Buch setzt Holocaust mit palästinensischer Nakba gleich – entfacht Empörung

Ein neues Buch, das offiziell in zwei Wochen vorgestellt wird, hat bereits zu Kontroversen geführt, weil es das Leiden der Juden mit der arabischen Niederlage im Unabhängigkeitskrieg gleichsetzt. • Interessenvertretung sagt, das Buch ist ein Affront für die Holocaustüberlebenden in Israel und im Ausland.

Yael Branovsky, Israel HaYom, 25. August 2015

Holocaust-Nakba-Buch

Ein neues Buch, das Parallelen zwischen dem Holocaust und der palästinensischen Nakba (der arabische Begriff für die Heimatlosigkeit der palästinensischen Flüchtlinge durch Israels Unabhängigkeit) zieht, hat rund zwei Wochen vor der öffentlichen Vorstellung des Buches durch den Gastgeber Van Leer Jerusalem Institute einen massiven Tumult verursacht.

Im Tirtzu, das den eigenen Auftrag als „Stärkung und Verbesserung der Werte des Zionismus in Israel“ beschreibt, hat dem Van Leer Jerusalem Institute einen Brief geschrieben, in dem gefordert wird, dass die Veranstaltung abgesagt wird, der zu Ehren der Autoren des Buches abgehalten werden soll und den Titel „Der Holocaust und die Nakba: Erinnerung, nationale Identität und jüdisch-arabische Partnerschaft“ trägt.

Das Buch ist eine Gemeinschaftsarbeit zwischen dem Institut und der Hakibbutz Hameuchad-Sifriat Poalim Publishing Group.

In dem Brief informiert Im Tirtzu den Direktor des Instituts, Professor Gabriel Motzkin, dass „wir von dieser grotesken Gleichsetzung zwischen dem Holocaust und dem europäischen Judentum – als Millionen Juden verbrannt, erschossen und lebendig begraben wurden, obwohl sie nichts Falsches getan hatten – und der kolossalen Niederlage der Feinde Israelis im Unabhängigkeitskrieg, die im Arabischen Nakba genannt wird, höchst beunruhigt sind“, schrieben sie.

Der Brief nannte die Veranstaltung zudem „einen Affront für die Holocaust-Überlebenden, die in Israel und im Ausland leben, indem ihre Notlage missachtet wird, indem unsere kollektive Intelligenz beleidigt wird und indem der menschlichen Ethik Schande gebracht wird.“ Es wird vermerkt, dass „der niederschmetternde Schlag, der den Araber während des Unabhängigkeitskriegs versetzt wurde, das Ergebnis eines von den arabischen Armeen begonnenen Krieges war, die es ablehnten das Recht des jüdischen Volks in ihrer Heimat zu leben anzuerkennen.

Der Holocaust wurde wegen eines ungetrübten Hasses auf Juden und durch die systematische Ausrottung Millionen unschuldiger Menschen begangen. Das ist der Grund, weshalb wir fordern, dass die Veranstaltung, die ein solches Buch ehrt, das unlogische und abscheuliche Vergleiche zieht, sofort abgesagt wird“, schlossen sie.

Motzkin tat die Kritik geradeheraus ab. Im Gespräch mit Israel HaYom sagte er: „Wir setzen den Holocaust nicht mit der Nakba gleich; wir ziehen lediglich Parallelen zwischen der Weise, wie beider ein Denkmal gesetzt wird – das ist nicht dasselbe“, sagte er und betonte: „Es kam uns nie in den Sinn, auch war es nie unser Interesse, die Botschaft zu vermitteln, dass die beiden Ereignisse vergleichbar sind.“

Er ging dann dazu über die Gründe hinter dem Buch zu erklären: „Erinnerung ist von Haus aus anders als die tatsächlichen Ereignisse, denn nicht jeder erinnert sich auf genau die gleiche Weise an die Ereignisse, wie sie sich entwickelten“, sagte er. „Wir betreiben eine Ausstellung über den Holocaust und wir halten jährliche Feiern zu Ehren des Holocaust-Gedenktags; wir haben nicht das Verlangen die Bedeutung des Holocaust zu verharmlosen. Unser Buch enthält eine Vielfalt an Meinungen, von denen einige den Palästinensern gegenüber höchst kritisch sind. Es gibt keine politischen Motive hinter dieser Veröffentlichung; es ist lediglich ein Versuch die Gemütsverfassung und die Mentalität beider Seiten zu verstehen.“

