagte er und betonte: „Es kam uns nie in den Sinn, auch war es nie unser Interesse, die Botschaft zu vermitteln, dass die beiden Ereignisse vergleichbar sind.“

Er ging dann dazu über die Gründe hinter dem Buch zu erklären: „Erinnerung ist von Haus aus anders als die tatsächlichen Ereignisse, denn nicht jeder erinnert sich auf genau die gleiche Weise an die Ereignisse, wie sie sich entwickelten“, sagte er. „Wir betreiben eine Ausstellung über den Holocaust und wir halten jährliche Feiern zu Ehren des Holocaust-Gedenktags; wir haben nicht das Verlangen die Bedeutung des Holocaust zu verharmlosen. Unser Buch enthält eine Vielfalt an Meinungen, von denen einige den Palästinensern gegenüber höchst kritisch sind. Es gibt keine politischen Motive hinter dieser Veröffentlichung; es ist lediglich ein Versuch die Gemütsverfassung und die Mentalität beider Seiten zu verstehen.“

Das Van Leer Jerusalem Institute veröffentlichte ein offizielles Programm für die Veranstaltung, das das Buch und seine Botschaft ausführlich darlegt. „Das Buch lädt die Leser ein über Möglichkeiten nachzudenken den Holocaust und die Nakba zusammen nachzudenken und sie zu diskutieren und die Möglichkeit eines solchen verbundenen Gedankens zu untersuchen – nicht weil die Ereignisse identisch oder auch ähnlich sind, sondern weil sie beide traumatisch und identitätsstiftend waren“, heißt es in dem Programm.

„Die Nakba und der Holocaust formten die Schicksale der beiden Völker und Identitäten, wenn auch auf völlig unterschiedliche Weise“, heißt es darin weiter.

Nach Angaben des Instituts umfasst das Buch „Artikel und Aufsätze von jüdischen und palästinensischen Forschern, Autoren und Denkern, die sich um die Auseinandersetzung mit dem Thema bemühen. Die Beiträge sind nicht monolithisch: Einige befürworten den gemeinsamen Ansatz zu den beiden Ereignissen und sehen darin ein Tor zu Versöhnung und Frieden; andere lehnen eine solche Möglichkeit kurzerhand ab. Das Ergebnis ist ein urtypisches und einzigartiges Mosaik an Positionen, die eine Herausforderung für das konventionelle Denken über die traumatischen Erinnerungen beider Völker darstellt.“

Im Tirtzu schickte dann einen Brief an den Direktor der Hakibbutz Hameuchad-Sifriat Poalim Publishing Group, General Uzi Shavit; darin baten sie ihn zu verhindern, dass die Veranstaltung stattfindet. „Es übersteigt das Vorstellungsvermögen zu glauben, dass Sie als Leiter der Verlagsgruppe, die auf ihrer Internetseite stolz verkündet, dass es das Verlagshaus des Kibbutz Artzi Federation and Hashomer Hatzair war, die zustimmte bei der Veröffentlichung eines Buche szu helfen, das den Verlust der Araber im Unabhängigkeitskrieg auf einer Stufe mit den horrenden Ereignissen des Holocaust stellt“, heißt es in dem Brief; es wird zudem erwähnt, dass einige jüdische Helden aus der Zeit des Holocaust Hashomer Hatzair nahe standen: „Nur falls Sie es vergessen haben: Das war die Bewegung von Mordechai ANielewicz, Zivia Lubetkin, Abba Kovner und anderer; die Schande dieser Veranstaltung wird noch viele Generationen lang in Schande leben.“

Die Hakibbutz Hameuchad-Sifriat Poalim Publishing Group lehnte eine Kommentar zum Brief ab.

UNESCO-Studie bestätigt: arabische Staaten – und viele andere – lehren den Holocaust nicht

Elder of Ziyon, 2. Februar 2015

Die UNESCO veröffentlichte gerade einen Bericht darüber, wie Schulbücher den Holcaust in Ländern überall in der Welt lehren – oder nicht lehren.

