Hier kommen die Verschwörungstheorien, dass die Juden den Coronavirus schufen…

Elder of Ziyon, 1. März 2020

Aus MEMRI (mit Video):

Der irakische Politik-Analyst Muhammad Sadeq al-Haschemi sagte am 26. Februar 2020 im Interview auf Al-Ayam TV (Irak), dass der amerikanische Schriftsteller Dean Koontz in seinem Thriller-Roman von 1981 mit dem Titel The Eyes of Darkness über den Coronavirus geschrieben habe. Al-Haschemi argumentierte, das beweise, dass der Coronavirus ein amerikanisches Komplott sei un der sagte, das Ziel des Komplotts bestehe darin die Weltbevölkerung zu reduzieren. Er sagte, in den vergangenen 10 Jahren seien in den USA zwei Patente zur Entwicklung von Virensträngen mit dem Namen „Corona“ eingereicht worden und er verglich diese amerikanische „Verschwörung“ damit, dass Juden mit Anthrax infizierte Decken nutzten, um 86% der einheimischen Bevölkerung dessen auszulöschen, was heute die Vereinigten Staaten sind, um ein echtes jüdisches Heimatland zu haben. Er sagte, die zionistische Lobby säuberte auf ähnliche Weise die Bevölkerung Schottlands und dass die Familie Rothschild ein Monopol auf Labore habe, die biologische und Atomwaffen entwickeln. Al-Haschemi fügte hinzu, dass die Rothschilds diejenigen gewesen seien, die 1945 entschieden Atombomben gegen Hiroschima und Nagasaki einzusetzen.

In Koontz‘ Buch schuf er eine fiktive Biowaffe namens „Gorki-400), benannte sie aber nach dem Fall der Sowjetunion in „Wuhan-400“ um. (Wuhan hat Chinas fortschrittlichste Virus-Forschungseinrichtung und mancher behauptet, COVID-19 könnte von dort stammen.)

Haschemi ist nicht der einzige, der mit einer Möglichkeit daher kommt Juden für den Virus verantwortlich zu mache. Diese unterhaltsame Twitter-Nutzerin sagte das auch:

Na, jetzt geht’s los. Israel hat auf einmal ein Gegenmittel für den
Coronavirus entwickelt.
Was für eine Überraschung!
Vielleicht wird es dieses dem Iran oder den Palästinenser anbieten.
Darüber müssen wir uns aber keine Sorgen machen…

Die Unmöglichkeit einer Zukunft der Christen im Nahen Osten

Ein uralter Glaube verschwindet aus den Ländereien, in denen er er zuerst wurzelte. Es steht nicht nur eine Religionsgemeinschaft auf dem Spiel, sondern das Schicksal des Pluralismus in der Region.

Emma Green, The Atlantic, 23. Mai 2019 (Fotos von Alexandra Rose Howland und Elaine Cromie)

Der Anruf kam 2014, kurz nach Ostern. Vier Jahre zuvor hatte Catrin Almakos Familie Sondervisa für die USA beantragt. Catrins Ehemann Evan hatte während der frühen Jahre der amerikanischen Militärbesetzung des Irak US-Soldaten die Haare geschnitten. Jetzt war ein Mitarbeiter der International Organization for Migration am Telefon. „Sind Sie bereit?“, fragte er. Der Familie war ein Ausreisedatum in nur ein paar Wochen zugewiesen worden.

„Ich war so durcheinander“, sagte Catrin mir vor kurzem. Während der Jahre, in denen sie auf ihre Visa warteten, hatten Catrin und Evan diskutiert, ob sie den Irak wirklich verlassen wollten. Beide waren in Karamles aufgewachsen, einer kleinen Stadt im historischen Herzen der irakischen Christenheit, der Ebene von Ninive. Evan gehörte ein Frisörladen in der Nähe einer Kirche. Catrin liebte ihre Küche, in der sie ihre Tage damit verbrachte mit Nüssen und Datteln gefülltes Gebäck zu machen. Ihre Familien lebten dort: ihre fünf Geschwister und alternden Eltern, seine zwei Brüder.

Sie lebten allerdings in ständiger Gefahr. „Jeder, der militärisch mit den Vereinigten Staaten gearbeitet hat – sie werden getötet“, sagte Catrin. Evan war 2004 bei einer Explosion nahe einer Basis der U.S. Army in Mossul verletzt worden. Catrin machte sich Sorgen, weil er zur Basis und zurück auf Autobahnen fahren musste, die einige der am stärksten umkämpften Gebiete im Irak durchquerten. Selbst nachdem er aufhörte für das Militär zu arbeiten, hatten Sie Angst, er könnte Opfer der von Gewalt werden. Diese Angst war mit ihrem Glauben gemischt: Während der Kriegsjahre griffen Aufständische in einem Terrorfeldzug ständig christliche Städte und Kirchen an.

Die Almakos hatten gesehen, wie Nachbarn und Freunde mit derselben Frage kämpften: bleiben oder weggehen? Heute entscheiden sich immer mehr Christen die Region zu verlassen. Die Kurve des Niedergangs der Religion im Nahen Osten hat sich in den letzten Jahren von einem steten Rückgang in einen Absturz wie von einer Felsklippe verwandelt. Die Zahlen im Irak sind besonders krass: Vor der amerikanischen Invasion lebten mindestens 1,4 Millionen Christen im Land. Heute bleiben weniger als 250.000 dort – ein Absturz von 80 Prozent in weniger als zwei Jahrzehnten.

Die Almakos entschlossen sich das Land zu verlassen. Sie verbrachten die verbleibende Zeit in Karamles damit nachzudenken, was sie mitnehmen und was sie zurücklassen sollten. „Du weißt nicht, was du mitnehmen wirst“, sagte Evan mir. „Du muss eine Menge Dinge diskutieren: das eine Wichtige, das andere nicht wichtig.“ Am Ende erwies sich die Auswahl ihrer Besitztümer als zu schwierig. Sie beschlossen fast alle Erinnerungen und Erbstücke zurückzulassen, einschließlich Kästen mit Bildern ihrer Familie und ihrer beiden kleinen Kinder Ajub (damals 12) und Sofya (10). Catrin bestand darauf ein emotional gefärbtes Teil mitzunehmen, ein in Italien gefertigtes kleines gewebtes Tuch von Jesus.

Im Uhrzeigersinn von oben links: Catrin Almako mit Familienmitgliedern, als sie im Irak aufwuchs; Catrin Zuhause in Michigan; ein gewebtes Tuch von Jesus, gefertigt in Italien, das das eine emotionale Teil war, das Catrin mitnahm, als die Almakos den Irak verließen. (Bilder: mit freundlicher Genehmigung von Thabet; Elain Cromie)

Am letzten Abend der Almakos in Karamles platzte ihr Haus aus allen Nähten, weil die Leute der Stadt zu ihnen kamen. Es schien so, als hätten sie alle ein Geschenk, das sie Catrin und Evan für Familienmitglieder in Amerika mitgeben wollten: Süßigkeiten, Gewürze, Kleidung. Nichts, das man in den Vereinigten Staaten nicht finden könnte, aber „das kannst du ihnen nicht sagen“, sagte Evan. Die Menschen im Irak betrachten die USA als einen Ort der Großzügigkeit, erklärte er, aber er ist immer noch grundsätzlich fremd. Von den drei Koffern der Familie war einer mit diesen Geschenken aus der Heimat gefüllt.

Einer nach dem anderen versuchte jedes ihrer Familienmitglieder Catrin und Evan davon zu überzeugen in Karamles zu bleiben. Ihr älterer Bruder Thabet ist Priester und der entschiedenste Verteidiger der Stadt. „Geht nicht“, erinnert sich Catrin an seine Worte. „Bleibt hier.“

Der letzte der Besucher, eine von Catrins Schwestern, blieb bis nach Mitternacht. Die Familie sollte in ein paar Stunden abreisen, aber Catrin konnte nicht schlafen. Sie lag wach, katalogisierte alles, das sie an ihrer Heimat vermissen würde und sorgte sich wegen der vor ihnen liegende Reise. Sie war noch nie mit einem Flugzeug geflogen. Sie war nie weit von Karamles weg gewesen. Einmal abgereist, glaubte sie, würde sie nie wiederkehren.

Die Familie verbrachte ein paar Tage in Bagdad. Sie hatten Aufenthalt in Jordanien, Deutschland und New Jersey. Schließlich kamen sie erschöpft in Detroit an. Sie verbrachten die ersten Wochen im Hause eines Cousins. Catrin hatte großes Heimweh. Allmählich lebte die Familie sich aber ein. Evan fand Arbeit auf dem Bau. Catrin bekam einen Job bei der Heilsarmee. Sie mieteten eine Wohnung. Ihr neues Leben nahm Formen an.

Die Almakos waren weniger als drei Monate in Detroit, als sie hörten, dass der Islamische Staat nach Osten auf Karamles marschierte. Die Terrorgruppe und ihr Vorläufer waren lange südlich der Ninive-Ebene aktiv. Catrin und Evan glaubten immer noch, dass ihre Stadt sicher sei. Sie versuchten verzweifelt ihre Familienmitglieder anzurufen und SMS zu schicken. Sie waren jetzt fast 10.000km weit weg von ihren Lieben. Niemand antwortete.

Allein die unsichere Situation der Christenheit im Irak ist schon tragisch. Die Welt könnte bald schon Zeuge der dauerhaften Vertreibung einer uralten Religion und eines uralten Volkes sein. Diese in dieser Region Einheimnischen haben mehr gemeinsam als den Glauben: Sie bezeichnen sich selbst als Suraye und beanspruchen eine Verbindung zu den antiken Völkern, die dieses Land lange vor der Geburt Christi bewohnten.

