Ermüdende Kriegsargumente

Jonah Goldberg, National Review Online, 1. Oktober 2002

Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das gelesen habe oder wer es sagte, aber eine alte Geschichte kommt mir immer wieder in den Sinn. Ein ehemaliger Linker, der konservativ wurde, trifft einen nicht reformierten Linken auf einer Party. Der Linke fängt an allen möglichen Unsinn über kapitalistische Raubritter oder amerikanischen Imperialismus usw. von sich zu geben. Der Konservative antwortet: „Deine Argumente sind so alt, dass ich die Antwort darauf vergessen habe.“

Die Debatte über den Irak ist voll von solcher Art von Argumenten. Man kann kein Radio hören oder eine Fernseh-Diskussion zum Thema sehen, ohne dass jemand mit etwas kommt, von dem man weiß, dass es dumm ist, aber man weiß nicht mehr warum. Deshalb dachte ich, es wäre gut eine Liste anzulegen. Sie ist nicht vollständig, aber ein Anfang.

Wir halfen Saddam in den 80-ern/Wir ignorierten, dass er die Kurden vergaste

Die einfache Antwort zu allen Argumenten dieser Art ist: „Na und?“ Auch wenn es falsch war Saddam (oder den Taliban usw.) zu helfen, heißt das, dass wir konsequenterweise an dieser falschen Politik fest halten? Nach dieser Meinung hätten wir den Holocaust missachten sollen, weil wir die Ereignisse missachteten, die zum Holocaust führten. Das ist ein Nebenprodukt einer Kultur, die Heuchelei als größeres Verbrechen ansieht als wirkliche Verbrechen. Wir haben in der Vergangenheit einer Menge schlechter Leute geholfen, aus Gründen, die bei in aller Fairness, Fall für Fall einzeln betrachtet werden müssen. Al Qaida mag z.B. eine schlechte Folge unserer Unterstützung der Mudschaheddin in den 80-er Jahren sein – aber das heißt nicht, dass es falsch war, die Mudschaheddin zu unterstützen. Immerhin war der Kalte Krieg in vollem Gang. Und selbst, wenn wir falsch lagen, entschuldigt das die Tat von Al Qaida am 9/11? Amerika die Schuld zu geben mag sich gut anfühlen, aber es gibt den Bösen keine Absolution für ihre Taten, genauso wenig, wie die Sklaverei nicht rechtfertigt, dass ein Schwarzer einen Supermarkt-Kassierer umbringt.

Sogar, wenn unstrittig sein sollte, dass wir uns früher falsch verhielten, heißt das denn, dass wir jetzt das Richtige sein lassen sollen? Die Antikriegs-Typen werfen mit diesem Schwachsinn um sich, als ob die enthaltene Heuchelei den Streit entscheiden würde, wenn sich darin doch nur Heuchelei ausdrückt.

Die „arabische Straße“ wird wütend auf uns sein

Vielleicht weiß Victor David Hanson die Antwort, aber bei meinem Leben, ich kann mich nicht erinnern, wann das letzte Mal war, dass die USA bereit waren, sich von einem unbewaffneten Mob missvergnügten Analphabeten eine halbe Welt entfernt die amerikanische Außenpolitik diktieren ließen. Na ja, als ich „das letzte Mal“ schrieb, führte das etwas in die falsche Richtung, weil wir schon seit Jahrzehnten über die „arabische Straße“ jammern und die arabische Straße bis heute absolut nichts gemacht hat. Es gab 1979 im Iran einen Volksaufstand, aber von der Persischen Straße hören wir heute nicht viel, außer, dass sie inzwischen „U. S. A., U. S. A.“ skandieren.

Nach dem 11. September machten sich kluge Leute in der arabischen Welt – ohne die vielen Menschen auf den arabischen Straßen zu zählen, die mit Frohlocken des Todes so vieler Amerikaner gedachten – sorgenvoll Gedanken über die amerikanische Straße. Wissen Sie, warum? Weil, anders als die Bewohner der arabischen Straße, die Amerikaner wählen können. Amerikanische Politiker kümmern sich tatsächlich darum, was ihre Bürger denken. Und das amerikanische Volk hat, über seine Politiker, Zugang zu diesem verflixten „Waffenlager der Demokratie“. Währenddessen kümmern sich die arabischen Führer einen Dreck darum, was ihre Bürger denken; und selbst wenn sie es täten, dann gäbe es nicht viel, was sie deswegen unternehmen würden.

Es wird die Lage zwischen Israel und Palästina schwieriger machen

Nicht wirklich. Aber lassen Sie uns erst einmal anmerken, dass das ein Argument dazu ist, was in Israels Interesse liegt, nicht in unserem. Wenn Sie tatsächlich glauben, dass die pro-israelischen Kriegstreiber Blutvergießen herbeiführen, um Israels Interessen zu dienen, dann können Sie anders herum sagen, wir sollten keinen Krieg führen, weil der nicht in Israels Interesse liege.

