Der König der Lügen herrscht über BDS

Steve Apfel, Israel National News, 18. September 2016

Selbst einige „eingetragene“ Zionisten haben ihren Wagen an den Boykott-Zug angehängt. Warum der Drang dem wehzutun, was du liebst? Für Zionisten bemerkenswert, könnte angefügt werden, kommt die Begeisterung ihrer Herzen nicht aus der Verteidigung Israels, sondern davon über den Staat Verdammung auszukippen, was sie mit einem Klumpen Schmerz und Hartnäckigkeit tun, die Fördergelder durch Stiftungen, Karrieremöglichkeiten und sogar eine Tür im Weißen Haus öffnet.

Gewöhnliche Verurteiler Israels geben sich damit zufrieden antizionistisch zu sein. Ohne das Mysterium ihrer jüdischen Landsleute können sie lästig sein. Wenn Antizionisten brüllen „Stoppt die Verfolgung der Palästinenser!“ oder „Apartheid Israel!“ oder „Beendet die Besatzung!“ oder „Stoppt den Völkermord!“, dann wird einem schwer ums Herz. Mantras lullen Leute in den Schlaf, die sie nicht hypnotisieren können. Formel-Schlagwörter und Banner zermürben die Geduld. Empörung ist kein Gefühl mit großer Macht an Ausdauer; die Öffentlichkeit vergisst, weshalb sie Rache haben sollte und gewöhnt sich daran. Selbst Hass, der so bitter ist und tief sitzt, wie der auf Israel, braucht Abkühlpausen, um die Wirksamkeit zu erhalten und zu verlängern. Doch der Vollzeit-Antizionist wird nicht nachlassen. Ein wenig von ihm wird viel bewirken können.

Doch tief in uralten Vorurteilen begraben finden sich menschliche Kuriositäten, die das Leben schreibt. Die von Israel besessene Menge, stellen wir fest, besteht aus besessenen Leuten, die auf merkwürdige Weise denken und entsprechend handeln. Sie schaffen Fakten und arbeiten daran sie zu verwirklichen. Sie sind bereit Menschen zu schaden, von denen sie vorgeben ihnen beizustehen. Sie spinnen Garn über ein Land, das viele auf einer Landkarte nicht zeigen können, verwenden ihre Zeit darauf es von der Landkarte zu schicken. Akademiker rangieren den Intellekt aus, während Anwälte das Recht aussetzen.

Ihre Muster-Leitlinie ist von Merkwürdigkeiten dieser Art überlagert. Die Boykott-Bewegung, sollten Sie das nicht wissen, hat eine solche.

„BDS ist eine globale Bewegung, die auf friedliche Weise daran arbeitet wirtschaftlichen und politischen Druck auf Israel auszuüben, damit es die erklärten Zielen der Bewegung befolgt, die lauten:

  1. Das Ende von (1) israelischer Besatzung; (b) Kolonisierung arabischen Landes; (c) Israels Sicherheitsmauer.
  2. Volle Gleichberechtigung für arabisch-palästinensische Bürger Israels.
  3. Respekt für das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge.

Bis diese Ziele erreicht werden, wird die Kampagne verschieden Formen gewaltfreier Strafmaßnahmen gegen Israel durchführen, bis es die Regeln des Völkerrechts befolgt.

Hier sind edle Gefühle zu loben. Hier finden sich Bedingungen und Ziele, die mit friedlichen Mitteln verfolgt werden. Hier ist Festlegung auf gewaltfreies Verhalten. Hier ist ernster Respekt für das Recht und ein reiner Wunsch danach, dass das Recht befolgt wird. Hier sind Strafen, die ein fehlgeleitetes Land in die richtige Richtung stupsen sollen. Was kann man daran nicht mögen? Die Fallen, die in diese Mutti-Apfelkuchen-Äußerung eingearbeitet wurden: Die kann man nicht mögen. Daher die Notwendigkeit für einen Rat, der sie offenbaren und entwaffnen wird.

Einer taucht in der Bedingung am Ende auf: „…bis [Israel] die Regeln des Völkerrechts befolgt.“ Mit diesem Satz beginnt der Zusammenbruch – und auch noch schnell. Antizionisten werden mitgerissen, nicht zu den fünf öffentlichen Zielen, sondern zu einem eingebetteten Endergebnis: dem Zusammenbruch und der Kapitulation Israels. Der BDS-Bienenstock könnte, bevor der dicke Tag kommt, sich selbst abwracken und ruinieren. Eine weitere Täuschung atemberaubender Chutzpe schützt die summende Mannschaft vor einem solchen Schicksal.

Aber fangen wir mit den fünf Forderungen an: Vier davon eiern auf Beinen aus Sperrholz, während die fünfte nicht aufstehen kann. Stellen Sie Kriege des Nahen Ostens, seine Gesetze und Geschichte auf den Kopf oder drehen Sie ihn auf links – Israel ist kein Kolonisator und sollte zufällig jemandes Land besetzt sein, dann dürften die arabischen Palästinenser die Besetzer sein. Und die Mauer, die eingerissen werden muss? Wenn die Sicherheitssperre irgendjemandes Recht verletzt, dann das Recht der menschlichen Verbitterung und Verschleppungstaktik. Was palästinensische Flüchtlinge und ihr Rückkehrrecht angeht (wenn verstreute Gruppen nach einem halben Jahrhundert des nicht assimilierten Lebens in Ländern mit ausreichenden Ressourcen zum Integration der Bruderschaft der Menschen noch so genannt werden können), nun, es gibt kein solches Recht weder im Recht noch in Verträgen noch unter moralischen Konventionen.

Die fünft Forderung – volle Gleichberechtigung für palästinensische Bürger Israels – ist nicht künstlich, aber überflüssig. Volle Gleichberechtigung haben sie bereits. Würden andere palästinensische Gruppierungen ihre rechte Hand für dieses Schicksal geben? Würden sie einfach? Denken Sie an die 3.500 Palästinenser, die im syrischen Konflikt festhängend getötet wurden. Denken Sie an die palästinensische Horde, die derzeit im Lager Yarmuk bei Damaskus belagert werden und aufgrund von Entbehrungen sterben. Denken Sie an Palästinenser, die im Gazastreifen oder auch der Westbank unter korrupten und unterdrückerischen Oberherren darben. Gleichberechtigung! Im gesamten Nahen Osten schwelgen nur die palästinensischen Araber in Israel in den Rechten und Privilegien von Königsfamilien.

Damit ist jede arrogante Forderung in diesem Apfelkuchen ein übler Schwindel. All die aufgeblasenen Rechtschaffenen, die von Boykott besessen sind, brauchen nur hinzusehen und sie würde sehen. Vielleicht haben sie es ja getan. Vielleicht hatten sie Angst hinzusehen. Vielleicht wissen sie, dass ein Pinup-Antizionist bereits hingesehen hat und was er sah ihn wütend machte. Der Pinup Norman Finkelstein verschütte seinen Ingrimm, als er von Democracy Now interviewt wurde. „Die BDS-Bewegung“, sagte Herr Finkelstein unverblümt, „ ist ein verlogener Kult, geführt von unehrlichen Gurus, die clever als Menschenrechtsaktivisten posieren wollen, während ihr wahres Ziel die Vernichtung Israels ist.“

Es war eine größere Kultfigur nötig, um die wirklich heftige Chutzpe zu entkleiden, die fundamentale und fatale Täuschung. Wenn nicht das Pin-up, dann hatte das Gehirn des Antizionismus die Ehre, Noam Chomsky. Bevor er das tat, legte er ein erstes Prinzip des Boykotts fest. Weil er Menschen schädigt, in deren Namen ein Boykott verhängt wird, darf man ihn nicht verhängen, wenn die betroffenen Leute es nicht wollen. „Fordert im Fall Israels die Bevölkerung einen Boykott? Nun, offensichtlich nicht.“ Der große Linguist hatte unerlässliche Voraussetzung für den Boykott Israels ermittelt. Um ethisch vertretbar und gerecht zu sein, muss der Aufruf von der Basis der arabischen Palästinenser kommen, nicht von außen.

Ein Jahr nach der Festschreibung des großen Prinzips begann die BDS-Kampagne am 9. Juli 2005 – zufälligerweise – auf einen „Aufruf von innen“ zu antworten. Daraus wurde großes Aufheben gemacht. Ilan Pappe, ein Akademiker, das schon lange an vorderster Front der Kampagne zur Schädigung Israels steht, betonte ganz besonders Chomskys Insistieren auf dem Aufruf von innen. „BDS begann als Aufruf von innerhalb der besetzten Zivilgesellschaft, begrüßt von anderen Palästinensergruppen und umgesetzt in weltweites Handeln.“

Die Bedeutung dieser Behauptung kann nicht übertrieben werden. Um legitim zu sein, muss der Impuls zum Boykott Israels von innen heraus kommen. Weil die Palästinenser die volle Wucht tragen würden, musste es ihr Aufruf sein. Sie allein haben das Recht bei der internationalen Gemeinschaft für den Boykott Israels Lobbyarbeit zu leisten. Keine ehrenwerte Regierung, Menschenrechtsgruppe oder Aktivist könnte einen Boykott unterstützen, wenn der Anstoß von Blendern in der entwickelten Welt kommt. Niemand, am wenigsten all die im Behaglichen sitzenden Campus-Radikalen, sollten sich erdreisten den Palästinensern zu sagen, was gut für sie ist.

Wiederauftritt Ilan Pappe – inzwischen mit einem bequemen Lehrstuhl an der Exeter University in Großbritannien. Er lässt sich aus dem Elfenbeinturm zu einem Interview herab. Nach dem er für den Boykott warb, indem er proklamierte, die „besetzte Gesellschaft“ habe dazu aufgefordert, bettelt Pappe jetzt diese Gesellschaft zur Abwechslung mal etwas für sich selbst zu tun. Die Interviewerin ist recht aufgebracht.

„Nun, die Palästinenser haben BDS begonnen“, erinnert Ruba Salih Pappe.
„Ja“, sagt Pappe und zieht eine Grimasse. „Nicht wirklich, aber ja. Für die Geschichte, ja.“
„Das ist wichtig!“, schrie die entsetzte Interviewerin auf.

Pappe stimmt widerstrebend zu: „Das ist nicht wahr, aber es ist wichtig.“ An diesem unbehaglichem Punkt wechselt er das Thema. Mit den Worten David Colliers aus Beyond the great divide“: „Was Pape nahezulegen scheint ist, dass die Palästinenser nicht zum Boykott aufriefen, sondern dass wir ihnen sagten sie sollten zum Boykott aufrufen.“

Der Glaube an die gute und notwendige Lüge ist in das antizionistische Denksystem eingebettet. Pappe ist dem Glauben eine durchgerüttelte Karriere hindurch treu geblieben. „Ich habe weniger Interesse an dem, was passiert ist, als an dem, wie Menschen das betrachten, was passiert ist“, sagte Pappe 1999. „Meine Ideologie beeinflusst meine … Schriften. Der Kampf wird um Ideologie geführt, nicht um Fakten. Wer weiß, was die Fakten sind?“

Tatsächlich hat wusste König der Lüge nie etwas. In seiner Amtszeit an der Universität Haifa betreute er eine Abschlussarbeit über ein angebliches Massaker an 200 Arabern durch eine jüdische Einheit im Mai 1948. Nachdem die Veteranen dieser Einheit ihr Gerichtsverfahren vor einem Gericht in Tel Aviv gewannen, wurde der Student angewiesen sich dafür zu entschuldigen, dass er sie verleumdete. Und Pappe? Der Akademiker – Ehre, wen Ehre gebührt – baute nie eine Fassade auf. Ideologie herrscht, nicht Integrität. Er ließ sich nie von Fakten stören. Zionisten und ihr kolonialistisches Implantat sind hoffnungslos böse. Punkt.

Nachdem er die Geschichte des eines Massakers gefördert hatte, schlägt der König der Lüge weiter damit um sich. Für die Geschichtsschreibung sei es wichtig, dass die Menschen an das Monster Israel glauben und dass die „palästinensische Gesellschaft unter Besatzung“ BDS startete. Ohne diese ethische Untermauerung, das weiß Pappe, würde die Boykottmaschinerie hilflos abstürzen.

Ist jeder Boykotteur ein König der Lüge? Sind die Zionisten Juden? Dieser rätselhafte Haufen, der davon entzückt ist ihre Mitjuden zu boykottieren? Würden sie wissen, dass ein Mann, den sie wahrscheinlich verehren, die Decke von der großen Lüge gerissen hat? Noam Chomsky ging auf Democraticunderground.com heftig in die Offensive. „Die gegenwärtige BDS-Bewegung“, sagte Chomsky, „wird von einer Ein-Mann-NGO geführt, die fälschlich behauptet das palästinensische Volk zu repräsentieren“.

Die Quintessenz lautet, dass Antizionisten darüber hinwegsehen und täuschen. Sie stellen Forderungen, (a) von denen sie ein völkermörderisches Ergebnis erwarten, (b) bei der sie sich auf schäbige Täuschung verlassen, (c) die Fähigkeit der Palästinenser, dass sie wissen, was sie wollen, mit Verachtung behandeln und (d) den stabilen, freien Dynamo eines jüdischen Landes durch eine weitere Scharia-Diktatur zu ersetzen.

Bevor sie ein Land hatten, wurden die Juden gehasst. Sie wurden gehasst, als die Vereinten Nationen dafür stimmten ihnen Land zu geben, so winzig das auch war. Sie wurden gehasst, als sie der Teilung des Landes zustimmten. Sie wurden gehasst, als sie von sich aus für Frieden einem Austausch von noch mehr Land zustimmten, das sie zu einem ruinösen Preis gewonnen hatten. Heute werden Juden dafür gehasst, dass sie auf einzigartige Weise überleben und gedeihen. Für dieses Wunder könnten sie bizarrerweise nicht mit dem Segen Gottes verpflichtet sein, sondern de Fluch des Feindes.

Werden Fakten jemals antiisraelische Fiktion ersetzen?