Aber das Schicksal der Christenheit an Orten wie der Ebene von Ninive ist auch von geopolitischer Bedeutung. Religiöse Minderheiten sind ein Test der Toleranz eines Landes für Pluralismus; eine gesunde Demokratie schützt verletzbare Gruppe und erlaubt ihnen die Teilnahem an einer freien Gesellschaft. Ob Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern überleben und gedeihen können, ist ein entscheidender Indikator dafür, ob Demokratie auch an diesen Orten machbar ist. Im Irak ist die Perspektive düster, so wie auch in anderen Staaten der Region, die historisch christliche Bevölkerung beherbergen, darunter Ägypten, Syrien und die Türkei. Christen, die dort leben, sind Diskriminierung, von der Regierung zugelassener Einschüchterung und regelmäßiger Gewalt ausgesetzt.

Karamles in der Ebene von Ninive ist das gegrafische Herz der irakischen Christenheit – und liegt ein einem erbittert umkämpften Landstreifen. (Alexandra Rose Howland)

Sie haben jedoch einen einflussreichen und mächtigen Verbündeten: die Regierung der USA, die unter Präsident Donald Trump die Unterstützung der Christen im Nahen Osten zu einer noch unverhohlenere Priorität der amerikanischen Außenpolitik gemacht hat als unter George W. Bush oder Barak Obama. Seit Trump das Amt übernahm hat die Ninive-Ebene beträchtliche Investitionen der US-Regierung erhalten.

Zum Teil gründet diese Haltung in der Außenmpolitik in der Innenpolitik. Die konservativen Wähler, die Trump zum Wahlsieg verhalfen, kümmern unterdrückte Christen enorm und sie vermitteln ihre Sorge durch eine außergewöhnlich effektive Lobby-Maschinerie in Washington DC. Aber das Leid der Christen in der Region ist auch ein natürlicher Grund für eine Administration, die Außenpolitik als Kampf zum Erhalt des Einflusses des Westens betrachtet. Für Trump kann das Christentum ein Bollwerk westlicher Werte in einer Region voller wahrgenommener Feinde sein.

Christen, diein ihrem Heimatland bleiben wollen, sagten Vertreter der Administration, sollten die Wahl haben das zu tun. Aber viele Familien in der Ebene von Ninive sind bezüglich ihrer Zukunft zwiegespalten. Sie hegen dieselben Ängste, die Catrin und Evan dazu brachten fortzuziehen, bevor die Verwünstung durch ISIS sie heimsuchte; das Leben ist für christliche Minderheiten seitdem nur schwieriger geworden. Als ich letztes Jahr Familien in der Ninive-Ebene interviewte, gestanden fast alle ein, dass sie weggegangen wären, hätten sie die Chance gehabt. Selbst die, die am stärksten entschlossen sind zu bleiben, haben die Sorge, dass sie, egal, wie viel Hilfe sie aus Washington erhalten, immer noch gefährdet sind. Das Überleben der Christenheit an einem der Orte, wo sie zuerst Wurzeln schlug, wird davon abhängen, ob sie sich entscheiden zu bleiben.

Die Nacht hatte sich über Karamles gesenkt. Es war der 6. August 2014 – das Fest der Verklärung, das die biblische Geschichte der Verwandlung Jesu und dass er von Gott als sein Sohn genannt wurde begeht. Wochen lang waren Priester in der Ebene von Ninive mit kurdischen Militärs, den Peschmerga, wegen der drohenden Gefahr durch ISIS in Kontakt gewesen, der schnell nach Osten vorgestoßen war. Früher im Sommer hatte er die Kontrolle über Mossul erobert, nur 25km von Karamles entfert. Aus der Großen Moschee von Mossul hatte der Kleriker Abu Bakr al-Baghdadi sich zum Kopf eines neuen islamischen Kalifats erklärt. Trotzdem sagten einige im kurdischen Militär, dass sie das Gebiet verteidigen würden.

Aber in dieser Nacht war der ISIS unterwegs und die Peschmerga entschlossen sich zum Rückzug. Gegen 23 Uhr läutete Catrins Bruder Thabet die Glocke von St. Adday, der Hauptkirche von Karamles, die laut genug ist um in jedem Haus in der kleinen Stadt gehört zu werden. So spät in der Nacht konnte das vertraute Läuten nur eine schlimme Warnung sein. Innerhalb von Stunden waren fast alle 820 Familien auf der Schnellstraße aus der Stadt hinaus, unterwegs nach Osten, in die Sicherheit der großen, vorwiegend kurdischen Stadt Erbil.

Thabet wartete, bis er glaubte, alle außer ihm selbst wären evakuiert. Selbst als seine Leute flohen hatte Thabet versucht optimistisch zu bleiben. „Ich hatte die geringe Hoffnung, dass ISIS vielleicht nicht kommen würde“, sagte er mir kürzlich, als wir auf der staubigen Schnellstraße unterwegs waren, die sich westlich von Erbil bis Mossul erstreckt. Aber als Thabet die Peschmerga sich zurückziehen sah, Karamles unverteidigt blieb, erkannte er, dass seine Stadt verloren war. Innerhalb von ein paar Stunden sollten ISIS-Kämpfer eintreffen.

Von jungen Jahren an hatte Thabet sich zum Priesteramt berufen gefühlt. Er liebte den Dienst als Messdiener in seiner chaldäischen Kirche, die aus einem uralten östlichen Ritus der Christenheit entstand, der heute mit dem römischen Katholizismus abgeglichen ist. Nach Jahren der Ausbildung am Seminar, einschließlich etwas Zeit in Rom, wurde Thabet 2008 ordiniert, als er in seinen späten 20-ern war. Bilder von ihm und seiner Familie in den Jahren vor der Besetzung durch den ISIS und besonders vor der US-Invasion im Irak legen ein relativ isyllisches Leblen nahe. Politisch unterschied sich die Lage sehr von Christen in dieser Zeit: Saddam Hussein beaufsichtigte eine Serie brutaler religiöser Maßregelungen, als er an der Macht war, aber sein Regime tolerierte die christliche Minderheit des Landes. Einer seiner sichtbarsten Berater, Tariq Aziz, war Mitglied der Chaldäisch-katholischen Kirche.

Thabet als junger Priester (links) in Karamles während der Karwoche (mit freundlicher Genehmigung von Thabet; Alexandra Rose Howland)

Jetzt sah Thabet, wie alle, die er kannte und liebte, aus seiner Stadt flohen. Eine kleine christliche Enklave in den Außenbezirken von Erbil quoll mit der Ankuft von 13.200 heimatlosen Christen aus der gesamten Ebene von Ninive über. Manche, einschließlich Thabet, waren ohne die Mitnahme grundlegender Güter des täglichen Bedarfs weggegangen. „Als ich ankam, war ich ohne Orientierung, weil ich zwei Tage lang nicht geschlafen hatte“, erinnerte er sich. „Ich musste ausruhen und etwas Kleidung kaufen.“

Weil sie nirgendwo sonst hingehen konnten, schliefen einige der christlichen Flüchtlinge im Hof einer Kirche. „Wir sammelten die Menschen aus den Gärten, von den Straßen und schufen einen kleinen Platz für sie“, sagte Thabet. Irgendwann ließen sich viele der Einwohner von Karamles auf dem Fußboden eines noch nicht fertiggestellten Wohngebäudes nieder; es hatte ein Dach, aber keine Wände. 40 Tage lang lebten die Gemeindeglieder in dem Gebäude, zusammen mit hunderten Flüchtlingen aus anderen Städten.

Bald wurde klar, dass die Vertreibung der Gemeinde nicht in Tagen gemessen werden würde. Familien begannen sich um Erbil herum zu zerstreuen; einige konnte Wohnungen mieten, andere zogen in hastig errichtete Lager. Thabet wrude zum inoffiziellen Führer seiner Leute im Exil – teilweise Priester, teilweise geliebter Onkel, teilweise inoffizieller Bürgermeister. Als Hilfsgelder und andere Hilfe von Gurppen wie den Kolumbus-Rittern ankam, ging das über Kirchenvertreter wie Thabet. Wenn Menschen Kleidung oder eine Unterkunft brauchten, kamen sie zu ihm.

Es dauerte mehr als zwei Jahre, bis das irakische Militär die Ebene von Ninive zurückeroberte. Ein paar Tage vor der Befreiung von Karamles stieg Thabet auf einen kleinen Berg über der Ebene, während Regierungssoldaten in der gesamten Region kämpften. Durch ein Fernglas sah er zu, wie Rauch aus seiner Heimatstadt aufstieg. Als die Kämpfe beendet waren, war er der erste Einwohner, der die Stadt wieder betrat.

Die Zerstörung war atemberaubend. Die Hände einer lebensgroßen Marien-Statue, hellblau gekleidet, waren an den Handgelenken abgeschlagen. Die Glocke von St. Aday, die die Einwohner in der Nacht, als ISIS kam, in Sicherheit geleitet hatte, saß jetzt schief in ihren Turm. Die Kirche selbst war zum Teil schwarz vor Ruß; Thabet glaubt, dass Kämpfer en paar Tage vor ihrem Rückzug Sprengsätze gezündet haben. Enthauptete Statuen von Maria und Jesus umgaben den Altar, dazu die Überbleibsel von Engeln, die von den Wänden geschossen worden waren. Thabet fand im Schutt ein zerrissenes Stück seines Ordinationsumhangs – das einzigeTeil, das ihn an den Tag erinnern kann, als er gelobte seiner Gemeinde zu dienen.