Das Van Leer Jerusalem Institute veröffentlichte ein offizielles Programm für die Veranstaltung, das das Buch und seine Botschaft ausführlich darlegt. „Das Buch lädt die Leser ein über Möglichkeiten nachzudenken den Holocaust und die Nakba zusammen nachzudenken und sie zu diskutieren und die Möglichkeit eines solchen verbundenen Gedankens zu untersuchen – nicht weil die Ereignisse identisch oder auch ähnlich sind, sondern weil sie beide traumatisch und identitätsstiftend waren“, heißt es in dem Programm.

„Die Nakba und der Holocaust formten die Schicksale der beiden Völker und Identitäten, wenn auch auf völlig unterschiedliche Weise“, heißt es darin weiter.

Nach Angaben des Instituts umfasst das Buch „Artikel und Aufsätze von jüdischen und palästinensischen Forschern, Autoren und Denkern, die sich um die Auseinandersetzung mit dem Thema bemühen. Die Beiträge sind nicht monolithisch: Einige befürworten den gemeinsamen Ansatz zu den beiden Ereignissen und sehen darin ein Tor zu Versöhnung und Frieden; andere lehnen eine solche Möglichkeit kurzerhand ab. Das Ergebnis ist ein urtypisches und einzigartiges Mosaik an Positionen, die eine Herausforderung für das konventionelle Denken über die traumatischen Erinnerungen beider Völker darstellt.“

Im Tirtzu schickte dann einen Brief an den Direktor der Hakibbutz Hameuchad-Sifriat Poalim Publishing Group, General Uzi Shavit; darin baten sie ihn zu verhindern, dass die Veranstaltung stattfindet. „Es übersteigt das Vorstellungsvermögen zu glauben, dass Sie als Leiter der Verlagsgruppe, die auf ihrer Internetseite stolz verkündet, dass es das Verlagshaus des Kibbutz Artzi Federation and Hashomer Hatzair war, die zustimmte bei der Veröffentlichung eines Buche szu helfen, das den Verlust der Araber im Unabhängigkeitskrieg auf einer Stufe mit den horrenden Ereignissen des Holocaust stellt“, heißt es in dem Brief; es wird zudem erwähnt, dass einige jüdische Helden aus der Zeit des Holocaust Hashomer Hatzair nahe standen: „Nur falls Sie es vergessen haben: Das war die Bewegung von Mordechai ANielewicz, Zivia Lubetkin, Abba Kovner und anderer; die Schande dieser Veranstaltung wird noch viele Generationen lang in Schande leben.“

Die Hakibbutz Hameuchad-Sifriat Poalim Publishing Group lehnte eine Kommentar zum Brief ab.

UNESCO-Studie bestätigt: arabische Staaten – und viele andere – lehren den Holocaust nicht

Elder of Ziyon, 2. Februar 2015

Die UNESCO veröffentlichte gerade einen Bericht darüber, wie Schulbücher den Holcaust in Ländern überall in der Welt lehren – oder nicht lehren.

Die zusammenfassende Weltkarte zeigt den Grad der Holocaust-Bildung in jedem Land und ist hier zu finden:

Zu den Bereichen, die den Holocaust nicht einmal implizit erwähnen (hellbeige), gehören Angola, Antigua & Barbuda, Aserbaidschan, Bahamas, Bahrain, Benin, Bolivien, Brueni, Kamerun, Dominica, Ägypten, Fiji, Ghana, Guyana, Island, Mikronesien, Irak, Jamaica, Kosovo, Libanon, Nepal, Neuseeland, „Palästina“, Papua-Neuguinea, Samoa, Seychellen, Thailand und Sambia.

Zu den Staaten, in denen der Zweite Weltkrieg oder der Nationalsozialismus angeführt werden, ohne dass der Holocaust erwähnt wird (hellorange), gehören: Algerien, Bhutan, Bosnien-Herzegowina, Botswana, Burkina Faso, China, Cook-Inseln, Costa Rica, Elfenbeinküste, Zypern, Demokratische Republik Congo, Dominikanische Republik, El Salvador, Gambia, Georgien, Honduras, Indien, Indonesien, Japan, Kenia, Lesotho, Malaysia, Mauritius, Marokko, Mozambique, Nicaragua, Niger, Norwegen, Pakistan, Paraguay, Peru, Republik Korea, Ruanda, Schottland, Senegal, Sri Lanka, Surinam, Schweiz (Kantone Jura und Lausanne), Tunesien, Uganda, Ukraine, Vereinigte Arabische Emirate, Tansania, Uruguay, Jemen, Zimbabwe.