Denis MacEoin, Gatestone Institute, 5. September 2014

Ich empfinde gerade etwas Scham Ire zu sein. Obwohl unsere Musik, unser Tanzes und Nobelpreise gewinnende Literatur uns geholfen haben im Ring der internationalen Kultur oberhalb unserer Liga zu spielen, ist unsere Politik nie Modell für irgendjemanden gewesen – und wird schlechter.

2011 z.B. erklärte Israels Außenminister, dass Irland zweifellos das israelfeindlichste Land der Europäischen Union geworfen war, das „alle Länder Europas zu einer radikalen und kompromisslosen Haltung drängt“.

Seltsamerweise hat Irland auch einen Ruf als Land, das relativ frei von Antisemitismus ist. Nach Angaben von John Gallen sind antijüdische Vorfälle in den USA zwei Drittel wahrscheinlicher als im Poblacht na hÉireann. Einer der Gründe dafür, dass es in Irland fast keine antisemitischen Vorfälle gibt, dass es in der Irischen Republik überhaupt sehr wenige Juden gibt: weniger als 2.000 (0,04% der Bevölkerung).

Diese Information gründet auf Daten des European Jewish Congress und des Stephen Roth Institute for the Studies of Contemporary Antisemitism and Racism an der Universität Tel Aviv; doch ich bleibe skeptisch.

Antiisraelische Rhetorik ist in Irland alltäglich und die Presse druckt regelmäßig Tiraden gegen den jüdischen Staat. Ein besonders ärgerliches Beispiel dafür ereignete sich, als der Irish Examiner, eine Zeitung mit langer Geschichte und einer behaupteten täglichen Leserschaft von 189.000 (bei einer Auflage von rund 37.000), veröffentlichte am 31. Juli das Op-Ed einer wenig bekannten Journalistin, Victoria White, der Ehefrau von Eamonn Ryan, dem Chef der Grünen Partei im irischen Parlament, dem Dáil.

Unter dem Titel We are washing our hands of the ethnic cleansing of Palestinians (Wir waschen unsere Hände von der ethnischen Säuberung der Palästinenser rein) war der Text eine kompromisslose Tirade, ein von Speichel befleckter Angriff auf Israel, in dem die üblichen Falschbehauptungen „ethnischer Säuberung“ während des israelischen Unabhängigkeitskriegs 1947/48 herausgeholt wurden.

Frau White scheint entweder über ein berüchtigtes und diskreditiertes Buch gestolpert zu sein oder es bekommen zu haben, das ein antiisraelischer israelischer „Historiker“ namens Ilan Pappé geschrieben hat. The Ethnic Cleansing of Palestine (2006) ist schon lange als Nicht-Geschichte gegeißelt worden, in der Fakten verzerrt, wichtige Informationen außer Acht gelassen und nur eine Seite der Geschichte erzählt wird. Es gibt hier nicht den Platz eine Rezension von Pappés Fiktion zu schreien, aber es handelt sich um die Sorte Buch wie die gleichermaßen diskreditierten, völlig verlogenen „Protokolle der Weisen von Zion“, an dem sich schwach gebildete pro-palästinensische Aktivisten ergötzen, ohne dass sie ihre Augen auf andere Geschichtswerke richten, die von weit besseren Historikern als Ilan Pappé geschrieben sind.

Es ist offensichtlich, dass White nichts davon gelesen hat. Sie zitiert nicht ein einziges Mal eine der wichtigen historischen Studien dieser entscheidenden Periode, z.B. Efraim Karshs durch intensive Forschung entstandenes Palestine Betrayed (2010) oder Benny Morris‘ auf Archivarbeit gründende Neubewertung 1948: The First Arab-Israeli War. White glaubt, sie kenne alle Antworten. Tut sie nicht.

Nun mag ein Op-Ed wie das von White in einer kleinen irischen Zeitung an sich ein Klacks sein, doch es ist wichtig zu kommentieren, wofür das steht. White könnte repräsentativ für die riesige Brut Antiisrael-Autoren, Journalisten und Schmierfinken sein, die ein verzerrtes Narrativ aus ein oder zwei Büchern und ein paar Flugblättern der Palästina-Solidaritätskampagne zusammenschustern, während sie fröhlich professionelle Historiker ausblenden, die mit Archivmaterial aus einem Berg an Quellen arbeiten.

Die Dämonisierung Israels durch falsche oder grob vereinfachende Bilder des Kampfs um Israels Unabhängigkeit ist direkt ins Herz der propalästinensischen Seele eingedrungen. Wie die meisten Amateure prüft White nie ihre Quellen nach oder führt eine Gegenprüfung durch. Sie ergreift Partei ohne jegliche Beherrschung der Fakten und macht aus dem palästinensischen Opfertum einen Fetisch, als sei das der Goldstandard, an dem alle moralischen Fragen gemessen werden müssen. Ihre Tirade verdient also eine rationale, historische Widerlegung.

Wo könnte man besser anfangen als am Beginn, in der fünften Zeile in ihrem Text, wo sie sagt: In Ilan Pappés Buch „las ich vom Feldzug zur ethnischen Säuberung der den Palästinensern gehörenden Stadt Haifa“. „Na klar“, dachte ich, „nicht Haifa.“ Sie hätte kein schlechteres Beispiel aussuchen können, ob sie nun Jahre lang studiert oder einfach eine Nadel in eine Karte gesteckt hätte.

Es gab in Haifa keine „ethnische Säuberung“. Was geschah wurde von arabischen, israelischen, britischen und sogar amerikanischen Beobachtern genau dokumentiert wurde und die Efraim Karsh in Palestine Betrayed als Quellen zitiert. Im Kapitel „Fleeing Haifa“ (Flucht aus Haifa) zeichnen sie ein Bild, das in vollkommenem Widerspruch zu Pappés Dichtung steht. White begreift hier offensichtlich den korrekten Kontext nicht, nämlich dass nach der UNO-Entscheidung das Mandat Palästina (zu der Zeit unter britischer Kontrolle) zu teilen die Juden bereitwillig ihren stark verkleinerten Teil des Gebiets akzeptierten. Die Araber machten das nicht und begannen stattdessen einen Bürgerkrieg. Als die Juden schließlich ihren Staat gründeten, als die Briten in die Heimat abzogen, drangen sieben Armeen aus verschiedenen arabischen Staaten nach Israel ein und provozierten einen Krieg, der bis zur Unterzeichnung einer Waffenstillstandsvereinbarung am 20. Juli 1949 dauerte und einem erstaunlichen israelischen Sieg und viel Leid folgte und der für die Araber, die sich aufmachten die Juden in einem Religionskrieg auszulöschen immer noch weiter geht.[1]

Damals war Haifa die zweitgrößte Stadt im Mandatsgebiet und ein Schlüsselhafen. Sie war fast zu gleichen Geilen von Juden und Arabern bewohnt, deren Beziehungen zumeist freundlich waren. Nach dem Krieg entstand ein arabischer Mythos zu Haifa und beherrschte die Wahrnehmung der Welt von der „Vertreibung“ der Araber aus der Stadt. Wir haben inzwischen jedoch verlässliche Dokumente, die die Geschichte anders erzählen.

Wir wissen heute, dass die Araber schon vor dem Teilungsplan von 1947 begannen aus Haifa zu fliehen, als reiche Araber im Wissen, dass Krieg unausweichlich war – da sie ihn anzufangen planten – an Orte zu zeihen begannen, die sie als sicher ansahen. Im Oktober 1947 legte ein britisches Geheimdienst-Briefing: „Führende arabische Persönlichkeiten handeln unter der Annahme, dass Störungen bevorstehen und haben bereits ihre Familien in die benachbarten arabischen Länder evakuiert.“[2]

Bis November flohen mehr, obwohl keine Juden sie bedroht hatten. Die Dinge verschlechterten sich bis Dezember des Jahres, als 15.000 bis 20.000 Araber von einer Bevölkerung von fast 71.000 bereits geflohen waren.

Zu dieser Zeit warne syrische, libanesische und irakische Freiwillige nach Haifa gekommen; ihr Ziel war es die Juden zu vertreiben. Es gab allgemeines Durcheinander und wachsende Angst – eine Angst, die von der Panik verbreitenden Propaganda der arabischen Radios und Presse enorm verstärkt wurde. Im Januar begann das Nationalkomitee – Haifas führende arabische Vereinigung – die Massenflucht zu empfehlen. Dem ließen sie im März den Befehl folgen, Frauen und Kinder aus der Stadt zu bringen. Anfang April war die Bevölkerung auf die Hälfte ihrer ursprünglichen Zahl gesunken.

Am 21./22. April waren die Truppen der Hagana gezwungen eine Schlacht gegen bewaffnete arabische Irreguläre zu führe. Der jüdische Zonen-Kommandeur gab eine Garantie aus, dass Araber, die sich entschieden zu bleiben, Gleichheit und Frieden genießen würden. Der jüdische Bürgermeister der Stadt, der betagte Shabtai Levy, bettelte die arabische Führung an seine arabischen Bürger bleiben zu lassen, doch sie wiesen ihn ab. Dieselben arabischen Führer wurden aufgefordert eine extrem faire Waffenruhe zu unterschreiben, aber sie antworteten mit der Erklärung: „Wir werden nicht unterschreiben. Es ist bereits alles verloren und es spielt keine Rolle, ob alle getötet werden, solange wir das Schriftstück nicht unterzeichnen.“ Innerhalb weniger Tage verblieben nur 3.000 Araber in der Stadt.

Am 27. April verteilten die jüdischen Streitkräfte ein Flugblatt, das die fliehenden Araber drängte zurückzukehren. „In der Stadt herrschen uneingeschränkt Frieden und Ordnung und jeder Einwohner kann zu seinem freien Leben zurückkehren und seine normale Arbeit in Frieden und Sicherheit wieder aufnehmen.“[13] Es gab diesbezüglich Radiosendungen, in denen den Arabern Zusicherungen gegeben wurden. Das war, nachdem die Hagana die Stadt besetzt hatte. Das Verhalten der Hagana war genau das Gegenteil einer „ethnischen Säuberung“. Als die Ordnung erst einmal wiederhergestellt war, wurden Araber in Schlüsselpositionen ernannt und ein Teil des Nachschubs, der ursprünglich für die jüdischen Einwohner vorgesehen war, wurde großzügig den Arabern gegeben.

Ist das zionistische Propaganda? Nun, die Dokumente sind vorhanden und der amerikanische Vizekonsul Aubrey Lipincott erklärte damals zusammen mit britischen Offizieren und dem britischen Hochkommissar Sir Alan Cunningham, dass die Araber zur Flucht ermutigt wurden, während die Juden alles in ihrer Macht stehende unternahmen das zu verhindern. Am 25. April kabelte Lippincott nach Washington: „Die Juden hoffen, Armut wird [die] Arbeiter veranlassen nach Haifa zurückzukehren, da was viele bereits tun, trotz arabischer Versuche sie zu überzeugen wegzubleiben.“[4] Am folgenden Tag vermerkte der britisch Distrikt-Inspektor: „Von den Juden wird alles unternommen, um die arabische Bevölkerung zu überzeugen zu bleiben und ihr normales Leben weiterzuführen, ihre Geschäfte und Läden zu öffnen und sicher sein zu können, dass ihr Leben und ihrer Interessen sicher sind.“

Am 28. April schickte der US-Konsul ein weiteres Telegramm: „Es wird berichtet, das der Hohe Arabische Rat allen Arabern befiehlt [die Stadt zu] verlassen.“ Am selben Tag berichtete Cunningham: „Britische Behörden in Haifa haben den Eindruck bekommen, dass die totale Evakuierung den Haifa-Arabern von höheren arabischen Stellen aufgedrängt wird und die Stadtbewohner selbst dagegen sind.“[5]

Karsh fasst die Situation am Ende eines eigenen Artikels zusammen: „In Haifa, einem der größten und dramatischsten Orte des palästinensischen Exodus, war nicht nur die Hälfte der arabischen Gemeinschaft aus der Stadt geflohen, bevor die letzte Schlacht geschlagen wurde, sondern weitere 5.000 bis 15.000 verließen sie offenbar freiwillig während der Kämpfe, während der Rest – rund 15.000 bis 25.000 – gegen ihren Willen durch Befehl oder Schikane zum Gehen veranlasst wurden, fast mit Gewissheit durch die Anweisungen des Hohen Arabischen Rats. Das Verbrechen war ausschließlich durch die Araber geschaffen. Es gab keinen großen jüdischen Plan diesen arabischen Weggang zu erzwingen, ebenso wenig gab es einen psychologischen ‚Blitzkrieg‘. Im Gegenteil: Sowohl die jüdische Führung von Haifa als auch die Hagana unternahmen alles, um die Araber zu Bleiben zu bewegen.

Was in Haifa geschah, spielte die breitere jüdische Haltung in Palästina. Alle Überlegungen der jüdischen Führung zum Übergang in die Eigenstaatlichkeit beruhten auf der Annahme, dass die Araber Palästinas im der aus der Beendigung des britischen Mandats entstehenden jüdischen Staat als gleichberechtigte Bürger verbleiben würden.“[6]

Vielleicht reicht das, um überzeugend zu zeigen, dass die wiederholte Behauptung der „ethnischen Säuberung“ 1947/48 eine klare Lüge ist. Zahllose weitere Dokumente und öffentlichen Archive erzählen dieselbe Geschichte. Es ist eine Sache der Geschichte und nicht von Spekulationen wenig sachkundiger Journalisten, die damit fröhlich um sich werfen.