Langsam begannen Thabet und die anderen Priester in der Gegend den Prozess des Wiederaufbaus. In jeder Stadt erstellten Anführer genaue Auswertungen örtlicher Gebäude und berechneten den Schaden in der Ebene von Ninive. Thabet breitete eine große, farblich codierte Karte von Karamles auf den Boden des Pfarrhauses aus. Ein kleines Quadrat stellte sein Elternhaus dar, rot eingefärbt, um zu zeigen, dass es zerstört worden war. Ein weiteres zeigte das Haus von Catrin und Evan – geplündert, aber weitgehend verschont. Insgesamt wurden 672 Häuser beschädigt oder niedergebrannt. Fast 100 waren praktisch abgerissen worden.

Im Herbst 2017 begannen die ersten der Einwohner von Karamles nach Hause zu kommen. Langsam füllten die Straßen sich mit kleinen Zeichen von Gemeinschaftsleben: Menschen wässerten ihre Gärten und riefen nach umherstreifenden Kindern; auf roten Plastikstühlen sitzende Männer, die unter Lichterketten sitzen, die kreuz und quer über das Stadtzentrum hängen. Bis zum Frühjahr sind 450 Familien zurückgekehrt, wenn auch in vielen Fällen in unvertraute Häuser – die von Verwandten, Nachbarn oder Fremden, die sich entschieden nicht nach Hause zu kommen. Ein Schild bei der Kirche, auf Arabisch und in falsch geschriebenem Englisch, verkündet WELLCOME BACK.

Doch selbst jetzt sind die belebetesten Blöcke mit leeren Heimen gesprenkelt, die auf ihre Eigner warten, die sich vielleicht niemals sicher genug fühlen zurückzukommen. Manche Christen verließen die Region komplett; andere begannen in Erbil ein neues Leben.

Im Uhrzeigersinn von links: Zusätzliche Sicherheitskräfte wurden dieses Jahr zu Ostern überall in Karamles angeworben, wobei Soldaten an jeden Eingang zu Dorf stationiert wurden; ein Mitglied der Kirceh zeigt auf eine Landkarte von Karamles, die zeigt, welche Häuser vom Islamischen Staat zerstört wurden; der Hauptfriedhof in Karamles, der von ISIS weitgehend zerstört wurde. (Alexandra Rose Howland)

Einige der Einwohnder von Karamles betrachten ISIS als extremen Ausdruck einer Feindseligkeit, die dem Aufstieg der Gruppe voraus ging und nach ihrer Niederlage bleibt. Im Irak ist Diskriminierung direkt in die Verfassung geschrieben. Das Dokument wurde zwei Jahre nach der US-Invasion geschrieben und erklärt den Islam zur offiziellen Religion des Landes; es verbietet jegliche Gesetze, die „den eingeführten Vorkehrungen des Islam widersprechen“. Dies formt Leben auf alltägliche, aber bedeutsame Weise. Personalausweise kennzeichnen Bürger als Muslime, Christen, Mandäer, Jesiden. Nichtmuslimische Männer können keine muslimischen Frauen heiraten. Kinder gemischter Eltern werden automatisch als Muslime klassifiziert, wenn ein Elternteil muslimisch ist, selbst wenn sie als Folge von Vergewaltigung geboren werden. Für viele im nördlichen Irak lebende Christen ist Diskriminierung Teil des Lebens: Viele Nichtchristen werden keine Christen in ihren Firmen einstellen. Familien beobachten ihre Töchter genau, aus Angst, dass sie Opfer sexueller Gewalt werden.

Angesichts dieser täglichen Demütigungen – sowie der bedenklichen politischen und wirtschaftlichen Umwelt des Irak – hat eine große Zahl an Christen und anderen Minderheiten beschlossen zu fliehen. Aber Möglichkeiten in die USA zu kommen sind jetzt noch seltener als sie es waren, als Catrin Almako ihre Familie nach Detroit brachte. Die Entschlossenheit der Administration Trump Christen im Nahen Osten zu unterstützen korrespondierte mit einem starken Abfall in der Zahl der in den USA aufgenommenen christlichen Flüchtlinge. Unter Obama beschwerten sich Fürsprecher, die Demokraten lehnten es ab verfolgte Christen aufzunehemn, aber die Zahl der aus dem Irak angenommenen Christen hat in den letzten zwei Jahren um 98 Prozent abgenommen. Nach Angaben von Daten des US-Außenministeriums und der Wohlfahrtsorganisation World Relief wurden 2018 nur 23 irakische Christen in den USA aufgenommen, verglichen mit 2.000 im Jahr 2016. Familien, die noch im Irak sind, setzen jetzt stattdesen auf Europa und Australien.

Vertreter der Administration Trump argumentieren, dass eine kleinere christliche Bevölkerung in der Ebene von Ninive der Region langfristig schaden wird. In gewisser Hinsicht haben sie recht. Weniger Christen bedeutent weniger Repräsentation in der irakischen Regierung und geringere Chancen, dass Bagdad christliche Sorgen beherzigen wird. Eine kleinere christliche Gemeinschaft könnte zudem den Feinden der Diversität Mut machen. Länder mit mehr Religionsfreiheit tendieren dazu ein niedrigeres Niveau an Fremdenfeindlichkeit und glaubensbasierte Gewalt aufzuweisen.

Birnadet Hanna, eine in Karamles lebende Historikerin, sagte, ihr Betreuer, ein Muslim, sei überrascht gewesen, dass sie zurückkehrte, nachdem das irakische Militär ISIS aus der Region drängte; er sorgte sich um ihre Sicherheit. Andere Kollegen sagten ihr, dass sie weggehen sollte: Christen gehören nicht in den muslimischen Irak, sagten sie. Sie glaubt jetzt, dass manche ihrer muslimischen Nachbarn mit der Weltanschauung von ISIS sympathisiert haben. Der Aufstieg des Kalifats – und die sinkende Fortune der Christen des Irak – befähigten sie ihren Fanatismus offener zu leben.

Chaldäische Gottesdienste boten eine reichhaltige sinnliche Erfahrung, angefüllt mit Erinnerungen, dass diese Tradition sich in den ersten hundert Jahren nach Christus entwickelte. Die Geschlechter sitzen in der Regel getrennt und Frauen bedecken ihren Kopf mit Spitze als Zeichen ihres Anstands. Ministranten schwenken süßen Weihrauch, Rauchwolken ziehen durch die Gänge. Die Messe wird in einem Dialekt des Aramäischen gefeiert, der Sureth genannt wird – die Eingeborenen-Sprache der Christen hier und eine Schwestersprache der Sprache, die Jesus sprach.

Die Messe ist auch der Schauplatz, wo die obersten Geistlichen ihre politischen Muskeln spielen lassen können; sie führen Argumente an, die weit über die Kirchenbänke hinausreichen. Bei einem Gottesdienst in Ankawa demonstrierte vor kurzem einer der mächtigsten Bischöfe im Irak, Baschar Warda, seine Fähigkeit seine Verbündeten im Westen zu beeinflussen.

An diesem Sonntag, während die Gemeindemitglieder sangen und leichthin plauderten, kam eine Reihe Männer in dunklen Anzügen herein: der damalige US-Botschafter im Irak Douglas Silliman und seine Mitarbeiter. Warda, der Gewänder und einen gepflegten Haarschnitt trug und glatt rasiert war, grüßte die Amerikaner selbstbewusst und stellte sicher, dass sie englische Kopien der Predigt hatten, die er halten wollte. Seine Botschaft war mehr für sie gedacht als für seine eigene Gemeinde.

Thabet (links) leitet das Abendgebet vor St. Adday, einer der Kirchen in Karamles. (Alexandra Rose  Howland)

„Wenn der Rest der Welt wirklich glaubt, dass es einen multikulturellen Nahen Osten geben müsse“, sagte Warda, „muss er auch ehrlich darin sein die sich ständig ändernden und bedingten Formen der muslimischen Toleranz gegenüber Minderheiten abzulehnen.“ Er gab den USA besondere Verantwortung für die Hilfe für die Christen. Die nichtmuslimischen Minderheiten des Irak sind „die Opfer des letzten Regimewechsels im Irak und Opfer des Versagens des politischen Systems seit 2003“, als die USA einmarschierten, sagte er.

Nach der Predigt sagte Silliman mir, die USA hätten sich der Unterstützung dieser Gruppen verpflichtet. „Ich kann mir diesen Teil der Welt, insbesondere die Ebene von Ninive, nicht ohne diese diverse religiöse und kulturelle Geschichte vorstellen“, sagte er. „Sie sind sehr heilige Gemeinschaften, sie haben hier tief gehende Geschichte und wir wollen sicherstellen, dass sie andauern.“ Er wurde bald zu seinem nächsten Stopp gebracht: einem privaten Treffen mit Warda.

Noch unter der Administration Obama betrieben irakische christliche Leiter und ihre Fürsprecher in Washington eine sich lange hinziehende Kampagne, um mehr Geld für Christen in der Ebene von Ninive einzubringen. Auslandsregierungen haben über das Entwicklungsprogramm der UNO (UNDP) Geld zur Stabilisierung fließen lassen, die bis vor 18 Monaten der bei weitem größte Spieler in der Entwicklung der Region war. Schon früh äußerten Religionsführer des Irak, angeführt von Warda, Unzufriedenheit mit der Leistung der UNO. Die Organisation stellte Arbeiter ein, die überbezahlt und unterbeschäftigt waren, behaupteten sie. Ihre Ergebnisse waren oft lausig. (Die stellvertretende Sonderrepräsentantin der UNO für den Irak, Marta Ruedas, sagte mir, die Budget-Zwänge der Organisation waren für die halbfertigen Hausbau-Projekte in der Region verantwortlich. Das UNDP hat Hausbauarbeiten in Bartella und Baschika vollendet.)

Delegierte der Kirchen der Region arbeiteten mit einer internationalen NGO zusammen, um eine Gruppe zusammenzurufen, die sie das Wiederaufbaukomitee Ninive nannten; dieses stellte lokale Männer an, um Häuser in ihren Städten wieder aufzubauen. Unterstützungsfonds würden besser genutzt werden, wenn sie direkt an die Kirchen gingen, argumentierte die Gruppe.