Viele muslimische Staaten, die vermutlich den Holocaust nicht lehren, stellten für diese Studie keine Schulbücher zur Verfügung (weiß), darunter Afghanistan, Bangladesch, Iran, Jordanien, Kuwait, Oman, Qatar, Saudi-Arabien, der Südsudan, Sudan, Syrien und viele weitere.

Interessanterweise ist der US-Bundesstaat Maryland der einzige, der genannt wurde, weil er den Holocaust nicht als eigenes Thema lehrt, sondern nur als Teil eines allgemeineren Menschenrechts-Curriculums.

Foto der Woche: Die Schuhe von Auschwitz

Gestern (Montag, 26.01.2015) fand in Berlin eine Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz statt, organisiert und durchgeführt vom Internationalen Auschwitz Komitee. Für mich persönlich war diese Feier weit eindrucksvoller und berührender als die heutige hochoffizielle in Auschwitz.

Dort sprach Sarah Nonnenmacher (im Video ab Minute 55:45), eine Auszubildende des VW-Konzerns. Sie hat seit ihrem Einsatz in Auschwitz vor allem ein Bild im Kopf, beschrieb sie: die Schuhe. Sie beschrieb, wie sie die Schuhe sah, in der Hand hielt und was sie dabei dachte und empfand, wie sie sie bewegten: die Schuhe der Opfer. Sie wird sie nie vergessen.

Mir ging ihre Ansprache nahe. Sie hatte etwas Handfestes gefunden, das für sie Auschwitz und das, wofür dieser Ort steht, repräsentiert. Danke, Sarah, das waren eindrückliche Worte.

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Was Palästinenser über den Holocaust denken: „Respekt für Hitler“

Kanadischer Dokumentarist offenbart simultane Trends von Bestreiten und Unterstützung des Holocaust in Ramallah.

Ari Soffer, IsraelNationalNews, 1. September 2014

Was denken Palästinenser über den Holocaust?

Das ist eine Frage, die der Filmemacher Corey Gil-Shuster zufällig ausgesuchte Menschen in Ramallah, der politischen Hauptstadt der PA.

Die Ergebnisse waren nicht ermutigend.

Die Befragten gaben typischerweise eine von drei Antworten. Einige wussten gar nicht, was das war oder hatten nur eine vage Vorstellung. Die Mehrheit allerdings brachten die – in arabischen Ländern populäre – Behauptung zum Ausdruck, dass der Nazi-Völkermord von den Juden zum Gewinn politischer Zwecke übertrieben wurde, damit sie dasselbe den Arabern antun könnten; oder sie sagten einfach, dass sie unterstützten, was Hitler getan hatte, denn, wie eine lächelnde Frau mitteilte: „Juden sind bösartig.“

Einer der bemerkenswertesten Aspekte der Befragungen bestand nicht so sehr in denen, die ihrer Unterstützung für den Holocaust Ausdruck gaben („Hitler allen Respekt!“, antwortete einer), sondern in denen, die behaupteten sie würden genau dasselbe Level an Brutalität erfahren wie die Juden unter der Verfolgung durch die Nazis – und das selbst während sie einkauften oder frei rauchend in Cafés saßen. Das ist weit entfernt von den Entbehrungen und der Grausamkeit der europäischen Ghettos und Konzentrationslager.

„Wo sind denn die Konzentrationslager und die Gaskammern?“, fragte ein erstaunter Gil Schuster einen Mann, der sagte, die Palästinenser erlitten etwas, „das nahe am Holocaust“ sie und der einen Stand betrieb, der mit Süßigkeiten und Getränken überlief.

Das Video war Teil einer YouTube-Serie namens „Frage einen Israeli, fragen einen Palästinenser“, in dem zufällig ausgewählte Israelis und Palästinenser nach ihren Meinungen und Gefühlen zu einer weiten Bandbreite an Themen befragt werden.