Egal: Wenn Sie wegen des „Geistes von Oslo“ nostalgisch werden, dann sollten Sie sich wenigstens daran erinnern, dass dieser Geist von Amerikas Sieg im Golfkrieg herbei gezaubert wurde. Die USA zwangen beide Seiten an den Verhandlungstisch. Hätte Arafat sich nicht dafür entschieden, die Autonomie (mit der Ermutigung durch den Iran, den Irak und Syrien) als Garrison für seinen Krieg gegen Israel zu beherrschen, dann ist es durchaus möglich, das der letzte Golfkrieg einen dauerhaften Frieden zwischen beiden Seiten gebracht hätte. Fragen Sie auch hier Victor Hanson, aber Sie werden entdecken, dass Kriege oft am schnellsten Frieden bringen. Was uns zum nächsten Punkt bringt…

Der israelisch-palästinensische Konflikt muss zuerst gelöst werden

Es ist der hochuniverselle Konsens der „aufgeklärten“ Europäer, Araber und meisten amerikanischen Kreise, dass die höchste Wichtigkeit im Nahen Osten eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts ist. Jeder, von Kofi Annan bis Bill Clinton und der gesamten Arabischen Liga hat gesagt, dass an eine Invasion des Irak noch nicht einmal gedacht werden sollte, bis eine Lösung des Palästinenser-Problems erreicht ist. Einige glaubt ohne Zweifel wirklich ernsthaft daran. Aber andere, z.B. Saddam Hussein, unterschreiben das nur, weil, wenn eine endgültige Regelung des israelisch-palästinensischen Konflikts zwangsläufige Vorbedingung für eine Invasion des Irak ist, Saddam sicher stellen kann, dass der Irak nie angegriffen wird.

Sagen wir, ich würde Ihnen verkünden, dass Sie Ihren lukrativen Posten nur so lange behalten, wie die Hatfields und die McCoys ihre Fehde fortsetzten, aber wenn diese Fehde beendet ist, würden Sie Ihren Job verlieren, ins Gefängnis gesteckt oder hingerichtet. Denken Sie nicht, dass sie ein paar Tüten mit Hundekacke vor die Tür der McCoys legen würden, die eine gefälschte Nachricht der Hatfields beinhalten? Würden Sie nicht vielleicht den Hatfields immer wieder einflüstern, dass die McCoys Abführmittel in ihre Lebensmittelvorräte spritzen? Mit anderen Worten: Würden Sie nicht ein intensives Interesse daran haben, die Fehde zwischen den Hatfields und McCoys so lange wie möglich am Leben zu erhalten?

Saddam hat den Mord-Bonus für Selbstmordbomber aus genau diesen Gründen erhöht. Andere Staaten des Nahen Ostens finanzieren die Hisbollah und Hamas aus ähnlichen Gründen, wie zahllose Experten bemerkten. Der israelisch-palästinensische Konflikt ist für die arabischen Führer ein Mittel, die Aufmerksamkeit von ihren eigenen Regierungen abzulenken. Der Irak schürt die Unruhe in Israel, um die USA davon abzuhalten die eigene Regierung zu stürzen. Aber der Iran und sogar Ägypten schüren die Unruhen mit Israel, um ihre eigenen „Straßen“ von einem Sturz der Regierung abzuhalten.

Wir haben ohne Genehmigung durch die UNO keine Recht dazu

Man ist versucht das eigentliche Verständnis von „souverän“ oder eines „souveränen Staates“ zu erklären. Da aber diejenigen, die dieses Argument benutzen, bereits der Idee, dass Amerika irgendein Recht hat auf eigenständiges Handeln hat, tief verfeindet gegenüber stehen, lassen wir das außen vor. Lassen Sie uns statt dessen zum moralischen Kern der Sache vordringen. Die Menschen, die glauben, wir müssten über die UNO gehen, scheinen zu glauben, dass die UNO eine objektiv neutrale oder moralische Institution ist. In ihren Augen ist die Zustimmung der UNO das gleiche, als erhalte man die Zustimmung eines Richters oder Priesters. Oder sie denken, die UNO sei der Ort, wo die Staaten der Welt ihre geringfügigen Eigeninteressen ablegen und tun, was immer im besten Interesse der Menschheit ist.

Damit gibt es nur ein Problem: Keine der Nationen in den Vereinten Nationen – besonders der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats – handeln mit solch reinen Absichten. Frankreich ist nicht gegen die Invasion des Iraks, weil es den Frieden so sehr liebt. Es stellt sich hauptsächlich deshalb gegen eine amerikanische Invasion, weil Frankreich seit Jahren mit dem Irak Handel treibt, trotz der Sanktionen. Frankreich hat Milliarden Dollars in Öl-Verträge gesteckt, die es nicht verlieren will. Das ist der Grund, dass Frankreich nach vielen Berichten bekannt gemacht hat, dass es vermutlich der US-Invasion zustimmen wird, wenn seine Verträge gültig bleiben.

Denken Sie an Russland. Russland hat hauptsächlich wegen Öl kalte Füße – und weil es die 8 Milliarden Dollar sichern will, die ihm der Irak bereits schuldet. Aber Russland will auch, dass die USA seinen militärischen Machtmissbrauch in Tschetschenien und Georgien gegenüber die Augen verschließt. Und nebenbei, eine Vorbedingung für Chinas Stimme ist Amerikas still schweigende Zustimmung zur chinesischen Unterdrückung der separatistischen muslimischen Uiguren. Warum nun soll eine amerikanische Invasion des Irak mit UN-Zustimmung irgendwie moralisch höher stehend sein, wenn diese Zustimmung nur durch amerikanische Unterstützung für Blutvergießen an anderer Stelle erkauft werden kann? Der Sicherheitsrat zahlt nicht mit der Währung von Uneigennützigkeit und Wohltätigkeit, sondern in Blut und Öl. Die Redakteure der „National Review“ drückten das in der letzten Ausgabe so aus: „Wir werden es den Angsthasen überlassen herauszufinden, warum amerikanische Linke es als ein Kennzeichen der Moral der Außenpolitik ansehen, wenn diese Politik mit russischer und französischer Strategie zusammen fällt, zu denen diese aus gröbsten Beweggründen gelangt sind. Ganz allgemein: Die „internationale Meinung“ zum Knackpunkt für Recht und Unrecht zu machen, ist ein Fehler, da so viel davon von Angst, Selbstinteresse und Habgier getrieben ist.“ Und wenn wir schon von Habgier sprechen…

Kein Blut für Öl/Nicht aus Habgier

Als ich während des Golfkriegs im College war, macht sich die Wut daran fest. Mit der Zeit ist es nicht besser geworden. Das Grundargument sieht in etwa so aus: Bush und Cheney sind Männer der Öl-Industrie. Sie wollen das Öl des Irak in ihre gierigen Hände bekommen. Also ist das ein Krieg um Öl. Ich denke, man könnte das kultivierter ausdrücken, aber warum sollte man sich die Mühe machen, einem Schwein ein Kleid anzuziehen?