Messe in Karamles (Alexandra Rose Howland)

Fürsprecher der Christen begannen dies in Washington vorzutragen. Bald kam die Administration Trump an Bord. Auf Anweisung des Präsidenten beauftragte Vizepräsident Mik Pence USAID – die Organisation, die Entwicklungsprojkte rund um die Welt finanziert – damit einen Sonderfinanzierungsprozess einzurichten, der dafür sorgt, dass man sich nicht mehr so stark auf die UNO verlässt. Als dieser Prozess die Forderungen der irakisch-christlichen Gemeinschaft nicht erfüllte, gab Pence eine hitzige Erklärung ab; darin sagte er, er würde „keine bürokratischen Verzögerungen tolerieren” und verurteilte das Versagen der Regierung die Verpflichtungen zu erfüllen, die man gegenüber den Minderheiten des Irak eingegangen war. Mark Green, Liter von USAID, nahm Haltung an und kündigte an, eine Reise in die Region stehe unmittelbar bevor. Um diese Zeit tauchte Silliman in der Messe von Warda auf. (Pences Büro antwortete nicht auf Anfragen nach Kommentaren.)

Die Administration Trump hat die Position übernommen, dass Christen und andere Minderhieten zu schützen ein Schlüsselmerkmal der Sicherheit im Nahen Osten ist. Würden Christen in der Ebene von Ninive eliminiert werden, „dann würde das, denke ich, auch ein nicht regiertes Vakkum beschleunigt herbeiführen, das von den Bösen nur allzu leicht gefüllt wird“, sagte Green mir gegenüber. „Sie streben an diese Art von Öffnung auszunutzen. Die Gesundheit und die Sicherheit und die Führung in diesen Gemeinschaften zu begünstigen … dreht sich ebenfalls um die Stabilisierung der Gegend und darum einen Puffer gegen die Rückkehr des gewalttätigen Extremismus zu schaffen.“

Sam Brownback, ehemaliger Gouverneur von Kansas und US-Botschafter für Religionsfreiheit, sagte mir, dass die Unterstützung der Administration für religiöse Minderheiten (zu denen sowohl Christen als auch Jesiden gehören, die von ISIS gleichermaßen verfolgt wurden) eine Fortsetzung des Projkts des Irak-Kriegs ist, wobei er behutsam die Tatsache mied, dass der amerikanische Krieg half die Bedingungen für ISIS’s Aufstieg zu schaffen. Die US-Regierung wirbt für demokratische Prinzipien, argumentierte er, einschließlich des Schutzes religiöser Minderheiten. „Ich denke, es ist für den Irak wichtig und ich denke, es ist für uns wichtig. Ich denke es ist wirklich wichtig für diese Region“, sagte er.

Die ideologische Brücke zwischen der Ebene von Ninive und Washington hat zweifelsohne zum Nutzen der Christen gewirkt. Im Oktober kündigte USAID sogar noch mehr Gelder an: Eine neue Investition von $178 Millionen bringt die gesamte Investition der US-Regierung auf fast $300 Millionen.

Der grüne Hinterhofbereich der Katholischen Universität in Erbil. Fußball- und Basketball-Felder werden gebaut und die Bautätigkeit an einem dauerhaften Gebäude hat begonnen. (Alexandra Rose Howland)

Zum größten Teil ist amerikanisches Geld in den Wiederaufbau von Schulen, Kliniken und Wasser- sowie Elektrizitätssysteme geflossen. In Erbil hat Warda sich zudem ein mächtiges Netzwerk größtenteils privater christlicher Spender zunutze gemacht, um eine Reihe ziviler Institutionen zu bauen: eine farbenprächtige Privatschule, in der Kinder in vier Sprachen lernen; ein katholisches Kolleg, in das christliche Mädchen frei von Belästigung gehen können; ein neues Krankenhaus. Ohne solche Infrastruktur wie diese argumentieren Geistliche und Aufbauhelfer, gibt es keine Chance, dass Christen im Land bleiben werden.

Infrastruktur alleine kann aber kein sozials Vertrauen aufbauen oder die Regierung stabilisieren; und sie kann nicht die physische Sicherheit der Menschheit garantieren. Christen fürchten, dass sie, wenn sie in ihr Leben zurückkehren, nur erneut vertrieben werden. Ob amerikanische Unterstützung und Zugang zu amerikanischer Großzügigkit ausreichen werden, um die Christen des Irak zu versorgen, ist eine offene Frage. Ein Beamter im US-Außenministerium, der unter der Bedingung nicht genannt zu werden sprach, weil er nicht autorisiert war von der Presse interviewt zu werden, sagte mir, die US-Bemühungen den religiösen Minderheiten des Irak zu helfen seien ohne Beispiel, könnten aber auch nicht nachhaltig sein. Die Gruppen im Nordirak gehören zu den vielen rund um die Welt, die Schutz durch die US-Regierung verdienen. Schlussendlich, sagte er, werden die USA auswerten müssen, ob es langfristig für die Stabilität im Irak tatsächlich einen Unterschied macht und ob nicht andere Orte und Völker mehr von diesen Investitionen benötigen.

Seit der US-Invasion im Irak haben regionale Mächte darum gewetteifert das Schicksal des Landes zu bestimmen und fast alle davon haben Anspruch auf die Ebene von Ninive erhoben. Im Norden ist Kurdistan, eine halbautonome Zone, die von der kurdischen ethnischen Minderhit des Landes kontrolliert wird. Territorium im Süden wird von Bagdad regiert, das aggressiv gegen die kurdische Autonomie vorgeht. Im Herbst 2017, um die Zeit, in der christliche Familien begannen in ihre Häuser zurückzukehren, beschlossen die Kurden ein Referendum, mit dem die komplette Unabhängigkeit vom Irak erklärt wurde. Bagdad schlug zurück, verbot internationale Flüge aus den Flughäfen Kurdistans und unternahm Schritte einiges der zwischen den biden Regionen unklaren Territorien zurückzuerobern, einschließlich Teilen der Ninive-Ebene. Das hat manche Christen auf dem Trockenen sitzen lassen: In der Stadt Betanya mussten Menschen, die gehofft hatten ihre Häuser nach der Niederlage von ISIS wieder aufzubauen, wieder fliehen, um den neuen Kämpfen zu entgehen.

Im Uhrzeigersinn von oben links: In der Stadt Karamles wird ein Haus gebaut; ein Bauarbeiter ght in ein katholisches Krankenhaus, das in Ankawa im Bau ist; die  Kathedrale des Heiligen Josef, Erzbischof Baschar Wardas Kriche, im Zentrum von Ankawa. (Aexandra Rose Howland)

Die Ost-West-Achse ist nicht weniger belastet. Im Westen liegt Syrien, wo bis vor kurzm die letzten Hochburgen des ISIS verblieben. Im Osten liegt der Iran, der ständig daran arbeitet seinen Einfluss beim langjährigen Nachbarn und regelmäßigen Rivalen auszuweiten und die Interessen der schiitischen Mehrheit des Irak zu fördern. Mit den Schiiten verbundene Gruppen haben in der Ebene von Ninive in den letzten Jahren an Einfluss gewonnen, während der Iran vorgeblich ein Interesse an dem Gebiet als strategischem Fuß in der Tür in dem Korridor bekommen hat, der durch Erbil und Mossul nach Syrien verläuft. Das hat die Christen mit der Angst zurückgelasen, dass ihr Heimatland zum Hauptziel der Bemühungen des Iran wird, im Nahen Osten zur dominierenden Macht zu werden. Im Mai befahl das US-Außenministerium die Evakurierung allen nicht unbedingt nötigen Personals aus der Botschaft in Bagdad – und dem Konsulat in Erbil – weil mögliche Angriffe aus dem Iran befürchtet wurden.

Inmitten dieses Konfliktknäuels dienen Christen und andere Minderheiten als Spielsteine von Spielern mit mehr Macht in der Region. Die Christen des Irak müsen ständig durch ein kompliziertes Netzwerk an konfessionellen und politischen Interessen navigieren. Einflussreiche Priester in Erbil, dem Sitz der kurdischen Regionalregierung, sind schnell dabei ihre kurdischen Nachbarn zu loben. Die KRG hat ein Interesse daran die religiösen Minderheiten innerhalb ihrer Territorien zu schützen; Teil der Appelle der Kurden an den Westen ist, dass sie toleranter und mehr dem Pluralismus verpflichtet sind als die Araber. Quert man aber die Linie in arabisch dominierte Teile des Irak und die Loyalität der Priester wechselt: Thabet sagte mir, er glaube das Land solle unter einheitlicher Kontrolle Bagdads stehen. Privat beschweren sich Christen auf beiden Seiten der Grenze über Misshandlung durch Araber wie Kurden, von der Beschlagnahme von Land bis zu dem, was sie als extremistische Predigten in lokalen Moscheen betrachten.

Diese regionalen Spannungen können auch Minderheitsgruppen zutiefst argwöhnisch gegeneinander werden lassen. Christliche Leiter in der Ebene von Ninive nehmen eine existenzielle Bedrohung durch eine Minderheitengruppe wahr, die in den letzten Jahren ähnlich Ziel war und marginalisiert wurde: die Schabak. Die kleine ethno-religiöse Gruppe ist synkretisch und divers, viele Mitglieder identifizieren sich als sunnitisch, schiitisch, arabisch, kurdisch oder eine Kombination davon. Wie andere Minderheiten im Irak waren die Schabak beträchtlichen Nöten ausgesetzt. Manche waren gezwungen sich in dem Konflikt zwischen arabischen und kurdischen Nationalisten zu entscheiden, was in den 1970-er Jahren begann und sie wurden in der Zeit von Saddam Husseins völkermörderischer Kampagne und Vergeltung gewaltsam bestraft. Nach Husseins Sturz wurden die Schabak, wie die Christen und die Jesiden, vom ISIS terrorisiert und vertrieben.