Die Niederlande: Ein Land lehnt es ab seine Schuld gegenüber den Juden zuzugeben

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Der 4. Mai ist in den Niederlanden der nationale Gedenktag. Ursprünglich war es ein Erinnerungstag an die während der deutschen Besatzung Ermordeten und Gefallenen. In den letzten Jahren ist dieses Thema des Gedenkens der Toten zum Teil verwässert und seiner Bedeutung beraubt worden. Bei mehreren lokalen Gedenktreffen wurden Juden nicht gesondert erwähnt, selbst wenn sie die Mehrheit der örtlichen Opfer stellten.

Zum nationalen Gedenken in Amsterdam 2012 wurde von den Organisatoren ein 15-jähriger Junge eingeladen, um ein Gedicht zur Erinnerung an seinen Verwandten vorzutragen, nach dem er genannt wurde und der der Waffen-SS beigetreten war. Diese Einladung wurde schließlich mit viel Mühe gestrichen.2 Mehrere niederländische Städte gedachten am 4. Mai auch gefallen deutschen Soldaten. Nachdem das Dorf Geffen die Namen seiner ermordeten Juden zusammen mit denen gefallener Deutscher auf seinem Kriegsdenkmal einmeißeln wollte, protestierten die Verwandten der Juden. Es wurde dann entschieden, gar keine Namen auf das Denkmal zu setzen.3

Man muss das oben Erwähnte auch in Bezug zur beständigen niederländischen Ablehnung sehen, das Desinteresse der niederländischen Kriegsregierung und von Königin Wilhelmina im Exil in London am Schicksal der niederländischen Juden zuzugeben. Dasselbe gilt für die massive Kollaboration der niederländischen Bürokratie mit den Deutschen in den besetzten Niederlanden.

So sehr die Niederländer es aber zu vermeiden versuchen, ist dieses Verhalten nicht vergessen. Im Februar diesen Jahres schrieb Rabbi Abraham Cooper, Associated Dean des Simon Wiesenthal Center in Los Angeles, einen Brief an den stellvertretenden Premierminister der Niederlande, Lodewijk Asscher. Der Text konzentrierte sich auf dessen Anfrage, die niederländische Regierung möge untersuchen, was fast 39% der derzeitigen Erwachsenenbevölkerung der Niederlande dazu bringt die riesige Lüge zu akzeptieren, dass Israel einen Ausrottungskrieg gegen die Palästinenser führt.

Rabbi Cooper schrieb außerdem, dass ihm zur Kenntnis gebracht wurde, „dass die Niederlande weder die Fahrlässigkeit ihrer Regierung im Zweiten Weltkrieg und die Kollaboration der Bürokratie mit den deutschen Besatzern zugegeben hat, noch sich irgendwie entschuldigte. Ich glaube, die Niederlande sind das einzige während des Krieges besetzte Land, wo dies der Fall ist“.4 In seiner Antwort an den Rabbiner ignorierte Minister Asscher das Thema völlig.5

Zum bisher letzten Mal bekam dieses Thema große Aufmerksamkeit in der niederländischen öffentlichen Meinung, als 2012 die Zeitung De Pers ihm einen Artikel auf der Titelseite widmete.6 Dieser fußte auf zwei Interviews aus dem Anhang meines Buchs Judging the Netherlands: The Renewed Holocaust Restitution Process 1997-2000.7 Zwei ehemalige stellvertretende Premierminister der Niederlande, Els Borst (der Anfang diesen Jahres ermordet wurde) und Gerrit Zalm, erklärten, dass sie es öffentlich unterstützen würden, wenn die Regierung sich bei der jüdischen Gemeinschaft entschuldigte.