Die zusammenfassende Weltkarte zeigt den Grad der Holocaust-Bildung in jedem Land und ist hier zu finden:

Zu den Bereichen, die den Holocaust nicht einmal implizit erwähnen (hellbeige), gehören Angola, Antigua & Barbuda, Aserbaidschan, Bahamas, Bahrain, Benin, Bolivien, Brueni, Kamerun, Dominica, Ägypten, Fiji, Ghana, Guyana, Island, Mikronesien, Irak, Jamaica, Kosovo, Libanon, Nepal, Neuseeland, „Palästina“, Papua-Neuguinea, Samoa, Seychellen, Thailand und Sambia.

Zu den Staaten, in denen der Zweite Weltkrieg oder der Nationalsozialismus angeführt werden, ohne dass der Holocaust erwähnt wird (hellorange), gehören: Algerien, Bhutan, Bosnien-Herzegowina, Botswana, Burkina Faso, China, Cook-Inseln, Costa Rica, Elfenbeinküste, Zypern, Demokratische Republik Congo, Dominikanische Republik, El Salvador, Gambia, Georgien, Honduras, Indien, Indonesien, Japan, Kenia, Lesotho, Malaysia, Mauritius, Marokko, Mozambique, Nicaragua, Niger, Norwegen, Pakistan, Paraguay, Peru, Republik Korea, Ruanda, Schottland, Senegal, Sri Lanka, Surinam, Schweiz (Kantone Jura und Lausanne), Tunesien, Uganda, Ukraine, Vereinigte Arabische Emirate, Tansania, Uruguay, Jemen, Zimbabwe.

Viele muslimische Staaten, die vermutlich den Holocaust nicht lehren, stellten für diese Studie keine Schulbücher zur Verfügung (weiß), darunter Afghanistan, Bangladesch, Iran, Jordanien, Kuwait, Oman, Qatar, Saudi-Arabien, der Südsudan, Sudan, Syrien und viele weitere.

Interessanterweise ist der US-Bundesstaat Maryland der einzige, der genannt wurde, weil er den Holocaust nicht als eigenes Thema lehrt, sondern nur als Teil eines allgemeineren Menschenrechts-Curriculums.

Foto der Woche: Die Schuhe von Auschwitz

Gestern (Montag, 26.01.2015) fand in Berlin eine Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz statt, organisiert und durchgeführt vom Internationalen Auschwitz Komitee. Für mich persönlich war diese Feier weit eindrucksvoller und berührender als die heutige hochoffizielle in Auschwitz.

Dort sprach Sarah Nonnenmacher (im Video ab Minute 55:45), eine Auszubildende des VW-Konzerns. Sie hat seit ihrem Einsatz in Auschwitz vor allem ein Bild im Kopf, beschrieb sie: die Schuhe. Sie beschrieb, wie sie die Schuhe sah, in der Hand hielt und was sie dabei dachte und empfand, wie sie sie bewegten: die Schuhe der Opfer. Sie wird sie nie vergessen.

Mir ging ihre Ansprache nahe. Sie hatte etwas Handfestes gefunden, das für sie Auschwitz und das, wofür dieser Ort steht, repräsentiert. Danke, Sarah, das waren eindrückliche Worte.

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Was Palästinenser über den Holocaust denken: „Respekt für Hitler“

Kanadischer Dokumentarist offenbart simultane Trends von Bestreiten und Unterstützung des Holocaust in Ramallah.

Ari Soffer, IsraelNationalNews, 1. September 2014

Was denken Palästinenser über den Holocaust?

Das ist eine Frage, die der Filmemacher Corey Gil-Shuster zufällig ausgesuchte Menschen in Ramallah, der politischen Hauptstadt der PA.

Die Ergebnisse waren nicht ermutigend.