Aber in den letzten Jahren, behaupten christliche Leiter, fanden die Schabak im Iran einen mächtigen Helfer. Schabak-Führer haben Verbindungen zu dem nahen Schiiten-Regime bestritten und das US-Außenministerium hat keine eindeutigen Beweise gefunden, die die vorgeworfene Verbindung nahe legen, hieß es von dem Beamten. Trotzdem glauben christliche Leiter, das die Gruppe vesucht ihre Gemeinden aus der Ebene von Ninive zu verdrängen.

Zehn Minuten auf einer anarchischen Schnellstraße von Karamles entfernt liegt Bartella, eine weitere historisch chrisliche Stadt, von der Thabet befürchtet, sie könnte die Zukunft seiner eigenen Gemeinde repräsentieren. Traditionell haben ethnische Gruppen im Irak dazu tendiert innerhalb ihrer eigenen Städte zu verbleiben. Viele Jahre lang lebten die Schabak als Nachbarn der Christen in der Ebene von Ninive; das Tal um Karamles und Bartella ist gesprenkelt mit kleinen Schabak-Dörfern. Aber als die schiitischen politischen Parteien nach der US-Invasion im Irak zur Macht aufstiegen, begannen Schabak-Gruppen Grundeigentum in historisch christlichen Gebieten aufzukaufen – mit der Hilfe, glauben christliche Leiter, finanzieller Unterstützer aus dem Iran.

Christen, die nach Bartella zurückkehrten, berichten, dass das Leben in ihrer Stadt schwieriger geworden ist, als es vor der Besatzung durch ISIS war. Geschäfte haben wieder geöffnet, aber viele wollen keine Christen beschäftigen. Behnam Benoka, ein syrisch-katholischer Priester, sagte mir, dass eine Reihe Familien von Schikanen durch Schabak-Einwohnern berichteten, etwas, das in früheren Jahren höchst ungewöhnlich gewesen ist. Die zehnjährige Tochter einer Familie wurde auf dem Weg von der Schule nach Hause angegriffen und ihr wurden die Ohrringe gestohlen.

Die Familie des Mädchens lebt in einem leeren Block gegenüber von zwei abgebrannten Häusern. Ihr Haus wurde von ISIS zerstört; sie leben heute im Haus eines Verwandten und Fotografien ihres verlorenen Eigentums in einem Stapel farbenprächtiger Aktenordner. Sie sind sich in der Stadt zu bewegen, nervös, wenn sie ihr Töchter allein zur Schule schicken. Sie Träumen von Auswanderung nach San Diego, wo sie Familie haben.

Die Lage in Bartella ist immer in Thabets Hinterkopf, während er versucht seine Leute davon zu überzeugen nach Karamles zurückzukehren bzw. dort zu bleiben. Im Westen waren Integration und Diversität als löbliche Ziele betrachtet. Im Irak ist die Mentalität nach Angaben von Thabet anders. Die Schabak und die Chaldäer haben verschiedene Kulturen und Bräuche. Sie interprepieren soziale Hinweise und Gesten unterschiedlich. Sie sprechen verschiedene Sprachen. „Es ist für uns besser, wenn sie in ein anderes Dorf ziehen“, sagte mir Thabet.

Andernorts im Nahen Osten stehen Christen vor ähnlichen existenziellen Bedrohungen. In der Türkei übernimmt die Regierung eine aktive Rolle bei religiöser Unterdrückung. Armenische Christen leben mit fast täglichen Drohungen und Vandalismus durch Nachbarn, denen von der örtlichen Polizei Straffreiheit gegeben wird. In Ägypten erklärte Präsident Abdel Fattah al-Sisi seinen Wunsch Gewalt gegen und Diskriminierung von Christen zu verhindern, hat sich aber weithin als machtlos erwiesen dem nachzukommen. Er feierte vor kurzem die Eröffnung einer großen Kathedrale östlich von Kairo, wobei er zu Muslimen und Christen erklärte: „Wir sind eins und wir werden eins bleibn.“ Doch die Kopten, Ägyptens größte christliche Minderheit, sind im Verlauf der letzten Jahre Opfer regelmäßiger Bombenanschläge und Schüsse auf Menschenmengen geworden. An Palmsonntag 2017 töteten Explosionen an zwei Kirchen mehr als 40 Menschen. Im letzten November griffen islamische Militante Busse an, die durch die westliche Wüste fuhren; sie töteten sieben Menschen und verletzten weitere.

Obwohl der Status von Minderheiten in der Region sich unterscheidet, haben diese Fälle eine wichtige gemeinsame Qualität. Sie alle fanden in Ländern statt, die manchmal eine einzige religiöse Identität betonen. Diese Länder versäumten es die Rechte von Minderheiten zu schützen, so sie das überhaupt versuchten. Christen wie auch andere religiöse Minderheiten in der Region werden mit derselben unmöglichen Wahl zurückgelassen, mit der Catrin und Evan vor Jahren rangen: bleiben oder weggehen. Familien müssen abwägen zwischen dem Wunsch in ihren Heimen zu – und damit den Heimen ihrer Vorfahren – zu bleiben und dem Wunsch frei von Diskriminierung und Furcht zu leben.

Für Christen, die in einer Kirche mit so starkem Gefühl für den Ort aufgewachsen sind, bringt Umzug die furchtbare Möglichkeit auf, dass sie eine wsentliche Verbindung zu ihrem Glauben verlieren. An einem Sonntagmorgen im letzten Herbst schloss ich mich Catrin und Evan bei der Messe der Madonna der immerwährenden Hilfe an, einer großen chaldäisch-katholischen Kirche in Detroit. Die Metro Area ist Heimat der größten chaldäischen Diaspora-Gemeinde der Welt: 160.000 Christen aus dem Irak leben dort nach Angaben der chaldäisch-amerikanischen Handelskammer. Nahöstliche Christen, die anderen Traditionen zugehören, z.B. der assyrischen Kirche des Ostens, sind in um um die Stadt ebenfalls vorhanden, zusammen mit einer großen Zahl irakischer Muslime.

Catrin und Evan besuchen die Madonna der ewigen Hilfe, eine große chaldäisch-katholischen Kirche in Detroit (Elaine Cromie)

In der Lobby der Kirche tummeln sich Familien, einschließlich Frauen, die dieselben zarten Spitzentücher für die Haare tragen, wie die Frauen im Irak, bestickt mit den Namen von Pilgerorten wie Lourdes und Jerusalem. Die Priester wechselten zwischen Arabisch und Sureth, segneten die Eucharestie in einer sprache, die der uralten Zunge ihres Erlösers nahe ist. Catrin sagte mir, dass viele der Kinder in der Gemeinde, auch ihre eigenen, Englisch, Arabisch und Sureth sprechen, aber Familien manchmal damit kämpfen ihre Muttersprache an ihre Kinder weiterzugeben. Das gleiche könnte für ihren Glauben gelten. Catrins Sohn Ayoob, jetzt 17 alt, sagte mir, die meisten seiner Freunde in der Schule seien Chaldäer, aber nur wenige von ihnen gehen zur Kirche. Er ist nicht sonderlich interessiert an Religion, sagt er, und findet die Messe lang und langweilig. Am Morgen, an dem ich zu Besuch war, gingen Catrin und Evan alleine zur Kirche.

An das Leben in Amerika gewöhnen sie sich langsam. Zuerst konnte Catrin Englisch kaum verstehen, ganz abgesehen vom Akzent in Michigan. Evan übersetzte für sie im Walmart oder bei Meijer, einer Lebensmittelkette im Mittleren Westen, obwohl er inzwischen verlegen zugibt, dass seine Übersetzungen manchmal nicht richtig waren. Nach vier Jahren waren sie in der Lage ein bescheidenes Haus zu kaufen, das Evan mit der Hilfe von Verwandten und Freunden renovierte. Sie versuchen für Möbel zu sparen; als ich zu Besuch war, war der einzige Gegenstand in ihrem Wohnzimmer eine Topfpflanze.

Catrin und Evan sagten mir, sie vermissen Karamles ungemein; der Geruch der Luft im Frühling, der Geschmack des im dortigen Boden gezogenen Gemüses, die Schönheit seiner für Weihnachten herausgeschmückten Straßen. Am meisten vermissen sie die Menschen. Das Leben in Karamles ist weitgehend um die gesellschaftlichlen Kontakte mit Familie und Nachbarn herum organisiert; Catrin verbrachte Stunden mit Gesprächen und Lachen mit ihren Freundinnen. Nachbarn und Cousins saßen in Reihen vor den Geschäften, sammelten Nachrichten und schüttelten Passanten die Hände. In Detroit, sagte Evan, hat er festgestellt, dass die meisten Menschen beschäftigt sind und in ihren eigenen Häusern bleiben. Catrin arbeitet in Teilzeit und er arbeitet Überstunden, um genug Geld zu verdienen, damit sie ihre Hypothek und die Steuern bezahlen können. Sie bestehen jedoch darauf, dass den Irak zu verlassen die richtige Entscheidung war. „Ich glaube, dass jeder den Irak verlassen sollte“, sagte Catrin mir. „Es ist unsicher. Du weißt einfach nicht, was passieren wird.“

Sie weiß jedoch nicht, ob ihr Bruder jemals weggehen wird. Solange es in Karamles eine christliche Gemeinde gibt, glaubt Thabet, es sei seine Pflicht dort zu bleiben. „Er ist eine Führungspersönlichkeit“, sagte Evan. „Der Anführer kümmert sich um alle. Das ist der Unterschied zwischen mir und ihm.“

Thabet empfindet eine Verantwortung die Stadt wieder aufzubauen und in der nächtsen Generation ein Gefühl des Stolzes auf ihre Geschichte. Aber er weiß um Gefahren im Irak zu bleiben und die Grenzen seiner Macht die Gemeinde intakt zu halten. Seit Catrin in die USA ging, haben weitere Geschwister Karamles verlassen. Eine Schwester ging nach Jordanien. Eine weitere blieb in Erbil, nachdem sie vor ISIS floh. Sie hat Angst nach Hause zu gehen.