Am selben Tag stellten die Parlamentarier Geert Wilders und Raymond de Roon dem niederländischen Premierminister Mark Rütte Fragen. Sie fragen ihn, warum die Niederlande sich bei der jüdischen Gemeinschaft nicht für das Fehlverhalten gegenüber den Juden während des Holocaust entschuldigen. Danach veröffentlichte die Associated Press zwei Artikel zum Thema, die von hunderten Medien überall in der Welt aufgegriffen wurden.8

Rutte kam mit einer völlig irrelevanten Antwort davon. Er verwies auf eine Erklärung der niederländischen Regierung aus dem Jahr 2000.9 Die der jüdischen Gemeinschaft damals angebotene Entschuldigung hatte keinen Bezug zur Kriegszeit, sondern bezog sich auf den formalistischen, bürokratischen und herzlosen Rückerstattungsprozess nach dem Krieg. Selbst diese Entschuldigung bestand nur aus Halbwahrheiten, da darin behauptet wurde diese inakzeptable Haltung sei nicht vorsätzlich gewesen. Es gab allerdings viele dokumentierte Fälle, in denen niederländische Politik gegenüber den Juden durchaus gewollt war. Damals war bereits bekannt, dass der Nachkriegs-Finanzminister den Interessen der Börsenmakler, die stark mit den deutschen Besatzern kollaboriert hatten, den Vorzug vor den ursprünglichen jüdischen Eigentümern gestohlener Wertpapiere gab.

Seit damals ist eine Vielzahl weiterer gewollter Beispiele von Nachkriegs-Verfehlungen gegenüber den Juden bekannt geworden. Der neueste ist, dass die Stadtverwaltung von Amsterdam Juden wegen Nichtbezahlung ihrer während des Zweiten Weltkriegs aufgelaufenen Langzeitpacht-Zahlungsverpflichtungen mahnte und bestrafte. Ihre Häuser waren zur Nutzung durch Deutsche und durch niederländische Nazi-Kollaborateure zwangsenteignet worden. Vor ein paar Jahren war bereits bekannt geworden, dass jüdische Überlebende in Amsterdam gezwungen worden waren, die für ihre enteigneten Häuser entstandenen Gas- und Stromrechnungen zu bezahlen, nachdem sie aus deutschen Lagern oder ihren Verstecken zurückkehrten.10

Vor kurzem machte der Kunsthistoriker Professor Rudi Ekkart ein weiteres Beispiel bewusster Diskriminierung durch niederländische Behörden nach dem Krieg öffentlich. Zu Beginn dieses Jahrhunderts leitete er eine Regierungskommission, die die Rückgabe gestohlener Kunstwerke untersuchte, die von den amerikanischen Besatzungsbehörden in Deutschland zurückgegeben worden waren. Er sagte, dass das Finanzministerium so viel von der Kunst wie möglich zugunsten der niederländischen Staatskasse verkaufen wollte. Ihnen stellten sich Museumsdirektoren und das Ministerium für Bildung, Kunst und Wissenschaft entgegen, die dies als „guten Grund eine bessere nationale Kunstsammlung aufzubauen“ ansahen. Ekkard fügte hinzu: „Die Stimmen derer, die Anspruch darauf hatten – ehemalige Eigentümer und ihre Erben – wurden nicht gehört.“11

Können all diese Missstände mit dem niederländischen Nationalcharakter erklärt werden? Das wäre ein zu weit gehender Schluss. 2005 entschuldigte sich der damalige Präsident der Niederländischen Eisenbahn, Aad Veenman, bei der niederländischen jüdischen Gemeinde wegen der Kollaboration seiner Firma mit den Deutschen beim Transport von Juden auf der ersten Etappe in ihren Tod.12 Die Eisenbahn organisierte eine große Öffentlichkeitskampagne, die ausführlich beschrieb, was während des Krieges geschah.13 Es war ein – auch nach internationalen Standards – sehr gutes Beispiel dafür, wie man mit einer problematischen Vergangenheit umgehen kann.

Die niederländische Regierung kann weiter das Fehlverhalten ihrer Vorgänger während des Zweiten Weltkriegs ignorieren. Sie würde aber einem Irrtum unterliegen, wenn sie glaubte, dass Schuld nicht einzugestehen und sich nicht zu entschuldigen bald vergessen werden würde.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

 