Jewish fighters during the Battle of Haifa. (Image source: Wikimedia Commons)

Die Geschichte des nicht Vorhandenseins ethnischer Säuberung in Haifa ist nur ein Teil der viel breiteren Geschichte des Krieges als Ganzem, während dem arabische Führer und militärische Kommandeure den palästinensischen Arabern befahlen wegzugehen, um der Arabischen Befreiungsarmee, der Arabischen Liga und anderen arabischen Armeen zu erlauben durchzukommen, um so die Juden einfacher abzuschlachten. An anderen Orten flohen, wie in Haifa, arabische Einwohner, wurde aber nur in einem Fall vertrieben und das nach intensiven Kämpfen zwischen israelischen Truppen und eindringenden Auslandstruppen, die von örtlichen Einwohnern ergänzt waren. Das geschah in den verbundenen Städten Lydda (heute Lod) und Ramle, die im Juli 1948 von israelischen Truppen erobert wurden. „Das“, schreibt Karsh, „war der erste, in der Tat der einzige Fall im Krieg, bei dem eine beträchtliche Stadtbevölkerung von jüdischen oder israelischen Kräften vertrieben wurde.“[7]

An allen Orte, wo arabische Einwohner es ablehnten gegen israelische Kräfte zu kämpfen, blieb jeder vor Ort und fasste nach dem Krieg als respektierter arabischer Bürger Israels Fuß. Es gab keine ethnische Säuberung und keine Vertreibung aus Shafa Amr, Bu’eina, Uzayr, Ilut, Kafr Kanna, Kafr Manda, Rummana, ‘Ayn Mahil, Tur’an, Iksal, Dabburiyya, Reina, Sakhnin, Hurfaysh, Fasuta, Dayr Asad, Dayr Hanna, Sajur, Rama, Nahf, Jish, Majd Kurum. Und selbst Siedlungen, in denen es schwerer Kämpfe gegeben hatte, wurden intakt gelassen. Heute strömen Israelis und Touristen wegen der arabischen Restaurants dort nach Abu Ghosch, die weiter von israelischen Arabern betrieben werden, die seit Jahrhunderten Besuchern bei Jerusalem willkommene Gastfreundschaft bieten.

Als im Juni israelische Truppen Nazareth eroberten, wurde strenge Befehle gegeben, dass keine heiligen Stätten auch nur im Geringsten entweiht werden durften. David Ben-Gurion, Israels erster Premierminister, gab einen noch unverblümteren Befehl: „Aus Nazareth wird niemand entfernt.“[8]

Lassen wir Benny Morris das letzte Wort haben: „Weder Ben-Gurion noch die zionistische Bewegung ‚planten‘ die Vertreibung der etwas mehr als 700.000 Araber, die 1948 aus ihren Häusern auszogen oder entfernt wurden. Es gab keinen solchen Plan oder umfassende Politik. Umsiedlung wurde von der zionistischen Bewegung niemals als Teil ihres Programms übernommen; im Gegenteil: die Bewegung akzeptierte immer, dass der entstehende jüdische Staat eine beträchtliche arabische Minderheit haben würde.“[9]

Victoria White stützt wie so viele Israel-Hasser wilde Behauptungen auf falsche Informationen. Sie verweist auf Vorfälle israelischer Massaker in Deir Yassin und Sasa. Es gibt keine Zweifel, dass israelische Kräfte sich in beiden Vorfällen schlimm verhielten, aber das geschah in Kriegszeiten und angesichts erbitterter Kämpfe seitens der Araber. Die Geschichte eines großen Massakers in Deir Yassin wurde von arabischen Propagandisten völlig unverhältnismäßig aufgeblasen. Zwischen 100 und 120 Dorfbewohner starben (viele, vielleicht die meisten von ihnen Kombattanten). Diese Zahlen wurden sofort von fest jedem auf 254 aufgebläht. Vor den dortigen Kämpfen war den Etzel- und Lehi-Truppen ausdrücklich befohlen worden keine Frauen, Kinder oder Kriegsgefangene zu töten.[10]

In Sasa starben nur 60. White erwähnt außerdem ein Massaker an 230 Arabern in Tantura. Die einzige Quelle dafür ist ihr alter Freund Ilan Pappé. Fakt ist, dass knapp über 70 Dorfbewohner getötet wurden, nicht in einem „Massaker“, sondern als sie israelischen Truppen in einem uneingeschränkten Krieg um das Überleben ihres Landes heftigen Widerstand leisteten.

Die Wahrheit ist: Angebliche israelische „Kriegsverbrechen“ von 1948 verblassen im Vergleich mit alliierten Verbrechen und Massakern während des Zweiten Weltkriegs, wozu viele Tötungen deutscher und italienischer Kriegsgefangener gehörten. Solche Verbrechen, so abscheulich sie auch sind, waren ein direktes Ergebnis der Bekämpfung eines Feindes, dessen jede Tat ein Verbrechen war. In diesen Kontext gesetzt verliert die Zahl von israelischen Soldaten begangener Exzesse und die winzige Zahl an Vergewaltigungen – rund ein Dutzend sind verzeichnet – nicht ihre moralische Kritik, gewinnen aber einen sehr anderen Kontext. Schlimmer ist, dass White fröhlich den Wiederverkauf von Geschichten israelischen Fehlverhaltens betreibt, aber völlig jeglichen Verweis auf kaltblütig von arabischen Soldaten begangene Massaker meidet: Die Kämpfe vom 12. bis 15. Mai im Etzion-Block, wo jüdische Verteidiger sich ergaben und 240 Männer und Frauen abgeschlachtet wurden; das Massaker in Hebron 1929, wo 67 Juden ermordet wurden; oder der berüchtigte Überfall auf einen Konvoi mit Dozenten, Studenten, Krankenschwestern und Ärzten, der zum Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem fuhr und bei dem 78 Juden ermordet, die meisten davon lebendig geröstet wurden. Nicht der Erwähnung wert? Was das kein Kriegsverbrechen? Habe ich das Gefühl, dass durch das Fehlen von Ausgewogenheit bei Pappé und White nur Juden Furchtbares begehen, selbst wenn sie das nicht tun?

Antiisraelische Propaganda ist von Anfang an von Lügen, Verdrehungen und massivem Umschreiben der Geschichte getrieben gewesen. Die Schuld an allem wird auf die Juden gehäuft, während die Verbrechen der Araber, einschließlich derer der Palästinenser, für Freispruch sorgen. Israel war und ist ein legal gegründeter Staat und der Krieg von 1947/48 wurde von Arabern als Jihad in dem Versuch initiiert, getragen und ausgekämpft so viele Juden wie möglich zu töten, zwei Jahre nach dem Ende des Holocaust.

Die Vorwürfe an Israel – genauso wie die heute zu Gaza erhobenen – müssen einer nach dem anderen durch überlegten Gebrauch genauer historischer Fakten, eine Betonung der Moral des Überlebenskampfs Israels, eine gleiche Betonung der Unmoral derer, die anstreben die winzige Nation auszulöschen und eine standhafte Widerlegung der von den Ignoranten und Gutgläubigen vorgebrachten Anschuldigungen entkräftet werden.

[1] Zum religiösen Charakter des Krieges von 1948/49 s. Morris: 1948, S. 393-394 und im Index unter „Jihad“. S. auch: Benny Morris: The 1948 War Was an Islamic Holy War. Middle East Quarterly, Sommer 2010, S. 63-69.
[2] 6. Luftlande-Division: Weekly Intelligence Summary No. 61, basierend auf am 23. Oktober 1947 erhaltenen Informationen. WO 275/120, S. 3; Fortnightly Intelligence Newsletter No. 54, ausgegeben vom Hauptquartier der britischen Truppen in Palästina, 8. Nov. 1947, WO 275/64, S. 2. Zitiert wird Karsh: Palestine Betrayed, S. 124.
[3] Zitiert wird Karsh: Palestine, S. 138.
[4] ebenda, S. 139.
[5] ebenda, S. 141-142.
[6] Efraim Karsh: Were the Palestinians expelled? Commentary Magazin, 1. Juli 2000.
[7] zitiert wird Karsh: Palestine, S. 216.
[8] Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited. Cambridge 2004, S. 419-420.
[9] Morris, unveröffentlichter Brief an den Independent, wiedergegeben in: Tom Gross: Benny Morris responds to ‘numerous historical errors’ in The Independent. Mideast Dipatch Archive, 6. Dez. 2006.
[10] Morris: 1948, S. 126-27.

Der Lügner als Held

Benny Morris, The New Republic, 17. März 2011

The Rise and Fall of a Palestinian Dynasty: The Husaynis, 1700-1948
By Ilan Pappe (University of California Press, 399 pp., $29.95)

Out of the Frame: The Struggle for Academic Freedom in Israel
By Ilan Pappe (Pluto Press, 246 pp., $22)

The Ethnic Cleansing of Palestine
By Ilan Pappe (Oneworld, 313 pp., $14.95)

I.

Im besten Fall muss Ilan Pappe einer der schlampigsten Historiker der Welt sein; im schlimmsten Fall einer der unehrenhaftesten. In Wahrheit steht ihm wohl ein Platz irgendwo dazwischen zu.

Hier ein klares und typisches Beispiel – der Teufel sitzt bekanntlich im Detail – der Arbeit Pappes. Ich entnehme dieses Beispiel aus The Ethnic Cleansing of Palestine (Die ethnische Säuberung Palästinas). Am 2. Februar 1948 kam ein junger jüdischer Wissenschaftler namens Aharon Katzir zu David Ben Gurion, dem Vorsitzenden der Exekutive der Jewish Agency und Leiter der jüdischen Gemeinschaft in Palästina. Zwei Monate zuvor hatte die Vollversammlung der Vereinten Nationen die Teilung des Landes in zwei Staaten empfohlen. Das zionistische Establishment hatte die Resolution 181 akzeptiert, doch die palästinensisch-arabische Führung und die umliegenden arabischen Staaten hatten sie abgelehnt – und palästinensische Milizionäre begannen auf jüdische Verkehrsteilnehmer, Fußgänger und Siedlungen zu schießen. Der erste arabisch-israelische Krieg hatte begonnen.

Katzir war gekommen, um dem Mann, der die jüdischen Kampfanstrengungen managte (Ben-Gurion hatte in der Exekutive der Jewish Agency auch das Verteidigungsportfolio inne), von einem Experiment zu berichten, das er und sein Team im „wissenschaftlichen Zweig“ der Haganah durchgeführt hatten. Wie für ihn üblich, hatte Ben-Gurion in seinem Tagebuch festgehalten, was sein Besucher ihm mitteilte. (Ben-Gurions Tagebuch ist eine wichtige Quelle zur Geschichte Israels und des Nahen Ostens; es besteht fast ausschließlich aus seinen Zusammenfassungen der Berichte der Leute, die ihn besuchen kamen. Sehr wenige Einträge klären den Leser tatsächlich darüber auf, was Ben-Gurion dachte oder sagte.) Der volle Eintrag:

Aharon: „Shimshon“ [der Codename des Unternehmens], wurde an Tieren durchgeführt. Die Forscher waren mit Gasmasken und entsprechendem Anzug gekleidet. Der Anzug kostet 20 Grush, die Maske etwa 20 Grush (alles muss sofort gekauft werden). Die Operation [oder das Experiment] verlief gut. Kein Tier starb, die [Tiere] blieben 24 Stunden lang verwirrt [wie die Scheinwerfer eines Autos einen entgegen kommenden Fahrer blenden]. Es gibt rund 50kg [von dem Gas]. Sie wurden nach Tel Aviv gebracht. Die Ausrüstung [für  die Produktion] wird hierher gebracht. Auf Laborlevel können täglich 20 Kilo hergestellt werden.

Das ist die einzige zugängliche Quelle, die meinem besten Wissen nach zu dem Treffen und dem Gas-Experiment existiert; und es ist die einzige von Pappe in seiner Beschreibung des Treffens und des „Shimson“-Projekts genutzte Quelle. Doch Pappe gibt sie übersetzt so wieder:

Katzir berichtete Ben-Gurion: „Wir experimentieren mit Tieren. Unserer Forscher trugen Gasmasken und entsprechende Kleidung. Gute Ergebnisse. Die Tiere starben nicht (sie wurden einfach blind gemacht). Wir können davon 20 Kilo täglich produzieren.“

Die Übersetzung ist mit Ungenauigkeiten durchsetzt, doch die empörend ist Pappes Perversion von „verwirrt/geblendet“, sunveru – auf Hebräisch wäre „blind machen“ uvru, das von Ben Gurion NICHT benutzte Verb – in Verbindung mit der gewollten Auslassung der Einschränkung „24 Stunden lang“. Pappes Version dieses Textes wird von etwas anderem als linguistischer oder historischer Akkuratesse getrieben. Der Abschnitt wurde auf Englisch für die Englisch sprechende Welt veröffentlicht, wo es Tier-Liebhaber zuhauf gibt und die gezielte Blendung von Tieren als barbarische Tat betrachtet wird; so, wie Pappe ihn veröffentlichte, konnte nichts dabei schief gehen eine starke Antipathie gegen Ben-Gurion und gegen Israel.

Solche Verdrehungen, große wie kleine, sind für fast jede Seite von The Ethnic Cleansing of Palestine charakteristisch. Ich sollte daher hinzufügen, um den historischen Kontext absolut klarzustellen, dass im Krieg von 1948 von keinem der Teilnehmer jemals Gas verwendet wurde. Doch der Absatz wird in der Vorstellung des Lesers als dunkle Möglichkeit  oder schlimmer, als dunkle Realität hängen bleiben: Die Juden, von den Nazis drei Jahre vorher vergast, waren kurz davor Aber zu vergasen oder vergasten sie. Um der Genauigkeit willen merke ich noch an, dass abgesehen von der Schlacht um Gaza 1917 im Ersten Weltkrieg die einzigen, die ihre Feinde im vergangenen Jahrhundert vergast haben, Araber gewesen sind – die Ägypter in den 1960-ern im Jemen, die Iraker in den 1980-ern in Kurdistan. Es kann also nur die Schlussfolgerung gezogen werden, dass Pappe das Thema aus einem einzigen Grund aufbrachte und in dem Text pervertierte: um das Bild Israels und seiner Führung 1948 zu besudeln. Das gehört auch zu den Zielen von The Rise and Fall of a Palestinian Dynasty und Out of the Frame.