Nach einer vierstündigen Messe versammeln sich Einwohner von Karamls auf dem zentralen Platz, um zu Ostern gefärbte Eier aufzubrechen. (Alexandra Rose Howland)

Rund 56 km nordwestlich von Karamles schmiegt sich eine Sadt namens Alqosh an die Berge, die den Irak von der Türkei trennen. Für Christen in der Ebene von Ninive ist Alqosh ein Ort nationalen und religiösen Stolzs, eine Zwischenstation für wichtige Menschen der antiken christlichen Welt, die einige hier in ihrer Bedeutung mit Jerusalem oder Rom vergleichen.

Es gibt zu Alqosh eine weitere Geschichte. Weiter die sich windende Straße der Stadt entlang liegt ein Grab, das Nahum gehören soll, einem biblischen Propheten, von dem man glaubt, er habe in im siebten Jahrhundert v.Chr. in der Region gelebt. Unabhängig davon, ob er tatsächlich dort bestattet wurde oder nicht, beten Juden an diesem Ort. Das Gebäude war eine Synagoge und die Wände sind mit hebräischer Schrift bedeckt. Eine Gravur in einem Stein verspricht: „Dies wird für immer deine Bleibe sein.“

Juden lebten Jahrhunderte lang in Alqosh und tausende Jahre im Irak, wenn auch der Priester, der mich herumführte, Vater Araam, sie nur aus Geschichten kannte. Der babylonische Talmud, der der wichtigste Text des rabbinischen Judentums ist, wurde hier geschrieben. Dann verschwanden die Juden innerhalb einiger wenigen Jahre. Fast alle der im Irak verbliebenen Juden wurden in den späten 1940-er Jahren und Anfang der 1950-er Jahre unter intensivem politischen Druck und Mob-Gewalt richtiggehend aus dem Land vertrieben.

Priester in der Ebene von Ninive betrachten diese Geschichte als Warnung. Auch ihre Gemeinden könnten eines Tags nichts weiter als zugewucherte Gräber sein. Wenn Christen weiterhin die Ebene von Ninive und andere derartige Bereiche verlassen, wird eine beeindruckende Geschichte zu Ende gehen. In der in den USA vorherrschenden protestiantischen Denkweis ist der Leib der Kirche dort, wo immer die Menschen sind. Aber für die uralten christlichen Gruppen im Irak gilt das nicht. Die Menschen, die ich dort traf, erinnerten mich ständig daran, dass die assyrische Kultur dort vor dem Christentum gegründet wurde. Sie weisen auf die Reste antiker Aquädukte und Siedlungshügel hin, Belege für das Imperium, das einst in dieser Region blühte.

Für sie ist das Christentum nicht nur ein Glaube. Es ist Bindung an einen Ort, eine Sprache, eine Nationalität. Verstreut über Länder und Kontinente kann dieses Identitätsgefühl – als Volk, nicht nur als Mitglieder einer Religion – viel schwieriger aufrecht zu erhalten. Das Schicksal der Ebene von Ninive zu sichern, ist entscheidend „um unsere Identität, unser väterliches Erbe, unsere Sprache zu schützen“, sagte mir Thabet. „Wir sind das Urvolk des Irak.“

Warum die USA die Kriegsregeln verwerfen

Daniel Pipes, New York Post, 22. Juli 2003

„Seit den Ereignissen vom 11.9.“, beobachtet Amerikas beherrschender Philosoph zum 11. September, „hat sich die politische Debatte in den USA hauptsächlich auf eine Gruppe von Problemen konzentriert – den radikalen Islam und den Krieg gegen den Terrorismus, den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern und Massenvernichtungswaffen in den Händen von Saddam Hussein im Irak.“

Wir fühlen, dass diese drei Probleme miteinander verbunden sind, notiert Harris in einem Artikel auf TechCentralStation.com; aber wir können nicht so ganz herausfinden, wie. Er schlägt eine subtile Verbindung zwischen diesen scheinbar grundverschiedenen Fragen vor – und das ist explizit nicht ihre gemeinsame muslimische Identität. Sie hat vielmehr mit ihrer unverdienten Macht zu tun.

„Alle vorherigen Bedrohungen in der Menschheitsgeschichte hatten ein gemeinsames Element. Sie wurden von historischen Gruppen ausgeübt, die – physisch wie kulturell – Waffen geschaffen hatten, die sie nutzten, um ihre Feinde zu bedrohen.“ Staaten erzielten Macht durch ihre eigene Arbeit und Opfer, durch die Entwicklung ihrer eigenen Wirtschaft, Ausbildung ihrer eigenen Truppen und Aufbau ihres eigenen Waffenarsenals.

Dasselbe kann nicht über die Bedrohung gesagt werden, die von der muslimischen Welt ausgeht.

Al Qaida zerstört Flugzeuge und Gebäude, die sie selbst nicht zu bauen in der Lage wären. Die Palästinensische Autonomiebehörde ist auf jedem Gebiet gescheitert, außer beim Töten von Israelis. Saddam Husseins Irak wurde gefährlich, weil er mit Geld aus dem Westen überschüttet wurde, um Öl zu bezahlen, das die Irakis weder entdeckt noch gefördert hatten.

Wie hat es dieses Trio trotz seiner generellen Inkompetenz geschafft, den Verlauf des Geschehens zu führen, als wären sie Mächte im traditionellen Verständnis?

Harris antwortet, dass die Ursache dieser Anomalie die ist, dass der Westen nach einem strikten Regelwerk spielt, während er Al Qaida, den Palästinensern und Saddam Hussein erlaubte ohne Regeln zu spielen. WIR halten uns nach den Standards des über die Jahrhunderte verfeinerten zivilisierten Umgangs zurück; SIE betreiben maximale Rücksichtslosigkeit.

Hätten die Vereinigten Staaten in gleicher Weise auf den 11. September reagiert, erzählt mir Harris, wären die heiligen Stätten des Islam zerstört worden. Wären die Israelis dem Arafat-Modell des Blutrünstigkeit gefolgt, gäbe es jetzt in der Westbank und im Gazastreifen keine Palästinenser mehr. Hätte sich der Westen gegenüber dem Irak verhalten, wie es der Irak gegenüber Kuwait tat, wäre das irakische Staatswesen lange annektiert und seine Ölreserven konfisziert worden.

Während das moralisch lobenswert ist, argumentiert Harris, hat es einen hohen und weiter steigenden Preis, dass der Westen auf die muslimische Rücksichtlosigkeit nicht mit gleicher Rücksichtslosigkeit antwortet. Es erlaubt den muslimischen politischen Extremisten der verschiedenen Sorten die Fantasie, dass sie ihre Macht erworben hätten, während diese in Wirklichkeit ausschließlich aus der total zivilisierten Zurückhaltung des Westens erwächst.

Dieses Durcheinander lässt die muslimischen Extremisten sich in dem Fehler schwelgen, dass ihre Erfolge eine höhere Tugendhaftigkeit oder sogar Gottes Hilfe bedeuten. Sie nehmen im Gegenteil die Zurückhaltung des Westens als ein Zeichen seiner Dekadenz wahr. Solche Fantasien, macht Harris geltend, nähren sich aus sich selbst, führen zu immer wahnsinnigerem und gefährlicherem Verhalten. Westler sorgen sich um die Sicherheit von Stromnetzen, Computerfehlern und Wasser-Reserven; kann ein atomarer Angriff auf eine westliche Metropole so weit entfernt sein? Mit anderen Worten: Westliche Zurückhaltung isoliert dessen Feinde von den verdienten Konsequenzen ihrer Taten und ermutigen so unabsichtlich ihr schlechtes Verhalten.

Für den Westen bedeutet die Umkehr dieses Prozesses weit rauere Mittel als er zu benutzen vorzieht. Harris, Autor eines weit denkenden Buches über diese allgemeine Frage, das Anfang 2004 bei Free Press heraus kommt, besagt, dass das Alte Europa und die meisten Analysten es versäumt haben, die Erfordernis des Wechsels zu begreifen. Allerdings hat die Bush-Administration das herausgefunden und hat auf mehrere Arten begonnen hat ungerührt einen grundlegenden Bruch mit den Beschränkungen der Vergangenheit durchgeführt:

  • Präventiv vorgehen: Ausschalten von Führungs-Fantasten (den Taliban, Saddam Husseins, Yassir Arafats), bevor sie mehr Schaden anrichten können.
  • Wiederherstellen: Ihr Staatswesen abbauen, dieses dann mit zivilisierten Richtlinien wiederherstellen
  • Durchsetzung von zweierlei Maß: Handle aufgrund der Voraussetzung, dass es der US-Regierung allein „gestattet ist, Gewalt gegen andere anzuwenden, die keine Gewalt benutzen dürfen.“

Kurz gesagt: Bis die, die Harris die „islamischen Fantasten“ nennt, nach den Regeln spielen, muss Washington bereit sein, wie sie zu handeln: ohne Regelwerk.

Dieser Appell an Amerika, weniger zivilisiert zu handeln, wird bei manchen Anstoß erregen; aber er bietet eine überzeugende Erklärung für die innere Logik von Amerikas harter, neuer Außenpolitik.