Peter Beinhart von „The New Republic“ schreibt in seiner jüngsten – und exzellenten – Kolumne, dass Krieg nicht das beste Mittel ist, an das Öl des Irak zu kommen. Wenn alles, was wir wollen, ist, ein größeres Stück vom irakischen Öl-Kuchen zu bekommen, müssten wir es lediglich, wörtlich, sagen. Dick Cheney könnte schon morgen mit Saddam bei türkischem Kaffee und ein paar gefolterten Dienern verhandeln. Saddam hat verkündet, dass er absolut bereit wäre, eine Menge mehr Öl an die USA zu verkaufen und dass natürlich ein paar neue Verträge abgeschlossen würden, wenn die USA die Sanktionen fallen lassen würden und den „Blödsinn mit dem Regimewechsel“ vergessen würden.

Den Krieg zu führen, nur um Iraks Ölproduktion von so etwa 3 Millionen Barrel pro Tag auf in etwa 6 Millionen Barrel zu erhöhen, birgt massive politische wie finanzielle Risiken. Ein Krieg mit dem Irak könnte dessen Ölfelder ruinieren. Er könnte die Instabilität in der Region oder einen Bürgerkrieg im Irak entfachen. Er könnte die Republikaner die Präsidentschaft kosten, wenn er schief geht. Kurz gesagt: Ginge es um Öl, würde jeder gute Geschäftsmann einfach sagen: „Lasst uns einfach die Sanktionen aufheben.“ Und wenn Bush lediglich an das Öl wollte, warum, so Beinhart, machen die USA den Franzosen und den Russen Zusicherungen, dass diese ihre bestehenden Verträge behalten können, wenn sie einer Invasion zustimmen?

Und wenn Bush und Cheney tatsächlich die Interessen der Öl-Industrie vertreten, dann müsste einmal jemand erklären, warum das American Petroleum Institute vor den Anschlägen vom 11.9. für die Aufhebung der Sanktionen eintrat. Man könnte auch fragen, warum die Ölpreise hoch gehen, wenn ein Krieg wahrscheinlicher wird und sinken, wenn die Chancen für Frieden steigen.

Meiner Meinung nach ist die überzeugendste Antwort auf das Blut-für-Öl-Argument eine sehr einfache. Die Menschen, die es von sich geben, sind Trottel. Also, ich meine nicht diejenigen, die sagen, dass die USA aus geopolitischer Notwendigkeit die Ölmärkte stabilisieren müssen oder diejenigen, die (zu Recht) sagen, wir müssten die Macht und den Einfluss der Saudis verringern. Ich meine Leute, die im Stil von Cynthia McKinney argumentieren, dass Bush und Cheney und Rumsfeld durch den Krieg reich werden wollen. Das ist das Argument der Carlyle-Gruppe, das man im Pacifica Radio und in den süßen Fiebersümpfen des Internets hören kann. Das simple Problem an dieser These ist, dass es ein grundlegendes Missverständnis über reiche Leute offenbart.

Reiche Leute, die noch reicher werden wollen, bewerben sich nicht um die Ämter von Präsident und Vizepräsident. Sie übernehmen nicht den Posten eines Verteidigungsministers oder Finanzministers. Und, zur Information, sie wollen nicht Senatoren werden – wie John Edwards und Jon Corzine. Solche Leute mögen selbstsüchtige Motive haben, aber Habgier oder dreckige Gewinnsucht gehören nicht dazu. Sie mögen die Macht lieben, sie mögen etwas Gutes tun wollen, sie mögen ihren Namen in den Geschichtsbüchern sehen wollen, sie mögen sogar nur einfach ihren Grundschullehrern etwas beweisen wollen, die ihnen sagten, sie würden nie etwas erreichen. Aber sie tun es nicht, um den großen Schlag am Aktienmarkt zu tun. Jeden Tag höre ich Leute, die ganz ehrlich glauben, Bush & Co. würden die Invasion des Irak wollen um mehr Geld zu verdienen. Diese Leute sind entweder dumm oder sie sind in einer Zone des Zwielichts gefangen, in der Cartoons von Thomas Nast die Realität zu sein scheinen.

Und das ist das Problem mit den meisten bekloppten Theorien zu Krieg: Sie offenbaren eine tiefgehende Naivität dazu, wie eine Regierung funktioniert. Wenn Bush das für Öl oder Geld machen würde oder wegen „Vergeltung“ gegen den Mann, der versuchte seinen Vater zu töten, dann könnte er das nie sagen. Er könnte das dem inneren Kreis nicht sagen, ganz zu schweigen von seinen führenden einigen hundert Leuten darunter, die die Politik machen. Das würde an die Öffentlichkeit kommen. Die Gegner würden es durchsickern lassen. Männer mit Ambitionen würden Warnungen verbreiten und zu Helden werden. Anständige Männer würden auch öffentlich warnen.

Mit anderen Worten: Bush müsste alle seine Motive vor den Leuten geheim halten, die davon überzeugen muss, seine Politik mitzumachen. Da aber die meisten dieser anti-Bush, Antikriegs-Typen auch davon überzeugt sind, dass der Oberkommandierende ein Idiot ist, ist es schwer vorstellbar, wie sie glauben können, er sei schlau genug, einen solchen Schwindel durchzuziehen.