II.
Palestinian Dynasty war eine gute Idee. Es versucht die Entwicklung zu beschreiben und die Aktivitäten einer der führenden namhaften Palästinenserfamilien, der Husseinis aus Jerusalem, von ihrem Aufstieg im 18. Jahrhundert zu örtlicher und dann „nationaler“ Bedeutung bis zu ihrem Sturz aus Gunst und Macht 1947/48 zu beschreiben. Die Husseinis waren über Generationen hinweg religiöse Führer und Bürgermeister der heiligen Stadt; sie hatten auch noch andere Posten inne, darunter die Vertretung des Gebiets im ottomanischen Parlament. Der berühmteste Husseini war Mohammed Hadsch Amin al-Husseini, ab 1921 der Großmufti von Jerusalem und der Führer des Arabischen Hohen Rates (Arab Higher Committee, AHC), dem politischen ausführenden Organ der Palästinenser und damit der palästinensisch-arabischen Nationalbewegung während der entscheidenden Jahre von 1936 bis 1948. Danach erreichte nur noch eine Mitglied des Clans, Faysal, der Sohn von Abd al-Qadir al-Husseini, echte Berühmtheit und eine gewisse Macht als Chef für Jerusalem-Fragen der PLO in den 1990-er Jahren. Pappe nennt Faysal „den berühmtesten Palästinenser am Ende des 20. Jahrhunderts“. Ich dachte immer, das sei Yassir Arafat.

Pappe nutzt die Husseini-Geschichte als Mittel zu Beschreibung der Geschichte der Palästinenser während dieser zweieinhalb Jahrhunderte, die die ottomanische und britische Herrschaft sowie den Zusammenstoß mit dem Zionismus umspannt; er endet mit dem ersten arabisch-israelischen Krieg, der Gründung des Staates Israel und dem Zusammenbruch der palästinensischen Gesellschaft und Politik. Das Buch behandelt die chronologisch aufeinander folgenden Zeitabschnitte proportional unverhältnismäßig: Die Seiten 23 bis 91 decken die ottomanischen Jahre von 1700 bis 1875 ab, also fast zwei Jahrhunderte; und die Seiten 92 bis 342 schildern die 72 Jahre der schwindenden ottomanischen Herrschaft sowie der britischen und „zionistischen“ Jahre von 1876 bis 1948. Fakt ist, dass es weit mehr Quellmaterial für die späteren Jahre gibt und einen relativen Mangel an Material für den früheren Zeitraum. Doch Pappes wahres Interesse liegt in der Politik, besonders der antibritischen/antiimperialistischen Politik und der antizionistischen Politik und nicht in der weit zurückliegenden Geschichte der ottomanischen Zeit.

Die Unverhältnismäßigkeit reflektiert auch Pappes Wert als Historiker. Lassen Sie mich erklären: Um die Geschichte Palästinas – eines geografisch kleinen Gebiets irgendwo im Abseits des ottomanischen Herrschaftsbereich – und der Aktivitäten seiner Aristokratie und ihrer Interaktion mit den Autoritäten des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts zu beschreiben, müsste man viele Monate in den ottomanischen Archiven in Istanbul verbringenDort müssen man Berichte und Korrespondenzen von und über die relevanten vilayets (Provinzen) orten und genau studieren – Syrien/Damaskus und Beirut – und dazu die relevanten sanjaks und mutasarafliks (Distrikte), Jerusalem, Nablus und Akko; und das zusätzlich zu den Überlegungen und Entscheidungsfindungen der Zentralregierung zu Jerusalem und seiner Umgebung. Pappe, dem Türkischkenntnisse fehlen, hat kein einziges ottomanisches Archiv zurate gezogen. Es gibt in seinen Anmerkungen nicht einen einzigen Verweis auf ein ottomanisches Archiv oder irgendeine türkische Quelle.

Eine weitere Quelle geschichtlicher Forschung – insbesondere der sozialen und Wirtschaftsgeschichte – für das ottomanische Palästina sind die Archive der lokalen Sharia-Gerichte in Jaffa und Jerusalem. Diese Archive hat Pappe, wenn man nach den Anmerkungen geht, wenn überhaupt, nur kurz hineingesehen, so als wenn man ein Kreuzchen auf einer Liste macht. In einer Anmerkung dankt er Dr. Mahmud Yazbak von der Universität Haifa, „der mich bei der Arbeit an diesen Dokumenten im Haram [dem Tempelberg in Jerusalem] anleitete“. Geht man nach den Anmerkungen, dann wurde Pappe aus irgendeinem Grund davon abgeschreckt Zeit in diesen Sammlungen zu verbringen.

In der Tat führen fast alle Verweise Pappes den Leser auf Bücher und Artikel anderer Forscher in englischer, hebräischer und arabischer Sprache oder auf die Erinnerungen verschiedener arabischer Politiker, die nicht zu den allerverlässlichsten Quellen gehören. Gelegentlich gibt es einen Verweis an arabische oder westliche Reiseberichte oder Genealogien oder die Erinnerungen eines Diplomaten; doch es gibt kaum einen Hinweis auf Dokumente in den relevanten britischen, amerikanischen und zionistischen/israelischen Archiven. Wenn er auf die Inhalte amerikanischer Konsularberichte über die arabischen in den 1920-er Jahren zum Beispiel, verweist Pappe den Leser ausnahmslos auf Artikel von Gideon Biger in hebräischer Sprache – „The American Consulate in Jerusalem and the Events of 1920-1921“, in: Cathedra, September 1988 – und nicht auf die Dokumente selbst, die leicht zugänglich im United States National Archive liegen.

Wer Geschichte fälscht, wählt regelmäßig den Weg der Auslassungen. Er ignoriert entscheidende Fakten und wichtiges Beweismaterial, während er aus den Dokumenten die Rosinen herauspickt, um etwas zu beweisen. Eine geeignete Illustration dieser Verfehlungen ist Efram Karsh in Palestine Betrayed. An einer Stelle sagt er uns und zitiert  dazu einen Artikel aus der Palestine Post, die palästinensisch-arabischen Massen hätten die Teilungsresolution der UNO vom November 1947 in Wirklichkeit willkommen geheißen – diese schlug die Gründung eines jüdischen Staates an der Seite eines palästinensisch-arabischen Staates vor – wenn tausend andere Beweisstücke – die Geheimdienstberichte der Haganah, Zeitungen, beobachtete arabische Radiosendungen und die schlichte Tatsache, dass die palästinensischen Araber Krieg begannen, um diese Resolution mattzusetzen – uns mit überwältigender Überzeugungskraft das genaue Gegenteil sagen.

Doch Pappe ist weit dreister. Auch er lässt oft wichtige Belege aus oder ignoriert sie; und auch er behauptet, dass eine Quelle uns das Gegenteil dessen erzählt, was sie tatsächlich sagt, aber er vereinfacht und fälscht auch geradeheraus Belege. Man betrachte seine Handhabung der arabischen antiisraelischen Krawalle der 1920-er Jahre. Pappe schreibt über die „Nabi Musa“-Krawallen im April 1920: „Die [britische] Palin-Kommission … berichtete, dass die jüdische Anwesenheit im Land die arabische Bevölkerung provoziert und die Krawalle verursacht.“ Er zitiert außerdem ausführlich Musa Kazima al-Husseini, den damals führenden Honoratioren des Clans, damit, dass „es nicht die [arabischen] Hebroniten waren, die die Krawalle begannen, sondern die Juden“. Doch der (niemals veröffentlichte) „Report of the Court of Inquiry [Bericht des Untersuchungsgerichts – es war keine ‚Kommission‘], einberufen durch Befehl seiner Exzellenz, dem Hochkommissar und Oberkommandierenden mit Datum von 12. April 1920“, die zwar offen antizionistisch war und damit die vorherrschenden Ansichten der britischen Militärregierung genau widerspiegelte, die in Palästina bis Mitte der 1920-er Jahre herrschte, legte den Arabern rundheraus und auffallend die Verantwortung für das Blutvergießen zur Last. Das Team unter Leitung von Generalmajor P.C. Palin schrieb: „Es ist absolut klar, dass mit wenigen Ausnahmen die Juden die Leidenden waren und darüber hinaus die Opfer einer absonderlich brutalen und feigen Attacke waren, in der Mehrzahl alte Männer, Frauen und Kinder.“ Die Untersuchung stellte heraus, dass 216 Juden getötet oder verletzt wurden, die britischen Sicherheitskräfte und die Juden aber in ihrer Selbstverteidigung oder bei Gegenschlägen nur einundzwanzig Opfer bei den Arabern verursachten.

Das Fazit des Palin-Berichts vom 1. Juli 1920 war: Die Araber fürchteten „nicht ganz“ zu Unrecht die jüdische Einwanderung und mögliche politische wie wirtschaftliche Dominanz und dass die Zionisten gelegentlich „taktlos“ und politisch aggressiv gehandelt hatten. Gleichzeitig, fuhr der Bericht fort, hatten auch die Briten im Verlauf ihrer „Nichterfüllung“ von Versprechen zur arabischen „Entfremdung und Erbitterung“ beigetragen, ebenso die gezielte Aufhetzung durch verschiedene arabische Führer und Journalisten. Zusammengenommen waren diese die Quellen arabischer „Panik“ und Wut. Doch es waren die Araber – schloss der Bericht – auf mörderische Gewalt zurückgriffen und die Juden auf „heimtückisch und feige“ angegriffen wurden. Das durch die Palin-Untersuchung gezeichnete Bild war, trotz seiner deutlich antizionistischen Einseitigkeit, weit komplizierter, nuancierter und ausgewogener als die von Pappe vermittelte „Geschichte“.

Über die „Tempelberg“-Krawalle von 1929, zu denen zwei umfangreiche Massaker an Juden in Hebron und in Safed gehören, schreibt Pappe: „Das Oppositionslager, die Zionisten und die  Briten, war nicht weniger unbarmherzig [als die Araber]. In Jaffa ermordete ein jüdischer Mob sieben Palästinenser.“ Es gab allerdings keine Massaker von Juden an Arabern, wenn auch eine Reihe Araber getötet wruden, als Juden sich verteidigten oder Gegenschläge gegen arabische Gewalt führten. Pappe fügt hinzu, dass die britische „Shaw-Kommission“ – so genannt, weil sie von Sir Walter Shaw (einem ehemaligen obersten Richter der Straits Settlements) ihr vorstand, die die Krawalle untersuchten, „hielten die arabische Grundbehauptung aufrecht, dass Provokationen der Juden den Ausbruch der Gewalt verursacht hatten. ‚Der Grundursache … waren zwölf Jahre prozionistischer [britischer] Politik.“

Es ist unklar, woher Pappe zitiert. Ich fand diesen Satz in dem Bericht der Kommission nicht. Pappes Bibliografie verweist, unter den „Primärquellen“ einfach auf „Die Shaw-Kommission.“ Der Bericht? Die Beratungen? Wer kann das sagen? Die dem Zitat angehängte Fußnot, von der man annimmt, dass sie die Quelle angibt, erklärt schlicht: „Ibid.“ (ebenda). Die vorherige heißt: „Ibid, p. 103“ (ebenda, S, 103). Die davor lautet: „Die Shaw-Kommission, Sitzung 46, S. 92.“ Doch die zitierte Passage erscheint auf Seite 103 des Berichts nicht. Im Text von Palestinian Dynasty erklärte Pappe: „Shaw schrieb [dies] nachdem er das Land [Palästina] verließ.“ Wenn es aber nicht in dem Bericht steht, wo „schrieb“ Shaw es?

Tatsächlich geht die Stoßrichtung des „Report of the Commission on the Palestinian Disturbances of August 1929“, der 1930 erschien, steht in komplettem Gegensatz zu dem, was Pappe behauptet (auch wenn er einige nicht tödliche jüdische Provokationen auflistet – friedliche Demonstrationen, ein Zeitungsartikel – die zu den unmittelbaren Auslösern des Ausbruchs der arabischen Gewalt gehörten). Im Bericht heißt es: „Die grundlegende Ursache, ohne die nach unserer Meinung die Unruhen entweder nicht aufgetreten oder wenig mehr als ein lokaler Krawall gewesen wären, ist das arabische Gefühl der Animosität und Feindseligkeit gegenüber den Juden, Folge der Enttäuschung ihrer Politik und nationalen Aspirationen und der Angst um ihre wirtschaftliche Zukunft.“ Was die Krawalle selbst angeht, heißt es in dem Bericht: „Der Ausbruch am 23. August  in Jerusalem [dem Beginn der Krawalle] war von Anbeginn ein Angriff von Arabern auf Juden, für die keine Entschuldigung in Form vorhergehender Morde durch Juden gefunden werden konnte.“ Die Unruhen „nahmen größtenteils die Form eines boshaften Angriffs von Arabern auf Juden  an, begleitet von willkürlicher Gewalt gegen jüdisches Eigentum… in einigen wenigen Fällen griffen Juden Araber an und zerstörten arabisches Eigentum. Diese Angriffe, so unentschuldbar sie sind, waren in den eisten Fällen Vergeltung für Unrecht, das von Arabern in dem Viertel bereits begangen wurde, in dem die jüdischen Angriffe erfolgten.“

Pappe behauptet wiederholt, um eine arabische Bereitschaft Konzilianz zu demonstrieren , dass die Palästinenserführung in der Zeit von 1920-1922, einschließlich Hadsch Amin, dem Zionismus gegenüber „mehrdeutig“ war und „zu Kompromiss bereit“. Das ist Unsinn.  Fakt ist, dass Hadsch Amin vor Gericht gestellt und in Abwesenheit von einem britischen Gericht wegen Beihilfe zur Aufhetzung zu den mörderischen Krawallen vom April 1920 verurteilt wurde.