Seltene Filmaufnahme des Muftis, wie er Hitler trifft

Point of No Return, 23. November 2016

Salim Fattal war der Leiter von Israels arabischem Fernsehsender in den 1960-er Jahren und erstellte eine Serie über die Juden des Irak. Diese Sendungen (auf Hebräisch und Arabisch) enthält einige faszinierende Szenen eines Gottesdienstes in der Meir-Tweg-Synagoge (der letzten aktiven Synagoge in Bagdad). Fattal interviewte 100 Juden zu ihren Erfahrungen in der Farhud, dem Massaker von 1941.  Selbst ohne die Sprache zu verstehen ist der es wert angesehen zu werden, denn er enthält seltene Aufnahmen des Muftis von Jerusalem, wie er Hitler trifft.

Das Vietnam des Mittleren Ostens?

Wenn wir Berichte aus dem Irak bekommen, dann wird gerne der Vergleich mit Vietnam heraufbeschworen. Das ist ein Sumpf, heißt es, aus dem die USA nicht herauskommen. Wieso das so ist? Keine sonderliche Begründung. Maximal bekommt man zu hören, dass es die „Aufständischen“ gebe, den „Widerstand“ der Iraker gegen die Besatzer.

Ist das wirklich so? Wir haben genügend Berichte, dass haufenweise Terroristen – sorry, „Widerstandskämpfer“ – aus aller (muslimischen) Herren Länder sich dort herumtreiben. Besonders sind es dann Leute, die aus dem Iran oder Syrien einsickern und haufenweise – Iraker ermorden. Das dürfte wohl ein entscheidender Unterschied zu Vietnam sein.

Inwiefern die Iraner und Syrer sonst noch mitmischen, wird bei uns gerne ignoriert. Berichte gibt es praktisch nicht (die US-Medien sind nicht unbedingt viel besser). Dabei zeigt sich, dass es einen Vergleich mit Vietnam tatsächlich gibt: Dort war die chinesische Grenze das absolute Tabu – so sehr, dass die US-Luftwaffe schon deutlich vorher kehrt machte. Dabei waren die Chinesen und die Sowjets diejenigen, die den Konflikt am Leben hielten – dem Vietcong Waffen und sonstiges Material lieferten, ihnen logistische Unterstützung und selbst Truppen zur Verfügung stellten. Eine derartige Unterstützung bekommen die „Aufständischen“ im Irak auch, vor allem vom Iran. Dass die Amerikaner bereits eine ganze Reihe iranischer Soldaten und Offiziere im Irak „gefunden“ haben (als Leichen nach Kämpfen mit „Aufständischen“, aber auch als lebende Gefangene), weiß in Europa praktisch niemand – wenn es nicht sogar abgestritten wird.

Es sieht also zur Zeit so aus, als könnten im Irak geschehen, was will – aber wir erfahren nur die schlechten Neuigkeiten. Und die sonst „passenden“. Wie der Iran und Syrien den Krieg gegen die irakische Zivilbevölkerung schüren, das wird verschwiegen.

Gerade diese Woche gibt es wieder solche Nachrichten, die man sich in Blogs zusammensuchen muss, selbst wenn sie von Nachrichtenagenturen berichtet werden. Eine davon besagt zum Beispiel, dass ein LKW aufgebracht wurde, der aus Syrien kam. In ihm wurden 200 Sprengstoffgürtel gefunden. Der Fahrer des LKW weigert sich den Behörden seinen Namen oder seine Nationalität zu geben. Was die Behörden wie das amerikanische Militär zum Anlass nehmen darauf hinzuweisen, dass 70 Prozent der Terroristen über Syrien in den Irak kommen und 90 Prozent der Anschläge von außerhalb des Irak stammenden Al-Qaida-Leuten ausgeführt werden.

Hier sind solche Angaben „natürlich“ lediglich Behauptungen – so sie denn überhaupt zur Kenntnis genommen werden. Denn „Experten“ lehren uns, dass
a) Al-Qaida als Sunniten von den Iranern nicht unterstützt wird und
b) dass das „säkulare“ Baath-Regime in Damaskus keine religiösen Fanatiker unterstützt.
Wie bringen diese Herrschaften das mit folgender Meldung auf die Reihe:

US-Truppen im Irak entdecken weitere im Iran hergestellte Waffen

Und dann folgt die in diesem Fall noch „harmlose“ Aufzählung, wie sie fast täglich möglich ist: drei iranische Handgranaten, militärische Uniformen, 40 Mörserhülsen mit Durchmessern von 40 bis 81mm.

Die Koalitionsstreitkräfte haben es mit militärischen Aktivitäten aus Syrien und dem Iran zu tun. Die Regime in Damaskus und Bagdad führen aktiven Krieg gegen sie. Aber sollten z.B. die Amerikaner gegen einen dieser beiden Kriegsteilnehmer vorgehen, wird – vor allem die europäische Welt – Zeder und Mordio brüllen, wegen des kriegslüsternen George Bush und der Verletzung der Souveränität dieser beiden Terrorstaaten.

Die Verletzung der Souveränität des Irak steht nicht zur Debatte. Genauso wenig wie die Verletzung des Rechts der irakischen Bevölkerung auf die Unverletzbarkeit ihres Lebens.

Die Terroristen sind Freiheitskämpfer und Aufständische (obwohl sie nicht aus dem Irak kommen). Diejenigen, die für Frieden und Freiheit sorgen wollen, sind die Bösen – noch eine (Teil-) Parallele zu Vietnam.

Die Diebe des verschollenen Archivs

Schickt die geretteten Schätze der irakischen Juden nicht zurück nach Bagdad!

Sarah Y. Aharon, Jerusalem Post, 23.10.13 (Übersetzung von Cora, danke)

Im Jahr 2003 stolperten 16 amerikanische Soldaten über eine verschollene Schatzkiste mit tausenden Dokumenten, die einst der jüdischen Gemeinschaft des Iraks gehörte.

Dieses seltene Material, das eigentlich in Synagogen oder privaten jüdischen Haushalten aufgehoben werden sollte, fand man in einem schimmeligen, unter Wasser stehenden Keller des Muhkabarat, der gefürchteten Geheimpolizei Saddam Husseins.

Die heute als das „Irakisch-Jüdisches Archiv“ bekannte Sammlung, beinhaltete „2700 jüdische Bücher und über zehntausend Dokumente in Hebräisch, Arabisch, Judeo-Arabisch und Englisch, datiert von 1540 bis in die 1970er Jahre“, einschließlich einer Bibel von 1568 und einigen Thora-Rollen, so das Nationalarchiv in Washington.

Direkt nach der Entdeckung im Irak stellten die Konservierungsteams des Nationalarchivs fest, dass Bagdad nicht die notwendigen Möglichkeiten habe um diese Dokumente zu bewahren, einschließlich der Temperaturkontrollen.

Die irakische Regierung erlaubte daher den Amerikanern die Sammlung zur Konservierung in die USA zu bringen, aber nur unter der Bedingung, dass sie schließlich nach Bagdad zurückkehre.

Die derzeit festgesetzte Rückkehr in den Irak soll im Juni 2014 stattfinden, in weniger als einem Jahr.

Der Gedanke einer permanenten Rückkehr der über tausend jüdischen Gegenstände in den Irak ist absurd. Noch immer gibt es Gewalt im Überfluss im Irak, es wird dort keine angemessenen Maßnahmen zum Erhalt oder Zugänglichkeit für dieses Archiv geben.

Ich frage mich, ob es überhaupt ein interessiertes Publikum im Irak gibt oder passende Rahmenbedingungen sie im Kontext darzustellen, in Anbetracht der Tatsache, dass heute nur noch weniger als ein Dutzend Juden im Irak leben und die Iraker, die diese Sammlung besuchen würden, haben sicher noch nie einen Juden kennengelernt.

Die Entdeckung dieses jüdisch-irakischen Archivs betrifft mich persönlich; mein Großvater wurde in eine jüdisch-irakische Familie hinein geboren und wuchs in Bagdad auf. Seiner Familie wurde, wie dem Rest der Bagdader jüdischen Gemeinschaft, in den frühen 1950ern erlaubt mit der israelischen Luftbrücke zu emigrieren, aber nur wenn sie auf ihre Staatsbürgerschaft und ihren gesamten Besitz verzichteten.

Glücklicherweise war mein Großvater dennoch in der Lage sein Studium an der medizinischen Fakultät der amerikanischen Universität Beirut zu beenden und er wurde Kinderarzt.

Aber der Pass meines Großvaters wies ihn, nachdem er den Irak verlassen hatte, als einen „Staatenlosen“ aus. Das bedeutete, dass die über 100.000 Menschen starke jüdische Gemeinschaft des Iraks ihres gesamten Besitzes und ihrer Nationalität beraubt worden war. Sie verließen das Land ihrer Herkunft und gehörten nirgendwo mehr hin.

Die bemerkenswerte Entdeckung des Archivs der Bagdader Juden ist nicht das erste Mal, dass jüdisches Material im Mittleren Osten und Zentralasien ans Tageslicht kommt. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Kairoer Geniza, eine Sammlung von tausenden dokumentarischen Fragmenten, viele aus dem Mittelalter, die in der Ben Ezra Synagoge der Stadt gefunden wurden. Die Kairoer Geniza wurde in großem Umfang 1890 von dem Gelehrten Solomon Schechter nach England gebracht.

Geniza bedeutet ein verborgenes Behältnis in dem die jüdischen Gemeinden ihre schriftlichen Unterlagen, vom religiösen Text bis zu privater und geschäftlicher Korrespondenz, so handgeschriebene Briefe oder rechtliche Vereinbarungen, aufbewahrten.