Die Befragten gaben typischerweise eine von drei Antworten. Einige wussten gar nicht, was das war oder hatten nur eine vage Vorstellung. Die Mehrheit allerdings brachten die – in arabischen Ländern populäre – Behauptung zum Ausdruck, dass der Nazi-Völkermord von den Juden zum Gewinn politischer Zwecke übertrieben wurde, damit sie dasselbe den Arabern antun könnten; oder sie sagten einfach, dass sie unterstützten, was Hitler getan hatte, denn, wie eine lächelnde Frau mitteilte: „Juden sind bösartig.“

Einer der bemerkenswertesten Aspekte der Befragungen bestand nicht so sehr in denen, die ihrer Unterstützung für den Holocaust Ausdruck gaben („Hitler allen Respekt!“, antwortete einer), sondern in denen, die behaupteten sie würden genau dasselbe Level an Brutalität erfahren wie die Juden unter der Verfolgung durch die Nazis – und das selbst während sie einkauften oder frei rauchend in Cafés saßen. Das ist weit entfernt von den Entbehrungen und der Grausamkeit der europäischen Ghettos und Konzentrationslager.

„Wo sind denn die Konzentrationslager und die Gaskammern?“, fragte ein erstaunter Gil Schuster einen Mann, der sagte, die Palästinenser erlitten etwas, „das nahe am Holocaust“ sie und der einen Stand betrieb, der mit Süßigkeiten und Getränken überlief.

Das Video war Teil einer YouTube-Serie namens „Frage einen Israeli, fragen einen Palästinenser“, in dem zufällig ausgewählte Israelis und Palästinenser nach ihren Meinungen und Gefühlen zu einer weiten Bandbreite an Themen befragt werden.

Die Niederlande: Ein Land lehnt es ab seine Schuld gegenüber den Juden zuzugeben

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Der 4. Mai ist in den Niederlanden der nationale Gedenktag. Ursprünglich war es ein Erinnerungstag an die während der deutschen Besatzung Ermordeten und Gefallenen. In den letzten Jahren ist dieses Thema des Gedenkens der Toten zum Teil verwässert und seiner Bedeutung beraubt worden. Bei mehreren lokalen Gedenktreffen wurden Juden nicht gesondert erwähnt, selbst wenn sie die Mehrheit der örtlichen Opfer stellten.

Zum nationalen Gedenken in Amsterdam 2012 wurde von den Organisatoren ein 15-jähriger Junge eingeladen, um ein Gedicht zur Erinnerung an seinen Verwandten vorzutragen, nach dem er genannt wurde und der der Waffen-SS beigetreten war. Diese Einladung wurde schließlich mit viel Mühe gestrichen.2 Mehrere niederländische Städte gedachten am 4. Mai auch gefallen deutschen Soldaten. Nachdem das Dorf Geffen die Namen seiner ermordeten Juden zusammen mit denen gefallener Deutscher auf seinem Kriegsdenkmal einmeißeln wollte, protestierten die Verwandten der Juden. Es wurde dann entschieden, gar keine Namen auf das Denkmal zu setzen.3

Man muss das oben Erwähnte auch in Bezug zur beständigen niederländischen Ablehnung sehen, das Desinteresse der niederländischen Kriegsregierung und von Königin Wilhelmina im Exil in London am Schicksal der niederländischen Juden zuzugeben. Dasselbe gilt für die massive Kollaboration der niederländischen Bürokratie mit den Deutschen in den besetzten Niederlanden.

So sehr die Niederländer es aber zu vermeiden versuchen, ist dieses Verhalten nicht vergessen. Im Februar diesen Jahres schrieb Rabbi Abraham Cooper, Associated Dean des Simon Wiesenthal Center in Los Angeles, einen Brief an den stellvertretenden Premierminister der Niederlande, Lodewijk Asscher. Der Text konzentrierte sich auf dessen Anfrage, die niederländische Regierung möge untersuchen, was fast 39% der derzeitigen Erwachsenenbevölkerung der Niederlande dazu bringt die riesige Lüge zu akzeptieren, dass Israel einen Ausrottungskrieg gegen die Palästinenser führt.