Der bewussten „Färbung“ der Geschichte fügt Pappe die gründliche Ignorierung von Grundfakten hinzu. Gemeinsam machen diese Sünden und Mängel seine „Geschichten“ als Darstellung der Vergangenheit wertlos; allerdings sind sie als Dokumente der derzeitigen politischen und historiografischen Überlegungen zum arabisch-israelischen Konflikt wertvoll. Beispielsweise sind Pappes Kenntnisse der Fakten des Ersten Weltkriegs extrem schwach. Er schreibt: „Der ottomanische Eintritt in den Krieg wurde durch einen Vorfall im Schwarzen Meer im Dezember 1914 ausgelöst.“ Fakt ist, dass das Ottomanische Reich mit der Kriegserklärung Russlands gegen Konstantinopel am 1. November in den Ersten Weltkrieg eintrat, nach der Beschießung Sewastopols durch den türkischen Kreuzer „Yavuz Sultan Selim“ am 29. Oktober, der in Wirklichkeit der deutsche Kreuzer Goeben war, bemannt durch Fez tragende deutsche Seeleute. Pappe erzählt uns, dass Hadsch Amin als Offizier der ottomanischen 46. Division eingesetzt wurde und zuerst als „stellvertretender Divisionskommandant beim Gouverneur von Smyrna“ dienste; damit verrät er seine Ignoranz der relevanten ottomanischen Verwaltungs- und Militärstrukturen (ein Leutnant wurde nicht „stellvertretender Divisionskommandant“). Pappe bleibt dabei, dass Jamal Pashas Vierte Armee es im Ersten Weltkrieg „nicht geschafft hatte die Sinai-Halbinsel zu durchqueren“ – doch die Türken durchquerten die Halbinsel und kämpften vom 2.-4. Februar 1915 am Ufer des Suezkanals gegen die Briten; und bei ihrer zweiten Invasion Ägyptens im August 1916 erreichten sie Romani, kurz vor dem Kanal. Pappe behauptet, dass Allenby Eroberung Jerusalems im Dezember 1917 „den [britischen] Feldzug in der Levante beendete“, was natürlich nicht der Fall war: Allenby Armee marschierte 1918 weiter, um den Rest Palästinas und Syriens zu erobern. Pappe vermerkt: „Der Text der Balfour-Erklärung blieb bis Februar 1920 unveröffentlicht“, aber schon 1917 wurde er veröffentlicht. Er bezeichnet Raghib Nashashibi als „Mitglied des Parlaments“ im Jahr 1923 – welchen Parlaments?

Einige von Pappes „historischen“ Behauptungen sind recht offensichtlich politisch motiviert; dennoch sind sie Fehler. Er verweist auf „Äußerungen jüdischer und zionistischer Führer zur Notwendigkeit des Baus des ‚Dritten Tempels‘“. Husseini richtete diesen Vorwurf oft gegen die Juden, um die muslimischen Massen aufzuhetzen. Aber welcher wichtige Zionistenführer der 1920-er Jahre vertrat „Palästinensische Historiografie, einschließlich der jüngsten Arbeiten, die sich auf neu veröffentlichtes Material beziehen, legen nahe, dass die Sorge des Mufti nicht grundlos war und dass es tatsächlich einen jüdischen Plan zur Übernahme des gesamten Haram [Tempelbergs] gab.“ Pappe bietet keine Belege für diese außergewöhnliche Behauptung.

Pappe verweist wiederholt auf „Harry Lock“ vom Sekretariat der britischen Mandatsregierung in den 1920-er Jahren – der Name des Chefsekretärs lautete allerdings Harry Luke. Pappe begegnete der Name offenbar in Hebräisch oder Arabisch und übertrug ihn, ohne vorherige Kenntnis Lukes, über die er ihn überprüfen konnte: Wenn er britische Dokumente zurate gezogen hätte, hätte er die korrekte Schreibung gekannt. Pappe verweist auf „die Hope-Simpson-Kommission“ – eine solche Kommission gab es nicht, lediglich eine Untersuchung durch einen Beamten names John Hope Simpson. Er verweist auf „einundzwanzig muslimische Staaten“ in der Welt von 1931, doch nach meiner Zählung gab es nur gut ein halbes Dutzend. Er schreibt vom „Jüdischen Geheimdienst“ – vermutlich der Geheimdienst der Haganah  – und fügt dann an, „dessen Archiv für  israelische Historiker geöffnet wurde, aber nicht für Palästinenser“. Nach allem, was ich weiß, ist das eine glatte Lüge. Alle öffentlichen Archive in Israel, einschließlich des Haganah-Archivs in Tel Aviv, das die Papiere ihres Geheimdienstes enthält, stehen allen Forschern offen.

Pappe schreibt bezüglich 1939 von „Kolonialminister Ramsay MacDonald“, es hätte aber Malcolm MacDonald heißen müssen; das war der Beamte, der für das berühmte Weißbuch vom Mai 1939 verantwortlich war. (Ramsay MacDonald starb zwei Jahre früher.) Pappe redet von „Rommels Vorstoß auf Alexandria“ im „Sommer 1940“, doch Rommel kam erst im folgenden Jahr in Afrika an. Er schreibt, dem Haganah-Einwandererschiff Exodus sei 1947 „die Einfahrt [nach Palästina] verwehrt worden und es fuhr zurück nach Deutschland“. Fakt ist, dass der Seelenverkäufer Exodus from Europe – 1947 von britischen Marineschiffen abgefangen und gewaltsam geentert wurde. Das fahruntüchtige Schiff wurde in den Hafen von Haifa geschleppt, wo die meisten seiner Passagiere auf ein seetüchtiges Schiff transferiert und zurück nach Europa geschickt wurden; die meisten von ihnen gingen in Hamburg von Bord. Ich könnte so weiter machen. Es reicht zu sagen, dass Pappes Verachtung für historische Wahrheit und Faktengenauigkeit fast grenzenlos ist.

III.
Ilan Pappe hat sich entschieden den zionistischen Traum zu verlassen – oder, wie er es sehen will, den zionistischen Albtraum. Vor ungefähr drei Jahren zog er aus der Universität Haifa aus, wo er ein hochrangiger Lehrender in der Fakultät für Politikwissenschaften war und ging an die University of Exeter in Großbritannien. Out oft he Frame gibt uns Pappes Erklärung, warum er das Exil wählte. Der Titel ist anscheinend von Out of Place abgeleitet, der Autobiografie seines verstorbenen Freundes Edward Said. Doch Pappes Buch, auch wenn es ein paar autobiografische Schmankerl bietet, ist in Wirklichkeit eine politische Anklageschrift gegen den Zionismus – eine Polemik, keine Memoiren.

Er erzählt uns, dass er ein einer deutsch-jüdischen, in die israelische Hafenstadt Haifa transplantierten Familie aufwuchs, wo er 1954 geboren wurde. Als Jugendlicher war er Zionist, der die Routine-Stationen der Oberschule, Armee und Grundstudium in Israel durchlief. (Er erwähnt sogar seinen Dienst auf den Golanhöhen 1973, offenbar immer noch eine Quelle des Stolzes.) Sein glissement in den militanten Antizionismus begann, so er erinnert er sich, 1982 am St. Antony’s College in Oxford, wo er bei seinen Promotionsstudien von Albert Hourani betreut wurde; dieser war ein Anglo-Libanese, der in einem früheren Leben (1945-1947) als Sprecher des Hadsch Amin al-Husseini und für die palästinensische Sache arbeitete. Hourani wurde dann ein wichtiger Nahost-Historiker und Autor des eleganten und gefeierten Buches A History of the Arab Peoples.

Welchen Einfluss auch immer Hourani auf ihn nahm, Pappe führt eine weitere Erklärung für seine Verdrossenheit an. Er hat persönlichen Groll. 1982 wurde er aus Peace Now hinausgeworfen, deren Repräsentant er in Großbritannien er war, weil er im Unterhaus mit einem PLO-Repräsentanten diskutiert hatte. (Er sagt uns nicht, auf welcher Seite er dort erschien.) Er wurde dann von der israelischen Botschaft gebeten, kurz nach der israelischen Invasion im Südlibanon auf einer pro-israelischen Demonstration im nördlichen Britannien zu sprechen. Er lehnte die Einladung ab, sagt er uns – nicht einfach wegen antiisraelischer Gefühle, sondern auch weil ein paar Tage davor der israelische Botschafter in London, Shlomo Argov, von arabischen Bewaffneten angeschossen wurde und Pappe angefressen war, dass die Botschaft eine „Bereitschaft mich zu opfern“ gezeigt hatte – vielleicht würden arabische „Terroristen“ auch ihn niederschießen. Die Annahme, dass es in diesen Tagen gefährlich war öffentlich zugunsten Israels zu sprechen, als würden Araber ständig solche Sprecher niederschießen, ist Unsinn.

Bewaffnet mit einem Doktortitel in Nahost-Geschichte kehrte Pappe nach Israel zurück und bekam sofort eine akademische Anstellung. Seine Prosa wird an dieser Stelle in Out of the Frame unklarer und verworren; aus gutem Grund: Er will ein Bild von sich in den 1980-er Jahren rüberbringen, das einen jungen, kämpfenden Rebellen zeigt, der Israel und dem Zionismus gegenüber kritisch ist, der heldenhaft gegen ein steinhartes israelisches Establishment kämpft. Israels Universitäten, behauptet er, waren damals (und sind es heute) von unermüdlicher zionistischer Orthodoxie und Dogmatismus beherrscht.

Doch die Universität Haifa bewilligte ihm eine heiß begehrte Position und in ziemlich kurzer Zeit eine Festanstellung. Darüber schreibt Pappe: „Eine Festanstellung zu bekommen ist für die meisten jungen Akademiker in Israel ein schmerzhafter Prozess; es war angesichts meiner damals bereits wohl bekannten Ansichten doppelt schwierig. Und doch, merkte ich, waren meine Positionen noch nicht so herausgeschält, dass sie eine Bedrohung des Systems darstellten und ich konnte die Hürden erfolgreich überwinden.“ Er fügt etwas widersprüchlich hinzu, dass sein „Radikalismus“ „den Anspruch der Universität auf Pluralismus verbesserte und ihr erlaubte der ganzen Welt gegenüber mit ihrer Offenheit zu prahlen“. Er hielt also seinen Radikalismus geheim, um die Professur zu erhalten und er schwang ihn frech, ebenfalls, um die Professur zu erhalten. Sie haben die Wahl.

Die Wahrheit ist nüchterner. Während Pappe als Staatsbürger eindeutig in der radikalen Politik herumpfuschte, bewegte er sich immer noch in einem Maß innerhalb des zionistischen Lagers wie die israelische Kommunistische Partei, der er angehörte, die Existenz des jüdischen Staates im Rahmen einer Zweistaatenlösung postulierte – im Einklang mit der Position Moskaus. Gelichzeitig waren die akademischen Veröffentlichungen Pappes extrem harmlos. Er behauptet, dass ein 1988 veröffentlichtes erstes Buch – Britain and the Arab-Israeli Conflict, 1948-51 – versichert: „Großbritannien spielte eine wichtige Rolle damit, dass es der zionistischen Bewegung erlaubte in Palästina einen Staat durch ethnische Säuberung seiner indigenen Bevölkerung zu gründen.“ Das ist eine Falschdarstellung. Das Buch behandelt britische Politik und genauer die britisch-jordanischen Beziehungen – ein Thema, das weit gründlicher und erkenntnisreicher und in elegantem Englisch von Avi Shlaim in Collusion Across the Jordan: King Abdullah, the Zionist Movement, and the Partition of Palestine abgehandelt wurde – und es sagt überhaupt nichts darüber, was Pappe heute die “ethnische Säuberung Palästinas” nennt.

In dieser Passage stellt Pappe Ansprüche auf das, was er als frühe antizionistische Lorbeeren betrachtet, auf die er keinen Anspruch hat. Nirgendwo in seinem ersten Buch wird die „ethnische Säuberung“ oder irgendetwas Entsprechendes erwähnt. Fakt ist: Pappe widmet weniger als eine Seite von Britain and the Arab-Israeli Conflict einem Unterabschnitt mit dem Titel „The Responsibility for the Creation of the Refugee Problem“; darin behauptet er ziemlich lasch und neutral, dass es bei den Briten in der Frage zwei Ansichten gab: dass die Juden alleine verantwortlich zu machen seien und das es „das AHC [Arab Higher Committe] war, das in den Fällen von Haifa, Jaffa und Jerusalem für die Ermutigung zum Exodus [verantwortlich war].“ Nirgendwo klagte der jüngere, ehrlichere Pappe der 1980-er Jahre die Juden an sie hätten „die“ Araber Palästinas vertrieben. Stattdessen behauptete er bezeichnenderweise: „Die Israelis waren [1949] bereit gemeinsame Verantwortung mit den arabischen Staaten für das Flüchtlingsproblem zuzugeben; dafür machten sie eine Geste und boten die Repatriierung einiger Flüchtlinge an.“ Zwei Jahrzehnte später schienen beide Seiten außerdem bereit den Status quo der Flüchtlinge zu akzeptieren: „Die Israelis… hofften, dass die arabischen Staaten die Flüchtlinge [auf ihrem Territorium] ansiedeln würden und .. die arabischen Staaten … entschieden sich die Zustände in den Flüchtlingslagern als politische Karte gegen Israel zu nutzen.“ Dem Pappe von heute würde solch empörende Wahrheiten nicht über die Lippen kommen.

Britain and the Arab-Israeli Conflict war langweilig und holprig genug (wenn es auch wie Shlaims Collusion für 1948 ein gewisses Maß an jordanisch-britisch-israelischer Absprachen postuliert), um Pappe eine Position an einer israelischen Universität zu verschaffen, wo die zionistische Orthodoxie noch die Regel und ein sine qua non für die Erlangung eines Lehrstuhls war. Das Buch schlug keine Wellen, es wurde von fast niemandem gelesen, es verärgerte niemanden. pappe gibt das mehr oder weniger zu, wenn er auf seine weniger als aufrichtige Weise feststellt, dass das Buch „im Stil einer Doktorarbeit geschrieben wurde, was eine Art der Stummschaltung selbst der stärksten Kritiken war“ und dann behauptet, dass seine Veröffentlichung habe „Hassbriefe und Todesdrohungen“ ausgelöst – eine weitere Behauptung, um seine Selbstdarstellung als junger Rebell zu verstärken, die ich extrem unglaubwürdig finde.

In der Summe ist Pappe ein rückwirkender Angeber. Doch bis Mitte oder Ende der 1990-er Jahre, nachdem er seine Professur hatte, wechselte Pappe die Gangart in voll entfalteten Radikalismus, politisch wie historiografisch. Inzwischen trat er für die Eliminierung Israels und die Gründung eines Staates auf dem Territorium des Mandats Palästina ein, der aus Juden und Arabern besteht. Dass er eine arabische Bevölkerungsmehrheit haben und – wenn er demokratisch wäre – von Arabern regiert werden würde, würde eine massenhafte Rückkehr arabischer Flüchtlinge sicherstellen, für die Pappe ebenfalls eintrat und immer noch eintritt. Eines seiner Bücher ist seinen zwei Kindern gewidmet, von denen er hofft, dass sie in einem besseren „Palästina“ leben werden. In Out of the Frame definiert Pappe den Zionismus als „eine rassistische und ziemlich boshafte Philosophie zu Moral und Leben“. Der Sprachgebrauch ist insgesamt so bösartig wie der der Hamas, wenn nicht schlimmer.