1 Manfred Gerstenfeld: Het Verval, Joden in een Stuur loos Nederland. Amsterdam (Van Praag) 2010, S. 56-57 [Niederländisch].
2 Comité 4 en 5 mei trekt omstreden gedicht terug. Het Parool, 26. April 2012 [Niederländisch].
3 Arne Hankel: Toch geen Duitse namen op oorlogsmonument Maasdonk. Elsevier, 18. Oktober 2012 [Niederländisch].
4 Brief von Rabbi Abraham Cooper an den stellvertretenden Premierminister Lodewijk Asscher, 6. Februar 2014.
5 Brief von Minister Lodewijk Asscher an das Simon Wiesenthal Center, 19. Februar 2014.
6 Dirk Jacob Nieuwboer: Excuses voor wegkijken. De Pers, 3. Januar 2012 [Niederländisch].
7 Manfred Gerstenfeld: Judging the Netherlands: The Renewed Holocaust Restitution Process, 1997-2000. Jerusalem (Jersusalem Center for Public Affairs) 2011.
8 Associated Press: Lawmaker urges Dutch to apologize for WWII Jewish-deporations. FoxNews, 4. Januar 2012.
9 Beantwoording kamervragen over de houding van de Nederlandse regering ten tijde van de Holocaust, rijksoverheid.nl.
10 Gemeente eiste erfpacht op van teruggekkeerde Joden. Parool, 30. März 2013 [Niederländisch].
11 Manfred Gerstenfeld, Interview mit Rudi Ekkart: Naoorlogs Rechtsherstel van Kunstvoorwerpen: onduidelijk, verkeerd en hardvochtig. Aleh, April 2014 [Niederländisch].
12 Toespraak Aad Veenman, Präsident-Direkteur NS, Bahnhof Muiderpoort, 29. September 2005 [Niederländisch].
13 Manfred Gerstenfeld: Apologies for Holocaust Behavior and Refusal to do so: The Dutch case in an international context. In: Jewish Political Studies Review, Band 18, Nr. 3 und 4, Herbst 2006. Jerusalem (Jerusalem Center for Public Affairs) 2006, S. 31-49.

S. ergänzend auch: Niederlande: Entschuldigung nicht erwünscht!

Ist ein zweiter Holocaust möglich?

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Ist ein zweiter Holocaust möglich? Diese Frage ist angesichts des Völkermords des letzten Jahrhunderts gerechtfertigt, ebenso angesichts des derzeitigen massiven und extremen Schürens von Hass auf Israel und Juden. Die Geschichte zeigt, dass Völkermord in der Regel bedeutende und beständige Dämonisierung der potenziellen Opfer vorausgeht. Doch nicht alles starke Schüren von Hass führt zu Massenmord.

Niemals in der Geschichte ist die psychologische Infrastruktur gründlicher und länger für Völkermord vorbereitet worden als vor dem Holocaust. Viele Jahrhunderte lang sagte die katholische Kirche ihren Anhängern, dass die Juden Jesus töteten. Sie fügte eine noch tödlichere Beschuldigung hinzu: dass all ihr jüdischer Nachwuchs auf ewig für den Tod ihres Gottessohnes verantwortlich seien. Vor mehr als fünfzig Jahren fasst Joshua Trachtenberg in seinem Buch Devil and the Jews (Der Teufel und die Juden) zusammen, wie das mittelalterliche Christentum die Juden sah: als „Hexer, Mörder, Kannibalen, Giftmischer, Gotteslästerer“.1

Erst 1965 entfernte der Vatikan den größten Teil dieses Giftes mit der Erklärung Nostra Aetate aus der katholischen Lehre. Experten zur Zeit des Lebens Jesu wie das Mitglied der königlich-niederländische Akademie Pieter van der Horst sagt, dass die Juden in der Zeit der Römer keinerlei Macht hatten irgendjemanden zu töten: „Alles, was wir aus anderen Quellen wissen, sagt uns, dass Pilatus durch und durch skrupellos und unbarmherzig war. Die Vorstellung, er würde einen Menschen vor der Todesstrafe retten, weil er ihn für unschuldig hält, ist nicht historisch und fast lächerlich.“2

Die falsche Beschuldigung hält sich aber bis heute. Eine Studie der Anti-Defamation League aus dem Jahr 2012 stellte fest, dass mindestens 60 Millionen – von 400 Millionen – erwachsenen Bürgern der Europäischen Union voll oder teilweise der Äußerung zustimmten, dass die Juden Jesus töteten. In Polen betrug der Anteil 46% und in Ungarn 38%.