Rabbi Cooper schrieb außerdem, dass ihm zur Kenntnis gebracht wurde, „dass die Niederlande weder die Fahrlässigkeit ihrer Regierung im Zweiten Weltkrieg und die Kollaboration der Bürokratie mit den deutschen Besatzern zugegeben hat, noch sich irgendwie entschuldigte. Ich glaube, die Niederlande sind das einzige während des Krieges besetzte Land, wo dies der Fall ist“.4 In seiner Antwort an den Rabbiner ignorierte Minister Asscher das Thema völlig.5

Zum bisher letzten Mal bekam dieses Thema große Aufmerksamkeit in der niederländischen öffentlichen Meinung, als 2012 die Zeitung De Pers ihm einen Artikel auf der Titelseite widmete.6 Dieser fußte auf zwei Interviews aus dem Anhang meines Buchs Judging the Netherlands: The Renewed Holocaust Restitution Process 1997-2000.7 Zwei ehemalige stellvertretende Premierminister der Niederlande, Els Borst (der Anfang diesen Jahres ermordet wurde) und Gerrit Zalm, erklärten, dass sie es öffentlich unterstützen würden, wenn die Regierung sich bei der jüdischen Gemeinschaft entschuldigte.

Am selben Tag stellten die Parlamentarier Geert Wilders und Raymond de Roon dem niederländischen Premierminister Mark Rütte Fragen. Sie fragen ihn, warum die Niederlande sich bei der jüdischen Gemeinschaft nicht für das Fehlverhalten gegenüber den Juden während des Holocaust entschuldigen. Danach veröffentlichte die Associated Press zwei Artikel zum Thema, die von hunderten Medien überall in der Welt aufgegriffen wurden.8

Rutte kam mit einer völlig irrelevanten Antwort davon. Er verwies auf eine Erklärung der niederländischen Regierung aus dem Jahr 2000.9 Die der jüdischen Gemeinschaft damals angebotene Entschuldigung hatte keinen Bezug zur Kriegszeit, sondern bezog sich auf den formalistischen, bürokratischen und herzlosen Rückerstattungsprozess nach dem Krieg. Selbst diese Entschuldigung bestand nur aus Halbwahrheiten, da darin behauptet wurde diese inakzeptable Haltung sei nicht vorsätzlich gewesen. Es gab allerdings viele dokumentierte Fälle, in denen niederländische Politik gegenüber den Juden durchaus gewollt war. Damals war bereits bekannt, dass der Nachkriegs-Finanzminister den Interessen der Börsenmakler, die stark mit den deutschen Besatzern kollaboriert hatten, den Vorzug vor den ursprünglichen jüdischen Eigentümern gestohlener Wertpapiere gab.

Seit damals ist eine Vielzahl weiterer gewollter Beispiele von Nachkriegs-Verfehlungen gegenüber den Juden bekannt geworden. Der neueste ist, dass die Stadtverwaltung von Amsterdam Juden wegen Nichtbezahlung ihrer während des Zweiten Weltkriegs aufgelaufenen Langzeitpacht-Zahlungsverpflichtungen mahnte und bestrafte. Ihre Häuser waren zur Nutzung durch Deutsche und durch niederländische Nazi-Kollaborateure zwangsenteignet worden. Vor ein paar Jahren war bereits bekannt geworden, dass jüdische Überlebende in Amsterdam gezwungen worden waren, die für ihre enteigneten Häuser entstandenen Gas- und Stromrechnungen zu bezahlen, nachdem sie aus deutschen Lagern oder ihren Verstecken zurückkehrten.10