Während der 1990-er und frühen 2000-er Jahre und trotz seines Scharms und seines Charisma als Lehrer schaffte es Pappe den Großteil des Establishments der Universität Haifa zu verstimmen; ihm wurde über Jahre die Beförderung zur Professur verweigert, trotz einer übertriebenen Liste an Veröffentlichungen. Seine Arbeit mach lausig sein und sie ist im Verlauf der Jahre noch lausiger und unverhohlen propagandistisch geworden, doch die Verweigerung der Beförderung war vermutlich das Ergebnis politischer Entfremdung und seinerseits einer ungewöhnlichen Form der Unkollegialität. Ich habe Pappes „Einstaatlichkeit“ erwähnt. Doch ehrlich gesagt ist das nicht, was die Anti-Pappisten dazu trieb ihm „Unkollegialität“ vorzuwerfen. Was seine Kollegen in Haifa verstörte war, dass Pappe im Verlauf der zweiten Intifada von 2000 bis 2004 – als Israel sich praktisch mit den Palästinensern der Westbank und des Gazastreifens im Krieg befand, whärend Busse und Restaurants in Tel Aviv, Jerusalem und Haifa fast täglich von Selbstmordbombern vernichtet wurden – öffentlich für einen internationalen Boykott der israelischen Universitäten eintrat, einschließlich seiner eigenen. Im Namen der umkämpften Palästinenser rief Pappe westliche akademische Institutionen auf gemeinsame Projekte einzustellen und Forschungsgelder nicht weiter zu zahlen („De-Investition“), Kontakte und Zusammenarbeit mit israelischen Akademikern zu beenden, von Israelis eingereichte Beiträge bei Journalen und Universitätsdruckereien abzulehnen usw. (Das Paradox darin ist offenkundig: Israelische Akademiker sind seit Jahrzehnten in vorderster Front der Kritiker der israelischen Politik in den besetzten Gebieten gegenüber den israelischen Arabern gewesen. Das sind die Leute, die Pappe schädigen wollte.)

Pappe zieht es vor etwas anders zu erklären, warum viele seiner Kollegen ihn zu hassen lernten. Er behauptet, es sei die „Tantura-Affäre“ gewesen, zu der gleich mehr kommt, und nicht seine Boykott-Aufrufe, die ihm seine Feinde schuf. Pappe will damit Israels Universitäten als Bastionen der ideologischen Rigidität und des zionistischen McCarthyismus darstellen und sich selbst als deren Opfer zu stilisieren: ein Kreuzzügler für die akademische Freiheit, der ans Kreuz der ideologischen und historiografischen Doktrin geschlagen wird. Es stimmt, von den 1950-er bis in die 1970-er Jahre und vielleicht sogar bis in die 1980-er Jahre waren Israels Universitäten im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften bei allem, was die Geschichte Israels und des Zionismus gehört, Bastionen des Dogmatismus und des Konformismus. Doch eine solche Charakterisierung ist seit den 1990-ern unglaublich falsch.

Von den 1950-er bis in die 1970-er Jahre hielten die geisteswissenschaftlichen Fakultäten – zu einem geringeren Grad auch ihre sozialwissenschaftlichen Fakultäten – antizionistische Empfindungen und Meinungen draußen oder marginalisierten sie. Zionismus, wie er vom arbeiterzionistischen Mainstream repräsentiert wird, herrschte als notweniger Rahmen zum Verstehen der Realitäten des Nahen Ostens, insbesondere des Konflikts mit den Palästinensern und der sie umgebenden arabischen Welt. Der Konflikt wurden im Curriculum schlicht nicht berücksichtigt. (Das war zum Teil von etwas nicht Politischem angetrieben: der vorherrschenden germanischen Sichtweise, dass „das aktuelle Zeitgeschehen“ keiner wissenschaftlichen Betrachtung wert ist.) Und der ideologische Druck sah so aus, dass in den 1950-er und 1960-er Jahren selbst zionistische Historiker – allerdings solche der falschen Überzeugung wie Benzion Netanyahu – Positionen verweigert wurden. (Netanyahu landete schließlich in Cornell, wo er ein prominenter Historiker zur spanischen Inquisition wurde.)

Doch die Dinge änderten sich in den 1990-er Jahren infolge des Einflusses der „neuen Historiker“ (und der „kritischen Soziologen, die in Israels sozialwissenschaftlichen Fakultäten noch früher einen Fuß oder mehr in der Tür hatten). Vielleicht noch wichtiger war die Integration der israelischen Universitätswelt in das intellektuell offene Universitätsleben des Westens. Bis Anfang des 21. Jahrhunderts waren Fakultäten der Politikwissenschaften, Soziologie, hebräischen Literatur und Kulturwissenschaften in einigen israelischen Universitäten zu Bollwerken des Antizionismus geworden, in denen bekennende Zionisten kaum eine Zehenspitze hineinbrachten, ganz zu schweigen von Festanstellungen. Und die Fakultäten für Geschichte wie Nahost-Studien sind ebenfalls weit davon entfernt dem Zionismus die Stange zu halten. In der heutigen akademischen Welt Israels wird man die ganze politische Skala finden, von erklärten Zionisten über Kritiker der Politik Israels und weiter über Kritiker des jüdischen Israel und der Existenz Israels bis hin zu (einer Hand voll) Vertreter antiisraelischer Boykotte und De-Investition.

Aber Pappe zieht es vor seine Entfremdung von Haifa als in seinem eigenen mutigen Dissidententums, seinem Kampf gegen zionistischen McCarthyismus liegend darzustellen. In Out of the Frame werden diese als sich in der Tantura-Affäre zuspitzend hingestellt. Im März 1998 legte ein Student der Universität Haifa namens Teddy Katz eine 211 Seiten starke Magisterarbeit vor, die den Titel „Der Exodus von Arabern aus Dörfern am Fuß des südlichen Karmelberges im Jahr 1948“ trug. Sie behandelte besonders das Schicksal zweier Dörfer, Umm al-Zinat auf dem Karmel und Tantura an der Mittelmeerküste südlich von Haifa. Das Hauptaugenmerk lad auf Tantura. Dort, argumentierte Katz – ein Kibbutznik mittleren Alters und Friedensaktivist – massakrierte dass 33. Bataillon der Alexandroni-Brigade der Haganah, der wichtigsten jüdischen Miliz, die im Frühjahr 1948 in die Israel Defense Forces (IDF) verwandelt wurde, am 23. Mai rund 250 unbewaffnete Dorfbewohner nach dessen Eroberung in der Nacht zuvor. Katz beschrieb eine systematische Abschlachtung von Gruppen junger Männer nach Nazi-Art, die in Gräben gekippt wurden, die andere Araber aushoben, die dann selbst erschossen wurden, währen ddie Frauen und Kinder des Dorfes ein paar Meter entfernt davon am Strand saßen.

Katz wurde von einem Historiker der Universität Haifa namens Kais Firro betreut und war in seiner Recherche von Pappe ermutigt worden, der ihm als spiritueller Leiter diente. Der Student hatte seine Diplomarbeit auf umfangreiche Interviews mit Flüchtlingen aus Tantura gestützt, die in der Westbank und Israel lebten, sowie auf Veteranen der Alexandroni-Brigade. Er hatte nicht in den Archiven der Haganah oder IDF gearbeitet und seine Massaker-Geschichte gründet sich auf keinerlei israelische, britische oder arabische Dokumentationen.

Die Diplomarbeit wurde von Firro, einem drusischen Historiker, und zwei weiteren Professoren – einem Ottomanisten und einem Sozialwissenschaftler – mit 97 (von 100) Punkten bewertet; keiner von ihnen war ein Experte für den Krieg von 1948. Und im Juni 2000 wurde Katz ein Magister „mit Auszeichnung“ verliehen. Doch zu diesem Zeitpunkt war der Ärger schon im Gang. Im Januar 2000 veröffentlichte die israelische Tageszeitung Maariv einen langen Magazin-Artikel zur Arbeit von Katz und zu neuen Interviews mit einigen der von Katz Interviewten, die praktisch die Massaker-Vorwürfe unterstützten. Alexandroni-Veteranen beschwerten sich und im darauf folgenden Monat veröffentlichte Maariv einen zweiten Artikel, der die Veteranen ausführlich zitierte, die die Massaker-Vorwürfe bestritten. In beiden Texten bestritten die Veteranen, dass es ein Massaker der Art gegeben hatte, die Katz und einige seiner arabischen Interviewten behaupteten (obwohl einige andeuteten, dass „dunkle Taten“ geschehen waren).

Derweil heuerten die Alexandroni-Veteranen einen Anwalt an (einen Linken, der in mehreren Fällen Peace Now vertreten hatte) und verklagte Katz wegen Verleumdung. Giora Erdinast, der Anwalt, ging Katz‘ Tonbandaufzeichnungen und seine Arbeit durch entdeckte eine Reihe von Verfälschungen, Widersprüchlichkeiten und komplette Erfindungen. Als dem Gericht diese Befunde vorgelegt wurden, brach Katz zusammen – mancher sagte, er erlitt einen nervösen Zusammenbruch oder einen kleinen Schlaganfall – und stimmte einem Widerruf zu: „Ich wollte nicht sagen, das es in Tantura ein Massaker gegeben hatte… Heute sage ich, es gab in Tantura kein Massaker.“ Das wurde vom Gericht in seinem Urteil faktisch akzeptiert und Katz wurde angewiesen seinen Widerruf zu veröffentlichen. Er machte es nie (er wurde schließlich von den Alexandroni-Veteranen veröffentlicht). Stattdessen widerrief er seinen Widerruf und legte bei Israels oberstem Gerichtshof Berufung ein. Doch dieser bestätigte das Urteil der Vorinstanz.

Parallel zu diesem Prozess setzte die Universität Haifa unter dem Druck mehrerer Professoren ein Komitee ein, das Katz‘ Arbeit und Belege untersuchen sollte. Auch dieses entdeckte Verdrehungen und Diskrepanzen. In seiner Arbeit „zitierte“ Katz Passagen, die in seinen Interview-Tonbändern nicht auftauchten. Die Universität annullierte die Arbeit, erlaubte aber Katz eine Überarbeitung. Im September 2002 legte Katz diese jetzt auf 568 Seiten erweiterte Arbeit vor. Unglaublicherweise wurde er wieder von Firro betreut. Er korrigierte die falschen Zitate, blieb aber reuelos: Die Alexandronie-Truppen, behauptete er weiter, hatten in Tantura am 23. Mai 1948 Dutzende, vielleicht Hunderte massakriert.

Die Universität ernannte ein Komitee aus fünf Gutachtern. Doch dieses verpfuschte die Sache erneut. Zwei von ihnen waren eindeutig keine Experten für 1948 und zwei weitere hatten zwei Jahre früher (zusammen mit einem dritten Historiker) ein apologetisches Buch veröffentlicht, dass die IDF praktisch vom Massaker von Lydda während des Kriegs von 1948 rein wusch. Drei der Gutachter gaben der Arbeit weniger als 75%, womit sie praktisch durchfiel. Die Universitätsbehörden gingen dann wieder einen Kompromiss ein und verliehen Katz einen Master of Arts – allerdings einen der Variante „ohne Forschung“, was verhindert, dass er innerhalb des Themenkreises eine Promotion anstreben kann.

Beide Male hatte Katz minderwertige Arbeit abgeliefert. Das bedeutet aber nicht, dass es in Tantura kein Massaker gegeben hatte. Ich entschied mich, mir die Sache selbst anzusehen, angefangen mit den Archiven. Ich stellte fest, dass es in der verfügbaren Dokumentation keine Beweise dafür gibt, dass es in Tantura ein groß angelegtes oder systematisches Massaker gab. Und das ist seltsam, in der Tat ist es einzigartig, wenn ein solches Massaker stattgefunden hätte, denn in den Fällen aller anderen bekannten Massaker an Arabern die es 1948 gab, gibt es geschriebene bestätigende Belege irgendwelcher Art – einen IDF-Bericht, ein britisches, amerikanisches oder UNO-Telegramm, eine aufgezeichnete arabische Radiosendung. Zu einigen der israelischen Massaker – Deir Yassin im April 1948, Dawayima und Eilaboun im Oktober 1948 – gibt es zahlreiche und detaillierte Berichte in zugänglichen israelischen, britischen und UNO-Dokumentationen. (In den letzten Monaten hat das IDF-Archiv unerklärlicherweise und unlogisch einen großen Teil des Materials zu Deir Yassin wieder als geheim eingestuft, das Anfang des 21. Jahrhunderts für Forscher zugänglich war.)

Was Tantura angeht, so gibt es schriftliche Belege, dass es Grausamkeiten auf niedrigem Niveau gab und vielleicht nach der Eroberung des Dorfes, einschließlich der Erschießung einer Hand voll gefangen genommener arabischer Heckenschützen. Und ein Dokument der IDF aus dem Juni 1948 spricht verblümt von einem „Sabotageakt“ im Dorf, ohne weitere Erklärung. Doch kein Dokument erwähnt auch nur verblümt ein „Massaker“. Es gibt nicht ein einziges Stück geschriebener Belege aus dem Jahr 1948, das ein groß angelegtes Massaker geltend macht (und 250 Tote würden das größte Massaker des Krieges von 1948 darstellen). Es gibt israelische Geheimdienstberichte über arabische Radioübertragungen aus dem Juni 1948, die behaupten, dass weibliche Flüchtlinge aus TAntura, die die Westbank erreicht hatten, Fälle von Vergewaltigung, Raub und Brandstiftung berichteten. Aber niemand erwähnt ein Massaker. Darüber hinaus sind mündliche Aussagen über ein Massaker, die 40 oder 50 Jahre nach dem Ereignis herausgelockt werden – oder auch die Verneinung eines Massakers – in einem immer noch bestehenden Konflikt, in dem außerdem Propaganda weiterhin eine große Rolle spielt, nicht unbedingt glaubwürdig oder entscheidend und können keine Grundlage für eine glaubwürdige Rekonstruktion der Ereignisse bilden. Aus meiner Sicht hängt daher ein großes Fragezeichen über dem, was in Tantura geschah.