Die falsche Beschuldigung des Gottesmordes bedeutete, dass Juden für viele Christen das „absolut Böse“ repräsentierten. Die Nazis und viele ihrer Verbündeten fügten eine weitere Beschuldigung des „absolut Bösen“ hinzu, das dem Europa des zwanzigsten Jahrhunderts besser angepasst war: „Juden sind Untermenschen.“ Der größte „Erfolg“ der extremen Diffamierung war das Abschlachten von sechs Millionen Juden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich ein neues Konzept des „absolut Bösen“: Völkermord zu begehen oder sich wie die Nazis zu verhalten. Letztes Jahr präsentierte ich in meinem Buch Demonizing Israel and the Jews ein paar einfache Berechnungen. Sie zeigen, dass mindestens 150 Millionen Menschen in der Europäischen Union glauben, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt oder alternativ sich ihnen gegenüber verhält wie die Nazis den Juden gegenüber. Ein Journalist erklärte mir, dass europäische Medien diese „ihre Leser vor den Kopf stoßenden“ Zahlenbefunde nicht veröffentlichen wollten. Mit anderen Worten ausgedrückt: Nach dem Zweiten Weltkrieg sagten viele vom Holocaust: „Wir haben es nicht gewusst.“ Die derzeit vorherrschende europäische Haltung des Ignorierens des weit verbreiteten Hasses auf Israel könnte übersetzt werden als: „Wir wollen es nicht wissen.“

Eine wichtige Studie der Fundamental Rights Agency aus dem Jahr 2013 zeigt, dass infolge des zunehmenden Antisemitismus in Europa beträchtliche Anteile der Juden in der Öffentlichkeit regelmäßig oder immer ihre Identität verbergen. In Schweden und Frankreich tut die Mehrheit der Juden das. Das Leben der europäischen Juden als Kollektiv ist nicht in Gefahr. Es bleibt höchst unwahrscheinlich, dass es in der vorhersehbaren Zukunft einen zweiten europäischen Holocaust an den Juden geben wird, da es in der Gesamtgesellschaft viel zu viel Widerstand dagegen gibt.

Denselben Widerstand gibt es in großen Teilen der muslimischen Welt nicht. Ganz im Gegenteil: Die Zahl der ideologischen Unterstützer des mörderischen Jihad der Art Bin Ladens beträgt mindestens 150 Millionen.4 Öffentlich Völkermord Befürwortende wie der ehemalige iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad vermehren sich nicht nur im Iran der Ayatollahs, in der Hisbollah oder der Hamas (der Partei, die bei den einzigen allgemeinen Wahlen der Palästinenser die Mehrheit der Stimmen gewann). Ein weiteres Beispiel unter vielen gab es 2012, als der damalige ägyptische Präsident Mohammed Morsi mit „Amen“ antwortete, als ein Imam eine Bitte um Völkermord betete: „Oh Allah, vernichte die Juden und die sie unterstützen.“5

Eine iranische Atombombe ist nicht die einzige potenzielle Quelle für einen zweiten Holocaust. Man muss sich nur die extremen Gräueltaten ansehen, die fast tägliche von vielen Muslimen begangen werden – hauptsächlich an anderen Muslimen in Syrien und dem Irak. Sollten sie jemals an die Macht kommen, gibt es genügend Palästinenser – denen andere Jihadisten helfen werden – um dasselbe mit Israels jüdischer Bevölkerung zu tun. Die während der beiden Intifadas begangenen Gräueltaten sind nur ein Indikator dafür. Die Bürgerkriege des Libanon sein ein weiterer.

Um ein solches Szenario zu bekämpfen muss Israel weit mehr tun, als zu versuchen zu verhindern, dass der Iran eine Atombombe bekommt und die Palästinenser militärisch mächtiger werden. Es muss auch die Information über die Doppelzüngigkeit und Grausamkeit beträchtlicher Tele der muslimischen Bevölkerung an die westliche Welt weltweit verstärken.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

1 Joshua Trachtenberg: The Devil and the Jews. Cleveland (Meridian), 1961, S. 159.
2 Manfred Gerstenfelds Interview mit Pieter van der Horst: „The Origin of Christian Anti-Semitism”. In: Post-Holocaust and Anti-Semitism”, S. 81, 1. Juni 2009.
3 Attitudes Toward Jews In Ten European Countries. ADL – Anti-Defamation League, März 2012.
4 Juliana Menasce Horowitz: Declining Support for bin Laden and Suicide Bombing. Pew Research Center Pulications, 10. September 2009.
5 Morsi answers amen to imam’s prayer for destruction of Jews. JTA, 22. Oktober 2012.