Nichts ist erfolgreicher als Niederlagen

Daniel Pipes, Jerusalem Post, 28. Februar 2001 (mit Ergänzungen)

Heute vor genau 10 Jahren endete die irakische Eroberung Kuwaits mit einem totalen Misserfolg. Man erwartete, dass der irakische Präsident Saddam Hussein bald die Kontrolle über den Irak verlöre, aber ein Jahrzehnt später ist er weiterhin fest im Sattel.

Wie konnte er das schaffen? Tariq Aziz, eines von Saddams wichtigsten Sprachrohren, deutete noch vor dem Kriegsausbruch im Januar 1991 an, warum sein Herr sich keine Sorgen machte. Regime des Nahen Ostens, so sagte Aziz dem US-Außenminister James Baker, sind nie „in einen Krieg mit Israel oder Vereinigten Staaten gegangen und haben dabei politisch verloren“. Das ist zwar etwas übertrieben (arabische Führer zahlten einen Preis für die Niederlage gegen Israel 1948/49), aber Aziz hat im Prinzip recht: Eine militärische Niederlage schadet einem nahöstlichen Herrscher in der Regel nicht. Statt dessen leugnet er die Katastrophe auf dem Schlachtfeld und blüht politisch auf.

Einige Beispiele:

Suezkrise 1956: Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser erlitt durch die Briten, Franzosen und Israelis eine demütigende militärische Schlappe, bestand aber darauf, einen Sieg errungen zu haben. Ihm wurde weitgehend geglaubt. Das Ergebnis war, dass diese Episode „ihn politisch und moralisch stärkte“, schreibt Shukri Abed von der University of Maryland; sie half Nasser, die dominierende Figur der arabischen Politik zu werden.

Sechs-Tage-Krieg 1967: Die katastrophale Niederlage durch die Israelis veranlasste Nasser dazu, seinen Rücktritt anzubieten, aber die Ägypter antworteten mit massiven Straßendemonstrationen, die ihn aufforderten, an der Macht zu bleiben (was er tat). Syriens Verteidigungsminister von 1967, Hafez Assad, machte weiter und wurde Präsident seines Landes.

Die Schlacht von Karama 1968: Yassir Arafats Fatah verlor ihren ersten größeren bewaffneten Zusammenstoß mit den Israelis, behauptete aber gesiegt zu haben.

Belagerung von Beirut 1982: Arafat verwandelte einen demütigenden Rückzug aus Beirut in einen politischen Sieg, indem er betonte, dass die Israelis 88 Tage benötigten um ihn zu besiegen, weit länger, als sie für den Sieg über andere arabische Streitkräfte brauchten.

Heute erinnert man sich an diese Ereignisse als glorreiche Siege. Die Hamas erzählte z.B. ein paar Jahre später, dass die Palästinenser 1982 Israel „demütigten“ und „seine Entschlossenheit brachen“.

Was erklärt aber dieses überraschende Muster? Drei Aspekte des muslimischen Lebens helfen, das aufzuklären.

 

  • Ehre hat monumentale Bedeutung; sie zu erhalten bedeutet mehr, als wirklich etwas zu erreichen. Hussein Sumaida, ein Exil-Iraker, erklärt Saddams Motive dafür, dass er sich 1991 gegen den Großteil der Welt stellte: „Sieg oder Niederlage spielten keine Rolle. Wichtig war, eine gute Show zu liefern und die Herzen der glühenden arabischen Welt zu gewinnen.“
  • Fatalismus bietet muslimischen Herrschern eine Möglichkeit, keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Es war alles eine Frage des Schicksals, was konnten wir schon tun? As’ad Abu Khalil von der California State University stellt fest, dass arabische Führer in Zeiten der Niederlage typischerweise die Haltung übernehmen, dass „Menschen keinerlei Einfluss oder Auswirkungen auf ihre Taten oder Pflichten haben. Nur Gott handelt.“ Sich auf diese „Unvermeidbarkeit des Schicksals“ zu berufen entledigt die arabischen Regime und Armeen ihrer Verantwortung. Dieses Muster, merkt er korrekt an, „ist so typisch geworden, dass man es voraussehen kann“.
  • Verschwörungstheorien dominieren derart, dass bei jeder Konfrontation mit dem Westen (einschließlich Israels) angenommen wird, dass der Westen dadurch die Herrscher vernichten und ihre Länder erobern will. Die Ägypter glauben z.B. weitgehend, dass die britischen und französischen Regierungen 1956 planten Nasser zu eliminieren und Ägypten zu besetzen. Als diese vernichtenden Folgen nicht eintraten, kam sein bloßes Überleben einem überwältigenden Sieg gleich.

Einen Feind auf dem Schlachtfeld zu schlagen, ist nicht genug, um im Nahen Osten zu gewinnen; der Herrscher und sein Regime muss ebenfalls eliminiert werden. Die politischen Auswirkungen für den Irak sind offensichtlich.

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Ergänzungen:

28. August 2006: Hassan Nasrallahs Starstatus im Nahen Osten, nachdem er nach allen objektiven Maßstäben den Krieg mit Israel verloren hat, passt genau in dieses Muster. Lee Smith stellt die Kontinuitäten in „The Real Losers: Hezbollah’s Hassan Nasrallah admits that the war was a mistake“ heraus. (Die wahren Verlierer: Hisbollahs Hassan Nasrallah gesteht ein, dass der Krieg ein Fehler war.)