(In Out of the Frame behauptet Pappe zum Massaker in Dawayima, um sein Eintreten für die Wertigkeit der mündlichen Geschichte zu stärken, dass „Benny Morris, ein leidenschaftlicher Positivist und Empirist … sich [wegen Mangel an Dokumentation] widerwillig auf Interviews verlassen musste.“ Das ist eine Lüge. Ich interviewte nicht einen einzigen Menschen zu Dawayima. Hätte Pappe sich die Fußnoten in meinem Buch The Birth oft he Palestinian Refugee Problem 1947-1949 (von 1988) und The Birth oft he Palestinian Refugee Problem Revisisted (von 2004) angesehen, hätte er entdeckt, dass es eine Reihe von Dokumenten gibt – israelische, britische und von den Vereinten Nationen – die Details über das Massaker in Dawayima enthalten oder zumindest angeben, dass eines dort stattfand. Ich habe keine Interviews erwähnt. Doch Pappe ist keiner, der sich Fußnoten, Dokumente oder Archive ansieht. Er weiß bereits, was passiert ist.)

Für meine eigene Untersuchung dessen, was in Tantura geschah, habe auch ich Teilnehmer beider Seiten befragt – und ich stellte fest, dass alle gleichermaßen überzeugend und glaubwürdig waren. Niemand behauptete ein groß angelegtes Massaker, aber einige verstärkten die oberflächlichen dokumentarischen Belege zu kleineren Gräueln. Pappe gibt implizit die unvermeidliche Schwäche mündlicher Aussagen über etwas Kontroverses, das vor Jahrzehnten in Verlauf eines weiterhin stattfindenden Konflikts geschah zu; und so behauptet er an einer Stelle in Out of the Frame, dass „es auch ein palästinensisches Dokument gibt, dessen Sprache weit entfernt davon ist vage oder ambivalent zu sein. Es erscheint in den Memoiren eines Honoratioren aus Haifa, Muhammad Nimral al-Khatib. Ein paar Tage nach der Schlacht zeichnete er die Aussagen eines Palästinenser auf, der von Massenerschießungen Dutzender Palästinenser [in Tantura] berichtete.“

Das Problem mit dieser Passage besteht darin, dass sie eine Reihe von Unwahrheiten enthält. Kein Dokument „erscheint“ oder wird in den Memoiren von al-Khatib zitiert. Man kann die Memoiren selbst – Consequences oft he Naqbah – als Dokument begreifen, doch das ist nicht das, was Pappe sagt. Auf jeden Fall wurden offenbar in den frühen 1950-er Jahren in Damaskus veröffentlicht (sie trägt kein Datum) und wurde von einem Kleriker und Politiker der Muslimbruderschaft aus Haifa geschrieben, der in Beirut lebte, wohin er eilig zu medizinischer Behandlung gebracht worden war; dort erholte er sich, nachdem er in Haifa im Januar 1948 schwer verwundet wurde, vier Monate vor Tantura. Danach lebte er im Libanon im Exil. Es gibt keine Belege dafür, dass er je nach Palästina zurückkehrte und es ist höchst unwahrscheinlich, dass er je zurückging. Es ist unklar, ob er seine Tantura-Geschichte erfand oder sie auf der Grundlage von Gerüchten oder Dingen aufzeichnete, die er von einem Flüchtling aus Tantura hörte (der seine Geschichte erfunden haben könnte ode rauch nicht – 1948 grassierten in der arabischen Welt Gerüchte und Erfindungen über jüdische Massaker, die niemals stattfanden). Die Memoiren sagen uns nicht, wann, wenn überhaupt, er sich mit dem Zeugen aus Tantura traf. Al-Khatibs Memoiren, die zu einer Reihe von Themen voller Unwahrheiten sind, können nicht als verlässliches „Dokument“ zu was auch immer gelten (obwohl sie eine farbige und in Teilen genaue Beschreibung der Massenflucht der Araber aus Haifa im April 1948 beinhalten, die al-Khatib wahrscheinlich von Freunden und Verwandten hörte, die Beirut erreichten). Sie könnten durchaus als Quelle der Erzählung des Tantura-Massakers gedient haben, die in den 1990-er Jahren in Damaskus wieder auftauchte.

Seit 2000 ist Pappe als Chef-Verfechter der Tantura-Massaker-Geschichte und Hauptverteidiger von Teddy Katz aufgetreten. 2002 behauptete Pappe in Al-Ahram (auf Englisch, online), dass die Universität Haifa Katz hinausgeworfen habe. Wie vieles von dem, was Pappe über die Affäre geschrieben hat, ist auch das eine Lüge. Jetzt, in Out of the Frame, benutzt Pappe die Affäre, um seinen Umzug nach England zu erklären und zu rechtfertigen. Er argumentiert, dass seine Verteidigung von Katz und die Massaker-Vorwürfe seine Kollegen derart entfremdete, dass sie seinen Hinauswurf aus der Universität beantragten.

Er beschreibt, was er eine „Disziplinaranhörung“ vom Mai 2002 nennt, einen Monat nachdem er einen internationalen Aufruf zum Boykott israelischer Universitäten unterzeichnete; in dieser beschuldigte ihn Professor Yossi Ben-Ari, ein historischer Geografie aus Haifa und einer der Gründer und Führer von Peace Now, der Verleumdung von Fakultäten der Universität und Mitgliedern des Lehrkörpers sowie sich allgemein in einer „nicht kollegialen, unethischen und unmoralischen Weise“ zu verhalten, indem er „Lügen, Beschimpfungen und Unverschämtheiten“ einsetzt. Pappe seinerseits sagt, dass er „keinen Ehrenkodex verletzte, sondern die Regeln einer sehr unflexiblen Ideologie. Ich wurde von denen belangt, die sich selbst als die Hüter der nationalen Geschichte betrachteten.“ Für ihn recht charakteristisch versäumt es Pappe seinen Lesern zu erzählen, dass einer seiner Kritiker an der Universität Haifa, der Historiker Yoav Gelber, in seinem Buch Komemiyut VeNakba (Unabhängigkeit und Naqbah) aus dem Jahr 2004 selbst einiges über die Gräuel von 1948 aufdeckte – Fakt ist, dass Gelbert aus Dokumenten weit mehr enthüllte, als Pappe es je getan hat, einschließlich Informationen über das, was in Dawayima geschah.

Fakt ist, dass es keine „Disziplinaranhörung“ an der Universität Haifa gab. Was passierte, war, dass Ben-Artzi beim Disziplinargremium ´der Universität eine Beschwerde einreichte und ein Blatt mit Vorwürfen gegen Pappe einreichte. Der Vorsitzende, Prof. Jacob Barnai, lehnte es allerdings ab ein Verfahren einzuleiten und die Sache wurde schlicht fallen gelassen. In Out of the Frame widmet Pappe einer „Disziplinaranhörung“ fünf Seiten, die nie stattfand. Es scheint, dass die Universität kalte Füße bekam, weil Pappe, sobald die Anklage gegen ihn sich zustande zu kommen schien, einen Haufen E-Mails an Akademiker im Ausland abschickte, die prompt der Universität schrieben und sie wegen der „McCarthy-artigen Verfolgen“ Pappes (und Katz‘) und „dem Angriff auf die akademische Freiheit“ verurteilten. Pappe berichtet, dass er „2.100 unterstützende Briefe“ erhielt. er zitiert ausführlich aus diesen Briefen, die zumeist von Akademikern geschrieben wurden, die nichts über 1948 oder von Pappes Geschichtsfälschungen wissen. Eine der Ausnahmen ist Avi Shlaim von der Oxford University (der gegen den von Pappe befürworteten akademischen Boykott ist, aber fest in Pappes Lager steht, wenn es um die Beschreibung der derzeitigen Realitäten im Nahen Osten geht), der so zitiert wird, er habe geschrieben, dass die Vorwürfe gegen Pappe „politische motiviert“ seien und „Schock und Horror hervorrufen“. Wie auch immer, was Pappe in Haifa geschah, wurde nicht von der Kontroverse um Katz oder die Tantura-Affäre verursacht, sondern durch seine Diffamierung der Universität und seiner Kollegen und durch seinen Aufruf zu einem internationalen Boykott vor dem Hintergrund explodierender Bomben der zweiten Intifada. Schließlich kam ein Angebot aus Exeter und Pappe reiste nach England ab.

IV.
Im letzten Semester lehrte ich an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Das Seminar, an dem M.A.-Studenten und fortgeschrittene B.A-Studenten teilnahmen, konzentrierte sich auf den Krieg von 1948. Etwa die Hälfte der Studenten waren Deutsche, der Rest kam aus anderen Ländern Europas. Letzte Woche erhielt ich die Semesterarbeit einer Studentin mit dem Titel „Ethnische Säuberungen in Palästina, Mai 1948-Januar 1949“ (in Englisch). In einem der Einführungsabsätze heißt es: „Ethnische Säuberung ist unmenschlich, brutal und absolut furchtbar. Oft wird eine Verbindung zwischen der jüdischen Shoa und der ethnischen Säuberung Palästinas gezogen. Während die Nazis die Juden im Zweiten Weltkrieg vertrieben und folterten, machten die Juden fast dasselbe mit den Arabern. Die Brutalität zwischen den beiden Situationen ist sichtbar.“ Doch die Studentin war offenbar beunruhigt wegen des „fast“, denn in ihrem Fazit fügte sie hinzu: „Die Operationen zur ethnischen Säuberung des Jahres 1948 werden oft mit den Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg verglichen. In diesem Fall waren die Juden auf derselben Ebene wie die Nazis.“

Die Arbeit listet in der Bibliografie zwar auch andere Werke auf, gründete aber fast ausschließlich auf Ilan Pappes The Ethnic Cleansing of Palestine. Sie ist ein gutes Indiz für das Ausmaß von Pappes Erfolg, vom Umfang der Verschmutzung der Nahost-Historiografie durch ihn und der Vergiftung des Verstandes derer, die oberflächlich darin herumdilettieren. Das ist beklagenswert, sogar tragisch.

In Out of the Frame beschwert sich Pappe darüber, dass Yoav Gelber ihn während der Probleme an der Universität Haifa als Israels „Lord Haw-Haw“ bezeichnete. Das war der Name, den die britischen Medien William Joyce gaben, einem in den USA geborenen Engländer irischer Herkunft, der während des Zweiten Weltkriegs von Berlin aus Nazipropagandasendungen ausstrahlte. Er wurde von den Briten vor Gericht gestellt und 1946 als Hochverräter gehenkt. Ich denke nicht, dass Pappe irgendwelche Gründe hat sich zu beschweren. Lord Haw-Haw hätte sein Tun verstanden und damit sympathisiert; außerdem behandeln die Briten ihn ziemlich gut.

Ein Vorzeige-Jude für die Vernichtung Israels

Eine Pappnase hat ein „revolutionäres“ Buch geschrieben. Mit Inhalten, die angeblich erstmals die wahre Geschichte von 1948 geschildert wird. Mutig soll der Mann sein. Ein Tabubrecher. Einziger, der die Wahrheit sagt. Dass er mitsamt einem Trupp gleichgesinnter „Tabubrecher“ seit Jahren dasselbe Mantra trommelt und im Westen wie bei den üblichen Israelvernichtungs-Predigern aus dem arabisch-islamischen Raum deswegen hoch angesehen ist und als Musterjude vorgezeigt wird, spielt für die Jubel-Goys keine Rolle. Nun, das ist Werbung, da wird gelogen, dass die Schwarte kracht. Sonst kann man nichts absetzen – wobei antiisraelisches und antichristliches Geschreibsel eigentlich immer ein Selbstläufer ist, aber was soll’s.

Und so hat die Pappnase dann eben jedem und allen Interviews gegeben, die von ihm wissen wollten, was es mit dem Buch so auf sich hat – halt, nein: Sie wollen nur ihre antisemitischen Lügen bestätigt bekommen, aber das ficht den mutigen Einzelkämpfer nicht an. Ergo findet sich im Vorspann zu dem Interview mit einem neonazistischen Kampfblatt das wieder, was Pappe in Grundzügen denkt:

Im damaligen britischen Mandatsgebiet Palästina rief der „Jüdische Nationalrat“ am 14. Mai 1948 völkerrechtswidrig die einseitige Unabhängigkeit aus.

Wieso völkerrechtswidrig? Weil die Heil-Hitler-Trupps von Hadsch Amin al-Husseini nicht einverstanden waren? Oder die übrigen „Treibt die Juden ins Meer“-Brüllhansel?
Die Briten waren an diesem Tag raus aus dem Mandat. Es bestand ein Macht-Vakuum, das sich vorher schon breit machte und dazu führte, dass die Judenmörder des Mufti an allen Ecken und Enden frei schalten und walten (sprich: morden und plündern) konnten, wo sich die Juden nicht wehrten.
Was hätten die Juden also tun sollen? Sich an die Straßen stellen, „Heil Hadsch Amin!“ brüllen und den Massen- und Völkermördern des Muftis den Hals bieten, damit die nicht so viel Mühe bei der Fortsetzung der Endlösung haben?

Gleichzeitig wurde damit begonnen, große Teile der einheimischen arabischen Mehrheitsbevölkerung zu vertreiben.

Ja klar, anders geht’s nicht. Dass die meisten Araber das Land verließen, um den siegreichen arabischen Armeen nicht im Weg zu sein oder nach dem schnellen arabischen Sieg ggf. auch nicht als Verräter und Kollaborateure umgebracht zu werden, gilt nicht. Fakten dürfen nicht im Weg stehen – schon gar nicht solche, wie dass ein riesiger Teil der arabischen Bevölkerung seine Heime verließ, ohne einen jüdischen Bewaffneten auch nur gesehen zu haben. Aber was will man erwarten von einem, der selbst nach bewiesenem Betrug dem Betrüger immer noch die Stange hält und ihn als Opfer sieht, nachdem er Interviews mit (arabischen!) Zeitzeugen fälschte, um für seine Doktorarbeit das „richtige“ Bild der mordenden und vertreibenden Juden hinzubekommen? Dass ausgerechnet so einer die Vertreibungen und Massenmorde der aufgehetzten Husseini-Araber in die Diskussion einbringt? Das ist wohl zu viel verlangt, denn es würde das schlechte Licht auf die „falsche“ Seite werfen.