Und erst vor ein paar Jahren wurden die Gelehrten durch die Entdeckung jüdischer Dokumente in Afghanistan verblüfft, die 1000 Jahre alt waren. Diese afghanische Geniza, von der man annimmt, dass sie 200 Dokumente enthielt, war schon unter den Händlern für Antiquitäten rund um die Welt verteilt, als die Presse von diesem Fund hörte. Das Israel Museum in Jerusalem unternimmt nun alles, um die afghanischen Stücke zu bekommen und diesen Januar gelang es ihm glücklicherweise 29 Dokumente von Antiquitätenhändlern käuflich zu erwerben.

Funde dieser Art führen unweigerlich zu der Frage, wem diese Sachen wirklich gehören. Wer hat das Anrecht auf dieses kulturelle Erbe?

Bagdad argumentiert, dass das jüdische Archiv dem Irak gehört, da die Sammlung im Land gelagert war. Aus dieser Perspektive sind die Amerikaner, wenn sie die Sammlung behalten, die Diebe und nicht die Retter, dieses verschollenen Archivs.

Für die irakischen Juden dagegen – den eigentlichen Besitzern des Materials und deren Nachkommen – ist die irakische Regierung der eigentliche Dieb, die Partei, die ihnen ihre Nationalität gestohlen hatte, ihren Besitz und ihre geschriebenen Schätze.

Die amerikanische Regierung sollte keinen Präzedenzfall schaffen, indem sie jüdische Artefakte, die im Mittleren Osten und Zentralasien entdeckt werden, in von Kriegen erschütterte Gebiete zurückschickt, vor allem nicht in das derzeitigen Durcheinander, das dem „arabischen Frühling“ folgte.

Wenn wir plötzlich von Jahrhunderte alten jüdischen Dokumenten in Aleppo hörten, und diese würden zur Konservierung nach Amerika gebracht, würde man in Amerika ernsthaft darüber nachdenken, dieses wertvolle Material nach Syrien zurückbringen? Die Manuskripte, Dokumente und die heiligen Bücher des jüdisch-irakischen Archivs, jene, die 500 Jahre alt sind ebenso wie jene, die 50 Jahre alt sind, gehören echten Menschen: Jüdischen Menschen. Sie und ihre Angehörigen könnten immer noch am Leben, um Anspruch darauf zu erheben.

Das Nationalarchiv stellt nun 24 dieser irakisch-jüdischen Artefakte in seiner neuen Ausstellung „Discovery and Recovery: Preserving Iraqi Jewish Heritage“ aus, die Anfang des Monats eröffnete und bis zum 5. Januar 2014 dauert. Für diejenigen, die diese Ausstellung nicht besuchen können, plant das Nationalarchiv eine „spezielle Webseite zu eröffnen, die ab Herbst online jedem zugänglich sein und dieses historische Material zeigen wird, sobald es digitalisiert und katalogisiert ist.“ Anscheinend ist dieses Digitalisierungsprojekt dazu gedacht, jene zu beruhigen, die zornig sind und sich darüber aufregen, dass man das jüdische Archiv dem Irak zurückgeben will.

Ich bin dem Nationalarchiv aus tiefstem Herzen dankbar dafür, dass es das jüdisch-irakische Archiv gerettet hat. Aber es ist nicht damit getan die Sammlung zu digitalisierten. Es ist natürlich ein nobles und wichtiges Unterfangen, aber eigentlich unnötig, wenn diese hunderte Jahre alten Dokumente sicher in den USA verbleiben.

Was ist, wenn dieses Archiv das Tagebuch meines Großvaters beinhaltet? Was, wenn die Briefe meiner Urgroßmutter vor der Zerstörung gerettet wurden? Warum soll ich niemals in der Lage sein, ihre Werke zu sehen und zu berühren? Die gesamte Sammlung muss für immer in den Vereinigten Staaten oder in Israel verbleiben. Eine jüdische Institution wäre das Beste, ist aber nicht unbedingt nötig. Wenn das Material der jüdischen Iraker im Nationalarchiv verbleiben könnte, wäre ich überglücklich.

Ich schreibe dieses Op-Ed als besorgte amerikanische Frau mit aschkenasischen und sephardischen Wurzeln aus so ziemlich allen jüdischen Gemeinschaften rund um die Welt. Unsere Familie entkam den Pogromen im russischen Polen zur Jahrhundertwende und sie überlebten das Pogrom an den Juden in Bagdad 1941, das sogenannte Farhud.

Ich schreibe dieses Op-Ed für meinen Großvater.

Ich schreibe dieses Op-Ed als eine Forscherin der modernen jüdischen Geschichte, die sehr genau um die Schwierigkeiten weiß, neue Informationen aus dem Mittleren Osten und Zentralasien aus erster Hand zu finden, ganz zu schweigen davon, sie zu übersetzen.

Das entscheidende Ziel ist, das jüdische Archiv nicht in den Irak zurückzuschicken, wo es keinerlei Sicherheit gibt und keinen offenen Zugang für Gelehrte, Forscher oder Interessierte aus aller Welt. Ich schreibe dieses Op-Ed als Nachkomme der lebendigen Gemeinschaft aus dem Irak Vertriebener, einem Land, das wohl den jüdischen Besitz haben will, aber keine jüdischen Bürger.

Die Mujaheddin-e-Khalq des Irak umsiedeln

Daniel Pipes, weblog, 28. Februar 2012 (NRO: The Corner)

Es droht eine Tragödie, weil die irakischen Autoritäten damit drohen bis zum 30. April 3.400 Iraner, Mitglieder der Mujaheddin-e-Khalq, gewaltsam zu vertreiben. MeK-Mitglieder fürchten zurecht um ihr Leben, wenn sie über die Grenze gedrängt werden, denn das Regime im Iran kriminalisiert die Mitgliedschaft im den MeK und verabscheuen die Organisation, die sein entschiedener Feind sind.

Etwas Hintergrund: Saddam Hussein verbündete sich mit der MeK (auch als Organisation der Volksmudschaheddin des Iran bekannt) gegen den gemeinsamen Feind in Teheran. Nach der von den USA geführten Eroberung des Irak 2003 erwarben im Irak lebende MeK-Mitglieder den Status „geschützter Personen“ und kamen in einen politischen Schwebezustand, weder Freund noch Feind der Besatzungsmacht zu sein. Mit dem schrittweisen Rückzug der US-Truppen und den zunehmend engen Verbindungen zwischen den Regierung des Irak und des Iran verschlimmerte sich die Lage für die MeK deart, dass irakische Truppen im April 2011 Camp Ashraf angriffen, seit 1986ihr irakisches Zuhause; 34 Menschen wurden getötet und 325 verletzt.

Kühlere Köpfe obwalteten nach diesem gefährlichen Aufflammen. Mit Genehmigung der US-Regierung unterschrieb Bagdad im Dezember 2011 eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding/MoU) mit den Vereinten Nationen. Darin verpflichtete sich die Regierung des Irak die Einwohner des (inzwischen in Camp New Iraq umbenannten) Camp Ashraf in eine Übergangsunterkunft zu verlegen, in der das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) den Prozess der Überführung von MeK-Mitgliedern im Irak in den Flüchtlingsstatus beginnen kann – ein notwendiger erster Schritt zur Wiederansiedlung außerhalb des Irak.

Mit diesem Ziel verließen rund 400 MeK-Mitglieder am 18. Februar freiwillig Camp Ashraf und zogen nach Camp Liberty um, eine ehemalige US-Militärbasis. Ihre Verlegung wurde aber durch Drohungen der irakischen Streitkräfte, Belästigungen durch Elemente der iranischen Revolutionsgarden und ungastliche Lebensbedingungen sowie ständige Polizeiüberwachung innerhalb des Camp Liberty ruiniert.

Dieser Schritt warf Zweifel zu den Absichten der irakischen Regierung auf und schuf einen Besorgnis erregenden Präzedenzfall. Desweiteren gibt es keine klare Einsicht darin, wie die MeK-Mitglieder innerhalb von zwei Monaten in den Flüchtlingsstatus überführt werden sollen, ganz zu schweigen vom Endziel der Wiederansiedlung außerhalb des Irak wie des Iran.

Hier folgen einige praktische Empfehlungen an Washington, das die von den Tyrannen in Teheran am meisten gefürchtete Organisation nicht im Stich lassen darf:

·         Gründung einer Kontaktgruppe gemeinsam mit dem UNHCR, der irakischen Regierung und Repräsentanten der MeK, um deren Mitglieder, die Camp Ashraf verlassen, zu schützen, wie es im MoU vom Dezember vereinbart wurde.

·         Druck auf den UNHCR ausüben, um den Überführungsprozess rasch durchzubringen.

·         Der MeK das ungerechtfertigte Etikett der Terrororganisation nehmen, wie es die Europäische Union bereits getan hat. Regierung wie auch private Quellen legen keine Beweise dafür vor, dass die MeK Terroraktivitäten betreibt oder die Kapazitäten oder Absicht hat, das zu tun. So hat zum Beispiel der irakische Ministerpräsident Nouri Maliki die schlechte Behandlung iranischer Dissidenten mit der Ausweisung der MeK als Terrorgruppe in Zusammenhang gebracht; und das Terror-Etikett lässt verständlicherweise Drittländer zögern MeK-Mitglieder zur Wiederansiedlung aufzunehmen.

·         Suche nach kulturell ähnlichen Gastgebern für MeK-Mitglieder, vielleicht Persisch sprechende Länder (wie Tadschikistan oder Afghanistan) oder muslimische Länder des Nahen und Mittleren Ostens, die der Islamischen Republik Iran feindlich gegenüber stehen (wie Saudi-Arabien oder die Kleinstaaten des Persischen Golfs).

Diese Schritte bieten einen Weg die MeK-Mitglieder wieder anzusiedeln und eine akut bevorstehende menschliche Tragödie vor dem drohenden Stichtag des 30. April zu lösen.