19. November 2012: Barry Rubin führt in „The Israel-Hamas War and the Suicide Strateby: How Arab Forces Expect to be Weak, Start Losing Wars and Still Hope to Win” (Der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah und die Selbstmordstrategie: Wie arabische Streitkräfte erwarten schwach zu sein, beginnen Kriege zu verlieren und immer noch hoffen zu gewinnen) ähnliche Punkte wie die meinen an. Was er die „Selbstmordstrategie“ nennt, beinhaltet, dass ein Führer denkt: „Ich werde einen Krieg anfangen, den ich nicht gewinnen kann, um eine Situation zu schaffen, in der die andere Seite meine Infrastruktur zerstört und mein Volk tötet. Dann werde ich militärisch verlieren, aber die Schlacht gewinnen. Wie?“ Rubin listet dann drei Elemente auf:

  • Ich tötet ein paar Leute der anderen Seite und füge ihr etwas Schaden zu. Da sie schwächer und weniger mutig sind als ich, werden sie aufgeben. Je länger der Krieg dauert, desto wahrscheinlicher werden sie nach einer Ausstiegsmöglichkeit suchen, selbst wenn dazu gehört, dass sie viele Zugeständnisse zu machen. Terrorismus gegen ihre Zivilisten einzusetzen verstärkt diese Taktik.
  • Mit dem Leiden und der Vergrößerung des Leidens durch Nutzung allgemein verständnisvoller westlicher Medien werde ich dafür sorgen, dass die andere Seite Mitleid mit mir hat und sich gegen die eigenen Führungspolitiker stellt, die dann als herrisch, blutrünstig und imperialistisch hingestellt werden.
  • Das Gespenst von Krieg, Leiden und besonders zivilen Opfern wird die „internationale Gemeinschaft“ dazu bringen Druck auf meine Gegner auszuüben, damit sie klein beigeben, den Kampf beenden (selbst wenn ich ihn auf niedrigerer Ebene weiterführe), mich überleben lassen und mir Vorteile verschaffen.

Während diese Strategie „oft gegen westliche Gegner oder Israel funktioniert hat“, vermerkt Rubin, „wird sie gegen andere Araber oder den Iran nicht funktionieren, denn für diesen Kräfte könnte nichts gleichgültiger sein als wie viel Schaden und wie viele zivile Opfer sie verursachen“.

Feiern eines vorgetäuschten Hamas-Sieges

November 2012: Die Israelischen Verteidigungskräfte mögen viele der Hamas-Führer exekutiert, ihre Infrastruktur zerschlagen und den Gazastreifen ins Schwanken gebracht haben, aber – wie man es von ihr kennt – hat die Hamas am Tag nach Inkrafttreten eines Waffenstillstands einen Feiertag ausgerufen. Nicht nur das, sondern sie hat den 22. November zu einem Tag erklärt, der fortan jedes begangen werden soll: „Wir fordern jedermann auf zu feiern, Familien von Märtyrern, die Verwundeten und die, die Häuser verloren haben zu besuchen.“ Die Feierei war derart ernst, dass ein Mensch von Schüssen in die Luft getötet und drei verletzt wurden.

Der offizielle Fatah-Vertreter Bassam Zakrneh fordert auf seiner Facebookseite: „Meine Brüder, wenn der Tod von 163 Märtyrern, einschließlich des Führers Ahmed Jabari, mit Tausenden Verletzten und der Zerstörung aller [Regierungs-] Institutionen als Sieg betrachtet wird, was um Gottes Willen ist dann eine Niederlage?“

  1. Juli 2014: Ich betrachte dieses Thema einmal mehr in „Warum will die Hamas Krieg?“ Der Schlüsselabschnitt:

Die Hamas-Führer agieren recht rational. Regelmäßig (2006, 2008, 2012) entscheiden sie sich Krieg gegen Israel zu führen, im vollen Bewusstsein, dass sie diesen auf dem militärischen Schlachtfeld verlieren, aber in der Erwartung, dass sie auf der politischen Ebene gewinnen werden. Israelische Führungspolitiker nehmen umgekehrt an, dass sie militärisch gewinnen, aber politisch eine Niederlage einstecken werden – schlechte Presse, Resolutionen der Vereinten Nationen und so weiter.

11. September 2014: Der ägyptische Analytiker Abdel-Moneim Said nimmt dieses Thema in „Victory and defeat“ (Sieg und Niederlage) auf. Er beginnt mit der Erinnerung an seine Zeit bei einer Studentenzeitung nach dem furchtbaren ägyptischen Verlust im Sechstage-Krieg: „Zu meiner großen Überraschung stellte ich fest, dass eine ganze Menge meiner Kollegen bei dieser Zeitung glaubten, wir hätten den Krieg von 1967 gewonnen!“ Wie konnte das sein?

Die Logik sah so aus: Der Zweck der israelisch-amerikanischen Aggression bestand darin den ruhmreichen Präsidenten und das sozialistische System in Ägypten zu stürzen, da aber der Präsident immer noch an der Macht ist, nachdem das Volk ihn mit Massendemonstrationen unterstützte und seiner weisen Führung am 9. und 1. Juni und angesichts dessen, dass das sozialistische System immer noch bestand, hatte der Feind seine Ziele nicht erreicht. Also hatten wir gewonnen!“

Leider, fährt er fort, „blieb die oben beschriebene allgemeine Linie unverändert und viele arabische Revolutionskräfte nutzen sie weiterhin“. Said bietet liefert Beispiele:

Nach dem Krieg zur Befreiung von Kuwait entschied der irakische Präsident Saddam Hussein, er habe „die Mutter aller Schlachten“ gewonnen. Immerhin bestand das Ziel des Krieges darin ihn und sein Regime zu stürzen. Da er und sein Regime immer noch da waren, waren er und sein Regime siegereich [aus dem Krieg] hervorgegangen. …

Scheik Hassan Nasrallah wandte dieselbe Logik auf den Krieg zwischen dem Libanon und Israel im Sommer 2006 an. Solange er persönlich und seine Gruppe Hisbollah überlebten, konnte er uneingeschränkten Krieg geltend machen.