Vor kurzem machte der Kunsthistoriker Professor Rudi Ekkart ein weiteres Beispiel bewusster Diskriminierung durch niederländische Behörden nach dem Krieg öffentlich. Zu Beginn dieses Jahrhunderts leitete er eine Regierungskommission, die die Rückgabe gestohlener Kunstwerke untersuchte, die von den amerikanischen Besatzungsbehörden in Deutschland zurückgegeben worden waren. Er sagte, dass das Finanzministerium so viel von der Kunst wie möglich zugunsten der niederländischen Staatskasse verkaufen wollte. Ihnen stellten sich Museumsdirektoren und das Ministerium für Bildung, Kunst und Wissenschaft entgegen, die dies als „guten Grund eine bessere nationale Kunstsammlung aufzubauen“ ansahen. Ekkard fügte hinzu: „Die Stimmen derer, die Anspruch darauf hatten – ehemalige Eigentümer und ihre Erben – wurden nicht gehört.“11

Können all diese Missstände mit dem niederländischen Nationalcharakter erklärt werden? Das wäre ein zu weit gehender Schluss. 2005 entschuldigte sich der damalige Präsident der Niederländischen Eisenbahn, Aad Veenman, bei der niederländischen jüdischen Gemeinde wegen der Kollaboration seiner Firma mit den Deutschen beim Transport von Juden auf der ersten Etappe in ihren Tod.12 Die Eisenbahn organisierte eine große Öffentlichkeitskampagne, die ausführlich beschrieb, was während des Krieges geschah.13 Es war ein – auch nach internationalen Standards – sehr gutes Beispiel dafür, wie man mit einer problematischen Vergangenheit umgehen kann.

Die niederländische Regierung kann weiter das Fehlverhalten ihrer Vorgänger während des Zweiten Weltkriegs ignorieren. Sie würde aber einem Irrtum unterliegen, wenn sie glaubte, dass Schuld nicht einzugestehen und sich nicht zu entschuldigen bald vergessen werden würde.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

 

1 Manfred Gerstenfeld: Het Verval, Joden in een Stuur loos Nederland. Amsterdam (Van Praag) 2010, S. 56-57 [Niederländisch].
2 Comité 4 en 5 mei trekt omstreden gedicht terug. Het Parool, 26. April 2012 [Niederländisch].
3 Arne Hankel: Toch geen Duitse namen op oorlogsmonument Maasdonk. Elsevier, 18. Oktober 2012 [Niederländisch].
4 Brief von Rabbi Abraham Cooper an den stellvertretenden Premierminister Lodewijk Asscher, 6. Februar 2014.
5 Brief von Minister Lodewijk Asscher an das Simon Wiesenthal Center, 19. Februar 2014.
6 Dirk Jacob Nieuwboer: Excuses voor wegkijken. De Pers, 3. Januar 2012 [Niederländisch].
7 Manfred Gerstenfeld: Judging the Netherlands: The Renewed Holocaust Restitution Process, 1997-2000. Jerusalem (Jersusalem Center for Public Affairs) 2011.
8 Associated Press: Lawmaker urges Dutch to apologize for WWII Jewish-deporations. FoxNews, 4. Januar 2012.
9 Beantwoording kamervragen over de houding van de Nederlandse regering ten tijde van de Holocaust, rijksoverheid.nl.
10 Gemeente eiste erfpacht op van teruggekkeerde Joden. Parool, 30. März 2013 [Niederländisch].
11 Manfred Gerstenfeld, Interview mit Rudi Ekkart: Naoorlogs Rechtsherstel van Kunstvoorwerpen: onduidelijk, verkeerd en hardvochtig. Aleh, April 2014 [Niederländisch].
12 Toespraak Aad Veenman, Präsident-Direkteur NS, Bahnhof Muiderpoort, 29. September 2005 [Niederländisch].
13 Manfred Gerstenfeld: Apologies for Holocaust Behavior and Refusal to do so: The Dutch case in an international context. In: Jewish Political Studies Review, Band 18, Nr. 3 und 4, Herbst 2006. Jerusalem (Jerusalem Center for Public Affairs) 2006, S. 31-49.

S. ergänzend auch: Niederlande: Entschuldigung nicht erwünscht!