Dasselbe Schicksal widerfuhr auch der deutschen Minderheit, die bereits zwischen 1939 und 1948 von der britischen Mandatsverwaltung systematisch nach Australien zwangsumgesiedelt wurde.

Klar, jetzt muss die Schicksalsgemeinschaft beschworen werden. Vielleicht sollte man hier aber doch darauf hinweisen, dass es in den Reihen der Templer eine Besorgnis erregende Nähe zum Nationalsozialismus gab. Abgesehen davon war es nicht unüblich, dass „Volksdeutsche“ in Territorien unter alliierter Kontrolle aus als kritisch wichtig angesehenen Gegenden entfernt wurden. Das Risiko wurde als zu groß eingeschätzt.

Die Ereignisse von 1948, die erstmals vom israelischen Historiker Prof. Dr. Ilan Pappé umfassend beschrieben wurden, läuteten das Ende der Ära eines liberalen Islam ein und sind die Wurzel des noch immer andauernden Nahostkonflikts.

Aha, die „Ereignisse von 1948“ sind bisher nicht umfassend beschrieben worden. „Umgeschrieben“ wäre wohl die bessere Bezeichnung, wie die „neuen Historiker“ immer wieder bewiesen haben. Besonders „schön“ ist aber die Behauptung, dass mit 1948 das „Ende der Ära eines liberalen Islam“ „eingeläutet“ wurde. Alles vorher wird ausgeblendet, die Geschichte fängt erst 1948 an (höchstens der Holocaust kommt noch ins Spiel, wenn man den Israelis vorwirft, dass die „Palästinenser“ seine wahren Opfer sind). Dass Hadsch Amin eine Anhänger seit den frühen 1920-er Jahren einen Terrorkrieg gegen die Juden und gegen jeden Araber, der nicht auf seiner Seite mitzog, führte, das muss ignoriert werden, damit das ideologische Bild stimmt. Dass der Vernichtungskrieg gegen die Juden in „Palästina“ spätestens seit dem Teilungsbeschluss der UNO in seine heiße Phase ging und lange vor Mai 1948 im Gang war – geschenkt, das braucht der hysterische Scheinhistoriker nicht, denn das spräche ja nicht gegen die Juden.

Im Gespräch mit Erhard Düvel von der National-Zeitung meinte der Autor, dass der 14. Mai 1948 für die Völkergemeinschaft kein Grund zum Feiern sei.

Und hier entblößt sich, wes Geistes Kind der Vertreter dieser oben angeführten Meinungen ist. Die neonazistische Nationalzeitung ist mit ihren Ansichten voll kompatibel mit dem sich links gebenden jüdischen Antisemiten, der geschichtliche Wahrheit nicht über Fakten und Dokumenten vor allem auch der jeweiligen Zeit definiert, sondern über das, was heute von Arabern über diese Zeit erzählt wird.

Darauf aufmerksam gemacht, dass ein Interview mit ihm in dieser rechtsextremen Zeitung erschien, verschickte die Pappnase eilends elektronische Rundschreiben, um allen Interessierten und Uninteressierten mitzuteilen, dass er diesen Leuten natürlich niemals ein Interview gegeben hätte, hätte er gewusst, mit wem er sich da unterhält. Seine Ideologie und Haltung, behauptete er, stünden in völligem Gegensatz zu dem, was diese Zeitung repräsentiere.

Diese Mail ließ die Schreiberin des ersten Hinweises eine Frage schreiben:
Das führt aber nicht dazu, dass Sie darüber nachdenken, warum Zeitungen wie diese Ihre smarten Ideen so lieben?

Es kam die übliche Antwort eines jeden Extremisten: Das machen auch DIE ZEIT, die Times, der Independent, Led Monde, etc. – ausweichen, ablenken, keinesfalls die legitimen Schlüsse zulassen wollen. Was das beweist? Höchstens, dass der neue Antisemitismus Einzug in die „Mitte“ der Gesellschaft gehalten hat und diese das nicht wahr haben will. Dann muss man ihm eben die Nase drauf stoßen:

Was immer Sie über dieses nicht autorisierte Interview erzählen, Sie sprechen die Tatsache nicht an, dass Ihre Ideen so sehr mit denen der Nazis harmonieren, dass sie zur Veröffentlichung in deren Medien willkommen sind. Professor, Sie sind Nazi-kompatibel. Sie lieben Juden wie Sie. Darauf können Sie stolz sein!

Das kann einer wie die Pappnase nicht auf sich sitzen lassen. Seine Reaktion? Die eines Kindergarten-Kindes: Selber Nazi! Bäh! Ich bin gut! Du nicht! Gefolgt von der Selbstbeweihräucherung des einsamen Kämpfers, der hier und da noch den einen oder anderen Juden hat, der ihm zustimmt. Merke: Selbst ein Alibi-Jude braucht andere Alibi-Juden, um sich zu bestätigen, dass er kein Alibi-Jude ist sondern recht hat – und ein einsamer Rufer in der Wüste. Ohne zu merken, dass der Sand um ihn herum die nichtjüdischen Antisemiten sind, mit denen er im Chor heult.

Das ist also die Qualität eines Mannes, der von interessierten Kreisen als „Gewissen Israels“ gefeiert wird – weil er den Judenstaat als Unrechtsstaat brandmarkt, ihm jede Legitimität abspricht und alles und jeden willkommen in die Arme schließt, der mit ihm eine Meinung ist. Und sich dann wundert, wenn er mit Nazis im selben Bett liegt. Die angeblich im völligen Gegensatz zu dem stehen, was er repräsentiert. Zur Verlogenheit kommt noch Narzissmus hinzu. Die große gemeinsame Konstante sind die antiisraelischen Hasstiraden.

Herzallerliebste Rechtfertigungen

Vor ein paar Tagen hatte Henryk M. Broder auf der Achse des Guten ein Antwortschreiben von Martin Kloke an den Verlag 2001 eingestellt, als Letzterer sich beim Kunden „wieder ins Gedächtnis rufen“ wollte. Kloke beklagte darin „krude Schnittmengen mit judenfeindlichen und rechtsextremen Ideologemen“ seitens des Verlages, was er über Veröffentlichungen von antiisraelischen, verschwörungstheoretischen und Büchern eines „Neuen Historikers“ beispielhaft belegte.

Jetzt wehrt sich der Geschäftsführer des Verlags (und Broder hat das wieder eingestellt). Er findet die Vorwürfe „bizarr“ – dem Verlag wie Ilan Pappe gegenüber. Begründung?

Fangen wir mit dem Verlag an: Wir haben viele wichtige Bücher über die Shoa gemacht. Sie ist unvergleichlich. Aber sie führt nicht zum Verbot einer Kritik an der politischen Führung Israles.

Klasse. Wir haben über die Shoa veröffentlicht, dann dürfen wir auch die Verunglimpfung Israels und Lügen über seine Entstehung veröffentlichen. (Nur, dass das ja keine Lügen sind, wie Pappnase Ilan „beweist“.) Wenn das als Begründung reicht Scheiße zu Gold zu erklären, dann habe ich keine Probleme bei meiner Bank ein paar neue Einlagen zu tätigen.

Was Pappe angeht, so beginnt der Herr Geschäftsführer mit dieser Glanzleistung: In dem Buch wird durchaus wissenschaftlich, anhand neuer Quellen, gezeigt, was vor sich ging, als die zionistische Führung die Palästinenser vertrieb.

Welche „neuen Quellen“ sind das? Aber bevor ich darauf eingehe: wissenschaftlich? Der Mann stellt doch mit einen Kollegen von den „neuen Historikern“ sämtliche Prinzipien seiner Wissenschaft auf den Kopf! Für diese „Wissenschaftler“ gilt als Geschichte und historisch nicht das, was damals tatsächlich passierte (Fakten), sondern das, was heute die Araber in und um Israel darüber erzählen (Märchen und Propaganda)! Das haben sie explizit so gesagt! Dieser Aspekt fehlt leider bei der Beschreibung der „Neuen Historier“ in Wikipedia, im Gegensatz (neben der Kritik, dass sie zu sehr von ihrem marxistischen Hintergrund beeinflusst sind) zu ihrem Ansinnen, diese (einzig richtige) arabische Sichtweise aus den israelischen und britischen Dokumenten erkennen zu wollen ohne arabische Quelldokumente zu benutzen (!). Welche Wissenschaftlichkeit kann man an einem solchen Schreiberling und Propagandisten zugestehen?

Was sein Wissenschaftsverständnis angeht, so hat Herr Pappe das besonders deutlich gemacht, als er sich lauthals darüber beschwerte, dass einem Jünger seiner historischen Sicht ein Doktortitel der Universität Haifa aberkannt wurde. Dieser hatte nämlich für seine Dissertation arabische Palästinenser interviewt, um die Gräueltaten der Zionisten 1948 zu dokumentieren – nur, dass diese Interviews ihm nicht genug Stoff gegen den Staat Israel hergaben und er die Verschriftlichung der Interviews fälschte! Das wurde ihm vor Gericht nachgewiesen; dieses ordnete daraufhin die Aberkennung der Dissertation an. Pappnase Ilan kann das nicht verwinden und schreit „Diskriminierung“ und „Betrug“. Wobei er den Betrüger als Betrogenen betrachtet!

Aus ähnlicher Ecke – Interpretation von Dokumenten nach Art der Darstellung der Ereignisse durch heutige Araber von der „Katastrophe“, nach 60 Jahren Indoktrination durch die arabischsprachigen Medien, insbesondere aber durch die Hetze der PA – kommen offensichtlich die „neuen Quellen“ des Ilan Pappe. Wie sonst sollten sich die diametral entgegengesetzten Darstellungen ergeben, die alles „widerlegen“, was zur Gründungszeit des Staates Israel bisher geschrieben wurde? Wie sollten die damaligen Staatsgründer alles unter der Decke haben halten können, was die „neuen Erkenntnisse“ des Ilan Papper ausgiften?

„Heute wissen wir, daß Exekutionen, auch an Frauen und Kindern, das Niederbrennen von Dörfern, die Massenvergewaltigungen, Enteignungen etc. keine Kollateralschäden waren, sondern daß es einen Plan gab, der umgesetzt wurde“, schreibt der Herr Geschäftsführer. Woher „wissen“ „wir“ das? Aus der antisemitischen arabischen Propaganda! Die Herr Pappe und Konsorten als Wissenschaft verkaufen! Weil ein jüdischer „Historiker“ sich diese wüsten Verschwörungen zu eigen macht, müssen sie ja stimmen. Das ist das klassische Beispiel für den jüdischen Kronzeugen, den Hausjuden, den Hampelmann und Alibijuden, der alles rechtfertigt, was man gegen die Juden unternimmt.

Weiter fragt der gute Mann: „Warum darf man darüber nicht berichten?“ Das ist die Keule Möllemanns. „Berichten“ tut jeder, aber sobald Kritik daran geäußert wird, ist das Berichten angeblich verboten. Verlogener geht’s kaum, aber es muss unbedingt doch noch eins drauf gesetzt werden:

Im übrigen befolgen Sie, als guter Deutscher, in meinen Augen auch wieder nur eine Obrigkeitsvorgabe, nämlich “Kritisiere nie die Führung Israels, egal wie menschenverachtend sie sich verhält”. Das ist so widersinnig, dass man gar nicht mehr weiß, wie oft man dem Mann seinen Unsinn um die Ohren hauen soll. Es ist die übelste Mümmelmann-Propaganda, gefördert und genährt von linkem Hass gegen die Wirklichkeit, die wir hier in Deutschland haben. Die Veröffentlichung des Machwerks von Pappe durch diesen Verlag ist der schreiende Gegenbeweis der Behauptung. Weiterhin strafen die Verkaufszahlen von anderen Lügen-Pamphleten wie der „Israel-Lobby“ oder Carters „Israel-Apartheid“-Schinken Herrn Till Tolkemitt Lügen. Wer so vor der Wirklichkeit die Augen, die Ohren und den Verstand verschließt, von dem kann man allerdings nicht erwarten, dass er logisch schreibt, geschweige denn handelt.

Lesen Sie das Buch und urteilen Sie selber, bevor Sie uns Antisemitismus vorwerfen“, empfiehlt der große Geschäftsdenker dem Kritiker. Und beweist damit einmal mehr, dass sein Denken „ein wenig“ in Schieflage geraten ist. Aus dem Schreiben Klokes geht nirgendwo hervor, dass er dem Verlag Antisemitismus vorwirft. Er hat aufgezeigt, dass von diesem Verlag veröffentlichte Werke von Leuten kommen, die Antisemitisches verbreiten und beim falschen Publikum Applaus finden. Diese zu veröffentlichen, das findet Kloke kritikwürdig. Daraus einen Antisemitismus-Vorwurf gegen den Verlag zu konstruieren, ist – wie drückte der Manager es umgekehrt aus? – „bizarr“. Außer, der Verlag macht die Meinungen und Vorstellungen der Antisemiten zu seinen eigenen. Dann wäre der Vorwurf allerdings unberechtigterweise nicht erhoben. Sollten wir das nicht vielleicht nachholen?

Herr Kloke hat dem Verlag klar gesagt, warum er dort nicht mehr kauft, mehr nicht. Diese Meinung gefällt dem Geschäftsführer nicht. Sie zum Anlass zu nehmen über die mögliche Berechtigung der Kritik einmal nachzudenken, ist nicht drin. Reflexartig werden „Argumente“ (argumentative Keulen!) ausgepackt und zum Besten gegeben, die bei genauerem Hinsehen einfach zu schwachsinnig sind, als dass sie für stichhaltig gelten könnten. Wahrscheinlich aber ist genau das der Grund, weshalb sie immer weiter in Gebrauch bleiben. Was so unteriridsch schwachsinnig ist, das muss schon wieder stimmen. Und Antisemitisches darf schon mal gar nicht mehr antisemitisch genannt werden, wenn es nicht krude neonazistisch daher kommt. Danke für die Lektion!