Selbst Präsident Bashar al-Assad glaubt, er könne sich zum Sieger erklären, bevor die Schlacht auch nur zu Ende ist. Befindet er nicht immer noch mit seiner Partei, seiner Clique und seinem Clan dort im Herzen Syriens?

Dann wendet er diese Logik auf die Kämpfe vom Juli/August 2014 zwischen der Hamas und Israel an:

Wenn eine Seite 2.100 Tote hat, tausende weitere Verletzte, ein Großteil ihrer zivilen Infrastruktur und ihre Tunnel zerstört werden und ein beträchtlicher Teil ihrer militärischen Kapazitäten dezimiert werden, weil die qualifizierten Kommandeure dafür getötet wurden, während die andere Seite 72 Tote und zwei Verwundete als Verluste hat und bei den Störungen durch Hunderte, die von Zeit zu Zeit in Bunkern Zuflucht suchen mussten, dann können die Ergebnisse des jüngsten Kriegs im Gazastreifen kaum als palästinensischer Sieg gutgeschrieben werdne. Dennoch haben Hamasführer In Übereinstimmung mit der erwähnten Logik ihren Sieg proklamiert.

Es herrscht die Meinung, dass das israelische Ziel war die Hamas zu eliminieren und das Schießen von Flugkörpern zu beenden. Daher sollten die Palästinenser, solange sowohl die Hamas als auch die Flugkörper weiter existieren, angesichts dieses dröhnenden Sieges jubeln. Natürlich zog niemand auch nur ein einziges palästinensisches Ziel in Betracht, das mit der Befreiung der besetzten Gebiete (wofür, sollte man annehmen, es Waffen, Flugkörper und Tunnel gibt) zu tun hat. Die Frage, ob die Schlacht der Befreiung auch nur eines einzigen Quadratmeters des besetzten Landes gewonnen wurde, ist nicht aufgebracht worden.

Wir feierten den Sieg, weil der Feind es nicht schaffte seine Ziele zu erreichen, wie wir sie definiert haben. Was unsere Ziele angeht, wurde es von Anfang an als selbstverständlich angesehen, dass sie nicht in unserer Gleichungen von Krieg und Frieden eingehen würden.

Saddam spricht…

PowerLine, 24. Januar 2008

…und zwar durch seinen Vernehmungsbeamten vom FBI, der ihn sieben Monate lang verhörte: George Piro. Piro wurde von 60 Minutes interviewt; das Interview wird Sonntag ausgestrahlt. Diese Vorschau ist interessant, überrascht aber nicht.

Wie viele glaubten, hatte Saddam die Regierung Bush falsch eingeschätzt. Er erwartete ein weiteres „Vier-Tage-Bombardement“ [heplev: wie 1991], das er auszusitzen bereit war. Irgendwann wurde es allerdings offensichtlich, dass eine Invasion unvermeidlich war. Warum machte Saddam nicht reinen Tisch und gab zu, dass er keine Massenvernichtungswaffen mehr hatte? Piro sagte, dass Sadadm ihm erzählte er hätte es nicht gewagt die Welt wissen zu lassen, dass seine MVW weg waren, weil er dann keine Abschreckung gegen einen Angriff des Iran mehr gehabt hätte.

Saddam wollte immer noch nicht zugeben, dass er keine Massenvernichtungswaffen hatte, selbst wenn es offensichtlich war, dass wegen der von ihm vermittelten Sicht militärisch gegen ihn vorgegangen würde. Deshalb, sagt Piro, „war es für ihn entscheidend, dass er immer noch als stark betrachtet würde, als der aufsässige Saddam. Er glaubte, dass so zu tun als hätte er die Waffen, würde die Iraner davon abhalten den Irak wieder anzugreifen“, sagte er Pelley.

Natürlich war auch noch etwas anderes im Gang: Saddam hatte der Welt seit Jahren erzählt, dass der Irak keine MVW hatte und niemand glaubte ihm. Tatsache ist, dass Saddam nicht wollte, dass man ihm glaubte; er wollte, dass die Welt (und besonders der Iran) seine offensichtliche Kooperationsverweigerung mit den UNO-Inspektoren als Beweis dafür nahmen, dass er aktive biologische und chemische Programme verbarg. Auf diese Weise wäre Saddam in der Lage gewesen zu sagen: „Nein, nein, diesmal meine ich es ehrlich!“. Es ist zweifelhaft, ob irgendjemand ihm geglaubt hätte.

Piro bekräftigt einen weiteren Punkt, der im Duelfer-Bericht betont wurde: Saddam wartete auf den richtigen Augenblick und er hatte die Leute und die Ressourcen, die er brauchte, um seine Waffenprogramme wieder aufzunehmen, wenn die Zeit dafür reif war:

Er hatte auch vor und besaß die nötigen Mittel, das Waffenprogramm wieder aufzunehmen. Saddam hatte immer noch die Ingenieure. Die Leute, die er brauchte, um das Programm wieder einzusetzen, sind immer noch da“, sagt Piro. „Er strebte nach allen MVW… um sein gesamtes MVW-Programm wieder aufzunehmen.“ Dazu gehörten chemische, biologische und Atomwaffen, sagt Piro.

Wenn man alles zusammen nimmt, dann scheint es so dass die Linken einen neuen Wahlspruch übernehmen sollten: „Saddam lied, people died.“ (Saddam log, Menschen starben – heplev: statt des üblichen Spruches „Bush lied, people died“.)

Wir sind die Guten!

Jedenfalls bei allem, was im Nahen und Mittleren Osten passiert, gewesen ist und lange zurückliegt. Besonders in Sachen Terror-Regimen und Diktatoren, die ja alle von den Amis aufgebaut und versorgt wurden. Saddam zum Beispiel. Da sind die Amis die allergrößten Heuchler, weil sie ihn ja aufgerüstet haben und jetzt wegen Öl den ganzen Irak vernichten wollten.

So in etwa lauten die gängigen „Argumente“, wenn es darum geht den Amerikanern „nachzuweisen“, was für Drecksäcke sie sind und wie gut und menschlich die Europäer. Dummerweise stimmt da einiges nicht, wie sich jetzt wieder einmal herausstellt:

Zum Einen ist die Frage des „Krieg für Öl“ eine, die sich nicht stellt. Wie hätte ein „Krieg für Öl“ wirklich ausgesehen? Und wie die Folgen des Krieges auf der Landkarte? Die Frage beantwortet der Blog Eject! Eject! Eject! am 6. November ziemlich klar (ein Stück hinunter scrollen bis No Blood for Oil!deutsche Übersetzung hier in diesem Blog!).

Für die Europäer wichtiger ist aber die eigene, moralisch überlegene saubere Weste, die als Keule gegen die Amerikaner hervorgezogen wird. Da spielt es dann keine Rolle, dass Saddam neben sowjetischen/russischen Flugzeugen vor allem französisches Gerät fliegen ließ. Auch die Excocets, die die Briten im Falklandkrieg einige Schiffe kosteten, waren im Arsenal Saddams enthalten. Der Reaktor, den Israel vor 25 Jahren bombardierte, kam aus Frankreich. Die Liste lässt sich beliebig verlängern – mit europäischen Staaten und Firmen.

Die neueste Verlängerung betrifft gleich eine ganze Batterie deutscher Firmen, die in den „Öl für Lebensmittel“-Bestechungsskandal verwickelt ist, über den Saddam seine Militärprogramme zu Ungunsten seiner Bevölkerung aufrecht erhielt. Davids Medienkritik greift einen vorab veröffentlichten Bericht des Focus auf: Neben der Linde AG wird 62 weiteren deutschen Firmen vorgeworfen in den Skandal verwickelt zu sein und dass bis zu 36 Untersuchungsverfahren gegen Manager der meist kleineren Firmen laufen. Das „Land der moralischen Überlegenheit“ war also überhaupt nicht an Unrechtmäßigkeiten beteiligt! WIR haben nichts Falsches getan, die Amis waren es!

So viel überhebliche Selbstgerechtigkeit könnte vielleicht selbst den Deutschen einmal zu viel werden, wenn die Medien die Machenschaften aufdecken bzw. wenigstens ausführlicher über sie berichten würden. Aber das geht ja nicht, dann kann man nicht mehr auf die Amerikaner herabsehen und sie verdammen…

Kein Blut für Öl

Eject! Eject! Eject!, 6. November 2006

Manchmal ist die beste Möglichkeit eine radikale Behauptung zu untersuchen der, anzunehmen, dass sie stimmt und ihre wahrscheinlichsten Konsequenzen zu untersuchen. Ein Beispiel: Die Vertreter der Existenz des Ungeheuers vom Loch Ness behaupten, dass es einen überlebenden Plesiosaurier in den Tiefen des schottisches Sees gibt. Dann werden wir in endlose Diskussionen über weit entfernt zu sehende Wellen und grobkörnige Fotos und behauptete Fälschungen usw. gezogen. Wenn wir aber auf den Punkt kommen und annehmen, dass die Voraussetzung stimmt, was passiert dann? Plesiosaurier sind Luft atmende Reptilien, die zum Überleben täglich riesige Mengen Fisch verspeisen müssen. Es gibt im Loch Ness praktisch keine Fische. Bestellt das Vieh beim Pizzaservice? Außerdem würden wir wegen ihm als Luftatmer nicht ein oder zweimal pro Jahrzehnt eine Sichtmeldung bekommen, sondern Hunderte pro Tag. Wenn man die Voraussetzung eines Luft atmenden Dinosauriers zugrunde legt, wird der gesamte Vorschlag lächerlich, nicht auf Grundlage der Beweise, sondern auf dem monumentalen Fehlen von Belegen, die die Vorstellung unterstützen.

Ähnlich ist es mit einem „Krieg für Öl“. Wie würde ein wirklicher „Krieg für Öl“ aussehen? Nun, US-Trupen wären mit allem, was zur Verfügung stand zu den Ölfeldern gedüst. Mit allem, was zur Verfügung stand. Dann hätten sie sichere Konvoi-Routen zum nächsten Hafen – wahrscheinlich Basra – eingerichtet und die US Navy hätte praktisch den gesamten Golf mit Kriegsschiffen zugemauert, um die sichere Fahrt von Tankern mit US-Flagge in die Region und aus ihr hinaus zu sichern.

Es hätte keine Feldzug quer durch’s Land gegeben – wofür? – und keinen Kampf um Bagdad. Falludscha und Mossul und all die anderen Troublespots hätten nie einen amerikanischen Soldatenstiefel gesehen. Warum? Da gibt’s kein Öl. Das US-Militär würde tun, zu was es extrem gut ausgebildet ist: einen sehr begrenzten Landstrich erobern und halten und ständig laufende, sichere Konvois dort hinein und hinaus sichern. Saddam hätte bleiben können, wenn er gewollt hätte. Das hätte wahrscheinlich eine Menge Ärger erspart und das Ganze wäre zu einer Art Super-No fly-Zone über den Ölfeldern, Häfen und Konvoi-Routen geworden und der Teufel hätte sich um den Rest kümmern können. Straßenrand-Bombentote in Sadr City? I>Was zur Hölle hat Sadr City, das wir brauchen?

SO hätte ein Krieg für Öl ausgesehen. Und es ist absolut möglich, dass solch eine Operation ohne einen einzigen amerikanischen Toten hätte durchgeführt und aufrecht erhalten werden können.

Wir haben tausende Tote und Verwundete, weil sie in die Luft gejagt werden, während sie weiter versuchen einem Land Sicherheit, Elektrizität und Wasserversorgung, Schulen und Krankenhäusern zu bieten, das von drei Jahrzehnten der Angst, Folter und Barbarei verwüstet wurde. Die Anwesenheit der Amerikaner in den Städten ist es, um Sicherheit und so etwas wie Ordnung für die irakischen Bürger zu bieten, die so viele Leben gekostet hat. Wenn wir [Amerikaner] geteert und durch den Schmutz gezogen werden und in der PR den Preis für das „Stehlen von irakischem Öl“ zahlen müssen, dann ist das Mindeste, was wir tun können, hinzugehen und tatsächlich etwas davon zu stehlen, statt dafür zu sterben, dass die Ressource vom irakischen Volk genutzt werden kann. Letzteres ist das, was passiert, denn es gibt – wie immer – nicht den Ansatz eines Beweises des Gegenteils, egal, wie viele Idioten Schilder hoch halten und in gigantischen Pappmaché-Köpfen herumtanzen.

Fauxtographie!!!! Fälschung!!!!

Das Foto von Johnny allein in Bagdad hat die antiamerikanischen Amerikaner auf die Palme gebracht. Sie werfen (unflätig natürlich) den konservativen Bloggern, die das Foto verbreiten, Fälschung und Böswilligkeit vor. Begründet wird das mit den EXIF-Daten des Fotos, die angeben, das Bild sei am 6. Januar 2006 aufgenommen worden. Erwischt! Jetzt können die Blogger aber was erleben! Die haben im Libanon und Israel die Fotos bekrittelt, jetzt fälschen sie selbst!

Dummerweise machen diese „Moonbats“ genau das, was sie den Bloggern in Sachen Qana, Fauxtographie und Rotkreuz-Ambulanz (fälschlicherweise) vorgeworfen haben: Sie stürzen sich auf eine Sache, recherchieren nicht weiter und ziehen Schlüsse aus nicht weiter überprüften Ansichten, die sie als Fakten ausgeben. (Ganz nebenbei bemerkt: Was die Blogger in Sachen Fauxtographie geleistet haben, war alles andere als solche Stümperarbeit; das Ergebnis ist hier zu lesen, leider nur auf Englisch, dafür unglaublich ausführlich.)

Nach Beginn der Vorwürfe haben die Macher von The Power Line wie auch Michelle Malkin nachgehakt, ihre Quellen überprüft und Fakten gesucht, die die Authentizität des Fotos entweder bestätigen oder widerlegen. Und dabei kam eine sehr einfache Lösung heraus, die die Schreihälse schlicht ignorierten. Damit sie diese aber wenigstens ansatzweise hinnehmen, muss etwas weiter ausgeholt werden, denn die Lösung ist zu einfach, um sie einfach zu akzeptieren: Der Besitzer der Kamera hatte Datum und Zeit schlichtweg nicht eingestellt! Aber das kann ja jeder behaupten…

Damit die Brüllhansel Wind aus den Segeln genommen bekommen, werden ihnen weitere Fakten geliefert: Das Foto wurde mit einer Kamera aufgenommen, die im Januar 2006 noch gar nicht auf dem Markt war (ebenfalls den EXIF-Daten zu entnehmen) – das muss man natürlich erst einmal recherchieren, statt gleich aus der Hüfte zu schießen. Außerdem befand sich zum fraglichen Zeitpunkt (6. Januar 2006, kurz vor 13 Uhr), der Senator auf dem Weg über Großbritannien in den Nahen Osten (und noch nicht in London, weshalb er gar nicht irgendwo in England essen konnte). Darüber hinaus ließen sich The Power Line und Malkin „Beweisfotos“ schicken, die mit derselben Kamera (deren Datum immer noch nicht eingestellt wurde) am selben Ort gemacht wurden, mit einer aktuellen Tageszeitung als Beleg.

Auch weitere „Beweise“ für die Falschangaben zum Foto konnten dadurch entkräftet werden: In der Kantine der US-Botschaft in Bagdad hängen massig Koalitionsfahnen, nicht nur die britische und portugiesische (die Portugiesen sind – weiteres „Argument“ der Antiamerikaner: Wieso hängt die Fahne noch da? – längst aus dem Irak abgezogen). Darüber hinaus wäre es sehr verwunderlich, hätte in England zwei Wochen nach Weihnachten noch die Weihnachtsdekoration herumgehangen und wäre dort dieselbe wie im Irak und wären dort dieselben Lampen an die Decke gehängt worden.
Das weiterhin angeführte Argument gegen die Hysteriker, dass Kerry im Abstand von gut 11 Monaten dasselbe Hemd trägt – belegt durch unstrittige Fotos aus dem Irak – ist für mich nicht stichhaltig; warum sollte er dieses Hemd nicht auch zu anderen Gelegenheiten getragen haben?

Der interessanteste Aspekt der ganzen Hysterie von links ist m.E. allerdings weniger, dass die linkslastige Schreihalstruppe sich aufregt, hier würde gefälscht; und dass sie Fakten vermutlich nicht akzeptiert. Wirklich interessant ist (wieder einmal), wie sie sich als unflätigste Hetzer betätigen, die Gülle spucken und hauptsächlich unter die Gürtellinie schießen. Ausgerechnet die, die sich als diejenigen gerieren, die die moralischen Maßstäbe setzen und Toleranz propagieren – natürlich nur ihre Toleranz, nicht die, die andere Meinungen zu lässt. Und wenn man keine wirklichen Argumente oder Fakten hat, dann muss gepöbelt werden; als Ablenkungsmanöver, damit sich der Bepöbelte aufregt und Fehler macht. Diese Genugtuung tut ihnen glücklicherweise kaum jemand.